{"numero_id": "bm-bmtnabi-1863-11-07-01", "volume": "bmtnabi_1863-11-07_01", "ocr_sha256": "37b261dc9761834dcbb1a841765641b6f0e9e24e20e79e30ce427cb1e3d50785", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1863/11/07_01/bmtnabi_1863-11-07_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631107-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1863-11-07-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-11-07_01#c001", "volume": "bmtnabi_1863-11-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "353", "page_fin": "353", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631107-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "353", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631107-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 473, "texte": "Inhalt.\nUeber den Einfluss der Zeit und der Umstände auf die jetzige Musik. Christian Friedrich Nohr (Lebensskizze).\nYon s. Die Musik in Honolulu. Richard Wagner über das Operntheater in Wien. Ein Oratorium von Joseph Haydn. Tages-\nund Unterhaltungsblatt (Frankfurt am Main, Concert von Frau Clara Schumann, Fräulein Pauline Wiesemann, Herr Ed. Eliason\nLeipzig, die beiden ersten Gewandhaus-Concerte Görlitz, Concert von Karl Klotz Der letzte Nachkomme Orlando di Lasso's)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-11-07-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-11-07_01#c002", "volume": "bmtnabi_1863-11-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "353", "page_fin": "356", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631107-01.2.2", "titre_corps": "Ueber den Einfluss der Zeit und der Umstände auf die jetzige Musik.", "titre_sommaire": "Ueber den Einfluss der Zeit und der Umstände auf die jetzige Musik.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "353", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631107-01.1.1", "debut_caractere": 475, "fin_caractere_exclue": 4140, "texte": "Ueber den Einfluss der Zeit und der Umstände auf\ndie jetzige Musik.\nDas Zeitalter der grossen Musik wie der grossen Ma-\nlerei ist gewesen: darüber kann bei Unbefangenen kein\nZweifel obwalten. Statt der grossen Musik, welche allein\nfür Verstand und Gefühl geschaffen wurde, haben wir die\ngrelle, statt der kunstvollen die rohe, ja, wie genug Bei-\nspiele zeigen, statt der schönen die hässliche Musik, deren\nZiel die Aufregung der Nerven durch Wirkungen des\nRhythmus, des Klanges und der dissonirenden Harmonieen\nist. Wober kommt das? Hat die Welt das Urtheil über\nMusik oder gar die Empfänglichkeit dafür verloren? Kei-\nneswegs; denn neben den Irrthümern der Componisten\nunserer Zeit geht bei dem unzweifelhaft'grössten Theile\nder gebildeten Zuhörerschaft eine so richtige und weit-\nverbreitete Würdigung der Werke der grossen Meister\nvon Bach bis Mendelssohn nebenher, dass diese Erschei-\nnung eine Anomalie bildet, welche man für unmöglich\nhalten sollte.\nEs ist keine Frage, dass man, um die erste Veran-\nlassung zu der Richtung der neueren Musik auf das Grelle\nzu suchen, auf den Anstoss zurückgehen muss, den die\nfranzösische Revolution auch den Ansichten über die\nKunst gab.\nDas Streben, in den staatlichen und socialen Zustän-\nden aufzuräumen, beschränkte sich nicht auf diese, wo es\nseine volle Berechtigung hatte, es drang auch in die Werk-\nstätten der Kunst ein und verwirrte die Grundsätze über\ndas Schöne. Liest man Reden und Schriftstücke von fran-\nzösischen Musikern jener Zeit, und vergleicht dann die An-\nsichten, Hoffnungen und Vorschläge, welche Richard Wag-\nner in seinem „ Drama der Zukunft\" und neuerdings in den\nSchutzreden für seine „Nibelungen\" ausspricht, so er-\nstaunt man, wie sich ähnliche Ideen einer Kunst-Revolution\nwie ein rother Faden durch die ganze erste Hälfte unseres\nJahrhunderts ziehen. Man sprach im Beginne desselben in\nFrankreich gerade so, wie in Deutschland vor und nach\n1848, von einer neuen Tonkunst, welche mit der Freiheit\nder Völker erscheinen und einer neugeborenen Nation\nallein würdig sein werde.\nSelbst grosse Künstler, wie Mehul, Cherubini, Lesueur\nund Andere, widerstanden der Strömung des Zeitgeistes\nnicht, und wenn sie auch zu sehr Musiker waren, um das\nwahre Wesen ihrer Kunst vergessen zu können, so räum-\nten sie doch in manchen von ihren Werken, trotz grosser\nSchönheiten in denselben, der Reflexion, der Tendenz\neinen Einfluss ein, der den Anfang zu der Anwendung\nvon Grundsätzen machte, welche den Verfall der Tonkunst\nvorbereiteten. Freilich kamen sie von diesem Irrwege wie-\nder zurück; Möhul's „Euphrosine oder der gebesserte\nTyrann\", sein „Utbal\", sein „Ariodant\" sind vergessen,\nwährend sein „Joseph\" sich als vollkommen lebensfähig\nerwiesen; allein der Anstoss war einmal gegeben, und\ndurch Rede und Schrift wirkten sie auf die grosse Menge\nim Publicum und auf das jüngere Geschlecht der Ton-\nkünstler mehr, als durch ihre Werke, wie das denn in\nDeutschland seit zehn bis fünfzehn Jahren sich ebenfalls\nwiederholt hat. Die Reden, welche Mehul in den Sitzun-\ngen der Classe der schönen Künste in dem National-Insti-\ntut hielt, stellen die Theorie auf, dass die Kunst eine Ver-\ngangenheit, eine Gegenwart und eine Zukunft hat, und\ndass für die letztere der Charakter der Musik dadurch ein\nganz anderer werden solle, dass beabsichtigte Wir-\nkung im Geiste der neuen Zeit die bisher rein musicalisch\nthätige Phantasie des Tonsetzers leiten müsse. Man hegte\nin gutem Glauben die Ueberzeugung, dass die staatliche\nund sociale Revolution auch eine Revolution in der Ton-\nkunst erzeugen müsse, welche die französische Schule\nüber alle übrigen, das heisst über die italiänische und\ndeutsche, erheben werde."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "354", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631107-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5464, "texte": "Italien bekümmerte sich in Selbstgenügsamkeit weder\num die deutsche, noch um die französische Musik; es\nschätzte, oder richtiger: es kannte nur seine eigene Musik.\nIn seinen Schulen, in denen alte Traditionen noch leben-\ndig waren, bildeten sich seine Componisten durch zcbn-\nbis zwölfjährige Studien, und seine Sänger wagten sich\nnur mit einer schönen Stimme und einer vollkommenen\nGesangbildung auf die Bühne. Ahcr der alte gediegene\nBau der Runstiehre wurde durch das Eindringen der re-\nvolutionären Grundsätze, die mit den erobernden Franzo-\nsen kamen, erschüttert, die bestehenden Institute sanken,\nauch wurden ihnen die Mittel zur Existenz meistens ent-\nzogen. Wenn auch die Folgen dieser Umwälzung aller\nVerhältnisse für die Kunst sich nicht auf der Stelle offen-\nbarten, so wurden sie doch dadurch, dass grosse Künstler\nvom Schauplatze abtraten, weil sie die Traditionen, denen\nsie ihre eigene Bildung verdankten, nicht mehr fortsetzen\nkonnten, bald fühlbar, die Conservalorien sanken von\nihrer grossen Bedeutung herab und der strenge Ernst der\nStudien verschwand.\nDer sonst an Kunstgrössen so fruchtbare Boden Ita-\nliens schien erschöpft, bis er auf einmal wieder ein Genie\nhervorbrachte, dessen tonkünstlerische Schöpfungen seine\nZeitgenossen entzückten und trotz ihrer Mängel und Un-\nvollkommenheiten eine Epoche in der Kunstgeschichte\nbilden. Dass Bossini, der eine Weltherrschaft der italiäni-\nschen Op er auf eine Reihe von Jahren es mochten fünf-\nzehn bis zwanzig sein gründete, ein Genie war, wird\njetzt wohl Niemand mehr bestreiten wollen. Wenn man\nauch eine gewisse Schlaffheit der ganzen gebildeten\nMenschheit, die im Gefolge der Beaction und Restauration\nsich einstellte und der Sinnenlust namentlich in den höhe-\nren Gesellschaftskreisen Vorschub leistete, wenn man auch\ndiesen Zuständen der Ermattung, welche dem Umschwünge\nvon 1830 vorhergingen, einen Theil des ungeheuren Er-\nfolges der Rossini'schen Melodieen nicht ohne Unrecht zu-\nschreibt, so ist es doch eine grosse, durch Ueberlragung\npolitischer Leidenschaft auf die Kunst erzeugte Uebertrei-\nbung, wenn man jenen Erfolg allein aus diesen Zustän-\nden erklären will. Die wunderbare Erfindungskraft Rös-\nsings schuf eine Fülle von Melodieen, denen er stets For-\nmen, Wendungen und Abrundungen zu geben wusste, die\neinnehmend und fesselnd und effectiv neu waren, wenn\nsie auch späterhin in stehende Manieren ausarteten. Den-\nnoch lag in den Melodieen allein nicht der einzige Grund\ndes Erfolges seiner Opern: Rossini eignete sich aus der\nHinterlassenschaft Mozart's die Kunst der Instrumentation\nzur Verschönerung und Erhöhung des Gesanges an und\nbrachte somit das deutsche Element in seine Partitur\nhinein, und zwar nicht bloss dadurch, dass er das Orche-\nster Mozart's aufnahm, sondern auch, weil er neben die-\nsem die rhythmischen Effecte benutzte, die Haydn und\nMozart und zuletzt Beethoven erfunden und ausgebildet\nhatten. Deutsche Harmonie, deutsche Rhythmik und deut-\nsche Inslrumentirung waren die Folien, auf denen Bossi-\nni's Melodieen sich spiegelten und mit ihnen im Bunde die\nWelt eroberten. Man stelle uns nicht den oft gebrauchten\nGemeinplatz entgegen, ob denn die türkische Musik auch\nzum Mozart'schen Orchester gehöre? Dass Rossini die\ntürkische Musik, die Mozart nur ein Mal gebraucht hat,\num einen verdummten und blutgierigen Sclaven-Aufseher\nim Gegensatze zu einem Christenmenschen zu charakteri-\nsiren, in sein Orchester als wesentlichen Bestandteil ein-\ngeführt hat, ist eine Sünde, die ihm die Muse verzeihen\nmöge! Nur muss man nicht vergessen, dass Rossini mit\nder Charakterisirung durch Musik gar nichts zu thun ha-\nben wollte, dass ihn bei seiner Verbindung des Orchesters\nmit dem Gesänge eben so wie bei seinen Melodieen an\nund für sich nur rein musicalische Rücksichten leiteten.\nDenn wenn hier vom Mozart'schen Orchester bei Rossini\ndie Bede ist, so bezieht sich das natürlich nicht auf die\ndramatische Wahrheit der Orchester-Begleitung bei je-\nnem, die auf Situation, Charakter und Text Rücksicht\nnimmt, sondern nur auf die äusserliche Zusammensetzung\ndes Orchesters, auf die für Italien neue Anwendung der\nInslrumentirung Mozart's zu neuen Klangwirkungen und\nrein musicalischen Effecten.\nMerkwürdig bleibt es immer, dass italienische Kriti-\nker, obwohl voll Enthusiasmus für Rossini, doch schon\ndie Aeusserung machten, die sich nachher bestätigt hat,\ndass der National-Charakter der italiänischen Musik durch\ndie scheinbare Bereicherung mit ausländischen Hülfsmit-\nteln nach und nach abgeschwächt werden würde, was\ndenn wirklich besonders alsdann eine Wahrheit wurde,\nals man in Italien auch dem syllabischen und declamato-\nrischen Gesänge der neueren französischen Schule Ein gang\nbereitete, woraus dann endlich die Zwittergattung entstand,\nderen bedeutendster Repräsentant Verdi geworden ist.\nIn der Epoche der zahllosen Nachahmungen Rossini's\nund Bellini's, einer Epoche, die beinahe die Dauer einer\nGeneration hatte, wurde der Verfall der ernsten Compo-\nsitions-Studien in Italien immer ärger, und gleichen Schritt\nmit ihm hielt der Verfall der Kunst des Gesanges. Die\ntrefflichen Lehrer wurden von Jahr zu Jahr seltener und\nfanden keine ebenbürtigen Nachfolger. An die Stelle des\nkunstgemässen Gesanges trat die natürliche oder erzwun-\ngene Kraft der Lunge: auf diese wird bald ewiges Schwei-\ngen folgen, denn es wird am Ende auch keine Schreier\nmehr geben, indem die Componisten, anstatt die Sänger\nauf den rechten Weg zurückzuführen, heutzutage von"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "355", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631107-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5290, "texte": "ihnen nicht die Anwendung, sondern das Opfer der Stimme,\nnicht den Niessbrauch des Capitals, sondern das Capital\nselbst verlangen. Was Wunder, dass der Sänger, der\nseine Gesundheit und sein Leben dem Impresario verkauft,\nungeheure Preise dafür fordert? Das Traurigste dabei ist,\ndass die Componisten wetteifern, den scheusslichen Erfin-\ndungen des Vibrando, Tremolando, ja, dem Heulen,\nMeckern, dem anhaltenden oder gesteigerten Schrei Raum\nund Gelegenheit zu geben. So zieht der Verfall des Ge-\nsanges den Verfall der Melodie nach sich, die heutigen\nOpern-Componisten schreiben nicht mehr für die mensch-\nliche Stimme, sondern für ein Instrument; von sangbarer,\nfliessender Melodie ist nicht mehr die Rede, die Melodie\nhat sich in pikanten Rhythmus und instrumentale Figuren\nund Sprünge verwandelt.\nNun kam in Italien der zerrissene Zustand des Lan-\ndes, das Glimmen des Feuers unter der Asche, das Kochen\nund Gähren der Gemüther hinzu; das Gefühl für das\nSchöne fand nur noch in den Herzen Einzelner seine Zu-\nfluchtsstätte, die Massen verlangten von der Musik den\nAusdruck der Leidenschaften, und Hass, Zorn, verhaltene\nWuth oder vulcanischer Ausbruch der inneren Gluthen,\nMord und Tod durch Gift und Dolch, vor Allem blutige\nKatastrophen wurden die Grundlage der Operntexte und\nihre Darstellung in Tönen die Aufgabe des Componisten.\nJeder weiss, wie sich diese Richtung in Verdi gipfelte,\nwelcher bei unverkennbarem Talente dadurch oft wirklich\npossierlich wird, dass er mit der grössten Naivetät die tri-\nvialsten Tanz-Rhythmen und leichtfertigsten Melodieen\nmitten unter die musicalischen Gräuel des übertriebensten\nPathos wirft.\nEs scheint übrigens, als sollte diese Ausartung der\nOper in Italien der grösseren Verbreitung und besseren\nWürdigung der Instrumental-Musik in jenem Lande zu\nGute kommen, denn wir lesen fortwährend von der Ein-\nrichtung von Sitzungen für Kammermusik, der steigenden\nTheilnahme der Zuhörer für die Meisterwerke von Haydn,\nMozart und Beethoven. Ob aber die Italiäner auf diesem\nWege (durch den Genuss an guter Instrumental-Musik)\nwieder zur Fähigkeit gelangen werden, die einfache Me-\nlodie und die reine Harmonie im Gesänge wieder fühlen\nund lieben zu lernen, das dürfte zu bezweifeln sein: doch\nvermag ein Mann unendlich viel, wie Italien es z. ß. an\nRossini erlebt hat, und warum sollte der sonst so ergie-\nbige Boden nicht wieder einmal einen Genius hervorbrin-\ngen, der die aus ihren Fugen gerückte Tonkunst wieder\nin Ordnung brächte? Aber damit sind wir wieder auf das\nGebiet der Zukunft gekommen, d. h. für dieses Mal auf\ndas Gebiet der frommen Wünsche.\nBekanntlich spielt die Zukunft in der Tonkunst der\nGegenwart eine grosse Rolle, indem sie für einen gewis-\nsen Theil der Tonkünstler nicht „fromme Wünsche\", son-\ndern „zuversichtliche Vollendung des musicalischen Kunst-\nwerkes\" bedeutet.\nDie Hauptquelle aller Verirrungen ist die Uebertra-\ngung des BegrilFes des Wortes „Fortschritt\" von den Ge-\nbieten der Wissenschaft und Politik auf das Gebiet der\nKunst. Sonderbar! Man beruft sich, und gewiss mit vol-\nlem Rechte, zum Beweise des Fortschrittes der Mensch-\nheit auf die Geschichte, während man den Beweis, den\ndieselbe Geschichte für Steigen und Sinken der Kunst\nliefert, bei Seile schiebt oder die nicht zu läugnenden That-\nsachen durch den eingebildeten Beweis, den die Zukunft\nliefern soll, widerlegen will. Bis jetzt hat aber noch kein\nvernünftiger Mensch den historischen Beweis für einen\nallgemeinen Erfahrungssatz mit Verschmähung der Ver-\ngangenheit und Gegenwart, in denen allein die Geschichte\nwurzelt, auf die zukünftigen Erscheinungen in dersel-\nben Sphäre verwiesen! Das Lächerliche und mit Recht zu\nVerspottende in dem Ausdrucke „Zukunftsmusik\" liegt\nmithin nicht darin, dass etwa erst das künftige Geschlecht\nlah ig sein werde, sie zu verstehen, sondern darin, dass die\nAnhänger derselben die Existenz eines nach ihrem Systeme\nin Zukunft construirten Kunstwerkes als Beweis für\ndie Richtigkeit desselben vorwegnehmen.\nWer kann sich der Wahrnehmung verschliessen, dass\ndie Anerkennung und Begünstigung des Fortschrittes über-\nhaupt in unserem Jahrhundert zu einer fieberhaften Auf-\nregung in der Anwendung der Fortschritts-Grundsätze auf\ndie Kunst geführt hat? Die Begriffe des Grossen und Er-\nhabenen in der Musik haben dem Uebertriebenen, Maass-\nlosen und Kolossalen weichen müssen, und durch Suchen\nund Grübeln nach Neuem eben um dem Fortschritte\nzu huldigen ist die Reflexion und das System an die\nStelle des begeisterten Schaffens getreten. Das System\nherrscht in der Malerei und Musik vor; wenn die Künst-\nler systematisch ihre Sachen anders machen, als die gros-\nsen Meister der Vorzeit, so glauben sie, Genie zu zeigen,\nwie diese. Erkennen sie doch diesen nur Verdienst für\nihre Zeit zu; jetzt aber sei der Augenblick gekommen,\nwo die Kunst vollkommene Werke erzeugen wird, wel-\nche die Bewunderung aller Jahrhunderte sein werden.\nDenn wohl gemerkt! unsere Apostel stellen sich stets in\ndie Zukunft. „Wenn das Werk, woran ich jetzt arbeite,\nfertig sein wird, so wird die Lösung der Frage durch die\nThat da sein, dann wird es mit dem ganzen alten Kram\nvorbei sein, an dem man jetzt, weil man nichts Besseres\nhat, noch hängt.\" Die Freunde stossen in die Posaunen:\n„Nieder auf die Kniee, ihr Völker! Hört zu, hört zu!\"\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "356", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631107-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5014, "texte": "Die Völker hören zu und sind um eine neue Enttäu-\nschung reicher. Doch nicht immer gleich auf der Stelle,\nsie brauchen Zeit dazu; denn erstens sind sie selbst von\nder fieberhaften Aufregung nach Neuem und Unerhörtem\nangesteckt, und zweitens lesen sie entsetzlich viel Journale\nund raisonnirende Schriften, sind somit eine Beute der bis\nzur Unverschämtheit dreisten Reclame, und werden an\nihrem gesunden Sinne zweifelhaft, wenn eine „Aesthe-\ntik des Hässlichen\" sie belehrt, dass sie nie gewussl\nhaben, was schön sei, oder wenn das jüngere Geschlecht,\ndas in einem berühmten deutschen Conservatorium gebil-\ndet ist, sie aus den Worten ihres Professors belehrt, dass\nes in der Musik Dinge gebe, „die man nicht mit dem Ohr\nhören müsse\".\nEtwas Neues auffinden und Effect machen,\ndas sind die beiden Zielpunkte unserer meisten Compo-\nnisten, weil es die Bedingungen sind, unter denen der\nGeist der Zeit Notiz von ihnen nimmt. Sie begreifen nicht,\ndass das Eine gewisser Maassen das Andere ausschliesst,\ndenn die Neuheit eines Gedankens kann nur Frucht der\nPhantasie sein, während die Erzielung des Effectes Sache\nder Reflexion und Speculation ist. Der Effect kann aller-\ndings auch auf die Gleichstellung mit einem neuen Ge-\ndanken Anspruch machen, wenn er durch den Eintritt\neiner schönen Wendung der Melodie oder Harmonie über-\nrascht. Allein so verstehen ihn unsere Tonmeister nicht:\nfür sie, wie für die grosse Menge, besteht der Effect in\ndem Dreinschlagen eines auffallenden Rhythmus oder einer\nCombination greller Klänge oder beider Hülfsmittel zu-\ngleich auf einen vorbedachten Moment. Warum? Weil\nder Eindruck, den man machen will, ein rein physischer\nist; es gilt nicht, das Gemülh zn rühren oder den Verstand\nzu interessiren, sondern die Nerven zu packen. Man achte\nnur einmal in dieser Beziehung auf den Verlauf einer\nOpern-Vorstellung. Wann eher bricht der Enthusiasmus\ndes Publikums in wahnsinnigen Beifall aus? Wenn der\nComponist bei irgend einer theatralischen Situation nach\nund nach durch fortwährende Steigerung der Stärke der\nInstrumentirung plötzlich eine Orchester-Explosion zum\nAusbruche bringt, welche das ganze Nerven-System er-\nschüttert! Ueberschreien dabei etwa noch ein Sopran und\nein Tenor im Unisono den ganzen Holz-, Blech- und Kes-\nsel-Apparat des Orchesters, sp ist des Jubels kein Ende,\nund wiederholter Hervorruf belohnt den Componisten und\ndie Sänger!\nMan wird sagen, es gebe denn doch noch höhere\nKreise, so genannte ausgewählte Gesellschaft, wo derglei-\nchen Mittel nicht verfangen; eine solche Verirrung des\nGefühls für das Schöne könne nur bei plumpen Organi-\nsalionen vorkommen. Leider ist dem nicht also; gerade\ndie höheren Gassen, die aristokratische Welt, die fürst-\nliche sogar, zeigen die meiste Empfänglichkeit für den\ngrellen Charakter der neueren Musik, wie die Aufnahme\nund Begünstigung nicht nur Meyerbeer's und der gesamm-\nten französischen Spectakel-Oper, sondern auch Wagner's\nund Verdi's durch diese Kreise beweist. Erklären liesse\nsich diese Erscheinung wohl, aber nur durch ein tieferes\nEingehen auf die socialen Zustände und aul die Richtung,\nwelche die ganze intellectueile und sittliche Bildung der\nhöheren Stände fast in allen Ländern genommen hat. Das\nwäre die Aufgabe einer philosophischen Betrachtung der\nCulturgeschichte. Hier wollen wir nur auf den Haupt-\ngrund des Erfolges der ungeheuerlichen und raffinirten\nMusik bei der hohen Welt hinweisen: es ist der Ueberdruss\nund die daraus fliessende Sucht nach neuem Reiz. Das\nSchöne ermüdet und langweilt die Uebersättigten, und die\ninnere Stimme, die sich zuweilen noch für dasselbe mitten\nunter dem betäubenden Lärm regt, beschwichtigen sie mit\ndem tröstlichen Ausrufe: „Es ist doch einmal was Ande-\nres!\" Das ist es freilich allerdings!\nSehen wir uns nun die Kreise der Künstler selbst an\nund werfen wir einen Blick in die Organe der neueren\nSchule, so erschrecken wir förmlich vor den Ansichten\nder jüngeren Generation über das musicalisch Schöne.\nMan kann übrigens von dem raisonnirenden Schriftenthum\nganz absehen und braucht nur die Erscheinungen der\nmusicalischen Literatur seit Mendelssohn's Tode zu ver-\nfolgen, um sich zu überzeugen, dass selbst Robert Schu-\nmann bereits von den Nachfolgern seiner Manier überbo-\nten wird, um den Adepten und Fanatikern zu genügen.\nMit je grösserem Talente dies geschieht wie z. B. von\nJob. Brahms in seinen neuesten Quartetten für Ciavier\nu. s. w. —, um desto bedauerlicher ist es. Indess mag es\nein Gutes haben: selbst die Anhänger Schumann'scher\nArt und Weise stutzen, und die Frage, ob das Genie darin\nbesteht, jede Faust voll von Tönen zu packen und dazu\nnoch drei Bogen auf Violine, Bratsche und Bass ohne\nRuhe und Rast darauf losstreichen zu lassen, um ein rhyth-\nmisches Durcheinander endlos durchzuführen und Alles\nohne bestimmte melodische Motive so in einander zu wir-\nren, dass man nur mit Mühe eine Tonart erkennen kann\ndiese Frage wird durch solche „Thaten\" denn doch\nihrer Entscheidung nahe gebracht; die Reaction dage-\ngen kann nicht ausbleiben."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-11-07-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-11-07_01#c003", "volume": "bmtnabi_1863-11-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "357", "page_fin": "357", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631107-01.2.3", "titre_corps": "Christian Friedrich Nohr.", "titre_sommaire": "Christian Friedrich Nohr.", "signature_source": "s", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "357", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631107-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3443, "texte": "Christian Friedrich Nohr.\ns.\nMeiningen, den 30. October 1863.\nAm 21. October wurde hier das fünfzigjährige Dienst-\nJubiläum des Concertmeisters Christian Friedrich\nNohr gefeiert. Se. Hoheit der Herzog übersandte dem\nJubilar eine werthvoile Brillantnadel. Die Capelle brachte\nihm des Morgens ein Ständchen es wurde ein Adagio\naus der ersten Symphonie Nohr's und die Ouvertüre zu\nseiner letzten Op er: „Der Graf von Gleichen\", gespielt\n—, überreichte ihm einen sehr schön gearbeiteten silber-\nnen Pocal und hielt Abends ein recht munteres Festmahl,\nworan der Hofmarschail, beide Intendanten und viele\nFreunde des Jubilars Theil nahmen.\nChristian Friedrich Nohr, geboren zu Langensalza in\nThüringen im Jahre 1800, halte schon als Kind grosse\nFreude an der Musik und liess desshalb seinem Vater,\nwelcher Tuchmacher und ein wenig musicalisch war, nicht\neher Ruhe, als bis er ihn einige Stückchen auf der Violine\nund Flöte gelehrt hatte. Beide, Vater und Sohn, machten\ndann, als der letztere acht Jahre zählte, als wandernde\nMusicanten Streifzüge durch einen Theif'Deutschlands und\nmussten ihr Brod kümmerlich genug verdienen. Sie kamen\nunter Anderem auch nach Lobenstein; hier nahm sich die\nkunstliebende Fürstin des talentvollen Knaben an und liess\nihn beim Stadtmusicus Lindner Unterricht nehmen, der\njedoch durch den plötzlichen Tod der Fürstin bald wieder\naul hörte. Er bildete sich nun durch eigenen Fleiss weiter,\ntrat als Flötist in ein gothaisches Regiment und machte\nals solcher den Feldzug von 1815 mit. Nach Verlauf\neiniger Jahre wurde er durch das viele Flötenblasen brust-\nleidend und musste endlich im Jahre 1821 aus dem Mi-\nlitärdienste entlassen werden. Nun warf er sich auf das\nViolinspie! und die Composition; in ersterem waren Spohr,\nGrund und Bärwolf seine Lehrer, doch nur immer für\nsehr kurze Zeit, und in der Compositionslehre waren es\nUmbreit, Hauptmann und Burbach, welche ihn in den\nElementen unterwiesen. Die eigentliche Weiter- und Fort-\nbildung musste er durch Selbststudium sich erwerben.\n1823 wurde er in Gotha als Kammermusicus angestellt\nund 1825 trat er zu Frankfurt am Main, Darmstadt\nu. s. w. mit grossem Glücke als Violin-Virtuose auf. Im\nJahre 1826 kam er als Concertmeister in die Dienste des\nHerzogs von Meiningen und machte von 1828 an noch\nmehrere Kunstreisen.\nAls Componist hat Nohr sich durch viele Werke rühm-\nlich bekannt gemacht. Dahin gehören die Opern: „Die\ndrei Flämmchen\" von Lud. Storch, „Der Alpenhirte\" von\nLud. Bechstein, „Liebeszauber\" von Ed. Gehe, „Der\nGraf von Gleichen\" von Knauer. Ferner die Operette „Der\nvierjährige Posten\" von Th. Körner und das Festspiel\n„Des Ahnherrn Traum\" von Lud. Bechstein. Die Ora-\ntorien: Luther, Die heilige Nacht, Die zehn Jungfrauen.\nEine Freimaurer-Cantate, eine Fest-Cantate, eine Aernte-\nCantate, eine Weihnachts-Cantate. Für Gesang mit Or-\nchester: „Der Gesang\" von Heinr. Schwert, „Frauenlob\"\nvon Lud. Bechstein, über hundert Lieder für gemischten\nChor, Männerchor und für eine Singstimme. An Instru-\nmental-Musik sind von ihm vorhanden: zwei Symphonieen,\nzwei Streich Quartette, ein Quintett, zwei Quintett-Con-\ncerte für Blas-Instrumente mit Orchester-Begleitung, viele\nSoloslücke lür verschiedene Instrumente, mehrere Quar-\ntette für vier Waldhörner und an hundert Nummern von\nEntreacten für Orchester. Die meisten von diesen Sachen\nsind im Manuscript vorhanden. Die Opern sind auf den\nIloftheatern zu Meiningen, Gotha und Coburg aufgeführt\nworden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-11-07-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-11-07_01#c004", "volume": "bmtnabi_1863-11-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "357", "page_fin": "358", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631107-01.2.4", "titre_corps": "Die Musik in Honolulu.", "titre_sommaire": "Die Musik in Honolulu.", "signature_source": "E. Hasslocher", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "357", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631107-01.1.5", "debut_caractere": 3445, "fin_caractere_exclue": 5068, "texte": "Die Musik in Honolulu.\n\nHonolulu ist die Hauptstadt der Sandwich- oder Ha-\nwaii-Inseln und die Residenz des Königs. Im Feuilleton\ndes pariser „Sifecle\" berichtete im vorigen Jahre der Jour-\nnalist Comettant auf' humoristische Weise nach einem\namericanischen Blatte über eine Aufführung von Verdi s\n„Trovatore\" in Honolulu. Da hiess es unter Anderem:\n„Der erste Tenor war ein König und die Primadonna eine\nKönigin. Zwar soll die Gesangfertigkeit Seiner Majestät\nKamehameha IV. und seiner erlauchten Gemahlin Man-\nches zu wünschen übrig lassen, indessen machten sie doch\nfurore. Die dortige philharmonische Gesellschaft vereinigte\nihr Orchester, das aus drei Guitarristen, zwei Flötisten,\neinem Violinisten, vier Marimba-Spielern und sechs Din-\ngern wie Rohrflöten bestand, mit der Capelle Sr. Majestät,\ndie ungefähr dieselben Elemente hatte. Ein irländischer\nBarbier hatte die Partitur für dieses Orchester eingerich-\ntet und dirigirte die Oper. Der Saal bot einen zauberi-\nschen Anblick dar: fast alle Damen waren angekleidet,\nauch einige Herren erschienen in Kleidern, zweihundert\nLichter aus einer Art von vegetabilischem Talg gaben die\nBeleuchtung. Der Enthusiasmus war fieberhaft: viele Zu-\nschauer zerrissen vor Entzücken noch die wenigen Klei-\ndungsstücke, die sie anhatten\" u. s. w. u. s. w.\nDiesen Sommer meldet sich auf einmal in Paris bei\nHerrn Comettant ein Herr als General-Consul Seiner 11a-\nwaii'schen Majestät. Dem Journalisten fiel beim Empfange\nder Karte sein Bericht aus Honolulu schwer aufs Herz;\ndie Erinnerung an den Culturzustand der Sandwich-Insu-\nlaner, an ihren früheren Appetit auf Menschenfleisch"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "358", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631107-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3009, "texte": "machte ihn stutzig, und er überlegte noch, ob er den Ge-\nneralkonsul empfangen sollte, als dieser plötzlich eintrat\nund ihn ohne Weiteres mit der Frage begrüsste: „Haben\nSie nicht im Siöcle eine Correspondenz über Honolulu\ndrucken lassen?\" „Es mag sein, ich erinnere mich des-\nsen nur dunkel\" stotterte der Angeredete, doch da er\ndurch „den süssen Laut vom Ufer der Garonne\" und die\nWahrnehmung, dass weder ein Beil, noch ein Skalpir-\nmesser an dem Hawaiier zu bemerken, zuversichtlicher\ngeworden war, setzte er barsch hinzu: „Was wollen Sie?\"\n„Nichts,\" antwortete der General-Consul ganz höf-\nlich, „als Sie ersuchen, das Unrecht, das Sie einem in der\nCivilisation weit vorgeschrittenen Volke angethan ha-\nben, wieder gut zu machen. Das Nähere besagt dieser\nBrief des Directors unserer musicalischen Gesellschaft in\nHonolulu.\"\nDer Brief lautete:\n„Eine philharmonische Gesellschaft existirt nicht in\nHonolulu, wohl aber ein Verein von Musik-Liebhabern,\ndessen Zweck die Pllege des Gesanges ist und der Vortrag\nvon Gesang-Compositionen älterer und neuerer Meister.\nDieser Verein ist im Jahre 1853 durch einige Fremde,\ndie sich hier niedergelassen, nach Art der ähnlichen Ver-\neine in Europa gebildet worden. Er gibt aber keine ande-\nren Concerte, als wenn es sich um wohlthätige Zwecke\nhandelt. Er besteht aus vierzig activen Mitgliedern und\neiner Anzahl von Ehren-Mitgliedern, lauter Fremden mit\nAusnahme von drei eingeborenen Damen, deren zwei an\nFremde verheirathet sind. Ein Orchester gibt es nicht;\neinige geschickte Dilettanten, Mitglieder des Vereins, las-\nsen sich zuweilen auf ihren Instrumenten (Flöte und Vio-\nline) mit Begleitung des Pianoforte hören. Die anderen\nInstrumente, von denen das Feuilleton des Sifecle spricht,\nexistiren nur in der Phantasie des Correspondenten.\n„Der Verein hat vor einiger Zeit eine operative (sie)\nVorstellung oder vielmehr nur eine Vorstellung operativer\nTableaux im Privatkreise gegeben, wozu Ihre Majestäten\neingeladen waren, so wie die Familien und Freunde der\nVereins-Mitglieder. Eine Scene aus dem Trovatore das\nZigeunerlager—und die Marktscene aus Flotow's Martha\nwurden recht befriedigend aufgeführt, wohlverstanden\nmit Begleitung des Pianoforte allein; alle Rollen wurden\nvon Mitgliedern des Vereins gesungen.- Se. Majestät der\nKönig, der ein vortrefflicher Kenner der Musik ist und\nauf seiner Reise durch Europa die grössten Künstler ge-\nhört hat, ergriff diese Gelegenheit, der Königin das Ver-\ngnügen zu machen, eine dramatische Vorstellung zu sehen,\nund hat mit bekannter Grossmuth nicht nur die Verwirk-\nlichung des Projectes mit allen Mitteln unterstützt, sondern\nauch alle Kosten derselben gedeckt. Seit zwei Jahren hat\nmir der hiesige Verein die Leitung der musicalischen\nPartie übertragen, und ich erlaube mir zur Erbauung\ndes Herrn Oscar Comettant hinzuzufügen, dass der „ „ir-\nländische Barbier\"\" sein Landsmann ist und früher die\nOrchester der italiänischen Oper in den Vereinigten Staa-\nten und in der Havannah dirigirt hat.\n*)•\n\n„E. Hasslocher“"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-11-07-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-11-07_01#c005", "volume": "bmtnabi_1863-11-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "358", "page_fin": "359", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631107-01.2.5", "titre_corps": "Richard Wagner über das Operntheater in Wien.", "titre_sommaire": "Richard Wagner über das Operntheater in Wien.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "358", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631107-01.1.6", "debut_caractere": 3011, "fin_caractere_exclue": 5194, "texte": "Richard Wagner über das Operntheater in Wien.\nDie wiener Zeitung „Der Botschafter\" enthält in den\nNummern der vorletzten Octoberwoche drei Artikel von\nRichard Wagner, in denen er sein Urtheil über den\nZustand des kaiserlichen Operntheaters auf freimüthige\nund für diese Kunstanstalt wenig schmeichelhafte Weise\nausspricht.\nEr geht von dem Ausspruche Kaiser Joseph's aus,\ndass die Theater die Bestimmung haben, „zur Veredlung\nder Sitten und des Geschmacks beizutragen\", und zeigt\ndann, wie weit sich das Hof-Operntheater in Wien von\ndiesem Ziele entfernt habe. Seine Rügen und Vorschläge\nfliessen aber dieses Mal nicht aus dem utopischen Verlan-\ngen nach einem deutschen Muster- und Monstre-Tbeater\nBehufs Aufführung seiner „Nibelungen\", wie in der Vor-\nrede zu diesen zu lesen ist, sondern er hält sich ganz und\ngar auf dem praktischen Standpunkte und beabsichtigt\nfürs Erste weiter nichts, als der Verwaltung und dem\nPersonale tüchtig die Wahrheit zu sagen. Da heisst es\ndenn gleich vor» vorn herein:\n„Betrachten wir die Wirksamkeit eines der ersten\nmusicalisch-dramatischen Kunst-Institute Deutschlands, des\nk. k. Hof-Operntheaters von aussen, so haben wir ein\nbuntes, wirres Durcheinander von Vorführungen der aller-\nverschiedensten Art, aus den Gebieten der entgegenge-\nsetztesten Stilarten vor uns, an denen sich zunächst nur\ndas Eine klar herausstellt, dass keine der Aufführungen\nin irgend welcher Hinsicht den Stempel der Corr'ectheit\nan sich trägt, den Grund, wesshalb sie zu Stande kommt,\nsomit gar nicht in sich, sondern in einer äusseren fatalen\nNöthigung zu haben scheint. Es ist unmöglich, eine Auf-\nführung nachzuweisen, in welcher sich Zweck und Mittel\nvollkommen in Uebereinstimmung gefunden hätten, in wel-\n\n*) Man könnte versucht sein, wären nicht die Namen, auch der\ndes Consuls (Vidal), genannt, die Anekdote für eine neue\nForm der Reclame für Verbreitung des „Siecle\" zu halten.\nWollte man aber alle Dummheiten und schlechten Witze der\nfranzösischen Journalisten über die Zustände der Kunst im\nAuslande auf diplomatischem Wege redressiren lassen, so wür-\nden die Consuln aller Staaten, auch der europäischen und be-\nsonders der deutschen, viel zu thun bekommen!"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "359", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631107-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2420, "texte": "eher daher nicht das mangelhafte Talent, die fehlerhafte\nAusbildung oder die ungeeignete Verwendung einzelner\nSänger, ungenügende Vorbereitung und daraus entstehende\nUnsicherheit anderer, rohe und charakterlose Vortrags-\nManieren der Chöre, grobe Fehler in der scenischen Dar-\nstellung, meist gänzlich mangelnde Anordnung in der dra-\nmatischen Action, rohes und sinnloses Spiel Einzelner,\nendlich grosse Unrichtigkeiten und Fahrlässigkeiten in der\nrein musicalischen Auffassung und Wiedergabe, Vernach-\nlässigungen in der Nuancirung, UnÜbereinstimmung des\nVortrages des Orchesters mit dem der Sänger irgendwo\nmehr oder minder störend und gar verletzend hervorge-\ntreten wären. Die meisten dieser Aulführungen tragen den\nStempel eines rücksichtslosen Sichgehenlassens, gegen wel-\nches dann das Bemühen einzelner Sänger, durch gewalt-\nsames Heraustreten aus dem künstlerischen Rahmen be-\nsonderen Beifall für Einzelheiten ihrer Leistungen zu ge-\nwinnen, desto widerwärtiger absticht und dem Ganzen\netwas geradezu Lächerliches gibt.\"\nHierauf schildert Wagner, indem er das Getriebe\n„von innen\" betrachtet, die „fabriksmässige Ueberthätig*\nkeit, Ueberarbeit und bei vollkommener Ermüdung oft so-\ngar bewunderungswürdige Ausdauer\" —dann das virtuo-\nsenhafte Hervortreten der einzelnen Sänger, und bezeichnet\nals „Hauptübel der Desorganisation\" den „Verlust alles\nGemeingelühls\".— „Keiner hat Sinn für das Ganze, weil\ner keine Achtung vor der Leistung des Ganzen hat.\" Der\nFehler liege „nicht in der Person des Direclors,\" folgert\nWagner weiter, „sondern zunächst in einem Gebrechen\nder Organisation des Institutes selbst.\" Den „Grund aller\nNöthen\" findet Wagner „fast einzig in der Nöthigung, je-\nden Tag zu spielen\". Er führt nun alles an, was sich gegen\ndas tägliche Spielen berechtigter Weise anführen lässt und\nkommt zu dem Schlüsse, „dass das Operntheater ein Kunst-\nInstitut sein soll, welches zur Veredlung des öffentlichen\nGeschmacks durch unausgesetzte gute und correcte Aulfüh-\nrungen musicalischer Werke beizutragen hat. Da hierzu,\ndem sehr complicirten Charakter solcher Aufführungen\nangemessen, mehr Vorbereitungen und Zeitaufwand gehö-\nren, als zu den Aufführungen des recitirenden Drama's, so\nsoll die Zahl der Vorstellungen des kaiserlichen Hof-Opern-\ntheaters auf die Hälfte der bisherigen zurückgeführt wer-\nden, und es soll selbst von diesen nur ein Theil der Oper,\nder andere dagegen dem Ballet zufallen.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-11-07-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-11-07_01#c006", "volume": "bmtnabi_1863-11-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "359", "page_fin": "359", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631107-01.2.6", "titre_corps": "Ein Oratorium von Joseph Haydn.", "titre_sommaire": "Ein Oratorium von Joseph Haydn.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "359", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631107-01.1.7", "debut_caractere": 2422, "fin_caractere_exclue": 4439, "texte": "Ein Oratorium von Joseph Haydn.\nHerr Leopold von Sonnleitner in Wien theilt in Nr. 43 der\nwiener „Recensionen\" mit, dass er in der Musicaliensammlung des\nCardinal-Erzlierzogs Rudolph, welche dieser an die Gesellschaft der\nMusikfreunde vermacht hat, ein Oratorium von J. Ilaydn auf-\ngefunden habe, dessen bis jetzt nirgendwo Erwähnung geschehen.\nDer auf dem Lederbande der Partitur aufgeklebte Titel heisst:\nAbramo ed Jsacco, Oratorio in du\nseppe Haydn. Attori cantanti:\nPastori, Coro♦ Angelo. Der Text ist von Metastasio. Herr von Sonn-\nleitner sagt: „Ich habe keinen Grund, an der Autorschaft Haydn's\nzu zweifeln. Der Titel, welcher seinen Namen angibt, ist von der\nHand eines damals sehr bekannten und verlässlichen Copisten ge-\nschrieben, welcher viele G'opiatnren für den kaiserlichen Hof be-\nsorgte. Die Notenschrift, welche von einer anderen Hand herrührt,\nträgt ganz das Gepräge jener Zeit. Der Stil erinnert sehr an jenen\ndes „Bitorno diTobiadoch sind die Arien kürzer gehalten und\nweniger mit Verzierungen überladen. (Es besteht das Ganze nur\naus einer Folge von Arien, einem Terzett und einem Schlusschor.)\nDie Entstehungszeit dieser Composition lässt sich nicht mehr genau\nbestimmen; dem Stile nach dürfte sie in die Zeit von Haydn's An-\nstellung beim Grafen Mörz in (1759—60) oder in die ersten Dienst-\njahre beim Fürsten Esterliazy fallen. Gegen eine frühere Zeitannah-\nme spricht die Anwenüung von Clarinetten bei einigen Nummern,\ngegen eine spätere die vergleichsweise geringe Bedeutung des Wer-\nkes, weiches an contrapunktischer Gediegenheit der Composition\ndesselben Textes von Predieri (1739) entschieden nachsteht, in sei-\nner melodischen Frische und Anmuth aber schon die Eigentbüm-\nlichkeit des Meisters ahnen lässt. Zur öffentlichen Aufführung in\nunserer Zeit eignet sich der Abramo noch weniger, als der Mitorno\ndi Tobia\\ als ein Beitrag zur Entwicklungsgeschichte Haydn's dürfte\ner aber alle Achtung verdienen.\"\nHiernach dürfte die Echtheit des Werkes doch einer weiteren\nBestätigung bedürfen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-11-07-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-11-07_01#c007", "volume": "bmtnabi_1863-11-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "359", "page_fin": "360", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631107-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "359", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631107-01.1.7", "debut_caractere": 4441, "fin_caractere_exclue": 6353, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nt* Frankfurt a. ML, 1. November. Am 30. October gab\nFrau Clara Schumann, die auch im Museums-Concerte gespielt\nhatte, ein Privat-Coiicert, in welchem sie mehrere Solostücke für\nPianoforte mit der bekannten technisch und geistig vollendeten\nVortragsweise spielte, die Jedermann bezaubern muss. In solchen\nStücken darf man mit der begabten Künstlerin über ihre indivi-\nduelle Auffassung und die gewählten Tempi kaum rechten; allein\nwenn sie grössere Compositionen, wie das Quintett von Hob. Schu-\nmann, eine Sonate mit Violine von Mozart (mit Herrn Straust\nund dergleichen mit einer solchen Hast und Eile, wie dies leider\nauch jetzt wieder geschah, vor- oder vielmehr im Fluge vorüber-\nführt, so hört alle Charakteristik der Composition auf, und wir kön-\nnen nur von Herzen bedauern, dass die grosse Künstlerin bisher\nkeine Erinnerung, auch die freundlichste und wohlwollendste, zur\nRückkehr zu angemessener, im Tempo maassvoller Anwendung ihrer\nBravour auch nur im Geringsten beachtet hat. Fräulein Pau-\nline YY iesemann aus Köln trug zwischen den Instrumental-\nsachen einige Gesangstücke vor. Wenn eine anmuthige Erscheinung,\nmit einem einfachen und bescheidenen Wesen verbunden, und eine\nklangvolle, in allen Tönen wohllautende Mezzo-Sopranstimme schon\ngleich für die junge Sängerin einnahmen, so zeugte auch die Wahl\nder Gesänge von Sinn und Geschmack für die edlere Kunstgattung\ndes deutschen Liedes. Mozart's „Veilchen\" gab sie mit dem gan-\nzen Reize unbefangener Natürlichkeit und Innigkeit wieder, so dass\nman auch ihr hätte zurufen mögen: „Du bist wie eine Blume!\"\nund in dem Vortrage von Hauptmann' s „Ach neige, du Schmer-\nzenreiche\", von Schumann's „Mondnacht\" und „Widmung\" er-\nkannte man mit grosser Befriedigung in der Reinheit und Sicherheit\nder Intonation, dem Ansatz, der Behandlung und Färbung des To-\nnes die Frucht von Gesangstudien, die auf das wahre Wesen des"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "360", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631107-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4477, "texte": "Gesanges, auf Tonbildung und Ausdruck gerichtet gewesen sind.\n[Fräulein Pauline Wiesemann ist auf dem kölnischen Conser-\nvatorium und in der vortrefflichen Schule des Herrn Professors\nBöhme gebildet.]\nDer Concertmeister Ed. Eliason in Frankfurt am Main\nist an die Stelle des verstorbenen Hofmann zum Musik-Director\nernannt worden.\nDer von Ferd. Hiller für den Concurs in Aachen compo-\nnirte Männerchor „Der Morgen\" ist mit deutschem und französischem\nText im Verlage von B. Schott's Söhnen in Mainz erschienen.\nFerdinand Hiller's Oper „Die Katakomben\" wird dem-\nnächst in Weimar zur Aufführung kommen.\nLeipzig« Das erste Gewandhaus--Concert fand am\n8. October mit folgendem Programm Statt: I. Theil: G-eZwr-Concert\nfür Streich-Instrumente von Seb. Bach; Arie aus „Judas Maccabäus\"\nvon Händel, gesungen von Fräulein Parepa aus London; Concert\nfür die Violine von Viotti, vorgetragen von Concertmeister F. Da-\nvid; Arie aus der „Schöpfung\" von Haydn, gesungen von Fräulein\nParepa. 11. Theil: 6-mo/Z-Sinfonie von Beethoven. Fräulein Parepa\nist zur Mitwirkung bei den Gewandhaus-Concerten berufen. Sie ist\nMeisterin im Coloraturgesange und offenbarte darin eine überaus\ngrosse Gewandtheit. Ihr Triller besonders ist vortrefflich und von\nmusterhafter Deutlichkeit, die Intonation von untadelhafter Reinheit.\nFür das zweite Concert am 15. October war folgendes Programm\naufgestellt: I. Theil: _D-raoZZ-Sinfonie Nr. 4 von Rob. Schumann;\nRecitativ und Arie von Julius Benedict (neu für Leipzig), gesungen\nvon Fräulein Euphrosine Parepa; Concert für Pianoforte und Or-\nchester von und durch Louis Brassin aus Brüssel; Arie aus der\n„Zauberflöte\", Fräulein Parepa; Beverie pastorule und Bonde fan-\ntastique von und durch L. Brassin. 11. Theil: „Kampf und Sieg\",\nCantate für Soli, Chor und Orchester von C. M. von Weber.\nGörlitz. Montag den 12. October hatten wir hier einen\nwahrhaft seltenen Kunstgenuss. Der Waldhornist, Kammer-Virtuose\nSr. Hoheit des Fürsten zu Hohenzollern-Hechingen, Herr Karl\nKlotz, dessen Name weit über die deutsche Gränze hinaus, theils\ndurch seine Werke für Horn (besonders seine praktische Hornschule,\nVerlag von Johann Andre in Offenbach), theils durch seine ausser-\nordentliche Virtuosität berühmt ist, veranstaltete hier ein Concert\nunter Mitwirkung des hiesigen Herrn Musik-Directors Kling en-\nberg und seiner Fräulein Tochter Susanne. Herr Klotz bekundete\ndurch Grösse, Fülle und Weichheit seines Tones, eminente Technik,\nverbunden mit edlem Vortrage, die Wahrheit alles dessen, was die\nöffentlichen Blätter über diesen Künstler bereits gesagt haben. Nicht\nminder aber glänzte das siebenzehnj&hrige Fräulein Susanne Klin-\ngenberg durch Arien von Händel, Mozart u. s. w., mit grossem,\nklarem Tone und tief empfundenem Vortrage gesungen. Wir können\nihr eine schöne Zukunft in Aussicht stellen. Zum Schlüsse des Con-\ncertes sang sie noch zwei kleine Lieder auf reizende Weise. Die\nvortrefflichen Leistungen des Herrn Klotz und des Fräulein Klin-\ngenberg wurden von allen Anwesenden durch stürmischen Beifall\nbelohnt.\nDer letzte Nachkomme Orlando di Lasso1 s, Herr J.\nLasser, Musicus und Organist, ist in München im 82. Lebensjahre\ngestorben. Derselbe war früher ein bekannter Ciavierlehrer und seit\ngeraumer Zeit Pfründner in einem Spitale. Zweifellos ist derselbe\nder letzte männliche Nachkomme des grossen Orlando di Lasso.\nOrlando di Lasso's Söhne und Enkel waren Gutsbesitzer in der\nNähe von Fürstenfeldbruck, und in den Briefs-Protocollen dieses Ge-\nrichtes kommen ihre Namen häufig vor, nicht bloss mit dem italiäni-\nschen Lasso, auch mit dem germanisirten Lasser (de Lätre). Nach später\neingetretener Verarmung trat ein solcher Lasser zur Kunstübung des\nAhnherrn zurück und wurde Musicus am kurbaierischen Hofe in\nMünchen. Ein solcher Hofmusicus Lasser, wahrscheinlich der Vater\ndes jüngst Verstorbenen, erscheint auch als Componist von Messen\nund Vespern, die bei Lotter in Augsburg gegen Ende des vorigen\nJahrhunderts erschienen. Es wäre nun Sache der Musiker und Ge-\nschichtsforscher, diese Thatsache weiter zu untersuchen.\nAm Hof-Operntheater in Wien wird Marschner's hinterlassene\nOper „Der Sängerkönig Hiarne\" im Laufe des kommenden Winters\nzur Aufführung kommen. (?)\nBei der Plünderung des Zamoyski'schen Palastes in Warschau\nnach dem Attentate auf den General Berg ist auch ein Piano C ho-\npin's, welches dessen Schwester, der Gemahlin des in demselben\nHause wohnenden Directors Barcinki, gehörte, auf die Strasse\ngeworfen und verbrannt worden."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "353", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631107-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nUeber den Einfluss der Zeit und der Umstände auf die jetzige Musik. Christian Friedrich Nohr (Lebensskizze).\nYon s. Die Musik in Honolulu. Richard Wagner über das Operntheater in Wien. Ein Oratorium von Joseph Haydn. Tages-\nund Unterhaltungsblatt (Frankfurt am Main, Concert von Frau Clara Schumann, Fräulein Pauline Wiesemann, Herr Ed. Eliason\nLeipzig, die beiden ersten Gewandhaus-Concerte Görlitz, Concert von Karl Klotz Der letzte Nachkomme Orlando di Lasso's).\n\nUeber den Einfluss der Zeit und der Umstände auf\ndie jetzige Musik.\nDas Zeitalter der grossen Musik wie der grossen Ma-\nlerei ist gewesen: darüber kann bei Unbefangenen kein\nZweifel obwalten. Statt der grossen Musik, welche allein\nfür Verstand und Gefühl geschaffen wurde, haben wir die\ngrelle, statt der kunstvollen die rohe, ja, wie genug Bei-\nspiele zeigen, statt der schönen die hässliche Musik, deren\nZiel die Aufregung der Nerven durch Wirkungen des\nRhythmus, des Klanges und der dissonirenden Harmonieen\nist. Wober kommt das? Hat die Welt das Urtheil über\nMusik oder gar die Empfänglichkeit dafür verloren? Kei-\nneswegs; denn neben den Irrthümern der Componisten\nunserer Zeit geht bei dem unzweifelhaft'grössten Theile\nder gebildeten Zuhörerschaft eine so richtige und weit-\nverbreitete Würdigung der Werke der grossen Meister\nvon Bach bis Mendelssohn nebenher, dass diese Erschei-\nnung eine Anomalie bildet, welche man für unmöglich\nhalten sollte.\nEs ist keine Frage, dass man, um die erste Veran-\nlassung zu der Richtung der neueren Musik auf das Grelle\nzu suchen, auf den Anstoss zurückgehen muss, den die\nfranzösische Revolution auch den Ansichten über die\nKunst gab.\nDas Streben, in den staatlichen und socialen Zustän-\nden aufzuräumen, beschränkte sich nicht auf diese, wo es\nseine volle Berechtigung hatte, es drang auch in die Werk-\nstätten der Kunst ein und verwirrte die Grundsätze über\ndas Schöne. Liest man Reden und Schriftstücke von fran-\nzösischen Musikern jener Zeit, und vergleicht dann die An-\nsichten, Hoffnungen und Vorschläge, welche Richard Wag-\nner in seinem „ Drama der Zukunft\" und neuerdings in den\nSchutzreden für seine „Nibelungen\" ausspricht, so er-\nstaunt man, wie sich ähnliche Ideen einer Kunst-Revolution\nwie ein rother Faden durch die ganze erste Hälfte unseres\nJahrhunderts ziehen. Man sprach im Beginne desselben in\nFrankreich gerade so, wie in Deutschland vor und nach\n1848, von einer neuen Tonkunst, welche mit der Freiheit\nder Völker erscheinen und einer neugeborenen Nation\nallein würdig sein werde.\nSelbst grosse Künstler, wie Mehul, Cherubini, Lesueur\nund Andere, widerstanden der Strömung des Zeitgeistes\nnicht, und wenn sie auch zu sehr Musiker waren, um das\nwahre Wesen ihrer Kunst vergessen zu können, so räum-\nten sie doch in manchen von ihren Werken, trotz grosser\nSchönheiten in denselben, der Reflexion, der Tendenz\neinen Einfluss ein, der den Anfang zu der Anwendung\nvon Grundsätzen machte, welche den Verfall der Tonkunst\nvorbereiteten. Freilich kamen sie von diesem Irrwege wie-\nder zurück; Möhul's „Euphrosine oder der gebesserte\nTyrann\", sein „Utbal\", sein „Ariodant\" sind vergessen,\nwährend sein „Joseph\" sich als vollkommen lebensfähig\nerwiesen; allein der Anstoss war einmal gegeben, und\ndurch Rede und Schrift wirkten sie auf die grosse Menge\nim Publicum und auf das jüngere Geschlecht der Ton-\nkünstler mehr, als durch ihre Werke, wie das denn in\nDeutschland seit zehn bis fünfzehn Jahren sich ebenfalls\nwiederholt hat. Die Reden, welche Mehul in den Sitzun-\ngen der Classe der schönen Künste in dem National-Insti-\ntut hielt, stellen die Theorie auf, dass die Kunst eine Ver-\ngangenheit, eine Gegenwart und eine Zukunft hat, und\ndass für die letztere der Charakter der Musik dadurch ein\nganz anderer werden solle, dass beabsichtigte Wir-\nkung im Geiste der neuen Zeit die bisher rein musicalisch\nthätige Phantasie des Tonsetzers leiten müsse. Man hegte\nin gutem Glauben die Ueberzeugung, dass die staatliche\nund sociale Revolution auch eine Revolution in der Ton-\nkunst erzeugen müsse, welche die französische Schule\nüber alle übrigen, das heisst über die italiänische und\ndeutsche, erheben werde."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "354", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631107-01.1.2", "texte": "Italien bekümmerte sich in Selbstgenügsamkeit weder\num die deutsche, noch um die französische Musik; es\nschätzte, oder richtiger: es kannte nur seine eigene Musik.\nIn seinen Schulen, in denen alte Traditionen noch leben-\ndig waren, bildeten sich seine Componisten durch zcbn-\nbis zwölfjährige Studien, und seine Sänger wagten sich\nnur mit einer schönen Stimme und einer vollkommenen\nGesangbildung auf die Bühne. Ahcr der alte gediegene\nBau der Runstiehre wurde durch das Eindringen der re-\nvolutionären Grundsätze, die mit den erobernden Franzo-\nsen kamen, erschüttert, die bestehenden Institute sanken,\nauch wurden ihnen die Mittel zur Existenz meistens ent-\nzogen. Wenn auch die Folgen dieser Umwälzung aller\nVerhältnisse für die Kunst sich nicht auf der Stelle offen-\nbarten, so wurden sie doch dadurch, dass grosse Künstler\nvom Schauplatze abtraten, weil sie die Traditionen, denen\nsie ihre eigene Bildung verdankten, nicht mehr fortsetzen\nkonnten, bald fühlbar, die Conservalorien sanken von\nihrer grossen Bedeutung herab und der strenge Ernst der\nStudien verschwand.\nDer sonst an Kunstgrössen so fruchtbare Boden Ita-\nliens schien erschöpft, bis er auf einmal wieder ein Genie\nhervorbrachte, dessen tonkünstlerische Schöpfungen seine\nZeitgenossen entzückten und trotz ihrer Mängel und Un-\nvollkommenheiten eine Epoche in der Kunstgeschichte\nbilden. Dass Bossini, der eine Weltherrschaft der italiäni-\nschen Op er auf eine Reihe von Jahren es mochten fünf-\nzehn bis zwanzig sein gründete, ein Genie war, wird\njetzt wohl Niemand mehr bestreiten wollen. Wenn man\nauch eine gewisse Schlaffheit der ganzen gebildeten\nMenschheit, die im Gefolge der Beaction und Restauration\nsich einstellte und der Sinnenlust namentlich in den höhe-\nren Gesellschaftskreisen Vorschub leistete, wenn man auch\ndiesen Zuständen der Ermattung, welche dem Umschwünge\nvon 1830 vorhergingen, einen Theil des ungeheuren Er-\nfolges der Rossini'schen Melodieen nicht ohne Unrecht zu-\nschreibt, so ist es doch eine grosse, durch Ueberlragung\npolitischer Leidenschaft auf die Kunst erzeugte Uebertrei-\nbung, wenn man jenen Erfolg allein aus diesen Zustän-\nden erklären will. Die wunderbare Erfindungskraft Rös-\nsings schuf eine Fülle von Melodieen, denen er stets For-\nmen, Wendungen und Abrundungen zu geben wusste, die\neinnehmend und fesselnd und effectiv neu waren, wenn\nsie auch späterhin in stehende Manieren ausarteten. Den-\nnoch lag in den Melodieen allein nicht der einzige Grund\ndes Erfolges seiner Opern: Rossini eignete sich aus der\nHinterlassenschaft Mozart's die Kunst der Instrumentation\nzur Verschönerung und Erhöhung des Gesanges an und\nbrachte somit das deutsche Element in seine Partitur\nhinein, und zwar nicht bloss dadurch, dass er das Orche-\nster Mozart's aufnahm, sondern auch, weil er neben die-\nsem die rhythmischen Effecte benutzte, die Haydn und\nMozart und zuletzt Beethoven erfunden und ausgebildet\nhatten. Deutsche Harmonie, deutsche Rhythmik und deut-\nsche Inslrumentirung waren die Folien, auf denen Bossi-\nni's Melodieen sich spiegelten und mit ihnen im Bunde die\nWelt eroberten. Man stelle uns nicht den oft gebrauchten\nGemeinplatz entgegen, ob denn die türkische Musik auch\nzum Mozart'schen Orchester gehöre? Dass Rossini die\ntürkische Musik, die Mozart nur ein Mal gebraucht hat,\num einen verdummten und blutgierigen Sclaven-Aufseher\nim Gegensatze zu einem Christenmenschen zu charakteri-\nsiren, in sein Orchester als wesentlichen Bestandteil ein-\ngeführt hat, ist eine Sünde, die ihm die Muse verzeihen\nmöge! Nur muss man nicht vergessen, dass Rossini mit\nder Charakterisirung durch Musik gar nichts zu thun ha-\nben wollte, dass ihn bei seiner Verbindung des Orchesters\nmit dem Gesänge eben so wie bei seinen Melodieen an\nund für sich nur rein musicalische Rücksichten leiteten.\nDenn wenn hier vom Mozart'schen Orchester bei Rossini\ndie Bede ist, so bezieht sich das natürlich nicht auf die\ndramatische Wahrheit der Orchester-Begleitung bei je-\nnem, die auf Situation, Charakter und Text Rücksicht\nnimmt, sondern nur auf die äusserliche Zusammensetzung\ndes Orchesters, auf die für Italien neue Anwendung der\nInslrumentirung Mozart's zu neuen Klangwirkungen und\nrein musicalischen Effecten.\nMerkwürdig bleibt es immer, dass italienische Kriti-\nker, obwohl voll Enthusiasmus für Rossini, doch schon\ndie Aeusserung machten, die sich nachher bestätigt hat,\ndass der National-Charakter der italiänischen Musik durch\ndie scheinbare Bereicherung mit ausländischen Hülfsmit-\nteln nach und nach abgeschwächt werden würde, was\ndenn wirklich besonders alsdann eine Wahrheit wurde,\nals man in Italien auch dem syllabischen und declamato-\nrischen Gesänge der neueren französischen Schule Ein gang\nbereitete, woraus dann endlich die Zwittergattung entstand,\nderen bedeutendster Repräsentant Verdi geworden ist.\nIn der Epoche der zahllosen Nachahmungen Rossini's\nund Bellini's, einer Epoche, die beinahe die Dauer einer\nGeneration hatte, wurde der Verfall der ernsten Compo-\nsitions-Studien in Italien immer ärger, und gleichen Schritt\nmit ihm hielt der Verfall der Kunst des Gesanges. Die\ntrefflichen Lehrer wurden von Jahr zu Jahr seltener und\nfanden keine ebenbürtigen Nachfolger. An die Stelle des\nkunstgemässen Gesanges trat die natürliche oder erzwun-\ngene Kraft der Lunge: auf diese wird bald ewiges Schwei-\ngen folgen, denn es wird am Ende auch keine Schreier\nmehr geben, indem die Componisten, anstatt die Sänger\nauf den rechten Weg zurückzuführen, heutzutage von"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "355", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631107-01.1.3", "texte": "ihnen nicht die Anwendung, sondern das Opfer der Stimme,\nnicht den Niessbrauch des Capitals, sondern das Capital\nselbst verlangen. Was Wunder, dass der Sänger, der\nseine Gesundheit und sein Leben dem Impresario verkauft,\nungeheure Preise dafür fordert? Das Traurigste dabei ist,\ndass die Componisten wetteifern, den scheusslichen Erfin-\ndungen des Vibrando, Tremolando, ja, dem Heulen,\nMeckern, dem anhaltenden oder gesteigerten Schrei Raum\nund Gelegenheit zu geben. So zieht der Verfall des Ge-\nsanges den Verfall der Melodie nach sich, die heutigen\nOpern-Componisten schreiben nicht mehr für die mensch-\nliche Stimme, sondern für ein Instrument; von sangbarer,\nfliessender Melodie ist nicht mehr die Rede, die Melodie\nhat sich in pikanten Rhythmus und instrumentale Figuren\nund Sprünge verwandelt.\nNun kam in Italien der zerrissene Zustand des Lan-\ndes, das Glimmen des Feuers unter der Asche, das Kochen\nund Gähren der Gemüther hinzu; das Gefühl für das\nSchöne fand nur noch in den Herzen Einzelner seine Zu-\nfluchtsstätte, die Massen verlangten von der Musik den\nAusdruck der Leidenschaften, und Hass, Zorn, verhaltene\nWuth oder vulcanischer Ausbruch der inneren Gluthen,\nMord und Tod durch Gift und Dolch, vor Allem blutige\nKatastrophen wurden die Grundlage der Operntexte und\nihre Darstellung in Tönen die Aufgabe des Componisten.\nJeder weiss, wie sich diese Richtung in Verdi gipfelte,\nwelcher bei unverkennbarem Talente dadurch oft wirklich\npossierlich wird, dass er mit der grössten Naivetät die tri-\nvialsten Tanz-Rhythmen und leichtfertigsten Melodieen\nmitten unter die musicalischen Gräuel des übertriebensten\nPathos wirft.\nEs scheint übrigens, als sollte diese Ausartung der\nOper in Italien der grösseren Verbreitung und besseren\nWürdigung der Instrumental-Musik in jenem Lande zu\nGute kommen, denn wir lesen fortwährend von der Ein-\nrichtung von Sitzungen für Kammermusik, der steigenden\nTheilnahme der Zuhörer für die Meisterwerke von Haydn,\nMozart und Beethoven. Ob aber die Italiäner auf diesem\nWege (durch den Genuss an guter Instrumental-Musik)\nwieder zur Fähigkeit gelangen werden, die einfache Me-\nlodie und die reine Harmonie im Gesänge wieder fühlen\nund lieben zu lernen, das dürfte zu bezweifeln sein: doch\nvermag ein Mann unendlich viel, wie Italien es z. ß. an\nRossini erlebt hat, und warum sollte der sonst so ergie-\nbige Boden nicht wieder einmal einen Genius hervorbrin-\ngen, der die aus ihren Fugen gerückte Tonkunst wieder\nin Ordnung brächte? Aber damit sind wir wieder auf das\nGebiet der Zukunft gekommen, d. h. für dieses Mal auf\ndas Gebiet der frommen Wünsche.\nBekanntlich spielt die Zukunft in der Tonkunst der\nGegenwart eine grosse Rolle, indem sie für einen gewis-\nsen Theil der Tonkünstler nicht „fromme Wünsche\", son-\ndern „zuversichtliche Vollendung des musicalischen Kunst-\nwerkes\" bedeutet.\nDie Hauptquelle aller Verirrungen ist die Uebertra-\ngung des BegrilFes des Wortes „Fortschritt\" von den Ge-\nbieten der Wissenschaft und Politik auf das Gebiet der\nKunst. Sonderbar! Man beruft sich, und gewiss mit vol-\nlem Rechte, zum Beweise des Fortschrittes der Mensch-\nheit auf die Geschichte, während man den Beweis, den\ndieselbe Geschichte für Steigen und Sinken der Kunst\nliefert, bei Seile schiebt oder die nicht zu läugnenden That-\nsachen durch den eingebildeten Beweis, den die Zukunft\nliefern soll, widerlegen will. Bis jetzt hat aber noch kein\nvernünftiger Mensch den historischen Beweis für einen\nallgemeinen Erfahrungssatz mit Verschmähung der Ver-\ngangenheit und Gegenwart, in denen allein die Geschichte\nwurzelt, auf die zukünftigen Erscheinungen in dersel-\nben Sphäre verwiesen! Das Lächerliche und mit Recht zu\nVerspottende in dem Ausdrucke „Zukunftsmusik\" liegt\nmithin nicht darin, dass etwa erst das künftige Geschlecht\nlah ig sein werde, sie zu verstehen, sondern darin, dass die\nAnhänger derselben die Existenz eines nach ihrem Systeme\nin Zukunft construirten Kunstwerkes als Beweis für\ndie Richtigkeit desselben vorwegnehmen.\nWer kann sich der Wahrnehmung verschliessen, dass\ndie Anerkennung und Begünstigung des Fortschrittes über-\nhaupt in unserem Jahrhundert zu einer fieberhaften Auf-\nregung in der Anwendung der Fortschritts-Grundsätze auf\ndie Kunst geführt hat? Die Begriffe des Grossen und Er-\nhabenen in der Musik haben dem Uebertriebenen, Maass-\nlosen und Kolossalen weichen müssen, und durch Suchen\nund Grübeln nach Neuem eben um dem Fortschritte\nzu huldigen ist die Reflexion und das System an die\nStelle des begeisterten Schaffens getreten. Das System\nherrscht in der Malerei und Musik vor; wenn die Künst-\nler systematisch ihre Sachen anders machen, als die gros-\nsen Meister der Vorzeit, so glauben sie, Genie zu zeigen,\nwie diese. Erkennen sie doch diesen nur Verdienst für\nihre Zeit zu; jetzt aber sei der Augenblick gekommen,\nwo die Kunst vollkommene Werke erzeugen wird, wel-\nche die Bewunderung aller Jahrhunderte sein werden.\nDenn wohl gemerkt! unsere Apostel stellen sich stets in\ndie Zukunft. „Wenn das Werk, woran ich jetzt arbeite,\nfertig sein wird, so wird die Lösung der Frage durch die\nThat da sein, dann wird es mit dem ganzen alten Kram\nvorbei sein, an dem man jetzt, weil man nichts Besseres\nhat, noch hängt.\" Die Freunde stossen in die Posaunen:\n„Nieder auf die Kniee, ihr Völker! Hört zu, hört zu!\"\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "356", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631107-01.1.4", "texte": "Die Völker hören zu und sind um eine neue Enttäu-\nschung reicher. Doch nicht immer gleich auf der Stelle,\nsie brauchen Zeit dazu; denn erstens sind sie selbst von\nder fieberhaften Aufregung nach Neuem und Unerhörtem\nangesteckt, und zweitens lesen sie entsetzlich viel Journale\nund raisonnirende Schriften, sind somit eine Beute der bis\nzur Unverschämtheit dreisten Reclame, und werden an\nihrem gesunden Sinne zweifelhaft, wenn eine „Aesthe-\ntik des Hässlichen\" sie belehrt, dass sie nie gewussl\nhaben, was schön sei, oder wenn das jüngere Geschlecht,\ndas in einem berühmten deutschen Conservatorium gebil-\ndet ist, sie aus den Worten ihres Professors belehrt, dass\nes in der Musik Dinge gebe, „die man nicht mit dem Ohr\nhören müsse\".\nEtwas Neues auffinden und Effect machen,\ndas sind die beiden Zielpunkte unserer meisten Compo-\nnisten, weil es die Bedingungen sind, unter denen der\nGeist der Zeit Notiz von ihnen nimmt. Sie begreifen nicht,\ndass das Eine gewisser Maassen das Andere ausschliesst,\ndenn die Neuheit eines Gedankens kann nur Frucht der\nPhantasie sein, während die Erzielung des Effectes Sache\nder Reflexion und Speculation ist. Der Effect kann aller-\ndings auch auf die Gleichstellung mit einem neuen Ge-\ndanken Anspruch machen, wenn er durch den Eintritt\neiner schönen Wendung der Melodie oder Harmonie über-\nrascht. Allein so verstehen ihn unsere Tonmeister nicht:\nfür sie, wie für die grosse Menge, besteht der Effect in\ndem Dreinschlagen eines auffallenden Rhythmus oder einer\nCombination greller Klänge oder beider Hülfsmittel zu-\ngleich auf einen vorbedachten Moment. Warum? Weil\nder Eindruck, den man machen will, ein rein physischer\nist; es gilt nicht, das Gemülh zn rühren oder den Verstand\nzu interessiren, sondern die Nerven zu packen. Man achte\nnur einmal in dieser Beziehung auf den Verlauf einer\nOpern-Vorstellung. Wann eher bricht der Enthusiasmus\ndes Publikums in wahnsinnigen Beifall aus? Wenn der\nComponist bei irgend einer theatralischen Situation nach\nund nach durch fortwährende Steigerung der Stärke der\nInstrumentirung plötzlich eine Orchester-Explosion zum\nAusbruche bringt, welche das ganze Nerven-System er-\nschüttert! Ueberschreien dabei etwa noch ein Sopran und\nein Tenor im Unisono den ganzen Holz-, Blech- und Kes-\nsel-Apparat des Orchesters, sp ist des Jubels kein Ende,\nund wiederholter Hervorruf belohnt den Componisten und\ndie Sänger!\nMan wird sagen, es gebe denn doch noch höhere\nKreise, so genannte ausgewählte Gesellschaft, wo derglei-\nchen Mittel nicht verfangen; eine solche Verirrung des\nGefühls für das Schöne könne nur bei plumpen Organi-\nsalionen vorkommen. Leider ist dem nicht also; gerade\ndie höheren Gassen, die aristokratische Welt, die fürst-\nliche sogar, zeigen die meiste Empfänglichkeit für den\ngrellen Charakter der neueren Musik, wie die Aufnahme\nund Begünstigung nicht nur Meyerbeer's und der gesamm-\nten französischen Spectakel-Oper, sondern auch Wagner's\nund Verdi's durch diese Kreise beweist. Erklären liesse\nsich diese Erscheinung wohl, aber nur durch ein tieferes\nEingehen auf die socialen Zustände und aul die Richtung,\nwelche die ganze intellectueile und sittliche Bildung der\nhöheren Stände fast in allen Ländern genommen hat. Das\nwäre die Aufgabe einer philosophischen Betrachtung der\nCulturgeschichte. Hier wollen wir nur auf den Haupt-\ngrund des Erfolges der ungeheuerlichen und raffinirten\nMusik bei der hohen Welt hinweisen: es ist der Ueberdruss\nund die daraus fliessende Sucht nach neuem Reiz. Das\nSchöne ermüdet und langweilt die Uebersättigten, und die\ninnere Stimme, die sich zuweilen noch für dasselbe mitten\nunter dem betäubenden Lärm regt, beschwichtigen sie mit\ndem tröstlichen Ausrufe: „Es ist doch einmal was Ande-\nres!\" Das ist es freilich allerdings!\nSehen wir uns nun die Kreise der Künstler selbst an\nund werfen wir einen Blick in die Organe der neueren\nSchule, so erschrecken wir förmlich vor den Ansichten\nder jüngeren Generation über das musicalisch Schöne.\nMan kann übrigens von dem raisonnirenden Schriftenthum\nganz absehen und braucht nur die Erscheinungen der\nmusicalischen Literatur seit Mendelssohn's Tode zu ver-\nfolgen, um sich zu überzeugen, dass selbst Robert Schu-\nmann bereits von den Nachfolgern seiner Manier überbo-\nten wird, um den Adepten und Fanatikern zu genügen.\nMit je grösserem Talente dies geschieht wie z. B. von\nJob. Brahms in seinen neuesten Quartetten für Ciavier\nu. s. w. —, um desto bedauerlicher ist es. Indess mag es\nein Gutes haben: selbst die Anhänger Schumann'scher\nArt und Weise stutzen, und die Frage, ob das Genie darin\nbesteht, jede Faust voll von Tönen zu packen und dazu\nnoch drei Bogen auf Violine, Bratsche und Bass ohne\nRuhe und Rast darauf losstreichen zu lassen, um ein rhyth-\nmisches Durcheinander endlos durchzuführen und Alles\nohne bestimmte melodische Motive so in einander zu wir-\nren, dass man nur mit Mühe eine Tonart erkennen kann\ndiese Frage wird durch solche „Thaten\" denn doch\nihrer Entscheidung nahe gebracht; die Reaction dage-\ngen kann nicht ausbleiben."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "357", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631107-01.1.5", "texte": "Christian Friedrich Nohr.\ns.\nMeiningen, den 30. October 1863.\nAm 21. October wurde hier das fünfzigjährige Dienst-\nJubiläum des Concertmeisters Christian Friedrich\nNohr gefeiert. Se. Hoheit der Herzog übersandte dem\nJubilar eine werthvoile Brillantnadel. Die Capelle brachte\nihm des Morgens ein Ständchen es wurde ein Adagio\naus der ersten Symphonie Nohr's und die Ouvertüre zu\nseiner letzten Op er: „Der Graf von Gleichen\", gespielt\n—, überreichte ihm einen sehr schön gearbeiteten silber-\nnen Pocal und hielt Abends ein recht munteres Festmahl,\nworan der Hofmarschail, beide Intendanten und viele\nFreunde des Jubilars Theil nahmen.\nChristian Friedrich Nohr, geboren zu Langensalza in\nThüringen im Jahre 1800, halte schon als Kind grosse\nFreude an der Musik und liess desshalb seinem Vater,\nwelcher Tuchmacher und ein wenig musicalisch war, nicht\neher Ruhe, als bis er ihn einige Stückchen auf der Violine\nund Flöte gelehrt hatte. Beide, Vater und Sohn, machten\ndann, als der letztere acht Jahre zählte, als wandernde\nMusicanten Streifzüge durch einen Theif'Deutschlands und\nmussten ihr Brod kümmerlich genug verdienen. Sie kamen\nunter Anderem auch nach Lobenstein; hier nahm sich die\nkunstliebende Fürstin des talentvollen Knaben an und liess\nihn beim Stadtmusicus Lindner Unterricht nehmen, der\njedoch durch den plötzlichen Tod der Fürstin bald wieder\naul hörte. Er bildete sich nun durch eigenen Fleiss weiter,\ntrat als Flötist in ein gothaisches Regiment und machte\nals solcher den Feldzug von 1815 mit. Nach Verlauf\neiniger Jahre wurde er durch das viele Flötenblasen brust-\nleidend und musste endlich im Jahre 1821 aus dem Mi-\nlitärdienste entlassen werden. Nun warf er sich auf das\nViolinspie! und die Composition; in ersterem waren Spohr,\nGrund und Bärwolf seine Lehrer, doch nur immer für\nsehr kurze Zeit, und in der Compositionslehre waren es\nUmbreit, Hauptmann und Burbach, welche ihn in den\nElementen unterwiesen. Die eigentliche Weiter- und Fort-\nbildung musste er durch Selbststudium sich erwerben.\n1823 wurde er in Gotha als Kammermusicus angestellt\nund 1825 trat er zu Frankfurt am Main, Darmstadt\nu. s. w. mit grossem Glücke als Violin-Virtuose auf. Im\nJahre 1826 kam er als Concertmeister in die Dienste des\nHerzogs von Meiningen und machte von 1828 an noch\nmehrere Kunstreisen.\nAls Componist hat Nohr sich durch viele Werke rühm-\nlich bekannt gemacht. Dahin gehören die Opern: „Die\ndrei Flämmchen\" von Lud. Storch, „Der Alpenhirte\" von\nLud. Bechstein, „Liebeszauber\" von Ed. Gehe, „Der\nGraf von Gleichen\" von Knauer. Ferner die Operette „Der\nvierjährige Posten\" von Th. Körner und das Festspiel\n„Des Ahnherrn Traum\" von Lud. Bechstein. Die Ora-\ntorien: Luther, Die heilige Nacht, Die zehn Jungfrauen.\nEine Freimaurer-Cantate, eine Fest-Cantate, eine Aernte-\nCantate, eine Weihnachts-Cantate. Für Gesang mit Or-\nchester: „Der Gesang\" von Heinr. Schwert, „Frauenlob\"\nvon Lud. Bechstein, über hundert Lieder für gemischten\nChor, Männerchor und für eine Singstimme. An Instru-\nmental-Musik sind von ihm vorhanden: zwei Symphonieen,\nzwei Streich Quartette, ein Quintett, zwei Quintett-Con-\ncerte für Blas-Instrumente mit Orchester-Begleitung, viele\nSoloslücke lür verschiedene Instrumente, mehrere Quar-\ntette für vier Waldhörner und an hundert Nummern von\nEntreacten für Orchester. Die meisten von diesen Sachen\nsind im Manuscript vorhanden. Die Opern sind auf den\nIloftheatern zu Meiningen, Gotha und Coburg aufgeführt\nworden.\n\nDie Musik in Honolulu.\n\nHonolulu ist die Hauptstadt der Sandwich- oder Ha-\nwaii-Inseln und die Residenz des Königs. Im Feuilleton\ndes pariser „Sifecle\" berichtete im vorigen Jahre der Jour-\nnalist Comettant auf' humoristische Weise nach einem\namericanischen Blatte über eine Aufführung von Verdi s\n„Trovatore\" in Honolulu. Da hiess es unter Anderem:\n„Der erste Tenor war ein König und die Primadonna eine\nKönigin. Zwar soll die Gesangfertigkeit Seiner Majestät\nKamehameha IV. und seiner erlauchten Gemahlin Man-\nches zu wünschen übrig lassen, indessen machten sie doch\nfurore. Die dortige philharmonische Gesellschaft vereinigte\nihr Orchester, das aus drei Guitarristen, zwei Flötisten,\neinem Violinisten, vier Marimba-Spielern und sechs Din-\ngern wie Rohrflöten bestand, mit der Capelle Sr. Majestät,\ndie ungefähr dieselben Elemente hatte. Ein irländischer\nBarbier hatte die Partitur für dieses Orchester eingerich-\ntet und dirigirte die Oper. Der Saal bot einen zauberi-\nschen Anblick dar: fast alle Damen waren angekleidet,\nauch einige Herren erschienen in Kleidern, zweihundert\nLichter aus einer Art von vegetabilischem Talg gaben die\nBeleuchtung. Der Enthusiasmus war fieberhaft: viele Zu-\nschauer zerrissen vor Entzücken noch die wenigen Klei-\ndungsstücke, die sie anhatten\" u. s. w. u. s. w.\nDiesen Sommer meldet sich auf einmal in Paris bei\nHerrn Comettant ein Herr als General-Consul Seiner 11a-\nwaii'schen Majestät. Dem Journalisten fiel beim Empfange\nder Karte sein Bericht aus Honolulu schwer aufs Herz;\ndie Erinnerung an den Culturzustand der Sandwich-Insu-\nlaner, an ihren früheren Appetit auf Menschenfleisch"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "358", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631107-01.1.6", "texte": "machte ihn stutzig, und er überlegte noch, ob er den Ge-\nneralkonsul empfangen sollte, als dieser plötzlich eintrat\nund ihn ohne Weiteres mit der Frage begrüsste: „Haben\nSie nicht im Siöcle eine Correspondenz über Honolulu\ndrucken lassen?\" „Es mag sein, ich erinnere mich des-\nsen nur dunkel\" stotterte der Angeredete, doch da er\ndurch „den süssen Laut vom Ufer der Garonne\" und die\nWahrnehmung, dass weder ein Beil, noch ein Skalpir-\nmesser an dem Hawaiier zu bemerken, zuversichtlicher\ngeworden war, setzte er barsch hinzu: „Was wollen Sie?\"\n„Nichts,\" antwortete der General-Consul ganz höf-\nlich, „als Sie ersuchen, das Unrecht, das Sie einem in der\nCivilisation weit vorgeschrittenen Volke angethan ha-\nben, wieder gut zu machen. Das Nähere besagt dieser\nBrief des Directors unserer musicalischen Gesellschaft in\nHonolulu.\"\nDer Brief lautete:\n„Eine philharmonische Gesellschaft existirt nicht in\nHonolulu, wohl aber ein Verein von Musik-Liebhabern,\ndessen Zweck die Pllege des Gesanges ist und der Vortrag\nvon Gesang-Compositionen älterer und neuerer Meister.\nDieser Verein ist im Jahre 1853 durch einige Fremde,\ndie sich hier niedergelassen, nach Art der ähnlichen Ver-\neine in Europa gebildet worden. Er gibt aber keine ande-\nren Concerte, als wenn es sich um wohlthätige Zwecke\nhandelt. Er besteht aus vierzig activen Mitgliedern und\neiner Anzahl von Ehren-Mitgliedern, lauter Fremden mit\nAusnahme von drei eingeborenen Damen, deren zwei an\nFremde verheirathet sind. Ein Orchester gibt es nicht;\neinige geschickte Dilettanten, Mitglieder des Vereins, las-\nsen sich zuweilen auf ihren Instrumenten (Flöte und Vio-\nline) mit Begleitung des Pianoforte hören. Die anderen\nInstrumente, von denen das Feuilleton des Sifecle spricht,\nexistiren nur in der Phantasie des Correspondenten.\n„Der Verein hat vor einiger Zeit eine operative (sie)\nVorstellung oder vielmehr nur eine Vorstellung operativer\nTableaux im Privatkreise gegeben, wozu Ihre Majestäten\neingeladen waren, so wie die Familien und Freunde der\nVereins-Mitglieder. Eine Scene aus dem Trovatore das\nZigeunerlager—und die Marktscene aus Flotow's Martha\nwurden recht befriedigend aufgeführt, wohlverstanden\nmit Begleitung des Pianoforte allein; alle Rollen wurden\nvon Mitgliedern des Vereins gesungen.- Se. Majestät der\nKönig, der ein vortrefflicher Kenner der Musik ist und\nauf seiner Reise durch Europa die grössten Künstler ge-\nhört hat, ergriff diese Gelegenheit, der Königin das Ver-\ngnügen zu machen, eine dramatische Vorstellung zu sehen,\nund hat mit bekannter Grossmuth nicht nur die Verwirk-\nlichung des Projectes mit allen Mitteln unterstützt, sondern\nauch alle Kosten derselben gedeckt. Seit zwei Jahren hat\nmir der hiesige Verein die Leitung der musicalischen\nPartie übertragen, und ich erlaube mir zur Erbauung\ndes Herrn Oscar Comettant hinzuzufügen, dass der „ „ir-\nländische Barbier\"\" sein Landsmann ist und früher die\nOrchester der italiänischen Oper in den Vereinigten Staa-\nten und in der Havannah dirigirt hat.\n*)•\n\n„E. Hasslocher“\n\nRichard Wagner über das Operntheater in Wien.\nDie wiener Zeitung „Der Botschafter\" enthält in den\nNummern der vorletzten Octoberwoche drei Artikel von\nRichard Wagner, in denen er sein Urtheil über den\nZustand des kaiserlichen Operntheaters auf freimüthige\nund für diese Kunstanstalt wenig schmeichelhafte Weise\nausspricht.\nEr geht von dem Ausspruche Kaiser Joseph's aus,\ndass die Theater die Bestimmung haben, „zur Veredlung\nder Sitten und des Geschmacks beizutragen\", und zeigt\ndann, wie weit sich das Hof-Operntheater in Wien von\ndiesem Ziele entfernt habe. Seine Rügen und Vorschläge\nfliessen aber dieses Mal nicht aus dem utopischen Verlan-\ngen nach einem deutschen Muster- und Monstre-Tbeater\nBehufs Aufführung seiner „Nibelungen\", wie in der Vor-\nrede zu diesen zu lesen ist, sondern er hält sich ganz und\ngar auf dem praktischen Standpunkte und beabsichtigt\nfürs Erste weiter nichts, als der Verwaltung und dem\nPersonale tüchtig die Wahrheit zu sagen. Da heisst es\ndenn gleich vor» vorn herein:\n„Betrachten wir die Wirksamkeit eines der ersten\nmusicalisch-dramatischen Kunst-Institute Deutschlands, des\nk. k. Hof-Operntheaters von aussen, so haben wir ein\nbuntes, wirres Durcheinander von Vorführungen der aller-\nverschiedensten Art, aus den Gebieten der entgegenge-\nsetztesten Stilarten vor uns, an denen sich zunächst nur\ndas Eine klar herausstellt, dass keine der Aufführungen\nin irgend welcher Hinsicht den Stempel der Corr'ectheit\nan sich trägt, den Grund, wesshalb sie zu Stande kommt,\nsomit gar nicht in sich, sondern in einer äusseren fatalen\nNöthigung zu haben scheint. Es ist unmöglich, eine Auf-\nführung nachzuweisen, in welcher sich Zweck und Mittel\nvollkommen in Uebereinstimmung gefunden hätten, in wel-\n\n*) Man könnte versucht sein, wären nicht die Namen, auch der\ndes Consuls (Vidal), genannt, die Anekdote für eine neue\nForm der Reclame für Verbreitung des „Siecle\" zu halten.\nWollte man aber alle Dummheiten und schlechten Witze der\nfranzösischen Journalisten über die Zustände der Kunst im\nAuslande auf diplomatischem Wege redressiren lassen, so wür-\nden die Consuln aller Staaten, auch der europäischen und be-\nsonders der deutschen, viel zu thun bekommen!"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "359", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631107-01.1.7", "texte": "eher daher nicht das mangelhafte Talent, die fehlerhafte\nAusbildung oder die ungeeignete Verwendung einzelner\nSänger, ungenügende Vorbereitung und daraus entstehende\nUnsicherheit anderer, rohe und charakterlose Vortrags-\nManieren der Chöre, grobe Fehler in der scenischen Dar-\nstellung, meist gänzlich mangelnde Anordnung in der dra-\nmatischen Action, rohes und sinnloses Spiel Einzelner,\nendlich grosse Unrichtigkeiten und Fahrlässigkeiten in der\nrein musicalischen Auffassung und Wiedergabe, Vernach-\nlässigungen in der Nuancirung, UnÜbereinstimmung des\nVortrages des Orchesters mit dem der Sänger irgendwo\nmehr oder minder störend und gar verletzend hervorge-\ntreten wären. Die meisten dieser Aulführungen tragen den\nStempel eines rücksichtslosen Sichgehenlassens, gegen wel-\nches dann das Bemühen einzelner Sänger, durch gewalt-\nsames Heraustreten aus dem künstlerischen Rahmen be-\nsonderen Beifall für Einzelheiten ihrer Leistungen zu ge-\nwinnen, desto widerwärtiger absticht und dem Ganzen\netwas geradezu Lächerliches gibt.\"\nHierauf schildert Wagner, indem er das Getriebe\n„von innen\" betrachtet, die „fabriksmässige Ueberthätig*\nkeit, Ueberarbeit und bei vollkommener Ermüdung oft so-\ngar bewunderungswürdige Ausdauer\" —dann das virtuo-\nsenhafte Hervortreten der einzelnen Sänger, und bezeichnet\nals „Hauptübel der Desorganisation\" den „Verlust alles\nGemeingelühls\".— „Keiner hat Sinn für das Ganze, weil\ner keine Achtung vor der Leistung des Ganzen hat.\" Der\nFehler liege „nicht in der Person des Direclors,\" folgert\nWagner weiter, „sondern zunächst in einem Gebrechen\nder Organisation des Institutes selbst.\" Den „Grund aller\nNöthen\" findet Wagner „fast einzig in der Nöthigung, je-\nden Tag zu spielen\". Er führt nun alles an, was sich gegen\ndas tägliche Spielen berechtigter Weise anführen lässt und\nkommt zu dem Schlüsse, „dass das Operntheater ein Kunst-\nInstitut sein soll, welches zur Veredlung des öffentlichen\nGeschmacks durch unausgesetzte gute und correcte Aulfüh-\nrungen musicalischer Werke beizutragen hat. Da hierzu,\ndem sehr complicirten Charakter solcher Aufführungen\nangemessen, mehr Vorbereitungen und Zeitaufwand gehö-\nren, als zu den Aufführungen des recitirenden Drama's, so\nsoll die Zahl der Vorstellungen des kaiserlichen Hof-Opern-\ntheaters auf die Hälfte der bisherigen zurückgeführt wer-\nden, und es soll selbst von diesen nur ein Theil der Oper,\nder andere dagegen dem Ballet zufallen.\"\n\nEin Oratorium von Joseph Haydn.\nHerr Leopold von Sonnleitner in Wien theilt in Nr. 43 der\nwiener „Recensionen\" mit, dass er in der Musicaliensammlung des\nCardinal-Erzlierzogs Rudolph, welche dieser an die Gesellschaft der\nMusikfreunde vermacht hat, ein Oratorium von J. Ilaydn auf-\ngefunden habe, dessen bis jetzt nirgendwo Erwähnung geschehen.\nDer auf dem Lederbande der Partitur aufgeklebte Titel heisst:\nAbramo ed Jsacco, Oratorio in du\nseppe Haydn. Attori cantanti:\nPastori, Coro♦ Angelo. Der Text ist von Metastasio. Herr von Sonn-\nleitner sagt: „Ich habe keinen Grund, an der Autorschaft Haydn's\nzu zweifeln. Der Titel, welcher seinen Namen angibt, ist von der\nHand eines damals sehr bekannten und verlässlichen Copisten ge-\nschrieben, welcher viele G'opiatnren für den kaiserlichen Hof be-\nsorgte. Die Notenschrift, welche von einer anderen Hand herrührt,\nträgt ganz das Gepräge jener Zeit. Der Stil erinnert sehr an jenen\ndes „Bitorno diTobiadoch sind die Arien kürzer gehalten und\nweniger mit Verzierungen überladen. (Es besteht das Ganze nur\naus einer Folge von Arien, einem Terzett und einem Schlusschor.)\nDie Entstehungszeit dieser Composition lässt sich nicht mehr genau\nbestimmen; dem Stile nach dürfte sie in die Zeit von Haydn's An-\nstellung beim Grafen Mörz in (1759—60) oder in die ersten Dienst-\njahre beim Fürsten Esterliazy fallen. Gegen eine frühere Zeitannah-\nme spricht die Anwenüung von Clarinetten bei einigen Nummern,\ngegen eine spätere die vergleichsweise geringe Bedeutung des Wer-\nkes, weiches an contrapunktischer Gediegenheit der Composition\ndesselben Textes von Predieri (1739) entschieden nachsteht, in sei-\nner melodischen Frische und Anmuth aber schon die Eigentbüm-\nlichkeit des Meisters ahnen lässt. Zur öffentlichen Aufführung in\nunserer Zeit eignet sich der Abramo noch weniger, als der Mitorno\ndi Tobia\\ als ein Beitrag zur Entwicklungsgeschichte Haydn's dürfte\ner aber alle Achtung verdienen.\"\nHiernach dürfte die Echtheit des Werkes doch einer weiteren\nBestätigung bedürfen.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nt* Frankfurt a. ML, 1. November. Am 30. October gab\nFrau Clara Schumann, die auch im Museums-Concerte gespielt\nhatte, ein Privat-Coiicert, in welchem sie mehrere Solostücke für\nPianoforte mit der bekannten technisch und geistig vollendeten\nVortragsweise spielte, die Jedermann bezaubern muss. In solchen\nStücken darf man mit der begabten Künstlerin über ihre indivi-\nduelle Auffassung und die gewählten Tempi kaum rechten; allein\nwenn sie grössere Compositionen, wie das Quintett von Hob. Schu-\nmann, eine Sonate mit Violine von Mozart (mit Herrn Straust\nund dergleichen mit einer solchen Hast und Eile, wie dies leider\nauch jetzt wieder geschah, vor- oder vielmehr im Fluge vorüber-\nführt, so hört alle Charakteristik der Composition auf, und wir kön-\nnen nur von Herzen bedauern, dass die grosse Künstlerin bisher\nkeine Erinnerung, auch die freundlichste und wohlwollendste, zur\nRückkehr zu angemessener, im Tempo maassvoller Anwendung ihrer\nBravour auch nur im Geringsten beachtet hat. Fräulein Pau-\nline YY iesemann aus Köln trug zwischen den Instrumental-\nsachen einige Gesangstücke vor. Wenn eine anmuthige Erscheinung,\nmit einem einfachen und bescheidenen Wesen verbunden, und eine\nklangvolle, in allen Tönen wohllautende Mezzo-Sopranstimme schon\ngleich für die junge Sängerin einnahmen, so zeugte auch die Wahl\nder Gesänge von Sinn und Geschmack für die edlere Kunstgattung\ndes deutschen Liedes. Mozart's „Veilchen\" gab sie mit dem gan-\nzen Reize unbefangener Natürlichkeit und Innigkeit wieder, so dass\nman auch ihr hätte zurufen mögen: „Du bist wie eine Blume!\"\nund in dem Vortrage von Hauptmann' s „Ach neige, du Schmer-\nzenreiche\", von Schumann's „Mondnacht\" und „Widmung\" er-\nkannte man mit grosser Befriedigung in der Reinheit und Sicherheit\nder Intonation, dem Ansatz, der Behandlung und Färbung des To-\nnes die Frucht von Gesangstudien, die auf das wahre Wesen des"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "360", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631107-01.1.8", "texte": "Gesanges, auf Tonbildung und Ausdruck gerichtet gewesen sind.\n[Fräulein Pauline Wiesemann ist auf dem kölnischen Conser-\nvatorium und in der vortrefflichen Schule des Herrn Professors\nBöhme gebildet.]\nDer Concertmeister Ed. Eliason in Frankfurt am Main\nist an die Stelle des verstorbenen Hofmann zum Musik-Director\nernannt worden.\nDer von Ferd. Hiller für den Concurs in Aachen compo-\nnirte Männerchor „Der Morgen\" ist mit deutschem und französischem\nText im Verlage von B. Schott's Söhnen in Mainz erschienen.\nFerdinand Hiller's Oper „Die Katakomben\" wird dem-\nnächst in Weimar zur Aufführung kommen.\nLeipzig« Das erste Gewandhaus--Concert fand am\n8. October mit folgendem Programm Statt: I. Theil: G-eZwr-Concert\nfür Streich-Instrumente von Seb. Bach; Arie aus „Judas Maccabäus\"\nvon Händel, gesungen von Fräulein Parepa aus London; Concert\nfür die Violine von Viotti, vorgetragen von Concertmeister F. Da-\nvid; Arie aus der „Schöpfung\" von Haydn, gesungen von Fräulein\nParepa. 11. Theil: 6-mo/Z-Sinfonie von Beethoven. Fräulein Parepa\nist zur Mitwirkung bei den Gewandhaus-Concerten berufen. Sie ist\nMeisterin im Coloraturgesange und offenbarte darin eine überaus\ngrosse Gewandtheit. Ihr Triller besonders ist vortrefflich und von\nmusterhafter Deutlichkeit, die Intonation von untadelhafter Reinheit.\nFür das zweite Concert am 15. October war folgendes Programm\naufgestellt: I. Theil: _D-raoZZ-Sinfonie Nr. 4 von Rob. Schumann;\nRecitativ und Arie von Julius Benedict (neu für Leipzig), gesungen\nvon Fräulein Euphrosine Parepa; Concert für Pianoforte und Or-\nchester von und durch Louis Brassin aus Brüssel; Arie aus der\n„Zauberflöte\", Fräulein Parepa; Beverie pastorule und Bonde fan-\ntastique von und durch L. Brassin. 11. Theil: „Kampf und Sieg\",\nCantate für Soli, Chor und Orchester von C. M. von Weber.\nGörlitz. Montag den 12. October hatten wir hier einen\nwahrhaft seltenen Kunstgenuss. Der Waldhornist, Kammer-Virtuose\nSr. Hoheit des Fürsten zu Hohenzollern-Hechingen, Herr Karl\nKlotz, dessen Name weit über die deutsche Gränze hinaus, theils\ndurch seine Werke für Horn (besonders seine praktische Hornschule,\nVerlag von Johann Andre in Offenbach), theils durch seine ausser-\nordentliche Virtuosität berühmt ist, veranstaltete hier ein Concert\nunter Mitwirkung des hiesigen Herrn Musik-Directors Kling en-\nberg und seiner Fräulein Tochter Susanne. Herr Klotz bekundete\ndurch Grösse, Fülle und Weichheit seines Tones, eminente Technik,\nverbunden mit edlem Vortrage, die Wahrheit alles dessen, was die\nöffentlichen Blätter über diesen Künstler bereits gesagt haben. Nicht\nminder aber glänzte das siebenzehnj&hrige Fräulein Susanne Klin-\ngenberg durch Arien von Händel, Mozart u. s. w., mit grossem,\nklarem Tone und tief empfundenem Vortrage gesungen. Wir können\nihr eine schöne Zukunft in Aussicht stellen. Zum Schlüsse des Con-\ncertes sang sie noch zwei kleine Lieder auf reizende Weise. Die\nvortrefflichen Leistungen des Herrn Klotz und des Fräulein Klin-\ngenberg wurden von allen Anwesenden durch stürmischen Beifall\nbelohnt.\nDer letzte Nachkomme Orlando di Lasso1 s, Herr J.\nLasser, Musicus und Organist, ist in München im 82. Lebensjahre\ngestorben. Derselbe war früher ein bekannter Ciavierlehrer und seit\ngeraumer Zeit Pfründner in einem Spitale. Zweifellos ist derselbe\nder letzte männliche Nachkomme des grossen Orlando di Lasso.\nOrlando di Lasso's Söhne und Enkel waren Gutsbesitzer in der\nNähe von Fürstenfeldbruck, und in den Briefs-Protocollen dieses Ge-\nrichtes kommen ihre Namen häufig vor, nicht bloss mit dem italiäni-\nschen Lasso, auch mit dem germanisirten Lasser (de Lätre). Nach später\neingetretener Verarmung trat ein solcher Lasser zur Kunstübung des\nAhnherrn zurück und wurde Musicus am kurbaierischen Hofe in\nMünchen. Ein solcher Hofmusicus Lasser, wahrscheinlich der Vater\ndes jüngst Verstorbenen, erscheint auch als Componist von Messen\nund Vespern, die bei Lotter in Augsburg gegen Ende des vorigen\nJahrhunderts erschienen. Es wäre nun Sache der Musiker und Ge-\nschichtsforscher, diese Thatsache weiter zu untersuchen.\nAm Hof-Operntheater in Wien wird Marschner's hinterlassene\nOper „Der Sängerkönig Hiarne\" im Laufe des kommenden Winters\nzur Aufführung kommen. (?)\nBei der Plünderung des Zamoyski'schen Palastes in Warschau\nnach dem Attentate auf den General Berg ist auch ein Piano C ho-\npin's, welches dessen Schwester, der Gemahlin des in demselben\nHause wohnenden Directors Barcinki, gehörte, auf die Strasse\ngeworfen und verbrannt worden."}]}