{"numero_id": "bm-bmtnabi-1863-11-14-01", "volume": "bmtnabi_1863-11-14_01", "ocr_sha256": "27ab01cf9c2d3b4dd5d3d3663db27ea19a2040b89a3395073a003fa608bc9f99", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1863/11/14_01/bmtnabi_1863-11-14_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631114-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1863-11-14-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-11-14_01#c001", "volume": "bmtnabi_1863-11-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "361", "page_fin": "361", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631114-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "361", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631114-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 458, "texte": "Inhalt.\nDie Trojaner. Oper in fünf Acten. Text und Musik von Hector Berlioz. Von B. P. Aus Karlsruhe (Concert\nvon Richard Wagner M. Bruch's „Lorelei\" in Mannheim). Tages- und Unterhaltungsblatt (Barmen, erstes Abonnements-\nConcert Duisburg, Concert Berlin, Königliche Oper, Engagement von Fräulein Lucca Innsbruck, zur Kirchenmusik \"Wien,\nFlotow's neue Oper, Karl-Theater, Herr Dessoff, Ernst Pauer, Offenbach Eine elsässische Oper Meyerbeer Carlotta Patti)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-11-14-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-11-14_01#c002", "volume": "bmtnabi_1863-11-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "361", "page_fin": "367", "image_debut": 1, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631114-01.2.2", "titre_corps": "Die Trojaner.", "titre_sommaire": "Die Trojaner.", "signature_source": "B. 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Aber\nnicht das erste Operntheater von Paris hat sich entschlies-\nsen können, „Die Trojaner\" anzunehmen: diesen ehren-\nvollen und heroischen Entschluss fasste die dritte Opern-\nbühne, das Theätre lyrique,unter der Verwaltung des\nHerrn Carvalho.\nUm die Neugierde der Leser auf den Inhalt, den man\nsich freilich nach dem bereits lange vor der Aufführung\nbekannt gewordenen sehr allgemeinen Titel nicht wohl\nselbst construiren kann, zu befriedigen, wollen wir nur\ngleich bemerken, dass der eigentliche Titel Les Troyens\nä Carthagelautet und dass der Stoff kein anderer ist,\nals die Liebe der Dido und des Aeneas und das tragische\nEnde der Königin von Karthago nach der Flucht des tro-\njanischen Helden mithin ein Stoff, der schon hundert\nMal zu Dramen, Melodramen, Opern, Cantaten, ja, sogar\nzu einer Clavier-Sonate (wDidone abandonnata\" von Cra-\nmer, wenn mir recht ist) gedient hat.\nDoch geben wir zuvor, ehe wir ins Einzelne gehen,\nder freudigen Befriedigung Ausdruck, welche jeden Künst-\nler und Kunstfreund beim Anblick des Zettels des Theätre\nlyrique vom 4. November ergriff, dass nach jahrelangem\nHarren endlich einem Musiker von so anerkanntem Rufe\nund so unläugbarer Bedeutung für die französische Musik\ndie Genugthuung werden sollte, sein neuestes und gröss-\ntes Werk aufgeführt zu sehen. War Berlioz etwa ein\nKnappe, der erst, wie es jetzt Sitte ist, um Gestattung\neines Turniers betteln musste, um dabei seine Sporen zu\nverdienen? Galten seine musicaiischen Werke, seine geist-\nvolle literarisch-kritische Thätigkeit, seine Reisen ins Aus-\nLand und ihre Erfolge nichts in seinem Vaterlande? Wie?\nist er nicht Mitglied des Instituts, erwählt durch die com-\npetentesten Stimmen von Männern seines Faches? Und\ndieser Mann schreibt eine Oper, in die er all sein Wissen\nund Können hineinlegt, und als er die Partitur vollendet\nhat, klopft er an die Pforten des grossen kaiserlichen\nOperntempels, zu dessen Erhaltung der Staat jährlich\n800,000 Francs gibt und dessen Jahres-Einnabme mehr\nals 1,200,000 Francs beträgt, und sie bleiben ihm\nverschlossen! Vertrösten, Hinhalten, Aufschieben, am Ende\nförmliches Zurückweisen musste er erdulden von einer\nKunstanstalt, die seit zwei Jahren keine Note neuer Musik\ngebracht hat. Freilich kann sich die Oper auf ihre Ein-\nnahmen berufen! Können aber volle Häuser, wenn man\nhingeht, um sich zu wärmen, zu schwatzen, die Tänzerin-\nnen zu lorgnejttiren, die Toiletten zu zeigen, den Abend\nhinzubringen, abgesehen von der Hälfte der Zuschauer,\nwelche die Eisenbahnen täglich anfahren, können auf diese\nWeise gefüllte Häuser einen Beweis für die Vortrefflich-\nkeit, für den künstlerischen Sinn der Verwaltung geben?\nEin grosses Theater, das erste Theater eines Kaiserreiches,\ndas unter dem unmittelbaren Schutze des Souverains steht,\nsoll Kunst treiben und nicht ein Geldgeschäft. Es soll\netwas wagen, es soll auch ein kühnes Streben aulmuntern,\nkeinesfalls erdrücken; es soll nicht in dem ewigen lethar-\ngischen Einerlei verharren.\nMan möge über einen Mann wie Berlioz so wie so\ndenken, man möge seine Ideen billigen oder widerlegen,\nseine Grundsätze bekämpfen, ihn freimüthig und streng,\nselbst hart beurtheilen: das ist begreiflich und nothwendig.\nAber dass man ihn verhindert, mit dem Resultate seiner\nGrundsätze und Arbeiten überhaupt nur hervorzutreten,\ndass man ihm Schweigen gebietet und ihm ohne Weiteres\nden Bescheid gibt: „Wir wollen Dich nicht haben, weil\nwir Dich nicht haben wollen\" das ist denn doch eine\nwahre Rechtsverweigerung auf dem Gebiete der Kunst."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "362", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631114-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5090, "texte": "Nun, er hat endlich seinen Mann gefunden an dem\nDirector des lyrischen Theaters. Carvalbo hat ihm alles,\nworüber er verfügen konnte, zu Gebote gestellt: ein ver-\nstärktes Orchester, einen doppelten Chor, eine Masse von\nStatisten, glänzende Costüme, herrliche Decorationen, kost-\nspielige Aufbauten für die architektonische Ausstattung\nder Bühne. Er hat die Sängerin Madame Charton-De-\nmeur, welche Berlioz für die Rolle der Dido wünschte,\nengagirt kurz, er hat alles gethan, was die grosse Oper\nhätte thun sollen und leichter thun konnte; er hat grosses\nSpiel gespielt und wie es scheint, hat er es gewonnen.\nNun, er ist gewohnt, hoch zu setzen. Das Haus war in\nden beiden ersten Vorstellungen überfüllt und der Erfolg\nbeim grossen Publicum nicht zweifelhaft, auch in der Be-\nziehung nicht, dass er auf äusserlich wirksame Weise in\nScene gesetzt worden wäre, wozu Berlioz weder kriechend\nnoch reich genug ist.\nWie Berlioz dazu gekommen, als Schöpfer und Haupt\nder romantisch-phantastischer» Schule der französischen\nMusik, einen erzclassischen Stoff zu wählen, erklären seine\nFreunde aus seiner Vorliebe für den Dichter Virgil, den\ner auswendig kann, wie sie sagen. Er hat sich in der\nThat genau an den Virgil gehalten. Sein eigentliches Vor-\nhaben war, eine Trilogie zu dichten und in Musik zu\nsetzen, welche die Zerstörung von Troja, die Trojaner in\nKarthago und die Weltherrschaft Borns zum Gegenstande\nhaben sollte. Die zwei ersten Theile derselben sind vollen-\ndet; der erste: „La prise de («Die Eroberung von\nTroja\"), bildet eine Oper in drei Acten, welche unter der\nPresse ist; der zweite Theil: ,\nwird aufgeführt und ist in diesen Tagen bereits in Druck\nerschienen*); der dritte scheint noch nicht vollendet zu\nsein; indess als Andeutung desselben hat Berlioz den „Tro-\njanern in Karthago\" einen Epilog hinzugefügt, eine Art\nvon Vision, in welcher Rom und das Capitol erscheinen\nund der Triumphzug eines römischen Kaisers den Schluss\nbildet. Ein Prolog führt uns die Zerstörung von Troja\nerzählend und darstellend vor, so dass der Zusammenhang\nder Trilogie bei der Aufführung des mittleren Theiles der-\nselben doch den Zuschauern zum Bewusstsein kommen\nsollte. Der Prolog ist geblieben, aber den Epilog hat man\nüber Bord geworfen, um das kolossale Schiff wenigstens\nnoch vor Mitternacht in den Hafen zu bringen. Was für\nAnsprüche Berlioz an die Decorationsmalerei, die Maschi-\nnerie und den Theaterpomp jeder Art macht, kann man\naus diesem gigantischen Plane, ein ganzes Epos auf die\nBühne zu bringen, schon schliessen. Hierin gibt er seinem\nDoppelgänger in Deutschland nicht viel nach, wenn er\nauch für seine Trilogie nicht gerade einen vollständigen\nNeubau verlangt, wie dieser für seine Nibelungen.\nDoch zur Sache!\nStatt der Ouvertüre hören wir ein Adagio, welches\nder Componist aber nicht etwa Adagio oder Largo, son-\ndern „Lamento\"überschrieben hat. Nach einer klagenden\nPhrase der Violinen, dann der Violoncelle stimmen die\nPosaunen einen gedämpften Trauergesang mehr von schö-\nnem Klange als von schöner Melodie an; gegen den Schluss\nhin bricht eine Modulation nach Des-dur mit vollem Or-\nchester mit Effect aus. Der Vorhang geht auf und eine in\nKaulbach's Weise gemalte Gardine, zeigt uns den Brand\nvon Troja. Ein Rhapsode tritt auf und erzählt in ziemlich\nlangweiligen Versen und Tönen die gewählte Form ist\njene monotone Declamation, die weder Recitativ noch\nArie ist die Einnahme von Troja durch die List der\nGriechen. Geben wir den Anfang als Probe der Versifi-\ncation des Dichters Berlioz:\nAp res dix ans de guerre et d'un siege inutilei\nLes Grecs de renverser la ville\nDe Priam, renonqant ä venger Menelas,\nFeignirent de partiren implorant Pallas,\nLaissant sur le rivage,\nComme un pieux hommage\nOffert ä la deesse irritee, un cheval\nDe bois, immense, colossal.\nCette oeuvre Strange, incroyable, inouie,\nD'hommes arm&s remplie etc.\nWir wollen aber doch bemerken, dass an anderen Stellen\nauch bessere Verse und eine poetischere Diction in dem\nTextbuche anzutreffen sind, als in dem Prolog. Wunder-\nlicher Weise fügt nun der Autor nach den Worten:\nEnfin la fatale machine\nFranchit les murs sacres*)\n# '\nzu der gemalten Illustration auch noch eine musicalische\nhinzu, indem er hinter der Gardine von einem unsichtba-\nren Chor „la Marche troyenne dans le mode triomphal\"\nsingen lässt. Dieses Musikstück, effectvoll, aber geschraubt\nund auf Stelzen einherschreitend, soll, wie es scheint, eine\nArt von Nationai-Hymne der Troj aner sein; sie kommt\nöfter in der Oper vor, und im Prolog muss man, um zu\nbegreifen, wie sie da hineinkommt, sich den Moment dazu\ndenken, wo die Trojaner im jubelnden Triumph das höl-\nzerne Pferd in die Stadt ziehen, was denn auch der Rhap-\nsode durch die Worte: „De c\nde quels sons fremirent lesechos\", andeutet. Im Orchester\nspielen ebenfalls einige Raffinements, z. B. die Anwendung\nder Harfen, eine Rolle dabei.\n\nBei Choudens, Rue St. Hon\nPiano. 15 Francs net.Vollständig, d. h. auch mit den Sce-\nnen, die bei der Aufführung jetzt weggelassen werden. Eben-\ndaselbst : La prise de Troie. 12 Francs net.\n*) JScandit fatalis machina muros. Virgil."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "363", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631114-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5162, "texte": "Der Rhapsode geht ab, und nach einer kurzen Pause\nversetzt uns die Verwandlung nach Karthago an den Hof\nder Dido. Rechts ein Thron, „umgeben von den Trophäen\ndes Ackerbaues, des Handels und der Künste\", im Pro-\nspect ein stufenweise aufgebautes Amphitheater ganz und\ngar mit Menschen besetzt, welche beim Einzüge der Kö-\nnigin, die ebenfalls mit grossem Gefolge und kriegerischem\nGepränge erscheint, den Doppelchor anstimmen:\nGloire k Didon, notre reine ch^rie!\nReine par la beaute, la gräce, le genie,\nReine par la faveur des dieux\nEt reine par l'amour de ses sujets heureux.\nDamit beginnt der erste Act. Die Königin steigt auf\nden Thron*), ihre Schwester Anna steht ihr zur Seite. Sie\nhält in einem langen recitativischen Arioso eine Art von\nThronrede, worin sie die Blüthe des neuen Reiches, das\nsie erst vor sieben Jahren gegründet hat, dem glücklichen\nVolke der tyrischen Karthager schildert, die reichen Aern-\nten, die Handelsllotte rühmt, welche „Getreide, Wein,\nWolle und Eisen und die Producte der Künste\" herbei-\nführt, dann eine feierliche Arie singt, deren Motive für\ndie Situation etwas zu düster und melancholisch klingen,\nund theilt am Ende an die Gruppen von Matrosen, Bau-\nleuten und Ackerbauern Preise aus, während der Chor\ndie Hymne Gloire ä Didon wiederum erklingen lässt. Die\nArie in Es-mollist in der ersten Hälfte recht schön, fällt\naber nachher ab. Der Chor macht besonders bei seiner\nWiederholung eine schöne Wirkung; dem Componisten\nhaben dabei die erhabenen Muster von Händel und Gluck\nvorgeschwebt, Form und Inhalt entsprechen der Gross-\nartigkeit der ganzen Scene, zu deren glanzvoller Instand-\nsetzung sogleich, wie man sieht, ein gewaltiger Theater-\nApparat gehört.\nDido und Anna bleiben allein. Die Königin klagt der\nSchwester ihre Gemütsbewegung, deren Ursachen sie\nsich nicht erklären kann**). Anna, die mehr Erfahrung zu\nhaben scheint, deutet diesen Zustand auf das Vorgefühl\neiner neuen Liebe, und so entsteht ein Duett, das sehr\nwenig classische, aber desto mehr französische Farbe hat\nund sich zu sehr in musicalische Details, z. ß. Passagen\nin Terzen und dergleichen, verliert.\nEin Bote meldet schiffbrüchige Fremde, die um Ge-\nhör bitten. Dido gewährt es und spricht ihr Mitgefühl\nnon igncira mali —in einer Arie aus, die nicht viel zu be-\ndeuten hat.\nEs erscheinen die Trojaner mit Aeneas in Seemanns-\nkleidung, Ascanius (Sopran), Pentheus und anderen Füh-\nrern als Schutzflehende unter den Klängen des Trojaner-\nMarsches aus dem Prolog, dem aber bier sein triumphi-\nrender Charakter genommen ist—, eine sonderbare Idee,\neine Huldigung an den Realismus, die an das Komische\nstreift, eben so wie ganz dasselbe bei Beethoven in seiner\nSchlacht bei Vittoria, wo er die Franzosen mit dem Marl-\nborough s'en va-t-en guerrein anrücken und mit dem-\nselben Liede in Moll und abgebrochenen Phrasen abziehen\nlässt, als sie geschlagen sind.\nDen Empfang unterbricht Narbal mit der Schreckens-\nNachricht, dass der barbarische Numiderfürst larbas, dem\nDido ihre Hand versagt hat despectus larbas mit\neinem Heere nahet. Da wirft Aeneas seine Verkleidung\nab und erbietet sich, mit seinen Trojanern gegen die Afri-\ncaner zu kämpfen. Grosses Finale mit Solostimmen und\nkriegerischen Chören der Tyrier und Trojaner. Das Auf-\ntreten Narbafs ist lebendig charakterisirt in Gesang und\nOrchester, und das ganze Finale hat heroischen Schwung;\nes erinnert an die pomphafte Schreibart Spontini's. Der\nTenor (Aeneas) ist die vorherrschende Partie darin; der\nDarsteller desselben (Monjauze) hat aber nicht die Kraft\nder Stimme, welche dazu gehört, um Alles darin zur Gel-\ntung zu bringen. Die sanftere und recht melodische Stelle,\nwo Aeneas seinem Sohne Ascanius Lebewohl sagt, gelang\nihm besser. Der Vorhang fiel unter lebhaftem und an-\nhaltendem Applaus.\nWir hatten nichts dagegen und haben selbst mit ein-\ngestimmt; es ist in dem Finale Plan und Form und ein\nedler Stil zu entdecken, wenn auch die musicalischen Mo-\ntive nicht eben originel sind.\nWie sieht es nun aber weiter aus, und wie hört es\nsich an? Berlioz lässt den zweiten Act nicht unmittelbar\nauf den ersten folgen, sondern hat ein „Iniermede\nphonique, Chas-se royale et oreingelegt. Dies ist ein\nlanger Orchestersatz, Sinfonie mit Illustration durch Sce-\nnerie, Ballet, mimische Darstellungen u. s. w. auf der\nBühne, was sich alles um die berühmte.Grotte herum-\ntummelt, in welcher Dido und Aeneas Schutz vor dem\nUnwetter und eine „dunkle Stunde\" finden. Alles nach\nVirgil*). Doch hören wir Berlioz selbst, der im Textbuche\ndie ganze Scene beschreibt und sich dabei eben so wie\nWagner als geschickten, aber auch verschwenderischen\nRegisseur bewährt. Es heisst da wörtlich, wie lolgt:\n„Das Theater stellt einen africanischen Urwald am\nMorgen dar. Im Hintergrunde ein sehr hoher Fels. An\nseinem Fusse links die Oeffnung einer Grotte. Ein kleiner\nBach windet sich um den Felsen und verliert sich in einem\nnatürlichen, kleinen See, dessen Ufer mit Schill und Binsen\n\n*) Septa armis solioque alte subnixa resedit.\n**) Anna soror, quae me suspensam insomnia terrent?\n*) Tellus et pronuba Juno\nDant Signum: fulgere ignes et conscius ciether\nConnubii, summoque ulularunt vertice yympliae.\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "364", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631114-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5258, "texte": "bedeckt sind. Zwei Najaden lassen sich einen Augenblick\nsehen und verschwinden dann wieder. Die königliche Jagd.\nTrompeten-Fanfaren erklingen von Weitem durch den\nWald. Die erschrockenen Najaden verbergen sich im\nSchilf. Man sieht tyriscbe Jäger vorbeiziehen. Ascanius\nläuft [traverse ä la course)über die Bühne. Der Himmel\nverdunkelt sich: es fällt Regen. Aufsteigendes Gewitter.\nBald wird der Sturm fürchterlich: der Regen strömt,\nHagel, Blitz und Donner. Wiederholter Jagdhornruf zum\nSammeln mitten durch den Aufruhr der Elemente. Die\nJäger stieben nach allen Richtungen hin aus einander.\nEndlich erscheint Dido als Diana, Göttin der Jagd, den\nBogen in der Hand, den Köcher auf der Schulter, und\nAeneas in halb kriegerischem Anzüge. Sie treten in die\nGrotte. Auf der Stelle werden die Nymphen des Waldes\nmit fliegendem Haar auf dem Gipfel des Felsens sichtbar.\nDer Bach schwillt an und bildet einen rauschenden Was-\nserfall. Mehrere andere Wasserstürze fallen von anderen\nStellen des Felsens herab und mischen ihr Brausen in\ndas Dröhnen des Sturmes. Satyrn und Faunen führen\nim Dunkel groteske Tänze auf. Der Blitz fährt in einen\nBaum, spaltet und entzündet ihn. Die Trümmer des Bau-\nmes stürzen auf die Bühne. Die Satyrn und Faunen heben\ndie Feuerbrände auf und beginnen einen Fackeltanz da-\nmit, dann verschwinden sie mit den Nymphen im Dickicht\ndes Waldes. Der Sturm legt sich.\"\nSo der Dichter und Regisseur! Und der Musiker?\nNun, diese phantastische Pantomimen-Sinfonie (doch nicht\nganz Pantomime, denn zuweilen hört man „das Geheul\nder Nymphen\", idularunt Nympliae!) ist nicht etwa das\nSiegel auf Berlioz' Absagebrief an Wagner und die Zu-\nkunftsmusik, sondern die auffälligste Widerlegung dessel-\nben ein Gewirr von Tönen in grausigen Harmonieen\nund Klang-Zusammenstellungen, dazwischen geworfene\nRaffinements mit gestopften Horntönen, ein Durcheinan-\nder, in welchem keine Tonart und keine Form zu ent-\ndecken ist. Eine Wolfsschlucht, eine Walpurgisnacht sind\nsüsse Melodieen dagegen, die Tannhäuser-Musik im Ve-\nnusberg im Vergleich damit eine italiänische Serenade!\nWelche Mühe, welche Summe hat diese dunkle Stunde\nder Theater-Direction gekostet! Und alles das für ein\neinziges Mal! Denn erstens fiel die Scene beim Publicum\ndurch le silence du peuple est la des compositeurs\n—, und zweitens dauerte sie fünfundfünfzig Minuten; sie\nwar also bereits bei der zweiten Aufführung verschwun-\nden, aber ihre Existenz, bestätigt durch die gedruckte\nPartitur, darf nicht übersehen werden, weil sie zur Cha-\nrakteristik des Systems gehört und zum dereinstigen Be-\nweise in der Geschichte der Musik, in welche Verirrun-\ngen im Jahre des Heiles 1863 die dramatische Musik\ndurch Reformatoren wie Hector Berlioz und Richard\nWagner gerathen.\nDer zweite Act (oder wenn man die illustrirte Sin-\nfonie als den zweiten betrachtet, der dritte) führt uns in\nden Palastgarten der Königin und glücklicher Weise auch\nzu klarer, in manchen Nummern ausgezeichnet schöner\nMusik zurück.\nEs eröffnet ihn ein Marsch über das Thema des Na-\ntionalgesanges (Gloire ä Didon) aus dem ersten Acte; die\nKünstelei im Trio, ein Gegen-Thema der Violinen con\nsordini neben der Melodie der Holz-Blasinstrumente, wel-\nche die Harfen begleiten, hört sich recht hübsch an. Dido\nzieht mit ihrem ganzen Hofstaate herein und lässt sich\nauf ein Ruhebett nieder. Anna, Ascanius, Aeneas umste-\nhen sie. Es ist Abend, das Fest beginnt mit Tanz in zwei\nAbtheilungen. Die Musik zu der ersten ist melodisch; aber\ndie Sucht nach origineller Instrumentirung hat den Com-\nponisten auch hier zu einem langen Triller der Violinen\nauf dem höchsten a, das auf dem Griffbrett zu erreichen\nist, verführt, der mit seinem unverständlichen Mäusege-\nwimmer den Ohren weh thut. Die zweite Ballet-Nummer\nein Tanz nubischer Sclavinnen in (ohne Vor-\nzeichnung, anspielend auf den dritten Kirchenton!) ist wie-\nderum im höchsten Grade bizarr mit tarantelmässigen\nViolinfiguren, Tamburinschlägen und Flötengepfeife.\nAuf den Wunsch der Königin erzählt Aeneas\ndum, regina, iiibes renovare dolorem) von Troja's Zerstö-\nrung, woran sich ein Quintett schliesst, in welchem\nDido in einer innig dahinschmelzenden Melodie ihre Liebe\nvor sich selbst rechtfertigt (nT\nremords et mon coeur est absousa), während Anna ein be-\nwegteres Motiv durchführt. Der harmonische Fluss des\nganzen Stückes thut nach so manchem Barocken und\nUeberladenen recht wohl. Bei Weitem wirksamer und zwei-\nfelsohne die schönste Nummer der ganzen Partitur ist das\nbald darauf folgende Septett mit Chor, dessen musicali-\nscher Charakter der Poesie des Textes analog ist:\nTout n'est que paix et charme autour de nous!\nLa nuit son voile et la mer endormie\nMurmure en sommeillant les accords les plus doux.\nHierin ist Alles schön, ausdrucksvoll und innig gefühlt,\nein süsser Duft von melodischen Tönen, zu denen das Or-\nchester, mit Berlioz' Instrumentirungs-Talent behandelt,\nein liebliches Colorit gibt, in welchem die Pianissimo-\nKlänge der grossen Trommel und die tieferen Accorde\nder Bass-Instrumente einen seltsam ergreifenden Eindruck\nmachen, dem ruhigen Rauschen des Meeres in der Nacht\nähnlich. Das Publicum schlürfte, möchte man sagen, die\nSchönheit des Stückes mit athemloser Stille ein und brach\ndann in ein stürmisches Bis! aus, dem gewillfahrt"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "365", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631114-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5184, "texte": "werden musste. Das Orchester geht aus der Haupt-Tonart\nC-dur durch ansprechende Modulationen nach Ges-moll,\nund ein Duett zwischen Dido und Aeneas, welche allein\nauf der Scene geblieben sind, schliesst sich dem Septett\nan auf die Worte:\nO nuit d'ivresse et d'extase infinie!\nBlonde grands astres de sa cour,\nVersez sur nous votre lueur b&iie,\nFleurs des cieux, souriez ä l'immortel amour!\n-« » .\nAuch dieses Duett ist klar und voll Wohllaut, und sein\nEindruck wird kaum durch das unmittelbar vorhergehende\nSeptett geschwächt; es hat Form, man hört mit wahrem\nBehagen Terzen und Sexten, die fast noch gar nicht vorge-\nkommen sind, und fühlt bei den gedämpften Violinklängen\nden Duft einer Mondscheinnacht im Süden.\nAber im Augenblicke des höchsten Entzückens der\nLiebenden schwebt Mercur auf einem Mondstrahl herab,\nschlägt an den Schild des Aeneas, der an einer Säule der\nVorhalle hängt, und ruft drei Mal das mahnende Wort:\nnltalie! Italic!ltalic /\" Aeneas fährt aus dem Liebes-\ntaumel auf und stürzt ab, während die Königin, in Wonne\nversunken, seine Flucht nicht bemerkt. Der Vorhang fällt.\nDieser Act bildet den Höhepunkt des ganzen Werkes.\nDie beiden folgenden sind kurz und reichen weder dra-\nmatisch noch musicalisch an ihn hinan.\nDer dritte (oder vierte) Act zeigt uns das Lager der\nTrojaner am Meere und einen Theil ihrer Flotte. Es ist\nNacht. Ein junger Matrose schaukelt sich im Tauwerk\neines Schiffsmastes und singt eine sehnsuchtsvolle Ro-\nmanze, alias Gondellied, in B-dur, aber nicht in Weisen,\nwie Rossini oder Mendelssohn sie ihren Schiffern leihen,\nsondern in wunderlich abgebrochenen Melodie-Brocken.\nFolgt eine grosse Scene für Tenor, theils Becitativ in\ntempo in jener langweiligen Berlio^Schumann-Wagner'-\nschen Manier, theils Arie, wiewohl ziemlich formlos:\nKampf des Aeneas zwischen Liebe und Pflicht, an die ihn\nnicht bloss unsichtbare Stimmen, sondern auch die sicht-\nbaren Erscheinungen der Geister des Priamus, Choröbus,\nder Cassandra erinnern! Welch wunderliche Zusammen-\nkoppelung antiken Zopfes mit ultraromantischer Musik!\n—Aeneas befiehlt nach der Schluss-Explosion seiner Arie,\nwenn man das Stück so nennen kann, in stark moderner\nWeise: „Dusse-je etrebrise par die\nAnker zu lichten; die Trojaner stimmen einen Chor an\nund segeln ab. Hier hat Berlioz seinen Führer Virgil\nverlassen, und zwar offenbar zum Nachtheil der dramati-\nschen Wirkung. Virgil schildert die Abschieds-Scene,\nDido überhäuft den Aeneas mit Vorwürfen: „Dissimilare\netiam sperasti, perfide/\" u. s. w., was ein leidenschaft-\nliches, charakteristisches Duett gegeben hätte.\nDer letzte Act zeigt uns die Verzweiflung der verlas-\nsenen Dido zunächst wieder in einem langen Recitativ im\nTact und einer grossen Arie: citer letz-\ntere mit einer merkwürdigen Instrumentirung, in der wir\nnur Bratschen, Hörner und Clarinetten gehört haben. In\neiner Art von begeisterter Vision schaut die Königin in\nHannibal ihren Rächer {Exoriare ex ossibus\nbesteigt den Scheiterhaufen\nund ersticht sich. Verwünschungen über Aeneas und die\nTrojaner durch Anna und Narbal und den Chor der Prie-\nster Pluto's, wild und wüst und schwierig für die Aus-\nführung, schliessen. Die Scene der Dido hat einzelne\nschöne Stellen, die Erinnerung an das Motiv des Duetts\n0 nuit d'ivresse ist ein glücklicher Gedanke, aber sein\nEindruck verschwindet unter dem declamatorischen Stil\ndes Ganzen.\nIch habe oben gesagt, dass der Erfolg der ersten Vor-\nstellung nicht zweifelhaft war, und in der zweiten sollen\ndieselben Zeichen des Beifalls auch nicht gefehlt haben.\nWie lange aber dieser Beifall vorhalten wird, muss man\nabwarten. Dass die Stimmen des musicalischen Publi-\ncums sehr getheilt waren, zeigte sich freilich sogleich, und\nauch die Presse ist keineswegs ganz einig über den Werth\ndes neuen Werkes, wiewohl viele Blätter, wohl die mei-\nsten, es rühmen, einige Manches zwischen den Zeilen le-\nsen lassen, was nicht ganz mit der officiellen Sprache über-\neinstimmen dürfte, andere übertrieben in die Posaune\nstossen und dadurch wieder andere zu schroffer Blossle-\ngung der wirklichen Mängel und Seltsamkeiten, die übri-\ngens stark genug in die Augen fallen, aufreizen.\nAm aulrichtigsten spricht d'Ortigue, ein tüchtiger\nMusiker und Freund von Berlioz, nach einer warmen Be-\nfürwortung der Oper und ihrer einzelnen Schönheiten sei-\nnen Tadel in folgenden Worten aus, die wir vollständig\nunterschreiben, da sie mit unseren in der vorstehenden\nAnalyse des Werkes gegebenen Bemerkungen überein-\nstimmen.\n„Ich will nicht behaupten, dass „„Die Trojaner\" *\nohne Mängel seien: sie haben deren wirkliche und selbst\nsehr bedeutende. Zu oft fliessen Recitative und Arien\ndurch einander, die Arien nehmen recitativen Gang an\nund umgekehrt; in beiden ist das Orchester oft überla-\nden; man hört schroffe und harte Modulationen, die Phra-\nseologie ist zuweilen geschraubt und gequält, die verschie-\ndenen Perioden haben manchmal gar keine Verbindung,\nman wartet oft vergebens auf einen Uebergang von einer\nzu der anderen; Accorde werden bedauerlich gehäuft, wo\nein einziger genügte, so dass das Ohr allen Anhalt ver-\nliert und das Gefühl der Tonart aufhört, weil der leitende\nFaden verloren geht. Auch möchte man an vielen Stellen"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "366", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631114-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5391, "texte": "mehr Einfachheit wünschen, dieses so wesentliche Element\nder Schönheit, besonders bei einem antiken Stoffe. Ich\nbin also weit entfernt, die Fehler dieser Partitur verklei-\nnern zu wollen u. s. w. Aber welche Klänge! welche an-\ndauernde Grösse! welch ein edler Stil! welche lyrische De-\nclamation! u. s. w. u. s. w. —Uebrigens möge Berlioz sich\nnicht täuschen: er wird hienieden nie zur Ruhe kommen,\ner gehört zu den Auserwählten, deren Leben ein ewiger\nKampf ist.\"\nIn diesen Worten ist so ziemlich alles zusammenge-\nfasst, was man an dem neuesten Werke Berlioz' aus-\nsetzen muss. Ist das denn aber etwas Anderes, als das,\nwas man seit je her an ihm vermisst und beklagt hat?\nMit anderen Worten: Ist Berlioz ein Anderer geworden?\nHierauf kann man nur mit Nein antworten; er ist ganz\nderselbe geblieben, nur haben sich seine talentvollen Ein-\ngebungen in einigen Stücken, z. B. im ganzen zweiten\nActe, der mit dem Duette der Sommernacht schliesst, in\nhöherem Grade bewährt; aber auch seine Fehler und Un-\narten haben sich zuweilen bis zur Widernatürlichkeit ge-\nsteigert. Der Missbrauch der Chromatik und der Modu-\nlation geht noch weiter, als sonst; an Dissonanzen, die\ndurch nichts motivirt sind, fehlt es so wenig, wie an un-\nschönen Klang-Raffinements. Dazu kommen die oft zu lan-\ngen Zwischenspiele des Orchesters und endlich vor Allem\ndie systematisch durchgeführte psalmodisch declamirende\nMelopöie. Diese muss mit ihrem rhythmischen Einerlei,\ndas keinen Unterschied des Recitativs und der Arie kennt,\nindem diese letztere nach kurzem Beginne gleich wieder\nin die Declamation fällt, nothwendig monoton werden,\ntrotz der gesuchten Reizmittel im Orchester.\nWas wir von d'Ortigue oben angeführt, spricht er im\nFeuilleton der Debats aus. Fiorentino hat in seinen bei-\nden Aufsätzen (im' Moniteur und in der kein ein-\nziges Wort des Tadels für Berlioz und erklärt den Erfolg\nfür einen triumphalen. Scharf, sehr scharf hingegen tritt\nAzevedo in der Opinion nationale dem unbedingten Lobe\nentgegen. Er lässt selbst dem zweiten Acte nur eine be-\nziehungsweise Anerkennung zu Gute kommen, in welcher\nfreilich auch etwas Wahres liegt.' Er meint: „Man muss\nwohl beachten, dass die Stücke, welche in den Werken\nder neuesten Ultra-Romantiker gefallen, jedes Mal diejeni-\ngen sind, bei denen sie ihr System vergessen und sich der\nnatürlichen Gesetze und Formen der Kunst erinnert ha-\nben. Der Applaus, den solche Stücke erhalten, ist im\nGrunde ein Protest des Publicums gegen das neue System.\nDie Umgebungen machen auch in den „ „Trojanern\"\" das\nSeptett und das Duett schöner, wie sie eigentlich sind, ge-\nrade so wie das bei einigen Stücken im „ Tannhäuser\"\"\nauch der Fall ist.\" Dann fährt er fort: „Das sympho-\nNische Intermezzo klingt, als wenn alle Instrumente lalsch\nund unrein spielten und bliesen.\" „Der Karthager- Chor\nim ersten Acte ist auf eine Art von Fugato basirt, das\nzwar nicht eben interessant ist, aber sich doch hübsch ent-\nwickelt. Man hört wenigstens eine Form heraus, und das\nist im Uebrigen so selten, dass man es erwähnen muss.\nMit Ausnahme der beiden Stücke im zweiten Acte ist Alles\neine Musik ohne den Reiz der wahren Melodie und ohne\ndas betonte Pathos des Recitativs; das Ganze ist weder\nmusicalisch im gesunden Sinne des Wortes, noch drama-\ntisch, es dient nur grellen Modulationen, zerbröckelten\nRhythmen, haarsträubenden Klängen' und ermüdendem\nChoral (piain-chant)zum formlosen Rahmen.\"\n„Berlioz hat Scheu vor dem Gemeinen, und das mit\nvollem Rechte. Aber er hat entsetzlich Unrecht, wenn er\ndas Einfache und Natürliche und Regelrechte für gemein\nnimmt. Es scheint, als schreibe er nur, um jede vernünf-\ntige Erwartung des musicalischen Zuhörers zu täuschen.\nMan denkt, diese Septime werde in die Tonica leiten\nei bewahre! diese Dissonanz werde sich aullösen nichts\nda! diese Phrase werde ein Ende haben, sie hat keines;\ndies wird einen vollkommenen Schluss geben, o nein, die\nCadenz bricht in der Mitte ab; dieses Motiv wird symme-\ntrisch wiederkehren, es kommt nicht wieder zum Vor-\nschein; das Orchester wird den Stimmen Raum geben, es\nlässt sie nicht zu Worte kommen u. s. w. Dadurch sagt\nsich die Tonkunst völlig von den Gefühlen, xAhnungen und\nErinnerungen des Zuhörers los, d. h. von seiner Sympa-\nthie, von ihm selbst. Das Unerwartete, Unvorhergesehene,\nFrappante, Auffallende ist, wenn es sich von Anfang bis\nEnde wiederholt, die unerträglichste Monotonie. Statt eines\nMitfühlenden, eines I'reundes, gewisser Maassen eines Mit-\narbeiters des Componisten wird der Zuhörer nichts Ande-\nres als ein Patient unter den Händen des Operateurs.\nWenn das Musik ist, was wir nur unter grossem Vorbe-\nhalt einräumen, so können wir sie nicht anders denn als\nantipathische Musik classificiren. Uebertreiben wir? sind\nwir im Irrthum? Nun, das Object des Processes liegt vor:\nman ströme nach dem Theater, man überfülle den Saal,\nwas die Opfer und Anstrengungen der Direction voll-\nkommen verdient haben: man höre, und dann richte\nman uns!\"\nWas die Aufführung betrifft, so war die Besetzung,\nmit Ausnahme des Aeneas durch Monjauze, der beson-\nders bei den rauschenden Instrumental-Umgebungen etwas\nmehr Kraft hätte entwickeln können, aber die weicheren\nStellen sehr hübsch sang, ganz gut. Frau Charton-Demeur\nhat eine schöne, reine, wohllautende Sopranstimme und\nhat sich als vortreffliche Sängerin und Schauspielerin be-\nwährt. Den letzten Act hält sie allein. Orchester und"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "367", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631114-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 110, "texte": "Chor I iessen nichts zu wünschen übrig, Scenerie und Aus-\nstattung in hohem Grade reich und prachtvoll.\n\nB. P."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-11-14-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-11-14_01#c003", "volume": "bmtnabi_1863-11-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "367", "page_fin": "367", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631114-01.2.3", "titre_corps": "Aus Karlsruhe.", "titre_sommaire": "Aus Karlsruhe.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "367", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631114-01.1.7", "debut_caractere": 112, "fin_caractere_exclue": 2293, "texte": "Aus Karlsruhe.\nDen 10. November 1863.\nAm 14. November, an demselben Tage, wo im vori-\ngen Jahre Hiller's Oper „Die Katakomben\" zum ersten\nMale hier aufgeführt wurde, wird Richard Wagner, von\nhohen Seiten begünstigt, ein grosses Concert aeben, zu\nwelchem das Geigen-Quartett des mannheimer Orchesters\nmit dem Orchester des Hoftheaters vereinigt wird. Der\nberühmte Componist wird nur Neues und Neuestes dar-\nbringen, Scenen aus „Tristan und Isolde\", dem „Rhein-\ngold\", den „Nibelungen\" (Walküren-Ritt) u. s. w. Das\nwird jedenfalls ein interessanter Abend. Wie Wagner\nsich hier geäussert hat, so wird die Weigerung des wie-\nner Hof-Operntheaters, oder genauer gesprochen: der\nwiener Sänger, seinen Tristan in Scene zu setzen, respec-\ntive zu singen, diesem Werke doch nicht den Untergang,\noder wenigstens Vergrabung und Vergessenheit bringen,\nindem ein kleinerer deutscher Hof, von welchem Wagner\nschon früher protegirt worden, den bestimmten Befehl er-\nlassen Tristan und Isolde „herauszubringen\", wie\nder Kunst-Ausdruck lautet. Der unserige ist es aber nicht.\nSollte Liszt diesen Winter wieder in Weimar zubringen?\nAm 25. October wohnten wir einer Vorstellung der\nOper „Lorelei\" von Geibel und Bruch auf unserem\nzweiten Hoftheater in Mannheim bei. Es war die vierte\nWiederholung der Oper, und das gänzlich ausverkaufte\nHaus, so wie der lebhafte Beifall bewiesen, dass die Theil-\nnahme des Publicums für dieses treffliche Werk in stetem\nSteigen begriffen ist. Dem Vernehmen nach wird diese\nSchöpfung des begabten jungen Componisten, dessen\nneueste Composition für Männerchor und Orchester („Rö-\nmischer Triumphgesang\" von Ling) ebenfalls eine\nglänzende Aufnahme gefunden hat, an dem Hoftheater zu\nKassel und bei der deutschen Oper in Rotterdam zur Auf-\nführung vorbereitet; in Rotterdam werden zunächst F.\nHiller's erhabenes Werk „Die Katakomben\" und\ndann Gluck's „Alceste\" in Scene gehen. [Die Partitur\nder „Katakomben\" ist in Köln in der Musicalienhandlung\nvon G. Küpper erschienen.] Im Laufe des Decembers\nwird der Clavier-Auszug der „Lorelei\" im Verlage von\nLeuckart (Sander) in Breslau als Opus 16 von M. 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November. Am Samstag den 31. October\nwurde unsere Winter-Musikzeit mit dem ersten Abonnements-Con-\ncerte im Saale der Concordia unter Leitung des Herrn Musik-Di-\nrector3 Anton Krause eröffnet. Das Programm brachte die Ouver-\ntüre und Introduction aus „Wilhelm Teil\" von Rossini, das Vio-\nlin-Conceit in A.-nioll von Gr. B. V iotti, gespielt von unserem\ntrefflichen Violinisten Herrn Franz Seiss, die Kirchen-Arie von\nAI. Stradella; in der zweiten Abtheilung die Ouvertüre zur Oper\n„Seiniramis1, von C. S. Catel, die grosse Arie des Joseph aus\n„Joseph in Aegypten\", Violin-Variationen von Rode,\nden allerliebsten Chor aus „Les deux Avaresu von Gretry. die „holde\nDame\" aus dem 11. Acte von Boieldieu's „Weisse Frau\" und zum\nSchlüsse die Ouvertüre zum „Wasserträger\" von Cherubini. Das\nProgramm wird Manchem wohl etwas bunt vorkommen, doch dürfte\ndie Idee, welche dabei vorgeschwebt hat, die Periode der älteren\nvortiefflichen Schule dci Italiener und Franzosen zu charakterisircn\nund ihre eigenthümjiche Schönheit einmal an einem ganzen Abende\nzum Vergleiche mit der Zeit der Meyerbeer, Halevy, Adam, Verdi\nu. s. w. zur Geltung zu bringen, bei jedem Musiker volle Billigung\nfinden. Es wurde dadurch dem Publicum um so mehr ein hoher\nGenuss geboten, als die Vertretung der classischen Richtung der\nMusik des Auslandes in den Händen des ausgezeichneten Sängers\nHerrn Dr» Gunz von Hannover war, welcher bei seinen übrigen\nanerkannten Vorzügen und seiner überaus ansprechenden Tenor-\nstimme gerade diejenige vollkommen kunstgemässe Gesangesbildung\nbesitzt, welche für den Vortrag jener Compositionen erforderlich ist,\nleider aber bei unseren heutigen Sängern immer seltener wird.\nAls gute Nachricht „theile ich Ihnen noch mit, dass die Lan-\ngenbach1 sehe Capelle, welche den Hauptbestandteil des Theater-\nund Concert-Orchesters in den Schwesterstädten Elberfeld und Bar-\nmen bildet, die neue pariser Stimmung angenommen hat, und dass\nwir für unsere Quartett-Unterhaltungen in der Person des Herrn\nWodrich (?) aus Stettin einen schätzenswerthen jungen Violoncell-\nspieler gewonnen haben.\nf Duisburg, 2. November. Gestern hatten wir ein von\nhier und aus der Umgegend stark besuchtes Concert, in welchem\nein neues Werk von dem hiesigen Musik-Director A. zur Nieden\nzur Aufführung kam. Es ist ein lyrisch-dramatisches Gesangstück\nin zwei Theilen, betitelt „Die Martins wand\", für Soli, Chor\nund Orchester componirt; auch das Gedicht ist vom Componisten.\nDas WTerk wurde mit allgemeinem und sehr lebhaftem Beifalle auf-\ngenommen und auch von den anwesenden fremden Musikern für\nsehr bedeutend erklärt.\nBerlin, 10. November. Die von uns früher bezweifelte\nNachricht von dem dauernden Engagement des Fräuleins Lucca\nan der königlichen Oper war nur eine verfrühte. Jetzt indess mel-\ndet man authentisch, dass der Allerhöchsten Orts genehmigte Ver-\ntrag am 3. d. Mts. abgeschlossen und dass Fräulein Lucca auf Le-\nbenszeit mit einem jährlichen Gehalt von 8000 Thlrn., dem Titel\nals Kammersängerin, der Gestattung eines fünfmonatlichen Gastspiels\nund einer Pension von 2000 Thlrn. engagirt sei. Wenn man ge-\nmeldet hat, dass der Vertrag des Fräuleins Lucca auf dem hiesigen\nStadtgerichte abgeschlossen worden sei, so war dies falsch. Die\nVerhandlung, welche jüngst auf dem hiesigen Stadtgerichte unter\nTheilnahme von Fräulein Pauline Lucca und dem General-Inten-\ndanten v. Hülsen Statt gefunden hat, betraf, wie die B. 8.-Z. hört,\nnicht den lebenslänglichen Contract der Künstlerin, sondern eine\naus dessen Abschluss originirende Privat-Angelegenheit derselben.\nMannigfache, sich cfer öffentlichen Besprechung entziehende Verhält-\nnisse machten die Majorennisirung des Fräuleins Lucca wünschens-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "368", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631114-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6072, "texte": "werth, auf welche deren Vater nur unter dem Beding der Stipulirung\neiner festen Leibrente von 6( 0 Thlrn. zu seinen Gunsten* und zwar\nunter Garantie der königlichen General-Intendantur, eingehen wollte.\nLa Reoleu ist noch immer nicht wieder gegeben worden. Die\nOper war zu Samstag den 7. d. Mts. angesetzt, aber schon die\nFreitags-Affichen verkündeten zum Samstag im königlichen Opern-\nhause ..keine Vorstellung\". Wie es heisst, ist Herr Woworsky\naufs Neue erkrankt, und point de Woworsky point de La R&olel\nMan fragt: Warum kein Ersatzmann? Aber du lieber Gott, in die-\nser classischen Oper ist nicht Jedermann einstudirt!\nDie am Wallner'schen Theater durch die Copirung des Herrn\nv. Bismarck begangene Tactlosigkeit um uns des mildesten Aus-\ndrucks zu bedienen! hat, wie wir hören, auch die Polizei-Be-\nhörde zu einem Vorgehen veranlasst. Es soll nämlich dem Herrn\nCommissionsrathe zu Protocoll eröffnet worden sein, dass er bei\neinem nochmaligen ähnlichen Vorkommniss nicht nur die sofortige\nSistirung der Vorstellung unter Verpflichtung zur Rückzahlung des\nEintrittsgeldes, sondern auch die Einleitung des Verfahrens auf Con-\ncessions-Entziehung zu gewärtigen habe.\nDas königliche Opernhaus hat in dem Musik-Director Herrn\nRad ecke einen dritten Capellmeister erhalten, den Herren Tau-\nbert und Dorn zur Unterstützung, wie es heisst.\nInnsbruck. (Zur Kirchenmusik.) Die Kirche ist bei\nuns mit allen Zuständen so eng verflochten, dass man sie, bringe\nman nun das oder jenes zur Sprache, kaum umgehen kann. Es lässt\nsich begreifen, dass bei der Wichtigkeit, welche der katholische\nCultus hier beansprucht, auch die Kirchenmusik tüchtige Pflege fin-\ndet, und so hört man in den Kirchen der Jesuiten und Serviten,\nso wie in der Pfarre manchmal recht gelungene Aufführungen, wo-\nbei auch classische Werke nicht vernachlässigt werden. Insbeson-\ndere gilt dieses von ersterer, wo beim akademischen Gottesdienste\nder Musikverein mitwirkt. Er blühte zu einer Zeit, wo sein Auftre-\nten und Wirken noch bescheidene Gränzen einhielt, rasch heran,\ndie Bewohner der Stadt betheiligten sich zahlreich durch Monats-\nBeiträge und die damaligen Landstände bewilligten einen jährlichen\nZuschuss von 300 Fl. Im Laufe der Zeit zeigte sich dieser nicht\nausreichend. Der Ausschuss wandte sich nun heuer, unter Hinweis\nauf die für das ganze Land erspriessliche Thätigkeit des Vereins,\nan den Landtag. Hier hatte aber die clericale Majorität keinen Sinn\nfür die Wichtigkeit des Vereins und schlug das Gesuch ab. Dafür\nerhielt der ultramontane Gesellenverein einen Beitrag, an dessen\nNützlichkeit gar Mancher zweifelt, da sich mancher Geschäftsmann\nscheut, ein Mitglied dieser declamirenden, singenden und betenden\nGesellschaft zu dingen, weil die mit Restauration verbundenen Uebun-\ngen lange dauern und die Arbeitslust, namentlich in den Morgen-\nstunden, dadurch nicht gesteigert werden soll. Um so anerkennungs-\nwürdiger ist der Eifer, mit dem der Vorstand allen diesen Einflüssen\nTrotz bietet und für die Erhaltung des Instituts ringt. Was die\nKirchenmusik auf dem Lande betrifft, so ist sie manchmal schreck-\nlich; noch vor einigen Jahren hörte ich in einem Thale zwischen\nder Wandlung das trema Bisanzio! Indess wird es auch hier all-\nmählich besser.\nWien. Flotow, welcher hier einen längeren Aufenthalt zu\nnehmen gedenkt, hat seine für das Hof-Operntheater bestimmte\nOper bereits vollendet und dem Herrn Director Salvi zur Durch-\nsicht übermittelt. Das Libretto ist von St. Georg und Leon Ha-\nldvy, deutsch von Dingeiste dt bearbeitet. Der Titel dieser drei-\nactigen romantisch-lyrischen Oper ist „Naida\". Herr Flotow hat für\ndie Tenor- und Bass-Partie die Herren Wachtel und Mayerhofer\ngewählt. Für die Repräsentantin der Titel-Partie konnte er sich\nbis jetzt noch nicht entscheiden. Die Oper wird erst in der näch-\nsten Saison in Scene gehen. lm Karl-Theater werden, vom An-\nfang Februar begonnen, 24 italiänische Opern-Vorstellungen unter\nMerelli's Leitung Statt finden; hiefür werden als Primadonnen\nangekündigt: Patti, Trebelli, Penco; Tenori: Giuglini, Naudin, Bet-\ntini; Bässe: Bardiale, Ciampi und Ruez. Man erwartet Meyerbeer's\nErlaubniss zur Aufführung der „Dinorah\",\nDie scharfen und wohl auch, wenigstens im Tone, nicht ge-\nrechtfertigten Verurtheilungen, welche der Leiter der philharmoni-\nschen Concerte, Herr Dessoff, aus Anlass des ersten Concertes\nin einigen hiesigen Blättern erfuhr, haben die Orchester-Mitglieder\ndes Hof-Operntheaters besiimmt, Herrn Dessoff in einer Adresse die\ngemeinsame Anerkennung seines aufopfernden Fleisses, die Zufrie-\ndenheit mit seiner Leitung und den Dank für seine dem Unterneh-\nmen gewidmete eifrige Thätigkeit auszudrücken.\nDer Pianist Ernst Pauer soll, wie wir in der Const. Oesterr.\nZeitung lesen,7 im Laufe der Concert-Saison hier drei historische\nConcerte, nach dem Muster seiner in England veranstalteten Ma-\ntineen, geben,\nOffenbach ist in Wien eingetroffen und wird bis zur Auffüh-\nrung seiner Oper „Die Rheinnixe\" im Hof-Operntheater hier ver-\nweilen.\nEine elsässische Oper. Französische Blätter erzählen viel\nvon einer dreiactigen komischen Oper im elsässer Dialect, die vor\nKurzem in Colmar aufgeführt wurde und den Titel „Die dreifache\nHochzeit im Besenthal\" führt. Der Autor des Buches soll ein Pa-\nstetenbäcker, Namens Mangold, sein, die Musik von dem Com-\nponisten Weckerlin.\nEin londoner Blatt berichtet, dass Meyerbeer sich mit der\nComposition einer grossen biblischen Oper: „Judith\", beschäftigt.\n[Von der Composition eines Oratoriums hat er schon im vorigen\nJahre gesprochen.]\nMan schreibt aus London: „Carlotta Patti hat am 10. No-\nvember seit dem 16. April hier zum hundertsten Male gesungen.\nBei ihrem zwölften Auftreten im Krystall-Palaste waren zehn Tau-\nsend Personen versammelt. Am 15. November geht Carlotta Patti\nnach Irland und Schottland, am 6. December reist sie nach Paris,\num in drei Concerten zu singen; dann nimmt sie ihren Weg über\nBelgien und Holland nach Deutschland. Vom Director Gye ist sie\nmit einem bedeutenderen Gehalte, als sie bis jetzt bezog, vom 1.\nMai bis 1. December 1864 engagirt worden."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "361", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631114-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie Trojaner. Oper in fünf Acten. Text und Musik von Hector Berlioz. Von B. P. Aus Karlsruhe (Concert\nvon Richard Wagner M. Bruch's „Lorelei\" in Mannheim). Tages- und Unterhaltungsblatt (Barmen, erstes Abonnements-\nConcert Duisburg, Concert Berlin, Königliche Oper, Engagement von Fräulein Lucca Innsbruck, zur Kirchenmusik \"Wien,\nFlotow's neue Oper, Karl-Theater, Herr Dessoff, Ernst Pauer, Offenbach Eine elsässische Oper Meyerbeer Carlotta Patti).\n\nDie Trojaner.\nOper in fünf Acten. Text und Musik von\nHector Berlioz.\n\n%\nParis, den 9. November 1863.\nEndlich ist der Tag gekommen, wo Hector Berlioz\nseine Oper auf die pariser Bühne gebracht hat! Aber\nnicht das erste Operntheater von Paris hat sich entschlies-\nsen können, „Die Trojaner\" anzunehmen: diesen ehren-\nvollen und heroischen Entschluss fasste die dritte Opern-\nbühne, das Theätre lyrique,unter der Verwaltung des\nHerrn Carvalho.\nUm die Neugierde der Leser auf den Inhalt, den man\nsich freilich nach dem bereits lange vor der Aufführung\nbekannt gewordenen sehr allgemeinen Titel nicht wohl\nselbst construiren kann, zu befriedigen, wollen wir nur\ngleich bemerken, dass der eigentliche Titel Les Troyens\nä Carthagelautet und dass der Stoff kein anderer ist,\nals die Liebe der Dido und des Aeneas und das tragische\nEnde der Königin von Karthago nach der Flucht des tro-\njanischen Helden mithin ein Stoff, der schon hundert\nMal zu Dramen, Melodramen, Opern, Cantaten, ja, sogar\nzu einer Clavier-Sonate (wDidone abandonnata\" von Cra-\nmer, wenn mir recht ist) gedient hat.\nDoch geben wir zuvor, ehe wir ins Einzelne gehen,\nder freudigen Befriedigung Ausdruck, welche jeden Künst-\nler und Kunstfreund beim Anblick des Zettels des Theätre\nlyrique vom 4. November ergriff, dass nach jahrelangem\nHarren endlich einem Musiker von so anerkanntem Rufe\nund so unläugbarer Bedeutung für die französische Musik\ndie Genugthuung werden sollte, sein neuestes und gröss-\ntes Werk aufgeführt zu sehen. War Berlioz etwa ein\nKnappe, der erst, wie es jetzt Sitte ist, um Gestattung\neines Turniers betteln musste, um dabei seine Sporen zu\nverdienen? Galten seine musicaiischen Werke, seine geist-\nvolle literarisch-kritische Thätigkeit, seine Reisen ins Aus-\nLand und ihre Erfolge nichts in seinem Vaterlande? Wie?\nist er nicht Mitglied des Instituts, erwählt durch die com-\npetentesten Stimmen von Männern seines Faches? Und\ndieser Mann schreibt eine Oper, in die er all sein Wissen\nund Können hineinlegt, und als er die Partitur vollendet\nhat, klopft er an die Pforten des grossen kaiserlichen\nOperntempels, zu dessen Erhaltung der Staat jährlich\n800,000 Francs gibt und dessen Jahres-Einnabme mehr\nals 1,200,000 Francs beträgt, und sie bleiben ihm\nverschlossen! Vertrösten, Hinhalten, Aufschieben, am Ende\nförmliches Zurückweisen musste er erdulden von einer\nKunstanstalt, die seit zwei Jahren keine Note neuer Musik\ngebracht hat. Freilich kann sich die Oper auf ihre Ein-\nnahmen berufen! Können aber volle Häuser, wenn man\nhingeht, um sich zu wärmen, zu schwatzen, die Tänzerin-\nnen zu lorgnejttiren, die Toiletten zu zeigen, den Abend\nhinzubringen, abgesehen von der Hälfte der Zuschauer,\nwelche die Eisenbahnen täglich anfahren, können auf diese\nWeise gefüllte Häuser einen Beweis für die Vortrefflich-\nkeit, für den künstlerischen Sinn der Verwaltung geben?\nEin grosses Theater, das erste Theater eines Kaiserreiches,\ndas unter dem unmittelbaren Schutze des Souverains steht,\nsoll Kunst treiben und nicht ein Geldgeschäft. Es soll\netwas wagen, es soll auch ein kühnes Streben aulmuntern,\nkeinesfalls erdrücken; es soll nicht in dem ewigen lethar-\ngischen Einerlei verharren.\nMan möge über einen Mann wie Berlioz so wie so\ndenken, man möge seine Ideen billigen oder widerlegen,\nseine Grundsätze bekämpfen, ihn freimüthig und streng,\nselbst hart beurtheilen: das ist begreiflich und nothwendig.\nAber dass man ihn verhindert, mit dem Resultate seiner\nGrundsätze und Arbeiten überhaupt nur hervorzutreten,\ndass man ihm Schweigen gebietet und ihm ohne Weiteres\nden Bescheid gibt: „Wir wollen Dich nicht haben, weil\nwir Dich nicht haben wollen\" das ist denn doch eine\nwahre Rechtsverweigerung auf dem Gebiete der Kunst."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "362", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631114-01.1.2", "texte": "Nun, er hat endlich seinen Mann gefunden an dem\nDirector des lyrischen Theaters. Carvalbo hat ihm alles,\nworüber er verfügen konnte, zu Gebote gestellt: ein ver-\nstärktes Orchester, einen doppelten Chor, eine Masse von\nStatisten, glänzende Costüme, herrliche Decorationen, kost-\nspielige Aufbauten für die architektonische Ausstattung\nder Bühne. Er hat die Sängerin Madame Charton-De-\nmeur, welche Berlioz für die Rolle der Dido wünschte,\nengagirt kurz, er hat alles gethan, was die grosse Oper\nhätte thun sollen und leichter thun konnte; er hat grosses\nSpiel gespielt und wie es scheint, hat er es gewonnen.\nNun, er ist gewohnt, hoch zu setzen. Das Haus war in\nden beiden ersten Vorstellungen überfüllt und der Erfolg\nbeim grossen Publicum nicht zweifelhaft, auch in der Be-\nziehung nicht, dass er auf äusserlich wirksame Weise in\nScene gesetzt worden wäre, wozu Berlioz weder kriechend\nnoch reich genug ist.\nWie Berlioz dazu gekommen, als Schöpfer und Haupt\nder romantisch-phantastischer» Schule der französischen\nMusik, einen erzclassischen Stoff zu wählen, erklären seine\nFreunde aus seiner Vorliebe für den Dichter Virgil, den\ner auswendig kann, wie sie sagen. Er hat sich in der\nThat genau an den Virgil gehalten. Sein eigentliches Vor-\nhaben war, eine Trilogie zu dichten und in Musik zu\nsetzen, welche die Zerstörung von Troja, die Trojaner in\nKarthago und die Weltherrschaft Borns zum Gegenstande\nhaben sollte. Die zwei ersten Theile derselben sind vollen-\ndet; der erste: „La prise de («Die Eroberung von\nTroja\"), bildet eine Oper in drei Acten, welche unter der\nPresse ist; der zweite Theil: ,\nwird aufgeführt und ist in diesen Tagen bereits in Druck\nerschienen*); der dritte scheint noch nicht vollendet zu\nsein; indess als Andeutung desselben hat Berlioz den „Tro-\njanern in Karthago\" einen Epilog hinzugefügt, eine Art\nvon Vision, in welcher Rom und das Capitol erscheinen\nund der Triumphzug eines römischen Kaisers den Schluss\nbildet. Ein Prolog führt uns die Zerstörung von Troja\nerzählend und darstellend vor, so dass der Zusammenhang\nder Trilogie bei der Aufführung des mittleren Theiles der-\nselben doch den Zuschauern zum Bewusstsein kommen\nsollte. Der Prolog ist geblieben, aber den Epilog hat man\nüber Bord geworfen, um das kolossale Schiff wenigstens\nnoch vor Mitternacht in den Hafen zu bringen. Was für\nAnsprüche Berlioz an die Decorationsmalerei, die Maschi-\nnerie und den Theaterpomp jeder Art macht, kann man\naus diesem gigantischen Plane, ein ganzes Epos auf die\nBühne zu bringen, schon schliessen. Hierin gibt er seinem\nDoppelgänger in Deutschland nicht viel nach, wenn er\nauch für seine Trilogie nicht gerade einen vollständigen\nNeubau verlangt, wie dieser für seine Nibelungen.\nDoch zur Sache!\nStatt der Ouvertüre hören wir ein Adagio, welches\nder Componist aber nicht etwa Adagio oder Largo, son-\ndern „Lamento\"überschrieben hat. Nach einer klagenden\nPhrase der Violinen, dann der Violoncelle stimmen die\nPosaunen einen gedämpften Trauergesang mehr von schö-\nnem Klange als von schöner Melodie an; gegen den Schluss\nhin bricht eine Modulation nach Des-dur mit vollem Or-\nchester mit Effect aus. Der Vorhang geht auf und eine in\nKaulbach's Weise gemalte Gardine, zeigt uns den Brand\nvon Troja. Ein Rhapsode tritt auf und erzählt in ziemlich\nlangweiligen Versen und Tönen die gewählte Form ist\njene monotone Declamation, die weder Recitativ noch\nArie ist die Einnahme von Troja durch die List der\nGriechen. Geben wir den Anfang als Probe der Versifi-\ncation des Dichters Berlioz:\nAp res dix ans de guerre et d'un siege inutilei\nLes Grecs de renverser la ville\nDe Priam, renonqant ä venger Menelas,\nFeignirent de partiren implorant Pallas,\nLaissant sur le rivage,\nComme un pieux hommage\nOffert ä la deesse irritee, un cheval\nDe bois, immense, colossal.\nCette oeuvre Strange, incroyable, inouie,\nD'hommes arm&s remplie etc.\nWir wollen aber doch bemerken, dass an anderen Stellen\nauch bessere Verse und eine poetischere Diction in dem\nTextbuche anzutreffen sind, als in dem Prolog. Wunder-\nlicher Weise fügt nun der Autor nach den Worten:\nEnfin la fatale machine\nFranchit les murs sacres*)\n# '\nzu der gemalten Illustration auch noch eine musicalische\nhinzu, indem er hinter der Gardine von einem unsichtba-\nren Chor „la Marche troyenne dans le mode triomphal\"\nsingen lässt. Dieses Musikstück, effectvoll, aber geschraubt\nund auf Stelzen einherschreitend, soll, wie es scheint, eine\nArt von Nationai-Hymne der Troj aner sein; sie kommt\nöfter in der Oper vor, und im Prolog muss man, um zu\nbegreifen, wie sie da hineinkommt, sich den Moment dazu\ndenken, wo die Trojaner im jubelnden Triumph das höl-\nzerne Pferd in die Stadt ziehen, was denn auch der Rhap-\nsode durch die Worte: „De c\nde quels sons fremirent lesechos\", andeutet. Im Orchester\nspielen ebenfalls einige Raffinements, z. B. die Anwendung\nder Harfen, eine Rolle dabei.\n\nBei Choudens, Rue St. Hon\nPiano. 15 Francs net.Vollständig, d. h. auch mit den Sce-\nnen, die bei der Aufführung jetzt weggelassen werden. Eben-\ndaselbst : La prise de Troie. 12 Francs net.\n*) JScandit fatalis machina muros. Virgil."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "363", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631114-01.1.3", "texte": "Der Rhapsode geht ab, und nach einer kurzen Pause\nversetzt uns die Verwandlung nach Karthago an den Hof\nder Dido. Rechts ein Thron, „umgeben von den Trophäen\ndes Ackerbaues, des Handels und der Künste\", im Pro-\nspect ein stufenweise aufgebautes Amphitheater ganz und\ngar mit Menschen besetzt, welche beim Einzüge der Kö-\nnigin, die ebenfalls mit grossem Gefolge und kriegerischem\nGepränge erscheint, den Doppelchor anstimmen:\nGloire k Didon, notre reine ch^rie!\nReine par la beaute, la gräce, le genie,\nReine par la faveur des dieux\nEt reine par l'amour de ses sujets heureux.\nDamit beginnt der erste Act. Die Königin steigt auf\nden Thron*), ihre Schwester Anna steht ihr zur Seite. Sie\nhält in einem langen recitativischen Arioso eine Art von\nThronrede, worin sie die Blüthe des neuen Reiches, das\nsie erst vor sieben Jahren gegründet hat, dem glücklichen\nVolke der tyrischen Karthager schildert, die reichen Aern-\nten, die Handelsllotte rühmt, welche „Getreide, Wein,\nWolle und Eisen und die Producte der Künste\" herbei-\nführt, dann eine feierliche Arie singt, deren Motive für\ndie Situation etwas zu düster und melancholisch klingen,\nund theilt am Ende an die Gruppen von Matrosen, Bau-\nleuten und Ackerbauern Preise aus, während der Chor\ndie Hymne Gloire ä Didon wiederum erklingen lässt. Die\nArie in Es-mollist in der ersten Hälfte recht schön, fällt\naber nachher ab. Der Chor macht besonders bei seiner\nWiederholung eine schöne Wirkung; dem Componisten\nhaben dabei die erhabenen Muster von Händel und Gluck\nvorgeschwebt, Form und Inhalt entsprechen der Gross-\nartigkeit der ganzen Scene, zu deren glanzvoller Instand-\nsetzung sogleich, wie man sieht, ein gewaltiger Theater-\nApparat gehört.\nDido und Anna bleiben allein. Die Königin klagt der\nSchwester ihre Gemütsbewegung, deren Ursachen sie\nsich nicht erklären kann**). Anna, die mehr Erfahrung zu\nhaben scheint, deutet diesen Zustand auf das Vorgefühl\neiner neuen Liebe, und so entsteht ein Duett, das sehr\nwenig classische, aber desto mehr französische Farbe hat\nund sich zu sehr in musicalische Details, z. ß. Passagen\nin Terzen und dergleichen, verliert.\nEin Bote meldet schiffbrüchige Fremde, die um Ge-\nhör bitten. Dido gewährt es und spricht ihr Mitgefühl\nnon igncira mali —in einer Arie aus, die nicht viel zu be-\ndeuten hat.\nEs erscheinen die Trojaner mit Aeneas in Seemanns-\nkleidung, Ascanius (Sopran), Pentheus und anderen Füh-\nrern als Schutzflehende unter den Klängen des Trojaner-\nMarsches aus dem Prolog, dem aber bier sein triumphi-\nrender Charakter genommen ist—, eine sonderbare Idee,\neine Huldigung an den Realismus, die an das Komische\nstreift, eben so wie ganz dasselbe bei Beethoven in seiner\nSchlacht bei Vittoria, wo er die Franzosen mit dem Marl-\nborough s'en va-t-en guerrein anrücken und mit dem-\nselben Liede in Moll und abgebrochenen Phrasen abziehen\nlässt, als sie geschlagen sind.\nDen Empfang unterbricht Narbal mit der Schreckens-\nNachricht, dass der barbarische Numiderfürst larbas, dem\nDido ihre Hand versagt hat despectus larbas mit\neinem Heere nahet. Da wirft Aeneas seine Verkleidung\nab und erbietet sich, mit seinen Trojanern gegen die Afri-\ncaner zu kämpfen. Grosses Finale mit Solostimmen und\nkriegerischen Chören der Tyrier und Trojaner. Das Auf-\ntreten Narbafs ist lebendig charakterisirt in Gesang und\nOrchester, und das ganze Finale hat heroischen Schwung;\nes erinnert an die pomphafte Schreibart Spontini's. Der\nTenor (Aeneas) ist die vorherrschende Partie darin; der\nDarsteller desselben (Monjauze) hat aber nicht die Kraft\nder Stimme, welche dazu gehört, um Alles darin zur Gel-\ntung zu bringen. Die sanftere und recht melodische Stelle,\nwo Aeneas seinem Sohne Ascanius Lebewohl sagt, gelang\nihm besser. Der Vorhang fiel unter lebhaftem und an-\nhaltendem Applaus.\nWir hatten nichts dagegen und haben selbst mit ein-\ngestimmt; es ist in dem Finale Plan und Form und ein\nedler Stil zu entdecken, wenn auch die musicalischen Mo-\ntive nicht eben originel sind.\nWie sieht es nun aber weiter aus, und wie hört es\nsich an? Berlioz lässt den zweiten Act nicht unmittelbar\nauf den ersten folgen, sondern hat ein „Iniermede\nphonique, Chas-se royale et oreingelegt. Dies ist ein\nlanger Orchestersatz, Sinfonie mit Illustration durch Sce-\nnerie, Ballet, mimische Darstellungen u. s. w. auf der\nBühne, was sich alles um die berühmte.Grotte herum-\ntummelt, in welcher Dido und Aeneas Schutz vor dem\nUnwetter und eine „dunkle Stunde\" finden. Alles nach\nVirgil*). Doch hören wir Berlioz selbst, der im Textbuche\ndie ganze Scene beschreibt und sich dabei eben so wie\nWagner als geschickten, aber auch verschwenderischen\nRegisseur bewährt. Es heisst da wörtlich, wie lolgt:\n„Das Theater stellt einen africanischen Urwald am\nMorgen dar. Im Hintergrunde ein sehr hoher Fels. An\nseinem Fusse links die Oeffnung einer Grotte. Ein kleiner\nBach windet sich um den Felsen und verliert sich in einem\nnatürlichen, kleinen See, dessen Ufer mit Schill und Binsen\n\n*) Septa armis solioque alte subnixa resedit.\n**) Anna soror, quae me suspensam insomnia terrent?\n*) Tellus et pronuba Juno\nDant Signum: fulgere ignes et conscius ciether\nConnubii, summoque ulularunt vertice yympliae.\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "364", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631114-01.1.4", "texte": "bedeckt sind. Zwei Najaden lassen sich einen Augenblick\nsehen und verschwinden dann wieder. Die königliche Jagd.\nTrompeten-Fanfaren erklingen von Weitem durch den\nWald. Die erschrockenen Najaden verbergen sich im\nSchilf. Man sieht tyriscbe Jäger vorbeiziehen. Ascanius\nläuft [traverse ä la course)über die Bühne. Der Himmel\nverdunkelt sich: es fällt Regen. Aufsteigendes Gewitter.\nBald wird der Sturm fürchterlich: der Regen strömt,\nHagel, Blitz und Donner. Wiederholter Jagdhornruf zum\nSammeln mitten durch den Aufruhr der Elemente. Die\nJäger stieben nach allen Richtungen hin aus einander.\nEndlich erscheint Dido als Diana, Göttin der Jagd, den\nBogen in der Hand, den Köcher auf der Schulter, und\nAeneas in halb kriegerischem Anzüge. Sie treten in die\nGrotte. Auf der Stelle werden die Nymphen des Waldes\nmit fliegendem Haar auf dem Gipfel des Felsens sichtbar.\nDer Bach schwillt an und bildet einen rauschenden Was-\nserfall. Mehrere andere Wasserstürze fallen von anderen\nStellen des Felsens herab und mischen ihr Brausen in\ndas Dröhnen des Sturmes. Satyrn und Faunen führen\nim Dunkel groteske Tänze auf. Der Blitz fährt in einen\nBaum, spaltet und entzündet ihn. Die Trümmer des Bau-\nmes stürzen auf die Bühne. Die Satyrn und Faunen heben\ndie Feuerbrände auf und beginnen einen Fackeltanz da-\nmit, dann verschwinden sie mit den Nymphen im Dickicht\ndes Waldes. Der Sturm legt sich.\"\nSo der Dichter und Regisseur! Und der Musiker?\nNun, diese phantastische Pantomimen-Sinfonie (doch nicht\nganz Pantomime, denn zuweilen hört man „das Geheul\nder Nymphen\", idularunt Nympliae!) ist nicht etwa das\nSiegel auf Berlioz' Absagebrief an Wagner und die Zu-\nkunftsmusik, sondern die auffälligste Widerlegung dessel-\nben ein Gewirr von Tönen in grausigen Harmonieen\nund Klang-Zusammenstellungen, dazwischen geworfene\nRaffinements mit gestopften Horntönen, ein Durcheinan-\nder, in welchem keine Tonart und keine Form zu ent-\ndecken ist. Eine Wolfsschlucht, eine Walpurgisnacht sind\nsüsse Melodieen dagegen, die Tannhäuser-Musik im Ve-\nnusberg im Vergleich damit eine italiänische Serenade!\nWelche Mühe, welche Summe hat diese dunkle Stunde\nder Theater-Direction gekostet! Und alles das für ein\neinziges Mal! Denn erstens fiel die Scene beim Publicum\ndurch le silence du peuple est la des compositeurs\n—, und zweitens dauerte sie fünfundfünfzig Minuten; sie\nwar also bereits bei der zweiten Aufführung verschwun-\nden, aber ihre Existenz, bestätigt durch die gedruckte\nPartitur, darf nicht übersehen werden, weil sie zur Cha-\nrakteristik des Systems gehört und zum dereinstigen Be-\nweise in der Geschichte der Musik, in welche Verirrun-\ngen im Jahre des Heiles 1863 die dramatische Musik\ndurch Reformatoren wie Hector Berlioz und Richard\nWagner gerathen.\nDer zweite Act (oder wenn man die illustrirte Sin-\nfonie als den zweiten betrachtet, der dritte) führt uns in\nden Palastgarten der Königin und glücklicher Weise auch\nzu klarer, in manchen Nummern ausgezeichnet schöner\nMusik zurück.\nEs eröffnet ihn ein Marsch über das Thema des Na-\ntionalgesanges (Gloire ä Didon) aus dem ersten Acte; die\nKünstelei im Trio, ein Gegen-Thema der Violinen con\nsordini neben der Melodie der Holz-Blasinstrumente, wel-\nche die Harfen begleiten, hört sich recht hübsch an. Dido\nzieht mit ihrem ganzen Hofstaate herein und lässt sich\nauf ein Ruhebett nieder. Anna, Ascanius, Aeneas umste-\nhen sie. Es ist Abend, das Fest beginnt mit Tanz in zwei\nAbtheilungen. Die Musik zu der ersten ist melodisch; aber\ndie Sucht nach origineller Instrumentirung hat den Com-\nponisten auch hier zu einem langen Triller der Violinen\nauf dem höchsten a, das auf dem Griffbrett zu erreichen\nist, verführt, der mit seinem unverständlichen Mäusege-\nwimmer den Ohren weh thut. Die zweite Ballet-Nummer\nein Tanz nubischer Sclavinnen in (ohne Vor-\nzeichnung, anspielend auf den dritten Kirchenton!) ist wie-\nderum im höchsten Grade bizarr mit tarantelmässigen\nViolinfiguren, Tamburinschlägen und Flötengepfeife.\nAuf den Wunsch der Königin erzählt Aeneas\ndum, regina, iiibes renovare dolorem) von Troja's Zerstö-\nrung, woran sich ein Quintett schliesst, in welchem\nDido in einer innig dahinschmelzenden Melodie ihre Liebe\nvor sich selbst rechtfertigt (nT\nremords et mon coeur est absousa), während Anna ein be-\nwegteres Motiv durchführt. Der harmonische Fluss des\nganzen Stückes thut nach so manchem Barocken und\nUeberladenen recht wohl. Bei Weitem wirksamer und zwei-\nfelsohne die schönste Nummer der ganzen Partitur ist das\nbald darauf folgende Septett mit Chor, dessen musicali-\nscher Charakter der Poesie des Textes analog ist:\nTout n'est que paix et charme autour de nous!\nLa nuit son voile et la mer endormie\nMurmure en sommeillant les accords les plus doux.\nHierin ist Alles schön, ausdrucksvoll und innig gefühlt,\nein süsser Duft von melodischen Tönen, zu denen das Or-\nchester, mit Berlioz' Instrumentirungs-Talent behandelt,\nein liebliches Colorit gibt, in welchem die Pianissimo-\nKlänge der grossen Trommel und die tieferen Accorde\nder Bass-Instrumente einen seltsam ergreifenden Eindruck\nmachen, dem ruhigen Rauschen des Meeres in der Nacht\nähnlich. Das Publicum schlürfte, möchte man sagen, die\nSchönheit des Stückes mit athemloser Stille ein und brach\ndann in ein stürmisches Bis! aus, dem gewillfahrt"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "365", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631114-01.1.5", "texte": "werden musste. Das Orchester geht aus der Haupt-Tonart\nC-dur durch ansprechende Modulationen nach Ges-moll,\nund ein Duett zwischen Dido und Aeneas, welche allein\nauf der Scene geblieben sind, schliesst sich dem Septett\nan auf die Worte:\nO nuit d'ivresse et d'extase infinie!\nBlonde grands astres de sa cour,\nVersez sur nous votre lueur b&iie,\nFleurs des cieux, souriez ä l'immortel amour!\n-« » .\nAuch dieses Duett ist klar und voll Wohllaut, und sein\nEindruck wird kaum durch das unmittelbar vorhergehende\nSeptett geschwächt; es hat Form, man hört mit wahrem\nBehagen Terzen und Sexten, die fast noch gar nicht vorge-\nkommen sind, und fühlt bei den gedämpften Violinklängen\nden Duft einer Mondscheinnacht im Süden.\nAber im Augenblicke des höchsten Entzückens der\nLiebenden schwebt Mercur auf einem Mondstrahl herab,\nschlägt an den Schild des Aeneas, der an einer Säule der\nVorhalle hängt, und ruft drei Mal das mahnende Wort:\nnltalie! Italic!ltalic /\" Aeneas fährt aus dem Liebes-\ntaumel auf und stürzt ab, während die Königin, in Wonne\nversunken, seine Flucht nicht bemerkt. Der Vorhang fällt.\nDieser Act bildet den Höhepunkt des ganzen Werkes.\nDie beiden folgenden sind kurz und reichen weder dra-\nmatisch noch musicalisch an ihn hinan.\nDer dritte (oder vierte) Act zeigt uns das Lager der\nTrojaner am Meere und einen Theil ihrer Flotte. Es ist\nNacht. Ein junger Matrose schaukelt sich im Tauwerk\neines Schiffsmastes und singt eine sehnsuchtsvolle Ro-\nmanze, alias Gondellied, in B-dur, aber nicht in Weisen,\nwie Rossini oder Mendelssohn sie ihren Schiffern leihen,\nsondern in wunderlich abgebrochenen Melodie-Brocken.\nFolgt eine grosse Scene für Tenor, theils Becitativ in\ntempo in jener langweiligen Berlio^Schumann-Wagner'-\nschen Manier, theils Arie, wiewohl ziemlich formlos:\nKampf des Aeneas zwischen Liebe und Pflicht, an die ihn\nnicht bloss unsichtbare Stimmen, sondern auch die sicht-\nbaren Erscheinungen der Geister des Priamus, Choröbus,\nder Cassandra erinnern! Welch wunderliche Zusammen-\nkoppelung antiken Zopfes mit ultraromantischer Musik!\n—Aeneas befiehlt nach der Schluss-Explosion seiner Arie,\nwenn man das Stück so nennen kann, in stark moderner\nWeise: „Dusse-je etrebrise par die\nAnker zu lichten; die Trojaner stimmen einen Chor an\nund segeln ab. Hier hat Berlioz seinen Führer Virgil\nverlassen, und zwar offenbar zum Nachtheil der dramati-\nschen Wirkung. Virgil schildert die Abschieds-Scene,\nDido überhäuft den Aeneas mit Vorwürfen: „Dissimilare\netiam sperasti, perfide/\" u. s. w., was ein leidenschaft-\nliches, charakteristisches Duett gegeben hätte.\nDer letzte Act zeigt uns die Verzweiflung der verlas-\nsenen Dido zunächst wieder in einem langen Recitativ im\nTact und einer grossen Arie: citer letz-\ntere mit einer merkwürdigen Instrumentirung, in der wir\nnur Bratschen, Hörner und Clarinetten gehört haben. In\neiner Art von begeisterter Vision schaut die Königin in\nHannibal ihren Rächer {Exoriare ex ossibus\nbesteigt den Scheiterhaufen\nund ersticht sich. Verwünschungen über Aeneas und die\nTrojaner durch Anna und Narbal und den Chor der Prie-\nster Pluto's, wild und wüst und schwierig für die Aus-\nführung, schliessen. Die Scene der Dido hat einzelne\nschöne Stellen, die Erinnerung an das Motiv des Duetts\n0 nuit d'ivresse ist ein glücklicher Gedanke, aber sein\nEindruck verschwindet unter dem declamatorischen Stil\ndes Ganzen.\nIch habe oben gesagt, dass der Erfolg der ersten Vor-\nstellung nicht zweifelhaft war, und in der zweiten sollen\ndieselben Zeichen des Beifalls auch nicht gefehlt haben.\nWie lange aber dieser Beifall vorhalten wird, muss man\nabwarten. Dass die Stimmen des musicalischen Publi-\ncums sehr getheilt waren, zeigte sich freilich sogleich, und\nauch die Presse ist keineswegs ganz einig über den Werth\ndes neuen Werkes, wiewohl viele Blätter, wohl die mei-\nsten, es rühmen, einige Manches zwischen den Zeilen le-\nsen lassen, was nicht ganz mit der officiellen Sprache über-\neinstimmen dürfte, andere übertrieben in die Posaune\nstossen und dadurch wieder andere zu schroffer Blossle-\ngung der wirklichen Mängel und Seltsamkeiten, die übri-\ngens stark genug in die Augen fallen, aufreizen.\nAm aulrichtigsten spricht d'Ortigue, ein tüchtiger\nMusiker und Freund von Berlioz, nach einer warmen Be-\nfürwortung der Oper und ihrer einzelnen Schönheiten sei-\nnen Tadel in folgenden Worten aus, die wir vollständig\nunterschreiben, da sie mit unseren in der vorstehenden\nAnalyse des Werkes gegebenen Bemerkungen überein-\nstimmen.\n„Ich will nicht behaupten, dass „„Die Trojaner\" *\nohne Mängel seien: sie haben deren wirkliche und selbst\nsehr bedeutende. Zu oft fliessen Recitative und Arien\ndurch einander, die Arien nehmen recitativen Gang an\nund umgekehrt; in beiden ist das Orchester oft überla-\nden; man hört schroffe und harte Modulationen, die Phra-\nseologie ist zuweilen geschraubt und gequält, die verschie-\ndenen Perioden haben manchmal gar keine Verbindung,\nman wartet oft vergebens auf einen Uebergang von einer\nzu der anderen; Accorde werden bedauerlich gehäuft, wo\nein einziger genügte, so dass das Ohr allen Anhalt ver-\nliert und das Gefühl der Tonart aufhört, weil der leitende\nFaden verloren geht. Auch möchte man an vielen Stellen"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "366", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631114-01.1.6", "texte": "mehr Einfachheit wünschen, dieses so wesentliche Element\nder Schönheit, besonders bei einem antiken Stoffe. Ich\nbin also weit entfernt, die Fehler dieser Partitur verklei-\nnern zu wollen u. s. w. Aber welche Klänge! welche an-\ndauernde Grösse! welch ein edler Stil! welche lyrische De-\nclamation! u. s. w. u. s. w. —Uebrigens möge Berlioz sich\nnicht täuschen: er wird hienieden nie zur Ruhe kommen,\ner gehört zu den Auserwählten, deren Leben ein ewiger\nKampf ist.\"\nIn diesen Worten ist so ziemlich alles zusammenge-\nfasst, was man an dem neuesten Werke Berlioz' aus-\nsetzen muss. Ist das denn aber etwas Anderes, als das,\nwas man seit je her an ihm vermisst und beklagt hat?\nMit anderen Worten: Ist Berlioz ein Anderer geworden?\nHierauf kann man nur mit Nein antworten; er ist ganz\nderselbe geblieben, nur haben sich seine talentvollen Ein-\ngebungen in einigen Stücken, z. B. im ganzen zweiten\nActe, der mit dem Duette der Sommernacht schliesst, in\nhöherem Grade bewährt; aber auch seine Fehler und Un-\narten haben sich zuweilen bis zur Widernatürlichkeit ge-\nsteigert. Der Missbrauch der Chromatik und der Modu-\nlation geht noch weiter, als sonst; an Dissonanzen, die\ndurch nichts motivirt sind, fehlt es so wenig, wie an un-\nschönen Klang-Raffinements. Dazu kommen die oft zu lan-\ngen Zwischenspiele des Orchesters und endlich vor Allem\ndie systematisch durchgeführte psalmodisch declamirende\nMelopöie. Diese muss mit ihrem rhythmischen Einerlei,\ndas keinen Unterschied des Recitativs und der Arie kennt,\nindem diese letztere nach kurzem Beginne gleich wieder\nin die Declamation fällt, nothwendig monoton werden,\ntrotz der gesuchten Reizmittel im Orchester.\nWas wir von d'Ortigue oben angeführt, spricht er im\nFeuilleton der Debats aus. Fiorentino hat in seinen bei-\nden Aufsätzen (im' Moniteur und in der kein ein-\nziges Wort des Tadels für Berlioz und erklärt den Erfolg\nfür einen triumphalen. Scharf, sehr scharf hingegen tritt\nAzevedo in der Opinion nationale dem unbedingten Lobe\nentgegen. Er lässt selbst dem zweiten Acte nur eine be-\nziehungsweise Anerkennung zu Gute kommen, in welcher\nfreilich auch etwas Wahres liegt.' Er meint: „Man muss\nwohl beachten, dass die Stücke, welche in den Werken\nder neuesten Ultra-Romantiker gefallen, jedes Mal diejeni-\ngen sind, bei denen sie ihr System vergessen und sich der\nnatürlichen Gesetze und Formen der Kunst erinnert ha-\nben. Der Applaus, den solche Stücke erhalten, ist im\nGrunde ein Protest des Publicums gegen das neue System.\nDie Umgebungen machen auch in den „ „Trojanern\"\" das\nSeptett und das Duett schöner, wie sie eigentlich sind, ge-\nrade so wie das bei einigen Stücken im „ Tannhäuser\"\"\nauch der Fall ist.\" Dann fährt er fort: „Das sympho-\nNische Intermezzo klingt, als wenn alle Instrumente lalsch\nund unrein spielten und bliesen.\" „Der Karthager- Chor\nim ersten Acte ist auf eine Art von Fugato basirt, das\nzwar nicht eben interessant ist, aber sich doch hübsch ent-\nwickelt. Man hört wenigstens eine Form heraus, und das\nist im Uebrigen so selten, dass man es erwähnen muss.\nMit Ausnahme der beiden Stücke im zweiten Acte ist Alles\neine Musik ohne den Reiz der wahren Melodie und ohne\ndas betonte Pathos des Recitativs; das Ganze ist weder\nmusicalisch im gesunden Sinne des Wortes, noch drama-\ntisch, es dient nur grellen Modulationen, zerbröckelten\nRhythmen, haarsträubenden Klängen' und ermüdendem\nChoral (piain-chant)zum formlosen Rahmen.\"\n„Berlioz hat Scheu vor dem Gemeinen, und das mit\nvollem Rechte. Aber er hat entsetzlich Unrecht, wenn er\ndas Einfache und Natürliche und Regelrechte für gemein\nnimmt. Es scheint, als schreibe er nur, um jede vernünf-\ntige Erwartung des musicalischen Zuhörers zu täuschen.\nMan denkt, diese Septime werde in die Tonica leiten\nei bewahre! diese Dissonanz werde sich aullösen nichts\nda! diese Phrase werde ein Ende haben, sie hat keines;\ndies wird einen vollkommenen Schluss geben, o nein, die\nCadenz bricht in der Mitte ab; dieses Motiv wird symme-\ntrisch wiederkehren, es kommt nicht wieder zum Vor-\nschein; das Orchester wird den Stimmen Raum geben, es\nlässt sie nicht zu Worte kommen u. s. w. Dadurch sagt\nsich die Tonkunst völlig von den Gefühlen, xAhnungen und\nErinnerungen des Zuhörers los, d. h. von seiner Sympa-\nthie, von ihm selbst. Das Unerwartete, Unvorhergesehene,\nFrappante, Auffallende ist, wenn es sich von Anfang bis\nEnde wiederholt, die unerträglichste Monotonie. Statt eines\nMitfühlenden, eines I'reundes, gewisser Maassen eines Mit-\narbeiters des Componisten wird der Zuhörer nichts Ande-\nres als ein Patient unter den Händen des Operateurs.\nWenn das Musik ist, was wir nur unter grossem Vorbe-\nhalt einräumen, so können wir sie nicht anders denn als\nantipathische Musik classificiren. Uebertreiben wir? sind\nwir im Irrthum? Nun, das Object des Processes liegt vor:\nman ströme nach dem Theater, man überfülle den Saal,\nwas die Opfer und Anstrengungen der Direction voll-\nkommen verdient haben: man höre, und dann richte\nman uns!\"\nWas die Aufführung betrifft, so war die Besetzung,\nmit Ausnahme des Aeneas durch Monjauze, der beson-\nders bei den rauschenden Instrumental-Umgebungen etwas\nmehr Kraft hätte entwickeln können, aber die weicheren\nStellen sehr hübsch sang, ganz gut. Frau Charton-Demeur\nhat eine schöne, reine, wohllautende Sopranstimme und\nhat sich als vortreffliche Sängerin und Schauspielerin be-\nwährt. Den letzten Act hält sie allein. Orchester und"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "367", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631114-01.1.7", "texte": "Chor I iessen nichts zu wünschen übrig, Scenerie und Aus-\nstattung in hohem Grade reich und prachtvoll.\n\nB. P.\n\nAus Karlsruhe.\nDen 10. November 1863.\nAm 14. November, an demselben Tage, wo im vori-\ngen Jahre Hiller's Oper „Die Katakomben\" zum ersten\nMale hier aufgeführt wurde, wird Richard Wagner, von\nhohen Seiten begünstigt, ein grosses Concert aeben, zu\nwelchem das Geigen-Quartett des mannheimer Orchesters\nmit dem Orchester des Hoftheaters vereinigt wird. Der\nberühmte Componist wird nur Neues und Neuestes dar-\nbringen, Scenen aus „Tristan und Isolde\", dem „Rhein-\ngold\", den „Nibelungen\" (Walküren-Ritt) u. s. w. Das\nwird jedenfalls ein interessanter Abend. Wie Wagner\nsich hier geäussert hat, so wird die Weigerung des wie-\nner Hof-Operntheaters, oder genauer gesprochen: der\nwiener Sänger, seinen Tristan in Scene zu setzen, respec-\ntive zu singen, diesem Werke doch nicht den Untergang,\noder wenigstens Vergrabung und Vergessenheit bringen,\nindem ein kleinerer deutscher Hof, von welchem Wagner\nschon früher protegirt worden, den bestimmten Befehl er-\nlassen Tristan und Isolde „herauszubringen\", wie\nder Kunst-Ausdruck lautet. Der unserige ist es aber nicht.\nSollte Liszt diesen Winter wieder in Weimar zubringen?\nAm 25. October wohnten wir einer Vorstellung der\nOper „Lorelei\" von Geibel und Bruch auf unserem\nzweiten Hoftheater in Mannheim bei. Es war die vierte\nWiederholung der Oper, und das gänzlich ausverkaufte\nHaus, so wie der lebhafte Beifall bewiesen, dass die Theil-\nnahme des Publicums für dieses treffliche Werk in stetem\nSteigen begriffen ist. Dem Vernehmen nach wird diese\nSchöpfung des begabten jungen Componisten, dessen\nneueste Composition für Männerchor und Orchester („Rö-\nmischer Triumphgesang\" von Ling) ebenfalls eine\nglänzende Aufnahme gefunden hat, an dem Hoftheater zu\nKassel und bei der deutschen Oper in Rotterdam zur Auf-\nführung vorbereitet; in Rotterdam werden zunächst F.\nHiller's erhabenes Werk „Die Katakomben\" und\ndann Gluck's „Alceste\" in Scene gehen. [Die Partitur\nder „Katakomben\" ist in Köln in der Musicalienhandlung\nvon G. Küpper erschienen.] Im Laufe des Decembers\nwird der Clavier-Auszug der „Lorelei\" im Verlage von\nLeuckart (Sander) in Breslau als Opus 16 von M. Bruch\nerscheinen; die Partitur wird in Leipzig autographisch\nhergestellt.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHärmen, 6. November. Am Samstag den 31. October\nwurde unsere Winter-Musikzeit mit dem ersten Abonnements-Con-\ncerte im Saale der Concordia unter Leitung des Herrn Musik-Di-\nrector3 Anton Krause eröffnet. Das Programm brachte die Ouver-\ntüre und Introduction aus „Wilhelm Teil\" von Rossini, das Vio-\nlin-Conceit in A.-nioll von Gr. B. V iotti, gespielt von unserem\ntrefflichen Violinisten Herrn Franz Seiss, die Kirchen-Arie von\nAI. Stradella; in der zweiten Abtheilung die Ouvertüre zur Oper\n„Seiniramis1, von C. S. Catel, die grosse Arie des Joseph aus\n„Joseph in Aegypten\", Violin-Variationen von Rode,\nden allerliebsten Chor aus „Les deux Avaresu von Gretry. die „holde\nDame\" aus dem 11. Acte von Boieldieu's „Weisse Frau\" und zum\nSchlüsse die Ouvertüre zum „Wasserträger\" von Cherubini. Das\nProgramm wird Manchem wohl etwas bunt vorkommen, doch dürfte\ndie Idee, welche dabei vorgeschwebt hat, die Periode der älteren\nvortiefflichen Schule dci Italiener und Franzosen zu charakterisircn\nund ihre eigenthümjiche Schönheit einmal an einem ganzen Abende\nzum Vergleiche mit der Zeit der Meyerbeer, Halevy, Adam, Verdi\nu. s. w. zur Geltung zu bringen, bei jedem Musiker volle Billigung\nfinden. Es wurde dadurch dem Publicum um so mehr ein hoher\nGenuss geboten, als die Vertretung der classischen Richtung der\nMusik des Auslandes in den Händen des ausgezeichneten Sängers\nHerrn Dr» Gunz von Hannover war, welcher bei seinen übrigen\nanerkannten Vorzügen und seiner überaus ansprechenden Tenor-\nstimme gerade diejenige vollkommen kunstgemässe Gesangesbildung\nbesitzt, welche für den Vortrag jener Compositionen erforderlich ist,\nleider aber bei unseren heutigen Sängern immer seltener wird.\nAls gute Nachricht „theile ich Ihnen noch mit, dass die Lan-\ngenbach1 sehe Capelle, welche den Hauptbestandteil des Theater-\nund Concert-Orchesters in den Schwesterstädten Elberfeld und Bar-\nmen bildet, die neue pariser Stimmung angenommen hat, und dass\nwir für unsere Quartett-Unterhaltungen in der Person des Herrn\nWodrich (?) aus Stettin einen schätzenswerthen jungen Violoncell-\nspieler gewonnen haben.\nf Duisburg, 2. November. Gestern hatten wir ein von\nhier und aus der Umgegend stark besuchtes Concert, in welchem\nein neues Werk von dem hiesigen Musik-Director A. zur Nieden\nzur Aufführung kam. Es ist ein lyrisch-dramatisches Gesangstück\nin zwei Theilen, betitelt „Die Martins wand\", für Soli, Chor\nund Orchester componirt; auch das Gedicht ist vom Componisten.\nDas WTerk wurde mit allgemeinem und sehr lebhaftem Beifalle auf-\ngenommen und auch von den anwesenden fremden Musikern für\nsehr bedeutend erklärt.\nBerlin, 10. November. Die von uns früher bezweifelte\nNachricht von dem dauernden Engagement des Fräuleins Lucca\nan der königlichen Oper war nur eine verfrühte. Jetzt indess mel-\ndet man authentisch, dass der Allerhöchsten Orts genehmigte Ver-\ntrag am 3. d. Mts. abgeschlossen und dass Fräulein Lucca auf Le-\nbenszeit mit einem jährlichen Gehalt von 8000 Thlrn., dem Titel\nals Kammersängerin, der Gestattung eines fünfmonatlichen Gastspiels\nund einer Pension von 2000 Thlrn. engagirt sei. Wenn man ge-\nmeldet hat, dass der Vertrag des Fräuleins Lucca auf dem hiesigen\nStadtgerichte abgeschlossen worden sei, so war dies falsch. Die\nVerhandlung, welche jüngst auf dem hiesigen Stadtgerichte unter\nTheilnahme von Fräulein Pauline Lucca und dem General-Inten-\ndanten v. Hülsen Statt gefunden hat, betraf, wie die B. 8.-Z. hört,\nnicht den lebenslänglichen Contract der Künstlerin, sondern eine\naus dessen Abschluss originirende Privat-Angelegenheit derselben.\nMannigfache, sich cfer öffentlichen Besprechung entziehende Verhält-\nnisse machten die Majorennisirung des Fräuleins Lucca wünschens-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "368", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631114-01.1.8", "texte": "werth, auf welche deren Vater nur unter dem Beding der Stipulirung\neiner festen Leibrente von 6( 0 Thlrn. zu seinen Gunsten* und zwar\nunter Garantie der königlichen General-Intendantur, eingehen wollte.\nLa Reoleu ist noch immer nicht wieder gegeben worden. Die\nOper war zu Samstag den 7. d. Mts. angesetzt, aber schon die\nFreitags-Affichen verkündeten zum Samstag im königlichen Opern-\nhause ..keine Vorstellung\". Wie es heisst, ist Herr Woworsky\naufs Neue erkrankt, und point de Woworsky point de La R&olel\nMan fragt: Warum kein Ersatzmann? Aber du lieber Gott, in die-\nser classischen Oper ist nicht Jedermann einstudirt!\nDie am Wallner'schen Theater durch die Copirung des Herrn\nv. Bismarck begangene Tactlosigkeit um uns des mildesten Aus-\ndrucks zu bedienen! hat, wie wir hören, auch die Polizei-Be-\nhörde zu einem Vorgehen veranlasst. Es soll nämlich dem Herrn\nCommissionsrathe zu Protocoll eröffnet worden sein, dass er bei\neinem nochmaligen ähnlichen Vorkommniss nicht nur die sofortige\nSistirung der Vorstellung unter Verpflichtung zur Rückzahlung des\nEintrittsgeldes, sondern auch die Einleitung des Verfahrens auf Con-\ncessions-Entziehung zu gewärtigen habe.\nDas königliche Opernhaus hat in dem Musik-Director Herrn\nRad ecke einen dritten Capellmeister erhalten, den Herren Tau-\nbert und Dorn zur Unterstützung, wie es heisst.\nInnsbruck. (Zur Kirchenmusik.) Die Kirche ist bei\nuns mit allen Zuständen so eng verflochten, dass man sie, bringe\nman nun das oder jenes zur Sprache, kaum umgehen kann. Es lässt\nsich begreifen, dass bei der Wichtigkeit, welche der katholische\nCultus hier beansprucht, auch die Kirchenmusik tüchtige Pflege fin-\ndet, und so hört man in den Kirchen der Jesuiten und Serviten,\nso wie in der Pfarre manchmal recht gelungene Aufführungen, wo-\nbei auch classische Werke nicht vernachlässigt werden. Insbeson-\ndere gilt dieses von ersterer, wo beim akademischen Gottesdienste\nder Musikverein mitwirkt. Er blühte zu einer Zeit, wo sein Auftre-\nten und Wirken noch bescheidene Gränzen einhielt, rasch heran,\ndie Bewohner der Stadt betheiligten sich zahlreich durch Monats-\nBeiträge und die damaligen Landstände bewilligten einen jährlichen\nZuschuss von 300 Fl. Im Laufe der Zeit zeigte sich dieser nicht\nausreichend. Der Ausschuss wandte sich nun heuer, unter Hinweis\nauf die für das ganze Land erspriessliche Thätigkeit des Vereins,\nan den Landtag. Hier hatte aber die clericale Majorität keinen Sinn\nfür die Wichtigkeit des Vereins und schlug das Gesuch ab. Dafür\nerhielt der ultramontane Gesellenverein einen Beitrag, an dessen\nNützlichkeit gar Mancher zweifelt, da sich mancher Geschäftsmann\nscheut, ein Mitglied dieser declamirenden, singenden und betenden\nGesellschaft zu dingen, weil die mit Restauration verbundenen Uebun-\ngen lange dauern und die Arbeitslust, namentlich in den Morgen-\nstunden, dadurch nicht gesteigert werden soll. Um so anerkennungs-\nwürdiger ist der Eifer, mit dem der Vorstand allen diesen Einflüssen\nTrotz bietet und für die Erhaltung des Instituts ringt. Was die\nKirchenmusik auf dem Lande betrifft, so ist sie manchmal schreck-\nlich; noch vor einigen Jahren hörte ich in einem Thale zwischen\nder Wandlung das trema Bisanzio! Indess wird es auch hier all-\nmählich besser.\nWien. Flotow, welcher hier einen längeren Aufenthalt zu\nnehmen gedenkt, hat seine für das Hof-Operntheater bestimmte\nOper bereits vollendet und dem Herrn Director Salvi zur Durch-\nsicht übermittelt. Das Libretto ist von St. Georg und Leon Ha-\nldvy, deutsch von Dingeiste dt bearbeitet. Der Titel dieser drei-\nactigen romantisch-lyrischen Oper ist „Naida\". Herr Flotow hat für\ndie Tenor- und Bass-Partie die Herren Wachtel und Mayerhofer\ngewählt. Für die Repräsentantin der Titel-Partie konnte er sich\nbis jetzt noch nicht entscheiden. Die Oper wird erst in der näch-\nsten Saison in Scene gehen. lm Karl-Theater werden, vom An-\nfang Februar begonnen, 24 italiänische Opern-Vorstellungen unter\nMerelli's Leitung Statt finden; hiefür werden als Primadonnen\nangekündigt: Patti, Trebelli, Penco; Tenori: Giuglini, Naudin, Bet-\ntini; Bässe: Bardiale, Ciampi und Ruez. Man erwartet Meyerbeer's\nErlaubniss zur Aufführung der „Dinorah\",\nDie scharfen und wohl auch, wenigstens im Tone, nicht ge-\nrechtfertigten Verurtheilungen, welche der Leiter der philharmoni-\nschen Concerte, Herr Dessoff, aus Anlass des ersten Concertes\nin einigen hiesigen Blättern erfuhr, haben die Orchester-Mitglieder\ndes Hof-Operntheaters besiimmt, Herrn Dessoff in einer Adresse die\ngemeinsame Anerkennung seines aufopfernden Fleisses, die Zufrie-\ndenheit mit seiner Leitung und den Dank für seine dem Unterneh-\nmen gewidmete eifrige Thätigkeit auszudrücken.\nDer Pianist Ernst Pauer soll, wie wir in der Const. Oesterr.\nZeitung lesen,7 im Laufe der Concert-Saison hier drei historische\nConcerte, nach dem Muster seiner in England veranstalteten Ma-\ntineen, geben,\nOffenbach ist in Wien eingetroffen und wird bis zur Auffüh-\nrung seiner Oper „Die Rheinnixe\" im Hof-Operntheater hier ver-\nweilen.\nEine elsässische Oper. Französische Blätter erzählen viel\nvon einer dreiactigen komischen Oper im elsässer Dialect, die vor\nKurzem in Colmar aufgeführt wurde und den Titel „Die dreifache\nHochzeit im Besenthal\" führt. Der Autor des Buches soll ein Pa-\nstetenbäcker, Namens Mangold, sein, die Musik von dem Com-\nponisten Weckerlin.\nEin londoner Blatt berichtet, dass Meyerbeer sich mit der\nComposition einer grossen biblischen Oper: „Judith\", beschäftigt.\n[Von der Composition eines Oratoriums hat er schon im vorigen\nJahre gesprochen.]\nMan schreibt aus London: „Carlotta Patti hat am 10. No-\nvember seit dem 16. April hier zum hundertsten Male gesungen.\nBei ihrem zwölften Auftreten im Krystall-Palaste waren zehn Tau-\nsend Personen versammelt. Am 15. November geht Carlotta Patti\nnach Irland und Schottland, am 6. December reist sie nach Paris,\num in drei Concerten zu singen; dann nimmt sie ihren Weg über\nBelgien und Holland nach Deutschland. Vom Director Gye ist sie\nmit einem bedeutenderen Gehalte, als sie bis jetzt bezog, vom 1.\nMai bis 1. December 1864 engagirt worden."}]}