{"numero_id": "bm-bmtnabi-1863-11-21-01", "volume": "bmtnabi_1863-11-21_01", "ocr_sha256": "cba8a156f41a6efa5cee350af82fd5ec3407d9f32abcc89dd8e0a123bd3aeb4b", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1863/11/21_01/bmtnabi_1863-11-21_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631121-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1863-11-21-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-11-21_01#c001", "volume": "bmtnabi_1863-11-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "369", "page_fin": "369", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631121-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "369", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631121-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 451, "texte": "Inhalt.\nAus Hamburg („Lorelei\", Schauspiel von H. Hersch Concert- und Kammermusik). Von L. Aus Berlin (H.\nvon Bülow Fuge von Rubinstein Variationen von F. Kiel). Von G. E. Aus Breslau (F. Hillens „Zerstörung von Jerusalem).\nZweites Gesellscbafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Fräulein Julie Rothenberger\nBonn, erstes Abonnements-Concert Berlin, Theater Wien, Todtenfeier Znaim, Mendelssohn-Feier Chopin's Ciavier}."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-11-21-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-11-21_01#c002", "volume": "bmtnabi_1863-11-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "369", "page_fin": "372", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631121-01.2.2", "titre_corps": "Aus Hamburg.", "titre_sommaire": "Aus Hamburg.", "signature_source": "L", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "369", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631121-01.1.1", "debut_caractere": 453, "fin_caractere_exclue": 4137, "texte": "Aus Hamburg.\n\n(„L orelei<k, Schauspiel von H. Hersch Concert- und\nKammermusik.)\nDen November 1863.\nSeit drei Wochen füllt hier die Aufführung der „Lo-\nrelei\" von Hermann Hersch, der durch seine „Anne\nLiese\" sich einen Namen gemacht hat, das Stadttheater.\nDer Grund der Popularität des neuen Stückes liegt nicht\nin der dramatischen, sondern in der theatralischen\nWirksamkeit des Werkes, womit dieses überhaupt im\nAllgemeinen ziemlich richtig charakterisirt sein dürfte.\nDer Abend der ersten Vorstellung (am 17. October) war\nzu einer Gedächtnissfeier E. von Merck's und die Hälfte\nder Einnahme zum Beitrag für das Denkmal des edlen\nMannes bestimmt. Dies hatte natürlich eine Menge von\nc 1\nZuschauern herbeigezogen, was für das Werk sehr gün-\nstig war.\nIm festlich erleuchteten Hause sprach Fräulein Götz\neinen Prolog, bei dessen Schluss sich eine Aussicht auf\nden Schauplatz der internationalen Ausstellung eröffnete.\nVon Beethoven's Trauermarsch eingeleitet und klar, frisch\nund empfindungsvoll vorgetragen, erreichte der Prolog,\nwas er bezweckte, in ansprechender Weise: dem Abende\nseine Widmung in der Feier eines hochverdienten, für die\nEntwicklungs-Geschichte unserer Stadt bedeutsamen und\nderselben unersetzlichen Mannes zu geben.\nDie Schauspiel-Neuigkeit, die darauf folgte, ward\ndurchweg günstig und der letzte Act davon, unter dem\nEindrucke neuer Decorationen und überraschend mit der\nHandlung und dem Orchester zusammenwirkender Ma-\nschinerieen, sogar mit stürmischer Dankbarkeit aufgenom-\nmen. Denn die Hervorrufungen nach dem Fallen des Vor-\nhanges beruhigten sich nicht eher, als bis ausser den dar-\nstellenden Mitgliedern auch der persönlich anwesende\nHerr Verfasser wiederholt auf der Bühne erschienen war,\nsammt dem Maler der Lorelei-Landschaft, Herrn Witte,\nund Herrn Geissler, von dem die Rheinwogen und der\nKahn herrühren, der von ihnen in den Abgrund hinabge-\nspült wird. Selbstverständlich erstreckten sich die Kund-\ngebungen des Beifalls auch auf Herrn Neswadba und\ndie Musik, die er zu dem Stücke gesetzt hat. Diese Musik\nist das Erzeugniss einer tüchtigen Capellmeister-Kenntniss.\nGlänzend in der Instrumentation, malt sie die Situationen\ntheils vorbereitend, theils begleitend weiter aus. Am glück-\nlichsten geschieht dies, wo sie die volksthümliche Melodie\ndes „Ich weiss nicht, was soll es bedeuten\" in schöner\nOrchester-Verarbeitung zum Thema hat. Unter den Lie-\ndern ist der Lorelei-Gesang wegen der Leichtigkeit, womit\ner dem Vortrage durch eine Schauspielerin angepasst ist,\nhervorzuheben. Dass die Handlung durch den Hochzeits-\nmarsch so lange aufgehalten wird, um durch die Musik\ngleichsam zur Rolle eines „verbindenden Textes\" herab-\ngedrückt zu werden, darüber hätte der Dichter mit Herrn\nNeswadba zu rechten, wenn sich der Erfolg nicht für die\nOrchester-Nummer erklärt hätte. Eben so ward unser\nBedenken darüber, dass die Introduction zum letzten Auf-\nzuge zu breit angelegt sei, von dem Hause durch ein Da-\ncapo-Verlangen widerlegt.\nWas das Stück Lorelei von Herrn. Hersch bietet,\ndas ist kein im höheren Sinne poetisches Werk, aber ein\ntheatralisch dermaassen dankbares, dass es seinen Weg\ndesto sicherer machen wird, je weniger fein das dramati-\nsche Gewebe und je haltbarer es dafür den Ansprüchen\nder Menge gegenüber gerathen ist. Lore, eine Fischers-\ntochter am Rheine, wird in die Handlung eingeführt, wie\nsie an einsamer Stelle des Ufers zur Nachtzeit den Gelieb-\nten erwartet und dabei schon einen Zug von Seelenver-\nwandtschaft mit den Wassergeistern verräth, die dort, vom\nChristenthum zurückgedrängt, aber noch nicht beseitigt,\nihr spukhaftes Wesen treiben. Das Volk verargt dem Mäd-\nchen die verstohlenen Gänge und ahnt einen heidnischen"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "370", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631121-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5479, "texte": "Verkehr hinter denselben. Aber zum Ausbruch kommt\nder Hexen-Argwohn erst bei einem Kirchenfeste, wo Lore\nan dem bevorzugten Platze der Procession erscheint, um\nmit ihrer hellen Stimme das Loblied der Maria zu singen.\nAul das Examen des Pfarrers gibt sie ungläubigen Be-\nscheid, die fromme Gemeinde geräth darob in tobenden\nZorn, und Lore wird vor gewaltthätigen Misshandlungen\nnur durch ihren Reitersmann gerettet, der sie aus dem\nTumulte entführt. Für ein paar Tage bleibt sie darauf\nverschwunden und kehrt dann als eine schmählich Betro-\ngene zurück, denn ihr geliebter Reitersmann ist kein An-\nderer als der Rheingraf gewesen, der bei Caub aul seinem\nJagdschlosse sitzt und sich von hier gelegentlich zu einem\ngnädigen Scherze mit den Töchtern des Landes herablässt.\nLore sieht sich durch ihr Abenteuer auf einmal um alles\ngebracht, woraus ihr Dasein bestand. Vom Vater verflucht,\nvon den Dorfgenossen ausgestossen, will sie ihren Gram\nim Rheine ertränken. Da taucht der Nixenfürst aus den\nFluten und weiht die Verzweifelnde zur rächenden Lore-\nlei, die wir im letzten Acte in der Verwaltung ihres grau-\nsamen Amtes auf ihrem Felsen antreffen. Die Decoration\ngibt das Rheinthal wieder und den Loreleifelsen. Hier der\nPfarrer mit dem Kreuze, das überhaupt mit seinen Attri-\nbuten in dem Stücke mit einer Unbefangenheit zur Ver-\nwendung kommt, von der wir nur hoffen wollen, dass sie\nkeine Empörung in vorurtheilsvolleren Seelen hervorruft\ndort oben aber die singende Fee. Dazwischen der to-\nsende Rheinstrom, und endlich, nach dem Untergange des\nFahrzeuges, worauf sich der Rheingraf selbst der verra-\nthenen Geliebten zum Opfer geboten, der Sturz der Lore-\nlei in das Wasser: das sind Schaustücke, die in Verbin-\ndung mit der Musik ihre Wirkung nicht verfehlen, wenn\ndie Inscenesetzung dafür eine so geschmackvolle ist, wie\nim Stadttheater, und wenn die beiden Hauptkräfte der\nAufführung ihren Aufgaben, wie hier in Fräulein Frohn\n(Titel-Partie) und Herrn Fritsche (Rheingraf), gewach-\nsen sind. Die Erstere spielt ihre anstrengende Rolle mit\neiner Ausdauer, dass sie auch dem gesanglichen Theile\nderselben nichts schuldig bleibt, und Herr Fritsche ist in\nTon und Gestalt der echte Rheingraf des sporenklirrenden\nRitterstückes. Herr Raberg hat daneben den zweiten\nLiebhaber, eine Art von Brackenburg, Herr Hellmuth\nden lustigen Jochem, Herr Reinhardt den Vater der\nLorelei, Frau Schaub eine tapfere Bäuerin Ursel, Herr\nBernhardy den Vertrauten des Rheingrafen zu geben,\nund Alle sind mit Fleiss und Geschick an ihren Plätzen.\nEinen nur einiger Maassen strengen Maassstab der\nKritik hält das neue Schauspiel nicht aus. Zunächst hat\nder Verfasser nicht etwa bloss die Sage nach Brentano,\nHeine u. s. w. zum Stoff genommen und diese eigenthüm-\nlich dramatisch gestaltet, sondern er folgt in der Behand-\nlung derselben ohne Weiteres dem Opernbuche Geibel's,\nso dass wir hier, nachdem Hunderte von Dramen zu\nOperntexten haben herhalten müssen, auch einmal umge-\nkehrt die Verarbeitung eines Opernbuches zu einem Dra-\nma vor uns haben. Eine Sterbliche, eines Fischers Toch-\nter, wird von dem Pfalzgrafen hintergangen, der sich mit\neiner Ebenbürtigen vermählt, wird vom Volke und der\nGeistlichkeit für eine Zauberin gehalten, ergibt sich in\nVerzweiflung den dämonischen Gewalten Alles dasselbe\nbei Geibel und Mersch, nur dass der letztere aus dem\nPfalzgrafen einen „Rheingrafen\" und aus der Zauberin\neine „Hexe\" macht! Wenn Geibel mit richtiger Einsicht\ndie Operndicbtung als Form seiner dramatischen Bearbei-\ntung der Lorelei-Sage wählte, weil diese Form die Ver-\nmischung des Sinnlichen mit dem Uebersinnlichen, der\nMenschenwelt mit dem Geisterspuk, der lebensvollen Wirk-\nlichkeit mit den luftigen Gebilden der Phantasie, mit Einem\nWorte: die Einführung der Romantik ins Drama am be-\nsten gestattet, so hat Hersch bei seiner Nachbildung nur\ndie handgreiflichere Wirkung durch den gesprochenen\nDialog in Verbindung mit Maschinerie und Decorationen\nund melodramatischer Musik vor Augen gehabt und sich\num dramaturgische Gesetze eben so wenig gekümmert,\nals um den Vorwurf eines Plagiats. Die einzige Entschul-\ndigung für ein Verfahren, das stark an literarische Frei-\nbeuterei gränzt, dürfte darin aufzufinden sein, dass Geibel\nlange Zeit gegen jede Composition seines Opernbuches\nVerwahrung einlegte, Hersch mithin ein gutes Werk zu\nthun glaubte, wenn er sich des schönen Stoffes bemäch-\ntigte und Geibel's dramatische Arbeit, die für das Theater\nverloren schien, in veränderter Form dem deutschen Volke\n—denn er nennt seine Bearbeitung ein „Volksschauspiel\"\nauf der Schaubühne darböte! Sollte er aber nicht ge-\nwusst haben, was durch alle öffentlichen Blätter gegangen\nist, dass Geibel zu Gunsten der Composition von Max\nBruch längst auf jenen Protest verzichtet hat, dass Gei-\nbel's und Bruch's Loreley als Oper existirt und seit\ndem Juni dieses Jahres in Mannheim wiederholte Vorstel-\nlungen mit völlig übereinstimmendem Beifalle des Publi-\ncums und der Kritik erlebt hat und bereits an vielen an-\nderen Bühnen angenommen ist? Dass im Laufe des De-\ncember der Clavier-Auszug und die Partitur in Druck er-\nscheinen werden, was alles in den Zeitungen gemeldet\nund besprochen worden? In der That, bei diesen Ver-\nhältnissen liegt der Verdacht nahe, dass das Schauspiel\ngegen die Oper, das Machwerk gegen das Kunstwerk das\nZuvorkommen habe spielen wollen, um die Empfänglich-\nkeit des Publicums für den Stoff auszubeuten, bevor\nwas bei der Gleichgültigkeit der deutschen Bühnen-Vor-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "371", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631121-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5386, "texte": "stände für die deutsche Oper überhaupt leicht zu errei-\nchen war, die weiteren Aull ührungen der Oper dies unmög-\nlich und die Speculation bankerott machten.\nWas Mersch geändert oder hinzugethan hat, ist kei-\nneswegs geeignet, dem Stücke eine höhere Weihe zu ge-\nben. Neben der „Lore\", ihrem Vater „Christophorus\"\nund dem „Rheingrafen\" sind episodische oder Hülfsfigu-\nren „Kuno\", der Vertraute und böse Helfershelfer des\nGralen, „Werner\", ein sentimentaler verschmähter Lieb-\nhaber der Lore, dessen Vorbild aber auch Geibel in sei-\nnem Minnesänger „Reinold\" schon hat, „Jochem\", eine\nArt von komischer Figur, ein Bruder Tuck, der nicht im\nGeringsten in die Handlung eingreift, der Nixenfürst\nu. s. w. Am meisten verballhornt ist der Schluss des Dra-\nma's. Bei Geibel liegt dem Schlüsse eine tragische und zu-\ngleich moralische Idee zum Grunde: der Pfalzgraf geht\ndurch Reue und durch das unlösbare Gelübde der Lorelei,\ndas sie den Rheingeistern gethan, zu Grunde. Hersch ver-\nleiht durch den Nixenfürsten der Lore die Gabe des ver-\nderbenden Gesanges und lässt sie auf der Stelle ihr Amt\nantreten; sie singt und der „Rheingraf\" mit „Werner\"\nin einem und demselben Kahne werden durch ihr Lied\nbehext und vom Strudel verschlungen. Aber sie fühlt da-\nbei ein menschlich Rühren, hält sich für zu schwach, ihr\nAmt durchzuführen, und stürzt sich in den Strom! Hier\nfragt man doch mit Verwunderung nach der Logik!\nWarum wird der gute Junge, der so treu liebt, mit dem\nschändlichen Rheingrafen ins Verderben gezogen? und\nwenn diese liebe Unschuld der Lore leid thut, warum singt\nsie denn? warum springt sie nicht lieber gleich in den\nRhein und überlässt den Schuldigen der Rache des Him-\nmels?—Aber freilich, die Hersch'sche Lore ist überhaupt\neine unlogische Jungfrau: im ersten Acte bebt sie vor dem\nDrängen des Grafen, sich ihm zu ergeben, zurück; bald\ndarauf aber bringt sie ein paar Tage auf seiner Burg zu,\nkehrt in ihr Vaterhaus zurück, nachdem sie „vor Gott sein\nWeib\" geworden, und wartet ruhig, bis er kommen\nwerde, sie zur Trauung abzuholen!\nLeider ist auch die Sprache in dem Schauspiel weder\ngedankenreich noch poetisch; der Inhalt der Verse ist ein\nganz gewöhnlicher, der Ausdruck nichts weniger als ge-\nwählt, und wo er sich zu einem gewissen Schwung erhe-\nben will, wird er schwülstig, zuweilen possierlich, wie wir\nuns denn z. B. bei Lore's Klage über „die klaffende Meute\ndes Elends und Kummers\" mit Heiterkeit an Abraham's\na Sancta Predigt: „Kreuz und Elend sind die Hunde, die\nden Hasen des menschlichen Lebens verfolgen\", erinnern\nmussten.\nIst aber die Aufgabe des Verfassers von Hause aus\nkeine andere gewesen, als mit Bühnen- und Effect-Kennt-\nniss Gelegenheit zu theatralischer Prunk-Ausstattung zu\ngeben, also ein Spectakelstück über einen populären Stoff\ndurch lose an einander gereihte Scenen zurecht zu ma-\nchen, so hat er diesen Zweck vollkommen erreicht. Dess\nZeuge ist, dass sogar der Kahn herausgerufen wurde!\nAufzüge über Aufzüge, Tanze der Nixen, Sonne, Mond\nund Sterne, empörte Fluten, die selbst das Orchester be-\ndrohen, der Lurleifelsen in treuem Abbild —was will das\nVolk mehr? es jubelt und rechtfertigt zum Vergnügen des\nCassirers und des Verfassers den Titel „Volksschauspiel\".\nUebrigens fühlte Mersch wohl, dass das romantische\nElement seiner Lorelei Musik erlordere, und ging desshalb\nden Herrn Capellmeister Neswadba an, den nöthigen\nBedarf d ieses unentbehrlichen Ingrediens zu seinem Amal-\ngama zu liefern. Was Herr Neswadba gegeben, ist zu gut,\num ganz unbeachtet zu bleiben, und nicht gut genug, um\nAnsprüche auf besondere Berücksichtigung zu machen.\nMan kann von ihr sagen, was ein pariser Operndichter\nvon der Composition seines Buches sagte: „Die Musik hat\nmir nichts daran verdorben.\" Mit Ausnahme zweier Lie-\nder, des Liedes der „Lore\" und eines Trinkliedes des\n„Jochem\", ist sie doch im Grunde weiter nichts, als ein\nVorspiel oder eine Begleitung zu einem wechselnden Pa-\nnorama, und als solche besonders in der zweiten Hälfte\nganz hübsch. Herr Neswadba ist hier mit Recht sehr be-\nliebt, was einigen Einfluss auf die etwas überschwenglichen\nKundgebungen am ersten Abende gehabt haben mag.\nLieber die edleren Genüsse, welche Hamburg und Al-\ntona in diesem Winter den Musikfreunden von Concert-\nund Kammermusik bieten werden, erlaube ich mir ein\nanderes Mal zu berichten. Begonnen hat die Saison Ende\nOctober mit den Soireen, welche die Herren Julius\nStock hausen und C. Rose für Kammermusik im\nkleinen Wörner'schen Saale eröffnet haben. In demselben\nSaale finden die Quartett - Unterh al t ungen der Herren\nBöie (erste Violine), Lee (Violoncell), Breyther und\nHohn rot h Statt. Am 6. November war der Saal von\neinem kunstsinnigen und aufmerksamen Auditorium ge-\nfüllt, das sich an der Ausführung dreier Quartette von\nMozart (.D-dur), Rubinstein (G-dur) und Beethoven\n(.F-dur), hauptsächlich aber an den Werken der beiden\nAltmeister erbaute. Rubinstein ist urprünglich als Ciavier-\nVirtuose bekannt und hat sich dann als Componist auf das\nGebiet der grösseren Stilarten begeben. Wenn auch viele\nStellen seines Quartetts einer Improvisation ähnlich sehen,\nandere nicht frei von leeren Passagen und Phrasen sind,\nso brachte dasselbe doch namentlich im letzten Satze Ein-\ndruck hervor. Die Stärke unserer Künstler aber entfaltet\nsich am sichersten in der Wiedergabe des Classischen,\nund hier halten sie sich eine der schwierigsten Aufgaben\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "372", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631121-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4738, "texte": "in der Vorführung des Beethoven'schen Quartettes gestellt,\nin dessen Vortrage sie das beste Verständniss mit dem\nWerke und eine vollendete Uebereinstimmung unter den\neinzelnen Partieen im Vortrage an den Tag legten, was\ndurch den einstimmigen Beifall der Zuhörer und nach dem\nSchlüsse durch Hervorruf anerkannt wurde. Dieselben\nHerren geben auch in Altona Quartett-Soireen.\nFür d ie Aufführung von Händel's „Messias\" unter\nLeitung des Herrn Deppe sind die Proben in so gutem\nZuge, dass die Chöre am 26. November vortreffliche Lei-\nstungen in Aussicht stellen. Die Solostimmen werden von\nFräulein Therese Tieljens, Frau Joachim (Hannover), den\nHerren Brunner und Stockhausen gesungen, und der Billet-\nverkauf ist ein so starker, dass die Auswanderung mit dem\nConcerte in die grosse Michaeliskirche erfolgt, um desto\nmehr Raum für Zuhörer zu gewinnen.\nIn Altona bereitet man sich in der unter musicali-\nscher Leitung des Herrn John ßö i e siehenden Sing-Aka-\ndemie darauf vor, in dem ersten diesjährigen Concerte am\n17. November das neue Oratorium „Belsazar\" von Karl\nRein ecke, dem Capellmeister der Gewandhaus-Concerte\nin Leipzig, zur Aufführung zu bringen. Reinecke ist ge-\nborener Altonaer und wird von Leipzig herüberkommen,\num die Ausführung seines Werkes in Person zu dirigiren\nund um gleichfalls in dem Concerte in seiner Eigenschaft\nals Piano-Virtuose mitzuwirken. Für die Soli im „Bel-\nsazar\" sind die Herren Sabbath und Otto vom Dom-\nChor in Berlin engagirt.\nDass die Anklage eines grossartigen Plagiats, die viel-\nleicht in dem vorstehenden Berichte über die Lorelei von\nHersch Manchem zu scharf betont scheinen möchte, ihren\nvollen Grund hat, beweisen die Berichte aus Berlin, wo\ndasselbe Stück auf dem Victoria-Theater gegeben worden\nist. Wir ergänzen daraus den Inhalt noch durch Folgendes:\n„Lore ist eine Fischerstochter, welcher der Bheingraf\nunter fremdem Namen nachstellt. Er greift zu dem son-\nderbaren Mittel, das Volk, welches Lore wegen ihrer nächt-\nlichen Wanderungen am Bheine für eine Hexe hält, durch\nseine Vertrauten gegen sie aufhetzen zu lassen. Bei einer\nProcession, wo Lore, als die beste Sängerin, ein Lied zu\nEhren der Heiligen singen soll, rottet sich die aufgeregte\nMenge gegen sie zusammen und bedroht sie mit dem Tode.\nIm Augenblicke der höchsten Gefahr erscheint der ver-\nkappte Rheingraf mit seinen Reisigen und rettet sie vor\nder Wuth des Pöbels. Mit vollster Hingebung hängt sie\nan ihrem unbekannten Beschützer, bis sie ihm auf dem\nWege zum Traualtare an der Seite seiner vornehmen Braut\nbegegnet. Ausser sich, klagt sie ihn vor aller Welt we-\n• ■*\ngen seiner Treulosigkeit an, während ihr Verführer, um\nsie zu schützen und sich zu reinigen, sie verläugnet und\nfür wahnsinnig erklärt. In Folge dieses neuen Vorganges\nwird sie von ihrem Vater verflucht, von allen Bekannten\ngemieden und Verstössen, selbst von ihrem letzten Freunde,\neinem jungen, sie unglücklich liebenden Schiffer, verlassen.\nSo von aller Welt Verstössen, beschliesst sie, ihrem Leben\nein Ende zu machen und sich in den Rhein zu stürzen.\nDa erscheint ihr der Flussgott, als Repräsentant des alten\nHeidenthums und der früheren Natur-Religion im Gegen-\nsatz zu dem neuen Christenthum (!), und fordert sie auf,\nsich und ihn an den verhassten Menschen zu rächen. Zu\ndiesem Zwecke begabt er sie mit dem wundervollen Zau-\nber des Gesanges, der jedem Sterblichen, der ihr nahte,\nverderblich werden sollte, warnt sie aber vor jedem Ge-\nfühl von Mitleid. So wird sie zur Lorelei. Tausende von\nOpfern sind ihr bereits gefallen, als der Rheingraf selbst\nmit dem jungen Fischer, der einst Lore so treu geliebt,\nden Nachen besteigt; Beide finden ihren Untergang, wäh-\nrend die Lorelei von ihrem Felsen niederblickt und zur\nHarfe singt. Aber das Schicksal des armen, treuen Schif-\nfers rührt ihr Herz, sie beklagt ihn und der Zauber schwin-\ndet; sie selbst stürzt sich in die Fluten, und mit ihr zu-\ngleich versinkt das alle Gölterreich.\" (!)\nAuch die berliner Kritik ist darüber einig, dass dem\ntheatralischen Bühnenstücke das eigentlich dramatische\nund rein menschliche Interesse fehlt und dass die Sprache\nnicht die fesselnde Kraft der Poesie besitzt, welche ein der-\nartiger Stoff fordert. „Das Ganze macht mehr den Ein-\ndruck einer dialogisirten Oper, als eines Volksschauspiels,\ndessen Wesen nicht in prachtvollen Decorationen, Aufzü-\ngen und theatralischen Aeusserlichkeiten, sondern in dra-\nmatischer Wahrheit und poetischer Erhebung besteht.\"\nWir wollen hoffen, dass die Freibeuterei wenigstens\ndas Gute haben werde, dass die deutschen Bühnen-Vor-\nslände, namentlich die Hoftheater, das Geld für\ndie Lorel ei - A usstatt ung lieber an ein Kunst-\nwerk, wie die Oper von Geibel und Bruch\nist, wenden werden, als an ein Spectakelstück.\n\nL."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-11-21-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-11-21_01#c003", "volume": "bmtnabi_1863-11-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "372", "page_fin": "373", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631121-01.2.3", "titre_corps": "Aus Berlin.", "titre_sommaire": "Aus Berlin.", "signature_source": "G. 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Das Programm\ngewährte durch mannigfaltige Auswahl einen Einblick in\ndie verschiedensten Richtungen der Ciaviermusik; wir fan-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "373", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631121-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2990, "texte": "den die Fugenform durch zwei neuere Componisten, Men-\ndelssohn und R übinstein, vertreten, die Salonmusik\nälterer Zeit durch Seb. Bach's Concert im italiänischen\nStil, die Variationen-Form in dem Sinne, wie Beetho-\nven sie aufgefasst und ausgebildet, durch F. Kiel, den\nVirtuosen-Stil der an Mozart sich anlehnenden Clavier-\nschule durch eine Phantasie von Hummel, den moder-\nnen Stil endlich des Clavierspiels durch einige Compositio-\nnen von Liszt. Mit bewunderungswürdiger Kraft und\nAusdauer spielte Herr von Bülow ganz allein zwei Stun-\nden lang, ohne die geringsten Spuren der Ermüdung zu\nzeigen, und mit der ihm eigenen objectivität suchte er die\nEigentümlichkeiten jeder Stilgattung in Auffassung und\nVortrag zu wahren. Zu einer besonderen Bemerkung for-\ndern die Fuge (Edur. Op. 53, Nr. 3) von Rubinstein\nund die Variationen (Op. 17) von Kiel auf. Rubinstein\nhat den Versuch gemacht, der Fuge einen modernen, sub-\njectiven Gefühls-Inhalt zu geben. Der strenge, polyphone\nStil lässt bekanntlich nie seine Freiheit der Melodie, d. h.\nmit anderen Worten, jene Richtung auf ein bestimmtes,\nendliches Gefühl zu, die im freien Stile herrscht; in dem\npolyphonen Stil ist Alles auf das Unendliche bezogen.\nWenn neuere Componisten dennoch auch in dieser Bezie-\nhung die äussersten Gränzen zu erreichen versuchen, so\nist wenigstens dann nichts dagegen einzuwenden, wenn,\nwie in diesem Falle, die Absicht glücklich erreicht wird;\nes wird sich aber immer nur, wie uns scheint, in verein-\nzelten Fällen die Fugenform solchergestalt ausdehnen las-\nsen, es ist eine Nachblüthe, nicht eine Entwicklung der\nFuge, die nach ihrem inneren Gehalt und in Bezug auf\nden Reichthum bedeutender Werke neben die älteren ge-\nstellt werden könnte. Auch Mendelssohn versuchte in sei-\nnen Fugen der modernen Empfindungsweise gerecht zu\nwerden, aber doch in viel gemässigterer Weise, wie denn\nüberhaupt sein Streben mehr dahin ging, durch den An-\nschluss an die älteren Formen der Musik sich über die\nmoderne Subjectivität zu erheben, als dieselben dem mo-\ndernen Geiste zu unterwerfen. Kiel's Variationen, die\nebenfalls in einer trefflichen Fuge endigen, gehören zu\nden bedeutendsten Variationen, die überhaupt geschrieben\nsind. Sie enthalten ein geistreiches, empfindungsvolles\nThema, eine höchst lebendige und einheitsvolle Entwick-\nlung desselben zu den verschiedensten Tongestalten und\ninnerhalb derselben eine weit sich über die blosse Form\nerhebende tiefe und innige Empfindung. Es ist Kiel, dem\nComponisten des Requiem,im Laufe weniger Jahre ge-\nlungen, die Aufmerksamkeit aller Musiker auf sich zu\nziehen, die nicht in ganz exclusiver Weise einer bestimm-\nten Parteirichtung angehören; wir sehen seiner weiteren\nEntwicklung mit der grössten Theilnahme entgegen, denn\ndurch Leistungen, die sich über das einseitige Partei-\ngetreibe erheben, wird die Kluft besser ausgefüllt wer-\nden, die in jüngster Zeit zwischen den Anhängern des\nAlten und des Neuen entstanden ist, als durch Kampf und\nPropaganda.\n\nG. E."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-11-21-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-11-21_01#c004", "volume": "bmtnabi_1863-11-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "373", "page_fin": "375", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631121-01.2.4", "titre_corps": "Aus Breslau.", "titre_sommaire": "Aus Breslau.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "373", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631121-01.1.5", "debut_caractere": 2992, "fin_caractere_exclue": 5240, "texte": "Aus Breslau.\n(F. Hill er' s rZ erstörung von Jerusalem\".)\nDen 15. November 1863.\nAm 4. November führte die Sing-Akademie unter\nLeitung des Herrn Musik-Directors J u I. Schäffer das\nOratorium „Die Zerstörung von Jerusalem\" von Ferd.\nII iiier auf. Herr Schäffer halle über den Inhalt desselben\neinen vorbereitenden Aufsatz in der „Schlesischen Zeituns\"\nabdrucken lassen. Ueber die Composition und die Auffüh-\nrung spricht sich Dr. Baum gart, nachdem er einige Be-\nmerkungen über den Text des Werkes gemacht, in wel-\nchem er mehr dramatische Handlung in Ensemble-Sätzen\nwünscht, „da der Componist Fähigkeit und Geschick zu\ndramatischer Conception und Gestaltung unzweifelhaft be-\nwiesen hat\", unter Anderem in folgender Weise aus:\n„Nehmen wir das Werk, wie es vorliegt, so ist der\nBeifall, der ihm innerhalb der zwanzig Jahre seines Beste-\nhens an den verschiedensten Orten zu Theil geworden ist,\njedenfalls ein im Werthe der Musik begründeter. Dass der\ndramatisch nicht günstig gearbeitete Text dennoch zu einer\nReihe lebensvoller und fesselnder Scenen ausgestattet ist,\ngereicht dem Componisten zu um so höherem Verdienste.\nDer aufmerksame Hörer kann sehr wohl bemerken, wie\nin den grösseren Abschnitten, zu denen sich die auf einan-\nder folgenden Stücke im ersten Theile gruppiren, ein durch-\ngehender Charakter festgehalten ist, ohne dass es den ein-\nzelnen Sätzen an interessanter Mannigfaltigkeit gebricht.\nDie ganze Haltung der Eingangs-Nummern, welche die\nfrommen Israeliten und an ihrer Spitze Jeremias schildern,\nist eine würdig ernste und gemessene, obwohl im Einzel-\nnen neben dem feierlichen Preise Jehovah's auch bange\nFurcht vor seinem Zorne, wehmüthige Trauer und buss-\nfertige Zerknirschung ihren Ausdruck finden. Dieser ganze\nAbschnitt steht in seiner Gesammtfarbe in wohl berechne-\ntem Gegensatze zu den nächsten Chören und Sologesängen,\ndie uns das üppige, weltlustige Leben im Königshause ver-\ngegenwärtigen, wo unter den Jubelnden nur der innerlich\ngebrochene, hoffnungsloseZedekia „ „zum Tode düster und\nbetrübt\"\" bleibt. Und wenn es im Ganzen zu erwarten\nwar, dass jenes Fest im Palaste und das Baalsopfer im zwei-\nten Theile, obwohl der sinnliche Beiz bei beiden bestim-\nmend sein musste, doch in der musicalischen Darstellung"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "374", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631121-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5610, "texte": "sich wesentlich unterschieden, dass ferner Israeliten und\nBabylonier nicht in gleichem Stile sangen, so meinen wir\ndoch auch, dass die geängsteten und verzweifelnden Israe-\nliten des zweiten Theiles von den trauernden, aber noch\nnicht hoffnungslosen des ersten in der musicalischen Dar-\nstellung sehr wohl zu unterscheiden sind; und das war nicht\neben so leicht zu treffen. Dabei wollen wir aber hier so-\ngleich nicht verhehlen, dass gerade die Partieen, in denen\ndie Ueppigkeit des Herrscherlebens und der Baalsdienst\ngeschildert werden, uns den übrigen nicht ebenbürtig er-\nscheinen. Der Festmarsch, der Chor: „„Erhöht in lauten\nWettgesängen\"\", das Violin-Solo im folgenden Recitativ\nChamitaPs bleiben nach unserem Ermessen hinter der In-\ntention des Componisten zurück, und wir können an die\nfortreissende, berauschende Wirkung, die auf den König\ngeübt werden soll, gleich diesem selbst nicht recht glauben.\nEben so ist der Baals-Opferchor, trotz dem obstinaten Mo-\ntiv in der Pauke und trotz den sonstigen Mitteln der Cha-\nrakteristik, zu keinem sich steigernden, inneren Leben ge-\ndiehen. Dagegen sind uns die Israeliten-Chöre fast alle in\nAusdruck, Erfindung und höchst tüchtiger Arbeit als Lei-\nstungen erschienen, die allein schon das Oratorium zu einer\nder respectabelsten Erscheinungen in der neueren Zeit er-\nheben. Uns ist ausser Mendelssohn's beiden Werken keines\nbekannt geworden, vor welchem das Hiller'sche zurück-\ntreten müsste,. und sicherlich steht es über dem, was die\nletzten Jahre unseres Wissens auf gleichem Felde hervor-\ngebracht haben. In den erwähnten Chören ist überall ge-\nsunde Musik, Frische und Leben, gesangmässige, entwick-\nlungsfähige und künstlerisch entwickelte Motive, und es\nwird Einem wohl zu Muthe, wenn man hier nicht alle\nAugenblicke mit Pointen und Klang-Effecten fürlieb neh-\nmen muss, sondern aus einem Thema heraus ganze Musik-\nstücke organisch erwachsen sieht. Diese Gediegenheit der\nArbeit erhebt auch solche Chöre, die uns verhältnissmässig\nweniger tief an Gehalt erschienen sind, immer noch zu wir-\nkungsvollen Stücken; wir rechnen dahin z. B. den Chor:\n„„Ach Herr, strafe uns nicht\"\", und den: „„Israel bleibt\nseinem Gott angetraut\"\", welcher letztere uns auch in der\nConception an sein er Stelle nicht recht erklärlich ist; Ver-\ntrauen, Glaubensfreudigkeit, Hoffnung würden wir nach\ndem Zusammenhange mit dem Vorangehenden verstehen:\ndiesen hellen, lauten Preisgesang wissen wir uns nicht ge-\nnügend zu deuten. Gern und ganz gibt man sich aber Chö-\nren hin wie dem ersten: „ „Wie heilig und hehr\"dem\nspäteren: „ „Eine Seele tief gebeuget\"\", dem Schluss-Chor\ndes ersten Theiles: „ „Wer unter dem Schirm\"\", und den\ndurch dramatisches Leben oder tonmalerische Schilderung\nhervorragenden: „„Verräther! Er ist ein Freund von Ba-\nbylon\" \", „ „DasEntsetzen bricht herein\"\", „ „Schon brau-\nsen sie daher\"\" u. s. w. Unter den Sologesängen werden\ndie Arie Hanna's: „„Der Herr erhält\"\", und das Duett\nderselben mit Achicam: „ „0 wär' mein Haupt eine Was-\nserquell\" \", überalldurch ihren grossen Wohlklang erfreuen,\nwenn auch in dem letzteren die Cadenzen für uns etwas\nnahe an eine gewisse moderne Art zu rühren streifen. Die\nPartieen des Königs, der Chamital und des Propheten sind\nmusicalisch geschickt individualisirt. Uns hat, offen gesagt,\ndie des Jeremias nicht gerade den tiefsten Eindruck hinter-\nlassen. Es scheint, als habe die geläufige Vorstellung von\ndem klagenden Jeremias der bedeutsameren und energi-\nscheren Ausprägung seines Charakters im Wege gestanden.\nWir behaupten keineswegs, dass er in der Musik unbedeu-\ntend geworden sei; nur will er uns nicht als Hauptper-\nson hervortreten, und hieran trägt auch der Text seine\nSchuld. Energischer tritt Chamital, wie in der Handlung,\nso in der Musik heraus, und Zedekia erscheint uns glück-\nlich behandelt. Wir stehen nicht an, zu behaupten, dass\nseine Arie: „„Mein Leben lieget unter Löwen\"\", zu den\nbesten Stücken im Oratorium zu rechnen ist. Sänge irgend\nein thatkräftiger Held in der Verzweiflung dieselben Worte,\nwas doch unschwer denkbar ist, er würde knirschen, auf-\nbrausen, toben, und derComponist hätte Vorbilder für eine\nsolche Aufgabe und Ausdrucksmittel genug gefunden. Ze-\ndekia, der verzagte, schwermüthige König, der selbst zum\nZorn über sein Geschick keine Kraft mehr hat, ist keine\nso häufige Figur: er kann nur ohnmächtig klagen, und die\nSchwäche des Trübsinns finden wir in jener Arie durch\nRhythmus, Melodie und Begleitung mit sehr glücklichem\nGriffe veranschaulicht. Auch im Duett mit Jeremias hat\nsich der Componist weise gehütet, der tiefen Reue und\nheissen Seelennoth des Schwächlings irgend einen Zug\nzu geben, der nach mannhaftem Entschlüsse und kraftvol-\nler Erhebung aussehen könnte. Gerade solche Charaktere\nsind für den Tondichter eben so schwierig darstellbar, wie\nfür den Schauspieler, und wenn sie gelingen, wie hier,\nwahr und musicalisch ansprechend, so ist das gewiss hohen\nLobes würdig.\n„Die Verwandtschaft des Hiller'schen Werkes mit Men-\ndelssohn ist unbestreitbar; wir möchten sie aber kaum für\ngrösser halten, als die zwischen Marschner und C. M. von\nWeber. Im Ganzen erscheint Hiller wie ein Jünger dersel-\nben Richtung, nicht wie ein Nachahmer, und sein Werk\nwird stets neben denen seines Freundes sehr ehrenvoll be-\nstehen. Wo er auf dem Boden der älteren Schule arbeitet,\nin den polyphonisch gehaltenen Chören, da wird man eigen-\ntümlich Mendelssohn'sches nicht viel finden; ist ja doch\ndiese Stilgattung überhaupt mehr durch sich selbst, als nach\nsubjectiver Sympathie bestimmt. In den kleineren Solo-\nstücken, wo die Aehnlichkeit stärker hervortritt, herrscht"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "375", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631121-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2155, "texte": "doch immer noch Freiheit, und das Klagelied des Prophe-\nten erinnert stellenweise sogar an viel neuere Schreibart,\nals an Mendelssohn. Besonders aber weicht die Behandlung\ndes Orchesters von des Letzteren Art erheblich ab. Wenn\nwir sie im Allgemeinen als effectreicher bezeichnen, so\nmeinen wir damit keineswegs den als Selbstzweck erstreb-\nten Effect, sondern nur den stärker herausgekehrten Reiz\ndes Colorits, der im Ganzen, vorzugsweise aber in Einzel-\nheiten, wahrnehmbar ist. Dies führt zu einer grossen An-\no\nzahl interessanter, sinnvoller Züge und Farbenmischungen,\ndie keineswegs mendelssohnisch sind, allerdings auch\nmanchmal dazu, dass das schöne Maass nicht discret inne-\ngehalten ist, vorzugsweise im Blech, das z. B. in dem Chor:\n„ „Verräther\"u, die lebenswahre Gestaltung der Singstim-\nmen in verschiedene Volksgruppen leider fast erdrückt.\nDoch sind solche Ueberschreitungen selten.\n„Die Aufführung zeugte von liebevoller, sorgfältiger\nVorbereitung, wie diese die Akademie und ihr Dirigent\nallezeit für Pflicht erachten und niemals scheuen. Der Chor\nwar technisch seiner Aufgabe Herr, sang frisch, sinngemäss\nnuancirend und declamirend. Das Orchester bestand mit\nEhren, begleitete die Soli sehr discret, liess es an Kraft und\nFeuer nicht fehlen und spielte seine schwierige Partie mit\nVerständniss. Wo uns die geistige Erfassung des Sinnes so\nentgegentritt, wie bei dieser Aufführung, da können uns\neinige nicht ganz exacte Eintritte nicht erheblich stören.\nFür Herrn Cantor Deutsch waren die Partieen des\nAchicam und des Zedekia besonders geeignet; Organ und\nGesangsweise erweckten für die dargestellten Charaktere\nSympathie. Herr Lehrer Schubert sang den Jeremias mit\nWürde und Wärme. Chamital verlangt freilich kraftvollere\nStimmmittel, als die Natur Fräulein Damke verliehen hat;\nsie brachte aber durch lebendige Auffassung und entspre-\nchenden Vortrag die Partie zu wirksamer Geltung. Der\njugendlichen Sängerin der Hanna wünschen wir das beste\nGedeihen ihrer sehr ansprechenden Mittel und Festhalten\nan dem bisherigen Streben, das uns gesund und ernst er-\nscheint, und für das die Akademie bildende und lohnende\nAufgaben viele bietet.u"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-11-21-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-11-21_01#c005", "volume": "bmtnabi_1863-11-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "375", "page_fin": "375", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631121-01.2.5", "titre_corps": "Zweites Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller, Dinstag, den 17. November 1863.", "titre_sommaire": "Zweites Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller, Dinstag, den 17. November 1863.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "375", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631121-01.1.7", "debut_caractere": 2157, "fin_caractere_exclue": 3022, "texte": "Zweites Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller,\nDinstag, den 17. November 1863.\nProgramm. I. Theil. 1. Ouvertüre zur Oper „Joseph und seine\nBrüder\" von Mehul. 2. Sopran-Arie: „Höre, Israel!\" von Men-\ndelssohn (gesungen von Frau K n öpges -Sa ar t). 3. Phantasie\nfür Yioloncell von Piatti (Herr Alexander Schmit), 4. Gesänge\nfür Chor a capella von Steineccer: „Hilf, Herr!\" und von Bal-\ndassare Donato Vilanella napoletana aus dem XVI. Jahrhun-\ndert. 5. Morgenmusik (Aubade) für Orchester von Ferd. Hil-\nler: Alla Marcia, Menaetto, Capriccetto, Adagio, Gliasel, Finale.\n6. Hymne für Sopran-Solo, Chor und Orchester von F. Mendels-\nsohn-B arth oldy: „Hör1 mein Bitten\" (Solo: Frau Knöpges-Saart).\n11. Theil. Sinfonie Nr. VII., A-dur, von L. van Beethoven.\n(Den Bericht in der nächsten Nummer.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-11-21-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-11-21_01#c006", "volume": "bmtnabi_1863-11-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "375", "page_fin": "376", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631121-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "375", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631121-01.1.7", "debut_caractere": 3024, "fin_caractere_exclue": 6080, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nl4Öln. Ueber die Erfolge, welche unsere kölnische Sängerin,\nFräulein Julie Rothenberger, in den Concerten ausserhalb\nKöln, in Cob lenz (Händel's Samson), Aachen (Hiller's Zerstö-\nrung von Jerusalem), Braun schweig u. s. w. gehabt hat, lesen\nwir erfreuliche Berichte in öffentlichen Blättern. In dem Concerte\nin Braunschweig hat sie namentlich durch die treffliche Ausführuno-\nO\nder Sopran-Partie in Haydns „Schöpfung\" rauschenden Beifall\nneben den Herren Gunz nnd Thelen, welche die Tenor- und Bass-\nPartie sangen, geärntet. sie für Magdeburg, Wesel\nund Amsterdam engagirt.\nÜOllil, 15. November. Wiederum ist im Wechsel des Jahres\ndie Zeit herangekommen, die uns schon so manchen Kunstgenuss\ngebracht und der wir in jedem Jahre mit grosser Freude entgegen-\nsehen : die Concertzeit. Eröffnet wurde dieselbe durch das erste\nAbonnements-Concert, welches Donnerstag den 12. November itu\ngrossen Saale des „goldenen Sternu unter Leitung des städtischen\nMusik-Directors Herrn C. J. Brambach Statt fand. Im ersten\nTheile desselben hörten wir die Ouvertüre zur „Zauberflöte\" von\nW. A. Mozart, Als Solist trat Herr Concertmeister L. Strauss aus\nFrankfurt am Main auf, welcher das Violin-Concert von Mendels-\nsohn-Bartholdy und die Romanze in F-dur von L. van Beethoven\nvortrug. Herr Strauss besitzt alle Eigenschaften, die zu einem aus-\ngezeichneten Geiger erforderlich sind: Fülle des Tones, glänzende\nTechnik uud Reinheit des Spiels, dazu treffliche Auffassung und see-\nlenvollen Vortrag. Diese Eigenschaften kamen auch an diesem\nAbende zur vollen Geltung, und konnte es nicht fehlen, dass Herrn\nStrauss nach jedem Solo rauschender Beifall und zum Schlüsse Her-\nvorruf vom ganzen Auditorium zu Theil ward. Zwischen beiden\nSolostücken lernten wir eine sehr hübsche Composition von W.\nBargiel: „Der Herr ist mein Hirt\" (Psalm XXIII.), für dreistim-\nmigen weiblichen Chor und kleines Orchester, kennen, welche als\nOp. 26 bei Simrock in Bonn erschienen ist und, gut ausgeführt,\nvom Publicum beifällig aufgenommen wurde. Bei der nicht allzu\nreichen Literatur für weiblichen Chor wird dieser Psalm sehr will-\nkommen sein, zumal er von Seiten des Orchesters nur das Streich-\nQuartett und zwei Hörner in Anspruch nimmt. Die Hymne von\nG. F. Händel, zur Krönungsfeier Georg's 11. im Jahre 1727 com-\nponirt, beschloss auf würdige Weise den ersten Theil. Der zweite\nTheil des Concertes wurde durch F. Schubert s Sinfonie in C-dur\nausgefüllt. Die Ausführung war eine recht befriedigende, was um\nso mehr anzuerkennen ist, da ein Theil der Blas-Instrumente\ndurch neue Orchester-Mitglieder besetzt war. —h.\n]2ei*liil* Für das Schauspiel sind an Stelle der verstorbenen\nPellet Fräulein Erhart und Fräulein Augsberger engagirt wor-\nden; dagegen ist Frau Crelinger, die bekanntlich 1862 ihr fünf-\nzigjähriges Künstler-Jubiläum gefeiert hat, um ihre Pensionirung\neingekommen. Herr von Hülsen hat indessen der hochverdienten\nKünstlerin das Anerbieten gemacht, mit ihrem vollen Gehalte noch\nferner als Ehren-Mitglied dem königlichen Theater anzugehören,"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "376", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631121-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3882, "texte": "indem er zugleich ihr Auftreten gänzlich von ihrem Willen abhän-\ngig macht und sich nur vorbehält, der Künstlerin die Mitwirkung\nin dem einen oder anderen Stücke vorzuschlagen.\nDie berliner Sing-Akademie führt in diesem Winter unter Grell's\nLeitung die drei Oratorien: „Elias\" von Mendelssohn, „Messias\"\nvon Händel und die „sechszehnstimmige Messe\" von Grell aus; am\n17. October brachte sie Graun's „Te Deum\" und die Siegesgesänge\naus Händel's „Judas Maceabäus\".\nTeichmann's literarischer Nachlass, herausgegeben von Din-\ngelstedt, ist so eben bei J. G. Cotta in Stuttgart erschienen.\nDas Werk zerfällt in zwei Bücher, „Eigenes\" und „Fremdes\" beti-\ntelt, und einen Anhang, der „Beilagen\" und „Drei chronologisch-\nstatistische Tabellen\" enthält. Das erste Buch enthält als Untertitel\n„Hundert Jahre aus der Geschichte des königlichen Theaters in\nBerlin, 1740—1840\", und dessen einzelne Abschnitte behandeln die\nZustände unter Friedrich 11., die Verwaltungen Koch's, Döbbelin's,\nEngeld, Iffland's, der Grafen Brühl und Redern. Das zweite Buch\nenthält Briefwechsel classischer Dichter und Schriftsteller mit der\nköniglichen Hoftheater-Verwaltung. Wir finden darunter die Namen\nGoethe, Schiller, Wieland, Kleist, Schlegel, Tieck, Werner, Iffland,\nKotzebue.\nWien« Die sterblichen Ueberreste Beethoven's und Schu-\nberts die Schädel mit inbegriffen wurden am 23. October\nMorgens in ihren früheren, nun zu Grüften umgestalteten Gräbern\nfeierlich wieder beigesetzt.\nDer Musikverein in Znaim veranstaltete am 4. November unter\nder artistischen Leitung des Herrn Heinrich Fiby eine Gedächt-\nnissfeier für Felix Mendelsso hn-Bartholdy im Theater, bei\nwelcher folgende Werke des verstorbenen Meisters zur Aufführung\nkamen: Symphonie in A-dur; Terzett für Sopran, Tenor und Bass\naus dem Liederspiele „Die Heimkehr aus der Fremde\" ; Violin-Con-\ncert in E-moll (erster Satz); Recitative und Chöre aus dem unvoll-\nendeten Oratorium „Christus\" für gemischten Chor und Orchester;\nOuvertüre zu „Ruy Blas\".\nUeber die Vernichtung der Künstler-Reliquie, des Claviers von\nChopin (Nr. 45), erhalten wir folgendes Näheres aus Warschau:\n~lm Zamoyski'schen Palaste, der von mehr als dreissig Partieen,\nmeist den höheren Ständen angehörend, eingenommen war, wohnte\nauch die Schwester Fr. Chopin's, Madame Barcinski, in deren gast-\nlichem Salon, inmitten einer Fülle kostbarer Möbel, ein einfacher\nFlügel stand, welcher trotz seines unscheinbaren Aeussern doch vor\nallem Anderen die Aufmerksamkeit des Besuchers auf sich zog.\nUeber demselben' hing ein sprechend ähnliches Portrait des Meisters,\nvon Ary Scheffer gemalt. Dieses Instrument, noch vor dem Jahre\n1820 hier in Warschau nach der damals üblichen gebaut,\nwar es, auf dem der bekannte Knabe den ersten Clavier-Unterricht\nerhalten und später der träumerische Jüngling die meisten und\nschönsten Inspirationen zu Papier gebracht hatte. Es wurde daher\nauch gewisser Maassen zu einer Ehrensache, dass bedeutende Künst-\nler, namentlich Pianisten, wenn solche auf ihren Wanderungen un-\nsere Stadt berührten, der Familie Chopin's einen Besuch machten,\num bei dieser Gelegenheit die Kunst-Reliquie näher zu betrachten.\nSie existirt nicht mehr! Nicht der Zahn der Zeit hat Bild und In-\nstrument vernichtet: beide fanden ihren Tod in den Flammen.\nRohe Fäuste rissen das Instrument von seinem Platze, zerrten es\nan das Fenster und stürzten es aus dem zweiten Stockwerke auf\ndas Strassenpflaster hinab. Alles Bitten und Flehen der Eigenthü-\nmerin, nur dieses einzige Andenken an den geliebten Bruder zu ver-\nschonen, war vergeblich; auch das Bild, weiches sie bereits in der\nHand hielt, vermochte sie nicht zu retten es wurde ihr entrissen\nund durch das Fenster geschleudert.\"\nAlexander Dreyschock, der gegenwärtig in Petersburg\nweilt und als Professor am Conservatorium in Thätigkeit ist, wurde\nneuerdings zum General-Inspector der kaiserlichen Theaterschule\nernannt."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "369", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631121-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nAus Hamburg („Lorelei\", Schauspiel von H. Hersch Concert- und Kammermusik). Von L. Aus Berlin (H.\nvon Bülow Fuge von Rubinstein Variationen von F. Kiel). Von G. E. Aus Breslau (F. Hillens „Zerstörung von Jerusalem).\nZweites Gesellscbafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Fräulein Julie Rothenberger\nBonn, erstes Abonnements-Concert Berlin, Theater Wien, Todtenfeier Znaim, Mendelssohn-Feier Chopin's Ciavier}.\n\nAus Hamburg.\n\n(„L orelei<k, Schauspiel von H. Hersch Concert- und\nKammermusik.)\nDen November 1863.\nSeit drei Wochen füllt hier die Aufführung der „Lo-\nrelei\" von Hermann Hersch, der durch seine „Anne\nLiese\" sich einen Namen gemacht hat, das Stadttheater.\nDer Grund der Popularität des neuen Stückes liegt nicht\nin der dramatischen, sondern in der theatralischen\nWirksamkeit des Werkes, womit dieses überhaupt im\nAllgemeinen ziemlich richtig charakterisirt sein dürfte.\nDer Abend der ersten Vorstellung (am 17. October) war\nzu einer Gedächtnissfeier E. von Merck's und die Hälfte\nder Einnahme zum Beitrag für das Denkmal des edlen\nMannes bestimmt. Dies hatte natürlich eine Menge von\nc 1\nZuschauern herbeigezogen, was für das Werk sehr gün-\nstig war.\nIm festlich erleuchteten Hause sprach Fräulein Götz\neinen Prolog, bei dessen Schluss sich eine Aussicht auf\nden Schauplatz der internationalen Ausstellung eröffnete.\nVon Beethoven's Trauermarsch eingeleitet und klar, frisch\nund empfindungsvoll vorgetragen, erreichte der Prolog,\nwas er bezweckte, in ansprechender Weise: dem Abende\nseine Widmung in der Feier eines hochverdienten, für die\nEntwicklungs-Geschichte unserer Stadt bedeutsamen und\nderselben unersetzlichen Mannes zu geben.\nDie Schauspiel-Neuigkeit, die darauf folgte, ward\ndurchweg günstig und der letzte Act davon, unter dem\nEindrucke neuer Decorationen und überraschend mit der\nHandlung und dem Orchester zusammenwirkender Ma-\nschinerieen, sogar mit stürmischer Dankbarkeit aufgenom-\nmen. Denn die Hervorrufungen nach dem Fallen des Vor-\nhanges beruhigten sich nicht eher, als bis ausser den dar-\nstellenden Mitgliedern auch der persönlich anwesende\nHerr Verfasser wiederholt auf der Bühne erschienen war,\nsammt dem Maler der Lorelei-Landschaft, Herrn Witte,\nund Herrn Geissler, von dem die Rheinwogen und der\nKahn herrühren, der von ihnen in den Abgrund hinabge-\nspült wird. Selbstverständlich erstreckten sich die Kund-\ngebungen des Beifalls auch auf Herrn Neswadba und\ndie Musik, die er zu dem Stücke gesetzt hat. Diese Musik\nist das Erzeugniss einer tüchtigen Capellmeister-Kenntniss.\nGlänzend in der Instrumentation, malt sie die Situationen\ntheils vorbereitend, theils begleitend weiter aus. Am glück-\nlichsten geschieht dies, wo sie die volksthümliche Melodie\ndes „Ich weiss nicht, was soll es bedeuten\" in schöner\nOrchester-Verarbeitung zum Thema hat. Unter den Lie-\ndern ist der Lorelei-Gesang wegen der Leichtigkeit, womit\ner dem Vortrage durch eine Schauspielerin angepasst ist,\nhervorzuheben. Dass die Handlung durch den Hochzeits-\nmarsch so lange aufgehalten wird, um durch die Musik\ngleichsam zur Rolle eines „verbindenden Textes\" herab-\ngedrückt zu werden, darüber hätte der Dichter mit Herrn\nNeswadba zu rechten, wenn sich der Erfolg nicht für die\nOrchester-Nummer erklärt hätte. Eben so ward unser\nBedenken darüber, dass die Introduction zum letzten Auf-\nzuge zu breit angelegt sei, von dem Hause durch ein Da-\ncapo-Verlangen widerlegt.\nWas das Stück Lorelei von Herrn. Hersch bietet,\ndas ist kein im höheren Sinne poetisches Werk, aber ein\ntheatralisch dermaassen dankbares, dass es seinen Weg\ndesto sicherer machen wird, je weniger fein das dramati-\nsche Gewebe und je haltbarer es dafür den Ansprüchen\nder Menge gegenüber gerathen ist. Lore, eine Fischers-\ntochter am Rheine, wird in die Handlung eingeführt, wie\nsie an einsamer Stelle des Ufers zur Nachtzeit den Gelieb-\nten erwartet und dabei schon einen Zug von Seelenver-\nwandtschaft mit den Wassergeistern verräth, die dort, vom\nChristenthum zurückgedrängt, aber noch nicht beseitigt,\nihr spukhaftes Wesen treiben. Das Volk verargt dem Mäd-\nchen die verstohlenen Gänge und ahnt einen heidnischen"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "370", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631121-01.1.2", "texte": "Verkehr hinter denselben. Aber zum Ausbruch kommt\nder Hexen-Argwohn erst bei einem Kirchenfeste, wo Lore\nan dem bevorzugten Platze der Procession erscheint, um\nmit ihrer hellen Stimme das Loblied der Maria zu singen.\nAul das Examen des Pfarrers gibt sie ungläubigen Be-\nscheid, die fromme Gemeinde geräth darob in tobenden\nZorn, und Lore wird vor gewaltthätigen Misshandlungen\nnur durch ihren Reitersmann gerettet, der sie aus dem\nTumulte entführt. Für ein paar Tage bleibt sie darauf\nverschwunden und kehrt dann als eine schmählich Betro-\ngene zurück, denn ihr geliebter Reitersmann ist kein An-\nderer als der Rheingraf gewesen, der bei Caub aul seinem\nJagdschlosse sitzt und sich von hier gelegentlich zu einem\ngnädigen Scherze mit den Töchtern des Landes herablässt.\nLore sieht sich durch ihr Abenteuer auf einmal um alles\ngebracht, woraus ihr Dasein bestand. Vom Vater verflucht,\nvon den Dorfgenossen ausgestossen, will sie ihren Gram\nim Rheine ertränken. Da taucht der Nixenfürst aus den\nFluten und weiht die Verzweifelnde zur rächenden Lore-\nlei, die wir im letzten Acte in der Verwaltung ihres grau-\nsamen Amtes auf ihrem Felsen antreffen. Die Decoration\ngibt das Rheinthal wieder und den Loreleifelsen. Hier der\nPfarrer mit dem Kreuze, das überhaupt mit seinen Attri-\nbuten in dem Stücke mit einer Unbefangenheit zur Ver-\nwendung kommt, von der wir nur hoffen wollen, dass sie\nkeine Empörung in vorurtheilsvolleren Seelen hervorruft\ndort oben aber die singende Fee. Dazwischen der to-\nsende Rheinstrom, und endlich, nach dem Untergange des\nFahrzeuges, worauf sich der Rheingraf selbst der verra-\nthenen Geliebten zum Opfer geboten, der Sturz der Lore-\nlei in das Wasser: das sind Schaustücke, die in Verbin-\ndung mit der Musik ihre Wirkung nicht verfehlen, wenn\ndie Inscenesetzung dafür eine so geschmackvolle ist, wie\nim Stadttheater, und wenn die beiden Hauptkräfte der\nAufführung ihren Aufgaben, wie hier in Fräulein Frohn\n(Titel-Partie) und Herrn Fritsche (Rheingraf), gewach-\nsen sind. Die Erstere spielt ihre anstrengende Rolle mit\neiner Ausdauer, dass sie auch dem gesanglichen Theile\nderselben nichts schuldig bleibt, und Herr Fritsche ist in\nTon und Gestalt der echte Rheingraf des sporenklirrenden\nRitterstückes. Herr Raberg hat daneben den zweiten\nLiebhaber, eine Art von Brackenburg, Herr Hellmuth\nden lustigen Jochem, Herr Reinhardt den Vater der\nLorelei, Frau Schaub eine tapfere Bäuerin Ursel, Herr\nBernhardy den Vertrauten des Rheingrafen zu geben,\nund Alle sind mit Fleiss und Geschick an ihren Plätzen.\nEinen nur einiger Maassen strengen Maassstab der\nKritik hält das neue Schauspiel nicht aus. Zunächst hat\nder Verfasser nicht etwa bloss die Sage nach Brentano,\nHeine u. s. w. zum Stoff genommen und diese eigenthüm-\nlich dramatisch gestaltet, sondern er folgt in der Behand-\nlung derselben ohne Weiteres dem Opernbuche Geibel's,\nso dass wir hier, nachdem Hunderte von Dramen zu\nOperntexten haben herhalten müssen, auch einmal umge-\nkehrt die Verarbeitung eines Opernbuches zu einem Dra-\nma vor uns haben. Eine Sterbliche, eines Fischers Toch-\nter, wird von dem Pfalzgrafen hintergangen, der sich mit\neiner Ebenbürtigen vermählt, wird vom Volke und der\nGeistlichkeit für eine Zauberin gehalten, ergibt sich in\nVerzweiflung den dämonischen Gewalten Alles dasselbe\nbei Geibel und Mersch, nur dass der letztere aus dem\nPfalzgrafen einen „Rheingrafen\" und aus der Zauberin\neine „Hexe\" macht! Wenn Geibel mit richtiger Einsicht\ndie Operndicbtung als Form seiner dramatischen Bearbei-\ntung der Lorelei-Sage wählte, weil diese Form die Ver-\nmischung des Sinnlichen mit dem Uebersinnlichen, der\nMenschenwelt mit dem Geisterspuk, der lebensvollen Wirk-\nlichkeit mit den luftigen Gebilden der Phantasie, mit Einem\nWorte: die Einführung der Romantik ins Drama am be-\nsten gestattet, so hat Hersch bei seiner Nachbildung nur\ndie handgreiflichere Wirkung durch den gesprochenen\nDialog in Verbindung mit Maschinerie und Decorationen\nund melodramatischer Musik vor Augen gehabt und sich\num dramaturgische Gesetze eben so wenig gekümmert,\nals um den Vorwurf eines Plagiats. Die einzige Entschul-\ndigung für ein Verfahren, das stark an literarische Frei-\nbeuterei gränzt, dürfte darin aufzufinden sein, dass Geibel\nlange Zeit gegen jede Composition seines Opernbuches\nVerwahrung einlegte, Hersch mithin ein gutes Werk zu\nthun glaubte, wenn er sich des schönen Stoffes bemäch-\ntigte und Geibel's dramatische Arbeit, die für das Theater\nverloren schien, in veränderter Form dem deutschen Volke\n—denn er nennt seine Bearbeitung ein „Volksschauspiel\"\nauf der Schaubühne darböte! Sollte er aber nicht ge-\nwusst haben, was durch alle öffentlichen Blätter gegangen\nist, dass Geibel zu Gunsten der Composition von Max\nBruch längst auf jenen Protest verzichtet hat, dass Gei-\nbel's und Bruch's Loreley als Oper existirt und seit\ndem Juni dieses Jahres in Mannheim wiederholte Vorstel-\nlungen mit völlig übereinstimmendem Beifalle des Publi-\ncums und der Kritik erlebt hat und bereits an vielen an-\nderen Bühnen angenommen ist? Dass im Laufe des De-\ncember der Clavier-Auszug und die Partitur in Druck er-\nscheinen werden, was alles in den Zeitungen gemeldet\nund besprochen worden? In der That, bei diesen Ver-\nhältnissen liegt der Verdacht nahe, dass das Schauspiel\ngegen die Oper, das Machwerk gegen das Kunstwerk das\nZuvorkommen habe spielen wollen, um die Empfänglich-\nkeit des Publicums für den Stoff auszubeuten, bevor\nwas bei der Gleichgültigkeit der deutschen Bühnen-Vor-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "371", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631121-01.1.3", "texte": "stände für die deutsche Oper überhaupt leicht zu errei-\nchen war, die weiteren Aull ührungen der Oper dies unmög-\nlich und die Speculation bankerott machten.\nWas Mersch geändert oder hinzugethan hat, ist kei-\nneswegs geeignet, dem Stücke eine höhere Weihe zu ge-\nben. Neben der „Lore\", ihrem Vater „Christophorus\"\nund dem „Rheingrafen\" sind episodische oder Hülfsfigu-\nren „Kuno\", der Vertraute und böse Helfershelfer des\nGralen, „Werner\", ein sentimentaler verschmähter Lieb-\nhaber der Lore, dessen Vorbild aber auch Geibel in sei-\nnem Minnesänger „Reinold\" schon hat, „Jochem\", eine\nArt von komischer Figur, ein Bruder Tuck, der nicht im\nGeringsten in die Handlung eingreift, der Nixenfürst\nu. s. w. Am meisten verballhornt ist der Schluss des Dra-\nma's. Bei Geibel liegt dem Schlüsse eine tragische und zu-\ngleich moralische Idee zum Grunde: der Pfalzgraf geht\ndurch Reue und durch das unlösbare Gelübde der Lorelei,\ndas sie den Rheingeistern gethan, zu Grunde. Hersch ver-\nleiht durch den Nixenfürsten der Lore die Gabe des ver-\nderbenden Gesanges und lässt sie auf der Stelle ihr Amt\nantreten; sie singt und der „Rheingraf\" mit „Werner\"\nin einem und demselben Kahne werden durch ihr Lied\nbehext und vom Strudel verschlungen. Aber sie fühlt da-\nbei ein menschlich Rühren, hält sich für zu schwach, ihr\nAmt durchzuführen, und stürzt sich in den Strom! Hier\nfragt man doch mit Verwunderung nach der Logik!\nWarum wird der gute Junge, der so treu liebt, mit dem\nschändlichen Rheingrafen ins Verderben gezogen? und\nwenn diese liebe Unschuld der Lore leid thut, warum singt\nsie denn? warum springt sie nicht lieber gleich in den\nRhein und überlässt den Schuldigen der Rache des Him-\nmels?—Aber freilich, die Hersch'sche Lore ist überhaupt\neine unlogische Jungfrau: im ersten Acte bebt sie vor dem\nDrängen des Grafen, sich ihm zu ergeben, zurück; bald\ndarauf aber bringt sie ein paar Tage auf seiner Burg zu,\nkehrt in ihr Vaterhaus zurück, nachdem sie „vor Gott sein\nWeib\" geworden, und wartet ruhig, bis er kommen\nwerde, sie zur Trauung abzuholen!\nLeider ist auch die Sprache in dem Schauspiel weder\ngedankenreich noch poetisch; der Inhalt der Verse ist ein\nganz gewöhnlicher, der Ausdruck nichts weniger als ge-\nwählt, und wo er sich zu einem gewissen Schwung erhe-\nben will, wird er schwülstig, zuweilen possierlich, wie wir\nuns denn z. B. bei Lore's Klage über „die klaffende Meute\ndes Elends und Kummers\" mit Heiterkeit an Abraham's\na Sancta Predigt: „Kreuz und Elend sind die Hunde, die\nden Hasen des menschlichen Lebens verfolgen\", erinnern\nmussten.\nIst aber die Aufgabe des Verfassers von Hause aus\nkeine andere gewesen, als mit Bühnen- und Effect-Kennt-\nniss Gelegenheit zu theatralischer Prunk-Ausstattung zu\ngeben, also ein Spectakelstück über einen populären Stoff\ndurch lose an einander gereihte Scenen zurecht zu ma-\nchen, so hat er diesen Zweck vollkommen erreicht. Dess\nZeuge ist, dass sogar der Kahn herausgerufen wurde!\nAufzüge über Aufzüge, Tanze der Nixen, Sonne, Mond\nund Sterne, empörte Fluten, die selbst das Orchester be-\ndrohen, der Lurleifelsen in treuem Abbild —was will das\nVolk mehr? es jubelt und rechtfertigt zum Vergnügen des\nCassirers und des Verfassers den Titel „Volksschauspiel\".\nUebrigens fühlte Mersch wohl, dass das romantische\nElement seiner Lorelei Musik erlordere, und ging desshalb\nden Herrn Capellmeister Neswadba an, den nöthigen\nBedarf d ieses unentbehrlichen Ingrediens zu seinem Amal-\ngama zu liefern. Was Herr Neswadba gegeben, ist zu gut,\num ganz unbeachtet zu bleiben, und nicht gut genug, um\nAnsprüche auf besondere Berücksichtigung zu machen.\nMan kann von ihr sagen, was ein pariser Operndichter\nvon der Composition seines Buches sagte: „Die Musik hat\nmir nichts daran verdorben.\" Mit Ausnahme zweier Lie-\nder, des Liedes der „Lore\" und eines Trinkliedes des\n„Jochem\", ist sie doch im Grunde weiter nichts, als ein\nVorspiel oder eine Begleitung zu einem wechselnden Pa-\nnorama, und als solche besonders in der zweiten Hälfte\nganz hübsch. Herr Neswadba ist hier mit Recht sehr be-\nliebt, was einigen Einfluss auf die etwas überschwenglichen\nKundgebungen am ersten Abende gehabt haben mag.\nLieber die edleren Genüsse, welche Hamburg und Al-\ntona in diesem Winter den Musikfreunden von Concert-\nund Kammermusik bieten werden, erlaube ich mir ein\nanderes Mal zu berichten. Begonnen hat die Saison Ende\nOctober mit den Soireen, welche die Herren Julius\nStock hausen und C. Rose für Kammermusik im\nkleinen Wörner'schen Saale eröffnet haben. In demselben\nSaale finden die Quartett - Unterh al t ungen der Herren\nBöie (erste Violine), Lee (Violoncell), Breyther und\nHohn rot h Statt. Am 6. November war der Saal von\neinem kunstsinnigen und aufmerksamen Auditorium ge-\nfüllt, das sich an der Ausführung dreier Quartette von\nMozart (.D-dur), Rubinstein (G-dur) und Beethoven\n(.F-dur), hauptsächlich aber an den Werken der beiden\nAltmeister erbaute. Rubinstein ist urprünglich als Ciavier-\nVirtuose bekannt und hat sich dann als Componist auf das\nGebiet der grösseren Stilarten begeben. Wenn auch viele\nStellen seines Quartetts einer Improvisation ähnlich sehen,\nandere nicht frei von leeren Passagen und Phrasen sind,\nso brachte dasselbe doch namentlich im letzten Satze Ein-\ndruck hervor. Die Stärke unserer Künstler aber entfaltet\nsich am sichersten in der Wiedergabe des Classischen,\nund hier halten sie sich eine der schwierigsten Aufgaben\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "372", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631121-01.1.4", "texte": "in der Vorführung des Beethoven'schen Quartettes gestellt,\nin dessen Vortrage sie das beste Verständniss mit dem\nWerke und eine vollendete Uebereinstimmung unter den\neinzelnen Partieen im Vortrage an den Tag legten, was\ndurch den einstimmigen Beifall der Zuhörer und nach dem\nSchlüsse durch Hervorruf anerkannt wurde. Dieselben\nHerren geben auch in Altona Quartett-Soireen.\nFür d ie Aufführung von Händel's „Messias\" unter\nLeitung des Herrn Deppe sind die Proben in so gutem\nZuge, dass die Chöre am 26. November vortreffliche Lei-\nstungen in Aussicht stellen. Die Solostimmen werden von\nFräulein Therese Tieljens, Frau Joachim (Hannover), den\nHerren Brunner und Stockhausen gesungen, und der Billet-\nverkauf ist ein so starker, dass die Auswanderung mit dem\nConcerte in die grosse Michaeliskirche erfolgt, um desto\nmehr Raum für Zuhörer zu gewinnen.\nIn Altona bereitet man sich in der unter musicali-\nscher Leitung des Herrn John ßö i e siehenden Sing-Aka-\ndemie darauf vor, in dem ersten diesjährigen Concerte am\n17. November das neue Oratorium „Belsazar\" von Karl\nRein ecke, dem Capellmeister der Gewandhaus-Concerte\nin Leipzig, zur Aufführung zu bringen. Reinecke ist ge-\nborener Altonaer und wird von Leipzig herüberkommen,\num die Ausführung seines Werkes in Person zu dirigiren\nund um gleichfalls in dem Concerte in seiner Eigenschaft\nals Piano-Virtuose mitzuwirken. Für die Soli im „Bel-\nsazar\" sind die Herren Sabbath und Otto vom Dom-\nChor in Berlin engagirt.\nDass die Anklage eines grossartigen Plagiats, die viel-\nleicht in dem vorstehenden Berichte über die Lorelei von\nHersch Manchem zu scharf betont scheinen möchte, ihren\nvollen Grund hat, beweisen die Berichte aus Berlin, wo\ndasselbe Stück auf dem Victoria-Theater gegeben worden\nist. Wir ergänzen daraus den Inhalt noch durch Folgendes:\n„Lore ist eine Fischerstochter, welcher der Bheingraf\nunter fremdem Namen nachstellt. Er greift zu dem son-\nderbaren Mittel, das Volk, welches Lore wegen ihrer nächt-\nlichen Wanderungen am Bheine für eine Hexe hält, durch\nseine Vertrauten gegen sie aufhetzen zu lassen. Bei einer\nProcession, wo Lore, als die beste Sängerin, ein Lied zu\nEhren der Heiligen singen soll, rottet sich die aufgeregte\nMenge gegen sie zusammen und bedroht sie mit dem Tode.\nIm Augenblicke der höchsten Gefahr erscheint der ver-\nkappte Rheingraf mit seinen Reisigen und rettet sie vor\nder Wuth des Pöbels. Mit vollster Hingebung hängt sie\nan ihrem unbekannten Beschützer, bis sie ihm auf dem\nWege zum Traualtare an der Seite seiner vornehmen Braut\nbegegnet. Ausser sich, klagt sie ihn vor aller Welt we-\n• ■*\ngen seiner Treulosigkeit an, während ihr Verführer, um\nsie zu schützen und sich zu reinigen, sie verläugnet und\nfür wahnsinnig erklärt. In Folge dieses neuen Vorganges\nwird sie von ihrem Vater verflucht, von allen Bekannten\ngemieden und Verstössen, selbst von ihrem letzten Freunde,\neinem jungen, sie unglücklich liebenden Schiffer, verlassen.\nSo von aller Welt Verstössen, beschliesst sie, ihrem Leben\nein Ende zu machen und sich in den Rhein zu stürzen.\nDa erscheint ihr der Flussgott, als Repräsentant des alten\nHeidenthums und der früheren Natur-Religion im Gegen-\nsatz zu dem neuen Christenthum (!), und fordert sie auf,\nsich und ihn an den verhassten Menschen zu rächen. Zu\ndiesem Zwecke begabt er sie mit dem wundervollen Zau-\nber des Gesanges, der jedem Sterblichen, der ihr nahte,\nverderblich werden sollte, warnt sie aber vor jedem Ge-\nfühl von Mitleid. So wird sie zur Lorelei. Tausende von\nOpfern sind ihr bereits gefallen, als der Rheingraf selbst\nmit dem jungen Fischer, der einst Lore so treu geliebt,\nden Nachen besteigt; Beide finden ihren Untergang, wäh-\nrend die Lorelei von ihrem Felsen niederblickt und zur\nHarfe singt. Aber das Schicksal des armen, treuen Schif-\nfers rührt ihr Herz, sie beklagt ihn und der Zauber schwin-\ndet; sie selbst stürzt sich in die Fluten, und mit ihr zu-\ngleich versinkt das alle Gölterreich.\" (!)\nAuch die berliner Kritik ist darüber einig, dass dem\ntheatralischen Bühnenstücke das eigentlich dramatische\nund rein menschliche Interesse fehlt und dass die Sprache\nnicht die fesselnde Kraft der Poesie besitzt, welche ein der-\nartiger Stoff fordert. „Das Ganze macht mehr den Ein-\ndruck einer dialogisirten Oper, als eines Volksschauspiels,\ndessen Wesen nicht in prachtvollen Decorationen, Aufzü-\ngen und theatralischen Aeusserlichkeiten, sondern in dra-\nmatischer Wahrheit und poetischer Erhebung besteht.\"\nWir wollen hoffen, dass die Freibeuterei wenigstens\ndas Gute haben werde, dass die deutschen Bühnen-Vor-\nslände, namentlich die Hoftheater, das Geld für\ndie Lorel ei - A usstatt ung lieber an ein Kunst-\nwerk, wie die Oper von Geibel und Bruch\nist, wenden werden, als an ein Spectakelstück.\n\nL.\n\nAus Berlin.\n\n(H. von Bülow Fuge von Rubinstein Variationen\nvon F. Kiel.)\nDen 16. November 1863.\nDie erste der von Herrn von Bülow veranstalteten\nSoireen für ältere und neuere Ciaviermusik fand am Sonn-\ntag im Saale der Sing-Akademie Statt. Das Programm\ngewährte durch mannigfaltige Auswahl einen Einblick in\ndie verschiedensten Richtungen der Ciaviermusik; wir fan-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "373", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631121-01.1.5", "texte": "den die Fugenform durch zwei neuere Componisten, Men-\ndelssohn und R übinstein, vertreten, die Salonmusik\nälterer Zeit durch Seb. Bach's Concert im italiänischen\nStil, die Variationen-Form in dem Sinne, wie Beetho-\nven sie aufgefasst und ausgebildet, durch F. Kiel, den\nVirtuosen-Stil der an Mozart sich anlehnenden Clavier-\nschule durch eine Phantasie von Hummel, den moder-\nnen Stil endlich des Clavierspiels durch einige Compositio-\nnen von Liszt. Mit bewunderungswürdiger Kraft und\nAusdauer spielte Herr von Bülow ganz allein zwei Stun-\nden lang, ohne die geringsten Spuren der Ermüdung zu\nzeigen, und mit der ihm eigenen objectivität suchte er die\nEigentümlichkeiten jeder Stilgattung in Auffassung und\nVortrag zu wahren. Zu einer besonderen Bemerkung for-\ndern die Fuge (Edur. Op. 53, Nr. 3) von Rubinstein\nund die Variationen (Op. 17) von Kiel auf. Rubinstein\nhat den Versuch gemacht, der Fuge einen modernen, sub-\njectiven Gefühls-Inhalt zu geben. Der strenge, polyphone\nStil lässt bekanntlich nie seine Freiheit der Melodie, d. h.\nmit anderen Worten, jene Richtung auf ein bestimmtes,\nendliches Gefühl zu, die im freien Stile herrscht; in dem\npolyphonen Stil ist Alles auf das Unendliche bezogen.\nWenn neuere Componisten dennoch auch in dieser Bezie-\nhung die äussersten Gränzen zu erreichen versuchen, so\nist wenigstens dann nichts dagegen einzuwenden, wenn,\nwie in diesem Falle, die Absicht glücklich erreicht wird;\nes wird sich aber immer nur, wie uns scheint, in verein-\nzelten Fällen die Fugenform solchergestalt ausdehnen las-\nsen, es ist eine Nachblüthe, nicht eine Entwicklung der\nFuge, die nach ihrem inneren Gehalt und in Bezug auf\nden Reichthum bedeutender Werke neben die älteren ge-\nstellt werden könnte. Auch Mendelssohn versuchte in sei-\nnen Fugen der modernen Empfindungsweise gerecht zu\nwerden, aber doch in viel gemässigterer Weise, wie denn\nüberhaupt sein Streben mehr dahin ging, durch den An-\nschluss an die älteren Formen der Musik sich über die\nmoderne Subjectivität zu erheben, als dieselben dem mo-\ndernen Geiste zu unterwerfen. Kiel's Variationen, die\nebenfalls in einer trefflichen Fuge endigen, gehören zu\nden bedeutendsten Variationen, die überhaupt geschrieben\nsind. Sie enthalten ein geistreiches, empfindungsvolles\nThema, eine höchst lebendige und einheitsvolle Entwick-\nlung desselben zu den verschiedensten Tongestalten und\ninnerhalb derselben eine weit sich über die blosse Form\nerhebende tiefe und innige Empfindung. Es ist Kiel, dem\nComponisten des Requiem,im Laufe weniger Jahre ge-\nlungen, die Aufmerksamkeit aller Musiker auf sich zu\nziehen, die nicht in ganz exclusiver Weise einer bestimm-\nten Parteirichtung angehören; wir sehen seiner weiteren\nEntwicklung mit der grössten Theilnahme entgegen, denn\ndurch Leistungen, die sich über das einseitige Partei-\ngetreibe erheben, wird die Kluft besser ausgefüllt wer-\nden, die in jüngster Zeit zwischen den Anhängern des\nAlten und des Neuen entstanden ist, als durch Kampf und\nPropaganda.\n\nG. E.\n\nAus Breslau.\n(F. Hill er' s rZ erstörung von Jerusalem\".)\nDen 15. November 1863.\nAm 4. November führte die Sing-Akademie unter\nLeitung des Herrn Musik-Directors J u I. Schäffer das\nOratorium „Die Zerstörung von Jerusalem\" von Ferd.\nII iiier auf. Herr Schäffer halle über den Inhalt desselben\neinen vorbereitenden Aufsatz in der „Schlesischen Zeituns\"\nabdrucken lassen. Ueber die Composition und die Auffüh-\nrung spricht sich Dr. Baum gart, nachdem er einige Be-\nmerkungen über den Text des Werkes gemacht, in wel-\nchem er mehr dramatische Handlung in Ensemble-Sätzen\nwünscht, „da der Componist Fähigkeit und Geschick zu\ndramatischer Conception und Gestaltung unzweifelhaft be-\nwiesen hat\", unter Anderem in folgender Weise aus:\n„Nehmen wir das Werk, wie es vorliegt, so ist der\nBeifall, der ihm innerhalb der zwanzig Jahre seines Beste-\nhens an den verschiedensten Orten zu Theil geworden ist,\njedenfalls ein im Werthe der Musik begründeter. Dass der\ndramatisch nicht günstig gearbeitete Text dennoch zu einer\nReihe lebensvoller und fesselnder Scenen ausgestattet ist,\ngereicht dem Componisten zu um so höherem Verdienste.\nDer aufmerksame Hörer kann sehr wohl bemerken, wie\nin den grösseren Abschnitten, zu denen sich die auf einan-\nder folgenden Stücke im ersten Theile gruppiren, ein durch-\ngehender Charakter festgehalten ist, ohne dass es den ein-\nzelnen Sätzen an interessanter Mannigfaltigkeit gebricht.\nDie ganze Haltung der Eingangs-Nummern, welche die\nfrommen Israeliten und an ihrer Spitze Jeremias schildern,\nist eine würdig ernste und gemessene, obwohl im Einzel-\nnen neben dem feierlichen Preise Jehovah's auch bange\nFurcht vor seinem Zorne, wehmüthige Trauer und buss-\nfertige Zerknirschung ihren Ausdruck finden. Dieser ganze\nAbschnitt steht in seiner Gesammtfarbe in wohl berechne-\ntem Gegensatze zu den nächsten Chören und Sologesängen,\ndie uns das üppige, weltlustige Leben im Königshause ver-\ngegenwärtigen, wo unter den Jubelnden nur der innerlich\ngebrochene, hoffnungsloseZedekia „ „zum Tode düster und\nbetrübt\"\" bleibt. Und wenn es im Ganzen zu erwarten\nwar, dass jenes Fest im Palaste und das Baalsopfer im zwei-\nten Theile, obwohl der sinnliche Beiz bei beiden bestim-\nmend sein musste, doch in der musicalischen Darstellung"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "374", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631121-01.1.6", "texte": "sich wesentlich unterschieden, dass ferner Israeliten und\nBabylonier nicht in gleichem Stile sangen, so meinen wir\ndoch auch, dass die geängsteten und verzweifelnden Israe-\nliten des zweiten Theiles von den trauernden, aber noch\nnicht hoffnungslosen des ersten in der musicalischen Dar-\nstellung sehr wohl zu unterscheiden sind; und das war nicht\neben so leicht zu treffen. Dabei wollen wir aber hier so-\ngleich nicht verhehlen, dass gerade die Partieen, in denen\ndie Ueppigkeit des Herrscherlebens und der Baalsdienst\ngeschildert werden, uns den übrigen nicht ebenbürtig er-\nscheinen. Der Festmarsch, der Chor: „„Erhöht in lauten\nWettgesängen\"\", das Violin-Solo im folgenden Recitativ\nChamitaPs bleiben nach unserem Ermessen hinter der In-\ntention des Componisten zurück, und wir können an die\nfortreissende, berauschende Wirkung, die auf den König\ngeübt werden soll, gleich diesem selbst nicht recht glauben.\nEben so ist der Baals-Opferchor, trotz dem obstinaten Mo-\ntiv in der Pauke und trotz den sonstigen Mitteln der Cha-\nrakteristik, zu keinem sich steigernden, inneren Leben ge-\ndiehen. Dagegen sind uns die Israeliten-Chöre fast alle in\nAusdruck, Erfindung und höchst tüchtiger Arbeit als Lei-\nstungen erschienen, die allein schon das Oratorium zu einer\nder respectabelsten Erscheinungen in der neueren Zeit er-\nheben. Uns ist ausser Mendelssohn's beiden Werken keines\nbekannt geworden, vor welchem das Hiller'sche zurück-\ntreten müsste,. und sicherlich steht es über dem, was die\nletzten Jahre unseres Wissens auf gleichem Felde hervor-\ngebracht haben. In den erwähnten Chören ist überall ge-\nsunde Musik, Frische und Leben, gesangmässige, entwick-\nlungsfähige und künstlerisch entwickelte Motive, und es\nwird Einem wohl zu Muthe, wenn man hier nicht alle\nAugenblicke mit Pointen und Klang-Effecten fürlieb neh-\nmen muss, sondern aus einem Thema heraus ganze Musik-\nstücke organisch erwachsen sieht. Diese Gediegenheit der\nArbeit erhebt auch solche Chöre, die uns verhältnissmässig\nweniger tief an Gehalt erschienen sind, immer noch zu wir-\nkungsvollen Stücken; wir rechnen dahin z. B. den Chor:\n„„Ach Herr, strafe uns nicht\"\", und den: „„Israel bleibt\nseinem Gott angetraut\"\", welcher letztere uns auch in der\nConception an sein er Stelle nicht recht erklärlich ist; Ver-\ntrauen, Glaubensfreudigkeit, Hoffnung würden wir nach\ndem Zusammenhange mit dem Vorangehenden verstehen:\ndiesen hellen, lauten Preisgesang wissen wir uns nicht ge-\nnügend zu deuten. Gern und ganz gibt man sich aber Chö-\nren hin wie dem ersten: „ „Wie heilig und hehr\"dem\nspäteren: „ „Eine Seele tief gebeuget\"\", dem Schluss-Chor\ndes ersten Theiles: „ „Wer unter dem Schirm\"\", und den\ndurch dramatisches Leben oder tonmalerische Schilderung\nhervorragenden: „„Verräther! Er ist ein Freund von Ba-\nbylon\" \", „ „DasEntsetzen bricht herein\"\", „ „Schon brau-\nsen sie daher\"\" u. s. w. Unter den Sologesängen werden\ndie Arie Hanna's: „„Der Herr erhält\"\", und das Duett\nderselben mit Achicam: „ „0 wär' mein Haupt eine Was-\nserquell\" \", überalldurch ihren grossen Wohlklang erfreuen,\nwenn auch in dem letzteren die Cadenzen für uns etwas\nnahe an eine gewisse moderne Art zu rühren streifen. Die\nPartieen des Königs, der Chamital und des Propheten sind\nmusicalisch geschickt individualisirt. Uns hat, offen gesagt,\ndie des Jeremias nicht gerade den tiefsten Eindruck hinter-\nlassen. Es scheint, als habe die geläufige Vorstellung von\ndem klagenden Jeremias der bedeutsameren und energi-\nscheren Ausprägung seines Charakters im Wege gestanden.\nWir behaupten keineswegs, dass er in der Musik unbedeu-\ntend geworden sei; nur will er uns nicht als Hauptper-\nson hervortreten, und hieran trägt auch der Text seine\nSchuld. Energischer tritt Chamital, wie in der Handlung,\nso in der Musik heraus, und Zedekia erscheint uns glück-\nlich behandelt. Wir stehen nicht an, zu behaupten, dass\nseine Arie: „„Mein Leben lieget unter Löwen\"\", zu den\nbesten Stücken im Oratorium zu rechnen ist. Sänge irgend\nein thatkräftiger Held in der Verzweiflung dieselben Worte,\nwas doch unschwer denkbar ist, er würde knirschen, auf-\nbrausen, toben, und derComponist hätte Vorbilder für eine\nsolche Aufgabe und Ausdrucksmittel genug gefunden. Ze-\ndekia, der verzagte, schwermüthige König, der selbst zum\nZorn über sein Geschick keine Kraft mehr hat, ist keine\nso häufige Figur: er kann nur ohnmächtig klagen, und die\nSchwäche des Trübsinns finden wir in jener Arie durch\nRhythmus, Melodie und Begleitung mit sehr glücklichem\nGriffe veranschaulicht. Auch im Duett mit Jeremias hat\nsich der Componist weise gehütet, der tiefen Reue und\nheissen Seelennoth des Schwächlings irgend einen Zug\nzu geben, der nach mannhaftem Entschlüsse und kraftvol-\nler Erhebung aussehen könnte. Gerade solche Charaktere\nsind für den Tondichter eben so schwierig darstellbar, wie\nfür den Schauspieler, und wenn sie gelingen, wie hier,\nwahr und musicalisch ansprechend, so ist das gewiss hohen\nLobes würdig.\n„Die Verwandtschaft des Hiller'schen Werkes mit Men-\ndelssohn ist unbestreitbar; wir möchten sie aber kaum für\ngrösser halten, als die zwischen Marschner und C. M. von\nWeber. Im Ganzen erscheint Hiller wie ein Jünger dersel-\nben Richtung, nicht wie ein Nachahmer, und sein Werk\nwird stets neben denen seines Freundes sehr ehrenvoll be-\nstehen. Wo er auf dem Boden der älteren Schule arbeitet,\nin den polyphonisch gehaltenen Chören, da wird man eigen-\ntümlich Mendelssohn'sches nicht viel finden; ist ja doch\ndiese Stilgattung überhaupt mehr durch sich selbst, als nach\nsubjectiver Sympathie bestimmt. In den kleineren Solo-\nstücken, wo die Aehnlichkeit stärker hervortritt, herrscht"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "375", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631121-01.1.7", "texte": "doch immer noch Freiheit, und das Klagelied des Prophe-\nten erinnert stellenweise sogar an viel neuere Schreibart,\nals an Mendelssohn. Besonders aber weicht die Behandlung\ndes Orchesters von des Letzteren Art erheblich ab. Wenn\nwir sie im Allgemeinen als effectreicher bezeichnen, so\nmeinen wir damit keineswegs den als Selbstzweck erstreb-\nten Effect, sondern nur den stärker herausgekehrten Reiz\ndes Colorits, der im Ganzen, vorzugsweise aber in Einzel-\nheiten, wahrnehmbar ist. Dies führt zu einer grossen An-\no\nzahl interessanter, sinnvoller Züge und Farbenmischungen,\ndie keineswegs mendelssohnisch sind, allerdings auch\nmanchmal dazu, dass das schöne Maass nicht discret inne-\ngehalten ist, vorzugsweise im Blech, das z. B. in dem Chor:\n„ „Verräther\"u, die lebenswahre Gestaltung der Singstim-\nmen in verschiedene Volksgruppen leider fast erdrückt.\nDoch sind solche Ueberschreitungen selten.\n„Die Aufführung zeugte von liebevoller, sorgfältiger\nVorbereitung, wie diese die Akademie und ihr Dirigent\nallezeit für Pflicht erachten und niemals scheuen. Der Chor\nwar technisch seiner Aufgabe Herr, sang frisch, sinngemäss\nnuancirend und declamirend. Das Orchester bestand mit\nEhren, begleitete die Soli sehr discret, liess es an Kraft und\nFeuer nicht fehlen und spielte seine schwierige Partie mit\nVerständniss. Wo uns die geistige Erfassung des Sinnes so\nentgegentritt, wie bei dieser Aufführung, da können uns\neinige nicht ganz exacte Eintritte nicht erheblich stören.\nFür Herrn Cantor Deutsch waren die Partieen des\nAchicam und des Zedekia besonders geeignet; Organ und\nGesangsweise erweckten für die dargestellten Charaktere\nSympathie. Herr Lehrer Schubert sang den Jeremias mit\nWürde und Wärme. Chamital verlangt freilich kraftvollere\nStimmmittel, als die Natur Fräulein Damke verliehen hat;\nsie brachte aber durch lebendige Auffassung und entspre-\nchenden Vortrag die Partie zu wirksamer Geltung. Der\njugendlichen Sängerin der Hanna wünschen wir das beste\nGedeihen ihrer sehr ansprechenden Mittel und Festhalten\nan dem bisherigen Streben, das uns gesund und ernst er-\nscheint, und für das die Akademie bildende und lohnende\nAufgaben viele bietet.u\n\nZweites Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller,\nDinstag, den 17. November 1863.\nProgramm. I. Theil. 1. Ouvertüre zur Oper „Joseph und seine\nBrüder\" von Mehul. 2. Sopran-Arie: „Höre, Israel!\" von Men-\ndelssohn (gesungen von Frau K n öpges -Sa ar t). 3. Phantasie\nfür Yioloncell von Piatti (Herr Alexander Schmit), 4. Gesänge\nfür Chor a capella von Steineccer: „Hilf, Herr!\" und von Bal-\ndassare Donato Vilanella napoletana aus dem XVI. Jahrhun-\ndert. 5. Morgenmusik (Aubade) für Orchester von Ferd. Hil-\nler: Alla Marcia, Menaetto, Capriccetto, Adagio, Gliasel, Finale.\n6. Hymne für Sopran-Solo, Chor und Orchester von F. Mendels-\nsohn-B arth oldy: „Hör1 mein Bitten\" (Solo: Frau Knöpges-Saart).\n11. Theil. Sinfonie Nr. VII., A-dur, von L. van Beethoven.\n(Den Bericht in der nächsten Nummer.)\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nl4Öln. Ueber die Erfolge, welche unsere kölnische Sängerin,\nFräulein Julie Rothenberger, in den Concerten ausserhalb\nKöln, in Cob lenz (Händel's Samson), Aachen (Hiller's Zerstö-\nrung von Jerusalem), Braun schweig u. s. w. gehabt hat, lesen\nwir erfreuliche Berichte in öffentlichen Blättern. In dem Concerte\nin Braunschweig hat sie namentlich durch die treffliche Ausführuno-\nO\nder Sopran-Partie in Haydns „Schöpfung\" rauschenden Beifall\nneben den Herren Gunz nnd Thelen, welche die Tenor- und Bass-\nPartie sangen, geärntet. sie für Magdeburg, Wesel\nund Amsterdam engagirt.\nÜOllil, 15. November. Wiederum ist im Wechsel des Jahres\ndie Zeit herangekommen, die uns schon so manchen Kunstgenuss\ngebracht und der wir in jedem Jahre mit grosser Freude entgegen-\nsehen : die Concertzeit. Eröffnet wurde dieselbe durch das erste\nAbonnements-Concert, welches Donnerstag den 12. November itu\ngrossen Saale des „goldenen Sternu unter Leitung des städtischen\nMusik-Directors Herrn C. J. Brambach Statt fand. Im ersten\nTheile desselben hörten wir die Ouvertüre zur „Zauberflöte\" von\nW. A. Mozart, Als Solist trat Herr Concertmeister L. Strauss aus\nFrankfurt am Main auf, welcher das Violin-Concert von Mendels-\nsohn-Bartholdy und die Romanze in F-dur von L. van Beethoven\nvortrug. Herr Strauss besitzt alle Eigenschaften, die zu einem aus-\ngezeichneten Geiger erforderlich sind: Fülle des Tones, glänzende\nTechnik uud Reinheit des Spiels, dazu treffliche Auffassung und see-\nlenvollen Vortrag. Diese Eigenschaften kamen auch an diesem\nAbende zur vollen Geltung, und konnte es nicht fehlen, dass Herrn\nStrauss nach jedem Solo rauschender Beifall und zum Schlüsse Her-\nvorruf vom ganzen Auditorium zu Theil ward. Zwischen beiden\nSolostücken lernten wir eine sehr hübsche Composition von W.\nBargiel: „Der Herr ist mein Hirt\" (Psalm XXIII.), für dreistim-\nmigen weiblichen Chor und kleines Orchester, kennen, welche als\nOp. 26 bei Simrock in Bonn erschienen ist und, gut ausgeführt,\nvom Publicum beifällig aufgenommen wurde. Bei der nicht allzu\nreichen Literatur für weiblichen Chor wird dieser Psalm sehr will-\nkommen sein, zumal er von Seiten des Orchesters nur das Streich-\nQuartett und zwei Hörner in Anspruch nimmt. Die Hymne von\nG. F. Händel, zur Krönungsfeier Georg's 11. im Jahre 1727 com-\nponirt, beschloss auf würdige Weise den ersten Theil. Der zweite\nTheil des Concertes wurde durch F. Schubert s Sinfonie in C-dur\nausgefüllt. Die Ausführung war eine recht befriedigende, was um\nso mehr anzuerkennen ist, da ein Theil der Blas-Instrumente\ndurch neue Orchester-Mitglieder besetzt war. —h.\n]2ei*liil* Für das Schauspiel sind an Stelle der verstorbenen\nPellet Fräulein Erhart und Fräulein Augsberger engagirt wor-\nden; dagegen ist Frau Crelinger, die bekanntlich 1862 ihr fünf-\nzigjähriges Künstler-Jubiläum gefeiert hat, um ihre Pensionirung\neingekommen. Herr von Hülsen hat indessen der hochverdienten\nKünstlerin das Anerbieten gemacht, mit ihrem vollen Gehalte noch\nferner als Ehren-Mitglied dem königlichen Theater anzugehören,"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "376", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631121-01.1.8", "texte": "indem er zugleich ihr Auftreten gänzlich von ihrem Willen abhän-\ngig macht und sich nur vorbehält, der Künstlerin die Mitwirkung\nin dem einen oder anderen Stücke vorzuschlagen.\nDie berliner Sing-Akademie führt in diesem Winter unter Grell's\nLeitung die drei Oratorien: „Elias\" von Mendelssohn, „Messias\"\nvon Händel und die „sechszehnstimmige Messe\" von Grell aus; am\n17. October brachte sie Graun's „Te Deum\" und die Siegesgesänge\naus Händel's „Judas Maceabäus\".\nTeichmann's literarischer Nachlass, herausgegeben von Din-\ngelstedt, ist so eben bei J. G. Cotta in Stuttgart erschienen.\nDas Werk zerfällt in zwei Bücher, „Eigenes\" und „Fremdes\" beti-\ntelt, und einen Anhang, der „Beilagen\" und „Drei chronologisch-\nstatistische Tabellen\" enthält. Das erste Buch enthält als Untertitel\n„Hundert Jahre aus der Geschichte des königlichen Theaters in\nBerlin, 1740—1840\", und dessen einzelne Abschnitte behandeln die\nZustände unter Friedrich 11., die Verwaltungen Koch's, Döbbelin's,\nEngeld, Iffland's, der Grafen Brühl und Redern. Das zweite Buch\nenthält Briefwechsel classischer Dichter und Schriftsteller mit der\nköniglichen Hoftheater-Verwaltung. Wir finden darunter die Namen\nGoethe, Schiller, Wieland, Kleist, Schlegel, Tieck, Werner, Iffland,\nKotzebue.\nWien« Die sterblichen Ueberreste Beethoven's und Schu-\nberts die Schädel mit inbegriffen wurden am 23. October\nMorgens in ihren früheren, nun zu Grüften umgestalteten Gräbern\nfeierlich wieder beigesetzt.\nDer Musikverein in Znaim veranstaltete am 4. November unter\nder artistischen Leitung des Herrn Heinrich Fiby eine Gedächt-\nnissfeier für Felix Mendelsso hn-Bartholdy im Theater, bei\nwelcher folgende Werke des verstorbenen Meisters zur Aufführung\nkamen: Symphonie in A-dur; Terzett für Sopran, Tenor und Bass\naus dem Liederspiele „Die Heimkehr aus der Fremde\" ; Violin-Con-\ncert in E-moll (erster Satz); Recitative und Chöre aus dem unvoll-\nendeten Oratorium „Christus\" für gemischten Chor und Orchester;\nOuvertüre zu „Ruy Blas\".\nUeber die Vernichtung der Künstler-Reliquie, des Claviers von\nChopin (Nr. 45), erhalten wir folgendes Näheres aus Warschau:\n~lm Zamoyski'schen Palaste, der von mehr als dreissig Partieen,\nmeist den höheren Ständen angehörend, eingenommen war, wohnte\nauch die Schwester Fr. Chopin's, Madame Barcinski, in deren gast-\nlichem Salon, inmitten einer Fülle kostbarer Möbel, ein einfacher\nFlügel stand, welcher trotz seines unscheinbaren Aeussern doch vor\nallem Anderen die Aufmerksamkeit des Besuchers auf sich zog.\nUeber demselben' hing ein sprechend ähnliches Portrait des Meisters,\nvon Ary Scheffer gemalt. Dieses Instrument, noch vor dem Jahre\n1820 hier in Warschau nach der damals üblichen gebaut,\nwar es, auf dem der bekannte Knabe den ersten Clavier-Unterricht\nerhalten und später der träumerische Jüngling die meisten und\nschönsten Inspirationen zu Papier gebracht hatte. Es wurde daher\nauch gewisser Maassen zu einer Ehrensache, dass bedeutende Künst-\nler, namentlich Pianisten, wenn solche auf ihren Wanderungen un-\nsere Stadt berührten, der Familie Chopin's einen Besuch machten,\num bei dieser Gelegenheit die Kunst-Reliquie näher zu betrachten.\nSie existirt nicht mehr! Nicht der Zahn der Zeit hat Bild und In-\nstrument vernichtet: beide fanden ihren Tod in den Flammen.\nRohe Fäuste rissen das Instrument von seinem Platze, zerrten es\nan das Fenster und stürzten es aus dem zweiten Stockwerke auf\ndas Strassenpflaster hinab. Alles Bitten und Flehen der Eigenthü-\nmerin, nur dieses einzige Andenken an den geliebten Bruder zu ver-\nschonen, war vergeblich; auch das Bild, weiches sie bereits in der\nHand hielt, vermochte sie nicht zu retten es wurde ihr entrissen\nund durch das Fenster geschleudert.\"\nAlexander Dreyschock, der gegenwärtig in Petersburg\nweilt und als Professor am Conservatorium in Thätigkeit ist, wurde\nneuerdings zum General-Inspector der kaiserlichen Theaterschule\nernannt."}]}