{"numero_id": "bm-bmtnabi-1863-11-28-01", "volume": "bmtnabi_1863-11-28_01", "ocr_sha256": "eb88704f4f18f76842bd368a0908c101aff9294f75a3e089d551fcd3a67ce462", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1863/11/28_01/bmtnabi_1863-11-28_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631128-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1863-11-28-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-11-28_01#c001", "volume": "bmtnabi_1863-11-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "377", "page_fin": "377", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631128-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "377", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631128-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 460, "texte": "Inhalt.\nAus Berlin (Die Oper „La Reole*' von G. Schmidt). Aus Bremen (Concerte, Kammermusik, Oper». Die Mo-\nzart-Stiftung in Frankfurt am Main). Aus Frankfurt am Main (Uebersicht der vom 1. November 1862 bis 31. October 1863 gege-\nbenen Vorstellungen). Aus Münster (Cäcilienfest). Von ***. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, das zweite Gesell-\nschafts-Concert im Gürzenich Berlin, Fräulein Adeline Patti, Gesellschaft der Musikfreunde Dresden, Berichtigung)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-11-28-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-11-28_01#c002", "volume": "bmtnabi_1863-11-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "377", "page_fin": "378", "image_debut": 1, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631128-01.2.2", "titre_corps": "Aus Berlin.", "titre_sommaire": "Aus Berlin.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "377", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631128-01.1.1", "debut_caractere": 462, "fin_caractere_exclue": 4242, "texte": "Aus Berlin.\n[Die Oper „La Reole\" von G. Schmidt.]\nDer Oper „La Reole\" von Frau Birch-Pfeiffer\nund Gustav Schmidt ist das Glück zu Theil geworden,\ndass sie, obwohl von einer deutschen Dichterin und einem\ndeutschen Componisten herrührend, von einigen der ersten\nHoftheater und anderen grösseren Bühnen angenommen\nwurde und zu baldiger Aufführung kam. Woher diese\nseltene Gunst? War der Erfolg der ersten Aufführungen\ndie allererste fand, wenn wir nicht irren, in Kassel, und\nzwar noch dazu als Fest-Oper zum Geburtstage des Rur-\nfürsten Statt —, war ihr Erfolg so durchschlagend, dass\ndie Bühnen-Vorstände wetteiferten, dem Publicum die\nNeuigkeit vorzuführen, oder vielmehr, denn das pflegt ihr\nHauptgrund für Inscenesetzung eines Werkes zu sein, der\nCasse ihrer Kunslanstalt eine gute Einnahme zu verschaf-\nfen? Keineswegs: sie mussten nach den ersten Erfahrun-\ngen den technischen Ausdruck: „Die Oper hat nichts ge-\nmacht!\" von manchen Seiten hören; trotzdem wurde sie\nz. B. in Dresden und Ende October auch hier in Berlin\nauf den königlichen Hoftheatern gegeben.\nBehüte uns der Himmel, gegen diese ganz ausnahms-\nweise Praxis missbilligend auftreten zu wollen: es wird\njeden Kunstfreund und noch mehr jeden schaffenden Mu-\nsiker mit Freude erfüllen, dass dieses Verfahren eine Um-\nkehr zum Besseren, zum Begünstigen des Einheimischen\nzu bezeichnen scheint. Leider aber wird diese Freude\ndurch die Wahrnehmung gestört, dass nach der Erfah-\nrung der letzten zehn bis fünfzehn Jahre nicht der innere\nWerth einer deutschen Oper, sondern äussere Bedingun-\ngen, einflussreiche Verbindungen und Protectionen über\ndie Annahme des Werkes entscheiden. Wir haben Bei-\nspiele, dass die Mitglieder bedeutender Operntheater Mo-\nnate, Jahre lang mit dem Einstudiren von neuen Werken\nauf höheren Befehl geplagt worden sind, deren Auffüh-\nrung dennoch nicht zu Stande kam, weil man sich am\nEnde von der Wirkungslosigkeit des Stoffes und der Mu-\nsik überzeugte, oder dass, wenn die Aufführung durchge-\nsetzt wurde, der Erfolg so gering war, dass die Oper so-\ngleich wieder von dem Repertoire verschwand. Ja, es ist\nsogar an einem unserer Hoftheater der Fall vorgekommen,\ndass das Studium der neuen Oper eines Componisten, der\nfreilich niemals die Wege, die heutzutage zum Durchdrin-\ngen einzuschlagen sind, betreten hat, unterbrochen werden\nmusste, um ein anderwärts als unaufführbar zurückgeleg-\ntes Werk durch hohen Einfluss, wenn irgend möglich,\ndennoch zur Geltung zu bringen.\nWir wollen nun mit diesen Bemerkungen durchaus\nnicht den Werth der Schmidt'schen Oper von vorn herein\nherabsetzen: wir wollen nur constatiren, dass es beim\nTheater sichtbare und unsichtbare Mächte gibt, deren\nWalten häufig über die Annahme eines neuen Bühnen-\nwerkes entscheidet. Frau Birch-PfeifFer ist durch ihre\nschriftstellerische Thätigkeit für die Bühnen-Vorstände,\nwenn auch nicht für das Volk, eine legitime Macht gewor-\nden, der man nicht gern etwas abschlägt und—das wollen\nwir nicht läugnen deren Leistungen die Directionen auch\nzu Erwartungen von guten Einnahmen erfahrungsmässig\nberechtigen. Merkwürdiger Weise hat sich aber die geist-\nreiche und so glücklich speculirende Frau, wenn es darauf\nankommt, einen interessanten Roman- oder Novellen-StofF\nzu dramatischer Handlung mit Bühnenkenntniss zu bear-\nbeiten, bei dem Stoffe und der Behandlung desselben im\nBuche von „La Reole\" gänzlich vergriffen. Der Stoff ist\nnämlich eine Hof-Intrigue, die von Liebeshändeln oder\nvielmehr von einer allgemeinen Liebelei durchkreuzt und\ndermaassen verstrickt und verwickelt ist, dass der Zuschauer\ntrotz des gesprochenen Dialogs nur mit Mühe oder gar\nnicht daraus klug wird, dass folglich die Thätigkeit des\nVerstandes, die zur Verfolgung und Durchschauung der\nIntrigue in Anspruch genommen wird, die Theilnahme des"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "378", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631128-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4396, "texte": "Gefühls zurückdrängt, womit denn schon die vollständi ge\noder doch vorzugsweise Hingabe des Zuschauers an die\nMusik, welche doch die Oper fordert, beeinträchtigt, wo\nnicht unmöglich gemacht wird. Aber es erwächst aus einem\nsolchen Libretto auch für den Componisten die grosse\nSchwierigkeit der m usi cali sch en Behandlung, da ihm\nweder die Schilderung hervorstechender Leidenschaften\nund Gefühle der Handelnden, noch effectvolle dramatische\nSituationen die Aufgabe erleichtern; denn es gehört ein\nGenie wie Mozart's dazu, um selbst eine so einfache und\ndurchsichtige Intrigue, wie die in Figaro's Hochzeit, welche\ngegen die Verwicklung in „La Reole\" sich wie ein ge-\nschliffenes Glas gegen ein Kaleidoskop verhält, mit Erfolg\nin Musik zu setzen. Die hiesige Kritik hat daher vollkom-\nmen Recht, wenn sie sagt, dass die schätzenswerthe Dame\nwohl ein wirksames Intriguenslück, nicht aber ein Opern-\nbuch aus diesem Stoffe hätte machen können.\nWenn man dies erwägt, so muss man der Musik des\nHerrn Gustav Schmidt trotz mancher Schwächen der-\nselben immerhin aufrichtige Anerkennung zollen. Ja, es\ngibt einen Standpunkt, von welchem aus man ihm Dank\nschuldig ist, dass er diesen Text trotz dessen musicalischer\nUnfügsamkeit doch componirt hat. Er hat sich nämlich da-\ndurch thatsächlich gegen die anmaassende musikästhetische\nGesetzgebung Wagner's und Genossen erklärt, welche die\nganze Gattung der komischen Oper aus der dramatischen\nMusik ohne Weiteres streichen. Der Componist, der sich\nentschliesst, eine komische oder, was ungefähr dasselbe\nsagen will, eine Spieloper heutzutage zu schreiben, entsagt\ndadurch dem herrschenden Triebe, durch Aufregung der\nNerven Effect zu machen, und kehrt zu der freilich weit\nschwierigeren Aulgabe zurück, die Mitempfindung des Zu-\nhörers durch melodische Schönheit zu erregen und seinen\nGeist durch interessante Motive und deren kunstvolle Ver-\narbeitung zu beschäftigen. Das Sprüchwort: „In magnis\net voluisse sat est\" »Bei allem Grossen genügt auch\nschon der Wille\"—, kommt in der heutigen Musik um\nseinen Credit, denn der „Wille\" wird Reflexion und Raf-\nfinement und das „Grosse\" Lärm und Spectakel. Wir lo-\nben also G. Schmidt's Streben, je mehr es von Prätention\nentfernt ist. Desshalb billigen wir auch, im vollen Gegen-\nsatze zu unserem Zeitalter theoretisirender Schulmeisterei,\ndie Beibehaltung des gesprochenen Dialogs in seiner\nneuen Oper. \"\nDer Verbannung des gesprochenen Dialogs aus der\ndeutschen Op er können wir auf keine Weise so unbedingt\nbeipflichten, wie die musicalischen Literaten es haben wol-\nlen, die oft wie die Blinden von der Farbe sprechen. Jedem\nDeutschen, der das Recitativo secco auch von den besten\nItaliänern hört, wird dasselbe immer ein zwitterhaftes, zwi-\nschen Sprache und Gesang schwankendes Wesen bleiben,\ndas durch sein plapperndes, unaccentuirtes Tongeschwätz\nüber den trivialsten Inhalt einen widrigen Eindruck macht;\ndenn wo der Inhalt sich nur einiger Maassen erhebt, tritt\ndas wirklich declamirende und vom Orchester begleitete\nBecitativ ein. Den Franzosen ist es nie eingefallen, den\nDialog in der komischen Oper zu verpönen, und in dieser\nOperngattung wird ihnen doch wohl Niemand die Meister-\nschaft und den richtigen Tact absprechen. Aber auch das\ndeutsche Singspiel besteht von seinem Ursprünge an in\nder Verbindung von Dialog und Gesang, und der Dialog\nist bei uns auch selbst in jener echt deutschen Opern-Gat-\ntung, welche zwischen der komischen und ernsten Oper\neben so in der Milte steht, wie das Schauspiel zwischen\ndem Lustspiel und Trauerspiel, ein wesentlicher Bestand-\nteil geworden, der uns nicht nur nicht stört, sondern den\nwir durchaus nicht missen möchten. Man denke nur an\nden Freischütz, Fidelio u. s. w. Man frage sich nur einmal\nganz unbefangen, ob, wenn im zweiten Acte des Freischütz\nvor dem herrlichen Terzett der Dialog zwischen Agathe\nund Max ein trockenes Recitativ wäre und die Worte:\n„Der Hirsch muss noch herein, sonst stehlen ihn die Bauern!\n—Wo liegt er? —ln der Wolfsschlucht!\"— abgesungen\nwürden, ob dies einen grösseren Eindruck machen würde,\nals jetzt der plötzliche Eintritt des Orchesters und Aga-\nthens: „Wie? Was? Entsetzen!\" —nach den gesproche-\nnen Worten! Und wenn wir nun vollends an das Volk\nappelliren! Das will sich sogar im Don Juan den Dialog\n(natürlich ohne die läppischen Zuthaten aus dem Puppen-\nspiel) nicht nehmen lassen, und es hat Recht.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-11-28-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-11-28_01#c003", "volume": "bmtnabi_1863-11-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "378", "page_fin": "380", "image_debut": 2, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631128-01.2.3", "titre_corps": "Aus Bremen.", "titre_sommaire": "Aus Bremen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "378", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631128-01.1.2", "debut_caractere": 4398, "fin_caractere_exclue": 5175, "texte": "Aus Bremen.\n(Concerte, Kammermusik, Oper.)\nIm November 1863.\nSeit einer langen Reihe von Jahren bat bekanntlich\nunser musicalisches Interesse sich auf die Privat-Con-\ncerte concentrirt, und wird dies auch wohl noch auf lange\nZeit thun. Durch die reicheren Orchestermittel und die\nHeranziehung der bedeutendsten fremden Notabilitäten der\nKunst sind dieselben natürlich im Stande, etwas absolut\nBedeutenderes zu leisten, als es unsere Oper vermag; in\nihrer Combination von Orchester-Aufführungen mit Solo-\ngesang- und Instrumental-Vorträgen, denen sich unter\nMusik-Director Reinthaler an mehreren Abenden noch\ngrössere Chor-Vorträge der Sing-Akademie beigesellt ha-\nben, bieten sie eine reichere Abwechslung, als die ande-\nren hiesigen Concert-Cyklen; endlich gewährt die Leitung"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "379", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631128-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5400, "texte": "und Verwaltung des Instituts die vollständigste Bürgschaft\nfür einen so sicheren wie edlen Genuss. So sieht man denn\nder Wiedereröffnung dieser Concerte mit immer neuem\nInteresse entgegen.\nDie diesmalige—sie fand am 10. d. Mts. Statt hat\ngleich an der Schwelle den Erwartungen eine erste volle\nBefriedigung gewährt. Es war durch glückliche Zusam-\nmenstellung des Programms und die Bedeutung der mit-\nwirkenden Gäste, Herrn und Frau Joachim, eines der\nschönsten Concerte. Wir hörten Mozart's Sinfonie,\nCherubini's Fanisca-, Beethoven's grösste Leonoren-Ouver-\nture; dazwischen von Herrn Concert-Director Joachim\ndas Beethoven'sche Violin-Concert, ein schönes Andante\naus dem dritten Concerte von Molique und ein Präludium\nvon Bach (E-dur),das durch die, wie wir hören, von\nHerrn Joachim geschriebene, ganz im Geiste Bach's gehal-\ntene Orchester-Begleitung dem Verständnisse des Hörers\nnoch näher gebracht wurde; endlich von Frau Joachim\n(geb. Weis) die grosse Scene aus dem dritten Acte des\nOrpheus, sodann Schubert's „Kolma's Klage\", eine Ton-\ndichtung, in der etwas von dem Geiste Gluck's nachzittert;,\nund Mendelssohn's Beiselied: „Bringt des treu'sten Her-\nzens\" u. s. w. Um die vollendete Meisterhaftigkeit ganz zu\nwürdigen, mit welcher Herr Joachim, der sich nur noch\nselbst übertreffen kann, das Beethoven'sche Concert spielte,\nkann man nur sagen, dass, wenn Beethoven der grosse\nGeiger gewesen wäre, der unser Gast ist, er es sicher so\ngespielt hätte, wie er. Auf analoger Höhe hielt sich natür-\nlich auch die Ausführung des Molique'schen Andante und\ndes Präludiums, das Herr Joachim, in Erwiederung des\nstürmischen Applauses, da capo spielte. Den herrlichen\nAlt des Fräuleins Weis hatten wir hier schon früher in\nOper, Concert und Oratorium schätzen gelernt. Seitdem\ndie Sängerin ihren Namen gewechselt und ihren künstle-\nrischen Wirkungskreis beschränkt, hat die Schönheit ihrer\nStimme sich noch ungehemmter entwickeln können und\nihr Vortrag eine noch höhere Weihe erhalten. Ihre Or-\npheus-Arie war eine Meisterleistung. Auch die Schubert'-\nsche Composition möchten Wrenige so wie Frau Joachim\nzur Geltung bringen. Nicht ganz so sprach uns das Men-\ndelssohn'sche Lied an; Frau Joachim hatte es transponirt,\naber für unsere Orchesterstimmung, die gegen die in\nHannover eingeführte fast einen halben Ton höher ist,\nnoch nicht genug. Die Verschiedenheit dieser Stimmungen\nveranlasst überhaupt mancherlei Unzuträglichkeiten, und\nüber kurz oder lang dürften auch wir die pariser Stimm-\ngabel, die sich mehr und mehr Boden in Deutschland\nerobert, adoptiren müssen.\nDie Sinfonie-Concerte kommen nun auch in die-\nsem Winter wieder zu Stande. Da sie den Dirigenten und\nim Wesentlichen auch das Orchester mit den Privat-Con-\ncerten gemein haben, so würde es sich empfehlen, wenn\nsie durch ein möglichst verschiedenes Sinfonie- und Ouver-\nturen-Programm den Unterschied von jenen um so schär-\nfer accentuirten und dabei besonders sich die Wiedergabe\nhier noch nicht gehörter neuer Tonwerke angelegen sein\nliessen. Auf diese Weise hat sich der Gesangverein\nunter Leitung des Herrn Engel gegenüber der Sing-Aka-\ndemie, mit der er in der Aufführung der grossen Bach-,\nHändel'schen u. s. w. Oratorien sich nicht messen konnte,\nseit seiner Gründung vor fünf Jahren eine stets wachsende\nTheilnahme mit erworben und verdient. Auch seine nächste\ngrosse Aufführung wird einem jüngeren Meister gerecht\nwerden: Herrn Meinardus aus Oldenburg, jetzt in Glo-\ngau, dessen Oratorium „Gideon\" für diesen Zweck in\nAngriff genommen ist. Einige Chöre aus demselben wer-\nden wir übrigens schon vor der Aufführung des Ganzen\nkennen lernen. Herr Engel beabsichtigt nämlich im Laufe\ndes Winters vier Soireen zu veranstalten, die nach dem\nVorgange einer früheren, welche grossen Anklang gefun-\nden, in passender Abwechslung Gesang- und Instrumen-\ntal-Compositionen mässigen Umfangs bringen, und zu de-\nnen der Gesangverein, die neuerdings von Herrn Engel\ngegründete Liedertafel, so wie hiesige und auswärtige,\nnamentlich hannoversche Solisten (so in der ersten Soiree\ndie Herren Lindner, der Cellist des Joachim'schen Quar-\ntettes, und der Bassist Bletzacker) mit dem Concert-Ver-\nanstalter zusammenwirken werden.\nVor den Privat-Concerten haben schon unsere beiden\nQuartett-Vereine ihre Cyklen wieder eröffnet und\nder ältere der Herren Böttjer, Arnold, Sastedt, Ca-\nbisius, der, wie nicht zu sagen nöthig, seinen ehrenvollen\nStandpunkt bestens behauptet, bereits zwei, der jüngere,\nden wir nach der entschieden leitenden Stellung, die sein\nerster Geiger einnimmt, einfach den Jacobsohn'schen\nnennen können, die erste Soiree absolvirt. Die Fortschritte,\ndie er in der kurzen Zeit seines Bestehens gemacht, sind\nungewöhnlich und ein sprechendes Zeugniss von dem ern-\nsten künstlerischen Streben, von dem alle Mitglieder, vor\nallen der Leiter, beseelt sind. Das Haydn'sche G-dur-\nQuartett, mit dem die Soiree begann, liess an Sauberkeit\nund Durchsichtigkeit kaum etwas zu wünschen übrig; für\ndie Aufführung des darauf folgenden Marschner'schen\nTrio's (G-moll)würde sicher der Componist allen drei Mit-\nwirkenden, den Herren Engel, Jacobsohn und Wein-\ngardt, herzlich die Hand gedrückt haben. Marschner\nzeichnete dasselbe, obgleich der dramatische und der Lie-\nder-Componist der Kammermusik darin zuweilen Gewalt\nanthut, gern unter seinen derartigen Compositionen aus,\nund in der That ist es reich an Schönheiten; schade, dass\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "380", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631128-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1867, "texte": "die rhythmische Aehnlichkeit der beiden letzten Sätze die\nSchlusswirkung abschwächt. Herr Weingardt hatte übri-\ngens schon in einem Concert-Vortrage im Theater docu-\nmentiren können, welche beträchtlich höhere Stufe in kur-\nzer Zeit sein Cellospiel erreicht hat.\nWas die Oper betrifft, so wollen wir über Früheres\nhinweggehen und von den letzten Vorstellungen die des\n„Propheten\" erwähnen, in der wir Frau Caggiati aus\nHannover für die Uebernahme der nicht allzu dankbaren,\naber ihrer Stimme günstig liegenden Partie der Bertha zu\ndanken haben. Noch grösseren Dank schulden wir freilich\nFrau H aase - Capi ta i n dafür, dass sie sich der Rolle\nder Fides unterzog und damit der schweren Mühewaltung,\nihren hohen Sopran für die zahlreichen tiefen Mezzo-So-\npranlagen dieser Partie gefügig zu machen. Abgesehen\nvon der rein materiellen Kraftwirkung, die natürlich nicht\nerstrebt wurde, ist ihr dies denn auch in einer bewunde-\nrungswürdigen Weise gelungen, und was noch bewunde-\nrungswürdiger ist, sie hat trotz der dadurch bedingten\nunausgesetzten Aufmerksamkeit auf die Stimme sich eine\nso volle Freiheit der dramatischen Action zu wahren ver-\nmocht, dass wir in dieser Beziehung die Fides unter ihre\nglänzendsten und grossartigsten Leistungen stellen. Der\nTon- und mimische Ausdruck, den sie namentlich in der\nIvirchenscene den wechselnden Stimmungen gab, war von\nergreifender Wahrheit.\nDurch das Engagement der Frau Deetz für einen\nlängeren Gastrollen-Cyklus (zunächst Margarethe im Faust\nund dann Carlo Broschi) erwächst der Oper auf die nächste\nZeit wieder eine Bereicherung, und da die Direction mit\nder Ergänzung der etwaigen Lücken unzweifelhaft schon\naus eigenem Interesse fortfahren wird, so können vtftr\nwirklich annehmen, dass der Oper etwa wie im „Pro-\npheten\" die elektrische Sonne etwas spät, aber doch end-\nlich ein besserer Stern aufgehen wird. (W\\-Z.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-11-28-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-11-28_01#c004", "volume": "bmtnabi_1863-11-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "380", "page_fin": "381", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631128-01.2.4", "titre_corps": "Die Mozart-Stiftung in Frankfurt am Main.", "titre_sommaire": "Die Mozart-Stiftung in Frankfurt am Main.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "380", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631128-01.1.4", "debut_caractere": 1869, "fin_caractere_exclue": 5136, "texte": "Die Mozart-Stiftung in Frankfurt am Main.\nDr. Heinrich Weis mann in Frankfurt am Main\nhat „Blätter der Erinnerung an das erste deut-\nsche Sängerlest und an die Gründung der Mozart-\nStiftung\" in Frankfurt bei F. B. Auffarth, 1863, 87 S.\nGr. 8., mit zwei Illustrationen herausgegeben, deren Ertrag\nlür den Fonds der genannten Stiftung bestimmt ist.\nDie Blätter sind dem rühmlichst bekannten Compo-\nnisten Wilhelm Speyer, „dem Vater des ersten deutschen\nSängerfestes, dem ersten Präsidenten der Mozart-Stiftung\",\ngewidmet und enthalten zunächst eine Geschichte des frank-\nfurter „Liederkranzes\", des durch diesen veranstalteten\nSängerfestes und der daraus hervorgegangenen Mozart-\nStiltung in einer besonders für Männer-Gesangvereine an-\nziehenden Darstellung, welche manche interessante Einzel-\nheiten enthält. Seine Ueberzeugung von den Gefahren, die\ndem Männergesange einst drohten und jetzt drohen, spricht\nder Verfasser, uns ganz aus der Seele schreibend, S. 7\naus. Nachdem er angeführt, dass der eine Feind dessel-\nben, der politische, der das deutsche Lied so wenig wie\ndie deutschen Farben mochte, sich hoffentlich für immer\nzurückgezogen, fährt er fort: „Der andere Feind aber,\nder jetzt im Schoosse der Gesangvereine selbst gross zu\nwerden droht, ist die musicalische Verkünstelurig, das Ver-\nkennen der Gränzen dieses Gebietes durch die Compo-\nnisten einerseits, wie andererseits das Preissingen der Ver-\neine, das riothwendig die Missachtung der soliden Grund-\nlage, nämlich des volkstümlichen Männergesanges, zur\nFolge hat und sicher auch dem Gedeihen des allgemeinen\ndeutschen Sängerbundes Schaden bringen und zu seiner\nAullösung führen muss.\"\nDie Concerte beim Sängerfeste (28. 3O. Juli 1838)\ntrugen 15,200 Fl. ein und gaben für die Mozart-Stiftung\neinen Reinertrag von nur 1200 Fl., der sich aber noch\nin demselben Jahre namentlich durch Subscription auf\n5584 Fl. vermehrte. Beiläufig erfahren wir, dass jetzt\nfünfzehn verschiedene Männer-Gesangvereine in Frank-\nfurt am Main bestehen, mit 550 Mitgliedern!\nDas Stiftungs-Capital betrug im dritten Jahre schon\n12,535 Fl., im Jahre 1862 41,718. Die Haupt-Ein-\nnahme (an 12,000 Fl.) brachten die Concerte des „Lie-\nderkranzes\"; aus anderen Quellen, die übrigens aus fer-\nneren Kreisen Deutschlands nur sehr sparsam\nflössen, kamen u. A. 3—4000 Fl. aus Concerten an-\nderer Vereine und den Bühnen-Aufführungen in Frank-\nfurt und Mannheim, ferner aus Virtuosen-Concerten (Liszt\n719 Fl.), Geschenken (Pfarrer Sprüngli in der Schweiz\n1000 Fl.), Vermächtnissen (Kröger in Frankfurt 2000\nFl.) u. s. w.\nBei Anführung der Stipendiaten der Mozart-Stiftung\nist S. 40 ein Irrthum zu berichtigen: Max Bruch's Op.\n1 war nicht die Composition von „Jery und Bäteli\", son-\ndern von „Scherz, List und Rache\" von Goethe. Ueber die\nfünfundzwanzigjährige Jubelfeier der Stiftung hat die Nie-\nderrheinische Musik-Zeitung bereits in Nr. 28 dieses Jahr-\nganges berichtet. Die Festrede, welche Karl Grün bei\ndieser Gelegenheit hielt, ist unter dem Titel: „Musik und\nCultur\" gedruckt (Frankfurt a. M., bei F. B. Auffarth).\nAls Beilagen enthält Dr. Weismann's Büchlein eine\nbisher ungedruckte Logenrede: „Die Musik\", von Ludwig\nBörne und mehrere auf das Sängerfest und die Mozart-\nStiftung bezügliche Schriftstücke, und als Anhang eine"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "381", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631128-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 918, "texte": "Reihe von vaterländischen Gedichten des Verfassers, „die\nim Dienste des Sängerthums entstanden\" und meist für\nvierstimmigen Männergesang componirt sind.\nDem letzten Rechenschafts-Berichte des Dr. Bonfick,\nPräsidenten, und Dr. Eckhard, Secretärs der Stiftung, vom\n30. September d. J. entnehmen wir, dass das Vermögen\nderselben sich auf 43,502 Fl. 57 Kr. erhöht hat. Im\nGenuss des Stipendiums befindet sich gegenwärtig noch\nErnst Deurer, der seine Studien in Mannheim unter\nVincenz Lachner's Leitung mit sichtbarem Erfolge fort-\nsetzt.— Ein zweites Stipendium, wozu die Fonds vorhan-\nden sind, konnte keinem von den Bewerbern in diesem\nJahre wegen Unzulänglichkeit der Probearbeiten zuerkannt\nwerden. Das ist, wie wir schon früher bemerkt (vgl. Nr.\n18 d. Jahrg.), von dem Vorstande sehr richtig gehandelt,\ndenn die Unterstützung unbemittelter Talentlosigkeit wäre\nein Widerspruch gegen den Namen, den die Stiftung führt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-11-28-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-11-28_01#c005", "volume": "bmtnabi_1863-11-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "381", "page_fin": "382", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631128-01.2.5", "titre_corps": "Aus Frankfurt am Main.", "titre_sommaire": "Aus Frankfurt am Main.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "381", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631128-01.1.5", "debut_caractere": 920, "fin_caractere_exclue": 4895, "texte": "Aus Frankfurt am Main.\n[Uebersiclit der vom 1. November 1862 bis 31. October\n1863 gegebenen Vorstellungen.]\nAus der vom engeren Ausschusse der Theater-Actien-\nGesellschaft gegebenen Uebersicht theilen wir Folgendes mit:\nIn dem abgelaufenen Theaterjahre fanden 345 Vor-\nstellungen Statt. Davon waren 275 im Abonnement und\n70 ausser Abonnement, so dass die Abonnenten da\ndas Jahres-Abonnement nur 250 Vorstellungen bezeich-\nnet— 25 Vorstellungen mehr erhielten.\nAusserdem wurde während des Fürsten-Congresses\nals Fest-Vorstellung „Der Barbier von Sevilla\" gegeben,\nunter Mitwirkung der Signora Patti als Rosine und des\nköniglich hannoverschen Hof-Opernsängers Herrn Dr.\nGunz als Graf Almaviva.\nAn den 345 Theaterabenden wurden gegeben: 125\nverschiedene Stücke (16 Trauerspiele, 31 Schauspiele, 78\nLustspiele), 40 Opern, 3 Operetten, 20 Singspiele und\nPossen. Von den Stücken wurden 21 zum ersten Male\nund 20 neu einstudirt gegeben. Von den Opern wurden\n2 zum ersten Male und 3 neu einstudirt gegeben. Von\nden Operetten wurden 2, von den Singspielen und Ge-\nsangspossen 5 zum ersten Male und 3 neu einstudirt ge-\ngeben.\nDie sämmtlichen Vorstellungen umfassen: 120 Opern\n(5 von der italiänischen Opern-Gesellschaft des Herrn C.\nMerelli), 11 Operetten, 66 Singspiele und Possen, 28\nTragödien, 62 Schauspiele, 171 Lustspiele, 19 Ballets.\nIm Verzeichnisse der Schauspiele begegnen wir\nunter Anderem: Bauernfeld 6 Mal (neu: Fata Mor-\nI *\ngana, 2 Mal), Benedix; 19 Mal (neu: Der Störenfried\n9 Mal, und Sammelwuth), Birch -P feiffer 18 Mal.\nBrachvogel 1 Mal (Narciss), Freitag 6 Mal, Goethe\n5 Mal (Egmont, Faust 2 Mal, Götz von Berlichingen, Iphi-\ngenie auf Tauris), G ril Iparzer 1 Mal (Medea), Gutz-\nkow 2 Mal, Halm 1 Mal, Hersch 4 Mal, Kleist 2\nMal, Kotzebue 1 Mal, Körner 2 Mal, L e s s i n g 1 Mal\n(Emilia Galotti), G. von Meyern 3 Mal Tleinrich von\nSchwerin), Mosenthal 2 Mal, Raupach 5 Mal, Red-\nwi tz 3 Mal, Schiller 16 Mal (Don Carlos, Die Jung-\nfrau von Orleans 2 Mal, Cabale und Liebe 4 Mal, Das\nLied von der Glocke, Maria Stuart 3 Mal, Die Räuber\n3 Mal, Wallenstcin sLager, Wilhelm Teil), Shakespeare\n6 Mal (Die bezähmte Widerspänstige, Hamlet 2 Mal, Der\nKaufmann von Venedig, Richard 111., Romeo und Julie),\nTöpfer 5 Mal, Irauen 5 Mal (neu: Die Lady in Trauer),\nZedlitz 2 Mal (Herr und Sclave).\nIn der Oper: Adam: Der Postillon von Lonjumeau,\n5 Mal; Auber: Maurer und Schlosser, 2 Mal; Beetho-\nven: Fidelio,2 Mal; Bellini: Die Nachtwandlerin, 2 Mal,\nNorma, 4 Mal, Die Puritaner; Boieldieu: Die weisse\nFrau, 2 Mal; Donizetti: Der Liebestrank, 5 Mal, Lucia\nvon Lammermoor, Lucrezia Borgia, 2 Mal, Die Regiments-\ntochter. 3 Mal; Fioravanti: Die wandernden Komödian-\nten, 4 Mal; Flotow: Martha, 4 Mal; Gounod: Marga-\nrethe (neu), 16 Mal; Halevy: Die Jüdin; Herold:\nZampa, 2 Mal; Lortzing: Die beiden Schützen, 2 Mal,\nCzaar und Zimmermann, Undine, 2 Mal, Der Waffen-\nschmied, 2 Mal; Marschner: Hans Heiling, 2 Mal, San-\ngeskönig Hiarne (neu), 4 Mal, Templer und Jüdin, 4 Mal;\nMehul: Jakob und seine Söhne, 2 Mal; Mendelssohn-\nBartholdy: Loreley; Meyerbeer: Dinorah, 3 Mal, Die\nHugenotten, 5 Mal, Der Prophet, Robert der Teufel; M o -\nzart: Die Hochzeit des Figaro, 5 Mal, Don Juan, 4 Mal,\nDie Zauberflöte; Nicolai: Die lustigen Weiber von\nWindsor, 4 Mal; Offenb ach: Orpheus in der Unterwelt,\n4 Mal; Rossini: Der Barbier von Sevilla, 4 Mal, Teil,\n2 Mal; Verdi: Hernani, Der Troubadour, 4 Mal; Wag-\nner: Tannhäuser; Weber: Der Freischütz, 4 Mal.\nIn der Operette: Der Musikfeind (neu), 4\nMal; Offenbach: Fortunio's Lied, 2 Mal, Die Schwätzerin\nvon Saragossa (neu), 5 Mal.\n, Als Concertisten traten auf Herr Charles Halle,\nPianist aus Manchester, und Herr Heinrich Wolff,\nConcertmeister des Theaters in Frankfurt.\nVon bedeutenden Gästen für die Oper sind zu erwäh-\nnen: Fräulein Artöt. Frau Burger-Weber (Sopran\nvom Stadttheater zu Mainz (wurde engagirt). Herr Wach-\ntel. Die italiänische Operngesellschaft des Herrn Merelli\n(unter Leitung des Capellmeisters Herrn Orsini), welche"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "382", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631128-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 149, "texte": "Fiasco machle. Herr Dr. Gunz vom Hoftheater zu Han-\nnover. Signora Adelina Patti. Herr Ba uman n (Te-\nnor) vom Hoftheater zu Kassel (wurde engagirt)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-11-28-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-11-28_01#c006", "volume": "bmtnabi_1863-11-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "382", "page_fin": "383", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631128-01.2.6", "titre_corps": "Aus Münster.", "titre_sommaire": "Aus Münster.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "382", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631128-01.1.6", "debut_caractere": 151, "fin_caractere_exclue": 5373, "texte": "Aus Münster.\nAm 19. und 20. November feierte der hiesige Musik-\nverein das jährliche Cäcilienfest durch die Aufführung von\nHaydn's „Jahreszeiten\" und durch ein Rünstler-Concert.\nDie „Jahreszeiten\" sind die letzte bedeutendere Composi-\ntion Haydn's. Den Text dazu lieferte ihm der Baron Gott-\nfried van Swieten zu Wien in einer Bearbeitung des Ge-\ndichtes „Die Jahreszeiten\" von Thomson. Haydn begann\ndie Composition im Jahre 1799 im 68. Jahre seines Al-\nters; dieselbe wurde am 24. April 1801 unter seiner Di-\nrection im fürstlich Schwarzenberg'schen Saale in Wien\nzum ersten Male aufgeführt. Nach vielen bekannt geblie-\nbenen Aeusserungen Haydn's bereitete ihm der Text manche\nSchwierigkeiten. Die grosse Uebereinstimmung der Grund-\nstimmung des Gemüthes in allen Theilen des Gedichtes,\nwelche lediglich durch die Darstellung des Lebens in der\nNatur und das dadurch geweckte Naturgefühl getragen\nwird, die Anhäufung von Nachahmungen reiner Naturlaute\nund der nur sparsame Aufschwung des Gemüthes zu einer\nerhabenen Stimmung widerstreben allerdings einer für die\nmusicalische Production nothwendigen Höhe der Begeiste-\nrung. Und dennoch bat der Componist diese durch die Er-\nscheinungen des Naturlebens in den verschiedenen Jahres-\nzeiten geweckten Empfindungen durch eine Schönheit und\nMacht der Töne zu idealisiren verstanden, welche, wie in\nkeinem seiner übrigen Werke, jugendliche Frische und\nKraft mit der Meisterschaft des Alters vereinigt. Darin liegt\nder Zauber, welcher die „Jahreszeiten\" seit ihrem ersten\nErscheinen bis auf den heutigen Tag zu einem Lieblings-\nwerke aller derer gemacht hat, welche für die Tonkunst\nirgend Sinn und Yerständniss haben, mögen sonst ihre\nRichtungen nach dem Alter, der Bildung oder der musica-\nlischen Zeitströmung noch so sehr aus einander gehen. Es\nwar daher eine glückliche Wahl, wenn die Direction des hie-\nsigen Musikvereins das seit dem Jahre 1855 hier nicht ge-\nhörte herrliche Werk jetzt wieder zur Aufführung brachte.\nEine Vereinigung seltener Kräfte war für die Ausfüh-\nrung der Solo-Partieen gewonnen. Fräulein Henriette\nRöhn aus Mannheim, eine Sängerin ersten Ranges, sang\ndie Partie der Hanne. Sie verbindet mit einem sehr schö-\nnen, besonders in den hohen Tönen klangvollen und kräf-\ntigen Sopran eine seltene Ausbildung für den Ausdruck der\nverschiedenartigsten Kunstformen, sowohl des erhabenen,\nals des naiven, sowohl des einfachen und getragenen, als\ndes colorirten Stils. Bewundernswürdig ist die spielende\nLeichtigkeit und die vollkommene Reinheit, mit welcher ihr\ndie Stimme selbst in den schwierigsten Passagen und Tril-\nlern zu Gebote steht. Sie sang ihren Part sehr schön, ins-\nbesondere die Arie: „Welche Labung für die Sinne\". Nur\nin Betreff des Vortrages des Märchens in der Spinnstube\nerlauben wir uns eine geringe Einschränkung. Der naive\nAusdruck, welchen diese Romanze erfordert, kann allerdings\nnur das Product der Kunst sein; die Kunst muss sich jedoch\nauf ihrem Wege völlig mit der Natur wieder vereinigen\nund identificiren. Die Sängerin gab das Naive zwar auch\nin kunstvoller Weise wieder, mehr oder weniger liess je-\ndoch der Ausdruck das Reflectirte oder Beabsichtigte noch\nerkennen und nahm dadurch einen dem natürlich Einfachen\nder Romanze und der Intention Haydn's nicht entsprechen-\nden Charakter an. Die Tenor-Partie sang Herr Rudolph\nOtto, Domsänger aus Berlin. Der überaus edle, feine und\nzarte Ausdruck, welcher seiner von der klarsten Aussprache\nan bis zum seelenvollsten Vortrage vollendet ausgebildeten\nStimme zu Gebote steht, macht ihn zu einem hervorragen-\nden Oratoriensänger. Diese hohe Ausbildung ersetzt ihm\nvollständig, was seiner sonst wohltönenden Stimme an Klang-\nfülle fehlen mag. Dieselbe erhält gerade dadurch etwas\nSympathisches, wodurch er insbesondere in der Cavatine:\n„Dem Druck erlieget die Natur\", entzückte. Herr Karl\nHill, Concertsänger aus Frankfurt am Main, bewährte in\nder Partie des Simon seinen wohlbegründeten Ruf als eines\nvorzüglichen Oratoriensängers. Seine frische, klangvolle,\nkräftige, in allen Lagen gleichmässig wohllautende Bass-\nBaritonstimme hat durch eine vorzügliche Ausbildung eine\nbesondere Weiche und Biegsamkeit und eine den schwie-\nrigsten musicalischen Formen entsprechende Ausdrucks-\nfähigkeit gewonnen. Seine Auffassung ist eine durchaus\nedle. Es war ein grosser Genuss, diesen ausgezeichneten\nSänger insbesondere in den vorzüglich schön vorgetragenen\nArien: „Schon eilet froh der Ackersmann\", „Seht auf die\nbreiten Wiesen hin\", und in der Schluss-Arie: „Erblicke\nhier, bethörter Mensch\", zu hören. Besondere Erwähnung\nverdient auch der Vortrag der Ensemblestücke, die mit sol-\nchem Zusammenklange und solcher Feinheit nicht oft mö-\ngen gehört werden. Darunter hervorzuheben ist die Aus-\nführung des Duetts: „Welch ein Glück ist treue Liebe\".\nDer Chor bestand aus klangvollen Stimmen, im Sopran\n53, Alt 42, Tenor 23 und Bass 35. Er sang mit Frische\nund Kraft, setzte namentlich in den fugirten Sätzen präcise\nund mit vollen Stimmen ein und bekundete ein richtiges,\nfeines Verständniss durch überall maasshaltende, schön\nnuancirte Ausführung. Die Tempi entsprachen der Vor-\nschrift des Componisten und dem Charakter der einzelnen\nStücke; nur hätten wir das Allegretto des ersten Chors:"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "383", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631128-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3320, "texte": "„Komm, holder Lenz\", etwas bewegter gewünscht; der-\nselbe würde in Stellen wie: „Weile länger nicht\", runder\nund weniger eckig geklungen haben. Auch das Orchester\nverdient im Ganzen Lob; der grössere Theil der Zuhörer\ndürfte einzelne Unebenheiten nicht bemerkt haben, wess-\nhalb auch wir dieselben, das „minima non curat praetor\"\nauch hier zur Anwendung bringend, verschweigen wollen.\nSonach war die Aufführung im Ganzen eine recht gelun-\ngene und gebührt unserem feinen und tüchtigen Dirigenten,\nHerrn Musik-Director 0. Grimm, dafür insbesondere der\nbeste Dank. Die grosse Zahl der Zuhörer bethätigte den-\nselben wiederholt durch rauschende Beifallsbezeigungen.\nIn dem am 20. November folgenden Künstler-Concerte\nwurde zunächst die feine und duftige Ouvertüre zu Ruy\nBlas von Mendelssohn recht schön ausgeführt. Sodann sang\nFräulein H. Röhn das Recitativ nebst Arie der Kunigunde\naus Spohr's Faust: „Die stille Nacht entweicht\", mit fei-\nnem dramatischem Vortrage. Sie bewährte dabei die aus-\nserordentliche Ausbildung ihrer Stimme für die schwierig-\nsten Anforderungen, so wie ihr hervorragendes Talent für\ndramatischen Gesang. In dem Vortrage der folgenden Bal-\nlade von Reinick: „Mondwanderung\", componirtvon Neit-\nhard, weniger durch ihren musicalischen Gehalt, als durch\ndie musicalisch-dramatische Behandlung des Textes sich\nkennzeichnend, zeigte Herr K. Hill sein auch für diese Art\nder Composition ausgebildetes Talent. Der Concertmeister\ndes hiesigen Musikvereins, Herr G. A. Burg beer, trug\ndann die Sonate II tnllo del für die Violine von\nG. Tartini vor. Wir hätten im Interesse der grossen, dem\nMusikvereine zu einem bedeutenden Theile nicht angehöri-\ngen Zuhörerzahl die Wahl eines ansprechenderen, dem schö-\nnen, seelenvollen Tone und dem ausgezeichneten Vortrage\ndes Herrn Burgheer angemesseneren WTerkes gewünscht.\nAllerdings gewährte das Stück allen Musikern grosses In-\nteresse, und spielte Herr Burgheer dasselbe in gewohnter\nmeisterhafter Weise. Es folgte Beethoven's Adelaide, von\nHerrn Otto zart und duftig gesungen und von Herrn Musik-\nDirector Grimm in gleicher Weise begleitet, und das von\ndem Künstler-Kleeblatte reizend vorgetragene Terzett aus\nHaydn's „Schöpfung\": „In holder Anmuth steh'n\", nebst\ndem folgenden Chor: „Der Herr ist gross\", schloss den\nersten Theil. Der zweite Theil begann mit der Ouvertüre\naus der Zauberflöte. Leider liess das rapide genommene\nTempo des Allegro die hohe Schönheit dieses Werkes nicht\nzu Tage kommen. Das Eigenthümliche, Charakteristische\ndes Fugen-Thema's und seine Durchführung, die mächtige\nWirkung der Sforzando's in den verminderten Septimen-\nAccorden, die Lieblichkeit der folgenden Oboen- und Flö-\nten-Melodie u. s. w. müssen bei solcher Uebertreibung\nnothwendig untergehen. Die dann folgenden Stücke aus der\nZauberflöte: Priestermarsch und Arie (von Herrn Hill ge-\nsungen) mit Chor „0 Isis\", das Terzett: „Soll ich dich,\nTheurer\", von Fräulein Röhn, den Herren Otto und\nHill, und das Duett: „Bei Männern, welche Liebe fühlen\",\nvon Fräulein Röhn und Herrn Hill gesungen, entzückten\ndurch vollendet schönen Vortrag. Es folgte eine Wieder-\nholung des Wein-Chors aus den „Jahreszeiten\" und machte\nder vortreffliche Vortrag einzelner Lieder und kleinerer\nPiecen Seitens der auswärtigen Künstler den mit stürmi-\nmischem Applaus begleiteten Beschluss. ***"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-11-28-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-11-28_01#c007", "volume": "bmtnabi_1863-11-28_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "383", "page_fin": "384", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631128-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "383", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631128-01.1.7", "debut_caractere": 3322, "fin_caractere_exclue": 6292, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolli, 20. November. Das zweite Ges e 11 s ch aft s - Co n -\neert am 17. d. Mts. (s. das Programm in der vor. Nummer) be-\ngann mit der Ouvertüre zur Oper „Joseph\" von Mehul. Die Be-\nziehung des schönen Andante auf den Inhalt der Oper, namentlich\nauf den Cultus der Israeliten, geht vielen Zuhörern verloren, da die\nOpei selbst nur sehr selten gegeben, ja, leider fast ganz vom Re-\npertoire verschwunden ist. Dergleichen Musik ist freilich nicht für\ndie überreizten Ohren der Meyerbeer- und Wagner-Anbeter.\nDer Chor war wenig beschäftigt: die zwei kleinen aus den\nbestäubten Choral- und Madrigalheften des XVI. Jahrhunderts aus-\ngegrabenen Gesänge machten keinen Eindruck; auch begreifen wir\nüberhaupt nicht, was solcherlei Antiquitäten-Stückchen, deren Vor-\nkommen in den Programmen der Conservatoire-Concerte in Paris\nwir Deutschen stets belächeln, in unseren Giirzenicb-Concerten sol-\nlen, da diese doch wahrlich eine grössere Aufgabe haben, als der\nMode, Alles und Jedes, mithin auch die Concert-Programme, mit\naltem Schnitzwerk zu verbrämen, zu fröhnen. Ausserdem wirkte\nder Chor in der Hymne von Mendelssohn mit, deren Sopran-\nSolo Frau Knöpges-S aart aus Gladbach, ehemalige Schülerin\ndes hiesigen Conservatoriums, recht artig vortrug, wenn auch frei-\nlich die Stimme für die grosse Räumlichkeit nicht völlig ausreichte.\nVorbei hatte sie auch noch die Arie: „Höre, Israel!'*4 aus dem Elias\nmit Beifall gesungen.\nVon Instrumentalsachen hörten wir eine Phantasie für Violon-\ncell von Piatti, in deren Vortrag Herr Alexander Schmit\nreichliche Gelegenheit fand, seine Meisterschaft zu zeigen, welche\ndurch die Sicherheit und Reinheit der chromatischen Gänge in Dop-\npelgiiffen ganz besonders glänzte. Mit Vergnügen lauschten wir aber\nauch dem Tone und Ausdruck, den Herr Schmit in die schöne\nCantilene der Einleitung und des Thema's zu legen wusste, was\ndoch immer die Seele seines Instrumentes bleibt.\nFerdinand Hiller führte eine neue Composition für Orche-\nster vor, eine Suite von mehreren Sätzen, die er „Morgenmusik\"\nbetitelt hat, wohl mit Erinnerung an seine „Serenade\", das hübsche\nTrio für Pianoforte, Violine und Violoncell. Es ist dies jedenfalls\neine eigentümliche Composition, die vor Allem das grosse Verdienst\nhat, dass sie keineswegs zur Effectmusik gehört und auch gar nicht\ndazu gehören will, sondern ihre Wirkung im Reize des klaren und\nfeinen Gewebes sucht und im Geiste, der aus den Mustern, den\nDessins dieses Gewebes spricht. Dass diese Zeichnungen überall me-\nlodisch schön seien, wollen wir nicht behaupten, noch weniger aber\nnach einmaligem Hören darüber absprechen. In den drei ersten\nSätzen, dem lebhaften Alla Marcia, dem Menuetto, dem Capriccetto\nund auch in der ersten Hälfte des Andante quasi Adagio scheint\nuns die Erfindung der Motive mit der feinen, wirklich bewunderns-\nwerth feinen Arbeit und Instrumentirung gleichen Schritt zu gehen,\nin den folgenden Sätzen, dem Ghasel und dem Finale, gewinnt da-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "384", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631128-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4458, "texte": "gegen die letztere die Oberhand, und das Interessante, das allerdings\nbis zu Ende fortdauert, wird durch die zu grosse Länge des Ganzen\n(in sechs Sätzen) beeinträchtigt. Das Publicum nahm die genannten\nSätze mit Beifall auf, besonders das Capriccetto, welches mit seinem\nwechselnden 2/a- und 3/VTact, den man Anfangs für 6/4-Tact nimmt,\nunsere Aufmerksamkeit in Schwebe hält, indem seine Motive durch\nallerliebste, echt launenhafte Wendungen bald uns entschlüpfen, bald\nwieder neckisch und dreist vor Augen treten, ein originelles Scherzo,\nohne alle Aehnlichkeit mit Dagewesenem.\nDie zweite Abtheilung des Concertes füllte die über Alles herr-\nliche siebente Sinfonie Beethoven's, durch eine so richtige\nAuffassung, wie wir sie von dem Geiste und der Pietät des Herrn\nDirigenten gewohnt sind, geleitet und von dem wackeren Orchester\nvortrefflich ausgeführt.\nBci'lin* Die unvergleichlich reizende Adeline Patti hat\neine Reihe glänzender Triumphe gefeiert, obgleich der berliner\nEnthusiasmus nicht die Siedehitze der wiener Begeisterung erreichte.\nFräulein Patti ist auch in der That ein seltenes Gesangs-Phänomen,\nihre ganze Erscheinung bezaubernd und hinreissend, voll jugend-\nlicher Frische und Anmuth, ihre Stimme wunderbar schön und rein,\ndie technische Ausbildung vollendet. Wie ein Silberquell strömt ihr\nGesang aus voller Brust, die schwierigsten Passagen, minutenlange\nTriller, Staccato's und Fiorituren wirbelt sie wie die schmetternde\nLerche ohne Mühe, ohne jede Anstrengung. Keine Muskel bewegt\nsich, keine Sehne wird angespannt, wenn sie singt, sie ist die sou-\nveraine Herrscherin im Reiche der Töne, eine wirkliche Primadonna\nvon Gottes Gnaden, und dabei macht sie einen fast kindlichen Ein-\ndruck, wodurch der Reiz ihres Talentes nur noch gesteigert wird.\nSie nahm von Berlin mit einer Grande Miscellanea Abschied, worin\nsie als Rosine im „Barbier von Sevilla\", als Nachtwandlerin und als\nZerline in Mozart's „Don Juan\" auftrat. In letzter Rolle entzückte\nsie nicht nur unsere fanatischen Italianissimi, sondern auch die\nFreunde der deutschen Musik durch ihre classische Leistung in Ge-\nsang und Spiel. Man kann sich nichts Lieblicheres, Schalkhafteres\nund Naiveres denken, als das „Batti, Battiu, von Fräulein Patti\ngesungen. Dass es dabei an jubelndem Beifalle, mehrfachem Hervor-\nrufe und selbst Orchestertusch nicht fehlte, braucht wohl nicht ver-\nsichert zu werden. An demselben Abende legte Fräulein Patti nicht\nnur die glänzendsten Proben ihres Talentes, sondern auch ihres gu-\nten Herzens ab. Eine arme Sängerin, welche in der Nachtwandlerin\ndie unbedeutende Rolle der Mutter schnell übernommen hatte, um\nnicht die Vorstellung zu stören, wurde wegen ihrer allerdings sehr\ndürftigen Leistung von dem Publicum, das diesen Umstand nicht\nwissen konnte, verhöhnt und ausgelacht, worüber die reizbare Frau\nhinter den Coulissen in Krämpfe verfiel. Sobald sie sich erholt hatte,\nschickte ihr Fräulein Patti einen Fünfzigthalerschein als Balsam mit\nder Bitte, das kleine Geschenk ihrer Theatertochter anzunehmen.\nSeit Kurzem hat sich hier eine „Gesellschaft der Musikfreunde\"\ngebildet, welche sich nach englischer Sitte unter das Patronat des\nFürsten zu llohenzollern-Hechingen, eines bekannten Musikfreundes,\nund anderer hohen Protectoren gestellt hat. Die Gesellschaft steht\nunter der Leitung des berühmten Virtuosen Hans von Bülow, der,\nwie sein Schwiegervater Liszt, ein entschiedener Anhänger der Zu-\nkunftsmusik ist. Das erste Concert der Gesellschaft war von der\nElite des gebildeten Publicums sehr zahlreich besucht. Zur Aulfüh-\nrung kam die Ouvertüre zu „Hamlet\" von Niels Gade, „Meeresstille\nund glückliche Fahrt\", so wie die neunte Sinfonie von Beethoven\nund das erste Concert für Ciavier und Orchester von Franz Liszt,\nworin Herr Hans von Bülow die Clavier-Partie übernommen und\nmit anerkannter Vollendung gespielt hat. Ausserdem betheiligten\nsich an dem Concerte das Ehren-Mitglied der königlichen Oper,\nFrau Köster, mehrere vorzügliche Sänger, der Stern'sche Gesang-\nverein und die ausgezeichnete Liebig'sche Capelle. Jedenfalls hat\nsich die neue Gesellschaft der Musikfreunde durch ihr erstes Concert\nin vortheilhafter Weise eingeführt.\nIn Dresden wird nächstens von F. Hiller eine neue Oper:\n„Der Wahrsager\", zur Aufführung kommen. (Wien. Bl.) Diese Nach-\nricht ist ganz irrthümlich. Vielleicht ist von Rousseau's vLe\ndevin du villageu, die Adam Hiller vor hundert Jahren deutsch be-\narbeitet haben soll, die Rede. Die Redaction."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "377", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631128-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nAus Berlin (Die Oper „La Reole*' von G. Schmidt). Aus Bremen (Concerte, Kammermusik, Oper». Die Mo-\nzart-Stiftung in Frankfurt am Main). Aus Frankfurt am Main (Uebersicht der vom 1. November 1862 bis 31. October 1863 gege-\nbenen Vorstellungen). Aus Münster (Cäcilienfest). Von ***. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, das zweite Gesell-\nschafts-Concert im Gürzenich Berlin, Fräulein Adeline Patti, Gesellschaft der Musikfreunde Dresden, Berichtigung).\n\nAus Berlin.\n[Die Oper „La Reole\" von G. Schmidt.]\nDer Oper „La Reole\" von Frau Birch-Pfeiffer\nund Gustav Schmidt ist das Glück zu Theil geworden,\ndass sie, obwohl von einer deutschen Dichterin und einem\ndeutschen Componisten herrührend, von einigen der ersten\nHoftheater und anderen grösseren Bühnen angenommen\nwurde und zu baldiger Aufführung kam. Woher diese\nseltene Gunst? War der Erfolg der ersten Aufführungen\ndie allererste fand, wenn wir nicht irren, in Kassel, und\nzwar noch dazu als Fest-Oper zum Geburtstage des Rur-\nfürsten Statt —, war ihr Erfolg so durchschlagend, dass\ndie Bühnen-Vorstände wetteiferten, dem Publicum die\nNeuigkeit vorzuführen, oder vielmehr, denn das pflegt ihr\nHauptgrund für Inscenesetzung eines Werkes zu sein, der\nCasse ihrer Kunslanstalt eine gute Einnahme zu verschaf-\nfen? Keineswegs: sie mussten nach den ersten Erfahrun-\ngen den technischen Ausdruck: „Die Oper hat nichts ge-\nmacht!\" von manchen Seiten hören; trotzdem wurde sie\nz. B. in Dresden und Ende October auch hier in Berlin\nauf den königlichen Hoftheatern gegeben.\nBehüte uns der Himmel, gegen diese ganz ausnahms-\nweise Praxis missbilligend auftreten zu wollen: es wird\njeden Kunstfreund und noch mehr jeden schaffenden Mu-\nsiker mit Freude erfüllen, dass dieses Verfahren eine Um-\nkehr zum Besseren, zum Begünstigen des Einheimischen\nzu bezeichnen scheint. Leider aber wird diese Freude\ndurch die Wahrnehmung gestört, dass nach der Erfah-\nrung der letzten zehn bis fünfzehn Jahre nicht der innere\nWerth einer deutschen Oper, sondern äussere Bedingun-\ngen, einflussreiche Verbindungen und Protectionen über\ndie Annahme des Werkes entscheiden. Wir haben Bei-\nspiele, dass die Mitglieder bedeutender Operntheater Mo-\nnate, Jahre lang mit dem Einstudiren von neuen Werken\nauf höheren Befehl geplagt worden sind, deren Auffüh-\nrung dennoch nicht zu Stande kam, weil man sich am\nEnde von der Wirkungslosigkeit des Stoffes und der Mu-\nsik überzeugte, oder dass, wenn die Aufführung durchge-\nsetzt wurde, der Erfolg so gering war, dass die Oper so-\ngleich wieder von dem Repertoire verschwand. Ja, es ist\nsogar an einem unserer Hoftheater der Fall vorgekommen,\ndass das Studium der neuen Oper eines Componisten, der\nfreilich niemals die Wege, die heutzutage zum Durchdrin-\ngen einzuschlagen sind, betreten hat, unterbrochen werden\nmusste, um ein anderwärts als unaufführbar zurückgeleg-\ntes Werk durch hohen Einfluss, wenn irgend möglich,\ndennoch zur Geltung zu bringen.\nWir wollen nun mit diesen Bemerkungen durchaus\nnicht den Werth der Schmidt'schen Oper von vorn herein\nherabsetzen: wir wollen nur constatiren, dass es beim\nTheater sichtbare und unsichtbare Mächte gibt, deren\nWalten häufig über die Annahme eines neuen Bühnen-\nwerkes entscheidet. Frau Birch-PfeifFer ist durch ihre\nschriftstellerische Thätigkeit für die Bühnen-Vorstände,\nwenn auch nicht für das Volk, eine legitime Macht gewor-\nden, der man nicht gern etwas abschlägt und—das wollen\nwir nicht läugnen deren Leistungen die Directionen auch\nzu Erwartungen von guten Einnahmen erfahrungsmässig\nberechtigen. Merkwürdiger Weise hat sich aber die geist-\nreiche und so glücklich speculirende Frau, wenn es darauf\nankommt, einen interessanten Roman- oder Novellen-StofF\nzu dramatischer Handlung mit Bühnenkenntniss zu bear-\nbeiten, bei dem Stoffe und der Behandlung desselben im\nBuche von „La Reole\" gänzlich vergriffen. Der Stoff ist\nnämlich eine Hof-Intrigue, die von Liebeshändeln oder\nvielmehr von einer allgemeinen Liebelei durchkreuzt und\ndermaassen verstrickt und verwickelt ist, dass der Zuschauer\ntrotz des gesprochenen Dialogs nur mit Mühe oder gar\nnicht daraus klug wird, dass folglich die Thätigkeit des\nVerstandes, die zur Verfolgung und Durchschauung der\nIntrigue in Anspruch genommen wird, die Theilnahme des"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "378", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631128-01.1.2", "texte": "Gefühls zurückdrängt, womit denn schon die vollständi ge\noder doch vorzugsweise Hingabe des Zuschauers an die\nMusik, welche doch die Oper fordert, beeinträchtigt, wo\nnicht unmöglich gemacht wird. Aber es erwächst aus einem\nsolchen Libretto auch für den Componisten die grosse\nSchwierigkeit der m usi cali sch en Behandlung, da ihm\nweder die Schilderung hervorstechender Leidenschaften\nund Gefühle der Handelnden, noch effectvolle dramatische\nSituationen die Aufgabe erleichtern; denn es gehört ein\nGenie wie Mozart's dazu, um selbst eine so einfache und\ndurchsichtige Intrigue, wie die in Figaro's Hochzeit, welche\ngegen die Verwicklung in „La Reole\" sich wie ein ge-\nschliffenes Glas gegen ein Kaleidoskop verhält, mit Erfolg\nin Musik zu setzen. Die hiesige Kritik hat daher vollkom-\nmen Recht, wenn sie sagt, dass die schätzenswerthe Dame\nwohl ein wirksames Intriguenslück, nicht aber ein Opern-\nbuch aus diesem Stoffe hätte machen können.\nWenn man dies erwägt, so muss man der Musik des\nHerrn Gustav Schmidt trotz mancher Schwächen der-\nselben immerhin aufrichtige Anerkennung zollen. Ja, es\ngibt einen Standpunkt, von welchem aus man ihm Dank\nschuldig ist, dass er diesen Text trotz dessen musicalischer\nUnfügsamkeit doch componirt hat. Er hat sich nämlich da-\ndurch thatsächlich gegen die anmaassende musikästhetische\nGesetzgebung Wagner's und Genossen erklärt, welche die\nganze Gattung der komischen Oper aus der dramatischen\nMusik ohne Weiteres streichen. Der Componist, der sich\nentschliesst, eine komische oder, was ungefähr dasselbe\nsagen will, eine Spieloper heutzutage zu schreiben, entsagt\ndadurch dem herrschenden Triebe, durch Aufregung der\nNerven Effect zu machen, und kehrt zu der freilich weit\nschwierigeren Aulgabe zurück, die Mitempfindung des Zu-\nhörers durch melodische Schönheit zu erregen und seinen\nGeist durch interessante Motive und deren kunstvolle Ver-\narbeitung zu beschäftigen. Das Sprüchwort: „In magnis\net voluisse sat est\" »Bei allem Grossen genügt auch\nschon der Wille\"—, kommt in der heutigen Musik um\nseinen Credit, denn der „Wille\" wird Reflexion und Raf-\nfinement und das „Grosse\" Lärm und Spectakel. Wir lo-\nben also G. Schmidt's Streben, je mehr es von Prätention\nentfernt ist. Desshalb billigen wir auch, im vollen Gegen-\nsatze zu unserem Zeitalter theoretisirender Schulmeisterei,\ndie Beibehaltung des gesprochenen Dialogs in seiner\nneuen Oper. \"\nDer Verbannung des gesprochenen Dialogs aus der\ndeutschen Op er können wir auf keine Weise so unbedingt\nbeipflichten, wie die musicalischen Literaten es haben wol-\nlen, die oft wie die Blinden von der Farbe sprechen. Jedem\nDeutschen, der das Recitativo secco auch von den besten\nItaliänern hört, wird dasselbe immer ein zwitterhaftes, zwi-\nschen Sprache und Gesang schwankendes Wesen bleiben,\ndas durch sein plapperndes, unaccentuirtes Tongeschwätz\nüber den trivialsten Inhalt einen widrigen Eindruck macht;\ndenn wo der Inhalt sich nur einiger Maassen erhebt, tritt\ndas wirklich declamirende und vom Orchester begleitete\nBecitativ ein. Den Franzosen ist es nie eingefallen, den\nDialog in der komischen Oper zu verpönen, und in dieser\nOperngattung wird ihnen doch wohl Niemand die Meister-\nschaft und den richtigen Tact absprechen. Aber auch das\ndeutsche Singspiel besteht von seinem Ursprünge an in\nder Verbindung von Dialog und Gesang, und der Dialog\nist bei uns auch selbst in jener echt deutschen Opern-Gat-\ntung, welche zwischen der komischen und ernsten Oper\neben so in der Milte steht, wie das Schauspiel zwischen\ndem Lustspiel und Trauerspiel, ein wesentlicher Bestand-\nteil geworden, der uns nicht nur nicht stört, sondern den\nwir durchaus nicht missen möchten. Man denke nur an\nden Freischütz, Fidelio u. s. w. Man frage sich nur einmal\nganz unbefangen, ob, wenn im zweiten Acte des Freischütz\nvor dem herrlichen Terzett der Dialog zwischen Agathe\nund Max ein trockenes Recitativ wäre und die Worte:\n„Der Hirsch muss noch herein, sonst stehlen ihn die Bauern!\n—Wo liegt er? —ln der Wolfsschlucht!\"— abgesungen\nwürden, ob dies einen grösseren Eindruck machen würde,\nals jetzt der plötzliche Eintritt des Orchesters und Aga-\nthens: „Wie? Was? Entsetzen!\" —nach den gesproche-\nnen Worten! Und wenn wir nun vollends an das Volk\nappelliren! Das will sich sogar im Don Juan den Dialog\n(natürlich ohne die läppischen Zuthaten aus dem Puppen-\nspiel) nicht nehmen lassen, und es hat Recht.\n(Schluss folgt.)\n\nAus Bremen.\n(Concerte, Kammermusik, Oper.)\nIm November 1863.\nSeit einer langen Reihe von Jahren bat bekanntlich\nunser musicalisches Interesse sich auf die Privat-Con-\ncerte concentrirt, und wird dies auch wohl noch auf lange\nZeit thun. Durch die reicheren Orchestermittel und die\nHeranziehung der bedeutendsten fremden Notabilitäten der\nKunst sind dieselben natürlich im Stande, etwas absolut\nBedeutenderes zu leisten, als es unsere Oper vermag; in\nihrer Combination von Orchester-Aufführungen mit Solo-\ngesang- und Instrumental-Vorträgen, denen sich unter\nMusik-Director Reinthaler an mehreren Abenden noch\ngrössere Chor-Vorträge der Sing-Akademie beigesellt ha-\nben, bieten sie eine reichere Abwechslung, als die ande-\nren hiesigen Concert-Cyklen; endlich gewährt die Leitung"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "379", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631128-01.1.3", "texte": "und Verwaltung des Instituts die vollständigste Bürgschaft\nfür einen so sicheren wie edlen Genuss. So sieht man denn\nder Wiedereröffnung dieser Concerte mit immer neuem\nInteresse entgegen.\nDie diesmalige—sie fand am 10. d. Mts. Statt hat\ngleich an der Schwelle den Erwartungen eine erste volle\nBefriedigung gewährt. Es war durch glückliche Zusam-\nmenstellung des Programms und die Bedeutung der mit-\nwirkenden Gäste, Herrn und Frau Joachim, eines der\nschönsten Concerte. Wir hörten Mozart's Sinfonie,\nCherubini's Fanisca-, Beethoven's grösste Leonoren-Ouver-\nture; dazwischen von Herrn Concert-Director Joachim\ndas Beethoven'sche Violin-Concert, ein schönes Andante\naus dem dritten Concerte von Molique und ein Präludium\nvon Bach (E-dur),das durch die, wie wir hören, von\nHerrn Joachim geschriebene, ganz im Geiste Bach's gehal-\ntene Orchester-Begleitung dem Verständnisse des Hörers\nnoch näher gebracht wurde; endlich von Frau Joachim\n(geb. Weis) die grosse Scene aus dem dritten Acte des\nOrpheus, sodann Schubert's „Kolma's Klage\", eine Ton-\ndichtung, in der etwas von dem Geiste Gluck's nachzittert;,\nund Mendelssohn's Beiselied: „Bringt des treu'sten Her-\nzens\" u. s. w. Um die vollendete Meisterhaftigkeit ganz zu\nwürdigen, mit welcher Herr Joachim, der sich nur noch\nselbst übertreffen kann, das Beethoven'sche Concert spielte,\nkann man nur sagen, dass, wenn Beethoven der grosse\nGeiger gewesen wäre, der unser Gast ist, er es sicher so\ngespielt hätte, wie er. Auf analoger Höhe hielt sich natür-\nlich auch die Ausführung des Molique'schen Andante und\ndes Präludiums, das Herr Joachim, in Erwiederung des\nstürmischen Applauses, da capo spielte. Den herrlichen\nAlt des Fräuleins Weis hatten wir hier schon früher in\nOper, Concert und Oratorium schätzen gelernt. Seitdem\ndie Sängerin ihren Namen gewechselt und ihren künstle-\nrischen Wirkungskreis beschränkt, hat die Schönheit ihrer\nStimme sich noch ungehemmter entwickeln können und\nihr Vortrag eine noch höhere Weihe erhalten. Ihre Or-\npheus-Arie war eine Meisterleistung. Auch die Schubert'-\nsche Composition möchten Wrenige so wie Frau Joachim\nzur Geltung bringen. Nicht ganz so sprach uns das Men-\ndelssohn'sche Lied an; Frau Joachim hatte es transponirt,\naber für unsere Orchesterstimmung, die gegen die in\nHannover eingeführte fast einen halben Ton höher ist,\nnoch nicht genug. Die Verschiedenheit dieser Stimmungen\nveranlasst überhaupt mancherlei Unzuträglichkeiten, und\nüber kurz oder lang dürften auch wir die pariser Stimm-\ngabel, die sich mehr und mehr Boden in Deutschland\nerobert, adoptiren müssen.\nDie Sinfonie-Concerte kommen nun auch in die-\nsem Winter wieder zu Stande. Da sie den Dirigenten und\nim Wesentlichen auch das Orchester mit den Privat-Con-\ncerten gemein haben, so würde es sich empfehlen, wenn\nsie durch ein möglichst verschiedenes Sinfonie- und Ouver-\nturen-Programm den Unterschied von jenen um so schär-\nfer accentuirten und dabei besonders sich die Wiedergabe\nhier noch nicht gehörter neuer Tonwerke angelegen sein\nliessen. Auf diese Weise hat sich der Gesangverein\nunter Leitung des Herrn Engel gegenüber der Sing-Aka-\ndemie, mit der er in der Aufführung der grossen Bach-,\nHändel'schen u. s. w. Oratorien sich nicht messen konnte,\nseit seiner Gründung vor fünf Jahren eine stets wachsende\nTheilnahme mit erworben und verdient. Auch seine nächste\ngrosse Aufführung wird einem jüngeren Meister gerecht\nwerden: Herrn Meinardus aus Oldenburg, jetzt in Glo-\ngau, dessen Oratorium „Gideon\" für diesen Zweck in\nAngriff genommen ist. Einige Chöre aus demselben wer-\nden wir übrigens schon vor der Aufführung des Ganzen\nkennen lernen. Herr Engel beabsichtigt nämlich im Laufe\ndes Winters vier Soireen zu veranstalten, die nach dem\nVorgange einer früheren, welche grossen Anklang gefun-\nden, in passender Abwechslung Gesang- und Instrumen-\ntal-Compositionen mässigen Umfangs bringen, und zu de-\nnen der Gesangverein, die neuerdings von Herrn Engel\ngegründete Liedertafel, so wie hiesige und auswärtige,\nnamentlich hannoversche Solisten (so in der ersten Soiree\ndie Herren Lindner, der Cellist des Joachim'schen Quar-\ntettes, und der Bassist Bletzacker) mit dem Concert-Ver-\nanstalter zusammenwirken werden.\nVor den Privat-Concerten haben schon unsere beiden\nQuartett-Vereine ihre Cyklen wieder eröffnet und\nder ältere der Herren Böttjer, Arnold, Sastedt, Ca-\nbisius, der, wie nicht zu sagen nöthig, seinen ehrenvollen\nStandpunkt bestens behauptet, bereits zwei, der jüngere,\nden wir nach der entschieden leitenden Stellung, die sein\nerster Geiger einnimmt, einfach den Jacobsohn'schen\nnennen können, die erste Soiree absolvirt. Die Fortschritte,\ndie er in der kurzen Zeit seines Bestehens gemacht, sind\nungewöhnlich und ein sprechendes Zeugniss von dem ern-\nsten künstlerischen Streben, von dem alle Mitglieder, vor\nallen der Leiter, beseelt sind. Das Haydn'sche G-dur-\nQuartett, mit dem die Soiree begann, liess an Sauberkeit\nund Durchsichtigkeit kaum etwas zu wünschen übrig; für\ndie Aufführung des darauf folgenden Marschner'schen\nTrio's (G-moll)würde sicher der Componist allen drei Mit-\nwirkenden, den Herren Engel, Jacobsohn und Wein-\ngardt, herzlich die Hand gedrückt haben. Marschner\nzeichnete dasselbe, obgleich der dramatische und der Lie-\nder-Componist der Kammermusik darin zuweilen Gewalt\nanthut, gern unter seinen derartigen Compositionen aus,\nund in der That ist es reich an Schönheiten; schade, dass\n\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "380", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631128-01.1.4", "texte": "die rhythmische Aehnlichkeit der beiden letzten Sätze die\nSchlusswirkung abschwächt. Herr Weingardt hatte übri-\ngens schon in einem Concert-Vortrage im Theater docu-\nmentiren können, welche beträchtlich höhere Stufe in kur-\nzer Zeit sein Cellospiel erreicht hat.\nWas die Oper betrifft, so wollen wir über Früheres\nhinweggehen und von den letzten Vorstellungen die des\n„Propheten\" erwähnen, in der wir Frau Caggiati aus\nHannover für die Uebernahme der nicht allzu dankbaren,\naber ihrer Stimme günstig liegenden Partie der Bertha zu\ndanken haben. Noch grösseren Dank schulden wir freilich\nFrau H aase - Capi ta i n dafür, dass sie sich der Rolle\nder Fides unterzog und damit der schweren Mühewaltung,\nihren hohen Sopran für die zahlreichen tiefen Mezzo-So-\npranlagen dieser Partie gefügig zu machen. Abgesehen\nvon der rein materiellen Kraftwirkung, die natürlich nicht\nerstrebt wurde, ist ihr dies denn auch in einer bewunde-\nrungswürdigen Weise gelungen, und was noch bewunde-\nrungswürdiger ist, sie hat trotz der dadurch bedingten\nunausgesetzten Aufmerksamkeit auf die Stimme sich eine\nso volle Freiheit der dramatischen Action zu wahren ver-\nmocht, dass wir in dieser Beziehung die Fides unter ihre\nglänzendsten und grossartigsten Leistungen stellen. Der\nTon- und mimische Ausdruck, den sie namentlich in der\nIvirchenscene den wechselnden Stimmungen gab, war von\nergreifender Wahrheit.\nDurch das Engagement der Frau Deetz für einen\nlängeren Gastrollen-Cyklus (zunächst Margarethe im Faust\nund dann Carlo Broschi) erwächst der Oper auf die nächste\nZeit wieder eine Bereicherung, und da die Direction mit\nder Ergänzung der etwaigen Lücken unzweifelhaft schon\naus eigenem Interesse fortfahren wird, so können vtftr\nwirklich annehmen, dass der Oper etwa wie im „Pro-\npheten\" die elektrische Sonne etwas spät, aber doch end-\nlich ein besserer Stern aufgehen wird. (W\\-Z.)\n\nDie Mozart-Stiftung in Frankfurt am Main.\nDr. Heinrich Weis mann in Frankfurt am Main\nhat „Blätter der Erinnerung an das erste deut-\nsche Sängerlest und an die Gründung der Mozart-\nStiftung\" in Frankfurt bei F. B. Auffarth, 1863, 87 S.\nGr. 8., mit zwei Illustrationen herausgegeben, deren Ertrag\nlür den Fonds der genannten Stiftung bestimmt ist.\nDie Blätter sind dem rühmlichst bekannten Compo-\nnisten Wilhelm Speyer, „dem Vater des ersten deutschen\nSängerfestes, dem ersten Präsidenten der Mozart-Stiftung\",\ngewidmet und enthalten zunächst eine Geschichte des frank-\nfurter „Liederkranzes\", des durch diesen veranstalteten\nSängerfestes und der daraus hervorgegangenen Mozart-\nStiltung in einer besonders für Männer-Gesangvereine an-\nziehenden Darstellung, welche manche interessante Einzel-\nheiten enthält. Seine Ueberzeugung von den Gefahren, die\ndem Männergesange einst drohten und jetzt drohen, spricht\nder Verfasser, uns ganz aus der Seele schreibend, S. 7\naus. Nachdem er angeführt, dass der eine Feind dessel-\nben, der politische, der das deutsche Lied so wenig wie\ndie deutschen Farben mochte, sich hoffentlich für immer\nzurückgezogen, fährt er fort: „Der andere Feind aber,\nder jetzt im Schoosse der Gesangvereine selbst gross zu\nwerden droht, ist die musicalische Verkünstelurig, das Ver-\nkennen der Gränzen dieses Gebietes durch die Compo-\nnisten einerseits, wie andererseits das Preissingen der Ver-\neine, das riothwendig die Missachtung der soliden Grund-\nlage, nämlich des volkstümlichen Männergesanges, zur\nFolge hat und sicher auch dem Gedeihen des allgemeinen\ndeutschen Sängerbundes Schaden bringen und zu seiner\nAullösung führen muss.\"\nDie Concerte beim Sängerfeste (28. 3O. Juli 1838)\ntrugen 15,200 Fl. ein und gaben für die Mozart-Stiftung\neinen Reinertrag von nur 1200 Fl., der sich aber noch\nin demselben Jahre namentlich durch Subscription auf\n5584 Fl. vermehrte. Beiläufig erfahren wir, dass jetzt\nfünfzehn verschiedene Männer-Gesangvereine in Frank-\nfurt am Main bestehen, mit 550 Mitgliedern!\nDas Stiftungs-Capital betrug im dritten Jahre schon\n12,535 Fl., im Jahre 1862 41,718. Die Haupt-Ein-\nnahme (an 12,000 Fl.) brachten die Concerte des „Lie-\nderkranzes\"; aus anderen Quellen, die übrigens aus fer-\nneren Kreisen Deutschlands nur sehr sparsam\nflössen, kamen u. A. 3—4000 Fl. aus Concerten an-\nderer Vereine und den Bühnen-Aufführungen in Frank-\nfurt und Mannheim, ferner aus Virtuosen-Concerten (Liszt\n719 Fl.), Geschenken (Pfarrer Sprüngli in der Schweiz\n1000 Fl.), Vermächtnissen (Kröger in Frankfurt 2000\nFl.) u. s. w.\nBei Anführung der Stipendiaten der Mozart-Stiftung\nist S. 40 ein Irrthum zu berichtigen: Max Bruch's Op.\n1 war nicht die Composition von „Jery und Bäteli\", son-\ndern von „Scherz, List und Rache\" von Goethe. Ueber die\nfünfundzwanzigjährige Jubelfeier der Stiftung hat die Nie-\nderrheinische Musik-Zeitung bereits in Nr. 28 dieses Jahr-\nganges berichtet. Die Festrede, welche Karl Grün bei\ndieser Gelegenheit hielt, ist unter dem Titel: „Musik und\nCultur\" gedruckt (Frankfurt a. M., bei F. B. Auffarth).\nAls Beilagen enthält Dr. Weismann's Büchlein eine\nbisher ungedruckte Logenrede: „Die Musik\", von Ludwig\nBörne und mehrere auf das Sängerfest und die Mozart-\nStiftung bezügliche Schriftstücke, und als Anhang eine"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "381", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631128-01.1.5", "texte": "Reihe von vaterländischen Gedichten des Verfassers, „die\nim Dienste des Sängerthums entstanden\" und meist für\nvierstimmigen Männergesang componirt sind.\nDem letzten Rechenschafts-Berichte des Dr. Bonfick,\nPräsidenten, und Dr. Eckhard, Secretärs der Stiftung, vom\n30. September d. J. entnehmen wir, dass das Vermögen\nderselben sich auf 43,502 Fl. 57 Kr. erhöht hat. Im\nGenuss des Stipendiums befindet sich gegenwärtig noch\nErnst Deurer, der seine Studien in Mannheim unter\nVincenz Lachner's Leitung mit sichtbarem Erfolge fort-\nsetzt.— Ein zweites Stipendium, wozu die Fonds vorhan-\nden sind, konnte keinem von den Bewerbern in diesem\nJahre wegen Unzulänglichkeit der Probearbeiten zuerkannt\nwerden. Das ist, wie wir schon früher bemerkt (vgl. Nr.\n18 d. Jahrg.), von dem Vorstande sehr richtig gehandelt,\ndenn die Unterstützung unbemittelter Talentlosigkeit wäre\nein Widerspruch gegen den Namen, den die Stiftung führt.\n\nAus Frankfurt am Main.\n[Uebersiclit der vom 1. November 1862 bis 31. October\n1863 gegebenen Vorstellungen.]\nAus der vom engeren Ausschusse der Theater-Actien-\nGesellschaft gegebenen Uebersicht theilen wir Folgendes mit:\nIn dem abgelaufenen Theaterjahre fanden 345 Vor-\nstellungen Statt. Davon waren 275 im Abonnement und\n70 ausser Abonnement, so dass die Abonnenten da\ndas Jahres-Abonnement nur 250 Vorstellungen bezeich-\nnet— 25 Vorstellungen mehr erhielten.\nAusserdem wurde während des Fürsten-Congresses\nals Fest-Vorstellung „Der Barbier von Sevilla\" gegeben,\nunter Mitwirkung der Signora Patti als Rosine und des\nköniglich hannoverschen Hof-Opernsängers Herrn Dr.\nGunz als Graf Almaviva.\nAn den 345 Theaterabenden wurden gegeben: 125\nverschiedene Stücke (16 Trauerspiele, 31 Schauspiele, 78\nLustspiele), 40 Opern, 3 Operetten, 20 Singspiele und\nPossen. Von den Stücken wurden 21 zum ersten Male\nund 20 neu einstudirt gegeben. Von den Opern wurden\n2 zum ersten Male und 3 neu einstudirt gegeben. Von\nden Operetten wurden 2, von den Singspielen und Ge-\nsangspossen 5 zum ersten Male und 3 neu einstudirt ge-\ngeben.\nDie sämmtlichen Vorstellungen umfassen: 120 Opern\n(5 von der italiänischen Opern-Gesellschaft des Herrn C.\nMerelli), 11 Operetten, 66 Singspiele und Possen, 28\nTragödien, 62 Schauspiele, 171 Lustspiele, 19 Ballets.\nIm Verzeichnisse der Schauspiele begegnen wir\nunter Anderem: Bauernfeld 6 Mal (neu: Fata Mor-\nI *\ngana, 2 Mal), Benedix; 19 Mal (neu: Der Störenfried\n9 Mal, und Sammelwuth), Birch -P feiffer 18 Mal.\nBrachvogel 1 Mal (Narciss), Freitag 6 Mal, Goethe\n5 Mal (Egmont, Faust 2 Mal, Götz von Berlichingen, Iphi-\ngenie auf Tauris), G ril Iparzer 1 Mal (Medea), Gutz-\nkow 2 Mal, Halm 1 Mal, Hersch 4 Mal, Kleist 2\nMal, Kotzebue 1 Mal, Körner 2 Mal, L e s s i n g 1 Mal\n(Emilia Galotti), G. von Meyern 3 Mal Tleinrich von\nSchwerin), Mosenthal 2 Mal, Raupach 5 Mal, Red-\nwi tz 3 Mal, Schiller 16 Mal (Don Carlos, Die Jung-\nfrau von Orleans 2 Mal, Cabale und Liebe 4 Mal, Das\nLied von der Glocke, Maria Stuart 3 Mal, Die Räuber\n3 Mal, Wallenstcin sLager, Wilhelm Teil), Shakespeare\n6 Mal (Die bezähmte Widerspänstige, Hamlet 2 Mal, Der\nKaufmann von Venedig, Richard 111., Romeo und Julie),\nTöpfer 5 Mal, Irauen 5 Mal (neu: Die Lady in Trauer),\nZedlitz 2 Mal (Herr und Sclave).\nIn der Oper: Adam: Der Postillon von Lonjumeau,\n5 Mal; Auber: Maurer und Schlosser, 2 Mal; Beetho-\nven: Fidelio,2 Mal; Bellini: Die Nachtwandlerin, 2 Mal,\nNorma, 4 Mal, Die Puritaner; Boieldieu: Die weisse\nFrau, 2 Mal; Donizetti: Der Liebestrank, 5 Mal, Lucia\nvon Lammermoor, Lucrezia Borgia, 2 Mal, Die Regiments-\ntochter. 3 Mal; Fioravanti: Die wandernden Komödian-\nten, 4 Mal; Flotow: Martha, 4 Mal; Gounod: Marga-\nrethe (neu), 16 Mal; Halevy: Die Jüdin; Herold:\nZampa, 2 Mal; Lortzing: Die beiden Schützen, 2 Mal,\nCzaar und Zimmermann, Undine, 2 Mal, Der Waffen-\nschmied, 2 Mal; Marschner: Hans Heiling, 2 Mal, San-\ngeskönig Hiarne (neu), 4 Mal, Templer und Jüdin, 4 Mal;\nMehul: Jakob und seine Söhne, 2 Mal; Mendelssohn-\nBartholdy: Loreley; Meyerbeer: Dinorah, 3 Mal, Die\nHugenotten, 5 Mal, Der Prophet, Robert der Teufel; M o -\nzart: Die Hochzeit des Figaro, 5 Mal, Don Juan, 4 Mal,\nDie Zauberflöte; Nicolai: Die lustigen Weiber von\nWindsor, 4 Mal; Offenb ach: Orpheus in der Unterwelt,\n4 Mal; Rossini: Der Barbier von Sevilla, 4 Mal, Teil,\n2 Mal; Verdi: Hernani, Der Troubadour, 4 Mal; Wag-\nner: Tannhäuser; Weber: Der Freischütz, 4 Mal.\nIn der Operette: Der Musikfeind (neu), 4\nMal; Offenbach: Fortunio's Lied, 2 Mal, Die Schwätzerin\nvon Saragossa (neu), 5 Mal.\n, Als Concertisten traten auf Herr Charles Halle,\nPianist aus Manchester, und Herr Heinrich Wolff,\nConcertmeister des Theaters in Frankfurt.\nVon bedeutenden Gästen für die Oper sind zu erwäh-\nnen: Fräulein Artöt. Frau Burger-Weber (Sopran\nvom Stadttheater zu Mainz (wurde engagirt). Herr Wach-\ntel. Die italiänische Operngesellschaft des Herrn Merelli\n(unter Leitung des Capellmeisters Herrn Orsini), welche"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "382", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631128-01.1.6", "texte": "Fiasco machle. Herr Dr. Gunz vom Hoftheater zu Han-\nnover. Signora Adelina Patti. Herr Ba uman n (Te-\nnor) vom Hoftheater zu Kassel (wurde engagirt).\n\nAus Münster.\nAm 19. und 20. November feierte der hiesige Musik-\nverein das jährliche Cäcilienfest durch die Aufführung von\nHaydn's „Jahreszeiten\" und durch ein Rünstler-Concert.\nDie „Jahreszeiten\" sind die letzte bedeutendere Composi-\ntion Haydn's. Den Text dazu lieferte ihm der Baron Gott-\nfried van Swieten zu Wien in einer Bearbeitung des Ge-\ndichtes „Die Jahreszeiten\" von Thomson. Haydn begann\ndie Composition im Jahre 1799 im 68. Jahre seines Al-\nters; dieselbe wurde am 24. April 1801 unter seiner Di-\nrection im fürstlich Schwarzenberg'schen Saale in Wien\nzum ersten Male aufgeführt. Nach vielen bekannt geblie-\nbenen Aeusserungen Haydn's bereitete ihm der Text manche\nSchwierigkeiten. Die grosse Uebereinstimmung der Grund-\nstimmung des Gemüthes in allen Theilen des Gedichtes,\nwelche lediglich durch die Darstellung des Lebens in der\nNatur und das dadurch geweckte Naturgefühl getragen\nwird, die Anhäufung von Nachahmungen reiner Naturlaute\nund der nur sparsame Aufschwung des Gemüthes zu einer\nerhabenen Stimmung widerstreben allerdings einer für die\nmusicalische Production nothwendigen Höhe der Begeiste-\nrung. Und dennoch bat der Componist diese durch die Er-\nscheinungen des Naturlebens in den verschiedenen Jahres-\nzeiten geweckten Empfindungen durch eine Schönheit und\nMacht der Töne zu idealisiren verstanden, welche, wie in\nkeinem seiner übrigen Werke, jugendliche Frische und\nKraft mit der Meisterschaft des Alters vereinigt. Darin liegt\nder Zauber, welcher die „Jahreszeiten\" seit ihrem ersten\nErscheinen bis auf den heutigen Tag zu einem Lieblings-\nwerke aller derer gemacht hat, welche für die Tonkunst\nirgend Sinn und Yerständniss haben, mögen sonst ihre\nRichtungen nach dem Alter, der Bildung oder der musica-\nlischen Zeitströmung noch so sehr aus einander gehen. Es\nwar daher eine glückliche Wahl, wenn die Direction des hie-\nsigen Musikvereins das seit dem Jahre 1855 hier nicht ge-\nhörte herrliche Werk jetzt wieder zur Aufführung brachte.\nEine Vereinigung seltener Kräfte war für die Ausfüh-\nrung der Solo-Partieen gewonnen. Fräulein Henriette\nRöhn aus Mannheim, eine Sängerin ersten Ranges, sang\ndie Partie der Hanne. Sie verbindet mit einem sehr schö-\nnen, besonders in den hohen Tönen klangvollen und kräf-\ntigen Sopran eine seltene Ausbildung für den Ausdruck der\nverschiedenartigsten Kunstformen, sowohl des erhabenen,\nals des naiven, sowohl des einfachen und getragenen, als\ndes colorirten Stils. Bewundernswürdig ist die spielende\nLeichtigkeit und die vollkommene Reinheit, mit welcher ihr\ndie Stimme selbst in den schwierigsten Passagen und Tril-\nlern zu Gebote steht. Sie sang ihren Part sehr schön, ins-\nbesondere die Arie: „Welche Labung für die Sinne\". Nur\nin Betreff des Vortrages des Märchens in der Spinnstube\nerlauben wir uns eine geringe Einschränkung. Der naive\nAusdruck, welchen diese Romanze erfordert, kann allerdings\nnur das Product der Kunst sein; die Kunst muss sich jedoch\nauf ihrem Wege völlig mit der Natur wieder vereinigen\nund identificiren. Die Sängerin gab das Naive zwar auch\nin kunstvoller Weise wieder, mehr oder weniger liess je-\ndoch der Ausdruck das Reflectirte oder Beabsichtigte noch\nerkennen und nahm dadurch einen dem natürlich Einfachen\nder Romanze und der Intention Haydn's nicht entsprechen-\nden Charakter an. Die Tenor-Partie sang Herr Rudolph\nOtto, Domsänger aus Berlin. Der überaus edle, feine und\nzarte Ausdruck, welcher seiner von der klarsten Aussprache\nan bis zum seelenvollsten Vortrage vollendet ausgebildeten\nStimme zu Gebote steht, macht ihn zu einem hervorragen-\nden Oratoriensänger. Diese hohe Ausbildung ersetzt ihm\nvollständig, was seiner sonst wohltönenden Stimme an Klang-\nfülle fehlen mag. Dieselbe erhält gerade dadurch etwas\nSympathisches, wodurch er insbesondere in der Cavatine:\n„Dem Druck erlieget die Natur\", entzückte. Herr Karl\nHill, Concertsänger aus Frankfurt am Main, bewährte in\nder Partie des Simon seinen wohlbegründeten Ruf als eines\nvorzüglichen Oratoriensängers. Seine frische, klangvolle,\nkräftige, in allen Lagen gleichmässig wohllautende Bass-\nBaritonstimme hat durch eine vorzügliche Ausbildung eine\nbesondere Weiche und Biegsamkeit und eine den schwie-\nrigsten musicalischen Formen entsprechende Ausdrucks-\nfähigkeit gewonnen. Seine Auffassung ist eine durchaus\nedle. Es war ein grosser Genuss, diesen ausgezeichneten\nSänger insbesondere in den vorzüglich schön vorgetragenen\nArien: „Schon eilet froh der Ackersmann\", „Seht auf die\nbreiten Wiesen hin\", und in der Schluss-Arie: „Erblicke\nhier, bethörter Mensch\", zu hören. Besondere Erwähnung\nverdient auch der Vortrag der Ensemblestücke, die mit sol-\nchem Zusammenklange und solcher Feinheit nicht oft mö-\ngen gehört werden. Darunter hervorzuheben ist die Aus-\nführung des Duetts: „Welch ein Glück ist treue Liebe\".\nDer Chor bestand aus klangvollen Stimmen, im Sopran\n53, Alt 42, Tenor 23 und Bass 35. Er sang mit Frische\nund Kraft, setzte namentlich in den fugirten Sätzen präcise\nund mit vollen Stimmen ein und bekundete ein richtiges,\nfeines Verständniss durch überall maasshaltende, schön\nnuancirte Ausführung. Die Tempi entsprachen der Vor-\nschrift des Componisten und dem Charakter der einzelnen\nStücke; nur hätten wir das Allegretto des ersten Chors:"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "383", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631128-01.1.7", "texte": "„Komm, holder Lenz\", etwas bewegter gewünscht; der-\nselbe würde in Stellen wie: „Weile länger nicht\", runder\nund weniger eckig geklungen haben. Auch das Orchester\nverdient im Ganzen Lob; der grössere Theil der Zuhörer\ndürfte einzelne Unebenheiten nicht bemerkt haben, wess-\nhalb auch wir dieselben, das „minima non curat praetor\"\nauch hier zur Anwendung bringend, verschweigen wollen.\nSonach war die Aufführung im Ganzen eine recht gelun-\ngene und gebührt unserem feinen und tüchtigen Dirigenten,\nHerrn Musik-Director 0. Grimm, dafür insbesondere der\nbeste Dank. Die grosse Zahl der Zuhörer bethätigte den-\nselben wiederholt durch rauschende Beifallsbezeigungen.\nIn dem am 20. November folgenden Künstler-Concerte\nwurde zunächst die feine und duftige Ouvertüre zu Ruy\nBlas von Mendelssohn recht schön ausgeführt. Sodann sang\nFräulein H. Röhn das Recitativ nebst Arie der Kunigunde\naus Spohr's Faust: „Die stille Nacht entweicht\", mit fei-\nnem dramatischem Vortrage. Sie bewährte dabei die aus-\nserordentliche Ausbildung ihrer Stimme für die schwierig-\nsten Anforderungen, so wie ihr hervorragendes Talent für\ndramatischen Gesang. In dem Vortrage der folgenden Bal-\nlade von Reinick: „Mondwanderung\", componirtvon Neit-\nhard, weniger durch ihren musicalischen Gehalt, als durch\ndie musicalisch-dramatische Behandlung des Textes sich\nkennzeichnend, zeigte Herr K. Hill sein auch für diese Art\nder Composition ausgebildetes Talent. Der Concertmeister\ndes hiesigen Musikvereins, Herr G. A. Burg beer, trug\ndann die Sonate II tnllo del für die Violine von\nG. Tartini vor. Wir hätten im Interesse der grossen, dem\nMusikvereine zu einem bedeutenden Theile nicht angehöri-\ngen Zuhörerzahl die Wahl eines ansprechenderen, dem schö-\nnen, seelenvollen Tone und dem ausgezeichneten Vortrage\ndes Herrn Burgheer angemesseneren WTerkes gewünscht.\nAllerdings gewährte das Stück allen Musikern grosses In-\nteresse, und spielte Herr Burgheer dasselbe in gewohnter\nmeisterhafter Weise. Es folgte Beethoven's Adelaide, von\nHerrn Otto zart und duftig gesungen und von Herrn Musik-\nDirector Grimm in gleicher Weise begleitet, und das von\ndem Künstler-Kleeblatte reizend vorgetragene Terzett aus\nHaydn's „Schöpfung\": „In holder Anmuth steh'n\", nebst\ndem folgenden Chor: „Der Herr ist gross\", schloss den\nersten Theil. Der zweite Theil begann mit der Ouvertüre\naus der Zauberflöte. Leider liess das rapide genommene\nTempo des Allegro die hohe Schönheit dieses Werkes nicht\nzu Tage kommen. Das Eigenthümliche, Charakteristische\ndes Fugen-Thema's und seine Durchführung, die mächtige\nWirkung der Sforzando's in den verminderten Septimen-\nAccorden, die Lieblichkeit der folgenden Oboen- und Flö-\nten-Melodie u. s. w. müssen bei solcher Uebertreibung\nnothwendig untergehen. Die dann folgenden Stücke aus der\nZauberflöte: Priestermarsch und Arie (von Herrn Hill ge-\nsungen) mit Chor „0 Isis\", das Terzett: „Soll ich dich,\nTheurer\", von Fräulein Röhn, den Herren Otto und\nHill, und das Duett: „Bei Männern, welche Liebe fühlen\",\nvon Fräulein Röhn und Herrn Hill gesungen, entzückten\ndurch vollendet schönen Vortrag. Es folgte eine Wieder-\nholung des Wein-Chors aus den „Jahreszeiten\" und machte\nder vortreffliche Vortrag einzelner Lieder und kleinerer\nPiecen Seitens der auswärtigen Künstler den mit stürmi-\nmischem Applaus begleiteten Beschluss. ***\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolli, 20. November. Das zweite Ges e 11 s ch aft s - Co n -\neert am 17. d. Mts. (s. das Programm in der vor. Nummer) be-\ngann mit der Ouvertüre zur Oper „Joseph\" von Mehul. Die Be-\nziehung des schönen Andante auf den Inhalt der Oper, namentlich\nauf den Cultus der Israeliten, geht vielen Zuhörern verloren, da die\nOpei selbst nur sehr selten gegeben, ja, leider fast ganz vom Re-\npertoire verschwunden ist. Dergleichen Musik ist freilich nicht für\ndie überreizten Ohren der Meyerbeer- und Wagner-Anbeter.\nDer Chor war wenig beschäftigt: die zwei kleinen aus den\nbestäubten Choral- und Madrigalheften des XVI. Jahrhunderts aus-\ngegrabenen Gesänge machten keinen Eindruck; auch begreifen wir\nüberhaupt nicht, was solcherlei Antiquitäten-Stückchen, deren Vor-\nkommen in den Programmen der Conservatoire-Concerte in Paris\nwir Deutschen stets belächeln, in unseren Giirzenicb-Concerten sol-\nlen, da diese doch wahrlich eine grössere Aufgabe haben, als der\nMode, Alles und Jedes, mithin auch die Concert-Programme, mit\naltem Schnitzwerk zu verbrämen, zu fröhnen. Ausserdem wirkte\nder Chor in der Hymne von Mendelssohn mit, deren Sopran-\nSolo Frau Knöpges-S aart aus Gladbach, ehemalige Schülerin\ndes hiesigen Conservatoriums, recht artig vortrug, wenn auch frei-\nlich die Stimme für die grosse Räumlichkeit nicht völlig ausreichte.\nVorbei hatte sie auch noch die Arie: „Höre, Israel!'*4 aus dem Elias\nmit Beifall gesungen.\nVon Instrumentalsachen hörten wir eine Phantasie für Violon-\ncell von Piatti, in deren Vortrag Herr Alexander Schmit\nreichliche Gelegenheit fand, seine Meisterschaft zu zeigen, welche\ndurch die Sicherheit und Reinheit der chromatischen Gänge in Dop-\npelgiiffen ganz besonders glänzte. Mit Vergnügen lauschten wir aber\nauch dem Tone und Ausdruck, den Herr Schmit in die schöne\nCantilene der Einleitung und des Thema's zu legen wusste, was\ndoch immer die Seele seines Instrumentes bleibt.\nFerdinand Hiller führte eine neue Composition für Orche-\nster vor, eine Suite von mehreren Sätzen, die er „Morgenmusik\"\nbetitelt hat, wohl mit Erinnerung an seine „Serenade\", das hübsche\nTrio für Pianoforte, Violine und Violoncell. Es ist dies jedenfalls\neine eigentümliche Composition, die vor Allem das grosse Verdienst\nhat, dass sie keineswegs zur Effectmusik gehört und auch gar nicht\ndazu gehören will, sondern ihre Wirkung im Reize des klaren und\nfeinen Gewebes sucht und im Geiste, der aus den Mustern, den\nDessins dieses Gewebes spricht. Dass diese Zeichnungen überall me-\nlodisch schön seien, wollen wir nicht behaupten, noch weniger aber\nnach einmaligem Hören darüber absprechen. In den drei ersten\nSätzen, dem lebhaften Alla Marcia, dem Menuetto, dem Capriccetto\nund auch in der ersten Hälfte des Andante quasi Adagio scheint\nuns die Erfindung der Motive mit der feinen, wirklich bewunderns-\nwerth feinen Arbeit und Instrumentirung gleichen Schritt zu gehen,\nin den folgenden Sätzen, dem Ghasel und dem Finale, gewinnt da-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "384", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631128-01.1.8", "texte": "gegen die letztere die Oberhand, und das Interessante, das allerdings\nbis zu Ende fortdauert, wird durch die zu grosse Länge des Ganzen\n(in sechs Sätzen) beeinträchtigt. Das Publicum nahm die genannten\nSätze mit Beifall auf, besonders das Capriccetto, welches mit seinem\nwechselnden 2/a- und 3/VTact, den man Anfangs für 6/4-Tact nimmt,\nunsere Aufmerksamkeit in Schwebe hält, indem seine Motive durch\nallerliebste, echt launenhafte Wendungen bald uns entschlüpfen, bald\nwieder neckisch und dreist vor Augen treten, ein originelles Scherzo,\nohne alle Aehnlichkeit mit Dagewesenem.\nDie zweite Abtheilung des Concertes füllte die über Alles herr-\nliche siebente Sinfonie Beethoven's, durch eine so richtige\nAuffassung, wie wir sie von dem Geiste und der Pietät des Herrn\nDirigenten gewohnt sind, geleitet und von dem wackeren Orchester\nvortrefflich ausgeführt.\nBci'lin* Die unvergleichlich reizende Adeline Patti hat\neine Reihe glänzender Triumphe gefeiert, obgleich der berliner\nEnthusiasmus nicht die Siedehitze der wiener Begeisterung erreichte.\nFräulein Patti ist auch in der That ein seltenes Gesangs-Phänomen,\nihre ganze Erscheinung bezaubernd und hinreissend, voll jugend-\nlicher Frische und Anmuth, ihre Stimme wunderbar schön und rein,\ndie technische Ausbildung vollendet. Wie ein Silberquell strömt ihr\nGesang aus voller Brust, die schwierigsten Passagen, minutenlange\nTriller, Staccato's und Fiorituren wirbelt sie wie die schmetternde\nLerche ohne Mühe, ohne jede Anstrengung. Keine Muskel bewegt\nsich, keine Sehne wird angespannt, wenn sie singt, sie ist die sou-\nveraine Herrscherin im Reiche der Töne, eine wirkliche Primadonna\nvon Gottes Gnaden, und dabei macht sie einen fast kindlichen Ein-\ndruck, wodurch der Reiz ihres Talentes nur noch gesteigert wird.\nSie nahm von Berlin mit einer Grande Miscellanea Abschied, worin\nsie als Rosine im „Barbier von Sevilla\", als Nachtwandlerin und als\nZerline in Mozart's „Don Juan\" auftrat. In letzter Rolle entzückte\nsie nicht nur unsere fanatischen Italianissimi, sondern auch die\nFreunde der deutschen Musik durch ihre classische Leistung in Ge-\nsang und Spiel. Man kann sich nichts Lieblicheres, Schalkhafteres\nund Naiveres denken, als das „Batti, Battiu, von Fräulein Patti\ngesungen. Dass es dabei an jubelndem Beifalle, mehrfachem Hervor-\nrufe und selbst Orchestertusch nicht fehlte, braucht wohl nicht ver-\nsichert zu werden. An demselben Abende legte Fräulein Patti nicht\nnur die glänzendsten Proben ihres Talentes, sondern auch ihres gu-\nten Herzens ab. Eine arme Sängerin, welche in der Nachtwandlerin\ndie unbedeutende Rolle der Mutter schnell übernommen hatte, um\nnicht die Vorstellung zu stören, wurde wegen ihrer allerdings sehr\ndürftigen Leistung von dem Publicum, das diesen Umstand nicht\nwissen konnte, verhöhnt und ausgelacht, worüber die reizbare Frau\nhinter den Coulissen in Krämpfe verfiel. Sobald sie sich erholt hatte,\nschickte ihr Fräulein Patti einen Fünfzigthalerschein als Balsam mit\nder Bitte, das kleine Geschenk ihrer Theatertochter anzunehmen.\nSeit Kurzem hat sich hier eine „Gesellschaft der Musikfreunde\"\ngebildet, welche sich nach englischer Sitte unter das Patronat des\nFürsten zu llohenzollern-Hechingen, eines bekannten Musikfreundes,\nund anderer hohen Protectoren gestellt hat. Die Gesellschaft steht\nunter der Leitung des berühmten Virtuosen Hans von Bülow, der,\nwie sein Schwiegervater Liszt, ein entschiedener Anhänger der Zu-\nkunftsmusik ist. Das erste Concert der Gesellschaft war von der\nElite des gebildeten Publicums sehr zahlreich besucht. Zur Aulfüh-\nrung kam die Ouvertüre zu „Hamlet\" von Niels Gade, „Meeresstille\nund glückliche Fahrt\", so wie die neunte Sinfonie von Beethoven\nund das erste Concert für Ciavier und Orchester von Franz Liszt,\nworin Herr Hans von Bülow die Clavier-Partie übernommen und\nmit anerkannter Vollendung gespielt hat. Ausserdem betheiligten\nsich an dem Concerte das Ehren-Mitglied der königlichen Oper,\nFrau Köster, mehrere vorzügliche Sänger, der Stern'sche Gesang-\nverein und die ausgezeichnete Liebig'sche Capelle. Jedenfalls hat\nsich die neue Gesellschaft der Musikfreunde durch ihr erstes Concert\nin vortheilhafter Weise eingeführt.\nIn Dresden wird nächstens von F. Hiller eine neue Oper:\n„Der Wahrsager\", zur Aufführung kommen. (Wien. Bl.) Diese Nach-\nricht ist ganz irrthümlich. Vielleicht ist von Rousseau's vLe\ndevin du villageu, die Adam Hiller vor hundert Jahren deutsch be-\narbeitet haben soll, die Rede. Die Redaction."}]}