{"numero_id": "bm-bmtnabi-1863-12-05-01", "volume": "bmtnabi_1863-12-05_01", "ocr_sha256": "1cfd4d9ab2fd4a84cb279e96dc2828f5aabe06542782931f497fe44196964196", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1863/12/05_01/bmtnabi_1863-12-05_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631205-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1863-12-05-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-12-05_01#c001", "volume": "bmtnabi_1863-12-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "385", "page_fin": "385", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631205-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "385", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631205-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 464, "texte": "Inhalt.\nAus Berlin (Die Oper „La Reole\" von G. Schmidt. Schluss). Die Hof-Festlichkeiten im XIV. und XV. Jahrhun-\ndert. Aus Wien (Concert der Sing-Akademie). Von R. Drittes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Un-\nterhaltungsblatt (Cleve, erstes Abonnements-Concert Weimar, Schiller-Tag Leipzig, „Der Abt von St. Gallen\" Briefe von\nBeethoven Gedenktafel für Marschner München, „Der Vetter auf Besuch\" Alte Manuscripte Wien, „Rheinnixe\" u. s. w.)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-12-05-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-12-05_01#c002", "volume": "bmtnabi_1863-12-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "385", "page_fin": "387", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631205-01.2.2", "titre_corps": "Aus Berlin.", "titre_sommaire": "Aus Berlin.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "385", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631205-01.1.1", "debut_caractere": 466, "fin_caractere_exclue": 4235, "texte": "Aus Berlin.\n[Die Oper „La Reole\" von Gr. Schmidt.]\n(Schluss. S. Nr. 48.)\nNirgends kann aber der gesprochene Dialog notwen-\ndiger sein, als in der Oper „La Reole\", denn ohne den-\nselben würde man die Handlung gar nicht verstehen, da\nman mit ihm es kaum dahin bringt, einiger Maassen\ndaraus klug zu werden. Dem Vernehmen nach sind „für\ndiejenigen Bühnen, denen die Oper mit Recitativen er-\nwünschter wäre\", diese durch die Verlagshandlung von\nBote & Bock zu beziehen. Nun, wenn wirklich Herr\nSchmidt sich der recitativischen Composition des Dialogs\nunterzogen hat, so hat er zweifelsohne seine Mühe verlo-\nren, denn keine Bühne wird sich jemals entschliessen, die\nunendliche Reihe von Recitativen auf meist trivialen, ganz\nunmusicalischen Text aufzunehmen; das hiesse die Oper\nunwiderruflich zu Grabe tragen. Wer daran zweifelt, der\nhöre nur die jetzt neben dem Dialog vorhandenen Reci-\ntative, die fast ohne Ausnahme lahm und trocken klingen.\nEs ist aber auch ein verfehltes Verfahren, nach gespro-\nchenem Dialoge ein Musikstück mit Recitativ beginnen zu\nlassen, wie es hier zuweilen der Fall ist. Das liesse sich\nhöchstens dann rechtfertigen, wenn der Dialog sich plötz-\nlich zu edlerem Schwung erhöbe, etwa so wie Shakespeare\nVerse auf Prosa eintreten lässt. Allein dem ist hier nicht\nalso.\nDen Inhalt des Buches kurz wiederzugeben, ist fast\nunmöglich; begnügen Sie Sich damit, zu erfahren, dass\nes nicht nur ein Intriguenstück, sondern noch dazu ein\npolitisches Intriguenstück ist, das zum historischen Hinter-\ngrunde nichts Geringeres hat, als den Kampf der Huge-\nnotten und Katholiken (!) und die Ränke der Catharina\nvon Medicis gegen ihren Schwiegersohn, König Heinrich\nvon Navarra, welche sich beide hier in nicht sehr feinen\nRedensarten über ihre gegenseitige Liebenswürdigkeit aus-\ndrücken. Catharina hat einen Waffenstillstand mit Hein-\nrich auf neutralem Gebiete in Navarra geschlossen, bringt\ndie Festung La Reole, den Hauptplatz der Protestanten\nin dortiger Gegend, durch Verrath an sich und gedenkt\ndurch eine junge Dame den „wilden Bären oder Bearner\",\nwas bei ihr gleichbedeutend ist, nach La Reole zu locken,\nihn dort zu fangen und „an der Kette tanzen zu lassen\".\nDiese junge Dame aber, Armande (die Hauptrolle), welche\nam Hofe der Catharina als Page verkleidet erscheint und\nvon dieser scharfsinnigen Politikerin auch fortwährend für\neinen Jüngling gehalten wird, der in ihre Tochter Mar-\ngaretha (Heinrich's Gemahlin) verliebt ist, diese Armande\nliebt den König Heinrich, wird aber ihrerseits höchst rit-\nterlich und sentimental vom Ritter Rosnv, Heinrich's\nFreund dem nachherigen Sülly! geliebt, während\nHeinrich seine Gattin laufen lässt und Armanden nachstellt.\nArmande erfährt durch Catharinaus blindes Vertrauen auf\nsie, den Pagen, den Anschlag auf La Reole und theilt ihn\ndem Könige mit. Rosny hat in einer Rotunde, wo ein drei-\nfaches Stelldichein durch allerlei Verwicklungen Statt fin-\ndet, ebenfalls den Plan erlauscht, hat bewaffnete Macht\ngesammelt, den Verräther von La Reole bereits gefangen\ngenommen und erscheint zur Rettung Heinrich's. Beide\nhaben schon längst Armande in ihrer Verkleidung erkannt\nund bewegen sie nun, die Verstellung gegen Catharina\nfortzusetzen und diese in der Nacht, statt nach La\nnach Fleurance, einer Festung der Partei der Guisen und\nCatharina's, zu führen. Denn Catharina kennt das Land\nnicht und hat an ihrem ganzen Hofe Keinen, der ihr den\nrechten Weg zeigen kann!\nEhe dies Statt findet, stürmt Heinrich, der dann end-\nlich einmal in einer heroischen Arie ein sichtbares Zeichen\nseines Charakters als Held gibt, die Veste Fleurance, Ar-\nmande führt die Königin dorthin, anstatt nach La Reole,\nihre Täuschung wird durch Ritter, die sich in ihre Farben\ngekleidet haben, vermehrt, bis endlich Heinrich hervor-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "386", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631205-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5437, "texte": "tritt, seiner königlichen Schwiegermutter die Augen öffnet\nund sie zur Unterzeichnung eines Friedens-Tractates zwingt.\nNebenbei versöhnt er sich mit seiner Gattin, da ihm Ar-\nmande entschieden den Korb gegeben, und Armande reicht\nihre Hand dem treuen Ritter Hosny.\nSind Sie nun im Klaren, oder meinen Sie, die Ge-\nschichte sei Ihnen noch nicht ganz dunkel? Warten Sie\nnur, bis Sie auch noch die Intriguen zweier Hofdamen\nder Königin auf der Buhne schauen, deren eine durch ver-\nstellte Buhlerei den Neffen des Gouverneurs von La Reole\ndahin bringt, seinem braven Onkel einen Schlaftrunk ein-\nzugeben und ihm den Schlüssel der Festung zu stehlen,\nbis sie endlich diesen Neffen als Gecken und komische\nFigur (!) zu sehen bekommen dann wird's Ihnen sicher\nvor den Augen flimmern, und Sie werden nicht einmal in\nden charakteristischen Zug der Catharina von Medieis ein-\nstimmen können, die da zuletzt singt:\n„Dass Frankreich nicht von Spott erschalle,\nMuss lachen ich zum bösen Spiel.\" (!)\nWas sollte nun ein deutscher Componist mit diesem\ndurch und durch französisch gedachten, aber nicht mit der\nfranzösischen Feinheit und Klarheit der älteren Schule\nausgeführten Texte machen? Was für einen Stil sollte er\naul den vorherrschenden Conversationston mit den pikan-\nten und frivolen Pointen anwenden? Wo fand er drama-\ntische Situationen, welche zu musicalischer Wirkung, wo\niand er Ruhepunkte, welche zum Ausdruck inniger Ge-\nfühle Veranlassung boten? Höchstens einen oder zwei,\ndie einer Romanze mit Noth Platz gaben, nirgends aber\nsolche, die zu breiten lyrischen Ergüssen willkommene\nGelegenheit geboten hätten. Ein gesunder, derber Humor,\nwie wir ihn wohl noch zuweilen bei Lortzing finden, der\nmit den vorgelührten Charakteren in Verwandtschaft steht\nund aus deutscher Art und Weise entspringt und zu dem\nwir in den früheren Opern Schmidt's wohl Anlage ge-\nfunden haben, musste hier geradezu verpönt werden. So\nblieb dem lonsetzer nichts übrig, als sich in den conven-\ntionellen musicaliscben Phrasen- und Conversations-Stil\nder französischen Spieloper zu werfen; dies that er, nahm\naber leider nicht die classischen Autoren dieser Gattung\nzu Mustern, nicht einmal den immer noch feinen und\ngeistreichen, niemals platten Auber, sondern die neueren\nund neuesten Lieferanten, deren Reihe mit Adam und Ge-\nnossen beginnt.\nFreilich strebt Schmidt in den wenigen ernsten Situa-\ntionen Besseres und Edleres an; aber um zu vollständiger\nWirkung zu gelangen, fehlt dann bei aller anzuerkennen-\nden, lobenswerthen Beherrschung der Mittel der eigent-\nlich erwärmende Funke, die höhere poetische Eingebung,\ndie sichere Zeichnung der Charaktere und jenes sympa-\nthische Colorit, das in Verbindung mit ihr das Gemüth\nergreift und zum Mitgefühl mächtig anregt. Gewandtheit\nin Behandlung der Formen und musicalische Einsicht kann\ndiese Mängel nicht ersetzen. Wenn einige strenge Kritiker\ndem Componisten auch selbst diese Eigenschaften weniger\nals Talent, sondern nur als Routine anrechnen wollen, so\ngehen sie zu weit. Schmidt hat ohne Zweifel Talent und\nhat auch was gelernt, wie man zu sagen pflegt, und es\nist erfreulich, dass er nicht davon Gebrauch macht, um\nzu verblüffen und Effect zu machen. Wir wünschen ihm\nein Textbuch, welches ihn besser unterstützen möge, als\ndas unverständliche Gewirr uninteressanter Intriguen, das\nihm Frau Birch-Pfeiffer unterbreitet hat. Bis jetzt zeigt\nsich bei ihm das Talent freilich hauptsächlich nur in der\nAbrundung der Form, in der lobenswertheri Vermeidung\nalles Uebertriebenen, im richtigen Gefühle für den Aus-\ndruck, der zu der betreffenden Situation im Allgemeinen\npasst, wenn auch die Ausführung im Einzelnen nicht im-\nmer der guten Anlage des Ganzen entspricht, im Maass-\nhalten und in der Behandlung von grösseren Ensemble-\nstücken. Dass ihm aber ein geistreicher oder auch nur\neleganter Salonstil gelinge, dazu fehlt es seinen Melodieen\nan Leichtigkeit und Fluss, und in dieser Beziehung ver-\nflacht sich sein Talent allerdings oft zu Routine und mu-\nsicalischer Phrase, zumal, da man auch oft schöne Instru-\nmentirung vermisst. Dass es bei solchen Arbeiten heut-\nzutage nicht ohne mehr oder weniger bemerkbare Remi-\nniscenzen abgeht, brauchen wir nicht erst zu erwähnen.\nDie Ouvertüre erweckt kein günstiges Vorurtheil für\nden Componisten; sie ist in der Potpourri-Weise der Fran-\nzosen aus mehreren Motiven der Oper lose zusammenge-\nfügt. Im ersten Acte ist in der Introduction (Catharina\nund die Damen des Hofes) die Romanze der Margaretha:\n„Die Nachtigall sprach\", auszuzeichnen, deren Kehrvers\nder Frauenchor wiederholt; ferner das Ensemblestück in\nE-dur, welches jedoch an Nicolai's „Lustige Weiber\" er-\ninnert.— Der zweite Act dürfte unstreitig der beste, jeden-\nfalls der wirksamste sein. Die sentimentale Romanze des\nRitters Rosny (Bariton), in welcher er seine Liebe zu Ar-\nmande in Erinnerung an ihre beiderseitige Kindheit aus-\nspricht, ist, was man dankbar nennt, und wird überall des\nErfolges bei dem grossen Publicum sicher sein. Vor die-\nsem Tribunale wird auch das folgende Duett zwischen\nArmande (Sopran) und Heinrich (Tenor) durch effectvolle\nMomente gut bestehen, obwohl es den tiefer schauenden\nBlick des Kenners nicht aushält Das Finale ist, abgesehen\nvon einigen Recitativen, die nicht eben geschickt gemacht\nsind, der musicalische Höhepunkt der Oper; es schliesst\nnach Heinrich's heroischem Aufschwünge mit einem kräf-\ntigen Chor: „Heil'ge Freiheit, freier Glaube\", der seine"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "387", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631205-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1603, "texte": "Wirkung nicht verfehlen kann. Der dritte Act ist in der\nMusik der schwächste: ein Soldatenlied und ein Duett zwi-\nschen Sopran und Bariton (Armande und Bosny) gehen\nnoch eben mit: der letzten Scene aber, in welcher die Kö-\nnigin Catharina gar zu lange gehänselt wird, dürfte auch\nein grosses Genie musicalisches Interesse zu verleihen nicht\nim Stande sein.\nDie hiesige Aufführung im königlichen Opernhause\nwar in Bezug auf Ausstattung und Inscenesetzur.g ganz\nvorzüglich; nicht so befriedigte Gesang und Spiel der darin\nbeschäftigten Künstler. Die Besetzung war folgende: Ca-\ntharina von Medicis—Frau Jachmann; Heinrich von Na-\nvarra Herr Woworsky; Margaretha Fräulein Gericke;\nde Bosny Herr Salomon ; Armande Fräulein deAhna;\nFranQoise— Fräulein Santer; Ussac (der Neffe des Gou-\nverneurs)— Herr Koser u. s. w. Ganz an ihrer Stelle war\neigentlich nur Frau Jachmann-Wagner, welche von der\nIntendantur um Uebernahme der Rolle der Catharina er-\nsucht worden war, weil die königliche Oper keine Sän-\ngerin für Mütter und Anstandsdamen hat! Frau Jachmann\nhatte mehr zu repräsentiren und zu spielen, als zu singen;\naber ihre Stimme ist noch klangvoll genug, um auch einer\ngrösseren Gesang-Partie zu genügen.\nDie Aufnahme der Oper bei dem berliner Publicum\nwar eine sehr laue. In Kassel soll sich der Beifall bei der\nzweiten und dritten Vorstellung dem Vernehmen nach be-\ndeutend gesteigert haben. Ob dies hier auch der Fall sein\nwird, kann ich noch nicht wissen, da der Tenorist Wo-\nworsky bald nach der ersten Vorstellung erkrankte und\ndie zweite bis zu meiner Abreise von Berlin nicht Statt\ngefunden hatte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-12-05-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-12-05_01#c003", "volume": "bmtnabi_1863-12-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "387", "page_fin": "389", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631205-01.2.3", "titre_corps": "Die Hof-Festlichkeiten im XIV. und XV. Jahrhundert.", "titre_sommaire": "Die Hof-Festlichkeiten im XIV. und XV. 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Jahrhundert.\nWenn die Musik in der Spectakel-Oper und dem\nBallet in unseren Tagen nach und nach immer weniger\ndie Hauptsache wird und fast nur zur Begleitung der\nWunderwerke von Decoration und Maschinerie dienen\nmuss, so scheint sie in einem Kreisläufe nach rückwärts\nbegriffen, denn es haben schon vor Jahrhunderten theatra-\nlische Vorstellungen Statt gefunden, bei denen Festzüge\nmit allerlei Hokuspokus und Decorations- und Maschinen-\nwerk den heutigen Meistern der Scene noch etwas zu ra-\nthen aufgeben könnten.\nAls Curiosum der Art berichtet uns Reichard's Thea-\nter-Kalender von 1761, dass bei einem Feste der Ver-\nmählung des Herzogs Karl von Burgund mit Margaretha\nvon York, Schwester des Königs von England, im Jahre\n1468 ein Wallfisch in den Saal kam, der sechszig Fuss\nin der Länge und eine verhältnissmässige Höhe hatte. Er\nwurde von zwei Biesen unter dem Schalle der Trompeten\nherbeigeführt. Nachdem er verschiedene Wendungen in\ndem Saale und alle die Bewegungen, die einem Wallfische\neigen sind, gemacht hatte, blieb er vor dem Herzoge von\nBurgund stehen, riss seinen weiten Bachen auf, und zwei\nSirenen sprangen heraus, die einen Gesang anstimmten.\nNun stiegen noch zwölf Bitter hervor. In dem Bauche des\nWallfisches wurde die Trommel geschlagen, und die Sire-\nnen und Bitler tanzten danach. Endlich rauften sich die\nRitter unter einander, und Alles begab sich wieder auf\ndie Stimme der Riesen in diesen ausserordentlichen Fisch\nhinein, der auf eben die Art, wie er gekommen war, zu-\nrückgebracht wurde.\nAus den Memoiren von Olivier de la Marche wird\neben da angeführt:\n„Adolf von Cleve gab ein glänzendes Fest mit fol-\ngenden Schauspielen. In einem unermesslichen Saale\nwaren grosse Tafein oder vielmehr geräumige Bühnen\naufgestellt. Auf der einen stand ein Schiff mit ausgespann-\nten Segeln, worin sich ein Bitter befand, der vom Kopfe\nbis zu den Füssen gewaffnet war; vor ihm sah man einen\nSchwan von Silber mit einem goldenen Halsbande, woran\neine lange Kette befestigt war. Es schien, als zöge er das\nSchiff. Nicht weit davon erhob sich ein Schloss, welches\nvon einem Flusse umgeben war, auf dem ein Falke\nschwamm. Alle diese verschiedenen Gegenstände hatten\nauf ein Stück der älteren Geschichte des Hauses Cleve Be-\nziehung. Man erzählt, dass ehemals ein Schwan, der über\nden Bhein geschwommen kam, auf eine wunderbare Art\neinen berühmten Bitter an das Schloss Cleve gebracht.\nEr heirathete nachher die Prinzessin des Landes und wurde\nder Stammvater dieses Hauses. (Lohengrin.)\n„Bei dem Feste, das Philipp der Gute, Herzog von\nBurgund, 1453 gab, wurden die Anwesenden durch\nprächtige Zwischenspiele unterhalten. Auf der einen Tafel\nsah man eine Kirche, die mit Sängern angefüllt war, und\nein Glockenspiel stimmte in ihren Gesang. Auf der anderen\nschüttete ein nacktes Kind von der Spitze eines Felsens\nRosenwasser herunter. Auf der dritten war ein Schiff mit\nallem Zubehör, voller Waaren und Seeleute.\n„Die vierte zeigte eine grosse und prächtige Fontaine\nmit Zierathen von Glas und Blei, die sehr künstlich gear-\nbeitet waren. Sie war mit kleinen Büschen, Blumen, Ra-\nsen und Steinen von allen Arten bedeckt. In der Mitte war\nder heilige Andreas mit seinem Kreuze vor sich. Aus dem\neinen Ende desselben floss eine \"Quelle hervor, die sich in\nder Wiese verlor.\n„Auf der fünften stand eine ausserordentlich grosse\nPastete, welche *2B Leute,die Instrumente spielten,in sich\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "388", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631205-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5244, "texte": "fasste. In einiger Entfernung davon war ein Schloss mit\nThürmen auf den Seiten. Auf dem einen sah man die be-\nrühmte Melusine in Gestalt einer Schlange. Unten an die-\nsen Thürmen standen zwei Fontainen, woraus Orangen-\nwasser sprang, das die Schlossgräben füllte. Nahe dabei\nging eine Mühle. Oben darauf sass eine Elster, und allerlei\nLeute schössen mit Pfeilen danach. Es sollte zeigen, dass\ndie Jagd dieses Vogels dem Volke erlaubt sei. Man hatte\nauf einem Weinberge Fässer vorgestellt. Das eine gab\neinen süssen, das andere einen bittern Trank, und die\ndarauf sitzenden Figuren hielten eine Schrift in der Hand,\nderen Inhalt folgender war: Qui en veut, cy en prenne.\n„Sonst sah man auch noch eine Wüste, in deren Mitte\nein Tiger mit einer Schlange kämpfte; einen Wilden, der\nauf einem Kameel sass, das sich bewegte und fortging;\neinen Bauer, der mit einer Ruthe auf ein Gebüsch klopfte\nund eine Menge kleiner Vögel herausjagte; einen Ritter\nund seine Dame, die in einem Garten an einer Tafel\nsassen, der mit einer Rosenhecke umgeben war; einen\nNarren, der auf einem Bären hing und über Berge und\nThäler ritt, d ie mit Schnee bedeckt waren; einen See, um\nwelchen Slädte und Schlösser lagen. Hier stand ein Wald\nvon indianischen Bäumen mit allerhand Thieren angefüllt,\ndie zu leben schienen; dort war ein Löwe an einen Baum\ngebunden, und ein Mann hetzte einen Hund auf ihn. Etwas\nweiter erblickte man einen Kaufmann, der durch ein Dorf\nzog; er war von Bauern umgeben, die seine Waaren\ndurchsuchten.\n„Anstalt eines Büffets, das der Gewohnheit nach mit\ngoldenen und silbernen Gelassen beladen sein sollte, sah\nman eine nackte Frau, aus deren rechter Brust Wein\nquoll. Nicht weit davon war ein lebendiger Löwe, der an\neine Säule geschlossen war, welche die Inschrift führte:\nNe touchez ä ma Dame.\n„Sobald man sich zur Talel gesetzt halte, sangen ver-\nschiedene Personen in der Kirche des Zwischenspiels Arien,\nund ein Schäfer stieg aus der Pastete, um mit seiner Flöte\ndazu zu spielen. Kurz darauf kam ein prächtig aufgezäum-\ntes Pferd durch die Ilauplhür des Saales rückwärts herein.\nEs trug Leute, die mit dem Rücken gegen einander sassen\nund maskirt waren. Sie stiessen in ihre Trompeten, und\nnun spielte man Orgel und andere Instrumente. Hierauf\nerschien ein Ungeheuer, das von einem wilden Schweine\ngetragen wurde. Aul dem Kopfe dieses Monstrums stand\nein Mensch, der verschiedene Wendungen machte, worauf\nein Marsch gespielt wurde, welcher die Ankunft Jason s\n\\erkündigle. Man stellte seinen Kampf mit den Ochsen vor,\ndie das güldene Yliess hüteten. Er griff'sie mit der Lanze\nin der Hand an und schläferte sie zuletzt mit dem magi-\nschen Wasser ein, das ihm Medea gegeben hatte. So\nzähmte er diese fürchterlichen Thiere,die aus ihren Nasen-\nlöchern Feuer bliesen.\n„Diesem Auftritte folgte ein anderer. Auf einem weis-\nsen Hirsche, der ein goldenes Geweihe trug, sass ein schö-\nner Knabe. Er sang eine Arie, die, wie es schien, der\nHirsch accompagnirte. Jeder Auftritt war mit Musik ver-\nmischt, die entweder in der Kirche oder in der\nPastete ausgeführt wurde. Jason erschien wieder\nvon einer grossen Schlange verfolgt. Er konnte sie mit dem\nDegen und Wurfspiesse nicht überwinden; endlich hielt\ner ihr den wundervollen Ring der Medea vor. Das Unge-\nheuer fiel, und er hieb ihm den Kopf ab und brach ihm\ndie Zähne aus.\n„Einen Augenblick hernach kam ein Drache, der\nFeuer spie und mit der grösslen Geschwindigkeit durch\nden Saal fuhr. Kaum war er den Augen entschwunden,\nso sah man einen Reiher in der Luft, der von einem Fal-\nken verfolgt und gefangen wurde.\n„Nun trat Jason zum dritten Male auf. Er sass auf\neinem Wagen, der mit den Ochsen bespannt war, die er\ndurch das Wasser der Medea bezähmt hatte. Er liess sie\nackern und säete die Zähne der Schlange. Gleich kamen\nbewaffnete Männer hervor, die sich eine Schlacht lieferten,\nworin sie alle getödtet wurden.\"\nIm Jahre 1378 wurde zu Nangis bei einem Feste\nKarl's V. die Eroberung von Troja aufgeführt (Les\nTroyens), und 1388 in Mailand bei der Vermählung des\nHerzogs Galeazzo Sforza mit Isabella von Aragonien ein\nmusicalisch-theatralisches Festspiel, bei welchem alle Bra-\nten und Gerichte, die den Neuvermählten vorgesetzt wur-\nden, durch besondere Festzüge eingebracht und nachher\nauf die Anfangs leere Tafel gesetzt wurden, an welcher\ndie Herrschaften sassen.\nJason eröffnete die Scene mit den Argonauten,\nwelche mit einer drohenden Miene umherschritten, das\nberühmte goldene Vliess bei sich führend, welches sie\nauf der Tafel als ein Geschenk zurückliessen, nachdem sie\nein Ballet getanzt hatten, das ihre Bewunderung einer so\nschönen Prinzessin und des ihres Besitzes so würdigen\nPrinzen ausdrückte. Hierauf erschien Mercur, welchem\ndrei Quadrillen von Tänzern nachfolgten, und sang eine\nArt von Recitativ, worin die Erzählung seiner Begebenheit\nmit dem Apollo, damaligem Hirten des Königs Admet in\nThessalien, und der Klugheit enthalten war, mit welcher\ner diesem das schönste und fetteste Kalb von der ganzen\nHerde wegstahl, welches er den Neuvermählten zum Ge-\nschenke darbot. Nach dem Mercur erschien Diana, als\nJä gerin geschmückt und von ihren Nymphen begleitet,\nwelche unter dem Klange von Wald-Instrumenten auf einer\nvergoldeten und mit Laub bedeckten Tragbahre einen sehr"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "389", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631205-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3106, "texte": "schönen Hirsch trugen. Indem ihn die Göttin dem Braut-\npaare zum Geschenke anbot, sagte sie singend, dass dieser\nHirsch der in diese Gestalt verwandelte unvorsichtige\nAktäon sei, welcher sich aber in seinem Unglücke noch\nglücklich zu preisen habe, dass er, nachdem er aufgehört,\nzu leben, für würdig gehalten werde, einer so weisen und\nliebenswürdigen Braut dargeboten zu werden. Kaum hatte\nsich Diana entfernt, als das ganze Orchester still\nschwieg, um den süssen Tönen einer Lyra Raum zu\nmachen, welche unter den Fingern des Orpheus die\nHerzen der Zuhörer mit Bewunderung und Freude er-\nfüllte. „Ich beklagte\", sagte der thracische Sänger, indem\ner mitten in die Versammlung trat, „auf den Spitzen des\nAppennins den zu frühen Tod meiner Eurydice. Das Ge-\nrücht benachrichtigte mich von der glücklichen Vereinigung\nzweier Geliebten, die so würdig sind, für einander zu le-\nben, und mein Herz, das sich seiner vergangenen Freu-\nden erinnerte, hat bei dieser Gelegenheit zum ersten Male\nwieder ein Vergnügen gefühlt. Meine Gesänge haben sich\nverändert, wie mein Geist sich verändert hat. Ich habe\nFreude über alle Wesen ausgegossen. Eine Herde von\nVögeln hörte mir zu; ich konnte sie ohne den mindesten\nWidersland fangen, und ich biete sie der liebenswürdig-\nsten Prinzessin auf der Welt, seit Eurydice nicht mehr un-\nter den Lebenden ist, zum Geschenke dar.\" —Dieser Ge-\nsang wurde unversehens durch rauschende Töne unter-\nbrochen: Atalanta und Theseus erschienen auf der\nScene, von verschiedenen Jägertruppen begleitet, welche\nmit lebhaften und glänzenden Tänzen eine grosse Jagd vor-\nstellten, die mit der Erlegung des grossen caledonischen\nEbers endigte, welcher unter wiederholten Triumph-\nBalletten dem jungen Bräutigam ebenfalls zum Geschenke\ndargebracht wurde.\nDer zweite Theil des Festes enthielt ein Schauspiel,\nwelches nicht weniger sonderbar war. Von der einen Seite\nerschien Iris auf einem Wagen, von prächtigen und man-\nniglaltig gemalten Pfauen gezogen und von einem Chor\nmit leichtem, durchsichtigen Schleier bedeckter Nymphen\nbegleitet, welche silberne Becken trugen, die voll der er-\nwähnten Vögel waren. Von der anderen Seite sah man\nHebe, die Göttin der Jugend, die in.kostbaren Flaschen\nden Nektar brachte, welchen sieden Göttern des Olymps\neinschenkt; ein Chor von arkadischen Schäfern, mit\nallerlei Hülsenfrüchten beladen, nebst der Pomona\nund dem Vertumnus, welche die wohlschmeckendsten\nI' r üchte vertheilten, begleitete sie. Damit einer solchen\nPracht nichts fehle, öffnete sich endlich der Fussboden,\naus welchem der Schatten des Apicius hervorkam und\nsingend anzeigte, er sei aus der Unterwelt heraufgestiegen,\num die Speisen zu würzen und das Gastmahl zu verschö-\nnern; er wolle den Neuvermählten die von ihm erfundenen\nLeckerbissen zu kosten geben, wodurch er in den vergan-\ngenen Zeiten den Ruhm des feinsten und üppigsten Rö-\nmers erworben hohe. Die Geschenke endigten mit einem\ngrossen Tanze der See- und aller lombardischen\nFlussgötter, welche die ausgesuchtesten Fische tru-\ngen und bei der Darreichung derselben sinnreiche Tänze\nvon verschiedenen Charakteren ausführten."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-12-05-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-12-05_01#c004", "volume": "bmtnabi_1863-12-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "389", "page_fin": "390", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631205-01.2.4", "titre_corps": "Aus Wien.", "titre_sommaire": "Aus Wien.", "signature_source": "R", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "389", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631205-01.1.5", "debut_caractere": 3108, "fin_caractere_exclue": 5089, "texte": "Aus Wien.\n\nDen 25. N oyember 1863.\nUnsere Sing-Akademie, welche im abgelaufenen Ver-\neinsjahre durch das Ableben ihres Gründers und Chor-\nmeisters Herrn Ferdinand Stegmayer einen herben Ver-\nlust erlitt, eröffnete die heurige Saison unter ihrem neuen\nChormeister, Herrn Johannes Brahms, am 15. d. Mts.\nmit einem Concerte im grossen k. k. Redoutensaale. Der\nSaal war überfüllt, und waren fast alle Musikgrössen an-\nwesend, um dem ersten öffentlichen Auftreten des jungen\nDirigenten beizuwohnen, der als Tondichter sich eines\nsehr guten Rufes erlreut, desshalb aber von einer Seite\nhier als Dirigent mit den Blicken des Neides begrüsst\nwurde.\nDas Concert begann mit Bach's Cantate: „Ich hatte\nviel Bekümmerniss\", worin die Soli der Frau Wilt,dann\nden H erren Dalfy, k. k. Hof-Opernsänger, und Panzer,\nk. k. Hof-Capellsänger, zugetheilt waren. Frau Wilt\nund Herr Panzer waren, wie immer, vorzüglich und\nbewährten ihren Ruf als Oratoriensänger. Erstere trug\ndie Arie mit Oboe-Begleitung bewundernswürdig schön\nvor. Leider mussten wir bemerken, dass Herrn Panzer's\nStimme anlängt, vom Zahn der Zeit angegriffen und hin\nund wieder etw-as unsicher zu werden. Herr Dalfy war\nseiner Aufgabe nicht ganz gewachsen und vermochte nicht\nin dem einzigen Stücke, in dem der Tenor hervortreten\nkann, in der freilich sehr undankbaren Arie zu ge-\nnügen. Die Chöre waren meisterhaft und zeugten wieder\nvon dem Fleisse der Mitglieder, von der Begeisterung und\ndem Durchdrungensein für das Grosse der classischen\nMusik. Als zweite Nummer folgte Beethoven's „Opferge-\nsang\", in welchem das Sopran-Solo von Frau Ferrari-\nKuh mit ausgezeichnet schöner Stimme gesungen wurde.\nMehr können wir darüber nicht sagen. Dem folgten drei\nVolkslieder für gemischten Chor. Die Aufführung dieser\nüberaus reizenden Lieder war tadellos und erregte einen\nsolchen Beifallssturm, dass noch ein viertes vorgeführt\nwurde. Ein hier gefeierter alter Musiker sagte: „Ja, Chöre\nmuss man halt von unserer Sing-Akademie hören, wenn"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "390", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631205-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1017, "texte": "man sie schön hören will.\" —Am wenigsten befriedigte uns\ndie Aufführung von Schumann's „Requiem für Mignon\".\nHier schien die zarte, poetische Seite zu wenig berück-\nsichtigt, dagegen wurden die Effectstellen hervorgehoben.\nWir begrüssen Herrn Brahms mit grosser Freude an\nder Spitze eines so hervorragenden Instituts und können\nseinem ersten Auftreten in Wien als Dirigent nur volles\nLob angedeihen lassen. Er dirigirte mit Ruhe und grosser\nUmsicht. Diesem strebsamen jungen Componisten, dem\nein seltenes musicalisches Wissen zu Gebote steht, dürfte\nes vielleicht gelingen, den noch immer unvergesslichen Ni-\ncolai als Capellmeister einst zu ersetzen. Der Sing-Aka-\ndemie aber dürfen wir Glück wünschen, einen so treff-\nlichen Führer gefunden zu haben. Wer die Schwierig-\nkeiten kennt, mit welchen dieses Kunst-Institut hier zu\nkämpfen hat, um alle Intriguen und Cabalen zu besiegen,\nder muss den Muth und die Ausdauer bewundern, mit\nwelchen die Mitglieder ausharren in der Anstrebung des\ngesteckten edlen Zieles.\n\nR."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-12-05-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-12-05_01#c005", "volume": "bmtnabi_1863-12-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "390", "page_fin": "391", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631205-01.2.5", "titre_corps": "Drittes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller, Dinstag, den 1. December 1863.", "titre_sommaire": "Drittes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller, Dinstag, den 1. December 1863.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "390", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631205-01.1.6", "debut_caractere": 1019, "fin_caractere_exclue": 6119, "texte": "Drittes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller,\nDinstag, den 1. December 1863.\nDas dritte Concert war, wie gewöhnlich, der Aufführung eines\nOratoriums, das den ganzen Abend ausfüllte, geweiht; die Wahl fiel\nauf Hände Ts „Messias\", der hier lange nicht gehört war. Ihm\nwerden im Laufe des Winters noch ein anderes grosses Oratorium\nund zum Schlüsse J. S. Bach's „Matthäus-Passion\" folgen.\nDer „Messias\" wurde dieses Mal beinahe vollständig gegeben;\nes blieben im ersten Theile nur eine Arie und ein Chor (Nr. 6 und\n7), im zweiten Theile ein Recitativ, der Chor: „Lobsinget dem ewi-\ngen Sohn\", und die Alt-Arie: „Du fuhrst in die Höh1\" (Nr. 33—35),\nund im dritten Theile ein Recitativ, das Duett. zwischen Alt und\nTenor, der Chor: „Drum Dank Dir, Gott!\" und die Arie: „Ist Gott\nfür uns\" (Nr. 48—51) also mit Abzug der zwei kurzen Recita-\ntive nur acht Nummern von zweiundfünfzig weg. Und doch währte\ndas Concert von 6l/2 bis nach 10 Uhr.\nEine Verkürzung ist gerade bei diesem Werke Händel's, trotz-\ndem, dass es sein herrlichstes ist, nothwendiger, als bei anderen\nOratorien desselben Meisters, weil im „Messias\" das dramatische\nElement so gut wie gar nicht vorhanden ist und auch das epische\nnur in wenigen Stellen hervortritt; vorherrschend bleibt das lyri-\nsche, der Ausdruck der Empfindungen und Gefühle der christlichen\nMenschheit über die Erscheinung des Heilandes auf Erden, seinen\nOpfertod, die Ausbreitung des Evangeliums, die Erlösung und das\newige Leben. Es ist keine belebte oder wechselnde Handlung da,\nnur ein unendlicher Reichthum von Andacht, Glauben, Trost und\nHoffnung.\nIn diesem Charakter des Werkes liegt der Grund, wesshalb bei\naller Vortrefflichkeit der Composition dennoch eine gewisse Eintö-\nnigkeit ihre abspannende Kraft übt. Das menschliche Gemüth hält\neine zu lange andauernde Spannung seiner höchsten und erhaben-\nsten Gefühle nach einer und derselben Richtung hin, namentlich\ndurch die Aufregung der Musik und ihre nicht zu läugnende Wir-\nkung auf die Nerven, nicht aus. Händers „Messias\" steht wie ein\nDom von tönendem Erz seit länger als einem Jahrhundert da, und\ner wird unter den Stürmen der Zeit nie verwittern. Aber verweile\neinmal tagelang in den gothischen Hallen des erhabensten Bau-\nstils, und du wirst dich nach blauem Himmel und Waldesgrün\nsehnen.\nDie Ausführung am Dinstag war eine jedenfalls würdige, wenn-\ngleich sie nicht durchweg den Stempel der Vollendung trug. Wie\nwäre aber auch die Vollendung zu erreichen, welche dem Ideale\nentspräche, das sich der Verstand nach dem über alle Vocalwerke\nder Tonkunst emporragenden wunderbaren Werthe der Composition\nbildet? Wenn im zweiten Concerte der Chor wenig beschäftigt\nwar, so bot er uns im dritten reichlichen Ersatz. Zwar in den zwei\nersten Nummern, ja, auch noch in dem herrlichen: „Denn es ist\nuns ein Kind gebogen\" (dessen Tempo wir etwas lebhafter gewünscht\nhätten, weil die freudige Erhebung, die sich in der Coloratur aus-\ndrückt, gewisser Maassen durch das langsamere Tempo gehemmt\nwird, während ein bewegteres den rhythmisch kräftigen Stellen doch\nkeinen Abbruch thut), also in seinen drei ersten Nummern hat der\nChor noch etwas gezögert, die gehörige Kraft und Präcision zu ent-\nfalten allein mit dem „Ehre sei Gott in der Höhe!\" begann er\nsich auf die Stufe zu erheben, die zu begeistertem, wir möchten\nsagen: plastischem Hinstellen der grossen Tongebilde führt, und\nauf dieser Höhe hat er sich dann in sämmtlichen Nummern des\nzweiten Theiles -gehalten, namentlich in dem Chor: „Wahrlich, Er\ntrug unsre Qual!\" und der darauf folgenden Fuge: „Durch Seine\nWunden sind wir geheilet\", in dem: „Hoch thut euch auf\", und in\ndem Preisgesange des „Halleluja\". Auch der Schlusschor des Wer-\nkes wurde vom Largo an bis zu dem Ende des fugirten „Amen\"\nmit einer breiten Tonfülle, Kraft und Frische gesungen, als gelte\nes, wieder von vorn anzufangen.\nGar sehr wurde der Eindruck der Chöre durch die Mitwirkung\nder Orgel erhöht, für welche F. Hiller eine besondere Stimme im\nGeiste HändeVs geschrieben, deren Ausführung F. Weber über-\nnommen hatte. Auch bei mehreren Recitativen und Sologesängen\nwaren sanfte Orgelstimmen auf sinnige Weise mit der Melodie\nverwebt.\nDas Solo-Quartett war durch Frau Rudersdorf aus London,\nFräulein Schreck aus Bonn, Herrn Göbbels aus Aachen und\nHerrn Hill aus Frankfurt am Main besetzt.\nFrau Rudersdorf hat dem grossen Rufe, dessen sie namentlich\nals Oratorien-Sängerin seit Jahren in England geniesst, durch ihre\nLeistungen im „Messias\" vollkommen entsprochen. Ihre helle und\nstarke Sopranstimme hat gegen früher sogar noch an Tonfülle und\nRundung gewonnen, und die Behandlung derselben zeigt in techni-\nscher Hinsicht eine bis zur Meisterschaft gesteigerte künstlerische\nBildung, vermöge deren das Organ sich nirgends widerspänstig zeigt\nund der verschiedenartigsten Tonfärbungen fähig wird. Die Reinheit\nder Intonation, die Deutlichkeit und Glätte der Coloratur. die Cor-\nrectheit des Trillers und der Mordente und Vorschläge, gegen welche\nwir auch bei Händel, wenn sie so ausgeführt werden, nichts zu"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "391", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631205-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3265, "texte": "erinnern haben, sind Eigenschaften und Zierden ihres Gesanges, die\nüber allen Tadel erhaben sind. Die Krone ihrer Vorträge waren die\nEecitative und Arioso's der Passion: „Die Schmach bricht ihm sein\nHerz\", bis zu: „Doch du liessest ihn im Grabe nicht\", und im letz-\nten Theile die Arie: „Ich weiss, dass mein Erlöser lebt\". Je höher\naber eine so ausgezeichnete Künstlerin steht, desto leichter tritt ihr\ndie Verführung nahe, von der Ausdrucksfähigkeit ihrer Stimme und\nder technischen Beherrschung derselben zuweilen einen Gebrauch\nzu machen, der an eine Art von Virtuosität im Vortrage streift,\nwelcher dem Geiste der Händel'schen Musik nicht angemessen ist,\nwenigstens in Deutschland nicht gutgeheissen wird. Es sind dies\nnamentlich die scharfen Contraste zwischen dem Pianissimo und\ndem Forte, zumal wenn sie auch da angewandt werden, wo sie\ndurch nichts motivirt sind, weder durch den Text, noch durch die\nmusicalische Phrase. Dahin gehören z. B. die schroffen Gegensätze\nzwischen: „Und der Engel sprach\", und: „Fürchtet euch nicht!\"\nzwischen „Der Heiland\" und „Der Gesalbte\", zwischen „Wer ken-\nnet\" und „solche Qualen\". Wir gehören wahrlich nicht zu denen,\nwelche jene langweilige Eintönigkeit des oratorischen Vortrages\npreisen, die man wohl zuweilen in Deutschland hört: aber est mo-\ndus in rebus, es gibt ein Maass in allen Dingen, sagt schon der\nalte Kritiker Horaz, und eine Mannigfaltigkeit des Ausdrucks, welche\ndurch jene Contrastir-Manier der neuesten Schule der Italiäner\nerzielt wird vor ihrer alten Schule unseren tiefsten Eespect! —,\nwerden wir nie schön finden, wenn auch ganz England sie bewun-\nderte. Auch haben wir Derartiges nie bei den grossen Sängerinnen\nder Sopran-Partie des „Messias\", bei Jenny Lind, bei Clara Novello\ngehört: warum wollte Frau Rudersdorf nicht auch hierin ihnen\ngleichen ?\nFräulein Schreck dürfte im Vortrage der Alt-Partie, besonders\nder Arie in Es-dur: „Er ward verschmähet\", nicht leicht von einer\nanderen Sängerin übertroffen werden. Ihre Stimme hat gerade in\nden Mitteltönen den egalen, vollen Klang, der zu den Händel'schen\nAlt-Solo's erfordert wird, und ihr durchweg edler Ausdruck, der bei\nseiner Einfachheit keineswegs der Wärme entbehrt, hat etwas Un-\ngemein Anziehendes und Wohlthuendes. Herr Göbbels hatte die\nTenor-Partie, da Herrn Borchers vom Hoftheater zu Wiesbaden der\nUrlaub versagt wurde, erst ein paar Tage vor der Aufführung über-\nnommen ; er sang das Recitativ und die erste Arie recht gut; dem\nheroischen Charakter der Arie in A-moll: „Du zerschlägst sie\",\nkonnten freilich weder seine Stimmmittel, die mehr zu lyrischem\nAusdrucke geeignet sind, noch seine technische Ausbildung genügen.\nDie Bass-Solo's sang Herr Hill aus Frankfurt, dessen immer mehr\nsich vervollkommnende Leistungen wir schon öfter in diesen Blättern\nbesprochen haben. Am Dinstag war sein Vortrag aller Recitative,\nwie der Arien: „Das Volk, das im Dunkeln\", und: „Sie schallt, die\nPosaune\", ganz vortrefflich, wie alles, wobei es auf vollen, schönen\nTon, richtige Declamation und Ausdruck ankommt. Die Händel'sche\nColoratur, wie sie z. B. auch in der Arie: „Was toben die Heiden\",\nerscheint, auf vollendete Weise wiederzugeben, ist freilich eine Auf-\ngabe, die fast von allen Bassisten nur durch Annäherung gelöst\nwerden kann."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-12-05-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-12-05_01#c006", "volume": "bmtnabi_1863-12-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "391", "page_fin": "392", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631205-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "391", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631205-01.1.7", "debut_caractere": 3267, "fin_caractere_exclue": 6867, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nCleve« Der hiesige allgemeine Musikverein hat unter der ge-\nschickten Leitung des Herrn Musik-Directors Fiedler das erste\nYV intei-Abonnements-Goncert am 24. November gegeben. Es wurden\naufgeführt. Beethoven s Sinfonie Nr. IL in D-dur, aus Marsch-\nner s „ Templer und Jüdinu die Ouvertüre, Scene und Duett mit\nChor und die Introduction zum dritten Act, und zum Schlüsse\nBeethoven1 s Ouvertüre in C, Op. 124. Das Orchester hat durch\nZuziehung des Musikcorps des jetzt hier garnisonirenden Jäger-Ba-\ntaillons gewonnen.\nHeimat*. Am 11. November, dem Schiller-Tage, erschien\nauf der hiesigen Bühne zum ersten Male in vollständiger und zu-\nsammenhängender Darstellung der ganze Wall enstein: Das\nLagei Voimittags von 1 ] bis 12 Uhr, die Piccolomini von 2 bis\nhalb 5 Uhr Nachmittags, Wallenstein's Tod von G bis halb 10 Uhr\nAbends ein voller Tag, wie in den olympischen oder in den\noberammergauer Spielen, der Dicht- und Schauspielkunst gewidmet!\nDas Haus wai so gefüllt, dass das Orchester geräumt werden musste,\nder Grossherzog vom Anfange bis zum Ende der Darstellung, die\nFrau Grossherzogin am Abende anwesend; aus der Nachbarschaft,\nnamentlich aus Jena und Erlurt, zahlreicher Zuzug, so dass die\nStadt selbst festlich bewegt und erregt erschien. Der Erfolg war ein\nüberaus glänzender: gewaltig traten die kolossalen Dimensionen des\ngrössten unserer Dramen, die wunderbare Architektur des Stückes\nhervor, gleichsam als würde dasselbe zum ersten Male überhaupt\ngegeben. Einer der hiesigen Künstler verglich den Eindruck mit\ndem eines Altaibildes, das, bisher immer nur in einem oder dem\nanderen Flügel gesehen, nun in seiner ganzen dreitheiligen Compo-\nsition dastünde, und so erst zu rechtem Verständnisse, zu voller\nWirkung gelangte. Die hingebende Begeisterung aller Mitwirkenden\nverdient die höchste Anerkennung, ihre Leistungen hohes Lob. Der\nTag wird in der Geschichte der weimarischen Bühne mit Ehren ge-\nnannt werden und im Gedächtnisse bleiben, wie er sich denn un-\nstreitig auch auf dem gesammten deutschen Theater wiederholen\nwird. (?)\nLeipzig. Der Componist der Oper „Der Abt von St. Gallen\",\nF. Herther (Dr. Hermahn Günther), hat, wie die „Deutsche Bühne\"\nberichtet, die Aenderung getroffen, dass Bühnen, welche aus beson-\nderer Rücksicht den Titel: „Der Abt von St. Gallen\", nicht be-\nnutzen dürfen, dafür den Titel „Die drei Räthsel\" nehmen können.\nAuch ist die Handlung nach England verlegt worden.\n(Briefe von Beethoven.) Die Allg. Musical. Zeitung\nin Leipzig veröffentlicht einige bisher ungedruckte Briefe von Beet-\nhoven, welche der Eedaction von Herrn G. Nottebohm in Wien\nmitgetheilt worden sind. Der erste (in Nr. 40), an die Firma Peters\nin Leipzig, fand sich mit Beethoven's Unterschrift auch in Peters'\nBureau de Musique vor und ist nach diesem Exemplare abgedruckt.\nDer Brief ist vom 5. Juni 1822 aus WTien, also aus dem letzten\nQuinquennium des Meisters, und der Inhalt dreht sich nur um Ge-\nschäftssachen, indem Beethoven dem leipziger Verleger eine Menge\nvon Compositionen anbietet, an 16 bis 20, darunter die grosse Messe\nzu 1000 Fl., die Variationen über einen Walzer („es sind viele\"\nschreibt er) zu 30 Ducaten, einen Marsch für grosses Orchester\nzum Trauerspiel Tarpeja (?) u. s. w. u. s. w. und eine Gesammt-\nAusgabe seiner Werke, bei welcher er zu jeder Gattung ein neues\nWerk zu liefern verspricht, in ll/2 bis 2 Jahren zu vollenden, für\n10,000 Fl. Man sieht, der Brief fällt in die Periode der Specula-\ntionen, die Beethoven oft ganz für sich allein, ohne Wissen seiner\nnächsten Umgebungen machte. Er sagt freilich am Schlüsse: „Kein"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "392", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631205-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4852, "texte": "Handelsmann bin ich, und ich wünschte eher, es wäre in diesem\nStücke anders, jedoch ist (es) die Concurrenz, welche mich, da es ein-\nmal nicht anders sein kann, hierin leitet und bestimmt. Ich bitte\nSie um Verschwiegenheit\" u. s. w.\nEin zweiter Brief in Nr. 43 aus Baden vom 16. September\n1821 an Tobias Haslinger in Wien ist rein humoristisch und ent-\nhält einen ungedruckten dreistimmigen Canon auf: „0 Tobias Do-\nminus Haslinger o! o!\"\nAn Marschner's Geburtshause in Zittau ist seit dem 19.\nOctober eine Marmortafel mit der Inschrift angebracht: „In diesem\nHause wurde Dr. Heinrich Marschner am 16. August 1795 geboren.\"\nKersch' „Lorelei\" wurde bereits parodirt und wird unter dem\nTitel „Lore Lips\" an Meysel's Theater in Berlin zur Aufführung\nvorbereitet.\nMimelieii. Die Operette „Der Vetter auf Besuch\" von\nKrempelsetzer, welche im hiesigen Hoftheater zum ersten Male\ngegeben wurde, ist mit Beifall aufgenommen worden, der nament-\nlich den mit Geschick eingeflochtenen Volksliedern galt. Der Com-\nponist, ein Schüler Franz Lachner's, zeigt Talent im Fache des\npopulären Liederspiels. Der frischen Musik hält freilich das Unin-\nteressante des Textes nicht das Gleichgewicht. Ein Müller geht ins\nWirthshaus und lässt sein junges Weib und ein schönes Bäschen\nzu Hause, zu denen ein junger Vetter, Gerichtsferien haltend, auf\nBesuch ankommt. Der heimgekehrte Müller vermuthet statt des\nBräutigams des Bäschens einen Verehrer seiner Frau. Mit einem\nKnüttel schlägt der Erzürnte auf das Bett des Vetters, aus dem die-\nser so eben entflohen, und trifft einen Milchhafen. Als Mörder\nzerknirscht am Boden liegend, wird der Müller durch seine Nach-\nbarn aus dem Wahn gebracht, die den durchs Fenster entsprunge-\nnen Vetter für einen Dieb halten und ihn in die Mühle einliefern.\nDer Custos der musicalischen Abtheilung der königlichen Bi-\nbliothek in München, Dr. Julius Jos. Mai er, einer der vor-\nzüglichsten Kenner der älteren Musik, hat von Alessandro Scarlatti\nzwei werthvolle Partitur-Manuscripte in der königlichen Bibliothek\nzu Berlin und in der kaiserlichen Bibliothek zu Paris gefunden,\nnämlich die Oper „Za Griselda\", Text von Apostolo Zeno, welche\nim Januar 1721 im Teatro Capranica in Rom zuerst gegeben wor-\nden ist, und die komische Oper yLaodicea e Bereniceu vom Jahre\n1701, welche beide oftmalige Aufführungen erlebt haben. Aus der\n„Griselda\" hat der gelehrte Forscher ein musicalisch sehr interes-\nsantes Terzett und Quartett für weibliche Stimmen und aus der\nyLaodicea e Bereniceu eine komische Scene für Sopran und Bass\nausgezogen, die Begleitung des Pianoforte an Stelle der Original-\nInstrumentation gesetzt und durch Herrn A. v. Wolzogen einen\ndeutschen Text dem italiänischen unterlegen lassen. In dem der\n„ Griselda\" zu Grunde liegenden Textbuche finden sich an Stelle des\nTerzetts und Quartetts Arien, mithin sind die beiden Ensemblestücke\nselbständige Einlagen Scarlatti's. Beide Werke werden bei Schle-\nsinger in Berlin im Stich erscheinen.\nMueik-Director Lampert, der musicalische Freund und ver-\ntraute Mitarbeiter des Herzogs von Coburg in musicalischen Dingen,\nhat zum „Oberon\" von Weber Recitative componirt, die den Dialog\nersetzen. Die Oper ist in dieser Gestalt in Coburg aufgeführt worden.\nDas Hofburgtheater in Wien hat im Laufe des Jahres 6000\nFl. an Tantiemen, darunter 1500 Fl. an Frau Birch-Pfeiffer bezahlt.\nWien« Für Mitte December ist die Aufführung von Offen -\nb ach's „Rheinnixe\" angesetzt. Die Proben schreiten rascher als\nsonst vorwärts.\nIn der General-Versammlung der Künstler-Gesellschaft „Aurora\"\nzu Wien wurde zum Vorstande gewählt Herr Brahms, zu dessen\nStellvertreter Herr Raveaux, zum Cassirer Herr Frisch und zu\nMitgliedern des Ausschusses die Herren Dr. Foglar und Dr. Vog-\nler. Die Gesellschafts-Abende, an denen fremde, nach Wien kom-\nmende Künstler als gern gesehene Gäste Theil nehmen können, be-\nginnen am 3. December und finden alle Donnerstage Abends im\nSaale zum Weissen Ross (Hotel Novak) Statt.\nEduard Remenyi ist von seiner Rundreise bereits in Pesth\neingetroffen. Aus den Einkünften der von ihm veranstalteten Con-\ncerte hat derselbe über 2000 Fl. den Nothleidenden des Landes\nzugewandt.\nliOlltloil. Dem bekannten Pianisten und Componisten Adolf\nSchlösser wurde die Auszeichnung zu Theil, von Sr. Maj. dem\nKönige von Portugal zum Ritter des Ordens Jesus Christus ernannt\nzu werden, und war der Orden von einem eigenhändigen Schreiben\ndes Königs begleitet. Herr Schlösser empfing diese Auszeichnung\nin Folge eines neuen Trio's für Piano, Violine und Violoncell, das\ner eigens für den König componirt und ihm gewidmet hat.\n/\nHändel ist in Bristol ein Act monumentaler Anerkennung\nzu Theil geworden, der einzig in seiner Art dastehen dürfte. In der\nKirche der heiligen Maria wurde ihm ein Fenster gewidmet, über\nwelchem eine Gruppe in Stein gemeisselter Engel, welche singen,\nangebracht ist."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "385", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631205-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nAus Berlin (Die Oper „La Reole\" von G. Schmidt. Schluss). Die Hof-Festlichkeiten im XIV. und XV. Jahrhun-\ndert. Aus Wien (Concert der Sing-Akademie). Von R. Drittes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Un-\nterhaltungsblatt (Cleve, erstes Abonnements-Concert Weimar, Schiller-Tag Leipzig, „Der Abt von St. Gallen\" Briefe von\nBeethoven Gedenktafel für Marschner München, „Der Vetter auf Besuch\" Alte Manuscripte Wien, „Rheinnixe\" u. s. w.).\n\nAus Berlin.\n[Die Oper „La Reole\" von Gr. Schmidt.]\n(Schluss. S. Nr. 48.)\nNirgends kann aber der gesprochene Dialog notwen-\ndiger sein, als in der Oper „La Reole\", denn ohne den-\nselben würde man die Handlung gar nicht verstehen, da\nman mit ihm es kaum dahin bringt, einiger Maassen\ndaraus klug zu werden. Dem Vernehmen nach sind „für\ndiejenigen Bühnen, denen die Oper mit Recitativen er-\nwünschter wäre\", diese durch die Verlagshandlung von\nBote & Bock zu beziehen. Nun, wenn wirklich Herr\nSchmidt sich der recitativischen Composition des Dialogs\nunterzogen hat, so hat er zweifelsohne seine Mühe verlo-\nren, denn keine Bühne wird sich jemals entschliessen, die\nunendliche Reihe von Recitativen auf meist trivialen, ganz\nunmusicalischen Text aufzunehmen; das hiesse die Oper\nunwiderruflich zu Grabe tragen. Wer daran zweifelt, der\nhöre nur die jetzt neben dem Dialog vorhandenen Reci-\ntative, die fast ohne Ausnahme lahm und trocken klingen.\nEs ist aber auch ein verfehltes Verfahren, nach gespro-\nchenem Dialoge ein Musikstück mit Recitativ beginnen zu\nlassen, wie es hier zuweilen der Fall ist. Das liesse sich\nhöchstens dann rechtfertigen, wenn der Dialog sich plötz-\nlich zu edlerem Schwung erhöbe, etwa so wie Shakespeare\nVerse auf Prosa eintreten lässt. Allein dem ist hier nicht\nalso.\nDen Inhalt des Buches kurz wiederzugeben, ist fast\nunmöglich; begnügen Sie Sich damit, zu erfahren, dass\nes nicht nur ein Intriguenstück, sondern noch dazu ein\npolitisches Intriguenstück ist, das zum historischen Hinter-\ngrunde nichts Geringeres hat, als den Kampf der Huge-\nnotten und Katholiken (!) und die Ränke der Catharina\nvon Medicis gegen ihren Schwiegersohn, König Heinrich\nvon Navarra, welche sich beide hier in nicht sehr feinen\nRedensarten über ihre gegenseitige Liebenswürdigkeit aus-\ndrücken. Catharina hat einen Waffenstillstand mit Hein-\nrich auf neutralem Gebiete in Navarra geschlossen, bringt\ndie Festung La Reole, den Hauptplatz der Protestanten\nin dortiger Gegend, durch Verrath an sich und gedenkt\ndurch eine junge Dame den „wilden Bären oder Bearner\",\nwas bei ihr gleichbedeutend ist, nach La Reole zu locken,\nihn dort zu fangen und „an der Kette tanzen zu lassen\".\nDiese junge Dame aber, Armande (die Hauptrolle), welche\nam Hofe der Catharina als Page verkleidet erscheint und\nvon dieser scharfsinnigen Politikerin auch fortwährend für\neinen Jüngling gehalten wird, der in ihre Tochter Mar-\ngaretha (Heinrich's Gemahlin) verliebt ist, diese Armande\nliebt den König Heinrich, wird aber ihrerseits höchst rit-\nterlich und sentimental vom Ritter Rosnv, Heinrich's\nFreund dem nachherigen Sülly! geliebt, während\nHeinrich seine Gattin laufen lässt und Armanden nachstellt.\nArmande erfährt durch Catharinaus blindes Vertrauen auf\nsie, den Pagen, den Anschlag auf La Reole und theilt ihn\ndem Könige mit. Rosny hat in einer Rotunde, wo ein drei-\nfaches Stelldichein durch allerlei Verwicklungen Statt fin-\ndet, ebenfalls den Plan erlauscht, hat bewaffnete Macht\ngesammelt, den Verräther von La Reole bereits gefangen\ngenommen und erscheint zur Rettung Heinrich's. Beide\nhaben schon längst Armande in ihrer Verkleidung erkannt\nund bewegen sie nun, die Verstellung gegen Catharina\nfortzusetzen und diese in der Nacht, statt nach La\nnach Fleurance, einer Festung der Partei der Guisen und\nCatharina's, zu führen. Denn Catharina kennt das Land\nnicht und hat an ihrem ganzen Hofe Keinen, der ihr den\nrechten Weg zeigen kann!\nEhe dies Statt findet, stürmt Heinrich, der dann end-\nlich einmal in einer heroischen Arie ein sichtbares Zeichen\nseines Charakters als Held gibt, die Veste Fleurance, Ar-\nmande führt die Königin dorthin, anstatt nach La Reole,\nihre Täuschung wird durch Ritter, die sich in ihre Farben\ngekleidet haben, vermehrt, bis endlich Heinrich hervor-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "386", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631205-01.1.2", "texte": "tritt, seiner königlichen Schwiegermutter die Augen öffnet\nund sie zur Unterzeichnung eines Friedens-Tractates zwingt.\nNebenbei versöhnt er sich mit seiner Gattin, da ihm Ar-\nmande entschieden den Korb gegeben, und Armande reicht\nihre Hand dem treuen Ritter Hosny.\nSind Sie nun im Klaren, oder meinen Sie, die Ge-\nschichte sei Ihnen noch nicht ganz dunkel? Warten Sie\nnur, bis Sie auch noch die Intriguen zweier Hofdamen\nder Königin auf der Buhne schauen, deren eine durch ver-\nstellte Buhlerei den Neffen des Gouverneurs von La Reole\ndahin bringt, seinem braven Onkel einen Schlaftrunk ein-\nzugeben und ihm den Schlüssel der Festung zu stehlen,\nbis sie endlich diesen Neffen als Gecken und komische\nFigur (!) zu sehen bekommen dann wird's Ihnen sicher\nvor den Augen flimmern, und Sie werden nicht einmal in\nden charakteristischen Zug der Catharina von Medieis ein-\nstimmen können, die da zuletzt singt:\n„Dass Frankreich nicht von Spott erschalle,\nMuss lachen ich zum bösen Spiel.\" (!)\nWas sollte nun ein deutscher Componist mit diesem\ndurch und durch französisch gedachten, aber nicht mit der\nfranzösischen Feinheit und Klarheit der älteren Schule\nausgeführten Texte machen? Was für einen Stil sollte er\naul den vorherrschenden Conversationston mit den pikan-\nten und frivolen Pointen anwenden? Wo fand er drama-\ntische Situationen, welche zu musicalischer Wirkung, wo\niand er Ruhepunkte, welche zum Ausdruck inniger Ge-\nfühle Veranlassung boten? Höchstens einen oder zwei,\ndie einer Romanze mit Noth Platz gaben, nirgends aber\nsolche, die zu breiten lyrischen Ergüssen willkommene\nGelegenheit geboten hätten. Ein gesunder, derber Humor,\nwie wir ihn wohl noch zuweilen bei Lortzing finden, der\nmit den vorgelührten Charakteren in Verwandtschaft steht\nund aus deutscher Art und Weise entspringt und zu dem\nwir in den früheren Opern Schmidt's wohl Anlage ge-\nfunden haben, musste hier geradezu verpönt werden. So\nblieb dem lonsetzer nichts übrig, als sich in den conven-\ntionellen musicaliscben Phrasen- und Conversations-Stil\nder französischen Spieloper zu werfen; dies that er, nahm\naber leider nicht die classischen Autoren dieser Gattung\nzu Mustern, nicht einmal den immer noch feinen und\ngeistreichen, niemals platten Auber, sondern die neueren\nund neuesten Lieferanten, deren Reihe mit Adam und Ge-\nnossen beginnt.\nFreilich strebt Schmidt in den wenigen ernsten Situa-\ntionen Besseres und Edleres an; aber um zu vollständiger\nWirkung zu gelangen, fehlt dann bei aller anzuerkennen-\nden, lobenswerthen Beherrschung der Mittel der eigent-\nlich erwärmende Funke, die höhere poetische Eingebung,\ndie sichere Zeichnung der Charaktere und jenes sympa-\nthische Colorit, das in Verbindung mit ihr das Gemüth\nergreift und zum Mitgefühl mächtig anregt. Gewandtheit\nin Behandlung der Formen und musicalische Einsicht kann\ndiese Mängel nicht ersetzen. Wenn einige strenge Kritiker\ndem Componisten auch selbst diese Eigenschaften weniger\nals Talent, sondern nur als Routine anrechnen wollen, so\ngehen sie zu weit. Schmidt hat ohne Zweifel Talent und\nhat auch was gelernt, wie man zu sagen pflegt, und es\nist erfreulich, dass er nicht davon Gebrauch macht, um\nzu verblüffen und Effect zu machen. Wir wünschen ihm\nein Textbuch, welches ihn besser unterstützen möge, als\ndas unverständliche Gewirr uninteressanter Intriguen, das\nihm Frau Birch-Pfeiffer unterbreitet hat. Bis jetzt zeigt\nsich bei ihm das Talent freilich hauptsächlich nur in der\nAbrundung der Form, in der lobenswertheri Vermeidung\nalles Uebertriebenen, im richtigen Gefühle für den Aus-\ndruck, der zu der betreffenden Situation im Allgemeinen\npasst, wenn auch die Ausführung im Einzelnen nicht im-\nmer der guten Anlage des Ganzen entspricht, im Maass-\nhalten und in der Behandlung von grösseren Ensemble-\nstücken. Dass ihm aber ein geistreicher oder auch nur\neleganter Salonstil gelinge, dazu fehlt es seinen Melodieen\nan Leichtigkeit und Fluss, und in dieser Beziehung ver-\nflacht sich sein Talent allerdings oft zu Routine und mu-\nsicalischer Phrase, zumal, da man auch oft schöne Instru-\nmentirung vermisst. Dass es bei solchen Arbeiten heut-\nzutage nicht ohne mehr oder weniger bemerkbare Remi-\nniscenzen abgeht, brauchen wir nicht erst zu erwähnen.\nDie Ouvertüre erweckt kein günstiges Vorurtheil für\nden Componisten; sie ist in der Potpourri-Weise der Fran-\nzosen aus mehreren Motiven der Oper lose zusammenge-\nfügt. Im ersten Acte ist in der Introduction (Catharina\nund die Damen des Hofes) die Romanze der Margaretha:\n„Die Nachtigall sprach\", auszuzeichnen, deren Kehrvers\nder Frauenchor wiederholt; ferner das Ensemblestück in\nE-dur, welches jedoch an Nicolai's „Lustige Weiber\" er-\ninnert.— Der zweite Act dürfte unstreitig der beste, jeden-\nfalls der wirksamste sein. Die sentimentale Romanze des\nRitters Rosny (Bariton), in welcher er seine Liebe zu Ar-\nmande in Erinnerung an ihre beiderseitige Kindheit aus-\nspricht, ist, was man dankbar nennt, und wird überall des\nErfolges bei dem grossen Publicum sicher sein. Vor die-\nsem Tribunale wird auch das folgende Duett zwischen\nArmande (Sopran) und Heinrich (Tenor) durch effectvolle\nMomente gut bestehen, obwohl es den tiefer schauenden\nBlick des Kenners nicht aushält Das Finale ist, abgesehen\nvon einigen Recitativen, die nicht eben geschickt gemacht\nsind, der musicalische Höhepunkt der Oper; es schliesst\nnach Heinrich's heroischem Aufschwünge mit einem kräf-\ntigen Chor: „Heil'ge Freiheit, freier Glaube\", der seine"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "387", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631205-01.1.3", "texte": "Wirkung nicht verfehlen kann. Der dritte Act ist in der\nMusik der schwächste: ein Soldatenlied und ein Duett zwi-\nschen Sopran und Bariton (Armande und Bosny) gehen\nnoch eben mit: der letzten Scene aber, in welcher die Kö-\nnigin Catharina gar zu lange gehänselt wird, dürfte auch\nein grosses Genie musicalisches Interesse zu verleihen nicht\nim Stande sein.\nDie hiesige Aufführung im königlichen Opernhause\nwar in Bezug auf Ausstattung und Inscenesetzur.g ganz\nvorzüglich; nicht so befriedigte Gesang und Spiel der darin\nbeschäftigten Künstler. Die Besetzung war folgende: Ca-\ntharina von Medicis—Frau Jachmann; Heinrich von Na-\nvarra Herr Woworsky; Margaretha Fräulein Gericke;\nde Bosny Herr Salomon ; Armande Fräulein deAhna;\nFranQoise— Fräulein Santer; Ussac (der Neffe des Gou-\nverneurs)— Herr Koser u. s. w. Ganz an ihrer Stelle war\neigentlich nur Frau Jachmann-Wagner, welche von der\nIntendantur um Uebernahme der Rolle der Catharina er-\nsucht worden war, weil die königliche Oper keine Sän-\ngerin für Mütter und Anstandsdamen hat! Frau Jachmann\nhatte mehr zu repräsentiren und zu spielen, als zu singen;\naber ihre Stimme ist noch klangvoll genug, um auch einer\ngrösseren Gesang-Partie zu genügen.\nDie Aufnahme der Oper bei dem berliner Publicum\nwar eine sehr laue. In Kassel soll sich der Beifall bei der\nzweiten und dritten Vorstellung dem Vernehmen nach be-\ndeutend gesteigert haben. Ob dies hier auch der Fall sein\nwird, kann ich noch nicht wissen, da der Tenorist Wo-\nworsky bald nach der ersten Vorstellung erkrankte und\ndie zweite bis zu meiner Abreise von Berlin nicht Statt\ngefunden hatte.\n\nDie Hof-Festlichkeiten im XIV. und XV. Jahrhundert.\nWenn die Musik in der Spectakel-Oper und dem\nBallet in unseren Tagen nach und nach immer weniger\ndie Hauptsache wird und fast nur zur Begleitung der\nWunderwerke von Decoration und Maschinerie dienen\nmuss, so scheint sie in einem Kreisläufe nach rückwärts\nbegriffen, denn es haben schon vor Jahrhunderten theatra-\nlische Vorstellungen Statt gefunden, bei denen Festzüge\nmit allerlei Hokuspokus und Decorations- und Maschinen-\nwerk den heutigen Meistern der Scene noch etwas zu ra-\nthen aufgeben könnten.\nAls Curiosum der Art berichtet uns Reichard's Thea-\nter-Kalender von 1761, dass bei einem Feste der Ver-\nmählung des Herzogs Karl von Burgund mit Margaretha\nvon York, Schwester des Königs von England, im Jahre\n1468 ein Wallfisch in den Saal kam, der sechszig Fuss\nin der Länge und eine verhältnissmässige Höhe hatte. Er\nwurde von zwei Biesen unter dem Schalle der Trompeten\nherbeigeführt. Nachdem er verschiedene Wendungen in\ndem Saale und alle die Bewegungen, die einem Wallfische\neigen sind, gemacht hatte, blieb er vor dem Herzoge von\nBurgund stehen, riss seinen weiten Bachen auf, und zwei\nSirenen sprangen heraus, die einen Gesang anstimmten.\nNun stiegen noch zwölf Bitter hervor. In dem Bauche des\nWallfisches wurde die Trommel geschlagen, und die Sire-\nnen und Bitler tanzten danach. Endlich rauften sich die\nRitter unter einander, und Alles begab sich wieder auf\ndie Stimme der Riesen in diesen ausserordentlichen Fisch\nhinein, der auf eben die Art, wie er gekommen war, zu-\nrückgebracht wurde.\nAus den Memoiren von Olivier de la Marche wird\neben da angeführt:\n„Adolf von Cleve gab ein glänzendes Fest mit fol-\ngenden Schauspielen. In einem unermesslichen Saale\nwaren grosse Tafein oder vielmehr geräumige Bühnen\naufgestellt. Auf der einen stand ein Schiff mit ausgespann-\nten Segeln, worin sich ein Bitter befand, der vom Kopfe\nbis zu den Füssen gewaffnet war; vor ihm sah man einen\nSchwan von Silber mit einem goldenen Halsbande, woran\neine lange Kette befestigt war. Es schien, als zöge er das\nSchiff. Nicht weit davon erhob sich ein Schloss, welches\nvon einem Flusse umgeben war, auf dem ein Falke\nschwamm. Alle diese verschiedenen Gegenstände hatten\nauf ein Stück der älteren Geschichte des Hauses Cleve Be-\nziehung. Man erzählt, dass ehemals ein Schwan, der über\nden Bhein geschwommen kam, auf eine wunderbare Art\neinen berühmten Bitter an das Schloss Cleve gebracht.\nEr heirathete nachher die Prinzessin des Landes und wurde\nder Stammvater dieses Hauses. (Lohengrin.)\n„Bei dem Feste, das Philipp der Gute, Herzog von\nBurgund, 1453 gab, wurden die Anwesenden durch\nprächtige Zwischenspiele unterhalten. Auf der einen Tafel\nsah man eine Kirche, die mit Sängern angefüllt war, und\nein Glockenspiel stimmte in ihren Gesang. Auf der anderen\nschüttete ein nacktes Kind von der Spitze eines Felsens\nRosenwasser herunter. Auf der dritten war ein Schiff mit\nallem Zubehör, voller Waaren und Seeleute.\n„Die vierte zeigte eine grosse und prächtige Fontaine\nmit Zierathen von Glas und Blei, die sehr künstlich gear-\nbeitet waren. Sie war mit kleinen Büschen, Blumen, Ra-\nsen und Steinen von allen Arten bedeckt. In der Mitte war\nder heilige Andreas mit seinem Kreuze vor sich. Aus dem\neinen Ende desselben floss eine \"Quelle hervor, die sich in\nder Wiese verlor.\n„Auf der fünften stand eine ausserordentlich grosse\nPastete, welche *2B Leute,die Instrumente spielten,in sich\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "388", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631205-01.1.4", "texte": "fasste. In einiger Entfernung davon war ein Schloss mit\nThürmen auf den Seiten. Auf dem einen sah man die be-\nrühmte Melusine in Gestalt einer Schlange. Unten an die-\nsen Thürmen standen zwei Fontainen, woraus Orangen-\nwasser sprang, das die Schlossgräben füllte. Nahe dabei\nging eine Mühle. Oben darauf sass eine Elster, und allerlei\nLeute schössen mit Pfeilen danach. Es sollte zeigen, dass\ndie Jagd dieses Vogels dem Volke erlaubt sei. Man hatte\nauf einem Weinberge Fässer vorgestellt. Das eine gab\neinen süssen, das andere einen bittern Trank, und die\ndarauf sitzenden Figuren hielten eine Schrift in der Hand,\nderen Inhalt folgender war: Qui en veut, cy en prenne.\n„Sonst sah man auch noch eine Wüste, in deren Mitte\nein Tiger mit einer Schlange kämpfte; einen Wilden, der\nauf einem Kameel sass, das sich bewegte und fortging;\neinen Bauer, der mit einer Ruthe auf ein Gebüsch klopfte\nund eine Menge kleiner Vögel herausjagte; einen Ritter\nund seine Dame, die in einem Garten an einer Tafel\nsassen, der mit einer Rosenhecke umgeben war; einen\nNarren, der auf einem Bären hing und über Berge und\nThäler ritt, d ie mit Schnee bedeckt waren; einen See, um\nwelchen Slädte und Schlösser lagen. Hier stand ein Wald\nvon indianischen Bäumen mit allerhand Thieren angefüllt,\ndie zu leben schienen; dort war ein Löwe an einen Baum\ngebunden, und ein Mann hetzte einen Hund auf ihn. Etwas\nweiter erblickte man einen Kaufmann, der durch ein Dorf\nzog; er war von Bauern umgeben, die seine Waaren\ndurchsuchten.\n„Anstalt eines Büffets, das der Gewohnheit nach mit\ngoldenen und silbernen Gelassen beladen sein sollte, sah\nman eine nackte Frau, aus deren rechter Brust Wein\nquoll. Nicht weit davon war ein lebendiger Löwe, der an\neine Säule geschlossen war, welche die Inschrift führte:\nNe touchez ä ma Dame.\n„Sobald man sich zur Talel gesetzt halte, sangen ver-\nschiedene Personen in der Kirche des Zwischenspiels Arien,\nund ein Schäfer stieg aus der Pastete, um mit seiner Flöte\ndazu zu spielen. Kurz darauf kam ein prächtig aufgezäum-\ntes Pferd durch die Ilauplhür des Saales rückwärts herein.\nEs trug Leute, die mit dem Rücken gegen einander sassen\nund maskirt waren. Sie stiessen in ihre Trompeten, und\nnun spielte man Orgel und andere Instrumente. Hierauf\nerschien ein Ungeheuer, das von einem wilden Schweine\ngetragen wurde. Aul dem Kopfe dieses Monstrums stand\nein Mensch, der verschiedene Wendungen machte, worauf\nein Marsch gespielt wurde, welcher die Ankunft Jason s\n\\erkündigle. Man stellte seinen Kampf mit den Ochsen vor,\ndie das güldene Yliess hüteten. Er griff'sie mit der Lanze\nin der Hand an und schläferte sie zuletzt mit dem magi-\nschen Wasser ein, das ihm Medea gegeben hatte. So\nzähmte er diese fürchterlichen Thiere,die aus ihren Nasen-\nlöchern Feuer bliesen.\n„Diesem Auftritte folgte ein anderer. Auf einem weis-\nsen Hirsche, der ein goldenes Geweihe trug, sass ein schö-\nner Knabe. Er sang eine Arie, die, wie es schien, der\nHirsch accompagnirte. Jeder Auftritt war mit Musik ver-\nmischt, die entweder in der Kirche oder in der\nPastete ausgeführt wurde. Jason erschien wieder\nvon einer grossen Schlange verfolgt. Er konnte sie mit dem\nDegen und Wurfspiesse nicht überwinden; endlich hielt\ner ihr den wundervollen Ring der Medea vor. Das Unge-\nheuer fiel, und er hieb ihm den Kopf ab und brach ihm\ndie Zähne aus.\n„Einen Augenblick hernach kam ein Drache, der\nFeuer spie und mit der grösslen Geschwindigkeit durch\nden Saal fuhr. Kaum war er den Augen entschwunden,\nso sah man einen Reiher in der Luft, der von einem Fal-\nken verfolgt und gefangen wurde.\n„Nun trat Jason zum dritten Male auf. Er sass auf\neinem Wagen, der mit den Ochsen bespannt war, die er\ndurch das Wasser der Medea bezähmt hatte. Er liess sie\nackern und säete die Zähne der Schlange. Gleich kamen\nbewaffnete Männer hervor, die sich eine Schlacht lieferten,\nworin sie alle getödtet wurden.\"\nIm Jahre 1378 wurde zu Nangis bei einem Feste\nKarl's V. die Eroberung von Troja aufgeführt (Les\nTroyens), und 1388 in Mailand bei der Vermählung des\nHerzogs Galeazzo Sforza mit Isabella von Aragonien ein\nmusicalisch-theatralisches Festspiel, bei welchem alle Bra-\nten und Gerichte, die den Neuvermählten vorgesetzt wur-\nden, durch besondere Festzüge eingebracht und nachher\nauf die Anfangs leere Tafel gesetzt wurden, an welcher\ndie Herrschaften sassen.\nJason eröffnete die Scene mit den Argonauten,\nwelche mit einer drohenden Miene umherschritten, das\nberühmte goldene Vliess bei sich führend, welches sie\nauf der Tafel als ein Geschenk zurückliessen, nachdem sie\nein Ballet getanzt hatten, das ihre Bewunderung einer so\nschönen Prinzessin und des ihres Besitzes so würdigen\nPrinzen ausdrückte. Hierauf erschien Mercur, welchem\ndrei Quadrillen von Tänzern nachfolgten, und sang eine\nArt von Recitativ, worin die Erzählung seiner Begebenheit\nmit dem Apollo, damaligem Hirten des Königs Admet in\nThessalien, und der Klugheit enthalten war, mit welcher\ner diesem das schönste und fetteste Kalb von der ganzen\nHerde wegstahl, welches er den Neuvermählten zum Ge-\nschenke darbot. Nach dem Mercur erschien Diana, als\nJä gerin geschmückt und von ihren Nymphen begleitet,\nwelche unter dem Klange von Wald-Instrumenten auf einer\nvergoldeten und mit Laub bedeckten Tragbahre einen sehr"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "389", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631205-01.1.5", "texte": "schönen Hirsch trugen. Indem ihn die Göttin dem Braut-\npaare zum Geschenke anbot, sagte sie singend, dass dieser\nHirsch der in diese Gestalt verwandelte unvorsichtige\nAktäon sei, welcher sich aber in seinem Unglücke noch\nglücklich zu preisen habe, dass er, nachdem er aufgehört,\nzu leben, für würdig gehalten werde, einer so weisen und\nliebenswürdigen Braut dargeboten zu werden. Kaum hatte\nsich Diana entfernt, als das ganze Orchester still\nschwieg, um den süssen Tönen einer Lyra Raum zu\nmachen, welche unter den Fingern des Orpheus die\nHerzen der Zuhörer mit Bewunderung und Freude er-\nfüllte. „Ich beklagte\", sagte der thracische Sänger, indem\ner mitten in die Versammlung trat, „auf den Spitzen des\nAppennins den zu frühen Tod meiner Eurydice. Das Ge-\nrücht benachrichtigte mich von der glücklichen Vereinigung\nzweier Geliebten, die so würdig sind, für einander zu le-\nben, und mein Herz, das sich seiner vergangenen Freu-\nden erinnerte, hat bei dieser Gelegenheit zum ersten Male\nwieder ein Vergnügen gefühlt. Meine Gesänge haben sich\nverändert, wie mein Geist sich verändert hat. Ich habe\nFreude über alle Wesen ausgegossen. Eine Herde von\nVögeln hörte mir zu; ich konnte sie ohne den mindesten\nWidersland fangen, und ich biete sie der liebenswürdig-\nsten Prinzessin auf der Welt, seit Eurydice nicht mehr un-\nter den Lebenden ist, zum Geschenke dar.\" —Dieser Ge-\nsang wurde unversehens durch rauschende Töne unter-\nbrochen: Atalanta und Theseus erschienen auf der\nScene, von verschiedenen Jägertruppen begleitet, welche\nmit lebhaften und glänzenden Tänzen eine grosse Jagd vor-\nstellten, die mit der Erlegung des grossen caledonischen\nEbers endigte, welcher unter wiederholten Triumph-\nBalletten dem jungen Bräutigam ebenfalls zum Geschenke\ndargebracht wurde.\nDer zweite Theil des Festes enthielt ein Schauspiel,\nwelches nicht weniger sonderbar war. Von der einen Seite\nerschien Iris auf einem Wagen, von prächtigen und man-\nniglaltig gemalten Pfauen gezogen und von einem Chor\nmit leichtem, durchsichtigen Schleier bedeckter Nymphen\nbegleitet, welche silberne Becken trugen, die voll der er-\nwähnten Vögel waren. Von der anderen Seite sah man\nHebe, die Göttin der Jugend, die in.kostbaren Flaschen\nden Nektar brachte, welchen sieden Göttern des Olymps\neinschenkt; ein Chor von arkadischen Schäfern, mit\nallerlei Hülsenfrüchten beladen, nebst der Pomona\nund dem Vertumnus, welche die wohlschmeckendsten\nI' r üchte vertheilten, begleitete sie. Damit einer solchen\nPracht nichts fehle, öffnete sich endlich der Fussboden,\naus welchem der Schatten des Apicius hervorkam und\nsingend anzeigte, er sei aus der Unterwelt heraufgestiegen,\num die Speisen zu würzen und das Gastmahl zu verschö-\nnern; er wolle den Neuvermählten die von ihm erfundenen\nLeckerbissen zu kosten geben, wodurch er in den vergan-\ngenen Zeiten den Ruhm des feinsten und üppigsten Rö-\nmers erworben hohe. Die Geschenke endigten mit einem\ngrossen Tanze der See- und aller lombardischen\nFlussgötter, welche die ausgesuchtesten Fische tru-\ngen und bei der Darreichung derselben sinnreiche Tänze\nvon verschiedenen Charakteren ausführten.\n\nAus Wien.\n\nDen 25. N oyember 1863.\nUnsere Sing-Akademie, welche im abgelaufenen Ver-\neinsjahre durch das Ableben ihres Gründers und Chor-\nmeisters Herrn Ferdinand Stegmayer einen herben Ver-\nlust erlitt, eröffnete die heurige Saison unter ihrem neuen\nChormeister, Herrn Johannes Brahms, am 15. d. Mts.\nmit einem Concerte im grossen k. k. Redoutensaale. Der\nSaal war überfüllt, und waren fast alle Musikgrössen an-\nwesend, um dem ersten öffentlichen Auftreten des jungen\nDirigenten beizuwohnen, der als Tondichter sich eines\nsehr guten Rufes erlreut, desshalb aber von einer Seite\nhier als Dirigent mit den Blicken des Neides begrüsst\nwurde.\nDas Concert begann mit Bach's Cantate: „Ich hatte\nviel Bekümmerniss\", worin die Soli der Frau Wilt,dann\nden H erren Dalfy, k. k. Hof-Opernsänger, und Panzer,\nk. k. Hof-Capellsänger, zugetheilt waren. Frau Wilt\nund Herr Panzer waren, wie immer, vorzüglich und\nbewährten ihren Ruf als Oratoriensänger. Erstere trug\ndie Arie mit Oboe-Begleitung bewundernswürdig schön\nvor. Leider mussten wir bemerken, dass Herrn Panzer's\nStimme anlängt, vom Zahn der Zeit angegriffen und hin\nund wieder etw-as unsicher zu werden. Herr Dalfy war\nseiner Aufgabe nicht ganz gewachsen und vermochte nicht\nin dem einzigen Stücke, in dem der Tenor hervortreten\nkann, in der freilich sehr undankbaren Arie zu ge-\nnügen. Die Chöre waren meisterhaft und zeugten wieder\nvon dem Fleisse der Mitglieder, von der Begeisterung und\ndem Durchdrungensein für das Grosse der classischen\nMusik. Als zweite Nummer folgte Beethoven's „Opferge-\nsang\", in welchem das Sopran-Solo von Frau Ferrari-\nKuh mit ausgezeichnet schöner Stimme gesungen wurde.\nMehr können wir darüber nicht sagen. Dem folgten drei\nVolkslieder für gemischten Chor. Die Aufführung dieser\nüberaus reizenden Lieder war tadellos und erregte einen\nsolchen Beifallssturm, dass noch ein viertes vorgeführt\nwurde. Ein hier gefeierter alter Musiker sagte: „Ja, Chöre\nmuss man halt von unserer Sing-Akademie hören, wenn"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "390", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631205-01.1.6", "texte": "man sie schön hören will.\" —Am wenigsten befriedigte uns\ndie Aufführung von Schumann's „Requiem für Mignon\".\nHier schien die zarte, poetische Seite zu wenig berück-\nsichtigt, dagegen wurden die Effectstellen hervorgehoben.\nWir begrüssen Herrn Brahms mit grosser Freude an\nder Spitze eines so hervorragenden Instituts und können\nseinem ersten Auftreten in Wien als Dirigent nur volles\nLob angedeihen lassen. Er dirigirte mit Ruhe und grosser\nUmsicht. Diesem strebsamen jungen Componisten, dem\nein seltenes musicalisches Wissen zu Gebote steht, dürfte\nes vielleicht gelingen, den noch immer unvergesslichen Ni-\ncolai als Capellmeister einst zu ersetzen. Der Sing-Aka-\ndemie aber dürfen wir Glück wünschen, einen so treff-\nlichen Führer gefunden zu haben. Wer die Schwierig-\nkeiten kennt, mit welchen dieses Kunst-Institut hier zu\nkämpfen hat, um alle Intriguen und Cabalen zu besiegen,\nder muss den Muth und die Ausdauer bewundern, mit\nwelchen die Mitglieder ausharren in der Anstrebung des\ngesteckten edlen Zieles.\n\nR.\n\nDrittes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller,\nDinstag, den 1. December 1863.\nDas dritte Concert war, wie gewöhnlich, der Aufführung eines\nOratoriums, das den ganzen Abend ausfüllte, geweiht; die Wahl fiel\nauf Hände Ts „Messias\", der hier lange nicht gehört war. Ihm\nwerden im Laufe des Winters noch ein anderes grosses Oratorium\nund zum Schlüsse J. S. Bach's „Matthäus-Passion\" folgen.\nDer „Messias\" wurde dieses Mal beinahe vollständig gegeben;\nes blieben im ersten Theile nur eine Arie und ein Chor (Nr. 6 und\n7), im zweiten Theile ein Recitativ, der Chor: „Lobsinget dem ewi-\ngen Sohn\", und die Alt-Arie: „Du fuhrst in die Höh1\" (Nr. 33—35),\nund im dritten Theile ein Recitativ, das Duett. zwischen Alt und\nTenor, der Chor: „Drum Dank Dir, Gott!\" und die Arie: „Ist Gott\nfür uns\" (Nr. 48—51) also mit Abzug der zwei kurzen Recita-\ntive nur acht Nummern von zweiundfünfzig weg. Und doch währte\ndas Concert von 6l/2 bis nach 10 Uhr.\nEine Verkürzung ist gerade bei diesem Werke Händel's, trotz-\ndem, dass es sein herrlichstes ist, nothwendiger, als bei anderen\nOratorien desselben Meisters, weil im „Messias\" das dramatische\nElement so gut wie gar nicht vorhanden ist und auch das epische\nnur in wenigen Stellen hervortritt; vorherrschend bleibt das lyri-\nsche, der Ausdruck der Empfindungen und Gefühle der christlichen\nMenschheit über die Erscheinung des Heilandes auf Erden, seinen\nOpfertod, die Ausbreitung des Evangeliums, die Erlösung und das\newige Leben. Es ist keine belebte oder wechselnde Handlung da,\nnur ein unendlicher Reichthum von Andacht, Glauben, Trost und\nHoffnung.\nIn diesem Charakter des Werkes liegt der Grund, wesshalb bei\naller Vortrefflichkeit der Composition dennoch eine gewisse Eintö-\nnigkeit ihre abspannende Kraft übt. Das menschliche Gemüth hält\neine zu lange andauernde Spannung seiner höchsten und erhaben-\nsten Gefühle nach einer und derselben Richtung hin, namentlich\ndurch die Aufregung der Musik und ihre nicht zu läugnende Wir-\nkung auf die Nerven, nicht aus. Händers „Messias\" steht wie ein\nDom von tönendem Erz seit länger als einem Jahrhundert da, und\ner wird unter den Stürmen der Zeit nie verwittern. Aber verweile\neinmal tagelang in den gothischen Hallen des erhabensten Bau-\nstils, und du wirst dich nach blauem Himmel und Waldesgrün\nsehnen.\nDie Ausführung am Dinstag war eine jedenfalls würdige, wenn-\ngleich sie nicht durchweg den Stempel der Vollendung trug. Wie\nwäre aber auch die Vollendung zu erreichen, welche dem Ideale\nentspräche, das sich der Verstand nach dem über alle Vocalwerke\nder Tonkunst emporragenden wunderbaren Werthe der Composition\nbildet? Wenn im zweiten Concerte der Chor wenig beschäftigt\nwar, so bot er uns im dritten reichlichen Ersatz. Zwar in den zwei\nersten Nummern, ja, auch noch in dem herrlichen: „Denn es ist\nuns ein Kind gebogen\" (dessen Tempo wir etwas lebhafter gewünscht\nhätten, weil die freudige Erhebung, die sich in der Coloratur aus-\ndrückt, gewisser Maassen durch das langsamere Tempo gehemmt\nwird, während ein bewegteres den rhythmisch kräftigen Stellen doch\nkeinen Abbruch thut), also in seinen drei ersten Nummern hat der\nChor noch etwas gezögert, die gehörige Kraft und Präcision zu ent-\nfalten allein mit dem „Ehre sei Gott in der Höhe!\" begann er\nsich auf die Stufe zu erheben, die zu begeistertem, wir möchten\nsagen: plastischem Hinstellen der grossen Tongebilde führt, und\nauf dieser Höhe hat er sich dann in sämmtlichen Nummern des\nzweiten Theiles -gehalten, namentlich in dem Chor: „Wahrlich, Er\ntrug unsre Qual!\" und der darauf folgenden Fuge: „Durch Seine\nWunden sind wir geheilet\", in dem: „Hoch thut euch auf\", und in\ndem Preisgesange des „Halleluja\". Auch der Schlusschor des Wer-\nkes wurde vom Largo an bis zu dem Ende des fugirten „Amen\"\nmit einer breiten Tonfülle, Kraft und Frische gesungen, als gelte\nes, wieder von vorn anzufangen.\nGar sehr wurde der Eindruck der Chöre durch die Mitwirkung\nder Orgel erhöht, für welche F. Hiller eine besondere Stimme im\nGeiste HändeVs geschrieben, deren Ausführung F. Weber über-\nnommen hatte. Auch bei mehreren Recitativen und Sologesängen\nwaren sanfte Orgelstimmen auf sinnige Weise mit der Melodie\nverwebt.\nDas Solo-Quartett war durch Frau Rudersdorf aus London,\nFräulein Schreck aus Bonn, Herrn Göbbels aus Aachen und\nHerrn Hill aus Frankfurt am Main besetzt.\nFrau Rudersdorf hat dem grossen Rufe, dessen sie namentlich\nals Oratorien-Sängerin seit Jahren in England geniesst, durch ihre\nLeistungen im „Messias\" vollkommen entsprochen. Ihre helle und\nstarke Sopranstimme hat gegen früher sogar noch an Tonfülle und\nRundung gewonnen, und die Behandlung derselben zeigt in techni-\nscher Hinsicht eine bis zur Meisterschaft gesteigerte künstlerische\nBildung, vermöge deren das Organ sich nirgends widerspänstig zeigt\nund der verschiedenartigsten Tonfärbungen fähig wird. Die Reinheit\nder Intonation, die Deutlichkeit und Glätte der Coloratur. die Cor-\nrectheit des Trillers und der Mordente und Vorschläge, gegen welche\nwir auch bei Händel, wenn sie so ausgeführt werden, nichts zu"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "391", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631205-01.1.7", "texte": "erinnern haben, sind Eigenschaften und Zierden ihres Gesanges, die\nüber allen Tadel erhaben sind. Die Krone ihrer Vorträge waren die\nEecitative und Arioso's der Passion: „Die Schmach bricht ihm sein\nHerz\", bis zu: „Doch du liessest ihn im Grabe nicht\", und im letz-\nten Theile die Arie: „Ich weiss, dass mein Erlöser lebt\". Je höher\naber eine so ausgezeichnete Künstlerin steht, desto leichter tritt ihr\ndie Verführung nahe, von der Ausdrucksfähigkeit ihrer Stimme und\nder technischen Beherrschung derselben zuweilen einen Gebrauch\nzu machen, der an eine Art von Virtuosität im Vortrage streift,\nwelcher dem Geiste der Händel'schen Musik nicht angemessen ist,\nwenigstens in Deutschland nicht gutgeheissen wird. Es sind dies\nnamentlich die scharfen Contraste zwischen dem Pianissimo und\ndem Forte, zumal wenn sie auch da angewandt werden, wo sie\ndurch nichts motivirt sind, weder durch den Text, noch durch die\nmusicalische Phrase. Dahin gehören z. B. die schroffen Gegensätze\nzwischen: „Und der Engel sprach\", und: „Fürchtet euch nicht!\"\nzwischen „Der Heiland\" und „Der Gesalbte\", zwischen „Wer ken-\nnet\" und „solche Qualen\". Wir gehören wahrlich nicht zu denen,\nwelche jene langweilige Eintönigkeit des oratorischen Vortrages\npreisen, die man wohl zuweilen in Deutschland hört: aber est mo-\ndus in rebus, es gibt ein Maass in allen Dingen, sagt schon der\nalte Kritiker Horaz, und eine Mannigfaltigkeit des Ausdrucks, welche\ndurch jene Contrastir-Manier der neuesten Schule der Italiäner\nerzielt wird vor ihrer alten Schule unseren tiefsten Eespect! —,\nwerden wir nie schön finden, wenn auch ganz England sie bewun-\nderte. Auch haben wir Derartiges nie bei den grossen Sängerinnen\nder Sopran-Partie des „Messias\", bei Jenny Lind, bei Clara Novello\ngehört: warum wollte Frau Rudersdorf nicht auch hierin ihnen\ngleichen ?\nFräulein Schreck dürfte im Vortrage der Alt-Partie, besonders\nder Arie in Es-dur: „Er ward verschmähet\", nicht leicht von einer\nanderen Sängerin übertroffen werden. Ihre Stimme hat gerade in\nden Mitteltönen den egalen, vollen Klang, der zu den Händel'schen\nAlt-Solo's erfordert wird, und ihr durchweg edler Ausdruck, der bei\nseiner Einfachheit keineswegs der Wärme entbehrt, hat etwas Un-\ngemein Anziehendes und Wohlthuendes. Herr Göbbels hatte die\nTenor-Partie, da Herrn Borchers vom Hoftheater zu Wiesbaden der\nUrlaub versagt wurde, erst ein paar Tage vor der Aufführung über-\nnommen ; er sang das Recitativ und die erste Arie recht gut; dem\nheroischen Charakter der Arie in A-moll: „Du zerschlägst sie\",\nkonnten freilich weder seine Stimmmittel, die mehr zu lyrischem\nAusdrucke geeignet sind, noch seine technische Ausbildung genügen.\nDie Bass-Solo's sang Herr Hill aus Frankfurt, dessen immer mehr\nsich vervollkommnende Leistungen wir schon öfter in diesen Blättern\nbesprochen haben. Am Dinstag war sein Vortrag aller Recitative,\nwie der Arien: „Das Volk, das im Dunkeln\", und: „Sie schallt, die\nPosaune\", ganz vortrefflich, wie alles, wobei es auf vollen, schönen\nTon, richtige Declamation und Ausdruck ankommt. Die Händel'sche\nColoratur, wie sie z. B. auch in der Arie: „Was toben die Heiden\",\nerscheint, auf vollendete Weise wiederzugeben, ist freilich eine Auf-\ngabe, die fast von allen Bassisten nur durch Annäherung gelöst\nwerden kann.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nCleve« Der hiesige allgemeine Musikverein hat unter der ge-\nschickten Leitung des Herrn Musik-Directors Fiedler das erste\nYV intei-Abonnements-Goncert am 24. November gegeben. Es wurden\naufgeführt. Beethoven s Sinfonie Nr. IL in D-dur, aus Marsch-\nner s „ Templer und Jüdinu die Ouvertüre, Scene und Duett mit\nChor und die Introduction zum dritten Act, und zum Schlüsse\nBeethoven1 s Ouvertüre in C, Op. 124. Das Orchester hat durch\nZuziehung des Musikcorps des jetzt hier garnisonirenden Jäger-Ba-\ntaillons gewonnen.\nHeimat*. Am 11. November, dem Schiller-Tage, erschien\nauf der hiesigen Bühne zum ersten Male in vollständiger und zu-\nsammenhängender Darstellung der ganze Wall enstein: Das\nLagei Voimittags von 1 ] bis 12 Uhr, die Piccolomini von 2 bis\nhalb 5 Uhr Nachmittags, Wallenstein's Tod von G bis halb 10 Uhr\nAbends ein voller Tag, wie in den olympischen oder in den\noberammergauer Spielen, der Dicht- und Schauspielkunst gewidmet!\nDas Haus wai so gefüllt, dass das Orchester geräumt werden musste,\nder Grossherzog vom Anfange bis zum Ende der Darstellung, die\nFrau Grossherzogin am Abende anwesend; aus der Nachbarschaft,\nnamentlich aus Jena und Erlurt, zahlreicher Zuzug, so dass die\nStadt selbst festlich bewegt und erregt erschien. Der Erfolg war ein\nüberaus glänzender: gewaltig traten die kolossalen Dimensionen des\ngrössten unserer Dramen, die wunderbare Architektur des Stückes\nhervor, gleichsam als würde dasselbe zum ersten Male überhaupt\ngegeben. Einer der hiesigen Künstler verglich den Eindruck mit\ndem eines Altaibildes, das, bisher immer nur in einem oder dem\nanderen Flügel gesehen, nun in seiner ganzen dreitheiligen Compo-\nsition dastünde, und so erst zu rechtem Verständnisse, zu voller\nWirkung gelangte. Die hingebende Begeisterung aller Mitwirkenden\nverdient die höchste Anerkennung, ihre Leistungen hohes Lob. Der\nTag wird in der Geschichte der weimarischen Bühne mit Ehren ge-\nnannt werden und im Gedächtnisse bleiben, wie er sich denn un-\nstreitig auch auf dem gesammten deutschen Theater wiederholen\nwird. (?)\nLeipzig. Der Componist der Oper „Der Abt von St. Gallen\",\nF. Herther (Dr. Hermahn Günther), hat, wie die „Deutsche Bühne\"\nberichtet, die Aenderung getroffen, dass Bühnen, welche aus beson-\nderer Rücksicht den Titel: „Der Abt von St. Gallen\", nicht be-\nnutzen dürfen, dafür den Titel „Die drei Räthsel\" nehmen können.\nAuch ist die Handlung nach England verlegt worden.\n(Briefe von Beethoven.) Die Allg. Musical. Zeitung\nin Leipzig veröffentlicht einige bisher ungedruckte Briefe von Beet-\nhoven, welche der Eedaction von Herrn G. Nottebohm in Wien\nmitgetheilt worden sind. Der erste (in Nr. 40), an die Firma Peters\nin Leipzig, fand sich mit Beethoven's Unterschrift auch in Peters'\nBureau de Musique vor und ist nach diesem Exemplare abgedruckt.\nDer Brief ist vom 5. Juni 1822 aus WTien, also aus dem letzten\nQuinquennium des Meisters, und der Inhalt dreht sich nur um Ge-\nschäftssachen, indem Beethoven dem leipziger Verleger eine Menge\nvon Compositionen anbietet, an 16 bis 20, darunter die grosse Messe\nzu 1000 Fl., die Variationen über einen Walzer („es sind viele\"\nschreibt er) zu 30 Ducaten, einen Marsch für grosses Orchester\nzum Trauerspiel Tarpeja (?) u. s. w. u. s. w. und eine Gesammt-\nAusgabe seiner Werke, bei welcher er zu jeder Gattung ein neues\nWerk zu liefern verspricht, in ll/2 bis 2 Jahren zu vollenden, für\n10,000 Fl. Man sieht, der Brief fällt in die Periode der Specula-\ntionen, die Beethoven oft ganz für sich allein, ohne Wissen seiner\nnächsten Umgebungen machte. Er sagt freilich am Schlüsse: „Kein"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "392", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631205-01.1.8", "texte": "Handelsmann bin ich, und ich wünschte eher, es wäre in diesem\nStücke anders, jedoch ist (es) die Concurrenz, welche mich, da es ein-\nmal nicht anders sein kann, hierin leitet und bestimmt. Ich bitte\nSie um Verschwiegenheit\" u. s. w.\nEin zweiter Brief in Nr. 43 aus Baden vom 16. September\n1821 an Tobias Haslinger in Wien ist rein humoristisch und ent-\nhält einen ungedruckten dreistimmigen Canon auf: „0 Tobias Do-\nminus Haslinger o! o!\"\nAn Marschner's Geburtshause in Zittau ist seit dem 19.\nOctober eine Marmortafel mit der Inschrift angebracht: „In diesem\nHause wurde Dr. Heinrich Marschner am 16. August 1795 geboren.\"\nKersch' „Lorelei\" wurde bereits parodirt und wird unter dem\nTitel „Lore Lips\" an Meysel's Theater in Berlin zur Aufführung\nvorbereitet.\nMimelieii. Die Operette „Der Vetter auf Besuch\" von\nKrempelsetzer, welche im hiesigen Hoftheater zum ersten Male\ngegeben wurde, ist mit Beifall aufgenommen worden, der nament-\nlich den mit Geschick eingeflochtenen Volksliedern galt. Der Com-\nponist, ein Schüler Franz Lachner's, zeigt Talent im Fache des\npopulären Liederspiels. Der frischen Musik hält freilich das Unin-\nteressante des Textes nicht das Gleichgewicht. Ein Müller geht ins\nWirthshaus und lässt sein junges Weib und ein schönes Bäschen\nzu Hause, zu denen ein junger Vetter, Gerichtsferien haltend, auf\nBesuch ankommt. Der heimgekehrte Müller vermuthet statt des\nBräutigams des Bäschens einen Verehrer seiner Frau. Mit einem\nKnüttel schlägt der Erzürnte auf das Bett des Vetters, aus dem die-\nser so eben entflohen, und trifft einen Milchhafen. Als Mörder\nzerknirscht am Boden liegend, wird der Müller durch seine Nach-\nbarn aus dem Wahn gebracht, die den durchs Fenster entsprunge-\nnen Vetter für einen Dieb halten und ihn in die Mühle einliefern.\nDer Custos der musicalischen Abtheilung der königlichen Bi-\nbliothek in München, Dr. Julius Jos. Mai er, einer der vor-\nzüglichsten Kenner der älteren Musik, hat von Alessandro Scarlatti\nzwei werthvolle Partitur-Manuscripte in der königlichen Bibliothek\nzu Berlin und in der kaiserlichen Bibliothek zu Paris gefunden,\nnämlich die Oper „Za Griselda\", Text von Apostolo Zeno, welche\nim Januar 1721 im Teatro Capranica in Rom zuerst gegeben wor-\nden ist, und die komische Oper yLaodicea e Bereniceu vom Jahre\n1701, welche beide oftmalige Aufführungen erlebt haben. Aus der\n„Griselda\" hat der gelehrte Forscher ein musicalisch sehr interes-\nsantes Terzett und Quartett für weibliche Stimmen und aus der\nyLaodicea e Bereniceu eine komische Scene für Sopran und Bass\nausgezogen, die Begleitung des Pianoforte an Stelle der Original-\nInstrumentation gesetzt und durch Herrn A. v. Wolzogen einen\ndeutschen Text dem italiänischen unterlegen lassen. In dem der\n„ Griselda\" zu Grunde liegenden Textbuche finden sich an Stelle des\nTerzetts und Quartetts Arien, mithin sind die beiden Ensemblestücke\nselbständige Einlagen Scarlatti's. Beide Werke werden bei Schle-\nsinger in Berlin im Stich erscheinen.\nMueik-Director Lampert, der musicalische Freund und ver-\ntraute Mitarbeiter des Herzogs von Coburg in musicalischen Dingen,\nhat zum „Oberon\" von Weber Recitative componirt, die den Dialog\nersetzen. Die Oper ist in dieser Gestalt in Coburg aufgeführt worden.\nDas Hofburgtheater in Wien hat im Laufe des Jahres 6000\nFl. an Tantiemen, darunter 1500 Fl. an Frau Birch-Pfeiffer bezahlt.\nWien« Für Mitte December ist die Aufführung von Offen -\nb ach's „Rheinnixe\" angesetzt. Die Proben schreiten rascher als\nsonst vorwärts.\nIn der General-Versammlung der Künstler-Gesellschaft „Aurora\"\nzu Wien wurde zum Vorstande gewählt Herr Brahms, zu dessen\nStellvertreter Herr Raveaux, zum Cassirer Herr Frisch und zu\nMitgliedern des Ausschusses die Herren Dr. Foglar und Dr. Vog-\nler. Die Gesellschafts-Abende, an denen fremde, nach Wien kom-\nmende Künstler als gern gesehene Gäste Theil nehmen können, be-\nginnen am 3. December und finden alle Donnerstage Abends im\nSaale zum Weissen Ross (Hotel Novak) Statt.\nEduard Remenyi ist von seiner Rundreise bereits in Pesth\neingetroffen. Aus den Einkünften der von ihm veranstalteten Con-\ncerte hat derselbe über 2000 Fl. den Nothleidenden des Landes\nzugewandt.\nliOlltloil. Dem bekannten Pianisten und Componisten Adolf\nSchlösser wurde die Auszeichnung zu Theil, von Sr. Maj. dem\nKönige von Portugal zum Ritter des Ordens Jesus Christus ernannt\nzu werden, und war der Orden von einem eigenhändigen Schreiben\ndes Königs begleitet. Herr Schlösser empfing diese Auszeichnung\nin Folge eines neuen Trio's für Piano, Violine und Violoncell, das\ner eigens für den König componirt und ihm gewidmet hat.\n/\nHändel ist in Bristol ein Act monumentaler Anerkennung\nzu Theil geworden, der einzig in seiner Art dastehen dürfte. In der\nKirche der heiligen Maria wurde ihm ein Fenster gewidmet, über\nwelchem eine Gruppe in Stein gemeisselter Engel, welche singen,\nangebracht ist."}]}