{"numero_id": "bm-bmtnabi-1863-12-12-01", "volume": "bmtnabi_1863-12-12_01", "ocr_sha256": "f682e3e429aba6db6909f66835c57c21ba0e8b0091d3541275d261c96f45967d", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1863/12/12_01/bmtnabi_1863-12-12_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631212-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1863-12-12-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-12-12_01#c001", "volume": "bmtnabi_1863-12-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "393", "page_fin": "393", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631212-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "393", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631212-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 455, "texte": "Inhalt.\nJoseph Mayseder (Nekrolog). Aus Hamburg (Aufführung des Messias in der St. Michaeliskirche). Sophia\nSchoberlechner (Nekrolog), Gaetano Fraschini (Lebensskizze). Aus Bremen (Gastdarstellungen der Frau Deetz). Aus Regens-\nburg (Curiosum). Tages- und Unterhaitungsblatt (Köln, Sing-Akademie, I. Soiree für Kammermusik Barmen, 11. 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October 1789, gestorben 21. November 1863.\nEin musicalischer Charakterkopf, dessen Eigentüm-\nlichkeit nicht leicht begriffen werden kann, wenn man ihn\nnicht in nächster Nähe gesehen. Ein Charakterkopf, in\nmancher Beziehung so klar und schlicht in die Welt\nblickend, dass man ihn auf den ersten Blick weg zu haben\nglaubte, und doch wieder so merkwürdig widerspruchs-\nvoll in seinen künstlerischen und menschlichen Eigenschaf-\nten, dass man nicht läugnen konnte, vor einem ungelösten\npsychologischen Räthsel zu stehen. Wer ihn sah, ohne\nihn zu kennen, oder in Gesellschaft mit ihm verkehrte, der\nhätte den unscheinbaren alten Herrn für ein gleichgülti-\nges Mitglied der ehrsamen Zunft von „Gevatter Schneider\nund Handschuhmacher\" gehalten; wer mit ihm sprach\nund auf alles, was man ihm sagte, fast nur ein freundlich\nzustimmendes Lächeln, eine immer schon bereite Versiche-\nrung: „Ja, ja, das hab' ich mir auch gedacht, ganz meine\nMeinung!\" zurückerhielt, der musste ihn für geradezu\nunbedeutend erklären, und wer seine Aengstlichkeit im\nmenschlichen und künstlerischen Verkehr erlebt hatte, der\nhielt Mayseder ganz sicherlich für den Erz-Repräsentan-\nten des wiener musicalischen Philisterthums.\nSobald aber der kleine, stille, ängstliche Mann sein\nInstrument in Händen hatte, sobald seiner Geige heller\nTon erklang, da vergass man des Mannes, um nur des\nKünstlers zu gedenken, des Künstlers, dem vielleicht im-\nmerhin noch hier und da ein kleines Zöpfchen vom alten\nWienerthume anhing, der aber dabei ein Geiger ersten\nRanges war, dessen Leistungen auf diesem Felde voll-\ntönend, wohllautverbreitend, rund und fertig, wie alles\nkünstlerisch Vollendete, die lauschende Zuhörerschaft\nanlächelten.\nMayseder's Ton war nicht überwältigend gross, aber\nvoll, rund und glockenrein, seine Technik von tadelloser\nSauberkeit und von jener unfehlbaren Sicherheit, die alles\neinmal Unternommene fehlerfrei ausführt, weil sie nicht\nunternimmt, was sie nicht ausführen zu können überzeugt\nist. Seine Auffassung war nicht nur immer schlicht, ein-\nfach, natürlich, von jeder Manierirtheit völlig frei, sondern\nauch von einer edlen Wärme getragen, von einer unnach-\nahmlichen Grazie beseelt, die man ihm nach seinem Aus-\nsehen und Benehmen nicht zugetraut hätte.\nMayseder's Wirksamkeit hat sich niemals über die\nGränzen Oesterreichs, kaum über den wiener Linienwall\nerstreckt. In Wien jedoch war diese Wirksamkeit eine\nvollgültige, unbestrittene. Zur Zeit des wiener Congresses\nund mehr noch in den zwanziger Jahren trat er häufig\nals Concertspieler, theils allein, theils im Vereine mit dem\nbeliebten Violoncellisten Merk oder mit dem vielgenann-\nten Guitarre-Virtuosen Giuliani vor die OefTentlichkeit.\nDamals componirte er eine grosse Anzahl graziös-brillan-\nter Solostücke, Trio s, Quartette mit Ciavier, Variationen,\nSerenaden u. s. w. In der zweiten Hälfte seines Lebens\nwirkte Mayseder, der sich immer ängstlicher von der Oef-\nfentlichkeit abwandte, nur mehr als erster Geiger der kai-\nserlichen Hofcapelle, als Solospieler in Oper und Ballet\nund als Quartettspieler in Privatkreisen. Im Quartetlfache\nhatte er sich frühzeitig unter Schuppanzigh's Führung\neinen reinen, edlen Stil angeeignet, der in Verbindung mit\nseinen natürlichen künstlerischen Eigenschalten ihn vor\nAllem zur vollendeten Wiedergabe der Haydn'schen Quar-\ntette befähigte. Hierin war und bleibt er allen, die ihn\ngehört, ein unerreichtes Muster. Zunächst daran schliesst\nsich sein Vortrag der eigenen, dann der Spohr'schen, Mo-\nzart'schen und der ersten Beethoven'schen Werke. Für\nden „späteren\" Beethoven fehlte ihm Grösse und Leiden-\nschaftlichkeit, mitunter der rechte Schwung im Ausdruck,\nfür den „spätesten\" Beethoven auch Neigung und Ver-\nständniss. Von neueren Componisten spielte er Mendels-\nsohn, aber wohl nicht sonderlich gern; neuere Sachen ins"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "394", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631212-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4965, "texte": "Leben einzuführen, war er nicht der Mann. Sein Vortrag\nalter Sachen, vor Allem aber, wie gesagt, Haydn's, übte\neine wohlthuende, erquickliche, künstlerisch reinigende\nWirkung.\nMit Mayseder ist somit eine künstlerische Erscheinung\nvon echtem Werthe und zugleich ein Stück jenes theils\ngemüthlichen, theils philisterhaften Alt-Wien zu Grabe\ngegangen, welches fast nur noch in der Geschichte seinen\nPlatz einnimmt, um schwerlich je in ähnlichen Gestalten\nwieder aufzustehen. Was aber diese einzelnen Träger der\nalten wiener Kunst Gutes und Schönes dargebracht\nmöchte es doch als liebes und werthes Vermächtniss in\nSchrift und Wort und in der Erinnerung der Kunstfreunde\naufbewahrt werden, damit es noch über das Grab hinaus\nfortwirke, ermunternd, befruchtend, reinigend, als nach-\nahmungswerthes Muster, als Sinnbild echten Stils, als\nGrundgedanken ernster Schulung, deren unsere Gegen-\nwart so sehr bedarf! (Wien. Recens.)\nIm December 1812 kam Spohr nach Wien und\nschreibt in Bezug auf Mayseder und Rode Folgendes\nin seiner Selbstbiographie (I. 179):\n„Ich konnte daher mit der Aufnahme, die ich als\nKünstler in Wien gefunden hatte, vollkommen zufrieden\nsein. In Prival-Gesellschaflen, wo ich in der Regel nicht\nnur die genannten Geiger, sondern auch den ausgezeich-\nnetsten der einheimischen, Herrn Mayseder, antraf und\nmit allen diesen zu wetteifern hatte, wurde meinen Vor-\nträgen ebenfalls besondere Anerkennung und Aufmerk-\nsamkeit geschenkt. Es gab dann immer erst einen Streit,\nwer beginnen sollte, denn Jeder wollte der Letzte sein,\num seine Vorgänger zu verdunkeln. Ich aber, der über-\nhaupt viel lieber ein gediegenes Quartett, als ein Solostück\nvortrug, weigerte mich niemals, den Anfang zu machen,\nund wusste durch meine mir eigenthümliche Auffassungs-\nund Vortragsweise der classischen Quartelte auch stets\ndie Aufmerksamkeit und Theilnahme der Gesellschaft zu\ngewinnen. Hatten dann die Anderen ein Jeder sein Parade-\npferd vorgeritten, und bemerkte ich nun, dass die Gesell-\nschalt mehr Sinn für dergleichen als für classische Musik\nhatte, so holte ich zum Schlüsse noch eines meiner schwe-\nren und brillanten Potpourri's herbei und wusste dann in\nder Regel auch die Bravour im Vortrage meiner Vorgän-\nger noch zu überbieten.\n„Bei diesen häufigen Gelegenheiten, Rode zu hören,\nüberzeugte ich mich immer mehr, dass dieser der voll-\nkommene Geiger der früheren Zeit nicht mehr war. Durch\ndie ewige Wiederholung derselben und immer derselben\nCompositionen hatte sich in den Vortrag nach und nach\neine Manier eingeschlichen, die nun nahe an Caricatur\ngränzte. Ich hatte die Unverschämtheit, ihm dies anzudeu-\nten, indem ich ihn fragte, ob er sich denn gar nicht mehr\nerinnere, wie er seine Compositionen vor zehn Jahren ge-\nspielt habe. Ja, ich steigerte meine Impertinenz so weit,\ndass ich die Variationen in G-dur auflegte und ihm sagte,\nich wolle sie ihm genau in der Weise vortragen, wie ich\nsie vor zehn Jahren so oft von ihm gehört hätte. Nach\nbeendetem Spiel brach die Gesellschaft in grossen Jubel\naus, und so musste mir denn auch Rode schicklichkeits-\nhalber ein Bravo zurufen; doch sah man deutlich, dass er\nsich durch meine Indelicatesse verletzt fühlte. Und das\nmit vollem Rechte. Ich schämte mich bald derselben und\nerwähne des Vorfalles jetzt nur, um zu zeigen, wie sehr\nich mich damals als Geiger fühlte.\"\nMayseder war, wie sein Lehrer Schuppanzigh, ein\nganz vorzüglicher Quartettspieler, wie oben schon erwähnt.\nAber auch die von ihm selbst componirten Quartette sind\nunverdienter Weise der Vergessenheit geweiht worden,\nwas sich sogleich herausstellen würde, sobald sich einmal\neiner von den vielen Quartett-Vereinen in grossen und\nkleinen Städten herabliesse, das Quartett in D-dur oder\ndas Quintett in Es von Mayseder zum Vortrage zu brin-\ngen; eben so dürfte ein concertirender Violinist mit May-\nseder's zu ihrer Zeit berühmten Variationen über das\nThema (ich erinnere mich der Tonart nicht genau mehr):\nwelche auch Spohr in Soireen gern spielte, mehr Wir-\nkung als mit manchem Figuren- und Trillerspuk Tar-\ntini machen, wenn er sie mit Mayseder's Ton und Fein-\nheit des Ausdrucks vortrüge.\nIn den Jahren 1814—1820 waren die Concerte für\nRammermusik, welche Mayseder in Wien mit Hummel,\nauch mit Moscheies gab, ungeheuer besucht und bekannt\nunter dem Namen: „Ducaten-Concerte\".\nWeil wir einmal nach dem Wien der Congresszeit\nzurückgeblickt haben, so wollen wir den Lesern noch eine\ninteressante Anekdote über eine Oper von Hummel aus\njenen Tagen, ebenfalls aus Spohr's Selbstbiographie (S.\n215), mittheilen.\nAusser den beiden Mozart'schen Opern („Don Juan\"\nund „Zauberflöte\") erlebte noch eine dritte, eine neue\nVolks-Oper mit Musik von Hummel, durch einen son-\nderbaren Zufall, wie er wohl kein zweites Mal vorkommen\nwird, eine lange Reihe von täglichen Aufführungen. Sie\nhiess „Die Prinzessin Eselshaut\" und war von Seiten der\nDichtung ein so erbärmliches Machwerk, dass sie trotz der\nhübschen Musik, die auch in fünf bis sechs Nummern"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "395", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631212-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2039, "texte": "Grossen Beifall fand, am Ende einstimmig und ohne allen\nWiderspruch ausgepfiffen wurde. Damit war sie nun nach\nwiener Herkommen begraben. Hummel, der dirigirte, halte\nsich auch schon gegen mich, der ihm zu Ehren vorspielte,\nganz resignirt geäussert: „Wieder eine total verlorene Ar-\nbeit!\" Als nun aber am folgenden Abende ein anderes\nStück angesetzt werden sollte, wollte sich ein solches we-\ngen Krankheit mehrerer Mitglieder bei Oper und Schau-\nspiel durchaus nicht auffinden lassen, und man war daher\nzu einer Wiederholung der Oper genöthigt, selbst auf die\nGefahr hin, dadurch Scandal im Theater zu erregen. Es\nwurde aber an jenem Abende, eben des erwarteten Scan-\ndals wegen, ungeheuer voll, und man pfiff das Stück nach\njedem Acte und am Schlüsse von Neuem aus. Die Musik-\nstücke fanden aber noch mehr Beifall, als das erste Mal,\nund der Componist wurde sogar am Ende, nachdem das\nPfeifen verklungen war, mit Applaus herausgerufen. Da\ndie Krankheiten fortdauerten, so musste noch ein dritter\nVersuch gemacht werden, der ungefähr wie der vorige\nablief. Doch war die Opposition gegen das Stück schon\ngeringer und die Musik gewann sich immer mehr Freunde.\nSo konnte man ruhig fortfahren, und es fanden sich auch\nan den folgenden Abenden wieder neue Zuhörer in genü-\ngender Anzahl ein. Am Ende wurde es Mode, hinein zu\ngehen, auf das Stück zu schimpfen und die Musik zu loben.\nHummel benutzte das schnell und gab einen Clavier-Aus-\nzug der beliebtesten Nummern heraus, der reissend ab-\nging. So war es doch keine verlorene Arbeit, wie er am\nersten Abende gefürchtet hatte!\nNicht so glücklich war Pixis mit seiner Oper „Der\nZauberspruch\". Sie erlag dem schlechten Buche, ohne\ndass die Musik sie über Wasser zu halten vermochte, ob-\ngleich sie doch auch manche gelungene Nummer enthielt.\nSie gab zu einem echten wiener Witze Veranlassung. Ein\nFreund des Componisten, welcher der ersten Aufführung\nnicht hatte beiwohnen können, fragte einen Anderen, der\ndort gewesen war: „Nun, wie ist's mit der Oper von Pixis?\"\n„Nix is!\" war die Antwort."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-12-12-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-12-12_01#c004", "volume": "bmtnabi_1863-12-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "395", "page_fin": "397", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631212-01.2.3", "titre_corps": "Aus Hamburg.", "titre_sommaire": "Aus Hamburg.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "395", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631212-01.1.3", "debut_caractere": 2041, "fin_caractere_exclue": 5158, "texte": "Aus Hamburg.\n[Aufführung des Messias in der St. Michaeliskirche.]\nDen 1. December 1863.\nZum Besten des Thurmbaues an der neuen St. Nico-\nlaikirche war am 26. November eine Aufführung des\n„Messias\" von Händel in der grossen St. Michaeliskirche\nmit ausserordentlichen, zu diesem Zwecke vereinigten\nKräften unter der Leitung des Herrn Ludwig Deppe\nveranstaltet worden, welche in jeder Hinsicht, sowohl in\nkünstlerischer als in einträglicher, von höchst erfreulichem\nErfolge war. Es wirkten als Ausführende in Chor und\nOrchester über dreihundert Personen mit, und Herr Deppe\nleitete das Ganze mit jener Sicherheit und Umsicht, die zum\nDirigiren grosser Massen erforderlich ist. Der Zudrang des\nPublicums war ein ganz ungewöhnlicher. Der hiesige\n„Freyschütz\" bemerkt darüber der Wahrheit gemäss:\n„Einen Sitzplatz zu erhalten, hatte seine besonderen\nSchwierigkeiten, da die Hunderte von Personen, welche\nfast eine Stunde vor Eröffnung der Kirchthüren auf der\nStrasse harrten, als sie endlich in das Innere des Raumes\ngedrängt wurden, einen grossen Theil der Plätze unten\nund auf den Chören bereits eingenommen fanden. Wel-\nchen Weg diese Begünstigten genommen hatten, können\nwir nicht sagen; da der Glaube an Zauberhaftes in unse-\nren Tagen gänzlich unstatthaft erscheint, so muss man an-\nnehmen, dass es ganz natürlich dabei zugegangen ist, aber\nräthselhaft bleibt es doch.\"\nEine mächtige Anziehungskraft übten freilich ausser\ndem Ruhme des Werkes, dessen Aufführung doch eben\nnicht häufig ist — die erste fand hier in den achtziger Jah-\nren des vorigen Jahrhunderts durch J. Adam Miller Statt;\nnach der Befreiung von der französischen Herrschaft wurde\nder „Messias\" durch Grund und Ciasing am 7. und 9.\nSeptember 1818 zuerst wieder gegeben—, und ausser der\nBestimmung des Ertrages die Besetzung der Solo-Partieen\naus, namentlich die Gewissheit, dass unsere berühmte\nLandsmännin, Fräulein Therese Tietjens, die Ueber-\nfahrt von London in dieser ungünstigen Jahreszeit nicht\ngescheut hatte, um ihrer Vaterstadt und der neu erbauten\nNicolaikirche ein uneigennütziges Opler darzubringen. Da\nnun zugleich Frau Joachim, geborene Weiss, und Ju-\nlius Stockhausen die Alt- und Bass-Partie übernom-\nmen hatten und der allgemein geachtete Herr Brunner\nvom hiesigen Stadttheater die Tenor-Partie, so konnte\nman natürlich etwas Ausserordentliches erwarten, und\ngern hörten Hunderte von Zuhörern in den weiten Gän-\ngen der Kirche dieses Mal nicht nur das „ Hallelujahu\n(wie in England), sondern das ganze Oratorium stehend an.\nDass man Fraulein Tietjens mit der grössten Span-\nnung und doppelter Theilnahme entgegen sah, war na-\ntürlich; dadurch mag denn auch gerechtfertigt erscheinen,\ndass man die gefeierte Künstlerin den Reigen eröflnen\nHess und ihr zu Liebe das erste Tenor-Larghetto: „1 rö-\nstet Zion!tt der Sopranistin überwies. Allerdings war der\nEindruck der grossen Stimme der Künstlerin mit der rei-\nnen Intonation, der Fülle des Tones und der anschwellen-\nden Macht des gehaltenen e bei dem ersten Erklingen der\nmenschlichen Stimme im Gegensatz zum Orchester ein\nwunderbar ergreifender, und wir sind fest überzeugt, dass\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "396", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631212-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5371, "texte": "Händel selbst die Vertauschung der Stimme unter solchen\nVerhältnissen gebilligt haben würde. Ueberhaupt steht in\nden Oratorien Händel's eigentlich nie mit Sicherheit fest,\nob er die Oberstimme für Sopran oder Tenor, eben so\nwenig, ob er die Unterstimme für Alt oder Bass in den\nRecifativen und Arien bestimmt hat. Sowohl die verschie-\ndenen Ausgaben der Partituren, als die Nachrichten über\ndie Aufführungen bei seinen Lebzeiten bestätigen, dass er\nsich wahrscheinlich nach den Eigenschaften und Vorzügen\nder Sänger, über die er gerade verfügen konnte, bei der\nVertheilung der Soli gerichtet hat, da an vielen Stellen\nseiner Partituren oft nur A vo(eine Stimme) dem Solo-\ngesänge ohne alle Bestimmung der Stimmgattung vorge-\nschrieben ist. Es ist auch nicht anzunehmen, dass Händel\nsich durch ästhetisch-dramatische Gründe des Textes we-\ngen für eine Männer- oder Frauenstimme habe bestimmen\nlassen; er stand der italiänischen Castraten-Periode noch\nviel zu nahe, und so treffend und treu er sonst auch den\nGeist jedes Gesangstückes nach dem Geiste des Textes\nwiederzugeben weiss, so leiteten ihn doch, wie auch aus\nChrysander's Buch über ihn hervorgeht, bei den Solo-\ngesängen sehr häufig rein musicalische Beweggründe und\nsogar Bücksichten auf die Virtuosität der Sänger. Wir\nwerden freilich heutzutage wohl daran thun, bei der Ver-\ntheilung der Arien, die bald von einer Männer-, bald von\neiner Frauenstimme gesungen werden, auch auf die Natur\ndes Textes zu sehen, wie denn im „Messias\" z. B. gleich\nRecitativ und Arie Nr. 5 aus D-moll: „Ich bewege den\nHimmel und die Erde\" und: „Wer besteht, wenn er\nerscheint wie des Läuterers Feuer\" —in der Partitur dem\nAlt, in anderen Ausgaben dem Bass zugetheilt, offenbar\ndem letzteren angemessener ist, worüber besonders dann\nNiemand in Zweifel sein wird, wenn er sie von Stock-\nhausen hört, dessen Vortrag beider Stücke in declama-\ntorischer Auffassung und künstlerischer Vollendung einen\nGlanzpunkt seiner überall vortrefflichen Leistung bildete.\nAbweichend von anderen Aufführungen in Deutsch-\nland, wurde hier Nr. 17, Arie in B-dur: „Erwache zu\nLiedern der Wonne\", vom Sopran (sonst Tenor); Nr. 18,\nRecitativ: „Dann thut das Auge des Blinden sich auf\",\nvom Alt (Tenor); Nr. 19, die Arie 12/8 in der ersten\nHälfte vom Alt (Tenor oder Sopran), in der zweiten vom\nSopran; Nr. 28: „Die Schmach bricht ihm\", vom Tenor\n(Sopran), eben so Nr. 29: „Schau hin\" gesungen.\n[Letzteres ist auch in England gewöhnlich.] Verkürzt\nwurde das Oratorium nur durch folgende Auslassungen:\nChor Nr. 7: „Er wird sie reinigen\"; Chor Nr. 24, Fuge:\n„Durch seine Wunden\"; Becitativ Nr. 26 und Chor Nr.\n27: „Er trauete Gott, der helfe ihm nun\"; Nr. 33 und\n34, Recitativ und Chor: „Lobsingt dem ewigen Sohn\";\nNr. 35, Arie für Alt: „Du fuhrest in die Höh'\"; Nr. 40,\nChor: „Auf, zerreisset ihre Bande\"; Nr. 50, Chor: „Drum\ndankt Gott\"; Nr. 51, Sopran-Arie: „Ist Gott für uns\".\nChor und Orchester zeigten sich überall von der hohen\nAufgabe durchdrungen, die ihnen zu Theil geworden war,\nein solches Meisterwerk in seinen Fundamenten, welche\noffenbar die Chorgesänge bilden, würdig hinzustellen. Man\nhörte, dass Liebe und Eifer der Leitung entgegengekom-\nmen waren.\nEs ist selbstredend, dass die prachtvolle Stimme und\ndie hohe technische Vollendung in der Behandlung der-\nselben, welche Fräulein Tietjens jetzt erreicht hat, der\nAufführung einen ganz besonderen Glanz verliehen. Allein\ndas kritische Gewissen verlangt das offene Geständniss von\nunserer Seite, dass ihre Auffassung und der dadurch be-\ndingte Vortrag nicht immer den Ansichten entsprachen,\ndie in Deutschland über den oratorischen Vortrag nament-\nlich Händel'scher Musik geltend sind. Frau Joachim,\nunserem Publicum bereits ein werther Gast, sang die Alt-\nPartie so einfach und echt musicalisch, dass ihr die allge-\nmeinste Anerkennung zu Theil werden musste. Hatte uns\nFräulein Tietjens hin und wieder mit der englischen so\ngenannten Tradition, was aber richtiger gegenwärtig be-\nliebter Usus oder Abusus heissen sollte, in Betreff des\nVortrages einzelner Arien bekannt gemacht, da sie z. B.\ndie Arie: „Er weidet seine Herde\" u. s. w., in einem uns\nweniger geläufigen Tempo sang, so musste man um so\nfreudiger die Auffassung der Frau Joachim schätzen, die\nihre Ehre nur in der Ehre des Werkes selbst suchte. Herr\nStockhausen zeigte sich auch hier wieder in so hohem\nGrade als Meister seiner Kunst, dass wir ihm nicht genug\nseine Leistung zu danken wissen. Die Arien: „Wer mag\nden Tag seiner Zukunft erleiden\", „Sie schallt, die Po-\nsaune\", und alles Andere lassen sich nicht schöner den-\nken, als wir sie von Herrn Stockhausen hörten. Herr\nBrunner vom hiesigen Stadttheater zeigte ein löbliches\nStreben, der Tenor-Partie, die ihm übrigens etwas zu tief\nliegt, gerecht zu werden.\nSo wurde denn der 26. November in den Annalen\nHamburgs ein musicalischer Festtag, dessen Erinnerung\nlange fortdauern wird.\nDie erste Vorlesung im Athenäum war nicht zahlreich\nbesucht. In Betreff des anziehenden Vortrages des Herrn\nArrey vonDommer aus Leipzig ist dies zu bedauern.\nWir können nicht begreifen, dass der Gegenstand, der\nvon dem Gaste gewählt worden war, mit so gleichgültigen\nAugen angesehen wird, denn die Musikliebe ist in Ham-\nburg ausserordentlich verbreitet, und eine „Charakteristik\nder Zustände dieser Kunst in Hamburg\" bis zum Anfange\ndes vorigen Jahrhunderts hat doch für jeden Gebildeten"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "397", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631212-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 674, "texte": "ein culturhistoriscbes Interesse. Freilich liess sich nicht\nvorhersehen, dass der Vortrag so geistvoll und elegant in\nder Form gehalten werden würde, wie dies durch Herrn\nvon Dommer geschah. Seine Betrachtungen umfassten die\nhamburger Musikzustände von ihrem Entstehen 1692 an\nbis zu ihrer vollen Entwicklung 1703, und endlich ihr\nSinken bis zum gänzlichen Auslöschen 1738. Der Vor-\ntragende vertrat die Ansicht, dass das übereilte in die\nHöhe Treiben, wie bei einer Warmhauspflanze, ein vor-\nzeitiges Verwelken veranlasst habe. Händel, Matthe-\nso n und Kays er wurden im lebhaftesten Colorit vorge-\nführt und ihr Wirken auf scharfsinnige und kenntnissvolle\nWeise gewürdigt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-12-12-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-12-12_01#c005", "volume": "bmtnabi_1863-12-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "397", "page_fin": "397", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631212-01.2.4", "titre_corps": "Sophia Schoberlechner †.", "titre_sommaire": "Sophia Schoberlechner †.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "397", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631212-01.1.5", "debut_caractere": 676, "fin_caractere_exclue": 3241, "texte": "Sophia Schoberlechner †.\nFrau Sophia dall' Occa-Schoberlechner, eine\nder berühmtesten Opernsängerinnen der Neuzeit, ist vor\nKurzem in St. Petersburg gestorben. Frau Scboberlechner\nwar die Tochter des berühmten italiänischen Gesangleh-\nrers Philipp dall\" Occa und wurde 1809 zu St. Petersburg\ngeboren. Schon im zartesten Alter von 6 7 Jahren sang\nsie mit Beifall in mehreren Privathäusern, später in öffent-\nlichen Concerten, und wurde nach Entwicklung ihrer\nStimme eine der besten und beliebtesten Sängerinnen. In\nihrer Glanz-Periode schilderte sie ein Musikkenner: „Brust\nvon Erz, Silberstimme, goldenes Talent, kühnes Wagen,\nsiegreiches Gelingen.\" Ein Anderer sagte in den dreissiger\nJahren von ihr: „Ihr Kunst-Talent erscheint in dem Kranze\nihrer Eigenschaften nicht als eine einzelne Blume. Sie be-\nsitzt neben dieser bezaubernden Tonblume ausgezeichnete\nSprachkenntnisse, Heiterkeit des Geistes, Anmuth und Lie-\nbenswürdigkeit im Benehmen, wodurch sie als eine wahre\nPerle in geselligen Kreisen glänzt und in ernster Conver-\nsation durch Scharfblick und richtiges Urlheil überrascht.\nVorzüglich waltet da ihre Herzensmilde, wo es gilt, erwa-\nchende Talente an das Licht zu ziehen. Ueberhaupt ist\nSignora dall' Occa Sophia Scboberlechner nicht bloss im\nKunstfache, sondern auch in moralischer und intellectuel-\nler Hinsicht den Ausgezeichnetsten ihres Geschlechtes bei-\nzuzählen.\" Im Jahre 1824 hatte sie sich mit dem be-\nrühmten Pianisten und Comporiisten Franz Sc hober-\niech ner aus Wien, der eben in St. Petersburg concer-\ntirte, vermählt; 1831, als die Vorstellungen der italiäni-\nschen Gesellschaft in St. Petersburg ihr Ende fanden, begab\nsie sich nach Italien, wo sie bald eine der berühmtesten\nSängerinnen wurde. 1832 sang sie in Bologna mit der\nberühmten Mali bran und theilte mit ihr die Palme des\nRuhmes. Im Laufe einiger Jahre war sie Prima-Donna\nam Theater Deila Scala zu Mailand, wo sie auch zur Zeit\nder Krönung des österreichischen Kaisers sang, der beste\nBeweis, welche hohe Stelle sie unter den Sängerinnen Ita-\nliens einnahm. Ihr Gesang gehörte der höheren Schule,\nderen Repräsentantinnen in Italien eine Pasta und Grisi\nwaren, an. Die Recitative sang sie unnachahmlich, ihre\nPhraseologie und ihr Portamento waren classisch und alle\nPassagen wurden mit musterhafter Reinheit und Rundung\nausgelührt. Ihr jährliches Gehalt an der italiänischen Oper\nin St. Petersburg betrug 20,000 Rubel. 1833 war sie\nmit der italiänischen Oper in Wien, wo sie immense Er-\nfolge errang, eben so 1838. Seitdem lebte sie in St. Pe-\ntersburg, seit 1843 als Witwe."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-12-12-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-12-12_01#c006", "volume": "bmtnabi_1863-12-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "397", "page_fin": "398", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631212-01.2.5", "titre_corps": "Gaetano Fraschini.", "titre_sommaire": "Gaetano Fraschini.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "397", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631212-01.1.5", "debut_caractere": 3243, "fin_caractere_exclue": 5089, "texte": "Gaetano Fraschini.\nDer Tenorist Gaetano Fraschini, der gegenwär-\ntige Held der italiänischen Opern-Saison in Paris, wurde\n1817 in Pavia geboren, wo er im Hause seiner Eltern\neine sorgtältige Lrziehung genoss. Zum Jünglinge heran-\ngewachsen, begann er auf der dortigen Universität die phi-\nlosophischen Studien und war stets ein sehr fleissiger, eifri-\nger Student. Der Tod seiner Schwester, an der er mit\nzärtlicher Liebe hing, versetzte ihn plötzlich in tiefe Trauer,\nund seit diesem Augenblicke verlor er die Lust zu den\nStudien, ohne sich jedoch für irgend eine andere Laufbahn\nam allerwenigsten aber für die theatralische ent-\nschlossen zu haben. Eines Tages befand sich Fraschini bei\nseinem Bekannten Fei ice Moretti, einem talentvollen, lei-\nder zu früh verstorbenen Maestro, der eben ein Requiem\ncomponirt hatte, welches nächstens in der Kathedrale zu\nPavia aufgeführt werden sollte. Ein Sänger probirte gerade\ndas Incarnatus aus dem erwähnten Requiem, und Fras-\nchini war davon so sehr ergriffen, dass er dasselbe, nach-\ndem der Sänger fortgegangen war, nachzusingen ver-\nsuchte. Ueberrascht von der schönen, sonoren Stimme\nFraschini's, sprang Moretti auf und rief aus: Freund! Du\nmusst mir einen Gefallen thun! Und der ist? —Du musst\nmein Incarnatus in der Kirche singen. Was fällt Dir\nein? Ich kenne ja keine Note! Thut nichts; lass mich\ndafür sorgen; bis zur Aufführung sind noch zwei Wochen,\nund bis dahin hast Du es längst inne. Die Idee war zu\nschön, zu poetisch und zu reizend zugleich. Fraschini\ndurfte und konnte sich nicht länger sträuben, und vierzehn\nTage darauf sang er das Incarnatus in der Kathedrale zu\nPavia so bezaubernd schön, dass Alles sich nach dem Chor\nhinwandte, von welchem diese herrliche Stimme ertönte,\nund sich nach dem beneidenswerthen Besitzer derselben\nerkundigte. Der Eindruck, den der junge Sänger damals"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "398", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631212-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2098, "texte": "hervorbrachte, war so gross, dass der Chor-Director ihn\nzu sich kommen liess, ihm dringend rieth, sich ganz der\nMusik zu widmen, und ihm sogleich die Stelle eines Chor-\nsängers an der Kathedrale zu Pavia verlieh eine Stelle,\ndie Fraschini noch jetzt nicht aufgegeben hat und nur mit\ndem Gefühle eines edlen Stolzes davon spricht.—Nun fing\nFraschini an, sich unter Moretti's Leitung mit allem Eifer\nund aller Liebe auf die Gesangskunst zu verlegen, studirte\ndie besten Muster und bildete sich als Sänger immer mehr\naus, bis er sich fähig genug glaubte, sein Glück auf der\nBühne zu versuchen. Er war bei all seinen herrlichen Mit-\nteln, bei all seinen Vorzügen so bescheiden, als zweiter\nTenor in seiner Vaterstadt Pavia aufzutreten, in welcher\ner mit einem unbedeutenden Honorar für die Carnevals-\nSaison des Jahres 1837 engagirt war. Er sang hierauf\nin der Oper „Belisario\"mit dem glänzendsten Erfolge,\nund fesselte seitdem nicht nur die Aufmerksamkeit des\nPublicums, sondern vorzüglich auch der Impresari, die auf\ndieses seltene, ausgezeichnete Tenor-Exemplar Jagd mach-\nten. Pavia engagirte ihn sofort für die nächste Frühlings-\nSaison, gleich darauf Vicenza, dann Venedig, Padua, Pia-\ncenza, Mailand, Turin und Neapel. Sein Ruf als einer der\nersten Tenoristen der Gegenwart gelangte nach Paris,\nLondon und Wien, in welch letzterer Stadt er für die ita-\nliänische Opern-Saison 1844 47, dann später wieder\ngewonnen ward. Die Stimme Fraschini's ist eine der schön-\nsten, die man hören kann. Vom tiefen bis zum hohen\nb schlägt er jeden Ton mit Leichtigkeit und aus voller\nBrust an. Der Wohllaut seines Organs und das Metall-\nreiche seines Timbres ist kräftig und doch zum Herzen\nsprechend. Sein Vortrag ist einfach, edel und echt drama-\ntisch, nicht süsslich und doch angenehm, nicht weinerlich\nund doch rührend, nicht schreiend und doch durchgrei-\nfend. Vor Jahren verehelichte er sich mit Ciotilde\nRonzi, der einzigen Tochter der berühmten Prima-Donna\ngleichen Namens. Fraschini ist übrigens auch ausser der\nBühne eine sehr liebenswürdige Erscheinung, bescheiden,\ngebildet und angenehm im Umgange."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-12-12-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-12-12_01#c007", "volume": "bmtnabi_1863-12-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "398", "page_fin": "399", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631212-01.2.6", "titre_corps": "Aus Bremen.", "titre_sommaire": "Aus Bremen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "398", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631212-01.1.6", "debut_caractere": 2100, "fin_caractere_exclue": 5280, "texte": "Aus Bremen.\nDen 28. November 1863.\nFrau Deetz vom karlsruher Hoftheater eröffnete am\nSonntag als Margarethe in Gounod's „Faust\" einen Cyklus\nvon Gastdarstellungen, den wir gern möglichst ausgedehnt\nzu sehen wünschen. Von allen Gretchen, die wir hier ge-\nhört, hat uns der Gast am besten gefallen. Ihre Vorgän-\ngerinnen überragt sie durch ihr reicher entwickeltes Spiel\nund ihren dramatischeren seelenvollen Vortrag, und vor\nder trefflichen Margarethe unseres dresdener Gastes möch-\nten wir der ihrigen in so fern den Vorrang geben, als\nsie, ohne dem Bilde der Margarethe, wie wir es uns aus\ndem deutschen Dichterwerke gestalten, die mindeste Ge-\nwalt anzuthun, das musicalische Gebilde des französischen\nComponisten vollständiger und wirkungsvoller auszuprägen\nverstanden hat. In ihrer Stimme bringt Frau Deetz für\ndiese Rolle, wie uns scheint, eine besonders günstige Qua-\nlification mit. Es ist ein wohlgebildeter Mezzo-Sopran mit\neiner sonoren, höchst selten an das zwitterhafte Timbre\nder italiänischen Romeo's u. s. w. anklingenden Tiefe und\neiner zwar mässigen, aber frischen, klangvollen, sympathi-\nschen Höhe, bei der man sich die öfter in den bewegteren\nMomenten vorkommende Vibration der höchsten Töne\nwohl gefallen lassen kann; weniger schön und kräftig ist\ndie mittlere Lage. Schon die Anfänge der Gartenscene\nkonnten keinen Zweifel über den Werth und die Bedeu-\ntung der Leistung lassen. Der schwierige Vortrag der\nStrophen des „Königs von Thüle\" zeigte eine glückliche\nCombination des Balladentones mit dem Ausdrucke sub-\njectiver Empfindung; die Schmuckkästchen-Scene war in\nSpiel und Gesang von gleich anmuthiger Naivetät. Dass\nmit der Wärme des Gefühls und dem höheren Werthe\nder Musik auch die Darstellung gleichen Schritt hielt, ver-\nsteht sich danach fast von selbst; als einen der Glanz-Mo-\nmente des Actes möchten wir den Ausdruck des verschäm-\nten vor sich selbst Erschreckens bezeichnen, mit dem Mar-\ngarethe die Entscheidung des Blumen-Orakels empfängt.\nIn den weiteren Acten erhielt sich die Sängerin im We-\nsentlichen auf der hier erreichten Höhe; vortrefflich war\nnamentlich wieder die Schluss-Scene und besonders schön\nder Schmerzens- und Wahnsinns-Anhauch, den sie den\nbekannten Reminiscenzen zu geben wusste. Das Publicum\nbegleitete den Gast bis ans Ende mit unvermindertem In-\nteresse, lebhaftem Applaus und mehrfachen Hervorrufen.\nAm Mittwoch wurde die Oper wiederholt. Gleich der\nGast-Darstellung lassen sich auch die beiden letzten Vor-\nstellungen des „Faust\" überhaupt als die im Ganzen ge-\nlungensten an der hiesigen Bühne bezeichnen. Herrn Behr's\nMephisto möchte gesanglich selten übertroffen werden;\nauch Herrn Thelen's Valentin ist eine gute Leistung, wie\nbekannter Maassen der Faust des Herrn Wild. Das Or-\nchester verdient eine besondere Anerkennung. Die Hin-\nweglassung der Rirehen-Scene, die auf den Wunsch der\nSängerin wegblieb, dürfte überhaupt angemessen sein.\nFrau Deetz ist in dieser Rolle so ausgezeichnet, dass sie\nallein auf die Darstellung des Gretchen reisen könnte, da\njede Bühne es sich gewisser Maassen zur Ehre machen\nmüsste, diese Margarethe dem Publicum vorzuführen.\nNächstdem haben wir dem Vernehmen nach von der treff-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "399", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631212-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 817, "texte": "liehen Künstlerin auch die Darstellung der Clythia in F.\nHillers „Katakomben\" zu erwarten, welche ebenfalls eine\nganz vorzügliche sein soll.\nAm Freitag kamen wieder Meyerbeer's „Hugenotten\"\nmit Frau Haase-Capitain als Valentine zur Auffüh-\nrung. Den Marcel sang diesmal als zweite Gastrolle Herr\nHermanns, bisher Mitglied eines der zwei italienischen\nOperntheater in London. Der Gast besitzt eine in der\nmittleren Lage kräftige und wohllautende Bassstimme; in\nder Tiefe ist sie beschränkt und von geringer Tragkraft;\nVortrag und Spiel liessen zwar, jener an Correctheit, die-\nses an prägnanter Charakteristik, zu wünschen übrig, ge-\nwannen indess durch Frische und Natürlichkeit. Im All-\ngemeinen sprach der Sänger an; in der grossen Scene des\ndritten Actes wurde ihm sogar die Ehre, mit Frau Haase\ngerufen zu werden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-12-12-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-12-12_01#c008", "volume": "bmtnabi_1863-12-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "399", "page_fin": "399", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631212-01.2.7", "titre_corps": "Aus Regensburg", "titre_sommaire": "Aus Regensburg", "signature_source": "Mettenleiter", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "399", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631212-01.1.7", "debut_caractere": 819, "fin_caractere_exclue": 4026, "texte": "Aus Regensburg\nDr. Mettenleiter.\n*).\nDen 4. December 1863.\nGestern brachte der Capellmeister des hiesigen Theaters, Herr\nZwicker, den die Leser bereits aus vorigjährigen Berichten als\ntüchtigen Dirigenten und Componisten kennen, Beethoven's neunte\nSinfonie zur höchst gelungenen Aufführung. Fräulein Michalesi,\nHerr Scharf, Herr Frä n k 1 und Fräulein Herm an n (mit Aus-\nnahm e der letzteren Mitglieder der Oper) sangen die Soli. Wenn\nich nun über die als vollendetes Meisterwerk mit Recht viel und\nhochgepriesene Sinfonie einige Gedanken niederschreiben soll, so\nwollen solche höchstens beanspruchen, einige Strahlen oder ein win-\nzig 61* „Götterfunke\" zu sein der gesammten Composition, in deren\nTiefen sich schon mancher Gelehrte hinabversenkte, um die Perle,\ndie verborgene, räthselhafc verborgene, wirklich oft wie von Wasser-\nwogen umspülte und umtoste Idee zu finden, sonst, auch nichts wei-\nter. Offenbar, das drängt sich von vorn herein dem unbefangenen\nBeobachter auf, ist nichts frappanter, als das Ergebniss, welches bei\nVergleicliung von Anfang und Ende sich herausstellt. Am Anfange\n(1. Satz) liegt ein tiefer Grund vor uns, in dessen Tiefe es bereits\narbeitet; es ist noch ungewiss, was hervorkommt. Bald jedoch wird\nman ein frisches, frohes, gesundes Leben gewahr, welches sich nach\ndurchgemachtem Process des Ausreifens allerdings wonnig freut! Aber\nes ist, wie man wohl sieht, eine natürliche Freude, eine erlaubte\nnicht bloss, sondern eine gebotene, eine Freude „an dem rosigen\nLichte, in dem es athmet\". Nimmermehr aber ist es die nämliche\nFreude, in welcher der vierte Theil sich austobt; denn hier bekun-\ndet sich eine entfesselte, dithyrambische Freude, in welche jenes so\nansprechende Scherzo nie von selber hätte auslaufen können, ohne\nEmancipation. Und sind nicht der Anfang und Verlauf dieser Eman-\neipation im dritten (?) und Beginn des vierten Satzes gegeben? Ist\nnicht da ein Aufruhr wie entfesselter Elemente und von ihnen theils\nmit Widerstreben, theils willig fort- und hingenommenen Creatur?\nIch sage „fort- und hingenommenen\", denn ich finde kein so unbe-\nfangenes, fröhliches Leben wieder, wie zu Anfang, in dem ganzen\nVerlaufe des Werkes bis zum Schlüsse. Die Freude des Anfanges,\nverglichen mit der des Endes, ist wie die eines hellen Sommermor-\ngens im Wald und auf der Haide, verglichen mit dem nächtlichen\nFreudengetose im Innern des A enusberges. Seltsam contrastiren hier\ndie chaotisch im Namen der Sinnlichkeit durch einander wogenden\nLusttöne mit den wenigen ernsten Klängen, welche als Reminiscenz,\naber als reuig klagende eines unbefangenen und darum doch noch\nheiteren Ehemals sich geltend machen eben so seltsam, wie in\nSchiller s Ode selber „dieses Glas1, mit „dem guten Geist überm\nSternenzelt dort oben\" contrastirt. Da ich nun die Freude, welcher\ndie Ode gewidmet ist, als identisch mit der zweitgenannten halte,\nso musste mii tiotzdem auch der vierte Theil als ein vollkommen\nund in eminentester Weise die Grundgefühle der Ode wiedergeben-\ndes Meisteiwerk erscheinen, das mir zwar zu bewundern mein Ver-\nstand gebietet, aber liebzugewinnen mein Innerstes verbietet.\n\") Auf den Wunsch des Herrn Correspondenten als „Curiosum\"\naufgenommen. Die Redaction."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-12-12-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-12-12_01#c009", "volume": "bmtnabi_1863-12-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "399", "page_fin": "400", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631212-01.2.8", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "399", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631212-01.1.7", "debut_caractere": 4028, "fin_caractere_exclue": 6927, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolli. Dinstag den 8. d. Mts. hielt die Sing-Ak a d e m i e\nunter der Leitung des königlichen Musik-Directors Herrn Franz\nW eher eine öffentliche Sitzung im Casinosaale, in der sie Men-\ndelssohn s „Elias\" durch einen zahlreichen Chor von klangvollen\nFlauen- und Männerstimmen mit Pianoforte-Begleitung vor einer\neingeladenen Zuhörerschaft, welche den Saal und die Galerieen dicht\ngedrängt lullte, recht befriedigend aufführte und dadurch den erfreu-\nlichen Beweis ihres fortdauernden eifrigen Studiums classischer Werke\ngab. Die Sopran- und Alt-Soli wurden von den Damen Julie Ro-\nthenberger und Wil h e 1 mine Pels-Leusden und einer Dilet-\ntantin, das Tenor-Solo von Herrn A. Pütz, die Partie des Elias\nim ersten Tlieile von Herrn Bergstein, im zweiten Theile von\neinem Dilettanten mit sonorer Bassstimme gesungen. Fräulein Ro-\nthenberger führte besonders die Partie der Witwe vorzüglich gut\naus, und Fräulein Pels-Leusden trug die leidenschaftlichen Recitative\nder Königin und im Gegensatz dazu das sanfte Arioso: ~Sei stille\ndem Herrn!\" sehr schön vor.\nIn der ersten Soiree für Kammermusik im kleinen Gür-\nzenichsaale am 24. November hörten wir die Violin-Quartette Op. 12\nin Es-dur von Mendelssohn und Op. 18 Nr. 4 in C-moll von\nBeethoven; dazwischen die grosse Sonate für Pianoforte und Vio-\nloncell von A. Rubinstein, Op. 18 in D-dar, durch die Herren\nIsidor Sei ss und Alexander Schmit. Herrn Georg Jap ha\nlernten wir an diesem Abende auch als einen tüchtigen und elegan-\nten Quartettspieler kennen; in dem ersten Satze des Beethoven'-\nschen Quartettes wäre vielleicht liier und da grössere Tonstärke und\nleidenschaftlichere Accentuation dem Charakter des Satzes gemäss\nzu wünschen gewesen, da sich eine Tiefe . und Innigkeit der Em-\npfindung darin ausspricht, welche die Gewalt der Melodieen ähnli-\ncher Art in späteren Werken Beethoven's ahnen lässt. Die Herren\nSeiss und Schmit trugen die sehr lange und schwierige Sonate\nvon Rubinstein mit grosser Virtuosität vor, und Herr Seiss zeigte\nauf völlig befriedigende Weise, dass er auch bei ruhiger Haltung\nvollkommen der Technik und des Ausdrucks auf seinem Instrumente\nHerr bleibt. Die Composition dieses Werkes offenbart, wie die mei-\nsten Sachen von Rubinstein, Talent und Phantasie in hohem Grade,\naber er iiberlässt sich beiden leider ohne Maass und Zügel, und so\nkann kein künstlerisch befriedigender Eindruck entstehen.\n** Bannen, 2. December. Am 28. v. Mts. hatten wir unser\nzweites Abonnements-Concert im Concordiasaale. J. Seb.\nBach's Suite in D-dur (Ouvertüre, Air, Gavotte I und 2,\nGigue) und Beethoven's Sinfonie Nr. VII. in A-dur waren die\nOrchesterstücke; dazu erfreute uns Herr Musik-Director A. Krause\ndurch einen classisclien Vortrag das D-moZZ-Concertes für Pianoforte\nvon Mozart. Für Gesang hörten wir eine Motette: „Du bist, dem\nRuhm und Ehre gebühret\", von J. Haydn und die Vorträge einer"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "400", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631212-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7271, "texte": "Sängerin aus Berlin, Fräulein Johanna Pressler, einer Schülerin\nvon Julius Stern. Diese junge, mit einer ungewöhnlich schönen Alt-\nstimme begabte Dame hat durch den Vortrag einer Arie aus Hän-\ndel's „Messias\" und der Partie des Orpheus in der Furienscene aus\nGluck's Orpheus grossen Beifall geärntet. Auch in der am 30.\nv. Mts. dem Concerte folgenden ersten Soiree für Kammermu-\nsik gewann sie durch den Gesang der Lieder „Der Wanderer\" und\n„Ungeduld\" von Schubert wiederholten Applaus. Ausserdem hörten\nwir in dieser Sitzung das Violin-Quartett in B-dur von J. Haydn\ndurch die Herren Seiss, Hö ffken jun., Ewald und Wodrich,\nBeethoven's für Pianoforte und Violoncello durch\ndie Herren Krause und Wodrich, und Schumann's Quartett in\nEs-dur für Pianoforte u. s. w., die Ciavierstimme ebenfalls von\nHerrn Krause gespielt.\n*** Dortmund, 20. November. In unserem letzten Vereins-\nConcerte am 18. d. Mts. erfreute uns die Concertsängerin Fräulein\nAnna Tewes aus Lippstadt (welche ihre Studien auf dem Conser-\nvatorium in Köln gemacht hat) durch den Vortrag einer grossen\nArie für Sopran aus der „Nachtwandlerin\", der beiden Lieder „Wid-\nmung\" von R. Schumann und „Gretchen am Spinnrade\" von Schu-\nbert, so wie durch Uebernahme der Partie der Loreley in Mendels-\nsohn's Finale. Musste uns bei der Arie der gewaltige Umfang ihres\nOrgans, das 2£ Octave rein und klangvoll aufweist, mit Bewunde-\nrung erfüllen, so wurde diese Leistung doch weit durch den Vor-\ntrag der beiden Lieder übertroffen, die von Fräulein Tewes mit so\ntiefem Wohlklang der Stimme, mit einer Wärme und Innigkeit des\nGefühls wiedergegeben wurden, wie sie nur anhaltendes und gründ-\nliches Studium einem glücklich begabten Organ zu verleihen ver-\nmag. Ihren Höhepunkt aber fanden ihre Leistungen in der Loreley.\nVon dem tiefen Weh, das die Worte: „Soll ich opfern meine Liebe?\"\ndurchzitterte, erhob sie sich in der Stelle: „So sei zerrissen meine\nLiebe!\" zu einer Gluth der Leidenschaft, die das Publicum zu an-\nhaltendem Applaus hinriss. Ihr dramatischer Beruf ist unverkennbar\nund wTird sie sich, wie wir vernehmen, der Bühne widmen. —d\nHamm, 30. November. Gestern hatten wir hier das Vergnü-\ngen, einige von Ihren kölner Künstlern in einer musicalischen Soiree\nzu hören. Fräulein Elise Rempel, eine Tochter des Herrn Pro-\nfessors Rempel am hiesigen Gymnasium, welche ihre Gesangstudien\nbei Herrn Koch in Köln macht, gab uns durch den Vortrag der\nArie: „Er weidet seine Herde\", von Händel, der Sopranstimme in\neinem Duett von Spohr (mit Herrn Koch) und zweier Lieder von\nKirchner und Dorn sehr erfreuliche Beweise ihrer Fortschritte in\nder Ausbildung einer schönen, vollen Mezzo-Sopranstimme. Herrn\nKoch's Lieder von Schubert und Mendelssohn machten, wie immer,\neinen trefflichen Eindruck. Ausserdem erregte Herr Seiss vom\nConservatorium in Köln durch den Vortrag einer Polonaise von\nChopin und der Lucia-Phantasie von Liszt Bewunderung.\nBenedix begeht am 18. Januar 1864 sein fünfundzwanzig-\njähriges Dichter-Jubiläum. 1839 ging an diesem Tage in Wesel\nsein erstes Stück über die Bretter. Es war „Das bemooste Haupt\"\nmit dem Dichter in der Titel-Rolle.\nDer General-Intendant Dr. Fr. Dingelstedt zeigt\ndurch ein Rundschreiben an, dass auf der weimarischen Hofbühne\ndie vier ersten Stücke des angekündigten Cyklus der historischen\nDramen Shakespeare's in der letzten Woche dieses Jahres zur Auf-\nführung kommen werden, und zwar Sonntag den 27. December : „Ri-\nchard II.\", Montag den 28. December: „Heinrich IV.\", 1. Theil,\nDinstag den 29. December: „Heinrich IV.\", 2. Theil, Mittwoch den\n30. December: „Heinrich V.\". In der Osterwoche künftigen Jahres,\nvon Ostermontag, 28. März 1864 an, wird alsdann, zur Vorfeier des\nauf den 23. April 1864 fallenden Shakespeare-Jubiläums, der ganze,\naus sieben Stücken bestehende Cyklus folgen, nämlich ausser\nden vier oben genannten: „Heinrich VI.\" in zwei Theilen und\n„Richard III.\".\nA Magdeburg 1. December. Am 25. v. Mts. hörten wir\nim dritten Abonneinen ts-C oncerte im Saale der Harmonie\ndie Concertsängerin Fräulein Julie Rothenberger aus Köln. Die\njunge Künstlerin errang durch den Vortrag der grossen Sopran-Arie\naus Haydn's „Schöpfung\" und zweier Lieder von Mozart und Dorn\neinen schönen Erfolg, den sie durch eine helle, besonders in der\nHöhe sehr rein und leicht ansprechende Stimme und correcten, aus-\ndrucksvollen und in keiner Hinsicht affectirten Gesang vollkommen\nverdiente. Nach dem wiederholten Applaus der Lieder sang sie noch\nBeethoven's „Freudvoll und leidvoll\" und löste die schwierige Auf-\ngabe des Vortrags dieses herrlichen Liedes unter grossem Beifall. Von\ndem königlichen Musik-Director Herrn Ehrlich hörten wir einen\nmeisterhaften Vortrag des Pianoforte-Concertes in Es-dur von C. M.\nvon Weber, das Perpetuum, mobile von demselben und die Rigoletto-\nPhantasie von Liszt. Beethoven's Sinfonie in .D-dur und Mendels-\nAthalia-Ouverture waren die Orchesterwerke des Abends.\nDie münchener Concert-Saison ward am Allerheiligen-Tage\ndurch das erste der von der musicalischen Akademie veranstalteten\nOdeons-Concerte eröffnet. Je wohlbegründeter der weitverbreitete\nRuf dieser trefflichen Musik-Aufführungen ist, desto unangenehmer\nmusste die trostlose Leere des Saales am Abende des 1. November\ndie ernsteren Kunstfreunde berühren. Das Programm hatte diesmal\nan dieser Theilnahmlosigkeit des Publicums keine Schuld. Man be-\ngann mit dem Finale aus der unvollendeten Oper „Loreley\" von\nMendelssohn; darauf folgte eine meisterhaft vorgetragene Bach'sche\nMotette, dann Beethoven's Phantasie für Pianoforte, Soli, Chor und\nOrchester, endlich desselben Meisters neunte Sinfonie. Das Unter-\nhaltungsblatt der münchener „Neuesten Nachrichten\", dem wir die\nobigen Angaben entnehmen, gedenkt bei dieser Gelegenheit mit An-\nerkennung einer neuen Einrichtung, in Folge deren „bei diesem\nConcerte bis zu dessen Ende die Saalthüren geschlossen blei-\nben\". Freilich ist es, wie dasselbe Blatt hinzufügt, „immerhin be-\ndauerlich, dass ein gebildetes Publicum durch solche Maassregeln\nvon den ungebildetsten Störungen des Genusses der Uebrigen abge-\nhalten werden muss\". Am 7. November begannen auch die Herren\nWalter, Closner, Thoms und Müller ihre Quartett-Soireen mit\nStreich-Quartetten von Haydn (D-moll), von Mozart {Es-dur) und\nvon Beethoven (E-moll). Die Theilnahme war auch hier der Zahl\nnach eine verhältnissmässig geringe, desto lebhafter aber äusserten\ndie Anwesenden den hohen Grad ihrer Befriedigung über die voll-\nendet schön vorgetragenen Musikstücke.\nf* Kotiere!iiiii, 10. December. Die nächste Woche wird\nbei uns eine musicalische Festwoche sein. Am 16. wird zur Vor-\nfeier von Beethoven's Geburtstag im Theater die Sinfonia eroica\nund darauf die Oper „Fidelio\" aufgeführt unter der Direction des\nCapellmeisters der deutschen Oper, Herrn Levi. Am 18. kommt\ndas Oratorium „Athalia\" von Händel unter Leitung des Herrn Ca-\npellmeisters Nicolai aus dem Haag zur Aufführung; Ihre Concert-\nsängerin, Fräulein Rothenberger, wird darin die Josabeth sin-\ngen. Fräulein Schreck die Alt-Partie. Am 19. geht F. H iiier's\nOper „Die Katakomben\" hier zum ersten Male in Scene, und\nwir rechnen es uns wohl nicht mit Unrecht zur Ehre an, dass ein\nauf Actien gegründetes deutsches Operntheater im Auslande vielen\nBühnen im Vaterlande des grossen Componisten vorangeht."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "393", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631212-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nJoseph Mayseder (Nekrolog). Aus Hamburg (Aufführung des Messias in der St. Michaeliskirche). Sophia\nSchoberlechner (Nekrolog), Gaetano Fraschini (Lebensskizze). Aus Bremen (Gastdarstellungen der Frau Deetz). Aus Regens-\nburg (Curiosum). Tages- und Unterhaitungsblatt (Köln, Sing-Akademie, I. Soiree für Kammermusik Barmen, 11. Abonne-\nments-Concert Dortmund, Vereins-Concert Hamm, Concert Jubiläum von Benedix Weimar, Rundschreiben Dingelstedt's.)\n\nJoseph Mayseder.\nGeboren 26. October 1789, gestorben 21. November 1863.\nEin musicalischer Charakterkopf, dessen Eigentüm-\nlichkeit nicht leicht begriffen werden kann, wenn man ihn\nnicht in nächster Nähe gesehen. Ein Charakterkopf, in\nmancher Beziehung so klar und schlicht in die Welt\nblickend, dass man ihn auf den ersten Blick weg zu haben\nglaubte, und doch wieder so merkwürdig widerspruchs-\nvoll in seinen künstlerischen und menschlichen Eigenschaf-\nten, dass man nicht läugnen konnte, vor einem ungelösten\npsychologischen Räthsel zu stehen. Wer ihn sah, ohne\nihn zu kennen, oder in Gesellschaft mit ihm verkehrte, der\nhätte den unscheinbaren alten Herrn für ein gleichgülti-\nges Mitglied der ehrsamen Zunft von „Gevatter Schneider\nund Handschuhmacher\" gehalten; wer mit ihm sprach\nund auf alles, was man ihm sagte, fast nur ein freundlich\nzustimmendes Lächeln, eine immer schon bereite Versiche-\nrung: „Ja, ja, das hab' ich mir auch gedacht, ganz meine\nMeinung!\" zurückerhielt, der musste ihn für geradezu\nunbedeutend erklären, und wer seine Aengstlichkeit im\nmenschlichen und künstlerischen Verkehr erlebt hatte, der\nhielt Mayseder ganz sicherlich für den Erz-Repräsentan-\nten des wiener musicalischen Philisterthums.\nSobald aber der kleine, stille, ängstliche Mann sein\nInstrument in Händen hatte, sobald seiner Geige heller\nTon erklang, da vergass man des Mannes, um nur des\nKünstlers zu gedenken, des Künstlers, dem vielleicht im-\nmerhin noch hier und da ein kleines Zöpfchen vom alten\nWienerthume anhing, der aber dabei ein Geiger ersten\nRanges war, dessen Leistungen auf diesem Felde voll-\ntönend, wohllautverbreitend, rund und fertig, wie alles\nkünstlerisch Vollendete, die lauschende Zuhörerschaft\nanlächelten.\nMayseder's Ton war nicht überwältigend gross, aber\nvoll, rund und glockenrein, seine Technik von tadelloser\nSauberkeit und von jener unfehlbaren Sicherheit, die alles\neinmal Unternommene fehlerfrei ausführt, weil sie nicht\nunternimmt, was sie nicht ausführen zu können überzeugt\nist. Seine Auffassung war nicht nur immer schlicht, ein-\nfach, natürlich, von jeder Manierirtheit völlig frei, sondern\nauch von einer edlen Wärme getragen, von einer unnach-\nahmlichen Grazie beseelt, die man ihm nach seinem Aus-\nsehen und Benehmen nicht zugetraut hätte.\nMayseder's Wirksamkeit hat sich niemals über die\nGränzen Oesterreichs, kaum über den wiener Linienwall\nerstreckt. In Wien jedoch war diese Wirksamkeit eine\nvollgültige, unbestrittene. Zur Zeit des wiener Congresses\nund mehr noch in den zwanziger Jahren trat er häufig\nals Concertspieler, theils allein, theils im Vereine mit dem\nbeliebten Violoncellisten Merk oder mit dem vielgenann-\nten Guitarre-Virtuosen Giuliani vor die OefTentlichkeit.\nDamals componirte er eine grosse Anzahl graziös-brillan-\nter Solostücke, Trio s, Quartette mit Ciavier, Variationen,\nSerenaden u. s. w. In der zweiten Hälfte seines Lebens\nwirkte Mayseder, der sich immer ängstlicher von der Oef-\nfentlichkeit abwandte, nur mehr als erster Geiger der kai-\nserlichen Hofcapelle, als Solospieler in Oper und Ballet\nund als Quartettspieler in Privatkreisen. Im Quartetlfache\nhatte er sich frühzeitig unter Schuppanzigh's Führung\neinen reinen, edlen Stil angeeignet, der in Verbindung mit\nseinen natürlichen künstlerischen Eigenschalten ihn vor\nAllem zur vollendeten Wiedergabe der Haydn'schen Quar-\ntette befähigte. Hierin war und bleibt er allen, die ihn\ngehört, ein unerreichtes Muster. Zunächst daran schliesst\nsich sein Vortrag der eigenen, dann der Spohr'schen, Mo-\nzart'schen und der ersten Beethoven'schen Werke. Für\nden „späteren\" Beethoven fehlte ihm Grösse und Leiden-\nschaftlichkeit, mitunter der rechte Schwung im Ausdruck,\nfür den „spätesten\" Beethoven auch Neigung und Ver-\nständniss. Von neueren Componisten spielte er Mendels-\nsohn, aber wohl nicht sonderlich gern; neuere Sachen ins"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "394", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631212-01.1.2", "texte": "Leben einzuführen, war er nicht der Mann. Sein Vortrag\nalter Sachen, vor Allem aber, wie gesagt, Haydn's, übte\neine wohlthuende, erquickliche, künstlerisch reinigende\nWirkung.\nMit Mayseder ist somit eine künstlerische Erscheinung\nvon echtem Werthe und zugleich ein Stück jenes theils\ngemüthlichen, theils philisterhaften Alt-Wien zu Grabe\ngegangen, welches fast nur noch in der Geschichte seinen\nPlatz einnimmt, um schwerlich je in ähnlichen Gestalten\nwieder aufzustehen. Was aber diese einzelnen Träger der\nalten wiener Kunst Gutes und Schönes dargebracht\nmöchte es doch als liebes und werthes Vermächtniss in\nSchrift und Wort und in der Erinnerung der Kunstfreunde\naufbewahrt werden, damit es noch über das Grab hinaus\nfortwirke, ermunternd, befruchtend, reinigend, als nach-\nahmungswerthes Muster, als Sinnbild echten Stils, als\nGrundgedanken ernster Schulung, deren unsere Gegen-\nwart so sehr bedarf! (Wien. Recens.)\nIm December 1812 kam Spohr nach Wien und\nschreibt in Bezug auf Mayseder und Rode Folgendes\nin seiner Selbstbiographie (I. 179):\n„Ich konnte daher mit der Aufnahme, die ich als\nKünstler in Wien gefunden hatte, vollkommen zufrieden\nsein. In Prival-Gesellschaflen, wo ich in der Regel nicht\nnur die genannten Geiger, sondern auch den ausgezeich-\nnetsten der einheimischen, Herrn Mayseder, antraf und\nmit allen diesen zu wetteifern hatte, wurde meinen Vor-\nträgen ebenfalls besondere Anerkennung und Aufmerk-\nsamkeit geschenkt. Es gab dann immer erst einen Streit,\nwer beginnen sollte, denn Jeder wollte der Letzte sein,\num seine Vorgänger zu verdunkeln. Ich aber, der über-\nhaupt viel lieber ein gediegenes Quartett, als ein Solostück\nvortrug, weigerte mich niemals, den Anfang zu machen,\nund wusste durch meine mir eigenthümliche Auffassungs-\nund Vortragsweise der classischen Quartelte auch stets\ndie Aufmerksamkeit und Theilnahme der Gesellschaft zu\ngewinnen. Hatten dann die Anderen ein Jeder sein Parade-\npferd vorgeritten, und bemerkte ich nun, dass die Gesell-\nschalt mehr Sinn für dergleichen als für classische Musik\nhatte, so holte ich zum Schlüsse noch eines meiner schwe-\nren und brillanten Potpourri's herbei und wusste dann in\nder Regel auch die Bravour im Vortrage meiner Vorgän-\nger noch zu überbieten.\n„Bei diesen häufigen Gelegenheiten, Rode zu hören,\nüberzeugte ich mich immer mehr, dass dieser der voll-\nkommene Geiger der früheren Zeit nicht mehr war. Durch\ndie ewige Wiederholung derselben und immer derselben\nCompositionen hatte sich in den Vortrag nach und nach\neine Manier eingeschlichen, die nun nahe an Caricatur\ngränzte. Ich hatte die Unverschämtheit, ihm dies anzudeu-\nten, indem ich ihn fragte, ob er sich denn gar nicht mehr\nerinnere, wie er seine Compositionen vor zehn Jahren ge-\nspielt habe. Ja, ich steigerte meine Impertinenz so weit,\ndass ich die Variationen in G-dur auflegte und ihm sagte,\nich wolle sie ihm genau in der Weise vortragen, wie ich\nsie vor zehn Jahren so oft von ihm gehört hätte. Nach\nbeendetem Spiel brach die Gesellschaft in grossen Jubel\naus, und so musste mir denn auch Rode schicklichkeits-\nhalber ein Bravo zurufen; doch sah man deutlich, dass er\nsich durch meine Indelicatesse verletzt fühlte. Und das\nmit vollem Rechte. Ich schämte mich bald derselben und\nerwähne des Vorfalles jetzt nur, um zu zeigen, wie sehr\nich mich damals als Geiger fühlte.\"\nMayseder war, wie sein Lehrer Schuppanzigh, ein\nganz vorzüglicher Quartettspieler, wie oben schon erwähnt.\nAber auch die von ihm selbst componirten Quartette sind\nunverdienter Weise der Vergessenheit geweiht worden,\nwas sich sogleich herausstellen würde, sobald sich einmal\neiner von den vielen Quartett-Vereinen in grossen und\nkleinen Städten herabliesse, das Quartett in D-dur oder\ndas Quintett in Es von Mayseder zum Vortrage zu brin-\ngen; eben so dürfte ein concertirender Violinist mit May-\nseder's zu ihrer Zeit berühmten Variationen über das\nThema (ich erinnere mich der Tonart nicht genau mehr):\nwelche auch Spohr in Soireen gern spielte, mehr Wir-\nkung als mit manchem Figuren- und Trillerspuk Tar-\ntini machen, wenn er sie mit Mayseder's Ton und Fein-\nheit des Ausdrucks vortrüge.\nIn den Jahren 1814—1820 waren die Concerte für\nRammermusik, welche Mayseder in Wien mit Hummel,\nauch mit Moscheies gab, ungeheuer besucht und bekannt\nunter dem Namen: „Ducaten-Concerte\".\nWeil wir einmal nach dem Wien der Congresszeit\nzurückgeblickt haben, so wollen wir den Lesern noch eine\ninteressante Anekdote über eine Oper von Hummel aus\njenen Tagen, ebenfalls aus Spohr's Selbstbiographie (S.\n215), mittheilen.\nAusser den beiden Mozart'schen Opern („Don Juan\"\nund „Zauberflöte\") erlebte noch eine dritte, eine neue\nVolks-Oper mit Musik von Hummel, durch einen son-\nderbaren Zufall, wie er wohl kein zweites Mal vorkommen\nwird, eine lange Reihe von täglichen Aufführungen. Sie\nhiess „Die Prinzessin Eselshaut\" und war von Seiten der\nDichtung ein so erbärmliches Machwerk, dass sie trotz der\nhübschen Musik, die auch in fünf bis sechs Nummern"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "395", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631212-01.1.3", "texte": "Grossen Beifall fand, am Ende einstimmig und ohne allen\nWiderspruch ausgepfiffen wurde. Damit war sie nun nach\nwiener Herkommen begraben. Hummel, der dirigirte, halte\nsich auch schon gegen mich, der ihm zu Ehren vorspielte,\nganz resignirt geäussert: „Wieder eine total verlorene Ar-\nbeit!\" Als nun aber am folgenden Abende ein anderes\nStück angesetzt werden sollte, wollte sich ein solches we-\ngen Krankheit mehrerer Mitglieder bei Oper und Schau-\nspiel durchaus nicht auffinden lassen, und man war daher\nzu einer Wiederholung der Oper genöthigt, selbst auf die\nGefahr hin, dadurch Scandal im Theater zu erregen. Es\nwurde aber an jenem Abende, eben des erwarteten Scan-\ndals wegen, ungeheuer voll, und man pfiff das Stück nach\njedem Acte und am Schlüsse von Neuem aus. Die Musik-\nstücke fanden aber noch mehr Beifall, als das erste Mal,\nund der Componist wurde sogar am Ende, nachdem das\nPfeifen verklungen war, mit Applaus herausgerufen. Da\ndie Krankheiten fortdauerten, so musste noch ein dritter\nVersuch gemacht werden, der ungefähr wie der vorige\nablief. Doch war die Opposition gegen das Stück schon\ngeringer und die Musik gewann sich immer mehr Freunde.\nSo konnte man ruhig fortfahren, und es fanden sich auch\nan den folgenden Abenden wieder neue Zuhörer in genü-\ngender Anzahl ein. Am Ende wurde es Mode, hinein zu\ngehen, auf das Stück zu schimpfen und die Musik zu loben.\nHummel benutzte das schnell und gab einen Clavier-Aus-\nzug der beliebtesten Nummern heraus, der reissend ab-\nging. So war es doch keine verlorene Arbeit, wie er am\nersten Abende gefürchtet hatte!\nNicht so glücklich war Pixis mit seiner Oper „Der\nZauberspruch\". Sie erlag dem schlechten Buche, ohne\ndass die Musik sie über Wasser zu halten vermochte, ob-\ngleich sie doch auch manche gelungene Nummer enthielt.\nSie gab zu einem echten wiener Witze Veranlassung. Ein\nFreund des Componisten, welcher der ersten Aufführung\nnicht hatte beiwohnen können, fragte einen Anderen, der\ndort gewesen war: „Nun, wie ist's mit der Oper von Pixis?\"\n„Nix is!\" war die Antwort.\n\nAus Hamburg.\n[Aufführung des Messias in der St. Michaeliskirche.]\nDen 1. December 1863.\nZum Besten des Thurmbaues an der neuen St. Nico-\nlaikirche war am 26. November eine Aufführung des\n„Messias\" von Händel in der grossen St. Michaeliskirche\nmit ausserordentlichen, zu diesem Zwecke vereinigten\nKräften unter der Leitung des Herrn Ludwig Deppe\nveranstaltet worden, welche in jeder Hinsicht, sowohl in\nkünstlerischer als in einträglicher, von höchst erfreulichem\nErfolge war. Es wirkten als Ausführende in Chor und\nOrchester über dreihundert Personen mit, und Herr Deppe\nleitete das Ganze mit jener Sicherheit und Umsicht, die zum\nDirigiren grosser Massen erforderlich ist. Der Zudrang des\nPublicums war ein ganz ungewöhnlicher. Der hiesige\n„Freyschütz\" bemerkt darüber der Wahrheit gemäss:\n„Einen Sitzplatz zu erhalten, hatte seine besonderen\nSchwierigkeiten, da die Hunderte von Personen, welche\nfast eine Stunde vor Eröffnung der Kirchthüren auf der\nStrasse harrten, als sie endlich in das Innere des Raumes\ngedrängt wurden, einen grossen Theil der Plätze unten\nund auf den Chören bereits eingenommen fanden. Wel-\nchen Weg diese Begünstigten genommen hatten, können\nwir nicht sagen; da der Glaube an Zauberhaftes in unse-\nren Tagen gänzlich unstatthaft erscheint, so muss man an-\nnehmen, dass es ganz natürlich dabei zugegangen ist, aber\nräthselhaft bleibt es doch.\"\nEine mächtige Anziehungskraft übten freilich ausser\ndem Ruhme des Werkes, dessen Aufführung doch eben\nnicht häufig ist — die erste fand hier in den achtziger Jah-\nren des vorigen Jahrhunderts durch J. Adam Miller Statt;\nnach der Befreiung von der französischen Herrschaft wurde\nder „Messias\" durch Grund und Ciasing am 7. und 9.\nSeptember 1818 zuerst wieder gegeben—, und ausser der\nBestimmung des Ertrages die Besetzung der Solo-Partieen\naus, namentlich die Gewissheit, dass unsere berühmte\nLandsmännin, Fräulein Therese Tietjens, die Ueber-\nfahrt von London in dieser ungünstigen Jahreszeit nicht\ngescheut hatte, um ihrer Vaterstadt und der neu erbauten\nNicolaikirche ein uneigennütziges Opler darzubringen. Da\nnun zugleich Frau Joachim, geborene Weiss, und Ju-\nlius Stockhausen die Alt- und Bass-Partie übernom-\nmen hatten und der allgemein geachtete Herr Brunner\nvom hiesigen Stadttheater die Tenor-Partie, so konnte\nman natürlich etwas Ausserordentliches erwarten, und\ngern hörten Hunderte von Zuhörern in den weiten Gän-\ngen der Kirche dieses Mal nicht nur das „ Hallelujahu\n(wie in England), sondern das ganze Oratorium stehend an.\nDass man Fraulein Tietjens mit der grössten Span-\nnung und doppelter Theilnahme entgegen sah, war na-\ntürlich; dadurch mag denn auch gerechtfertigt erscheinen,\ndass man die gefeierte Künstlerin den Reigen eröflnen\nHess und ihr zu Liebe das erste Tenor-Larghetto: „1 rö-\nstet Zion!tt der Sopranistin überwies. Allerdings war der\nEindruck der grossen Stimme der Künstlerin mit der rei-\nnen Intonation, der Fülle des Tones und der anschwellen-\nden Macht des gehaltenen e bei dem ersten Erklingen der\nmenschlichen Stimme im Gegensatz zum Orchester ein\nwunderbar ergreifender, und wir sind fest überzeugt, dass\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "396", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631212-01.1.4", "texte": "Händel selbst die Vertauschung der Stimme unter solchen\nVerhältnissen gebilligt haben würde. Ueberhaupt steht in\nden Oratorien Händel's eigentlich nie mit Sicherheit fest,\nob er die Oberstimme für Sopran oder Tenor, eben so\nwenig, ob er die Unterstimme für Alt oder Bass in den\nRecifativen und Arien bestimmt hat. Sowohl die verschie-\ndenen Ausgaben der Partituren, als die Nachrichten über\ndie Aufführungen bei seinen Lebzeiten bestätigen, dass er\nsich wahrscheinlich nach den Eigenschaften und Vorzügen\nder Sänger, über die er gerade verfügen konnte, bei der\nVertheilung der Soli gerichtet hat, da an vielen Stellen\nseiner Partituren oft nur A vo(eine Stimme) dem Solo-\ngesänge ohne alle Bestimmung der Stimmgattung vorge-\nschrieben ist. Es ist auch nicht anzunehmen, dass Händel\nsich durch ästhetisch-dramatische Gründe des Textes we-\ngen für eine Männer- oder Frauenstimme habe bestimmen\nlassen; er stand der italiänischen Castraten-Periode noch\nviel zu nahe, und so treffend und treu er sonst auch den\nGeist jedes Gesangstückes nach dem Geiste des Textes\nwiederzugeben weiss, so leiteten ihn doch, wie auch aus\nChrysander's Buch über ihn hervorgeht, bei den Solo-\ngesängen sehr häufig rein musicalische Beweggründe und\nsogar Bücksichten auf die Virtuosität der Sänger. Wir\nwerden freilich heutzutage wohl daran thun, bei der Ver-\ntheilung der Arien, die bald von einer Männer-, bald von\neiner Frauenstimme gesungen werden, auch auf die Natur\ndes Textes zu sehen, wie denn im „Messias\" z. B. gleich\nRecitativ und Arie Nr. 5 aus D-moll: „Ich bewege den\nHimmel und die Erde\" und: „Wer besteht, wenn er\nerscheint wie des Läuterers Feuer\" —in der Partitur dem\nAlt, in anderen Ausgaben dem Bass zugetheilt, offenbar\ndem letzteren angemessener ist, worüber besonders dann\nNiemand in Zweifel sein wird, wenn er sie von Stock-\nhausen hört, dessen Vortrag beider Stücke in declama-\ntorischer Auffassung und künstlerischer Vollendung einen\nGlanzpunkt seiner überall vortrefflichen Leistung bildete.\nAbweichend von anderen Aufführungen in Deutsch-\nland, wurde hier Nr. 17, Arie in B-dur: „Erwache zu\nLiedern der Wonne\", vom Sopran (sonst Tenor); Nr. 18,\nRecitativ: „Dann thut das Auge des Blinden sich auf\",\nvom Alt (Tenor); Nr. 19, die Arie 12/8 in der ersten\nHälfte vom Alt (Tenor oder Sopran), in der zweiten vom\nSopran; Nr. 28: „Die Schmach bricht ihm\", vom Tenor\n(Sopran), eben so Nr. 29: „Schau hin\" gesungen.\n[Letzteres ist auch in England gewöhnlich.] Verkürzt\nwurde das Oratorium nur durch folgende Auslassungen:\nChor Nr. 7: „Er wird sie reinigen\"; Chor Nr. 24, Fuge:\n„Durch seine Wunden\"; Becitativ Nr. 26 und Chor Nr.\n27: „Er trauete Gott, der helfe ihm nun\"; Nr. 33 und\n34, Recitativ und Chor: „Lobsingt dem ewigen Sohn\";\nNr. 35, Arie für Alt: „Du fuhrest in die Höh'\"; Nr. 40,\nChor: „Auf, zerreisset ihre Bande\"; Nr. 50, Chor: „Drum\ndankt Gott\"; Nr. 51, Sopran-Arie: „Ist Gott für uns\".\nChor und Orchester zeigten sich überall von der hohen\nAufgabe durchdrungen, die ihnen zu Theil geworden war,\nein solches Meisterwerk in seinen Fundamenten, welche\noffenbar die Chorgesänge bilden, würdig hinzustellen. Man\nhörte, dass Liebe und Eifer der Leitung entgegengekom-\nmen waren.\nEs ist selbstredend, dass die prachtvolle Stimme und\ndie hohe technische Vollendung in der Behandlung der-\nselben, welche Fräulein Tietjens jetzt erreicht hat, der\nAufführung einen ganz besonderen Glanz verliehen. Allein\ndas kritische Gewissen verlangt das offene Geständniss von\nunserer Seite, dass ihre Auffassung und der dadurch be-\ndingte Vortrag nicht immer den Ansichten entsprachen,\ndie in Deutschland über den oratorischen Vortrag nament-\nlich Händel'scher Musik geltend sind. Frau Joachim,\nunserem Publicum bereits ein werther Gast, sang die Alt-\nPartie so einfach und echt musicalisch, dass ihr die allge-\nmeinste Anerkennung zu Theil werden musste. Hatte uns\nFräulein Tietjens hin und wieder mit der englischen so\ngenannten Tradition, was aber richtiger gegenwärtig be-\nliebter Usus oder Abusus heissen sollte, in Betreff des\nVortrages einzelner Arien bekannt gemacht, da sie z. B.\ndie Arie: „Er weidet seine Herde\" u. s. w., in einem uns\nweniger geläufigen Tempo sang, so musste man um so\nfreudiger die Auffassung der Frau Joachim schätzen, die\nihre Ehre nur in der Ehre des Werkes selbst suchte. Herr\nStockhausen zeigte sich auch hier wieder in so hohem\nGrade als Meister seiner Kunst, dass wir ihm nicht genug\nseine Leistung zu danken wissen. Die Arien: „Wer mag\nden Tag seiner Zukunft erleiden\", „Sie schallt, die Po-\nsaune\", und alles Andere lassen sich nicht schöner den-\nken, als wir sie von Herrn Stockhausen hörten. Herr\nBrunner vom hiesigen Stadttheater zeigte ein löbliches\nStreben, der Tenor-Partie, die ihm übrigens etwas zu tief\nliegt, gerecht zu werden.\nSo wurde denn der 26. November in den Annalen\nHamburgs ein musicalischer Festtag, dessen Erinnerung\nlange fortdauern wird.\nDie erste Vorlesung im Athenäum war nicht zahlreich\nbesucht. In Betreff des anziehenden Vortrages des Herrn\nArrey vonDommer aus Leipzig ist dies zu bedauern.\nWir können nicht begreifen, dass der Gegenstand, der\nvon dem Gaste gewählt worden war, mit so gleichgültigen\nAugen angesehen wird, denn die Musikliebe ist in Ham-\nburg ausserordentlich verbreitet, und eine „Charakteristik\nder Zustände dieser Kunst in Hamburg\" bis zum Anfange\ndes vorigen Jahrhunderts hat doch für jeden Gebildeten"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "397", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631212-01.1.5", "texte": "ein culturhistoriscbes Interesse. Freilich liess sich nicht\nvorhersehen, dass der Vortrag so geistvoll und elegant in\nder Form gehalten werden würde, wie dies durch Herrn\nvon Dommer geschah. Seine Betrachtungen umfassten die\nhamburger Musikzustände von ihrem Entstehen 1692 an\nbis zu ihrer vollen Entwicklung 1703, und endlich ihr\nSinken bis zum gänzlichen Auslöschen 1738. Der Vor-\ntragende vertrat die Ansicht, dass das übereilte in die\nHöhe Treiben, wie bei einer Warmhauspflanze, ein vor-\nzeitiges Verwelken veranlasst habe. Händel, Matthe-\nso n und Kays er wurden im lebhaftesten Colorit vorge-\nführt und ihr Wirken auf scharfsinnige und kenntnissvolle\nWeise gewürdigt.\n\nSophia Schoberlechner †.\nFrau Sophia dall' Occa-Schoberlechner, eine\nder berühmtesten Opernsängerinnen der Neuzeit, ist vor\nKurzem in St. Petersburg gestorben. Frau Scboberlechner\nwar die Tochter des berühmten italiänischen Gesangleh-\nrers Philipp dall\" Occa und wurde 1809 zu St. Petersburg\ngeboren. Schon im zartesten Alter von 6 7 Jahren sang\nsie mit Beifall in mehreren Privathäusern, später in öffent-\nlichen Concerten, und wurde nach Entwicklung ihrer\nStimme eine der besten und beliebtesten Sängerinnen. In\nihrer Glanz-Periode schilderte sie ein Musikkenner: „Brust\nvon Erz, Silberstimme, goldenes Talent, kühnes Wagen,\nsiegreiches Gelingen.\" Ein Anderer sagte in den dreissiger\nJahren von ihr: „Ihr Kunst-Talent erscheint in dem Kranze\nihrer Eigenschaften nicht als eine einzelne Blume. Sie be-\nsitzt neben dieser bezaubernden Tonblume ausgezeichnete\nSprachkenntnisse, Heiterkeit des Geistes, Anmuth und Lie-\nbenswürdigkeit im Benehmen, wodurch sie als eine wahre\nPerle in geselligen Kreisen glänzt und in ernster Conver-\nsation durch Scharfblick und richtiges Urlheil überrascht.\nVorzüglich waltet da ihre Herzensmilde, wo es gilt, erwa-\nchende Talente an das Licht zu ziehen. Ueberhaupt ist\nSignora dall' Occa Sophia Scboberlechner nicht bloss im\nKunstfache, sondern auch in moralischer und intellectuel-\nler Hinsicht den Ausgezeichnetsten ihres Geschlechtes bei-\nzuzählen.\" Im Jahre 1824 hatte sie sich mit dem be-\nrühmten Pianisten und Comporiisten Franz Sc hober-\niech ner aus Wien, der eben in St. Petersburg concer-\ntirte, vermählt; 1831, als die Vorstellungen der italiäni-\nschen Gesellschaft in St. Petersburg ihr Ende fanden, begab\nsie sich nach Italien, wo sie bald eine der berühmtesten\nSängerinnen wurde. 1832 sang sie in Bologna mit der\nberühmten Mali bran und theilte mit ihr die Palme des\nRuhmes. Im Laufe einiger Jahre war sie Prima-Donna\nam Theater Deila Scala zu Mailand, wo sie auch zur Zeit\nder Krönung des österreichischen Kaisers sang, der beste\nBeweis, welche hohe Stelle sie unter den Sängerinnen Ita-\nliens einnahm. Ihr Gesang gehörte der höheren Schule,\nderen Repräsentantinnen in Italien eine Pasta und Grisi\nwaren, an. Die Recitative sang sie unnachahmlich, ihre\nPhraseologie und ihr Portamento waren classisch und alle\nPassagen wurden mit musterhafter Reinheit und Rundung\nausgelührt. Ihr jährliches Gehalt an der italiänischen Oper\nin St. Petersburg betrug 20,000 Rubel. 1833 war sie\nmit der italiänischen Oper in Wien, wo sie immense Er-\nfolge errang, eben so 1838. Seitdem lebte sie in St. Pe-\ntersburg, seit 1843 als Witwe.\n\nGaetano Fraschini.\nDer Tenorist Gaetano Fraschini, der gegenwär-\ntige Held der italiänischen Opern-Saison in Paris, wurde\n1817 in Pavia geboren, wo er im Hause seiner Eltern\neine sorgtältige Lrziehung genoss. Zum Jünglinge heran-\ngewachsen, begann er auf der dortigen Universität die phi-\nlosophischen Studien und war stets ein sehr fleissiger, eifri-\nger Student. Der Tod seiner Schwester, an der er mit\nzärtlicher Liebe hing, versetzte ihn plötzlich in tiefe Trauer,\nund seit diesem Augenblicke verlor er die Lust zu den\nStudien, ohne sich jedoch für irgend eine andere Laufbahn\nam allerwenigsten aber für die theatralische ent-\nschlossen zu haben. Eines Tages befand sich Fraschini bei\nseinem Bekannten Fei ice Moretti, einem talentvollen, lei-\nder zu früh verstorbenen Maestro, der eben ein Requiem\ncomponirt hatte, welches nächstens in der Kathedrale zu\nPavia aufgeführt werden sollte. Ein Sänger probirte gerade\ndas Incarnatus aus dem erwähnten Requiem, und Fras-\nchini war davon so sehr ergriffen, dass er dasselbe, nach-\ndem der Sänger fortgegangen war, nachzusingen ver-\nsuchte. Ueberrascht von der schönen, sonoren Stimme\nFraschini's, sprang Moretti auf und rief aus: Freund! Du\nmusst mir einen Gefallen thun! Und der ist? —Du musst\nmein Incarnatus in der Kirche singen. Was fällt Dir\nein? Ich kenne ja keine Note! Thut nichts; lass mich\ndafür sorgen; bis zur Aufführung sind noch zwei Wochen,\nund bis dahin hast Du es längst inne. Die Idee war zu\nschön, zu poetisch und zu reizend zugleich. Fraschini\ndurfte und konnte sich nicht länger sträuben, und vierzehn\nTage darauf sang er das Incarnatus in der Kathedrale zu\nPavia so bezaubernd schön, dass Alles sich nach dem Chor\nhinwandte, von welchem diese herrliche Stimme ertönte,\nund sich nach dem beneidenswerthen Besitzer derselben\nerkundigte. Der Eindruck, den der junge Sänger damals"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "398", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631212-01.1.6", "texte": "hervorbrachte, war so gross, dass der Chor-Director ihn\nzu sich kommen liess, ihm dringend rieth, sich ganz der\nMusik zu widmen, und ihm sogleich die Stelle eines Chor-\nsängers an der Kathedrale zu Pavia verlieh eine Stelle,\ndie Fraschini noch jetzt nicht aufgegeben hat und nur mit\ndem Gefühle eines edlen Stolzes davon spricht.—Nun fing\nFraschini an, sich unter Moretti's Leitung mit allem Eifer\nund aller Liebe auf die Gesangskunst zu verlegen, studirte\ndie besten Muster und bildete sich als Sänger immer mehr\naus, bis er sich fähig genug glaubte, sein Glück auf der\nBühne zu versuchen. Er war bei all seinen herrlichen Mit-\nteln, bei all seinen Vorzügen so bescheiden, als zweiter\nTenor in seiner Vaterstadt Pavia aufzutreten, in welcher\ner mit einem unbedeutenden Honorar für die Carnevals-\nSaison des Jahres 1837 engagirt war. Er sang hierauf\nin der Oper „Belisario\"mit dem glänzendsten Erfolge,\nund fesselte seitdem nicht nur die Aufmerksamkeit des\nPublicums, sondern vorzüglich auch der Impresari, die auf\ndieses seltene, ausgezeichnete Tenor-Exemplar Jagd mach-\nten. Pavia engagirte ihn sofort für die nächste Frühlings-\nSaison, gleich darauf Vicenza, dann Venedig, Padua, Pia-\ncenza, Mailand, Turin und Neapel. Sein Ruf als einer der\nersten Tenoristen der Gegenwart gelangte nach Paris,\nLondon und Wien, in welch letzterer Stadt er für die ita-\nliänische Opern-Saison 1844 47, dann später wieder\ngewonnen ward. Die Stimme Fraschini's ist eine der schön-\nsten, die man hören kann. Vom tiefen bis zum hohen\nb schlägt er jeden Ton mit Leichtigkeit und aus voller\nBrust an. Der Wohllaut seines Organs und das Metall-\nreiche seines Timbres ist kräftig und doch zum Herzen\nsprechend. Sein Vortrag ist einfach, edel und echt drama-\ntisch, nicht süsslich und doch angenehm, nicht weinerlich\nund doch rührend, nicht schreiend und doch durchgrei-\nfend. Vor Jahren verehelichte er sich mit Ciotilde\nRonzi, der einzigen Tochter der berühmten Prima-Donna\ngleichen Namens. Fraschini ist übrigens auch ausser der\nBühne eine sehr liebenswürdige Erscheinung, bescheiden,\ngebildet und angenehm im Umgange.\n\nAus Bremen.\nDen 28. November 1863.\nFrau Deetz vom karlsruher Hoftheater eröffnete am\nSonntag als Margarethe in Gounod's „Faust\" einen Cyklus\nvon Gastdarstellungen, den wir gern möglichst ausgedehnt\nzu sehen wünschen. Von allen Gretchen, die wir hier ge-\nhört, hat uns der Gast am besten gefallen. Ihre Vorgän-\ngerinnen überragt sie durch ihr reicher entwickeltes Spiel\nund ihren dramatischeren seelenvollen Vortrag, und vor\nder trefflichen Margarethe unseres dresdener Gastes möch-\nten wir der ihrigen in so fern den Vorrang geben, als\nsie, ohne dem Bilde der Margarethe, wie wir es uns aus\ndem deutschen Dichterwerke gestalten, die mindeste Ge-\nwalt anzuthun, das musicalische Gebilde des französischen\nComponisten vollständiger und wirkungsvoller auszuprägen\nverstanden hat. In ihrer Stimme bringt Frau Deetz für\ndiese Rolle, wie uns scheint, eine besonders günstige Qua-\nlification mit. Es ist ein wohlgebildeter Mezzo-Sopran mit\neiner sonoren, höchst selten an das zwitterhafte Timbre\nder italiänischen Romeo's u. s. w. anklingenden Tiefe und\neiner zwar mässigen, aber frischen, klangvollen, sympathi-\nschen Höhe, bei der man sich die öfter in den bewegteren\nMomenten vorkommende Vibration der höchsten Töne\nwohl gefallen lassen kann; weniger schön und kräftig ist\ndie mittlere Lage. Schon die Anfänge der Gartenscene\nkonnten keinen Zweifel über den Werth und die Bedeu-\ntung der Leistung lassen. Der schwierige Vortrag der\nStrophen des „Königs von Thüle\" zeigte eine glückliche\nCombination des Balladentones mit dem Ausdrucke sub-\njectiver Empfindung; die Schmuckkästchen-Scene war in\nSpiel und Gesang von gleich anmuthiger Naivetät. Dass\nmit der Wärme des Gefühls und dem höheren Werthe\nder Musik auch die Darstellung gleichen Schritt hielt, ver-\nsteht sich danach fast von selbst; als einen der Glanz-Mo-\nmente des Actes möchten wir den Ausdruck des verschäm-\nten vor sich selbst Erschreckens bezeichnen, mit dem Mar-\ngarethe die Entscheidung des Blumen-Orakels empfängt.\nIn den weiteren Acten erhielt sich die Sängerin im We-\nsentlichen auf der hier erreichten Höhe; vortrefflich war\nnamentlich wieder die Schluss-Scene und besonders schön\nder Schmerzens- und Wahnsinns-Anhauch, den sie den\nbekannten Reminiscenzen zu geben wusste. Das Publicum\nbegleitete den Gast bis ans Ende mit unvermindertem In-\nteresse, lebhaftem Applaus und mehrfachen Hervorrufen.\nAm Mittwoch wurde die Oper wiederholt. Gleich der\nGast-Darstellung lassen sich auch die beiden letzten Vor-\nstellungen des „Faust\" überhaupt als die im Ganzen ge-\nlungensten an der hiesigen Bühne bezeichnen. Herrn Behr's\nMephisto möchte gesanglich selten übertroffen werden;\nauch Herrn Thelen's Valentin ist eine gute Leistung, wie\nbekannter Maassen der Faust des Herrn Wild. Das Or-\nchester verdient eine besondere Anerkennung. Die Hin-\nweglassung der Rirehen-Scene, die auf den Wunsch der\nSängerin wegblieb, dürfte überhaupt angemessen sein.\nFrau Deetz ist in dieser Rolle so ausgezeichnet, dass sie\nallein auf die Darstellung des Gretchen reisen könnte, da\njede Bühne es sich gewisser Maassen zur Ehre machen\nmüsste, diese Margarethe dem Publicum vorzuführen.\nNächstdem haben wir dem Vernehmen nach von der treff-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "399", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631212-01.1.7", "texte": "liehen Künstlerin auch die Darstellung der Clythia in F.\nHillers „Katakomben\" zu erwarten, welche ebenfalls eine\nganz vorzügliche sein soll.\nAm Freitag kamen wieder Meyerbeer's „Hugenotten\"\nmit Frau Haase-Capitain als Valentine zur Auffüh-\nrung. Den Marcel sang diesmal als zweite Gastrolle Herr\nHermanns, bisher Mitglied eines der zwei italienischen\nOperntheater in London. Der Gast besitzt eine in der\nmittleren Lage kräftige und wohllautende Bassstimme; in\nder Tiefe ist sie beschränkt und von geringer Tragkraft;\nVortrag und Spiel liessen zwar, jener an Correctheit, die-\nses an prägnanter Charakteristik, zu wünschen übrig, ge-\nwannen indess durch Frische und Natürlichkeit. Im All-\ngemeinen sprach der Sänger an; in der grossen Scene des\ndritten Actes wurde ihm sogar die Ehre, mit Frau Haase\ngerufen zu werden.\n\nAus Regensburg\nDr. Mettenleiter.\n*).\nDen 4. December 1863.\nGestern brachte der Capellmeister des hiesigen Theaters, Herr\nZwicker, den die Leser bereits aus vorigjährigen Berichten als\ntüchtigen Dirigenten und Componisten kennen, Beethoven's neunte\nSinfonie zur höchst gelungenen Aufführung. Fräulein Michalesi,\nHerr Scharf, Herr Frä n k 1 und Fräulein Herm an n (mit Aus-\nnahm e der letzteren Mitglieder der Oper) sangen die Soli. Wenn\nich nun über die als vollendetes Meisterwerk mit Recht viel und\nhochgepriesene Sinfonie einige Gedanken niederschreiben soll, so\nwollen solche höchstens beanspruchen, einige Strahlen oder ein win-\nzig 61* „Götterfunke\" zu sein der gesammten Composition, in deren\nTiefen sich schon mancher Gelehrte hinabversenkte, um die Perle,\ndie verborgene, räthselhafc verborgene, wirklich oft wie von Wasser-\nwogen umspülte und umtoste Idee zu finden, sonst, auch nichts wei-\nter. Offenbar, das drängt sich von vorn herein dem unbefangenen\nBeobachter auf, ist nichts frappanter, als das Ergebniss, welches bei\nVergleicliung von Anfang und Ende sich herausstellt. Am Anfange\n(1. Satz) liegt ein tiefer Grund vor uns, in dessen Tiefe es bereits\narbeitet; es ist noch ungewiss, was hervorkommt. Bald jedoch wird\nman ein frisches, frohes, gesundes Leben gewahr, welches sich nach\ndurchgemachtem Process des Ausreifens allerdings wonnig freut! Aber\nes ist, wie man wohl sieht, eine natürliche Freude, eine erlaubte\nnicht bloss, sondern eine gebotene, eine Freude „an dem rosigen\nLichte, in dem es athmet\". Nimmermehr aber ist es die nämliche\nFreude, in welcher der vierte Theil sich austobt; denn hier bekun-\ndet sich eine entfesselte, dithyrambische Freude, in welche jenes so\nansprechende Scherzo nie von selber hätte auslaufen können, ohne\nEmancipation. Und sind nicht der Anfang und Verlauf dieser Eman-\neipation im dritten (?) und Beginn des vierten Satzes gegeben? Ist\nnicht da ein Aufruhr wie entfesselter Elemente und von ihnen theils\nmit Widerstreben, theils willig fort- und hingenommenen Creatur?\nIch sage „fort- und hingenommenen\", denn ich finde kein so unbe-\nfangenes, fröhliches Leben wieder, wie zu Anfang, in dem ganzen\nVerlaufe des Werkes bis zum Schlüsse. Die Freude des Anfanges,\nverglichen mit der des Endes, ist wie die eines hellen Sommermor-\ngens im Wald und auf der Haide, verglichen mit dem nächtlichen\nFreudengetose im Innern des A enusberges. Seltsam contrastiren hier\ndie chaotisch im Namen der Sinnlichkeit durch einander wogenden\nLusttöne mit den wenigen ernsten Klängen, welche als Reminiscenz,\naber als reuig klagende eines unbefangenen und darum doch noch\nheiteren Ehemals sich geltend machen eben so seltsam, wie in\nSchiller s Ode selber „dieses Glas1, mit „dem guten Geist überm\nSternenzelt dort oben\" contrastirt. Da ich nun die Freude, welcher\ndie Ode gewidmet ist, als identisch mit der zweitgenannten halte,\nso musste mii tiotzdem auch der vierte Theil als ein vollkommen\nund in eminentester Weise die Grundgefühle der Ode wiedergeben-\ndes Meisteiwerk erscheinen, das mir zwar zu bewundern mein Ver-\nstand gebietet, aber liebzugewinnen mein Innerstes verbietet.\n\") Auf den Wunsch des Herrn Correspondenten als „Curiosum\"\naufgenommen. Die Redaction.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolli. Dinstag den 8. d. Mts. hielt die Sing-Ak a d e m i e\nunter der Leitung des königlichen Musik-Directors Herrn Franz\nW eher eine öffentliche Sitzung im Casinosaale, in der sie Men-\ndelssohn s „Elias\" durch einen zahlreichen Chor von klangvollen\nFlauen- und Männerstimmen mit Pianoforte-Begleitung vor einer\neingeladenen Zuhörerschaft, welche den Saal und die Galerieen dicht\ngedrängt lullte, recht befriedigend aufführte und dadurch den erfreu-\nlichen Beweis ihres fortdauernden eifrigen Studiums classischer Werke\ngab. Die Sopran- und Alt-Soli wurden von den Damen Julie Ro-\nthenberger und Wil h e 1 mine Pels-Leusden und einer Dilet-\ntantin, das Tenor-Solo von Herrn A. Pütz, die Partie des Elias\nim ersten Tlieile von Herrn Bergstein, im zweiten Theile von\neinem Dilettanten mit sonorer Bassstimme gesungen. Fräulein Ro-\nthenberger führte besonders die Partie der Witwe vorzüglich gut\naus, und Fräulein Pels-Leusden trug die leidenschaftlichen Recitative\nder Königin und im Gegensatz dazu das sanfte Arioso: ~Sei stille\ndem Herrn!\" sehr schön vor.\nIn der ersten Soiree für Kammermusik im kleinen Gür-\nzenichsaale am 24. November hörten wir die Violin-Quartette Op. 12\nin Es-dur von Mendelssohn und Op. 18 Nr. 4 in C-moll von\nBeethoven; dazwischen die grosse Sonate für Pianoforte und Vio-\nloncell von A. Rubinstein, Op. 18 in D-dar, durch die Herren\nIsidor Sei ss und Alexander Schmit. Herrn Georg Jap ha\nlernten wir an diesem Abende auch als einen tüchtigen und elegan-\nten Quartettspieler kennen; in dem ersten Satze des Beethoven'-\nschen Quartettes wäre vielleicht liier und da grössere Tonstärke und\nleidenschaftlichere Accentuation dem Charakter des Satzes gemäss\nzu wünschen gewesen, da sich eine Tiefe . und Innigkeit der Em-\npfindung darin ausspricht, welche die Gewalt der Melodieen ähnli-\ncher Art in späteren Werken Beethoven's ahnen lässt. Die Herren\nSeiss und Schmit trugen die sehr lange und schwierige Sonate\nvon Rubinstein mit grosser Virtuosität vor, und Herr Seiss zeigte\nauf völlig befriedigende Weise, dass er auch bei ruhiger Haltung\nvollkommen der Technik und des Ausdrucks auf seinem Instrumente\nHerr bleibt. Die Composition dieses Werkes offenbart, wie die mei-\nsten Sachen von Rubinstein, Talent und Phantasie in hohem Grade,\naber er iiberlässt sich beiden leider ohne Maass und Zügel, und so\nkann kein künstlerisch befriedigender Eindruck entstehen.\n** Bannen, 2. December. Am 28. v. Mts. hatten wir unser\nzweites Abonnements-Concert im Concordiasaale. J. Seb.\nBach's Suite in D-dur (Ouvertüre, Air, Gavotte I und 2,\nGigue) und Beethoven's Sinfonie Nr. VII. in A-dur waren die\nOrchesterstücke; dazu erfreute uns Herr Musik-Director A. Krause\ndurch einen classisclien Vortrag das D-moZZ-Concertes für Pianoforte\nvon Mozart. Für Gesang hörten wir eine Motette: „Du bist, dem\nRuhm und Ehre gebühret\", von J. Haydn und die Vorträge einer"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "400", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631212-01.1.8", "texte": "Sängerin aus Berlin, Fräulein Johanna Pressler, einer Schülerin\nvon Julius Stern. Diese junge, mit einer ungewöhnlich schönen Alt-\nstimme begabte Dame hat durch den Vortrag einer Arie aus Hän-\ndel's „Messias\" und der Partie des Orpheus in der Furienscene aus\nGluck's Orpheus grossen Beifall geärntet. Auch in der am 30.\nv. Mts. dem Concerte folgenden ersten Soiree für Kammermu-\nsik gewann sie durch den Gesang der Lieder „Der Wanderer\" und\n„Ungeduld\" von Schubert wiederholten Applaus. Ausserdem hörten\nwir in dieser Sitzung das Violin-Quartett in B-dur von J. Haydn\ndurch die Herren Seiss, Hö ffken jun., Ewald und Wodrich,\nBeethoven's für Pianoforte und Violoncello durch\ndie Herren Krause und Wodrich, und Schumann's Quartett in\nEs-dur für Pianoforte u. s. w., die Ciavierstimme ebenfalls von\nHerrn Krause gespielt.\n*** Dortmund, 20. November. In unserem letzten Vereins-\nConcerte am 18. d. Mts. erfreute uns die Concertsängerin Fräulein\nAnna Tewes aus Lippstadt (welche ihre Studien auf dem Conser-\nvatorium in Köln gemacht hat) durch den Vortrag einer grossen\nArie für Sopran aus der „Nachtwandlerin\", der beiden Lieder „Wid-\nmung\" von R. Schumann und „Gretchen am Spinnrade\" von Schu-\nbert, so wie durch Uebernahme der Partie der Loreley in Mendels-\nsohn's Finale. Musste uns bei der Arie der gewaltige Umfang ihres\nOrgans, das 2£ Octave rein und klangvoll aufweist, mit Bewunde-\nrung erfüllen, so wurde diese Leistung doch weit durch den Vor-\ntrag der beiden Lieder übertroffen, die von Fräulein Tewes mit so\ntiefem Wohlklang der Stimme, mit einer Wärme und Innigkeit des\nGefühls wiedergegeben wurden, wie sie nur anhaltendes und gründ-\nliches Studium einem glücklich begabten Organ zu verleihen ver-\nmag. Ihren Höhepunkt aber fanden ihre Leistungen in der Loreley.\nVon dem tiefen Weh, das die Worte: „Soll ich opfern meine Liebe?\"\ndurchzitterte, erhob sie sich in der Stelle: „So sei zerrissen meine\nLiebe!\" zu einer Gluth der Leidenschaft, die das Publicum zu an-\nhaltendem Applaus hinriss. Ihr dramatischer Beruf ist unverkennbar\nund wTird sie sich, wie wir vernehmen, der Bühne widmen. —d\nHamm, 30. November. Gestern hatten wir hier das Vergnü-\ngen, einige von Ihren kölner Künstlern in einer musicalischen Soiree\nzu hören. Fräulein Elise Rempel, eine Tochter des Herrn Pro-\nfessors Rempel am hiesigen Gymnasium, welche ihre Gesangstudien\nbei Herrn Koch in Köln macht, gab uns durch den Vortrag der\nArie: „Er weidet seine Herde\", von Händel, der Sopranstimme in\neinem Duett von Spohr (mit Herrn Koch) und zweier Lieder von\nKirchner und Dorn sehr erfreuliche Beweise ihrer Fortschritte in\nder Ausbildung einer schönen, vollen Mezzo-Sopranstimme. Herrn\nKoch's Lieder von Schubert und Mendelssohn machten, wie immer,\neinen trefflichen Eindruck. Ausserdem erregte Herr Seiss vom\nConservatorium in Köln durch den Vortrag einer Polonaise von\nChopin und der Lucia-Phantasie von Liszt Bewunderung.\nBenedix begeht am 18. Januar 1864 sein fünfundzwanzig-\njähriges Dichter-Jubiläum. 1839 ging an diesem Tage in Wesel\nsein erstes Stück über die Bretter. Es war „Das bemooste Haupt\"\nmit dem Dichter in der Titel-Rolle.\nDer General-Intendant Dr. Fr. Dingelstedt zeigt\ndurch ein Rundschreiben an, dass auf der weimarischen Hofbühne\ndie vier ersten Stücke des angekündigten Cyklus der historischen\nDramen Shakespeare's in der letzten Woche dieses Jahres zur Auf-\nführung kommen werden, und zwar Sonntag den 27. December : „Ri-\nchard II.\", Montag den 28. December: „Heinrich IV.\", 1. Theil,\nDinstag den 29. December: „Heinrich IV.\", 2. Theil, Mittwoch den\n30. December: „Heinrich V.\". In der Osterwoche künftigen Jahres,\nvon Ostermontag, 28. März 1864 an, wird alsdann, zur Vorfeier des\nauf den 23. April 1864 fallenden Shakespeare-Jubiläums, der ganze,\naus sieben Stücken bestehende Cyklus folgen, nämlich ausser\nden vier oben genannten: „Heinrich VI.\" in zwei Theilen und\n„Richard III.\".\nA Magdeburg 1. December. Am 25. v. Mts. hörten wir\nim dritten Abonneinen ts-C oncerte im Saale der Harmonie\ndie Concertsängerin Fräulein Julie Rothenberger aus Köln. Die\njunge Künstlerin errang durch den Vortrag der grossen Sopran-Arie\naus Haydn's „Schöpfung\" und zweier Lieder von Mozart und Dorn\neinen schönen Erfolg, den sie durch eine helle, besonders in der\nHöhe sehr rein und leicht ansprechende Stimme und correcten, aus-\ndrucksvollen und in keiner Hinsicht affectirten Gesang vollkommen\nverdiente. Nach dem wiederholten Applaus der Lieder sang sie noch\nBeethoven's „Freudvoll und leidvoll\" und löste die schwierige Auf-\ngabe des Vortrags dieses herrlichen Liedes unter grossem Beifall. Von\ndem königlichen Musik-Director Herrn Ehrlich hörten wir einen\nmeisterhaften Vortrag des Pianoforte-Concertes in Es-dur von C. M.\nvon Weber, das Perpetuum, mobile von demselben und die Rigoletto-\nPhantasie von Liszt. Beethoven's Sinfonie in .D-dur und Mendels-\nAthalia-Ouverture waren die Orchesterwerke des Abends.\nDie münchener Concert-Saison ward am Allerheiligen-Tage\ndurch das erste der von der musicalischen Akademie veranstalteten\nOdeons-Concerte eröffnet. Je wohlbegründeter der weitverbreitete\nRuf dieser trefflichen Musik-Aufführungen ist, desto unangenehmer\nmusste die trostlose Leere des Saales am Abende des 1. November\ndie ernsteren Kunstfreunde berühren. Das Programm hatte diesmal\nan dieser Theilnahmlosigkeit des Publicums keine Schuld. Man be-\ngann mit dem Finale aus der unvollendeten Oper „Loreley\" von\nMendelssohn; darauf folgte eine meisterhaft vorgetragene Bach'sche\nMotette, dann Beethoven's Phantasie für Pianoforte, Soli, Chor und\nOrchester, endlich desselben Meisters neunte Sinfonie. Das Unter-\nhaltungsblatt der münchener „Neuesten Nachrichten\", dem wir die\nobigen Angaben entnehmen, gedenkt bei dieser Gelegenheit mit An-\nerkennung einer neuen Einrichtung, in Folge deren „bei diesem\nConcerte bis zu dessen Ende die Saalthüren geschlossen blei-\nben\". Freilich ist es, wie dasselbe Blatt hinzufügt, „immerhin be-\ndauerlich, dass ein gebildetes Publicum durch solche Maassregeln\nvon den ungebildetsten Störungen des Genusses der Uebrigen abge-\nhalten werden muss\". Am 7. November begannen auch die Herren\nWalter, Closner, Thoms und Müller ihre Quartett-Soireen mit\nStreich-Quartetten von Haydn (D-moll), von Mozart {Es-dur) und\nvon Beethoven (E-moll). Die Theilnahme war auch hier der Zahl\nnach eine verhältnissmässig geringe, desto lebhafter aber äusserten\ndie Anwesenden den hohen Grad ihrer Befriedigung über die voll-\nendet schön vorgetragenen Musikstücke.\nf* Kotiere!iiiii, 10. December. Die nächste Woche wird\nbei uns eine musicalische Festwoche sein. Am 16. wird zur Vor-\nfeier von Beethoven's Geburtstag im Theater die Sinfonia eroica\nund darauf die Oper „Fidelio\" aufgeführt unter der Direction des\nCapellmeisters der deutschen Oper, Herrn Levi. Am 18. kommt\ndas Oratorium „Athalia\" von Händel unter Leitung des Herrn Ca-\npellmeisters Nicolai aus dem Haag zur Aufführung; Ihre Concert-\nsängerin, Fräulein Rothenberger, wird darin die Josabeth sin-\ngen. Fräulein Schreck die Alt-Partie. Am 19. geht F. H iiier's\nOper „Die Katakomben\" hier zum ersten Male in Scene, und\nwir rechnen es uns wohl nicht mit Unrecht zur Ehre an, dass ein\nauf Actien gegründetes deutsches Operntheater im Auslande vielen\nBühnen im Vaterlande des grossen Componisten vorangeht."}]}