{"numero_id": "bm-bmtnabi-1863-12-19-01", "volume": "bmtnabi_1863-12-19_01", "ocr_sha256": "3d4f5de334b0a5b589e936b15de110336029bdb532e529fc2a0f2e8b5f115585", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1863/12/19_01/bmtnabi_1863-12-19_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631219-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1863-12-19-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-12-19_01#c001", "volume": "bmtnabi_1863-12-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "401", "page_fin": "401", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631219-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "401", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631219-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 453, "texte": "Inhalt.\nCarl Maria von Weber (Ein Lebensbild). Aus Berlin (Zweites Concert der Gesellschaft der Musikfreunde). Von\nG, E. Aus H. Berlioz' Trojanern. Viertes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unter hal tu ngsblatt\n(Köln, Beethoven'» Geburtstag Bonn, IL Abonnements-Concert '.Mainz, Richard — Aachen, Concert Cleve, Soiree\nEssen, HändeFs „Samson\" Coburg, „Des Sängers Fluch\" Berlin, Jul. 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Uns aber liegt es ob, zunächst den Lesern\ndieser Blätter, den Kunstlern und Kunstfreunden, vor Al-\nlem zu verkünden, was sie in diesem Buche finden werden.\nDesshalb wollen wir zuerst aus einander setzen, was der\nVerfasser gewollt hat, und dann untersuchen, ob und\nwie er die Aufgabe, die er sich gestellt, gelöst habe. Je\nmehr seine Arbeit — die Frucht von beinahe siebenjähri-\ngem Sammeln, Sichten, Vergleichen und Forschen — in\nFolge seiner Auffassung der Grundsätze für die Darstellung\neines Künstlerlebens von anderen biographischen Werken\nunserer Zeit abweicht, desto mehr wird es Pflicht, diese\nGrundsätze darzulegen.\nWir entnehmen sie in den Hauptzügen der Vorrede\ndes Buches, die XVII Seiten füllt, mit des Verfassers eige-\nnen Worten. Nachdem Herr von Weber über das Ver-\nhältniss des Biographen als Sohn zum Vater gesprochen,\nfährt er fort:\n„Ich erwog, dass der lange, seit dem Scheiden des\nMeisters verstrichene Zeitraum mir das Gewinnen der nö-\nthigen Objectivität erleichtere, dass es immer besser sei,\nwenn treue Liebe mit allen Gefahren, die sie im Gefolire\nC/\nhat, sich an die Darstellung des theuren Meisters mache,\nals wenn etwa einmal kühle, zersetzende Kritik oder blin-\nder Enthusiasmus das Werk unternähmen, oder gar ein\nKünstler von Fach die Feder dazu ergriffe. Denn je be-\ndeutender dieser wäre, um so gefährlicher würde es für\ndie Treue der Darstellung sein, weil, je ausgeprägter, tie-\nfer und originaler ein Künstler in seiner Richtung ist, es\nihm um so schwerer werden muss, den Fachgenossen mit\nwahrem Gewichte zu wägen, mit redlichem Maasse zu\nmessen. Ist doch eigentlich jedes Anerkennen, das der\nwahrhaft für sein Streben begeisterte Künstler seiner In-\ntelligenz für abweichende Richtungen abgewinnt, eine Art\nvon Verläugnung des Evangeliums, welches ihm der Gott\ngeofTenbart hat, den er als einzigen erkennen soll.\n„Ich panzerte mich ferner gegen den peinlichen Ge-\ndanken, von der Weit hier zu vieler, dort zu geringer\nLiebe geziehen zu werden, mit dem Bevvusstsein, das\nrechte Maass davon gewiss im Herzen getragen zu haben,\nwenn ich es auch hier und da in meiner Darstellung ver-\nfehlt haben sollte, und endlich beruhigte mich auch über\nmeine Unzulänglichkeit in musikwissenschaftlicher Bezie-\nhung die immer klarer werdende Anschauung von der\neigentlichen Natur des Stoffes einer Künstler- und beson-\nders Musiker-Biographie. Mendelssohn sagt irgendwo in\nseinen Briefen, dass, wenn man Musik mit Worten schil-\ndern könnte, er keine Note mehr schreiben würde, und\nWeber schrieb an Lichtenstein: „„Von meinen Werken\nschreibe ich Euch nichts, höret sie!a u und später: „»In\ndem Klange meiner Lieder findet ihr mich wieder!\"\"\nHierin liegt eigentlich das Gesetz für die Abfassung einer\nKünstler-Biographie. Sie soll ihren Leser den Mann als\nMenschen kennen lehren, den er schon in seinen\nWerken als Künstler liebt und ehrt.\n„Wen könnte die Lebensbeschreibung eines Künstlers\ninteressiren, von dessen Werken er gar nichts kennt?\n„Desshalb ist es auch mit Zergliederung, Kritik und\nso genannter Erläuterung der Werke eines Künstlers und\nbesonders wieder eines Musikers, in dessen Lebensbeschrei-\n\n*) Carl Maria von Weber, Ein Lebensbild von Max Maria\nvon Weber. Erster Band. Mit Portrait. Leipzig. Ernst Keil.\n3 864. XXXVII und 569 S. in 8."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "402", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631219-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5388, "texte": "bung eine eigene, zweifelhafte Sache. Dem, der die Werke\nnie gesehen oder gehört hat, geben alle Schilderungen\nund Zergliederungen gar kein oder ein total falsches Bild;\ndem aber, der sie kennt, gewährt die Erwähnung ihres\nblossen Namens eine so klare Anschauung, als sie ihm\nseine Erinnerung überhaupt zu bilden gestattet.\n„Neben dem Festhalten dieser Gesichtspunkte erhellte\nsich mir die Aufgabe meiner Arbeit nun mit der Klarheit\neines präcisen Pensums und war keine andere, als die Er-\nzählung der positiv darstellbaren inneren und äusseren\nEreignisse im Leben Carl Maria von Weber's in steter\nBeziehung zu der Schöpfung seiner Werke, und wiederum\nvon deren Wirkung auf die Aussenwelt (denn im Schaffen\nweniger Künstler macht sich die Wechselwirkung zwischen\nihrem Genius und der hörenden Welt so prägnant gel-\ntend, als bei Weber), aber ohne Versuche zu kritischer\nBeleuchtung oder Darstellung derselben\").\n„Man kann aber eine Biographie mit zweierlei Ten-\ndenz schreiben. Einmal, um zum Studium einer Persön-\nlichkeit, ihrer Thaten und Werke und ihrer Zeit anzulei-\nten, und dann wird man der fortlaufenden, strengen Dar-\nstellung der Ereignisse, gleichsam wie eine grosse Topo-\ngraphie des durchforschten Terrains, Notizen über alles\nbenutzte Material, alle Quellen, aus denen man schöpfte,\nalle Wege, die man zur Ermittlung der Thatsachen ein-\nschlug, alle Maschinen, die man zum Bewältigen des Stof-\nfes anwandte, in Form von Noten und Beilagen u. s. w.\nbeizugeben haben, damit das Weiterergründen jeder Spe-\ncialilät, das Verfolgen jedes in den grossen Strom mün-\ndenden Gewässers bis in die letzte Verästelung allenthal-\nben angebahnt sei.\n„Diese Form der Biographie ist in Deutschland, als\ndeutscher Gründlichkeit vorzüglich anmuthend, mit Vor-\nliebe gepflegt worden und hat, besonders in Darlegungen\nwie die Arbeiten von Pertz, Jahn u. s. w., ihre vollste und\nhöchste Berechtigung.\n„Aber die andere Form biographischer Darstellung\nbesitzt diese in nicht minderem Maasse. Diese hat das Ge-\nrüst, welches zum Errichten ihres Baues diente, entfernt,\nein Weiterführen desselben verneint und gibt das Werk\nals ein enger umrahmtes, aber fest abgeschlossenes, ge-\nrundetes Bild. Sie gewährt nicht die Mittel, das geschil-\nderte Dasein noch weiter zu studiren, sondern verlangt\nvom Leser, dass er das ihm vor Augen gestellte Portrait\neines Lebens auf Treu und Glauben für treu und redlich\ngemalt und ähnlich nehme. Ihre Darstellung soll gleich-\nmassig vorüberfliessen, wie ein Strom, dessen mehr oder\nweniger aufleuchtende Wellen die Ereignisse bilden, und\naus dessen Flut, durch ihr Entstehen schon erklärt, die\nWerke des grossen Menschen, welchen das Werk schil-\ndert, hervorblühen, wie beseelte Emanationen der Zeu-\ngungskraft des Lebensstromes, wie Lotosblumen aus der\nFlut des allerzeugenden Ganges.\n„Diese Form der biographischen Darstellung schien\nmir die passendste für Weber's Leben, dessen Werke spe-\ncifischer durch ihr Erscheinen als durch ihr Studium wir-\nken, dessen Existenz so unendlich viel von menschlichem\nund künstlerischem Schicksal, Lust, Lieb' und Leid ent-\nhält, dass es so recht zum Ausmalen des Lebensbildes eines\nedeln, vielverkannten und gekränkten Mannes, derein\ngrosser Künstler war, sich eignete.\n„Und mich drängte es von Herzen, dies einmal nicht\nmit prätentiösem historischem Pinselschwunge, sondern\nmit der liebevollen Sorgsamkeit Gerhard Dow's und Ter-\nbourg's, nicht im Stile der Wrerke des Mannes, sondern\nim Stile von dessen Leben zu thun, den Leser mit ihm\nwandeln, reisen, lachen und weinen, triumphiren und flu-\nchen, ihn an Weber's Tisch, im Kreise seiner Lieben sitzen\nzu bissen, ihm zu gestatten, dem Meister in den Mühen\nund Seligkeiten des Schaffens an seinem Schreibtische über\ndie Schulter zu sehen, seinen Herzschlag zu hören, wenn\ner den Dirigentenstab hob, ihn zu belauschen, wenn er,\nmit seinen Kindern spielend, im Grase kroch, sein Aeffchen\ntanzen und seinen Jagdhund apportiren lehrte!\n„Mich drängte es, den Meister der „ „Euryanthe\"\ndes „ „Freischütz\" * und „ „Oberon\"\" nicht bloss mit Lyra\nund Lorberkranz, sondern auch im Hoffrack mit Schuh\nund Escarpins, und in seinem grauen Hausrocke, und als\narmen Reisenden, und als frohen oder verdrossenen Haus-\nherrn, kurz: in all dem Grossen und Kleinen zu malen,\ndas die Welt ausmachte, in dem seine Werke als goldene\nFrüchte wuchsen; mit Einem Worte: den Leser mit ihm\nleben zu lassen.\"\nHierzu gehört ferner, was der Verfasser über das\nreichliche Material, das ihm zur Benutzung vorlag, und\nüber dessen Behandlung von seiner Seite, so wie über die\nDarstellung sagt. Er benutzte ausser den gedruckten Nach-\nrichten vorzugsweise an tausend Briefe von und an Weber\nund dessen Notizbücher vom 26. Februar 1810 an bis\ndrei Tage vor seinem Tode.\n„Am vorsichtigsten\" fährt er S. XII fort— „habe\nich mündliche oder schriftliche Beminiscenzen, in so weit\n\n:;) Mein Buch in künstlerischer Beziehung ergänzend, aber als\nvollkommen selbständiges Werk erscheint demnächst ein musik-\nwissenschaftlich organisirtes Verzeichniss sämmtlicher musica-\nlischer Arbeiten C. M. von Weber's aus der Feder des rühm-\nlich bekannten Tonkünstlers Musik-Directors F. W. Jähn zu\nBerlin, der wahrscheinlich der gründlichste lebende Kenner der\nMusikwerke Weber's ist. Ich verweise hiermit auf dieses Buch,\ndas im Ganzen nach dem Muster- der Meisterarbeit KöcheFs\nüber Mozart behandelt werden wird. Der Verfasser."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "403", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631219-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4528, "texte": "erstere nicht auf frühere Niederschriften gegründet waren,\nvon Zeitgenossen, ja, selbst die Familien-Traditionen und\ndie Erzählungen meiner Mutter benutzt. Es ist in der That\nunglaublich, wie der Strom des Lebens in der Erinnerung\ndie Ereignisse nach der Richtung von Zeit und Dimension\ndurch einander wirrt. Es sind mir ausführliche Mitthei-\nlungen höchst ehrenwerther Zeitgenossen, von Beamten\nan Theatern und von Freunden meines Vaters über That-\nsachen, Ereignissreihen und Vorkommnisse zugegangen,\nderen Correctheit dieselben versicherten, und in denen\noft, wie die Vergleichung mit zuverlässigen Zeitquellen\nlehrte, alle Data unrichtig und durch lange Zeiträume ge-\ntrennte Ereignisse in eines zusammengezogen waren. Ja,\nich habe meine Vorsicht der Benutzung, besonders in Be-\ntreff der Schilderungen subjectiver Zustände, auch auf die\nCorrespondenzen ausgedehnt, da ich sehr gut weiss, dass\nder Mensch am Sehreibpulte von dem im Kampfe des Le-\nbens sehr verschieden ist, und sogar Weber's eigene\nBriefe, besonders die an seine Gattin, davon nicht ausge-\nnommen. Dieser theuren Frau, der Weber's Leben und\nRuhm werther war, als ihm selbst, und die mit der ner-\nvösesten Spannung guten Nachrichten von ihm entgegen\nsah, hat er die Ereignisse, ohne jemals von der Wahrheit\nder Thatsache abzuweichen, liebevoll oft in anmuthifferem\nLichte, als das vvar, welches sie hier und da wirklich aus-\nströmten, erscheinen lassen. Solche von der zartesten Sorge\no\numgefaltete Schleier waren immer leicht zu haben.\n„Was nun die äussere Form der Darstellung des aus\ndieser Masse von Material heraus zu formenden Lebens-\nbildes betrifft, so schien es mir, dass ein Künstlerleben in\nanderem Tone erzählt, in anderem Stile geschildert wer-\nden müsse, als das eines Helden oder Gelehrten. Ich bin\nbemüht gewesen, meiner Erzählung den Localton der ge-\nschilderten Lebensperioden zu geben, das Ganze aber in\ndem Tempo strömen zu lassen, in dem Weber's kurzes\nLeben sich emsig, hastig und ruhelos verathmete. Durch\ndieses Bemühen, verbunden mit der Benutzung der ausser-\nordentlichen Masse der mir zur Hand befindlichen Einzel-\nheiten, hat die Darstellung hier und da, wie ich mir nicht\nverberge, einen Charakter bekommen, als seien die Lücken\ndes Verlaufs der historisch begründeten Thatsachen durch\nhinzugedichtetes Detail ausgefüllt und so dieser oder jener\nAbschnitt zur romanhaften Erzählung abgerundet worden.\n„Dem ist aber nirgend so! Selbst im Detail bin\nich nie bewusster Maassen vom Gegebenen abgewichen,\nund obwohl ich keine Quellen angegeben habe, doch gern\nerbötig, auf an mich ergehende begründete Anfragen die-\njenigen nachzuweisen, aus denen ich jede Thatsache ge-\nschöpft oder in erlaubtester Weise vorsichtig Mulhmaas-\nsungen hergeleitet habe.\n„Das consequente Durchführen des Princips meiner\nDarstellung bedingte es, dass ich, und dies wird mir viel-\nleicht von prüden Discretions-Fanatikern verdacht werden,\nauf diejenige Sphäre von Weber's Seelenleben, welche\nals primum mobile seine Welt umschloss, das Wirken sei-\nnes Herzens und die Gegenstände desselben, mehr und\nhelleres Licht fallen liess, als dies bisher Mode war.\nAber mir schien es, obgleich die meisten Biographen in\nmissverstandenem Zartgefühle von diesem Sonnenscheine\nin der Welt einer Künstlerseele nur andeutungsweise,\nschüchterne und blasse Reflexe zu geben gewagt haben,\nals hiesse das ein Panorama ohne Himmel malen.\n„Ich hab's daher gewagt, und durfte es, wie ich\nglaube; denn wie grosse Menschen nach ihrem Tode im-\nmer wachsen, während kleine wie Irrlichter verschwinden,\nso wird auch das Fühlen, das bei menschlichen Nullen\nSchwärmerei und Jugend-Thorheit heisst, bei bedeuten-\nden Männern zu gewaltiger, zeugender und gestaltender\nKraft. Auch lag es nirgend in meiner Absicht, einen Pa-\nnegyrikus auf meinen Vater zu schreiben.\"\nEndlich verheissl Herr von Weber, mit derselben Un-\nparteilicheit und ohne Ansehen der betreffenden Personen\nauch die amtlichen Verhältnisse seines Vaters in Dres-\nden darzustellen. Weber's Stellung daselbst war eine\npeinliche: es war ihm nicht möglich, sich das Vertrauen\nder ihm vorgesetzten Männer, den Grafen Vitzthum aus-\ngenommen, weder in künstlerischer noch in politischer\nBeziehung zu erringen. Seine Bedeutung als Künstler\nwürdigte man dort im Allgemeinen so wenig, „dass einst\nsein letzter Chef, auf einer Reise mit ihm die Kundgebun-\ngen hoher Verehrung wahrnehmend, die ihm von allen\nSeiten dargebracht wurden, ganz erstaunt ausrief: „ „We-\nber, sind Sie denn wirklich ein berühmter Mann?\"\"\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-12-19-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-12-19_01#c003", "volume": "bmtnabi_1863-12-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "403", "page_fin": "405", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631219-01.2.3", "titre_corps": "Aus Berlin.", "titre_sommaire": "Aus Berlin.", "signature_source": "G. 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In wie weit\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "404", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631219-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5520, "texte": "auch die Ouvertüre in ähnlichem Sinne angelegt ist, ver-\nmögen wir zwar nicht zu beurtheilen; doch zeigt die An-\nlage des Ganzen das entschiedene Bestreben, contrastirende\nMotive einander gegenüber zu stellen und damit eine in-\nnere Lebendigkeit in die Instrumental-Musik hineinzufüh-\nren, die der früheren Zeit versagt war. Wenn auch die\nzu Grunde liegenden Themata sowohl als die dem Com-\nponisten zu Gebote stehenden Mittel der Kunst, vermöge\nderen er ihnen eine weitere Ausführung geben konnte,\nsich durch ihre Simplicität als einer vergangenen Kunst-\nPeriode angehörig erweisen, so fesselt doch auch heute\nnoch die Bestimmtheit des Gedankens und des Ausdrucks;\nes ist jener Gluck, dem es nicht vergönnt war, über alle\nHerrlichkeiten, welche die Ton-Phantasie zu erschliessen\nvermag, in gleichem Maasse zu verfügen, wie andere Mei-\nster vor und nach ihm, der sich aber, dennoch neben ihnen\neinen Platz errang durch die Bestimmtheit seines Wollens,\ndurch die unerschütterliche Sicherheit, mit der er die\nMaterie des Tones dem Geiste unterwarf.— „Euphrosyne\"\nist eine der frühesten Opern Mehul's (aus der Zeit der\nRevolution), die erste, mit der der talentvolle Franzose,\nbekanntlich ein Jünger Gluck's, in Paris sich Bahn brach.\nDennoch hielt sich die Oper nicht lange; man tadelte\nschon damals das Uebermaass des dramatischen Ausdrucks.\nNach dem uns milgetheillen Fragmente ist dieser Vorwurf\nfür jene Zeit völlig begreiflich. Auffallend ist in dem\nDuette, das von Fräulein von Pöllnitz und Herrn Otto\ncorrect und mit dramatischem Vortrage gesungen wurde,\ndie durchweg mehr dramatische als strengmelodische Be-\nhandlung der Singstimmen und die rauschende Instrumen-\ntation, die namentlich am Schlüsse des Tonstückes es selbst\nden kräftigsten Stimmen unmöglich macht, noch durchzu-\ndringen. Wir sind indessen heute noch an ganz Anderes\ngewöhnt und würden diesen Vorwurf kaum noch zu er-\nheben wagen. Sowohl in der Instrumentation, die nicht\nbloss den Gesang unterstützt, sondern eine selbständige\nmusicalische Bedeutung hat, als im Gesänge verräth sich\nGluth der Leidenschaft und Energie des Gedankens; in\ndem scharf Zugespitzten, Pointirten der einzelnen melodi-\nschen Phrasen zeigt sich ein specitisch französisches Ele-\nment, aber es ist doch mehr Mark darin, als in dem neuen\nFranzosenthum. Beethoven's Violin-Concert wurde von\nHerrn A. Kömpel, königlich hannoverschem Kammer-\nVirtuosen und grossherzoglich sächsischem Concerlmeister,\nvorgetragen. Wir lernten in Herrn Kömpel einen Geiger\nkennen, der mit einer vorzüglichen Technik ein gesundes,\nnach einzelnen Richtungen hin auch ein poetisch tiefes\nVerständniss verbindet. Sein Ton ist nicht von hervorra-\ngender Kraft, und so erreicht er denn nicht die schwung-\nvolle Auffassung eines Joachim oder Laub; Zartheit des\nTones und Innigkeit des Vortrages ist ihm aber in hohem\nGrade gegeben; somit war es namentlich das Andante,\ndas er in vorzüglich schöner Weise zu Gehör brachte.\nAusser dem Beelhoven'schen Concerte hörten wir noch\nvon ihm Adagio und Fuge (G-moll) von Seb. Bach; auch\nhier war die Gediegenheit und Correctheit des Vortrages\nhöchst rühmenswerth. Eine bei Gelegenheit des Uhland-\nFestes mit lebenden Bildern zur Aufführung gebrachte\nInstrumental-Composition des Herrn von Bülow: „Des\nSängers Fluch\", bildete den Schluss des ersten Theiles.\nRecht gelungen ist der erste Theil der Composition, der\nstreng thematisch gearbeitet ist, nicht Ueberschwängliches\nin Harmonie und Melodie enthält und der Phantasie den\nbeabsichtigten poetischen Eindruck festlichen Zusammen-\nseins zu gewähren vermag. Von dem Auftreten des Sän-\ngers ab wird der musicalische Inhalt der Composition un-\nbedeutender. Die Melodieen nähern sich etwas einer Art\nder Lyrik, die nicht aus der Tiefe des Gemüthes quillt,\nsondern sich auf der Oberfläche des Salons bewegt; die\nletzten Sätze, die den Fluch des Sängers und die Erfül-\nlung desselben darstellen, sind nach unseren Begriffen von\nKunst zu realistisch ausgeführt. Nichts desto weniger ver-\nräth sich in dem Ganzen ein gewisses Talent für Compo-\nsition, das sich auch durchaus nicht so schrankenlos ent-\nwickelt hat, als Manche erwarten möchten. Was wir aber\nfreilich vorzugsweise vermissen, ist Individualität der Er-\nfindung; und welchen Werth hat die Programm-Musik\nüberhaupt noch, wenn sie nicht einmal vermag, die\nPhantasie des Componisten zu eigentümlichen Gestaltun-\ngen anzuregen, zu denen er aus rein musicalischem Be-\ndürfnisse, ohne Vorstellung eines bestimmten Gegenstan-\ndes, nicht gekommen wäre? Die „Präludien\", diejenige\nsymphonische Dichtung von Liszt, mit der der Componist\nselber vor acht Jahren in Berlin debutirte, bildeten den\nKern der zweiten Abiheilung des Concertes. Wir gestehen,\ndass wir diesem Werke gegenüber auf demselben Stand-\npunkte stehen, wie vor acht Jahren: uns ist Liszt nicht\nnäher gerückt. Die musicalischen Gedanken, die darin vor-\nkommen, erheben sich nach unserer Ansicht entweder\nnicht über das Gewöhnliche, oder schlagen sofort in das\nentgegengesetzte Extrem um; gesunde Empfindung ver-\nmissen wir überall. Die Form ist von losen) Gefüge. Das\nLaien-Publicum mag sich durch einzelne sentimental oder\nweich klingende Stellen und durch den seltsamen Wirbel\nchromatischer Ton- und Accord-Fortschreitungen hier\nund da angezogen fühlen: wie aber ein musicalisch den-\nkender Hörer dazu gelangen soll, darin ein beachtungs-\nwerlhes Kunstwerk wir reden noch nicht einmal von\nden maasslosen Ansprüchen, die sich daran knüpften\nzu finden, ist uns unbegreiflich. Es ist die Virtuosität, die"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "405", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631219-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 260, "texte": "vielerlei Musicälisches, Gutes und Schlechtes, in sich auf-\ngenommen hat, und nun dasselbe zu oberflächlicher Unter-\nhaltung, zu sinnlich zerstreuender Aulregung verarbeitet.\nFür einen ernsthaften, sich sammelnden Geist ist derelei-\n■.. . ©\nchen nichts.\n\nG. E."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-12-19-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-12-19_01#c004", "volume": "bmtnabi_1863-12-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "405", "page_fin": "405", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631219-01.2.4", "titre_corps": "Aus H. Berlioz’ Trojanern.", "titre_sommaire": "Aus H. Berlioz’ Trojanern.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "405", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631219-01.1.5", "debut_caractere": 262, "fin_caractere_exclue": 2706, "texte": "Aus H. Berlioz’ Trojanern.\nAls eine Probe, wie weit sich die Musik der neueren\nSpectakel- und Decorations-Oper verirren kann, geben\nwir den wörtlichen Text zu dem Instrumentalsatze, wei-\nther den zweiten Act der „Trojaner\" von Berlioz bildet,\nnach dem Clavier-Auszuge.\n„Das Iheater stellt einen alricanischen Urwald dar.\nDer Vorhang geht auf. Zwei Najaden lassen sich blicken\nund verschwinden wieder im hohen Schilf. Man sieht die\nNajaden in dem See schwimmen. Fanfare von Jagd-\nhörnern in der Ferne, der die Najaden mit Unruhe zu\nlauschen scheinen; sie steigen aus dem See und spähen\nin die Ferne, gehen nach der Coulisse rechts und zeieen\nwachsende Unruhe. Sie ergreifen die Flucht und ver-\nschwinden im Schilf. Einige Jäger erscheinen und gehen\nüber die Bühne. Ein einzelner Jäger geht vorüber -und\nscheint über das Nahen eines Gewitters besorgt; er stellt\n«ich unter einen Baum. Hörner in der Ferne; der Jäger\nverlässt seinen schützenden Stand und geht nach der Ge-\nnend des Waldes hin, wo er die Töne hört. Hörner- und\nPosaunen-Fanfare auf der Bühne etwas näher. Der Him-\nmel verdunkelt sich, es fängt an zu regnen (Saiten-Instru-\nmente pizzicato),ein Blitz\nPaukenwirbel auf\n<ier Bühne. Ascanius sprengt zu Pferde über die Scene.\nAndere Jäger zu Pferde folgen ihm nach kurzem Zwi-\nschenraum. Andere Jäger zu Fuss flüchten sich nach ver-\nschiedenen Seiten hin. Dido und Aeneas treten auf und\ntrotzen dem Sturm und dem Gewitter. Es ist fast Nacht\ngeworden. Dido und Aeneas gehen in die Grotte.\n„Die Wald-Nymphen erscheinen mit (liegenden Haa-\nren oben auf dem Felsen, laufen hin und her mit Geschrei\nund zügellosen Geberden:\nFanfaren zu beiden Seiten auf dem Theater. Tanzende\nFaunen treten auf und rufen warnend: „ „Italie!\" \" Der\nBach des Felsens wächst und wird zu einem rauschenden\nWasserfall. Mehrere andere Wasserfälle bilden sich auf\nverschiedenen Seiten des Felsens und mischen ihr Rau-\nschen in das Krachen des Donners. Satyrn und Waldgöt-\nter führen mit den Faunen im Dunkel groteske Tänze\nauf. Dei Blitz schlägt in einen Baum, spaltet ihn und setzt\nihn in Brand; die brennenden Zweige fallen auf den Bo-\nden, die Faunen und VValdgötter raffen sie auf und tan-\nzen, indem sie sie hoch halten. Dazu Chor (10 Tacte\nAo, ao), Alle laufen davon. Die Bühne hüllt sich nach\nund nach in dichtes Gewölk; sie wird endlich durch un-\nbeweglich feststehende Wolken ganz bedeckt. Das Gewölk\nhebt sich allmählich und verzieht: der Vorhang fällt.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-12-19-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-12-19_01#c007", "volume": "bmtnabi_1863-12-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "405", "page_fin": "406", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631219-01.2.5", "titre_corps": "Viertes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller, Dinstag, den 15. December 1863.", "titre_sommaire": "Viertes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller, Dinstag, den 15. 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Sinfonie Nr. 11. von Robert Schumann.\nDer erste Theil des Concertes führte sechs Stücke der verschie-\ndensten Gattungen und Stilarten vor. Die besten davon waren un-\nstreitig die orchestialen Sachen, das Violin-Concert Nr. 11. von L.\nSpohr, C. M. von Weber's Ouvertüre zu Oberon und Mendels-\nsohn s zu dem Märchen „Die schöne Melusineu. Letztere ist eine\ndei am seltensten gehörten von den vier grossen Ouvertüren Men-\ndelssohn s, doch steht sie den anderen keineswegs nach und enthüllt\nin ihrer Einleitung und am Schlüsse eine reizende, phantastische\nund sehr geschmackvolle Malerei, während der rauschende Haupt-\nsatz vom sonstigen Wesen Mendelssohn's abweicht und fast etwas\nspontinisch klingt. Dass Weber's Oberon-Ouverture die Verheissung\neines wunderbaren Zaubers der Töne, den das Horn ankündigt, voll-\nkommen erfüllt, wer hat das nicht schon oft empfunden ? und doch\nwird man immer von Neuem davon hingerissen, zumal wenn das\nschöne Werk so genau und doch schwungvoll ausgeführt wird, wie\nauch dieses Mal wieder. In der Oberon- und in der Freischütz-\nOuverture ist es dem Componisten vollkommen gelungen, ein ein-\nheitliches Kunstwerk aus den Melodieen der Oper zu bilden; seine\nNachfolger haben ihr Muster nicht erreicht, und am Ende ist diese\nganze Gattung zu erbärmlicher Potpourri-Fabrication herabgesunken.\nFreilich fehlte den Nachahmern auch der echte Stoff zu dem Gewebe:\ndie Weber'schen Melodieen.\nHerr von Königslöw hat durch seinen in jeder Hinsicht\nauf Reinheit, Ton, Correctheit und Ausdruck vortrefflichen Vortrag\nglänzend bewiesen, dass ein gediegener Violinspieler auch mit einem\nConcerte von Spohr in unseren Tagen ein gebildetes Publicum, das\nnicht durch Liebhaberei an musicalischen Seiltänzereien verdorben\nist, innig erfreuen und zu dem lebhaftesten Beifalle begeistern kann.\nUeber den Gesang der geschätzten Künstlerin Fräulein Jenny\nMeyer können wir nur unser früheres Urtheil wiederholen. Ihre"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "406", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631219-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2233, "texte": "schöne, weiche, wohllautende Stimme hat durch vervollkommnete\nTonbildung gegen früher allerdings gewonnen und würde ihren Reiz\nin einem kleineren Saale gewiss noch mehr entwickeln, als im gros-\nsen Räume; allein der Vortrag hat sich nicht geändert, es herrscht\nin ihm eine Ruhe, die man versucht sein könnte, classisch zu nen-\nnen, wenn sie nicht gar zu kalt Hesse und der Innigkeit des Aus-\ndrucks und noch mehr der\" Tiefe des Gefühls ermangelte. Unter\ndieser Monotonie des Vortrages leidet dann auch natürlich die Auf-\nfassung des Gesangstückes, wie denn z. B. die Sängerin in Schu-\nberts ~Des Mädchens Klage\" die Worte der „Himmlischen, welche\nden heilenden Trost nicht versagen will\", ganz mit demselben Timbre\nder Stimme und mit demselben klagenden Ausdrucke vortrug, wie\ndie anderen Strophen. Am besten gelang ihr die Solo-Partie in\nMendelssohns Hymne mit Chor und Orgelbegleitung: „Lass',\no Herr, mich Hülfe finden\", wobei die Orgel, von Herrn Franz\nWeber sehr schön registrirt, eine treffliche Wirkung machte.\nIm zweiten Theile des Concertes wurde uns so viel wir uns\nerinnern, zum ersten Male die Sinfonie Nr. 11. in C-dur von\nRobert Schumann vorgeführt. Sie liess das Publicum kalt, selbst\ndas Scherzo und das Adagio, welches wohl noch die ansprechend-\nsten Sätze sind, erregten nur sehr massigen Applaus. Auch wir\nkonnten beim Anhören derselben, wie der bei Weitem grösste Theil\nder Anwesenden, nur die ausgezeichnete Ausführung bewundern, da\ndas Orchester das schwierige Werk mit wahrer Virtuosität vortrug.\nDie Sinfonie ist im Jahre 1816 geschrieben, kurz nach der Zeit, in\nwelcher Schumann in Dresden von dem Krankheits-Anfalle genesen\nwar, der ihn damals zum ersten Male erfasst hatte. Er hat sich\nselbst folgender Maassen über diese Sinfonie geäussert: „Ich skiz-\nzirte sie, als ich physisch noch sehr leidend war; ja, ich kann wohl\nsagen, es war gleichsam der Widerstand des Geistes, der hier sicht-\nbar influirt hat und durch den ich meinen Zustand zu bekämpfen\nsuchte. Der erste Satz ist voll dieses Kampfes und in seinem Cha-\nrakter sehr launenhaft und widerspänstig.\" Trotzdem gibt es\nSchumannianer, die Schumann'scher sind, als er selbst, und denn\nauch diese Sinfonie für einen musicalischen Wunderbau erklären!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1863-12-19-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1863-12-19_01#c008", "volume": "bmtnabi_1863-12-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "406", "page_fin": "408", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631219-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "406", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631219-01.1.6", "debut_caractere": 2235, "fin_caractere_exclue": 6889, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolli« Am 17. December wurde liier als Fest-Vorstel-\nlung zu Beethoven's Geburtstags-Feier (der 93sten, nicht\nhundertsten, die erst mit dem Jahre 1870 eintritt) im Stadttheater\nseine Oper Fidel io in einer bis auf wenige Scenen sehr gelunge-\nnen Darstellung gegeben. Vorher ging ein Prolog von L. Bi-\nschoff, eingeleitet durch Beethoven's Marsch und Chor aus den\n~ Ruinen von Athen\", mit Würde und Ausdruck gesprochen von\nFrau Ernst als Priesterin der Musen, und am Schlüsse durch ein\nTableau von Priesterinnen, welche Altäre bekränzen und die Opfer-\nflammen auf ihnen nähren, während der Genius der Tonkunst einen\nLorberkranz über der Büste des Meisters emporhält, illustrirt.\nItoiiil. 8. December. Das zweite unserer Abonnements-\nConcerte am 3. December war der Aufführung des Oratoriums\n„Die Schöpfung\" von Haydn gewidmet. Die betreifenden Soli wa-\nren in den Händen des Fräuleins Marie Büschgens aus Crefeld\n(Sopran), des Herrn Göbbels aus Aachen (Tenor) und des Herrn\nHill aus Frankfurt am Main (Bass). Fräulein Büschgens sang ihre\nPartie recht lobenswerth, wobei derselben ihre schöne Stimme sehr\nzu Statten kam; nur möchten wir der Künstlerin rathen, auf die\nAusbildung ihres Trillers mehr Sorgfalt zu verwenden. Herr\nHill war der Glanzstern des Abends. Die Chöre giugen correct\nund schwungvoll und zeugten von dem Fleisse und der Aufmerk-\nsamkeit der einzelnen Mitglieder. Herrn Musik-Director Bram-\nbach zollen wir für die vortreffliche, mit Umsicht und Begeisterung\ngeleitete Aufführung des Ganzen unseren wärmsten Dank. -h.\nMai 11%. Richard Gende hat seine so eben vollendete Oper\n„Rosita\" dem Grossherzog von Schwerin dedicirt und die Aller-\nhöchste Erlaubniss erhalten, die Widmung bei Veröffentlichung des\nClavier-Auszugs oder der Partitur auf dem Titel bemerken zu dürfen.\n— —»—•— ■■ ■ » ■\nAachen, 15. December. Das Concert, welches die „Societe\nRoyale la Legiau aus Lüttich, unter Leitung des Herrn Prof. Th.\nVercken und unter Mitwirkung ausgezeichneter Solisten von dort,\nam Sonntag hierselbst im neuen Curhaussaale zum Besten unseres\nMariannen-Instituts und der Taubstummen-Anstalt veranstaltete, war\nin seiner Ausführung eine sehr erfreuliche, gediegene Leistung. Ein\näusserst zahlreiches Auditorium hatte sich dazu eingefunden, welches\nmit Interesse jeder Nummer des Programms folgte, und soll eine\nEinnahme von mehr als 400 Thlm. erzielt worden sein. In der\ngestrigen Sitzung des niederrheinischen Musikfest-Comite's ist die\nWahl eines Dirigenten für das bevorstehende Musikfest, welches in\nden nächsten Pfingsttagen in unseren Mauern gefeiert wird, auf den\nköniglich baierischen General-Musik-Director Herrn Franz Lach-\nner gefallen. Unter den Gründen für diese Wahl es scheint also,\ndass man in Aachen die Notwendigkeit fühlt, Gründe dafür anzu-/\nführen macht das aachener Blatt, dem wir die obige Mittheilung\nentnehmen, geltend, dass der berühmte Meister auch „der Stadt\nAachen und ihren Künstlern die rührendste Anhänglichkeit\nstets gezollt und bei allen Gelegenheiten den Ruhm ihrer\nGesangchöre glänzend hervorgehoben hat.\" Das ist\nwirklich rührend und zugleich sehr naiv und schmeichelhaft für\nLach ner.\nCleve. Die Herren W. Drechsler, Violinist und Sänger\naus Dresden, und Hause, Pianist, der in Nordamerica rühmlich\nbekannt ist, haben hier auf ihrer Rückreise aus Holland, wo sie\nan vielen Orten concertirt haben, am 13. d. Mts. eine recht be-\nsuchte Soiree gegeben und viel Beifall gehabt. Wir hörten unter\nAnderem das Clavier-Concert in A-moll von Hummel und ein.\npaar Solo-Compositionen von Hause, das Violin-Concert von Men-\ndelssohn und ein Duo über Motive aus Oberon von Wolff und\nVieuxtemps.\nEssen, 7. December. Gestern Abend wurde hier in dem\nschönen Saale der Vereinigten Gesellschaft von dem hiesigen Ge-\nsang-Musikverein, unter Mitwirkung tüchtiger auswärtiger Kräfte,\nvorzüglich eines Theiles des Gesangvereins unserer Nachbarstadt\nMülheim und dessen Dirigenten, Herrn Engels, unter Leitung des\nHerrn Ernst Helfer Händel's Oratorium „Samson\" zur Auffüh-\nrung gebracht. Achtzig Stimmen vereinigten sich mit einem ver-\nstärkten Orchester, in welchem mehrere auswärtige Künstler mit-\nwirkten. Die Soli waren in der dankenswertesten Weise theils von\nhiesigen, theils von auswärtigen Dilettanten übernommen worden..\nDas zahlreich erschienene Publicum, welches den grossen Saal ganz\ngefüllt hatte und zum Theil auch in den zum Concerte hinzugezo-\ngenen angränzenden Räumen weilte, spendete der Aufführung ge-\nrechten Beifall und schied in unverkennbar befriedigter Stimmung.\n(„Des Sängers Fluch\", grosse Oper in drei Acten von\nAugust Langert; zum ersten Male aufgeführt auf dem herzogli-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "407", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631219-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7930, "texte": "chen Hoftheater zu Coburg am 6. Deeember.) Man schreibt darüber\naus Coburg: Die vorliegende Opern-Novität hatte sich bei ihrer\nAufführung des glänzendsten Erfolges zu rühmen, was ohne Zweifel\num so erfreulicher ist, als es sich dabei um das Werk eines (in\nCoburg lebenden) jungen Componisten handelt, der dadurch zu der\nHoffnung berechtigt, dass ihm das so verwaiste Gebiet der deutschen\nOpern-Gomposition in Zukunlt noch viele schöne Früchte verdanken\nwerde. August Langert hat sich dem coburger Publicum durch\nein schon früher am Hoftheater zur Aufführung gekommenes Opern-\nwerk als begabter Musiker bekannt gemacht. Jene erste Oper Län-\ngeres, „Die Jungfrau von Orleans\", ist dem Referenten nicht be-\nkannt geworden; es kann desshalb hier auch kein Vergleich ange-\nstellt werden, und wir constatiren nur, dass die neue Langert'sche\nSchöpfung von Kunstverständigen als ein sehr bedeutender Fort-\nschritt anei kannt wird. Schon an dem Texte erhielt der Componist\neinen sehr dankbaren Stoff. Die allgemein bekannte Uhland'sche\nBallade musste lür die Schluss-Katastrophe einen sehr grossartigen\ndramatischen Moment bieten, der auch für die musicalische Behand-\nlung die günstigsten Elemente enthält. Dieser Hauptmoment ist in\nden vorangehenden beiden Acten durch eine Intrigue vorbereitet,\nwelche an sich zwar einfach ist und es ist dies für einen Opern-\ntext von besonderer Bedeutung —, vor Allem klar und plastisch\ndem Publicum entgegentritt und der breiteren musicalischen Charak-\nteristik angemessene Gelegenheit gibt. Den Personen des Gedichtes\nist noch eine Gestalt, Gisela, hinzugefügt, welche der Handlung Be-\nwegung verleiht und die eigentliche Intrigue übernimmt. (?) Dass für\nZeit und Oertlichkeit die mythische Vorzeit des Nordens gewählt ist,\ngibt dem ganzen Vorgange ein bestimmtes und charakteristisches\nGepräge. Auch der Componist hat sich die dramatische Charakte-\nristik sehr angelegen sein lassen, was ihm* besonders bei den Ge-\nstalten des Königs und der Königin trefflich gelungen ist. Des Kö-\nnigs Wildheit und Zerrissenheit des Gemüthes ist besonders in der\ngrossen Scene zu Anfang des zweiten Actes glücklich geschildert.\nDie sanfte Königin ist durchweg sehr schön gehalten und vorzugs-\nweise die träumerische Arie im dritten Acte ein höchst anziehendes\nMusikstück. Auch dem Wesen des Sängers Elfried ist es durch-\naus angemessen, dass gerade ihm durchgängig die am breitesten aus-\ngeführten Melodieen zuertheilt sind. Was die Instrumentation be-\ntrifft, so lässt Herr Langert eine sehr bedeutende technische Fertig-\nkeit erkennen; noch günstiger würde dieser Vorzug sich geltend\nmachen, wenn der Componist sich entschliessen könnte, hier und\nda ganz besonders in den recitativischen Partieen in der Be-\nhandlung der Blech-Instrumente und der grossen (türkischen) Trom-\nmel Abschwächungen vorzunehmen. In der ersten Hälfte der Oper\nerscheint die musicalische Arbeit gegenüber dem natürlichen Strome\nder Empfindungen noch zu vorherrschend, besonders in den zuwei-\nlen übermässig sich drängenden Modulationen. Mehr und mehr aber\ngewinnt der Componist im Verlaufe der Oper das richtige Maass,\nund es ist kein geringer Vorzug des Werkes, dass gerade im letzten\nActe sich das Talent des Componisten gipfelt. Mit dem Fluche des\nalten Sängers stürzt die nordische Königshalle ein und die Bühne\nverwandelt sich in eine öde Haidefläche, auf der nur eine einzelne\nzerbrochene Säule von verschwundener Pracht zeugt. Die Idee, am\nSchlüsse eine Melodie nachklingen zu lassen, wie wenn der Wind\nklagend über die Haide fährt, ist hochpoetisch. Das Publicum\nnahm die Oper durchgängig mit rauschendem Beifalle auf und rief\nnamentlich die Vertreter der Haupt-Partieen, unter denen wir vor\nallen Dingen Herrn Reer wegen der mit Weichheit gepaarten Kraft\nseines Tenors und des Charakteristischen seines Spiels und Gesangs-\nVortrages auszuzeichnen haben, zu wiederholten Malen.\nMan schreibt uns aus Berlin: „Ein Künstler von Bedeutung\nist der Violoncellist Herr Jul. Steffens, kaiserlich russischer\nSolist, der ein den classischen Mustern nachgebildetes Concert von\nI icitti mit entschiedenstem Beifalle vortrug. Sein Fon ist angenehm,\nwohlgebildet, die Bogenführung gut, der Vortrag voll Seele, im An-\ndante mustergültig. Selten haben wir die Octavengänge so rein ge-\nhört, selten die (nun einmal unerlässlichen) Arpeggien über die Saiten\nso zusagend gefunden. Das Concert enthält alles, was hieher ge-\nhört; der A irtuose, das Publicum, Jeder muss es in seiner Weise\ndankbar finden. Herr Stellens ist seit vorigem Winter aus Russ-\nlatid zurückgekehrt und seitdem in Concerten zu Frankfurt am Main\nim Museum, zu Leipzig im Gewandhaus, zu Amsterdam in Felix\nMeritis, zu Berlin u. s. w. mit grossem Beifalle aufgetreten. Er hat\njetzt eine neue Kunstreise durch Deutschland angetreten, welche\nsein schönes Talent ohne Zweifel immer mehr zur Anerkennung\nbringen wird.\nDem Vernehmen nach ist Frau Fa bri-Mulder, welche zu-\nletzt in Wien mit grossem Beifalle gastirt hat, als Primadonna der\nOper am Actientheater zu Frankfurt am Main mit 8000 Fl.\nJahrgehalt angestellt worden.\nLeipzig* Als nachträgliche Feier des 18. Octobers erschien\nim Theater am 31. October ausser einer Wiederholung des Schau-\nspiels „Eine Warte am Rhein\" als einleitendes Stück zum ersten\nMale ein Opern-Fragment auf der Scene, genannt rDeutschlands\nErhebung\", Vorspiel zu einer (noch nicht vollendeten) dreiactigen\nOper: „Theodor Körner\", Text von Louise Otto, Musik von\nWendelin Weissheimer. Der Componist, welcher selbst diri-\ngirte, gehört der neudeutschen Richtung in der Tonkunst an. Das-\nselbe ist auch mit der Verfasserin des Textbuches der Fall, die\nobgleich der Tonkunst selbst ganz fernstehend doch oft genug\nschon als Schriftstellerin mit ihrem Worte für Wagner's Kunst-\nTheorieen, für die Musik dieses Meisters, wie für die Liszt's u. s. w.\nins Feuer gegangen ist. Das Textbuch erlaubt keine eingehende\nKritik; obwohl Lützow und Körner auftreten, so wäre doch wohl\nohne Weissheimer's Musik, trotz aller für 1813 herrschenden Begei-\nsterung, ein gründliches Fiasco das unvermeidliche Schicksal dieses\nVorspiels gewesen. Freilich wurde auch die Musik hauptsächlich nur\nvon einer Partei bewundert. Weissheimerist ein Musiker von Talent,\nund zwar ein solcher, der etwas Tüchtiges gelernt hat; aber er be-\nwährt dies hauptsächlich nur in mehr oder weniger glücklicher\nNachahmung. E?<ist bei dieser Musik nicht allein die Art der Mo-\ntivbildung, der Harmonik, Rhythmik und Orchestration durchaus\nwagnerisch, die ganze Partitur des Vorspiels erscheint vielmehr in\nder Hauptsache dem geistigen Inhalte nach als eine Art von Blu-\nmenlese aus „Tannhäuser\" und „Lohengrin\". Dass hier und da\nauch einmal C. M. von Weber und R. Schumann hörbar werden,\nversteht sich, wie bei Wagner auch, von selbst.\nAm 23. November fand an unserem Stadttheater zum Besten\ndes Pensionsfonds eine interessante Vorstellung Statt, indem zu der\n„Komödie der Irrungen\" noch Byron's „Manfred\" mit der Musik\nvon Robert Schumann zur Aufführung gelangte, d. h. ein Werk voll\ngewaltiger poetischen und musicalischen Schönheiten, aber von\ngänzlichem Mangel an dem, was man mit dem Ausdrucke des Büh-\nnengerechten zu bezeichnen pflegt, und das daher wohl nie für die\nAufführung bestimmt war. Die wichtigste Leistung, die des Orche-\nsters nämlich, war vortrefflich zu nennen; höchstens hätten wir\nwünschen können, dass bei der Begleitung des ersten vierstimmigen\nGesanges der Geister, mit besonderer Rücksicht auf die durch die\nscenische Darstellung bedingte ungünstige Aufstellung der Sänger,\netwas mehr Discretion gewaltet hätte; die Orchestrirung dieser Num-\nmer ist ohnehin meist eine starke, und so ging die Wirkung dieses\nreizenden Musikstückes fast gänzlich verloren. Die Partie des Man-\nfred war Herrn Hanisch zugetheilt, der seine Aufgabe in verdienst-\nlichster Weise löste; sowohl die angemessene äussere Erscheinung,\nwie eine verständige, maassvolle Declamation dürfen wir lobend"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "408", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631219-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3704, "texte": "hervorheben. Diese Leistung verdient um so mehr Anerkennung,\nals das ganze Gewicht des Drama1» auf der Person des Manfred be-\nruht, der während der ganzen Handlung die agirende Hauptperson\nbleibt, während ihm gegenüber die Thätigkeit der Anderen eine\nsehr geringe ist. Von den übrigen Darstellern heben wir Herrn\nStürmer als Gemsenjäger, Herrn Czaschke (Abt) und Fräulein\nGrösser (Astarte) hervor. Die Leistung des Chors war bis auf Klei-\nnigkeiten befriedigend.\nDe Beriot hat seine Villa in Ems, die er vor fünf bis sechs\nJahren erbaut, gegen Ende der letzten Saison für die Summe von\n55,000 Francs verkauft. Wie es scheint, wird von nun an der greise\nund fast erblindete Virtuose und Componist nicht mehr wie gewöhn-\nlich seinen Somiuer-Aufenthalt in jenem Badeorte nehmen.\n* Dresden, 12. December. Berichtigung. [ln Nummer\n48, S. 384, berichtigten wir die irrthümliche Angabe vieler Blätter,\ndass von F. Hiller eine Operette in Dresden zur Aufführung komme,\nund sprachen die Vermuthung aus, dass das Missverständniss viel-\nleicht auf einer Namensverwechslung mit dem älteren Opern-Com-\nponisten Adam Hiller beruhe. Wir erhalten jetzt darüber Aufklä-\nrung.] Der Componist der Operette „Der Wahrsager\", welche\ngegenwärtig bei dem hiesigen Hoftheater studirt worden und näch-\nstens zur Aufführung gelangt, ist Herr Louis Schubert. Derselbe\nKünstler hat in ähnlichem Genre im Jahre 1856 die Operette „Aus\nSibirien\" in Königsberg auf die Bühne gebracht, ferner die ein-\nactige komische Oper „Die Rosenmädchen\" geschrieben, welche\nin Königsberg, Dresden, Hamburg mit Erfolg gegeben wurde und\ngegenwärtig auf dem Hoftheater zu Dessau studirt wird.\nDas in Dresden angekündigte Concert unter Leitung Richard\nWagner's findet nicht Statt, da ihm die Mitwirkung der königlichen\nCapelle nicht bewilligt wurde.\nJosef Mayseder s Begräbniss hat am 24. Novem-\nber unter Betheiligung zahlreicher Musiker und Musikfreunde Statt\ngefunden.\nAm 20. d. Mts. wird in Wien die Faust-Musik von Robert\nSchumann aufgeführt werden; die Partie des Faust wird Julius\nStock hausen singen.\nZu den „Nibelungen\", erster Theil, Trauerspiel in fünf Acten\nund einem Vorspiel von Friedrich Hebbel, das in Wien bereits\nvierzehn Mal, in Berlin, Weimar, Schwerin, Mannheim mit grossem\nErfolg gegeben, hat A. C. Titl, Capellmeister am k. k. Hofburg-\ntheater, Musik geschrieben, die aus der Introduction, fünf Entre-\nacten, Melodramen und einigen auf der Bühne vorkommenden Mu-\nsikstücken besteht.\nDer Violin-Virtuose Herr Ferdinand Laub gedenkt seinen\nbleibenden Aufenthalt in Wien zu nehmen und nur alljährlich eine\ngrössere Kunstreise durch Deutschland zu machen.\nUeber den Directionswechsel unseres Theaters ist am\n21. November entschieden worden. Mit 9 gegen 4 Stimmen wurde\nHerr Wiersing zum Director des deutschen Landestheaters erwählt.\nGeiicral-Yersanuiiliiug der Deutschen Tonhalle\nzur Entscheidung über den Vo rstan ds-Besc hl uss :\n1) den Bestand der Gesellschaft aufzuheben;\n2) über den Rest des Vermögens zum Besten einer wohltliäti-\ngen Anstalt zu verfügen.\nDie zur Abstimmung berechtigten Mitglieder werden gebeten?\nsich am 14. Januar 1864, Mittags 12 Uhr, im Aula-Saale zu\nMannheim einzufinden.\nStimmberechtigt sind diejenigen Mitglieder, die ihren Beitrag\nbis zum Jahre 1862 bezahlt haben und die fälligen Beiträge von\n1862—1863 bis zum 14. Januar 1864 dem Vorstande zustellen.\nMannheim, 1. December 1863.\nDer Vorstand.\nMit Bedauern dieses vermuthlich durch Mangel an Unterstützung\nherbeigeführten Beschlusses erlauben wir uns, die Bemerkung zu\nmachen, dass die für musicalische Zwecke gezahlten Beiträge\nauch einer musicalischen Anstalt, z. B. der Mozart-Stiftung\nin Frankfurt am Main, überwiesen werden möchten.\nDie Rcdaction."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "401", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631219-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nCarl Maria von Weber (Ein Lebensbild). Aus Berlin (Zweites Concert der Gesellschaft der Musikfreunde). Von\nG, E. Aus H. Berlioz' Trojanern. Viertes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unter hal tu ngsblatt\n(Köln, Beethoven'» Geburtstag Bonn, IL Abonnements-Concert '.Mainz, Richard — Aachen, Concert Cleve, Soiree\nEssen, HändeFs „Samson\" Coburg, „Des Sängers Fluch\" Berlin, Jul. Steffens Frankfurt, Frau Fabri-Mulder u. s. w.)\n\nCarl Maria von Weber.\nEin Lebensbild\n*)•\nUnter diesem Titel hat Herr Max Maria von We-\nber in Dresden den ersten Theil der Biographie seines\nVaters dem deutschen Volke übergeben, welches mit freu-\ndiger Erwartung eine Gabe empfangen wird, die ihm das\nLebensbild eines Tondichters vor Augen zu stellen ver-\nheisst, dessen herrlichen Werken es von Geschlecht zu\nGeschlecht Herz und Sinn in unvergänglicher Liebe ent-\ngegenträgt. Uns aber liegt es ob, zunächst den Lesern\ndieser Blätter, den Kunstlern und Kunstfreunden, vor Al-\nlem zu verkünden, was sie in diesem Buche finden werden.\nDesshalb wollen wir zuerst aus einander setzen, was der\nVerfasser gewollt hat, und dann untersuchen, ob und\nwie er die Aufgabe, die er sich gestellt, gelöst habe. Je\nmehr seine Arbeit — die Frucht von beinahe siebenjähri-\ngem Sammeln, Sichten, Vergleichen und Forschen — in\nFolge seiner Auffassung der Grundsätze für die Darstellung\neines Künstlerlebens von anderen biographischen Werken\nunserer Zeit abweicht, desto mehr wird es Pflicht, diese\nGrundsätze darzulegen.\nWir entnehmen sie in den Hauptzügen der Vorrede\ndes Buches, die XVII Seiten füllt, mit des Verfassers eige-\nnen Worten. Nachdem Herr von Weber über das Ver-\nhältniss des Biographen als Sohn zum Vater gesprochen,\nfährt er fort:\n„Ich erwog, dass der lange, seit dem Scheiden des\nMeisters verstrichene Zeitraum mir das Gewinnen der nö-\nthigen Objectivität erleichtere, dass es immer besser sei,\nwenn treue Liebe mit allen Gefahren, die sie im Gefolire\nC/\nhat, sich an die Darstellung des theuren Meisters mache,\nals wenn etwa einmal kühle, zersetzende Kritik oder blin-\nder Enthusiasmus das Werk unternähmen, oder gar ein\nKünstler von Fach die Feder dazu ergriffe. Denn je be-\ndeutender dieser wäre, um so gefährlicher würde es für\ndie Treue der Darstellung sein, weil, je ausgeprägter, tie-\nfer und originaler ein Künstler in seiner Richtung ist, es\nihm um so schwerer werden muss, den Fachgenossen mit\nwahrem Gewichte zu wägen, mit redlichem Maasse zu\nmessen. Ist doch eigentlich jedes Anerkennen, das der\nwahrhaft für sein Streben begeisterte Künstler seiner In-\ntelligenz für abweichende Richtungen abgewinnt, eine Art\nvon Verläugnung des Evangeliums, welches ihm der Gott\ngeofTenbart hat, den er als einzigen erkennen soll.\n„Ich panzerte mich ferner gegen den peinlichen Ge-\ndanken, von der Weit hier zu vieler, dort zu geringer\nLiebe geziehen zu werden, mit dem Bevvusstsein, das\nrechte Maass davon gewiss im Herzen getragen zu haben,\nwenn ich es auch hier und da in meiner Darstellung ver-\nfehlt haben sollte, und endlich beruhigte mich auch über\nmeine Unzulänglichkeit in musikwissenschaftlicher Bezie-\nhung die immer klarer werdende Anschauung von der\neigentlichen Natur des Stoffes einer Künstler- und beson-\nders Musiker-Biographie. Mendelssohn sagt irgendwo in\nseinen Briefen, dass, wenn man Musik mit Worten schil-\ndern könnte, er keine Note mehr schreiben würde, und\nWeber schrieb an Lichtenstein: „„Von meinen Werken\nschreibe ich Euch nichts, höret sie!a u und später: „»In\ndem Klange meiner Lieder findet ihr mich wieder!\"\"\nHierin liegt eigentlich das Gesetz für die Abfassung einer\nKünstler-Biographie. Sie soll ihren Leser den Mann als\nMenschen kennen lehren, den er schon in seinen\nWerken als Künstler liebt und ehrt.\n„Wen könnte die Lebensbeschreibung eines Künstlers\ninteressiren, von dessen Werken er gar nichts kennt?\n„Desshalb ist es auch mit Zergliederung, Kritik und\nso genannter Erläuterung der Werke eines Künstlers und\nbesonders wieder eines Musikers, in dessen Lebensbeschrei-\n\n*) Carl Maria von Weber, Ein Lebensbild von Max Maria\nvon Weber. Erster Band. Mit Portrait. Leipzig. Ernst Keil.\n3 864. XXXVII und 569 S. in 8."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "402", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631219-01.1.2", "texte": "bung eine eigene, zweifelhafte Sache. Dem, der die Werke\nnie gesehen oder gehört hat, geben alle Schilderungen\nund Zergliederungen gar kein oder ein total falsches Bild;\ndem aber, der sie kennt, gewährt die Erwähnung ihres\nblossen Namens eine so klare Anschauung, als sie ihm\nseine Erinnerung überhaupt zu bilden gestattet.\n„Neben dem Festhalten dieser Gesichtspunkte erhellte\nsich mir die Aufgabe meiner Arbeit nun mit der Klarheit\neines präcisen Pensums und war keine andere, als die Er-\nzählung der positiv darstellbaren inneren und äusseren\nEreignisse im Leben Carl Maria von Weber's in steter\nBeziehung zu der Schöpfung seiner Werke, und wiederum\nvon deren Wirkung auf die Aussenwelt (denn im Schaffen\nweniger Künstler macht sich die Wechselwirkung zwischen\nihrem Genius und der hörenden Welt so prägnant gel-\ntend, als bei Weber), aber ohne Versuche zu kritischer\nBeleuchtung oder Darstellung derselben\").\n„Man kann aber eine Biographie mit zweierlei Ten-\ndenz schreiben. Einmal, um zum Studium einer Persön-\nlichkeit, ihrer Thaten und Werke und ihrer Zeit anzulei-\nten, und dann wird man der fortlaufenden, strengen Dar-\nstellung der Ereignisse, gleichsam wie eine grosse Topo-\ngraphie des durchforschten Terrains, Notizen über alles\nbenutzte Material, alle Quellen, aus denen man schöpfte,\nalle Wege, die man zur Ermittlung der Thatsachen ein-\nschlug, alle Maschinen, die man zum Bewältigen des Stof-\nfes anwandte, in Form von Noten und Beilagen u. s. w.\nbeizugeben haben, damit das Weiterergründen jeder Spe-\ncialilät, das Verfolgen jedes in den grossen Strom mün-\ndenden Gewässers bis in die letzte Verästelung allenthal-\nben angebahnt sei.\n„Diese Form der Biographie ist in Deutschland, als\ndeutscher Gründlichkeit vorzüglich anmuthend, mit Vor-\nliebe gepflegt worden und hat, besonders in Darlegungen\nwie die Arbeiten von Pertz, Jahn u. s. w., ihre vollste und\nhöchste Berechtigung.\n„Aber die andere Form biographischer Darstellung\nbesitzt diese in nicht minderem Maasse. Diese hat das Ge-\nrüst, welches zum Errichten ihres Baues diente, entfernt,\nein Weiterführen desselben verneint und gibt das Werk\nals ein enger umrahmtes, aber fest abgeschlossenes, ge-\nrundetes Bild. Sie gewährt nicht die Mittel, das geschil-\nderte Dasein noch weiter zu studiren, sondern verlangt\nvom Leser, dass er das ihm vor Augen gestellte Portrait\neines Lebens auf Treu und Glauben für treu und redlich\ngemalt und ähnlich nehme. Ihre Darstellung soll gleich-\nmassig vorüberfliessen, wie ein Strom, dessen mehr oder\nweniger aufleuchtende Wellen die Ereignisse bilden, und\naus dessen Flut, durch ihr Entstehen schon erklärt, die\nWerke des grossen Menschen, welchen das Werk schil-\ndert, hervorblühen, wie beseelte Emanationen der Zeu-\ngungskraft des Lebensstromes, wie Lotosblumen aus der\nFlut des allerzeugenden Ganges.\n„Diese Form der biographischen Darstellung schien\nmir die passendste für Weber's Leben, dessen Werke spe-\ncifischer durch ihr Erscheinen als durch ihr Studium wir-\nken, dessen Existenz so unendlich viel von menschlichem\nund künstlerischem Schicksal, Lust, Lieb' und Leid ent-\nhält, dass es so recht zum Ausmalen des Lebensbildes eines\nedeln, vielverkannten und gekränkten Mannes, derein\ngrosser Künstler war, sich eignete.\n„Und mich drängte es von Herzen, dies einmal nicht\nmit prätentiösem historischem Pinselschwunge, sondern\nmit der liebevollen Sorgsamkeit Gerhard Dow's und Ter-\nbourg's, nicht im Stile der Wrerke des Mannes, sondern\nim Stile von dessen Leben zu thun, den Leser mit ihm\nwandeln, reisen, lachen und weinen, triumphiren und flu-\nchen, ihn an Weber's Tisch, im Kreise seiner Lieben sitzen\nzu bissen, ihm zu gestatten, dem Meister in den Mühen\nund Seligkeiten des Schaffens an seinem Schreibtische über\ndie Schulter zu sehen, seinen Herzschlag zu hören, wenn\ner den Dirigentenstab hob, ihn zu belauschen, wenn er,\nmit seinen Kindern spielend, im Grase kroch, sein Aeffchen\ntanzen und seinen Jagdhund apportiren lehrte!\n„Mich drängte es, den Meister der „ „Euryanthe\"\ndes „ „Freischütz\" * und „ „Oberon\"\" nicht bloss mit Lyra\nund Lorberkranz, sondern auch im Hoffrack mit Schuh\nund Escarpins, und in seinem grauen Hausrocke, und als\narmen Reisenden, und als frohen oder verdrossenen Haus-\nherrn, kurz: in all dem Grossen und Kleinen zu malen,\ndas die Welt ausmachte, in dem seine Werke als goldene\nFrüchte wuchsen; mit Einem Worte: den Leser mit ihm\nleben zu lassen.\"\nHierzu gehört ferner, was der Verfasser über das\nreichliche Material, das ihm zur Benutzung vorlag, und\nüber dessen Behandlung von seiner Seite, so wie über die\nDarstellung sagt. Er benutzte ausser den gedruckten Nach-\nrichten vorzugsweise an tausend Briefe von und an Weber\nund dessen Notizbücher vom 26. Februar 1810 an bis\ndrei Tage vor seinem Tode.\n„Am vorsichtigsten\" fährt er S. XII fort— „habe\nich mündliche oder schriftliche Beminiscenzen, in so weit\n\n:;) Mein Buch in künstlerischer Beziehung ergänzend, aber als\nvollkommen selbständiges Werk erscheint demnächst ein musik-\nwissenschaftlich organisirtes Verzeichniss sämmtlicher musica-\nlischer Arbeiten C. M. von Weber's aus der Feder des rühm-\nlich bekannten Tonkünstlers Musik-Directors F. W. Jähn zu\nBerlin, der wahrscheinlich der gründlichste lebende Kenner der\nMusikwerke Weber's ist. Ich verweise hiermit auf dieses Buch,\ndas im Ganzen nach dem Muster- der Meisterarbeit KöcheFs\nüber Mozart behandelt werden wird. Der Verfasser."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "403", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631219-01.1.3", "texte": "erstere nicht auf frühere Niederschriften gegründet waren,\nvon Zeitgenossen, ja, selbst die Familien-Traditionen und\ndie Erzählungen meiner Mutter benutzt. Es ist in der That\nunglaublich, wie der Strom des Lebens in der Erinnerung\ndie Ereignisse nach der Richtung von Zeit und Dimension\ndurch einander wirrt. Es sind mir ausführliche Mitthei-\nlungen höchst ehrenwerther Zeitgenossen, von Beamten\nan Theatern und von Freunden meines Vaters über That-\nsachen, Ereignissreihen und Vorkommnisse zugegangen,\nderen Correctheit dieselben versicherten, und in denen\noft, wie die Vergleichung mit zuverlässigen Zeitquellen\nlehrte, alle Data unrichtig und durch lange Zeiträume ge-\ntrennte Ereignisse in eines zusammengezogen waren. Ja,\nich habe meine Vorsicht der Benutzung, besonders in Be-\ntreff der Schilderungen subjectiver Zustände, auch auf die\nCorrespondenzen ausgedehnt, da ich sehr gut weiss, dass\nder Mensch am Sehreibpulte von dem im Kampfe des Le-\nbens sehr verschieden ist, und sogar Weber's eigene\nBriefe, besonders die an seine Gattin, davon nicht ausge-\nnommen. Dieser theuren Frau, der Weber's Leben und\nRuhm werther war, als ihm selbst, und die mit der ner-\nvösesten Spannung guten Nachrichten von ihm entgegen\nsah, hat er die Ereignisse, ohne jemals von der Wahrheit\nder Thatsache abzuweichen, liebevoll oft in anmuthifferem\nLichte, als das vvar, welches sie hier und da wirklich aus-\nströmten, erscheinen lassen. Solche von der zartesten Sorge\no\numgefaltete Schleier waren immer leicht zu haben.\n„Was nun die äussere Form der Darstellung des aus\ndieser Masse von Material heraus zu formenden Lebens-\nbildes betrifft, so schien es mir, dass ein Künstlerleben in\nanderem Tone erzählt, in anderem Stile geschildert wer-\nden müsse, als das eines Helden oder Gelehrten. Ich bin\nbemüht gewesen, meiner Erzählung den Localton der ge-\nschilderten Lebensperioden zu geben, das Ganze aber in\ndem Tempo strömen zu lassen, in dem Weber's kurzes\nLeben sich emsig, hastig und ruhelos verathmete. Durch\ndieses Bemühen, verbunden mit der Benutzung der ausser-\nordentlichen Masse der mir zur Hand befindlichen Einzel-\nheiten, hat die Darstellung hier und da, wie ich mir nicht\nverberge, einen Charakter bekommen, als seien die Lücken\ndes Verlaufs der historisch begründeten Thatsachen durch\nhinzugedichtetes Detail ausgefüllt und so dieser oder jener\nAbschnitt zur romanhaften Erzählung abgerundet worden.\n„Dem ist aber nirgend so! Selbst im Detail bin\nich nie bewusster Maassen vom Gegebenen abgewichen,\nund obwohl ich keine Quellen angegeben habe, doch gern\nerbötig, auf an mich ergehende begründete Anfragen die-\njenigen nachzuweisen, aus denen ich jede Thatsache ge-\nschöpft oder in erlaubtester Weise vorsichtig Mulhmaas-\nsungen hergeleitet habe.\n„Das consequente Durchführen des Princips meiner\nDarstellung bedingte es, dass ich, und dies wird mir viel-\nleicht von prüden Discretions-Fanatikern verdacht werden,\nauf diejenige Sphäre von Weber's Seelenleben, welche\nals primum mobile seine Welt umschloss, das Wirken sei-\nnes Herzens und die Gegenstände desselben, mehr und\nhelleres Licht fallen liess, als dies bisher Mode war.\nAber mir schien es, obgleich die meisten Biographen in\nmissverstandenem Zartgefühle von diesem Sonnenscheine\nin der Welt einer Künstlerseele nur andeutungsweise,\nschüchterne und blasse Reflexe zu geben gewagt haben,\nals hiesse das ein Panorama ohne Himmel malen.\n„Ich hab's daher gewagt, und durfte es, wie ich\nglaube; denn wie grosse Menschen nach ihrem Tode im-\nmer wachsen, während kleine wie Irrlichter verschwinden,\nso wird auch das Fühlen, das bei menschlichen Nullen\nSchwärmerei und Jugend-Thorheit heisst, bei bedeuten-\nden Männern zu gewaltiger, zeugender und gestaltender\nKraft. Auch lag es nirgend in meiner Absicht, einen Pa-\nnegyrikus auf meinen Vater zu schreiben.\"\nEndlich verheissl Herr von Weber, mit derselben Un-\nparteilicheit und ohne Ansehen der betreffenden Personen\nauch die amtlichen Verhältnisse seines Vaters in Dres-\nden darzustellen. Weber's Stellung daselbst war eine\npeinliche: es war ihm nicht möglich, sich das Vertrauen\nder ihm vorgesetzten Männer, den Grafen Vitzthum aus-\ngenommen, weder in künstlerischer noch in politischer\nBeziehung zu erringen. Seine Bedeutung als Künstler\nwürdigte man dort im Allgemeinen so wenig, „dass einst\nsein letzter Chef, auf einer Reise mit ihm die Kundgebun-\ngen hoher Verehrung wahrnehmend, die ihm von allen\nSeiten dargebracht wurden, ganz erstaunt ausrief: „ „We-\nber, sind Sie denn wirklich ein berühmter Mann?\"\"\n(Schluss folgt.)\n\nAus Berlin.\n\nDen 16. Decembe/ 1863.\nDas zweite Concert der Gesellschaft der Musikfreunde,\ndas am Samstag in der Sing-Akademie Statt fand, begann\nmit zwei werthvollen Bruchstücken der älteren Opern-Li-\nteratur, für deren Vorführung wir den Unternehmern,\nso wie dem technischen Dirigenten, Herrn von Bülow,\nnur dankbar sein können, der Ouvertüre zu Gluck's „Pa-\nris und Helena\" und einem Duett aus „Euphrosyne\" von\nM£hul. „Paris und Helena\", 1769 geschrieben, später als\n„Orpheus\" und „Alceste\", gehört in die Ileihe derjenigen\nOpern, in denen Gluck sein Princip dramatischer Charak-\nteristik mit Bewusstsein durchzuführen suchte. In wie weit\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "404", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631219-01.1.4", "texte": "auch die Ouvertüre in ähnlichem Sinne angelegt ist, ver-\nmögen wir zwar nicht zu beurtheilen; doch zeigt die An-\nlage des Ganzen das entschiedene Bestreben, contrastirende\nMotive einander gegenüber zu stellen und damit eine in-\nnere Lebendigkeit in die Instrumental-Musik hineinzufüh-\nren, die der früheren Zeit versagt war. Wenn auch die\nzu Grunde liegenden Themata sowohl als die dem Com-\nponisten zu Gebote stehenden Mittel der Kunst, vermöge\nderen er ihnen eine weitere Ausführung geben konnte,\nsich durch ihre Simplicität als einer vergangenen Kunst-\nPeriode angehörig erweisen, so fesselt doch auch heute\nnoch die Bestimmtheit des Gedankens und des Ausdrucks;\nes ist jener Gluck, dem es nicht vergönnt war, über alle\nHerrlichkeiten, welche die Ton-Phantasie zu erschliessen\nvermag, in gleichem Maasse zu verfügen, wie andere Mei-\nster vor und nach ihm, der sich aber, dennoch neben ihnen\neinen Platz errang durch die Bestimmtheit seines Wollens,\ndurch die unerschütterliche Sicherheit, mit der er die\nMaterie des Tones dem Geiste unterwarf.— „Euphrosyne\"\nist eine der frühesten Opern Mehul's (aus der Zeit der\nRevolution), die erste, mit der der talentvolle Franzose,\nbekanntlich ein Jünger Gluck's, in Paris sich Bahn brach.\nDennoch hielt sich die Oper nicht lange; man tadelte\nschon damals das Uebermaass des dramatischen Ausdrucks.\nNach dem uns milgetheillen Fragmente ist dieser Vorwurf\nfür jene Zeit völlig begreiflich. Auffallend ist in dem\nDuette, das von Fräulein von Pöllnitz und Herrn Otto\ncorrect und mit dramatischem Vortrage gesungen wurde,\ndie durchweg mehr dramatische als strengmelodische Be-\nhandlung der Singstimmen und die rauschende Instrumen-\ntation, die namentlich am Schlüsse des Tonstückes es selbst\nden kräftigsten Stimmen unmöglich macht, noch durchzu-\ndringen. Wir sind indessen heute noch an ganz Anderes\ngewöhnt und würden diesen Vorwurf kaum noch zu er-\nheben wagen. Sowohl in der Instrumentation, die nicht\nbloss den Gesang unterstützt, sondern eine selbständige\nmusicalische Bedeutung hat, als im Gesänge verräth sich\nGluth der Leidenschaft und Energie des Gedankens; in\ndem scharf Zugespitzten, Pointirten der einzelnen melodi-\nschen Phrasen zeigt sich ein specitisch französisches Ele-\nment, aber es ist doch mehr Mark darin, als in dem neuen\nFranzosenthum. Beethoven's Violin-Concert wurde von\nHerrn A. Kömpel, königlich hannoverschem Kammer-\nVirtuosen und grossherzoglich sächsischem Concerlmeister,\nvorgetragen. Wir lernten in Herrn Kömpel einen Geiger\nkennen, der mit einer vorzüglichen Technik ein gesundes,\nnach einzelnen Richtungen hin auch ein poetisch tiefes\nVerständniss verbindet. Sein Ton ist nicht von hervorra-\ngender Kraft, und so erreicht er denn nicht die schwung-\nvolle Auffassung eines Joachim oder Laub; Zartheit des\nTones und Innigkeit des Vortrages ist ihm aber in hohem\nGrade gegeben; somit war es namentlich das Andante,\ndas er in vorzüglich schöner Weise zu Gehör brachte.\nAusser dem Beelhoven'schen Concerte hörten wir noch\nvon ihm Adagio und Fuge (G-moll) von Seb. Bach; auch\nhier war die Gediegenheit und Correctheit des Vortrages\nhöchst rühmenswerth. Eine bei Gelegenheit des Uhland-\nFestes mit lebenden Bildern zur Aufführung gebrachte\nInstrumental-Composition des Herrn von Bülow: „Des\nSängers Fluch\", bildete den Schluss des ersten Theiles.\nRecht gelungen ist der erste Theil der Composition, der\nstreng thematisch gearbeitet ist, nicht Ueberschwängliches\nin Harmonie und Melodie enthält und der Phantasie den\nbeabsichtigten poetischen Eindruck festlichen Zusammen-\nseins zu gewähren vermag. Von dem Auftreten des Sän-\ngers ab wird der musicalische Inhalt der Composition un-\nbedeutender. Die Melodieen nähern sich etwas einer Art\nder Lyrik, die nicht aus der Tiefe des Gemüthes quillt,\nsondern sich auf der Oberfläche des Salons bewegt; die\nletzten Sätze, die den Fluch des Sängers und die Erfül-\nlung desselben darstellen, sind nach unseren Begriffen von\nKunst zu realistisch ausgeführt. Nichts desto weniger ver-\nräth sich in dem Ganzen ein gewisses Talent für Compo-\nsition, das sich auch durchaus nicht so schrankenlos ent-\nwickelt hat, als Manche erwarten möchten. Was wir aber\nfreilich vorzugsweise vermissen, ist Individualität der Er-\nfindung; und welchen Werth hat die Programm-Musik\nüberhaupt noch, wenn sie nicht einmal vermag, die\nPhantasie des Componisten zu eigentümlichen Gestaltun-\ngen anzuregen, zu denen er aus rein musicalischem Be-\ndürfnisse, ohne Vorstellung eines bestimmten Gegenstan-\ndes, nicht gekommen wäre? Die „Präludien\", diejenige\nsymphonische Dichtung von Liszt, mit der der Componist\nselber vor acht Jahren in Berlin debutirte, bildeten den\nKern der zweiten Abiheilung des Concertes. Wir gestehen,\ndass wir diesem Werke gegenüber auf demselben Stand-\npunkte stehen, wie vor acht Jahren: uns ist Liszt nicht\nnäher gerückt. Die musicalischen Gedanken, die darin vor-\nkommen, erheben sich nach unserer Ansicht entweder\nnicht über das Gewöhnliche, oder schlagen sofort in das\nentgegengesetzte Extrem um; gesunde Empfindung ver-\nmissen wir überall. Die Form ist von losen) Gefüge. Das\nLaien-Publicum mag sich durch einzelne sentimental oder\nweich klingende Stellen und durch den seltsamen Wirbel\nchromatischer Ton- und Accord-Fortschreitungen hier\nund da angezogen fühlen: wie aber ein musicalisch den-\nkender Hörer dazu gelangen soll, darin ein beachtungs-\nwerlhes Kunstwerk wir reden noch nicht einmal von\nden maasslosen Ansprüchen, die sich daran knüpften\nzu finden, ist uns unbegreiflich. Es ist die Virtuosität, die"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "405", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631219-01.1.5", "texte": "vielerlei Musicälisches, Gutes und Schlechtes, in sich auf-\ngenommen hat, und nun dasselbe zu oberflächlicher Unter-\nhaltung, zu sinnlich zerstreuender Aulregung verarbeitet.\nFür einen ernsthaften, sich sammelnden Geist ist derelei-\n■.. . ©\nchen nichts.\n\nG. E.\n\nAus H. Berlioz’ Trojanern.\nAls eine Probe, wie weit sich die Musik der neueren\nSpectakel- und Decorations-Oper verirren kann, geben\nwir den wörtlichen Text zu dem Instrumentalsatze, wei-\nther den zweiten Act der „Trojaner\" von Berlioz bildet,\nnach dem Clavier-Auszuge.\n„Das Iheater stellt einen alricanischen Urwald dar.\nDer Vorhang geht auf. Zwei Najaden lassen sich blicken\nund verschwinden wieder im hohen Schilf. Man sieht die\nNajaden in dem See schwimmen. Fanfare von Jagd-\nhörnern in der Ferne, der die Najaden mit Unruhe zu\nlauschen scheinen; sie steigen aus dem See und spähen\nin die Ferne, gehen nach der Coulisse rechts und zeieen\nwachsende Unruhe. Sie ergreifen die Flucht und ver-\nschwinden im Schilf. Einige Jäger erscheinen und gehen\nüber die Bühne. Ein einzelner Jäger geht vorüber -und\nscheint über das Nahen eines Gewitters besorgt; er stellt\n«ich unter einen Baum. Hörner in der Ferne; der Jäger\nverlässt seinen schützenden Stand und geht nach der Ge-\nnend des Waldes hin, wo er die Töne hört. Hörner- und\nPosaunen-Fanfare auf der Bühne etwas näher. Der Him-\nmel verdunkelt sich, es fängt an zu regnen (Saiten-Instru-\nmente pizzicato),ein Blitz\nPaukenwirbel auf\n<ier Bühne. Ascanius sprengt zu Pferde über die Scene.\nAndere Jäger zu Pferde folgen ihm nach kurzem Zwi-\nschenraum. Andere Jäger zu Fuss flüchten sich nach ver-\nschiedenen Seiten hin. Dido und Aeneas treten auf und\ntrotzen dem Sturm und dem Gewitter. Es ist fast Nacht\ngeworden. Dido und Aeneas gehen in die Grotte.\n„Die Wald-Nymphen erscheinen mit (liegenden Haa-\nren oben auf dem Felsen, laufen hin und her mit Geschrei\nund zügellosen Geberden:\nFanfaren zu beiden Seiten auf dem Theater. Tanzende\nFaunen treten auf und rufen warnend: „ „Italie!\" \" Der\nBach des Felsens wächst und wird zu einem rauschenden\nWasserfall. Mehrere andere Wasserfälle bilden sich auf\nverschiedenen Seiten des Felsens und mischen ihr Rau-\nschen in das Krachen des Donners. Satyrn und Waldgöt-\nter führen mit den Faunen im Dunkel groteske Tänze\nauf. Dei Blitz schlägt in einen Baum, spaltet ihn und setzt\nihn in Brand; die brennenden Zweige fallen auf den Bo-\nden, die Faunen und VValdgötter raffen sie auf und tan-\nzen, indem sie sie hoch halten. Dazu Chor (10 Tacte\nAo, ao), Alle laufen davon. Die Bühne hüllt sich nach\nund nach in dichtes Gewölk; sie wird endlich durch un-\nbeweglich feststehende Wolken ganz bedeckt. Das Gewölk\nhebt sich allmählich und verzieht: der Vorhang fällt.\"\n\nViertes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller,\nDinstag, den 15. December 1863.\nProgramm. Erster Theil. ]. Ouvertüre zu Oberon von 0. M.\nvon Weber. 2. Cavatine von Rossini (Fräulein Jenny Meyer).\n3. Concert Nr. 11. für die Violine von L. Spohr (Herr von Kö-\nnigslöw). 4. rDes Mädchens Klage** von F. Schubert (Fräulein\nMeyer). 5. Ouvertüre zur schönen Melusine von F. Mendels-\nsohn. G. Hymne für Alt-Solo, Chor und Orgel von F. Men-\ndelssohn.\nZweiter Theil. 7. Sinfonie Nr. 11. von Robert Schumann.\nDer erste Theil des Concertes führte sechs Stücke der verschie-\ndensten Gattungen und Stilarten vor. Die besten davon waren un-\nstreitig die orchestialen Sachen, das Violin-Concert Nr. 11. von L.\nSpohr, C. M. von Weber's Ouvertüre zu Oberon und Mendels-\nsohn s zu dem Märchen „Die schöne Melusineu. Letztere ist eine\ndei am seltensten gehörten von den vier grossen Ouvertüren Men-\ndelssohn s, doch steht sie den anderen keineswegs nach und enthüllt\nin ihrer Einleitung und am Schlüsse eine reizende, phantastische\nund sehr geschmackvolle Malerei, während der rauschende Haupt-\nsatz vom sonstigen Wesen Mendelssohn's abweicht und fast etwas\nspontinisch klingt. Dass Weber's Oberon-Ouverture die Verheissung\neines wunderbaren Zaubers der Töne, den das Horn ankündigt, voll-\nkommen erfüllt, wer hat das nicht schon oft empfunden ? und doch\nwird man immer von Neuem davon hingerissen, zumal wenn das\nschöne Werk so genau und doch schwungvoll ausgeführt wird, wie\nauch dieses Mal wieder. In der Oberon- und in der Freischütz-\nOuverture ist es dem Componisten vollkommen gelungen, ein ein-\nheitliches Kunstwerk aus den Melodieen der Oper zu bilden; seine\nNachfolger haben ihr Muster nicht erreicht, und am Ende ist diese\nganze Gattung zu erbärmlicher Potpourri-Fabrication herabgesunken.\nFreilich fehlte den Nachahmern auch der echte Stoff zu dem Gewebe:\ndie Weber'schen Melodieen.\nHerr von Königslöw hat durch seinen in jeder Hinsicht\nauf Reinheit, Ton, Correctheit und Ausdruck vortrefflichen Vortrag\nglänzend bewiesen, dass ein gediegener Violinspieler auch mit einem\nConcerte von Spohr in unseren Tagen ein gebildetes Publicum, das\nnicht durch Liebhaberei an musicalischen Seiltänzereien verdorben\nist, innig erfreuen und zu dem lebhaftesten Beifalle begeistern kann.\nUeber den Gesang der geschätzten Künstlerin Fräulein Jenny\nMeyer können wir nur unser früheres Urtheil wiederholen. Ihre"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "406", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631219-01.1.6", "texte": "schöne, weiche, wohllautende Stimme hat durch vervollkommnete\nTonbildung gegen früher allerdings gewonnen und würde ihren Reiz\nin einem kleineren Saale gewiss noch mehr entwickeln, als im gros-\nsen Räume; allein der Vortrag hat sich nicht geändert, es herrscht\nin ihm eine Ruhe, die man versucht sein könnte, classisch zu nen-\nnen, wenn sie nicht gar zu kalt Hesse und der Innigkeit des Aus-\ndrucks und noch mehr der\" Tiefe des Gefühls ermangelte. Unter\ndieser Monotonie des Vortrages leidet dann auch natürlich die Auf-\nfassung des Gesangstückes, wie denn z. B. die Sängerin in Schu-\nberts ~Des Mädchens Klage\" die Worte der „Himmlischen, welche\nden heilenden Trost nicht versagen will\", ganz mit demselben Timbre\nder Stimme und mit demselben klagenden Ausdrucke vortrug, wie\ndie anderen Strophen. Am besten gelang ihr die Solo-Partie in\nMendelssohns Hymne mit Chor und Orgelbegleitung: „Lass',\no Herr, mich Hülfe finden\", wobei die Orgel, von Herrn Franz\nWeber sehr schön registrirt, eine treffliche Wirkung machte.\nIm zweiten Theile des Concertes wurde uns so viel wir uns\nerinnern, zum ersten Male die Sinfonie Nr. 11. in C-dur von\nRobert Schumann vorgeführt. Sie liess das Publicum kalt, selbst\ndas Scherzo und das Adagio, welches wohl noch die ansprechend-\nsten Sätze sind, erregten nur sehr massigen Applaus. Auch wir\nkonnten beim Anhören derselben, wie der bei Weitem grösste Theil\nder Anwesenden, nur die ausgezeichnete Ausführung bewundern, da\ndas Orchester das schwierige Werk mit wahrer Virtuosität vortrug.\nDie Sinfonie ist im Jahre 1816 geschrieben, kurz nach der Zeit, in\nwelcher Schumann in Dresden von dem Krankheits-Anfalle genesen\nwar, der ihn damals zum ersten Male erfasst hatte. Er hat sich\nselbst folgender Maassen über diese Sinfonie geäussert: „Ich skiz-\nzirte sie, als ich physisch noch sehr leidend war; ja, ich kann wohl\nsagen, es war gleichsam der Widerstand des Geistes, der hier sicht-\nbar influirt hat und durch den ich meinen Zustand zu bekämpfen\nsuchte. Der erste Satz ist voll dieses Kampfes und in seinem Cha-\nrakter sehr launenhaft und widerspänstig.\" Trotzdem gibt es\nSchumannianer, die Schumann'scher sind, als er selbst, und denn\nauch diese Sinfonie für einen musicalischen Wunderbau erklären!\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolli« Am 17. December wurde liier als Fest-Vorstel-\nlung zu Beethoven's Geburtstags-Feier (der 93sten, nicht\nhundertsten, die erst mit dem Jahre 1870 eintritt) im Stadttheater\nseine Oper Fidel io in einer bis auf wenige Scenen sehr gelunge-\nnen Darstellung gegeben. Vorher ging ein Prolog von L. Bi-\nschoff, eingeleitet durch Beethoven's Marsch und Chor aus den\n~ Ruinen von Athen\", mit Würde und Ausdruck gesprochen von\nFrau Ernst als Priesterin der Musen, und am Schlüsse durch ein\nTableau von Priesterinnen, welche Altäre bekränzen und die Opfer-\nflammen auf ihnen nähren, während der Genius der Tonkunst einen\nLorberkranz über der Büste des Meisters emporhält, illustrirt.\nItoiiil. 8. December. Das zweite unserer Abonnements-\nConcerte am 3. December war der Aufführung des Oratoriums\n„Die Schöpfung\" von Haydn gewidmet. Die betreifenden Soli wa-\nren in den Händen des Fräuleins Marie Büschgens aus Crefeld\n(Sopran), des Herrn Göbbels aus Aachen (Tenor) und des Herrn\nHill aus Frankfurt am Main (Bass). Fräulein Büschgens sang ihre\nPartie recht lobenswerth, wobei derselben ihre schöne Stimme sehr\nzu Statten kam; nur möchten wir der Künstlerin rathen, auf die\nAusbildung ihres Trillers mehr Sorgfalt zu verwenden. Herr\nHill war der Glanzstern des Abends. Die Chöre giugen correct\nund schwungvoll und zeugten von dem Fleisse und der Aufmerk-\nsamkeit der einzelnen Mitglieder. Herrn Musik-Director Bram-\nbach zollen wir für die vortreffliche, mit Umsicht und Begeisterung\ngeleitete Aufführung des Ganzen unseren wärmsten Dank. -h.\nMai 11%. Richard Gende hat seine so eben vollendete Oper\n„Rosita\" dem Grossherzog von Schwerin dedicirt und die Aller-\nhöchste Erlaubniss erhalten, die Widmung bei Veröffentlichung des\nClavier-Auszugs oder der Partitur auf dem Titel bemerken zu dürfen.\n— —»—•— ■■ ■ » ■\nAachen, 15. December. Das Concert, welches die „Societe\nRoyale la Legiau aus Lüttich, unter Leitung des Herrn Prof. Th.\nVercken und unter Mitwirkung ausgezeichneter Solisten von dort,\nam Sonntag hierselbst im neuen Curhaussaale zum Besten unseres\nMariannen-Instituts und der Taubstummen-Anstalt veranstaltete, war\nin seiner Ausführung eine sehr erfreuliche, gediegene Leistung. Ein\näusserst zahlreiches Auditorium hatte sich dazu eingefunden, welches\nmit Interesse jeder Nummer des Programms folgte, und soll eine\nEinnahme von mehr als 400 Thlm. erzielt worden sein. In der\ngestrigen Sitzung des niederrheinischen Musikfest-Comite's ist die\nWahl eines Dirigenten für das bevorstehende Musikfest, welches in\nden nächsten Pfingsttagen in unseren Mauern gefeiert wird, auf den\nköniglich baierischen General-Musik-Director Herrn Franz Lach-\nner gefallen. Unter den Gründen für diese Wahl es scheint also,\ndass man in Aachen die Notwendigkeit fühlt, Gründe dafür anzu-/\nführen macht das aachener Blatt, dem wir die obige Mittheilung\nentnehmen, geltend, dass der berühmte Meister auch „der Stadt\nAachen und ihren Künstlern die rührendste Anhänglichkeit\nstets gezollt und bei allen Gelegenheiten den Ruhm ihrer\nGesangchöre glänzend hervorgehoben hat.\" Das ist\nwirklich rührend und zugleich sehr naiv und schmeichelhaft für\nLach ner.\nCleve. Die Herren W. Drechsler, Violinist und Sänger\naus Dresden, und Hause, Pianist, der in Nordamerica rühmlich\nbekannt ist, haben hier auf ihrer Rückreise aus Holland, wo sie\nan vielen Orten concertirt haben, am 13. d. Mts. eine recht be-\nsuchte Soiree gegeben und viel Beifall gehabt. Wir hörten unter\nAnderem das Clavier-Concert in A-moll von Hummel und ein.\npaar Solo-Compositionen von Hause, das Violin-Concert von Men-\ndelssohn und ein Duo über Motive aus Oberon von Wolff und\nVieuxtemps.\nEssen, 7. December. Gestern Abend wurde hier in dem\nschönen Saale der Vereinigten Gesellschaft von dem hiesigen Ge-\nsang-Musikverein, unter Mitwirkung tüchtiger auswärtiger Kräfte,\nvorzüglich eines Theiles des Gesangvereins unserer Nachbarstadt\nMülheim und dessen Dirigenten, Herrn Engels, unter Leitung des\nHerrn Ernst Helfer Händel's Oratorium „Samson\" zur Auffüh-\nrung gebracht. Achtzig Stimmen vereinigten sich mit einem ver-\nstärkten Orchester, in welchem mehrere auswärtige Künstler mit-\nwirkten. Die Soli waren in der dankenswertesten Weise theils von\nhiesigen, theils von auswärtigen Dilettanten übernommen worden..\nDas zahlreich erschienene Publicum, welches den grossen Saal ganz\ngefüllt hatte und zum Theil auch in den zum Concerte hinzugezo-\ngenen angränzenden Räumen weilte, spendete der Aufführung ge-\nrechten Beifall und schied in unverkennbar befriedigter Stimmung.\n(„Des Sängers Fluch\", grosse Oper in drei Acten von\nAugust Langert; zum ersten Male aufgeführt auf dem herzogli-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "407", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631219-01.1.7", "texte": "chen Hoftheater zu Coburg am 6. Deeember.) Man schreibt darüber\naus Coburg: Die vorliegende Opern-Novität hatte sich bei ihrer\nAufführung des glänzendsten Erfolges zu rühmen, was ohne Zweifel\num so erfreulicher ist, als es sich dabei um das Werk eines (in\nCoburg lebenden) jungen Componisten handelt, der dadurch zu der\nHoffnung berechtigt, dass ihm das so verwaiste Gebiet der deutschen\nOpern-Gomposition in Zukunlt noch viele schöne Früchte verdanken\nwerde. August Langert hat sich dem coburger Publicum durch\nein schon früher am Hoftheater zur Aufführung gekommenes Opern-\nwerk als begabter Musiker bekannt gemacht. Jene erste Oper Län-\ngeres, „Die Jungfrau von Orleans\", ist dem Referenten nicht be-\nkannt geworden; es kann desshalb hier auch kein Vergleich ange-\nstellt werden, und wir constatiren nur, dass die neue Langert'sche\nSchöpfung von Kunstverständigen als ein sehr bedeutender Fort-\nschritt anei kannt wird. Schon an dem Texte erhielt der Componist\neinen sehr dankbaren Stoff. Die allgemein bekannte Uhland'sche\nBallade musste lür die Schluss-Katastrophe einen sehr grossartigen\ndramatischen Moment bieten, der auch für die musicalische Behand-\nlung die günstigsten Elemente enthält. Dieser Hauptmoment ist in\nden vorangehenden beiden Acten durch eine Intrigue vorbereitet,\nwelche an sich zwar einfach ist und es ist dies für einen Opern-\ntext von besonderer Bedeutung —, vor Allem klar und plastisch\ndem Publicum entgegentritt und der breiteren musicalischen Charak-\nteristik angemessene Gelegenheit gibt. Den Personen des Gedichtes\nist noch eine Gestalt, Gisela, hinzugefügt, welche der Handlung Be-\nwegung verleiht und die eigentliche Intrigue übernimmt. (?) Dass für\nZeit und Oertlichkeit die mythische Vorzeit des Nordens gewählt ist,\ngibt dem ganzen Vorgange ein bestimmtes und charakteristisches\nGepräge. Auch der Componist hat sich die dramatische Charakte-\nristik sehr angelegen sein lassen, was ihm* besonders bei den Ge-\nstalten des Königs und der Königin trefflich gelungen ist. Des Kö-\nnigs Wildheit und Zerrissenheit des Gemüthes ist besonders in der\ngrossen Scene zu Anfang des zweiten Actes glücklich geschildert.\nDie sanfte Königin ist durchweg sehr schön gehalten und vorzugs-\nweise die träumerische Arie im dritten Acte ein höchst anziehendes\nMusikstück. Auch dem Wesen des Sängers Elfried ist es durch-\naus angemessen, dass gerade ihm durchgängig die am breitesten aus-\ngeführten Melodieen zuertheilt sind. Was die Instrumentation be-\ntrifft, so lässt Herr Langert eine sehr bedeutende technische Fertig-\nkeit erkennen; noch günstiger würde dieser Vorzug sich geltend\nmachen, wenn der Componist sich entschliessen könnte, hier und\nda ganz besonders in den recitativischen Partieen in der Be-\nhandlung der Blech-Instrumente und der grossen (türkischen) Trom-\nmel Abschwächungen vorzunehmen. In der ersten Hälfte der Oper\nerscheint die musicalische Arbeit gegenüber dem natürlichen Strome\nder Empfindungen noch zu vorherrschend, besonders in den zuwei-\nlen übermässig sich drängenden Modulationen. Mehr und mehr aber\ngewinnt der Componist im Verlaufe der Oper das richtige Maass,\nund es ist kein geringer Vorzug des Werkes, dass gerade im letzten\nActe sich das Talent des Componisten gipfelt. Mit dem Fluche des\nalten Sängers stürzt die nordische Königshalle ein und die Bühne\nverwandelt sich in eine öde Haidefläche, auf der nur eine einzelne\nzerbrochene Säule von verschwundener Pracht zeugt. Die Idee, am\nSchlüsse eine Melodie nachklingen zu lassen, wie wenn der Wind\nklagend über die Haide fährt, ist hochpoetisch. Das Publicum\nnahm die Oper durchgängig mit rauschendem Beifalle auf und rief\nnamentlich die Vertreter der Haupt-Partieen, unter denen wir vor\nallen Dingen Herrn Reer wegen der mit Weichheit gepaarten Kraft\nseines Tenors und des Charakteristischen seines Spiels und Gesangs-\nVortrages auszuzeichnen haben, zu wiederholten Malen.\nMan schreibt uns aus Berlin: „Ein Künstler von Bedeutung\nist der Violoncellist Herr Jul. Steffens, kaiserlich russischer\nSolist, der ein den classischen Mustern nachgebildetes Concert von\nI icitti mit entschiedenstem Beifalle vortrug. Sein Fon ist angenehm,\nwohlgebildet, die Bogenführung gut, der Vortrag voll Seele, im An-\ndante mustergültig. Selten haben wir die Octavengänge so rein ge-\nhört, selten die (nun einmal unerlässlichen) Arpeggien über die Saiten\nso zusagend gefunden. Das Concert enthält alles, was hieher ge-\nhört; der A irtuose, das Publicum, Jeder muss es in seiner Weise\ndankbar finden. Herr Stellens ist seit vorigem Winter aus Russ-\nlatid zurückgekehrt und seitdem in Concerten zu Frankfurt am Main\nim Museum, zu Leipzig im Gewandhaus, zu Amsterdam in Felix\nMeritis, zu Berlin u. s. w. mit grossem Beifalle aufgetreten. Er hat\njetzt eine neue Kunstreise durch Deutschland angetreten, welche\nsein schönes Talent ohne Zweifel immer mehr zur Anerkennung\nbringen wird.\nDem Vernehmen nach ist Frau Fa bri-Mulder, welche zu-\nletzt in Wien mit grossem Beifalle gastirt hat, als Primadonna der\nOper am Actientheater zu Frankfurt am Main mit 8000 Fl.\nJahrgehalt angestellt worden.\nLeipzig* Als nachträgliche Feier des 18. Octobers erschien\nim Theater am 31. October ausser einer Wiederholung des Schau-\nspiels „Eine Warte am Rhein\" als einleitendes Stück zum ersten\nMale ein Opern-Fragment auf der Scene, genannt rDeutschlands\nErhebung\", Vorspiel zu einer (noch nicht vollendeten) dreiactigen\nOper: „Theodor Körner\", Text von Louise Otto, Musik von\nWendelin Weissheimer. Der Componist, welcher selbst diri-\ngirte, gehört der neudeutschen Richtung in der Tonkunst an. Das-\nselbe ist auch mit der Verfasserin des Textbuches der Fall, die\nobgleich der Tonkunst selbst ganz fernstehend doch oft genug\nschon als Schriftstellerin mit ihrem Worte für Wagner's Kunst-\nTheorieen, für die Musik dieses Meisters, wie für die Liszt's u. s. w.\nins Feuer gegangen ist. Das Textbuch erlaubt keine eingehende\nKritik; obwohl Lützow und Körner auftreten, so wäre doch wohl\nohne Weissheimer's Musik, trotz aller für 1813 herrschenden Begei-\nsterung, ein gründliches Fiasco das unvermeidliche Schicksal dieses\nVorspiels gewesen. Freilich wurde auch die Musik hauptsächlich nur\nvon einer Partei bewundert. Weissheimerist ein Musiker von Talent,\nund zwar ein solcher, der etwas Tüchtiges gelernt hat; aber er be-\nwährt dies hauptsächlich nur in mehr oder weniger glücklicher\nNachahmung. E?<ist bei dieser Musik nicht allein die Art der Mo-\ntivbildung, der Harmonik, Rhythmik und Orchestration durchaus\nwagnerisch, die ganze Partitur des Vorspiels erscheint vielmehr in\nder Hauptsache dem geistigen Inhalte nach als eine Art von Blu-\nmenlese aus „Tannhäuser\" und „Lohengrin\". Dass hier und da\nauch einmal C. M. von Weber und R. Schumann hörbar werden,\nversteht sich, wie bei Wagner auch, von selbst.\nAm 23. November fand an unserem Stadttheater zum Besten\ndes Pensionsfonds eine interessante Vorstellung Statt, indem zu der\n„Komödie der Irrungen\" noch Byron's „Manfred\" mit der Musik\nvon Robert Schumann zur Aufführung gelangte, d. h. ein Werk voll\ngewaltiger poetischen und musicalischen Schönheiten, aber von\ngänzlichem Mangel an dem, was man mit dem Ausdrucke des Büh-\nnengerechten zu bezeichnen pflegt, und das daher wohl nie für die\nAufführung bestimmt war. Die wichtigste Leistung, die des Orche-\nsters nämlich, war vortrefflich zu nennen; höchstens hätten wir\nwünschen können, dass bei der Begleitung des ersten vierstimmigen\nGesanges der Geister, mit besonderer Rücksicht auf die durch die\nscenische Darstellung bedingte ungünstige Aufstellung der Sänger,\netwas mehr Discretion gewaltet hätte; die Orchestrirung dieser Num-\nmer ist ohnehin meist eine starke, und so ging die Wirkung dieses\nreizenden Musikstückes fast gänzlich verloren. Die Partie des Man-\nfred war Herrn Hanisch zugetheilt, der seine Aufgabe in verdienst-\nlichster Weise löste; sowohl die angemessene äussere Erscheinung,\nwie eine verständige, maassvolle Declamation dürfen wir lobend"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "408", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18631219-01.1.8", "texte": "hervorheben. Diese Leistung verdient um so mehr Anerkennung,\nals das ganze Gewicht des Drama1» auf der Person des Manfred be-\nruht, der während der ganzen Handlung die agirende Hauptperson\nbleibt, während ihm gegenüber die Thätigkeit der Anderen eine\nsehr geringe ist. Von den übrigen Darstellern heben wir Herrn\nStürmer als Gemsenjäger, Herrn Czaschke (Abt) und Fräulein\nGrösser (Astarte) hervor. Die Leistung des Chors war bis auf Klei-\nnigkeiten befriedigend.\nDe Beriot hat seine Villa in Ems, die er vor fünf bis sechs\nJahren erbaut, gegen Ende der letzten Saison für die Summe von\n55,000 Francs verkauft. Wie es scheint, wird von nun an der greise\nund fast erblindete Virtuose und Componist nicht mehr wie gewöhn-\nlich seinen Somiuer-Aufenthalt in jenem Badeorte nehmen.\n* Dresden, 12. December. Berichtigung. [ln Nummer\n48, S. 384, berichtigten wir die irrthümliche Angabe vieler Blätter,\ndass von F. Hiller eine Operette in Dresden zur Aufführung komme,\nund sprachen die Vermuthung aus, dass das Missverständniss viel-\nleicht auf einer Namensverwechslung mit dem älteren Opern-Com-\nponisten Adam Hiller beruhe. Wir erhalten jetzt darüber Aufklä-\nrung.] Der Componist der Operette „Der Wahrsager\", welche\ngegenwärtig bei dem hiesigen Hoftheater studirt worden und näch-\nstens zur Aufführung gelangt, ist Herr Louis Schubert. Derselbe\nKünstler hat in ähnlichem Genre im Jahre 1856 die Operette „Aus\nSibirien\" in Königsberg auf die Bühne gebracht, ferner die ein-\nactige komische Oper „Die Rosenmädchen\" geschrieben, welche\nin Königsberg, Dresden, Hamburg mit Erfolg gegeben wurde und\ngegenwärtig auf dem Hoftheater zu Dessau studirt wird.\nDas in Dresden angekündigte Concert unter Leitung Richard\nWagner's findet nicht Statt, da ihm die Mitwirkung der königlichen\nCapelle nicht bewilligt wurde.\nJosef Mayseder s Begräbniss hat am 24. Novem-\nber unter Betheiligung zahlreicher Musiker und Musikfreunde Statt\ngefunden.\nAm 20. d. Mts. wird in Wien die Faust-Musik von Robert\nSchumann aufgeführt werden; die Partie des Faust wird Julius\nStock hausen singen.\nZu den „Nibelungen\", erster Theil, Trauerspiel in fünf Acten\nund einem Vorspiel von Friedrich Hebbel, das in Wien bereits\nvierzehn Mal, in Berlin, Weimar, Schwerin, Mannheim mit grossem\nErfolg gegeben, hat A. C. Titl, Capellmeister am k. k. Hofburg-\ntheater, Musik geschrieben, die aus der Introduction, fünf Entre-\nacten, Melodramen und einigen auf der Bühne vorkommenden Mu-\nsikstücken besteht.\nDer Violin-Virtuose Herr Ferdinand Laub gedenkt seinen\nbleibenden Aufenthalt in Wien zu nehmen und nur alljährlich eine\ngrössere Kunstreise durch Deutschland zu machen.\nUeber den Directionswechsel unseres Theaters ist am\n21. November entschieden worden. Mit 9 gegen 4 Stimmen wurde\nHerr Wiersing zum Director des deutschen Landestheaters erwählt.\nGeiicral-Yersanuiiliiug der Deutschen Tonhalle\nzur Entscheidung über den Vo rstan ds-Besc hl uss :\n1) den Bestand der Gesellschaft aufzuheben;\n2) über den Rest des Vermögens zum Besten einer wohltliäti-\ngen Anstalt zu verfügen.\nDie zur Abstimmung berechtigten Mitglieder werden gebeten?\nsich am 14. Januar 1864, Mittags 12 Uhr, im Aula-Saale zu\nMannheim einzufinden.\nStimmberechtigt sind diejenigen Mitglieder, die ihren Beitrag\nbis zum Jahre 1862 bezahlt haben und die fälligen Beiträge von\n1862—1863 bis zum 14. Januar 1864 dem Vorstande zustellen.\nMannheim, 1. December 1863.\nDer Vorstand.\nMit Bedauern dieses vermuthlich durch Mangel an Unterstützung\nherbeigeführten Beschlusses erlauben wir uns, die Bemerkung zu\nmachen, dass die für musicalische Zwecke gezahlten Beiträge\nauch einer musicalischen Anstalt, z. B. der Mozart-Stiftung\nin Frankfurt am Main, überwiesen werden möchten.\nDie Rcdaction."}]}