{"numero_id": "bm-bmtnabi-1864-01-02-01", "volume": "bmtnabi_1864-01-02_01", "ocr_sha256": "dfab7bd4424275f8725898c827aa63ca0bba8b79eef09e5f811c655e41509c8a", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1864/01/02_01/bmtnabi_1864-01-02_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640102-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1864-01-02-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-01-02_01#c001", "volume": "bmtnabi_1864-01-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "1", "page_fin": "1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640102-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640102-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 396, "texte": "Inhalt.\nCarl Maria von Weber (Ein Lebensbild). Fortsetzung. Aus Rotterdam (Die deutsche Oper). Aus Amster-\ndam (Populäre Concerte lräulein Schreck Sinfonie von — Concerte in Felix Meritis Madame Gräver Ernst Lübeck\nBazzini Cäcilien-Concert Italiänische Oper von Merelli Fräulein Artöt Nächste Concerte). Von Matino. Friedrich\nHebbel (Nekrolog). Fünftes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-01-02-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-01-02_01#c002", "volume": "bmtnabi_1864-01-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "1", "page_fin": "3", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640102-01.2.2", "titre_corps": "Carl Maria von Weber.", "titre_sommaire": "Carl Maria von Weber.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640102-01.1.1", "debut_caractere": 398, "fin_caractere_exclue": 2680, "texte": "Carl Maria von Weber.\nEin Lebensbild\n*).\n(Fortsetzung. S. Jahrg. *XI., Nr. 51, 52.)\nDas Dunkel, welches über den eigentlichen Geburtstag\nC. M. von Weber's schwebt, vollständig zu lichten, ist auch\nsein Biograph nicht im Stande gewesen. Die Annahme des\n18. December 1786 beruht auf einer schriftlichen Notiz\ndes Vaters, in welcher jedoch der Name des Monats in\nrömischen Ziffern nicht ganz deutlich geschrieben ist, ab-\ngesehen davon, dass Frairz Anlon nicht sehr zuverlässig\nwar und z. B. auch notorisch seinen Sohn in öffentlichen\nSchriftstücken oft um ein Jahr jünger machte. In der Fa-\nmilie wurde indess der 18. December stets als Carl Ma-\nria's Geburtstag gefeiert. Die andere Annahme ergibt sich\naus dem Kirchenbuche zu Eutin, in welchem seine Taufe\nauf den 20. November eingetragen ist, wonach also,\nda die katholische Taufe gewöhnlich am Geburtstage oder\nTags darauf erfolgt, Carl Maria den 18. (oder 19.) No-\nvember geboren sein würde. Der Verfasser berichtet\nausserdem, dass Weber in späteren Jahren es liebte, die-\nses Datum als echt anzunehmen, weil dadurch sein und\nseiner Gattin Caroline Brandt Geburtstag zusammenfiel.\nDie Hauptsache, dass Weber im Jahre 17 86 gebo-\nren, steht fest. Folglich fand er in seinen zartesten Kin-\nderjahren, indem sein Vater schon 1787 Eutin verliess\nund sein unstätes Leben als Thealer-Director begann,\nkaum eine bleibende Stätte für eine andauernde und schul-\ngerechte Ausbildung des Geistes. Er wurde mit auf die\nWanderungen genommen, deren Kreislaufe der Biograph,\nso weit es möglich war, sehr sorgfältig nachgeforscht hat.\nSie gingen über Hamburg, Wien, Kassel, Meiningen,\nNürnberg, Hildburghausen (1796), Salzburg (Michael\nHaydn unterrichtet den zwölfjährigen Carl Maria, der dort\n1798 seine Mutter verlor), München (Bekanntschalt mit\nSennefelder, dem Erfinder des Steindrucks; Carl Maria's\nArbeiten in der Lithographie, worin er es so weil brachte,\n„sechs Variationen für's Clavier\", von ihm componirl und\neigenhändig lilhographirt, herauszugeben) u. s. w. nach\nFreiberg in Sachsen.\nHier componirte Weber »Das stumme Waldmäd-\nchen\" vom Ritter von Steinsberg, der dort mit seiner\n\n*) Carl Maria von Weber. Ein Lebensbild von Max Maria\nvon Weber. Erster Band, Mit Portrait. Leipzig. Ernst Keil. 1864.\nXXXVII und 569 S. in 8. >\ni *\\^X"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640102-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5376, "texte": "Schauspieler-Gesellschaft verweilte. Die „grosse, roman-\ntisch-komische Oper, in Musik gesetzt von C. M. von We-\nber, 13 Jahi'e alt, Zögling Haydn's\", wurde im October\n1800 in Chemnitz und im November darauf in Freiberg\ngegeben. In der Ankündigung, welche den Componisten\num ein Jahr jünger machte und bei Haydn den Vornamen\nMichael wegliess, erkennt man den Vater. In Chemnitz\nhatte die Oper gefallen; nach der Vorstellung in Freiberg\nerschien dort eine kurze, aber milde und harmlose Beur-\ntheilung, worin denn auch erwähnt wurde, dass die Er-\nwartungen vorher zu hoch gespannt worden wären u. s. w.\nDer jugendliche Componist erwiderte jedenfalls auf Be-\nfehl des Vaters—und wurde dadurch in einen sehr ver-\ndriesslichen Federkrieg verwickelt. Wir theilen zum Be-\nweise, welchen traurigen, ja, verderblichen Einflüssen Geist\nund Charakter des jungen Tondichters so leicht hätten er-\nliegen können, wenn die innere Lebenskraft des Genius\nnicht am Ende erwacht und siegreich durchgebrochen\nwäre, Einiges aus diesen ersten schriftstellerischen Auf-\nsätzen Weber's mit.\nBeantwortung der ersten Recension. „Dass meine\nComposition nicht gefallen durfte, da prämeditirte, niedrige\nund vom bittersten Neide und Missgunst gespielte Cabale\ndie Stimmung zur Aufführung derselben gab, folglich ein\nverstimmtes Instrument niemals gut klingen kann, musste\nich gewärtigen; warum hat sie denn in Chemnitz gefallen?\nweil rein gestimmt war. Mein eigenes Bewusstsein\nund das unparteiische Zeugniss grosser Männer und Con-\ntrapunktisten, die hier freilich etwas sehr selten sein dürf-\nten beruhigen mich, sonst sind meine Blüthen be-\nreits vor zwei Jahren in den ersten Blättern und im zwei-\nten Bande der berühmten Leipziger musicalischen Zeitung\nschon als ziemlich schöne und reife Früchte anerkannt\nworden; übrigens steht meine Original-Arbeit jedem zur\nstündlichen Einsicht offen, und unendlichen Dank dem,\nso mir meine Fehler zeigt und mich eines Bessern belehrt.\nC. M. v. W., Compositeur.\"\n„Wenn auch der Stil dieser eben so unschönen als un-\nklugen Expectoration einen Zweifel darüber gestattete,\ndass der Knabe nur seinen Namen zu dem Ausflusse aus\nFranz Anton's Feder hergegeben habe, so würde er durch\neinen Blick auf die Charaktere beider beseitigt werden.\nWie später noch oft, führte hier schon Franz Anton's\nHitze, beleidigende Ruhmredigkeit und Aeusserlichkeit sei-\nnen bescheidenen, schlichten Sohn in Misshelligkeiten, die\nwie dunkle Schatten auf dessen Leben und selbst dessen\nCharakter gelegen haben. Was es überdies mit dem Lobe,\nwelches die berühmte Leipziger Musik-Zeitung den Arbei-\nten des Knaben vor einem Jahre (zwei Jahre ist unrichtig)\ngespendet haben sollte, für eine Bewandtniss hatte, davon\nist oben die Rede gewesen und gezeigt, dass es sehr be-\ndingt war.\"\nDie Gegner schwiegen nicht, und so erschienen mit\nCarl Maria's Unterschrift in der Beilage zu Nr. 7 der\n„Allgem. Freiberger Nachrichten\" zwei Abfertigungen der-\nselben. Im trockenen Angriffstone dieser Stilübungen liegt\nein wahrer Humor der Dreistigkeit:\n„Mein Herr Stadtmusicus! Sie sind sehr irriger Mei-\nnung, wenn Sie glauben, dass ich mir von meiner Arbeit\nso grossen Beifall versprach. Allein, jeder Arbeiter ist\ndoch seines Lohnes werth, welcher durch Ihre Aufführung\nschändlich untergraben worden; warum ging denn die\nHauptprobe brav und gut? und die Vorstellung so elende?\nNicht die braven Leute im Orchester waren Schuld\ndaran, sondern ihr schläferiger Anführer, welcher die erste\nHauptpflicht, das reine Einstimmen, vernachlässigte, kein\neinziges forte oder piano, kein eres- oder decrescendo im\ngeringsten beachtete, kein temponach Vorschrift marquirte\nund dadurch dem Gemälde Schatten und Licht raubte,\nfolglich Alles verdarb und also unmöglich gefallen konnte!\nMithin hat Ihr Neid und Missgunst seinen Zweck erreicht.\nZudem ist es nicht genug, zu tadeln—man muss es bes-\nser verstehen und machen können. Die Composition meiner\nOper ist kein englischer Tanz! Dass Sie in der Musik-\nkenntniss und deren Contrapunkt kein Theoretiker nach\nIhrem eigenen Geständniss sind, glaube ich sehr gerne,\ndaher Ihr angemaasster Tadel sich selbst widersprechend\nund am Allerbesten, wenn der Schuster bei seinem Leisten\nbleibt. Dass ich den 18. December 1787*) Abends halb\n11 Uhr geboren, berichtet mein Taufschein, folglich ver-\nliert ihr geliebtes „ „angeblich\"\" seine Kraft. —O, wie\nist derjenige Componist zu beklagen, der eine Arbeit unter\neiner solchen Aufführung so zerfleischen sehen muss! Und\nnun zur Beantwortung Ihres aufgeforderten Herzensfreun-\ndes in Nr. 5 u. s. w.\n„—Auch ich musste über die grosse Dreistigkeit er-\nstaunen, mit welcher Sie, Herr Canlor, meine Oper: „ „Das\nWaldmädchen\"\", herunterzusetzen sich bemühten, um nur\nden Beifall und Lohn Ihres missgünstigen, aber treu erge-\nbensten Freundes einzuärndten. Denn sonst wüsste ich kei-\nnen Beweggrund, da ich Sie, mein Herr Cantor, niemals\nnur mit einer Miene beleidigt hatte. Wie konnten Sie sich\nzur Beurtheilung einer Sache auffordern lassen, die Ihnen\ngar Nichts angeht? Wenn ich mich also en detail mit Ih-\nnen einlassen wollte, müsste das Echo sehr grob wider-\nhallen, welches aber meiner Natur zuwider und den Grund-\nsätzen der mir gegebenen Erziehung entgegen spricht. Der\nPunkt meiner „„angeblichen\"\" Jahrzahl ist bereits in\n\n*) Eine offenbare Unrichtigkeit, da der Geburtstag hier um ein\nganzes Jahr verschoben ist. Der Verf."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640102-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3542, "texte": "obiger Antwort erörtert, nur dient zu mehr Nachricht, dass\nmein Vater den 20. Aug, 1785 in Wien mit meiner Mutter\nsich vermählte. Dass ich übrigens vorzügliche Geistesgaben\nbesitze, verdanke ich meinem Schöpfer, und dass ich in\nmeiner noch kurzen Lebenszeit mehr gesehen und gehört,\nals Mancher in fünfzig Jahren, ist auch erweislich wahr.\nDass ich ferner von den grössten Capellmeistern der ersten\nHöfe und der Hofcapellen als ein solcher anerkannt bin,\nder den Contrapunkt richtig und gründlich studirt hat,\nfolglich die Instrumente als sowohl Text, Harmonie und\nRhythmum nebst Singstimmen richtig zu behandeln weiss,\ndient zu meiner Beruhigung, also hört nur der offenbare\nNeid und Missgunst Fehler! Mein Gott! Ich will ja kein\nCantor oder Stadtmusicus werden, und weiss gar wohl,\ndass zu diesen beiden Stellen, aus mancherlei Ursachen, die\ngehörige Kenntniss und Geschicklichkeit mir fehle u. s. w.\nIch I asse mich sehr gern zurechtweisen und danke Dem-\njenigen, der mich mit Bescheidenheit, aber nicht mit Grob-\nheit und Stolz einherlrabend schulmeistern will. Uebrigens\nsind Sie, mein Herr Cantor, gar nicht mein competenter\nKichter, und ich will ebensowenig von Ihnen etwas lernen,\nals mir der sträfliche Gedanke einfällt, Sie etwas zu lehren.\nFerner habe ich auch nicht das Geringste gegen die bra-\nven Individua des hiesigen Orchesters, will auch glauben,\ndass Herr Stadtmusicus S. anführen kann, wenn er\nnur will. Nur bei dieser Oper hat er das Gegentheil lei-\nder gezeigt und mir dadurch den Beifall eines sonst so gü-\ntigen und edeldenkenden Publicums geraubt, welches zu\nedel denkt, als dass es den Keim einer aufgehenden Pflanze\nzu ersticken geneigt wäre. Ein klarer Beweis ist davon die\ngränzenlose Hochachtung und enthusiastische Liebe für\ndas freiberger Publicum, da mein Vater eine grosse be-\nrühmte Residenzstadt verliess, eine kostbare Reise anher\nunternahm, um hier am Umgange dieses so gütigen, bie-\ndern und freundschaftlichen Publicums Theil zu nehmen,\num seine wenigen alten Tage in diesem edlen Cirkel noch\nverleben zu können.— Und wenn ich wirklich Fehler be-\ngangen hätte, so wäre es gar nicht zu verwundern,, da ich\nvon dem Directeur des Schauspiels zu sehr pressirt wurde\nund den 2. Act in vier Tagen geschrieben habe (?) u. s. w.\n„Ich achte meine Hasser als wie das Regenwasser. So\ngar bald fliesst vorbei, und wenn sie mich schon meiden,\nso müssen sie doch leiden, dass Gott mein Helfer sei u. s. w.\n„Dem unbekannten Herrn aus Chemnitz dienet zur\nNachricht, dass ich das Bellen kleiner Hunde nicht achte.\n„C. M. von Weber.\"\nDie Zänkerei rief noch zwei matte Für und Wider\nhervor, in deren einem man Weber Glück wünschte, „dass\ner wirklich erst dreizehn Jahre alt sei, weil er dann noch\nZeit habe, Bescheidenheit zu lernen\", und endete damit,\nDass die Webers den Boden ihrer Stellung in der Gesell-\nschaft verloren und Freiberg verliessen.\nWeber erzählt in seiner selbstbiographischen Skizze,\ndass die Oper „Das Waldmädchen\", die er selbst ,ein\nhöchst unreifes und nur hier und da nicht ganz von Er-\nfindung leeres Product\" nennt, weiter verbreitet worden\nsei, „als ihm selbst lieb sein konnte\". Er sagt, sie sei in\nWien 14 Mal gegeben, in Prag ins Böhmische übersetzt,\nin Petersburg mit Beifall gesehen worden. Trotz Heissi-\ngen Nachforschens, sagt sein Biogra pb, haben wir keine\nNachrichten über diese Darstellungen, mit Ausschluss de-\nrer in Wien, wo sie unter dem Titel „Das Mädchen im\nSpessartwalde\" im Jahre 1804 im December 8 Mal in\nder Leopoldsladt gegeben wurde, auffinden können.\n(Fortsetzung folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-01-02-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-01-02_01#c003", "volume": "bmtnabi_1864-01-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "3", "page_fin": "5", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640102-01.2.3", "titre_corps": "Aus Rotterdam.", "titre_sommaire": "Aus Rotterdam.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640102-01.1.3", "debut_caractere": 3544, "fin_caractere_exclue": 5149, "texte": "Aus Rotterdam.\n(Die deutsche Oper.)\nDen 10. December 1863.\nUnsere deutsche Oper hat seit dem 1. September\nwieder begonnen. Wiewohl wir mit derselben im Allge-\nroeinen'sehr zufrieden sein können, so tauchen doch im-\nmer einmal wieder einzelne Stimmen mit allerlei Präten-\ntionen auf. Worauf sich letztere gründen, ist uns nicht\nklar. Vor der Gründung dieser Oper (sie besteht jetzt in\nder vierten Saison) hatte sich Rotterdam nie einer festen\nOper zu erfreuen gehabt; es lebte nur von der Gnade der\nDirectoren im Haag oder in Amsterdam, welche meist\nfranzösische oder italienische Gesellschaften herbrachten.\nDie deutsche Oper hat sich erst durch das jetzige Unter-\nnehmen Eingang verschaffen müssen, was ihr, wie der\nBesuch lehrt, vollkommen gelungen ist. Wie sehr sie im\nganzen Lande in Ansehen steht, beweist der Umstand,\ndass selbst Einladungen vom Haag, wo der Besuch einer\ndeutschen Op er nicht zum feinen Tone gehört, erfolgen\nund dass die Fremden von nah und fern zuströmen. Wir\nsind daher der Theater-Commission zu grossem Danke\nverpflichtet. Sollte je der Fall eintreten, dass sie sich auf-\nlöste, und der Theater-Director nur auf seine Tages-Ein-\n■ o\nnähme angewiesen werden, so würde derselbe wohl nicht\nmehr im Stande sein, Künstler mit einer monatlichen Gage\nvon 800—1000 Gulden zu engagiren. Wir geben gern\nzu, dass auch uns einzelne Mitglieder nicht zusagen: doch\nwo gäbe es eine Bühne, an welcher alle Mitglieder gleich\ngut sind? Ein jedes Unternehmen muss nach seinen Ver-\nhältnissen beurtheilt werden, und danach dürfte unsere\nOper den besten in Deutschland zur Seite zu stellen sein.\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640102-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5466, "texte": "Unser Damen-Personal besteht aus Frau Ellinger,\nFräulein Lichtmay, Weiringer, Kretzschmar und\nFrau Egli; das Herren-Personal bilden die Herren: El-\nlinger, Schneider, Zimmermann, Tenöre; Bras-\nsin, Bariton; Dalle Aste und Egli, Bässe. Von den\nDamen dürfte wohl Frau Ellinger als dramatische Sän-\ngerin obenan stehen. Wir sind für die vorige Saison unter\nFrau Kap-Young mehr als entschädigt und können uns\nzu diesem Tausche Glück wünschen. Ihre Stimme ist\ngleichmässig, die Register geebnet, die Stärke der Mittel-\nlage der Tiefe wie der Höhe entsprechend. Ihr Tonansatz\nist leicht, ihr Athemholen schulgerecht. Ihre hervorragend-\nsten Partieen dürften Fidelio, Fides und die Jüdin sein.\nZum ersten Male wurde Fidelio gleich ausgezeichnet\ngesungen und dargestellt. Frau Bertram-Meyer besass\nwohl Spiel-Talent, doch Hess ihr Gesang zu viel zu wün-\nschen übrig; Frau Doria-Zademak sang den Fidelio vor-\nzüglich, wir vermissten jedoch die dramatische Darstellung.\nFräulein Günther spielte ihn meisterhaft, aber der Zahn\nder Zeit nagte bereits an ihrer Stimme. Es ist ein seltener\nGenuss, Frau Ellinger in dieser Rolle zu hören und zu\nsehen. Ein Gleiches ist von ihrer Fides zu berichten. Das\nEinzige, worauf Frau Ellinger mehr zu sehen hat, ist eine\nrichtige und deutliche Aussprache. Unseres Erachtens be-\ndürfte es bei solcher Künstlerin nur einiger Aufmerksam-\nkeit, um nicht ö in e, ü in i, ei nicht in euy die Endsylben\nauf e nicht in o zu verwandeln. Auch halten wir uns ver-\npflichtet, sie vor allen Uebertreibungen auch im Spiel zu\nwarnen. Fräulein Weiringer übt noch stets ihre ge-\nwohnte Anziehungskraft aus; sie ist und bleibt der Lieb-\nling des Publicums, und mit Recht. Diese Dame zeichnet\nsich durch Bescheidenheit und Anständigkeit des Spiels\naus, wodurch die Darstellung ihrer Zerline, so wie na-\nmentlich ihrer Susanne, zu einer ganz allerliebsten wird.\nHört man dabei ihre zum Herzen sprechende Stimme,\nverbunden mit gefühlvollem Vortrage, so muss man diese\nDame lieb gewinnen. In der F-dur-kr\\e der Susanne im\nvierten Acte verzeiht man ihr sogar die angebrachte Ca-\ndenz am Schlüsse, weil sie so vorzüglich gesungen wird.\nFrau Ellinger und Fräulein Weiringer sind jedenfalls die\nPerlen unserer Bühne.\nFräulein Lichtmay ist nicht hervorragend, aber auch\nnicht schlecht, sie füllt ihre Stellung anerkennungswerth\naus. Ihr Spiel behagt uns mehr, als ihr Gesang. Ihre\nMitteltöne missfallen uns nicht, sie sind wohlklingend und\nnicht schwach, die Höhe dagegen steht mit der Klang-\nfarbe der anderen Lage in keinem Verhältnisse, sie ist\nscharf. Als ihre beste Rolle sowohl im Spiel als Gesang\ndürften wir die Elsa im Lohengrin bezeichnen, wo sie\nhre Höhe nicht forcirte. Ueber Fräulein Kretzschmar\nund Frau Egli ist wenig oder gar nichts zu sagen, ja, wir\nhandeln vielleicht in deren Interesse, wenn wir sie still-\nschweigend übergehen.\nUnsere beiden Tenöre, die Herren Ellinger und\nSchneider, sind Ihnen von früher bekannt. Herr Ellinger\nist wieder im Besitz seiner vollen, kräftigen, schönen\nStimme, wovon er als Troubadour den glänzendsten Be-\nweis geliefert. Es ist zu bedauern, dass eine so brillante\nStimme nicht besser geschult ist. Doch dieses ist nicht\nmehr zu ändern. Herr Ellinger hat auch schöne Momente,\nund sein Lohengrin ist eine vortreffliche Leistung. Seine\nAussprache ist deutlich und rein, und nie hören wir ihn\ndetoniren, eine Eigenschaft, welche wohl anzuerkennen\nist. Herr Schneider bewährt sich stets als einen geschulten\nSänger. Seine besten Partieen sind Don Ottavio und Bel-\nmont. Hierin haben wir den ganzen Inbegriff seines Ge-\nsanges. Herr Schneider ist ein vorzüglicher Oratoriensän-\nger; er bleibt aber auch durchgehends in jeder Rolle ein\nsolcher, was auf der Bühne für die Dauer wohl zu mo-\nnoton werden dürfte. Nur ein Mal hat er sich verläugnet,\nals Basilio, welchen er über alles Erwarten von Beginn an\nmit einer nicht in ihm geahnten Komik gab. Wir können\nzwar Herrn Schneider von einer gewissen Einseitigkeit\nnicht freisprechen, aber schätzen ihn und seine Schule sehr,\nund mit Fräulein Weiringer dürfte er das am meisten mu-\nsicalische Mitglied unserer Bühne sein. Mit den Barito-\nnisten haben wir entschiedenes Unglück. Es wurde zuerst\nfür d iese Saison Herr Otto aus Riga engagirt, welcher\nunserem Unternehmen jedoch nicht gewachsen war, wie\ndieser Künstler bescheiden genug selbst einräumte. Nach\nihm folgte Herr Simon aus Pesth. Schönes Aeusseres, no-\nbles, durchdachtes Spiel und, die Hauptsache, gute Schule\nwaren da. Seine Stimme wollte uns weniger zusagen, wie\nauch seine Aussprache etwas „hölzern\" ist. Herr Simon\nist bei alledem ein vorzüglicher Sänger, seine Schule macht\nAlles wieder gut. Noch nie hat hier das Nachtlager in\nGranada solchen Erfolg erlebt, als unter Simon's Mitwir-\nkung als Jäger. Wir möchten behaupten, dass diese Auf-\nführung die gelungenste in der ganzen Saison war. Leider\nkonnte mit Herrn Simon kein Engagement zu Stande\nkommen, da er sich bereits für Pesth wieder verbindlich\ngemacht. Gegenwärtig weilt ein alter Bekannter wieder\nin unserer Mitte, welcher vor zwei Jahren hier engagirt\nwar, Herr Duschnitz. Derselbe trat als Graf Luna auf.\nHerr Duschnitz war in hohem Grade indisponirt, wesshalb\nwir sein zweites Auftreten abwarten wollen. Treffen die\nBefürchtungen über diesen Sänger ein, so wird Herr Bras-\nsin als erster Baritonist in der zweiten Hälfte dieser Saison\nwohl wieder fungiren müssen. Wir schätzen Herrn Brassin\nsehr, aber es würde uns lieb sein, wenn ein jüngerer Ba-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640102-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3876, "texte": "ritonist ihm zur Seite stände. Herr Dalle Aste konnte,\nwie in der vorigen Saison, wegen Unwohlseins erst sechs\nWochen nach Eröffnung der Bühne auftreten. Er begann\nmit Sarastro. Wiewohl seine Stimme mehr den Charakter\neines hohen Basses hat, so möchte doch diese Partie seine\nbeste zu nennen sein; er weiss sie bis zum Schlüsse mit\nder dazu erforderlichen Würde durchzuführen. Würde\ner sich des Doppelschlages auf dem tiefen „doch\", so wie\nmehrerer unschönen Verzierungen in den Arien „O Isis\"\nund „In diesen heiligen Hallen\" enthalten, so wäre das\nnur zu seinem Vortheile. Uebrigens setzt Herr Dalle Aste\nseine Hanswurstiaden in Mozart'schen Opern nach wie vor\nfort, besonders als Leporello und als Osmin. Ja, er ent-\nblödet sich nicht, Versuche zu machen, am Schlüsse des\nersten, so einfachen Liedes Osmin's in G-mott auf abscheu-\nW\nliehe Weise die Lachmuskeln eines unmusicalischen Publi-\ncums in Bewegung zu setzen, was ihm jedoch glücklicher\nWeise nicht gelungen. Wenngleich die Stimme des Herrn\nDalle Aste nicht mehr so ergiebig ist, wie in früheren Sai-\nsons, so kann man doch noch immer damit zufrieden sein,\nsie ist immer noch wohlklingend. Ist derselbe aber in der\nKunst so weit zurückgegangen, dass er nur'auf die eben\ngerügte Weise einen Applaus zu erzwingen hofft, oder\nliegt dabei ein gewisser Trotz gegen die Kritik zu Grunde?\nDiese Fragen wird Herr Dalle Aste selbst am besten zu beant-\nworten wissen. Immer bleibt zu bedauern, dass ein Künst-\nler wie Dalle Aste, von der Natur so begabt, zu solchen\nMitteln schreitet. Herrn Dalle Aste zur Seite steht Herr\nEgli mit einem klangvollen, kräftigen hohen Bass. Beide\nStimmen haben so ziemlich einen und denselben Umfang;\nes wäre desshalb für unser Unternehmen ein tiefer Bass\nwünschenswerther gewesen. Im Beginne der Saison wurde\ndie Rolle des Osmin von Herrn Egli übernommen. Auf\nWunsch des hiesigen Recensenten trat für ihn Dalle Aste\nein, jedoch mit entschiedenem Fiasco; Herr Egli blieb so-\nwohl im Gesänge als im Spiel Sieger. Uebrigens litten in\nBetreff der tiefen Lage Osmin's beide Schiffbruch.\nDie Chöre, vollzähliger als voriges Jahr, verdienen\nlobend erwähnt zu werden; sie sind im Ganzen gut ein-\nstudirt. Das Orchester unter Herrn Levi ist vortrefflich\nbis auf die Hornisten. Die Nothwendigkeit eines guten er-\nsten Hornisten macht sich immer fühlbarer. Herr Levi\nhat sich hier als vorzüglichen, umsichtigen Dirigenten be-\nwährt und steht in grosser Achtung. Mit grossem Be-\ndauern würden wir ihn scheiden sehen.\nWas die Scenerie betrifft, so steht diese noch so ziem-\nlich auf derselben niedrigen Stufe, wie früher. Bei Ver-\nwandlungen einen Baum in einer Stube, oder ein Stück\nStube in einem Walde kurze Zeit zu sehen, gehört zu\nden Möglichkeiten; auch ist es interessant, durch zu frühes\nAufziehen des Vorhanges einen Blick in die Geheimnisse\ndes Bühnenlebens thun zu können.\nDie Streich-Quartette des Herrn Rappoldi haben\nauch wieder begonnen und haben sich, wenn auch keines\nsehr zahlreichen, so doch auserlesenen Publicums zu er-\nfreuen. Wie vorauszusehen war, findet auch die Kammer-\nmusik hier immer mehr Eingang, und Herr Rappoldi er-\nwirbt sich dadurch grosse Verdienste. Am letzten Quartett-\nAbende kam ein Rappoldi'sches Quartett zu Gehör. Was\nsich nach einmaligem Hören sagen lässt, so dürfte der\nzweite Satz, am einfachsten gehalten, der beste sein. Das\nQuartett, im Ganzen genommen, ist nicht verständlich ge-\nnug; auch würde es lür den jungen Componisten vorlheil-\nhafter sein, wenn er melodiöser schriebe. Dieser Mangel\ntrat um so mehr hervor, da dieses Quartett zwischen Haydn\nund Mozart seinen Platz fand. Es wurde jedoch beifällig\naufgenommen. Da wir leider nur Einem Quartett-Abende\nhaben beiwohnen können, so kommen wir in unserem\nnächsten Berichte darauf wieder zurück, wollen aber nicht\nunterlassen, Auffassung und Zusammenspiel schon jetzt\nlobend zu erwähnen.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-01-02-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-01-02_01#c004", "volume": "bmtnabi_1864-01-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "5", "page_fin": "6", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640102-01.2.4", "titre_corps": "Aus Amsterdam.", "titre_sommaire": "Aus Amsterdam.", "signature_source": "Matino", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640102-01.1.5", "debut_caractere": 3878, "fin_caractere_exclue": 5182, "texte": "Aus Amsterdam.\n\n(Populäre Concerte Fräulein Schreck Sinfonie von F<stis;\nConcerte in Felix Meritis Madame Gräver Ernst Lü-\nbeck Bazzini; Cäcilien-Concert - Italiänische Oper von\nMerelli Fräulein Artöt Nächste Concerte.)\nDen 20. December 1863.\nDie „populären Concerte\" im grossen Parksaale ha-\nben unter Ver hü Ist's Direction wieder begonnen. Das\nerste brachte die Sinfonie Nr. IV von Gade, die JEroica\nvon Beethoven, die Ouvertüren „Meeresstille und glückliche\nFahrt\" von Mendelssohn und\nIV.\" von M£hul. Das Orchester strebte, Dank seinem\ntüchtigen Führer, nach Kräften das Beste an, doch schien\nuns die Ausführung nicht ganz so vorwurfsfrei, als in den\nvorjährigen Concerten. Die Tempi der Ouvertüre von Me-\nhul (welche wiederholt werden musste) wurden zu schnell\ngenommen und die Feinheiten des Beethoven'schen Mei-\nsterwerkes wurden nicht mit derselben Sorgfalt wie sonst\nhervorgehoben. Fräulein Schreck aus Bonn hatte einen\nschönen Erfolg, der bei einem Vortrage, welcher den\nwahren Grundsätzen der Kunst vollkommen treu blieb,\nnach den Arien von Händel und Rossi nicht ausbleiben\nkonnte.\nIm zweiten Populär-Uoncerte hat man eine neue Sin-\nfonie von Fetis gebracht, ein Werk, welches der wür-\ndige Meister im Alter von 78 Jahren geschrieben hat\nund das vor zwei Jahren mit grossem Beifall im Conser-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640102-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3455, "texte": "vatorium zu Brüssel aufgeführt worden ist. Das Werk\nhat den Charakter französischer Musik, die Form ist rein\nund klar und das Ganze zeigt eine Frische, welche bei\neinem beinahe achtzigjährigen Componisten fast unbegreif-\nlich ist, ein Beweis, dass auch das Alter noch fruchtbar\nan geistigen Erzeugnissen sein kann. Wenn auch in der\nErfindung nicht immer eine solche Originalität herrscht,\ndass die Composition in den musicalischen Annalen der\ngegenwärtigen Zeit Epoche machte, so fesselt doch der\nelegante Stil, der melodische Reiz und der wirklich ju-\ngendliche Duft, der die Sinfonie durchzieht, den Zuhörer,\nund das Werk ist als eine sehr interessante Erscheinung\nzu beachten. Das Allegro und das Adagio scheinen uns\ndie schwächeren Partieen zusein; das Intermezzo und das\nRondo gefielen, sehr gut ausgeführt, allgemein und wur-\nden von einem sehr strengen Publicum applaudirt, welches\nin der Regel nie seine Vorliebe für die deutsche Musik\nverläugnet und die Musik eines französischen Componisten\nnur mit Vorurtheil anhört.\nIn demselben Concerte wurden Reethoven's Sinfonie\nNr. V und die Ouvertüren „Im Hochland\" von Gade und\nzu „Ferdinand Cortez\" von Spontini mit grosser Präcision\nausgeführt.\nIn d en Concerten des Instituts bilden\ndie Solo-Vorträge in der Regel die anziehendste Partie.\nMadame Madeleine Gräver und Ernst Lübeck,\nbeide Kinder Hollands, und Bazzini haben sich da hören\nlassen. Emst Lübeck hat durch den meisterhaften Vortrag\ndes Concertes von Mendelssohn einen ungeheuren Erfolg\ngehabt; auch Madame Gräver hat sich als eine talentvolle\nPianistin bewährt, ohne jedoch besonders zu begeistern.\nBazzini hat ein neues Concert für Violine und Orchester\neigener Composition gespielt, welches grossen Beifall beim\nPublicum fand.\nDas jährliche Concert des St.-Cäcilien-Vereins hatte\neine sehr zahlreiche Zuhörerschaft herbeigezogen, so dass\nder Saal überfüllt war. Die grosse aber sehr lange\nSinfonie von Schubert und die herrliche Egmont-Ouver-\nture von Beethoven erhielten den Preis des Abends.\nAm 5. Januar wird die Gesellschaft zur Beförderung\nder Tonkunst ihr erstes Fest-Concert- geben und Hän-\nOratorium „Josua\" unter Verhülst's Leitung und\nder Mitwirkung von Fräulein Rothenberger aus Köln,\nFräulein Schreck aus Bonn, Dr. Gunz aus Hannover\nund Herrn Behr aus Bremen zur Aufführung bringen.\nBei solchen Interpreten der grossartigen Musik kann man\nauf eine prächtige Aufführung rechnen. Wir werden\ndarauf seiner Zeit zurückkommen.\nDie italiänische Oper des Impresario Merelli hat ihre\nVorstellungen begonnen. Die berühmte Desiree Artöt,\nwelche so ruhmvolle Erinnerungen in Deutschland zurück-\ngelassen hat, hat auch in Holland viel Erfolg gehabt; sie\nist eine grosse Künstlerin, aber sie wurde hier durch ihre\nUmgebungen von so mittelmässigen Talenten und durch\neinen Chor, den man nicht anhören konnte, so schlecht\nunterstützt, dass das Publicum sich nicht eben gedrängt\nhat, um sie zu bewundern.\nMan erwartet Carlotta Patti; Herr Ullman, ein\nMeister in seinem Fache, hat bereits Alles mit Ankündi-\ngungen auf Americaner-Art überschwemmt. Nun, wir\nwerden sie hören und selbst urtheilen.\nFür das nächste Populär-Concert bilden die Sinfonie\nNr. VII von Beethoven, die kleinere cfer-Sinfonie von\nMozart, Weber's Oberon-Ouverture und die Ouvertüre\n„Pompejus\" von Eduard de Hartog das Programm. Der\nkleine Violinist de Graan, ein holländisches Wunderkind\nvon eilf Jahren und Schüler des Herrn Coenen, wird sich\ndarin hören lassen.\n\nMatino."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-01-02-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-01-02_01#c005", "volume": "bmtnabi_1864-01-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "6", "page_fin": "7", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640102-01.2.5", "titre_corps": "Friedrich Hebbel.", "titre_sommaire": "Friedrich Hebbel.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640102-01.1.6", "debut_caractere": 3457, "fin_caractere_exclue": 4886, "texte": "Friedrich Hebbel.\n(Nekrolog.)\nFriedrieh Hebbel, welcher am 13. December v. J.\nzu Wien gestorben, war am 18. März 1813 in dem klei-\nnen Orte Wesselburen in Dithmarschen geboren. Seine\nJugend war einsam und reich an Prüfungen; erst im Al-\nter von 22 Jahren gelang es ihm, einen lange gehegten\nWunsch erfüllen und seine eng abgeschlossene Heimat\nverlassen zu können. Er ging zuerst nach Hamburg, wo-\nhin ihm einige Gedichte vorangegangen waren und wo er\nfreundliche Aufnahme fand. Von da zog er auf die Uni-\nversität nach Heidelberg, dann nach München, und kehrte,\nzum Doctor der Philosophie promovirt, nach Hamburg\nzurück. Im Jahre 1840 erschien sein erstes Drama, „Ju-\ndith\", das von der gesammten deutschen Kritik als ein\nbedeutendes Werk anerkannt werden musste, trotzdem\nViele mit der darin eingeschlagenen neuen Richtung\ndurchaus nicht einverstanden waren. Auf der Bühne hatte\ndas Stück sehr widersprechende Erfolge, und zeigten sich\nbesonders die Hofbühnen mit dessen Aufführung sehr\nspröde. Der „Judith\" folgte die „Genofeva\" (Mageilona),\nin welcher sich die ganze geniale Natur des Dichters in\nihren Vorzügen und in ihren Abirrungen zeigte. Campe\nin Hamburg verlegte die beiden Dramen und 1842 einen\nBand Gedichte, die kein geringeres Aufsehen machten,\nals jene.\nIn demselben Jahre ging Hebbel nach Kopenhagen,\nwo er die „Maria Magdalena\" begann. Er gefiel sich in\nder dänischen Hauptstadt, und der schöne, geistvolle Dich-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640102-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4730, "texte": "ter wurde dort mit Auszeichnung behandelt. Er erhielt\nein königliches Reise-Stipendium, welches ihn in den Stand\nsetzte, Italien und Frankreich zu sehen. Auf der Rückreise\nkam er 1845 nach Wien, wo er seine künftige Gattin,\ndie Hof-Schauspielerin Christina Enghaus, kennen lernte,\nmit der er sich im folgenden Jahre vermählte. Seit jener\nZeit blieb er in Wien und hielt seine Productivität glei-\nchen Schritt mit seinem Ruhme. Es folgten sich rasch die\nDramen „Julia\", „Michel Angelo\", „Diamant\", „Rubin\",\n„Agnes Rernauer\", „Der Ring des Gyges\", „Trauerspiel\nin Sicilien\". Dieselben fanden bei der Kritik alle Aner-\nkennung, dagegen bei dem Theater-Publicum wenig\nGnade. Hebbel fügte sich in seinen Dramen weder den\nhergebrachten Anschauungen der Menge, noch den tra-\nditionellen Kunstforderungen, und das Publicum wollte\neben keinen neuen Weg gehen. Trotz diesem Zwiespalt,\nwelcher durch missgünstige Neider noch genährt wurde,\nhatten „Judith\" und „Maria Magdalena\" einen glänzenden\nErfolg. Kaum einen geringeren hatten die „Nibelungen\",\ntrotz der diesem Stücke so ungünstigen Personal-Verhält-\nnisse der deutschen Rühnen. Die „Nibelungen\" errangen\nin diesem Jahre auch den k. Preussischen Dramen-Preis\nvon 1000 Thalern. Ausser den angeführten Dramen er-\nschien noch eine zweite Gedichtsammlung, ein Rand No-\nvellen, das Idyll „Mutler und Kind\", so wie eine Reihe\nkritischer und ästhetischer Aufsätze in periodischen Rlättern.\nSchon erkrankt, arbeitete er noch an einer Tragödie „De-\nmetrius\" , von der drei Acte fertig, der vierte und fünfte nur\nzum Theil vollendet sind. In seinem Nachlasse soll sich aus-\nserdem der Plan zu einem „Jesus Christus\" und Material zu\nseinen Memoiren, letzteres zum Theil druckfertig, vorfinden.\nHebbel war seit einigen Monaten krank, doch lauteten\ndie Nachrichten keineswegs so beunruhigend, dass ein so\nschmerzliches Ereigniss in nahe Aussicht genommen wer-\nden konnte. Noch am Abende vor seinem Hinscheiden liess\ner sich von seiner Tochter den „Spazirgang\" von Schiller\nvorlesen, musste jedoch die Lecture unterbrechen lassen,\nweil ihn das Hören zu sehr anstrengte. Sein Freund, Prof.\nDr. Ernst Brücke, verweilte den letzten Tag und Nacht bei\ndem Verschiedenen bis zu dem Momente, wo das Auge des\nDichters sich für ewig schloss. Hebbel lebte in angeneh-\nmen Verhältnissen und hinterlässt eine Witwe die allge-\nmein geachtete Hofschauspielerin— und eine Tochter von\nsechszehn Jahren. Der traurige Trost, den die Leichenöff-\nnung ergab, war der, dass keine ärztliche Kunst im Stande\ngewesen wäre, das Leben des Dichters zu verlängern, denn\ndie Krankheit bestand im Wesentlichen in einer inveterir-\nten Knochenerweichung, einem in seinem letzten Stadium\nunheilbaren Leiden. In seinem schon im Jahre 1856 ver-\nfassten Testamente fand man folgende drei Dinge verfügt:\ndie Familie soll keine Todesanzeige erlassen; bei der Be-\nstattung der Leiche soll jedes Gepränge vermieden werden;\nan dem Grabe oder Sarge soll keine Rede gehalten werden.\nAm 15. December, Nachmittags 2% Uhr, fand die Reer-\ndigung Statt, und zwar unter Respectirung seiner letztwilli-\ngen Verfügungen. Vor dem Sterbehause sammelten sich\ndie Leidtragenden, Freunde und Verehrer des Dichters.\nWir sahen Halm, Laube, Pralobevera, Fichtner, Sonnen-\nthal. Der Zug setzte sich nach dem Kirchhofe der Prote-\nstanten in Malzleinsdorf in Rewegung. Studenten, die den\nSarg mit einem Lorberkranze, den ein schwarz-roth-golde-\nnes Band umwand, geschmückt hatten, gingen zunächst dem\nLeichenwagen. In langer Reihe folgten die Wagen des\nTrauergefolges: Dichter, Vertreter der Tagespresse, Künst-\nler, namentlich zahlreiche Mitglieder der Theater, Männer\naller Stände und Lebensalter geleiteten die sterbliche Hülle\ndes Dichters nach dem Kirchhofe, wo der Sarg still ein-\ngesenkt wurde.\nDas umfangreichste Werk, das sich im literarischen\nNachlasse Hebbel's vorfindet, wird sein Drama „Demetrius\"\nsein. Die drei ersten Acte des Trauerspiels hatte der Dich-\nter schon vor längerer Zeit vollendet, da überkam ihn vor\netwa fünf Wochen, als er nur noch die Hände regen konnte,\neine unbesiegbar drängende, schöpferische Lust. In wört-\nlich fieberhafter Aufregung, deren er nicht Herr werden\nkonnte und nicht werden wollte, dachte und schrieb er\nam vierten und fünften Acte. „Es wäre ein seltsamer Zu-\nfall,\" äusserte er gegen eine ihm befreundete Dame, „wenn\nich, wie Schiller, diese Arbeit als Torso zurücklassen\nmüsste!\" und er liess nicht ab, das Gedachte mit zit-\nternden Händen weiter zu schreiben, bis ihm die Feder\nentfiel und das Ganze bis auf die zwei letzten Scenen vor\nihm vollendet lag. Den nachgelassenen „Demetrius\" will\nder Künstlerverein „Concordia\" in Wien zur Aufführung\nbringen, zu welchem Ende Dingelstedt das Werk voll-\nenden soll."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-01-02-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-01-02_01#c006", "volume": "bmtnabi_1864-01-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "7", "page_fin": "8", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640102-01.2.6", "titre_corps": "Fünftes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller, Dinstag, den 29. December 1863.", "titre_sommaire": "Fünftes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller, Dinstag, den 29. December 1863.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640102-01.1.7", "debut_caractere": 4732, "fin_caractere_exclue": 5466, "texte": "Fünftes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller,\nDinstag, den 29. December 1863.\nProgramm. Erster Theil. 1. Sinfonie Nr. 6 von Niels W.\nGade. 2. Sopran-Arie aus „Saul\" von F. Hill er (Fräulein Pau-\nline Wiese mann). 3. Concert in C-moll von W. A. Mozart\n(Frau Clara Schumann).\nZweiter Theil. 4. Ouvertüre zu „Lodoiska\" von Cherubini.\n5. Solostücke für Pianoforte von R. Schumann und F. Hiller\n(Frau Schumann). 6. „Die Flucht der heiligen Familie\" von\nEichendorfF, für Chor und Orchester componirt von Max Bruch.\n7. Lieder von Schumann (Fräulein P. Wiesemann). 8. Phan-\ntasie für Pianoforte, Chor und Orchester, Op. 80, von Beethoven\n(Pianoforte: Frau Schumann)."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640102-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3705, "texte": "Gade's sechste Sinfonie wurde recht gut ausgeführt, vermochte\naber nur nach dem dritten Satze und am Schlüsse dem Publicum\nZeichen des Beifalls abzugewinnen. Auch uns will dieses Werk des\nberühmten Componisten nicht recht zusagen; der dritte Satz impo-\nnirt durch seinen Rhythmus und der letzte hat einige glänzende\nStellen, im Ganzen aber vermisst man feste melodische Zeichnung\nin greifbaren, festzuhaltenden Umrissen, und selbst das Colorit,\nsonst Gade's Stärke, scheint uns, gegen die früheren Tongemälde\ndesselben Meisters gehalten, bei Weitem nicht so anziehend, wie\nsonst. Cherubini's Ouvertüre, eine treffliche Leistung des Orche-\nsters, rief lebhaften Beifall hervor.\nFrau Schumann trug das Concert von Mozart, das durch die\nvorzugsweise Beschäftigung der Blas-lnstrumente bemerkbar ist,\nvortrefflich vor, doch scheint uns diese Gattung von Musik nicht\ngerade diejenige zu sein, in deren Wiedergabe die Künstlerin die\nanderen Pianisten übertrifft. Dagegen war ihr Spiel in dem schönen\nCanon in As-dur aus den Studien für Pedalflügel von R. Schumann,\ndem sprudelnden und schwierigen Impromptu in IJ-moll, Op. 30,\nund dem reizenden Bildchen „Zur Guitarre\" von F. Hiller so voll-\nkommen in jeder Hinsicht, dass an charakteristischem Ausdrucke,\nmochte dieser nun vollständige Unabhängigkeit der Finger im me-\nlodischen Gesänge, oder ein zauberisches Ausstreuen köstlicher Ton-\nperlen wie im Fluge über die belebte Claviatur hin, oder die feinste\nAnmuth und Innigkeit verlangen, wohl Niemand es der grossen\nKünstlerin gleich thun dürfte. Wir gebrauchen bekanntlich nicht\ngern überschwängliche Redensarten: aber für den Eindruck eines\nsolchen Spiels hat das Beiwort „entzückend\" seine vollste Be-\nrechtigung.\nFräulein Pauline Wiesemann, welche ihre künstlerische\nAusbildung Herrn Professor Böhme, Gesanglehrer am hiesigen Con-\nservatorium verdankt, trat zum ersten Male in einem Giirzenich-\nConcerte auf und fand eine sehr freundliche Aufnahme beim Publi-\ncum, deren sie sich auch durch ihre Gesang-Vorträge würdig zeigte.\nMit einer einnehmenden Erscheinung verbindet die junge Dame eine\nin der Höhe recht ausgiebige, in der mittleren Tonregion weniger\nklangvolle Stimme, in deren Behandlung es ihr schon jetzt gelungen\nist, ungewöhnlichen Forderungen immer mehr zu genügen, wie sie\ndas namentlich durch den Vortrag des Liedes „Die Nonne\" von\nSchumann bewies, welcher, trefflich nuancirt, sich durch innige Em-\npfindung im Ausdruck auszeichnete und mit Recht durch den leb-\nhaftesten Applaus belohnt wurde, der übrigens auch nach der Arie\naus „Saul\" und nach dem zweiten Liede von Schumann: „Du,\nmeine Seele\", nicht fehlte.\nEine neue Composition von Max Bruch zu Eichendorffs\nlieblichem Gedichte: „Die Flucht der heiligen Familie\", ist mit\ndemselben glücklichen Talente durchgeführt, welches der begabte\nComponist der Oper „Lorelei\" schon bei mehreren kleineren Ge-\nsangstücken für Chor und Orchester auf erfreuliche Weise bewährt\nhat. Das Ganze besteht nur aus zwei Bewegungen in Es-dur, einem\nAndante, ö/ö\"Tact, das in ein Adagio, c[en Worten:\n„Und das Kindlein hob die Hand\", übergeht. Es ist ein reizendes\nStimmungsbild, ein Idyll, in welchem die Töne dufien und innige\nAndacht sich auf sanften Schwingen wiegt. Keine rhythmische\nRückung, keine schroffe Modulation, überhaupt keine Spur von Af-\nfectation irgend einer Art stört den reinen, stillen Fluss der Melo-\ndie, welche von wohlthuenden Harmonieen und einer reizenden In-\nstrumentirung getragen wird. Der junge Componist wurde bei sei-\nnem Auftreten vom Publicum freundlich empfangen und am Schlüsse\ndurch wiederholten Applaus geehrt.\nBeethoven's bekannte, aber stets wirkungsvolle Phantasie be-\nschloss das Concert in recht guter Ausführung."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640102-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nCarl Maria von Weber (Ein Lebensbild). Fortsetzung. Aus Rotterdam (Die deutsche Oper). Aus Amster-\ndam (Populäre Concerte lräulein Schreck Sinfonie von — Concerte in Felix Meritis Madame Gräver Ernst Lübeck\nBazzini Cäcilien-Concert Italiänische Oper von Merelli Fräulein Artöt Nächste Concerte). Von Matino. Friedrich\nHebbel (Nekrolog). Fünftes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich.\n\nCarl Maria von Weber.\nEin Lebensbild\n*).\n(Fortsetzung. S. Jahrg. *XI., Nr. 51, 52.)\nDas Dunkel, welches über den eigentlichen Geburtstag\nC. M. von Weber's schwebt, vollständig zu lichten, ist auch\nsein Biograph nicht im Stande gewesen. Die Annahme des\n18. December 1786 beruht auf einer schriftlichen Notiz\ndes Vaters, in welcher jedoch der Name des Monats in\nrömischen Ziffern nicht ganz deutlich geschrieben ist, ab-\ngesehen davon, dass Frairz Anlon nicht sehr zuverlässig\nwar und z. B. auch notorisch seinen Sohn in öffentlichen\nSchriftstücken oft um ein Jahr jünger machte. In der Fa-\nmilie wurde indess der 18. December stets als Carl Ma-\nria's Geburtstag gefeiert. Die andere Annahme ergibt sich\naus dem Kirchenbuche zu Eutin, in welchem seine Taufe\nauf den 20. November eingetragen ist, wonach also,\nda die katholische Taufe gewöhnlich am Geburtstage oder\nTags darauf erfolgt, Carl Maria den 18. (oder 19.) No-\nvember geboren sein würde. Der Verfasser berichtet\nausserdem, dass Weber in späteren Jahren es liebte, die-\nses Datum als echt anzunehmen, weil dadurch sein und\nseiner Gattin Caroline Brandt Geburtstag zusammenfiel.\nDie Hauptsache, dass Weber im Jahre 17 86 gebo-\nren, steht fest. Folglich fand er in seinen zartesten Kin-\nderjahren, indem sein Vater schon 1787 Eutin verliess\nund sein unstätes Leben als Thealer-Director begann,\nkaum eine bleibende Stätte für eine andauernde und schul-\ngerechte Ausbildung des Geistes. Er wurde mit auf die\nWanderungen genommen, deren Kreislaufe der Biograph,\nso weit es möglich war, sehr sorgfältig nachgeforscht hat.\nSie gingen über Hamburg, Wien, Kassel, Meiningen,\nNürnberg, Hildburghausen (1796), Salzburg (Michael\nHaydn unterrichtet den zwölfjährigen Carl Maria, der dort\n1798 seine Mutter verlor), München (Bekanntschalt mit\nSennefelder, dem Erfinder des Steindrucks; Carl Maria's\nArbeiten in der Lithographie, worin er es so weil brachte,\n„sechs Variationen für's Clavier\", von ihm componirl und\neigenhändig lilhographirt, herauszugeben) u. s. w. nach\nFreiberg in Sachsen.\nHier componirte Weber »Das stumme Waldmäd-\nchen\" vom Ritter von Steinsberg, der dort mit seiner\n\n*) Carl Maria von Weber. Ein Lebensbild von Max Maria\nvon Weber. Erster Band, Mit Portrait. Leipzig. Ernst Keil. 1864.\nXXXVII und 569 S. in 8. >\ni *\\^X"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640102-01.1.2", "texte": "Schauspieler-Gesellschaft verweilte. Die „grosse, roman-\ntisch-komische Oper, in Musik gesetzt von C. M. von We-\nber, 13 Jahi'e alt, Zögling Haydn's\", wurde im October\n1800 in Chemnitz und im November darauf in Freiberg\ngegeben. In der Ankündigung, welche den Componisten\num ein Jahr jünger machte und bei Haydn den Vornamen\nMichael wegliess, erkennt man den Vater. In Chemnitz\nhatte die Oper gefallen; nach der Vorstellung in Freiberg\nerschien dort eine kurze, aber milde und harmlose Beur-\ntheilung, worin denn auch erwähnt wurde, dass die Er-\nwartungen vorher zu hoch gespannt worden wären u. s. w.\nDer jugendliche Componist erwiderte jedenfalls auf Be-\nfehl des Vaters—und wurde dadurch in einen sehr ver-\ndriesslichen Federkrieg verwickelt. Wir theilen zum Be-\nweise, welchen traurigen, ja, verderblichen Einflüssen Geist\nund Charakter des jungen Tondichters so leicht hätten er-\nliegen können, wenn die innere Lebenskraft des Genius\nnicht am Ende erwacht und siegreich durchgebrochen\nwäre, Einiges aus diesen ersten schriftstellerischen Auf-\nsätzen Weber's mit.\nBeantwortung der ersten Recension. „Dass meine\nComposition nicht gefallen durfte, da prämeditirte, niedrige\nund vom bittersten Neide und Missgunst gespielte Cabale\ndie Stimmung zur Aufführung derselben gab, folglich ein\nverstimmtes Instrument niemals gut klingen kann, musste\nich gewärtigen; warum hat sie denn in Chemnitz gefallen?\nweil rein gestimmt war. Mein eigenes Bewusstsein\nund das unparteiische Zeugniss grosser Männer und Con-\ntrapunktisten, die hier freilich etwas sehr selten sein dürf-\nten beruhigen mich, sonst sind meine Blüthen be-\nreits vor zwei Jahren in den ersten Blättern und im zwei-\nten Bande der berühmten Leipziger musicalischen Zeitung\nschon als ziemlich schöne und reife Früchte anerkannt\nworden; übrigens steht meine Original-Arbeit jedem zur\nstündlichen Einsicht offen, und unendlichen Dank dem,\nso mir meine Fehler zeigt und mich eines Bessern belehrt.\nC. M. v. W., Compositeur.\"\n„Wenn auch der Stil dieser eben so unschönen als un-\nklugen Expectoration einen Zweifel darüber gestattete,\ndass der Knabe nur seinen Namen zu dem Ausflusse aus\nFranz Anton's Feder hergegeben habe, so würde er durch\neinen Blick auf die Charaktere beider beseitigt werden.\nWie später noch oft, führte hier schon Franz Anton's\nHitze, beleidigende Ruhmredigkeit und Aeusserlichkeit sei-\nnen bescheidenen, schlichten Sohn in Misshelligkeiten, die\nwie dunkle Schatten auf dessen Leben und selbst dessen\nCharakter gelegen haben. Was es überdies mit dem Lobe,\nwelches die berühmte Leipziger Musik-Zeitung den Arbei-\nten des Knaben vor einem Jahre (zwei Jahre ist unrichtig)\ngespendet haben sollte, für eine Bewandtniss hatte, davon\nist oben die Rede gewesen und gezeigt, dass es sehr be-\ndingt war.\"\nDie Gegner schwiegen nicht, und so erschienen mit\nCarl Maria's Unterschrift in der Beilage zu Nr. 7 der\n„Allgem. Freiberger Nachrichten\" zwei Abfertigungen der-\nselben. Im trockenen Angriffstone dieser Stilübungen liegt\nein wahrer Humor der Dreistigkeit:\n„Mein Herr Stadtmusicus! Sie sind sehr irriger Mei-\nnung, wenn Sie glauben, dass ich mir von meiner Arbeit\nso grossen Beifall versprach. Allein, jeder Arbeiter ist\ndoch seines Lohnes werth, welcher durch Ihre Aufführung\nschändlich untergraben worden; warum ging denn die\nHauptprobe brav und gut? und die Vorstellung so elende?\nNicht die braven Leute im Orchester waren Schuld\ndaran, sondern ihr schläferiger Anführer, welcher die erste\nHauptpflicht, das reine Einstimmen, vernachlässigte, kein\neinziges forte oder piano, kein eres- oder decrescendo im\ngeringsten beachtete, kein temponach Vorschrift marquirte\nund dadurch dem Gemälde Schatten und Licht raubte,\nfolglich Alles verdarb und also unmöglich gefallen konnte!\nMithin hat Ihr Neid und Missgunst seinen Zweck erreicht.\nZudem ist es nicht genug, zu tadeln—man muss es bes-\nser verstehen und machen können. Die Composition meiner\nOper ist kein englischer Tanz! Dass Sie in der Musik-\nkenntniss und deren Contrapunkt kein Theoretiker nach\nIhrem eigenen Geständniss sind, glaube ich sehr gerne,\ndaher Ihr angemaasster Tadel sich selbst widersprechend\nund am Allerbesten, wenn der Schuster bei seinem Leisten\nbleibt. Dass ich den 18. December 1787*) Abends halb\n11 Uhr geboren, berichtet mein Taufschein, folglich ver-\nliert ihr geliebtes „ „angeblich\"\" seine Kraft. —O, wie\nist derjenige Componist zu beklagen, der eine Arbeit unter\neiner solchen Aufführung so zerfleischen sehen muss! Und\nnun zur Beantwortung Ihres aufgeforderten Herzensfreun-\ndes in Nr. 5 u. s. w.\n„—Auch ich musste über die grosse Dreistigkeit er-\nstaunen, mit welcher Sie, Herr Canlor, meine Oper: „ „Das\nWaldmädchen\"\", herunterzusetzen sich bemühten, um nur\nden Beifall und Lohn Ihres missgünstigen, aber treu erge-\nbensten Freundes einzuärndten. Denn sonst wüsste ich kei-\nnen Beweggrund, da ich Sie, mein Herr Cantor, niemals\nnur mit einer Miene beleidigt hatte. Wie konnten Sie sich\nzur Beurtheilung einer Sache auffordern lassen, die Ihnen\ngar Nichts angeht? Wenn ich mich also en detail mit Ih-\nnen einlassen wollte, müsste das Echo sehr grob wider-\nhallen, welches aber meiner Natur zuwider und den Grund-\nsätzen der mir gegebenen Erziehung entgegen spricht. Der\nPunkt meiner „„angeblichen\"\" Jahrzahl ist bereits in\n\n*) Eine offenbare Unrichtigkeit, da der Geburtstag hier um ein\nganzes Jahr verschoben ist. Der Verf."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640102-01.1.3", "texte": "obiger Antwort erörtert, nur dient zu mehr Nachricht, dass\nmein Vater den 20. Aug, 1785 in Wien mit meiner Mutter\nsich vermählte. Dass ich übrigens vorzügliche Geistesgaben\nbesitze, verdanke ich meinem Schöpfer, und dass ich in\nmeiner noch kurzen Lebenszeit mehr gesehen und gehört,\nals Mancher in fünfzig Jahren, ist auch erweislich wahr.\nDass ich ferner von den grössten Capellmeistern der ersten\nHöfe und der Hofcapellen als ein solcher anerkannt bin,\nder den Contrapunkt richtig und gründlich studirt hat,\nfolglich die Instrumente als sowohl Text, Harmonie und\nRhythmum nebst Singstimmen richtig zu behandeln weiss,\ndient zu meiner Beruhigung, also hört nur der offenbare\nNeid und Missgunst Fehler! Mein Gott! Ich will ja kein\nCantor oder Stadtmusicus werden, und weiss gar wohl,\ndass zu diesen beiden Stellen, aus mancherlei Ursachen, die\ngehörige Kenntniss und Geschicklichkeit mir fehle u. s. w.\nIch I asse mich sehr gern zurechtweisen und danke Dem-\njenigen, der mich mit Bescheidenheit, aber nicht mit Grob-\nheit und Stolz einherlrabend schulmeistern will. Uebrigens\nsind Sie, mein Herr Cantor, gar nicht mein competenter\nKichter, und ich will ebensowenig von Ihnen etwas lernen,\nals mir der sträfliche Gedanke einfällt, Sie etwas zu lehren.\nFerner habe ich auch nicht das Geringste gegen die bra-\nven Individua des hiesigen Orchesters, will auch glauben,\ndass Herr Stadtmusicus S. anführen kann, wenn er\nnur will. Nur bei dieser Oper hat er das Gegentheil lei-\nder gezeigt und mir dadurch den Beifall eines sonst so gü-\ntigen und edeldenkenden Publicums geraubt, welches zu\nedel denkt, als dass es den Keim einer aufgehenden Pflanze\nzu ersticken geneigt wäre. Ein klarer Beweis ist davon die\ngränzenlose Hochachtung und enthusiastische Liebe für\ndas freiberger Publicum, da mein Vater eine grosse be-\nrühmte Residenzstadt verliess, eine kostbare Reise anher\nunternahm, um hier am Umgange dieses so gütigen, bie-\ndern und freundschaftlichen Publicums Theil zu nehmen,\num seine wenigen alten Tage in diesem edlen Cirkel noch\nverleben zu können.— Und wenn ich wirklich Fehler be-\ngangen hätte, so wäre es gar nicht zu verwundern,, da ich\nvon dem Directeur des Schauspiels zu sehr pressirt wurde\nund den 2. Act in vier Tagen geschrieben habe (?) u. s. w.\n„Ich achte meine Hasser als wie das Regenwasser. So\ngar bald fliesst vorbei, und wenn sie mich schon meiden,\nso müssen sie doch leiden, dass Gott mein Helfer sei u. s. w.\n„Dem unbekannten Herrn aus Chemnitz dienet zur\nNachricht, dass ich das Bellen kleiner Hunde nicht achte.\n„C. M. von Weber.\"\nDie Zänkerei rief noch zwei matte Für und Wider\nhervor, in deren einem man Weber Glück wünschte, „dass\ner wirklich erst dreizehn Jahre alt sei, weil er dann noch\nZeit habe, Bescheidenheit zu lernen\", und endete damit,\nDass die Webers den Boden ihrer Stellung in der Gesell-\nschaft verloren und Freiberg verliessen.\nWeber erzählt in seiner selbstbiographischen Skizze,\ndass die Oper „Das Waldmädchen\", die er selbst ,ein\nhöchst unreifes und nur hier und da nicht ganz von Er-\nfindung leeres Product\" nennt, weiter verbreitet worden\nsei, „als ihm selbst lieb sein konnte\". Er sagt, sie sei in\nWien 14 Mal gegeben, in Prag ins Böhmische übersetzt,\nin Petersburg mit Beifall gesehen worden. Trotz Heissi-\ngen Nachforschens, sagt sein Biogra pb, haben wir keine\nNachrichten über diese Darstellungen, mit Ausschluss de-\nrer in Wien, wo sie unter dem Titel „Das Mädchen im\nSpessartwalde\" im Jahre 1804 im December 8 Mal in\nder Leopoldsladt gegeben wurde, auffinden können.\n(Fortsetzung folgt.)\n\nAus Rotterdam.\n(Die deutsche Oper.)\nDen 10. December 1863.\nUnsere deutsche Oper hat seit dem 1. September\nwieder begonnen. Wiewohl wir mit derselben im Allge-\nroeinen'sehr zufrieden sein können, so tauchen doch im-\nmer einmal wieder einzelne Stimmen mit allerlei Präten-\ntionen auf. Worauf sich letztere gründen, ist uns nicht\nklar. Vor der Gründung dieser Oper (sie besteht jetzt in\nder vierten Saison) hatte sich Rotterdam nie einer festen\nOper zu erfreuen gehabt; es lebte nur von der Gnade der\nDirectoren im Haag oder in Amsterdam, welche meist\nfranzösische oder italienische Gesellschaften herbrachten.\nDie deutsche Oper hat sich erst durch das jetzige Unter-\nnehmen Eingang verschaffen müssen, was ihr, wie der\nBesuch lehrt, vollkommen gelungen ist. Wie sehr sie im\nganzen Lande in Ansehen steht, beweist der Umstand,\ndass selbst Einladungen vom Haag, wo der Besuch einer\ndeutschen Op er nicht zum feinen Tone gehört, erfolgen\nund dass die Fremden von nah und fern zuströmen. Wir\nsind daher der Theater-Commission zu grossem Danke\nverpflichtet. Sollte je der Fall eintreten, dass sie sich auf-\nlöste, und der Theater-Director nur auf seine Tages-Ein-\n■ o\nnähme angewiesen werden, so würde derselbe wohl nicht\nmehr im Stande sein, Künstler mit einer monatlichen Gage\nvon 800—1000 Gulden zu engagiren. Wir geben gern\nzu, dass auch uns einzelne Mitglieder nicht zusagen: doch\nwo gäbe es eine Bühne, an welcher alle Mitglieder gleich\ngut sind? Ein jedes Unternehmen muss nach seinen Ver-\nhältnissen beurtheilt werden, und danach dürfte unsere\nOper den besten in Deutschland zur Seite zu stellen sein.\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640102-01.1.4", "texte": "Unser Damen-Personal besteht aus Frau Ellinger,\nFräulein Lichtmay, Weiringer, Kretzschmar und\nFrau Egli; das Herren-Personal bilden die Herren: El-\nlinger, Schneider, Zimmermann, Tenöre; Bras-\nsin, Bariton; Dalle Aste und Egli, Bässe. Von den\nDamen dürfte wohl Frau Ellinger als dramatische Sän-\ngerin obenan stehen. Wir sind für die vorige Saison unter\nFrau Kap-Young mehr als entschädigt und können uns\nzu diesem Tausche Glück wünschen. Ihre Stimme ist\ngleichmässig, die Register geebnet, die Stärke der Mittel-\nlage der Tiefe wie der Höhe entsprechend. Ihr Tonansatz\nist leicht, ihr Athemholen schulgerecht. Ihre hervorragend-\nsten Partieen dürften Fidelio, Fides und die Jüdin sein.\nZum ersten Male wurde Fidelio gleich ausgezeichnet\ngesungen und dargestellt. Frau Bertram-Meyer besass\nwohl Spiel-Talent, doch Hess ihr Gesang zu viel zu wün-\nschen übrig; Frau Doria-Zademak sang den Fidelio vor-\nzüglich, wir vermissten jedoch die dramatische Darstellung.\nFräulein Günther spielte ihn meisterhaft, aber der Zahn\nder Zeit nagte bereits an ihrer Stimme. Es ist ein seltener\nGenuss, Frau Ellinger in dieser Rolle zu hören und zu\nsehen. Ein Gleiches ist von ihrer Fides zu berichten. Das\nEinzige, worauf Frau Ellinger mehr zu sehen hat, ist eine\nrichtige und deutliche Aussprache. Unseres Erachtens be-\ndürfte es bei solcher Künstlerin nur einiger Aufmerksam-\nkeit, um nicht ö in e, ü in i, ei nicht in euy die Endsylben\nauf e nicht in o zu verwandeln. Auch halten wir uns ver-\npflichtet, sie vor allen Uebertreibungen auch im Spiel zu\nwarnen. Fräulein Weiringer übt noch stets ihre ge-\nwohnte Anziehungskraft aus; sie ist und bleibt der Lieb-\nling des Publicums, und mit Recht. Diese Dame zeichnet\nsich durch Bescheidenheit und Anständigkeit des Spiels\naus, wodurch die Darstellung ihrer Zerline, so wie na-\nmentlich ihrer Susanne, zu einer ganz allerliebsten wird.\nHört man dabei ihre zum Herzen sprechende Stimme,\nverbunden mit gefühlvollem Vortrage, so muss man diese\nDame lieb gewinnen. In der F-dur-kr\\e der Susanne im\nvierten Acte verzeiht man ihr sogar die angebrachte Ca-\ndenz am Schlüsse, weil sie so vorzüglich gesungen wird.\nFrau Ellinger und Fräulein Weiringer sind jedenfalls die\nPerlen unserer Bühne.\nFräulein Lichtmay ist nicht hervorragend, aber auch\nnicht schlecht, sie füllt ihre Stellung anerkennungswerth\naus. Ihr Spiel behagt uns mehr, als ihr Gesang. Ihre\nMitteltöne missfallen uns nicht, sie sind wohlklingend und\nnicht schwach, die Höhe dagegen steht mit der Klang-\nfarbe der anderen Lage in keinem Verhältnisse, sie ist\nscharf. Als ihre beste Rolle sowohl im Spiel als Gesang\ndürften wir die Elsa im Lohengrin bezeichnen, wo sie\nhre Höhe nicht forcirte. Ueber Fräulein Kretzschmar\nund Frau Egli ist wenig oder gar nichts zu sagen, ja, wir\nhandeln vielleicht in deren Interesse, wenn wir sie still-\nschweigend übergehen.\nUnsere beiden Tenöre, die Herren Ellinger und\nSchneider, sind Ihnen von früher bekannt. Herr Ellinger\nist wieder im Besitz seiner vollen, kräftigen, schönen\nStimme, wovon er als Troubadour den glänzendsten Be-\nweis geliefert. Es ist zu bedauern, dass eine so brillante\nStimme nicht besser geschult ist. Doch dieses ist nicht\nmehr zu ändern. Herr Ellinger hat auch schöne Momente,\nund sein Lohengrin ist eine vortreffliche Leistung. Seine\nAussprache ist deutlich und rein, und nie hören wir ihn\ndetoniren, eine Eigenschaft, welche wohl anzuerkennen\nist. Herr Schneider bewährt sich stets als einen geschulten\nSänger. Seine besten Partieen sind Don Ottavio und Bel-\nmont. Hierin haben wir den ganzen Inbegriff seines Ge-\nsanges. Herr Schneider ist ein vorzüglicher Oratoriensän-\nger; er bleibt aber auch durchgehends in jeder Rolle ein\nsolcher, was auf der Bühne für die Dauer wohl zu mo-\nnoton werden dürfte. Nur ein Mal hat er sich verläugnet,\nals Basilio, welchen er über alles Erwarten von Beginn an\nmit einer nicht in ihm geahnten Komik gab. Wir können\nzwar Herrn Schneider von einer gewissen Einseitigkeit\nnicht freisprechen, aber schätzen ihn und seine Schule sehr,\nund mit Fräulein Weiringer dürfte er das am meisten mu-\nsicalische Mitglied unserer Bühne sein. Mit den Barito-\nnisten haben wir entschiedenes Unglück. Es wurde zuerst\nfür d iese Saison Herr Otto aus Riga engagirt, welcher\nunserem Unternehmen jedoch nicht gewachsen war, wie\ndieser Künstler bescheiden genug selbst einräumte. Nach\nihm folgte Herr Simon aus Pesth. Schönes Aeusseres, no-\nbles, durchdachtes Spiel und, die Hauptsache, gute Schule\nwaren da. Seine Stimme wollte uns weniger zusagen, wie\nauch seine Aussprache etwas „hölzern\" ist. Herr Simon\nist bei alledem ein vorzüglicher Sänger, seine Schule macht\nAlles wieder gut. Noch nie hat hier das Nachtlager in\nGranada solchen Erfolg erlebt, als unter Simon's Mitwir-\nkung als Jäger. Wir möchten behaupten, dass diese Auf-\nführung die gelungenste in der ganzen Saison war. Leider\nkonnte mit Herrn Simon kein Engagement zu Stande\nkommen, da er sich bereits für Pesth wieder verbindlich\ngemacht. Gegenwärtig weilt ein alter Bekannter wieder\nin unserer Mitte, welcher vor zwei Jahren hier engagirt\nwar, Herr Duschnitz. Derselbe trat als Graf Luna auf.\nHerr Duschnitz war in hohem Grade indisponirt, wesshalb\nwir sein zweites Auftreten abwarten wollen. Treffen die\nBefürchtungen über diesen Sänger ein, so wird Herr Bras-\nsin als erster Baritonist in der zweiten Hälfte dieser Saison\nwohl wieder fungiren müssen. Wir schätzen Herrn Brassin\nsehr, aber es würde uns lieb sein, wenn ein jüngerer Ba-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640102-01.1.5", "texte": "ritonist ihm zur Seite stände. Herr Dalle Aste konnte,\nwie in der vorigen Saison, wegen Unwohlseins erst sechs\nWochen nach Eröffnung der Bühne auftreten. Er begann\nmit Sarastro. Wiewohl seine Stimme mehr den Charakter\neines hohen Basses hat, so möchte doch diese Partie seine\nbeste zu nennen sein; er weiss sie bis zum Schlüsse mit\nder dazu erforderlichen Würde durchzuführen. Würde\ner sich des Doppelschlages auf dem tiefen „doch\", so wie\nmehrerer unschönen Verzierungen in den Arien „O Isis\"\nund „In diesen heiligen Hallen\" enthalten, so wäre das\nnur zu seinem Vortheile. Uebrigens setzt Herr Dalle Aste\nseine Hanswurstiaden in Mozart'schen Opern nach wie vor\nfort, besonders als Leporello und als Osmin. Ja, er ent-\nblödet sich nicht, Versuche zu machen, am Schlüsse des\nersten, so einfachen Liedes Osmin's in G-mott auf abscheu-\nW\nliehe Weise die Lachmuskeln eines unmusicalischen Publi-\ncums in Bewegung zu setzen, was ihm jedoch glücklicher\nWeise nicht gelungen. Wenngleich die Stimme des Herrn\nDalle Aste nicht mehr so ergiebig ist, wie in früheren Sai-\nsons, so kann man doch noch immer damit zufrieden sein,\nsie ist immer noch wohlklingend. Ist derselbe aber in der\nKunst so weit zurückgegangen, dass er nur'auf die eben\ngerügte Weise einen Applaus zu erzwingen hofft, oder\nliegt dabei ein gewisser Trotz gegen die Kritik zu Grunde?\nDiese Fragen wird Herr Dalle Aste selbst am besten zu beant-\nworten wissen. Immer bleibt zu bedauern, dass ein Künst-\nler wie Dalle Aste, von der Natur so begabt, zu solchen\nMitteln schreitet. Herrn Dalle Aste zur Seite steht Herr\nEgli mit einem klangvollen, kräftigen hohen Bass. Beide\nStimmen haben so ziemlich einen und denselben Umfang;\nes wäre desshalb für unser Unternehmen ein tiefer Bass\nwünschenswerther gewesen. Im Beginne der Saison wurde\ndie Rolle des Osmin von Herrn Egli übernommen. Auf\nWunsch des hiesigen Recensenten trat für ihn Dalle Aste\nein, jedoch mit entschiedenem Fiasco; Herr Egli blieb so-\nwohl im Gesänge als im Spiel Sieger. Uebrigens litten in\nBetreff der tiefen Lage Osmin's beide Schiffbruch.\nDie Chöre, vollzähliger als voriges Jahr, verdienen\nlobend erwähnt zu werden; sie sind im Ganzen gut ein-\nstudirt. Das Orchester unter Herrn Levi ist vortrefflich\nbis auf die Hornisten. Die Nothwendigkeit eines guten er-\nsten Hornisten macht sich immer fühlbarer. Herr Levi\nhat sich hier als vorzüglichen, umsichtigen Dirigenten be-\nwährt und steht in grosser Achtung. Mit grossem Be-\ndauern würden wir ihn scheiden sehen.\nWas die Scenerie betrifft, so steht diese noch so ziem-\nlich auf derselben niedrigen Stufe, wie früher. Bei Ver-\nwandlungen einen Baum in einer Stube, oder ein Stück\nStube in einem Walde kurze Zeit zu sehen, gehört zu\nden Möglichkeiten; auch ist es interessant, durch zu frühes\nAufziehen des Vorhanges einen Blick in die Geheimnisse\ndes Bühnenlebens thun zu können.\nDie Streich-Quartette des Herrn Rappoldi haben\nauch wieder begonnen und haben sich, wenn auch keines\nsehr zahlreichen, so doch auserlesenen Publicums zu er-\nfreuen. Wie vorauszusehen war, findet auch die Kammer-\nmusik hier immer mehr Eingang, und Herr Rappoldi er-\nwirbt sich dadurch grosse Verdienste. Am letzten Quartett-\nAbende kam ein Rappoldi'sches Quartett zu Gehör. Was\nsich nach einmaligem Hören sagen lässt, so dürfte der\nzweite Satz, am einfachsten gehalten, der beste sein. Das\nQuartett, im Ganzen genommen, ist nicht verständlich ge-\nnug; auch würde es lür den jungen Componisten vorlheil-\nhafter sein, wenn er melodiöser schriebe. Dieser Mangel\ntrat um so mehr hervor, da dieses Quartett zwischen Haydn\nund Mozart seinen Platz fand. Es wurde jedoch beifällig\naufgenommen. Da wir leider nur Einem Quartett-Abende\nhaben beiwohnen können, so kommen wir in unserem\nnächsten Berichte darauf wieder zurück, wollen aber nicht\nunterlassen, Auffassung und Zusammenspiel schon jetzt\nlobend zu erwähnen.\n(Schluss folgt.)\n\nAus Amsterdam.\n\n(Populäre Concerte Fräulein Schreck Sinfonie von F<stis;\nConcerte in Felix Meritis Madame Gräver Ernst Lü-\nbeck Bazzini; Cäcilien-Concert - Italiänische Oper von\nMerelli Fräulein Artöt Nächste Concerte.)\nDen 20. December 1863.\nDie „populären Concerte\" im grossen Parksaale ha-\nben unter Ver hü Ist's Direction wieder begonnen. Das\nerste brachte die Sinfonie Nr. IV von Gade, die JEroica\nvon Beethoven, die Ouvertüren „Meeresstille und glückliche\nFahrt\" von Mendelssohn und\nIV.\" von M£hul. Das Orchester strebte, Dank seinem\ntüchtigen Führer, nach Kräften das Beste an, doch schien\nuns die Ausführung nicht ganz so vorwurfsfrei, als in den\nvorjährigen Concerten. Die Tempi der Ouvertüre von Me-\nhul (welche wiederholt werden musste) wurden zu schnell\ngenommen und die Feinheiten des Beethoven'schen Mei-\nsterwerkes wurden nicht mit derselben Sorgfalt wie sonst\nhervorgehoben. Fräulein Schreck aus Bonn hatte einen\nschönen Erfolg, der bei einem Vortrage, welcher den\nwahren Grundsätzen der Kunst vollkommen treu blieb,\nnach den Arien von Händel und Rossi nicht ausbleiben\nkonnte.\nIm zweiten Populär-Uoncerte hat man eine neue Sin-\nfonie von Fetis gebracht, ein Werk, welches der wür-\ndige Meister im Alter von 78 Jahren geschrieben hat\nund das vor zwei Jahren mit grossem Beifall im Conser-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640102-01.1.6", "texte": "vatorium zu Brüssel aufgeführt worden ist. Das Werk\nhat den Charakter französischer Musik, die Form ist rein\nund klar und das Ganze zeigt eine Frische, welche bei\neinem beinahe achtzigjährigen Componisten fast unbegreif-\nlich ist, ein Beweis, dass auch das Alter noch fruchtbar\nan geistigen Erzeugnissen sein kann. Wenn auch in der\nErfindung nicht immer eine solche Originalität herrscht,\ndass die Composition in den musicalischen Annalen der\ngegenwärtigen Zeit Epoche machte, so fesselt doch der\nelegante Stil, der melodische Reiz und der wirklich ju-\ngendliche Duft, der die Sinfonie durchzieht, den Zuhörer,\nund das Werk ist als eine sehr interessante Erscheinung\nzu beachten. Das Allegro und das Adagio scheinen uns\ndie schwächeren Partieen zusein; das Intermezzo und das\nRondo gefielen, sehr gut ausgeführt, allgemein und wur-\nden von einem sehr strengen Publicum applaudirt, welches\nin der Regel nie seine Vorliebe für die deutsche Musik\nverläugnet und die Musik eines französischen Componisten\nnur mit Vorurtheil anhört.\nIn demselben Concerte wurden Reethoven's Sinfonie\nNr. V und die Ouvertüren „Im Hochland\" von Gade und\nzu „Ferdinand Cortez\" von Spontini mit grosser Präcision\nausgeführt.\nIn d en Concerten des Instituts bilden\ndie Solo-Vorträge in der Regel die anziehendste Partie.\nMadame Madeleine Gräver und Ernst Lübeck,\nbeide Kinder Hollands, und Bazzini haben sich da hören\nlassen. Emst Lübeck hat durch den meisterhaften Vortrag\ndes Concertes von Mendelssohn einen ungeheuren Erfolg\ngehabt; auch Madame Gräver hat sich als eine talentvolle\nPianistin bewährt, ohne jedoch besonders zu begeistern.\nBazzini hat ein neues Concert für Violine und Orchester\neigener Composition gespielt, welches grossen Beifall beim\nPublicum fand.\nDas jährliche Concert des St.-Cäcilien-Vereins hatte\neine sehr zahlreiche Zuhörerschaft herbeigezogen, so dass\nder Saal überfüllt war. Die grosse aber sehr lange\nSinfonie von Schubert und die herrliche Egmont-Ouver-\nture von Beethoven erhielten den Preis des Abends.\nAm 5. Januar wird die Gesellschaft zur Beförderung\nder Tonkunst ihr erstes Fest-Concert- geben und Hän-\nOratorium „Josua\" unter Verhülst's Leitung und\nder Mitwirkung von Fräulein Rothenberger aus Köln,\nFräulein Schreck aus Bonn, Dr. Gunz aus Hannover\nund Herrn Behr aus Bremen zur Aufführung bringen.\nBei solchen Interpreten der grossartigen Musik kann man\nauf eine prächtige Aufführung rechnen. Wir werden\ndarauf seiner Zeit zurückkommen.\nDie italiänische Oper des Impresario Merelli hat ihre\nVorstellungen begonnen. Die berühmte Desiree Artöt,\nwelche so ruhmvolle Erinnerungen in Deutschland zurück-\ngelassen hat, hat auch in Holland viel Erfolg gehabt; sie\nist eine grosse Künstlerin, aber sie wurde hier durch ihre\nUmgebungen von so mittelmässigen Talenten und durch\neinen Chor, den man nicht anhören konnte, so schlecht\nunterstützt, dass das Publicum sich nicht eben gedrängt\nhat, um sie zu bewundern.\nMan erwartet Carlotta Patti; Herr Ullman, ein\nMeister in seinem Fache, hat bereits Alles mit Ankündi-\ngungen auf Americaner-Art überschwemmt. Nun, wir\nwerden sie hören und selbst urtheilen.\nFür das nächste Populär-Concert bilden die Sinfonie\nNr. VII von Beethoven, die kleinere cfer-Sinfonie von\nMozart, Weber's Oberon-Ouverture und die Ouvertüre\n„Pompejus\" von Eduard de Hartog das Programm. Der\nkleine Violinist de Graan, ein holländisches Wunderkind\nvon eilf Jahren und Schüler des Herrn Coenen, wird sich\ndarin hören lassen.\n\nMatino.\n\nFriedrich Hebbel.\n(Nekrolog.)\nFriedrieh Hebbel, welcher am 13. December v. J.\nzu Wien gestorben, war am 18. März 1813 in dem klei-\nnen Orte Wesselburen in Dithmarschen geboren. Seine\nJugend war einsam und reich an Prüfungen; erst im Al-\nter von 22 Jahren gelang es ihm, einen lange gehegten\nWunsch erfüllen und seine eng abgeschlossene Heimat\nverlassen zu können. Er ging zuerst nach Hamburg, wo-\nhin ihm einige Gedichte vorangegangen waren und wo er\nfreundliche Aufnahme fand. Von da zog er auf die Uni-\nversität nach Heidelberg, dann nach München, und kehrte,\nzum Doctor der Philosophie promovirt, nach Hamburg\nzurück. Im Jahre 1840 erschien sein erstes Drama, „Ju-\ndith\", das von der gesammten deutschen Kritik als ein\nbedeutendes Werk anerkannt werden musste, trotzdem\nViele mit der darin eingeschlagenen neuen Richtung\ndurchaus nicht einverstanden waren. Auf der Bühne hatte\ndas Stück sehr widersprechende Erfolge, und zeigten sich\nbesonders die Hofbühnen mit dessen Aufführung sehr\nspröde. Der „Judith\" folgte die „Genofeva\" (Mageilona),\nin welcher sich die ganze geniale Natur des Dichters in\nihren Vorzügen und in ihren Abirrungen zeigte. Campe\nin Hamburg verlegte die beiden Dramen und 1842 einen\nBand Gedichte, die kein geringeres Aufsehen machten,\nals jene.\nIn demselben Jahre ging Hebbel nach Kopenhagen,\nwo er die „Maria Magdalena\" begann. Er gefiel sich in\nder dänischen Hauptstadt, und der schöne, geistvolle Dich-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640102-01.1.7", "texte": "ter wurde dort mit Auszeichnung behandelt. Er erhielt\nein königliches Reise-Stipendium, welches ihn in den Stand\nsetzte, Italien und Frankreich zu sehen. Auf der Rückreise\nkam er 1845 nach Wien, wo er seine künftige Gattin,\ndie Hof-Schauspielerin Christina Enghaus, kennen lernte,\nmit der er sich im folgenden Jahre vermählte. Seit jener\nZeit blieb er in Wien und hielt seine Productivität glei-\nchen Schritt mit seinem Ruhme. Es folgten sich rasch die\nDramen „Julia\", „Michel Angelo\", „Diamant\", „Rubin\",\n„Agnes Rernauer\", „Der Ring des Gyges\", „Trauerspiel\nin Sicilien\". Dieselben fanden bei der Kritik alle Aner-\nkennung, dagegen bei dem Theater-Publicum wenig\nGnade. Hebbel fügte sich in seinen Dramen weder den\nhergebrachten Anschauungen der Menge, noch den tra-\nditionellen Kunstforderungen, und das Publicum wollte\neben keinen neuen Weg gehen. Trotz diesem Zwiespalt,\nwelcher durch missgünstige Neider noch genährt wurde,\nhatten „Judith\" und „Maria Magdalena\" einen glänzenden\nErfolg. Kaum einen geringeren hatten die „Nibelungen\",\ntrotz der diesem Stücke so ungünstigen Personal-Verhält-\nnisse der deutschen Rühnen. Die „Nibelungen\" errangen\nin diesem Jahre auch den k. Preussischen Dramen-Preis\nvon 1000 Thalern. Ausser den angeführten Dramen er-\nschien noch eine zweite Gedichtsammlung, ein Rand No-\nvellen, das Idyll „Mutler und Kind\", so wie eine Reihe\nkritischer und ästhetischer Aufsätze in periodischen Rlättern.\nSchon erkrankt, arbeitete er noch an einer Tragödie „De-\nmetrius\" , von der drei Acte fertig, der vierte und fünfte nur\nzum Theil vollendet sind. In seinem Nachlasse soll sich aus-\nserdem der Plan zu einem „Jesus Christus\" und Material zu\nseinen Memoiren, letzteres zum Theil druckfertig, vorfinden.\nHebbel war seit einigen Monaten krank, doch lauteten\ndie Nachrichten keineswegs so beunruhigend, dass ein so\nschmerzliches Ereigniss in nahe Aussicht genommen wer-\nden konnte. Noch am Abende vor seinem Hinscheiden liess\ner sich von seiner Tochter den „Spazirgang\" von Schiller\nvorlesen, musste jedoch die Lecture unterbrechen lassen,\nweil ihn das Hören zu sehr anstrengte. Sein Freund, Prof.\nDr. Ernst Brücke, verweilte den letzten Tag und Nacht bei\ndem Verschiedenen bis zu dem Momente, wo das Auge des\nDichters sich für ewig schloss. Hebbel lebte in angeneh-\nmen Verhältnissen und hinterlässt eine Witwe die allge-\nmein geachtete Hofschauspielerin— und eine Tochter von\nsechszehn Jahren. Der traurige Trost, den die Leichenöff-\nnung ergab, war der, dass keine ärztliche Kunst im Stande\ngewesen wäre, das Leben des Dichters zu verlängern, denn\ndie Krankheit bestand im Wesentlichen in einer inveterir-\nten Knochenerweichung, einem in seinem letzten Stadium\nunheilbaren Leiden. In seinem schon im Jahre 1856 ver-\nfassten Testamente fand man folgende drei Dinge verfügt:\ndie Familie soll keine Todesanzeige erlassen; bei der Be-\nstattung der Leiche soll jedes Gepränge vermieden werden;\nan dem Grabe oder Sarge soll keine Rede gehalten werden.\nAm 15. December, Nachmittags 2% Uhr, fand die Reer-\ndigung Statt, und zwar unter Respectirung seiner letztwilli-\ngen Verfügungen. Vor dem Sterbehause sammelten sich\ndie Leidtragenden, Freunde und Verehrer des Dichters.\nWir sahen Halm, Laube, Pralobevera, Fichtner, Sonnen-\nthal. Der Zug setzte sich nach dem Kirchhofe der Prote-\nstanten in Malzleinsdorf in Rewegung. Studenten, die den\nSarg mit einem Lorberkranze, den ein schwarz-roth-golde-\nnes Band umwand, geschmückt hatten, gingen zunächst dem\nLeichenwagen. In langer Reihe folgten die Wagen des\nTrauergefolges: Dichter, Vertreter der Tagespresse, Künst-\nler, namentlich zahlreiche Mitglieder der Theater, Männer\naller Stände und Lebensalter geleiteten die sterbliche Hülle\ndes Dichters nach dem Kirchhofe, wo der Sarg still ein-\ngesenkt wurde.\nDas umfangreichste Werk, das sich im literarischen\nNachlasse Hebbel's vorfindet, wird sein Drama „Demetrius\"\nsein. Die drei ersten Acte des Trauerspiels hatte der Dich-\nter schon vor längerer Zeit vollendet, da überkam ihn vor\netwa fünf Wochen, als er nur noch die Hände regen konnte,\neine unbesiegbar drängende, schöpferische Lust. In wört-\nlich fieberhafter Aufregung, deren er nicht Herr werden\nkonnte und nicht werden wollte, dachte und schrieb er\nam vierten und fünften Acte. „Es wäre ein seltsamer Zu-\nfall,\" äusserte er gegen eine ihm befreundete Dame, „wenn\nich, wie Schiller, diese Arbeit als Torso zurücklassen\nmüsste!\" und er liess nicht ab, das Gedachte mit zit-\nternden Händen weiter zu schreiben, bis ihm die Feder\nentfiel und das Ganze bis auf die zwei letzten Scenen vor\nihm vollendet lag. Den nachgelassenen „Demetrius\" will\nder Künstlerverein „Concordia\" in Wien zur Aufführung\nbringen, zu welchem Ende Dingelstedt das Werk voll-\nenden soll.\n\nFünftes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller,\nDinstag, den 29. December 1863.\nProgramm. Erster Theil. 1. Sinfonie Nr. 6 von Niels W.\nGade. 2. Sopran-Arie aus „Saul\" von F. Hill er (Fräulein Pau-\nline Wiese mann). 3. Concert in C-moll von W. A. Mozart\n(Frau Clara Schumann).\nZweiter Theil. 4. Ouvertüre zu „Lodoiska\" von Cherubini.\n5. Solostücke für Pianoforte von R. Schumann und F. Hiller\n(Frau Schumann). 6. „Die Flucht der heiligen Familie\" von\nEichendorfF, für Chor und Orchester componirt von Max Bruch.\n7. Lieder von Schumann (Fräulein P. Wiesemann). 8. Phan-\ntasie für Pianoforte, Chor und Orchester, Op. 80, von Beethoven\n(Pianoforte: Frau Schumann)."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640102-01.1.8", "texte": "Gade's sechste Sinfonie wurde recht gut ausgeführt, vermochte\naber nur nach dem dritten Satze und am Schlüsse dem Publicum\nZeichen des Beifalls abzugewinnen. Auch uns will dieses Werk des\nberühmten Componisten nicht recht zusagen; der dritte Satz impo-\nnirt durch seinen Rhythmus und der letzte hat einige glänzende\nStellen, im Ganzen aber vermisst man feste melodische Zeichnung\nin greifbaren, festzuhaltenden Umrissen, und selbst das Colorit,\nsonst Gade's Stärke, scheint uns, gegen die früheren Tongemälde\ndesselben Meisters gehalten, bei Weitem nicht so anziehend, wie\nsonst. Cherubini's Ouvertüre, eine treffliche Leistung des Orche-\nsters, rief lebhaften Beifall hervor.\nFrau Schumann trug das Concert von Mozart, das durch die\nvorzugsweise Beschäftigung der Blas-lnstrumente bemerkbar ist,\nvortrefflich vor, doch scheint uns diese Gattung von Musik nicht\ngerade diejenige zu sein, in deren Wiedergabe die Künstlerin die\nanderen Pianisten übertrifft. Dagegen war ihr Spiel in dem schönen\nCanon in As-dur aus den Studien für Pedalflügel von R. Schumann,\ndem sprudelnden und schwierigen Impromptu in IJ-moll, Op. 30,\nund dem reizenden Bildchen „Zur Guitarre\" von F. Hiller so voll-\nkommen in jeder Hinsicht, dass an charakteristischem Ausdrucke,\nmochte dieser nun vollständige Unabhängigkeit der Finger im me-\nlodischen Gesänge, oder ein zauberisches Ausstreuen köstlicher Ton-\nperlen wie im Fluge über die belebte Claviatur hin, oder die feinste\nAnmuth und Innigkeit verlangen, wohl Niemand es der grossen\nKünstlerin gleich thun dürfte. Wir gebrauchen bekanntlich nicht\ngern überschwängliche Redensarten: aber für den Eindruck eines\nsolchen Spiels hat das Beiwort „entzückend\" seine vollste Be-\nrechtigung.\nFräulein Pauline Wiesemann, welche ihre künstlerische\nAusbildung Herrn Professor Böhme, Gesanglehrer am hiesigen Con-\nservatorium verdankt, trat zum ersten Male in einem Giirzenich-\nConcerte auf und fand eine sehr freundliche Aufnahme beim Publi-\ncum, deren sie sich auch durch ihre Gesang-Vorträge würdig zeigte.\nMit einer einnehmenden Erscheinung verbindet die junge Dame eine\nin der Höhe recht ausgiebige, in der mittleren Tonregion weniger\nklangvolle Stimme, in deren Behandlung es ihr schon jetzt gelungen\nist, ungewöhnlichen Forderungen immer mehr zu genügen, wie sie\ndas namentlich durch den Vortrag des Liedes „Die Nonne\" von\nSchumann bewies, welcher, trefflich nuancirt, sich durch innige Em-\npfindung im Ausdruck auszeichnete und mit Recht durch den leb-\nhaftesten Applaus belohnt wurde, der übrigens auch nach der Arie\naus „Saul\" und nach dem zweiten Liede von Schumann: „Du,\nmeine Seele\", nicht fehlte.\nEine neue Composition von Max Bruch zu Eichendorffs\nlieblichem Gedichte: „Die Flucht der heiligen Familie\", ist mit\ndemselben glücklichen Talente durchgeführt, welches der begabte\nComponist der Oper „Lorelei\" schon bei mehreren kleineren Ge-\nsangstücken für Chor und Orchester auf erfreuliche Weise bewährt\nhat. Das Ganze besteht nur aus zwei Bewegungen in Es-dur, einem\nAndante, ö/ö\"Tact, das in ein Adagio, c[en Worten:\n„Und das Kindlein hob die Hand\", übergeht. Es ist ein reizendes\nStimmungsbild, ein Idyll, in welchem die Töne dufien und innige\nAndacht sich auf sanften Schwingen wiegt. Keine rhythmische\nRückung, keine schroffe Modulation, überhaupt keine Spur von Af-\nfectation irgend einer Art stört den reinen, stillen Fluss der Melo-\ndie, welche von wohlthuenden Harmonieen und einer reizenden In-\nstrumentirung getragen wird. Der junge Componist wurde bei sei-\nnem Auftreten vom Publicum freundlich empfangen und am Schlüsse\ndurch wiederholten Applaus geehrt.\nBeethoven's bekannte, aber stets wirkungsvolle Phantasie be-\nschloss das Concert in recht guter Ausführung."}]}