{"numero_id": "bm-bmtnabi-1864-01-09-01", "volume": "bmtnabi_1864-01-09_01", "ocr_sha256": "b8f09b2bc33427f1467256dc322aceb8c38cd0ea29a792f3df8634287068f029", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1864/01/09_01/bmtnabi_1864-01-09_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640109-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1864-01-09-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-01-09_01#c001", "volume": "bmtnabi_1864-01-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "9", "page_fin": "9", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640109-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640109-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 449, "texte": "Inhalt.\nAus Rotterdam (Die deutsche Oper. F. Hiller's „Katakomben\"). Musicalisches aus Leipzig. Von Dr. Oscar Paul.\n(Gewandhaus-Concerte Miss Parepa L. Brassin Chorgesang Sinfonieen von Reinecke, Volkmann, Jadassohn. L. Lübeck\nFräulein Decker Fräulein Bettelheim u. s. w.) Aus Crefeld (Zweites Abonnements-Concert). Roderich Benedix (Jubiläum).\nTages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Soiree von Frau Clara Schumann Barmen, Musik-Aufführungen Brüssel^."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-01-09-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-01-09_01#c002", "volume": "bmtnabi_1864-01-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "9", "page_fin": "12", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640109-01.2.2", "titre_corps": "Aus Rotterdam.", "titre_sommaire": "Aus Rotterdam.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640109-01.1.1", "debut_caractere": 451, "fin_caractere_exclue": 4124, "texte": "Aus Rotterdam.\n(Die deutsche Oper. F. Hiller's „Katakomben\".)\n(Schluss. S. Nr. 1.)\nEin Hauptereigniss der Saison war die Aufführung\nder Oper „Die Katakomben\" von M. Hartmann, Musik\nvon Ferdinand Hiiler. Da Sie dieses Werk selbst ken-\nnen und bereits Berichte über mehrere Aufführungen in\nDeutschland mitgetheilt haben, so dürfte es Ihren Lesern\ninteressant sein, die Ansicht der ausländischen Kritik über\ndie erste Erscheinung der Oper auf einer fremden Bühne\nkennen zu lernen. Ich halte desshalb mein eigenes Urtheil\nzurück und lasse statt meiner den kundigen Referenten\nder Caeciliasprechen, der allgemeinen musicalischen Zeit-\nschrift für Holland, welche seit dem Tode des früheren\nHerausgebers, Dr. Kist in Utrecht, in den Verlag von\nJ. van Baalen hierselbst übergegangen ist und sich einer\ntüchtigen Redaction und eines erneuten Aufschwungs\nerfreut.\n„Die Ankündigung einer hier noch unbekannten Oper\neines der berühmtesten deutschen Tonkünstler, der auch\nbei uns durch seine Werke, namentlich durch die Ora-\ntorien, kein Fremdling ist, hatte allgemeines Interesse er-\nregt; die Nachricht, dass Ferdinand Hiller selbst die Lei-\ntung der letzten Hauptprobe und der ersten Aufführung\nseines Werkes übernommen, steigerte dasselbe und gab\ndabei Vielen die deutliche Ueberzeugung, dass Rotterdam\nbinnen wenigen Jahren eine ehrenvolle Stelle auf dem Ge-\nbiete der dramatischen Musik errungen hat. Weder Mühen\nnoch Kosten wurden gespart, viele Proben gehalten, neue\nCostüme und Decorationen angefertigt, um dem Werke\neine würdige Ausführung zu sichern, und der Erfolg hat\ndie Mühe reichlich belohnt. Die erste Vorstellung (den 19.\nDecember v. J.) war von einem zahlreichen und gewähl-\nten Publicum besucht: sie war in vielen Beziehungen\nwahrhaft schön und erhielt glänzenden Beifall. Gar Vieles\nfordert uns zu einer ausführlichen Besprechung auf.\n„Das Buch von M. Hartmann hat die unverkennbare\nTendenz, den Glauben an die historischen Ueberlieferun-\ngen des neuen Testamentes zu befestigen und die Bewun-\nderung, die man den ersten, Gut und Blut aufopfernden\nGläubigen und Anhängern der neuen Lehre zollen muss,\nin Erinnerung zu bringen. Eine sonderbare Erscheinung\nallerdings, dass in einer Zeit, wo zuweilen von der Kanzel\ndie Saat für Zweifel und Unglauben an geschichtliche\nTraditionen ausgestreut wird, die Bühne, obwohl gröss-\ntentheils durch sinnliche Mittel, der Festigung des Glau-\nbens, den wir mit der Muttermilch eingesogen, dienstbar\ngemacht wird! Solch einen Zweck aber mit den Forde-\nrungen der Dramatik zu vereinigen, ist sehr schwer, und\nder Dichter hat denn auch in Bezug auf diese das Ziel\nnicht getroffen. Von Handlung ist zu wenig vorhanden,\nder Dialog ist zu trocken, die Situationen sind gesucht\nund zu selten in die blühenden Formen einer phantasti-\nschen Poesie gekleidet. Dagegen ist die Sprache oft flies-\nsend in den Versen und die Gedanken fromm, rein und\nfür die vom Dichter beabsichtigte Charakterschilderung\ngeeignet.\n„Der erste Act versetzt uns in die Säle der Lavinia,\neiner vornehmen Römerin, wo ein Fest gefeiert wird.\nAlle jubeln, nur sie ist ernst und in sich gekehrt. Der\nPräfect Claudius, ihr Anbeter, fordert die ionische Sän-\ngerin Clythia auf, ein Lied zu singen; Lucius, ein Sclave\nder Lavinia, heimlicher Christ und Haupt der Gemeinde,\nwarnt diese, die ebenfalls Christin ist, heidnische Lieder zu\nsingen. Clythia singt zur Leier auf dem heidnischen Feste\ndie Geschichte von der reumüthigen Büsserin aus dem\nEvangelium Luc. 7. 37 u. s. w.! Claudius verspottet das\nHistörchen und ruft Tod und Verderben über die neue\nSecte, die den alten Göttern Untergang droht. Lavinia\nbeklagt ihren eigenen Zustand als einen tief elenden. Plötz-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640109-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5384, "texte": "lich entsteht ein Tumult, der Nazarener Timotheus wird\nvom Volke verfolgt, von Lavinia und einem Senator Cor-\nnelius, der sich auch heimlich der neuen Lehre ange-\nschlossen, in Schutz genommen.\n„In diesem ganzen Acte zeigt der Componist deutlich\ndas Streben, den Gegensatz zwischen dem heidnischen\nund christlichen Elemente so stark als möglich auszu-\ndrücken, und das ist ihm, besonders durch seine Meister-\nschaft über die Form, vollkommen geglückt. An die Stelle\neiner Ouvertüre ist, nach der jetzt mehr und mehr über-\nhand nehmenden Methode, eine kurze Einleitung getreten.\nSogleich leuchtet das genannte Streben hervor: die Ein-\nleitung besteht aus einigen in älterem strengen Rhythmus\ngeschriebenen psalmodischen lacten, erst unisono durch\ndie Blas instrumente, dann choralmässig mit Zuziehung\ndes Geigen-Quartetts wiederholt, und einem darauf fol-\ngenden wüsten Allegro, das sich durch verschiedene Ton-\narten (von E-moll nach Cis-moll)steigert. Sie führt zu\ndem Jubelchor der ersten Scene, dessen Anfang durch die\nMännerstimmen frisch und charakteristisch ist. Die vorher-\ngehende Violin-Figur, die am Schlüsse in erhöhter Tonart\nwiederkehrt, ist, obwohl mit dem Stil übereinkommend, zu\nalltäglich, wie denn auch die Anwendung des Piccolo bei den\nWorten: „ „mit Epheu bekränzt\" *, hart und unnöthig er-\nscheint. Sopran und Alt treten ein und besingen in an-\nmuthig melodischer Weise die Göttin der Liebe. Schade,\ndass diese wohltönenden Weisen durch den Schluss („„ist\ndie Liebe und ist der Kuss\"\") verunziert werden, der doch\ngar zu gewöhnlich ist. Frauen- und Männerstimmen ver-\neinigen sich und die erneute Anwendung des ersten Mo-\ntivs ist geschmack- und effectvoll.\n„Die Partie des Claudius (Bariton) ist hier in der Form\neines Recitativs in Tact geschrieben; Stil und Form wett-\neifern darin um den Preis. Der Text bietet hier, wie an\nvielen folgenden Stellen, eigenthümliche Schwierigkeiten\ndar, durch welche sich Hiller mit Geschick und Talent\nhindurch windet; aber warum hat er solche Stellen nicht\nlieber gestrichen? Die vier Tacte des Geigen-\nQuartetts vor der schönen Erzählung der Clythia sind dem\nStil derselben entgegen und durch italiänische Unbedeu-\ntendheit anstössig. Die Ballade selbst ist, ohne frappant zu\nsein, gut gemacht, und bei den Worten: „ „ Bin der Gott\" ,\ntritt ein herrlicher musicalischer Gedanke hauptsächlich\nmit Flöte und kleiner Harmonie begleitet—ein, der einen\nunbeschreiblich wohlthuenden Eindruck macht. Das fol-\ngende Recitativ und Allegro c von Claudius, meist\nunisono mit der ersten Violine und später der Oboe, und\ndie darin vorkommende Steigung von\nsind zu gewöhnlich, um in solch einer Partitur einen Platz\nzu verdienen. Die Scene zwischen Claudius und Lavinia\nist voll Schönheiten in den Gedanken und der Instrumen-\ntirung (nicht überall Hiller), und der in ein Duett aus-\ngehende Schluss macht grosse Wirkung. Der darauf ein-\ntretende Chor und die ganze Scene der Verfolgung des\nNazareners sind der Erfindung beinahe bar. Die Situation\nist eine von den wenigen, die zur Entfaltung dramatischen\nTalentes Gelegenheit bieten; wir hatlen viel davon erwar-\ntet und fühlten uns getäuscht, die Scene ist malt und\nselbst der Eintritt des Cornelius (Bass), der von grosser\nWirkung hätte sein müssen, lässt Farbe, und Bedeutung\nvermissen. Aber das nachfolgende Sextett mit seiner fei-\nnen Instrumentirung, obwohl nicht mehr in dem Stile\ndes Ganzen, sondern auf gute italiänische Weise, klingt be-\nzaubernd schön und macht einen tiefen Eindruck. Der\nherrliche Eintritt der beiden Tenöre mit dem Bass ist ein\nedles Motiv, und die ganze Durchführung ihrer Partieen,\ndenen sich später auch Clythia anschliesst, bildet einen\nscharfen Gegensatz gegen den wilden Charakter der übri-\ngen, stellt den milden Geist des Christenthums auf rüh-\nrende und ergreifende Weise in den Vordergrund und ist\nmit grossem Talente geschrieben. Die Schluss-Scene mit\nChor macht, obwohl musicalisch ohne hervortretendes In-\nteresse, grossen Effect.\"\n[Hier folgt die Angabe des Inhalts des zweiten Actes\nnach dem Textbuche*)]. Wenn wir auf den Mangel an\nHandlung in diesem Acte aufmerksam machen, die wenig\nzusammenhängenden Aeusserungen der Heidin, die Worte\ndes die Lehre verkündenden Lucius genau betrachten und\nauf die häufig platte Sprache und die Verse ohne Gedan-\nken hinweisen, so kann man sich eine Vorstellung von den\nSchwierigkeiten machen, welche der Componist zu über-\nwinden hatte, um in Tönen auszudrücken, was der Dichter\nin Worten und Zuständen nicht auszudrücken vermochte.\nUnd doch bietet dieser Act verschiedene Momente von\nhinreissender Macht dar. Man verdankt dies grösstenteils\nder Anwendung von Mitteln, die man bei Hiller nicht er-\nwarten konnte und die er gewiss in Anderm streng ver-\nschmäht haben würde. [?] Die Einleitung, während wel-\ncher die Christen durch die Katakomben ziehen, ist ein\nschöner, vierstimmiger Choral von Saiten-Instrumenten mit\nZwischenspiel der kleinen Harmonie; die ersten\ndini machen einen tiefen Eindruck, den nachher die Achtel\nder Blas-Instrumenle schwächen. Lucius' Gebet: „„Wie\nlange noch\"\", ist ein Effectstück in gewöhnlicher Form;\nder stets gleiche Rhythmus scheint uns für den Text un-\npassend und die Triolen-Begleitung in den Streich-Instru-\nmenten und die dazutretende Harmonie schwach und leer.\nDennoch wiederholen wir, dass es, von einem Tenor ge-\n\n*) Vergl. Niederrli. Musik-Zeitung, 1862, Nr. 8."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640109-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5425, "texte": "sungen, der den erforderlichen Stimmklang dazu besitzt,\nstets grosse Wirkung machen wird.\n„Die folgendeScene zwischen Clythia und Lucius und\nihr Duett sind monoton, hier und da gesucht und lassen\nmehr Originalität wünschen. Der Anfang des Allegro ani-\nmato zeigt sogleich, dass man nicht viel zu erwarten hat;\neine gewöhnliche, oft wiederholte Figur und die Accord-\nfolge auf „ „Zum Himmel nur\"\" u.s.w. können vor stren-\ngem Gerichte nicht bestehen. So gut und eigenthümlich\nder Abschied der Clythia von ihrer Leyer behandelt ist,\nso ist der Gesang doch zu lang und eintönig, um Eindruck\nzu machen. Die Figur der Violinen, welche wir können\nkeinen andern Grund dafür finden die Ankunft der La-\nvinia ankündigen soll, ist an sich und durch die mehrma-\nlige Wiederholung in Flöte und Fagott unangenehm. Das\nfolgende Recitativ der Lavinia ist frisch und grossartig,\nwiewohl am Schlüsse mehrere sehr gesuchte und bizarre,\nnicht angenehm klingende Modulationen vorkommen. Der\nAuferstehungs-Chor hinter der Scene, ohne Begleitung\nim Unisono, in der so genannten griechischen Tonart, ist\nvon grosser Wirkung, nur dass die Schluss-Tacte: „„Er\nist auferstanden\"den Eindruck schwächen. In einem Al-\nlegro agiiatodrückt darauf Laviniadas ahnungsvolle, un-\nbestimmte Gefühl aus, das sie beherrscht ein Meister-\nstück in Erfindung und Composition, trefflich im Stil und\nvollkommen entsprechend der Situation und dem Charak-\nter. Das Halleluja hinter der Scene erhöht den Eindruck,\nnur ist es schade, dass die eben getadelte Figur sich wie-\nderholt, wogegen das: „Er ist auferstanden\" der Lavinia\netwas unbeschreiblich Hinreissendes hat und an dieser\nStelle sehr charakteristisch ist. In dieser ganzen Scene er-\nkennt man die Hand des grossen Meisters, des um so\ngrösseren, da der Text wenig Anregung zur Begeisterung\ngibt*).\n„Unter einem eindrucksvollen kirchlichen Gesänge wird\ndie Leiche des Timotheus über die Bühne getragen. Zu\nden Worten des Lucius scheint uns die anhaltende Triolen-\nBewegung nicht ganz passend zu sein. Mit dem Ausrufe:\n„ „Ich bin nicht von den Deinen!\"\" gibt sich Lavinia zu er-\nkennen. Hier hätten wir gern gesehen, dass der Sängerin\nmehr Freiheit für den Vortrag dieser Worte gegeben\nworden wäre, indem jetzt bei dem schnellen Tempo im\nTacte ihr Wort fast unbemerkt vorübergeht. Die hierauf\nfolgende Scene mit Chor ist voll Wärme und Gluth und\nregt in jedem Tacte die Theilnahme an. Meisterlich ist\ndie Phrase des Lucius: „„Doch einem Höhern dien' ich\nhier\"\". Dagegen ist das Andante (VrTact), worin Lavinia\nausdrückt, was in ihr vorgeht, arm an Gedanken und ge-\nsucht, die beinahe chromatischen Gänge auf abgebroche-\nnen Achteln und eine schwache, leere Begleitung machen\ndiese Nummer wirkungslos. Aber die acht ersten Tacte\ndes darauf folgenden Allegro's der Lavinia: „ „Dann ist er\nGott\"\", sind eindrucksvoll; auch der Chor: „ „Hört die Sün-\nderin\" \",der von den Bässen und Tenörenpiano eingesetzt,\nsich nach und nach zum ff steigert, ist schön und effect-\nvoll. In der musicalischen Behandlung des darauf folgen-\nden dürren Dialogs zwischen Lucius und Lavinia, worin\nAusdrücke vorkommen, wie: „„Den Leib als ein Gefäss\nder Lust musst du zerbrechen\"\", ist es dem Componisten\ndennoch geglückt, einiges Leben zu bringen, und das\nAllegro appassionato der Lavinia: „„Ohnmächtig ist dein\nGott\"\", mitdem Chor: „ „Sie lästert\"\", bildet ein echt dra-\nmatisches Gemälde, das durch Leben und Wahrheit der\nSchilderung ergreift. Die folgende Scene, wo Lucius\nschützend zwischen die Römerin und die Christenschar\ntritt, ist schwächer; auffallend ist bei Hiller eine Instru-\nmentirung wie die zu Lucius' Erinnerung an das Gebot\nder Liebe. Lavinia's „ „Nicht vor ihrem Grimme\"\" und der\nChor: „ „Weh' uns\"\", sind, so einfach sie auch scheinen,\neben so schön erfunden als gearbeitet, nur wünschten wir\nnach dem vierstimmigen Dolcissimeinen anderen Schluss,\nals die paar Tacte mit Posaunen und Trompeten. Daran\nschliesst sich das Gebet um Bekehrung der Sünderin, das\nvon Lucius begeistert vorgetragen und vom ganzen Chor\nwiederholt wird. Dieses Stück ist von unbeschreiblicher\nWirkung; obwohl den kirchlichen Stil der ursprünglichen\nAnlage des Werkes verlassend, hat es eine hinreissende\nFrische des Colorits und eine melodiöse Färbung, welche\ndas Ohr um so mehr entzückt, je länger es dergleichen\neinschmeichelnde Weisen entbehrt hat; dabei ist das Stück\nvoll Kraft und die Instrumentirung reich und mit der fein-\nsten Berechnung und Kenntniss angewandt. Es ist ein\nGlanzpunkt der Oper und kann nicht verfehlen, überall\ndie Zuhörer in Begeisterung zu bringen.\n„Der dritte Act wurde hier in zwei Abtheilungen ge-\ngeben. [Der Text der ersten Abtheilung— Clythia's Ver-\nschmähung aller Geschenke der Gebieterin, Lavinia's Lie-\nbeserklärung an Lucius, den sie frei gelassen hat, ihre\nEifersucht und Rachelust erfährt scharfen Tadel, „so-\nwohl in Bezug auf die Charakterzeichnung der Römerin,\ndie bis dahin doch immer noch nobel, jetzt tief herabsinkt,\nals auf die Handlung und den Ausdruck\". Wir können\nihm nicht widersprechen.]\n„Ein dreistimmiger Frauenchor wird von den Sclavin-\nnen der Lavinia, während sie die Herrin für den Einzug\n\n*) Wenn wir auch in vielen anderen vom Verfasser bemerkten\nMängeln des Textes mit ihm übereinstimmen, so thut er doch in\nBezug auf diesen Theil des zweiten Actes dem Dichter Unrecht,\nder ja doch jene ergreifende Situation, welche auch der Verfasser\nanerkennt, geschaffen hat. Die Redaction.\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640109-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4512, "texte": "des Kaisers schmücken, gesungen; er ist frisch und leben-\ndig; das Zusammengehen des ersten Soprans mit der er-\nsten Violine und obenein noch mit der ersten Flöte klingt\nzu singspielartig, wogegen die Violin-Figur vom 27. Tacle\nan, die später mit vielem Talente festgehalten und durch-\ngeführt wird, mit Hinzutreten der Flöte dem Gesänge ge-\ngenüber eine allerliebste Wirkung macht. Weder das\nQuasi-Recitativ in dem Zwiegespräche von Lavinia und\nClythia erregt trotz eines schönen Violin-Solo's mit elegan-\nten Staccati Interesse, noch der Monolog der Lavinia, bei\nwelchem der dramatische Ausdruck zwar gewollt, aber\nfür unser Gefühl verfehlt ist, da weder die Melodie, welche\nganz gewöhnlich ist, noch die figurirte Violin-Begleitung\nmit dem durch chromatische Octavengänge vorbereiteten\n/f/des Orchesters uns zusagt. Die Scene zwischen Lucius\nund Lavinia, abwechselnd Recitativ und gebundene Form,\nkann keine Theilnahme wecken fin musicalischer Rück-\nsicht doch allerdings!] und ist zu lang ausgedehnt 35\nSeiten Partitur. Es scheint überhaupt, als habe der Com-\nnonist sich in diesem Abschnitte des Werkes nicht über\nden Text erheben können oder wollen.\" [?]\nUeber die zweite Abtheilung (oder den vierten Act)\ngehl der Referent ebenfalls ins Einzelne, rühmt die Reci-\ntative des Lucius als sehr würdig gehalten und das Motiv\nseines AUegro vivace als „inspirirt\", eben so mehrere\nStellen in der grossen Arie desselben, während Anderes\nihm weniger zusagt, z. B. die beiden ersten Chöre, der\nSchluss des Duetts zwischen Lucius und Clythia, die Partie\ndes Cornelius u. s. w. Die Scene vor der Katastrophe hält\ner für dramatisch gut gearbeitet, wünscht indessen dem\nauch wirksamen Schlussgesange des Lucius und des Chors\neine der grossartigen Anlage noch mehr entsprechende\nAusarbeitung.\nAlsdann lässt er den Epilog folgen:\n„Nach unserer, für Viele vielleicht zu sehr ins Ein-\nzelne gegangenen Betrachtung müssen wir trotz der Be-\nmerkungen, die wir uns zu machen gedrungen fühlten,\nHiller zu diesem neuen Producte auf dem Gebiete der\ndramatischen Musik Glück wünschen. Mögen diesem Werke\nmehrere folgen, die ohne Zweifel dasselbe noch an Origi-\nnalität der Erfindung übertreffen werden. Wenn wir un-\nser Urtheil über die ganze Oper zusammenfassen, so ist\nes ein Werk, das die höchste Achtung verdient und die\nsichtbarsten Kennzeichen der Meisterschaft über die Form\nund die Instrumentirung an sich trägt; dass es sich durch\nErfindung nicht vorzugsweise auszeichnet, stellen wir zum\ngrossen Theile auf Rechnung des Textbuches, welches\nden Componisten bald zum dramatischen, bald zum orato-\nrischen Stile nöthigt und ihm dadurch eine feste Richtung\nunmöglich macht, in welche er sich dauernd vertiefen und\nsein wahres Selbst darin aufgehen lassen kann. Für seine\nnächste dramatische Composition wollen wir vor Allem\ndem hochgeachteten Meister ein passenderes Libretto wün-\nschen. Obwohl wir in der Regel von der Aufnahme dieses\noder jenes Werkes wenig Wesen machen, so müssen wir\ndavon dieses Mal uns eine Ausnahme gestatten und mit-\ntheilen, dass die Oper mit mehr als gewöhnlichem Beifalle\nbegrüsst und der Componist, der sie selbst dirigirte, unter\nlautem Jubel der Zuhörerschaft (unter welcher sich auch\nMusiker wie Verhülst, Nicolai und Andere befanden) und\nFanfaren des Orchesters nach jedem Acte mit Enthusias-\nmus auf die Bühne gerufen worden.\n„Die Aufführung war sehr zu rühmen, Dank den\nguten Vorstudien unter Leitung des Capellmeisters Levi;\ndem Vernehmen nach hat sie sich auch die Gutheissung\ndes Componisten erworben. Ueberall blickte nicht nur die\ngute Einübung, sondern auch die Theilnahme an der\nSache durch; das Orchester war ausgezeichnet, die Chöre\nsehr verdienstlich und besonders im ersten Acte vor-\ntrefflich.\"\nIn Bezug auf die Leistungen der Träger der beiden\nHaupt-Partieen (Lavinia—Frau Ellinger; Lucius Herr\nEllinger) spricht sich derselbe Bericht sehr lobend aus;\nauch Fräulein Lichtmay als Clythia befriedigte im Ganzen\nund hatte schöne Momente.\nDie zweite und dritte Vorstellung der Oper fanden\nebenfalls vor vollbesetztem Hause Statt und wurden mit\ndemselben Beifalle aufgenommen. Bringen Sie dazu die\nGeschmacksrichtung eines Publicums in Anrechnung, wel-\nches, wie Sie aus den Repertoiren der früheren Jahre,\ndie Ihre Zeitung mitgetheilt hat, wissen, für gute Musik\nso empfänglich ist, dass es z. B. in voriger Saison die\nsechszehnte Aufführung des Fidelio eben so zahlreich be-\nsuchte, als die erste, so wird der Erfolg der „Katakom-\nben\" um so ehrenvoller für den Componisten sein."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-01-09-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-01-09_01#c003", "volume": "bmtnabi_1864-01-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "12", "page_fin": "14", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640109-01.2.3", "titre_corps": "Musicalisches aus Leipzig.", "titre_sommaire": "Musicalisches aus Leipzig.", "signature_source": "Oscar Paul", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640109-01.1.4", "debut_caractere": 4514, "fin_caractere_exclue": 5098, "texte": "Musicalisches aus Leipzig.\nVon Dr. Oscar Paul.\n(Gewandhaus-Concerte Miss Parepa L. Bragsin Clior-\ngesang Sinfonieen von Rein ecke, Volkmann, Jadassohn,\nL. Lübeck Fräulein Decker Fräulein Bettelheim\nu. s. w.)\nUnsere Saison ist zur Hälfte vorüber. Blicken wir\nzurück auf den Reichthum ihrer Schönheiten und gestehen\nwir uns, dass Leipzig immer noch ein würdiges „Thal\nTempe\" ist, in welchem der Musenführer Apollo im Zuge\nvoran die goldene Phorminx trägt und mit seinem herz-\nerfreuenden Saitenspiel die Völker der Hellenen zum Cul-\ntus ruft. Nur Kalliope, die schönstimmige, zeigt sich"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640109-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5474, "texte": "ihm recht häufig mit abgewandtem Antlitz, und erhascht\nder liebedurstige Gott ja einen Blick von ihr, so ist der-\nselbe umflort und mit Thränen umfeuchtet. Sie weilt jetzt\nlieber in der Colonia Agrippina,wo sie mit wunderbarer\nGrazie den Reigen anführt und ihre eigentliche Heimat\nseit den schönen Tagen des alten Griechenlands gefunden\nhat. Sehen wir zu, wie sich hier Apollo tröstet, und er-\nwägen wir sein Saitenspiel. Sein Haupt-Tempel ist hier\ndas Gewandhaus, dieses würdige Odeum mit dem\nSpruche: „Res severa est verum gaudium', wo ein Men-\ndelssohn, Gade, Hiller, Rietz u. s. w. zu seinem Ruhme\ndas Scepter geschwungen und den festen Grund zu seiner\nFortexistenz gelegt haben. Gab es auch in den letztep\nJahren Zeiten, in denen sich beim Apollo-Cultus bedroh-\nliche Differenzen bemerkbar machten, so hat doch gegen-\nwärtig die Liebe zur Kunst selbst alle anderen Leiden-\nschaften verdrängt. Die Führer arbeiten sich mit Lust und\nEifer gegenseitig in die Hände, und jedes Mitglied des Or-\nchesters sucht mit angestrengter Aufmerksamkeit seinen\nTheil zum Gelingen des Ganzen beizutragen. So wurde\nam 9. October der Kunsttempel eröffnet, um sich in sei-\nner classischen Grösse zu zeigen. Dem Programm dieses\nersten Concertes gemäss wurde uns zu Anfange von Seb.\nBach, dem uneingeschränkt deutschen Schöpfer der Poly-\nphonie im modernen Ton-System, ein Concert für Streich-\nInstrumente in G-durvorgeführt, dessen urwüchsige Kraft\nund Fülle, verbunden mit der interessanten, nur Bach\neigenen Rhythmik durch unser ausgezeichnetes, stark be-\nsetztes Streich-Quartett aus der vorzüglichen Schule unse-\nres Concertmeisters Ferd. David so zur Geltung gebracht\nwurde, dass ein allseitiger Applaus das Verständniss des\nPublicums bekundete. Ausser diesem selten gehörten Werke\nkam die {7-wo//-Sinfonie, wohl die geschlossenste aller Sin-\nfonieen von Beethoven, zur Aufführung. Wir haben in\nKöln durch Ferd. Hiller eine andere Auffassung kennen\ngelernt, als sie hier gebräuchlich ist, und bedauern, dass\ndieselbe unserem Orchester bisher unbekannt blieb. Die-\nselbe bezieht sich hauptsächlich auf die zu Anfang stehen-\nden drei Achtel Auftact, welche Ferd. Hiller in einem\netwas schwereren, gewichtigeren Tempo nimmt und erst\ndann im weiteren Fortgange der Sinfonie schnellere Rhyth-\nmen anwendet. Hier wird von vorn an in gleich schnellem\nZeitmaasse gespielt und dadurch natürlich der Deutlich-\nkeit genannter Tonfigur nicht wenig Eintrag gethan. Im\nUebrigen wurde das wundervolle Tonstück mit jener Mei-\nsterschaft executirt, welche unserem Orchester bei Aus-\nführung Beethoven'scher Werke zur anderen Natur gewor-\nden ist. Als Violin-Virtuose zeigte sich mit Viotti's\nConcert Herr Concerlmeister Ferd. David und ärntete\nfür den Wohlklang seines saftigen, markigen Tones und\nseines säubern, goldrein intonirten Passagenspiels als wür-\ndiger Träger der Virtuosität im classischen Stile wieder-\nholten Hervorruf. Als Sängerin lernten wir Fräulein\nEuph rosyne I*arepa aus London in der grossartigen\nArie aus „Judas Maccabäus\" : „0 let etevnal honours\",\nund in der lieblichen Arie aus der „Schöpfung\": „Nun\nbeut die Flur\", kennen. Diese Dame wirkt weniger durch\nFülle des Tones und Wärme des Vortrages, als vielmehr\ndurch ausgezeichnete Schule im Ansetzen, Tragen und\ncolorirten Verbinden der Töne. Ihre Virtuosität, welche\nwir hier schon kennen lernten, bekundete sich noch mehr\nim zweiten Concerte am 16. October, wo sie eine\nzwar an musicalischen Gedanken leere, jedoch zur Entfal-\ntung der Virtuosität sehr geeignete Arie von J. Benedict\n(Text von Chorley) und die D-moll-Arie der Königin der\nNacht sang. Sie führte hier ihre Stimme, wenn auch mit\nkleinen Versehen gegen reine Intonation, bis zum dreige-\nstrichenen f hinauf, ganz in ähnlicher Weise, wie wir es\nvon Frau Lemmens-Sherrington im kölner Gürzenich hör-\nten, mit welcher Miss Farepa in Bezug auf Tonbildung\nund Coloraturfertigkeit überhaupt grosse Aehnlichkeit hat.\nIn diesem Concerte producirte sich ausserdem als Solist\nauf dem Pianoforte Herr Louis Brassin, und zwar nur\ndurch eigene Compositionen, unter denen sich ein Clavier-\nConcert in drei zusammenhangenden Sätzen befand. Wir\nkonnten diesem Concerte keinen rechten Geschmack ab-\ngewinnen, weil es wenig hervorstechende Gedanken und\nzu wenig Stil-Einheit enthält. Anständige Verwerthung\nder InstFiimentalmiltel freuten wir uns, wahrnehmen zu\nkönnen. Als Clavierspieler erschien uns Herr Brassin ganz\nvorzüglich. Er zeigte sowohl in diesem Concerte, als auch\nin zwei Salonstücken seiner Composition edlen Ton von\nmarkiger Fülle, saubere Technik und nuancirten Vortrag,\nso dass wir früheren Urtheilen in der Kölnischen Zeitung\nund in diesen Blättern nur beizustimmen vermögen. Be-\nregtes Concert wurde mit R. bekannter D-\nwelche hier stets durchschlagenden Erfolg\nerzielt, eröffnet und mit der Cantate „Kampf und Siegu\nfür Soli, Chor und Orchester von C. M. v. Weber geschlos-\nsen. Diese Cantate ist bekanntlich eine Gelegenheits-Com-\nposition, in welcher allerlei Volksmelodieen, Signale und\nMärsche bunt zusammengewürfelt sind, wobei natürlich\ndie geschickte Hand des Meisters niemals verkannt werden\ndarf. Sie wurde hier mit specieller Rücksicht auf die Feier\nder Völkerschlacht zur Aufführung gebracht, erzielte je-\ndoch nur spärlichen Applaus.\nEhe wir in unserem Referate fortfahren, müssen wir\neinige Worte über den Chorgesang unseres Gewandhau-\nses einschalten, der uns in genannter Cantate zum ersten\nMale entgegentrat. Wie schon oben angedeutet, stehen"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640109-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1328, "texte": "die Chorgesangs-Leistungen mit den Orchester-Leistungen\nin ungleichem Verhältnisse. Der Grund hiervon ist in den\nFrauenstimmen zu suchen, welche durch mangelhafte\nKlangfülle und öfter auch durch unaufmerksames Ein-\nsetzen unserem Capellmeister die Leitung ausserordentlich\nerschweren und das Ensemble so beeinträchtigen, dass\nauch die durch Mitglieder des Pauliner-Vereins vorzüglich\nvertretenen Männerstimmen nicht in angemessener Weise\nzur Geltung kommen können. Zwar ist nicht zu verken-\nnen, dass der für das Gewandhaus neugebildete Chor,\nvon welchem andere Vereine zum Theil aus Mangel an\nRaum ausgeschlossen bleiben, in dieser Saison bereits er-\nfreuliche Fortschritte erkennen liess; derselbe steht jedoch\nnoch nicht auf der Paraliei-Höhe mit dem Orchester, wie\nsie von Concert-Direction und Publicum beansprucht wird.\nDie weitere Fortbildung des Vereins und Zuziehung fri-\nscher, geschulter Frauenstimmen, welche leider bei uns\nseltener als am Rheine zu finden sind, werden hoffent-\nlich auch in diesem Punkte einen höheren Aufschwung\nermöglichen. Freilich gestatten die Räume des Gewand-\nhauses keine so bedeutende Machtentfaltung, wie wir sie\nim kölner Gürzenich kennen lernten. Doch müsste ein den\nakustischen Verhältnissen entsprechender ausgewählter\nChor immerhin eine mächtige Wirkung erzielen *).\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-01-09-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-01-09_01#c004", "volume": "bmtnabi_1864-01-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "14", "page_fin": "15", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640109-01.2.4", "titre_corps": "Aus Crefeld.", "titre_sommaire": "Aus Crefeld.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640109-01.1.6", "debut_caractere": 1330, "fin_caractere_exclue": 5554, "texte": "Aus Crefeld.\nDen 27. December 1863.\nEinem Berichte über das zweite Abonnements-\nConcert des Singvereins in Crefeld unter Leitung des\nMusik-Directors Herrn Wolff entnehmen wir Folgendes:\nDas Programm (Ouvertüre zur schönen Melusine von\nMendelssohn, „Die Flucht der heiligen Familie\" von Max\nBruch, Arie aus Spohr's „Faust\", Adagio und Rondo\nfür Violine von Molique, „Die Erlen und die Birken\"\nvon M. Bruch, Musik zu „Egroont\" von Beethoven)\nenthielt meist Nummern, welche entweder noch gar nicht\noder doch sehr lange nicht hier zur Aulführung gelangt\nsind. In der Novität: „Die Flucht der heiligen Familie\",\nGedicht von Eichendorff', componirt für Chor und Orche-\nster von M. Bruch, haben wir ein Werk vor uns, welches\nsich eben so sehr durch Ursprünglichkeit und Schönheit\nder Gedanken, als durch Vollendung der Form auszeichnet.\nEs geht ein zarter Hauch poetischer Empfindung durch die\nganze Composition, eine Stimmung, angeregt zunächst\ndurch das feierliche Bild der in Dämmerung versinkenden\nNaturschönheiten, erwärmt durch den mystischen Zauber»\nmit dem die Legende die Pflanzen- und Thierwelt an der\nFlucht der heiligen Familie Theil nehmen lässt, und em-\nporgehoben endlich zur begeisterten Andacht: „0 gebene-\ndeite Zeit!\" Die grosse Wirkung, welche dieser Chor aut\ndie Zuhörer hervorbrachte, ist vor allen Dingen ein Beweis\nfür d ie Wahrheit und Reinheit des Ausdrucks, mit welchem\nder Componist seine Empfindungen wiedergegeben hat,\nschliesst aber noch zwei andere Momente in sich, die, wenn\nsie sich auch dem ersteren unterordnen, doch besondere\nErwähnung verdienen.. Es sind dies die oben bereits ange-\ndeutete Vollendung der Form, und zwar nicht bloss die\nkunstvolle Abrundung des ganzen Baues, sondern auch die\nwirkungsvolle Stimmführung und die charakteristische In-\nstrumentirung, mit Einem Worte: die schöne sinnliche\nKlangwirkung, und dann zweitens die vortreffliche Aul-\nführung des Werkes, welche seine Schönheiten zur vollen\nGeltung brachte. Was wir schon früher einmal an dieser\nStelle bemerkt haben, dürfen wir bei der jetzigen Gele-\ngenheit dreist wiederholen: der hiesige Chor, namentlich\nder Frauenchor, ist den besten der Rheinprovinz beizu-\nzählen, und das ist wahrlich für den Chor wie für seinen\nDirigenten kein geringes Lob. Mit Frische und Correct-\nheit wurde denn auch die Bruch'sche Composition (unter\nLeitung des Componisten) ausgeführt, namentlich brachte\ndie Steigerung vom piano der Stelle: „Und das Kindlein\nhob die Hand\", bis zum forte(o gebenedeite Zeit) eine\nhinreissende Wirkung hervor.\n„Die Birken und die Erlen\" haben wir bereits bei\neiner früheren Veranlassung besprochen; wir beschränken\nuns daher für jetzt lediglich auf die Beurtheilung der Aus-\nführung dieser schönen Composition. Die Schwierigkeiten\nsind in diesem Musikstücke ungleich grösser, als in dem\nvorher erwähnten, doch wurden sie in anerkennenswerther\nWeise überwunden. Die Gesammtwirkung war auch hier\n\n*) Beiläufig sei bemerkt, dass die „Allgemeine Musicalische Zei-\ntung\" in Nr. 44 im Interesse des Publicums den Bau eines neuen,\ngrossen Concertsaales anregt. Ein solcher Bau ist auch unserer An-\nsicht nach sehr wünschenswert!]. Doch können wir den in genann-\ntem Blatte unter anderen angeführten Grund nicht gelten lassen,\ndass ein Neubau auch desswegen ins Werk gesetzt werden müsse,\nweil die neueren Oratorien, sogar Mendelssohn's „Paulus\" und\n„Elias\", ihrer „dramatischen Färbung\" wegen nicht in die Kirche,\nsondern ausschliesslich in den Concertsaal gehörten, und man sich\nin der Kirche des „Beifalls\" enthalten müsse, eines Gefühls, dem\nman doch so gern Ausdruck gebe; denn „wie beengend\", heisst es\ndort, „ist das bei Werken wie die letztgenannten („Paulus\" und\n„Elias:'), wie unnatürlich, dass man seinen durch den gewaltigen\nRhythmus dramatisch gehaltener Chöre gesteigerten Empfindungen\nnicht Luft machen kann und darf!\" Sind denn Händegeklatsch\nund Bravogeschrei nothwendige Zeichen der „Empfindung\"? Sie\nsind unserer Ansicht nach im Concertsaale nur ein den ausführen-\nden Künstlern gezollter Tribut, auf welchen dieselben in der Kirche\ngern verzichten; und wo soll man denn in kleineren Städten diese\nherrlichen Werke zur Aufführung bringen, wenn sie in der Kirche\nkeine Berechtigung haben sollen?"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640109-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1438, "texte": "eine durchgreifende und brachte dem Componisten Her-\nvorruf von Seiten des Publicums und der Ausführen-\nden ein.\nGesang- und Instrumental-Solo waren diesmal von\nzwei Kräften vertreten, welche unserem eigenen Boden\no\nentsprossen sind. Fräulein Marie Büschgens hat sich\nnicht bloss in ihrer Vaterstadt, sondern auch auswärts\neinen geachteten Künstlernamen erworben. Ihre Stimme\nist namentlich in den höheren Registern von einer wohl-\nthuenden Frische, und die Ausbildung derselben hat be-\nreits einen sehr achtungswerthen Grad der Vollendung\nerreicht, so dass gegen früher noch erhebliche Fortschritte\nin ihren Leistungen zu bemerken waren. Dieses bekundete\nsich namentlich in der reicheren Modulation der Stimme.\nDer Vortrag der schwierigen Arie von Spohr wurde vom\nPublicum mit grossem Beifalle aufgenommen.\nIn dem Adagio und Rondo des Molique'schen Violin-\nConcertes halten wir Gelegenheit, uns von den erfreuli-\nchen Fortschritten des jungen, begabten Sohnes unseres\nverehrten Musik-Directors zu überzeugen. Vor seinem Ein-\ntritte in die kölner Musikschule hörten wir ihn in einem\nöffentlichen Vortrage, der F-dur-Romanze von Beethoven;\njetzt nach ein- bis zweijährigem Unterricht bei dem be-\nwährten Meister seines Instrumentes, von Königslöw, sind\ndie schon damals unverkennbaren Merkmale der Bega-\nbung mit einer Entschiedenheit an den Tag getreten, dass\nwir dem strebsamen Kunstjünger eine schöne Zukunft in\nAussicht stellen können."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-01-09-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-01-09_01#c005", "volume": "bmtnabi_1864-01-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "15", "page_fin": "15", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640109-01.2.5", "titre_corps": "Roderich Benedix", "titre_sommaire": "Roderich Benedix", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640109-01.1.7", "debut_caractere": 1440, "fin_caractere_exclue": 4600, "texte": "Roderich Benedix\n*).\nDer erste dramatische Versuch von R. Benedix, wel-\ncher die aufopfernde That der Johanna Sebus zum Ge-\ngenstande hatte, soll im jähre 1834 aufgeführt und auch\ngedruckt-worden sein, ist uns aber nie zu Gesicht gekom-\nmen; auch hat ihn Benedix nicht in die Ausgabe seiner\ndramatischen Werke (16 Bände, bei J. J. Weber in\nLeipzig) aufgenommen.\nIn dem folgenden Verzeichnisse sind nach dem Vor-\ngange von Held's „Theatralia\" die gesperrt gedruckten\nStücke diejenigen, welche auf allen Bühnen mit grossem\nErfolg gegeben wurden und grösstentheils noch gegeben\nwerden; die mit einem Sternchen (*) bezeichneten haben\nebenfalls Erfolg gehabt, ohne jedoch so genannte Cassen-\nstücke zu werden.\n1835. Die Männerfeindinnen. 1838. Das be-\nmooste Haupt. DieSclaven.— 1839. Die Sonntagsjäger.\n1840. 'Die Mode. —lB4l. Dr. Wespe. —1843. Der\nWeiberfeind. Der Steckbrief. Der Liebestrank. Der\nalte Magister.— 1844.Unerschütterlich.—1845.*Der\nRuf. 1846. Entsagung. Der Vetter. 1847. 'Die\nBanditen. Eigensinn.— 1848. *Die Sündenböcke. Der\nFrocess. Die Lügnerin. Die Pensionärin. 1849. Der\nKaufmann. Die Hochzeitsreise. 1850. Die Ei-\nfersüchtigen. Der Liebesbrief. Walter's Irrfahrten.\n1851. Die Künstlerin. 'Angela. Das Gefängniss.—\n1852. Der Sä nger. *Die Phrenologen. Das Lügen. Ma-\nthilde.— 1853. Ein Lustspiel. Paula. Die Dienst-\nboten. Die Herrschaft.— 1854. *Das Concert. *Die alte\nJungfer. 1855. *Auf dem Lande. Die Gesellschafterin.—\n1857. *Die Schuldbewussten. 1859. 'Ohne Pass. *Jun-\nker Otto. *Die Stiefmutter. 1860. 'Nein. Das Dienst-\nmädchen. Die Grossmutter. Die Pasquillanten. Eine Fuchs-\nhetze. Der Teufel und der Schneider. —lB6l. Das Gold-\nteufelchen. Der Blaubart. Der Störenfried. \"Die Cri-\nnolinen-Verschwörung. Brandenburgischer Landsturm.—\n1862. *Die Fremden. 'Gegenüber. Der Phlegmaticus. Die\nPrüfung. Der Mädchen Waffen. 'Günstige Vorzeichen. Die\nVerlobung. —1863. Sammelwuth. Die Pflegetöchter. Der\nDritte. Auf dem Heiralhs-Bureau. Vater und Tochter.\nAusser diesen dramatischen Werken hat Benedix noch\neine Anzahl grösserer und kleinerer Erzählungen geschrie-\nben, ferner die interessanten „Bilder aus dem Schauspie-\nlerleben\", Leipzig, bei Grunow, und wissenschaftliche\nWerke über die Betonung der Sprache. Das erste erschien\n1850 in Köln bei M. DuMorit-Schauberg unter dem Titel:\n„Die Lehre vom mündlichen Vortrage\", in einem Bande.\nAusgearbeiteter und mit vielen Beispielen versehen, er-\nschien dann „Der mündliche Vortrag\" in drei Bänden bei\nJ. J. Weber in Leipzig. Dazu gehört ferner eine kleinere\nBroschüre: „Das Wesen des deutschen Rhythmus\", Leip-\nzig, bei Hartknoch.\n*) Bei dem am 18. Januar bevorstehenden fünfundzwanzigjähri-\ngen Jubiläum von Roderich Benedix als dramatischem Dichter\ntheilen wir das Verzeicliniss seiner Stücke mit, wozu uns die Theil-\nnahme der zahlreichen Freunde an diesem Ereignisse, welche er\nsich in Köln bei seinem langjährigen Aufenthalte durch sein frucht-\nbares schriftstellerisches Talent und seinen biederen Charakter er-\nworben hat, auch ausser der Anerkennung seiner grossen Verdienste\num das deutsche Lustspiel und unserer persönlichen Hochachtung,\nnoch besonders auffordert. Die Redaction."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-01-09-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-01-09_01#c006", "volume": "bmtnabi_1864-01-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "15", "page_fin": "16", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640109-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640109-01.1.7", "debut_caractere": 4602, "fin_caractere_exclue": 5126, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln, 8. Januar. Gestern gab Frau Clara Schumann eiue\nsehr zahlreich besuchte Soiree im Hotel Disch. Dieselbe wurde\ndurch den Vortrag der Sonate in D-moll von R. Schumann für\nPianoforte und Violine durch Frau Schumann und Herrn von\nKönigslöw eröffnet, welche vortrefflich gespielt wurde und in den\nbeiden Mittelsätzen auch sehr ansprach, während der erste Satz es\nhöchstens erklärlich macht, dass die Anhänger Schumann's daran\nGefallen finden,\" das Finale aber kaum irgendwie dazu berechtigt."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640109-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3739, "texte": "Allein trug die eminente Künstlerin vor : Beethovens Variationen\nin C-moll, Op. 36, die köstlichen Deux Moments musicals, Op. I*4,\nvon F. Schubert, das reizende „Des Abends\" von R. Schumann\nund das Impromptu mit dem melodiösen Zwischensatze von Cho-\npin alles mit bekannter Virtuosität. Den meisten Effect machte\naber entschieden Mozart's prächtige Sonate in D-dur für zwei\nPianoforte, gespielt durch die Concertgeberin und Herrn Capellmei-\nster Hill er; der letzte Satz versetzte das Publicum in wahre Be-\ngeisterung. Ein Fräulein Josephine Daberkow aus Düsseldorf\ntrug einige Lieder von R. Schumann mit einer kleinen, lieblichen\nSalonstimme im Ganzen gut vor, konnte aber dem Ausdruck, den\nHaydn's Arie: „Nun beut die Flur das frische Grün\", verlangt, we-\nder durch Auffassung noch technischen Vortrag genügen.\n** llarnieil. Die letzten Wochen des vorigen Jahres brach-\nten hier noch drei musicalische Abende. Am 15. December gab die\nLiedertafel ein patriotisches Concert für Schleswig-Öolstein, be-\nstehend aus Männergesängen, den Ausführungen von Ouvertüren\n(„Zauberflöte\", „Oberon\", „Heimkehr aus der Fremde\") und dem\ntrefflichen Vortrage eines Clavier-Concertes von Field (in Es-dur)\nund eines Präludiums, Menuett und Toccata von und durch A.\nKrause. Am 19. December gaben die Gebrüder Franz und Isi-\ndor Seiss eine Soiree, worin sie nur classische Musik vortrugen,\nHerr Franz Seiss ein Adagio für die Violine von Spohr, die Va-\nriationen von Ernst über ungarische Lieder, Herr Isidor Seiss die\n33 Variationen (C-moll) von Beethoven, die Polonaise in Es-dur\nvon Chopin, und mit seinem Bruder die Sonate in A-moll für\nPianoforte und Violine von Schumann. Den Schluss machte am\n3U. December das dritte Abonnements-Concert unter Leitung\ndes Herrn Musik-Directors A. Krause. Das schöne Programm\nbrachte Schumann1 s Ouvertüre, Scherzo nnd Finale, desselben\n„Zigeunerleben\", instrumentirt von Grädener, einige Lieder am Cia-\nvier („Belsazar\" von Schumann, „Lindenbaum\" und „Normannssang\"\nvon Schubert durch Herrn Karl Hill; „Liebesbotschaft\" und „Er-\nstarrung\" durch Herrn Th. Göbbels) und Mendelssohn's „Die\nerste Walpurgisnacht\". Sowohl die vortrefflichen Lieder-Vorträge,\nals die sämmtlichen Chor- und Orchestersachen hatten sich des leb-\nhaftesten Beifalls zu erfreuen. Der Schluss der Walpurgisnacht ver-\nsetzte aber vollends das Publicum in eine so gehobene Stimmung,\nwie sie wohl nur selten in einem Concertsaale erlebt worden ist.\nDie bedeutungsvollen Worte Goethe's: „Du kannst zwar heut und\nmanche Zeit dem Feinde viel erlauben\", und: „Dein\nLicht, wer will es rauben?\" —mit der herrlichen Stimme und\nerhöhtem Gefühl von Karl Hill gesungen und mit voller Pracht vom\nChor mit Orchester wiederholt, regten die Zuhörer zu einer solchen\nBegeisterung auf, dass der ganze Schlusssatz stürmisch da capo ver-\nlangt wurde und wiederholt werden musste.\nDem Orgelbauer Herrn Karl Buckow in Schlesien ist von\nSr. k. k. Majestät dem Kaiser von Oesterreich „in Würdigung sei-\nner bisherigen hervorragenden Leistungen im Orgelbaufache der\nTitel eines k. k. Hof-Orgelbaumeisters\" verliehen worden, eine Aus-\nzeichnung, welche die erste dieser Art ist.\nBrüssel. Tonkundigen sei ein Liederheft von Ferdinand\nKufferath bestens empfohlen, welches so eben unter dem Titel\n„Drei Gesänge\" (Op. 17, Mainz, bei Schott's Söhnen) in zweiter\nAuflage erschienen ist. Die „Drei Gesänge\", namentlich die ergrei-\nfende Composition des Liedes: „Wenn zwei von einander scheiden\",\ngehören zu den schönsten der deutschen Liederdichtung. Ferdinand\nKufferath ist derselbe Licblingsschüler Mendelssohn's, welcher seit\nlangen Jahren in Brüssel als Componist und Pianist des Königs\nLeopold eine eben so rastlose wie bescheidene Thätigkeit für deut-\nsche Kunst entwickelt."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640109-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nAus Rotterdam (Die deutsche Oper. F. Hiller's „Katakomben\"). Musicalisches aus Leipzig. Von Dr. Oscar Paul.\n(Gewandhaus-Concerte Miss Parepa L. Brassin Chorgesang Sinfonieen von Reinecke, Volkmann, Jadassohn. L. Lübeck\nFräulein Decker Fräulein Bettelheim u. s. w.) Aus Crefeld (Zweites Abonnements-Concert). Roderich Benedix (Jubiläum).\nTages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Soiree von Frau Clara Schumann Barmen, Musik-Aufführungen Brüssel^.\n\nAus Rotterdam.\n(Die deutsche Oper. F. Hiller's „Katakomben\".)\n(Schluss. S. Nr. 1.)\nEin Hauptereigniss der Saison war die Aufführung\nder Oper „Die Katakomben\" von M. Hartmann, Musik\nvon Ferdinand Hiiler. Da Sie dieses Werk selbst ken-\nnen und bereits Berichte über mehrere Aufführungen in\nDeutschland mitgetheilt haben, so dürfte es Ihren Lesern\ninteressant sein, die Ansicht der ausländischen Kritik über\ndie erste Erscheinung der Oper auf einer fremden Bühne\nkennen zu lernen. Ich halte desshalb mein eigenes Urtheil\nzurück und lasse statt meiner den kundigen Referenten\nder Caeciliasprechen, der allgemeinen musicalischen Zeit-\nschrift für Holland, welche seit dem Tode des früheren\nHerausgebers, Dr. Kist in Utrecht, in den Verlag von\nJ. van Baalen hierselbst übergegangen ist und sich einer\ntüchtigen Redaction und eines erneuten Aufschwungs\nerfreut.\n„Die Ankündigung einer hier noch unbekannten Oper\neines der berühmtesten deutschen Tonkünstler, der auch\nbei uns durch seine Werke, namentlich durch die Ora-\ntorien, kein Fremdling ist, hatte allgemeines Interesse er-\nregt; die Nachricht, dass Ferdinand Hiller selbst die Lei-\ntung der letzten Hauptprobe und der ersten Aufführung\nseines Werkes übernommen, steigerte dasselbe und gab\ndabei Vielen die deutliche Ueberzeugung, dass Rotterdam\nbinnen wenigen Jahren eine ehrenvolle Stelle auf dem Ge-\nbiete der dramatischen Musik errungen hat. Weder Mühen\nnoch Kosten wurden gespart, viele Proben gehalten, neue\nCostüme und Decorationen angefertigt, um dem Werke\neine würdige Ausführung zu sichern, und der Erfolg hat\ndie Mühe reichlich belohnt. Die erste Vorstellung (den 19.\nDecember v. J.) war von einem zahlreichen und gewähl-\nten Publicum besucht: sie war in vielen Beziehungen\nwahrhaft schön und erhielt glänzenden Beifall. Gar Vieles\nfordert uns zu einer ausführlichen Besprechung auf.\n„Das Buch von M. Hartmann hat die unverkennbare\nTendenz, den Glauben an die historischen Ueberlieferun-\ngen des neuen Testamentes zu befestigen und die Bewun-\nderung, die man den ersten, Gut und Blut aufopfernden\nGläubigen und Anhängern der neuen Lehre zollen muss,\nin Erinnerung zu bringen. Eine sonderbare Erscheinung\nallerdings, dass in einer Zeit, wo zuweilen von der Kanzel\ndie Saat für Zweifel und Unglauben an geschichtliche\nTraditionen ausgestreut wird, die Bühne, obwohl gröss-\ntentheils durch sinnliche Mittel, der Festigung des Glau-\nbens, den wir mit der Muttermilch eingesogen, dienstbar\ngemacht wird! Solch einen Zweck aber mit den Forde-\nrungen der Dramatik zu vereinigen, ist sehr schwer, und\nder Dichter hat denn auch in Bezug auf diese das Ziel\nnicht getroffen. Von Handlung ist zu wenig vorhanden,\nder Dialog ist zu trocken, die Situationen sind gesucht\nund zu selten in die blühenden Formen einer phantasti-\nschen Poesie gekleidet. Dagegen ist die Sprache oft flies-\nsend in den Versen und die Gedanken fromm, rein und\nfür die vom Dichter beabsichtigte Charakterschilderung\ngeeignet.\n„Der erste Act versetzt uns in die Säle der Lavinia,\neiner vornehmen Römerin, wo ein Fest gefeiert wird.\nAlle jubeln, nur sie ist ernst und in sich gekehrt. Der\nPräfect Claudius, ihr Anbeter, fordert die ionische Sän-\ngerin Clythia auf, ein Lied zu singen; Lucius, ein Sclave\nder Lavinia, heimlicher Christ und Haupt der Gemeinde,\nwarnt diese, die ebenfalls Christin ist, heidnische Lieder zu\nsingen. Clythia singt zur Leier auf dem heidnischen Feste\ndie Geschichte von der reumüthigen Büsserin aus dem\nEvangelium Luc. 7. 37 u. s. w.! Claudius verspottet das\nHistörchen und ruft Tod und Verderben über die neue\nSecte, die den alten Göttern Untergang droht. Lavinia\nbeklagt ihren eigenen Zustand als einen tief elenden. Plötz-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640109-01.1.2", "texte": "lich entsteht ein Tumult, der Nazarener Timotheus wird\nvom Volke verfolgt, von Lavinia und einem Senator Cor-\nnelius, der sich auch heimlich der neuen Lehre ange-\nschlossen, in Schutz genommen.\n„In diesem ganzen Acte zeigt der Componist deutlich\ndas Streben, den Gegensatz zwischen dem heidnischen\nund christlichen Elemente so stark als möglich auszu-\ndrücken, und das ist ihm, besonders durch seine Meister-\nschaft über die Form, vollkommen geglückt. An die Stelle\neiner Ouvertüre ist, nach der jetzt mehr und mehr über-\nhand nehmenden Methode, eine kurze Einleitung getreten.\nSogleich leuchtet das genannte Streben hervor: die Ein-\nleitung besteht aus einigen in älterem strengen Rhythmus\ngeschriebenen psalmodischen lacten, erst unisono durch\ndie Blas instrumente, dann choralmässig mit Zuziehung\ndes Geigen-Quartetts wiederholt, und einem darauf fol-\ngenden wüsten Allegro, das sich durch verschiedene Ton-\narten (von E-moll nach Cis-moll)steigert. Sie führt zu\ndem Jubelchor der ersten Scene, dessen Anfang durch die\nMännerstimmen frisch und charakteristisch ist. Die vorher-\ngehende Violin-Figur, die am Schlüsse in erhöhter Tonart\nwiederkehrt, ist, obwohl mit dem Stil übereinkommend, zu\nalltäglich, wie denn auch die Anwendung des Piccolo bei den\nWorten: „ „mit Epheu bekränzt\" *, hart und unnöthig er-\nscheint. Sopran und Alt treten ein und besingen in an-\nmuthig melodischer Weise die Göttin der Liebe. Schade,\ndass diese wohltönenden Weisen durch den Schluss („„ist\ndie Liebe und ist der Kuss\"\") verunziert werden, der doch\ngar zu gewöhnlich ist. Frauen- und Männerstimmen ver-\neinigen sich und die erneute Anwendung des ersten Mo-\ntivs ist geschmack- und effectvoll.\n„Die Partie des Claudius (Bariton) ist hier in der Form\neines Recitativs in Tact geschrieben; Stil und Form wett-\neifern darin um den Preis. Der Text bietet hier, wie an\nvielen folgenden Stellen, eigenthümliche Schwierigkeiten\ndar, durch welche sich Hiller mit Geschick und Talent\nhindurch windet; aber warum hat er solche Stellen nicht\nlieber gestrichen? Die vier Tacte des Geigen-\nQuartetts vor der schönen Erzählung der Clythia sind dem\nStil derselben entgegen und durch italiänische Unbedeu-\ntendheit anstössig. Die Ballade selbst ist, ohne frappant zu\nsein, gut gemacht, und bei den Worten: „ „ Bin der Gott\" ,\ntritt ein herrlicher musicalischer Gedanke hauptsächlich\nmit Flöte und kleiner Harmonie begleitet—ein, der einen\nunbeschreiblich wohlthuenden Eindruck macht. Das fol-\ngende Recitativ und Allegro c von Claudius, meist\nunisono mit der ersten Violine und später der Oboe, und\ndie darin vorkommende Steigung von\nsind zu gewöhnlich, um in solch einer Partitur einen Platz\nzu verdienen. Die Scene zwischen Claudius und Lavinia\nist voll Schönheiten in den Gedanken und der Instrumen-\ntirung (nicht überall Hiller), und der in ein Duett aus-\ngehende Schluss macht grosse Wirkung. Der darauf ein-\ntretende Chor und die ganze Scene der Verfolgung des\nNazareners sind der Erfindung beinahe bar. Die Situation\nist eine von den wenigen, die zur Entfaltung dramatischen\nTalentes Gelegenheit bieten; wir hatlen viel davon erwar-\ntet und fühlten uns getäuscht, die Scene ist malt und\nselbst der Eintritt des Cornelius (Bass), der von grosser\nWirkung hätte sein müssen, lässt Farbe, und Bedeutung\nvermissen. Aber das nachfolgende Sextett mit seiner fei-\nnen Instrumentirung, obwohl nicht mehr in dem Stile\ndes Ganzen, sondern auf gute italiänische Weise, klingt be-\nzaubernd schön und macht einen tiefen Eindruck. Der\nherrliche Eintritt der beiden Tenöre mit dem Bass ist ein\nedles Motiv, und die ganze Durchführung ihrer Partieen,\ndenen sich später auch Clythia anschliesst, bildet einen\nscharfen Gegensatz gegen den wilden Charakter der übri-\ngen, stellt den milden Geist des Christenthums auf rüh-\nrende und ergreifende Weise in den Vordergrund und ist\nmit grossem Talente geschrieben. Die Schluss-Scene mit\nChor macht, obwohl musicalisch ohne hervortretendes In-\nteresse, grossen Effect.\"\n[Hier folgt die Angabe des Inhalts des zweiten Actes\nnach dem Textbuche*)]. Wenn wir auf den Mangel an\nHandlung in diesem Acte aufmerksam machen, die wenig\nzusammenhängenden Aeusserungen der Heidin, die Worte\ndes die Lehre verkündenden Lucius genau betrachten und\nauf die häufig platte Sprache und die Verse ohne Gedan-\nken hinweisen, so kann man sich eine Vorstellung von den\nSchwierigkeiten machen, welche der Componist zu über-\nwinden hatte, um in Tönen auszudrücken, was der Dichter\nin Worten und Zuständen nicht auszudrücken vermochte.\nUnd doch bietet dieser Act verschiedene Momente von\nhinreissender Macht dar. Man verdankt dies grösstenteils\nder Anwendung von Mitteln, die man bei Hiller nicht er-\nwarten konnte und die er gewiss in Anderm streng ver-\nschmäht haben würde. [?] Die Einleitung, während wel-\ncher die Christen durch die Katakomben ziehen, ist ein\nschöner, vierstimmiger Choral von Saiten-Instrumenten mit\nZwischenspiel der kleinen Harmonie; die ersten\ndini machen einen tiefen Eindruck, den nachher die Achtel\nder Blas-Instrumenle schwächen. Lucius' Gebet: „„Wie\nlange noch\"\", ist ein Effectstück in gewöhnlicher Form;\nder stets gleiche Rhythmus scheint uns für den Text un-\npassend und die Triolen-Begleitung in den Streich-Instru-\nmenten und die dazutretende Harmonie schwach und leer.\nDennoch wiederholen wir, dass es, von einem Tenor ge-\n\n*) Vergl. Niederrli. Musik-Zeitung, 1862, Nr. 8."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640109-01.1.3", "texte": "sungen, der den erforderlichen Stimmklang dazu besitzt,\nstets grosse Wirkung machen wird.\n„Die folgendeScene zwischen Clythia und Lucius und\nihr Duett sind monoton, hier und da gesucht und lassen\nmehr Originalität wünschen. Der Anfang des Allegro ani-\nmato zeigt sogleich, dass man nicht viel zu erwarten hat;\neine gewöhnliche, oft wiederholte Figur und die Accord-\nfolge auf „ „Zum Himmel nur\"\" u.s.w. können vor stren-\ngem Gerichte nicht bestehen. So gut und eigenthümlich\nder Abschied der Clythia von ihrer Leyer behandelt ist,\nso ist der Gesang doch zu lang und eintönig, um Eindruck\nzu machen. Die Figur der Violinen, welche wir können\nkeinen andern Grund dafür finden die Ankunft der La-\nvinia ankündigen soll, ist an sich und durch die mehrma-\nlige Wiederholung in Flöte und Fagott unangenehm. Das\nfolgende Recitativ der Lavinia ist frisch und grossartig,\nwiewohl am Schlüsse mehrere sehr gesuchte und bizarre,\nnicht angenehm klingende Modulationen vorkommen. Der\nAuferstehungs-Chor hinter der Scene, ohne Begleitung\nim Unisono, in der so genannten griechischen Tonart, ist\nvon grosser Wirkung, nur dass die Schluss-Tacte: „„Er\nist auferstanden\"den Eindruck schwächen. In einem Al-\nlegro agiiatodrückt darauf Laviniadas ahnungsvolle, un-\nbestimmte Gefühl aus, das sie beherrscht ein Meister-\nstück in Erfindung und Composition, trefflich im Stil und\nvollkommen entsprechend der Situation und dem Charak-\nter. Das Halleluja hinter der Scene erhöht den Eindruck,\nnur ist es schade, dass die eben getadelte Figur sich wie-\nderholt, wogegen das: „Er ist auferstanden\" der Lavinia\netwas unbeschreiblich Hinreissendes hat und an dieser\nStelle sehr charakteristisch ist. In dieser ganzen Scene er-\nkennt man die Hand des grossen Meisters, des um so\ngrösseren, da der Text wenig Anregung zur Begeisterung\ngibt*).\n„Unter einem eindrucksvollen kirchlichen Gesänge wird\ndie Leiche des Timotheus über die Bühne getragen. Zu\nden Worten des Lucius scheint uns die anhaltende Triolen-\nBewegung nicht ganz passend zu sein. Mit dem Ausrufe:\n„ „Ich bin nicht von den Deinen!\"\" gibt sich Lavinia zu er-\nkennen. Hier hätten wir gern gesehen, dass der Sängerin\nmehr Freiheit für den Vortrag dieser Worte gegeben\nworden wäre, indem jetzt bei dem schnellen Tempo im\nTacte ihr Wort fast unbemerkt vorübergeht. Die hierauf\nfolgende Scene mit Chor ist voll Wärme und Gluth und\nregt in jedem Tacte die Theilnahme an. Meisterlich ist\ndie Phrase des Lucius: „„Doch einem Höhern dien' ich\nhier\"\". Dagegen ist das Andante (VrTact), worin Lavinia\nausdrückt, was in ihr vorgeht, arm an Gedanken und ge-\nsucht, die beinahe chromatischen Gänge auf abgebroche-\nnen Achteln und eine schwache, leere Begleitung machen\ndiese Nummer wirkungslos. Aber die acht ersten Tacte\ndes darauf folgenden Allegro's der Lavinia: „ „Dann ist er\nGott\"\", sind eindrucksvoll; auch der Chor: „ „Hört die Sün-\nderin\" \",der von den Bässen und Tenörenpiano eingesetzt,\nsich nach und nach zum ff steigert, ist schön und effect-\nvoll. In der musicalischen Behandlung des darauf folgen-\nden dürren Dialogs zwischen Lucius und Lavinia, worin\nAusdrücke vorkommen, wie: „„Den Leib als ein Gefäss\nder Lust musst du zerbrechen\"\", ist es dem Componisten\ndennoch geglückt, einiges Leben zu bringen, und das\nAllegro appassionato der Lavinia: „„Ohnmächtig ist dein\nGott\"\", mitdem Chor: „ „Sie lästert\"\", bildet ein echt dra-\nmatisches Gemälde, das durch Leben und Wahrheit der\nSchilderung ergreift. Die folgende Scene, wo Lucius\nschützend zwischen die Römerin und die Christenschar\ntritt, ist schwächer; auffallend ist bei Hiller eine Instru-\nmentirung wie die zu Lucius' Erinnerung an das Gebot\nder Liebe. Lavinia's „ „Nicht vor ihrem Grimme\"\" und der\nChor: „ „Weh' uns\"\", sind, so einfach sie auch scheinen,\neben so schön erfunden als gearbeitet, nur wünschten wir\nnach dem vierstimmigen Dolcissimeinen anderen Schluss,\nals die paar Tacte mit Posaunen und Trompeten. Daran\nschliesst sich das Gebet um Bekehrung der Sünderin, das\nvon Lucius begeistert vorgetragen und vom ganzen Chor\nwiederholt wird. Dieses Stück ist von unbeschreiblicher\nWirkung; obwohl den kirchlichen Stil der ursprünglichen\nAnlage des Werkes verlassend, hat es eine hinreissende\nFrische des Colorits und eine melodiöse Färbung, welche\ndas Ohr um so mehr entzückt, je länger es dergleichen\neinschmeichelnde Weisen entbehrt hat; dabei ist das Stück\nvoll Kraft und die Instrumentirung reich und mit der fein-\nsten Berechnung und Kenntniss angewandt. Es ist ein\nGlanzpunkt der Oper und kann nicht verfehlen, überall\ndie Zuhörer in Begeisterung zu bringen.\n„Der dritte Act wurde hier in zwei Abtheilungen ge-\ngeben. [Der Text der ersten Abtheilung— Clythia's Ver-\nschmähung aller Geschenke der Gebieterin, Lavinia's Lie-\nbeserklärung an Lucius, den sie frei gelassen hat, ihre\nEifersucht und Rachelust erfährt scharfen Tadel, „so-\nwohl in Bezug auf die Charakterzeichnung der Römerin,\ndie bis dahin doch immer noch nobel, jetzt tief herabsinkt,\nals auf die Handlung und den Ausdruck\". Wir können\nihm nicht widersprechen.]\n„Ein dreistimmiger Frauenchor wird von den Sclavin-\nnen der Lavinia, während sie die Herrin für den Einzug\n\n*) Wenn wir auch in vielen anderen vom Verfasser bemerkten\nMängeln des Textes mit ihm übereinstimmen, so thut er doch in\nBezug auf diesen Theil des zweiten Actes dem Dichter Unrecht,\nder ja doch jene ergreifende Situation, welche auch der Verfasser\nanerkennt, geschaffen hat. Die Redaction.\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640109-01.1.4", "texte": "des Kaisers schmücken, gesungen; er ist frisch und leben-\ndig; das Zusammengehen des ersten Soprans mit der er-\nsten Violine und obenein noch mit der ersten Flöte klingt\nzu singspielartig, wogegen die Violin-Figur vom 27. Tacle\nan, die später mit vielem Talente festgehalten und durch-\ngeführt wird, mit Hinzutreten der Flöte dem Gesänge ge-\ngenüber eine allerliebste Wirkung macht. Weder das\nQuasi-Recitativ in dem Zwiegespräche von Lavinia und\nClythia erregt trotz eines schönen Violin-Solo's mit elegan-\nten Staccati Interesse, noch der Monolog der Lavinia, bei\nwelchem der dramatische Ausdruck zwar gewollt, aber\nfür unser Gefühl verfehlt ist, da weder die Melodie, welche\nganz gewöhnlich ist, noch die figurirte Violin-Begleitung\nmit dem durch chromatische Octavengänge vorbereiteten\n/f/des Orchesters uns zusagt. Die Scene zwischen Lucius\nund Lavinia, abwechselnd Recitativ und gebundene Form,\nkann keine Theilnahme wecken fin musicalischer Rück-\nsicht doch allerdings!] und ist zu lang ausgedehnt 35\nSeiten Partitur. Es scheint überhaupt, als habe der Com-\nnonist sich in diesem Abschnitte des Werkes nicht über\nden Text erheben können oder wollen.\" [?]\nUeber die zweite Abtheilung (oder den vierten Act)\ngehl der Referent ebenfalls ins Einzelne, rühmt die Reci-\ntative des Lucius als sehr würdig gehalten und das Motiv\nseines AUegro vivace als „inspirirt\", eben so mehrere\nStellen in der grossen Arie desselben, während Anderes\nihm weniger zusagt, z. B. die beiden ersten Chöre, der\nSchluss des Duetts zwischen Lucius und Clythia, die Partie\ndes Cornelius u. s. w. Die Scene vor der Katastrophe hält\ner für dramatisch gut gearbeitet, wünscht indessen dem\nauch wirksamen Schlussgesange des Lucius und des Chors\neine der grossartigen Anlage noch mehr entsprechende\nAusarbeitung.\nAlsdann lässt er den Epilog folgen:\n„Nach unserer, für Viele vielleicht zu sehr ins Ein-\nzelne gegangenen Betrachtung müssen wir trotz der Be-\nmerkungen, die wir uns zu machen gedrungen fühlten,\nHiller zu diesem neuen Producte auf dem Gebiete der\ndramatischen Musik Glück wünschen. Mögen diesem Werke\nmehrere folgen, die ohne Zweifel dasselbe noch an Origi-\nnalität der Erfindung übertreffen werden. Wenn wir un-\nser Urtheil über die ganze Oper zusammenfassen, so ist\nes ein Werk, das die höchste Achtung verdient und die\nsichtbarsten Kennzeichen der Meisterschaft über die Form\nund die Instrumentirung an sich trägt; dass es sich durch\nErfindung nicht vorzugsweise auszeichnet, stellen wir zum\ngrossen Theile auf Rechnung des Textbuches, welches\nden Componisten bald zum dramatischen, bald zum orato-\nrischen Stile nöthigt und ihm dadurch eine feste Richtung\nunmöglich macht, in welche er sich dauernd vertiefen und\nsein wahres Selbst darin aufgehen lassen kann. Für seine\nnächste dramatische Composition wollen wir vor Allem\ndem hochgeachteten Meister ein passenderes Libretto wün-\nschen. Obwohl wir in der Regel von der Aufnahme dieses\noder jenes Werkes wenig Wesen machen, so müssen wir\ndavon dieses Mal uns eine Ausnahme gestatten und mit-\ntheilen, dass die Oper mit mehr als gewöhnlichem Beifalle\nbegrüsst und der Componist, der sie selbst dirigirte, unter\nlautem Jubel der Zuhörerschaft (unter welcher sich auch\nMusiker wie Verhülst, Nicolai und Andere befanden) und\nFanfaren des Orchesters nach jedem Acte mit Enthusias-\nmus auf die Bühne gerufen worden.\n„Die Aufführung war sehr zu rühmen, Dank den\nguten Vorstudien unter Leitung des Capellmeisters Levi;\ndem Vernehmen nach hat sie sich auch die Gutheissung\ndes Componisten erworben. Ueberall blickte nicht nur die\ngute Einübung, sondern auch die Theilnahme an der\nSache durch; das Orchester war ausgezeichnet, die Chöre\nsehr verdienstlich und besonders im ersten Acte vor-\ntrefflich.\"\nIn Bezug auf die Leistungen der Träger der beiden\nHaupt-Partieen (Lavinia—Frau Ellinger; Lucius Herr\nEllinger) spricht sich derselbe Bericht sehr lobend aus;\nauch Fräulein Lichtmay als Clythia befriedigte im Ganzen\nund hatte schöne Momente.\nDie zweite und dritte Vorstellung der Oper fanden\nebenfalls vor vollbesetztem Hause Statt und wurden mit\ndemselben Beifalle aufgenommen. Bringen Sie dazu die\nGeschmacksrichtung eines Publicums in Anrechnung, wel-\nches, wie Sie aus den Repertoiren der früheren Jahre,\ndie Ihre Zeitung mitgetheilt hat, wissen, für gute Musik\nso empfänglich ist, dass es z. B. in voriger Saison die\nsechszehnte Aufführung des Fidelio eben so zahlreich be-\nsuchte, als die erste, so wird der Erfolg der „Katakom-\nben\" um so ehrenvoller für den Componisten sein.\n\nMusicalisches aus Leipzig.\nVon Dr. Oscar Paul.\n(Gewandhaus-Concerte Miss Parepa L. Bragsin Clior-\ngesang Sinfonieen von Rein ecke, Volkmann, Jadassohn,\nL. Lübeck Fräulein Decker Fräulein Bettelheim\nu. s. w.)\nUnsere Saison ist zur Hälfte vorüber. Blicken wir\nzurück auf den Reichthum ihrer Schönheiten und gestehen\nwir uns, dass Leipzig immer noch ein würdiges „Thal\nTempe\" ist, in welchem der Musenführer Apollo im Zuge\nvoran die goldene Phorminx trägt und mit seinem herz-\nerfreuenden Saitenspiel die Völker der Hellenen zum Cul-\ntus ruft. Nur Kalliope, die schönstimmige, zeigt sich"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640109-01.1.5", "texte": "ihm recht häufig mit abgewandtem Antlitz, und erhascht\nder liebedurstige Gott ja einen Blick von ihr, so ist der-\nselbe umflort und mit Thränen umfeuchtet. Sie weilt jetzt\nlieber in der Colonia Agrippina,wo sie mit wunderbarer\nGrazie den Reigen anführt und ihre eigentliche Heimat\nseit den schönen Tagen des alten Griechenlands gefunden\nhat. Sehen wir zu, wie sich hier Apollo tröstet, und er-\nwägen wir sein Saitenspiel. Sein Haupt-Tempel ist hier\ndas Gewandhaus, dieses würdige Odeum mit dem\nSpruche: „Res severa est verum gaudium', wo ein Men-\ndelssohn, Gade, Hiller, Rietz u. s. w. zu seinem Ruhme\ndas Scepter geschwungen und den festen Grund zu seiner\nFortexistenz gelegt haben. Gab es auch in den letztep\nJahren Zeiten, in denen sich beim Apollo-Cultus bedroh-\nliche Differenzen bemerkbar machten, so hat doch gegen-\nwärtig die Liebe zur Kunst selbst alle anderen Leiden-\nschaften verdrängt. Die Führer arbeiten sich mit Lust und\nEifer gegenseitig in die Hände, und jedes Mitglied des Or-\nchesters sucht mit angestrengter Aufmerksamkeit seinen\nTheil zum Gelingen des Ganzen beizutragen. So wurde\nam 9. October der Kunsttempel eröffnet, um sich in sei-\nner classischen Grösse zu zeigen. Dem Programm dieses\nersten Concertes gemäss wurde uns zu Anfange von Seb.\nBach, dem uneingeschränkt deutschen Schöpfer der Poly-\nphonie im modernen Ton-System, ein Concert für Streich-\nInstrumente in G-durvorgeführt, dessen urwüchsige Kraft\nund Fülle, verbunden mit der interessanten, nur Bach\neigenen Rhythmik durch unser ausgezeichnetes, stark be-\nsetztes Streich-Quartett aus der vorzüglichen Schule unse-\nres Concertmeisters Ferd. David so zur Geltung gebracht\nwurde, dass ein allseitiger Applaus das Verständniss des\nPublicums bekundete. Ausser diesem selten gehörten Werke\nkam die {7-wo//-Sinfonie, wohl die geschlossenste aller Sin-\nfonieen von Beethoven, zur Aufführung. Wir haben in\nKöln durch Ferd. Hiller eine andere Auffassung kennen\ngelernt, als sie hier gebräuchlich ist, und bedauern, dass\ndieselbe unserem Orchester bisher unbekannt blieb. Die-\nselbe bezieht sich hauptsächlich auf die zu Anfang stehen-\nden drei Achtel Auftact, welche Ferd. Hiller in einem\netwas schwereren, gewichtigeren Tempo nimmt und erst\ndann im weiteren Fortgange der Sinfonie schnellere Rhyth-\nmen anwendet. Hier wird von vorn an in gleich schnellem\nZeitmaasse gespielt und dadurch natürlich der Deutlich-\nkeit genannter Tonfigur nicht wenig Eintrag gethan. Im\nUebrigen wurde das wundervolle Tonstück mit jener Mei-\nsterschaft executirt, welche unserem Orchester bei Aus-\nführung Beethoven'scher Werke zur anderen Natur gewor-\nden ist. Als Violin-Virtuose zeigte sich mit Viotti's\nConcert Herr Concerlmeister Ferd. David und ärntete\nfür den Wohlklang seines saftigen, markigen Tones und\nseines säubern, goldrein intonirten Passagenspiels als wür-\ndiger Träger der Virtuosität im classischen Stile wieder-\nholten Hervorruf. Als Sängerin lernten wir Fräulein\nEuph rosyne I*arepa aus London in der grossartigen\nArie aus „Judas Maccabäus\" : „0 let etevnal honours\",\nund in der lieblichen Arie aus der „Schöpfung\": „Nun\nbeut die Flur\", kennen. Diese Dame wirkt weniger durch\nFülle des Tones und Wärme des Vortrages, als vielmehr\ndurch ausgezeichnete Schule im Ansetzen, Tragen und\ncolorirten Verbinden der Töne. Ihre Virtuosität, welche\nwir hier schon kennen lernten, bekundete sich noch mehr\nim zweiten Concerte am 16. October, wo sie eine\nzwar an musicalischen Gedanken leere, jedoch zur Entfal-\ntung der Virtuosität sehr geeignete Arie von J. Benedict\n(Text von Chorley) und die D-moll-Arie der Königin der\nNacht sang. Sie führte hier ihre Stimme, wenn auch mit\nkleinen Versehen gegen reine Intonation, bis zum dreige-\nstrichenen f hinauf, ganz in ähnlicher Weise, wie wir es\nvon Frau Lemmens-Sherrington im kölner Gürzenich hör-\nten, mit welcher Miss Farepa in Bezug auf Tonbildung\nund Coloraturfertigkeit überhaupt grosse Aehnlichkeit hat.\nIn diesem Concerte producirte sich ausserdem als Solist\nauf dem Pianoforte Herr Louis Brassin, und zwar nur\ndurch eigene Compositionen, unter denen sich ein Clavier-\nConcert in drei zusammenhangenden Sätzen befand. Wir\nkonnten diesem Concerte keinen rechten Geschmack ab-\ngewinnen, weil es wenig hervorstechende Gedanken und\nzu wenig Stil-Einheit enthält. Anständige Verwerthung\nder InstFiimentalmiltel freuten wir uns, wahrnehmen zu\nkönnen. Als Clavierspieler erschien uns Herr Brassin ganz\nvorzüglich. Er zeigte sowohl in diesem Concerte, als auch\nin zwei Salonstücken seiner Composition edlen Ton von\nmarkiger Fülle, saubere Technik und nuancirten Vortrag,\nso dass wir früheren Urtheilen in der Kölnischen Zeitung\nund in diesen Blättern nur beizustimmen vermögen. Be-\nregtes Concert wurde mit R. bekannter D-\nwelche hier stets durchschlagenden Erfolg\nerzielt, eröffnet und mit der Cantate „Kampf und Siegu\nfür Soli, Chor und Orchester von C. M. v. Weber geschlos-\nsen. Diese Cantate ist bekanntlich eine Gelegenheits-Com-\nposition, in welcher allerlei Volksmelodieen, Signale und\nMärsche bunt zusammengewürfelt sind, wobei natürlich\ndie geschickte Hand des Meisters niemals verkannt werden\ndarf. Sie wurde hier mit specieller Rücksicht auf die Feier\nder Völkerschlacht zur Aufführung gebracht, erzielte je-\ndoch nur spärlichen Applaus.\nEhe wir in unserem Referate fortfahren, müssen wir\neinige Worte über den Chorgesang unseres Gewandhau-\nses einschalten, der uns in genannter Cantate zum ersten\nMale entgegentrat. Wie schon oben angedeutet, stehen"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640109-01.1.6", "texte": "die Chorgesangs-Leistungen mit den Orchester-Leistungen\nin ungleichem Verhältnisse. Der Grund hiervon ist in den\nFrauenstimmen zu suchen, welche durch mangelhafte\nKlangfülle und öfter auch durch unaufmerksames Ein-\nsetzen unserem Capellmeister die Leitung ausserordentlich\nerschweren und das Ensemble so beeinträchtigen, dass\nauch die durch Mitglieder des Pauliner-Vereins vorzüglich\nvertretenen Männerstimmen nicht in angemessener Weise\nzur Geltung kommen können. Zwar ist nicht zu verken-\nnen, dass der für das Gewandhaus neugebildete Chor,\nvon welchem andere Vereine zum Theil aus Mangel an\nRaum ausgeschlossen bleiben, in dieser Saison bereits er-\nfreuliche Fortschritte erkennen liess; derselbe steht jedoch\nnoch nicht auf der Paraliei-Höhe mit dem Orchester, wie\nsie von Concert-Direction und Publicum beansprucht wird.\nDie weitere Fortbildung des Vereins und Zuziehung fri-\nscher, geschulter Frauenstimmen, welche leider bei uns\nseltener als am Rheine zu finden sind, werden hoffent-\nlich auch in diesem Punkte einen höheren Aufschwung\nermöglichen. Freilich gestatten die Räume des Gewand-\nhauses keine so bedeutende Machtentfaltung, wie wir sie\nim kölner Gürzenich kennen lernten. Doch müsste ein den\nakustischen Verhältnissen entsprechender ausgewählter\nChor immerhin eine mächtige Wirkung erzielen *).\n(Schluss folgt.)\n\nAus Crefeld.\nDen 27. December 1863.\nEinem Berichte über das zweite Abonnements-\nConcert des Singvereins in Crefeld unter Leitung des\nMusik-Directors Herrn Wolff entnehmen wir Folgendes:\nDas Programm (Ouvertüre zur schönen Melusine von\nMendelssohn, „Die Flucht der heiligen Familie\" von Max\nBruch, Arie aus Spohr's „Faust\", Adagio und Rondo\nfür Violine von Molique, „Die Erlen und die Birken\"\nvon M. Bruch, Musik zu „Egroont\" von Beethoven)\nenthielt meist Nummern, welche entweder noch gar nicht\noder doch sehr lange nicht hier zur Aulführung gelangt\nsind. In der Novität: „Die Flucht der heiligen Familie\",\nGedicht von Eichendorff', componirt für Chor und Orche-\nster von M. Bruch, haben wir ein Werk vor uns, welches\nsich eben so sehr durch Ursprünglichkeit und Schönheit\nder Gedanken, als durch Vollendung der Form auszeichnet.\nEs geht ein zarter Hauch poetischer Empfindung durch die\nganze Composition, eine Stimmung, angeregt zunächst\ndurch das feierliche Bild der in Dämmerung versinkenden\nNaturschönheiten, erwärmt durch den mystischen Zauber»\nmit dem die Legende die Pflanzen- und Thierwelt an der\nFlucht der heiligen Familie Theil nehmen lässt, und em-\nporgehoben endlich zur begeisterten Andacht: „0 gebene-\ndeite Zeit!\" Die grosse Wirkung, welche dieser Chor aut\ndie Zuhörer hervorbrachte, ist vor allen Dingen ein Beweis\nfür d ie Wahrheit und Reinheit des Ausdrucks, mit welchem\nder Componist seine Empfindungen wiedergegeben hat,\nschliesst aber noch zwei andere Momente in sich, die, wenn\nsie sich auch dem ersteren unterordnen, doch besondere\nErwähnung verdienen.. Es sind dies die oben bereits ange-\ndeutete Vollendung der Form, und zwar nicht bloss die\nkunstvolle Abrundung des ganzen Baues, sondern auch die\nwirkungsvolle Stimmführung und die charakteristische In-\nstrumentirung, mit Einem Worte: die schöne sinnliche\nKlangwirkung, und dann zweitens die vortreffliche Aul-\nführung des Werkes, welche seine Schönheiten zur vollen\nGeltung brachte. Was wir schon früher einmal an dieser\nStelle bemerkt haben, dürfen wir bei der jetzigen Gele-\ngenheit dreist wiederholen: der hiesige Chor, namentlich\nder Frauenchor, ist den besten der Rheinprovinz beizu-\nzählen, und das ist wahrlich für den Chor wie für seinen\nDirigenten kein geringes Lob. Mit Frische und Correct-\nheit wurde denn auch die Bruch'sche Composition (unter\nLeitung des Componisten) ausgeführt, namentlich brachte\ndie Steigerung vom piano der Stelle: „Und das Kindlein\nhob die Hand\", bis zum forte(o gebenedeite Zeit) eine\nhinreissende Wirkung hervor.\n„Die Birken und die Erlen\" haben wir bereits bei\neiner früheren Veranlassung besprochen; wir beschränken\nuns daher für jetzt lediglich auf die Beurtheilung der Aus-\nführung dieser schönen Composition. Die Schwierigkeiten\nsind in diesem Musikstücke ungleich grösser, als in dem\nvorher erwähnten, doch wurden sie in anerkennenswerther\nWeise überwunden. Die Gesammtwirkung war auch hier\n\n*) Beiläufig sei bemerkt, dass die „Allgemeine Musicalische Zei-\ntung\" in Nr. 44 im Interesse des Publicums den Bau eines neuen,\ngrossen Concertsaales anregt. Ein solcher Bau ist auch unserer An-\nsicht nach sehr wünschenswert!]. Doch können wir den in genann-\ntem Blatte unter anderen angeführten Grund nicht gelten lassen,\ndass ein Neubau auch desswegen ins Werk gesetzt werden müsse,\nweil die neueren Oratorien, sogar Mendelssohn's „Paulus\" und\n„Elias\", ihrer „dramatischen Färbung\" wegen nicht in die Kirche,\nsondern ausschliesslich in den Concertsaal gehörten, und man sich\nin der Kirche des „Beifalls\" enthalten müsse, eines Gefühls, dem\nman doch so gern Ausdruck gebe; denn „wie beengend\", heisst es\ndort, „ist das bei Werken wie die letztgenannten („Paulus\" und\n„Elias:'), wie unnatürlich, dass man seinen durch den gewaltigen\nRhythmus dramatisch gehaltener Chöre gesteigerten Empfindungen\nnicht Luft machen kann und darf!\" Sind denn Händegeklatsch\nund Bravogeschrei nothwendige Zeichen der „Empfindung\"? Sie\nsind unserer Ansicht nach im Concertsaale nur ein den ausführen-\nden Künstlern gezollter Tribut, auf welchen dieselben in der Kirche\ngern verzichten; und wo soll man denn in kleineren Städten diese\nherrlichen Werke zur Aufführung bringen, wenn sie in der Kirche\nkeine Berechtigung haben sollen?"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640109-01.1.7", "texte": "eine durchgreifende und brachte dem Componisten Her-\nvorruf von Seiten des Publicums und der Ausführen-\nden ein.\nGesang- und Instrumental-Solo waren diesmal von\nzwei Kräften vertreten, welche unserem eigenen Boden\no\nentsprossen sind. Fräulein Marie Büschgens hat sich\nnicht bloss in ihrer Vaterstadt, sondern auch auswärts\neinen geachteten Künstlernamen erworben. Ihre Stimme\nist namentlich in den höheren Registern von einer wohl-\nthuenden Frische, und die Ausbildung derselben hat be-\nreits einen sehr achtungswerthen Grad der Vollendung\nerreicht, so dass gegen früher noch erhebliche Fortschritte\nin ihren Leistungen zu bemerken waren. Dieses bekundete\nsich namentlich in der reicheren Modulation der Stimme.\nDer Vortrag der schwierigen Arie von Spohr wurde vom\nPublicum mit grossem Beifalle aufgenommen.\nIn dem Adagio und Rondo des Molique'schen Violin-\nConcertes halten wir Gelegenheit, uns von den erfreuli-\nchen Fortschritten des jungen, begabten Sohnes unseres\nverehrten Musik-Directors zu überzeugen. Vor seinem Ein-\ntritte in die kölner Musikschule hörten wir ihn in einem\nöffentlichen Vortrage, der F-dur-Romanze von Beethoven;\njetzt nach ein- bis zweijährigem Unterricht bei dem be-\nwährten Meister seines Instrumentes, von Königslöw, sind\ndie schon damals unverkennbaren Merkmale der Bega-\nbung mit einer Entschiedenheit an den Tag getreten, dass\nwir dem strebsamen Kunstjünger eine schöne Zukunft in\nAussicht stellen können.\n\nRoderich Benedix\n*).\nDer erste dramatische Versuch von R. Benedix, wel-\ncher die aufopfernde That der Johanna Sebus zum Ge-\ngenstande hatte, soll im jähre 1834 aufgeführt und auch\ngedruckt-worden sein, ist uns aber nie zu Gesicht gekom-\nmen; auch hat ihn Benedix nicht in die Ausgabe seiner\ndramatischen Werke (16 Bände, bei J. J. Weber in\nLeipzig) aufgenommen.\nIn dem folgenden Verzeichnisse sind nach dem Vor-\ngange von Held's „Theatralia\" die gesperrt gedruckten\nStücke diejenigen, welche auf allen Bühnen mit grossem\nErfolg gegeben wurden und grösstentheils noch gegeben\nwerden; die mit einem Sternchen (*) bezeichneten haben\nebenfalls Erfolg gehabt, ohne jedoch so genannte Cassen-\nstücke zu werden.\n1835. Die Männerfeindinnen. 1838. Das be-\nmooste Haupt. DieSclaven.— 1839. Die Sonntagsjäger.\n1840. 'Die Mode. —lB4l. Dr. Wespe. —1843. Der\nWeiberfeind. Der Steckbrief. Der Liebestrank. Der\nalte Magister.— 1844.Unerschütterlich.—1845.*Der\nRuf. 1846. Entsagung. Der Vetter. 1847. 'Die\nBanditen. Eigensinn.— 1848. *Die Sündenböcke. Der\nFrocess. Die Lügnerin. Die Pensionärin. 1849. Der\nKaufmann. Die Hochzeitsreise. 1850. Die Ei-\nfersüchtigen. Der Liebesbrief. Walter's Irrfahrten.\n1851. Die Künstlerin. 'Angela. Das Gefängniss.—\n1852. Der Sä nger. *Die Phrenologen. Das Lügen. Ma-\nthilde.— 1853. Ein Lustspiel. Paula. Die Dienst-\nboten. Die Herrschaft.— 1854. *Das Concert. *Die alte\nJungfer. 1855. *Auf dem Lande. Die Gesellschafterin.—\n1857. *Die Schuldbewussten. 1859. 'Ohne Pass. *Jun-\nker Otto. *Die Stiefmutter. 1860. 'Nein. Das Dienst-\nmädchen. Die Grossmutter. Die Pasquillanten. Eine Fuchs-\nhetze. Der Teufel und der Schneider. —lB6l. Das Gold-\nteufelchen. Der Blaubart. Der Störenfried. \"Die Cri-\nnolinen-Verschwörung. Brandenburgischer Landsturm.—\n1862. *Die Fremden. 'Gegenüber. Der Phlegmaticus. Die\nPrüfung. Der Mädchen Waffen. 'Günstige Vorzeichen. Die\nVerlobung. —1863. Sammelwuth. Die Pflegetöchter. Der\nDritte. Auf dem Heiralhs-Bureau. Vater und Tochter.\nAusser diesen dramatischen Werken hat Benedix noch\neine Anzahl grösserer und kleinerer Erzählungen geschrie-\nben, ferner die interessanten „Bilder aus dem Schauspie-\nlerleben\", Leipzig, bei Grunow, und wissenschaftliche\nWerke über die Betonung der Sprache. Das erste erschien\n1850 in Köln bei M. DuMorit-Schauberg unter dem Titel:\n„Die Lehre vom mündlichen Vortrage\", in einem Bande.\nAusgearbeiteter und mit vielen Beispielen versehen, er-\nschien dann „Der mündliche Vortrag\" in drei Bänden bei\nJ. J. Weber in Leipzig. Dazu gehört ferner eine kleinere\nBroschüre: „Das Wesen des deutschen Rhythmus\", Leip-\nzig, bei Hartknoch.\n*) Bei dem am 18. Januar bevorstehenden fünfundzwanzigjähri-\ngen Jubiläum von Roderich Benedix als dramatischem Dichter\ntheilen wir das Verzeicliniss seiner Stücke mit, wozu uns die Theil-\nnahme der zahlreichen Freunde an diesem Ereignisse, welche er\nsich in Köln bei seinem langjährigen Aufenthalte durch sein frucht-\nbares schriftstellerisches Talent und seinen biederen Charakter er-\nworben hat, auch ausser der Anerkennung seiner grossen Verdienste\num das deutsche Lustspiel und unserer persönlichen Hochachtung,\nnoch besonders auffordert. Die Redaction.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln, 8. Januar. Gestern gab Frau Clara Schumann eiue\nsehr zahlreich besuchte Soiree im Hotel Disch. Dieselbe wurde\ndurch den Vortrag der Sonate in D-moll von R. Schumann für\nPianoforte und Violine durch Frau Schumann und Herrn von\nKönigslöw eröffnet, welche vortrefflich gespielt wurde und in den\nbeiden Mittelsätzen auch sehr ansprach, während der erste Satz es\nhöchstens erklärlich macht, dass die Anhänger Schumann's daran\nGefallen finden,\" das Finale aber kaum irgendwie dazu berechtigt."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640109-01.1.8", "texte": "Allein trug die eminente Künstlerin vor : Beethovens Variationen\nin C-moll, Op. 36, die köstlichen Deux Moments musicals, Op. I*4,\nvon F. Schubert, das reizende „Des Abends\" von R. Schumann\nund das Impromptu mit dem melodiösen Zwischensatze von Cho-\npin alles mit bekannter Virtuosität. Den meisten Effect machte\naber entschieden Mozart's prächtige Sonate in D-dur für zwei\nPianoforte, gespielt durch die Concertgeberin und Herrn Capellmei-\nster Hill er; der letzte Satz versetzte das Publicum in wahre Be-\ngeisterung. Ein Fräulein Josephine Daberkow aus Düsseldorf\ntrug einige Lieder von R. Schumann mit einer kleinen, lieblichen\nSalonstimme im Ganzen gut vor, konnte aber dem Ausdruck, den\nHaydn's Arie: „Nun beut die Flur das frische Grün\", verlangt, we-\nder durch Auffassung noch technischen Vortrag genügen.\n** llarnieil. Die letzten Wochen des vorigen Jahres brach-\nten hier noch drei musicalische Abende. Am 15. December gab die\nLiedertafel ein patriotisches Concert für Schleswig-Öolstein, be-\nstehend aus Männergesängen, den Ausführungen von Ouvertüren\n(„Zauberflöte\", „Oberon\", „Heimkehr aus der Fremde\") und dem\ntrefflichen Vortrage eines Clavier-Concertes von Field (in Es-dur)\nund eines Präludiums, Menuett und Toccata von und durch A.\nKrause. Am 19. December gaben die Gebrüder Franz und Isi-\ndor Seiss eine Soiree, worin sie nur classische Musik vortrugen,\nHerr Franz Seiss ein Adagio für die Violine von Spohr, die Va-\nriationen von Ernst über ungarische Lieder, Herr Isidor Seiss die\n33 Variationen (C-moll) von Beethoven, die Polonaise in Es-dur\nvon Chopin, und mit seinem Bruder die Sonate in A-moll für\nPianoforte und Violine von Schumann. Den Schluss machte am\n3U. December das dritte Abonnements-Concert unter Leitung\ndes Herrn Musik-Directors A. Krause. Das schöne Programm\nbrachte Schumann1 s Ouvertüre, Scherzo nnd Finale, desselben\n„Zigeunerleben\", instrumentirt von Grädener, einige Lieder am Cia-\nvier („Belsazar\" von Schumann, „Lindenbaum\" und „Normannssang\"\nvon Schubert durch Herrn Karl Hill; „Liebesbotschaft\" und „Er-\nstarrung\" durch Herrn Th. Göbbels) und Mendelssohn's „Die\nerste Walpurgisnacht\". Sowohl die vortrefflichen Lieder-Vorträge,\nals die sämmtlichen Chor- und Orchestersachen hatten sich des leb-\nhaftesten Beifalls zu erfreuen. Der Schluss der Walpurgisnacht ver-\nsetzte aber vollends das Publicum in eine so gehobene Stimmung,\nwie sie wohl nur selten in einem Concertsaale erlebt worden ist.\nDie bedeutungsvollen Worte Goethe's: „Du kannst zwar heut und\nmanche Zeit dem Feinde viel erlauben\", und: „Dein\nLicht, wer will es rauben?\" —mit der herrlichen Stimme und\nerhöhtem Gefühl von Karl Hill gesungen und mit voller Pracht vom\nChor mit Orchester wiederholt, regten die Zuhörer zu einer solchen\nBegeisterung auf, dass der ganze Schlusssatz stürmisch da capo ver-\nlangt wurde und wiederholt werden musste.\nDem Orgelbauer Herrn Karl Buckow in Schlesien ist von\nSr. k. k. Majestät dem Kaiser von Oesterreich „in Würdigung sei-\nner bisherigen hervorragenden Leistungen im Orgelbaufache der\nTitel eines k. k. Hof-Orgelbaumeisters\" verliehen worden, eine Aus-\nzeichnung, welche die erste dieser Art ist.\nBrüssel. Tonkundigen sei ein Liederheft von Ferdinand\nKufferath bestens empfohlen, welches so eben unter dem Titel\n„Drei Gesänge\" (Op. 17, Mainz, bei Schott's Söhnen) in zweiter\nAuflage erschienen ist. Die „Drei Gesänge\", namentlich die ergrei-\nfende Composition des Liedes: „Wenn zwei von einander scheiden\",\ngehören zu den schönsten der deutschen Liederdichtung. Ferdinand\nKufferath ist derselbe Licblingsschüler Mendelssohn's, welcher seit\nlangen Jahren in Brüssel als Componist und Pianist des Königs\nLeopold eine eben so rastlose wie bescheidene Thätigkeit für deut-\nsche Kunst entwickelt."}]}