{"numero_id": "bm-bmtnabi-1864-01-23-01", "volume": "bmtnabi_1864-01-23_01", "ocr_sha256": "c7afd4102eee63ac469de5943c8711b25525429f4dcd31eaf8c9c159d6cf5eaa", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1864/01/23_01/bmtnabi_1864-01-23_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640123-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1864-01-23-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-01-23_01#c001", "volume": "bmtnabi_1864-01-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "25", "page_fin": "25", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640123-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640123-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 485, "texte": "Inhalt.\nPariser Briefe (Rückblick auf 1863. Die Opernbiihnen. Die Orchester-Concerte. Fraschini. Carlotta Patti). Beur-\ntheilungen. Violinschule von Ferd. David. S. Jadassohn, Symphonie für Orchester, Op. 24; Ouvertüre für grosses Orchester, Op. 27.\nVollständige Clavierschule von M, Bisping. Richard Wagner's Concerte. Aus Wien (Sing-Akademie Sängerbund). Von R.\nSechstes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unterh altungsblatt (Mainz, Ernennung Bockenheim u. s. w."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-01-23-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-01-23_01#c002", "volume": "bmtnabi_1864-01-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "25", "page_fin": "28", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640123-01.2.2", "titre_corps": "Pariser Briefe.", "titre_sommaire": "Pariser Briefe.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640123-01.1.1", "debut_caractere": 487, "fin_caractere_exclue": 4255, "texte": "Pariser Briefe.\n(Rückblick auf 1863. Die Opernbühnen. Die Orchester-\nConcerte. FrasehinL Carlotta Patti.)\nDie Zeiten, in denen sich die Pariser nach neuen\nStücken auf ihren Theatern sehnten, und eine Direction\nzu Grunde ging, wenn sie nicht jährlich Neues und viel\nNeues auf die Bretter brachte, sind vorbei. Dass früher\neine Oper ganz Paris in Bewegung setzen, Parteien ent-\nzünden, die musicalisch-ästhetische Literatur in Zeitungen\nund Broschüren Monate lang fast allein beherrschen\nkonnte, gehört für das gegenwärtige Geschlecht in das\nReich der Fabel. Gibt es ja einmal etwas Frappantes, so\nmüht sich die Reclame wochenlang ab, um das Publicum\nglauben zu machen, es sei ein neuer Planet entdeckt; er\nerscheint an unserem Horizonte, und in drei Tagen spricht\nkein Mensch mehr davon. Wie bitter hat sich Bichard\nWagner getäuscht, als er nach Deutschland schrieb, der\nTannhäuser habe eine Bewegung in Paris veranlasst, die\nrevolutionirend und nachhaltig sein werde, weil sie die\nmusicalische Welt in zwei Gegensätze gespaltet habe!\nAcht Tage nach der Aufführung bekümmerte sich Nie-\nmand mehr um den Lorber aus dürrem Holze, und höch-\nstens der Venusberg blieb ein paar Wochen lang in Er-\ninnerung bei dem Galerie-Publicum.\nDichter und Componisten beklagen sich und rufen\nWehe über die Directionen, die nichts Neues von ihnen\nannähmen; die Directionen klagen, dass ihnen Dichter und\nComponisten nichts Gutes darböten. Die öffentlichen\nBlätter, in denen die musicalischen Kritiker ihre Weisheit\nauskramen, stimmen in die Empfindlichkeit und den lau-\nten Aerger der alten und jungen Laureaten ein und fah-\nren gegen die Directoren los, ohne zu bedenken, dass das\nOperntextmachen ein Fabrik-Unternehmen und das\nOpernmusikschreiben ein Handwerk geworden ist, und\nman doch Niemanden zwingen kann, für gutesGeld schlechte\nWaare zu kaufen, die, nachdem sie ein paar Tage am\nSchaufenster gehangen, ins Magazin zur ewigen Ruhe ge-\nbracht wird. Ja, sie schimpfen sogar auf die Eisenbahnen.\nWarum? Das pariser Publicum, behaupten sie, sei noch\neben so kunstsinnig und nach dramatischen Neuigkeiten\nbegierig, wie sonst; aber die Macht, die Theater zu be-\nherrschen und die Directionen zu neuen Opern zu zwin-\ngen, sei ihm genommen. Durch wen? Durch die Eisen-\nbahnen. Diese spieen alle Tage hunderttausend Fremde\nin Paris aus, welche die Theater füllten und in ihrem\nProvincial-Geschmacke Robert den Teufel und die Huge-\nnotten, die Stumme von Portici und den Schwarzen Do-\nmino, die Jüdin und die Musketiere der Königin, den Wil-\nhelm Teil und den Barbier, oder gar die Weisse Dame\nund Figaro's Hochzeit lieber hörten, als die neuen Er-\nzeugnisse der französischen Muse. Das wissen die Directio-\nnen sehr gut; sie machen vortreffliche Geschäfte mit den\nFremden und lassen die Pariser schimpfen.\nEs ist aber keine Frage, dass auch die Pariser selbst\njetzt lieber das gute Alte, als das weniger gute Neue hö-\nren, und an dieser Aenderung des Geschmackes sind zwei\nDinge schuld: ein schlimmes, das ist der ins Ungeheure\ngetriebene Decorations- und Maschinerie-Spectakel, der\nnicht mehr überboten werden kann und dem Stamme der\nOpernbesucher am Ende langweilig wird, und ein gutes,\ndas ist die Gewöhnung einer grossen Masse von Dilettan-\nten an gute Instrumental-Musik, welche jetzt nicht\nbloss die Conservatoire-Gesellschaft den Meistbeerbten vor-\nsetzt, sondern die Concerts pauch der Menge\nzugänglich machen. Wenn man bedenkt, dass Paris eigent-\nlich noch nie ein solches Concert-Institut besessen hat,\ndass es in dieser Beziehung hundert kleineren Städten in\nDeutschland nachstand, wo die Meisterwerke Haydn's,\nMozart's, Beethoven's u. s. w. den Dilettanten zu täglichem\nBrode geworden sind, so wird man begreifen, was eine\nReihe von Concerten in einem Locale, das jedes Mal an"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640123-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5319, "texte": "4000 Menschen füllen, seit einigen Jahren für einen Ein-\nfluss auf die musicalische Bildung haben müsse.\nDie jungen Componisten und Dichter erwarten ihr\nHeil von dem neuen Gesetze über die Freiheit der Thea-\nter; ich glaube nicht, dass diese Erleichterung der Errich-\ntung neuer Bühnen der wahren Kunst förderlich sein wird.\nEs wird einige Bankerotte mehr in Paris geben,\ntout. Man muss bedenken, dass mit den Bühnen-Privilegien\nund Subventionen die Möglichkeit gegeben war, den\nmaasslosen Ansprüchen der Sänger an die Casse und des\nPublicums an die Pracht der Ausstattung zu genügen; wie\nsollen beide bei gänzlich freier Concurrenz durch Privat-\nunternehmer befriedigt werden können?\nIn den zwölf Monaten des Jahres 1863 hat die grosse\nOper nur zwei Neuigkeiten gebracht; „Das Maulthier des\nDon Pedro\", in zwei Acten von Victor Masse, und das\neinactige Ballet „Diavolina\" von Pugni und das „Maul-\nthier\" ist noch dazu fast so, wie es den Stall verlassen\nhatte, stehen geblieben und wird wahrscheinlich nie wie-\nder vorangehen. Dagegen hat die „Stumme\" seit dem 10.\nJanuar 1863 sich auf der Scene gehalten und stets das\nHaus gefüllt. Eben so haben gezogen und ziehen noch\n„Robert\" und „Die Hugenotten\". Der neue Tenor Villa-\nret und die neue Sängerin Mademoiselle Sax haben sogar\nVerdi's „Sicilianische Vesper\", aber auch „Wilhelm Teil\",\n„Die Jüdin\" und den „Troubadour\" wieder auf die Scene\ngebracht, der Tenor Warot den „Grafen Ory\" und die\nrussische Tänzerin Murawieff das Ballet „Gisela\". Fräulein\nTietjens ist nur wie ein Meteor vorübergezogen und hat\nvier Mal hinter einander die Valentine in den Hugenotten\ngesungen, und zu guter Letzt hat man Rossini's „Moses\"\nwieder hervorgesucht. Im Grunde genommen, ist das alles\ndoch nur ein Zeugniss für Armuth an allen Ecken und Enden.\nAn der komischen Oper ist noch nie ein solcher Man-\ngel an Neuigkeiten gewesen, als im vorigen Jahre. Und\nhat etwa die Qualität die Quantität ersetzt? Was für jam-\nmervolle Producte waren L'illustre Gaspard (1 Act), Mu-\nsik von Eug. Prevöt, La Deesse et le berger (2 Acte) von\nDupralo, Baiail le d'amour von dem Mode-Schriftsteller\nVictorien Sardou, mit Musik von Vaucorbeil, einem Lieb-\nling der Salons der höheren Gesellschaft! Beide letzteren\nwaren dem Direclor in kostbaren Kistchen von Cedernholz\nals unübertreffliche Meisterwerke zugesandt worden! Bei\nso bewandten Missärnten durch die neue Saat zog er vor,\naus den Speichern die alten Vorräthe von gutem Schrot\nund Korn hervorzuholen, und brachte die\nvon Masse, den Sommernachtstraum von Thomas, Zampa\nvon Herold und sogar die Fausse Magie von Gretry wie-\nder ans Licht. Als der junge König von Griechenland\ndurch Paris reiste, wünschte er Auber's Domino noir\nzu sehen. Man hatte nur zwei Tage Zeit zur Vorbereitung:\nkein Wunder, dass man hinter den Coulissen und im Foyer\ndie Sache für unmöglich erklärte. Aber in der Direction\nhielt man sie für möglich, setzte die Aufführung durch,\nund die Oper brachte von allen Wiederholungen älterer\nWerke bei Weitem das Meiste ein, und zwang sogar den\nalten Meister, um nicht sich selber Cöncurrenz zu machen,\nseine neue Fianeee duIloi bis nach Neujahr\nzurückzulegen und dem schwarzen Domino, der die Casse\nso gut deckte, das Feld zu überlassen.\nDie italiänische Oper hatte einen schweren Stand im\nAnfange des Jahres. Der Directionswechsel war mit ver-\ndriesslichen Verwicklungen verknüpft, und vollends hart\nwar für die Unternehmung die Entziehung der Staats-\nSubvention. Herr Bagier, der sich durch die Rettung des\ngrossen Theaters El Oriente in Madrid einen Namen ge-\nmacht hatte, trat kühn die Nachfolge Calzado's an. Er\nhat zwar keine neue Oper gebracht, denn Verdi's\nbardi, Pergolese's La serva Pund Flotow's &\ndelia gehörten noch in die vorige Verwaltung; aber er\nhat den Tenor Fraschini gebracht, der fast allein das\nSchiff flott erhält, ferner die immer noch vortreffliche Sän-\ngerin Madame de la Grange und dann zu Neujahr die\nreizende Adelina Patli.\nAm thätigsten für Inscenesetzung neuer Opern ist das\nTheätre lyriquegewesen, welches hierin selbst der gros-\nsen kaiserlichen Oper den Rang abläuft. Desshalb ist ihm\ndenn auch die Subvention von 100,000 Francs, die es\nvom 1. Januar dieses Jahres ab erhält, gar wohl zu gön-\nnen. Es brachte eine Ondine (3 Acte), von Semet compo-\nnirt, Mozart's Cosi fan tuttemit neuem Text\nd'amour perdues),ein paar einactige Operetten von jun-\ngen Componisten, die Wiederaufnahme von Figaro's Hoch-\nzeit und von Oberon, Les Pecheurs de perles (3 Acte),\nmit Musik von Bizet, einem der jüngsten Laureaten der\nAkademie, endlich die »Troj aner\" von H. B erlioz, wo-\nfür die Verwaltung allein schon einen Kranz verdient,\nman mag über das Werk selbst urtheilen, wie man wolle.\nEndlich hat es auch noch eine Wiederholung von Fei.\nDavid's La Perle du Bresil gebracht und eine französi-\nsche Bearbeitung von Verdi's „Rigoletto\". Dass ausser\nden „Trojanern\" auch nichts Bedeutendes unter den wirk-\nlichen Neuigkeiten war, ist wenigstens nicht die Schuld\nder Direction; freilich haben auch die „Trojaner\" eben\nnicht viel mehr als Aufsehen gemacht, und das hölzerne\nPferd mag in seinem hohlen Bauche wohl von Waffen,\naber schwerlich von Gold geklirrt haben, als es Herr Car-\nvalho in seine Burg zog.\nJakob Offenbach hat für das Jahr 1864 sein enges\nHaus mit einem neuen, luftigeren vertauscht; hoffentlich"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640123-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5336, "texte": "wird es ihm nicht gehen, wie so manchen Cafetiers, die\nim Gate vortreffliche Geschäfte machten und im Hötel\nzurückgingen.\nUnsere Operndichter und Componisten haben be-\nkanntlich ein Filial in Baden-Baden errichtet, für welches\nim vergangenen Jahre unter Anderen auch Rosenhain und\nLitolff geliefert haben. Die dort zur Aufführung kommen-\nden französischen Werke haben ihren Tasr, oder vielleicht\nn 7\nauch zwei; in der Naturgeschichte waren die Ephemeren\nlängst bekannt, in der Musikgeschichte sind sie erst in\nBaden aufgekommen.\nIn Bezug aul grosse Aufführungen von Vocalwerken,\ndie bekanntlich hier sehr selten sind, ist zu erwähnen,\ndass Mozart's Requiem in der Kirche Notre Dame\naufgeführt wurde auf Veranstaltung des Barons Taylor,\ndes hochverdienten und allgemein verehrten Präsidenten\ndes Vereins der Tonkünstler. Derselbe Mäcen veranlasste\nauch zur Feier des Cäcilien-Festes durch den Tonkünstler-\nVerein und zum Besten der Casse desselben am 23. No-\nvember die Messe in C-durvon Beethoven in der\nKirche St. Eustache. Sollte man in Deutschland, wo diese\nso genannte kleine Messe Beethoven's in allen Landstädten,\nja, in einigen Gegenden selbst in grösseren Dorfkirchen\ngesungen wird, sollte man es dort glauben, dass in der\nKaiserstadt Paris, welche der Mittelpunkt der musicali-\nschen Welt sein will, diese Aufführung am 23. November\n1863 die erste von diesem Meisterwerke war? Und doch\nist dem wirklich also. Gerade fünfzig Jahre nach dem\nErscheinen der C-clur-Messe (Leipzig, 1813, bei Breit-\nkopf und Härtel) wurde sie zum ersten Male in Paris auf-\ngeführt, und zum ersten Male berichteten französische\nmusicalische Blätter und Feuilletons darüber und gaben\nförmliche Analysen derselben, wie von einem so eben erst\ngedruckten Werke! Diese Analysen sind gut und theil-\nweise enthusiastisch geschrieben, auch hat die Messe einen\nausserordentlichen Eindruck auf die Masse von Musik-\nfreunden gemacht, welche die Kirche füllten; aber immer\nbleibt es doch eine merkwürdige Geschichte. Sehr schla-\ngend sagt Adolph« Botte in der Gazette et Revue (vom\n29. November v. J.): „Da beklagen sich die lebenden\nComponisten, dass man ihre Sachen nicht bei unseren\nKirchenfesten aufführe! Wenn sie daran denken wollten,\nwie langer Vernachlässigung bei uns Männer von dem\nMaasse Beethoven's und Weber's unterworfen gewesen,\nso würden sie lernen, sich zu gedulden. Schreibt nur\nWerke wie Beethoven und Weber, und eure Zeit wird\ngewiss kommen! Aber die Geduld ist eben nicht die Tu-\ngend unserer Generation: bei den Musikern vielleicht aus\ndem Grunde, weil sie fühlen, dass mit ihnen auch ihre\nWerke sterben werden. Nun, bis der musicalische Fort-\nschritt, der freilich Iraglicher ist, als mancher andere,\nuns alles das bringt, was er diesseit und jenseit des Rhei-\nnes verheisst, wollen wir wenigstens bekunden, dass Beet-\nhoven trotzdem oder vielmehr desswegen, weil er sich den\newigen Gesetzen der Kunst unterworfen hat, wie das Ge-\nnie sich ihnen unterwerfen muss, ein prächtiges Werk in\ndieser Messe geschrieben hat.44\nUie Ausführung war gut, auch bei den Chören, was\nin Frankreich selten der Fall ist und dieses Mal vorzüg-\nlieh den Bemühungen Pasdeloup's, welcher das Ganze di-\nrigirte, und des Vereins der Tonkünstler zu verdanken\nsein mochte. Das Solo-Quartett war recht schön durch\ndie Damen Wertheimber und de Taisy und die Herren\n\"Warot und Faure besetzt.\nEhe ich über die Concert-Vereine berichte, schicke\nich die Notiz über den Ullmarrschen Stern, Carlotta Patti,\nvoran, welche im December hier war, aber nicht öffent-\nlich gesungen hat. Sie hat nur bei Rossini und bei Meyer-\nbeer gesungen, sonst nirgends; weder Pasdeloup's Aner-\nbieten von -3000 Francs lur die Arie der Königin der\nNacht in seinem Concert populaire,noch Pereire's Antrag\nvon 5000 Francs für eine Soiree haben sie bewegen\nkönnen. Die Directionen aller Opernbühnen haben sich\nüberboten, sie zu gewinnen, aber vergebens: selbst das\nstrenge Tribunal der Conservatoire-Concerte hat\nsich, allen Traditionen zum Trotz, entschlossen, nachdem\nman die Künstlerin bei Rossini gehört, ihr den ehrenvollen\nAntrag zu machen, im Conservatoire zuerst in Paris auf-\nzutreten, und diesen Antrag hat Carlotta angenommen,\nwird ihm aber erst Anfangs April genügen. Ihre Weige-\nrung, früher sich hören zu lassen, hängt, wie ich von gu-\nter Hand erfahre, mit einem Uebereinkommen zusammen,\ndas zwischen beiden Schwestern besteht, niemals zu glei-\ncher Zeit in einer und derselben Stadt zu singen. Da\nnun Adelina vom 1. Januar bis Ende März bei der hie-\nsigen italiänischen Oper engagirt ist, so wird Carlotta\nerst im April im Conservatoire-Concerte auftreten. Ich\ngehöre zu den wenigen Glücklichen, welche sie gehört\nhaben; ich halte jedoch mein Urtheil zurück, weil ich es\ndieses Mal gegen meine Gewohnheit in so lebhafte Farben\nkleiden würde, dass Du mich am Ende eher für einen\nverblendeten Enthusiasten, als für einen nüchternen Kriti-\nker halten möchtest. Aber fch stelle einen Gewährsmann,\nden seine musicalische Welterfahrung und seine Jahre\nmehr als mich vor dem Verdachte der leichtsinnigen Hin-\ngabe an das Schöne schützen, und dies ist kein Anderer\nals Meyerbeer, von dessen begeisterten Aeusserungen ich\nZeuge war, in denen er unter Anderem aussprach, dass\ngewisse überraschende Stimm-ElTecte in der Vortrags-\nweise der Carlotta eben so reizend und unerklärbar wären,\n\n[1"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640123-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 469, "texte": "wie früher bei Jenny Lind. Er hat die schöne Schluss-\nscene aus dem „Feldlager in Schlesien\" für Sopran und\nobligate Flöte für ihre hohe Stimmlage eingerichtet. Soll\nich noch hinzufügen, dass nach meiner Ansicht Carlotta\nin gewissem Sinne mehr eine Natursängerin, einzig in ihrer\nArt, als eine vollendete Künstlerin zu nennen sein dürfte,\nso magst Du daraus ersehen, dass ich doch den kritischen\no\nVerstand nicht ganz über ihren Gesang eingebüsst habe.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-01-23-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-01-23_01#c003", "volume": "bmtnabi_1864-01-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "28", "page_fin": "29", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640123-01.2.3", "titre_corps": "Beurtheilungen.", "titre_sommaire": "Beurtheilungen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640123-01.1.4", "debut_caractere": 471, "fin_caractere_exclue": 5056, "texte": "Beurtheilungen.\nViolinschule von Ferd. David. Verlag von Breitkopf\nund Härtel in Leipzig.\nDer berühmte Lehrer eines Joachim, Japha und an-\nderer Violin-Virtuosen hat mit dieser vortrefflichen Vio-\nlinschule Lehrern und Lernenden eine Unterstützung ge-\nboten, welche wohl geeignet ist, den mühseligen Pfad der\nGeiger um ein Beträchtliches zu ebnen. Im ersten\nTheile genannten Werkes behandelt der Verfasser unter\ndem Titel „Der Anfänger\" die Elemente des Violinspiels\nund sucht durch passende Zeichnungen, klar ausgespro-\nchene Regeln und stufenweise geordnete Etüden und Ton-\nstücke den Schüler bis zu einem Standpunkte zu führen,\nvon welchem aus das wahrhaft Künstlerische beginnen\nkann. Der „vorgerückte Schüler\", wie der Verfasser den\nzweiten Theil betitelt hat, behandelt nun eben die höhere\ntechnische Ausbildung und zeigt neben gedrungenen Re-\ngeln eine Menge von instructiven Noten-Vorlagen, wie wir\nsie in so ausgezeichneter Stufenfolge und praktischer Zu-\nsammenstellung noch nirgends gefunden haben. Die um-\nfassendste Literatur-Kenntniss des Violinspiels, welche aus\ndiesem Werke hervorleuchtet, die kurzen, aber erschöpfen-\nden Erklärungen, deutsch und französisch, der Reichthum\ninstructiver, zum Theil reizend componirter Tonstücke und\nendlich die bereits glänzend bewährte Methode erheben\ndas Werk zu dem ersten und vorzüglichsten seiner Gat-\ntung, Da nun auch in der Ausstattung nirgends ein Mangel\nentdeckt werden kann, so müssen wir mit allem Nach-\ndruck dieses vortreffliche Werk Musik-Instituten, Lehrern\nund Schülern zur Kenntnissnahme empfehlen. TC.\nS. Jadassohn, Symphonie für Orchester. Op. 24.\nVerlag von C. F: W. Siegel in Leipzig.\nDerselbe, Ouvertüre für grosses Orchester. Op. 27.\nDerselbe Verlag.\nIm siebenten Gewandhaus-Concerte wurde uns von\ngenanntem Componisten eine neue Sinfonie vorgeführt,\nderen Erfolg uns Veranlassung gibt, auf die früheren Or-\nchesterwerke dieses Autors aufmerksam zu machen. Opus\n24 zählt zu den noblen, ehrenfesten Werken, die man\nnicht anders als mit innerem Wohlbehagen anhören kann.\nDurch und durch gesund in der Harmonik und nirgends\ngeschraubte, affectirte Melodiefolgen zeigend, erkennen\nwir aus demselben ein frisches, kräftiges Talent, welches\ndie achtungswerthesten Studien zu einer nicht gewöhn-\nlichen Formfertigkeit gelangen liessen. Nicht allein im Bau\nder einzelnen Sätze, sondern auch in der Zusammen-\ngehörigkeit derselben erblicken wir die mit künstlerischem\nBewusstsein gelöste Aufgabe, eine schätzenswerthe Errun-\ngenschaft, welche das ausgebildete Talent vom naturalisti-\nschen unterscheidet. Dem frischen ersten Satze in\nfolgt das neckische Scherzo in an welches sich ein\nLargo in F-moll anschliesst, worauf naturgemäss sich mit\ngut gewähltem Contraste das Finale in C-dur entfaltet\nund das Ganze brillant abschliesst.\nAuch die bezeichnete Ouvertüre in Op. 27,\nist ein sehr achtungswerthes Werk, in welchem nament-\nlich das sinnige zweite Motiv in Es-dur als gelungene me-\nlodische Erfindung hervorzuheben ist. In der Wiederho-\nlung tritt dann dasselbe in C-d mit veränderter Instru-\nmentirung auf, die sich hauptsächlich durch ein reizendes\nOboe-Solo und hierzu gearbeiteten Contrapunkt der Celli\nals wirkungsvoll erweist. In der Durchführung wäre mehr\ncontrapunktische Detail-Ausarbeitung zu wünschen, welche\nja grösseren geschlossenen Sätzen einen so wohithuenden\nReiz verleiht. Beide Werke gehören demnach zu den\nguten, anständigen Productionen der Jetztzeit und seien\nhiermit den Concei t-Instituten angelegentlich empfohlen.\n- ' W.\nVollständige Clavierschule. Herausgegeben von M.\nBisping, Lehrer am Münster'schen Musik-Insti-\ntut. Zweite Auflage. Münster, in Commission der\nTheissing'schen Buchhandlung.\nDieses Werk zerfällt in drei Abtheilungen von je zwölf\nHeften, von denen die ersten Hefte jeder Abtheilung dem\nLehrer in progressiver, systematischer Weise das gesammte\nMaterial für den Unterricht von den ersten Anfängen bis\nzum Vortrage Mozart'scher und Haydn'scher Ciaviermusik\nund den leichteren Werken Beethoven's in Regel und Bei-\nspiel bieten, und die folgenden Hefte die den gegebenen\nRegeln entsprechenden Fingerübungen, Etüden und Musik-\nstücke enthalten. Es fragt sich, ob bei der grossen Zahl\nvorhandener Ciavierschulen diese neue zeitgemäss ist, und\nob dieselbe ihre Aufgabe zweckmässig gelöst hat. Diese\nFragen sind unbedingt zu bejahen. Was zunächst den\ntheoretischen Theil betrifft, so gibt derselbe in gedrängter\nund doch überall klarer und völlig ausreichender Kürze\ndas Erforderliche, von der Kenntniss der Töne und Noten\nan bis zur Auffassung und zum Vortrage. Hieran schlies-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "29", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640123-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2578, "texte": "sen sich auf der letzten Seite eines jeden. Heftes Andeu-\ntungen über den praktischen Gebrauch der einzelnen Hefte.\nAlle diese durch Wort und Regel gegebenen Anleitungen\nzeichnen sich dadurch vor vielen anderen Ciavierschulen\naus, dass sie nirgends in überflüssiges Definiren oder gar\nin nutzloses Theoretisiren verfallen, sondern, von der ge-\ndiegenen Erfahrung des Verfassers zeugend, überall das\nerforderliche Wissen für das letzte Ziel aller Schule, das\npraktische Können, nutzbar machen. Dieselbe Anerken-\nnung verdient der praktische Theil. Die gegebenen Uebun-\ngen umfassen den gesammten mechanischen und techni-\nschen Apparat von den ersten Elementen des Clavierspiels\nbis zu dem oben angegebenen Ziele. Sie schreiten zweck-\nmässig von der leichteren Stufe zur schwierigeren fort. Es\nzeigen sich weder Sprünge noch unnöthige Wiederholun-\ngen. Dabei ist die möglichste Vielseitigkeit erreicht; alle\nTonarten in Dur und Moll, alle Tactarten, alle Manieren\nu. s. w. sind durch die zweckmässigsten Uebungen vertre-\nten. Was insbesondere neben dem rein technisch-prakti-\nschen Theile die Auffassung und den Vortrag betrifft, so\nversteht es sich von selbst, dass die erste Bedingung für\ndie Lösung dieser Aufgabe die Darbietung von Musik-\nslücken ist, deren Inhalt Auffassung und Vortrag gestattet\nund dieselben nicht zu abschreckenden Beispielen für den\nLehrer und den Schüler macht. Diese Bedingung erfüllt\ndas Werk vorzugsweise. Mit einem überall von classischer\nRichtung zeugenden Geschmacke ist aus dem massenhaften\nMaterial aufs sorgfältigste das gewählt, was durch seinen\nmusicalischen Gehalt selbst den Schüler anzuregen, seinen\nGeschmack zu bilden und ihn unter Beihülfe des Lehrers\ndurch Vorspielen und Anleitung zu eigenem, dem Inhalte\nentsprechenden Auffassen und Vortragen zu befähigen ver-\nmag. Alle Formen der Ciaviermusik vom Tanze bis zur\nFuge werden dem Schüler geboten; jedoch ist die So-\nnate, als die vollendetste Form, mit Recht bevorzugt. Zum\ngrossen Theile sind diese Musikslücke vom Verfasser selbst\ncomponirt und finden sich unter denselben nur classische\nSachen. Die theoretischen Anleitungen sind in deutscher,\nfranzösischer und englischer Sprache gegeben. Auch spricht\nfür das Werk, dass es bereits in zweiter Auflage erscheint.\nDie Ausstattung ist schön und correct und der Preis in\nVergleich mit anderen Clavierschulen dieses Umfanges\nein sehr mässiger, indem die grosse Notenseite durch-\nschnittlich nur zehn Pfennige kostet; auch sind sämmtliche\n36 Hefte einzeln zu haben. Das vortreffliche Werk ver-\ndient hiernach die beste Empfehlung.\n★ A ★"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-01-23-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-01-23_01#c004", "volume": "bmtnabi_1864-01-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "29", "page_fin": "30", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640123-01.2.4", "titre_corps": "Richard Wagner’s Concerte.", "titre_sommaire": "Richard Wagner’s Concerte.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "29", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640123-01.1.5", "debut_caractere": 2580, "fin_caractere_exclue": 5250, "texte": "Richard Wagner’s Concerte.\nRichard Wagner gibt bekanntlich nach seiner Rück-\nkehr von Petersburg in Deutschland in verschiedenen\nStädten, z. B. in Wien, Karlsruhe, Frag u. s. w., Concerte,\nin welchen er Bruchstücke aus seinen neuesten dramatisch-\nmusicalischen Werken, denen sich bis jetzt noch die Pfor-\nten der Operntheater verschliessen, aufführt. Da die Pro-\ngramme dieser Concerte meistens dieselben sind, so kommt\neine Beurtheilung des Concertes in Karlsruhe auch jetzt\nnoch nicht zu spät, zumal da sie mehr ist, als ein blosses\nReferat.\nRichard Wagner hat vor einem enthusiastisch ange-\n. O\nregten Hause sein grosses Concert mit vereinten Orche-\nsterkräften von Karlsruhe, Mannheim und Baden gege-\nben. Drei Stücke waren es vorzugsweise, welche ganz all-\ngemein und tief auf das gesammte Publicum wirkten: 1.\nSiegmund's Liebeslied aus „Die Walküre\", ein sinniger,\ngemüth- und poesievoller Tenorgesang von einschmeicheln-\ndem, melodischem und instrumentalem Zauber. 2. Der Ritt\nder Walküren, ein charakteristisch gerundetes, von der\nunbeschränktesten Herrschaft über die orchestralen Mittel\nzeugendes Instrumentalstück. 3. Wotan's Abschied und\nFeuerzauber, ein grandioses Gemälde für Solo-Bariton und\nOrchester, nicht durchaus und gleichmässig schön in der\nDurchführung, aber in den Einzelheiten zu dem Besten\nzählend, was er geschrieben hat. Alle anderen Stücke tra-\ngen mehr oder weniger, den Stempel der Gewaltsamkeit,\nder Seltsamkeit oder in auffälligem Grade jener Gattung\nvon Instrumental-Malerei an sich, die sich begnügt, sprach-\nliche Gedanken instrumental zu färben und grandiose Na-\nturlaute oder Naturerscheinungen mit instrumentalen Wir-\nkungen nachzubilden. Auch da, wo, wie in einzelnen\nStücken aus den Meistersängern, gewaltige Massen polyphon\nzusammengeführt werden, scheut sich der Meister keinen\nAugenblick, sie wild und wirr zusammen zu stellen. Unter\ndiesen Umständen war es kein Wunder, dass der grösste\nund nachhaltigste Erfolg des Abends dem einzigen Stücke\ngehörte, welches aus der Gemüthstiefe der Menschenbrust\nheraussprach und melodische Süssigkeit mit instrumentaler\nSchönheit vereinigte. Das reizende Musikstück musste wie-\nderholt werden und trug dem Sänger, Herrn Brandes, wie\ndem Meister doppelten Hervorruf ein. Im Ganzen ist die\ninstrumentale Sprachvollkornmenheit in diesen neuesten\nWerken bis auf die Spitze getrieben, aber sie paart sich\nzugleich mit einer Rücksichtslosigkeit, die keinen Augen-\nblick ansteht, die Gränzen des Schönen weitaus zu über-\nschreiten. In dem Vorspiel zu „Tristan und Isolde\" kehrt\nein ganz kleines und an sich unbedeutendes Motiv auf allen\nTonstufen wiederholt so sehr bis zur Unendlichkeit wieder,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640123-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1424, "texte": "Dass feiner organisirte Nerven von förmlichem Zittern er-\ngriffen werden. Andererseits ist in dem Schmelz- und\nSchmiedeliede Siegfried's die menschliche Stimme zum Am-\nbos erniedrigt, auf welchem die instrumentale Masse so\nherumhämmert, dass damit ein Grundprincip der musica-\nlischen Glaubenslehre dass nämlich in der Oper die\nmenschliche Stimme die edelste Trägerin der Melodie sei\nvernichtet erscheint. Alles in Allem genommen, hat sich\nnj*ch Anhörung dieser Musik-Aullührung der Glaube an\nWagner nur vermindern können. Die Tonsprache, in der\ndie alten Meister Originalwerke bildeten, mit der sie mu-\nsicalische Gedanken und Charaktere zu schaffen vermoch-\nten, die ihr Leben in sich selbst trugen, ist in Wagner's\nneuesten Werken vollständig zur grossen Farbenschachtel\ngeworden., mit der er Programm-Gedanken ins Musicali-\nsche hinein illustrirt, sei es auch hier und da genial und\nin einem gewissen Sinne grossartig. Wenn Mendelssohn\nnoch sagen durfte, die Musik fange für ihn da an, wo die\nSprache aufhört, so haben beide bei Wagner ein Verhält-\nniss geschlossen, das dahin gediehen ist, dass die Musik\nder Sprache erklären muss: „Ich kann nicht ohne dich\nleben; ohne dich verstehe ich mich selbst nicht mehr, und\ndie Anderen verstehen mich auch nicht mehr.\" Von zehn\nvorgeführten Stücken redete nur Eines vollständig die Ge-\nmüthssprache der Tonkunst, und dieses eine fand den\nmeisten Beifall Siegfried's Liebeslied."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-01-23-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-01-23_01#c005", "volume": "bmtnabi_1864-01-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "30", "page_fin": "31", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640123-01.2.5", "titre_corps": "Aus Wien.", "titre_sommaire": "Aus Wien.", "signature_source": "R", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640123-01.1.6", "debut_caractere": 1426, "fin_caractere_exclue": 5126, "texte": "Aus Wien.\n\nDen 7. Januar 1864.\nGestern fand im grossen k. k. Redoutensaale das zweite\ndiesjährige Concert der wiener Sing-Akademie unter Lei-\ntung ihres Chormeisters Johannes Brahms Statt. Was\nwir nach dem ersten Debüt dieses jungen Capelimeisters\ngesagt haben*), können wir heute vollkommen bestätigen,\nindem er sich als tüchtigen und umsichtigen Dirigenten be-\nwährt hat. Mit Ruhe und Anstand dirigirend, weiss er\nChor und Orchester so sicher in der Hand zu halten, dass\ndie schwierigsten Musikstücke anscheinend mit der gröss-\nten Leichtigkeit ausgeführt werden. Zur Aufführung ka-\nmen: 1) Motette (achtstimmig) Mendelssohn-Bartholdy, f\n1847; 2) Christen-Triumphlied aufs Osterfest (zweichö-\nrig) Joh. Eccard, f 1611; 3) Sauli Bekehrung (dreichö-\nrig mit Instrumental-Begleitung) 11. Schütz, f 1672; 4)\nBenedictus (zweichörig) Joh. Gabrieli, -}• 1612; 5)\nRegina (fünfstimmig) Giovanni Rovetta, -j- 1668; 6) Ele-\ngischer Gesang (mit Begleitung von Streich-Instrumenten)\nL. van Beethoven, f 1827; 7) Deutsche Volkslieder; 8)\nCantate (mit Orchester) J. S. Bach, -J- 1750. Wenn ein\nsolches Programm vermag, den grossen Redoutensaal zu\nfüllen, und wenn diese Tausende von Zuhörern bei einer\nso enorm niederen Temperatur, wie sie heute im Saale\nherrschte, bis zum Schlüsse ausharren, dann braucht wohl\nfür Wien über die zunehmende Theilnahme an dem In-\nstitute und über die Production selbst kaum noch etwas\ngesagt zu werden. Das zahlreiche Publicum fällt dann das\nbeste Urtheil, wenigstens für Wien. Da Ihr Blatt aber\nfür weitere Kreise berichten muss, so wollen wir denn\nauch näher eingehen in die Aufführung der einzelnen\nNummern. Die Motette von Mendelssohn wurde offen\ngesagt von den frierenden Chören halbwarm gesungen\nund, wie jede erste Nummer, von dem in Pelze eingehüll-\nten Publicum eben nur so freundlich aufgenommen, wie\nes die Achtung vor dem Namen des Componisten erlordert.\nDie zweite Nummer schlug schon besser ein und erhielt\nreichen Beifall. Noch mehr des Beifalls erfreute sich der\nDrei-Chor Pauli Bekehrung, welcher auch mit Feuer und\ngrosser Präcision gesungen wurde. und\nRegina liessen ziemlich kalt; dagegen zündete Beethoven's\nGesang wieder. Die Volkslieder gefielen, und wurde das\nletztere zur Wiederholung verlangt, statt dessen aber eiji\nVolkslied von Brahms für vierstimmigen Frauenchor ge-\nsungen, welches auch zur Wiederholung verlangt wurde.\nDen Schluss machte Bach's Cantate, in welcher das Solo-\nRecitativ für Alt von Frau Leder, die Bass-Arie von Herrn\nPanzer, dann das Recitativ für Sopran von Fräulein Hauer,\nsämmtlich Mitgliedern der Akademie, vorzüglich zur Gel-\ntung gebracht wurde. Herr Panzer und Fräulein Hauer\nwurden namentlich vom Publicum ausgezeichnet. Der Chor\nging gut, und so nahm denn dieses Concert einen besseren\nAusgang, als man berechtigt war, anzunehmen, wenn man\nberücksichtigen wollte, dass die vielen Feiertage der letz-\nten Wochen die Mitglieder häufig von dem Besuche der\nUebungen abhielten.\nDas dritte Concert der Sing-Akademie bringt uns Joh.\nSeb. Bach's Weihnachts-Oratorium, und zwar am Palm-\nsonntag.\nMontag den 4. d. Mts. hatte der Wiener Sängerbund\nin den Sperl-Localitäten seine zweite diesjährige Lieder-\ntafel veranstaltet. Es war dies seit der Gründung dieses\nVereins durch L. Raveaux die 47. öffentliche Production.\nZur Aufführung kamen Lieder von F. Abt, F. Silcher, R.\nSchweida, H. Esser, F. Rücken, Cherubini, A. M. Storch\nund C. Schuppert. Bezüglich der Production war diese\nLiedertafel wohl die schwächste, welche bisher in diesem\nVereine vorgeführt wurde. Obwohl das Volkslied von\nSchweida, Chormeister des Bundes, mit Liebe und Aus-\ndruck gesungen wurde, vermochte es doch nicht, durch-\n\n*) Vergl. Nr. 49 d. vor. Jahrgangs."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640123-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1219, "texte": "zugreifen, weil es alles Andere ist, nur kein Volkslied, zu\nwelcher Bezeichnung die Melodie nur in den letzten paar\nTacten berechtigt; es ist eine Mischung von Kriegs-, Zi-\ngeuner- und Matrosenliedern, welche sich am Schlüsse in\neine wunderschöne volksthümliche Melodie verlieren, aber\ngerade durch die grellen Gegensätze jeder harmonischen\nVerbindung entbehren. „Wachet auf\" von Kücken, „0\nlächle stets\" von Cherubini und „Fabian Pech\" von Storch\nwurden gut, wenn auch nicht in jener Weise gesungen,\nwie wir von diesem Sängerbunde Chöre zu hören gewohnt\nsind. Ausser dem Programm kam noch ein Damen-Quar-\ntett zur Aufführung, welches von vier jungen Mädchen,\nSchülerinnen des Herrn Professors Arlet, Chormeisters\ndes Sängerbundes, wahrhaft vorzüglich gesungen wurde;\ndann sang Fräulein Destins, k. k. Hof-Opernsängerin, zwei\nMal Schubert's „Wanderer\" und declamirte Herr Findei-\nser mehrere wirksame Scherzgedichte.\nWenn das Publicum hier anfängt, bei den Lieder-\ntafeln kalt zu bleiben, so mag das der Umstand entschul-\ndigen, dass die in Wien jetzt bestehenden 29 Männer-Ge-\nsangvereine (!) doch am Ende zu viel produciren, indem\njede Woche drei bis fünf Liedertafeln gebracht werden.\n«i\nAllzu viel ist ungesund!\n\nR."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-01-23-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-01-23_01#c006", "volume": "bmtnabi_1864-01-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "31", "page_fin": "31", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640123-01.2.6", "titre_corps": "Sechstes Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller,", "titre_sommaire": "Sechstes Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller,", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640123-01.1.7", "debut_caractere": 1221, "fin_caractere_exclue": 6673, "texte": "Sechstes Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller,\nDinstag, den 12. Januar 1864.\nDas Programm des sechsten Concertes haben wir bereits in\nNr. 3 mitgetheilt.\nSpohr's Ouvertüre zu „Jessonda\" ist keine Concert-Ouverture;\ndazu fehlt es ihr trotz der einschmeichelnden Melodieen an Schwung\nund Glanz.\nHerr Alfred Piatti, der bereits vor vier Jahren durch sein\nausgezeichnetes Violoncellspiel allgemeine Bewunderung bei uns.er-\nregte, spielte auch an diesem Abend ganz vortrefflich, ohne jedoch\ndas Publicum ganz so zu begeistern, wie im Jahre 1859. Das Con-\ncert von seiner eigenen Composition hat viel Schönes, besonders in\nmelodischer Hinsicht, und besitzt den Vorzug, dass es durchaus\nnicht ausschliesslich auf Virtuosität berechnet ist. Die durchweg\nnoble Vortragsweise des berühmten Künstlers, seine vortreffliche\nBogenführung, der sanfte, schmelzende Ton, der die Saiten singen\nlässt, wobei auch nicht das geringste Fremdartige stört, so dass\nman, wenn man die Augen scliliesst, keine Ahnung davon hat, dass\ndieser Gesang durch technische Behandlung und geistige Belebung\neines todten Materials erzeugt wird, die milde Glätte seines Tones\nund der maassvolle künstlerische Tact, welcher ihn vor jeder un-\nschönen Ausschreitung in der Accentuation bewahrt, geben seinem\nSpiele etwas Aristokratisches, und man möchte ihn den Sivori des\nVioloncells nennen. Man kann aber allerdings den markigen, kräfti-\ngen Ton vermissen, der uns neben den heutzutage vorherrschenden\nViolin-Passagen der Violoncellisten doch dann und wann einmal\nwieder daran erinnerte, dass der Bass auch ein paar tiefe Saiten\nhabe; allein es mag für einen Virtuosen, der in London lebt und\nclie Welt durchreist, schwer sein, sich der Liebhaberei der grossen\nMenge an Künsteleien ganz schroff entgegen zu stellen. Wir dürfen\ndesshalb, vollends wenn die technische Fertigkeit eine so enorme\nHöhe erreicht hat, wie bei Herrn Piatti, die allzu strenge Seite der\nKritik nicht herauskehren, können aber doch den Wunsch nicht\nunterdrücken, so gehaltlose Salonstücke wie die so genannte Phan-\ntasie Nr. 4 des Programms lieber durch guten Rath von den Gür-\nzenich-Concerten fern gehalten zu sehen, zumal da wir bei der frü-\nheren Anwesenheit des grossen Meisters seine Auffassung und edle\nAViedergabe der besten classischen Musik in den Quartetten von\nMozart und Beethoven aus vollem Herzen bewundert haben. •\nAn den kirchlichen Hymnus des Stabat mater dolorosa aus dem\ndreizehnten Jahrhundert knüpfen sich die Namen der Musiker Jos-\nquin des Pres (um 1490), Palestrina, drei Viertel-Jahrhunderte spa-\nter als des Pres, Pergolese, hundertundfünfzig Jahre nach jenem,\nAstorga im Anfange des achtzehnten Jahrhunderts, Joseph Haydn\nam Ende desselben und endlich Rossini im neunzehnten Jahrhundert.\nUm RossinTs Composition, welche mehr einer dramatischen Cantate\nals einem kirchlichen Hymnus gleicht, richtig zu würdigen, muss\nman sich auf seinen Standpunkt stellen, und dann wird man auch\nin diesem Werke das musicalische Genie nicht verkennen, dessen\nEingebungen den grossen Meister nie ganz im Stiche Hessen. Neben\nder Introduction, der Tenor-Arie und dem Quartette Scincta mater\ngehört das Inßammatus zu den besten Nummern des Werkes. Fräu-\nlein Julie Rothenberger, deren helle Sopranstimme auch in der\nmittleren Ton-Region gewonnen hat, während ihre Höhe jenen ju-\ngendlich frischen und ohne alle Schärfe und Gedrungenheit natür-\nlich ausströmenden Klang besitzt, der gerade bei einem Sopran so\nwohlthuend ist und durch Kunst niemals ganz ersetzt werden kann,\nhat durch den Vortrag der Solo-Partie auch ihre grossen Fortschritte\nin der Technik des Gesanges bewährt. Die aufsteigende Tonleiter\nmit den Triller-Verzierungen gelang ihr sehr gut, und das hohe C\nstrahlte siegreich über dem Gesänge des ganzen Chors und des vol-\nlen Orchesters. Mit Recht wurde der Sängerin wiederholter Applaus\nund Hervorruf zu Theil.\nDie zweite Abtheilung des Concertes brachte uns endlich ein-\nmal wieder eine begeisternde Sinfonie von Beethoven, und noch\ndazu die neunte. Das Wrerk ist unseren musicalischen Kräften im\nChor und Orchester dermaassen ins Blut übergegangen, dass an eine\nverfehlte oder auch nur irgendwie wankende Ausführung unter der\nausgezeichneten Leitung Hiller's gar nicht zu denken ist, so dass\ndenn auch dieses Mal das prachtvolle Werk in Glanz und Leben\nstrahlte. Nach Anhörung einer solchen Tonschöpfung, die in der\nThat den Gipfel der neueren Musik bildet, stimmen wir in diesem\nEinen Punkte mit Richard Wagner überein, wenn er sagt: rDie\nletzte Sinfonie ist geschrieben.'*\nWenn ich das Adagio dieser Sinfonie und überhaupt irgend ein\nAdagio von Beethoven höre, so denke ich jedes Mal: wenn ich\nDirector eines Conservatoriums oder sonst ein berühmter Compo-\nsitionslelirer wäre, so würde ich von jedem Schüler, sobald er sei-\nnen theoretischen Cursus durchgemacht und in das Stadium der\nComposition käme, verlangen, dass er mir ein Adagio für irgend\nein Instrument oder für Quartett oder Orchester brächte. „Steckte\netwas darin\", wie Mozart sagte, so würde ich sagen: „Fahre for:\n—Du hast Musik in Dir!u Steckte aber nichts darin, und er be-\nriefe sich auf sein originelles Scherzo, oder ein lärmendes Alleyro\ncon fuoco, oder selbst auf eine regelrechte, aber gequälte Fuge, s\nwürde ich ihm den Rath geben, alles mögliche Musicalische zu\ntreiben, wenn er durchaus Musiker werden wolle, aber nur nichts\nzu componiren."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-01-23-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-01-23_01#c007", "volume": "bmtnabi_1864-01-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "32", "page_fin": "32", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640123-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640123-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5650, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMainz« Se. Königl. Hoheit der Grossherzog von Hessen-\nDarmstadt haben dem Chef der hiesigen Musik-Verlagshandlung von\nB. Schott's Söhnen, Herrn Franz Schott, das Prädicat eines\nGrossherzoglichen Commerzienrathes zu verleihen geruht. Diese\nwohlverdiente Auszeichnung wird nicht nur von den Mitbürgern des\nHerrn Schott, sondern auch von der ganzen musicalischen Welt,\nmit der derselbe in so unendlich vielfacher persönlicher und ge-\nschäftlicher Beziehung steht, mit freudiger Theilnahme begrüsst\nwerden.\nMannheim« Am 1. Januar wurde hier die Oper „Lorelei\"\nvon Geibel und Max Bruch zum sechsten Male bei vollbesetztem\nHause und fortwährendem Beifalle gegeben.\nJBoeltenlieim, 18. Januar. Am 16. d. Mts. verstarb hier,\nwo er schon längere Jahre zurückgezogen lebte, Professor Anton\nSchindler, bekannt als Musik-Kritiker und Freund L« van Beet-\nhoven's. Erbe des künstlerischen Nachlasses von Beethoven, hat er\nseiner Zeit während des Aufenthalts in Münster den werthvollen\nSchatz durch die Vermittlung des Ministers Hansemann der preussi-\nschen Regierung für das Museum zu Berlin gegen eine Lebensrente\nüberlassen und glänzendere Angebote von englischer Seite, um\nDeutschland die Erbschaft des grossen Todten zu erhalten, in edler\npatriotischer Gesinnung von der Hand gewiesen. Wie wir hören,\nwerden sich in dem Nachlasse des nun Verstorbenen noch manche\ninteressante Schriftstücke Beethoven's vorfinden.\nDem Componisten Dr. Aloys Schmidt in Frankfurt am Main\nist vom Kaiser von Oesterreich für die demselben gewidmete Oper:\n„Das Osterfest von Paderborn\", die goldene Medaille für „Kunst\nund Wissenschaft\" verliehen worden. Die Oper soll am wiener Hof-\nOperntheater zur Aufführung kommen. (Siidd. M.-Z.)\nHerr Capellmeister Lampert in Coburg hat zu Weber's\nOberon Recitative, zu denen Herr von Meyern den Text gelie-\nfert hat, geschrieben; die Aufführung der Oper in dieser neuen Ge-\nstalt hat allgemein angesprochen.\n* Potsdam, Ende December v. J. Von unserer Stadt ver-\nlautet wenig in musicalischer Beziehung; die Nähe des grossen\nBerlin erdrückt uns. Und doch hat sich das hiesige Musikleben seit\neiniger Zeit recht erfreulich gehoben. Herr Hauptlehrer Wendel\nleitet einen Gesangverein für classische Musik und veranstaltet jähr-\nlich einige Aufführungen dahin einschlagender Werke. Ferner exi-\nstiren hier die „philharmonischen Concerte\", deren Programme\nebenfalls zu loben sind. In gegenwärtigem Winter hat Herr\nFr. W. Voigt, der früher seine Studien auf dem Conservatorium\nzu Köln gemacht hat und seit sieben Jahren Musik-Director der\nCapelle des k. I. Garde-Regiments z. F. ist, ein neues Concert-\nUnternehmen im Palast Barberini begründet, welches durch zahlrei-\nchen Besuch, besonders auch durch die Theilnahme der Aristokratie\nbegünstigt wird. In den bisher Statt gefundenen drei Concerten,\ndenen noch drei folgen werden, hörten wir in recht präciser und\nausdrucksvoller Ausführung durch die vierzig Personen starke Ca-\npelle unter der sicheren Leitung des Herrn Voigt die Sinfonie Nr.\n5 von Beethoven, Mendelssohn's Fuge in E-moll, instrumentirt vom\nGrafen Paul von Waldersee, eine Ouvertüre von Nicolai, Sinfonie\nin C-dur (Fuge) von Mozart, Ouvertüre zu Coriolan von Beethoven,\nzu Teil von Rossini, Sinfonie von Ulrich, Oberon-Ouverture von\nWeber, Andante von Haydn und mehrere Solosachen für Gesang,\nPianoforte und für Violine.\nBremen, 11. Januar. Mendelssohn's Oratorium „Elias\"\nwurde hier in der Domkirche von der Sing-Akademie aufgeführt\nund hat eine grosse Begeisterung hervorgerufen. Die Aufführung\nunter Leitung des Musik-Directors Herrn Reinthal er war eine\nsehr lobenswerthe und ist die Präcision und der Schwung der Chöre\nbesonders hervorzuheben. Die Soli sangen Frau Caggiati aus Han-\nnover, Fräulein Meyer aus Berlin, Herr Wie dem ann (Tenor) aus\nLeipzig und Herr Stockhausen aus Hamburg.\nAltona« Nachdem Holstein vor der Hand wieder deutsch\ngeworden, ist nicht nur das seit dem Tode des Königs von Däne-\nmark geschlossene hiesige Stadttheater wieder eröffnet, sondern auch\ndas Repertoire desselben mit einigen bisher verpönten Stücken, wie\nz. B. „Graf von Schwerin\", bereichert worden.\nDer J3. Erinnerungstag an die Geburt Beethoven's wurde in\nWien in würdiger Weise gefeiert. Die „Ostd. Post\" macht darauf\naufmerksam, dass bei dieser Gelegenheit der einzige und wahre Ge-\nsichts-Abdruck Beethoven's, eine Abbildung von Gyps, die Beetho-\nven in den zwanziger Jahren (wo er schon über 50 Jahre zählte)\nvon seinem Kopfe abnehmen liess, die allgemeine Bewunderung er-\nregte, da selbst die feinsten Nuancirungen des Gesichtes (wie die\nPoren) auf der Maske erscheinen. Ausserdem, dass Beethoven nur\nein Mal einen Abdruck von seinem Gesichte nehmen liess, so liess\ner sich während seines Lebens auch nur ein einziges Mal malen,\nund zwar im Jahre 1815 von seinem Freunde Mähler. Dieses\nBildniss sollte nach America kürzlich verkauft werden, und eben,\nals es dorthin verpackt wurde, rettete es noch ein wiener Kunst-\nfreund, v. Karajan, für die Stadt Wien.\nEduard Rdmenyi ist von seiner Kunstreise nach Pesth zu-\nrückgekehrt und soll von dem Ertrage derselben 2000 Fl. an die\nCasse für nothleidende Ungarn gegeben haben.\nThalberg ist, nachdem er in London und in den englischen\nProvinzen 109 Concerte gegeben und Geld gesammelt hat, nach\nNeapel gereist.\nParis« Die Gesellschaft der Conservatoriums-Concerte ist am\n21. December v. J. zur Wahl eines neuen Orchester-Dirigenten ge-\nschritten, welche auf Herrn Hainl, den Director des Orchesters\nder grossen Oper, fiel.\nFranz Liszt wird diesen Winter in Petersburg erwartet.\nMan weiss jedoch noch nicht, ob er die ihm gemachten Propositio-\nnen annehmen wird."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640123-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nPariser Briefe (Rückblick auf 1863. Die Opernbiihnen. Die Orchester-Concerte. Fraschini. Carlotta Patti). Beur-\ntheilungen. Violinschule von Ferd. David. S. Jadassohn, Symphonie für Orchester, Op. 24; Ouvertüre für grosses Orchester, Op. 27.\nVollständige Clavierschule von M, Bisping. Richard Wagner's Concerte. Aus Wien (Sing-Akademie Sängerbund). Von R.\nSechstes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unterh altungsblatt (Mainz, Ernennung Bockenheim u. s. w.\n\nPariser Briefe.\n(Rückblick auf 1863. Die Opernbühnen. Die Orchester-\nConcerte. FrasehinL Carlotta Patti.)\nDie Zeiten, in denen sich die Pariser nach neuen\nStücken auf ihren Theatern sehnten, und eine Direction\nzu Grunde ging, wenn sie nicht jährlich Neues und viel\nNeues auf die Bretter brachte, sind vorbei. Dass früher\neine Oper ganz Paris in Bewegung setzen, Parteien ent-\nzünden, die musicalisch-ästhetische Literatur in Zeitungen\nund Broschüren Monate lang fast allein beherrschen\nkonnte, gehört für das gegenwärtige Geschlecht in das\nReich der Fabel. Gibt es ja einmal etwas Frappantes, so\nmüht sich die Reclame wochenlang ab, um das Publicum\nglauben zu machen, es sei ein neuer Planet entdeckt; er\nerscheint an unserem Horizonte, und in drei Tagen spricht\nkein Mensch mehr davon. Wie bitter hat sich Bichard\nWagner getäuscht, als er nach Deutschland schrieb, der\nTannhäuser habe eine Bewegung in Paris veranlasst, die\nrevolutionirend und nachhaltig sein werde, weil sie die\nmusicalische Welt in zwei Gegensätze gespaltet habe!\nAcht Tage nach der Aufführung bekümmerte sich Nie-\nmand mehr um den Lorber aus dürrem Holze, und höch-\nstens der Venusberg blieb ein paar Wochen lang in Er-\ninnerung bei dem Galerie-Publicum.\nDichter und Componisten beklagen sich und rufen\nWehe über die Directionen, die nichts Neues von ihnen\nannähmen; die Directionen klagen, dass ihnen Dichter und\nComponisten nichts Gutes darböten. Die öffentlichen\nBlätter, in denen die musicalischen Kritiker ihre Weisheit\nauskramen, stimmen in die Empfindlichkeit und den lau-\nten Aerger der alten und jungen Laureaten ein und fah-\nren gegen die Directoren los, ohne zu bedenken, dass das\nOperntextmachen ein Fabrik-Unternehmen und das\nOpernmusikschreiben ein Handwerk geworden ist, und\nman doch Niemanden zwingen kann, für gutesGeld schlechte\nWaare zu kaufen, die, nachdem sie ein paar Tage am\nSchaufenster gehangen, ins Magazin zur ewigen Ruhe ge-\nbracht wird. Ja, sie schimpfen sogar auf die Eisenbahnen.\nWarum? Das pariser Publicum, behaupten sie, sei noch\neben so kunstsinnig und nach dramatischen Neuigkeiten\nbegierig, wie sonst; aber die Macht, die Theater zu be-\nherrschen und die Directionen zu neuen Opern zu zwin-\ngen, sei ihm genommen. Durch wen? Durch die Eisen-\nbahnen. Diese spieen alle Tage hunderttausend Fremde\nin Paris aus, welche die Theater füllten und in ihrem\nProvincial-Geschmacke Robert den Teufel und die Huge-\nnotten, die Stumme von Portici und den Schwarzen Do-\nmino, die Jüdin und die Musketiere der Königin, den Wil-\nhelm Teil und den Barbier, oder gar die Weisse Dame\nund Figaro's Hochzeit lieber hörten, als die neuen Er-\nzeugnisse der französischen Muse. Das wissen die Directio-\nnen sehr gut; sie machen vortreffliche Geschäfte mit den\nFremden und lassen die Pariser schimpfen.\nEs ist aber keine Frage, dass auch die Pariser selbst\njetzt lieber das gute Alte, als das weniger gute Neue hö-\nren, und an dieser Aenderung des Geschmackes sind zwei\nDinge schuld: ein schlimmes, das ist der ins Ungeheure\ngetriebene Decorations- und Maschinerie-Spectakel, der\nnicht mehr überboten werden kann und dem Stamme der\nOpernbesucher am Ende langweilig wird, und ein gutes,\ndas ist die Gewöhnung einer grossen Masse von Dilettan-\nten an gute Instrumental-Musik, welche jetzt nicht\nbloss die Conservatoire-Gesellschaft den Meistbeerbten vor-\nsetzt, sondern die Concerts pauch der Menge\nzugänglich machen. Wenn man bedenkt, dass Paris eigent-\nlich noch nie ein solches Concert-Institut besessen hat,\ndass es in dieser Beziehung hundert kleineren Städten in\nDeutschland nachstand, wo die Meisterwerke Haydn's,\nMozart's, Beethoven's u. s. w. den Dilettanten zu täglichem\nBrode geworden sind, so wird man begreifen, was eine\nReihe von Concerten in einem Locale, das jedes Mal an"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640123-01.1.2", "texte": "4000 Menschen füllen, seit einigen Jahren für einen Ein-\nfluss auf die musicalische Bildung haben müsse.\nDie jungen Componisten und Dichter erwarten ihr\nHeil von dem neuen Gesetze über die Freiheit der Thea-\nter; ich glaube nicht, dass diese Erleichterung der Errich-\ntung neuer Bühnen der wahren Kunst förderlich sein wird.\nEs wird einige Bankerotte mehr in Paris geben,\ntout. Man muss bedenken, dass mit den Bühnen-Privilegien\nund Subventionen die Möglichkeit gegeben war, den\nmaasslosen Ansprüchen der Sänger an die Casse und des\nPublicums an die Pracht der Ausstattung zu genügen; wie\nsollen beide bei gänzlich freier Concurrenz durch Privat-\nunternehmer befriedigt werden können?\nIn den zwölf Monaten des Jahres 1863 hat die grosse\nOper nur zwei Neuigkeiten gebracht; „Das Maulthier des\nDon Pedro\", in zwei Acten von Victor Masse, und das\neinactige Ballet „Diavolina\" von Pugni und das „Maul-\nthier\" ist noch dazu fast so, wie es den Stall verlassen\nhatte, stehen geblieben und wird wahrscheinlich nie wie-\nder vorangehen. Dagegen hat die „Stumme\" seit dem 10.\nJanuar 1863 sich auf der Scene gehalten und stets das\nHaus gefüllt. Eben so haben gezogen und ziehen noch\n„Robert\" und „Die Hugenotten\". Der neue Tenor Villa-\nret und die neue Sängerin Mademoiselle Sax haben sogar\nVerdi's „Sicilianische Vesper\", aber auch „Wilhelm Teil\",\n„Die Jüdin\" und den „Troubadour\" wieder auf die Scene\ngebracht, der Tenor Warot den „Grafen Ory\" und die\nrussische Tänzerin Murawieff das Ballet „Gisela\". Fräulein\nTietjens ist nur wie ein Meteor vorübergezogen und hat\nvier Mal hinter einander die Valentine in den Hugenotten\ngesungen, und zu guter Letzt hat man Rossini's „Moses\"\nwieder hervorgesucht. Im Grunde genommen, ist das alles\ndoch nur ein Zeugniss für Armuth an allen Ecken und Enden.\nAn der komischen Oper ist noch nie ein solcher Man-\ngel an Neuigkeiten gewesen, als im vorigen Jahre. Und\nhat etwa die Qualität die Quantität ersetzt? Was für jam-\nmervolle Producte waren L'illustre Gaspard (1 Act), Mu-\nsik von Eug. Prevöt, La Deesse et le berger (2 Acte) von\nDupralo, Baiail le d'amour von dem Mode-Schriftsteller\nVictorien Sardou, mit Musik von Vaucorbeil, einem Lieb-\nling der Salons der höheren Gesellschaft! Beide letzteren\nwaren dem Direclor in kostbaren Kistchen von Cedernholz\nals unübertreffliche Meisterwerke zugesandt worden! Bei\nso bewandten Missärnten durch die neue Saat zog er vor,\naus den Speichern die alten Vorräthe von gutem Schrot\nund Korn hervorzuholen, und brachte die\nvon Masse, den Sommernachtstraum von Thomas, Zampa\nvon Herold und sogar die Fausse Magie von Gretry wie-\nder ans Licht. Als der junge König von Griechenland\ndurch Paris reiste, wünschte er Auber's Domino noir\nzu sehen. Man hatte nur zwei Tage Zeit zur Vorbereitung:\nkein Wunder, dass man hinter den Coulissen und im Foyer\ndie Sache für unmöglich erklärte. Aber in der Direction\nhielt man sie für möglich, setzte die Aufführung durch,\nund die Oper brachte von allen Wiederholungen älterer\nWerke bei Weitem das Meiste ein, und zwang sogar den\nalten Meister, um nicht sich selber Cöncurrenz zu machen,\nseine neue Fianeee duIloi bis nach Neujahr\nzurückzulegen und dem schwarzen Domino, der die Casse\nso gut deckte, das Feld zu überlassen.\nDie italiänische Oper hatte einen schweren Stand im\nAnfange des Jahres. Der Directionswechsel war mit ver-\ndriesslichen Verwicklungen verknüpft, und vollends hart\nwar für die Unternehmung die Entziehung der Staats-\nSubvention. Herr Bagier, der sich durch die Rettung des\ngrossen Theaters El Oriente in Madrid einen Namen ge-\nmacht hatte, trat kühn die Nachfolge Calzado's an. Er\nhat zwar keine neue Oper gebracht, denn Verdi's\nbardi, Pergolese's La serva Pund Flotow's &\ndelia gehörten noch in die vorige Verwaltung; aber er\nhat den Tenor Fraschini gebracht, der fast allein das\nSchiff flott erhält, ferner die immer noch vortreffliche Sän-\ngerin Madame de la Grange und dann zu Neujahr die\nreizende Adelina Patli.\nAm thätigsten für Inscenesetzung neuer Opern ist das\nTheätre lyriquegewesen, welches hierin selbst der gros-\nsen kaiserlichen Oper den Rang abläuft. Desshalb ist ihm\ndenn auch die Subvention von 100,000 Francs, die es\nvom 1. Januar dieses Jahres ab erhält, gar wohl zu gön-\nnen. Es brachte eine Ondine (3 Acte), von Semet compo-\nnirt, Mozart's Cosi fan tuttemit neuem Text\nd'amour perdues),ein paar einactige Operetten von jun-\ngen Componisten, die Wiederaufnahme von Figaro's Hoch-\nzeit und von Oberon, Les Pecheurs de perles (3 Acte),\nmit Musik von Bizet, einem der jüngsten Laureaten der\nAkademie, endlich die »Troj aner\" von H. B erlioz, wo-\nfür die Verwaltung allein schon einen Kranz verdient,\nman mag über das Werk selbst urtheilen, wie man wolle.\nEndlich hat es auch noch eine Wiederholung von Fei.\nDavid's La Perle du Bresil gebracht und eine französi-\nsche Bearbeitung von Verdi's „Rigoletto\". Dass ausser\nden „Trojanern\" auch nichts Bedeutendes unter den wirk-\nlichen Neuigkeiten war, ist wenigstens nicht die Schuld\nder Direction; freilich haben auch die „Trojaner\" eben\nnicht viel mehr als Aufsehen gemacht, und das hölzerne\nPferd mag in seinem hohlen Bauche wohl von Waffen,\naber schwerlich von Gold geklirrt haben, als es Herr Car-\nvalho in seine Burg zog.\nJakob Offenbach hat für das Jahr 1864 sein enges\nHaus mit einem neuen, luftigeren vertauscht; hoffentlich"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640123-01.1.3", "texte": "wird es ihm nicht gehen, wie so manchen Cafetiers, die\nim Gate vortreffliche Geschäfte machten und im Hötel\nzurückgingen.\nUnsere Operndichter und Componisten haben be-\nkanntlich ein Filial in Baden-Baden errichtet, für welches\nim vergangenen Jahre unter Anderen auch Rosenhain und\nLitolff geliefert haben. Die dort zur Aufführung kommen-\nden französischen Werke haben ihren Tasr, oder vielleicht\nn 7\nauch zwei; in der Naturgeschichte waren die Ephemeren\nlängst bekannt, in der Musikgeschichte sind sie erst in\nBaden aufgekommen.\nIn Bezug aul grosse Aufführungen von Vocalwerken,\ndie bekanntlich hier sehr selten sind, ist zu erwähnen,\ndass Mozart's Requiem in der Kirche Notre Dame\naufgeführt wurde auf Veranstaltung des Barons Taylor,\ndes hochverdienten und allgemein verehrten Präsidenten\ndes Vereins der Tonkünstler. Derselbe Mäcen veranlasste\nauch zur Feier des Cäcilien-Festes durch den Tonkünstler-\nVerein und zum Besten der Casse desselben am 23. No-\nvember die Messe in C-durvon Beethoven in der\nKirche St. Eustache. Sollte man in Deutschland, wo diese\nso genannte kleine Messe Beethoven's in allen Landstädten,\nja, in einigen Gegenden selbst in grösseren Dorfkirchen\ngesungen wird, sollte man es dort glauben, dass in der\nKaiserstadt Paris, welche der Mittelpunkt der musicali-\nschen Welt sein will, diese Aufführung am 23. November\n1863 die erste von diesem Meisterwerke war? Und doch\nist dem wirklich also. Gerade fünfzig Jahre nach dem\nErscheinen der C-clur-Messe (Leipzig, 1813, bei Breit-\nkopf und Härtel) wurde sie zum ersten Male in Paris auf-\ngeführt, und zum ersten Male berichteten französische\nmusicalische Blätter und Feuilletons darüber und gaben\nförmliche Analysen derselben, wie von einem so eben erst\ngedruckten Werke! Diese Analysen sind gut und theil-\nweise enthusiastisch geschrieben, auch hat die Messe einen\nausserordentlichen Eindruck auf die Masse von Musik-\nfreunden gemacht, welche die Kirche füllten; aber immer\nbleibt es doch eine merkwürdige Geschichte. Sehr schla-\ngend sagt Adolph« Botte in der Gazette et Revue (vom\n29. November v. J.): „Da beklagen sich die lebenden\nComponisten, dass man ihre Sachen nicht bei unseren\nKirchenfesten aufführe! Wenn sie daran denken wollten,\nwie langer Vernachlässigung bei uns Männer von dem\nMaasse Beethoven's und Weber's unterworfen gewesen,\nso würden sie lernen, sich zu gedulden. Schreibt nur\nWerke wie Beethoven und Weber, und eure Zeit wird\ngewiss kommen! Aber die Geduld ist eben nicht die Tu-\ngend unserer Generation: bei den Musikern vielleicht aus\ndem Grunde, weil sie fühlen, dass mit ihnen auch ihre\nWerke sterben werden. Nun, bis der musicalische Fort-\nschritt, der freilich Iraglicher ist, als mancher andere,\nuns alles das bringt, was er diesseit und jenseit des Rhei-\nnes verheisst, wollen wir wenigstens bekunden, dass Beet-\nhoven trotzdem oder vielmehr desswegen, weil er sich den\newigen Gesetzen der Kunst unterworfen hat, wie das Ge-\nnie sich ihnen unterwerfen muss, ein prächtiges Werk in\ndieser Messe geschrieben hat.44\nUie Ausführung war gut, auch bei den Chören, was\nin Frankreich selten der Fall ist und dieses Mal vorzüg-\nlieh den Bemühungen Pasdeloup's, welcher das Ganze di-\nrigirte, und des Vereins der Tonkünstler zu verdanken\nsein mochte. Das Solo-Quartett war recht schön durch\ndie Damen Wertheimber und de Taisy und die Herren\n\"Warot und Faure besetzt.\nEhe ich über die Concert-Vereine berichte, schicke\nich die Notiz über den Ullmarrschen Stern, Carlotta Patti,\nvoran, welche im December hier war, aber nicht öffent-\nlich gesungen hat. Sie hat nur bei Rossini und bei Meyer-\nbeer gesungen, sonst nirgends; weder Pasdeloup's Aner-\nbieten von -3000 Francs lur die Arie der Königin der\nNacht in seinem Concert populaire,noch Pereire's Antrag\nvon 5000 Francs für eine Soiree haben sie bewegen\nkönnen. Die Directionen aller Opernbühnen haben sich\nüberboten, sie zu gewinnen, aber vergebens: selbst das\nstrenge Tribunal der Conservatoire-Concerte hat\nsich, allen Traditionen zum Trotz, entschlossen, nachdem\nman die Künstlerin bei Rossini gehört, ihr den ehrenvollen\nAntrag zu machen, im Conservatoire zuerst in Paris auf-\nzutreten, und diesen Antrag hat Carlotta angenommen,\nwird ihm aber erst Anfangs April genügen. Ihre Weige-\nrung, früher sich hören zu lassen, hängt, wie ich von gu-\nter Hand erfahre, mit einem Uebereinkommen zusammen,\ndas zwischen beiden Schwestern besteht, niemals zu glei-\ncher Zeit in einer und derselben Stadt zu singen. Da\nnun Adelina vom 1. Januar bis Ende März bei der hie-\nsigen italiänischen Oper engagirt ist, so wird Carlotta\nerst im April im Conservatoire-Concerte auftreten. Ich\ngehöre zu den wenigen Glücklichen, welche sie gehört\nhaben; ich halte jedoch mein Urtheil zurück, weil ich es\ndieses Mal gegen meine Gewohnheit in so lebhafte Farben\nkleiden würde, dass Du mich am Ende eher für einen\nverblendeten Enthusiasten, als für einen nüchternen Kriti-\nker halten möchtest. Aber fch stelle einen Gewährsmann,\nden seine musicalische Welterfahrung und seine Jahre\nmehr als mich vor dem Verdachte der leichtsinnigen Hin-\ngabe an das Schöne schützen, und dies ist kein Anderer\nals Meyerbeer, von dessen begeisterten Aeusserungen ich\nZeuge war, in denen er unter Anderem aussprach, dass\ngewisse überraschende Stimm-ElTecte in der Vortrags-\nweise der Carlotta eben so reizend und unerklärbar wären,\n\n[1"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640123-01.1.4", "texte": "wie früher bei Jenny Lind. Er hat die schöne Schluss-\nscene aus dem „Feldlager in Schlesien\" für Sopran und\nobligate Flöte für ihre hohe Stimmlage eingerichtet. Soll\nich noch hinzufügen, dass nach meiner Ansicht Carlotta\nin gewissem Sinne mehr eine Natursängerin, einzig in ihrer\nArt, als eine vollendete Künstlerin zu nennen sein dürfte,\nso magst Du daraus ersehen, dass ich doch den kritischen\no\nVerstand nicht ganz über ihren Gesang eingebüsst habe.\n(Schluss folgt.)\n\nBeurtheilungen.\nViolinschule von Ferd. David. Verlag von Breitkopf\nund Härtel in Leipzig.\nDer berühmte Lehrer eines Joachim, Japha und an-\nderer Violin-Virtuosen hat mit dieser vortrefflichen Vio-\nlinschule Lehrern und Lernenden eine Unterstützung ge-\nboten, welche wohl geeignet ist, den mühseligen Pfad der\nGeiger um ein Beträchtliches zu ebnen. Im ersten\nTheile genannten Werkes behandelt der Verfasser unter\ndem Titel „Der Anfänger\" die Elemente des Violinspiels\nund sucht durch passende Zeichnungen, klar ausgespro-\nchene Regeln und stufenweise geordnete Etüden und Ton-\nstücke den Schüler bis zu einem Standpunkte zu führen,\nvon welchem aus das wahrhaft Künstlerische beginnen\nkann. Der „vorgerückte Schüler\", wie der Verfasser den\nzweiten Theil betitelt hat, behandelt nun eben die höhere\ntechnische Ausbildung und zeigt neben gedrungenen Re-\ngeln eine Menge von instructiven Noten-Vorlagen, wie wir\nsie in so ausgezeichneter Stufenfolge und praktischer Zu-\nsammenstellung noch nirgends gefunden haben. Die um-\nfassendste Literatur-Kenntniss des Violinspiels, welche aus\ndiesem Werke hervorleuchtet, die kurzen, aber erschöpfen-\nden Erklärungen, deutsch und französisch, der Reichthum\ninstructiver, zum Theil reizend componirter Tonstücke und\nendlich die bereits glänzend bewährte Methode erheben\ndas Werk zu dem ersten und vorzüglichsten seiner Gat-\ntung, Da nun auch in der Ausstattung nirgends ein Mangel\nentdeckt werden kann, so müssen wir mit allem Nach-\ndruck dieses vortreffliche Werk Musik-Instituten, Lehrern\nund Schülern zur Kenntnissnahme empfehlen. TC.\nS. Jadassohn, Symphonie für Orchester. Op. 24.\nVerlag von C. F: W. Siegel in Leipzig.\nDerselbe, Ouvertüre für grosses Orchester. Op. 27.\nDerselbe Verlag.\nIm siebenten Gewandhaus-Concerte wurde uns von\ngenanntem Componisten eine neue Sinfonie vorgeführt,\nderen Erfolg uns Veranlassung gibt, auf die früheren Or-\nchesterwerke dieses Autors aufmerksam zu machen. Opus\n24 zählt zu den noblen, ehrenfesten Werken, die man\nnicht anders als mit innerem Wohlbehagen anhören kann.\nDurch und durch gesund in der Harmonik und nirgends\ngeschraubte, affectirte Melodiefolgen zeigend, erkennen\nwir aus demselben ein frisches, kräftiges Talent, welches\ndie achtungswerthesten Studien zu einer nicht gewöhn-\nlichen Formfertigkeit gelangen liessen. Nicht allein im Bau\nder einzelnen Sätze, sondern auch in der Zusammen-\ngehörigkeit derselben erblicken wir die mit künstlerischem\nBewusstsein gelöste Aufgabe, eine schätzenswerthe Errun-\ngenschaft, welche das ausgebildete Talent vom naturalisti-\nschen unterscheidet. Dem frischen ersten Satze in\nfolgt das neckische Scherzo in an welches sich ein\nLargo in F-moll anschliesst, worauf naturgemäss sich mit\ngut gewähltem Contraste das Finale in C-dur entfaltet\nund das Ganze brillant abschliesst.\nAuch die bezeichnete Ouvertüre in Op. 27,\nist ein sehr achtungswerthes Werk, in welchem nament-\nlich das sinnige zweite Motiv in Es-dur als gelungene me-\nlodische Erfindung hervorzuheben ist. In der Wiederho-\nlung tritt dann dasselbe in C-d mit veränderter Instru-\nmentirung auf, die sich hauptsächlich durch ein reizendes\nOboe-Solo und hierzu gearbeiteten Contrapunkt der Celli\nals wirkungsvoll erweist. In der Durchführung wäre mehr\ncontrapunktische Detail-Ausarbeitung zu wünschen, welche\nja grösseren geschlossenen Sätzen einen so wohithuenden\nReiz verleiht. Beide Werke gehören demnach zu den\nguten, anständigen Productionen der Jetztzeit und seien\nhiermit den Concei t-Instituten angelegentlich empfohlen.\n- ' W.\nVollständige Clavierschule. Herausgegeben von M.\nBisping, Lehrer am Münster'schen Musik-Insti-\ntut. Zweite Auflage. Münster, in Commission der\nTheissing'schen Buchhandlung.\nDieses Werk zerfällt in drei Abtheilungen von je zwölf\nHeften, von denen die ersten Hefte jeder Abtheilung dem\nLehrer in progressiver, systematischer Weise das gesammte\nMaterial für den Unterricht von den ersten Anfängen bis\nzum Vortrage Mozart'scher und Haydn'scher Ciaviermusik\nund den leichteren Werken Beethoven's in Regel und Bei-\nspiel bieten, und die folgenden Hefte die den gegebenen\nRegeln entsprechenden Fingerübungen, Etüden und Musik-\nstücke enthalten. Es fragt sich, ob bei der grossen Zahl\nvorhandener Ciavierschulen diese neue zeitgemäss ist, und\nob dieselbe ihre Aufgabe zweckmässig gelöst hat. Diese\nFragen sind unbedingt zu bejahen. Was zunächst den\ntheoretischen Theil betrifft, so gibt derselbe in gedrängter\nund doch überall klarer und völlig ausreichender Kürze\ndas Erforderliche, von der Kenntniss der Töne und Noten\nan bis zur Auffassung und zum Vortrage. Hieran schlies-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "29", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640123-01.1.5", "texte": "sen sich auf der letzten Seite eines jeden. Heftes Andeu-\ntungen über den praktischen Gebrauch der einzelnen Hefte.\nAlle diese durch Wort und Regel gegebenen Anleitungen\nzeichnen sich dadurch vor vielen anderen Ciavierschulen\naus, dass sie nirgends in überflüssiges Definiren oder gar\nin nutzloses Theoretisiren verfallen, sondern, von der ge-\ndiegenen Erfahrung des Verfassers zeugend, überall das\nerforderliche Wissen für das letzte Ziel aller Schule, das\npraktische Können, nutzbar machen. Dieselbe Anerken-\nnung verdient der praktische Theil. Die gegebenen Uebun-\ngen umfassen den gesammten mechanischen und techni-\nschen Apparat von den ersten Elementen des Clavierspiels\nbis zu dem oben angegebenen Ziele. Sie schreiten zweck-\nmässig von der leichteren Stufe zur schwierigeren fort. Es\nzeigen sich weder Sprünge noch unnöthige Wiederholun-\ngen. Dabei ist die möglichste Vielseitigkeit erreicht; alle\nTonarten in Dur und Moll, alle Tactarten, alle Manieren\nu. s. w. sind durch die zweckmässigsten Uebungen vertre-\nten. Was insbesondere neben dem rein technisch-prakti-\nschen Theile die Auffassung und den Vortrag betrifft, so\nversteht es sich von selbst, dass die erste Bedingung für\ndie Lösung dieser Aufgabe die Darbietung von Musik-\nslücken ist, deren Inhalt Auffassung und Vortrag gestattet\nund dieselben nicht zu abschreckenden Beispielen für den\nLehrer und den Schüler macht. Diese Bedingung erfüllt\ndas Werk vorzugsweise. Mit einem überall von classischer\nRichtung zeugenden Geschmacke ist aus dem massenhaften\nMaterial aufs sorgfältigste das gewählt, was durch seinen\nmusicalischen Gehalt selbst den Schüler anzuregen, seinen\nGeschmack zu bilden und ihn unter Beihülfe des Lehrers\ndurch Vorspielen und Anleitung zu eigenem, dem Inhalte\nentsprechenden Auffassen und Vortragen zu befähigen ver-\nmag. Alle Formen der Ciaviermusik vom Tanze bis zur\nFuge werden dem Schüler geboten; jedoch ist die So-\nnate, als die vollendetste Form, mit Recht bevorzugt. Zum\ngrossen Theile sind diese Musikslücke vom Verfasser selbst\ncomponirt und finden sich unter denselben nur classische\nSachen. Die theoretischen Anleitungen sind in deutscher,\nfranzösischer und englischer Sprache gegeben. Auch spricht\nfür das Werk, dass es bereits in zweiter Auflage erscheint.\nDie Ausstattung ist schön und correct und der Preis in\nVergleich mit anderen Clavierschulen dieses Umfanges\nein sehr mässiger, indem die grosse Notenseite durch-\nschnittlich nur zehn Pfennige kostet; auch sind sämmtliche\n36 Hefte einzeln zu haben. Das vortreffliche Werk ver-\ndient hiernach die beste Empfehlung.\n★ A ★\n\nRichard Wagner’s Concerte.\nRichard Wagner gibt bekanntlich nach seiner Rück-\nkehr von Petersburg in Deutschland in verschiedenen\nStädten, z. B. in Wien, Karlsruhe, Frag u. s. w., Concerte,\nin welchen er Bruchstücke aus seinen neuesten dramatisch-\nmusicalischen Werken, denen sich bis jetzt noch die Pfor-\nten der Operntheater verschliessen, aufführt. Da die Pro-\ngramme dieser Concerte meistens dieselben sind, so kommt\neine Beurtheilung des Concertes in Karlsruhe auch jetzt\nnoch nicht zu spät, zumal da sie mehr ist, als ein blosses\nReferat.\nRichard Wagner hat vor einem enthusiastisch ange-\n. O\nregten Hause sein grosses Concert mit vereinten Orche-\nsterkräften von Karlsruhe, Mannheim und Baden gege-\nben. Drei Stücke waren es vorzugsweise, welche ganz all-\ngemein und tief auf das gesammte Publicum wirkten: 1.\nSiegmund's Liebeslied aus „Die Walküre\", ein sinniger,\ngemüth- und poesievoller Tenorgesang von einschmeicheln-\ndem, melodischem und instrumentalem Zauber. 2. Der Ritt\nder Walküren, ein charakteristisch gerundetes, von der\nunbeschränktesten Herrschaft über die orchestralen Mittel\nzeugendes Instrumentalstück. 3. Wotan's Abschied und\nFeuerzauber, ein grandioses Gemälde für Solo-Bariton und\nOrchester, nicht durchaus und gleichmässig schön in der\nDurchführung, aber in den Einzelheiten zu dem Besten\nzählend, was er geschrieben hat. Alle anderen Stücke tra-\ngen mehr oder weniger, den Stempel der Gewaltsamkeit,\nder Seltsamkeit oder in auffälligem Grade jener Gattung\nvon Instrumental-Malerei an sich, die sich begnügt, sprach-\nliche Gedanken instrumental zu färben und grandiose Na-\nturlaute oder Naturerscheinungen mit instrumentalen Wir-\nkungen nachzubilden. Auch da, wo, wie in einzelnen\nStücken aus den Meistersängern, gewaltige Massen polyphon\nzusammengeführt werden, scheut sich der Meister keinen\nAugenblick, sie wild und wirr zusammen zu stellen. Unter\ndiesen Umständen war es kein Wunder, dass der grösste\nund nachhaltigste Erfolg des Abends dem einzigen Stücke\ngehörte, welches aus der Gemüthstiefe der Menschenbrust\nheraussprach und melodische Süssigkeit mit instrumentaler\nSchönheit vereinigte. Das reizende Musikstück musste wie-\nderholt werden und trug dem Sänger, Herrn Brandes, wie\ndem Meister doppelten Hervorruf ein. Im Ganzen ist die\ninstrumentale Sprachvollkornmenheit in diesen neuesten\nWerken bis auf die Spitze getrieben, aber sie paart sich\nzugleich mit einer Rücksichtslosigkeit, die keinen Augen-\nblick ansteht, die Gränzen des Schönen weitaus zu über-\nschreiten. In dem Vorspiel zu „Tristan und Isolde\" kehrt\nein ganz kleines und an sich unbedeutendes Motiv auf allen\nTonstufen wiederholt so sehr bis zur Unendlichkeit wieder,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640123-01.1.6", "texte": "Dass feiner organisirte Nerven von förmlichem Zittern er-\ngriffen werden. Andererseits ist in dem Schmelz- und\nSchmiedeliede Siegfried's die menschliche Stimme zum Am-\nbos erniedrigt, auf welchem die instrumentale Masse so\nherumhämmert, dass damit ein Grundprincip der musica-\nlischen Glaubenslehre dass nämlich in der Oper die\nmenschliche Stimme die edelste Trägerin der Melodie sei\nvernichtet erscheint. Alles in Allem genommen, hat sich\nnj*ch Anhörung dieser Musik-Aullührung der Glaube an\nWagner nur vermindern können. Die Tonsprache, in der\ndie alten Meister Originalwerke bildeten, mit der sie mu-\nsicalische Gedanken und Charaktere zu schaffen vermoch-\nten, die ihr Leben in sich selbst trugen, ist in Wagner's\nneuesten Werken vollständig zur grossen Farbenschachtel\ngeworden., mit der er Programm-Gedanken ins Musicali-\nsche hinein illustrirt, sei es auch hier und da genial und\nin einem gewissen Sinne grossartig. Wenn Mendelssohn\nnoch sagen durfte, die Musik fange für ihn da an, wo die\nSprache aufhört, so haben beide bei Wagner ein Verhält-\nniss geschlossen, das dahin gediehen ist, dass die Musik\nder Sprache erklären muss: „Ich kann nicht ohne dich\nleben; ohne dich verstehe ich mich selbst nicht mehr, und\ndie Anderen verstehen mich auch nicht mehr.\" Von zehn\nvorgeführten Stücken redete nur Eines vollständig die Ge-\nmüthssprache der Tonkunst, und dieses eine fand den\nmeisten Beifall Siegfried's Liebeslied.\n\nAus Wien.\n\nDen 7. Januar 1864.\nGestern fand im grossen k. k. Redoutensaale das zweite\ndiesjährige Concert der wiener Sing-Akademie unter Lei-\ntung ihres Chormeisters Johannes Brahms Statt. Was\nwir nach dem ersten Debüt dieses jungen Capelimeisters\ngesagt haben*), können wir heute vollkommen bestätigen,\nindem er sich als tüchtigen und umsichtigen Dirigenten be-\nwährt hat. Mit Ruhe und Anstand dirigirend, weiss er\nChor und Orchester so sicher in der Hand zu halten, dass\ndie schwierigsten Musikstücke anscheinend mit der gröss-\nten Leichtigkeit ausgeführt werden. Zur Aufführung ka-\nmen: 1) Motette (achtstimmig) Mendelssohn-Bartholdy, f\n1847; 2) Christen-Triumphlied aufs Osterfest (zweichö-\nrig) Joh. Eccard, f 1611; 3) Sauli Bekehrung (dreichö-\nrig mit Instrumental-Begleitung) 11. Schütz, f 1672; 4)\nBenedictus (zweichörig) Joh. Gabrieli, -}• 1612; 5)\nRegina (fünfstimmig) Giovanni Rovetta, -j- 1668; 6) Ele-\ngischer Gesang (mit Begleitung von Streich-Instrumenten)\nL. van Beethoven, f 1827; 7) Deutsche Volkslieder; 8)\nCantate (mit Orchester) J. S. Bach, -J- 1750. Wenn ein\nsolches Programm vermag, den grossen Redoutensaal zu\nfüllen, und wenn diese Tausende von Zuhörern bei einer\nso enorm niederen Temperatur, wie sie heute im Saale\nherrschte, bis zum Schlüsse ausharren, dann braucht wohl\nfür Wien über die zunehmende Theilnahme an dem In-\nstitute und über die Production selbst kaum noch etwas\ngesagt zu werden. Das zahlreiche Publicum fällt dann das\nbeste Urtheil, wenigstens für Wien. Da Ihr Blatt aber\nfür weitere Kreise berichten muss, so wollen wir denn\nauch näher eingehen in die Aufführung der einzelnen\nNummern. Die Motette von Mendelssohn wurde offen\ngesagt von den frierenden Chören halbwarm gesungen\nund, wie jede erste Nummer, von dem in Pelze eingehüll-\nten Publicum eben nur so freundlich aufgenommen, wie\nes die Achtung vor dem Namen des Componisten erlordert.\nDie zweite Nummer schlug schon besser ein und erhielt\nreichen Beifall. Noch mehr des Beifalls erfreute sich der\nDrei-Chor Pauli Bekehrung, welcher auch mit Feuer und\ngrosser Präcision gesungen wurde. und\nRegina liessen ziemlich kalt; dagegen zündete Beethoven's\nGesang wieder. Die Volkslieder gefielen, und wurde das\nletztere zur Wiederholung verlangt, statt dessen aber eiji\nVolkslied von Brahms für vierstimmigen Frauenchor ge-\nsungen, welches auch zur Wiederholung verlangt wurde.\nDen Schluss machte Bach's Cantate, in welcher das Solo-\nRecitativ für Alt von Frau Leder, die Bass-Arie von Herrn\nPanzer, dann das Recitativ für Sopran von Fräulein Hauer,\nsämmtlich Mitgliedern der Akademie, vorzüglich zur Gel-\ntung gebracht wurde. Herr Panzer und Fräulein Hauer\nwurden namentlich vom Publicum ausgezeichnet. Der Chor\nging gut, und so nahm denn dieses Concert einen besseren\nAusgang, als man berechtigt war, anzunehmen, wenn man\nberücksichtigen wollte, dass die vielen Feiertage der letz-\nten Wochen die Mitglieder häufig von dem Besuche der\nUebungen abhielten.\nDas dritte Concert der Sing-Akademie bringt uns Joh.\nSeb. Bach's Weihnachts-Oratorium, und zwar am Palm-\nsonntag.\nMontag den 4. d. Mts. hatte der Wiener Sängerbund\nin den Sperl-Localitäten seine zweite diesjährige Lieder-\ntafel veranstaltet. Es war dies seit der Gründung dieses\nVereins durch L. Raveaux die 47. öffentliche Production.\nZur Aufführung kamen Lieder von F. Abt, F. Silcher, R.\nSchweida, H. Esser, F. Rücken, Cherubini, A. M. Storch\nund C. Schuppert. Bezüglich der Production war diese\nLiedertafel wohl die schwächste, welche bisher in diesem\nVereine vorgeführt wurde. Obwohl das Volkslied von\nSchweida, Chormeister des Bundes, mit Liebe und Aus-\ndruck gesungen wurde, vermochte es doch nicht, durch-\n\n*) Vergl. Nr. 49 d. vor. Jahrgangs."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640123-01.1.7", "texte": "zugreifen, weil es alles Andere ist, nur kein Volkslied, zu\nwelcher Bezeichnung die Melodie nur in den letzten paar\nTacten berechtigt; es ist eine Mischung von Kriegs-, Zi-\ngeuner- und Matrosenliedern, welche sich am Schlüsse in\neine wunderschöne volksthümliche Melodie verlieren, aber\ngerade durch die grellen Gegensätze jeder harmonischen\nVerbindung entbehren. „Wachet auf\" von Kücken, „0\nlächle stets\" von Cherubini und „Fabian Pech\" von Storch\nwurden gut, wenn auch nicht in jener Weise gesungen,\nwie wir von diesem Sängerbunde Chöre zu hören gewohnt\nsind. Ausser dem Programm kam noch ein Damen-Quar-\ntett zur Aufführung, welches von vier jungen Mädchen,\nSchülerinnen des Herrn Professors Arlet, Chormeisters\ndes Sängerbundes, wahrhaft vorzüglich gesungen wurde;\ndann sang Fräulein Destins, k. k. Hof-Opernsängerin, zwei\nMal Schubert's „Wanderer\" und declamirte Herr Findei-\nser mehrere wirksame Scherzgedichte.\nWenn das Publicum hier anfängt, bei den Lieder-\ntafeln kalt zu bleiben, so mag das der Umstand entschul-\ndigen, dass die in Wien jetzt bestehenden 29 Männer-Ge-\nsangvereine (!) doch am Ende zu viel produciren, indem\njede Woche drei bis fünf Liedertafeln gebracht werden.\n«i\nAllzu viel ist ungesund!\n\nR.\n\nSechstes Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller,\nDinstag, den 12. Januar 1864.\nDas Programm des sechsten Concertes haben wir bereits in\nNr. 3 mitgetheilt.\nSpohr's Ouvertüre zu „Jessonda\" ist keine Concert-Ouverture;\ndazu fehlt es ihr trotz der einschmeichelnden Melodieen an Schwung\nund Glanz.\nHerr Alfred Piatti, der bereits vor vier Jahren durch sein\nausgezeichnetes Violoncellspiel allgemeine Bewunderung bei uns.er-\nregte, spielte auch an diesem Abend ganz vortrefflich, ohne jedoch\ndas Publicum ganz so zu begeistern, wie im Jahre 1859. Das Con-\ncert von seiner eigenen Composition hat viel Schönes, besonders in\nmelodischer Hinsicht, und besitzt den Vorzug, dass es durchaus\nnicht ausschliesslich auf Virtuosität berechnet ist. Die durchweg\nnoble Vortragsweise des berühmten Künstlers, seine vortreffliche\nBogenführung, der sanfte, schmelzende Ton, der die Saiten singen\nlässt, wobei auch nicht das geringste Fremdartige stört, so dass\nman, wenn man die Augen scliliesst, keine Ahnung davon hat, dass\ndieser Gesang durch technische Behandlung und geistige Belebung\neines todten Materials erzeugt wird, die milde Glätte seines Tones\nund der maassvolle künstlerische Tact, welcher ihn vor jeder un-\nschönen Ausschreitung in der Accentuation bewahrt, geben seinem\nSpiele etwas Aristokratisches, und man möchte ihn den Sivori des\nVioloncells nennen. Man kann aber allerdings den markigen, kräfti-\ngen Ton vermissen, der uns neben den heutzutage vorherrschenden\nViolin-Passagen der Violoncellisten doch dann und wann einmal\nwieder daran erinnerte, dass der Bass auch ein paar tiefe Saiten\nhabe; allein es mag für einen Virtuosen, der in London lebt und\nclie Welt durchreist, schwer sein, sich der Liebhaberei der grossen\nMenge an Künsteleien ganz schroff entgegen zu stellen. Wir dürfen\ndesshalb, vollends wenn die technische Fertigkeit eine so enorme\nHöhe erreicht hat, wie bei Herrn Piatti, die allzu strenge Seite der\nKritik nicht herauskehren, können aber doch den Wunsch nicht\nunterdrücken, so gehaltlose Salonstücke wie die so genannte Phan-\ntasie Nr. 4 des Programms lieber durch guten Rath von den Gür-\nzenich-Concerten fern gehalten zu sehen, zumal da wir bei der frü-\nheren Anwesenheit des grossen Meisters seine Auffassung und edle\nAViedergabe der besten classischen Musik in den Quartetten von\nMozart und Beethoven aus vollem Herzen bewundert haben. •\nAn den kirchlichen Hymnus des Stabat mater dolorosa aus dem\ndreizehnten Jahrhundert knüpfen sich die Namen der Musiker Jos-\nquin des Pres (um 1490), Palestrina, drei Viertel-Jahrhunderte spa-\nter als des Pres, Pergolese, hundertundfünfzig Jahre nach jenem,\nAstorga im Anfange des achtzehnten Jahrhunderts, Joseph Haydn\nam Ende desselben und endlich Rossini im neunzehnten Jahrhundert.\nUm RossinTs Composition, welche mehr einer dramatischen Cantate\nals einem kirchlichen Hymnus gleicht, richtig zu würdigen, muss\nman sich auf seinen Standpunkt stellen, und dann wird man auch\nin diesem Werke das musicalische Genie nicht verkennen, dessen\nEingebungen den grossen Meister nie ganz im Stiche Hessen. Neben\nder Introduction, der Tenor-Arie und dem Quartette Scincta mater\ngehört das Inßammatus zu den besten Nummern des Werkes. Fräu-\nlein Julie Rothenberger, deren helle Sopranstimme auch in der\nmittleren Ton-Region gewonnen hat, während ihre Höhe jenen ju-\ngendlich frischen und ohne alle Schärfe und Gedrungenheit natür-\nlich ausströmenden Klang besitzt, der gerade bei einem Sopran so\nwohlthuend ist und durch Kunst niemals ganz ersetzt werden kann,\nhat durch den Vortrag der Solo-Partie auch ihre grossen Fortschritte\nin der Technik des Gesanges bewährt. Die aufsteigende Tonleiter\nmit den Triller-Verzierungen gelang ihr sehr gut, und das hohe C\nstrahlte siegreich über dem Gesänge des ganzen Chors und des vol-\nlen Orchesters. Mit Recht wurde der Sängerin wiederholter Applaus\nund Hervorruf zu Theil.\nDie zweite Abtheilung des Concertes brachte uns endlich ein-\nmal wieder eine begeisternde Sinfonie von Beethoven, und noch\ndazu die neunte. Das Wrerk ist unseren musicalischen Kräften im\nChor und Orchester dermaassen ins Blut übergegangen, dass an eine\nverfehlte oder auch nur irgendwie wankende Ausführung unter der\nausgezeichneten Leitung Hiller's gar nicht zu denken ist, so dass\ndenn auch dieses Mal das prachtvolle Werk in Glanz und Leben\nstrahlte. Nach Anhörung einer solchen Tonschöpfung, die in der\nThat den Gipfel der neueren Musik bildet, stimmen wir in diesem\nEinen Punkte mit Richard Wagner überein, wenn er sagt: rDie\nletzte Sinfonie ist geschrieben.'*\nWenn ich das Adagio dieser Sinfonie und überhaupt irgend ein\nAdagio von Beethoven höre, so denke ich jedes Mal: wenn ich\nDirector eines Conservatoriums oder sonst ein berühmter Compo-\nsitionslelirer wäre, so würde ich von jedem Schüler, sobald er sei-\nnen theoretischen Cursus durchgemacht und in das Stadium der\nComposition käme, verlangen, dass er mir ein Adagio für irgend\nein Instrument oder für Quartett oder Orchester brächte. „Steckte\netwas darin\", wie Mozart sagte, so würde ich sagen: „Fahre for:\n—Du hast Musik in Dir!u Steckte aber nichts darin, und er be-\nriefe sich auf sein originelles Scherzo, oder ein lärmendes Alleyro\ncon fuoco, oder selbst auf eine regelrechte, aber gequälte Fuge, s\nwürde ich ihm den Rath geben, alles mögliche Musicalische zu\ntreiben, wenn er durchaus Musiker werden wolle, aber nur nichts\nzu componiren."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640123-01.1.8", "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMainz« Se. Königl. Hoheit der Grossherzog von Hessen-\nDarmstadt haben dem Chef der hiesigen Musik-Verlagshandlung von\nB. Schott's Söhnen, Herrn Franz Schott, das Prädicat eines\nGrossherzoglichen Commerzienrathes zu verleihen geruht. Diese\nwohlverdiente Auszeichnung wird nicht nur von den Mitbürgern des\nHerrn Schott, sondern auch von der ganzen musicalischen Welt,\nmit der derselbe in so unendlich vielfacher persönlicher und ge-\nschäftlicher Beziehung steht, mit freudiger Theilnahme begrüsst\nwerden.\nMannheim« Am 1. Januar wurde hier die Oper „Lorelei\"\nvon Geibel und Max Bruch zum sechsten Male bei vollbesetztem\nHause und fortwährendem Beifalle gegeben.\nJBoeltenlieim, 18. Januar. Am 16. d. Mts. verstarb hier,\nwo er schon längere Jahre zurückgezogen lebte, Professor Anton\nSchindler, bekannt als Musik-Kritiker und Freund L« van Beet-\nhoven's. Erbe des künstlerischen Nachlasses von Beethoven, hat er\nseiner Zeit während des Aufenthalts in Münster den werthvollen\nSchatz durch die Vermittlung des Ministers Hansemann der preussi-\nschen Regierung für das Museum zu Berlin gegen eine Lebensrente\nüberlassen und glänzendere Angebote von englischer Seite, um\nDeutschland die Erbschaft des grossen Todten zu erhalten, in edler\npatriotischer Gesinnung von der Hand gewiesen. Wie wir hören,\nwerden sich in dem Nachlasse des nun Verstorbenen noch manche\ninteressante Schriftstücke Beethoven's vorfinden.\nDem Componisten Dr. Aloys Schmidt in Frankfurt am Main\nist vom Kaiser von Oesterreich für die demselben gewidmete Oper:\n„Das Osterfest von Paderborn\", die goldene Medaille für „Kunst\nund Wissenschaft\" verliehen worden. Die Oper soll am wiener Hof-\nOperntheater zur Aufführung kommen. (Siidd. M.-Z.)\nHerr Capellmeister Lampert in Coburg hat zu Weber's\nOberon Recitative, zu denen Herr von Meyern den Text gelie-\nfert hat, geschrieben; die Aufführung der Oper in dieser neuen Ge-\nstalt hat allgemein angesprochen.\n* Potsdam, Ende December v. J. Von unserer Stadt ver-\nlautet wenig in musicalischer Beziehung; die Nähe des grossen\nBerlin erdrückt uns. Und doch hat sich das hiesige Musikleben seit\neiniger Zeit recht erfreulich gehoben. Herr Hauptlehrer Wendel\nleitet einen Gesangverein für classische Musik und veranstaltet jähr-\nlich einige Aufführungen dahin einschlagender Werke. Ferner exi-\nstiren hier die „philharmonischen Concerte\", deren Programme\nebenfalls zu loben sind. In gegenwärtigem Winter hat Herr\nFr. W. Voigt, der früher seine Studien auf dem Conservatorium\nzu Köln gemacht hat und seit sieben Jahren Musik-Director der\nCapelle des k. I. Garde-Regiments z. F. ist, ein neues Concert-\nUnternehmen im Palast Barberini begründet, welches durch zahlrei-\nchen Besuch, besonders auch durch die Theilnahme der Aristokratie\nbegünstigt wird. In den bisher Statt gefundenen drei Concerten,\ndenen noch drei folgen werden, hörten wir in recht präciser und\nausdrucksvoller Ausführung durch die vierzig Personen starke Ca-\npelle unter der sicheren Leitung des Herrn Voigt die Sinfonie Nr.\n5 von Beethoven, Mendelssohn's Fuge in E-moll, instrumentirt vom\nGrafen Paul von Waldersee, eine Ouvertüre von Nicolai, Sinfonie\nin C-dur (Fuge) von Mozart, Ouvertüre zu Coriolan von Beethoven,\nzu Teil von Rossini, Sinfonie von Ulrich, Oberon-Ouverture von\nWeber, Andante von Haydn und mehrere Solosachen für Gesang,\nPianoforte und für Violine.\nBremen, 11. Januar. Mendelssohn's Oratorium „Elias\"\nwurde hier in der Domkirche von der Sing-Akademie aufgeführt\nund hat eine grosse Begeisterung hervorgerufen. Die Aufführung\nunter Leitung des Musik-Directors Herrn Reinthal er war eine\nsehr lobenswerthe und ist die Präcision und der Schwung der Chöre\nbesonders hervorzuheben. Die Soli sangen Frau Caggiati aus Han-\nnover, Fräulein Meyer aus Berlin, Herr Wie dem ann (Tenor) aus\nLeipzig und Herr Stockhausen aus Hamburg.\nAltona« Nachdem Holstein vor der Hand wieder deutsch\ngeworden, ist nicht nur das seit dem Tode des Königs von Däne-\nmark geschlossene hiesige Stadttheater wieder eröffnet, sondern auch\ndas Repertoire desselben mit einigen bisher verpönten Stücken, wie\nz. B. „Graf von Schwerin\", bereichert worden.\nDer J3. Erinnerungstag an die Geburt Beethoven's wurde in\nWien in würdiger Weise gefeiert. Die „Ostd. Post\" macht darauf\naufmerksam, dass bei dieser Gelegenheit der einzige und wahre Ge-\nsichts-Abdruck Beethoven's, eine Abbildung von Gyps, die Beetho-\nven in den zwanziger Jahren (wo er schon über 50 Jahre zählte)\nvon seinem Kopfe abnehmen liess, die allgemeine Bewunderung er-\nregte, da selbst die feinsten Nuancirungen des Gesichtes (wie die\nPoren) auf der Maske erscheinen. Ausserdem, dass Beethoven nur\nein Mal einen Abdruck von seinem Gesichte nehmen liess, so liess\ner sich während seines Lebens auch nur ein einziges Mal malen,\nund zwar im Jahre 1815 von seinem Freunde Mähler. Dieses\nBildniss sollte nach America kürzlich verkauft werden, und eben,\nals es dorthin verpackt wurde, rettete es noch ein wiener Kunst-\nfreund, v. Karajan, für die Stadt Wien.\nEduard Rdmenyi ist von seiner Kunstreise nach Pesth zu-\nrückgekehrt und soll von dem Ertrage derselben 2000 Fl. an die\nCasse für nothleidende Ungarn gegeben haben.\nThalberg ist, nachdem er in London und in den englischen\nProvinzen 109 Concerte gegeben und Geld gesammelt hat, nach\nNeapel gereist.\nParis« Die Gesellschaft der Conservatoriums-Concerte ist am\n21. December v. J. zur Wahl eines neuen Orchester-Dirigenten ge-\nschritten, welche auf Herrn Hainl, den Director des Orchesters\nder grossen Oper, fiel.\nFranz Liszt wird diesen Winter in Petersburg erwartet.\nMan weiss jedoch noch nicht, ob er die ihm gemachten Propositio-\nnen annehmen wird."}]}