{"numero_id": "bm-bmtnabi-1864-01-30-01", "volume": "bmtnabi_1864-01-30_01", "ocr_sha256": "5708af644f096e2ab64de68c59438722214bfa63516ebc05d416c59b17415a91", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1864/01/30_01/bmtnabi_1864-01-30_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640130-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1864-01-30-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-01-30_01#c001", "volume": "bmtnabi_1864-01-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "33", "page_fin": "33", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640130-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "33", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640130-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 420, "texte": "Inhalt.\nStatistisches über Instrumentenbau. „Das Conterfei:*, romantisch-komische Oper, Text von M. 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Decker) erschienen ist, ent-\nhält nicht nur für Fachmänner die wichtigsten Nachrich-\nten und Beschreibungen, sondern ist auch belehrend und\nunterhaltend für jeden Musiker und Freund des Fort-\nschrittes in einem Zweige der Kunst-Gewerbthäligkeit, von\ndessen Ausdehnung und Wichtigkeit viele Regierungen so\nwenig als die Fabrik- und Handelswelt überhaupt eine\nAhnung haben. Da wir voraussetzen, dass der Bericht\nselbst (131 S. Gr. 8.) bereits oder sehr bald in den Hän-\nden aller derer sein wird, die er besonders angeht, theilen\nwir aus den Schluss-Bemerkungen desselben Einiges mit,\ndas für die meisten Leser neu und überraschend sein\nwird, zumal am Rheine, wo man noch immer in jeder\nArt von industriellen Erzeugnissen Frankreich den Vorzug\nzu geben geneigt ist. Wie anders lautet dagegen folgen-\nder Ausspruch, mit welchem Herr Pauer seine Schluss-\nbemerkungen eröffnet:\n„Dem aufmerksamen Beobachter drängte sich in der\nmusicalischen Classe unwillkürlich die Bemerkung auf,\ndass deutscher Geist und deutsche Ausdauer die musicali-\nschen Instrumente zu der Höhe der Vollkommenheit\nbrachten, auf welcher wir sie beinahe sämmtlich auf die-\nser Ausstellung fanden. Deutsche Intelligenz war fast bei\njeder Hauptneuerung thätig gewesen.\n„Bei den Orgeln bemerkten wir, dass Verbesserun-\ngen, welche von Willis und Walker in London, Cavaille-\nColi in Paris gebracht und theilweise auch als neue Erfin-\ndungen reclarairt wurden, ihren Ursprung Deutschland,\nund zwar vorzugsweise der ludwigsburger Orgelfabrication\nverdanken. Betrachten wir die Clavier-Instrumente, so\nfinden wir, dass Broadwood mit rühmenswerthem Frei-\nmuthe in seinem Pamphlete bekennt, seine Instrumente\nhätten nicht den Grad der Trefflichkeit erlangen können,\nwären nicht deutsche Künstler bereit gewesen, ihn mit\nRath zu unterstützen. Ferner treffen wir unter den Eng-\nländern die deutschen Namen: Rüst, Oetzmann, Knoll,\nGreiner; unter den Franzosen: Herz, Wülfel, Pleyel, Krie-\ngelstein, v. Rhoden, Gehrling; unter den Belgiern den\nstrebsamen Sternberg; unter den Russen: Beck u. s. w.\nWenden wir uns zu den Bias-Instrumenten, so ergibt\nsich, dass das System des hochverdienten Hofmusikers\nTheobald Böhm aus München in Frankreich und England\nallgemein angenommen wurde, dass England und Frank-\nreich bei den Militär-Instrumenten Form und Construction\ntheilweise der österreichischen nachgeahmt haben; versu-\nchen wir die Harmoniums, so finden wir intelligente Ein-\nrichtungen, die dem Laien als unbedingt neu gepriesen\nwerden, welche aber schon mehr oder minder in dieser\noder jener Form, nur mit einfacherer Benennung, von\nDeutschmann u. A. angewandt waren. Deutschland hat\nferner ein Monopol in manchen Instrumenten, wie Mund-\nund Zug-Harmonica's, Maultrommeln und Zithern; wir\nüberzeugen uns, dass deutsche Musicalien in jeder Bezie-\nhung den französischen bei Weitem überlegen sind, dass\neine gewöhnliche Breitkopf'sche Ausgabe in Paris für\neine Edition de luxe gehalten würde, und wir haben end-\nlich gesehen, dass deutsche Stahlsaiten die englischen in\nZugkraft übertreffen.\n„Man sollte meinen, dass nach allem dem die deutsche\nAusstellung von Musik-Instrumenten die glänzendste gewe-\nsen sei und alles Andere verdunkelt habe. Dies ist jedoch\nnicht der Fall; der Deutsche versteht nicht so geschmack-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "34", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640130-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5209, "texte": "voll auszustellen, wie der Franzose, und verwendet auf\nseine Ausstellung nicht so viel Geld, als der Engländer.\nDie französischen Claviere finden wir auf einem mit\nWachstuch überzogenen Boden in grossen Nischen (gleich\nZimmern) stehen, die Zollvereins-Instrumente auf einer\nmassig hohen Estrade, mit braunem Tuch belegt. Besuchen\nwir in den frühesten Morgenstunden die französische oder\nenglische Abtheilung, so sehen wir die Claviere in weich\nwattirten Decken, welche bis zum Boden reichen, einge-\nhüllt und sorgfältig verwahrt, die des Zollvereins zur Mehr-\nzahl unbedeckt stehen und dem Einflüsse der Nässe, des\nStaubes, des Aufspritzens erbarmungslos Preis gegeben.\nFrankreichs Aussteller halten eine Association gebildet,\nwelche zwei kundige Stimmer und einen erfahrenen Tech-\nniker zum Instandhalten der Instrumente unterhielt; von\ndeutscher Seite liess dies sehr viel zu wünschen übrig.\n„Ein weiterer Punkt ist die Aufstellung der Instru-\nmente selbst. Deutschlands Instrumente befanden sich in\neinem ziemlich gut akustischen Saale, in welchem sich aber\nnebstdem noch ein Krönungswagen, mehrere Kasten mit\nHandschuhen, Glanz- und Saffianleder, Strohtische und\nStühle bewundern Hessen. Die Preise der einzelnen Instru-\nmente waren nicht überall angeheftet; die markneukirche-\nner Waaren, das non plus ultra von Billigkeit, konnten\ndesshalb weniger überraschen.\n„Der deutsche Aussteller verwendet zu wenig Sorgfalt\nauf die ins Kleinste gehende Ausarbeitung seines Instru-\nmentes; man sah Charniere von Messing mit Eisen-, statt\nStahlschrauben, geschnitzte Pulte, an welchen die innere\nSeite im rohen Zustande gelassen war. Solche Dinge wer-\nden vom Fabricanten Kleinigkeiten, unbedeutende Neben-\nsachen, die von keiner Wichtigkeit sind, genannt, aber\nvom Laien mit mehr Vorurtheil betrachtet, als man den-\nken sollte. Die Ausstellung ist ein Schaufest; also richte\nman auf eine nette, einfache, aber geschmackvolle Erschei-«\nnung genügende Aufmerksamkeit. Bei Streich-Instrumen-\nten sorge man für Glasschränke, eben so bei Blas-Instru-\nraenten, welche man vielleicht pyramidenförmig aufstellen\nkönnte.\n„Fassen wir nun in wenigen Worten den Total-\nEindruck der musicalischen Abtheilung zusammen: Es\nwar seit 1855 sehr wenig Neues geboten; Fortschritte\nwaren in Deutschland verhältnissmässig am meisten ge-\nmacht worden; unsere Claviere, besonders die Pianino's,\nhaben bedeutend gewonnen.\n„Die Harmoniums der Würtemberger zeigen einen\nvolleren, runderen, mehr flötenartigen Ton, als die fran-\nzösischen.\n„Die deutschen Streich-Instrumente billigster Gattung\nstehen den theuren französischen von Mirecourt in der\nEleganz der äusseren Erscheinung und Treue der Nach-\nahmung des alten Models nach; doch haben sie den Vor-\ntheil eines stärkeren, mächtigeren Tones und grösserer\nDauerhaftigkeit, indem hei uns das Holz nicht gebeizt und\npräparirt wird, daher, auch dem Morschwerden nicht so\nsehr ausgesetzt ist. Die Sorgfalt des Lackirens lässt in\nDeutschland bei den billigeren Instrumenten noch Einiges\nzu wünschen übrig.\n„Im Fache der billigen Holz-Blas-Instrumente hat\nFrankreich den unbedingten Vorrang vor allen Ländern.\nlm Fache der Metall-Blas-Instrumente zeigt sich in\nOesterreich grössere Originalität der Formen und ein\nrichtigeres musicalisches System der Bauart.\n„In Frankreich und England findet sich ein ängstliches\nHaschen nach dem Verdienste von „„Erfindungen'\"';\nsolche bestehen aber meistens in kleinen und unwesent-\nlichen Veränderungen mit pomphaften, zuweilen -auch\nmysteriös klingenden Namen.\n„Im Fache der Musikwerke steht Deutschland uner-\nreicht da. Deutschland arbeitet im Allgemeinen eben so\ngut als England und Frankreich, billiger, als das erste,\njedoch nicht immer so elegant, als das zweite. Nehmen\nwir den Durchschnitt an, so war bei den deutschen Instru-\nmenten das meiste Gute zu finden; Beweis dafür bietet die\nPreis-Zuerkennung. Englands Claviere z. B. gewannen sich\nmit 4-3 Ausstellern 12 Medaillen, während der Zollverein\nund Oesterreich mit 29 Ausstellern 14 Medaillen erhiel-\nten, und doch können wir sagen, dass nur ein Drittheil\nunserer guten Instrumentenmacher ausgestellt hatte, wäh-\nrend von England und Frankreich (mit Ausnahme Erard's)\nJeder schickte, der auf Auszeichnung Anspruch erheben\nkonnte.\n„Und so wollen und können wir getrost und freudig\neiner nächsten Welt-Ausstellung entgegensehen, in welcher\nDeutschland gewiss wieder einen so ehrenvollen Platz ein-\nnehmen wird. Dass Deutschland nicht aulhören wird, gute\nInstrumente zu liefern, dafür haben wir eine doppelte\nBürgschaft, unsere Künstler und Componisten, welche die\ndenkendsten und besten der Welt sind, und unsere Fabri-\ncanten, welche gern fremde Verdienste anerkennen, mit\nLiebe und Aufmerksamkeit studiren und nicht vergessen,\ndass die Erzeugung musicalischer Instrumente nicht allein\neinen Fabricanten und Raufmann, sondern auch reines,\nkünstlerisches Gefühl erheischt.\n„Die Ausdehnung der Fabrication von Musik-Instru-\nmenten überhaupt dürfte sich in England und Frankreich\nso ziemlich gleich stehen, in Deutschland mit Oesterreich\naber bedeutender als in diesen beiden sein. England er-\nzeugt mehr Claviere als Frankreich (man rechnet deren\ndurchschnittlich 23,000 im Jahre), dagegen versorgt"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "35", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640130-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5483, "texte": "Frankreich zum grossen Theile England mit Holz- und\nMetall-Blas-Instrumenten und theilweise auch mit Geigen.\n„Die Clavier-Fabrication hat in allen drei Län-\ndern eine ungewöhnlich grosse Ausdehnung und Bedeu-\ntung gewonnen. In England hat sie sich in den letzten 35\nJahren gerade verdoppelt, z. B. Broadwood erzeugten von\n1780 bis 1826 48,348, seit 1826 bis-1861 aber\n75,500 Instrumente. Von der Total-Summe der Broad-\nwood'schen war nur der fünfte Theil Flügel. England,\ncentralisirt in London, hat hier vier grosse Fabriken: John\nBroadwood und Söhne, Collard und Collard, Erard und\nCharles Cadby. Sie haben alle über 300 Arbeiter, Broad-\nwood sogar 560. Ihnen zunächst stehen Kirkman und\nSohn, J. und J. Hopkinson, Challen und Sohn, Brinsmead\nund einige Andere. Bei der englischen Clavier-Fabrication\nzeigt sich dem aufmerksamen Beobachter ein auffallendes,\nin Deutschland und Frankreich nicht vorhandenes Factum,\nnämlich der bedeutende Unterschied an Güte der Instru-\nmente von den ersten Fabricanten, verglichen mit denen\nder weniger bekannten; streng genommen gibt es nur\nganz gute oder mangelhafte, zähe und unangenehm spiel-\nbare Claviere, eine gute Mittelsorte besteht in England\nnicht in dem Maasse, wie bei uns. Ein Grund für diesen\ngrellen Unterschied mag darin zu finden sein, dass nur die\nInstrumente von Broadwood, Erard und Collard in Con-\ncerten benutzt werden, daher auch ihren Absatz in den\nmusicalisch gebildetsten Kreisen finden. Die Fabricanten,\nwelche ihre Claviere in Concerten hören können, haben\nmehr Gelegenheit, Beobachtungen und Studien über Klang\nu. s. w. zu machen, auch das Urtheil gewiegter und den-\nkender Künstler, so wie feinfühlender Dilettanten zu ver-\nnehmen— ein Vortheil, welchen der kleine Fabricant nicht\noder nur höchst selten gemessen kann. Eine deutliche\nFolge davon war in den verhältnissmässig unbedeutenden\nFortschritten der unbekannteren englischen Fabricanten\nseit 1851 zu erkennen. Dem aufmerksamen Beobachter\ndürfte aber auch nicht entgehen, wie wenig Interesse die\nkleineren englischen Instrumentenmacher an den Producten\nihrer ausländischen Collegen nehmen; beinahe jeder der-\nselben hält sich für den Ersten und Besten und erachtet\nes nicht für nöthig, von Anderen zu lernen. In dieser Be-\nziehung ist der Deutsche viel wissbegieriger, hat aber auch\ngrössere Leichtigkeit, zu studiren und zu vergleichen, da\nfast jeder unserer Ciaviermacher sein Instrument zu behan-\ndeln weiss, was beim Engländer zur Ausnahme gehört.\n„Auch fehlt dem englischen Dilettanten meistens der\nSinn für Bhythmus, welcher Mangel höchst nachtheilig auf\ndie Präcision und Fülle des Anschlags einwirkt. Der In-\nstrumentenmacher muss daher trachten, einen solchen Man-\ngel durch einen lauteren, oft unangenehm hellen Ton zu\nersetzen; daher die unnatürlich hohe Stimmung (die eng-\nlischen Pianino's werden um einen halben Ton höher ge-\nhalten, als unsere höchst gestimmten Flügel). Der kleine\nFabricant in England liefert mehr Waare für den tägli-\nchen Handel und verzichtet auf eine feinere Ausarbeitung.\nIn Deutschland hingegen hat sich durch die politische Thei-\nlung des Landes die Fabrication auf viele grössere und\nkleinere Städte vertheilt; dem Einzelnen ist mehr Gelegen-\nheit geboten, sich im engeren Kreise auszuzeichnen, her-\nvorzuthun und bekannt zu machen. Obwohl er wegen\nMangels an Capitalien nie so grossartige Geschäfte machen\nwird, wie ein Broadwood oder Erard, so ist ihm doch\ndurch das selbständigere Urtheil des deutschen Publicums\neine Möglichkeit geboten, seine Verdienste eher geltend\nzu machen.\n„Die Klangfarbe eines Claviers steht unbezweifelbar\nunter dem Einflüsse des Klima s und der häuslichen Ein-\nrichtungen. Ein englisches Zimmer mit schwer sammtnen\nFenstervorhängen und dickem Fussteppich, ferner die\nschwerere Luft erfordern einen helleren, härteren Ton\nin Deutschland bei leichterer Luft und weniger mit Mö-\nbeln überfüllten Zimmern, bei Mousselin- Vorhängen und\nFussböden aus hartem Holze kann und muss sogar der\nTon zarter und singender sein. In England haben übrigens\nauch die grösseren Dimensionen der Concert-Locale einen\nbedeutenden Einfluss auf den stärkeren Ton; man spielt\nBeelhoven's Sonaten vor 2000 Personen, daher muss das\nCiavier schon mehr einem kleinen Orchester als einem\nbescheidenen Kammer-Instrumente ähnlich sein. Solche\nUebertreibungen mögen aus dem Grunde entspringen,\ndass, während in Deutschland schon seit fünfzig bis sechs-\nzig Jahren in jeder grösseren oder kleineren Stadt tapfer\ndarauf los musicirt wurde, man in England bis vor den\nletzten fünfundzwanzig Jahren nur ein kleines Publicum\nfür classische Kammermusik hatte und jetzt bemüht ist,\ndas Versäumte rasch nachzuholen. Welchen Unterschied\nrücksichtlich der Besaitung diese Verhältnisse hervorge-\nbracht haben, mag der zwischen einem fünfzig Jahre al-\nten s%octavigeij zweisaitigen und einem neuen 7octavi-\ngen, besonders stark dreisaitigen Instrumente (mit der\nStreicher'schen Saitenwage) angestellte Vergleich darthun.\nDie dickste Bass-Saite an dem alten Instrumente war nicht\ndicker, als die letzte Discant-Saite in dem neuen Flügel,\nund so weich, dass sie auf der Saitenwage schon mit 50\nPfd. Riss, während eine gleich dicke Saite von Miller 12*2\nPfd. erreichte. Die Zugkraft des letzten Chores an dem\nalten Instrumente (viergestrichen c zweisaitig) stellte sich\nauf 46 Pfd., der gleiche Ton (dreisaitig) bei dem neuen\nauf 315 Pfd. Die ganze Zugkraft der Saiten an dem alten\nFlügel ergab 42 j-t Ctr., an dem neuen -300 Ctr., also\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640130-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 548, "texte": "sieben Mal mehr. Wenn nun in Folge der so ungeheuer\nzugenommenen Belastung der Ciavierkasten eine entspre-\nchende Verstärkung derselben unerlässlich war, so spricht\ndoch für die Fortschritte in der Clavier-Construction, dass\nder fünfzigjährige Corpus ohne Claviatur und Deckel bei\n42 V« Ctr. Belastung 108 Pfd. wog, während jener mit\n300 Ctr. Belastung circa 300 Pfd. erreichte. In runder\nZiffer kann man daher einem Centner Corpus 100 Ctr.\nBelastung auferlegen, während man früher einem Centner\nCorpus nur 42 Ctr. zumuthen konnte.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-01-30-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-01-30_01#c003", "volume": "bmtnabi_1864-01-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "36", "page_fin": "38", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640130-01.2.3", "titre_corps": "Das Conterfei, romantisch-komische Oper, Text von Martin Schleich, Musik von Perfall.", "titre_sommaire": "Das Conterfei, romantisch-komische Oper, Text von Martin Schleich, Musik von Perfall.", "signature_source": "L", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640130-01.1.4", "debut_caractere": 550, "fin_caractere_exclue": 4841, "texte": "Das Conterfei,\nromantisch-komische Oper, Text von Martin Schleich, Musik\nvon Perfall.\n\nMünchen, den 31. December 1863.\n„Diese Oper wurde bereits viel und lebhaft bespro-\nchen*), wie uns dünkt, nicht immer unbefangen und vor-\nurteilsfrei genug. Selbst der Titel mag dazu das Seinige\nbeigetragen haben. Es würde jedenfalls besser geheissen\nhaben „ „romantische Oper\"\", das Publicum hätte dann sei-\nnen Standpunkt erkannt.\nDie Handlung ist einfach. Der Held ist ein junger,\nin ländlicher Einsamkeit von weiblicher Hand erzogener\nAbkömmling eines alten Geschlechtes, zu einer Zeit, in\nder einseitige Lecture in Ermangelung besserer Nahrung\nfür eine lebhafte Phantasie wohl noch den Glauben an\nFeen möglich erscheinen liess.\nIn demselben wird er durch eine Reihe überraschen-\nder, ihm auf andere Weise unerklärbarer Einwirkungen\nauf sein Geschick in dem Grade bestärkt, dass er in dem\nAugenblicke, als ihn die schlagendsten Beweise endlich\nzwingen, denselben aufzugeben, schmerzlich zusammen-\nbricht, um so mehr, als er damit die Geliebte verloren\nwähnen muss. Die Verwicklung löst sich durch ihre Er-\nklärung, dass, wenn auch Alles Zufall und Täuschung,\ndoch ihre Liebe eine Wahrheit, eine Wirklichkeit sei.\nDamit schliesst das Ganze befriedigend. Das Wesentliche\ndes Stoffes und der Handlung führt auf den Roman „ „Don\nSylvio de Rosalva\"\" von Wieland zurück, ist aber mit Ge-\nschick und Bühnenkenntniss behandelt.\nDen beiden Hauptpersonen gegenüber stehen der Die-\nner und die Dienerin, von denen namentlich ersterer durch\nseine gesunde Natürlichkeit der Handlung jenes heitere\nund belebende Element beifügt, wodurch im Gegensatze\nzu dem träumerischen und schwärmerischen Wesen des\nHerrn über das Ganze ein richtiges Maass von Schatten\nund Licht sich wohlthuend verbreitet.\nDie Art, zu denken und zu fühlen, ist demnach eigen-\ntümlich deutsch.\nDiesem völlig entsprechend, ist die Musik ebenfalls\ndeutsch.\nPerfall, dessen Name durch seine Vocal-Quartette für\ngemischte Stimmen, durch seine grösseren Werke, insbe-\nsondere seine Compositionen deutscher Märchen, des Rü-\nbezahl, Dornröschen, Undine u. s. w., bereits einen guten\nKlang in Deutschland hat, befand sich hier auf verwand-\ntem Boden, und den Situationen gemäss steigert sich die\nMusik von lyrischen Ergüssen bis zu den höchsten drama-\ntischen Wirkungen, namentlich in dem Augenblicke der\nKatastrophe, wo der Held, aller Hoffnung bar, das Liebste\nzu verlieren befürchtet. Um nur Einiges zu berühren, er-\nwähnen wir: die feine musicalische Charakterisirung einer\nmit ironischem Pathos gehaltenen Liebeserklärung im er-\nsten Acte; die gute Zeichnung der Charaktere der beiden\njungen Helden im darauf folgenden Duette. Im zweiten\nActe das Lied des kindlich deutschen Mädchens mit einem\nAnfluge von Sentimentalität, das schöne Motiv in dem Duo\nmit der Zofe. Die folgende Scene des träumerischen Hel-\nden, vom Drange des Innern nach etwas Unbestimmtem\ndie ganze Stufenleiter der Gefühle durchmessend bis zum\nhöchsten Entzücken der glühendsten Liebe, das darauf\nfolgende Duett mit dem in die angenehmste Stimmung\nversetzten Diener, in welchem das Entzücken zweier so\nverschiedener Naturen auch musicalisch so richtig geschil-\ndert ist, das Lied der Zofe im dritten Acte, das heitere,\nmelodische Duett mit dem Diener, die grosse Scene des\nFräuleins: „Das Herz lässt sich nicht zwingen\", von schö-\nner dramatischer Wirkung, endlich der Ausdruck tiefen\nSchmerzes, gänzlicher Zerknirschung des jungen Grafen\nam Wendepunkte seines Schicksals sind musicalische\nSchilderungen, die den Beruf des Componisten aufs ent-\nschiedenste documentiren und bei guter Behandlung nir-\ngends ihre Wirkung verfehlen werden.\nEben so sind das in diesem Acte befindliche Quartett\nund die Vocalsätze in den Ensembles und Finales voll\nschöner, harmonischer Stellen.\nAlle diese ihrer dramatischen Seite nach bezeichneten\nStücke werden getragen von Melodieen, die durchaus als\nedel, wohlklingend und reichhaltig von Fachmännern an-\nerkannt werden und auch jedem Laien als solche erschie-\nnen sind, und noch mehr erscheinen werden, wenn er die\nOper ein paar Mal zu hören bekommen wird.\nHierin möge aber auch ein Fingerzeig für den Ton-\ndichter liegen, nicht dass seine Melodieen durch den Lärm\ndes Orchesters übertäubt werden, sondern derselbe hat,\n\n*) Siehe weiter unten."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "37", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640130-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5350, "texte": "wie uns scheint, in zu grossem Streben, gediegen zu ar-\nbeiten, zu vielen Instrumenten einen selbständigen Gang\nverliehen und dadurch, selbst bei aller Discretion im Tone,\neine Unruhe in einzelne Stücke gebracht, durch welche\nder Laie verwirrt, der Melodie nicht leicht genug zu fol-\ngen vermag. Im Uebrigen beweist derselbe in der Instru-\nmentation, dass er Herr seiner Aufgabe ist und die Mittel\nnicht nur kennt, sondern auch gut zu verwenden weiss.\nBei der Bequemlichkeit des Publicums heutzutage\nmuss man es demselben ohne Versündigung gegen die\nGediegenheit leicht machen, gemessen zu können, wenn\nman nicht, was der Componist rühmlich vermieden hat,\nauf raffinirten Ohrenkitzel speculiren will, oder einen Ge-\nleitsbrief von der Seinestadt für sein Werk mitbringt.\nBeschäftigt waren in der Oper Fräulein Stehle, Frau\nDiez, H err Grill, Herr Bausewein und Herr Hein-\nrich, deren Leistungen ja Jedermann kennt. Hinzufügen\ndürfen wir, dass wir nach unserer besten Einsicht der\nUeberzeugung sind, diese Oper werde bei geschickter,\nsorgfältiger Inscenirung und feiner Individualisirung von\nSeiten der Darstellenden überall gefallen und so ihren\nWeg über die Bühnen Deutschlands mit glücklichem Er-\nfolge machen, und dies wünschen wir ihr denn auch.\"\nDieser Aufsatz rührt von einem durch seine Kennt-\nniss und hiesige Stellung bedeutenden Musiker her und\nerschien in der Isar-Zeitung. Das „Morgenblatt\" der\nBayerischen Zeitung spricht sich unter Anderem folgender\nMaassen aus:\n„Die Perfall'sche Musik anlangend, so zeigt sie vor\nAllem ein durchaus edles und wirklich künstlerisches Stre-\nben, und unterscheidet sich also hierin wesentlich von so\nmanchem Producte neuerer und neuester Tonsetzer, denen\nkein Mittel zu pöbelhaft erscheint, von dem sie sich einen\nErfolg vor der Menge versprechen. Die Erfindung des\nComponisten ist allerdings in den meisten Theilen des\n„ „Conterfei\"\" eine bescheidene, doch offenbart sie sich in\nanderen als eine beachtenswerthe und nicht selten sogar\nals eine glückliche. Hieher gehört insbesondere das sehr\nstimmungs-und empfindungsreiche Lied des Walter: „„Ich\nsuchte Dich heut' auf den Bergen\"\" u. s. w., in\nder in charakteristischen und sinnigen Tonmalereien gege-\nbene Traum des Elias in G-dur; das anspruchslose und\ndoch warme Lied der Bertha: „ „Vöglein im Walde\"\" u.s.w.,\nin F-mott;die in äusserst wirksamen, komischen Zügen\ngehaltene Scene des geistersehenden Elias: „ „Das Fürch-\nten, das Gruseln\"\" u. s. w., in mehrere Partieen\naus der in E-dur schliessenden Arie mit grossem vorher-\ngehendem Becitativ derßertha: „ „Er naht ich kann nicht\nmehr\"\" u. s. w., und ganz besonders der zwar kurze, aber\nin hohem Grade poetische und duftige Gesang der ver-\nmeintlichen leen Bertha und Gretchen, der in versc e-\ndenen Lagen wiederkehrt, um dem Zuhörer immer wie-\nder gleich reizend zu erscheinen. Bezüglich der Form der\nPerlall'schen Tonstücke glauben wir, dass dieselbe trotz\nmancher Vorzüge an Ausprägung und Bestimmtheit lei-\ndet. Die Musik kommt nach dieser Bichtung zu keinem\nrechten Guss und Fluss, und dieser Mangel beeinträchtigt\nauch die sonst sehr lobenswerthe Ouvertüre der Oper in\nE-dur. Hier wurde der Autor durch die Unbestimmtheit\nin der Bildung und Gestaltung unter Anderem zu einer\nMenge von Modulationen gebracht, welche in der Durch-\nführung der Motive unserer grossen Meister wenigstens\nin dem Maasse nirgends gefunden werden. Grosses Lob\nund volle Anerkennung gebührt indess der Instrumenti-\nrung des Componisten; denn diese bewährt nicht nur\nüberall eine kunstgeübte Hand, sondern sie entfaltet in\nunzähligen Fällen jenen gewählten und geläuterten Ge-\nschmack, welchem man nur in den wenigsten Werken\nder Gegenwart begegnet.\"\nNun muss ich Ihnen aber die Geschichte der Auffüh-\nrungen und der Schicksale erzählen, welche die Oper bis\nzu ihrer dritten Vorstellung, wo sie eigentlich erst unzwei-\nfelhaft durchschlug, erlebt hat.\nDie erste Aufführung fand am *2O. December v. J.\nStatt und fiel mit der Erscheinung des Königs Max im\nTheater zusammen, dem bei seinem Eintritt in die Loge\naus Anlass seines bekannten, damals eben veröffentlichten\nBriefes über Schleswig-Holstein ein feierlicher Empfang\nmit donnerndem Applaus zu Theil wurde. Damit war nun\nnicht bloss jede Beifallsbezeigung, sowohl während der\nVorstellung als am Schlüsse derselben, unmöglich gemacht,\nsondern mit dieser politisch bedeutsamen Ovation war auch\ndie' Stimmung des Publicums eine sehr ernste geworden,\nwelche die Empfänglichkeit der Zuhörerschaft für die\nAufführung einer Oper romantischen und noch dazu theil-\nweise komischen Inhalts nothwendiger Weise abschwächte.\nWenn nun ein neues Werk eines einheimischen Compo-\nnisten allerdings den Vortheil einer localen Theilnahme\nfür sich hat, so hat es auf der anderen Seite den manch-\nmal noch schlimmeren Nachtheil gegen sich, dass auch die\npersönlichen Gegner des Componisten und die localen Nei-\nder sich um so schärfer dagegen loslassen, wenn sie ir-\ngend eine Handhabe dazu finden. Dergleichen disharmo-\nnische Sonderungen der harmonischen Künstler- und Di-\nlettantenkreise gibt es leider überall. Im vorliegenden\nFalle benutzte denn auch eine hiesige Partei die That-\nsache, „dass sich bei der ersten Vorstellung keine Hand\nzu Gunsten des Werkes gerührt hatte\", zur Herabsetzung\ndesselben, ohne der Veranlassung zu gedenken, welche\njeden Applaus anstandswidrig machte."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "38", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640130-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4010, "texte": "Die zweite Vorstellung fiel auf einen Tag (den 23.\nDecember, also den Abend vor der Christbescherung),\nder wiederum in so fern ungünstig war, als der Besuch\ndes Thealers an demselben stets sehr schwach ist, es mag\ngegeben werden, was da wolle. So war denn auch dieses\nMal kein zahlreiches Publicum zugegen, allein die Oper,\nmit deren Partitur mittlerweile der Componist einige nicht\nunwesentliche Kürzungen vorgenommen hatte, gefiel und\nerwarb grossen Applaus. Die augsburger Allgemeine Zei-\ntung (Nr. 360) berichtete unter Anderem: „Da mit der\nersten Aufführung der neuen Oper „ „Das Conterfei\"\" der\nenthusiastische Empfang des Königs aus Anlass seines\nhochherzigen Briefes zusammenfiel und jeder weitere Bei-\nfall für diesen Abend verstummen musste, so konnte auch\nerst bei der gestrigen ersten Wiederholung das Urtheil\nüber diese neueste Schöpfung des verdienten Componisten\nsich kundgeben. War nun auch, wie dies so kurz vor den\nWeihnachtstagen nicht anders zu erwarten, das Haus nur\nschwach besetzt, so lohnte doch von Nummer zu Nummer\nimmer stärkerer und wärmerer Beifall das schöne Werk,\nund steigerte sich nach dem höchst poesiereichen zweiten\nActe zu stürmischem Hervorrufe der Mitwirkenden. Auch\nder dritte Act erfreute sich der entschiedensten Wirkung,\nund es that uns leid, dass der am Schlüsse mit ungekün-\nstelter Begeisterung wiederholt gerufene Tondichter das\nHaus schon verlassen hatte und den herzlichsten Beifall\nfür sein von reinster duftiger Poesie beseeltes, in edelstem\nStile gehaltenes Werk nicht persönlich hinnehmen konnte.\"\nAuch das „Morgenblatt\" der Bayerischen Zeitung\nvom 29. December v. J. schreibt: „Am 23. fand die\nzweite Aufführung der Perfall'schen Oper „ „Das Conter-\nfei\"\" Statt. Die Aufnahme der Oper war diesmal entschie-\nden günstig, und sowohl der Tondichter als die Mitwir-\nkenden wurden öfter und lebhaft gerufen, und möchten\nwir für uns nur constatiren, dass die allzu missgünstigen\nUrtheile, welche nach der ersten Aufführung des „„Con-\nterfei\"\" in Umlauf kamen, durch die zweite Darstellung\nwiderlegt worden sind.\"\nDie dritte Vorstellung fand am 14. Januar d. J. Statt\nund hatte ein zahlreiches Publicum herbeigezogen, welches\ndas Haus vollständig füllte. Die Anwesenheit beider Ma-\njestäten erhöhte den Glanz der Versammlung, und die\nOper hatte einen entschiedenen Erfolg, der ihre Lebens-\nfähigkeit unläugbar bewies und sie jedenfalls auf dem Re-\npertoire erhalten wird. Sehr lobenswerth ist es, dass der\nComponist selbst fortwährend von der ersten Aulführung\nan einen strengen Maassstab der Kritik an sein eigenes\nWerk gelegt hat; auch für die dritte Vorstellung hatte er\nnoch Kürzungen vorgenommen, und es ist keine Frage,\ndass die Oper dadurch noch gewonnen hat. Was in Paris\ndurch viele Generalproben mit Decorationen und Costü-\nmen erreicht wird, dass Dichter und Componist schon vor\nder Aufführung vollständig über die Wirkung ihres Wer-\nkes urtheilen können, das kann in Deutschland erst im\nLaufe der ersten Vorstellungen erkannt werden, und die\nConsequenz, oder richtiger: der Eigensinn, mit welchem\noft unsere deutschen Componisten an dem fesft hangen, was\nihre Feder einmal niedergeschrieben, hat schon manches\nWerk um den dauernden Erfolg gebracht.\nHier haben Sie, verehrter Herr Redacteur, einen auf-\nrichtigen Bericht über Perfall's neue Oper sine ira et\nstudio, aber voll warmer Theilnahme, wie das edle Stre-\nben und das Talent des Componisten sie verdient. Um die\nAusführung machten sich am meisten Fräulein Stehle\nals Bertha von Lahneck, Herr Grill als Junker Walter\nund Herr Bausewein als Knappe Elias verdient. Die\nletztere Partie des Knappen, welche wir als die entschie-\nden schwierigste der ganzen Oper betrachten, wurde von\nHerrn Bausewein nicht nur im Allgemeinen glücklich be-\nwältigt, sondern derselbe gab die oben genannte hervor-\nragende Scene in A-dur nach Technik, Vortrag und äus-\nserer Darstellung in einer Weise wieder, welche die er-\nfreulichste Begabung des Künstlers zu komischen Situatio-\nnen ausser allen Zweifel setzte.\n\nL."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-01-30-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-01-30_01#c004", "volume": "bmtnabi_1864-01-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "38", "page_fin": "39", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640130-01.2.4", "titre_corps": "Siebentes Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller,", "titre_sommaire": "Siebentes Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller,", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "38", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640130-01.1.6", "debut_caractere": 4012, "fin_caractere_exclue": 5451, "texte": "Siebentes Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller,\nDinstag, den 26. Januar 1864.\nProgramm. Erster Theil. 1. Ouvertüre zu „Prometheus\" von\nWolde mar Bargiel (zum ersten Male). 2. Concert für Pianoforte\nin JEs-dur von Beethoven (gespielt von Herrn E. Pauer aus\nLondon). 3. Busslied für Bariton-Solo, Chor mit Orgelbegleitung\nvon G. Meyer beer (zum ersten Male — das Solo vorgetragen von\nHerrn Max Stägemann aus Hannover). 4. Thema von Mozart,\nvariirt für Pianoforte von E. Pauer; „La Cascade\" von demselben\n(Herr E. Pauer). 5. Lieder von J. Rietz und L. Hartmann\n(Herr M. Stägemann). 6. Sinfonie in G-dur von J. Haydn.\nZweiter Theil. 7. „Die erste Walpurgisnacht\" von Goethe, com-\nponirt von F. Mendelsso hn-Bartholdy (Alt-Solo: Fräulein\nPels-Leusden — Bariton-Solo: Herr Stägemann).\nDie neue Ouvertüre von W. Bargiel ist ein Werk von gros-\nsen Intentionen; das würde auch ohne Ueberschrift klar geworden\nsein; die Ueberschrift selbst aber lässt uns in Zweifel, ob der Com-\nponist den „gefesselten Prometheus\" des Aeschylos oder was sonst\nfür ein Gedicht (Goethe's Prometheus?) im Sinne gehabt hat. Jeden-\nfalls sind die Intentionen mit tüchtiger Beherrschung der orchestra-\nlen Mittel und in einheitlichem Charakter durchgeführt, allein wir\nmöchten doch wünschen, dass der geschätzte Componist dem Hange\nzu allzu ernsten, ja, düsteren musicalischen Vorwürfen nicht zu"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640130-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6499, "texte": "sehr nachgäbe. Zieht er vor, sieh durch das Alterthum zu begei-\nstern, so bietet dieses doch ausser den furchtbar tragischen Stoffen\neiner Medea, eines Prometheus u. s. w. noch eine Welt von Gegen-\nständen dar, in denen, wie auch in der griechischen Sculptur und\nArchitektur, jener edle Geist der Humanität weht und sich in der\nForm des Schönen ausspricht, der unserer Gefühlsweise näher steht,\nals die schauerlichen Schicksals-Katastrophen. Ferner können wir\nauch nicht umhin, bei diesem neuesten Werke Bargiel's wieder\ndaran zu erinnern, dass eine Hauptschönheit eines orchestralen Ton-\nstückes in der Klarheit der Form besteht, und dass die Neueren\nund Neuesten Unrecht thun, eine Art von Kunst darein zu setzen,\ndie Form zu verdunkeln. Gewiss hat die Ouvertüre zum Prome-\ntheus Form, vom Gegentheil kann bei Bargiel nicht die Rede sein:\naber diese Form entbehrt der festen, greifbaren Umrisse, es ist, als\nwenn eine schöne Statue durch dichte Schleier, die nur dann und\nwann durchsichtig sind, verhüllt wäre; kurz, nur der Musiker ist\nim Stande, die Form zu verfolgen, dem Laien ist es rein unmög-\nlich, sie herauszufinden. Und das ist es, was den Geschmack und\n-\ndas gesunde Urtheil des grossen Publicums irre leitet; da es sich\nnicht mehr an der klaren, schönen Form, wie bei Haydn u. s. w.,\nergötzen kann, so gewöhnt es sich an Klangwirkungen und grelle\nEffecte und hält am Ende Instrumentallärm exempla sunt odiosa\nfür schön.\nEinen grossen Genuss gewährte das vortreffliche Clavierspiel\ndes Herrn E. Pauer, der sich lange Zeit in Deutschland nicht\nhatte hören lassen, jetzt aber in seiner Vaterstadt Wien, in Mün-\nchen, Frankfurt u. s. w. und dann zuletzt vor seiner Rückkehr\nnach London am 26. d. Mts. hier bei uns gespielt hat. In wie vol-\nlem Maasse Pauer in England, wo er Professor an der k. britischen\nAkademie der Musik ist und eine bedeutende Stellung in der dorti-\ngen musicalischen Welt einnimmt, ein Deutscher geblieben, hat er\nnicht nur durch seine Wirksamkeit für das Interesse der deutschen\nInstrumenten-Fabrication bei der letzten Ausstellung in London be-\nwiesen, wo er nach Schiedmayer's Abreise, den Familien-Verhält-\nnisse leider sehr bald abriefen, der einzige Vertreter dieses Zweiges\nder deutschen Industrie als Commissarius von Oesterreich und den\nZollvereins-Staaten war, sondern eben so und noch mehr seit Jah-\nren durch Verbreitung der deutschen classischen Musik in England\ndurch musterhafte Ausübung und fruchtbare Lehre. In seinem Spiele\nhat er, unbeirrt von fremden Einflüssen jeder Art, die edle, echt\ndeutsche Gattung des Ciavierspiels, die Mozart auf Hummel ver-\nerbte, zu der Vollkommenheit gebracht, welche der Fortschritt des\nCiavierbaues möglich gemacht hat. Gleich durch den Vortrag der\nEröffnungs-Cadenz des Beethoven'schen Ük-dwr-Concertes gewahrten\nwir mit Freude, dass wir hier keinen Virtuosen, sondern einen\nKünstler vor uns hatten, und diese Versenkung in die Composition,\ndiese Verleugnung des eigenen Ich, dargestellt durch ein durchweg\ngediegenes Spiel, einen weichen und vollen Ausdruck durch herr-\nlichen Anschlag sowohl in der Melodie als in den Tonleitern und\nPassagen jeder Art, blieben sich von Anfang bis Ende gleich, er-\nwarben aber auch dem Künstler nach dem Concerte und nach den\nSolo-Vorträgen der kleineren Stücke einen ganz ausgezeichneten\nApplaus und Hervorruf. In der trefflichen Bearbeitung des Mozart'-\nsclien Liedes des alten Osmin: „Wer ein Liebchen hat gefunden\",\ndie uns neu war, wetteiferte die originelle Variirung mit dem origi-\nnellen Thema, und in dem Vortrage seiner allbeliebten „Cascade\"\nfeierte der Künstler den Triumph des Clavierspiels, welches das\nPianoforte als Solo-Instrument und nicht als ein Orchester behan-\ndelt. Und welch einen Reiz eine solche Behandlung dem Instru-\nmente verleiht, wissen wir hier in Köln um so mehr zu schätzen,\nda unser Ferdinand Hiller als Pianist denselben Grundsätzen huldigt.\nSeinem Princip getreu, hatte Herr Pauer einen deutschen\nFlügel aus der Labrik von Gerhard Adam in zu seinen\nVortragen im Gürzenich gewählt. Das schöne Instrument befand\nsich noch von der eben beendeten Clavier-Ausstollung hier und\nwurde in der Probe von ertahrenen Kennern für ein Instrument von\nPleyel & Wolf in Paris gehalten gewiss ein erfreulicher Beweis\nfür den Fortschritt der rheinischen Industrie. Die Vorzüge des Flü-\ngels zeigten sich besonders in dem nicht spitzen, sondern vollen\nKlange des Discants, der auch in den höchsten Tönen frei von der\nBeimischung des Ilolztones ist, der bei den französischen Instru-\nmenten sich oft sehr laut vernehmen lässt. Ein anderer Vorzug der\nAdam'schen Fabricate ist die präcise Abdämpfung, wodurch die\nDeutlichkeit der schnell über die Claviatur rollenden Passagen un-\ngemein befördert wird. Nimmt man nun vollends hinzu, dass ein\nsolcher Flügel immer um ein paar Hundert Thaler billiger ist, als\nein französischer, so sollte man doch meinen, dass die Modeliebha-\nberei lür glänzende ausländische Firmen endlich abnehmen miisste.\nIn Herrn Max Stägemann vom Hoftheater zu Hannover\nlernten wir einen jungen Sänger mit wohlklingender, ausgiebiger\nBaritonstimme kennen, der, mit diesen schonen Mitteln ausgerüstet,\neine bedeutende Laufbahn machen wird, wenn er Zeit und Lust\nhat, durch fortgesetzte technische und ästhetische Studien sich zum\nwirklichen Künstler auszubilden. In Meyerbeers Busslied\" mit\nChor und Orgel, einem sehr monotonen Gesangstücke, hatte er we-\nniger Gelegenheit, sich zu zeigen, als im Vortrage der Ballade rDer\nSoldat\" von J. Rietz, und eines hübschen Liedes: „Im Waldu,\nvon L. Hartmann in Dresden (Sohn des Musik-Directors Hart-\nmann in Neuss), welches sogar da capo gerufen wurde. Doch bleibt\nder vollkommene Liedergesang immer eine der schwierigsten Auf-\ngaben für die Männerstimme. Am reichsten entfaltete sich die so-\nnore Stimme in der Partie des Druiden in Mendelssohn's „Wal-\npurgisnacht\", welche in prächtiger Ausführung den zweiten Theil\ndes Concertes füllte. Auch das Tenor-Solo und das kleine Alt-Solo\ndarin wurden vun Herrn B. und Fräulein Pels-Leusden recht\ngut gesungen, während Chor und Orchester ihre Macht bewährten,\num die herrliche Composition zu prächtigem Ausdruck zu bringen.\nNach den eben erwähnten Liedern hörten wir noch zum Schlüsse\ndes ersten Theiles eine allerliebste kleine Sinfonie (G-dur von\nJ. Haydn mit ihren köstlichen canonischen Imitationen im Gei-\ngen-Quartette. Dass sich alle Welt an der klaren, heiteren Com-\nposition und ihrer feinen, präcisen Ausführung erfreute, versteht\nsich von selbst."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-01-30-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-01-30_01#c005", "volume": "bmtnabi_1864-01-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "39", "page_fin": "40", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640130-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640130-01.1.7", "debut_caractere": 6501, "fin_caractere_exclue": 6906, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nBarmen. Am 23. Januar fand das jährliche Concert des\nHerrn Musik-Directors Anton Krause Statt und brachte ein sehr\ninteressantes Programm. Herr Krause eröffnete es mit Beethoven s\nQuintett in Es-dur für Pianoforte, Oboe, Clarinette, Horn und Fa-\ngott und schloss es mit F. Schubert's Quintett für Pianoforte,\nVioline, Viola, Violoncell und Contrabass, zwei der herrlichsten"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "40", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640130-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5468, "texte": "Compositionen für Kammermusik. Von seiner eigenen Composition\ntrug er vier Etüden vor und zeigte sich in allen diesen Werken als\neinen trefflichen, gediegenen Pianisten. Fräulein Julie Rothen-\nberger aus Köln wurde bei ihrem Auftreten mit Applaus empfan-\ngen und nach der Arie in F-dur aus Mozart's Figaro gerufen. Das-\nselbe war der Fall nach dem reizenden Vortrage der Lieder: „Das\nVeilchen\" von Mozart, „Frühlrngslied\" von Mendelssohn, „Sie sa-\ngen, es wäre die Liebe\" von Th. Kirchner, nach denen sie auf stür-\nmisches Verlangen noch Dorn's „Das Mädchen an den Mond\" zu-\ngab. Ausserdem trug der vereinte Chor des Singvereins und der\nLiedertafel drei Volkslieder von Mendelssohn und das reizende Lied\nvon Schumann: „Schön Rohtraut\", mit grossem Beifalle vor; das\nletzte rnusste wiederholt werden.\nIjeipzig* Zu der Vorstellung am 18. Januar, der Jubelfeier\nvon Roderich Benedix („Eigensinn\" und „Der Vetter\"), ström-\nten die Leipziger in hellen Haufen herbei, um den vielberufenen\nLandsmann und gefeierten fruchtbaren Lustspieldichter durch ihre\nGegenwart zu erfreuen und zu ehren. In der That, das Haus war\nbuchstäblich ausverkauft. Die Stimmung des Publicums war eine\ngehobene und kam den Darstellern, die von Act zu Act gerufen\nwurden, ersichtlich zu Gute. Am Schlüsse der Vorstellung wurde\nBenedix stürmisch gerufen. Nach einiger Zeit ging der Vorhang in\ndie Höhe und Benedix erschien, begrüsst von einem tausendstimmi-\ngen Jubelrufe, und von der ersten Galerie flog ihm ein Eichenkranz\nzu Füssen; der Vorhang hob sich zum zweiten Male, und der Ju-\nbilar trat noch einmal vor. Diesmal liess ihm die neidische Cour-\ntine Zeit, eine kurze, dankbare Ansprache an das Publicum zu\nrichten. Seine einfachen Worte drangen zum Herzen, als er es als\nden schönsten Beruf des Dichters bezeichnete, der Menschheit\nFreude zu bereiten, und als er die ihm gewordene Huldigung be-\nscheiden als einen Act nachsichtsvoller Dankbarkeit des Publicums\naufFasste und herzlich würdigte. Unter den lautesten Beifallsrufen\ntrat er von der Rampe zurück, der Vorhang fiel.\nDas leipziger Stadttheater wird verpachtet. Die Gemeindever-\ntreter sollten am Mittwoch, den 20. d. Monats eventuel darüber\nbeschliessen. Unter den Bewerbern befinden sich die Directoren\nL Arronge (Köln), v. Witte (Riga), Tliome (Prag) und der Di-\nrector des magdeburger Stadttheaters. Gleichzeitig hat der Stadt-\nrath den Plan eines neuen Stadttheater-Gebäudes vorgelegt, das mit\neinem Aufwände von nahezu einer halben Million Thaler (480,000\nRthlr.) auf dem Augustusplatze erbaut werden soll. Der Plan ist\nvom Ober-Baurath Langhans (Berlin?).\nBerlin. Der italiänische Opern-Unternehmer Mereili hat\nhier schon wieder einen Director gefunden, der auf den italiänischen\nOpern-Schwindel 'reinfällt. Diesmal ist's der sonst so praktische\nHerr Deichmann mit dem Friedrich-Wilhelmstädtischen Theater.\nDie italiänische Operngesellschaft, bei welcher sich vielleicht wieder\nNamen finden werden wie Sgr. Siegristi, Sgr. Schindleri, Sgr. Un-\ngari u. dgl., soll ihre Vorstellungen schon am 25. d. Mts. beginnen,\nund sind ihrer vorläufig zehn festgesetzt. Da Weiteres vom Erfolg\nabhängig gemacht werden soll, so wird es wohl bei den zehn sein\nBewenden haben, die wahrscheinlich aus „II Barbiere\", „Lucia\",\n„La Traviata\", r)Rigolettou und dann wieder so von vorn bestehen\nwerden.\nCapellmeister Heinrich Dorn in Berlin hat eine neue komi-\nsche Oper: „Der Botenläufer von Pirna\", geschrieben.\nBreslau. Seit dem 1. Januar sind schon fünf neu einstu-\ndirte Stücke in Scene gegangen, von denen allerdings zwei schon\nwieder zu ewiger Ruhe heimgekehrt sind. Unter den übrigen steht\noben an Weber's „Oberon\", der hier mehrere Jahre nicht gegeben\nworden war und desshalb von Opernfreunden mit grosser Freude\nbegrüsst wurde. Auf die äussere Ausstattung war die grösste Sorg-\nfalt und eine enorme Geldsumme verwandt worden. Decorationen,\nMaschinerieen und Costums waren durchaus neu und sehr geschmack-\nvoll angefertigt, so dass in dieser Beziehung nicht das Mindeste zu\nwünschen übrig blieb. Aber leider beschränkte sich der verdiente\nBeifall auch ziemlich auf die Künstler, die für die Zuschauer thätig\nwaren, nämlich die Herren Decorationsmaler Helfferich aus Mün-\nchen und Schreiter von hier, so wie Herrn Maschinenmeister Brandt\nvom berliner Victoria-Theater.\nJjowenberg, 27. Januar. So eben erhalten wir die betrü-\nbende Nachricht, dass der Componist J. J. Abert aus Stuttgart auf\nseiner Reise nach Löwenberg in Schlesien, wohin derselbe eine Ein-\nladung, sein neuestes Werk, „Columbus\", in einem fürstlichen Hof-\nConcerte zu dirigiren, erhalten hatte, am 19. Januar durch einen\nWagensturz zwischen Bunzlau und Löwenberg derart verunglückt\nist, dass die Aufführung genannten Werkes bis zu seiner Wieder-\ngenesung verschoben werden muss.\nII am l)ui*g. Im Stadttheater trat Fräulein Tietjens als\nGräfin in „Figaro's Hochzeit\" vor einem glänzend besetzten Hause\nund mit ausserordentlichem Erfolge auf. Auch das Ensemble liess\nnichts zu wünschen übrig; ganz besonders trug das Orchester unter\nLeitung des Capellmeisters Neswadba zum Gelingen des Ganzen hei.\nAm 22. December v. J. fand in Hamburg die Grundstein-\nlegung der neuen Kunsthalle (Concertsaal) Statt. Ein Comite hatte\n200,000 Mark Banco für den Bau zusammengebracht und erlangte\nvom Senate und der Bürgerschaft einen schönen Bauplatz und einen\nZuschuss von 100,000 Mark Banco.\nIn Hamburg hat sich ein jüngerer Bruder von Johannes\nBrahms, Fritz Brahms, als Pianist hören lassen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "33", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640130-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nStatistisches über Instrumentenbau. „Das Conterfei:*, romantisch-komische Oper, Text von M. Schleich, Musik von\nPerfall. Von L. Siebentes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unterhaltungsblatt (Barmen, Concert\nLeipzig, Jubiläum von R. Benedix, Stadttheater Berlin, Italiänische Oper, H. Dorn Breslau, Theater Löwenberg, Unglücksfall\nHamburg, Fräulein Tietjens, Grundsteinlegung, Fritz Brahms).\n\nStatistisches über Instrumentenbau.\nDer „amtliche Bericht über die musicalischen\nInstrumente auf der Ausstellung zu London 1862\",\nwelcher nach Beschluss der Commission der deutschen\nZollvereins-Regierungen von Ernst Pauer, Mit-\nglied der Jury, Professor an der k. britischen Akademie\nder Musik in London, grossherzoglich hessischem Hof-\nConcertmeister, Ritter mehrerer Orden u. s. w. erstattet\nworden und in Berlin Ende 1863 im Verlage der königl.\nOber-Hofbuchdruckerei (R. Decker) erschienen ist, ent-\nhält nicht nur für Fachmänner die wichtigsten Nachrich-\nten und Beschreibungen, sondern ist auch belehrend und\nunterhaltend für jeden Musiker und Freund des Fort-\nschrittes in einem Zweige der Kunst-Gewerbthäligkeit, von\ndessen Ausdehnung und Wichtigkeit viele Regierungen so\nwenig als die Fabrik- und Handelswelt überhaupt eine\nAhnung haben. Da wir voraussetzen, dass der Bericht\nselbst (131 S. Gr. 8.) bereits oder sehr bald in den Hän-\nden aller derer sein wird, die er besonders angeht, theilen\nwir aus den Schluss-Bemerkungen desselben Einiges mit,\ndas für die meisten Leser neu und überraschend sein\nwird, zumal am Rheine, wo man noch immer in jeder\nArt von industriellen Erzeugnissen Frankreich den Vorzug\nzu geben geneigt ist. Wie anders lautet dagegen folgen-\nder Ausspruch, mit welchem Herr Pauer seine Schluss-\nbemerkungen eröffnet:\n„Dem aufmerksamen Beobachter drängte sich in der\nmusicalischen Classe unwillkürlich die Bemerkung auf,\ndass deutscher Geist und deutsche Ausdauer die musicali-\nschen Instrumente zu der Höhe der Vollkommenheit\nbrachten, auf welcher wir sie beinahe sämmtlich auf die-\nser Ausstellung fanden. Deutsche Intelligenz war fast bei\njeder Hauptneuerung thätig gewesen.\n„Bei den Orgeln bemerkten wir, dass Verbesserun-\ngen, welche von Willis und Walker in London, Cavaille-\nColi in Paris gebracht und theilweise auch als neue Erfin-\ndungen reclarairt wurden, ihren Ursprung Deutschland,\nund zwar vorzugsweise der ludwigsburger Orgelfabrication\nverdanken. Betrachten wir die Clavier-Instrumente, so\nfinden wir, dass Broadwood mit rühmenswerthem Frei-\nmuthe in seinem Pamphlete bekennt, seine Instrumente\nhätten nicht den Grad der Trefflichkeit erlangen können,\nwären nicht deutsche Künstler bereit gewesen, ihn mit\nRath zu unterstützen. Ferner treffen wir unter den Eng-\nländern die deutschen Namen: Rüst, Oetzmann, Knoll,\nGreiner; unter den Franzosen: Herz, Wülfel, Pleyel, Krie-\ngelstein, v. Rhoden, Gehrling; unter den Belgiern den\nstrebsamen Sternberg; unter den Russen: Beck u. s. w.\nWenden wir uns zu den Bias-Instrumenten, so ergibt\nsich, dass das System des hochverdienten Hofmusikers\nTheobald Böhm aus München in Frankreich und England\nallgemein angenommen wurde, dass England und Frank-\nreich bei den Militär-Instrumenten Form und Construction\ntheilweise der österreichischen nachgeahmt haben; versu-\nchen wir die Harmoniums, so finden wir intelligente Ein-\nrichtungen, die dem Laien als unbedingt neu gepriesen\nwerden, welche aber schon mehr oder minder in dieser\noder jener Form, nur mit einfacherer Benennung, von\nDeutschmann u. A. angewandt waren. Deutschland hat\nferner ein Monopol in manchen Instrumenten, wie Mund-\nund Zug-Harmonica's, Maultrommeln und Zithern; wir\nüberzeugen uns, dass deutsche Musicalien in jeder Bezie-\nhung den französischen bei Weitem überlegen sind, dass\neine gewöhnliche Breitkopf'sche Ausgabe in Paris für\neine Edition de luxe gehalten würde, und wir haben end-\nlich gesehen, dass deutsche Stahlsaiten die englischen in\nZugkraft übertreffen.\n„Man sollte meinen, dass nach allem dem die deutsche\nAusstellung von Musik-Instrumenten die glänzendste gewe-\nsen sei und alles Andere verdunkelt habe. Dies ist jedoch\nnicht der Fall; der Deutsche versteht nicht so geschmack-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "34", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640130-01.1.2", "texte": "voll auszustellen, wie der Franzose, und verwendet auf\nseine Ausstellung nicht so viel Geld, als der Engländer.\nDie französischen Claviere finden wir auf einem mit\nWachstuch überzogenen Boden in grossen Nischen (gleich\nZimmern) stehen, die Zollvereins-Instrumente auf einer\nmassig hohen Estrade, mit braunem Tuch belegt. Besuchen\nwir in den frühesten Morgenstunden die französische oder\nenglische Abtheilung, so sehen wir die Claviere in weich\nwattirten Decken, welche bis zum Boden reichen, einge-\nhüllt und sorgfältig verwahrt, die des Zollvereins zur Mehr-\nzahl unbedeckt stehen und dem Einflüsse der Nässe, des\nStaubes, des Aufspritzens erbarmungslos Preis gegeben.\nFrankreichs Aussteller halten eine Association gebildet,\nwelche zwei kundige Stimmer und einen erfahrenen Tech-\nniker zum Instandhalten der Instrumente unterhielt; von\ndeutscher Seite liess dies sehr viel zu wünschen übrig.\n„Ein weiterer Punkt ist die Aufstellung der Instru-\nmente selbst. Deutschlands Instrumente befanden sich in\neinem ziemlich gut akustischen Saale, in welchem sich aber\nnebstdem noch ein Krönungswagen, mehrere Kasten mit\nHandschuhen, Glanz- und Saffianleder, Strohtische und\nStühle bewundern Hessen. Die Preise der einzelnen Instru-\nmente waren nicht überall angeheftet; die markneukirche-\nner Waaren, das non plus ultra von Billigkeit, konnten\ndesshalb weniger überraschen.\n„Der deutsche Aussteller verwendet zu wenig Sorgfalt\nauf die ins Kleinste gehende Ausarbeitung seines Instru-\nmentes; man sah Charniere von Messing mit Eisen-, statt\nStahlschrauben, geschnitzte Pulte, an welchen die innere\nSeite im rohen Zustande gelassen war. Solche Dinge wer-\nden vom Fabricanten Kleinigkeiten, unbedeutende Neben-\nsachen, die von keiner Wichtigkeit sind, genannt, aber\nvom Laien mit mehr Vorurtheil betrachtet, als man den-\nken sollte. Die Ausstellung ist ein Schaufest; also richte\nman auf eine nette, einfache, aber geschmackvolle Erschei-«\nnung genügende Aufmerksamkeit. Bei Streich-Instrumen-\nten sorge man für Glasschränke, eben so bei Blas-Instru-\nraenten, welche man vielleicht pyramidenförmig aufstellen\nkönnte.\n„Fassen wir nun in wenigen Worten den Total-\nEindruck der musicalischen Abtheilung zusammen: Es\nwar seit 1855 sehr wenig Neues geboten; Fortschritte\nwaren in Deutschland verhältnissmässig am meisten ge-\nmacht worden; unsere Claviere, besonders die Pianino's,\nhaben bedeutend gewonnen.\n„Die Harmoniums der Würtemberger zeigen einen\nvolleren, runderen, mehr flötenartigen Ton, als die fran-\nzösischen.\n„Die deutschen Streich-Instrumente billigster Gattung\nstehen den theuren französischen von Mirecourt in der\nEleganz der äusseren Erscheinung und Treue der Nach-\nahmung des alten Models nach; doch haben sie den Vor-\ntheil eines stärkeren, mächtigeren Tones und grösserer\nDauerhaftigkeit, indem hei uns das Holz nicht gebeizt und\npräparirt wird, daher, auch dem Morschwerden nicht so\nsehr ausgesetzt ist. Die Sorgfalt des Lackirens lässt in\nDeutschland bei den billigeren Instrumenten noch Einiges\nzu wünschen übrig.\n„Im Fache der billigen Holz-Blas-Instrumente hat\nFrankreich den unbedingten Vorrang vor allen Ländern.\nlm Fache der Metall-Blas-Instrumente zeigt sich in\nOesterreich grössere Originalität der Formen und ein\nrichtigeres musicalisches System der Bauart.\n„In Frankreich und England findet sich ein ängstliches\nHaschen nach dem Verdienste von „„Erfindungen'\"';\nsolche bestehen aber meistens in kleinen und unwesent-\nlichen Veränderungen mit pomphaften, zuweilen -auch\nmysteriös klingenden Namen.\n„Im Fache der Musikwerke steht Deutschland uner-\nreicht da. Deutschland arbeitet im Allgemeinen eben so\ngut als England und Frankreich, billiger, als das erste,\njedoch nicht immer so elegant, als das zweite. Nehmen\nwir den Durchschnitt an, so war bei den deutschen Instru-\nmenten das meiste Gute zu finden; Beweis dafür bietet die\nPreis-Zuerkennung. Englands Claviere z. B. gewannen sich\nmit 4-3 Ausstellern 12 Medaillen, während der Zollverein\nund Oesterreich mit 29 Ausstellern 14 Medaillen erhiel-\nten, und doch können wir sagen, dass nur ein Drittheil\nunserer guten Instrumentenmacher ausgestellt hatte, wäh-\nrend von England und Frankreich (mit Ausnahme Erard's)\nJeder schickte, der auf Auszeichnung Anspruch erheben\nkonnte.\n„Und so wollen und können wir getrost und freudig\neiner nächsten Welt-Ausstellung entgegensehen, in welcher\nDeutschland gewiss wieder einen so ehrenvollen Platz ein-\nnehmen wird. Dass Deutschland nicht aulhören wird, gute\nInstrumente zu liefern, dafür haben wir eine doppelte\nBürgschaft, unsere Künstler und Componisten, welche die\ndenkendsten und besten der Welt sind, und unsere Fabri-\ncanten, welche gern fremde Verdienste anerkennen, mit\nLiebe und Aufmerksamkeit studiren und nicht vergessen,\ndass die Erzeugung musicalischer Instrumente nicht allein\neinen Fabricanten und Raufmann, sondern auch reines,\nkünstlerisches Gefühl erheischt.\n„Die Ausdehnung der Fabrication von Musik-Instru-\nmenten überhaupt dürfte sich in England und Frankreich\nso ziemlich gleich stehen, in Deutschland mit Oesterreich\naber bedeutender als in diesen beiden sein. England er-\nzeugt mehr Claviere als Frankreich (man rechnet deren\ndurchschnittlich 23,000 im Jahre), dagegen versorgt"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "35", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640130-01.1.3", "texte": "Frankreich zum grossen Theile England mit Holz- und\nMetall-Blas-Instrumenten und theilweise auch mit Geigen.\n„Die Clavier-Fabrication hat in allen drei Län-\ndern eine ungewöhnlich grosse Ausdehnung und Bedeu-\ntung gewonnen. In England hat sie sich in den letzten 35\nJahren gerade verdoppelt, z. B. Broadwood erzeugten von\n1780 bis 1826 48,348, seit 1826 bis-1861 aber\n75,500 Instrumente. Von der Total-Summe der Broad-\nwood'schen war nur der fünfte Theil Flügel. England,\ncentralisirt in London, hat hier vier grosse Fabriken: John\nBroadwood und Söhne, Collard und Collard, Erard und\nCharles Cadby. Sie haben alle über 300 Arbeiter, Broad-\nwood sogar 560. Ihnen zunächst stehen Kirkman und\nSohn, J. und J. Hopkinson, Challen und Sohn, Brinsmead\nund einige Andere. Bei der englischen Clavier-Fabrication\nzeigt sich dem aufmerksamen Beobachter ein auffallendes,\nin Deutschland und Frankreich nicht vorhandenes Factum,\nnämlich der bedeutende Unterschied an Güte der Instru-\nmente von den ersten Fabricanten, verglichen mit denen\nder weniger bekannten; streng genommen gibt es nur\nganz gute oder mangelhafte, zähe und unangenehm spiel-\nbare Claviere, eine gute Mittelsorte besteht in England\nnicht in dem Maasse, wie bei uns. Ein Grund für diesen\ngrellen Unterschied mag darin zu finden sein, dass nur die\nInstrumente von Broadwood, Erard und Collard in Con-\ncerten benutzt werden, daher auch ihren Absatz in den\nmusicalisch gebildetsten Kreisen finden. Die Fabricanten,\nwelche ihre Claviere in Concerten hören können, haben\nmehr Gelegenheit, Beobachtungen und Studien über Klang\nu. s. w. zu machen, auch das Urtheil gewiegter und den-\nkender Künstler, so wie feinfühlender Dilettanten zu ver-\nnehmen— ein Vortheil, welchen der kleine Fabricant nicht\noder nur höchst selten gemessen kann. Eine deutliche\nFolge davon war in den verhältnissmässig unbedeutenden\nFortschritten der unbekannteren englischen Fabricanten\nseit 1851 zu erkennen. Dem aufmerksamen Beobachter\ndürfte aber auch nicht entgehen, wie wenig Interesse die\nkleineren englischen Instrumentenmacher an den Producten\nihrer ausländischen Collegen nehmen; beinahe jeder der-\nselben hält sich für den Ersten und Besten und erachtet\nes nicht für nöthig, von Anderen zu lernen. In dieser Be-\nziehung ist der Deutsche viel wissbegieriger, hat aber auch\ngrössere Leichtigkeit, zu studiren und zu vergleichen, da\nfast jeder unserer Ciaviermacher sein Instrument zu behan-\ndeln weiss, was beim Engländer zur Ausnahme gehört.\n„Auch fehlt dem englischen Dilettanten meistens der\nSinn für Bhythmus, welcher Mangel höchst nachtheilig auf\ndie Präcision und Fülle des Anschlags einwirkt. Der In-\nstrumentenmacher muss daher trachten, einen solchen Man-\ngel durch einen lauteren, oft unangenehm hellen Ton zu\nersetzen; daher die unnatürlich hohe Stimmung (die eng-\nlischen Pianino's werden um einen halben Ton höher ge-\nhalten, als unsere höchst gestimmten Flügel). Der kleine\nFabricant in England liefert mehr Waare für den tägli-\nchen Handel und verzichtet auf eine feinere Ausarbeitung.\nIn Deutschland hingegen hat sich durch die politische Thei-\nlung des Landes die Fabrication auf viele grössere und\nkleinere Städte vertheilt; dem Einzelnen ist mehr Gelegen-\nheit geboten, sich im engeren Kreise auszuzeichnen, her-\nvorzuthun und bekannt zu machen. Obwohl er wegen\nMangels an Capitalien nie so grossartige Geschäfte machen\nwird, wie ein Broadwood oder Erard, so ist ihm doch\ndurch das selbständigere Urtheil des deutschen Publicums\neine Möglichkeit geboten, seine Verdienste eher geltend\nzu machen.\n„Die Klangfarbe eines Claviers steht unbezweifelbar\nunter dem Einflüsse des Klima s und der häuslichen Ein-\nrichtungen. Ein englisches Zimmer mit schwer sammtnen\nFenstervorhängen und dickem Fussteppich, ferner die\nschwerere Luft erfordern einen helleren, härteren Ton\nin Deutschland bei leichterer Luft und weniger mit Mö-\nbeln überfüllten Zimmern, bei Mousselin- Vorhängen und\nFussböden aus hartem Holze kann und muss sogar der\nTon zarter und singender sein. In England haben übrigens\nauch die grösseren Dimensionen der Concert-Locale einen\nbedeutenden Einfluss auf den stärkeren Ton; man spielt\nBeelhoven's Sonaten vor 2000 Personen, daher muss das\nCiavier schon mehr einem kleinen Orchester als einem\nbescheidenen Kammer-Instrumente ähnlich sein. Solche\nUebertreibungen mögen aus dem Grunde entspringen,\ndass, während in Deutschland schon seit fünfzig bis sechs-\nzig Jahren in jeder grösseren oder kleineren Stadt tapfer\ndarauf los musicirt wurde, man in England bis vor den\nletzten fünfundzwanzig Jahren nur ein kleines Publicum\nfür classische Kammermusik hatte und jetzt bemüht ist,\ndas Versäumte rasch nachzuholen. Welchen Unterschied\nrücksichtlich der Besaitung diese Verhältnisse hervorge-\nbracht haben, mag der zwischen einem fünfzig Jahre al-\nten s%octavigeij zweisaitigen und einem neuen 7octavi-\ngen, besonders stark dreisaitigen Instrumente (mit der\nStreicher'schen Saitenwage) angestellte Vergleich darthun.\nDie dickste Bass-Saite an dem alten Instrumente war nicht\ndicker, als die letzte Discant-Saite in dem neuen Flügel,\nund so weich, dass sie auf der Saitenwage schon mit 50\nPfd. Riss, während eine gleich dicke Saite von Miller 12*2\nPfd. erreichte. Die Zugkraft des letzten Chores an dem\nalten Instrumente (viergestrichen c zweisaitig) stellte sich\nauf 46 Pfd., der gleiche Ton (dreisaitig) bei dem neuen\nauf 315 Pfd. Die ganze Zugkraft der Saiten an dem alten\nFlügel ergab 42 j-t Ctr., an dem neuen -300 Ctr., also\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640130-01.1.4", "texte": "sieben Mal mehr. Wenn nun in Folge der so ungeheuer\nzugenommenen Belastung der Ciavierkasten eine entspre-\nchende Verstärkung derselben unerlässlich war, so spricht\ndoch für die Fortschritte in der Clavier-Construction, dass\nder fünfzigjährige Corpus ohne Claviatur und Deckel bei\n42 V« Ctr. Belastung 108 Pfd. wog, während jener mit\n300 Ctr. Belastung circa 300 Pfd. erreichte. In runder\nZiffer kann man daher einem Centner Corpus 100 Ctr.\nBelastung auferlegen, während man früher einem Centner\nCorpus nur 42 Ctr. zumuthen konnte.\n(Schluss folgt.)\n\nDas Conterfei,\nromantisch-komische Oper, Text von Martin Schleich, Musik\nvon Perfall.\n\nMünchen, den 31. December 1863.\n„Diese Oper wurde bereits viel und lebhaft bespro-\nchen*), wie uns dünkt, nicht immer unbefangen und vor-\nurteilsfrei genug. Selbst der Titel mag dazu das Seinige\nbeigetragen haben. Es würde jedenfalls besser geheissen\nhaben „ „romantische Oper\"\", das Publicum hätte dann sei-\nnen Standpunkt erkannt.\nDie Handlung ist einfach. Der Held ist ein junger,\nin ländlicher Einsamkeit von weiblicher Hand erzogener\nAbkömmling eines alten Geschlechtes, zu einer Zeit, in\nder einseitige Lecture in Ermangelung besserer Nahrung\nfür eine lebhafte Phantasie wohl noch den Glauben an\nFeen möglich erscheinen liess.\nIn demselben wird er durch eine Reihe überraschen-\nder, ihm auf andere Weise unerklärbarer Einwirkungen\nauf sein Geschick in dem Grade bestärkt, dass er in dem\nAugenblicke, als ihn die schlagendsten Beweise endlich\nzwingen, denselben aufzugeben, schmerzlich zusammen-\nbricht, um so mehr, als er damit die Geliebte verloren\nwähnen muss. Die Verwicklung löst sich durch ihre Er-\nklärung, dass, wenn auch Alles Zufall und Täuschung,\ndoch ihre Liebe eine Wahrheit, eine Wirklichkeit sei.\nDamit schliesst das Ganze befriedigend. Das Wesentliche\ndes Stoffes und der Handlung führt auf den Roman „ „Don\nSylvio de Rosalva\"\" von Wieland zurück, ist aber mit Ge-\nschick und Bühnenkenntniss behandelt.\nDen beiden Hauptpersonen gegenüber stehen der Die-\nner und die Dienerin, von denen namentlich ersterer durch\nseine gesunde Natürlichkeit der Handlung jenes heitere\nund belebende Element beifügt, wodurch im Gegensatze\nzu dem träumerischen und schwärmerischen Wesen des\nHerrn über das Ganze ein richtiges Maass von Schatten\nund Licht sich wohlthuend verbreitet.\nDie Art, zu denken und zu fühlen, ist demnach eigen-\ntümlich deutsch.\nDiesem völlig entsprechend, ist die Musik ebenfalls\ndeutsch.\nPerfall, dessen Name durch seine Vocal-Quartette für\ngemischte Stimmen, durch seine grösseren Werke, insbe-\nsondere seine Compositionen deutscher Märchen, des Rü-\nbezahl, Dornröschen, Undine u. s. w., bereits einen guten\nKlang in Deutschland hat, befand sich hier auf verwand-\ntem Boden, und den Situationen gemäss steigert sich die\nMusik von lyrischen Ergüssen bis zu den höchsten drama-\ntischen Wirkungen, namentlich in dem Augenblicke der\nKatastrophe, wo der Held, aller Hoffnung bar, das Liebste\nzu verlieren befürchtet. Um nur Einiges zu berühren, er-\nwähnen wir: die feine musicalische Charakterisirung einer\nmit ironischem Pathos gehaltenen Liebeserklärung im er-\nsten Acte; die gute Zeichnung der Charaktere der beiden\njungen Helden im darauf folgenden Duette. Im zweiten\nActe das Lied des kindlich deutschen Mädchens mit einem\nAnfluge von Sentimentalität, das schöne Motiv in dem Duo\nmit der Zofe. Die folgende Scene des träumerischen Hel-\nden, vom Drange des Innern nach etwas Unbestimmtem\ndie ganze Stufenleiter der Gefühle durchmessend bis zum\nhöchsten Entzücken der glühendsten Liebe, das darauf\nfolgende Duett mit dem in die angenehmste Stimmung\nversetzten Diener, in welchem das Entzücken zweier so\nverschiedener Naturen auch musicalisch so richtig geschil-\ndert ist, das Lied der Zofe im dritten Acte, das heitere,\nmelodische Duett mit dem Diener, die grosse Scene des\nFräuleins: „Das Herz lässt sich nicht zwingen\", von schö-\nner dramatischer Wirkung, endlich der Ausdruck tiefen\nSchmerzes, gänzlicher Zerknirschung des jungen Grafen\nam Wendepunkte seines Schicksals sind musicalische\nSchilderungen, die den Beruf des Componisten aufs ent-\nschiedenste documentiren und bei guter Behandlung nir-\ngends ihre Wirkung verfehlen werden.\nEben so sind das in diesem Acte befindliche Quartett\nund die Vocalsätze in den Ensembles und Finales voll\nschöner, harmonischer Stellen.\nAlle diese ihrer dramatischen Seite nach bezeichneten\nStücke werden getragen von Melodieen, die durchaus als\nedel, wohlklingend und reichhaltig von Fachmännern an-\nerkannt werden und auch jedem Laien als solche erschie-\nnen sind, und noch mehr erscheinen werden, wenn er die\nOper ein paar Mal zu hören bekommen wird.\nHierin möge aber auch ein Fingerzeig für den Ton-\ndichter liegen, nicht dass seine Melodieen durch den Lärm\ndes Orchesters übertäubt werden, sondern derselbe hat,\n\n*) Siehe weiter unten."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "37", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640130-01.1.5", "texte": "wie uns scheint, in zu grossem Streben, gediegen zu ar-\nbeiten, zu vielen Instrumenten einen selbständigen Gang\nverliehen und dadurch, selbst bei aller Discretion im Tone,\neine Unruhe in einzelne Stücke gebracht, durch welche\nder Laie verwirrt, der Melodie nicht leicht genug zu fol-\ngen vermag. Im Uebrigen beweist derselbe in der Instru-\nmentation, dass er Herr seiner Aufgabe ist und die Mittel\nnicht nur kennt, sondern auch gut zu verwenden weiss.\nBei der Bequemlichkeit des Publicums heutzutage\nmuss man es demselben ohne Versündigung gegen die\nGediegenheit leicht machen, gemessen zu können, wenn\nman nicht, was der Componist rühmlich vermieden hat,\nauf raffinirten Ohrenkitzel speculiren will, oder einen Ge-\nleitsbrief von der Seinestadt für sein Werk mitbringt.\nBeschäftigt waren in der Oper Fräulein Stehle, Frau\nDiez, H err Grill, Herr Bausewein und Herr Hein-\nrich, deren Leistungen ja Jedermann kennt. Hinzufügen\ndürfen wir, dass wir nach unserer besten Einsicht der\nUeberzeugung sind, diese Oper werde bei geschickter,\nsorgfältiger Inscenirung und feiner Individualisirung von\nSeiten der Darstellenden überall gefallen und so ihren\nWeg über die Bühnen Deutschlands mit glücklichem Er-\nfolge machen, und dies wünschen wir ihr denn auch.\"\nDieser Aufsatz rührt von einem durch seine Kennt-\nniss und hiesige Stellung bedeutenden Musiker her und\nerschien in der Isar-Zeitung. Das „Morgenblatt\" der\nBayerischen Zeitung spricht sich unter Anderem folgender\nMaassen aus:\n„Die Perfall'sche Musik anlangend, so zeigt sie vor\nAllem ein durchaus edles und wirklich künstlerisches Stre-\nben, und unterscheidet sich also hierin wesentlich von so\nmanchem Producte neuerer und neuester Tonsetzer, denen\nkein Mittel zu pöbelhaft erscheint, von dem sie sich einen\nErfolg vor der Menge versprechen. Die Erfindung des\nComponisten ist allerdings in den meisten Theilen des\n„ „Conterfei\"\" eine bescheidene, doch offenbart sie sich in\nanderen als eine beachtenswerthe und nicht selten sogar\nals eine glückliche. Hieher gehört insbesondere das sehr\nstimmungs-und empfindungsreiche Lied des Walter: „„Ich\nsuchte Dich heut' auf den Bergen\"\" u. s. w., in\nder in charakteristischen und sinnigen Tonmalereien gege-\nbene Traum des Elias in G-dur; das anspruchslose und\ndoch warme Lied der Bertha: „ „Vöglein im Walde\"\" u.s.w.,\nin F-mott;die in äusserst wirksamen, komischen Zügen\ngehaltene Scene des geistersehenden Elias: „ „Das Fürch-\nten, das Gruseln\"\" u. s. w., in mehrere Partieen\naus der in E-dur schliessenden Arie mit grossem vorher-\ngehendem Becitativ derßertha: „ „Er naht ich kann nicht\nmehr\"\" u. s. w., und ganz besonders der zwar kurze, aber\nin hohem Grade poetische und duftige Gesang der ver-\nmeintlichen leen Bertha und Gretchen, der in versc e-\ndenen Lagen wiederkehrt, um dem Zuhörer immer wie-\nder gleich reizend zu erscheinen. Bezüglich der Form der\nPerlall'schen Tonstücke glauben wir, dass dieselbe trotz\nmancher Vorzüge an Ausprägung und Bestimmtheit lei-\ndet. Die Musik kommt nach dieser Bichtung zu keinem\nrechten Guss und Fluss, und dieser Mangel beeinträchtigt\nauch die sonst sehr lobenswerthe Ouvertüre der Oper in\nE-dur. Hier wurde der Autor durch die Unbestimmtheit\nin der Bildung und Gestaltung unter Anderem zu einer\nMenge von Modulationen gebracht, welche in der Durch-\nführung der Motive unserer grossen Meister wenigstens\nin dem Maasse nirgends gefunden werden. Grosses Lob\nund volle Anerkennung gebührt indess der Instrumenti-\nrung des Componisten; denn diese bewährt nicht nur\nüberall eine kunstgeübte Hand, sondern sie entfaltet in\nunzähligen Fällen jenen gewählten und geläuterten Ge-\nschmack, welchem man nur in den wenigsten Werken\nder Gegenwart begegnet.\"\nNun muss ich Ihnen aber die Geschichte der Auffüh-\nrungen und der Schicksale erzählen, welche die Oper bis\nzu ihrer dritten Vorstellung, wo sie eigentlich erst unzwei-\nfelhaft durchschlug, erlebt hat.\nDie erste Aufführung fand am *2O. December v. J.\nStatt und fiel mit der Erscheinung des Königs Max im\nTheater zusammen, dem bei seinem Eintritt in die Loge\naus Anlass seines bekannten, damals eben veröffentlichten\nBriefes über Schleswig-Holstein ein feierlicher Empfang\nmit donnerndem Applaus zu Theil wurde. Damit war nun\nnicht bloss jede Beifallsbezeigung, sowohl während der\nVorstellung als am Schlüsse derselben, unmöglich gemacht,\nsondern mit dieser politisch bedeutsamen Ovation war auch\ndie' Stimmung des Publicums eine sehr ernste geworden,\nwelche die Empfänglichkeit der Zuhörerschaft für die\nAufführung einer Oper romantischen und noch dazu theil-\nweise komischen Inhalts nothwendiger Weise abschwächte.\nWenn nun ein neues Werk eines einheimischen Compo-\nnisten allerdings den Vortheil einer localen Theilnahme\nfür sich hat, so hat es auf der anderen Seite den manch-\nmal noch schlimmeren Nachtheil gegen sich, dass auch die\npersönlichen Gegner des Componisten und die localen Nei-\nder sich um so schärfer dagegen loslassen, wenn sie ir-\ngend eine Handhabe dazu finden. Dergleichen disharmo-\nnische Sonderungen der harmonischen Künstler- und Di-\nlettantenkreise gibt es leider überall. Im vorliegenden\nFalle benutzte denn auch eine hiesige Partei die That-\nsache, „dass sich bei der ersten Vorstellung keine Hand\nzu Gunsten des Werkes gerührt hatte\", zur Herabsetzung\ndesselben, ohne der Veranlassung zu gedenken, welche\njeden Applaus anstandswidrig machte."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "38", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640130-01.1.6", "texte": "Die zweite Vorstellung fiel auf einen Tag (den 23.\nDecember, also den Abend vor der Christbescherung),\nder wiederum in so fern ungünstig war, als der Besuch\ndes Thealers an demselben stets sehr schwach ist, es mag\ngegeben werden, was da wolle. So war denn auch dieses\nMal kein zahlreiches Publicum zugegen, allein die Oper,\nmit deren Partitur mittlerweile der Componist einige nicht\nunwesentliche Kürzungen vorgenommen hatte, gefiel und\nerwarb grossen Applaus. Die augsburger Allgemeine Zei-\ntung (Nr. 360) berichtete unter Anderem: „Da mit der\nersten Aufführung der neuen Oper „ „Das Conterfei\"\" der\nenthusiastische Empfang des Königs aus Anlass seines\nhochherzigen Briefes zusammenfiel und jeder weitere Bei-\nfall für diesen Abend verstummen musste, so konnte auch\nerst bei der gestrigen ersten Wiederholung das Urtheil\nüber diese neueste Schöpfung des verdienten Componisten\nsich kundgeben. War nun auch, wie dies so kurz vor den\nWeihnachtstagen nicht anders zu erwarten, das Haus nur\nschwach besetzt, so lohnte doch von Nummer zu Nummer\nimmer stärkerer und wärmerer Beifall das schöne Werk,\nund steigerte sich nach dem höchst poesiereichen zweiten\nActe zu stürmischem Hervorrufe der Mitwirkenden. Auch\nder dritte Act erfreute sich der entschiedensten Wirkung,\nund es that uns leid, dass der am Schlüsse mit ungekün-\nstelter Begeisterung wiederholt gerufene Tondichter das\nHaus schon verlassen hatte und den herzlichsten Beifall\nfür sein von reinster duftiger Poesie beseeltes, in edelstem\nStile gehaltenes Werk nicht persönlich hinnehmen konnte.\"\nAuch das „Morgenblatt\" der Bayerischen Zeitung\nvom 29. December v. J. schreibt: „Am 23. fand die\nzweite Aufführung der Perfall'schen Oper „ „Das Conter-\nfei\"\" Statt. Die Aufnahme der Oper war diesmal entschie-\nden günstig, und sowohl der Tondichter als die Mitwir-\nkenden wurden öfter und lebhaft gerufen, und möchten\nwir für uns nur constatiren, dass die allzu missgünstigen\nUrtheile, welche nach der ersten Aufführung des „„Con-\nterfei\"\" in Umlauf kamen, durch die zweite Darstellung\nwiderlegt worden sind.\"\nDie dritte Vorstellung fand am 14. Januar d. J. Statt\nund hatte ein zahlreiches Publicum herbeigezogen, welches\ndas Haus vollständig füllte. Die Anwesenheit beider Ma-\njestäten erhöhte den Glanz der Versammlung, und die\nOper hatte einen entschiedenen Erfolg, der ihre Lebens-\nfähigkeit unläugbar bewies und sie jedenfalls auf dem Re-\npertoire erhalten wird. Sehr lobenswerth ist es, dass der\nComponist selbst fortwährend von der ersten Aulführung\nan einen strengen Maassstab der Kritik an sein eigenes\nWerk gelegt hat; auch für die dritte Vorstellung hatte er\nnoch Kürzungen vorgenommen, und es ist keine Frage,\ndass die Oper dadurch noch gewonnen hat. Was in Paris\ndurch viele Generalproben mit Decorationen und Costü-\nmen erreicht wird, dass Dichter und Componist schon vor\nder Aufführung vollständig über die Wirkung ihres Wer-\nkes urtheilen können, das kann in Deutschland erst im\nLaufe der ersten Vorstellungen erkannt werden, und die\nConsequenz, oder richtiger: der Eigensinn, mit welchem\noft unsere deutschen Componisten an dem fesft hangen, was\nihre Feder einmal niedergeschrieben, hat schon manches\nWerk um den dauernden Erfolg gebracht.\nHier haben Sie, verehrter Herr Redacteur, einen auf-\nrichtigen Bericht über Perfall's neue Oper sine ira et\nstudio, aber voll warmer Theilnahme, wie das edle Stre-\nben und das Talent des Componisten sie verdient. Um die\nAusführung machten sich am meisten Fräulein Stehle\nals Bertha von Lahneck, Herr Grill als Junker Walter\nund Herr Bausewein als Knappe Elias verdient. Die\nletztere Partie des Knappen, welche wir als die entschie-\nden schwierigste der ganzen Oper betrachten, wurde von\nHerrn Bausewein nicht nur im Allgemeinen glücklich be-\nwältigt, sondern derselbe gab die oben genannte hervor-\nragende Scene in A-dur nach Technik, Vortrag und äus-\nserer Darstellung in einer Weise wieder, welche die er-\nfreulichste Begabung des Künstlers zu komischen Situatio-\nnen ausser allen Zweifel setzte.\n\nL.\n\nSiebentes Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller,\nDinstag, den 26. Januar 1864.\nProgramm. Erster Theil. 1. Ouvertüre zu „Prometheus\" von\nWolde mar Bargiel (zum ersten Male). 2. Concert für Pianoforte\nin JEs-dur von Beethoven (gespielt von Herrn E. Pauer aus\nLondon). 3. Busslied für Bariton-Solo, Chor mit Orgelbegleitung\nvon G. Meyer beer (zum ersten Male — das Solo vorgetragen von\nHerrn Max Stägemann aus Hannover). 4. Thema von Mozart,\nvariirt für Pianoforte von E. Pauer; „La Cascade\" von demselben\n(Herr E. Pauer). 5. Lieder von J. Rietz und L. Hartmann\n(Herr M. Stägemann). 6. Sinfonie in G-dur von J. Haydn.\nZweiter Theil. 7. „Die erste Walpurgisnacht\" von Goethe, com-\nponirt von F. Mendelsso hn-Bartholdy (Alt-Solo: Fräulein\nPels-Leusden — Bariton-Solo: Herr Stägemann).\nDie neue Ouvertüre von W. Bargiel ist ein Werk von gros-\nsen Intentionen; das würde auch ohne Ueberschrift klar geworden\nsein; die Ueberschrift selbst aber lässt uns in Zweifel, ob der Com-\nponist den „gefesselten Prometheus\" des Aeschylos oder was sonst\nfür ein Gedicht (Goethe's Prometheus?) im Sinne gehabt hat. Jeden-\nfalls sind die Intentionen mit tüchtiger Beherrschung der orchestra-\nlen Mittel und in einheitlichem Charakter durchgeführt, allein wir\nmöchten doch wünschen, dass der geschätzte Componist dem Hange\nzu allzu ernsten, ja, düsteren musicalischen Vorwürfen nicht zu"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640130-01.1.7", "texte": "sehr nachgäbe. Zieht er vor, sieh durch das Alterthum zu begei-\nstern, so bietet dieses doch ausser den furchtbar tragischen Stoffen\neiner Medea, eines Prometheus u. s. w. noch eine Welt von Gegen-\nständen dar, in denen, wie auch in der griechischen Sculptur und\nArchitektur, jener edle Geist der Humanität weht und sich in der\nForm des Schönen ausspricht, der unserer Gefühlsweise näher steht,\nals die schauerlichen Schicksals-Katastrophen. Ferner können wir\nauch nicht umhin, bei diesem neuesten Werke Bargiel's wieder\ndaran zu erinnern, dass eine Hauptschönheit eines orchestralen Ton-\nstückes in der Klarheit der Form besteht, und dass die Neueren\nund Neuesten Unrecht thun, eine Art von Kunst darein zu setzen,\ndie Form zu verdunkeln. Gewiss hat die Ouvertüre zum Prome-\ntheus Form, vom Gegentheil kann bei Bargiel nicht die Rede sein:\naber diese Form entbehrt der festen, greifbaren Umrisse, es ist, als\nwenn eine schöne Statue durch dichte Schleier, die nur dann und\nwann durchsichtig sind, verhüllt wäre; kurz, nur der Musiker ist\nim Stande, die Form zu verfolgen, dem Laien ist es rein unmög-\nlich, sie herauszufinden. Und das ist es, was den Geschmack und\n-\ndas gesunde Urtheil des grossen Publicums irre leitet; da es sich\nnicht mehr an der klaren, schönen Form, wie bei Haydn u. s. w.,\nergötzen kann, so gewöhnt es sich an Klangwirkungen und grelle\nEffecte und hält am Ende Instrumentallärm exempla sunt odiosa\nfür schön.\nEinen grossen Genuss gewährte das vortreffliche Clavierspiel\ndes Herrn E. Pauer, der sich lange Zeit in Deutschland nicht\nhatte hören lassen, jetzt aber in seiner Vaterstadt Wien, in Mün-\nchen, Frankfurt u. s. w. und dann zuletzt vor seiner Rückkehr\nnach London am 26. d. Mts. hier bei uns gespielt hat. In wie vol-\nlem Maasse Pauer in England, wo er Professor an der k. britischen\nAkademie der Musik ist und eine bedeutende Stellung in der dorti-\ngen musicalischen Welt einnimmt, ein Deutscher geblieben, hat er\nnicht nur durch seine Wirksamkeit für das Interesse der deutschen\nInstrumenten-Fabrication bei der letzten Ausstellung in London be-\nwiesen, wo er nach Schiedmayer's Abreise, den Familien-Verhält-\nnisse leider sehr bald abriefen, der einzige Vertreter dieses Zweiges\nder deutschen Industrie als Commissarius von Oesterreich und den\nZollvereins-Staaten war, sondern eben so und noch mehr seit Jah-\nren durch Verbreitung der deutschen classischen Musik in England\ndurch musterhafte Ausübung und fruchtbare Lehre. In seinem Spiele\nhat er, unbeirrt von fremden Einflüssen jeder Art, die edle, echt\ndeutsche Gattung des Ciavierspiels, die Mozart auf Hummel ver-\nerbte, zu der Vollkommenheit gebracht, welche der Fortschritt des\nCiavierbaues möglich gemacht hat. Gleich durch den Vortrag der\nEröffnungs-Cadenz des Beethoven'schen Ük-dwr-Concertes gewahrten\nwir mit Freude, dass wir hier keinen Virtuosen, sondern einen\nKünstler vor uns hatten, und diese Versenkung in die Composition,\ndiese Verleugnung des eigenen Ich, dargestellt durch ein durchweg\ngediegenes Spiel, einen weichen und vollen Ausdruck durch herr-\nlichen Anschlag sowohl in der Melodie als in den Tonleitern und\nPassagen jeder Art, blieben sich von Anfang bis Ende gleich, er-\nwarben aber auch dem Künstler nach dem Concerte und nach den\nSolo-Vorträgen der kleineren Stücke einen ganz ausgezeichneten\nApplaus und Hervorruf. In der trefflichen Bearbeitung des Mozart'-\nsclien Liedes des alten Osmin: „Wer ein Liebchen hat gefunden\",\ndie uns neu war, wetteiferte die originelle Variirung mit dem origi-\nnellen Thema, und in dem Vortrage seiner allbeliebten „Cascade\"\nfeierte der Künstler den Triumph des Clavierspiels, welches das\nPianoforte als Solo-Instrument und nicht als ein Orchester behan-\ndelt. Und welch einen Reiz eine solche Behandlung dem Instru-\nmente verleiht, wissen wir hier in Köln um so mehr zu schätzen,\nda unser Ferdinand Hiller als Pianist denselben Grundsätzen huldigt.\nSeinem Princip getreu, hatte Herr Pauer einen deutschen\nFlügel aus der Labrik von Gerhard Adam in zu seinen\nVortragen im Gürzenich gewählt. Das schöne Instrument befand\nsich noch von der eben beendeten Clavier-Ausstollung hier und\nwurde in der Probe von ertahrenen Kennern für ein Instrument von\nPleyel & Wolf in Paris gehalten gewiss ein erfreulicher Beweis\nfür den Fortschritt der rheinischen Industrie. Die Vorzüge des Flü-\ngels zeigten sich besonders in dem nicht spitzen, sondern vollen\nKlange des Discants, der auch in den höchsten Tönen frei von der\nBeimischung des Ilolztones ist, der bei den französischen Instru-\nmenten sich oft sehr laut vernehmen lässt. Ein anderer Vorzug der\nAdam'schen Fabricate ist die präcise Abdämpfung, wodurch die\nDeutlichkeit der schnell über die Claviatur rollenden Passagen un-\ngemein befördert wird. Nimmt man nun vollends hinzu, dass ein\nsolcher Flügel immer um ein paar Hundert Thaler billiger ist, als\nein französischer, so sollte man doch meinen, dass die Modeliebha-\nberei lür glänzende ausländische Firmen endlich abnehmen miisste.\nIn Herrn Max Stägemann vom Hoftheater zu Hannover\nlernten wir einen jungen Sänger mit wohlklingender, ausgiebiger\nBaritonstimme kennen, der, mit diesen schonen Mitteln ausgerüstet,\neine bedeutende Laufbahn machen wird, wenn er Zeit und Lust\nhat, durch fortgesetzte technische und ästhetische Studien sich zum\nwirklichen Künstler auszubilden. In Meyerbeers Busslied\" mit\nChor und Orgel, einem sehr monotonen Gesangstücke, hatte er we-\nniger Gelegenheit, sich zu zeigen, als im Vortrage der Ballade rDer\nSoldat\" von J. Rietz, und eines hübschen Liedes: „Im Waldu,\nvon L. Hartmann in Dresden (Sohn des Musik-Directors Hart-\nmann in Neuss), welches sogar da capo gerufen wurde. Doch bleibt\nder vollkommene Liedergesang immer eine der schwierigsten Auf-\ngaben für die Männerstimme. Am reichsten entfaltete sich die so-\nnore Stimme in der Partie des Druiden in Mendelssohn's „Wal-\npurgisnacht\", welche in prächtiger Ausführung den zweiten Theil\ndes Concertes füllte. Auch das Tenor-Solo und das kleine Alt-Solo\ndarin wurden vun Herrn B. und Fräulein Pels-Leusden recht\ngut gesungen, während Chor und Orchester ihre Macht bewährten,\num die herrliche Composition zu prächtigem Ausdruck zu bringen.\nNach den eben erwähnten Liedern hörten wir noch zum Schlüsse\ndes ersten Theiles eine allerliebste kleine Sinfonie (G-dur von\nJ. Haydn mit ihren köstlichen canonischen Imitationen im Gei-\ngen-Quartette. Dass sich alle Welt an der klaren, heiteren Com-\nposition und ihrer feinen, präcisen Ausführung erfreute, versteht\nsich von selbst.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nBarmen. Am 23. Januar fand das jährliche Concert des\nHerrn Musik-Directors Anton Krause Statt und brachte ein sehr\ninteressantes Programm. Herr Krause eröffnete es mit Beethoven s\nQuintett in Es-dur für Pianoforte, Oboe, Clarinette, Horn und Fa-\ngott und schloss es mit F. Schubert's Quintett für Pianoforte,\nVioline, Viola, Violoncell und Contrabass, zwei der herrlichsten"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "40", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640130-01.1.8", "texte": "Compositionen für Kammermusik. Von seiner eigenen Composition\ntrug er vier Etüden vor und zeigte sich in allen diesen Werken als\neinen trefflichen, gediegenen Pianisten. Fräulein Julie Rothen-\nberger aus Köln wurde bei ihrem Auftreten mit Applaus empfan-\ngen und nach der Arie in F-dur aus Mozart's Figaro gerufen. Das-\nselbe war der Fall nach dem reizenden Vortrage der Lieder: „Das\nVeilchen\" von Mozart, „Frühlrngslied\" von Mendelssohn, „Sie sa-\ngen, es wäre die Liebe\" von Th. Kirchner, nach denen sie auf stür-\nmisches Verlangen noch Dorn's „Das Mädchen an den Mond\" zu-\ngab. Ausserdem trug der vereinte Chor des Singvereins und der\nLiedertafel drei Volkslieder von Mendelssohn und das reizende Lied\nvon Schumann: „Schön Rohtraut\", mit grossem Beifalle vor; das\nletzte rnusste wiederholt werden.\nIjeipzig* Zu der Vorstellung am 18. Januar, der Jubelfeier\nvon Roderich Benedix („Eigensinn\" und „Der Vetter\"), ström-\nten die Leipziger in hellen Haufen herbei, um den vielberufenen\nLandsmann und gefeierten fruchtbaren Lustspieldichter durch ihre\nGegenwart zu erfreuen und zu ehren. In der That, das Haus war\nbuchstäblich ausverkauft. Die Stimmung des Publicums war eine\ngehobene und kam den Darstellern, die von Act zu Act gerufen\nwurden, ersichtlich zu Gute. Am Schlüsse der Vorstellung wurde\nBenedix stürmisch gerufen. Nach einiger Zeit ging der Vorhang in\ndie Höhe und Benedix erschien, begrüsst von einem tausendstimmi-\ngen Jubelrufe, und von der ersten Galerie flog ihm ein Eichenkranz\nzu Füssen; der Vorhang hob sich zum zweiten Male, und der Ju-\nbilar trat noch einmal vor. Diesmal liess ihm die neidische Cour-\ntine Zeit, eine kurze, dankbare Ansprache an das Publicum zu\nrichten. Seine einfachen Worte drangen zum Herzen, als er es als\nden schönsten Beruf des Dichters bezeichnete, der Menschheit\nFreude zu bereiten, und als er die ihm gewordene Huldigung be-\nscheiden als einen Act nachsichtsvoller Dankbarkeit des Publicums\naufFasste und herzlich würdigte. Unter den lautesten Beifallsrufen\ntrat er von der Rampe zurück, der Vorhang fiel.\nDas leipziger Stadttheater wird verpachtet. Die Gemeindever-\ntreter sollten am Mittwoch, den 20. d. Monats eventuel darüber\nbeschliessen. Unter den Bewerbern befinden sich die Directoren\nL Arronge (Köln), v. Witte (Riga), Tliome (Prag) und der Di-\nrector des magdeburger Stadttheaters. Gleichzeitig hat der Stadt-\nrath den Plan eines neuen Stadttheater-Gebäudes vorgelegt, das mit\neinem Aufwände von nahezu einer halben Million Thaler (480,000\nRthlr.) auf dem Augustusplatze erbaut werden soll. Der Plan ist\nvom Ober-Baurath Langhans (Berlin?).\nBerlin. Der italiänische Opern-Unternehmer Mereili hat\nhier schon wieder einen Director gefunden, der auf den italiänischen\nOpern-Schwindel 'reinfällt. Diesmal ist's der sonst so praktische\nHerr Deichmann mit dem Friedrich-Wilhelmstädtischen Theater.\nDie italiänische Operngesellschaft, bei welcher sich vielleicht wieder\nNamen finden werden wie Sgr. Siegristi, Sgr. Schindleri, Sgr. Un-\ngari u. dgl., soll ihre Vorstellungen schon am 25. d. Mts. beginnen,\nund sind ihrer vorläufig zehn festgesetzt. Da Weiteres vom Erfolg\nabhängig gemacht werden soll, so wird es wohl bei den zehn sein\nBewenden haben, die wahrscheinlich aus „II Barbiere\", „Lucia\",\n„La Traviata\", r)Rigolettou und dann wieder so von vorn bestehen\nwerden.\nCapellmeister Heinrich Dorn in Berlin hat eine neue komi-\nsche Oper: „Der Botenläufer von Pirna\", geschrieben.\nBreslau. Seit dem 1. Januar sind schon fünf neu einstu-\ndirte Stücke in Scene gegangen, von denen allerdings zwei schon\nwieder zu ewiger Ruhe heimgekehrt sind. Unter den übrigen steht\noben an Weber's „Oberon\", der hier mehrere Jahre nicht gegeben\nworden war und desshalb von Opernfreunden mit grosser Freude\nbegrüsst wurde. Auf die äussere Ausstattung war die grösste Sorg-\nfalt und eine enorme Geldsumme verwandt worden. Decorationen,\nMaschinerieen und Costums waren durchaus neu und sehr geschmack-\nvoll angefertigt, so dass in dieser Beziehung nicht das Mindeste zu\nwünschen übrig blieb. Aber leider beschränkte sich der verdiente\nBeifall auch ziemlich auf die Künstler, die für die Zuschauer thätig\nwaren, nämlich die Herren Decorationsmaler Helfferich aus Mün-\nchen und Schreiter von hier, so wie Herrn Maschinenmeister Brandt\nvom berliner Victoria-Theater.\nJjowenberg, 27. Januar. So eben erhalten wir die betrü-\nbende Nachricht, dass der Componist J. J. Abert aus Stuttgart auf\nseiner Reise nach Löwenberg in Schlesien, wohin derselbe eine Ein-\nladung, sein neuestes Werk, „Columbus\", in einem fürstlichen Hof-\nConcerte zu dirigiren, erhalten hatte, am 19. Januar durch einen\nWagensturz zwischen Bunzlau und Löwenberg derart verunglückt\nist, dass die Aufführung genannten Werkes bis zu seiner Wieder-\ngenesung verschoben werden muss.\nII am l)ui*g. Im Stadttheater trat Fräulein Tietjens als\nGräfin in „Figaro's Hochzeit\" vor einem glänzend besetzten Hause\nund mit ausserordentlichem Erfolge auf. Auch das Ensemble liess\nnichts zu wünschen übrig; ganz besonders trug das Orchester unter\nLeitung des Capellmeisters Neswadba zum Gelingen des Ganzen hei.\nAm 22. December v. J. fand in Hamburg die Grundstein-\nlegung der neuen Kunsthalle (Concertsaal) Statt. Ein Comite hatte\n200,000 Mark Banco für den Bau zusammengebracht und erlangte\nvom Senate und der Bürgerschaft einen schönen Bauplatz und einen\nZuschuss von 100,000 Mark Banco.\nIn Hamburg hat sich ein jüngerer Bruder von Johannes\nBrahms, Fritz Brahms, als Pianist hören lassen."}]}