{"numero_id": "bm-bmtnabi-1864-02-06-01", "volume": "bmtnabi_1864-02-06_01", "ocr_sha256": "c303ce79ee52e5ba5d565ff0ccb8eeebfcfc9be5c33f37c61da57e71ba116888", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1864/02/06_01/bmtnabi_1864-02-06_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640206-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1864-02-06-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-02-06_01#c001", "volume": "bmtnabi_1864-02-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "41", "page_fin": "41", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640206-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "41", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640206-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 395, "texte": "Inhalt.\nStatistisches über Instrumentenbau. (Schluss.) Aus Berlin (HändeFs „Messias\" in der Sing-Akademie). Aus\nWien (Tausig's Coneerte). Concert im Gürzenich den 23. Januar 1864 (Carlotta Patti Alfred Jaell Ferdinand Laub Keller-\nmann). Tages- und Unterhaltungsblatt (Kreuznach, Musicalische Zustände Stuttgart, Sechstes Abonnements-Concert,\nbus, musicalisches Seegemälde\", Sinfonie von Abert)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-02-06-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-02-06_01#c002", "volume": "bmtnabi_1864-02-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "41", "page_fin": "43", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640206-01.2.2", "titre_corps": "Statistisches über Instrumentenbau.", "titre_sommaire": "Statistisches über Instrumentenbau.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "41", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640206-01.1.1", "debut_caractere": 397, "fin_caractere_exclue": 3487, "texte": "Statistisches über Instrumentenbau.\n(Schluss. S. Nr. 5.)\nDie Preise der Claviere stellen sich in den verschie-\ndenen Ländern folgender Maassen:\nP i a n i n o' s.\nEngland von 140 660 Thlr.\nFrankreich „ 160 540 „\nWürtemberg „ 170 285 „\nNorden von Deutschland . . „ 180 350 „\nDänemark „ 250 340 ,\nSpanien „ 300 500 „\nHier ist zu bemerken, dass man in Deutschland in\nBeziehung auf billige Instrumente viel schwerer zu befrie-\ndigen ist, als in England. Ein Pianino für 140 Thlr. würde\nbei uns Niemand spielen, da der Ton zu roh und dünn ist.\nTafel- Claviere.\nZollverein von 150—230 Thlr.\nDänemark „ 220 330 „\nSchweden » 230—400 „\nEngland „ 380—450 „\nAmerica „ 430 800 „\nIn Frankreich war die Form von Tafel-Clavieren nie\nbeliebt und werden solche jetzt kaum mehr erzeugt.\nFlügel.\nWürtemberg von 230— 400 Thlr.\nOesterreich „ 260 660 „\nNorden von Deutschland. . „ 325— 700 „\nSpanien „ 330 740 „\nFrankreich „ 540—1350 „\nEngland „ 700-1750 „\nNorwegen » 665 „\nDänemark » 665 »\nDer Arbeitslohn ist in America am höchsten. Dann\nfolgt England, Frankreich, Norden von Deutschland, Süd-\ndeutschland und Oesterreich. Die meisten Geschäfte mit\ndeutschen Ciavieren werden im Lande selbst, dann nach\nRussland, Polen, Schweden, Holland, auch Italien gemacht;\nin neuester Zeit gehen übrigens unsere Instrumente stark\nnach America, Asien, sogar Australien. Das Geschäft\nEnglands erstreckt sich meistentheils aufs Inland, jedoch\nauch im grossartigen Maassstabe nach China, Australien,\nOstindien, dem Cap, Brasilien, Westindien u. s. w.\nDie Saiten-Instrumente betreffend, erzeugt\nDeutschland von allen Ländern die grösste Anzahl zu\nden billigsten Preisen. In Mittenwald (Baiern) beschäftigen\nsich gegen hundert Familien mit Anfertigung von Geigen,\nGuitarren und Zithern. Die Geigenmacher Krüner und\nReuter, welche die baierische Regierung bei den besten\nMeistern unterrichten liess, geben in einer Muster-Werk-\nstätte (1858 gegründet) Unterricht. Ferner sind aul Staats-\nkosten ausgezeichnete alte Geigen gekauft und ist davon\nin Mittenwald eine Mustersammlung gestiftet worden. Auch\nist durch die so genannte „ Wanderschule\", welche von\nKrüner drei Mal wöchentlich besucht wird, eine Controle\neingeführt, um sich zu überzeugen, dass das beste Mate-\nrial benutzt und nach den alten Modellen mit gehöriger\nSorgfalt und Fleiss gearbeitet wird. Durch solche weise\nFürsorge dürfte die mittenwalder Fabrication, welche in\nden letzten fünfzehn Jahren ziemlich in Verfall gerathen\nwar, bald zu neuem Flor emporblühen.\nDie Anfertigung von Saiten-Instrumenten hat übri-\ngens in neuester Zeit in Markneukirchen noch grossartigere\nVerhältnisse als früher angenommen, und wir verweisen\ndie sich dafür Interessirenden auf die schätzenswerthe\nBroschüre: „Die Erwerbs-Verhältnisse im böhmischen\nErzgebirge\", Bericht von Max Dormitzer und Dr. Sche-\nbeck; Prag, 1862. Bei der markneukirchener Fabrication\nist hauptsächlich die Vielfältigkeit der Sorten interessant.\nSo rechnet man von.Violinen an 300, von Violinbögen an\n200 Sorten. Je nach der Sorgfalt der Arbeit sind auch\ndie Preise sehr verschieden. Z. B. Kindergeigen 2 Thlr."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "42", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640206-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5562, "texte": "per Dutzend, gewöhnliche Geigen von 21/2 bis 200 Thlr.\nper Dutzend. Die Geigen zu 5 und 10 Thlrn. per Stück\n(nach Mustern von Straduarius) sind vortreffliche, gut ge-\nbaute und kräftige Instrumente, welche für Conservatorien\nund Orchester unbedingt anzuempfehlen sind. Violoncello's\nvon 2 '/2 bis 30 Thlr. per Stück, Guitarren 9 bis 800\nThlr. per Dutzend. Unter den letzteren sind die reicher\nausgestatteten, mit Perlmutter, Silber oder Elfenbein ein-\ngelegten, schöne Beweise, dass man nicht nur in Paris so\nfein arbeiten kann. Violinbögen, Stege, Wirbel, Violin-\nkasten u. s. w. zu verhältnissmässig geringen Preisen. Für\ndie Saiten-Instrumente ist Russland und America der\nHauptmarkt der Indianer und Neger muss seine Geige\nhaben, und dies mag es auch erklären, dass man (nach\neuropäischen Begriffen wenigstens) so geschmacklos be-\nmalte Violinen unter der sächsischen Waare findet. Das\nAulfallende, Grelle, Uebertriebene ist in America behebt.\nAuch unter den französischen billigen Geigen fanden sich\nBöden, auf welchen von Perlmutter und Ebenholz alte\nFestungen eingelegt waren. Das Lackiren wird häufig von\nFrauen besorgt und zu der billigsten Waare natürlich nur\nSpirituslack verwandt. Der auffallend billige Preis erklärt\nsich durch die seltene Genügsamkeit der dortigen Bevöl-\nkerung und die bei grossartiger Fabrication mögliche\nTheilung der Arbeit. Durchschnittlich beläuft sich der\nGeldlohn auf I 7 bis 20 Ngr. in der Woche, wobei na-\ntürlich der Arbeiter freie Kost und Wohnung geniesst.\nDer Gesammtwerth des jährlichen Umsatzes (inclus. der\nBlas-Instrumente) wird in Markneukirchen und Umgegend\nbeiläufig auf 1,500,000 Thlr. geschätzt. Die Anzahl der\njährlich im Erzgebirge verfertigten Streich-Instrumente\ndürfte man sicher auf 30,000 Stück rechnen. In der Er-\nzeugung von Darmsaiten ist Markneukirchen der mächtige\nRivale Italiens geworden; dasselbe mit Umgegend erzeugt\nheute an Darmsaiten dem Werthe nach zwanzig Mal so\nviel als ganz Italien, nämlich für 500,000 Thlr. jährlich.\nDie Zither-Fabrication hat sich in den letzten zehn\nJahren bedeutend gehoben; bekanntlich war die Zither\nschon vor hundert Jahren in Hallein eines der beliebtesten\nInstrumente der dortigen Landleute. Die österreichischen\nund baierischen Gebirgsvölker hatten auf ihr schon bedeu-\ntende erlangt, ehe die höheren Kreise das natur-\nwüchsige Instrument zum Eintritt in ihre Salons für be-\nrechtigt erklärten. In Deutschland ist die Zither aber jetzt\ndermaassen in die Mode gekommen, dass deren 3 4000\nStuck jährlich erzeugt werden. In Frankreich und Eng-\nland ist sie noch höchst selten zu finden, obwohl zu er-\nwarten ist, dass Schottland sie bald adoptiren wird. Nach\nAmerica hat sie einen beueutenden Absatz. In neuerer\nZeit sind für dieselbe einige gute Unterrichtsbücher ge-\nschrieben worden. Die Zithersaiten-Fabrication ist auch\nein bedeutender Handels-Artikel, z. B. verkauft Kiendl in\nWien allein jährlich gegen 13,000 Dutzend.\nDie Fabrication von Holz-BI as-Instrumen ten\nwird in Sachsen und Frankreich in grossartigem Maass-\nstabe betrieben. Im Preise dürften beide gleich billig stehen.\nDoch gibt man in den englischen Colonieen, besonders in\nOstindien, unseren Instrumenten den Vorzug, weil sie soli-\nder gearbeitet und sorgfältiger ausgestimmt sind. Was\ndie Eleganz der Arbeit betrifft, dürfte Frankreich der Vor-\nzug eingeräumt werden, obwohl es nicht selten vorkommt,\ndass deutsche Waare, nach französischem Muster gearbei-\ntet, als französisches Original in Russland verkauft wird.\nDie österreichischen Flöten und Clarinetten, so wie Oboen\nhaben nach dem Orient und Russland bedeutenden Absatz.\nBezüglich der Metall-Blas-Instrumente werden\nwir, was massenhafte Erzeugung betrifft, den Franzosen\nbald den Rang abgelaufen haben. M. Schuster j'un. in\nMarkneukirchen hat vor einiger Zeit eine grossartige Fa-\nbrik angelegt, welche mit Wasserkraft betrieben wird;\nausser diesem bedeutenden Etablissement hat sich an dem-\nselben Platze noch eine Association gebildet, welche in\nhöchst liberaler Weise von der sächsischen Regierung un-\nterstützt wurde. Bemerkenswerth ist, dass die französi-\nschen Instrumente nur dann in America verlangt werden,\nwenn der deutsche Vorrath ganz erschöpft ist. Die preus-\nsische, baierische, würtembergische und österreichische\nFabrication hat vollauf zu thun, um dem heimischen Be-\ndarf zu genügen. In keinem Lande findet man so viele\nGarten-Orchester, Bademusiken, wandernde Musiker, Bür-\ngerwehr-Capellen, als in Deutschland, der unzähligen Mi-\nlitär-Musikcorps gar nicht zu gedenken. Uebrigens hat\nDeutschland und Oesterreich auch Holland, die Schweiz,\nRussland, Schweden u. s. w. mit Metall-Blas-Instrumenten\nzu versehen. Dass Markneukirchen bei so massenhafter\nProduction so wenig Neues und Originelles erzeugt, mag\nseinen Grund darin haben, dass es als Gebirgsort entfernt\nvon grösseren Orchestern und Künstlern ist und die dor-\ntigen Fabricanten durchaus dem Principe der Billigkeit\ntreu bleiben wollen. Wie schon erwähnt, findet man unter\nden österreichischen Instrumenten die grösste Varietät der\nFormen. Was die Preise betrifft, so stehen die französi-\nschen und sächsischen einfachsten Instrumente sich gleich.\nIrgend eine grössere Complicität wird bei den sächsischen\nverhältnissmässig, bei den französischen gleich viel höher\nberechnet. In der Form sind die sächsischen Instrumente\nähnlicher den französischen, die baierischen und würtem-\nbergischen ähnlicher den österreichischen. Die Preise der\nübrigen Zollvereins- und österreichischen Metall-Blas-In-\nstrumente sind bedeutend niedriger, als die der englischen."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640206-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4107, "texte": "Mund-Ha rmonica's und Maultrommeln werden\nin Gera, Stadt Steyr und Wien millionenweise fabricirt.\nDie so genannte „German Concertina\" (Accordium, Zug-\nHarmonica) wird in Gera, Markneukirchen, Wien und\nPrag in bedeutender Anzahl erzeugt und stark nach Eng-\nland und America ausgeführt. Die Anzahl der jährlich fa-\nbricirten Instrumente beläuft sich auf circa 300,000. Die\nenglische Concertina, von Professor Wheatstone 1829\nerfunden, wird in London, neuerer Zeit auch in Mark-\nneukirchen verfertigt.\nDas seit den letzten zehn Jahren so sehr beliebt ge-\nwordene Harmonium wird nur in unbedeutender An-\nzahl in England fabricirt, dagegen in grosser Menge von\nFrankreich importirt. Es ist schon erwähnt worden, dass\nein einziges englisches Haus, Chappell in London, durch\nmehrere Jahre von AlexandreSj in Paris jährlich ge-\ngen 1200 Stück bezog. Unter denselben verkauften sich\ndie billigsten zu 42 und 70 Thlr. am besten. In Deutsch-\nland wird die Harmonium-Fabrication nur in Würtem-\nberg mit Erfolg betrieben. Die Stuttgarter Fabricanten\nSchiedmayer erzeugen jährlich 300 grosse Harmoniums\nund 60 Harmonichords, Trayser u. Comp, gegen 527\nund Gross u. Gschwind gegen 200 Stück jährlich.\nDie Orgelbaukunst wird in Deutschland noch im-\nmer mit der grössten Meisterschaft betrieben; was Ver-\nschiedenheit der Neuerungen, Beinheit der Arbeit, Genia-\nlität der Disposition, Charakteristik der Begister betrifft,\nsteht Deutschland bis jetzt immer noch als tonangebend\nda. Die Anzahl der Fabriken ist jedoch in England bedeu-\ntender. Der Grund davon liegt in den vielen Concerthallen,\nwelche durchgängig mit Orgeln versehen sind. Einen wei-\nteren bilden die zahlreichen Beligionssecten, welche eine\nMenge von grösseren und kleineren Capellen-Orgeln er-\nheischen.\nDie Erzeugung von Clavier-Mecbaniken ist in\nHamburg und Berlin ziemlich stark, aber an Grossartig-\nkeit mit der von Frankreich nicht zu vergleichen. Die\ndeutschen Fabricanten ziehen vor, ihre Mechaniken im\nHause selbst zu machen. Der Deutsche ist in diesem Fache\nerfinderischer und speculativer, als der Engländer und\nFranzose, und liebt nicht, dutzendweise nach einem und\ndemselben Muster zu arbeiten. Eine bedeutende Zukunft\nhat die Fabrication von Zungenregistern für Orgeln von\nSchiedmayer in Stuttgart.\nEs wäre wohl nicht zu gewagt, den Charakter des\nTones der Instrumente von England, Frankreich und\nDeutschland mit dem National-Charakter zu vergleichen.\nEngland: bedeutende materielle Kraft, Solidität der Arbeit\nmit Mangel an Zartheit im Tone. Was wir in Deutschland\neinen „poetischen Ton\" nennen, fehlt den englischen In-\nstrumenten. Frankreich: äusserer Glanz, Verfeinerung der\nArbeit, aber weniger Kraft als England. In Bezug auf\nBeinheit und Sauberkeit der mechanischen Arbeit sind die\nFranzosen den Engländern überlegen. In der Eisenarbeit\nübertreffen die Engländer die Franzosen. Deutschland:\nbedeutende Kraft, ausserordentliche Solidität der Arbeit,\ndurchgängig gut ausgeglichen. Der deutsche Ton will\nstudirt sein, bietet aber dann dem Künstler mehr Modifi-\ncationen, als ein anderes Instrument. Was die Klans-\nfärbe des Tones (timbre) betrifft, so ist die verschiedene\nSprache darin theilweise wiederzuerkennen: England kräf-\ntig, aber kurz, Frankreich näselnd, Deutschland hell und\nsingend.\nIn Bezug auf Mechanik schwankt Deutschland zwi-\nschen Frankreich und England, obwohl auf der diesjähri-\ngen Ausstellung mehr Hinneigung zur englischen Mecha-\nnik zu bemerken war. Die äussere Ausstattung betreffend,\narbeitet der Süden Deutschlands und Oesterreich eleganter\nund geschmackvoller, als der Norden. In Beziehung auf\nFurnierarbeit dürften die Engländer unübertroffen sein.\nBeispiele dafür boten Broadwood's Flügel in Koromandel-\nholz und einige Kirkman'sche Instrumente. Was hingegen\ngeschnitzte Kasten betrifft, so war wohl noch nie schöner\nund eleganter ausgestellt, als von Ehrbar aus Wien und\nHerz aus Paris.\nDie eben erwähnten Vergleichungen haben selbstver-\nständlich keinen Bezug auf die besten Instrumente der\nverschiedenen Länder, welche wohl alle die herrlichsten\nEigenschaften in sich vereinigen und sich dadurch gleichen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-02-06-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-02-06_01#c003", "volume": "bmtnabi_1864-02-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "43", "page_fin": "44", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640206-01.2.3", "titre_corps": "Aus Berlin.", "titre_sommaire": "Aus Berlin.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640206-01.1.3", "debut_caractere": 4109, "fin_caractere_exclue": 5047, "texte": "Aus Berlin.\n(HändeTs in der Sing-Akademie.)\nDas zweite Abonnements-Concert der Sing-Akademie,\nin welchem am Freitag den 29. Januar Handels „Mes-\nsias\" zur Aufführung kam, gewährte endlich einmal wie-\nder den Anblick eines bis auf den letzten Platz gefüllten\nSaales. In den Herzen des berliner Publicums hat seit je\nher dieses Werk vor allen anderen des Meisters den Ehren-\nplatz behauptet. Wir vermögen diese Vorliebe nicht ganz\nzu theilen. So oft es sich um die verborgensten Tiefen\nchristlicher Mystik handelt, um die dem Verstände ewig\nunnahbaren Geheimnisse der Verheissung und der Pas-\nsion, tritt Händel weit hinter Bach zurück. Zu sehr folgt\nseine Tonsprache dem Zuge nach dem Epischen und Dra-\nmatischen, um nicht'an den realistisch begränzten, objectiv\nbestimmten Gestalten des alten Bundes einen geeigneteren\nStoff für ihr Schaffen und Bilden zu haben, als an dem\n*\nGeiste des neuen Testamentes mit seiner lyrischen Beschau-\n\nfi"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "44", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640206-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4120, "texte": "lichkeit und steten Versenkung in das Unendliche. Die ge-\nwaltigen Sccnen nationaler Erhebung und Befreiung, die\nLeiden und Siege eines für seine theuerste Habe kämpfen-\nden Volkes finden bei ihr eine ungleich weichere und vol-\nlere Resonanz, als das stille, innerliche Ringen der gläubi-\ngen Seele. Während Bach gleichsam allem, was seine\nHand berührt, die körperliche Schwere abstreift, jeden\nbestimmten Inhalt auflöst, um ihn suh specie aeterni er-\nscheinen zu lassen, während die Matthäus-Passion ihre\nTöne aus jenen Quellen schöpfte, denen das Christenthum\nselbst entsprungen, sind die Händel'schen Tongebilde ihrem\ninnersten Wesen nach durchaus positiver Natur, fest be-\ngründet in der wirklichen Welt, aus einer Empfindungs-\nweise hervorgegangen, der das Endliche keineswegs als\neine nur zu überwindende Schranke galt. Wer je in rech-\nter Stunde dem Bach'schen Genius genaht, der wird in\nmancher Nummer des „Messias\", die er ehedem für wahr-\nhaftige künstlerische Offenbarung gehalten, nur noch die\nmusicalische Convenienz des achtzehnten Jahrhunderts wie-\nderfinden. Namentlich in der ersten Abtheilung häufen\nsich die Sätze, an denen die Zeit ihre Macht geübt.\nDie Ausführung war nicht dazu angethan, uns über\nden Staub der Jahre zu täuschen, der sich auf mancher\nSeite der Partitur gesammelt; durch sie erhielten selbst\nTheile des Werkes, die in der That von Kraft und Leben\nstrotzen, ein reliquienhaftes Ansehen. In mehr als einem\nChor vermisste man die materielle Kraft, wie namentlich\nauch die energische Behandlung des rhythmischen Ele-\nmentes, welche die Aufgabe fordert. Eine Vortragsweise,\ndie einem ganz abstracten Ideale von kirchlicher Würde\nzu Liebe auf alle stärkeren Accente und saftigere Klang-\nfülle verzichtet, überall in ein zahmes juste milieu gebannt\nbleibt, vergreift sich an dem Componisten kaum mehr,\nwie an den Helden eines seiner Oratorien ehedem die\nPhilister. Der objectiven Bestimmtheit dieser Tongestalten,\ndem allgemein Gültigen ihres Inhalts widerspricht nichts\nmehr, als eine abgedämpfte, mattherzige Haltung. Bei den\nHändel'schen Chören sollen wir den Eindruck haben, wie\nwenn alles Volk in sie einfiele. Wer den Meister in der\nvollen Glorie seines Wesens schauen will, muss ihn auf\nden grossen Musikfesten aufsuchen, wo die einzelnen Stim-\nmen ihre Sänger nach Hunderten zählen. Auch über den\nSoli waltete diesmal kein günstiger Stern. Am meisten\nthat sich unter ihnen hervor die Bass-, nächstdem die\nAlt-Partie, jene durch Herrn Krause, diese durch Fräu-\nlein Baer vertreten. Der Tenor des Herrn Geyer kämpfte\naugenscheinlich mit einer Indisposition, welche die sinn-\nliche Unmittelbarkeit der Wirkung in nicht geringem\nGrade beeinträchtigte; das Sopran-Solo musste aber in\nbolge plötzlicher Erkrankung der ursprünglich dazu beru-\nfenen Sängerin noch in der letzten Stunde anderen Hän-\nden anvertraut werden. Statt an die Mozart'sche Instru-\nmentation, die, wie uns dünkt, bei Weitem den Vorzug\nverdient, hatte man sich wieder so weit unsere Wahr-\nnehmung reichte an die alte Partitur gehalten. In dem\nHändel'schen Orchester spielt bekanntlich die Orgel eine\nsehr wichtige Holle. Ohne sie gleicht dasselbe einem Bau\nohne Dach und Füllung, von dem eben nur das Gebälk\nsteht. Schon desshalb, weil in unseren Concertsälen leider\nkeine Orgel zur Hand ist, sollte man dankbar eine Bear-\nbeitung aeeeptiren, welche die der ersteren obliegenden\nFunctionen in geistvoller Weise unter die Instrumente ver-\ntheilt. Die scheinbare historische Treue schlägt hier in ihr\nGegentheil um. Die restaurirte Partitur gibt den Inhalt\ndes Originals vollständiger wieder, als es dieses, eines sei-\nner wesentlichsten Factoren beraubt, vermag. Für die ka-\ntholische Kirche ist die Tradition kaum etwas Festeres\nund Geheiligteres, als für unsere Sing-Akademie. Was zu\nFasch's und Zelter's Zeiten bestand, wird von ihr unver-\nbrüchlich aufrecht erhalten. So ist sie auch bis auf den\nheutigen Tag der altfränkischen Sitte treu geblieben, vom\nCiavier aus die Aufführung zu leiten und zu unterstützen,\nFehlendes zu ergänzen, wie bei Schwankungen der Sänger\noder des Orchesters hülfreiche Hand zu leisten."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-02-06-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-02-06_01#c004", "volume": "bmtnabi_1864-02-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "44", "page_fin": "46", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640206-01.2.4", "titre_corps": "Aus Wien.", "titre_sommaire": "Aus Wien.", "signature_source": "Ed. H", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "44", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640206-01.1.4", "debut_caractere": 4122, "fin_caractere_exclue": 5293, "texte": "Aus Wien.\n\n(Tausig's Concerte.)\nHerr Karl Tausig gab Sonntag den 24. Januar\nMittags sein zweites Concert im Musik-Vereinssaale, das\nrecht gut besucht war und die Anwesenden in hohem\nGrade zu befriedigen schien. Wir hatten bereits oft Gele-\ngenheit, die Virtuosität des Herrn Tausig anzuerkennen\nund namentlich hervorzuheben, dass sie nach Seite der\nKraft, Ausdauer und Bravour gegenwärtig kaum von\neinem anderen Pianisten übertroffen werde. Dass wir noch\nim verflossenen Jahre diese Wunder der Technik mit\nästhetischen Barbareien aller Art gemengt hinnehmen\nmussten, zwischen Bewunderung und Abscheu gleichsam\nhin- und hergeworfen, wurde nicht verschwiegen. Herrn\nTausig's jüngstes Concert im Redoutensaale liess uns in-\ndessen eine Verfeinerung und Abklärung seines Vortrages\nschon unzweifelhaft wahrnehmen. Diese von uns mit auf-\nrichtiger Freude begrüsste Wahrnehmung fand eine noch\nweitere Bestätigung in Herrn Tausig's sonntäglicher Pro-\nduetion. Es haben nicht nur die grellen Aeusserlicbkeiten\nseines Spieles sich sehr gemildert, auch jene souveraine\nGenialität, die mit dem Kunstwerke blasirt und vornehm\nspielt, es der eigenen Laune beliebig anpassend, ist einer"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640206-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5381, "texte": "ernsteren Auffassung gewichen. Dass sich Herr Tausig\nvon diesen zum Theil an der Schule haftenden Excentri-\ncitäten vollständig freigemacht habe, ist weder zu behaup-\nten, noch war es zu hoffen. Seltener als im verllossenen\nJahre, aber doch noch zu häufig drängten zwei Gewohn-\nheiten Tausig's sich vor: der zu häufige Pedalgebrauch\nund das gewaltsame Herausstechen einzelner Töne. In\nChopin's Ballade (Op. 38), deren refrainartig wiederkeh-\nrendes Thema Herr Tausig überaus zart und sinnig vor-\ntrug, wurden die leidenschaftlich bewegten Zwischensätze\ndurch die gehobene Dämpfung zur völligen Unverständ-\nlichkeit verwischt, man hörte mitunter alle Intervalle einer\nchromatischen Scala zugleich. Die übermässig geilende Re-\nsonanz eines Bechstein'schen Flügels in der Tiefe machte\ndie Störung noch lühlharer. Die Barcarole von Rubinstein\nkann nicht zarter und eleganter gespielt werden, als von\nTausig; sie klang wie hingehaucht.\nLiszt's Concert-Solo entfesselte natürlich alle Mächte\nder Tausig'schen Virtuosität, gute und böse Dämonen.\nDiese Composition ist ein wahres Museum der seltensten\nSchwierigkeiten aller Art; Herr Tausig besiegte sie sämmt-\nlich mit erstaunlicher Sicherheit und Kraft. Das Stück\ninteressirt durch einzelne geistreiche Züge und Combina-\ntionen, die aber gegen die Unerquicklichkeit des Ganzen\nnicht aufkommen können. Unschönes und Bizarres drängt\nsich so dicht in diesem Concert-Solo, dass man mitunter\nauf den Verdacht kommen könnte, der Spieler wolle sich\nvielleicht doch nur einen Spass machen. Wir ziehen die\nkleinste Transscription von Liszt dieser selbständigen Un-\nmusik vor. Herr Tausig zeigte uns übrigens auch seinen\nMeister von dessen liebenswürdigster Seite durch den Vor-\ntrag von Nr. 6 der „S oirees Die Capriccio's,\nwelche Liszt unter diesem Gesammt-Titel über Schubert -\nsche Walzer-Themen schrieb, gehören zu dem Anmuthig-\nsten und Glänzendsten unserer concertanten Ciaviermusik.\nDie reizenden Melodieen Schubert s mit ihrem weichen,\nherzlichen Tone und Liszt's reiche, glitzernde Ornamentik\nvereinigen sich hier zu eigentümlichen und anmuthigen\nBildern aus dem Ballsaale, deren aufgeregte Sinnlichkeit\nallenfalls auch einiges musicalische Cancaniren verträgt.\nLiszt's Bearbeitungen der Schubert'schen Tänze ha-\nben Herrn Tausig angeregt, in ähnlicher Weise einige\nWalzer von Johann Strauss zu illustriren. Wir finden die\nIdee dieser „Nouvelles Soirees Vienne\" (es sind deren\ndrei Hefte bei Karl Haslinger erschienen) recht glücklich.\nDie Walzer-Themen selbst sind uns liebe, alte Bekannte,\nund Tausig's Bearbeitung lässt an glänzendem Effect nichts\nzu wünschen übrig. Das Vorbild Liszt's, dem sie auch ge-\nwidmet sind, blickt aus den Transscriptionen unverkenn-\nbar; Herr Tausig scheint von seinem Meister den feinen\nSinn lür den Ciavier-Effect geerbt zu haben, zugleich aller-\ndings auch dessen Vorliebe lür Gewaltsames und Bizarres.\nEs ist mitunter wunderlich, was lür Paradoxa er aus\nStrauss' lieblich einfachen Themen deducirt; ordentlich\nzuschauen kann man, wie er dem theuren Meister Johann\nhier und dort die „Milch der Irommen Denkungsart in\ngährend Drachengilt verwandelt\". Immerhin nehmen\nTausig s „Strauss-Soireerr unter den neuesten Bravour-\nstücken einen vorzüglichen Platz ein, und wer sie zu be-\nwältigen vermag, wie Herr Tausig, kann der gleichen Wir-\nkung sicher sein. Besonders dankbar waren wir dem Con-\ncertgeber lür die öffentlich so selten gehörte Sonate von\nBeethoven „Les adieux, l'absence et le retour\" (Op. 81),\nderen ungemeine Schönheiten, insbesondere die ersten\nbeiden Sätze, wir ohne die zwingende Ueberschrift vielleicht\nnoch reiner gemessen würden. Der dritte Satz ist eine der\nglänzendsten Aulgaben lür den Virtuosen, und ob dieser\nmehr als bloss Virtuose sei, kann er in den beiden ersten\nStücken vollständig darthun. Herr Tausig spielte die So-\nnate mit männlicher Energie und grossem rhythmischen\nZuge; dass sein Spiel mehr glänzt als erwärmt und rührt,\nerfuhren wir dessen ungeachtet auch hier. Die berühmte\nStelle im ersten Satze, wo Beethoven um den Abschied\nzweier Personen anzudeuten vier Mal nach einander\nDominante und Tonica zugleich anschlägt, hat Herr Tau-\nsig im Vortrage gemildert, nicht geschärft, was uns eine\nangenehme Ueberraschung war.\nFür den Schluss- Effect halte der Concertgeber sich\neine Clavier-Transscription des „Walküren-Rittes\" von\nRichard Wagner aufgespart, auf welchen auserwählten\nLeckerbissen die Anschlagzettel auch ganz besonders auf-\nmerksam gemacht hatten.\nDie wahrhaft demagogische Gewalt, mit welcher die-\nses glänzend instrumentirte Orchesterstück die Massen\npackt, geht in der Clavier-Bearbeitung gänzlich verloren.\nMan hört nichts als die dröhnend aus der Tiefe heraus-\ngestochenen Noten des Thema's und ein wildes Charivari\ndarüber her.\nDas Publicum, das die vorhergehenden Nummern mit\nausserordentlichem Beifalle aufgenommen hatte, schien an\ndem „Walküren-Ritte\" keinen Gefallen zu finden. Es\nwar fast betroffen. Dass das Unternehmen dieser Trans-\nscription selbst einem Virtuosen wie Tausig misslingen\nmusste, war vorauszusehen; was er geleistet hat, gränzte\nallerdings ans Unmögliche; wir hätten gewünscht, es wäre\nganz unmöglich gewesen.\nFräulein Destinn sang zwei Lieder von Liszt iLie-\nder von Liszt klingt schon wie ein Widerspruch), drama-\ntische Ausrenkungen einfacher Heine'scher Gedichte, arm\nan Erfindung, reich an Declamationsfehlern ärgster Art."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640206-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1414, "texte": "Fräulein Destinn's Vortrag war leider nicht geeignet, uns\ndiese Compositionen angenehmer zu machen.\nStrenger oder vielmehr härter beurtheilen die wiener\n„Becensionen\" das Spiel Tausig's; sie räumen ihm weiter\ngar nichts ein, als den Vorzug eines „eminenten Technikers\nim umfassendsten Sinne des Wortes, so dass ihm wohl\nkaum Einer in diesem Augenblicke die Stange halten\nmöchte\".— Die „Blätter für Theater, Musik und Kunst\"\nverkennen auch nicht, dass „die Virtuosität\nihm noch meist Selbstzweck zu sein scheine, zweifeln aber\nnicht, dass die wahre künstlerische Richtung sehr bald\nbei ihm durchbrechen werde\". Auffallend waren uns ge-\nrade in dieser letztgenannten Zeitschrift folgende Aeusse-\nrungen: „Der „ „Walküren-Bitt\"\" von Wagner ist eine,\nwenn man will, geniale Excentricität, aber doch immer\neine Excentricität, der die wichtige Eigenschaft jedes\nKunstwerkes, die Schönheit, fehlt. Das Liszt'sche Clavier-\nSolo-Concert, überlliessend von Schwierigkeiten erster\nSorte, gehört zu den Bravourstücken wüsterer Art, deren\nvergebliches Ringen nach Erfindung durch das glänzendste\nPassagen-Geflunker nicht verhüllt werden kann. Auch mit\nseinen beiden von Fräulein Destinn mit grossem Aufwände\nvon tremolirendem Pathos vorgetragenen Liedern, in wel-\nchen die schlichten Heine:schen Gedichte zu tragischen\nHaupt- und Staats-Actionen musicalisch gereckt werden,\nvermochten wir uns nicht sehr zu befreunden.\"\n\nEd. H."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-02-06-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-02-06_01#c005", "volume": "bmtnabi_1864-02-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "46", "page_fin": "47", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640206-01.2.5", "titre_corps": "Concert im Gürzenich den 23. Januar 1864.", "titre_sommaire": "Concert im Gürzenich den 23. Januar 1864.", "signature_source": "L B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640206-01.1.6", "debut_caractere": 1416, "fin_caractere_exclue": 5257, "texte": "Concert im Gürzenich den 23. Januar 1864.\nCarlotta Patti - Alfred Jaell - Ferdinand Laub -\nKellermann.\n\nDer grosse Saal und die Galerieen waren vollständig\ngefüllt, die Versammlung war eine glänzende und erwar-\ntungsvolle. Unser Publicum, dessen leitende Ideen zu Lob\noder Tadel von Kunstleistungen oft schwer zu ergründen\nsind, wie das bei den Zuhörerschaften in grossen Städten\nwohl immer der Fall ist, wurde offenbar gleich durch die\nerste Leistung der fremden Sängerin, den Vortrag der Arie\nDonizettiY aus Linda von Chamouny, dermaassen mit fort-\ngerissen, dass es alle theils in ihm aufkeimende, theils ihm\nvon aussen beigebrachte Bedenken vollständig vergass und\nsich dem Eindrucke eines Gesanges unbedingt hingab,\ndessen originelle Ausführung durch eine wunderbar merk-\nwürdige und zugleich liebliche und bis in die höchste Be-\ngion wohlklingende Stimme etwas so Ueberraschendes\nhatte, dass eine allgemeine Bewunderung oder, wenn die\nmusicalischen Puritaner es lieber wollen, Verwunderung\nalle Zuhörer ergriff. Unter diesem Zauber brach das Pu-\nblicum in einen gewaltigen Sturm von Applaus wiederholt\naus eine Thatsache, welche allerdings den Sieg der Sän-\ngerin über die Vorurtheile schlagend bekundete, Vorur-\ntheile, welche weniger eine gründliche Kritik auswärtiger\nBlätter (denn nur einem Aufsätze des Journal de Bruxelles\nkönnen wir das eben gebrauchte Beiwort theilweise zuer-\nkennen), als vielmehr einzelne, durch verschiedenartige\nMotive und zum Theil auch durch die für uns ganz unge-\nwohnte Art der Ankündigung und Empfehlung veranlasste\nEingebungen hervorgerufen hatten. Wir sind der festen\nUeberzeugung, dass diese überraschende Wirkung des\nGesanges von Carlotta Patti überall dieselbe sein wird; es\nist nicht möglich, dem Eindrucke einer plötzlichen, elektri-\nschen Lichterscheinung zu widerstehen, die selbst auf den\nBlinden wirkt, und eben so verhält es sich mit dem Auf-\nleuchten der hellen, hohen Töne Carlotta's und den sprü-\nhenden Funken ihrer melodischen Ornamente in Colora-\ntur-Figuren, Trillern, Staccato's u. s. w.\nAber es ist nicht bloss dieses Blinken und Funkeln\nder unbegreiflichen Naturgaben, was uns blendet, sondern\ndie Behandlung derselben erregt in vieler Hinsicht fast\nnoch grösseres Erstaunen, obschon sie, was wir hier gleich\nbemerken wollen, der Correctheit einer strengen techni-\nschen Schule keineswegs überall entspricht, ja, stellen-\nweise noch gar Vieles zu wünschen übrig lässt. Hierbei\nmuss man indess berücksichtigen, dass Carlotta Patti erst\nseit zwei bis drei Jahren singt und dass, wenn wir gerecht\nsein wollen, wir bei einer in America und ursprünglich\nfür America gebildeten Sängerin gleich bei ihrem ersten\nErscheinen bei uns nicht den Maassstab des deutschen Ge-\nschmackes und der hohen Forderungen anlegen dürfen,\nwelche wir nur allzu geneigt sind, bei berühmten Virtuo-\nsitäten des Auslandes geltend zu machen, während doch\nunsere eigenen heutigen Sängerinnen auch nichts weni-\nger als vollkommene Gesangkünstlerinnen sind. Wenn nun\naber Carlotta Patti ihre hohen Töne nicht etwa bloss in\nColoratur-Figuren anwendet, bei denen, wie jeder Sänger\nweiss, der Anlauf und ein gewisser Entrain das augen-\nblickliche Gelingen der Höhe erleichtert, sondern das hohe\nc, d, enach einer Pause piano und mit der grössten Rein-\nheit einsetzt, es anschwellen und abschwellen lässt und\ndann den darauf folgenden noch höheren Ton im schmel-\nzenden Ligato anschliesst und ebenfalls leise verklingen\nlässt, so ist diese messa di voce auf diesen Tönen so lange\nwir denken können und vielleicht überhaupt noch nie da\ngewesen, und sie ist wahrlich nicht bloss neu, sondern\nauch schön, sehr schön, und nicht bloss natürlich schön,\nsondern auch künstlerisch schön. Sie beweist, was aus\neirter Sängerin mit solchen Mitteln durch noch erhöhte,\nsich über alle technischen und ästhetischen Details gleich-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640206-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5267, "texte": "massig erstreckende Studien in Verbindung mit reicherer\nErfahrung für eine vollendete Künstlerin werden kann.\nAber nicht nur die beschriebene schöne Emission der\nhohen Töne, sondern auch die Ausführung technischer\nSchwierigkeiten des colorirten Gesanges bestätigen theil-\nweise die eben ausgesprochene Ueberzeugung. Bei dem\nVortrage der Passagen und Verzierungen zeigen sich\nKunst und Natur bei ihr in einem merkwürdigen Wett-\nstreite, in welchem häufig die letztere den Sieg über die\nerstere davonträgt, indem die Sängerin oft eine schwierige\nFigur mit Glanz herausschleudert, wobei nicht zu verken-\nnen ist, dass Mutter Natur, die ihr das Genie des Gesan-\nges verliehen hat, den grösslen Dank verdient. Daraus er-\ngibt sich denn die Wahrnehmung, die Niemand, der sie\nwiederholt hört, iäugnet, dass sie eine gleichmässige Cor-\nrectheit der Schule noch nicht erreicht hat, indem, wie\ngesagt, einzelne Passagen und Ornamente künstlerisch\nvollkommen und je nach ihrem Charakter mit Grazie und\nanmuthigem Reiz oder mit Schwung und Kraft vorgetra-\ngen werden, andere dagegen geradezu gesagt den Stempel\ndes Mangels an Schule an sich tragen und weder correct\nnoch ganz geschickt herauskommen. Es kann also selbst-\nverständlich von einem Vergleiche der Patti mit den gros-\nsen Sängerinnen einer Zeit, die freilich auch schon zur\nVergangenheit geworden ist, mit Henriette Sontag und\nJenny Lind, nicht die Rede sein. Das Einzige von virtuo-\nsen Vortragsweisen, worin bei ihr Natur und Kunst voll-\nständig Eins geworden sind, ist ihr Staccato, worin sie bis\nzum hohen f hinauf einzig in ihrer Art da steht.\nDer Timbre ihrer Stimme im Allgemeinen ist schwer\nzu beschreiben. Sie besitzt tiefere Brusttöne, die recht\nklangvoll sind, das Medium der Stimme bat mehr einen\nfranzösischen als einen italiänischen Charakter, aber schon\nmit dem zweigestrichenen d und e beginnt ein heller, nicht\ndurch sein Volumen imponirender, aber intensiv klangvol-\nler, echter Sopran, dessen Töne bis zum dreigestrichenen\n/ überall mit gleicher Tonstärke und ohne alle Schärfe\nschwingen. Man kann also im Grunde nicht sagen, dass\nsie eine „kleine\" Stimme habe, denn in den getragenen\nlönen der eigentlichen Sopran-Region wird die Stimme\ndurch die Intensität des Tones gross, füllt die ausgedehn-\ntesten Räume, wie z. B. unseren Gürzenichsaal, vollkom-\nmen aus und ist selbst bei dem leisesten Ansätze des piano\nnoch überall hörbar. Die Stimme von Carlotta Patti ist\nmithin jedenfalls ein Phänomen, das nicht bloss den Musi-\nker und Gesanglehrer, sondern auch den Physiologen und\nAkustiker in hohem Grade interessiren muss. Allein dess-\nhalb die unläugbare, ganz ausserordentliche Wirkung der\nLeistungen der Sängerin auf das Publicum und ihren gan-\nzen künstlerischen Werth bloss auf das Physische reduci-\nRen zu wollen, ist eine schreiende Ungerechtigkeit, die\nnach allem, was wir in diesem Artikel lobend oder tadelnd\nhervorgehoben haben. Jedem einleuchten wird, der unsere\nBeurtheilung mit ihrem Gesänge vergleicht. Eine Kritik,\nwelche auch bei ausserordentlichen Erscheinungen nur\ndaraul ausgeht, Flecken aufzuspüren, ist nicht die unserige\nund, was die Hauptsache ist, fördert auch keineswegs die\nKunst, zumal wenn die Absicht, wo nicht zu kränken,\ndoch wenigstens eine Rolle zu spielen, durchblickt. Uns\nscheint es eine richtigere Aufgabe der Kritik gerade bei\neminenten Talenten zu sein, ihnen, mit freudiger Anerken-\nnung ihrer glücklichen Bevorzugung durch die Natur,\nwohlwollende Winke zu geben, die sie auf die unendliche\nHöhe der Kunst aufmerksam machen, welche zu erklim-\nmen selbst dem Genie nicht ohne Mühe und Arbeit ge-\ngeben ist.\nDie anderen Genossen der Gesellschaft des Concert-\nUnternehmers Herrn Ullman führen so berühmte und in\nDeutschland bereits so hochgeachtete Namen, dass es über-\nflüssig ist, über ihre hohen künstlerischen Leistungen in\ndem Concerte vom 23. ins Einzelne zu gehen. Wir erwäh-\nnen nur die Thatsache zunächst, dass der Vortrag von\nMendelssohn's Violin-Concert (namentlich in den beiden\nerstenSätzen) und vollends derOthello-Phanlasie von Ernst\ndurch Ferdinand Laub begeisterte Bravo's hervorrief:\nwir haben diese Phantasie so oft gehört, dass sie uns ziem-\nlich gleichgültig geworden war, aber Laub's Spiel brachte\nsie uns wieder in ganz neuer Frische vor die Sinne und\noffenbarte den grossen Violinisten in jedem Tacte. Was\nsollen wir ferner dem Preise hinzufügen, den Alfred\nJa eil überall, wo er erscheint, durch die fabelhafte Mei-\nsterschaft auf dem Pianoforte davonträgt, welches er nach\nWillkür bald zum brausenden Orchester, bald zur zarten\nLaute oder zum bezaubernden Glockenspiel macht? Wenn\ndie strengere Kritik vielleicht in der Auffassung des ersten\nSatzes von Beethoven's Es-dur-Concert hier und da ande-\nrer Meinung sein dürfte, so wurde doch auch diese durch\nden vollendeten Vortrag der Variationen von Händel, des\nWalzers von Chopin und der duftreichen Triller-Verzie-\nrungen der Melodie Home, sweei home, nicht nur zum\nSchweigen, sondern auch zum Einstimmen in den stürmi-\nschen Applaus des Publicums gebracht. Herr Keller-\nmann endlich zeigte sich als einen recht wackeren Violon-\ncellisten, und sein ausdrucksvoller Vortrag der Melodie\nin dem Adagio von Mozart und der Romanesca von Ser-\nvais erhielt ebenfalls lebhaften Beifall.\n\nL B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-02-06-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-02-06_01#c006", "volume": "bmtnabi_1864-02-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "48", "page_fin": "48", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640206-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640206-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6125, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKreuznach. 3. Februar. Die hiesigen musicalischen Ver-\nhältnisse, in früheren Zeiten blühend, hatten später eine längere,\nrecht trostlose Periode zu überstehen. Erst in den letzten Jahren\nhaben sie angefangen, sich wieder in erfreulicher Weise zu heben.\nDas eigentliche musicalische Leben beschränkt sich, den Verhält-\nnissen eines so bedeutenden Badeortes entsprechend, auf den Win-\nter, während der Sommer, ausser den Productionen unseres sehr\ntüchtigen Bade-Orchesters und Virtuosen-Concerten, wenig bietet. Für\nletztere herrscht indessen so geringe Theilnahme, dass nur Künstler\nersten Ranges auf einen die Kosten übersteigenden Erfolg rechnen\nkönnen. Im Winter entfalten ein Instrumental-Verein (dessen Kern\ndie hiesigen Musiker und die Mitglieder des Bade-Orchesters bilden)\nund ein Gesang-Verein für gemischten Chor ihre Thätigkeit, wäh-\nrend mehrere Männer-Gesangvereine auch im Sommer fortwirken.\nAusser den Aufführungen in den geschlossenen Vereinskreisen wer-\nden auch öffentliche Concerte veranstaltet, deren letztes unter An-\nderem folgende Musikstücke zu Gehör brachte: Ouvertüre zu Medea\nvon Cherubini, Allegretto scherzando aus der JPT-cZwr-Sinfonie von\nBeethoven, Männerchor aus „Schloss Candra\" von Wolfram, Chor\naus der „Schöpfung\" von Haydn („Die Himmel erzählenu) nebst\ndem einleitenden Tenor-Reeitativ, letzteres von einem Dilettanten\nrecht wacker gesungen. Dann für Ciavier: Concert in Es-dur von\nBeethoven und Ungarische Rhapsodie von Liszt, beide Piecen von\nHerrn Pallat aus Wiesbaden mit virtuoser Technik und edler Auf-\nfassung vorgetragen und sehr beifällig aufgenommen. Ferner für\nSopran: Arien aus der „Schöpfung\" („Nun beut\"), aus den „Kata-\nkomben\" und ans dem „Advocat\" von Hill er, alle drei Piecen von\nFräulein Rempel aus Köln mit ungetheiltem Beifalle vorgetragen.\nDie jugendliche Künstlerin bat ihre Laufbahn mit Erfolg begonnen\nund auch hier namentlich durch ihren natürlichen, von aller Affec-\ntation fernen und doch ausdrucksvollen Vortrag den besten Ein-\ndruck gemacht. —r.\nStuttgart« Das Abonnements-Concert Nr. 6, welches Dins-\ntag den 26. Januar Statt fand, verdient einer besonderen Erwäh-\nnung, da es durchaus nur Nummern brachte, welche zum ersten\nMale in unserer Stadt zur Aufführung kamen oder wirkliche Novi-\ntäten waren. Den Anfang bildete Beethoven's Ouvertüre C-dur, Op.\n124. So oft wir von einem Beethoven'schen oder Mozart'schen Opus\nauf dem Programm das Wort „neu\" lesen müssen, überkommt uns\neine Beschämung über den langsamen Fortschritt der classischen\nMusik bei uns. Die zweite „Neuheit\" bildete ein Meisterwerk, das\nlängst in Leipzig, Köln, Berlin, London und selbst in Paris auf Con-\ncert-Programmen glänzte Sebastian Bach's Concert für drei Cla-\nviere mit Begleitung des Streich-Quartetts. Unser Publicum war\nsichtlich von Staunen und Bewunderung ergriffen über diese kolos-\nsalen Umrisse, ausgefüllt bald von der Wucht contrapunktischer Er-\nhabenheit, bald sich ergehend in dem reizendsten melodischen Flusse,\nbald verziert von humoristischen Arabesken. Hier hat sich der\nTriumph der Tonkunst über den Einfluss der Zeit aufs glänzendste\nbewährt. Dieses Concert wurde meisterhaft ausgeführt von den\nHerren Speidel und Wintemitz und Herrn Hof-Capellmeister Eckert,\nder sich auch in diesem Genre als Künstler von Geschmack und\ngutem Stil erwies. Als Ironie beinahe folgte ein modernstes Werk,\ndie Hochzeitsmusik und ein Vorspiel zu Hebbel's Nibelungen, von\nO. Bach 1863 componirt. Hier stehen wir auf dem echten Richard\nWagnerischen Boden. Kolossaler Effect, aber nicht durch contra-\npunktische Arbeit hervorgebracht, sondern durch Massen-Aufwendung\nvon Schall- und Prall-Instrumenten. Die zweite Abtheilung bildete\nein uns Stuttgarter speciel ansprechendes neuestes Werk unseres ta-\nlentvollen und strebsamen Orchester-Mitgliedes Abert, eine grosse\nProgramm-Sinfonie, die den Titel führt: Columbus, musicali-\nsches Seegemälde. Der erste Satz schildert die Abfahrt und die\nEmpfindungen der Hoffnung und Freude. Es herrscht durchaus eine\nweiche Stimmung, wie sie bei ruhiger See den Fahrenden beschleicht,\nund wir wiegen uns gern auf diesen sanft hingleitenden Tonwellen.\nDer zweite Satz, Scherzo, soll Matrosen-Scherze schildern. Hier fin-\nden wir die Motive und die echt sinfonischen Rhythmen etwas zu\ngeistreich und zu fein angelegt für Matrosenscherze; hier hätte das\nScherzo aus Mendelssohn's mit seinen derben schot-\ntischen Tänzen den richtigeren Anhaltspunkt geben können. Als\nArbeit ist aber dieser Satz meisterhaft; hier ist nicht blosse Ton-\nmalerei, sondern wirklicher Humor. Der dritte Satz, Adagio, hat die\nUeberschrift: „Ein Abend auf dem Meere\"; es ist ein pures Tonge-\nmälde, in welchem keine thematische Verarbeitung angewandt wird;\nbald hören wir Töne, wie aus der Tiefe des Meeresgrundes ausge-\nstossen, bald schwungvolle Harmonieen, bald den gemessenen Pau-\nkenschlag, der als bald verengte, bald erweiterte Triole dem am\nEnde etwas zu lang hinausgezogenen Satze noch den notwendigen\nPulsschlag gibt. Dieses Tongemälde wurde von dem Publicum am\nreichlichsten beklatscht. Weniger gefiel der letzte Satz: „Erneute\nHoffnungen. Widerstand der Elemente gegen weiteres Vordringen,\nEmpörung. Sturm. Land.\" Hier verfällt der Componist in die realisti-\nsche Richtung der Wagner'schen Schule. Donnerrollen, Blitzzacken,\nWolkenschwüle, Sturmheulen das alles wird mit Aufwand des\nstärksten Colorits gegeben, und am Ende betäuben gar die Kanonen-\nschüsse das Ohr. Hier hätte Beethoven's Sturm in der Pastoral-Sin-\nfonie maassgebend bleiben sollen, denn die Musik soll einmal eben\nnicht zum Vehikel der Realität dienen; wenn sie nicht mehr ideal\ngehalten ist, so hört sie auf als höhere Kunst zu wirken und wird\nblosse Decorationsmusik. Im Uebrigen zeigt diese neue Composition\nAbert's einen bedeutenden Fortschritt in der Technik der Instru-\nmentation; er handhabt dieselbe so fest und sicher, wie nur die\ngereifteren Meister es vermögen, und wir alle sind der Direction\ndieser Concerte Dank schuldig, uns Gelegenheit geboten zu haben,\nein Werk zu hören, das verdient, die Runde durch alle Concertsäle\nDeutschlands zu machen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "41", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640206-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nStatistisches über Instrumentenbau. (Schluss.) Aus Berlin (HändeFs „Messias\" in der Sing-Akademie). Aus\nWien (Tausig's Coneerte). Concert im Gürzenich den 23. Januar 1864 (Carlotta Patti Alfred Jaell Ferdinand Laub Keller-\nmann). Tages- und Unterhaltungsblatt (Kreuznach, Musicalische Zustände Stuttgart, Sechstes Abonnements-Concert,\nbus, musicalisches Seegemälde\", Sinfonie von Abert).\n\nStatistisches über Instrumentenbau.\n(Schluss. S. Nr. 5.)\nDie Preise der Claviere stellen sich in den verschie-\ndenen Ländern folgender Maassen:\nP i a n i n o' s.\nEngland von 140 660 Thlr.\nFrankreich „ 160 540 „\nWürtemberg „ 170 285 „\nNorden von Deutschland . . „ 180 350 „\nDänemark „ 250 340 ,\nSpanien „ 300 500 „\nHier ist zu bemerken, dass man in Deutschland in\nBeziehung auf billige Instrumente viel schwerer zu befrie-\ndigen ist, als in England. Ein Pianino für 140 Thlr. würde\nbei uns Niemand spielen, da der Ton zu roh und dünn ist.\nTafel- Claviere.\nZollverein von 150—230 Thlr.\nDänemark „ 220 330 „\nSchweden » 230—400 „\nEngland „ 380—450 „\nAmerica „ 430 800 „\nIn Frankreich war die Form von Tafel-Clavieren nie\nbeliebt und werden solche jetzt kaum mehr erzeugt.\nFlügel.\nWürtemberg von 230— 400 Thlr.\nOesterreich „ 260 660 „\nNorden von Deutschland. . „ 325— 700 „\nSpanien „ 330 740 „\nFrankreich „ 540—1350 „\nEngland „ 700-1750 „\nNorwegen » 665 „\nDänemark » 665 »\nDer Arbeitslohn ist in America am höchsten. Dann\nfolgt England, Frankreich, Norden von Deutschland, Süd-\ndeutschland und Oesterreich. Die meisten Geschäfte mit\ndeutschen Ciavieren werden im Lande selbst, dann nach\nRussland, Polen, Schweden, Holland, auch Italien gemacht;\nin neuester Zeit gehen übrigens unsere Instrumente stark\nnach America, Asien, sogar Australien. Das Geschäft\nEnglands erstreckt sich meistentheils aufs Inland, jedoch\nauch im grossartigen Maassstabe nach China, Australien,\nOstindien, dem Cap, Brasilien, Westindien u. s. w.\nDie Saiten-Instrumente betreffend, erzeugt\nDeutschland von allen Ländern die grösste Anzahl zu\nden billigsten Preisen. In Mittenwald (Baiern) beschäftigen\nsich gegen hundert Familien mit Anfertigung von Geigen,\nGuitarren und Zithern. Die Geigenmacher Krüner und\nReuter, welche die baierische Regierung bei den besten\nMeistern unterrichten liess, geben in einer Muster-Werk-\nstätte (1858 gegründet) Unterricht. Ferner sind aul Staats-\nkosten ausgezeichnete alte Geigen gekauft und ist davon\nin Mittenwald eine Mustersammlung gestiftet worden. Auch\nist durch die so genannte „ Wanderschule\", welche von\nKrüner drei Mal wöchentlich besucht wird, eine Controle\neingeführt, um sich zu überzeugen, dass das beste Mate-\nrial benutzt und nach den alten Modellen mit gehöriger\nSorgfalt und Fleiss gearbeitet wird. Durch solche weise\nFürsorge dürfte die mittenwalder Fabrication, welche in\nden letzten fünfzehn Jahren ziemlich in Verfall gerathen\nwar, bald zu neuem Flor emporblühen.\nDie Anfertigung von Saiten-Instrumenten hat übri-\ngens in neuester Zeit in Markneukirchen noch grossartigere\nVerhältnisse als früher angenommen, und wir verweisen\ndie sich dafür Interessirenden auf die schätzenswerthe\nBroschüre: „Die Erwerbs-Verhältnisse im böhmischen\nErzgebirge\", Bericht von Max Dormitzer und Dr. Sche-\nbeck; Prag, 1862. Bei der markneukirchener Fabrication\nist hauptsächlich die Vielfältigkeit der Sorten interessant.\nSo rechnet man von.Violinen an 300, von Violinbögen an\n200 Sorten. Je nach der Sorgfalt der Arbeit sind auch\ndie Preise sehr verschieden. Z. B. Kindergeigen 2 Thlr."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "42", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640206-01.1.2", "texte": "per Dutzend, gewöhnliche Geigen von 21/2 bis 200 Thlr.\nper Dutzend. Die Geigen zu 5 und 10 Thlrn. per Stück\n(nach Mustern von Straduarius) sind vortreffliche, gut ge-\nbaute und kräftige Instrumente, welche für Conservatorien\nund Orchester unbedingt anzuempfehlen sind. Violoncello's\nvon 2 '/2 bis 30 Thlr. per Stück, Guitarren 9 bis 800\nThlr. per Dutzend. Unter den letzteren sind die reicher\nausgestatteten, mit Perlmutter, Silber oder Elfenbein ein-\ngelegten, schöne Beweise, dass man nicht nur in Paris so\nfein arbeiten kann. Violinbögen, Stege, Wirbel, Violin-\nkasten u. s. w. zu verhältnissmässig geringen Preisen. Für\ndie Saiten-Instrumente ist Russland und America der\nHauptmarkt der Indianer und Neger muss seine Geige\nhaben, und dies mag es auch erklären, dass man (nach\neuropäischen Begriffen wenigstens) so geschmacklos be-\nmalte Violinen unter der sächsischen Waare findet. Das\nAulfallende, Grelle, Uebertriebene ist in America behebt.\nAuch unter den französischen billigen Geigen fanden sich\nBöden, auf welchen von Perlmutter und Ebenholz alte\nFestungen eingelegt waren. Das Lackiren wird häufig von\nFrauen besorgt und zu der billigsten Waare natürlich nur\nSpirituslack verwandt. Der auffallend billige Preis erklärt\nsich durch die seltene Genügsamkeit der dortigen Bevöl-\nkerung und die bei grossartiger Fabrication mögliche\nTheilung der Arbeit. Durchschnittlich beläuft sich der\nGeldlohn auf I 7 bis 20 Ngr. in der Woche, wobei na-\ntürlich der Arbeiter freie Kost und Wohnung geniesst.\nDer Gesammtwerth des jährlichen Umsatzes (inclus. der\nBlas-Instrumente) wird in Markneukirchen und Umgegend\nbeiläufig auf 1,500,000 Thlr. geschätzt. Die Anzahl der\njährlich im Erzgebirge verfertigten Streich-Instrumente\ndürfte man sicher auf 30,000 Stück rechnen. In der Er-\nzeugung von Darmsaiten ist Markneukirchen der mächtige\nRivale Italiens geworden; dasselbe mit Umgegend erzeugt\nheute an Darmsaiten dem Werthe nach zwanzig Mal so\nviel als ganz Italien, nämlich für 500,000 Thlr. jährlich.\nDie Zither-Fabrication hat sich in den letzten zehn\nJahren bedeutend gehoben; bekanntlich war die Zither\nschon vor hundert Jahren in Hallein eines der beliebtesten\nInstrumente der dortigen Landleute. Die österreichischen\nund baierischen Gebirgsvölker hatten auf ihr schon bedeu-\ntende erlangt, ehe die höheren Kreise das natur-\nwüchsige Instrument zum Eintritt in ihre Salons für be-\nrechtigt erklärten. In Deutschland ist die Zither aber jetzt\ndermaassen in die Mode gekommen, dass deren 3 4000\nStuck jährlich erzeugt werden. In Frankreich und Eng-\nland ist sie noch höchst selten zu finden, obwohl zu er-\nwarten ist, dass Schottland sie bald adoptiren wird. Nach\nAmerica hat sie einen beueutenden Absatz. In neuerer\nZeit sind für dieselbe einige gute Unterrichtsbücher ge-\nschrieben worden. Die Zithersaiten-Fabrication ist auch\nein bedeutender Handels-Artikel, z. B. verkauft Kiendl in\nWien allein jährlich gegen 13,000 Dutzend.\nDie Fabrication von Holz-BI as-Instrumen ten\nwird in Sachsen und Frankreich in grossartigem Maass-\nstabe betrieben. Im Preise dürften beide gleich billig stehen.\nDoch gibt man in den englischen Colonieen, besonders in\nOstindien, unseren Instrumenten den Vorzug, weil sie soli-\nder gearbeitet und sorgfältiger ausgestimmt sind. Was\ndie Eleganz der Arbeit betrifft, dürfte Frankreich der Vor-\nzug eingeräumt werden, obwohl es nicht selten vorkommt,\ndass deutsche Waare, nach französischem Muster gearbei-\ntet, als französisches Original in Russland verkauft wird.\nDie österreichischen Flöten und Clarinetten, so wie Oboen\nhaben nach dem Orient und Russland bedeutenden Absatz.\nBezüglich der Metall-Blas-Instrumente werden\nwir, was massenhafte Erzeugung betrifft, den Franzosen\nbald den Rang abgelaufen haben. M. Schuster j'un. in\nMarkneukirchen hat vor einiger Zeit eine grossartige Fa-\nbrik angelegt, welche mit Wasserkraft betrieben wird;\nausser diesem bedeutenden Etablissement hat sich an dem-\nselben Platze noch eine Association gebildet, welche in\nhöchst liberaler Weise von der sächsischen Regierung un-\nterstützt wurde. Bemerkenswerth ist, dass die französi-\nschen Instrumente nur dann in America verlangt werden,\nwenn der deutsche Vorrath ganz erschöpft ist. Die preus-\nsische, baierische, würtembergische und österreichische\nFabrication hat vollauf zu thun, um dem heimischen Be-\ndarf zu genügen. In keinem Lande findet man so viele\nGarten-Orchester, Bademusiken, wandernde Musiker, Bür-\ngerwehr-Capellen, als in Deutschland, der unzähligen Mi-\nlitär-Musikcorps gar nicht zu gedenken. Uebrigens hat\nDeutschland und Oesterreich auch Holland, die Schweiz,\nRussland, Schweden u. s. w. mit Metall-Blas-Instrumenten\nzu versehen. Dass Markneukirchen bei so massenhafter\nProduction so wenig Neues und Originelles erzeugt, mag\nseinen Grund darin haben, dass es als Gebirgsort entfernt\nvon grösseren Orchestern und Künstlern ist und die dor-\ntigen Fabricanten durchaus dem Principe der Billigkeit\ntreu bleiben wollen. Wie schon erwähnt, findet man unter\nden österreichischen Instrumenten die grösste Varietät der\nFormen. Was die Preise betrifft, so stehen die französi-\nschen und sächsischen einfachsten Instrumente sich gleich.\nIrgend eine grössere Complicität wird bei den sächsischen\nverhältnissmässig, bei den französischen gleich viel höher\nberechnet. In der Form sind die sächsischen Instrumente\nähnlicher den französischen, die baierischen und würtem-\nbergischen ähnlicher den österreichischen. Die Preise der\nübrigen Zollvereins- und österreichischen Metall-Blas-In-\nstrumente sind bedeutend niedriger, als die der englischen."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640206-01.1.3", "texte": "Mund-Ha rmonica's und Maultrommeln werden\nin Gera, Stadt Steyr und Wien millionenweise fabricirt.\nDie so genannte „German Concertina\" (Accordium, Zug-\nHarmonica) wird in Gera, Markneukirchen, Wien und\nPrag in bedeutender Anzahl erzeugt und stark nach Eng-\nland und America ausgeführt. Die Anzahl der jährlich fa-\nbricirten Instrumente beläuft sich auf circa 300,000. Die\nenglische Concertina, von Professor Wheatstone 1829\nerfunden, wird in London, neuerer Zeit auch in Mark-\nneukirchen verfertigt.\nDas seit den letzten zehn Jahren so sehr beliebt ge-\nwordene Harmonium wird nur in unbedeutender An-\nzahl in England fabricirt, dagegen in grosser Menge von\nFrankreich importirt. Es ist schon erwähnt worden, dass\nein einziges englisches Haus, Chappell in London, durch\nmehrere Jahre von AlexandreSj in Paris jährlich ge-\ngen 1200 Stück bezog. Unter denselben verkauften sich\ndie billigsten zu 42 und 70 Thlr. am besten. In Deutsch-\nland wird die Harmonium-Fabrication nur in Würtem-\nberg mit Erfolg betrieben. Die Stuttgarter Fabricanten\nSchiedmayer erzeugen jährlich 300 grosse Harmoniums\nund 60 Harmonichords, Trayser u. Comp, gegen 527\nund Gross u. Gschwind gegen 200 Stück jährlich.\nDie Orgelbaukunst wird in Deutschland noch im-\nmer mit der grössten Meisterschaft betrieben; was Ver-\nschiedenheit der Neuerungen, Beinheit der Arbeit, Genia-\nlität der Disposition, Charakteristik der Begister betrifft,\nsteht Deutschland bis jetzt immer noch als tonangebend\nda. Die Anzahl der Fabriken ist jedoch in England bedeu-\ntender. Der Grund davon liegt in den vielen Concerthallen,\nwelche durchgängig mit Orgeln versehen sind. Einen wei-\nteren bilden die zahlreichen Beligionssecten, welche eine\nMenge von grösseren und kleineren Capellen-Orgeln er-\nheischen.\nDie Erzeugung von Clavier-Mecbaniken ist in\nHamburg und Berlin ziemlich stark, aber an Grossartig-\nkeit mit der von Frankreich nicht zu vergleichen. Die\ndeutschen Fabricanten ziehen vor, ihre Mechaniken im\nHause selbst zu machen. Der Deutsche ist in diesem Fache\nerfinderischer und speculativer, als der Engländer und\nFranzose, und liebt nicht, dutzendweise nach einem und\ndemselben Muster zu arbeiten. Eine bedeutende Zukunft\nhat die Fabrication von Zungenregistern für Orgeln von\nSchiedmayer in Stuttgart.\nEs wäre wohl nicht zu gewagt, den Charakter des\nTones der Instrumente von England, Frankreich und\nDeutschland mit dem National-Charakter zu vergleichen.\nEngland: bedeutende materielle Kraft, Solidität der Arbeit\nmit Mangel an Zartheit im Tone. Was wir in Deutschland\neinen „poetischen Ton\" nennen, fehlt den englischen In-\nstrumenten. Frankreich: äusserer Glanz, Verfeinerung der\nArbeit, aber weniger Kraft als England. In Bezug auf\nBeinheit und Sauberkeit der mechanischen Arbeit sind die\nFranzosen den Engländern überlegen. In der Eisenarbeit\nübertreffen die Engländer die Franzosen. Deutschland:\nbedeutende Kraft, ausserordentliche Solidität der Arbeit,\ndurchgängig gut ausgeglichen. Der deutsche Ton will\nstudirt sein, bietet aber dann dem Künstler mehr Modifi-\ncationen, als ein anderes Instrument. Was die Klans-\nfärbe des Tones (timbre) betrifft, so ist die verschiedene\nSprache darin theilweise wiederzuerkennen: England kräf-\ntig, aber kurz, Frankreich näselnd, Deutschland hell und\nsingend.\nIn Bezug auf Mechanik schwankt Deutschland zwi-\nschen Frankreich und England, obwohl auf der diesjähri-\ngen Ausstellung mehr Hinneigung zur englischen Mecha-\nnik zu bemerken war. Die äussere Ausstattung betreffend,\narbeitet der Süden Deutschlands und Oesterreich eleganter\nund geschmackvoller, als der Norden. In Beziehung auf\nFurnierarbeit dürften die Engländer unübertroffen sein.\nBeispiele dafür boten Broadwood's Flügel in Koromandel-\nholz und einige Kirkman'sche Instrumente. Was hingegen\ngeschnitzte Kasten betrifft, so war wohl noch nie schöner\nund eleganter ausgestellt, als von Ehrbar aus Wien und\nHerz aus Paris.\nDie eben erwähnten Vergleichungen haben selbstver-\nständlich keinen Bezug auf die besten Instrumente der\nverschiedenen Länder, welche wohl alle die herrlichsten\nEigenschaften in sich vereinigen und sich dadurch gleichen.\n\nAus Berlin.\n(HändeTs in der Sing-Akademie.)\nDas zweite Abonnements-Concert der Sing-Akademie,\nin welchem am Freitag den 29. Januar Handels „Mes-\nsias\" zur Aufführung kam, gewährte endlich einmal wie-\nder den Anblick eines bis auf den letzten Platz gefüllten\nSaales. In den Herzen des berliner Publicums hat seit je\nher dieses Werk vor allen anderen des Meisters den Ehren-\nplatz behauptet. Wir vermögen diese Vorliebe nicht ganz\nzu theilen. So oft es sich um die verborgensten Tiefen\nchristlicher Mystik handelt, um die dem Verstände ewig\nunnahbaren Geheimnisse der Verheissung und der Pas-\nsion, tritt Händel weit hinter Bach zurück. Zu sehr folgt\nseine Tonsprache dem Zuge nach dem Epischen und Dra-\nmatischen, um nicht'an den realistisch begränzten, objectiv\nbestimmten Gestalten des alten Bundes einen geeigneteren\nStoff für ihr Schaffen und Bilden zu haben, als an dem\n*\nGeiste des neuen Testamentes mit seiner lyrischen Beschau-\n\nfi"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "44", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640206-01.1.4", "texte": "lichkeit und steten Versenkung in das Unendliche. Die ge-\nwaltigen Sccnen nationaler Erhebung und Befreiung, die\nLeiden und Siege eines für seine theuerste Habe kämpfen-\nden Volkes finden bei ihr eine ungleich weichere und vol-\nlere Resonanz, als das stille, innerliche Ringen der gläubi-\ngen Seele. Während Bach gleichsam allem, was seine\nHand berührt, die körperliche Schwere abstreift, jeden\nbestimmten Inhalt auflöst, um ihn suh specie aeterni er-\nscheinen zu lassen, während die Matthäus-Passion ihre\nTöne aus jenen Quellen schöpfte, denen das Christenthum\nselbst entsprungen, sind die Händel'schen Tongebilde ihrem\ninnersten Wesen nach durchaus positiver Natur, fest be-\ngründet in der wirklichen Welt, aus einer Empfindungs-\nweise hervorgegangen, der das Endliche keineswegs als\neine nur zu überwindende Schranke galt. Wer je in rech-\nter Stunde dem Bach'schen Genius genaht, der wird in\nmancher Nummer des „Messias\", die er ehedem für wahr-\nhaftige künstlerische Offenbarung gehalten, nur noch die\nmusicalische Convenienz des achtzehnten Jahrhunderts wie-\nderfinden. Namentlich in der ersten Abtheilung häufen\nsich die Sätze, an denen die Zeit ihre Macht geübt.\nDie Ausführung war nicht dazu angethan, uns über\nden Staub der Jahre zu täuschen, der sich auf mancher\nSeite der Partitur gesammelt; durch sie erhielten selbst\nTheile des Werkes, die in der That von Kraft und Leben\nstrotzen, ein reliquienhaftes Ansehen. In mehr als einem\nChor vermisste man die materielle Kraft, wie namentlich\nauch die energische Behandlung des rhythmischen Ele-\nmentes, welche die Aufgabe fordert. Eine Vortragsweise,\ndie einem ganz abstracten Ideale von kirchlicher Würde\nzu Liebe auf alle stärkeren Accente und saftigere Klang-\nfülle verzichtet, überall in ein zahmes juste milieu gebannt\nbleibt, vergreift sich an dem Componisten kaum mehr,\nwie an den Helden eines seiner Oratorien ehedem die\nPhilister. Der objectiven Bestimmtheit dieser Tongestalten,\ndem allgemein Gültigen ihres Inhalts widerspricht nichts\nmehr, als eine abgedämpfte, mattherzige Haltung. Bei den\nHändel'schen Chören sollen wir den Eindruck haben, wie\nwenn alles Volk in sie einfiele. Wer den Meister in der\nvollen Glorie seines Wesens schauen will, muss ihn auf\nden grossen Musikfesten aufsuchen, wo die einzelnen Stim-\nmen ihre Sänger nach Hunderten zählen. Auch über den\nSoli waltete diesmal kein günstiger Stern. Am meisten\nthat sich unter ihnen hervor die Bass-, nächstdem die\nAlt-Partie, jene durch Herrn Krause, diese durch Fräu-\nlein Baer vertreten. Der Tenor des Herrn Geyer kämpfte\naugenscheinlich mit einer Indisposition, welche die sinn-\nliche Unmittelbarkeit der Wirkung in nicht geringem\nGrade beeinträchtigte; das Sopran-Solo musste aber in\nbolge plötzlicher Erkrankung der ursprünglich dazu beru-\nfenen Sängerin noch in der letzten Stunde anderen Hän-\nden anvertraut werden. Statt an die Mozart'sche Instru-\nmentation, die, wie uns dünkt, bei Weitem den Vorzug\nverdient, hatte man sich wieder so weit unsere Wahr-\nnehmung reichte an die alte Partitur gehalten. In dem\nHändel'schen Orchester spielt bekanntlich die Orgel eine\nsehr wichtige Holle. Ohne sie gleicht dasselbe einem Bau\nohne Dach und Füllung, von dem eben nur das Gebälk\nsteht. Schon desshalb, weil in unseren Concertsälen leider\nkeine Orgel zur Hand ist, sollte man dankbar eine Bear-\nbeitung aeeeptiren, welche die der ersteren obliegenden\nFunctionen in geistvoller Weise unter die Instrumente ver-\ntheilt. Die scheinbare historische Treue schlägt hier in ihr\nGegentheil um. Die restaurirte Partitur gibt den Inhalt\ndes Originals vollständiger wieder, als es dieses, eines sei-\nner wesentlichsten Factoren beraubt, vermag. Für die ka-\ntholische Kirche ist die Tradition kaum etwas Festeres\nund Geheiligteres, als für unsere Sing-Akademie. Was zu\nFasch's und Zelter's Zeiten bestand, wird von ihr unver-\nbrüchlich aufrecht erhalten. So ist sie auch bis auf den\nheutigen Tag der altfränkischen Sitte treu geblieben, vom\nCiavier aus die Aufführung zu leiten und zu unterstützen,\nFehlendes zu ergänzen, wie bei Schwankungen der Sänger\noder des Orchesters hülfreiche Hand zu leisten.\n\nAus Wien.\n\n(Tausig's Concerte.)\nHerr Karl Tausig gab Sonntag den 24. Januar\nMittags sein zweites Concert im Musik-Vereinssaale, das\nrecht gut besucht war und die Anwesenden in hohem\nGrade zu befriedigen schien. Wir hatten bereits oft Gele-\ngenheit, die Virtuosität des Herrn Tausig anzuerkennen\nund namentlich hervorzuheben, dass sie nach Seite der\nKraft, Ausdauer und Bravour gegenwärtig kaum von\neinem anderen Pianisten übertroffen werde. Dass wir noch\nim verflossenen Jahre diese Wunder der Technik mit\nästhetischen Barbareien aller Art gemengt hinnehmen\nmussten, zwischen Bewunderung und Abscheu gleichsam\nhin- und hergeworfen, wurde nicht verschwiegen. Herrn\nTausig's jüngstes Concert im Redoutensaale liess uns in-\ndessen eine Verfeinerung und Abklärung seines Vortrages\nschon unzweifelhaft wahrnehmen. Diese von uns mit auf-\nrichtiger Freude begrüsste Wahrnehmung fand eine noch\nweitere Bestätigung in Herrn Tausig's sonntäglicher Pro-\nduetion. Es haben nicht nur die grellen Aeusserlicbkeiten\nseines Spieles sich sehr gemildert, auch jene souveraine\nGenialität, die mit dem Kunstwerke blasirt und vornehm\nspielt, es der eigenen Laune beliebig anpassend, ist einer"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640206-01.1.5", "texte": "ernsteren Auffassung gewichen. Dass sich Herr Tausig\nvon diesen zum Theil an der Schule haftenden Excentri-\ncitäten vollständig freigemacht habe, ist weder zu behaup-\nten, noch war es zu hoffen. Seltener als im verllossenen\nJahre, aber doch noch zu häufig drängten zwei Gewohn-\nheiten Tausig's sich vor: der zu häufige Pedalgebrauch\nund das gewaltsame Herausstechen einzelner Töne. In\nChopin's Ballade (Op. 38), deren refrainartig wiederkeh-\nrendes Thema Herr Tausig überaus zart und sinnig vor-\ntrug, wurden die leidenschaftlich bewegten Zwischensätze\ndurch die gehobene Dämpfung zur völligen Unverständ-\nlichkeit verwischt, man hörte mitunter alle Intervalle einer\nchromatischen Scala zugleich. Die übermässig geilende Re-\nsonanz eines Bechstein'schen Flügels in der Tiefe machte\ndie Störung noch lühlharer. Die Barcarole von Rubinstein\nkann nicht zarter und eleganter gespielt werden, als von\nTausig; sie klang wie hingehaucht.\nLiszt's Concert-Solo entfesselte natürlich alle Mächte\nder Tausig'schen Virtuosität, gute und böse Dämonen.\nDiese Composition ist ein wahres Museum der seltensten\nSchwierigkeiten aller Art; Herr Tausig besiegte sie sämmt-\nlich mit erstaunlicher Sicherheit und Kraft. Das Stück\ninteressirt durch einzelne geistreiche Züge und Combina-\ntionen, die aber gegen die Unerquicklichkeit des Ganzen\nnicht aufkommen können. Unschönes und Bizarres drängt\nsich so dicht in diesem Concert-Solo, dass man mitunter\nauf den Verdacht kommen könnte, der Spieler wolle sich\nvielleicht doch nur einen Spass machen. Wir ziehen die\nkleinste Transscription von Liszt dieser selbständigen Un-\nmusik vor. Herr Tausig zeigte uns übrigens auch seinen\nMeister von dessen liebenswürdigster Seite durch den Vor-\ntrag von Nr. 6 der „S oirees Die Capriccio's,\nwelche Liszt unter diesem Gesammt-Titel über Schubert -\nsche Walzer-Themen schrieb, gehören zu dem Anmuthig-\nsten und Glänzendsten unserer concertanten Ciaviermusik.\nDie reizenden Melodieen Schubert s mit ihrem weichen,\nherzlichen Tone und Liszt's reiche, glitzernde Ornamentik\nvereinigen sich hier zu eigentümlichen und anmuthigen\nBildern aus dem Ballsaale, deren aufgeregte Sinnlichkeit\nallenfalls auch einiges musicalische Cancaniren verträgt.\nLiszt's Bearbeitungen der Schubert'schen Tänze ha-\nben Herrn Tausig angeregt, in ähnlicher Weise einige\nWalzer von Johann Strauss zu illustriren. Wir finden die\nIdee dieser „Nouvelles Soirees Vienne\" (es sind deren\ndrei Hefte bei Karl Haslinger erschienen) recht glücklich.\nDie Walzer-Themen selbst sind uns liebe, alte Bekannte,\nund Tausig's Bearbeitung lässt an glänzendem Effect nichts\nzu wünschen übrig. Das Vorbild Liszt's, dem sie auch ge-\nwidmet sind, blickt aus den Transscriptionen unverkenn-\nbar; Herr Tausig scheint von seinem Meister den feinen\nSinn lür den Ciavier-Effect geerbt zu haben, zugleich aller-\ndings auch dessen Vorliebe lür Gewaltsames und Bizarres.\nEs ist mitunter wunderlich, was lür Paradoxa er aus\nStrauss' lieblich einfachen Themen deducirt; ordentlich\nzuschauen kann man, wie er dem theuren Meister Johann\nhier und dort die „Milch der Irommen Denkungsart in\ngährend Drachengilt verwandelt\". Immerhin nehmen\nTausig s „Strauss-Soireerr unter den neuesten Bravour-\nstücken einen vorzüglichen Platz ein, und wer sie zu be-\nwältigen vermag, wie Herr Tausig, kann der gleichen Wir-\nkung sicher sein. Besonders dankbar waren wir dem Con-\ncertgeber lür die öffentlich so selten gehörte Sonate von\nBeethoven „Les adieux, l'absence et le retour\" (Op. 81),\nderen ungemeine Schönheiten, insbesondere die ersten\nbeiden Sätze, wir ohne die zwingende Ueberschrift vielleicht\nnoch reiner gemessen würden. Der dritte Satz ist eine der\nglänzendsten Aulgaben lür den Virtuosen, und ob dieser\nmehr als bloss Virtuose sei, kann er in den beiden ersten\nStücken vollständig darthun. Herr Tausig spielte die So-\nnate mit männlicher Energie und grossem rhythmischen\nZuge; dass sein Spiel mehr glänzt als erwärmt und rührt,\nerfuhren wir dessen ungeachtet auch hier. Die berühmte\nStelle im ersten Satze, wo Beethoven um den Abschied\nzweier Personen anzudeuten vier Mal nach einander\nDominante und Tonica zugleich anschlägt, hat Herr Tau-\nsig im Vortrage gemildert, nicht geschärft, was uns eine\nangenehme Ueberraschung war.\nFür den Schluss- Effect halte der Concertgeber sich\neine Clavier-Transscription des „Walküren-Rittes\" von\nRichard Wagner aufgespart, auf welchen auserwählten\nLeckerbissen die Anschlagzettel auch ganz besonders auf-\nmerksam gemacht hatten.\nDie wahrhaft demagogische Gewalt, mit welcher die-\nses glänzend instrumentirte Orchesterstück die Massen\npackt, geht in der Clavier-Bearbeitung gänzlich verloren.\nMan hört nichts als die dröhnend aus der Tiefe heraus-\ngestochenen Noten des Thema's und ein wildes Charivari\ndarüber her.\nDas Publicum, das die vorhergehenden Nummern mit\nausserordentlichem Beifalle aufgenommen hatte, schien an\ndem „Walküren-Ritte\" keinen Gefallen zu finden. Es\nwar fast betroffen. Dass das Unternehmen dieser Trans-\nscription selbst einem Virtuosen wie Tausig misslingen\nmusste, war vorauszusehen; was er geleistet hat, gränzte\nallerdings ans Unmögliche; wir hätten gewünscht, es wäre\nganz unmöglich gewesen.\nFräulein Destinn sang zwei Lieder von Liszt iLie-\nder von Liszt klingt schon wie ein Widerspruch), drama-\ntische Ausrenkungen einfacher Heine'scher Gedichte, arm\nan Erfindung, reich an Declamationsfehlern ärgster Art."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640206-01.1.6", "texte": "Fräulein Destinn's Vortrag war leider nicht geeignet, uns\ndiese Compositionen angenehmer zu machen.\nStrenger oder vielmehr härter beurtheilen die wiener\n„Becensionen\" das Spiel Tausig's; sie räumen ihm weiter\ngar nichts ein, als den Vorzug eines „eminenten Technikers\nim umfassendsten Sinne des Wortes, so dass ihm wohl\nkaum Einer in diesem Augenblicke die Stange halten\nmöchte\".— Die „Blätter für Theater, Musik und Kunst\"\nverkennen auch nicht, dass „die Virtuosität\nihm noch meist Selbstzweck zu sein scheine, zweifeln aber\nnicht, dass die wahre künstlerische Richtung sehr bald\nbei ihm durchbrechen werde\". Auffallend waren uns ge-\nrade in dieser letztgenannten Zeitschrift folgende Aeusse-\nrungen: „Der „ „Walküren-Bitt\"\" von Wagner ist eine,\nwenn man will, geniale Excentricität, aber doch immer\neine Excentricität, der die wichtige Eigenschaft jedes\nKunstwerkes, die Schönheit, fehlt. Das Liszt'sche Clavier-\nSolo-Concert, überlliessend von Schwierigkeiten erster\nSorte, gehört zu den Bravourstücken wüsterer Art, deren\nvergebliches Ringen nach Erfindung durch das glänzendste\nPassagen-Geflunker nicht verhüllt werden kann. Auch mit\nseinen beiden von Fräulein Destinn mit grossem Aufwände\nvon tremolirendem Pathos vorgetragenen Liedern, in wel-\nchen die schlichten Heine:schen Gedichte zu tragischen\nHaupt- und Staats-Actionen musicalisch gereckt werden,\nvermochten wir uns nicht sehr zu befreunden.\"\n\nEd. H.\n\nConcert im Gürzenich den 23. Januar 1864.\nCarlotta Patti - Alfred Jaell - Ferdinand Laub -\nKellermann.\n\nDer grosse Saal und die Galerieen waren vollständig\ngefüllt, die Versammlung war eine glänzende und erwar-\ntungsvolle. Unser Publicum, dessen leitende Ideen zu Lob\noder Tadel von Kunstleistungen oft schwer zu ergründen\nsind, wie das bei den Zuhörerschaften in grossen Städten\nwohl immer der Fall ist, wurde offenbar gleich durch die\nerste Leistung der fremden Sängerin, den Vortrag der Arie\nDonizettiY aus Linda von Chamouny, dermaassen mit fort-\ngerissen, dass es alle theils in ihm aufkeimende, theils ihm\nvon aussen beigebrachte Bedenken vollständig vergass und\nsich dem Eindrucke eines Gesanges unbedingt hingab,\ndessen originelle Ausführung durch eine wunderbar merk-\nwürdige und zugleich liebliche und bis in die höchste Be-\ngion wohlklingende Stimme etwas so Ueberraschendes\nhatte, dass eine allgemeine Bewunderung oder, wenn die\nmusicalischen Puritaner es lieber wollen, Verwunderung\nalle Zuhörer ergriff. Unter diesem Zauber brach das Pu-\nblicum in einen gewaltigen Sturm von Applaus wiederholt\naus eine Thatsache, welche allerdings den Sieg der Sän-\ngerin über die Vorurtheile schlagend bekundete, Vorur-\ntheile, welche weniger eine gründliche Kritik auswärtiger\nBlätter (denn nur einem Aufsätze des Journal de Bruxelles\nkönnen wir das eben gebrauchte Beiwort theilweise zuer-\nkennen), als vielmehr einzelne, durch verschiedenartige\nMotive und zum Theil auch durch die für uns ganz unge-\nwohnte Art der Ankündigung und Empfehlung veranlasste\nEingebungen hervorgerufen hatten. Wir sind der festen\nUeberzeugung, dass diese überraschende Wirkung des\nGesanges von Carlotta Patti überall dieselbe sein wird; es\nist nicht möglich, dem Eindrucke einer plötzlichen, elektri-\nschen Lichterscheinung zu widerstehen, die selbst auf den\nBlinden wirkt, und eben so verhält es sich mit dem Auf-\nleuchten der hellen, hohen Töne Carlotta's und den sprü-\nhenden Funken ihrer melodischen Ornamente in Colora-\ntur-Figuren, Trillern, Staccato's u. s. w.\nAber es ist nicht bloss dieses Blinken und Funkeln\nder unbegreiflichen Naturgaben, was uns blendet, sondern\ndie Behandlung derselben erregt in vieler Hinsicht fast\nnoch grösseres Erstaunen, obschon sie, was wir hier gleich\nbemerken wollen, der Correctheit einer strengen techni-\nschen Schule keineswegs überall entspricht, ja, stellen-\nweise noch gar Vieles zu wünschen übrig lässt. Hierbei\nmuss man indess berücksichtigen, dass Carlotta Patti erst\nseit zwei bis drei Jahren singt und dass, wenn wir gerecht\nsein wollen, wir bei einer in America und ursprünglich\nfür America gebildeten Sängerin gleich bei ihrem ersten\nErscheinen bei uns nicht den Maassstab des deutschen Ge-\nschmackes und der hohen Forderungen anlegen dürfen,\nwelche wir nur allzu geneigt sind, bei berühmten Virtuo-\nsitäten des Auslandes geltend zu machen, während doch\nunsere eigenen heutigen Sängerinnen auch nichts weni-\nger als vollkommene Gesangkünstlerinnen sind. Wenn nun\naber Carlotta Patti ihre hohen Töne nicht etwa bloss in\nColoratur-Figuren anwendet, bei denen, wie jeder Sänger\nweiss, der Anlauf und ein gewisser Entrain das augen-\nblickliche Gelingen der Höhe erleichtert, sondern das hohe\nc, d, enach einer Pause piano und mit der grössten Rein-\nheit einsetzt, es anschwellen und abschwellen lässt und\ndann den darauf folgenden noch höheren Ton im schmel-\nzenden Ligato anschliesst und ebenfalls leise verklingen\nlässt, so ist diese messa di voce auf diesen Tönen so lange\nwir denken können und vielleicht überhaupt noch nie da\ngewesen, und sie ist wahrlich nicht bloss neu, sondern\nauch schön, sehr schön, und nicht bloss natürlich schön,\nsondern auch künstlerisch schön. Sie beweist, was aus\neirter Sängerin mit solchen Mitteln durch noch erhöhte,\nsich über alle technischen und ästhetischen Details gleich-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640206-01.1.7", "texte": "massig erstreckende Studien in Verbindung mit reicherer\nErfahrung für eine vollendete Künstlerin werden kann.\nAber nicht nur die beschriebene schöne Emission der\nhohen Töne, sondern auch die Ausführung technischer\nSchwierigkeiten des colorirten Gesanges bestätigen theil-\nweise die eben ausgesprochene Ueberzeugung. Bei dem\nVortrage der Passagen und Verzierungen zeigen sich\nKunst und Natur bei ihr in einem merkwürdigen Wett-\nstreite, in welchem häufig die letztere den Sieg über die\nerstere davonträgt, indem die Sängerin oft eine schwierige\nFigur mit Glanz herausschleudert, wobei nicht zu verken-\nnen ist, dass Mutter Natur, die ihr das Genie des Gesan-\nges verliehen hat, den grösslen Dank verdient. Daraus er-\ngibt sich denn die Wahrnehmung, die Niemand, der sie\nwiederholt hört, iäugnet, dass sie eine gleichmässige Cor-\nrectheit der Schule noch nicht erreicht hat, indem, wie\ngesagt, einzelne Passagen und Ornamente künstlerisch\nvollkommen und je nach ihrem Charakter mit Grazie und\nanmuthigem Reiz oder mit Schwung und Kraft vorgetra-\ngen werden, andere dagegen geradezu gesagt den Stempel\ndes Mangels an Schule an sich tragen und weder correct\nnoch ganz geschickt herauskommen. Es kann also selbst-\nverständlich von einem Vergleiche der Patti mit den gros-\nsen Sängerinnen einer Zeit, die freilich auch schon zur\nVergangenheit geworden ist, mit Henriette Sontag und\nJenny Lind, nicht die Rede sein. Das Einzige von virtuo-\nsen Vortragsweisen, worin bei ihr Natur und Kunst voll-\nständig Eins geworden sind, ist ihr Staccato, worin sie bis\nzum hohen f hinauf einzig in ihrer Art da steht.\nDer Timbre ihrer Stimme im Allgemeinen ist schwer\nzu beschreiben. Sie besitzt tiefere Brusttöne, die recht\nklangvoll sind, das Medium der Stimme bat mehr einen\nfranzösischen als einen italiänischen Charakter, aber schon\nmit dem zweigestrichenen d und e beginnt ein heller, nicht\ndurch sein Volumen imponirender, aber intensiv klangvol-\nler, echter Sopran, dessen Töne bis zum dreigestrichenen\n/ überall mit gleicher Tonstärke und ohne alle Schärfe\nschwingen. Man kann also im Grunde nicht sagen, dass\nsie eine „kleine\" Stimme habe, denn in den getragenen\nlönen der eigentlichen Sopran-Region wird die Stimme\ndurch die Intensität des Tones gross, füllt die ausgedehn-\ntesten Räume, wie z. B. unseren Gürzenichsaal, vollkom-\nmen aus und ist selbst bei dem leisesten Ansätze des piano\nnoch überall hörbar. Die Stimme von Carlotta Patti ist\nmithin jedenfalls ein Phänomen, das nicht bloss den Musi-\nker und Gesanglehrer, sondern auch den Physiologen und\nAkustiker in hohem Grade interessiren muss. Allein dess-\nhalb die unläugbare, ganz ausserordentliche Wirkung der\nLeistungen der Sängerin auf das Publicum und ihren gan-\nzen künstlerischen Werth bloss auf das Physische reduci-\nRen zu wollen, ist eine schreiende Ungerechtigkeit, die\nnach allem, was wir in diesem Artikel lobend oder tadelnd\nhervorgehoben haben. Jedem einleuchten wird, der unsere\nBeurtheilung mit ihrem Gesänge vergleicht. Eine Kritik,\nwelche auch bei ausserordentlichen Erscheinungen nur\ndaraul ausgeht, Flecken aufzuspüren, ist nicht die unserige\nund, was die Hauptsache ist, fördert auch keineswegs die\nKunst, zumal wenn die Absicht, wo nicht zu kränken,\ndoch wenigstens eine Rolle zu spielen, durchblickt. Uns\nscheint es eine richtigere Aufgabe der Kritik gerade bei\neminenten Talenten zu sein, ihnen, mit freudiger Anerken-\nnung ihrer glücklichen Bevorzugung durch die Natur,\nwohlwollende Winke zu geben, die sie auf die unendliche\nHöhe der Kunst aufmerksam machen, welche zu erklim-\nmen selbst dem Genie nicht ohne Mühe und Arbeit ge-\ngeben ist.\nDie anderen Genossen der Gesellschaft des Concert-\nUnternehmers Herrn Ullman führen so berühmte und in\nDeutschland bereits so hochgeachtete Namen, dass es über-\nflüssig ist, über ihre hohen künstlerischen Leistungen in\ndem Concerte vom 23. ins Einzelne zu gehen. Wir erwäh-\nnen nur die Thatsache zunächst, dass der Vortrag von\nMendelssohn's Violin-Concert (namentlich in den beiden\nerstenSätzen) und vollends derOthello-Phanlasie von Ernst\ndurch Ferdinand Laub begeisterte Bravo's hervorrief:\nwir haben diese Phantasie so oft gehört, dass sie uns ziem-\nlich gleichgültig geworden war, aber Laub's Spiel brachte\nsie uns wieder in ganz neuer Frische vor die Sinne und\noffenbarte den grossen Violinisten in jedem Tacte. Was\nsollen wir ferner dem Preise hinzufügen, den Alfred\nJa eil überall, wo er erscheint, durch die fabelhafte Mei-\nsterschaft auf dem Pianoforte davonträgt, welches er nach\nWillkür bald zum brausenden Orchester, bald zur zarten\nLaute oder zum bezaubernden Glockenspiel macht? Wenn\ndie strengere Kritik vielleicht in der Auffassung des ersten\nSatzes von Beethoven's Es-dur-Concert hier und da ande-\nrer Meinung sein dürfte, so wurde doch auch diese durch\nden vollendeten Vortrag der Variationen von Händel, des\nWalzers von Chopin und der duftreichen Triller-Verzie-\nrungen der Melodie Home, sweei home, nicht nur zum\nSchweigen, sondern auch zum Einstimmen in den stürmi-\nschen Applaus des Publicums gebracht. Herr Keller-\nmann endlich zeigte sich als einen recht wackeren Violon-\ncellisten, und sein ausdrucksvoller Vortrag der Melodie\nin dem Adagio von Mozart und der Romanesca von Ser-\nvais erhielt ebenfalls lebhaften Beifall.\n\nL B."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640206-01.1.8", "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKreuznach. 3. Februar. Die hiesigen musicalischen Ver-\nhältnisse, in früheren Zeiten blühend, hatten später eine längere,\nrecht trostlose Periode zu überstehen. Erst in den letzten Jahren\nhaben sie angefangen, sich wieder in erfreulicher Weise zu heben.\nDas eigentliche musicalische Leben beschränkt sich, den Verhält-\nnissen eines so bedeutenden Badeortes entsprechend, auf den Win-\nter, während der Sommer, ausser den Productionen unseres sehr\ntüchtigen Bade-Orchesters und Virtuosen-Concerten, wenig bietet. Für\nletztere herrscht indessen so geringe Theilnahme, dass nur Künstler\nersten Ranges auf einen die Kosten übersteigenden Erfolg rechnen\nkönnen. Im Winter entfalten ein Instrumental-Verein (dessen Kern\ndie hiesigen Musiker und die Mitglieder des Bade-Orchesters bilden)\nund ein Gesang-Verein für gemischten Chor ihre Thätigkeit, wäh-\nrend mehrere Männer-Gesangvereine auch im Sommer fortwirken.\nAusser den Aufführungen in den geschlossenen Vereinskreisen wer-\nden auch öffentliche Concerte veranstaltet, deren letztes unter An-\nderem folgende Musikstücke zu Gehör brachte: Ouvertüre zu Medea\nvon Cherubini, Allegretto scherzando aus der JPT-cZwr-Sinfonie von\nBeethoven, Männerchor aus „Schloss Candra\" von Wolfram, Chor\naus der „Schöpfung\" von Haydn („Die Himmel erzählenu) nebst\ndem einleitenden Tenor-Reeitativ, letzteres von einem Dilettanten\nrecht wacker gesungen. Dann für Ciavier: Concert in Es-dur von\nBeethoven und Ungarische Rhapsodie von Liszt, beide Piecen von\nHerrn Pallat aus Wiesbaden mit virtuoser Technik und edler Auf-\nfassung vorgetragen und sehr beifällig aufgenommen. Ferner für\nSopran: Arien aus der „Schöpfung\" („Nun beut\"), aus den „Kata-\nkomben\" und ans dem „Advocat\" von Hill er, alle drei Piecen von\nFräulein Rempel aus Köln mit ungetheiltem Beifalle vorgetragen.\nDie jugendliche Künstlerin bat ihre Laufbahn mit Erfolg begonnen\nund auch hier namentlich durch ihren natürlichen, von aller Affec-\ntation fernen und doch ausdrucksvollen Vortrag den besten Ein-\ndruck gemacht. —r.\nStuttgart« Das Abonnements-Concert Nr. 6, welches Dins-\ntag den 26. Januar Statt fand, verdient einer besonderen Erwäh-\nnung, da es durchaus nur Nummern brachte, welche zum ersten\nMale in unserer Stadt zur Aufführung kamen oder wirkliche Novi-\ntäten waren. Den Anfang bildete Beethoven's Ouvertüre C-dur, Op.\n124. So oft wir von einem Beethoven'schen oder Mozart'schen Opus\nauf dem Programm das Wort „neu\" lesen müssen, überkommt uns\neine Beschämung über den langsamen Fortschritt der classischen\nMusik bei uns. Die zweite „Neuheit\" bildete ein Meisterwerk, das\nlängst in Leipzig, Köln, Berlin, London und selbst in Paris auf Con-\ncert-Programmen glänzte Sebastian Bach's Concert für drei Cla-\nviere mit Begleitung des Streich-Quartetts. Unser Publicum war\nsichtlich von Staunen und Bewunderung ergriffen über diese kolos-\nsalen Umrisse, ausgefüllt bald von der Wucht contrapunktischer Er-\nhabenheit, bald sich ergehend in dem reizendsten melodischen Flusse,\nbald verziert von humoristischen Arabesken. Hier hat sich der\nTriumph der Tonkunst über den Einfluss der Zeit aufs glänzendste\nbewährt. Dieses Concert wurde meisterhaft ausgeführt von den\nHerren Speidel und Wintemitz und Herrn Hof-Capellmeister Eckert,\nder sich auch in diesem Genre als Künstler von Geschmack und\ngutem Stil erwies. Als Ironie beinahe folgte ein modernstes Werk,\ndie Hochzeitsmusik und ein Vorspiel zu Hebbel's Nibelungen, von\nO. Bach 1863 componirt. Hier stehen wir auf dem echten Richard\nWagnerischen Boden. Kolossaler Effect, aber nicht durch contra-\npunktische Arbeit hervorgebracht, sondern durch Massen-Aufwendung\nvon Schall- und Prall-Instrumenten. Die zweite Abtheilung bildete\nein uns Stuttgarter speciel ansprechendes neuestes Werk unseres ta-\nlentvollen und strebsamen Orchester-Mitgliedes Abert, eine grosse\nProgramm-Sinfonie, die den Titel führt: Columbus, musicali-\nsches Seegemälde. Der erste Satz schildert die Abfahrt und die\nEmpfindungen der Hoffnung und Freude. Es herrscht durchaus eine\nweiche Stimmung, wie sie bei ruhiger See den Fahrenden beschleicht,\nund wir wiegen uns gern auf diesen sanft hingleitenden Tonwellen.\nDer zweite Satz, Scherzo, soll Matrosen-Scherze schildern. Hier fin-\nden wir die Motive und die echt sinfonischen Rhythmen etwas zu\ngeistreich und zu fein angelegt für Matrosenscherze; hier hätte das\nScherzo aus Mendelssohn's mit seinen derben schot-\ntischen Tänzen den richtigeren Anhaltspunkt geben können. Als\nArbeit ist aber dieser Satz meisterhaft; hier ist nicht blosse Ton-\nmalerei, sondern wirklicher Humor. Der dritte Satz, Adagio, hat die\nUeberschrift: „Ein Abend auf dem Meere\"; es ist ein pures Tonge-\nmälde, in welchem keine thematische Verarbeitung angewandt wird;\nbald hören wir Töne, wie aus der Tiefe des Meeresgrundes ausge-\nstossen, bald schwungvolle Harmonieen, bald den gemessenen Pau-\nkenschlag, der als bald verengte, bald erweiterte Triole dem am\nEnde etwas zu lang hinausgezogenen Satze noch den notwendigen\nPulsschlag gibt. Dieses Tongemälde wurde von dem Publicum am\nreichlichsten beklatscht. Weniger gefiel der letzte Satz: „Erneute\nHoffnungen. Widerstand der Elemente gegen weiteres Vordringen,\nEmpörung. Sturm. Land.\" Hier verfällt der Componist in die realisti-\nsche Richtung der Wagner'schen Schule. Donnerrollen, Blitzzacken,\nWolkenschwüle, Sturmheulen das alles wird mit Aufwand des\nstärksten Colorits gegeben, und am Ende betäuben gar die Kanonen-\nschüsse das Ohr. Hier hätte Beethoven's Sturm in der Pastoral-Sin-\nfonie maassgebend bleiben sollen, denn die Musik soll einmal eben\nnicht zum Vehikel der Realität dienen; wenn sie nicht mehr ideal\ngehalten ist, so hört sie auf als höhere Kunst zu wirken und wird\nblosse Decorationsmusik. Im Uebrigen zeigt diese neue Composition\nAbert's einen bedeutenden Fortschritt in der Technik der Instru-\nmentation; er handhabt dieselbe so fest und sicher, wie nur die\ngereifteren Meister es vermögen, und wir alle sind der Direction\ndieser Concerte Dank schuldig, uns Gelegenheit geboten zu haben,\nein Werk zu hören, das verdient, die Runde durch alle Concertsäle\nDeutschlands zu machen."}]}