{"numero_id": "bm-bmtnabi-1864-02-20-01", "volume": "bmtnabi_1864-02-20_01", "ocr_sha256": "933ab062f73a6ad15e9efd5cbe189fed08cfd622a014441b345a88c7b2e099ed", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1864/02/20_01/bmtnabi_1864-02-20_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640220-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1864-02-20-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-02-20_01#c001", "volume": "bmtnabi_1864-02-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "57", "page_fin": "57", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640220-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "57", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640220-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 471, "texte": "Inhalt.\nAus Breslau („Herakles\" von Händel). Rheinnixen.\" Grosse romantische Oper in 3 Acten von Nuitter. Deutsch\nbearbeitet von Frhrn. von Wolzogen. Musik von J. OfFenbach. Von R. Aus Lütt ich (Conservatoire-Concert). Tages- und Un-\nterhaltungsblatt (Köln, Theater, Gastspiel der Frau Leopoldine Tuczek Duisburg, „Die Martinswand\" Otto Lindblad f Hof-\nschauspieler Maurer f Wien, Friederike Gossmann Basel, Dionys Pruckner Bern, Abonneraents-Concert Rotterdam u. s. w.)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-02-20-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-02-20_01#c002", "volume": "bmtnabi_1864-02-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "57", "page_fin": "59", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640220-01.2.2", "titre_corps": "Aus Breslau.", "titre_sommaire": "Aus Breslau.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "57", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640220-01.1.1", "debut_caractere": 473, "fin_caractere_exclue": 4301, "texte": "Aus Breslau.\n(„Herakles\" von Händel.)\nDie Sing-Akademie hat am 19. Januar unter der\nLeitung ihres Dirigenten, Herrn Julius Schäffer, Hän-\ndel's weltliches Oratorium „Herakles\" aufgeführt. Diese\njedenfalls verdienstvolle und der Antecedentien der bres-\nlauer Sing-Akademie würdige Aufführung rief in den hie-\nsigen Blättern eine nicht eben unbefangene, mitunter herbe\nKritik sowohl über das Werk selbst, als über die Art und\nWeise hervor, welche, wenn auch in manchen Stücken\nberechtigt, im Ganzen doch mehr in den gespannten Ver-\nhältnissen der hiesigen musicalischen Parteien, als in der\nSache selbst ihre Veranlassung gefunden haben mochte.\nHerr Schäffer hat in einem besonders abgedruckten Blatte\nauf würdige und ruhige Weise darauf geantwortet.\nZunächst hielt sich jene Kritik an etwas Unwesent-\nlichem, weil rein Aeusserlichem. Schäffer hatte nämlich\ngeglaubt, die Aufführung am 19. Januar sei die erste die-\nses Werkes in Deutschland gewesen. Nun ist aber der\n„Herakles\" bereits am 29. October 1843 in Wien nach\neiner Bearbeitung von Mosel's zur Aufführung gelangt.\nAus dem Berichte in der Allgemeinen Musik-Zeitung (46.\nJahrgang, 1844, Nr. 2) ist keine klare Einsicht zu gewin-\nnen über die Art der Mosel'schen Bearbeitung. Nach der\nbarbarischen Zurechtschneidung des Samson, des Belsazer\nund der Deborah, welche dieser Autor sich hat zu Schul-\nden kommen lassen, ist nicht gerade die vortheilhafteste\nVorstellung davon zu gewinnen. Der Text mindestens\nmuss arg verstümmelt worden sein, denn der Referent der\nAllg. Musik-Zeitung findet die Handlung zu wenig drama-\ntisch, „da sie eigentlich nur das Ende des Helden, von\nder eifersüchtigen Dejanira herbeigeführt, behandele\",\nwogegen ein hiesiger Referent gerade die dramatisch fort-\nschreitende Handlung hervorhebt. Schon der Umstand,\ndass Mosel aus der Semele von Händel Entlehnungen\nmachte, rechtfertigt den Schluss, dass er mit dem Herakles\nnicht weniger willkürlich umgesprungen sein wird, als mit\nanderen Werken desselben Meisters. Eine endgültige Ent-\nscheidung darüber könnte nur die Mosel'sche Partitur ge-\nben. Leider ist sie nicht in Druck erschienen oder sonst\nweiter bekannt geworden. So viel geht aus allen Daten\nhervor, dass das Händel'sche Werk bedeutend alterirt\nworden ist. Um nur dies noch hervorzuheben, so spricht\nder wiener Bericht von einem Sologesangs -Qu a r tett,\nwährend hier fünf Solisten (eigentlich sechs, da Herr\nSabbath zwei Partieen übernommen hatte) thätig waren;\nMosel scheint also wenigstens die ganze Alt-Partie des\nLichas gestrichen zu haben. Uebrigens erkennt der wie-\nner Bericht an, dass die damaligen Veranstalter mit die-\nsem Gedanken „eine schöne Kunst-Intention bewiesen\"\nhaben. Der breslauer Sing-Akademie bleibt indess immer\nnoch das Verdienst, das Werk nach der neuen deutschen\nAusgabe der Händel-Gesellschaft zum ersten Male in\nDeutschland, wenn auch mit erheblichen Kürzungen, doch\nim Uebrigen unverfälscht aufgeführt zu haben.\nWenn gesagt worden ist, dass der Herakles, „als Gan-\nzes\" vorgeführt, für uns kaum erträglich sein dürfte, so\nbemerkt Schäffer dagegen, dass der ganze Herakles gar\nnicht gegeben worden ist. Von den 71 Nummern des\nWerkes sind 30 gestrichen worden, also nahezu die Hälfte.\nUnversehrt blieb nur die Partie des Herakles selber, weil\nsie an sich nicht sehr umfangreich ist. Die Ansicht, dass\nsie weder musicalisch bedeutsam, noch dankbar zu nennen,\nbezeichnet er unter Hinweis auf den dritten Act pls eine\nunbegründete. Am meisten büssten die beiden Neben-Per-\nsonen Hyllos und Lichas ein. Die von Händel reich be-\ndachte Partie des letzteren behielt nur zwei Arien, kost-\nbare Perlen des Werkes, die des ersteren gar keine. Ueber-\nhaupt konnten die Arien, weil sich ihr Inhalt überwiegend\nin Reflexionen ergeht, leichter entbehrt werden, als die\nRecitative, die zum Verständnisse der Handlung meist"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "58", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640220-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5464, "texte": "nothwendig waren. Doch wurde auch hier so viel wie\nmöglich gelichtet. Im zweiten Acte wurden die zweite und\ndritte Scene des Originals in eine einzige zusammengezo-\ngen, die achte Scene zwischen Dejanira und lole, Dialog\nund ein langes Duett enthaltend, ganz gestrichen. Auch\nder dritte Act erfuhr eine wesentliche Kürzung durch den\nWegfall eines Duetts kurz vor dem Schlüsse zwischen\nHyll os und lole. Endlich wurde auch bei den Arien\nmit der alleinigen Ausnahme der von dem Herrn Refe-\nrenten als „prahlerisch\" bezeichneten des Herakles—an-\nstatt der üblichen Reprise des vollständigen ersten Theiles\nstets nur ein kurzer Abschnitt desselben dem zweiten wie-\nder angefügt; es erschien als eine arge Verstümmelung\nder, wenn auch heute nicht mehr gebräuchlichen, doch\ninnerlich gesetzmässigen Form, etwa mit dem zweiten Ab-\nschnitte, also in einer Seiten-Tonart zu schliessen. Freilich\nist durch den Wegfall vieler Arien ein wesentlich vom\nOriginal abweichendes Verhältniss zwischen der Anzahl\nder Recitative und der der übrigen Nummern entstanden;\nentschieden übertrieben ist aber die Angabe, dass die Re-\ncitative fast die Hälfte des Werkes einnehmen; der Zeit-\ndauer nach dürften sie vielmehr nur ein Fünftel, höch-\nstens ein Viertel desselben beanspruchen. Dass „in den\nRecitativen der verschiedenen auftretenden Personen kein\ncharakteristischer Unterschied bemerklich sei, und man\nihnen einen beliebigen, etwa biblischen Text unterlegen\nkönnte, der dann eben so passen würde,\" ist eine ganz\nwillkürliche Behauptung. Da übrigens Händel ein engli-\nsches Textbuch componirte, so darf er (eben so wie Gluck)\nnicht für die deutsche Uebersetzung verantwortlich ge-\nmacht werden; denn so vortrefflich auch Gervinus im\nGanzen seine Aufgabe gelöst hat, so hat er doch gerade\nbei den Recitativen die ihm entgegenstehende grosse\nSchwierigkeit, den Text der Musik genau anzupassen,\nnicht überall glücklich überwunden. Wer sich die Mühe\nnicht verdriessen lässt, das Original etwas genauer zu stu-\ndiren, dem wird es nicht entgehen, dass die charakteristi-\nschen Unterschiede allerdings vorhanden sind. Um auf\nden Vorwurf der allzu grossen Länge des Herakles zurück-\nzukommen, so ist dieses Werk in der vorgeführten Form\nnicht ausgedehnter, als die meisten seiner Gattung, als\nz. B. Jahreszeiten, Elias, Paulus u. a. m. Dagegen besitzt\nder Herakles gegen manche neuere Oratorien, z. B. Men-\ndelssohn's, den Vorzug, dass der Stoff sich nicht gegen das\nEnde im Sande verläuft, sondern im Gegentheil an dra-\nmatischer Lebendigkeit gewinnt. Der dritte Act des He-\nrakles ist der bei Weitem hervorragendste, und der eine\nChor desselben, die Scene des Herakles: „0 Qual\", so\nwie die gleich darauf folgende der Dejanira: „Seht die\ngrausen Schwestern nalvn\", zählen zu den erhabensten\nMeisterwerken dramatischer Kunst, wie sie denn jeden-\nfalls (die kleinen Zwischensätze seien nur erwähnt) nicht\nnach der allgemeinen „Form-Schablone\" gearbeitet sind.\nDer wiener Musikbericht in der Allgem. Zeitung, obwohl\nauch er über Steifheit, Kälte und Monotonie klagt, ver-\nkennt doch diese Vorzüge durchaus nicht, sondern fügt\nhinzu: „doch hat Herakles wieder viele Partieen, nament-\nlich in der dritten Abtbeilung, von solch deutscher Ur-\nkraft, Wahrheit und ergreifendem Ausdruck aufzuweisen,\ndass meines Erachtens dieses Händel's jedenfalls wür-\ndige Tonwerk bei gehörigen Kürzungen den Freunden\ndieser classischen Musikgattung immerhin höchst will-\nkommen sein musste.\" Es ist daher sehr zu beklagen,\ndass der Referent der Schlesischen Zeitung es nicht für\nseine Pflicht hielt, auch noch dem dritten Acte des Ton-\nwerkes ein geneigtes Gehör zu schenken. [Und trotzdem\nein Urlheil über den Werth und die Aufführung des Wer-\nkes? Das ist freilich stark!]\nUeber die Kritik der Art und Weise der Aufführung\nrechtfertigt sich Herr SchäfFer, wie folgt:\n„Ich komme nun zu dem Hauptvorwurf, welcher mir\ngemacht worden und sich dagegen richtet, dass ich den\nHerakles, was die Instrumentirung anlangt, genau nach\nder Original-Partitur aufgeführt habe. Die Kritik schreit\nim Allgemeinen Zeter über die Ungeniessbarkeit dieser\nForm, ja, ein geehrter Herr Referent bietet gar ein Kö-\nnigreich für eine Clarinette! Schon früher war man dar-\nüber einig, dass der Kenner, der Musiker von Fach, es\nvorziehen würde, ein Händel'sches Werk in der Gestalt zu\nvernehmen, in welcher es vom Componisten gedacht und\nniedergeschrieben war. Nur für den Laien, für das ge-\nmischte Publicum hielt man es für zuträglich, „ „hier und\nda ein Instrument\"\" zuzusetzen. Auch wollte man durch\nein reicheres Orchester dasjenige ergänzen, was nach Hän-\nders Intention der Orgel oder dem Cembalo anheimfiel,\nund dessen geistvolle Ausführung durch Händel selbst von\nden Ohrenzeugen seiner Concerte bis in den Himmel er-\nhoben wurde. Aus diesen Erwägungen entstanden zahl-\nreiche Bearbeitungen Händel'scher Werke, unter welchen\ndie Mozart'schen einen unbestrittenen Ruhm sich erwor-\nben haben. Nun ist aber der Organismus des Händel'schen\nOrchesters (Orgel und Cembalo mit eingeschlossen) ein\nnach so bestimmten Gesetzen in sich fest gegliederter, dass\nfür jede Bearbeitung die Gefahr erwächst, es möchte in\nden durchweg individuellen Charakter der Händel'schen\nWerke ein fremdartiges und darum störendes Element\nhineingetragen, der erhabenen Einfachheit seiner orche-\nstralen Mittel ein moderner Aufputz gegeben werden.\n(Vergl. Otto Jahn über Mozart's Bearbeitungen.) In der\nThat haben die verschiedenen Bearbeiter Händel's die"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "59", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640220-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5469, "texte": "Gränze, weiche Pietät, Discretion und „„weise Vorsicht\"\"\nvorschreiben, sehr verschieden gezogen, und es ist ohne\ndie grössten Abgeschmacktheiten und ärgsten Verstösse\nnicht abgegangen. Daher ist man denn auch in neuerer\nZeit, besonders seit dem Erscheinen der in England und\nDeutschland veranstalteten Hände!-Ausgaben, mehr und\nmehr von jenen Bearbeitungen zurückgekommen. Schon\nMendelssohn, dem man gewiss in Sachen der Instrumen-\ntation ein competentes Urtheil sicherlich zugestehen wird,\ngab den Anstoss, indem er die ihm von der englischen\nHändel-Gesellschaft übertragene Herausgabe des Israel\nin Aegypten getreu nach dem Original besorgte und sei-\nnen Antheil darauf beschränkte, den Orgelpart so auszu-\nführen, wie er ihn etwa selbst, wenn er auf der Orgelbank\nsässe, bei der Aufführung nach den ihm bekannt gewor-\ndenen Traditionen gespielt hätte. Auch auf dem letzten\nrheinischen Musikleste in Köln hat man Händel's Salo-\nmon ebenfalls getreu nach der Original-Partitur aufge-\nführt, und alle mir zu Gesicht gekommenen Berichte spre-\nchen sich nur enthusiastisch darüber aus. Ja, die Rücksicht\nauf Originaltreue Aufführung Händel'scher und Bach'scher\nTonwerke hat gewiss nicht zum kleinsten Theile mitge-\nwirkt, wenn jetzt an vielen Orten die Nothwendigkeit an-\nerkannt wird, die Concertsäle mit Orgeln auszustatten.\n„ „Nun gut! so gebe man uns den Herakles mit Or-\ngel;\"\"— so höre ich sagen— „„wozu aber das dürftige\nCiavier?\"\" Auch hierauf will ich die Antwort nicht schul-\ndig bleiben. Als ich den Gedanken zur Aufführung des\nHerakles fasste, war es meine erste Sorge, zu erfahren,\nob die Werke weltlichen Inhalts zu Händel's Zeiten eben\nso wie seine geistlichen Oratorien mit der Orgel begleitet\nworden sind oder nicht. Die eifrigsten Forschungen, die\nich anstellte, haben keinen Fall ergeben, in welchem die\nFrage mit Ja beantwortet werden konnte. Chrvsander be-\nrichtet in seiner Biographie Händel's von Aufführungen\nsolcher Werke (das bis jetzt Erschienene reicht noch nicht\nbis zum Herakles) wohl, dass Händel zwischen den Abthei-\nlungen selbständige Orgel-Goncerte gespielt habe, gibt aber\nkeine Andeutung, ob die Orgel auch bei dem Musik-Drama\nselber mitgewirkt. Es konnte dessbalb nur nach der Origi-\nnal-Partitur des Herakles verfahren werden. Diese schweigt\nvon einer Anwendung der Orgel gänzlich. Dagegen findet\nsich zu der Bassstimme der (nicht mit zur Aufführung ge-\nlangten) Arie der lole am Beginn der zweiten Abtheilung\ndie Anmerkung: Violoncelli sContrabaad\nMan sieht, wie hier des Claviers ausdrücklich\nErwähnung geschieht, nicht aber der Orgel, welche dem\nCharakter des Stückes gemäss an dieser Stelle ebenfalls\nhätte schweigen müssen. Es scheint also hieraus zu folgen,\ndass Händel überhaupt für den Herakles an die Mitwir-\nkung der Orgel nicht gedacht hat. Da, wo er sie wirklich\nanwendet, in seinen geistlichen Oratorien, ist sie auch\ntheils bei der Bassstimme mit verzeichnet, theils selbstän-\ndig (wie im Saul) ausgeschrieben worden. Es darf daher\nmit ziemlicher Gewissheit behauptet werden, dass Händel\nwohl zu seinen geistlichen Oratorien sich der Orgel be-\ndiente, aber es nicht für erlaubt hielt, dieses rein kirch-\nliche Instrument für seine weltlichen Musik-Dramen, auch\nwenn er dieselben oratorienmässig ausführen liess, zu ver-\nwenden. Schwieg aber die Orgel, so fiel die Ausfüllung\ndes in der Partitur leer Gelassenen dem Cembalisten an-\nheim, der die Kunst verstehen musste, das Erforderliche\nnach dem Basso continuo zu spielen *).\n„Indem ich mich also für das Ciavier entschied, war\nich nicht darauf gefasst, dass ich Widerspruch finden\nwürde. Ich glaubte einem gebildeten Publicum gegenüber\nzu stehen, welches durch zahlreiche Auflührungen Bach'-\nscher und Händel'scher Werke bei welchen, wie ich von\nunterrichteter Seite erfahre, auch stets die Ausfüllung des\nim Basso continuo Angedeuteten durch Ciavier an der Ta-\ngesordnung war —in den Geist dieser Meister bereits hin-\nlänglich eingeweiht und mit den Eigenthümlichkeiten ihrer\nInstrumentation vertraut wäre; ich musste wenigstens von\nder Elite der hiesigen Tonkünstlerschaft und von den Ver-\ntretern der musicalischen Kritik, die ich zu diesem Con-\ncerte einzuladen mir erlaubt hatte, mit Bestimmtheit vor-\naussetzen, dass sie vor Allen fähig wären, jene einfache\nErhabenheit des Meisters, vor welcher sich ein Mozart und\nein Beethoven nicht scheuten demuthsvoll ihr Knie zu beu-\ngen, rein zu gemessen. Nun aber ist der merkwürdige Fall\neingetreten, dass das unbefangene Publicum nach zahl-\nreichen mir zu Ohren gekommenen Urtheilen zu schliessen\ndasselbe Werk andächtig und mit wahrer Erbauung\naufgenommen hat, welches die sachverständige Kritik\nhinterher als in der vorgeführten Form monoton, abson-\nderlich und ungeniessbar bezeichnet. Worin die Erklärung\nhiervon zu suchen sei, ob in der allgemeineren Verbrei-\ntung historischen Interesses unter den Gebildeten aller\nClassen einerseits, ob in der unendlichen, den unbefange-\nnen Blick trübenden Parteienspaltung unter den Künstlern\nandererseits, mag für jetzt dahingestellt bleiben.\"\n*) Wir sind in diesem Punkte nicht der Ansicht SchäfFer's.\nWenn er nirgendwo die Frage, ob Händel die Orgel auch bei den\nweltlichen Oratorien angewandt habe, mit Ja beantwortet gefunden\nhat, so wird er sie eben auch nirgendwo mit Nein beantwortet ge-\nfunden haben. Das Letztere aber wäre als Ausnahme von der Re-\ngel weit notwendiger zu bezeichnen gewesen, als das Erstere, das\nsich damals von selbst verstand.\nDie Redaction.\n[*]"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-02-20-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-02-20_01#c003", "volume": "bmtnabi_1864-02-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "60", "page_fin": "62", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640220-01.2.3", "titre_corps": "„Die Rheinnixen.“", "titre_sommaire": "„Die Rheinnixen.“", "signature_source": "R", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "60", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640220-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5248, "texte": "„Die Rheinnixen.“\n\nGrosse romantische Oper in 3 Acten von Nuitter. Deutsch bearbeitet\nvon Frhrn. von Wolzogen. Musik von J. Offenbach.\nWien, 6. Februar 1864.\nEs sind schon Monate her, dass man anfing, in allen\nmusicalischen Kreisen über das Wagniss zu sprechen, dass\nOffenbach, der beliebte Componist reizender Operetten,\neinen bedeutenden Schritt weiter gehen und sich auf das\nFeld der Romantik begeben wolle. Man trug sich mit den\nverschiedenartigsten Erwartungen, und bis zu den letzten\nTagen meinten gar Manche, die Oper müsse etwas überaus\nLustiges werden. Unsere Musiker und Musikfreunde, und\nnamentlich die Tonangeber in unserem Operntheater, die\nwir streng in vier Classen eintheilen müssen, waren der\nentgegengesetztesten Ansichten, die Mehrzahl aber prophe-\nzeite nichts Gutes. In wie fern sich Viele getäuscht haben,\nist jetzt schon entschieden und wird, je mehr die Oper be-\nkannt wird, noch deutlicher zu Tage treten.\nSowohl die Partei der Anhänger der alten Musik, als\njene der Wagner'schen und jene der ilaliänischen, nament-\nlich Verdi'schen, haben sich theilweise in ihren Voraus-\nsetzungen getäuscht, und Offenbach hat mit dieser Oper den\nBeweis geliefert, dass er begabt ist, auch für einen grösse-\nren Rahmen zu arbeiten. Die vierte Partei, welche die\ngrösste ist, täuscht sich nie, denn sie weissagt nicht voraus,\nsondern erwartet mit Neugierde und Theilnahme, was ge-\nbracht wird. Diese macht den Erfolg im Theater, und mein\nBericht ist im historischen Rechte, wenn er bestätigt, dass\ndas volle Haus durch den reichlich gespendeten Beifall der\nOper den Pass zur Reise nach allen Bühnen ausgestellt\nhat. Ein gültiges Visa darunter zu setzen, bleibt diesen\nnatürlich überlassen.\nWenn wir von vorn herein sagen, dass das Textbuch\nbei schönen Einzelheiten, im Ganzen, namentlich gegen den\nSchluss, nicht befriedigt, so bietet es doch dem Compo-\nnisten reichlichen Stoff zu musicalischer Bearbeitung dar,\nso dass er über die Mängel, die leider fast allen Textbü-\nchern anhangen, hinwegsehen durfte.\nDie handelnden Personen sind: Conrad von Wenck-\nheim, Anführer der Landsknechte, im Dienste des Kur-\nfürsten von der Pfalz (Bariton); Franz Baidung, eben so\n(Tenor); Gottfried, ein Jäger (Bass); Hedwig, Pachterin\neines Sickingen'schen Gehöftes am Rheine (Sopran); Arm-\ngard, deren Tochter (Sopran). Landsknechte, Bauern, Win-\nzer, Elfen, Nixen u. s. w. Ort der Handlung: Im Rhein-\nund Nahethale. Zeit: 15*22.\nNach einer Ouvertüre, welche in die Introduclion der\nOper übergeht, stellt beim Aufgehen des Vorhanges das\nTheater eine offene Scheune mit der Aussicht auf die\nFelder und den Rhein mit seinen Bergen dar. Der Chor\nder Bauern kommt von der Feldarbeit fröhlich singend\nnach Hause; in ihren Gesang verflicht sich, auf Gott-\nfried's Mahnung, ein Dankgebet für den reichen Aernte-\nsegen. Hedwig tritt auf und spricht gegen Gottfried ihre\nFurcht vor dem drohenden Heranziehen der Landsknechte\naus. Er beruhigt sie und wirbt um die Hand ihrer Tochter.\nEin zweiter Zug von Schnittern erscheint; sie kommen sin-\ngend vom Felde und tragen hoch auf Getreidegarben die\nmit Blumen bekränzte Armgard herein. Die Mädchen\nschmücken die Scheune mit Feldblumen und Kränzen.\nDer Marschchor ist frisch und melodiös und, wie die mei-\nsten Chöre der Oper, selbständig und nicht bloss als\nLückenbüsser behandelt.\nArmgard, welche von den Schnitterinnen zum Singen\naufgefordert wird, wird von Hedwig gewarnt und an die\nVolkssage erinnert, nach welcher Jungfrauen, die zu viel\nsingen, plötzlich sterben und dem Reiche der Nixen ver-\nfallen. Armgard aber, in heiterer Stimmung, verlacht die\nWarnung der Mutter und besingt in einer Ballade\nund dur) mit einem Chor-Refrain die Sage selbst. Auf\ndiese, zum wenigsten gesagt, sonderbare Sage, dass, wer\nzu viel singt, dem Tode und der Geisterwelt verfehmt sei,\nist nun die ganze Romantik der Oper gebaut!\nIn dem folgenden Terzett in gesteht Armgard,\ndass sie Franz Baidung liebe, dem sie, obwohl er ver-\nschwunden, ihr Herz bewahre. Der mehr als edelmüthige\nGottfried verspricht, seinen beglückten Nebenbuhler auf-\nzusuchen und ihn ihr wieder zuzuführen!\nConrad von Wenckheim erscheint an der Spitze\nder Landsknechte. Tumultuarische Intrade mit Soldaten-\nchor; auch ein effectvolles Trinklied mit Chor (in\nwelches Conrad singt, fehlt nicht. Franz Baidung, der, an\ndiesem Orte geboren, die Gegend genau kennen muss,\nhat durch eine Wunde am Kopfe fast alles Erinnerungs-\nVermögen verloren! Diesen Franz hat der Dichter zu einem\nZwittergeschöpf von einem träumerisch Wahnsinnigen und\neinem heldischen Raufbold gemacht was ihm die Musen\nverzeihen mögen! Er tritt ganz verstört auf, zeigt uns in\neiner musicalisch gut durchgeführten Scene und Arie (in\nB-dur) seinen Irrsinn und sinkt erschöpft zusammen. In-\nzwischen spricht Conrad seinen Plan aus, Sickingen's\nSchloss, die Ebernburg, zu überfallen, sobald die Nacht\nhereingebrochen. Im Finale befiehlt Conrad der Armgard,\nzu singen. Sie erkennt in Franz ihren Geliebten, er aber\nstarrt sie träumend an. Armgard stimmt ein Lied an, wel-\nches Franz in seiner Jugend gern gesungen, ein Vater-\nlandslied (F-dur) mit Chor, welches melodisch effectvoll\nist. Aber Franz bleibt kalt und stimmt sogar in das allge-\nmeine Dringen in Armgard um ein heiteres Lied ein. Die"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "61", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640220-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5418, "texte": "Arme versucht es, ihr Gesang aber artet in fieberhafte\nAufregung aus, bis sie zusammenbricht. Wie im Traume\nfortsingend, verfällt sie wieder in die Melodie des Vater-\nlandsliedes und von diesem in die Melodie der Ballade.\nBei dem Schmerzensrufe der Mutter: „O Armgard!\" er-\nkennt Franz sie und stürzt auf sie zu. Der Vorhang fällt.\nDer zweite Act führt uns nach einer kurzen Zwischen-\nmusik (mit einem schönen Violin-Solo) in das Innere der\nWohnung Hedwig's. Im Wahne, dass ihre todte Tochter\nbereits zu den Nixen gehöre, eilt sie zum Elfensteine im\nWalde, um dort noch einmal die Stimme ihres Kindes zu\nvernehmen. Franz, diesmal ganz vernünftig, spricht in\neiner Romanze, die durch ein schönes Waldhorn-Solo ein-\ngeleitet wird, seine Sehnsucht nach Armgard aus, bis Con-\nrad ihn zum Aufbruche mahnt.\nDie Verwandlung versetzt uns an den Elfenstein. Tan-\nnenwald am Abhänge eines Berges mit vorspringenden\nFelsblöcken; im Hintergrunde ein breiter Wasserfall, der\nsich in zwei Cascaden niederstürzt. Mondbeleuchtung. Gros-\nses Tableau von Elfen und Nixen. Chor und Ballet, beides\nmit reizender Musik, welche zu wiederholten Malen sich\nin eine der schönsten Walzer-Melodieen auflöst.\nNach diesem treten Hedwig von der einen, Armgard von\nder anderen Seite auf, denn diese war nur scheintodt und\nhat sich entschlossen, die Bolle einer Bheinnixe zu spie-\nlen, um Franz aus seiner schlechten Gesellschaft zu retten.\nDie Mutter hält die Tochter für eine Nixe, während diese\nihrer Bolle treu bleibt grosses Duett und am Ende\nwieder verschwindet. Hedwig will ihr nach, sinkt aber er-\nschöpft zusammen.\nConrad, Franz und Landsknechte erscheinen mit einem\nkriegerischen Marsche und Chor. Gottfried hat sie hieher\ngeführt, um sie in den Bann der Zauberei zu bringen.\nVom Schlosse tönt ein Glöckchen herüber. Franz, in Träu-\nmerei versunken, erinnert sich in einer Arie an alte Zeiten.\nConrad aber, in übermüthiger Laune, erzählt seinen Krie-\ngern in einem zweistrophigen Liede, wie er einst ein Mäd-\nchen durch ei-nen als Priester verkleideten Cameraden zur\nTrauung verleitet. Eine gar zu grelle Ironie ist es, dass\nzu diesem Liede die Glocke immer fort ertönt! Hedwig,\naufhorchend, erkennt dadurch in Conrad ihren Gatten und\nArmgard's Vater und schwört Rache.\nFinale. Die Landsknechte ziehen ab. Elfenchor in der\nFerne. Franz und Conrad bleiben aufhorchend; der Zau-\nber wirkt, der Elfenchor umringt Beide, während Arm-\ngard (die wahrscheinlich von den Nixen als ebenbürtig\nanerkannt worden) Franz durch die Melodie des Vater-\nlandsliedes, mit welcher sie verschiedene Male den Elfen-\ngesang unterbricht, von der Scene hinweglockt. Conrad\nsinkt betäubt auf eine Moosbank nieder.\nZum dritten Acte führt wieder eine kurze kriegeri-\nsehe Musik. Als der Vorhang sich hebt, sehen wir in\nMondbeleuchtung die Ruinen des kreuznacher Schlosses\ndurch eine Bogenwölbung, unter der Kriegsgeräth und\nPulverfässer aufgestellt sind. Aus dieser führt eine hölzerne\nBrücke über einen tiefen Abgrund zu einem Bergvorsprunge\nmit verfallenem Gemäuer. Fernsicht in das Nahethal. Die\nLandsknechte beschäftigen sich mit Zurüstungen zum\nSturme der Burg. Franz, der ganz vernünftig geworden,\nund Conrad erzählen ihr nächtliches Abenteuer. Da schlep-\npen Soldaten die Hedwig herbei, welche, mit einem Dolche\nbewaffnet, um die Wälle schleichend, gefangen wurde.\nNun folgt in einem grossen Duette die Enthüllung zwischen\nHedwig und Conrad. Dieses Duett ist eine Glanznummer\nder Oper und voll Effect, erfordert aber von den Darstel-\nlern zugleich schönes Spiel. Als Hedwig die Verzweiflung\nConrad's steigert durch die Mittheilung, dass Armgard sein\nKind sei, dass er es durch Uebermuth in den Tod gejagt,\nhat Franz mittlerweile Armgard gefunden und führt sie\ndiesmal, wie sie leibt und lebt—in die Arme der Mutter.\nConrad fühlt ein menschlich Begen, wird sogar fromm\nund will nach allgemeiner Versöhnung mit Franz und Frau\nund Kind entfliehen. Aber die Landsknechte widersetzen\nsich und verlangen den Tod der Frauen. Conrad droht,\neine brennende Fackel auf die Pulverfässer zu werfen und\nAlles dem Verderben zu weihen. Die Soldaten weichen\nüber die Brücke zurück, diese stürzt ein, sie beginnen aber\neinen neuen Angriff, aus der Schlucht emporklimmend.\nDie Bedrohten knieen im Vordergrunde nieder zum Gebete,\nin das sie die Melodie des Vaterlandsliedes mischen, und\nwollen sich dann in die Luft sprengen, als glücklicher\nWeise der Elfenchor ertönt! Die gutmüthigen Geisterstei-\ngen auf Wolken nieder, die bösen Landsknechte stürzen\nbetäubt in den Abgrund und die Betenden sind gerettet.\nZum Schlüsse singen sie wieder das Vaterlandslied!\nAus dem Mitgetheilten wird man ohne unser Erinnern\ndie Fülle von Unwahrscheinlickeiten und Unmöglichkeiten,\ndie im Textbuche herumschwimmen, ersehen, abgesehen\nvon dem fast gänzlichen Mangel an Poesie, da die Einwir-\nkung der Geisterwelt durch die Nixenrolle, welche Arm-\ngard spielt, ins Komische verkehrt wird. Trotz alledem\naber hat es der Componist verstanden, das Interesse zu\nfesseln, und ist namentlich der zweite Act durchgehends\nschön gehalten und die Musik fast immer reich an Melodie.\nUeber die hiesige Aufführung wäre viel zu sagen, wenn\nman einen Vergleich zwischen dem, was in der Partitur\nsteht, und dem, was gesungen wurde, anstellen wollte. In\nerster Linie verdient Herr Beck als Conrad genannt zu\nwerden. Er war vollkommen Herr seiner Partie, sicher in\nGesang und Spiel; er sang das Trinklied Nr. 7, das"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640220-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1879, "texte": "Glockenlied Nr. 18 mit Leben und Humor; in seinen Re-\ncitativen und im Duett Nr. 22 mit Hedwig riss er das Pu-\nblicum zu stürmischem Beifalle hin. Neben ihm verdient\nFräulein Wildauer als Armgard genannt zu werden,\nwelche ihre Partie schön sang und wundervoll spielte; nur\nim Vaterlandsliede entbehrt ihre Stimme der nöthigen Fri-\nsche und Kraft. Fräulein Destinn als Hedwig war genü-\ngend, mit Ausnahme einiger für sie zu tief liegenden Stel-\nlen. Herr Mayerhofer, der den Gottfried gab, sang und\nspielte mit Lust, trotzdem bei den vielen Kürzungen gerade\nseine Partie um die wirksamsten Momente gebracht wor-\nden war, was um so mehr zu bedauern, als er einer der\nfleissigsten und ein mit schönen Mitteln begabter Sänger\nist. Am wenigsten genügte Herr Ander als Franz; er\nschien unsicher in seiner Partie und seine Mittel reichen\nnicht mehr aus. Freilich ist die Partie des Franz zwar mu-\nsicalisch sehr schön, aber als dramatische Person kaum zu\nhalten. Die Ausstattung der Oper war eine prachtvolle;\ndie Chöre bedeutend verstärkt und das Orchester ausge-\nzeichnet. Es waren durchgehends neue Costums und neue\nDecorationen angeschafft; von diesen letzteren ist nament-\nlich der Elfenhain mit dem Wasserfalle, der die halbe Breite\nder Bühne einnimmt, eine grossartige Schöpfung. Ballet\nund Gruppirungen boten viel des Ueberraschenden. Die\nDarsteller und Herr Offenbach wurden nach jedem Act-\nschlusse mehrmals hervorgerufen, und letzterer musste am\nAbende der zweiten Aufführung dem stürmischen Rufen\nnachgeben und sich sechs Mal auf der Bühne zeigen. Der\nersten Vorstellung wohnten der Kaiser und alle hier an-\nwesenden Erzherzoginnen und Erzherzoge bei. Die hie-\nsige Kritik sprach sich mit wenigen Ausnahmen im Gan-\nzen günstig aus.\nNachschrift. So eben komme ich (d. 8. d. M.) aus\nder dritten Vorstellung, zu welcher früh um 8 Uhr schon\nkein Sitzplatz mehr zu haben war.\n\nR."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-02-20-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-02-20_01#c004", "volume": "bmtnabi_1864-02-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "62", "page_fin": "63", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640220-01.2.4", "titre_corps": "Aus Lüttich.", "titre_sommaire": "Aus Lüttich.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640220-01.1.6", "debut_caractere": 1881, "fin_caractere_exclue": 5150, "texte": "Aus Lüttich.\nDen 9. Februar 1864.\nEin elegantes und gewähltes Publicum füllte am\nSamstag den 6. d. Mts. den Saal der Gesellschaft Emu-\nlation, wo das königliche Conservatorium der Musik ein\nConcert gab. Dieses Publicum war jedoch nicht so zahl-\nreich, wie es die Bedeutung der Werke, welche das Pro-\ngramm des Abends ankündigte, erwarten liess.\nEine prächtige Sinfonie von J. Haydn eröffnete das\nConcert; sie wurde durch einen Orchester-Verein tüchti-\nger Künstler unter der geschickten Leitung des Herrn\nEtienne Soubre, des trefflichen Directors des Conserva-\ntoriums, sehr gut ausgeführt.\nEs folgten Bruchstücke aus dem Oratorium Samson\nvon Händel, in denen Chor und Orchester sich zu einer\nschönen Gesammtwirkung vereinigten. Zur Aufführung\nkamen die letzten Scenen des grossartigen biblischen Dra-\nma's, der Chor der Philister beim Einstürze des Tempels,\ndie Klagegesänge der Israeliten, der Trauermarsch und der\nSchlusschor. Das Ganze beschloss den ersten Theil des Con-\ncertes und wurde mit lebhaftem Applaus aufgenommen.\nDas Allegretto scherzando und das Finale der Sinfonie\nNr. VIII von Beethoven eröffneten den zweiten Theil, und\nderen feine und feurige Wiedergabe verschafften dem Or-\nchester neue Anerkennung. Dasselbe war durch die Aus-\nführung der Euryanthe-Ouverture von Weber, in welcher\nbesonders das geisterhafte Andante der Violinen recht gut\ngelang, der Fall. Wir brauchten eigentlich nur alle Num-\nmern des Programms zu nennen, denn der originelle Der-\nwisch-Chor aus Beethoven's Musik zu den Ruinen von\nAthen ging ebenfalls sehr gut, wenn wir nicht noch von\neinem anderen Triumphe sprechen müssten, nämlich von\nder enthusiastischen Aufnahme, welche der berühmte\ndeutsche Meister, Herr Ferdinand Hiller aus Köln,\nhier nach der Aufführung zweier von seinen Compositio-\nnen für Frauenchor und Orchester: „Hymne aus dem\nMittelalter\" und „Palmsonntag-Morgen\", fand.\nDiese beiden Chöre, welche sich einander nur an\nSchönheit ähnlich sind, wurden im Verhältnisse zu der\nZahl und Qualität der Stimmen, deren Mitwirkung die Di-\nrection des Conservatoriums erlangt hatte, sehr befriedi-\ngend ausgeführt. Die Ausführung, mit welcher der an-\nwesende Componist recht zufrieden schien, begeisterte das\nPublicum so, dass es seine Bewunderung durch öfter wie-\nderholten Hervorruf des Meisters bezeigte, der von dieser\nunerwarteten Ovation sehr ergriffen schien. Namentlich\nnachdem frischen und lieblichen Stück „Der Palmsonntag-\nMorgen\" brach der Beifall in so rauschender und stürmi-\nscher Weise aus, wie noch vorher bei keinem Musik-\nstücke des Abends, trotz deren vorzüglichem Werthe.\nMan muss sagen, dass keines das Publicum so allgemein\nund so tief aufregte. Es musste wiederholt werden.\nEin Flöten-Solo des Herrn Tricot, Professors am Con-\nservatorium, erhielt den Beifall, den die Zuhörer diesem\nKünstler jedes Mal zollen, wenn er auftritt.\nHerr Soubre leitete das Concert mit seinem bekann-\nten Talente; ihm gebührt die Ehre des Abends, da wir\nes ihm zu danken haben, dass wir so festlicher Musik-\nAufführungen uns jetzt erfreuen, welche das Verdienst\nder Ausführung mit der Höhe des Werthes der aufzu-\nführenden Werke in das richtige Verhältniss stellen.\nWas nun aber die Theilnahme des hiesigen Publi-\ncums im Allgemeinen, die Empfänglichkeit der grossen"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "63", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640220-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3553, "texte": "Menge unserer Dilettanten für diese grossarligen Concerte,\ndie für jeden wahren Kunstfreund ersehnte Feste sind,\nbetrifft, so müssen wir bedauern, dass sie sich nicht in\ndem IVlaasse und in dem Umfange offenbaren, wie die Er-\nmuthigung so edler Bestrebungen und die künstlerische\nLösung so schwieriger Aufgaben es wünschenswerth ma-\nchen. Wir dürfen nicht unterlassen, dringend die Betäti-\ngung lebhafterer Sympathieen unserer Einwohnerschaft\ndafür anzuregen. Wir haben es erst bis zu zwei Conser-\nvatoire-Concerten in der ganzen Saison gebracht, und\ntrotzdem, dass das erste am Samstag ein prächtiges Pro-\ngramm hatte und dessen Ausführung eine sehr glänzende\nwar, hat die Einnahme dennoch die Kosten nicht gedeckt!\nEs ist traurig, dies sagen zu müssen in einer Stadt, die\nsich auf ihre Bildung und ihren Sinn für die Künste etwas\nzu gut thut und alle Augenblicke darauf pocht, dass sie\nein Genie wie Gretry erzeugt hat.\nDiese geringe Theilnahme unseres Publicums an den\nConservatoire-Concerten, die vielleicht etwas ernst, aber\nim höchsten Grade interessant und fruchtbar sind, lässt\nsich doch nur daraus erklären, dass die musicalische Er-\nziehung bei uns noch sehr unvollständig und mangelhaft\nist, und dass mithin in der Kunst der Sinn für das Schöne\nund Grosse weniger verbreitet ist, als der Geschmack am\nHübschen und Niedlichen. Wir sind wahrlich nicht\nübertrieben ausschliesslich und puritanisch. Wir begreifen\nrecht gut, dass man sich durch Anhörung der anmuthi-\ngen Partitur einer komischen Oper, unsertwegen selbst\neiner Romanze, vergnügen und ergötzen kann: aber man\nhüte sich davor, den erhabenen Compositionen der gros-\nsen Meister ein schiefes Gesicht zu machen, denn nur aus\nihnen schöpft man das höhere Gefühl für Musik und lernt\nihre ganze Macht und ihren ganzen Zauber kennen; nur\ndurch wiederholte Anhörung ihrer Werke lernt man sie\nlieben und wird für den hohen Genuss reif, den die schöne\nund grossartige Musik dem gebildeten Geiste gewährt.\nWir fügen diesem Berichte noch einige Stellen aus\ndem Feuilleton des Echo de Liege hinzu:\n„Das musicalische Publicum von Lüttich fängt an,\nGeschmack an edler Musik zu finden, allein es wird noch\ngeraume Zeit erfordern, bevor ein grosser Theil desselben\nsich geneigt fühlt, die Meisterwerke der classischen Schule\nauf sich wirken zu lassen. Herr Soubre hat seine Ein-\nweihungs-Arbeit begonnen und nichts wird ihn darin auf-\nhalten; er wird ans Ziel gelangen, davon sind wir fest\nüberzeugt; aber vor Allem wäre ihm dazu ein grösserer\nSaal für seine Concerte zu wünschen. Der Saal in der\nEmulation ist viel zu klein: es müssen alle Classen der\nGesellschaft Theil an den reinen Genüssen wahrer Kunst\nnehmen können; durch Concerte für die bevorzugten\nStände kann man keine Propaganda für die Tonkunst\nmachen.\"\nLeber die Fragmente aus „Samson4* heisst es eben-\ndaselbst: „Diese Bruchstücke haben gezeigt, was die Mu-\nsik vor anderthalb hundert Jahren war. Wir glauben,\nseit jener Zeit ungeheure Fortschritte gemacht zu haben;\naber man braucht nur einige Tacte zu hören, um einzu-\nsehen, dass wir diese Grossartigkeit des Stils, diese gewal-\ntige Meisterschaft nicht mehr haben. Welche Hoheit,\nwelche Grösse, welche Fülle! Die Ausführung war gut,\naber sie hätte zahlreichere Kräfte verlangt.a Diese\nAeusserungen von dort her sind sehr beachtungswerth\nund für die Aufgabe, welche sich Herr Soubre gestellt\nhat, erfreulich. Auch die Beurtheilung der beiden Gesang-\nstücke von Hiller ist sehr ehrenvoll für unseren Lands-\nmann und bestätigt den grossen Erfolg derselben, wie\noben bereits berichtet."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-02-20-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-02-20_01#c005", "volume": "bmtnabi_1864-02-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "63", "page_fin": "64", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640220-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "63", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640220-01.1.7", "debut_caractere": 3555, "fin_caractere_exclue": 5608, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln, 19. Februar. Gestern eröffnete Frau Leopoldine\nTuczek, k. Preussische Kammersängerin, ein Gastspiel im Stadt-\ntheater mit der Susanne in „Figaro's Hochzeit\". Der gefeierte Name\nhatte ein zahlreiches Publicum angezogen, unter welchem denn\nauch, wie immer der Fall ist, wenn bereits seit Jahren berühmte\nKünstlerinnen auftreten, gar viele Zweifler und Vorurtheilsvolle sich\nbefanden. Alles aber wurde überrascht und zu dem lebhaftesten Bei-\nfalle hingerissen durch die vortreffliche Darstellung, welche den\nCharakter der Rolle mit den feinsten Schattirungen und einer Na-\ntüilichkeit und Sicherheit in allen Situationen so wiedergab, wie es\nnur einer bewährten Meisterin in diesem Fache möglich ist. Nimmt\nman nun den Gesang hinzu, der mit einer immer noch angenehmen,\nwohllautenden, ja, in der Höhe auf seltene Weise sympathischen\nStimme in allen Nummern, sowohl Solostücken als Ensembles, in\njedem Tacte das heutzutage immer seltener erscheinende Bild einer\nmusicalisch gründlich gebildeten und technisch vollkommenen Sän-\ngerin gibt, so wird man den lebhaften Applaus und Hervorruf, die\neinen blossen Succks d cstimc bei Weitem überstiegen, günz natür-\nlich finden zumal, da die ganze Auflührung durch sämmtliche\nMitwirkende eine dei besten Opern-\\ orstellungen der Saison war\nund mithin die reizende Musik das Publicum in der günstigsten\nStimmung erhielt.\nIn Duisburg wohnten wir am Sonntag den 14. d. Mts. der\nAufführung % eines lyrisch-dramatischen Gesangstückes: vDie Mar-\ntins wand\", für Soli, Chor und Orchester in zwei Abtheilungen,\nText und Musik von A. Zur Nieden, bei. Diese Compositioii\nträgt besonders in ihrem zweiten Theile so sehr den Stempel eines\nbedeutenden Talentes, dass wir von dem Grundsatze, musicalische\nWerke im Manuscripte vor ihrer Veröffentlichung nicht zu bespre-\nchen, Abstand nehmen und derselben nächstens einen besonderen\nArtikel widmen werden. Die Redaction.\nDer durch Jenny Lind auch in Deutschland berühmt gewor-\ndene Lieder-Componist Otto Lindblad ist, 44 Jahre alt, gestorben."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640220-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3490, "texte": "Am 10. Febrnar ist in Stuttgart der Hof-Schauspieler Mau-\nrer gestorben. Iffland war nicht nur sein Lehrer und Vorbild, son-\ndern auch sein Pflegevater und Erzieher gewesen. Vor einigen Jah-\nren war Maurer vom Könige, in Anerkennung seiner Verdienste um\ndas Schauspiel, die grosse goldene Medaille für Wissenschaft und\nKunst mit der Erlaubniss verliehen worden, dieselbe am Bande des\nKron-Ordens zu tragen.\nFriederike Go ss mann hat in Folge ihres in der\nSchlacht gefallenen Schwagers, des talentvollen Oberlieutenants\nProkesch, ihre Gastspiele aufgegeben und ist mit ihrem Manne\nnach Graz gereist, um die Mutter zu trösten, die den Tod eines\nihrer Lieblinge beweint.\nBasel« Herr Dionys Pruckner, dessen glänzende Virtuosität\nwir bereits diesen Winter in einem der hiesigen Abonnements-Con-\ncerte zu bewundern Gelegenheit hatten, hat sich (eben auf einer\nKunstreise nach Paris begriffen) in dein Benefiz-Concerte des hiesi-\ngen Violinspielers Abel nochmals hier hören lassen und erhielt,\nwie nicht anders zu erwarten war, grossen Beifall. Er spielte mit\ndem Concertgeber die grosse A-moll-Sonate von Beethoven und Pa-\nraphrase über Mendelssohn's Hochzeitsmarscb und Elfen-Reigen von\nLiszt. Im selben Concerte erfreute uns Frau Walter durch den\nvortrefflichen Vortrag von Beethoven's Liederkreis „An die ferne\nGeliebte\", „Im Freien\" von Schubert und „Sie ist mein\" von Walter.\nHerr Abel, als tüchtiger Orchester- und Solospieler hier sehr ge-\nschätzt, spielte noch ausserdem ein Quartett von Haydn und die\nOthello-Phantasie von Ernst.\nfileK*fil, Ende Januar. Das fünfte Abonnements-Concert\nunter der trefflichen Leitung des Herrn Prof. Franck fand vor\neinem sehr zahlreichen Auditorium Statt. Haydn's reizende Sinfonie\nin JEsj mit welcher das Concert begann, wurde vom Orchester mit\nPräcision und Ausdruck vorgetragen und brachte eine sehr wohl-\nthuende Wirkung hervor. Beethoven's gewaltige Ouvertüre zu Gö-\nthe's „Egmont\" schloss in würdigster Weise die Aufführung. Inner-\nhalb dieses Rahmens bewegte sich ein reiches musicalisches Leben.\nFräulein Eckersberg sang zwei Arien aus Mozart's „Don Juan\"\nund Kreutzens „Nachtlager\" mit befriedigendem Erfolg. Herr Leo-\npold Brassin aus Gotha, Bruder unseres Violinisten, hat den ihm\nvorausgegangenen Ruf hier in ehrenvollster Weise gerechtfertigt\nund gezeigt, dass er sein Instrument in hohem Grade beherrscht.\nEr spielte Mendelssohn's Clavier-Concert in G-moll, eine Ballade\nvon Chopin und einen Galop fantastique von seinem Bruder Louis,\nder in Brüssel lebt und unter den Clavierspielern der Gegenwart\neine der hervorragendsten Stellen einnimmt. Alle diese Nummern\nwurden mit grosser Virtuosität, glänzender Bravour, vielem Feuer\nvorgetragen und riefen im Publicum den lebhaftesten Beifall hervor,\nzumal als der geschätzte Künstler mit seinem hiesigen Bruder das\nDuo über Themata aus Rossini's Teil für Piano und Violine in glän-\nzendster Weise vortrug. Beide Brüder, Herr Leopold Brassin,\nHofpianist des Herzogs von Gotha, und Herr Gebhard Brassin,\nConcertmeister hier in Bern, machen gegenwärtig eine Kunstreise\ndurch die Schweiz.\nJftottercltlißi, 15. Februar. Die vierte Vorstellung der „Ka-\ntakomben\" von F. Hill er war ohne Zweifel eine der schönsten;\nalle Darstellenden waren gut disponirt und voll sichtbaren Eifers.\nHerrn und Frau Ellinger müssen wir vor Allen wiederholtes Lob\nzollen. ((Jaecilia.)\nGraf Rossi, ehemaliger Gesandter und Gatte der berühmten\nSängerin Sontag, ist dieser Tage in Brüssel im Alter von 67 Jah-\nren gestorben."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "57", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640220-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nAus Breslau („Herakles\" von Händel). Rheinnixen.\" Grosse romantische Oper in 3 Acten von Nuitter. Deutsch\nbearbeitet von Frhrn. von Wolzogen. Musik von J. OfFenbach. Von R. Aus Lütt ich (Conservatoire-Concert). Tages- und Un-\nterhaltungsblatt (Köln, Theater, Gastspiel der Frau Leopoldine Tuczek Duisburg, „Die Martinswand\" Otto Lindblad f Hof-\nschauspieler Maurer f Wien, Friederike Gossmann Basel, Dionys Pruckner Bern, Abonneraents-Concert Rotterdam u. s. w.).\n\nAus Breslau.\n(„Herakles\" von Händel.)\nDie Sing-Akademie hat am 19. Januar unter der\nLeitung ihres Dirigenten, Herrn Julius Schäffer, Hän-\ndel's weltliches Oratorium „Herakles\" aufgeführt. Diese\njedenfalls verdienstvolle und der Antecedentien der bres-\nlauer Sing-Akademie würdige Aufführung rief in den hie-\nsigen Blättern eine nicht eben unbefangene, mitunter herbe\nKritik sowohl über das Werk selbst, als über die Art und\nWeise hervor, welche, wenn auch in manchen Stücken\nberechtigt, im Ganzen doch mehr in den gespannten Ver-\nhältnissen der hiesigen musicalischen Parteien, als in der\nSache selbst ihre Veranlassung gefunden haben mochte.\nHerr Schäffer hat in einem besonders abgedruckten Blatte\nauf würdige und ruhige Weise darauf geantwortet.\nZunächst hielt sich jene Kritik an etwas Unwesent-\nlichem, weil rein Aeusserlichem. Schäffer hatte nämlich\ngeglaubt, die Aufführung am 19. Januar sei die erste die-\nses Werkes in Deutschland gewesen. Nun ist aber der\n„Herakles\" bereits am 29. October 1843 in Wien nach\neiner Bearbeitung von Mosel's zur Aufführung gelangt.\nAus dem Berichte in der Allgemeinen Musik-Zeitung (46.\nJahrgang, 1844, Nr. 2) ist keine klare Einsicht zu gewin-\nnen über die Art der Mosel'schen Bearbeitung. Nach der\nbarbarischen Zurechtschneidung des Samson, des Belsazer\nund der Deborah, welche dieser Autor sich hat zu Schul-\nden kommen lassen, ist nicht gerade die vortheilhafteste\nVorstellung davon zu gewinnen. Der Text mindestens\nmuss arg verstümmelt worden sein, denn der Referent der\nAllg. Musik-Zeitung findet die Handlung zu wenig drama-\ntisch, „da sie eigentlich nur das Ende des Helden, von\nder eifersüchtigen Dejanira herbeigeführt, behandele\",\nwogegen ein hiesiger Referent gerade die dramatisch fort-\nschreitende Handlung hervorhebt. Schon der Umstand,\ndass Mosel aus der Semele von Händel Entlehnungen\nmachte, rechtfertigt den Schluss, dass er mit dem Herakles\nnicht weniger willkürlich umgesprungen sein wird, als mit\nanderen Werken desselben Meisters. Eine endgültige Ent-\nscheidung darüber könnte nur die Mosel'sche Partitur ge-\nben. Leider ist sie nicht in Druck erschienen oder sonst\nweiter bekannt geworden. So viel geht aus allen Daten\nhervor, dass das Händel'sche Werk bedeutend alterirt\nworden ist. Um nur dies noch hervorzuheben, so spricht\nder wiener Bericht von einem Sologesangs -Qu a r tett,\nwährend hier fünf Solisten (eigentlich sechs, da Herr\nSabbath zwei Partieen übernommen hatte) thätig waren;\nMosel scheint also wenigstens die ganze Alt-Partie des\nLichas gestrichen zu haben. Uebrigens erkennt der wie-\nner Bericht an, dass die damaligen Veranstalter mit die-\nsem Gedanken „eine schöne Kunst-Intention bewiesen\"\nhaben. Der breslauer Sing-Akademie bleibt indess immer\nnoch das Verdienst, das Werk nach der neuen deutschen\nAusgabe der Händel-Gesellschaft zum ersten Male in\nDeutschland, wenn auch mit erheblichen Kürzungen, doch\nim Uebrigen unverfälscht aufgeführt zu haben.\nWenn gesagt worden ist, dass der Herakles, „als Gan-\nzes\" vorgeführt, für uns kaum erträglich sein dürfte, so\nbemerkt Schäffer dagegen, dass der ganze Herakles gar\nnicht gegeben worden ist. Von den 71 Nummern des\nWerkes sind 30 gestrichen worden, also nahezu die Hälfte.\nUnversehrt blieb nur die Partie des Herakles selber, weil\nsie an sich nicht sehr umfangreich ist. Die Ansicht, dass\nsie weder musicalisch bedeutsam, noch dankbar zu nennen,\nbezeichnet er unter Hinweis auf den dritten Act pls eine\nunbegründete. Am meisten büssten die beiden Neben-Per-\nsonen Hyllos und Lichas ein. Die von Händel reich be-\ndachte Partie des letzteren behielt nur zwei Arien, kost-\nbare Perlen des Werkes, die des ersteren gar keine. Ueber-\nhaupt konnten die Arien, weil sich ihr Inhalt überwiegend\nin Reflexionen ergeht, leichter entbehrt werden, als die\nRecitative, die zum Verständnisse der Handlung meist"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "58", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640220-01.1.2", "texte": "nothwendig waren. Doch wurde auch hier so viel wie\nmöglich gelichtet. Im zweiten Acte wurden die zweite und\ndritte Scene des Originals in eine einzige zusammengezo-\ngen, die achte Scene zwischen Dejanira und lole, Dialog\nund ein langes Duett enthaltend, ganz gestrichen. Auch\nder dritte Act erfuhr eine wesentliche Kürzung durch den\nWegfall eines Duetts kurz vor dem Schlüsse zwischen\nHyll os und lole. Endlich wurde auch bei den Arien\nmit der alleinigen Ausnahme der von dem Herrn Refe-\nrenten als „prahlerisch\" bezeichneten des Herakles—an-\nstatt der üblichen Reprise des vollständigen ersten Theiles\nstets nur ein kurzer Abschnitt desselben dem zweiten wie-\nder angefügt; es erschien als eine arge Verstümmelung\nder, wenn auch heute nicht mehr gebräuchlichen, doch\ninnerlich gesetzmässigen Form, etwa mit dem zweiten Ab-\nschnitte, also in einer Seiten-Tonart zu schliessen. Freilich\nist durch den Wegfall vieler Arien ein wesentlich vom\nOriginal abweichendes Verhältniss zwischen der Anzahl\nder Recitative und der der übrigen Nummern entstanden;\nentschieden übertrieben ist aber die Angabe, dass die Re-\ncitative fast die Hälfte des Werkes einnehmen; der Zeit-\ndauer nach dürften sie vielmehr nur ein Fünftel, höch-\nstens ein Viertel desselben beanspruchen. Dass „in den\nRecitativen der verschiedenen auftretenden Personen kein\ncharakteristischer Unterschied bemerklich sei, und man\nihnen einen beliebigen, etwa biblischen Text unterlegen\nkönnte, der dann eben so passen würde,\" ist eine ganz\nwillkürliche Behauptung. Da übrigens Händel ein engli-\nsches Textbuch componirte, so darf er (eben so wie Gluck)\nnicht für die deutsche Uebersetzung verantwortlich ge-\nmacht werden; denn so vortrefflich auch Gervinus im\nGanzen seine Aufgabe gelöst hat, so hat er doch gerade\nbei den Recitativen die ihm entgegenstehende grosse\nSchwierigkeit, den Text der Musik genau anzupassen,\nnicht überall glücklich überwunden. Wer sich die Mühe\nnicht verdriessen lässt, das Original etwas genauer zu stu-\ndiren, dem wird es nicht entgehen, dass die charakteristi-\nschen Unterschiede allerdings vorhanden sind. Um auf\nden Vorwurf der allzu grossen Länge des Herakles zurück-\nzukommen, so ist dieses Werk in der vorgeführten Form\nnicht ausgedehnter, als die meisten seiner Gattung, als\nz. B. Jahreszeiten, Elias, Paulus u. a. m. Dagegen besitzt\nder Herakles gegen manche neuere Oratorien, z. B. Men-\ndelssohn's, den Vorzug, dass der Stoff sich nicht gegen das\nEnde im Sande verläuft, sondern im Gegentheil an dra-\nmatischer Lebendigkeit gewinnt. Der dritte Act des He-\nrakles ist der bei Weitem hervorragendste, und der eine\nChor desselben, die Scene des Herakles: „0 Qual\", so\nwie die gleich darauf folgende der Dejanira: „Seht die\ngrausen Schwestern nalvn\", zählen zu den erhabensten\nMeisterwerken dramatischer Kunst, wie sie denn jeden-\nfalls (die kleinen Zwischensätze seien nur erwähnt) nicht\nnach der allgemeinen „Form-Schablone\" gearbeitet sind.\nDer wiener Musikbericht in der Allgem. Zeitung, obwohl\nauch er über Steifheit, Kälte und Monotonie klagt, ver-\nkennt doch diese Vorzüge durchaus nicht, sondern fügt\nhinzu: „doch hat Herakles wieder viele Partieen, nament-\nlich in der dritten Abtbeilung, von solch deutscher Ur-\nkraft, Wahrheit und ergreifendem Ausdruck aufzuweisen,\ndass meines Erachtens dieses Händel's jedenfalls wür-\ndige Tonwerk bei gehörigen Kürzungen den Freunden\ndieser classischen Musikgattung immerhin höchst will-\nkommen sein musste.\" Es ist daher sehr zu beklagen,\ndass der Referent der Schlesischen Zeitung es nicht für\nseine Pflicht hielt, auch noch dem dritten Acte des Ton-\nwerkes ein geneigtes Gehör zu schenken. [Und trotzdem\nein Urlheil über den Werth und die Aufführung des Wer-\nkes? Das ist freilich stark!]\nUeber die Kritik der Art und Weise der Aufführung\nrechtfertigt sich Herr SchäfFer, wie folgt:\n„Ich komme nun zu dem Hauptvorwurf, welcher mir\ngemacht worden und sich dagegen richtet, dass ich den\nHerakles, was die Instrumentirung anlangt, genau nach\nder Original-Partitur aufgeführt habe. Die Kritik schreit\nim Allgemeinen Zeter über die Ungeniessbarkeit dieser\nForm, ja, ein geehrter Herr Referent bietet gar ein Kö-\nnigreich für eine Clarinette! Schon früher war man dar-\nüber einig, dass der Kenner, der Musiker von Fach, es\nvorziehen würde, ein Händel'sches Werk in der Gestalt zu\nvernehmen, in welcher es vom Componisten gedacht und\nniedergeschrieben war. Nur für den Laien, für das ge-\nmischte Publicum hielt man es für zuträglich, „ „hier und\nda ein Instrument\"\" zuzusetzen. Auch wollte man durch\nein reicheres Orchester dasjenige ergänzen, was nach Hän-\nders Intention der Orgel oder dem Cembalo anheimfiel,\nund dessen geistvolle Ausführung durch Händel selbst von\nden Ohrenzeugen seiner Concerte bis in den Himmel er-\nhoben wurde. Aus diesen Erwägungen entstanden zahl-\nreiche Bearbeitungen Händel'scher Werke, unter welchen\ndie Mozart'schen einen unbestrittenen Ruhm sich erwor-\nben haben. Nun ist aber der Organismus des Händel'schen\nOrchesters (Orgel und Cembalo mit eingeschlossen) ein\nnach so bestimmten Gesetzen in sich fest gegliederter, dass\nfür jede Bearbeitung die Gefahr erwächst, es möchte in\nden durchweg individuellen Charakter der Händel'schen\nWerke ein fremdartiges und darum störendes Element\nhineingetragen, der erhabenen Einfachheit seiner orche-\nstralen Mittel ein moderner Aufputz gegeben werden.\n(Vergl. Otto Jahn über Mozart's Bearbeitungen.) In der\nThat haben die verschiedenen Bearbeiter Händel's die"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "59", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640220-01.1.3", "texte": "Gränze, weiche Pietät, Discretion und „„weise Vorsicht\"\"\nvorschreiben, sehr verschieden gezogen, und es ist ohne\ndie grössten Abgeschmacktheiten und ärgsten Verstösse\nnicht abgegangen. Daher ist man denn auch in neuerer\nZeit, besonders seit dem Erscheinen der in England und\nDeutschland veranstalteten Hände!-Ausgaben, mehr und\nmehr von jenen Bearbeitungen zurückgekommen. Schon\nMendelssohn, dem man gewiss in Sachen der Instrumen-\ntation ein competentes Urtheil sicherlich zugestehen wird,\ngab den Anstoss, indem er die ihm von der englischen\nHändel-Gesellschaft übertragene Herausgabe des Israel\nin Aegypten getreu nach dem Original besorgte und sei-\nnen Antheil darauf beschränkte, den Orgelpart so auszu-\nführen, wie er ihn etwa selbst, wenn er auf der Orgelbank\nsässe, bei der Aufführung nach den ihm bekannt gewor-\ndenen Traditionen gespielt hätte. Auch auf dem letzten\nrheinischen Musikleste in Köln hat man Händel's Salo-\nmon ebenfalls getreu nach der Original-Partitur aufge-\nführt, und alle mir zu Gesicht gekommenen Berichte spre-\nchen sich nur enthusiastisch darüber aus. Ja, die Rücksicht\nauf Originaltreue Aufführung Händel'scher und Bach'scher\nTonwerke hat gewiss nicht zum kleinsten Theile mitge-\nwirkt, wenn jetzt an vielen Orten die Nothwendigkeit an-\nerkannt wird, die Concertsäle mit Orgeln auszustatten.\n„ „Nun gut! so gebe man uns den Herakles mit Or-\ngel;\"\"— so höre ich sagen— „„wozu aber das dürftige\nCiavier?\"\" Auch hierauf will ich die Antwort nicht schul-\ndig bleiben. Als ich den Gedanken zur Aufführung des\nHerakles fasste, war es meine erste Sorge, zu erfahren,\nob die Werke weltlichen Inhalts zu Händel's Zeiten eben\nso wie seine geistlichen Oratorien mit der Orgel begleitet\nworden sind oder nicht. Die eifrigsten Forschungen, die\nich anstellte, haben keinen Fall ergeben, in welchem die\nFrage mit Ja beantwortet werden konnte. Chrvsander be-\nrichtet in seiner Biographie Händel's von Aufführungen\nsolcher Werke (das bis jetzt Erschienene reicht noch nicht\nbis zum Herakles) wohl, dass Händel zwischen den Abthei-\nlungen selbständige Orgel-Goncerte gespielt habe, gibt aber\nkeine Andeutung, ob die Orgel auch bei dem Musik-Drama\nselber mitgewirkt. Es konnte dessbalb nur nach der Origi-\nnal-Partitur des Herakles verfahren werden. Diese schweigt\nvon einer Anwendung der Orgel gänzlich. Dagegen findet\nsich zu der Bassstimme der (nicht mit zur Aufführung ge-\nlangten) Arie der lole am Beginn der zweiten Abtheilung\ndie Anmerkung: Violoncelli sContrabaad\nMan sieht, wie hier des Claviers ausdrücklich\nErwähnung geschieht, nicht aber der Orgel, welche dem\nCharakter des Stückes gemäss an dieser Stelle ebenfalls\nhätte schweigen müssen. Es scheint also hieraus zu folgen,\ndass Händel überhaupt für den Herakles an die Mitwir-\nkung der Orgel nicht gedacht hat. Da, wo er sie wirklich\nanwendet, in seinen geistlichen Oratorien, ist sie auch\ntheils bei der Bassstimme mit verzeichnet, theils selbstän-\ndig (wie im Saul) ausgeschrieben worden. Es darf daher\nmit ziemlicher Gewissheit behauptet werden, dass Händel\nwohl zu seinen geistlichen Oratorien sich der Orgel be-\ndiente, aber es nicht für erlaubt hielt, dieses rein kirch-\nliche Instrument für seine weltlichen Musik-Dramen, auch\nwenn er dieselben oratorienmässig ausführen liess, zu ver-\nwenden. Schwieg aber die Orgel, so fiel die Ausfüllung\ndes in der Partitur leer Gelassenen dem Cembalisten an-\nheim, der die Kunst verstehen musste, das Erforderliche\nnach dem Basso continuo zu spielen *).\n„Indem ich mich also für das Ciavier entschied, war\nich nicht darauf gefasst, dass ich Widerspruch finden\nwürde. Ich glaubte einem gebildeten Publicum gegenüber\nzu stehen, welches durch zahlreiche Auflührungen Bach'-\nscher und Händel'scher Werke bei welchen, wie ich von\nunterrichteter Seite erfahre, auch stets die Ausfüllung des\nim Basso continuo Angedeuteten durch Ciavier an der Ta-\ngesordnung war —in den Geist dieser Meister bereits hin-\nlänglich eingeweiht und mit den Eigenthümlichkeiten ihrer\nInstrumentation vertraut wäre; ich musste wenigstens von\nder Elite der hiesigen Tonkünstlerschaft und von den Ver-\ntretern der musicalischen Kritik, die ich zu diesem Con-\ncerte einzuladen mir erlaubt hatte, mit Bestimmtheit vor-\naussetzen, dass sie vor Allen fähig wären, jene einfache\nErhabenheit des Meisters, vor welcher sich ein Mozart und\nein Beethoven nicht scheuten demuthsvoll ihr Knie zu beu-\ngen, rein zu gemessen. Nun aber ist der merkwürdige Fall\neingetreten, dass das unbefangene Publicum nach zahl-\nreichen mir zu Ohren gekommenen Urtheilen zu schliessen\ndasselbe Werk andächtig und mit wahrer Erbauung\naufgenommen hat, welches die sachverständige Kritik\nhinterher als in der vorgeführten Form monoton, abson-\nderlich und ungeniessbar bezeichnet. Worin die Erklärung\nhiervon zu suchen sei, ob in der allgemeineren Verbrei-\ntung historischen Interesses unter den Gebildeten aller\nClassen einerseits, ob in der unendlichen, den unbefange-\nnen Blick trübenden Parteienspaltung unter den Künstlern\nandererseits, mag für jetzt dahingestellt bleiben.\"\n*) Wir sind in diesem Punkte nicht der Ansicht SchäfFer's.\nWenn er nirgendwo die Frage, ob Händel die Orgel auch bei den\nweltlichen Oratorien angewandt habe, mit Ja beantwortet gefunden\nhat, so wird er sie eben auch nirgendwo mit Nein beantwortet ge-\nfunden haben. Das Letztere aber wäre als Ausnahme von der Re-\ngel weit notwendiger zu bezeichnen gewesen, als das Erstere, das\nsich damals von selbst verstand.\nDie Redaction.\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "60", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640220-01.1.4", "texte": "„Die Rheinnixen.“\n\nGrosse romantische Oper in 3 Acten von Nuitter. Deutsch bearbeitet\nvon Frhrn. von Wolzogen. Musik von J. Offenbach.\nWien, 6. Februar 1864.\nEs sind schon Monate her, dass man anfing, in allen\nmusicalischen Kreisen über das Wagniss zu sprechen, dass\nOffenbach, der beliebte Componist reizender Operetten,\neinen bedeutenden Schritt weiter gehen und sich auf das\nFeld der Romantik begeben wolle. Man trug sich mit den\nverschiedenartigsten Erwartungen, und bis zu den letzten\nTagen meinten gar Manche, die Oper müsse etwas überaus\nLustiges werden. Unsere Musiker und Musikfreunde, und\nnamentlich die Tonangeber in unserem Operntheater, die\nwir streng in vier Classen eintheilen müssen, waren der\nentgegengesetztesten Ansichten, die Mehrzahl aber prophe-\nzeite nichts Gutes. In wie fern sich Viele getäuscht haben,\nist jetzt schon entschieden und wird, je mehr die Oper be-\nkannt wird, noch deutlicher zu Tage treten.\nSowohl die Partei der Anhänger der alten Musik, als\njene der Wagner'schen und jene der ilaliänischen, nament-\nlich Verdi'schen, haben sich theilweise in ihren Voraus-\nsetzungen getäuscht, und Offenbach hat mit dieser Oper den\nBeweis geliefert, dass er begabt ist, auch für einen grösse-\nren Rahmen zu arbeiten. Die vierte Partei, welche die\ngrösste ist, täuscht sich nie, denn sie weissagt nicht voraus,\nsondern erwartet mit Neugierde und Theilnahme, was ge-\nbracht wird. Diese macht den Erfolg im Theater, und mein\nBericht ist im historischen Rechte, wenn er bestätigt, dass\ndas volle Haus durch den reichlich gespendeten Beifall der\nOper den Pass zur Reise nach allen Bühnen ausgestellt\nhat. Ein gültiges Visa darunter zu setzen, bleibt diesen\nnatürlich überlassen.\nWenn wir von vorn herein sagen, dass das Textbuch\nbei schönen Einzelheiten, im Ganzen, namentlich gegen den\nSchluss, nicht befriedigt, so bietet es doch dem Compo-\nnisten reichlichen Stoff zu musicalischer Bearbeitung dar,\nso dass er über die Mängel, die leider fast allen Textbü-\nchern anhangen, hinwegsehen durfte.\nDie handelnden Personen sind: Conrad von Wenck-\nheim, Anführer der Landsknechte, im Dienste des Kur-\nfürsten von der Pfalz (Bariton); Franz Baidung, eben so\n(Tenor); Gottfried, ein Jäger (Bass); Hedwig, Pachterin\neines Sickingen'schen Gehöftes am Rheine (Sopran); Arm-\ngard, deren Tochter (Sopran). Landsknechte, Bauern, Win-\nzer, Elfen, Nixen u. s. w. Ort der Handlung: Im Rhein-\nund Nahethale. Zeit: 15*22.\nNach einer Ouvertüre, welche in die Introduclion der\nOper übergeht, stellt beim Aufgehen des Vorhanges das\nTheater eine offene Scheune mit der Aussicht auf die\nFelder und den Rhein mit seinen Bergen dar. Der Chor\nder Bauern kommt von der Feldarbeit fröhlich singend\nnach Hause; in ihren Gesang verflicht sich, auf Gott-\nfried's Mahnung, ein Dankgebet für den reichen Aernte-\nsegen. Hedwig tritt auf und spricht gegen Gottfried ihre\nFurcht vor dem drohenden Heranziehen der Landsknechte\naus. Er beruhigt sie und wirbt um die Hand ihrer Tochter.\nEin zweiter Zug von Schnittern erscheint; sie kommen sin-\ngend vom Felde und tragen hoch auf Getreidegarben die\nmit Blumen bekränzte Armgard herein. Die Mädchen\nschmücken die Scheune mit Feldblumen und Kränzen.\nDer Marschchor ist frisch und melodiös und, wie die mei-\nsten Chöre der Oper, selbständig und nicht bloss als\nLückenbüsser behandelt.\nArmgard, welche von den Schnitterinnen zum Singen\naufgefordert wird, wird von Hedwig gewarnt und an die\nVolkssage erinnert, nach welcher Jungfrauen, die zu viel\nsingen, plötzlich sterben und dem Reiche der Nixen ver-\nfallen. Armgard aber, in heiterer Stimmung, verlacht die\nWarnung der Mutter und besingt in einer Ballade\nund dur) mit einem Chor-Refrain die Sage selbst. Auf\ndiese, zum wenigsten gesagt, sonderbare Sage, dass, wer\nzu viel singt, dem Tode und der Geisterwelt verfehmt sei,\nist nun die ganze Romantik der Oper gebaut!\nIn dem folgenden Terzett in gesteht Armgard,\ndass sie Franz Baidung liebe, dem sie, obwohl er ver-\nschwunden, ihr Herz bewahre. Der mehr als edelmüthige\nGottfried verspricht, seinen beglückten Nebenbuhler auf-\nzusuchen und ihn ihr wieder zuzuführen!\nConrad von Wenckheim erscheint an der Spitze\nder Landsknechte. Tumultuarische Intrade mit Soldaten-\nchor; auch ein effectvolles Trinklied mit Chor (in\nwelches Conrad singt, fehlt nicht. Franz Baidung, der, an\ndiesem Orte geboren, die Gegend genau kennen muss,\nhat durch eine Wunde am Kopfe fast alles Erinnerungs-\nVermögen verloren! Diesen Franz hat der Dichter zu einem\nZwittergeschöpf von einem träumerisch Wahnsinnigen und\neinem heldischen Raufbold gemacht was ihm die Musen\nverzeihen mögen! Er tritt ganz verstört auf, zeigt uns in\neiner musicalisch gut durchgeführten Scene und Arie (in\nB-dur) seinen Irrsinn und sinkt erschöpft zusammen. In-\nzwischen spricht Conrad seinen Plan aus, Sickingen's\nSchloss, die Ebernburg, zu überfallen, sobald die Nacht\nhereingebrochen. Im Finale befiehlt Conrad der Armgard,\nzu singen. Sie erkennt in Franz ihren Geliebten, er aber\nstarrt sie träumend an. Armgard stimmt ein Lied an, wel-\nches Franz in seiner Jugend gern gesungen, ein Vater-\nlandslied (F-dur) mit Chor, welches melodisch effectvoll\nist. Aber Franz bleibt kalt und stimmt sogar in das allge-\nmeine Dringen in Armgard um ein heiteres Lied ein. Die"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "61", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640220-01.1.5", "texte": "Arme versucht es, ihr Gesang aber artet in fieberhafte\nAufregung aus, bis sie zusammenbricht. Wie im Traume\nfortsingend, verfällt sie wieder in die Melodie des Vater-\nlandsliedes und von diesem in die Melodie der Ballade.\nBei dem Schmerzensrufe der Mutter: „O Armgard!\" er-\nkennt Franz sie und stürzt auf sie zu. Der Vorhang fällt.\nDer zweite Act führt uns nach einer kurzen Zwischen-\nmusik (mit einem schönen Violin-Solo) in das Innere der\nWohnung Hedwig's. Im Wahne, dass ihre todte Tochter\nbereits zu den Nixen gehöre, eilt sie zum Elfensteine im\nWalde, um dort noch einmal die Stimme ihres Kindes zu\nvernehmen. Franz, diesmal ganz vernünftig, spricht in\neiner Romanze, die durch ein schönes Waldhorn-Solo ein-\ngeleitet wird, seine Sehnsucht nach Armgard aus, bis Con-\nrad ihn zum Aufbruche mahnt.\nDie Verwandlung versetzt uns an den Elfenstein. Tan-\nnenwald am Abhänge eines Berges mit vorspringenden\nFelsblöcken; im Hintergrunde ein breiter Wasserfall, der\nsich in zwei Cascaden niederstürzt. Mondbeleuchtung. Gros-\nses Tableau von Elfen und Nixen. Chor und Ballet, beides\nmit reizender Musik, welche zu wiederholten Malen sich\nin eine der schönsten Walzer-Melodieen auflöst.\nNach diesem treten Hedwig von der einen, Armgard von\nder anderen Seite auf, denn diese war nur scheintodt und\nhat sich entschlossen, die Bolle einer Bheinnixe zu spie-\nlen, um Franz aus seiner schlechten Gesellschaft zu retten.\nDie Mutter hält die Tochter für eine Nixe, während diese\nihrer Bolle treu bleibt grosses Duett und am Ende\nwieder verschwindet. Hedwig will ihr nach, sinkt aber er-\nschöpft zusammen.\nConrad, Franz und Landsknechte erscheinen mit einem\nkriegerischen Marsche und Chor. Gottfried hat sie hieher\ngeführt, um sie in den Bann der Zauberei zu bringen.\nVom Schlosse tönt ein Glöckchen herüber. Franz, in Träu-\nmerei versunken, erinnert sich in einer Arie an alte Zeiten.\nConrad aber, in übermüthiger Laune, erzählt seinen Krie-\ngern in einem zweistrophigen Liede, wie er einst ein Mäd-\nchen durch ei-nen als Priester verkleideten Cameraden zur\nTrauung verleitet. Eine gar zu grelle Ironie ist es, dass\nzu diesem Liede die Glocke immer fort ertönt! Hedwig,\naufhorchend, erkennt dadurch in Conrad ihren Gatten und\nArmgard's Vater und schwört Rache.\nFinale. Die Landsknechte ziehen ab. Elfenchor in der\nFerne. Franz und Conrad bleiben aufhorchend; der Zau-\nber wirkt, der Elfenchor umringt Beide, während Arm-\ngard (die wahrscheinlich von den Nixen als ebenbürtig\nanerkannt worden) Franz durch die Melodie des Vater-\nlandsliedes, mit welcher sie verschiedene Male den Elfen-\ngesang unterbricht, von der Scene hinweglockt. Conrad\nsinkt betäubt auf eine Moosbank nieder.\nZum dritten Acte führt wieder eine kurze kriegeri-\nsehe Musik. Als der Vorhang sich hebt, sehen wir in\nMondbeleuchtung die Ruinen des kreuznacher Schlosses\ndurch eine Bogenwölbung, unter der Kriegsgeräth und\nPulverfässer aufgestellt sind. Aus dieser führt eine hölzerne\nBrücke über einen tiefen Abgrund zu einem Bergvorsprunge\nmit verfallenem Gemäuer. Fernsicht in das Nahethal. Die\nLandsknechte beschäftigen sich mit Zurüstungen zum\nSturme der Burg. Franz, der ganz vernünftig geworden,\nund Conrad erzählen ihr nächtliches Abenteuer. Da schlep-\npen Soldaten die Hedwig herbei, welche, mit einem Dolche\nbewaffnet, um die Wälle schleichend, gefangen wurde.\nNun folgt in einem grossen Duette die Enthüllung zwischen\nHedwig und Conrad. Dieses Duett ist eine Glanznummer\nder Oper und voll Effect, erfordert aber von den Darstel-\nlern zugleich schönes Spiel. Als Hedwig die Verzweiflung\nConrad's steigert durch die Mittheilung, dass Armgard sein\nKind sei, dass er es durch Uebermuth in den Tod gejagt,\nhat Franz mittlerweile Armgard gefunden und führt sie\ndiesmal, wie sie leibt und lebt—in die Arme der Mutter.\nConrad fühlt ein menschlich Begen, wird sogar fromm\nund will nach allgemeiner Versöhnung mit Franz und Frau\nund Kind entfliehen. Aber die Landsknechte widersetzen\nsich und verlangen den Tod der Frauen. Conrad droht,\neine brennende Fackel auf die Pulverfässer zu werfen und\nAlles dem Verderben zu weihen. Die Soldaten weichen\nüber die Brücke zurück, diese stürzt ein, sie beginnen aber\neinen neuen Angriff, aus der Schlucht emporklimmend.\nDie Bedrohten knieen im Vordergrunde nieder zum Gebete,\nin das sie die Melodie des Vaterlandsliedes mischen, und\nwollen sich dann in die Luft sprengen, als glücklicher\nWeise der Elfenchor ertönt! Die gutmüthigen Geisterstei-\ngen auf Wolken nieder, die bösen Landsknechte stürzen\nbetäubt in den Abgrund und die Betenden sind gerettet.\nZum Schlüsse singen sie wieder das Vaterlandslied!\nAus dem Mitgetheilten wird man ohne unser Erinnern\ndie Fülle von Unwahrscheinlickeiten und Unmöglichkeiten,\ndie im Textbuche herumschwimmen, ersehen, abgesehen\nvon dem fast gänzlichen Mangel an Poesie, da die Einwir-\nkung der Geisterwelt durch die Nixenrolle, welche Arm-\ngard spielt, ins Komische verkehrt wird. Trotz alledem\naber hat es der Componist verstanden, das Interesse zu\nfesseln, und ist namentlich der zweite Act durchgehends\nschön gehalten und die Musik fast immer reich an Melodie.\nUeber die hiesige Aufführung wäre viel zu sagen, wenn\nman einen Vergleich zwischen dem, was in der Partitur\nsteht, und dem, was gesungen wurde, anstellen wollte. In\nerster Linie verdient Herr Beck als Conrad genannt zu\nwerden. Er war vollkommen Herr seiner Partie, sicher in\nGesang und Spiel; er sang das Trinklied Nr. 7, das"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640220-01.1.6", "texte": "Glockenlied Nr. 18 mit Leben und Humor; in seinen Re-\ncitativen und im Duett Nr. 22 mit Hedwig riss er das Pu-\nblicum zu stürmischem Beifalle hin. Neben ihm verdient\nFräulein Wildauer als Armgard genannt zu werden,\nwelche ihre Partie schön sang und wundervoll spielte; nur\nim Vaterlandsliede entbehrt ihre Stimme der nöthigen Fri-\nsche und Kraft. Fräulein Destinn als Hedwig war genü-\ngend, mit Ausnahme einiger für sie zu tief liegenden Stel-\nlen. Herr Mayerhofer, der den Gottfried gab, sang und\nspielte mit Lust, trotzdem bei den vielen Kürzungen gerade\nseine Partie um die wirksamsten Momente gebracht wor-\nden war, was um so mehr zu bedauern, als er einer der\nfleissigsten und ein mit schönen Mitteln begabter Sänger\nist. Am wenigsten genügte Herr Ander als Franz; er\nschien unsicher in seiner Partie und seine Mittel reichen\nnicht mehr aus. Freilich ist die Partie des Franz zwar mu-\nsicalisch sehr schön, aber als dramatische Person kaum zu\nhalten. Die Ausstattung der Oper war eine prachtvolle;\ndie Chöre bedeutend verstärkt und das Orchester ausge-\nzeichnet. Es waren durchgehends neue Costums und neue\nDecorationen angeschafft; von diesen letzteren ist nament-\nlich der Elfenhain mit dem Wasserfalle, der die halbe Breite\nder Bühne einnimmt, eine grossartige Schöpfung. Ballet\nund Gruppirungen boten viel des Ueberraschenden. Die\nDarsteller und Herr Offenbach wurden nach jedem Act-\nschlusse mehrmals hervorgerufen, und letzterer musste am\nAbende der zweiten Aufführung dem stürmischen Rufen\nnachgeben und sich sechs Mal auf der Bühne zeigen. Der\nersten Vorstellung wohnten der Kaiser und alle hier an-\nwesenden Erzherzoginnen und Erzherzoge bei. Die hie-\nsige Kritik sprach sich mit wenigen Ausnahmen im Gan-\nzen günstig aus.\nNachschrift. So eben komme ich (d. 8. d. M.) aus\nder dritten Vorstellung, zu welcher früh um 8 Uhr schon\nkein Sitzplatz mehr zu haben war.\n\nR.\n\nAus Lüttich.\nDen 9. Februar 1864.\nEin elegantes und gewähltes Publicum füllte am\nSamstag den 6. d. Mts. den Saal der Gesellschaft Emu-\nlation, wo das königliche Conservatorium der Musik ein\nConcert gab. Dieses Publicum war jedoch nicht so zahl-\nreich, wie es die Bedeutung der Werke, welche das Pro-\ngramm des Abends ankündigte, erwarten liess.\nEine prächtige Sinfonie von J. Haydn eröffnete das\nConcert; sie wurde durch einen Orchester-Verein tüchti-\nger Künstler unter der geschickten Leitung des Herrn\nEtienne Soubre, des trefflichen Directors des Conserva-\ntoriums, sehr gut ausgeführt.\nEs folgten Bruchstücke aus dem Oratorium Samson\nvon Händel, in denen Chor und Orchester sich zu einer\nschönen Gesammtwirkung vereinigten. Zur Aufführung\nkamen die letzten Scenen des grossartigen biblischen Dra-\nma's, der Chor der Philister beim Einstürze des Tempels,\ndie Klagegesänge der Israeliten, der Trauermarsch und der\nSchlusschor. Das Ganze beschloss den ersten Theil des Con-\ncertes und wurde mit lebhaftem Applaus aufgenommen.\nDas Allegretto scherzando und das Finale der Sinfonie\nNr. VIII von Beethoven eröffneten den zweiten Theil, und\nderen feine und feurige Wiedergabe verschafften dem Or-\nchester neue Anerkennung. Dasselbe war durch die Aus-\nführung der Euryanthe-Ouverture von Weber, in welcher\nbesonders das geisterhafte Andante der Violinen recht gut\ngelang, der Fall. Wir brauchten eigentlich nur alle Num-\nmern des Programms zu nennen, denn der originelle Der-\nwisch-Chor aus Beethoven's Musik zu den Ruinen von\nAthen ging ebenfalls sehr gut, wenn wir nicht noch von\neinem anderen Triumphe sprechen müssten, nämlich von\nder enthusiastischen Aufnahme, welche der berühmte\ndeutsche Meister, Herr Ferdinand Hiller aus Köln,\nhier nach der Aufführung zweier von seinen Compositio-\nnen für Frauenchor und Orchester: „Hymne aus dem\nMittelalter\" und „Palmsonntag-Morgen\", fand.\nDiese beiden Chöre, welche sich einander nur an\nSchönheit ähnlich sind, wurden im Verhältnisse zu der\nZahl und Qualität der Stimmen, deren Mitwirkung die Di-\nrection des Conservatoriums erlangt hatte, sehr befriedi-\ngend ausgeführt. Die Ausführung, mit welcher der an-\nwesende Componist recht zufrieden schien, begeisterte das\nPublicum so, dass es seine Bewunderung durch öfter wie-\nderholten Hervorruf des Meisters bezeigte, der von dieser\nunerwarteten Ovation sehr ergriffen schien. Namentlich\nnachdem frischen und lieblichen Stück „Der Palmsonntag-\nMorgen\" brach der Beifall in so rauschender und stürmi-\nscher Weise aus, wie noch vorher bei keinem Musik-\nstücke des Abends, trotz deren vorzüglichem Werthe.\nMan muss sagen, dass keines das Publicum so allgemein\nund so tief aufregte. Es musste wiederholt werden.\nEin Flöten-Solo des Herrn Tricot, Professors am Con-\nservatorium, erhielt den Beifall, den die Zuhörer diesem\nKünstler jedes Mal zollen, wenn er auftritt.\nHerr Soubre leitete das Concert mit seinem bekann-\nten Talente; ihm gebührt die Ehre des Abends, da wir\nes ihm zu danken haben, dass wir so festlicher Musik-\nAufführungen uns jetzt erfreuen, welche das Verdienst\nder Ausführung mit der Höhe des Werthes der aufzu-\nführenden Werke in das richtige Verhältniss stellen.\nWas nun aber die Theilnahme des hiesigen Publi-\ncums im Allgemeinen, die Empfänglichkeit der grossen"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "63", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640220-01.1.7", "texte": "Menge unserer Dilettanten für diese grossarligen Concerte,\ndie für jeden wahren Kunstfreund ersehnte Feste sind,\nbetrifft, so müssen wir bedauern, dass sie sich nicht in\ndem IVlaasse und in dem Umfange offenbaren, wie die Er-\nmuthigung so edler Bestrebungen und die künstlerische\nLösung so schwieriger Aufgaben es wünschenswerth ma-\nchen. Wir dürfen nicht unterlassen, dringend die Betäti-\ngung lebhafterer Sympathieen unserer Einwohnerschaft\ndafür anzuregen. Wir haben es erst bis zu zwei Conser-\nvatoire-Concerten in der ganzen Saison gebracht, und\ntrotzdem, dass das erste am Samstag ein prächtiges Pro-\ngramm hatte und dessen Ausführung eine sehr glänzende\nwar, hat die Einnahme dennoch die Kosten nicht gedeckt!\nEs ist traurig, dies sagen zu müssen in einer Stadt, die\nsich auf ihre Bildung und ihren Sinn für die Künste etwas\nzu gut thut und alle Augenblicke darauf pocht, dass sie\nein Genie wie Gretry erzeugt hat.\nDiese geringe Theilnahme unseres Publicums an den\nConservatoire-Concerten, die vielleicht etwas ernst, aber\nim höchsten Grade interessant und fruchtbar sind, lässt\nsich doch nur daraus erklären, dass die musicalische Er-\nziehung bei uns noch sehr unvollständig und mangelhaft\nist, und dass mithin in der Kunst der Sinn für das Schöne\nund Grosse weniger verbreitet ist, als der Geschmack am\nHübschen und Niedlichen. Wir sind wahrlich nicht\nübertrieben ausschliesslich und puritanisch. Wir begreifen\nrecht gut, dass man sich durch Anhörung der anmuthi-\ngen Partitur einer komischen Oper, unsertwegen selbst\neiner Romanze, vergnügen und ergötzen kann: aber man\nhüte sich davor, den erhabenen Compositionen der gros-\nsen Meister ein schiefes Gesicht zu machen, denn nur aus\nihnen schöpft man das höhere Gefühl für Musik und lernt\nihre ganze Macht und ihren ganzen Zauber kennen; nur\ndurch wiederholte Anhörung ihrer Werke lernt man sie\nlieben und wird für den hohen Genuss reif, den die schöne\nund grossartige Musik dem gebildeten Geiste gewährt.\nWir fügen diesem Berichte noch einige Stellen aus\ndem Feuilleton des Echo de Liege hinzu:\n„Das musicalische Publicum von Lüttich fängt an,\nGeschmack an edler Musik zu finden, allein es wird noch\ngeraume Zeit erfordern, bevor ein grosser Theil desselben\nsich geneigt fühlt, die Meisterwerke der classischen Schule\nauf sich wirken zu lassen. Herr Soubre hat seine Ein-\nweihungs-Arbeit begonnen und nichts wird ihn darin auf-\nhalten; er wird ans Ziel gelangen, davon sind wir fest\nüberzeugt; aber vor Allem wäre ihm dazu ein grösserer\nSaal für seine Concerte zu wünschen. Der Saal in der\nEmulation ist viel zu klein: es müssen alle Classen der\nGesellschaft Theil an den reinen Genüssen wahrer Kunst\nnehmen können; durch Concerte für die bevorzugten\nStände kann man keine Propaganda für die Tonkunst\nmachen.\"\nLeber die Fragmente aus „Samson4* heisst es eben-\ndaselbst: „Diese Bruchstücke haben gezeigt, was die Mu-\nsik vor anderthalb hundert Jahren war. Wir glauben,\nseit jener Zeit ungeheure Fortschritte gemacht zu haben;\naber man braucht nur einige Tacte zu hören, um einzu-\nsehen, dass wir diese Grossartigkeit des Stils, diese gewal-\ntige Meisterschaft nicht mehr haben. Welche Hoheit,\nwelche Grösse, welche Fülle! Die Ausführung war gut,\naber sie hätte zahlreichere Kräfte verlangt.a Diese\nAeusserungen von dort her sind sehr beachtungswerth\nund für die Aufgabe, welche sich Herr Soubre gestellt\nhat, erfreulich. Auch die Beurtheilung der beiden Gesang-\nstücke von Hiller ist sehr ehrenvoll für unseren Lands-\nmann und bestätigt den grossen Erfolg derselben, wie\noben bereits berichtet.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln, 19. Februar. Gestern eröffnete Frau Leopoldine\nTuczek, k. Preussische Kammersängerin, ein Gastspiel im Stadt-\ntheater mit der Susanne in „Figaro's Hochzeit\". Der gefeierte Name\nhatte ein zahlreiches Publicum angezogen, unter welchem denn\nauch, wie immer der Fall ist, wenn bereits seit Jahren berühmte\nKünstlerinnen auftreten, gar viele Zweifler und Vorurtheilsvolle sich\nbefanden. Alles aber wurde überrascht und zu dem lebhaftesten Bei-\nfalle hingerissen durch die vortreffliche Darstellung, welche den\nCharakter der Rolle mit den feinsten Schattirungen und einer Na-\ntüilichkeit und Sicherheit in allen Situationen so wiedergab, wie es\nnur einer bewährten Meisterin in diesem Fache möglich ist. Nimmt\nman nun den Gesang hinzu, der mit einer immer noch angenehmen,\nwohllautenden, ja, in der Höhe auf seltene Weise sympathischen\nStimme in allen Nummern, sowohl Solostücken als Ensembles, in\njedem Tacte das heutzutage immer seltener erscheinende Bild einer\nmusicalisch gründlich gebildeten und technisch vollkommenen Sän-\ngerin gibt, so wird man den lebhaften Applaus und Hervorruf, die\neinen blossen Succks d cstimc bei Weitem überstiegen, günz natür-\nlich finden zumal, da die ganze Auflührung durch sämmtliche\nMitwirkende eine dei besten Opern-\\ orstellungen der Saison war\nund mithin die reizende Musik das Publicum in der günstigsten\nStimmung erhielt.\nIn Duisburg wohnten wir am Sonntag den 14. d. Mts. der\nAufführung % eines lyrisch-dramatischen Gesangstückes: vDie Mar-\ntins wand\", für Soli, Chor und Orchester in zwei Abtheilungen,\nText und Musik von A. Zur Nieden, bei. Diese Compositioii\nträgt besonders in ihrem zweiten Theile so sehr den Stempel eines\nbedeutenden Talentes, dass wir von dem Grundsatze, musicalische\nWerke im Manuscripte vor ihrer Veröffentlichung nicht zu bespre-\nchen, Abstand nehmen und derselben nächstens einen besonderen\nArtikel widmen werden. Die Redaction.\nDer durch Jenny Lind auch in Deutschland berühmt gewor-\ndene Lieder-Componist Otto Lindblad ist, 44 Jahre alt, gestorben."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640220-01.1.8", "texte": "Am 10. Febrnar ist in Stuttgart der Hof-Schauspieler Mau-\nrer gestorben. Iffland war nicht nur sein Lehrer und Vorbild, son-\ndern auch sein Pflegevater und Erzieher gewesen. Vor einigen Jah-\nren war Maurer vom Könige, in Anerkennung seiner Verdienste um\ndas Schauspiel, die grosse goldene Medaille für Wissenschaft und\nKunst mit der Erlaubniss verliehen worden, dieselbe am Bande des\nKron-Ordens zu tragen.\nFriederike Go ss mann hat in Folge ihres in der\nSchlacht gefallenen Schwagers, des talentvollen Oberlieutenants\nProkesch, ihre Gastspiele aufgegeben und ist mit ihrem Manne\nnach Graz gereist, um die Mutter zu trösten, die den Tod eines\nihrer Lieblinge beweint.\nBasel« Herr Dionys Pruckner, dessen glänzende Virtuosität\nwir bereits diesen Winter in einem der hiesigen Abonnements-Con-\ncerte zu bewundern Gelegenheit hatten, hat sich (eben auf einer\nKunstreise nach Paris begriffen) in dein Benefiz-Concerte des hiesi-\ngen Violinspielers Abel nochmals hier hören lassen und erhielt,\nwie nicht anders zu erwarten war, grossen Beifall. Er spielte mit\ndem Concertgeber die grosse A-moll-Sonate von Beethoven und Pa-\nraphrase über Mendelssohn's Hochzeitsmarscb und Elfen-Reigen von\nLiszt. Im selben Concerte erfreute uns Frau Walter durch den\nvortrefflichen Vortrag von Beethoven's Liederkreis „An die ferne\nGeliebte\", „Im Freien\" von Schubert und „Sie ist mein\" von Walter.\nHerr Abel, als tüchtiger Orchester- und Solospieler hier sehr ge-\nschätzt, spielte noch ausserdem ein Quartett von Haydn und die\nOthello-Phantasie von Ernst.\nfileK*fil, Ende Januar. Das fünfte Abonnements-Concert\nunter der trefflichen Leitung des Herrn Prof. Franck fand vor\neinem sehr zahlreichen Auditorium Statt. Haydn's reizende Sinfonie\nin JEsj mit welcher das Concert begann, wurde vom Orchester mit\nPräcision und Ausdruck vorgetragen und brachte eine sehr wohl-\nthuende Wirkung hervor. Beethoven's gewaltige Ouvertüre zu Gö-\nthe's „Egmont\" schloss in würdigster Weise die Aufführung. Inner-\nhalb dieses Rahmens bewegte sich ein reiches musicalisches Leben.\nFräulein Eckersberg sang zwei Arien aus Mozart's „Don Juan\"\nund Kreutzens „Nachtlager\" mit befriedigendem Erfolg. Herr Leo-\npold Brassin aus Gotha, Bruder unseres Violinisten, hat den ihm\nvorausgegangenen Ruf hier in ehrenvollster Weise gerechtfertigt\nund gezeigt, dass er sein Instrument in hohem Grade beherrscht.\nEr spielte Mendelssohn's Clavier-Concert in G-moll, eine Ballade\nvon Chopin und einen Galop fantastique von seinem Bruder Louis,\nder in Brüssel lebt und unter den Clavierspielern der Gegenwart\neine der hervorragendsten Stellen einnimmt. Alle diese Nummern\nwurden mit grosser Virtuosität, glänzender Bravour, vielem Feuer\nvorgetragen und riefen im Publicum den lebhaftesten Beifall hervor,\nzumal als der geschätzte Künstler mit seinem hiesigen Bruder das\nDuo über Themata aus Rossini's Teil für Piano und Violine in glän-\nzendster Weise vortrug. Beide Brüder, Herr Leopold Brassin,\nHofpianist des Herzogs von Gotha, und Herr Gebhard Brassin,\nConcertmeister hier in Bern, machen gegenwärtig eine Kunstreise\ndurch die Schweiz.\nJftottercltlißi, 15. Februar. Die vierte Vorstellung der „Ka-\ntakomben\" von F. Hill er war ohne Zweifel eine der schönsten;\nalle Darstellenden waren gut disponirt und voll sichtbaren Eifers.\nHerrn und Frau Ellinger müssen wir vor Allen wiederholtes Lob\nzollen. ((Jaecilia.)\nGraf Rossi, ehemaliger Gesandter und Gatte der berühmten\nSängerin Sontag, ist dieser Tage in Brüssel im Alter von 67 Jah-\nren gestorben."}]}