{"numero_id": "bm-bmtnabi-1864-02-27-01", "volume": "bmtnabi_1864-02-27_01", "ocr_sha256": "4479ac70e25c7f7fe54e9b7496b73aaf5afd5d84201941dcd6b831b377bc40c5", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1864/02/27_01/bmtnabi_1864-02-27_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640227-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1864-02-27-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-02-27_01#c001", "volume": "bmtnabi_1864-02-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "65", "page_fin": "65", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640227-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "65", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640227-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 477, "texte": "Inhalt.\nBerliner Brief. (Die k. Oper: das Personal. Gounod's „Margarethe\". „Der Tannhäuseru. „Figaro's Hochzeit\". Benedict:\n„Die Rose von Erin\". „Der schwarze Domino\" von Auber; Artöt. Concert- und Kammermusik. Vocalmusik.) Von H. Aus Amster-\ndam (Fest-Concert: Josua; Dr. Grunz. Frl. Schreck. Volks-Concerte. Concerte in Felix Meritis u. s. w.). Achtes Gesellschafts-\nConcert in Köln im Gürzenich. 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Gounod's\nthe\". „Der Tannhäuser\". „Figaro's Hochzeit\". Benedict:\n„Die Rose von Erin.\" „Der schwarze Domino\" von Auber;\nArtöt. Concert- und Kammermusik. Yocalmusik.)\nDen 18. Februar 1864.\nWährend nicht alizu fern von hier Schlachtmusik er-\ntönt, wozu die Kugeln pfeifen und die Kanonen den Grund-\nbass brummen, schwelgt Berlin in friedlicheren Klängen:\nOpern und Concerte wechseln mit einander ab und die\nZeitungen wimmeln von Anzeigen aller möglichen musica-\nlischen Productionen. Wer dazu Lust hat, kann jeden\nAbend seinen Durst nach Musikgenuss löschen.\nDie königliche Oper mit einem recht reichhaltigen\nRepertoire bewährt ihre alte Zugkraft, und es ist gewöhn-\nlich unmöglich, sich ohne ein bedeutendes Aufgeld Billets\nzu verschaffen. Zwar ist im Friedrich-Wilhelmstädtischen\nTheater vor Kurzem unter pomphaften Ankündigungen\neine italiänische Truppe aufgetreten; die Mitglieder waren\naber „namenlos\", fanden keinen Anklang und sind bald\nwieder ausgewandert. Da Sie im Allgemeinen die Leistun-\ngen der königlichen Bühne kennen, so beschränke ich\nmich daraul, nur von den allerneuesten und hervorra-\ngenden Aulführungen zu sprechen. Dazu gehören die\n„Margarethe\" von Gounod, „Tannhäuser\", Auber's\n„Schwarzer Domino\", „Figaro's Hochzeit\" und endlich\ndie neue Oper Benedict's „Die Rose von Erin\". Von\ndem Personal nenne ich vor Allen Fräulein Lucca, den\nLiebling des berliner Publicums. Sie ist für sich allein\nschon ein Cassenstück; denn es genügt, ihren Namen auf\nden Zettel zu setzen, um Haus und Casse zu füllen. Und\nin der That, was man auch gegen den zu sehr auf das\nsinnlich Schöne gerichteten Geschmack der Berliner sagen\nmag, eine jugendliche, anmutbige Erscheinung, ein leb-\nhaftes, feuriges, mit ganzer Seele in die Bolle eingehendes\nWesen, eine wohlklingende, sympathische Stimme sind\ngeeignet, auf der Bühne eine Wirkung hervorzubringen,\nwelche manche Mängel an musicalischer und künstlerischer\nAusbildung nicht verzeihen, aber doch übersehen lässt.\nSie besitzt unstreitig ein bedeutendes Talent, und dieses\nhilft ihr über manche Schwierigkeiten in der Ausführung\nhinweg, die sonst nur eine gute Schule zu überwinden\npflegt. Frau Harries-Wippern ist mit einer reinen,\nmetallhellen Stimme ausgestattet. Sie und Fräulein de\nAh na, deren imposante Gestalt ihr eine grosse Anzahl\nVerehrer verschafft hat, laboriren auch an mangelhafter\nkünstlerischer Ausbildung. Da soll denn die Natur immer\nhelfen, wo die Kunst nichts thut. Mama Natur ist aber\nnicht immer so freundlich, und lässt diejenigen, die sich\nbloss auf sie verlassen, oft ebenfalls im Stich. Herr Wo-\nworsky ist ein passabler Tenorist; Herr Betz besitzt\neinen wohlklingenden, echten Bariton und wird auch wohl\nnoch Fortschritte im Gesänge machen. Von den übrigen\nMitgliedern schweigt meine Geschichte.\nGounod's „Margarethe\" gefällt dauernd. Es gibt Wi-\ndersacher, welche diese Thatsache der Ausstattung zu-\nschreiben und von der Musik behaupten, es sei ein „se-\nriöser Orpheus in der Unterwelt\". Allein die Oper hat\nbekanntlich auch dort gefallen, wo die Scenerie nicht so\nglänzend ist, wie hier. Die hiesige Aufführung ist brillant.\nFür das schwarzäugige Gretchen des Fräuleins Lucca\nschwärmt manches Männerherz. Die Schmuck-Arie singt\nsie (mit Ausnahme der Coloratur) allerliebst, das Duett\nmit Faust (Woworsky) im dritten Acte und schliesslich die\nKerkerscene gehören mit zu ihren besten Leistungen. Die\nReg ie hat meisterhaft gewirthschaftet. Aus der Jahrmarkts-\nscene mit dem von einem zahlreichen Ballet-Personale ge-\ntanzten Walzer ist ein buntes Lebensbild geschaffen. Die\nGartenscene, die Rückkehr der Krieger und die Scene in\nder Kirche reihen sich würdig an.\nDer Tannhäuser erscheint seltener auf dem Repertoire.\nGar Mancher liebt die Bequemlichkeit, und es ist Vielen"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640227-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5498, "texte": "unbequem, aus einem Wust von Musik die einzelnen Schön-\nheiten heraus zu lesen. So geht es einem meiner Freunde\n(allerdings keinem unbedingten Verehrer Wagner's), der au(\nden Einlall gekommen ist, während der Aufführung Wag-\nnerscher Opern nur bei gewissen, ihm besonders zusagen-\nden Stellen in der Loge zu verweilen. Die übrige Zeit\npromenirt er auf den Corridors, und ein sehr musicalischer\nLogenschliesser benachrichtigt ihn, wenn es Zeit ist, wie-\nder einzutreten. Frau Harries singt die Elisabeth mit\nschwungvoller Auflassung. Die erste Arie im zweiten Acte\nund das darauf folgende Duett verdienen alle Anerken-\nnung. Der grosse Marsch und Chor im zweiten Acte, dann\ndie Pilgerchöre verfehlen bei der starken Besetzung von\nChor und Orchester ihre Wirkung nicht. Für das lange\nRecitativ Tannhäuser's im letzten Acte fehlt hier ein Nie-\nmann. Gar oft ist vor dem Tannhäuser der Tenorist zu Ende.\n„Figaro's Hochzeit\" vereinigt auf der Bühne die drei\nbesten Sängerinnen und desshalb im Saale alles, was Beine\nund Billets hat. Diese Oper wird mit einer Begeisterung\naufgenommen, als ob sie jetzt erst die ersten Aufführun-\ngen erlebte. Tage lang vorher wird sie besprochen, man\nzahlt dreifachen Preis für ein Billet, Greise werden zu\nJünglingen und manches den reiferen Jahren angehörende\njungfräuliche Antlitz hätte bei dem Feuer innerer Auf-\nregung an dem betreffenden Abende der verrätherischen\nSchminke entbehren können. Für den Unbefangenen bleibt\ndie Aufführung indessen wohl hinter dem gedachten Ideale\nzurück. Frau Harries singt und spielt die Susanne nicht\nals die schalkhafte, coquetle Spanierin, sondern als ein\ngutmüthiges deutsches Suschen. Dem Vortrage der F-dur-\nArie im letzten Acte gebührt dagegen alles Lob. Fräu-\nlein de Ahna ist eine schöne Gräfin, die mancher andere\nGraf nicht vernachlässigen würde. Sie trägt ihre Arien\nmit vielem Anstände vor, aber die edel empfindende, ge-\nkränkte und trotzdem liebende Gattin gibt sie nicht wieder.\nFräulein Lucca (Cherubin) befriedigt am meisten. Die\nwundervolle Romanze singt sie (sie sagt sie nicht, wie die\nFranzosen sich ausdrücken) mit tiefem Gefühle, und der\nträumerische, klagende Ton gelingt ihr vortrefflich. Im\nUebrigen dürfte bei ihr im Gegensatze zu Frau Wippern\netwas weniger coquetles Wesen an der Stelle sein. Die\nEnsembles gehen nicht eben nach Wunsch, und im Gan-\nzen ist die Aufführung etwas zu schleppend. Sehen wir\naber von diesen kleinen Mängeln ab und stimmen ein in\ndie Freude, welche das herrliche, melodieenreiche,\newig neue Werk bei jedem erregen muss, der nur in die-\nsem wahrhaft Schönen die Musik der Gegenwart und der\nZukunft erkennt. .\n„Die Rose von Erin\", romantische Oper von Julius\nBenedict, ist ein gar merkwürdiges Fabricat. Ich will\nes versuchen, Ihnen vom Inhalt zu erzählen, der den le-\nbendigen Beweis liefert, zu welchen Absurditäten und\nMonstrositäten Effecthascherei verführen kann. Hören\nSie also. Nora O'Connor, genannt die Rose von Erin, ist\nein sehr schönes Mädchen. Sie wohnt in einem Häuschen\nam Ufer des Killarney-See's in Irland, und zwar vis-ä-vis\ndem Schlosse Cregan. Natürlicherweise hat sich der junge\nSohn des Hauses Cregan sehr bald in die Rose verhebt\nund sich sogar mit ihr verlobt. Die Zusammenkünfte fin-\nden nur des Nachts und immer bei Mondschein Statt.\nRitter Harry Cregan besitzt einen Gondolier, der Roman-\nzen singt, in die Harry zum Refrain einfällt. Die Finanzen\ndes Hauses Cregan stehen leider schlecht und das Schloss\nist an einen mit einer Bassstimme begabten alten Wucherer\nverhypothecirt. Der Wucherer droht mit Subhastation\nund verlangt einstweilen Mama Cregan zum Eheweibe.\n(Warum die alte Matrone?) So etwas ist unangenehm,\nund man beschliesst, eine radicale Remedur vorzunehmen,\nindem Harry eine reiche Erbin heirathen soll. Die Rose\nsoll also dem Golde geopfert werden. Allein Harry war\neinstens so unvorsichtig, ihr ein schriftliches Eheverspre-\nchen zu geben. Nach irischen Gesetzen scheint dies ein\nHinderniss zu sein, denn Sullivan, der treue Gondolier,\nder seinen Herrn, trotzdem ihn dieser bei irgend einer\nunpassenden Gelegenheit zum Krüppel geschlagen, fana-\ntisch liebt, beschliesst, besagtes Schriftstück oder die Rose\nmit dem Schriftstücke aus der Welt zu schaffen. Die\nScene, in welcher dieser Entschluss zur Ausführung ge-\nlangt, ist die Höhe der Situation. Ein dazu passender ro-\nmantischer Ort ist eine Höhle am Rillarney-See. Mitten\nin der Höhle liegt ein Stein, der Teufelsstein. Der Zu-\nschauer erblickt also besagte Höhle, besagten Stein und\nden See, der mit seinen Wogen den Stein umspült. Der\nMond ist so freundlich, am betreffenden Abende wieder\nzu scheinen. Die Scene bleibt einige Zeit leer, während\nderen Wassergeister einen Chor singen. Das gehört näm-\nlich zur Romantik. Es erscheint Myles, ein Vetter der\nRose, in der Absicht, eine Otter zu fangen. Unglücklicher\nWeise halten sich die Ottern nur auf der linken Seite der\nBühne auf, während der Vetter auf der rechten Seite steht.\nEr muss also über das Wasser setzen. Das geschieht, in-\ndem er ein Lied singt und sich darauf an einem aus der\nHöhle herunterhangenden Seile hinüberschwingt. Ganz\nä la Leotard. Und der kühne, grässliche Sprung gelingt.\nWährend des Otterfanges nähert sich auf einem Boote\nSullivan mit der Rose, der er ein Rendezvous mit Harry\nvorgeschwindelt hat. Sie besteigen den Teufelsstein. Er\nträgt ihr sein Anliegen vor sie weigert sich, den Schein\nherauszugeben. „Und folgst du nicht willig, so brauch' ich\nGewalt!\" plumps! stürzt er sie kopfüber in den See."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "67", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640227-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5304, "texte": "Der Vetter, der den Plumps gehört, erschiesst den Mör-\nder, springt in die Fluten und rettet schwimmend die\nRose. Diese Rettung dauert über fünf Minuten, während\nderen man Myles (zweiten Tenor) im durchsichtigen Was-\nser Schwimmübungen machen sieht. Das war doch zu\nviel für das Publicum, das sich bis dahin ernst gehalten\nhatte: unter einem schallenden Gelächter fiel der Vor-\nhang. Im letzten Acte heirathet dennoch Junker Harry die\nRose. Auf welche Weise die Firma Cregan ihren Credit\nwieder hergestellt hat, bleibt ein Räthsel.\nDie Composition ist ein Gemisch deutscher Lieder,\nitaliänischer Opern- und französischer Romanzen-Musik\nmit vielen und stattlichen Reminiscenzen. Die Ouvertüre\nschwankt von einem unbedeutenden Thema zum anderen,\nbis sie schliesslich in dem sicheren Hafen einer Polka vor\nAnker geht. Kaum einige Nummern erheben sich über das\nNiveau des Allergewöhnlichsten. Von dramatischem Aus-\ndrucke ist nur wenige Spur vorhanden. Die Arien sind\nnur Lieder, die Chöre schlechthin Gesänge, Terzette und\nQuartette hat die Oper gar nicht. Einige fassliche Melo-\ndieen eignen sich allenfalls zu Quadrillen. Die Instrumen-\ntation ist glatt, unmotivirt und vielfach Flotow, vielleicht\nauch Balfe. Dass dieses Machwerk in London gefallen,\nbeweist den Local-Geschmack der Engländer. Dass die\nhiesige königliche Intendanz sich zur Aufführung ent-\nschloss, will ich ihrem Eifer, etwas Neues zu bringen, zu\nGute halten. Warum aber nicht „Die Katakomben\"?\nFür meinen Aerger über die Rose entschädigte mich\nzwei Tage später „Der schwarze Domino\". Desiree\nAr tot sang die Titelrolle. Sie kennen diese reizende Oper\nim leichten französischen Genre. Welche anmuthigen Me-\nlodieen, welche neckische, fein nuancirte Instrumentation!\nDarin herrscht Geist und Leben, das ist eine echte, duf-\ntende Rose, während die Benedict'sche nur eine Klatsch-\nrose genannt werden kann. Opern wie der Domino sind\ndas eigentliche Feld der Artöt, und sie beutete es an die-\nsem Abende mit Glück und Erfolg aus. Ihre kühnen Pas-\nsagen wechselten mit dem innigen Vortrage der Cantilenen\nab. Die Meisterschaft im piano und sotto voce bis in die\nhöchsten Lagen zeigte sich glänzend. Leistungen wie der\nVortrag des aragonesischen Liedes und der Arie im drit-\nten Acte gehören zu denen, die sich einprägen. Warum\nsind der Artöts so wenige?\nEine neue Operette von Offenbach hörte ich im\nFriedrich-Wilhelmstädtischen Theater: „Die Schwätzerin\nvon Saragossa\", die Sie auch schon von Ems her kennen.\nSie ist unbedeutend und arm an Erfindung. Es scheint,\ndie Leier des Orpheus ist zwar nicht verstummt, aber\nverstim mt!\nSo viel Köpfe, so viel Ansichten, gilt in Berlin für die\nFreunde von Concert- und Kammermusik. Es gibt\nfür diese Musik verschiedene, sich feindlich gegenüber-\nstehende Lager. Die Einen wollen nur von Haydn, Mozart,\nBeethoven wissen, die Anderen nur von Bach, Händel,\nGluck, wieder Andere schwärmen für Mendelssohn, Schu-\nmann und Schubert, und eine kleine, aber mächtige Partei\nbegeistert sich für die weimar'sche Schule, für Wagner,\nLiszt, Rubinslein u. s. w. Die königliche Capelle, welche\nalle vierzehn Tage im kleinen Saale des Opernhauses Sin-\nfon i e-Co ncerte veranstaltet, gehört zu den Exclusiven\nder zuerst genannten Art. Die Aulführung einer Mendels-\nsohn'schen Composition ist dort eine Concession, die einer\nGade'schen ein Ereigniss. Die Aufführungen unter der\nDirection Taubert's sind äusserst correct, und der Klang\nin dem akustisch gebauten Saale ist ein wundervoller. Ein-\nzelne auffallende Instrumental-Wirkungen, die ich mich\nnicht erinnere, anderswo gehört zu haben, muss ich ent-\nschieden auf Rechnung dieser vortrefflichen Akustik setzen.\nIm Uebrigen scheint es mir, dass man aul Kosten des Zu-\nsammenspiels Feuer und Nuance geopfert hat. Etwas we-\nniger feines Zusammenspiel und etwas mehr Passion wäre\nmir lieber. Bei der fünften [C-moll) Beethoven'schen Sin-\nfonie gefielen mir die Tempi nicht. Die ersten drei Sätze\nwaren zu rasch genommen, besonders das Scherzo, wo-\ndurch die Passagen der Contrabässe ziemlich verwischt\nwurden. Taubert spielte neulich das Mozart'sche D-dur-\nClavier-Concert, und zwar recht anmuthig und sauber.\nIch vermisste jedoch den markigen, runden Ton und die\nschwungvolle Auffassung, wie man sie z. B. bei lliller's\nVortrag Mozart'scher Compositionen zu hören gewohnt ist.\nDer Karlberg'sehe Orchester-Verein besteht\nnoch nicht lange und verfolgt kein bestimmtes Programm.\nWie ich höre, macht er unter der Leitung seines thätigen\nDirigenten Fortschritte und leistet bereits Löbliches. Hans\nvon Bülow hat eine „Gesellschaft der Musikfreunde\"\ngestiftet, in welcher er, ausser den letzten Werken Beet-\nhoven's, Schumann, Schubert, Wagner, Liszt, Rubinstein,\nBerlioz u. s. w. zur Aufführung bringt. Es scheint, dass\ndie Zukunft allein die Gegenwärtigen nicht befriedigt, denn\nich habe die Bemerkung gemacht, dass auf den neueren\nProgrammen sich bereits Beethoven'sche Werke unter\nNr. 100 und ausserdem höchst verdächtige Namen, wie\nSpohr u. s. w., befinden. Die Liebig'schen populären\nConcerte, k 5 Sgr. Entree (im Abonnement 3 Sgr.), leisten\nfür das wenige Geld recht viel. Der Zweck, gute Musik\nden unbemittelten Ständen zugänglich zu machen, heiligt\ndas Mittel.\nGrössere Vocal-Aufführungen mit Orchester veran-\nstalten die Sing-Akademie und der Stern'sche Ge-\n\nti"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640227-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3854, "texte": "sang-Verein. Die erstere ist sehr exclusiv und cullivirt\nbeinahe nur Bach und Händel und vielleicht einige ältere\nitaliänische Meister. Ihre Leistungen stehen gegen die\nStern'schen zurück. Auch dem Stern'sehen Vereine wirft\nman eine zu grosse Einseitigkeit vor. Kürzlich machte\ner indessen eine Ausnahme, und eine zur Gedächtnissfeier\nMendelssohn's veranstaltete Soiree brachte die Walpurgis-\nnacht und das Finale der Loreley. Fräulein Lucca sang\naus Gefälligkeit die Sopran-Partie; diesmal war ein vor-\nhergegangenes sorgfältiges Studium nicht zu verkennen,\nund da sie damit ihr natürliches Feuer vereinigte, dürfte\ndie Loreley wohl zu ihren besten Leistungen zu zählen\nsein. Die Alles scharf kritisirenden Berliner behaupten\nzwar, die Partie der Loreley liesse sich nicht singen, son-\ndern nur schreien; allein ich kann dieser Ansicht, was\nFräulein Lucca anbetrifft, nicht beipflichten. Die Chöre\ngingen besser, als man es hier sonst gewohnt ist. Stern\nist ein vortrefflicher Dirigent, aber dennoch gelingt es ihm\nnicht immer, ein gewisses Schwanken zu bemeistern. Auch\ndas Einsetzen der verschiedenen Stimmen ist manchmal\nunbestimmt. Dann werden die Töne zuerst versuchsweise\nangetastet und gelangen erst, wenn glücklich getroffen,\nzur vollen Stärke. Was Frische der Stimmen, namentlich\nder weiblichen, anbetrifft, gebe ich den rheinischen Chö-\nren entschieden den Vorzug. Sollte die Ursache vielleicht\nan einem eigentümlichen Vorurtheile der hiesigen höhe-\nren Stände liegen, welche es sie verschmähen lässt, ihre\nTöchter von einem Capellmeister dirigiren und corrigiren\nund vom Publicum kritisiren zu lassen? Am Rheine be-\ntheiligen sich doch die Frauen und Töchter aus den besten\nFamilien an den musicalischen Aufführungen, und es wer-\nden dadurch viele gute und, weil es ihre Verhältnisse er-\nlauben, durchgebildete Kräfte gewonnen.\nDer Dom-Chor steht leider nicht mehr auf der\nHöhe seines früheren Ruhmes. Es scheint mir die rechte\nBegeisterung zu fehlen. Ausserdem hat mich immer auf\ndie Dauer die Eintönigkeit des Klanges ermüdet. In einem\nunlängst gegebenen Concerte hörte ich zwei moderne\nCompositionen: eine Motette von Kücken und eine vom\nGrafen von Redern. Sie sind wenig bedeutend. Die\nKücken'sche enthält wenigstens ansprechende Melodieen,\ndie andere ist kein excellentes Werk, sondern das Werk\neiner Excellenz.\nConcerte reisender Künstler finden in dieser Saison\nwenige Statt. Sie sollen hier auch nie rechtes Glück ge-\nmacht haben. Bot sich doch selbst einer Clara Schu-\nmann (bei ihrer Durchreise nach Petersburg) keine Aus-\nsicht auf ein lohnendes Concert dar, während sie in Kö-\nnigsberg drei Soireen mit Erfolg veranstalten konnte.\nBei necke aus Leipzig spielte in einem Concerte des Gu-\nstav-Adolf-Vereins und dirigirte seine Ouvertüre zu „Dame\nKobold\". Sein Spiel gefiel allgemein sehr. Die Ouvertüre\nkennen wir von früher her. Ueber die Bedeutung des\nneuen Componisten Kiel sind die Ansichten der Kunst-\nfreunde sehr getheilt. Sein Requiem soll viel Schönes ent-\nhalten, seine Trio's und Quartette, welche hier in den\nöffentlichen Trio's und Quartett-Soireen (Ehrlich, Engel-\nhardt und Andere) und auch bei Dilettanten gespielt wer-\nden, gefallen weniger, und ich muss gestehen, dass ich in\nden mir bekannt gewordenen, auch in den Clavier-Com-\npositionen, nichts Aussergewöhnliches wahrgenommen\nhabe. Ein neues Clavier-Concert von ihm erscheint dem-\nnächst bei Simrock in Bonn. Hoffen wir im Interesse aller\nconcertirenden Ciavierspieler davon das Beste.\nIn den Familien wird immer noch viel, sehr viel mu-\nsicirt. Unter der Masse des gewöhnlichsten Dilettantismus\nhabe ich indessen einige entschieden begabte Persönlich-\nkeiten gefunden, namentlich unter den Damen. Bei Eini-\ngen, welche mit dem angeborenen Talente künstlerische\nAuffassung vereinen, dürfte die Gränze zwischen Künstler\nund Dilettant schwer zu ziehen sein.\n\nH."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-02-27-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-02-27_01#c003", "volume": "bmtnabi_1864-02-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "68", "page_fin": "70", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640227-01.2.3", "titre_corps": "Aus Amsterdam.", "titre_sommaire": "Aus Amsterdam.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640227-01.1.4", "debut_caractere": 3856, "fin_caractere_exclue": 5161, "texte": "Aus Amsterdam.\n(F est-Co 11 c e r t des Vereins zur Beförderung der Tonkunst: Jos u a;\nDr. Gunz. Fräulein Schreck. Yolks-Concerte. Con-\ncerte in Felix Meritis. Franchomme. Sainton und Mad. Sainton-\nDolby. Carlotta Patti. Das 3. Volks-Concert. Concert\ndes St. Vincenz de Pau 1a- Verein s.)\nDen 13. Februar 1864.\nDas erste Concert der Maatschappij zur Beförderung\nder Tonkunst, welches am 5. Januar im Parksaale unter\nVerhülst's Leitung Statt fand, war ein wahres Musikfest;\nseit langer Zeit haben wir in Holland keiner so gelunge-\nnen Leistung beigewohnt, wie die Ausführung des Orato-\nriums „Josua\" von Händel an diesem Abende war.\nHerr Dr. Gu nz aus Hannover sang die Partie des Josua\nund war nicht nur der Held des Oratoriums, sondern auch\ndes Concert-Abends. Der schöne Stimmklang dieses be-\nwundernswerthen Sängers, sein trefflicher Stil, seine tadel-\nlose Methode, seine Auffassung der classischen Musik und\nsein Vortrag derselben haben die Zuhörerschaft entzückt.\nHerr Gunz hat die ganze Macht seiner Mittel entfaltet,\ndie grossen technischen Schwierigkeiten, mit denen die im\nGrunde undankbare Partie des Josua überhäuft ist, wur-\nden mit Leichtigkeit und vollkommener Correctheit über-\nwunden und gewannen dem Künstler während der ganzen\nAufführung des langen Oratoriums immer wiederholte\nBravo's."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "69", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640227-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5270, "texte": "Fräulein Schreck aus Bonn, welche wir schon oft\nGelegenheit gehabt haben, zu rühmen, trug die Alt-Partie\ndes Othniel auf vollendete Weise vor. Keine Sängerin ver-\nO\nsteht die Händel'schen Werke so gut wie sie, da sie die\nfeinsten Intentionen des alten Meisters zur Geltung bringt-\nihre schöne Stimme und ihre gute Schule wurden durch\nden lebhaftesten Beifall eines gewählten Publicums an-\nerkannt.\nFrau Offermans van Hove (Achsa) fängt leider an,\nein wenig stark zu tremoliren, um keinen ärgeren Aus-\ndruck zu gebrauchen. Ihre Stimme hat, in der letzten Zeit\nweder an Kraft noch an Rundung gewonnen und ihr Vor-\ntrag wird etwas monoton; aber auch sie ist gewohnt und\ngeschickt, classische Musik zu singen, und man kann sagen,\ndass sie im Ganzen gut an ihrer Stelle war.\nHerr-Lind eck vom Stadttheater in Köln, der erst in\nden letzten Tagen an Stelle des Herrn Behr die Partie\ndes Caleb übernommen hatte, hat eine sonore Bassstimme\nin der tiefen Region, die mittlere scheint bereits etwas ge-\nlitten zu haben und die Höhe ist zuweilen etwas scharf.\nEr ist ein verdienstvoller Sänger und ein trefflicher Mu-\nsiker. Sein Vortrag der Recitative hat uns weniger ange-\nsprochen; mit der schönen Arie: „Soll ich auf Mamre's\nFruchtgefild\", die er mit Adel und tiefem Gefühle sang,\nhatte er grossen Erfolg.\nChor und Orchester haben sich selbst übertroffen.\nDer Chor: „Glorreich ist Gott!\" wurde mit Begeisterung\nda capo gerufen. Verhülst hat sein Restes gethan und ver-\ndient eine ganz besondere Erwähnung; er hat durch die\nAufführung des Josua von Neuem bewiesen, dass er den\nMarschallsstab zu führen versteht und die Massen in Chor\nund Orchester zu beherrschen und zu begeistern weiss.\nDas vierte Volks-Concert stand gegen die früheren\nsowohl in der Ausführung als im Programm etwas zurück.\nDie Concert-Ouverture von Julius Rietz scheint uns\nnicht recht für ein Volks-Concert zu passen urrd hatte we-\nnig Erfolg. Die erste Sinfonie von Reethoven war das Beste\nan diesem Abende. Ausserdem wurde noch Mendels-\nsohn's Sinfonie in A-moll gemacht, und Frau Offermans\nsang einige Lieder von Verhülst auf recht artige hollän-\ndische Texte von J. P. Heije mit Beifall.\nDie Felix-Meritis- und die Park-Concerte haben eine\nReihe von Virtuosen ersten, zweiten und dritten Ranges\nvorübergeführt. Der Violoncellist Franchomme aus Pa-\nris hat den grossen Ruf, den er in der Hauptstadt des\nfranzösischen Kaiserreiches geniesst, hier nicht behaupten\nkönnen; er hatte höchstens einen Der\nViolinist Sainton aus England ist ein talentvoller Künst-\nler, aber ein Spieler aus der alten Schule, der neben den\nLaub, Kömpel, Wieniawski e verliert. Seine\nGattin, Madame Sai nto n-1) ol by , war eine Sängerin\nJ o\nvon grossem Verdienste, aber sie ist im Abnehmen.\nVor Brielessehluss muss ich denn doch noch von der\newigen Carlotta Patti sprechen, welche, durch kolossale\nAnschlagzettel überall zugleich angekündigt, zum ersten\nMale am 11. Februar hier auftrat. Was kann ich Ihnen\nüber sie sagen? Sie haben sie gehört und ausführlich\nbeurtheilt. Es ist ein Naturkind mit wunderbaren Gaben\nund Fehlern ausgestattet. Sie blendet und fesselt die Zu-\nhörer, ohne dass man sich genau Rechenschaft geben\nkann, wodurch. Uebrigens ist der hier von ihr erlangte\nErlolg ihr stark streitig gemacht worden. Vielleicht hatte\nauch der americanische Humbug, der ihrem Auftreten\nvoranging, das holländische Publicum verdrossen, welches\nein geschworener Feind jeder Charlatanerie ist. Wir müs-\nsen die folgenden Concerte abwarten, um diese excep-\ntionelle Erscheinung genauer beurtheilen zu können*).\nAlfred Jaell hat das Concert von Mendelssohn mit un-\ngeheurem Erlolg gespielt; er ist ein vollendeter Meister.\nAuch Laub, ein Violinist diprimo cartello, hat ebenfalls\naussergewöhnlichen Applaus erhalten; man findet indess\nseinen Vortrag etwas kalt, aber seine Technik ist im\nhöchsten Grade vollendet. Matino.\nZur Ergänzung dieses Berichtes fügen wir noch aus\neiner anderen Mittheilung hinzu, dass das dritte Volks-\nConcert (den 27. December v. J.) eines der glänzendsten\nwar, da es zwei herrliche Sinfonieen, von Mozart in D,\nOp. 87, und von Beethoven Nr. VII in A, ferner We-\nber's Oberon-Ouverture und eine Ouvertüre zu Corneille's\nTrauerspiel „Pom pejus \"von Ed. de llartog brachte.\nAlle diese Orchestersachen wurden gut und feurig ausge-\nführt, das Allegro der Mozart'schen Sinfonie wohl etwas\nzu feurig; ein zu schnelles Tempo ist überall nicht ange-\nbracht, geschweige denn bei Mozart. Die Ouvertüre von\nEd. de Hartog ist ein bedeutendes Werk, welches den\nMeister in der Factur verräth; der Stil ist breit, die In-\nstrumentirung effectvoll, und der Zuhörer wird durch die\nSteigerung der Wirkung bis zum Schlüsse gefesselt, nach\nwelchem denn auch lebhafter Beifall ausbrach. Ausserdem\nbezeigte das Publicum auch dem talentvollen jungen Vio-\nlinisten de Gr aar», Schüler von Franz Coenen, seine Sym-\npathie; er spielte ein „Militär-Concertstück\" für Violine\nund Orchester von seinem Lehrer und das Adagio und\nRondo aus Vieuxtemps' erstem Concerte.\n\n*) Diese späteren Concerte haben Statt gefunden, und wir er-\nfahren aus sicherer Quelle, dass in Amsterdam das erste Concert\nam 11. d. Mts. 2100 Fl., das zweite am 13. 2578 FL, das dritte\nam 16. 2240 Fl. und das vierte am 20. 3012 Fl. eingetragen hat!\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640227-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1753, "texte": "Am 27. Januar gab der St.-Vincenz-Verein sein jähr-\nliches Concert im grossen Farksaale zum Vortheile seiner\nArmen. Haydn's „Jahreszeilen\" wurden unter der ge-\nschickten Direction von G. A. Heinze recht gut gegeben,\nnur dass im Chor das Verhältniss der Männerstimmen zum\nSopran und Alt nicht ganz ausreichend schien. Von den\nSolisten verdienen Ihre rheinischen Landsleute, Fräulein\nMaria Büschgens aus Crefeld als Hannchen, und Herr\nJulius Scholl, ein Dilettant aus Duisburg, welcher für\nden nicht eingetroffenen Sänger Herrn C. Hill bereitwillig\ndie Partie des Simon übernommen halte, besondere Er-\nwähnung. Erstgenannte hatten wir schon Gelegenheit, in\neinem Concerte in Felix Meritials talentvolle Sängerin\nkennen zu lernen; sie sang auch diesmal die grosse Arie\nund das Spinnlied mit Chor mit klangvoller Stimme und\nvielem Geschmack, so dass sie allgemeinen Beifall erwarb.\nNicht weniger gefiel Herr Scholl in den Arien: „Schon\neilet froh der Ackersmann\", „Seht auf die breiten ie-\nsen hin\", und in der gesangreichen Cavatine: „Der mun-\ntere Hirt\". In Auffassung und Vortrag der Recitative waren\ndie Solisten sehr glücklich. Der Tenorist Herr Callaerts\n(Lucas) besitzt eine angenehme Stimme, welche jedoch\nfür den grossen Parksaal nicht ausreicht, um Eindruck zu\nmachen. Das Orchester war lobenswerth, überall Aplomb,\nSicherheit und innige Verbindung mit dem Gesänge. Dem\ntalentvollen Director G. A. Heinze ward die wohlverdiente\nEhre zu Theil, unter stürmischem Applaus gerufen zu\nwerden. Er hat uns an diesem Abende wieder bewiesen,\nwie gut er die gemüthvolle, melodieenreiche Musik Haydn's\naufzufassen versteht; nirgends Uebertreibung des Tempo's,\nnirgends ein modernisirter Haydn, wie ihn selbst sonst\ntüchtige Dirigenten uns zuweilen vorführen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-02-27-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-02-27_01#c004", "volume": "bmtnabi_1864-02-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "70", "page_fin": "71", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640227-01.2.4", "titre_corps": "Achtes Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller,", "titre_sommaire": "Achtes Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller,", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640227-01.1.6", "debut_caractere": 1755, "fin_caractere_exclue": 6088, "texte": "Achtes Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller,\nDinstag, den 23. Februar 1864.\nProgramm. Erster Theil. 1. Sinfonie in C-dur mit der\nSchlussfuge von W. A. Mozart. — 2. Ouvertüre und Scenen aus\nder Oper „Iphigenie in Aulis\" von Gluck (Agamemnon Herr Ju-\nlius S t o c k h a u s e n). — 3. Concert Nr. 7 für die Violine von L.\nSpohr (Herr Leopold Auer).\nZweiter Theil. 4, Cantate: „Liebster Gott, wann werd' ich ster-\nben?u für Bass-Solo, Chor, Orchester und Orgel von Joh. Seb.\nBach (Solo: Herr Stockhausen). — 5. a. Romanze für die Violine\nvon Beethoven. b. „Perpetuum mobile\" von Paganini (Herr L.\nAuer). — 6. Schottische Lieder mit Begleitung von Piano, Violine\nund Violoncell von Beethoven (Herr Stockhausen). — 7. Ouver-\ntüre Op. 124 von Beethoven.\nDie prächtige Sinfonie von Mozart wurde ausgezeichnet gut\nausgeführt und jeder Satz mit dem lebhaftesten Applaus aufgenom-\nmen. Nach der im gemessenen langsamen Tempo ausgeführten\nOuvertüre zu Gluck's Iphigenie, in welcher eben durch das richtige\nZeitmaass die gediegene Kraft und der grossartige Charakter dieser\nmonumentalen Musik vollkommen zur Geltung kam, brachte die\nvortreffliche Durchführung der Partie des Agamemnon (dessen erste\ngrosse Scenen bis zum Chor bei der Erscheinung der Klytämnestra\nund Iphigenie gegeben wurden) durch Julius Stockhausen einen\nherrlichen Kunstgenuss. Der Monolog des Agamemnon und die\nScene mit Kalchas, die aus Gründen ebenfalls fast zu einem Mo-\nnolog zusammengezogen werden musste, wurden von ihm mit jener\nMeisterschaft der Declamation und des vollendeten Ausdrucks wie-\ndergegeben, wie man sie nur von einem so classisch gebildeten\nSänger hören kann. Stockhausen hat das mit Jenny Lind gemein,\ndass sein Gesang Anfangs keineswegs imponirt: bald aber beginnt\ner zu fesseln, die Stimme entfaltet sich nach und nach schöner an\nKlang, dem auch ein gewisser sinnlicher Reiz nicht fehlt, und die\nmehr und mehr anziehende, unübertreffliche technische Behandlung\ndieser Stimme als Mittel des Ausdrucks vollendet den Zauber, den\nder Sänger über die ganze Zuhörerschaft übt. Von seinem energi-\nschen Vortrage des Recitativs: „Nein, Griechenland wird um diesen\nPreis nicht gerächt\", so wie von dem milden Hauche der Innigkeit\nin dem Gebete: „Wohlthätiger Gott erhöre des Vaters Fleh'n\",\nkonnte man wirklich sagen, dass er die Scenerie ganz unnöthig\nmachte. Eben so ergreifend war sein Gesang am Schlüsse der zwei-\nten Arie: „Ich höre den Ruf der Natur\", wobei die Oboe so wun-\nderschön eintritt. Die Chöre sind in dieser Scene zu kurz, um ohne\nScenerie zu wirken, mit Ausnahme des reizenden Schlusschors, wo-\nmit die Griechen die nahende Königstochter begrüssen. Merkwür-\ndig, dass Gluck das schöne Motiv dieses Chors auch in der Iphi-\ngenie auf Tauris bloss für Frauenstimmen wieder benutzt hat, und\nnoch merkwürdiger, dass es auf beide Situationen passend schön\nbleibt, obwohl es in Aulis die Bewunderung von „Anmuth und Ho-\nheit\" ausdrückt, auf Tauris aber die „Thränen\" bei dem Opfer, 7das\ndie Griechinnen „den Manen des Orestes\" bringen, mit Tönen be-\ngleitet. So wahr ist es, dass einen bestimmten, nicht einen bloss\nzu errathenden Ausdruck die Musik allein nicht wiedergeben kann.\nDie Annahme des Gegentheils ist ein Grundirrthum der neuesten\nSchule.\nZum Schlüsse des ersten Theiles des Concertes spielte Herr\nLeopold Auer, der kürzlich vom Herzoge von Coburg durch die\nVerleihung der goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaft aus-\ngezeichnet worden ist, das Violin-Concert Nr. 7 von Spohr, eine\nder schönsten Compositionen dieses Meisters, welche der jugendliche\nVirtuose auf würdige und durch reichlichen Beifall mit Recht be-\nlohnte Weise zur Geltung brachte. Herr Auer, den wir vor einigen\nJahren noch als talentvollen Knaben begrüssten, hat die Erwartun-\ngen, welche wir damals von ihm hegten und aussprachen, glänzend\ngerechtfertigt und sich zu einem bedeutenden Künstler entwickelt.\nSeine Technik ist virtuos, sein Ton markig und klangvoll, wenn\nauch zuweilen noch etwas ungleich; der Vortrag war besonders in\ndem herrlichen Adagio recht schön und rief rauschenden Applaus\nhervor. Nachher spielte Herr Auer noch die Romanze von Beetho-\nven, deren Vortrag uns weniger genügte, und darauf das lange und\nin einem fort prickelnde und sprudelnde Perpetuum mobile von"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640227-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2694, "texte": "Paganini, wobei einem über die Ausdauer und die rasende Fertig-\nkeit des Spielers wirklich Sehen und Hören vergeht.\nDen zweiten Tlieil des Concertes eröffnete die Can täte:\n„Liebster Gott, wann werd' ich sterben?\" von J. S. Bach, welche\nein Kecitativ und Arie für Bass-Solo zwischen zwei Chören enthält,\nmit Orchester und Orgel. Der Anfangschor hat durch das Geigen-\nQuartett und die Flöte eine merkwürdige Begleitung, welche mehr\nals Begleitung ist, da sie als Hauptsache erscheint und die Sing-\nstimmen nur in abgemessenen Zwischenräumen darein klingen. Die\nWirkung ist eine so wunderbare, wie wohl Niemand wieder mit so\neinfachen Mitteln erreicht hat. Auch der zweite Choral hat eine\nschön figurirte Begleitung. Beide müssten, in der Kirche gehört,\nauch den starrsten Gegner der Instrumental-Musik an heiliger Stelle\nbekehren, denn gerade die verfehmten Saiten-Instrumente bringen\neine so ins Herz greifende Klangwirkung hervor, die kein anderes\nInstrument, auch die Orgel nicht, geschweige denn das allein noch\ngnädig geduldete Fagott, erzeugen kann. Eben so edel und ergrei-\nfend ist das Kecitativ. Bei der Arie, die, musicalisch genommen,\nebenfalls vortrefflich ist, muss man sich allerdings in die Anschau-\nung der Zeit zurückdenken, in der sie geschrieben ist, wo man in\nder Poesie und in Folge deren auch in der Musik neben dem My-\nstischen und Symbolischen, das sich oft in Spielerei mit Gleichnis-\nsen des Sinnlichen und Uebersinnlichen verlor, den Ausdruck welt-\nlichen Entzückens mit der Vorempfindung himmlischer Freude ver-\nwechselte. Uns wird es jetzt freilich schwer, den Ausruf: „Mich\nrufet mein Jesus: wer sollte nicht geh'n?\" mit den Melodieen und\nFiguren der Arie zu verbinden, welche die Erwartung eines „fröh-\nlichen Morgens\" allerdings sehr sprechend ausdrückt, zumal wenn\nsie so vorgetragen wird, wie wir sie an diesem Concert-Abende von\nStockhausen hörten, dessen Gesang in dem Recitativ und der\nArie unzweifelhaft das Höchste leistete, was ein Meister erreichen\nkann in Auffassung, Ausdruck und Gesangkunst. In Bezug auf die\nletzte erinnern wir nur an die ausgehaltenen Töne und an die wun-\nderbare Coloratur, in welcher die ganze Kette von Tönen wie durch\neinen magnetischen Strom so verbunden erscheint, dass jedes Glied\nderselben dem anderen .durchaus gleich und dennoch deutlich zu\nunterscheiden ist.\nVor dem Schlüsse des Concertes, welchen Beethoven's Ouver-\ntüre Op. 124 bildete, trug der treffliche Sänger, der in jeder Gattung\nein echter Künstler ist, noch zwei von den schottischen Liedern\nmit Beethoven's Begleitung von Pianoforte, Violine und Violoncell\nso reizend vor, dass der Applaus kein Ende nahm, bis er-mehrere\nMale wieder auf der Tonbühne erschien."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-02-27-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-02-27_01#c005", "volume": "bmtnabi_1864-02-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "71", "page_fin": "72", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640227-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640227-01.1.7", "debut_caractere": 2696, "fin_caractere_exclue": 7353, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolli. In der vorletzten Sitzung der musicalischen Gesell-\nschaft erwarb der Pianist Herr Treiber aus Gratz durch den Vor-\ntrag des Concertstückes von C. M. von Weber vielen Beifall.\nIn der letzten Sitzung am 20. d. Mts. hörten wir eine neue\nSinfonie von J. J. Abert in Stuttgart (vgl. Nr. 6, Bericht aus\nStuttgart). Nacli dem Titel: „Columbus. Musicalisches See-\ngemälde in Form einer Sinfonie\" könnte man versucht\nsein, diese Composition zum reinsten Wasser der Programm-Musik\nzu zählen; allein der Componist hat die allgemeine Form der Sin-\nfonie und die besondere der einzelnen Sätze (I. Allegro, 11. Scherzo,\n111. Adagio, IV. Finale) durchaus festgehalten und auch durchweg\nnach den classischen Mustern gearbeitet nur im Finale streift\nEiniges an die Manier der neuesten Schule —, so dass man ihm\ndie Ueberschriften zu Gute halten kann, da sie nicht mehr bedeuten,\nals die Ueberschriften Beethoven's in der Pastoral-Sinfonie. Damit\nwollen wir aber nicht einen Vergleich des Abert'schen Werkes mit\ndem Beethoven'schen hervorrufen, denn welchem Componisten der\nGegenwart dürfte ein solcher nicht gefährlich sein? Aber wir er-\nKennen mit A eignügen an, dass im ersten Allegro non trojipo, D-\ndur, 4/VTact („Abfahrt, Empfindungen der Hoffnung und Freude\"),\neine milde, ruhig heitere Stimmung waltet, die an den ersten Satz\nder Pastoral-Sinfonie erinnert, dass aber diese Erinnerung dem Ein-\ndruck keineswegs Eintrag thut, zumal da diese Stimmung durch\nschone und klare Melodiefiihrung und stets im Charakter des Satzes\nbleibende Instrumentirung ihre Einheit bewahrt und das Ganze sehr\nhübsch klingt. Das Scherzo in H-moll: „Matrosenleben\", dürfte\nder am wenigsten gelungene Satz sein. Dagegen weht in dem Ada-\ngio in A-dur: „Ein Abend auf dem Meere\", ein poetischer Hauch,\nder ein Stück echter Romantik an uns vorüberziehen lässt und un-\nleugbar von vorzüglicher Begabung des Componisten zeugt. Auch\ndas Linale: „Erneute Hoffnungen. Widerstand der Elemente. Em-\npörung. Sturm. Land!\" - der längste Satz (69 Seiten der Partitur;\nder erste 45, der zweite 24, der dritte'2(l Seiten) - verräth in vie-\nler Hinsicht J alent, dürfte aber durch Kürzung gewinnen. Den\nSchluss bildet eine sehr effectvolle, glänzend instrumentirte Coda.\nMerkwürdig war uns bei der Aufführung, dass die Sinfonie den\nMusikern und Kennern mehr gefiel, als dem Publicum der Gesell-\nschaft im Allgemeinen, was wohl daher kommen mochte, dass die\nersteren auch bei dem blossen Vomblattspielen eines solchen Wer-\nkes mehr im Stande sind, Vorzüge zu durchschauen, welche erst\ndurch ein sorgfältiges Probiren, das die Sinfonie verdient, für die\nDilettanten mehr ins Ohr fallen.\nBergen op Zoom. (Orgel von Gebrüder C. R. und\nRieh. Ibach in Barmen.) Am 27. Januar fand hier die Einwei-\nhung der neuen Orgel in der katholischen Parochialkirche in Ge-\ngenwait einei zahlreichen und angesehenen Zuhörerschaft Statt.\nZwischen den Vocalsätzen der Messe von C. H. Rinck, Op. 91\nfanden folgende Orgel-Vorträge Statt: J. S. Bach, Präludium und\nFuge, durch Herrn Capellmeister Lux aus Mainz. Allegro maestoso\nund Andante aus einer Sonate von Alph. Mailly, Professor am\nk. Conservatorium zu Brüssel, vorgetragen v.om Componisten. Va-\nriationen über das Gebet der Agathe von C. M. von Weber, com-\nponirt und gespielt von Lux. Variationen von A. Hesse, durch\nHerrn A, Mailly. Meditation über ein Präludium von J. S. Bach\nfür Orgel, Violine und Violoncello von Gounod (Lux, H. 11. J. und\nJ. Hartmann). Variationen über 0 sanetissima von Lux. Die\nErwartungen, welche man nach der Prüfung und Uebernahme der\nOrgel über ihre Wirkung in hohem Maasse gehegt hatte, wurden\nnicht nur befriedigt, sondern noch bei Weitem übertroffen. Die\nschöne Intonation, die gelungene Charakterisirung der einzelnen\nRegister, der gewaltige Eindruck des vollen Werkes im Gegensatze\nzu der Weichheit und Zartheit der sanfteren Stimmen waren eben\nso wie die Vollkommenheit und Leichtbeweglichkeit der Mechanik\nbereits von der Prüfungs-Commission rühmend anerkannt worden,\nwurden aber nun durch die vortreffliche Behandlung des prachtvol-\nlen Instrumentes durch die beiden Künstler vollends ins Licht ge-\nstellt. Die Orgel hat drei Manuale und ein freies Pedal (löfüssig).\nDas erste Manual hat 13, das zweite 9, das dritte 8, das Pedal 11\nRegister zusammen 41 klingende Stimmen mit 2361 Pfeifen.\nWährend die geschätzte Firma der Gebrüder Ibaeh in Barmen,\nwie uns aus Bergen op Zoom berichtet wird, ihren Ruf durch ein\ngrosses Orgelwerk in Holland verbreitet, schreibt man uns aus Of-\nfenburg in Baden ebenfalls Rühmliches über ein Werk des Herrn\nAdolph Ibach in Bonn, welcher aus derselben Familie und"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640227-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2978, "texte": "Kunstschule hervorgegangen ist, wie folgt: „Wir hatten Gelegen-\nheit, der am 1. December v. J. Statt gehabten officiellen Prüfung\nder von Herrn Orgelbauer Adolph Ibach von Bonn für die evan-\ngelisch-protestantische Kirche dahier gefertigten Orgel anzuwohnen.\nViele Sachverständige, Kunstfreunde und Künstler, darunter auch\nein vortrefflicher Organist aus Strassburg, wohnten dem Prüfungs-\nActe bei. Von der Macht der Tonfülle, welche durch die meister-\nhafte Behandlung einiger Künstler diesem ausgezeichneten Orgel-\nwerke entströmte, wurden alle Zuhörer bis zur Begeisterung hinge-\nrissen. Neben der Zartheit und Weichheit einzelner Register, na-\nmentlich der Gamba und Flöte, welche unser Gcmüth fesselte,\nkonnten wir auch der imponirenden Kraft der Bässe unsere Bewun-\nderung nicht versagen. Keine Vorherrschung eines einzelnen Regi-\nsters stört den Eindruck. In der edelsten Abrundung und Eben-\nmässigkeit klingen die Töne der einzelnen Register und diese wieder\nin ihrer Gesammtheit als ganzes Werk in tadelfreier Vollendung.\nAuch in seiner äusseren Ausstattung erhebt sich dieses Kunstwerk\nals eine Zierde. Nach dem Gutachten der Sachverständigen ent-\nspricht dieses Orgelwerk, welchem nach unserem Ermessen wenige\nder neueren Schöpfungen dieser Art als ebenbürtig zur Seite gestellt\nwerden können, allen, auch den strengsten Anforderungen der Kri-\ntik, wesshalb wir nur wünschen, dass dem vortrefflichen, bescheide-\nnen Künstler bald Gelegenheit gegeben werde, im Lande Baden\nauch anderwärts sein Talent als Orgelbauer zur Geltung zu bringen.\"\nDie Mitglieder des Directoriums der Tonkünstler-Ge-\nsellschaft verdienen die vollste Anerkennung und den höchsten\nDank dafür, dass sie keine Mühe und Kosten scheuten, die Auffüh-\nrung eines hier noch nicht gehörten Werkes, Händel's „Salo-\nmon\", zu ermöglichen. Die Aufführung des Oratoriums war eine\nfast durchgängig sehr gute, so dass der Dirigent Herr Jahn, der\ndie Massen mit grossem Geschicke leitete, wie uns scheint, am\nSchlüsse mit grösserem Rechte, als in früheren Jahren, einen ener-\ngischen Hervorruf verdient hätte. Die Chöre hielten sich vortreff-\nlich ; 87 Knaben wirkten präcis und kräftig mit. Obwohl das von\ndem Vorstande der hiesigen Organistenschule dem Concerte zur\nVerfügung gestellte Instrument (es war nicht jenes mit vollständi-\ngem Pedal) als gleichsam nur ein so genanntes Positiv den Inten-\ntionen Mendelssohn's, der eine vollständige Orgel verlangt, nicht\nentsprechen konnte, s.o war die Wirkung bei den Recitativen und\nmehreren Nummern dennoch eine seltene, ja, magische. Besondere\nErwähnung verdient der Organist Herr Prucha und die Solisten,\nund zwar in erster Reihe die Inhaber der Partieen Salomon (Fr.\nProchaska-Schmidt), Erstes Weib (Fräulein Zawiszanka) und Zadok\n(Herr Lukes). Der Besuch war ein massenhafter und mehrere Num-\nmern landen stürmischen Beifall. Weder den Chören und Instru-\nmentalisten als ganzen Körpern, noch den Solisten fehlte es an be-\nsonderen lauten Anerkennungszeichen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "65", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640227-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nBerliner Brief. (Die k. Oper: das Personal. Gounod's „Margarethe\". „Der Tannhäuseru. „Figaro's Hochzeit\". Benedict:\n„Die Rose von Erin\". „Der schwarze Domino\" von Auber; Artöt. Concert- und Kammermusik. Vocalmusik.) Von H. Aus Amster-\ndam (Fest-Concert: Josua; Dr. Grunz. Frl. Schreck. Volks-Concerte. Concerte in Felix Meritis u. s. w.). Achtes Gesellschafts-\nConcert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Musicalische Gesellschaft Orgelbau Frag).\n\nBerliner Brief.\n\n(Die königliche Oper: das Personal. Gounod's\nthe\". „Der Tannhäuser\". „Figaro's Hochzeit\". Benedict:\n„Die Rose von Erin.\" „Der schwarze Domino\" von Auber;\nArtöt. Concert- und Kammermusik. Yocalmusik.)\nDen 18. Februar 1864.\nWährend nicht alizu fern von hier Schlachtmusik er-\ntönt, wozu die Kugeln pfeifen und die Kanonen den Grund-\nbass brummen, schwelgt Berlin in friedlicheren Klängen:\nOpern und Concerte wechseln mit einander ab und die\nZeitungen wimmeln von Anzeigen aller möglichen musica-\nlischen Productionen. Wer dazu Lust hat, kann jeden\nAbend seinen Durst nach Musikgenuss löschen.\nDie königliche Oper mit einem recht reichhaltigen\nRepertoire bewährt ihre alte Zugkraft, und es ist gewöhn-\nlich unmöglich, sich ohne ein bedeutendes Aufgeld Billets\nzu verschaffen. Zwar ist im Friedrich-Wilhelmstädtischen\nTheater vor Kurzem unter pomphaften Ankündigungen\neine italiänische Truppe aufgetreten; die Mitglieder waren\naber „namenlos\", fanden keinen Anklang und sind bald\nwieder ausgewandert. Da Sie im Allgemeinen die Leistun-\ngen der königlichen Bühne kennen, so beschränke ich\nmich daraul, nur von den allerneuesten und hervorra-\ngenden Aulführungen zu sprechen. Dazu gehören die\n„Margarethe\" von Gounod, „Tannhäuser\", Auber's\n„Schwarzer Domino\", „Figaro's Hochzeit\" und endlich\ndie neue Oper Benedict's „Die Rose von Erin\". Von\ndem Personal nenne ich vor Allen Fräulein Lucca, den\nLiebling des berliner Publicums. Sie ist für sich allein\nschon ein Cassenstück; denn es genügt, ihren Namen auf\nden Zettel zu setzen, um Haus und Casse zu füllen. Und\nin der That, was man auch gegen den zu sehr auf das\nsinnlich Schöne gerichteten Geschmack der Berliner sagen\nmag, eine jugendliche, anmutbige Erscheinung, ein leb-\nhaftes, feuriges, mit ganzer Seele in die Bolle eingehendes\nWesen, eine wohlklingende, sympathische Stimme sind\ngeeignet, auf der Bühne eine Wirkung hervorzubringen,\nwelche manche Mängel an musicalischer und künstlerischer\nAusbildung nicht verzeihen, aber doch übersehen lässt.\nSie besitzt unstreitig ein bedeutendes Talent, und dieses\nhilft ihr über manche Schwierigkeiten in der Ausführung\nhinweg, die sonst nur eine gute Schule zu überwinden\npflegt. Frau Harries-Wippern ist mit einer reinen,\nmetallhellen Stimme ausgestattet. Sie und Fräulein de\nAh na, deren imposante Gestalt ihr eine grosse Anzahl\nVerehrer verschafft hat, laboriren auch an mangelhafter\nkünstlerischer Ausbildung. Da soll denn die Natur immer\nhelfen, wo die Kunst nichts thut. Mama Natur ist aber\nnicht immer so freundlich, und lässt diejenigen, die sich\nbloss auf sie verlassen, oft ebenfalls im Stich. Herr Wo-\nworsky ist ein passabler Tenorist; Herr Betz besitzt\neinen wohlklingenden, echten Bariton und wird auch wohl\nnoch Fortschritte im Gesänge machen. Von den übrigen\nMitgliedern schweigt meine Geschichte.\nGounod's „Margarethe\" gefällt dauernd. Es gibt Wi-\ndersacher, welche diese Thatsache der Ausstattung zu-\nschreiben und von der Musik behaupten, es sei ein „se-\nriöser Orpheus in der Unterwelt\". Allein die Oper hat\nbekanntlich auch dort gefallen, wo die Scenerie nicht so\nglänzend ist, wie hier. Die hiesige Aufführung ist brillant.\nFür das schwarzäugige Gretchen des Fräuleins Lucca\nschwärmt manches Männerherz. Die Schmuck-Arie singt\nsie (mit Ausnahme der Coloratur) allerliebst, das Duett\nmit Faust (Woworsky) im dritten Acte und schliesslich die\nKerkerscene gehören mit zu ihren besten Leistungen. Die\nReg ie hat meisterhaft gewirthschaftet. Aus der Jahrmarkts-\nscene mit dem von einem zahlreichen Ballet-Personale ge-\ntanzten Walzer ist ein buntes Lebensbild geschaffen. Die\nGartenscene, die Rückkehr der Krieger und die Scene in\nder Kirche reihen sich würdig an.\nDer Tannhäuser erscheint seltener auf dem Repertoire.\nGar Mancher liebt die Bequemlichkeit, und es ist Vielen"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640227-01.1.2", "texte": "unbequem, aus einem Wust von Musik die einzelnen Schön-\nheiten heraus zu lesen. So geht es einem meiner Freunde\n(allerdings keinem unbedingten Verehrer Wagner's), der au(\nden Einlall gekommen ist, während der Aufführung Wag-\nnerscher Opern nur bei gewissen, ihm besonders zusagen-\nden Stellen in der Loge zu verweilen. Die übrige Zeit\npromenirt er auf den Corridors, und ein sehr musicalischer\nLogenschliesser benachrichtigt ihn, wenn es Zeit ist, wie-\nder einzutreten. Frau Harries singt die Elisabeth mit\nschwungvoller Auflassung. Die erste Arie im zweiten Acte\nund das darauf folgende Duett verdienen alle Anerken-\nnung. Der grosse Marsch und Chor im zweiten Acte, dann\ndie Pilgerchöre verfehlen bei der starken Besetzung von\nChor und Orchester ihre Wirkung nicht. Für das lange\nRecitativ Tannhäuser's im letzten Acte fehlt hier ein Nie-\nmann. Gar oft ist vor dem Tannhäuser der Tenorist zu Ende.\n„Figaro's Hochzeit\" vereinigt auf der Bühne die drei\nbesten Sängerinnen und desshalb im Saale alles, was Beine\nund Billets hat. Diese Oper wird mit einer Begeisterung\naufgenommen, als ob sie jetzt erst die ersten Aufführun-\ngen erlebte. Tage lang vorher wird sie besprochen, man\nzahlt dreifachen Preis für ein Billet, Greise werden zu\nJünglingen und manches den reiferen Jahren angehörende\njungfräuliche Antlitz hätte bei dem Feuer innerer Auf-\nregung an dem betreffenden Abende der verrätherischen\nSchminke entbehren können. Für den Unbefangenen bleibt\ndie Aufführung indessen wohl hinter dem gedachten Ideale\nzurück. Frau Harries singt und spielt die Susanne nicht\nals die schalkhafte, coquetle Spanierin, sondern als ein\ngutmüthiges deutsches Suschen. Dem Vortrage der F-dur-\nArie im letzten Acte gebührt dagegen alles Lob. Fräu-\nlein de Ahna ist eine schöne Gräfin, die mancher andere\nGraf nicht vernachlässigen würde. Sie trägt ihre Arien\nmit vielem Anstände vor, aber die edel empfindende, ge-\nkränkte und trotzdem liebende Gattin gibt sie nicht wieder.\nFräulein Lucca (Cherubin) befriedigt am meisten. Die\nwundervolle Romanze singt sie (sie sagt sie nicht, wie die\nFranzosen sich ausdrücken) mit tiefem Gefühle, und der\nträumerische, klagende Ton gelingt ihr vortrefflich. Im\nUebrigen dürfte bei ihr im Gegensatze zu Frau Wippern\netwas weniger coquetles Wesen an der Stelle sein. Die\nEnsembles gehen nicht eben nach Wunsch, und im Gan-\nzen ist die Aufführung etwas zu schleppend. Sehen wir\naber von diesen kleinen Mängeln ab und stimmen ein in\ndie Freude, welche das herrliche, melodieenreiche,\newig neue Werk bei jedem erregen muss, der nur in die-\nsem wahrhaft Schönen die Musik der Gegenwart und der\nZukunft erkennt. .\n„Die Rose von Erin\", romantische Oper von Julius\nBenedict, ist ein gar merkwürdiges Fabricat. Ich will\nes versuchen, Ihnen vom Inhalt zu erzählen, der den le-\nbendigen Beweis liefert, zu welchen Absurditäten und\nMonstrositäten Effecthascherei verführen kann. Hören\nSie also. Nora O'Connor, genannt die Rose von Erin, ist\nein sehr schönes Mädchen. Sie wohnt in einem Häuschen\nam Ufer des Killarney-See's in Irland, und zwar vis-ä-vis\ndem Schlosse Cregan. Natürlicherweise hat sich der junge\nSohn des Hauses Cregan sehr bald in die Rose verhebt\nund sich sogar mit ihr verlobt. Die Zusammenkünfte fin-\nden nur des Nachts und immer bei Mondschein Statt.\nRitter Harry Cregan besitzt einen Gondolier, der Roman-\nzen singt, in die Harry zum Refrain einfällt. Die Finanzen\ndes Hauses Cregan stehen leider schlecht und das Schloss\nist an einen mit einer Bassstimme begabten alten Wucherer\nverhypothecirt. Der Wucherer droht mit Subhastation\nund verlangt einstweilen Mama Cregan zum Eheweibe.\n(Warum die alte Matrone?) So etwas ist unangenehm,\nund man beschliesst, eine radicale Remedur vorzunehmen,\nindem Harry eine reiche Erbin heirathen soll. Die Rose\nsoll also dem Golde geopfert werden. Allein Harry war\neinstens so unvorsichtig, ihr ein schriftliches Eheverspre-\nchen zu geben. Nach irischen Gesetzen scheint dies ein\nHinderniss zu sein, denn Sullivan, der treue Gondolier,\nder seinen Herrn, trotzdem ihn dieser bei irgend einer\nunpassenden Gelegenheit zum Krüppel geschlagen, fana-\ntisch liebt, beschliesst, besagtes Schriftstück oder die Rose\nmit dem Schriftstücke aus der Welt zu schaffen. Die\nScene, in welcher dieser Entschluss zur Ausführung ge-\nlangt, ist die Höhe der Situation. Ein dazu passender ro-\nmantischer Ort ist eine Höhle am Rillarney-See. Mitten\nin der Höhle liegt ein Stein, der Teufelsstein. Der Zu-\nschauer erblickt also besagte Höhle, besagten Stein und\nden See, der mit seinen Wogen den Stein umspült. Der\nMond ist so freundlich, am betreffenden Abende wieder\nzu scheinen. Die Scene bleibt einige Zeit leer, während\nderen Wassergeister einen Chor singen. Das gehört näm-\nlich zur Romantik. Es erscheint Myles, ein Vetter der\nRose, in der Absicht, eine Otter zu fangen. Unglücklicher\nWeise halten sich die Ottern nur auf der linken Seite der\nBühne auf, während der Vetter auf der rechten Seite steht.\nEr muss also über das Wasser setzen. Das geschieht, in-\ndem er ein Lied singt und sich darauf an einem aus der\nHöhle herunterhangenden Seile hinüberschwingt. Ganz\nä la Leotard. Und der kühne, grässliche Sprung gelingt.\nWährend des Otterfanges nähert sich auf einem Boote\nSullivan mit der Rose, der er ein Rendezvous mit Harry\nvorgeschwindelt hat. Sie besteigen den Teufelsstein. Er\nträgt ihr sein Anliegen vor sie weigert sich, den Schein\nherauszugeben. „Und folgst du nicht willig, so brauch' ich\nGewalt!\" plumps! stürzt er sie kopfüber in den See."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "67", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640227-01.1.3", "texte": "Der Vetter, der den Plumps gehört, erschiesst den Mör-\nder, springt in die Fluten und rettet schwimmend die\nRose. Diese Rettung dauert über fünf Minuten, während\nderen man Myles (zweiten Tenor) im durchsichtigen Was-\nser Schwimmübungen machen sieht. Das war doch zu\nviel für das Publicum, das sich bis dahin ernst gehalten\nhatte: unter einem schallenden Gelächter fiel der Vor-\nhang. Im letzten Acte heirathet dennoch Junker Harry die\nRose. Auf welche Weise die Firma Cregan ihren Credit\nwieder hergestellt hat, bleibt ein Räthsel.\nDie Composition ist ein Gemisch deutscher Lieder,\nitaliänischer Opern- und französischer Romanzen-Musik\nmit vielen und stattlichen Reminiscenzen. Die Ouvertüre\nschwankt von einem unbedeutenden Thema zum anderen,\nbis sie schliesslich in dem sicheren Hafen einer Polka vor\nAnker geht. Kaum einige Nummern erheben sich über das\nNiveau des Allergewöhnlichsten. Von dramatischem Aus-\ndrucke ist nur wenige Spur vorhanden. Die Arien sind\nnur Lieder, die Chöre schlechthin Gesänge, Terzette und\nQuartette hat die Oper gar nicht. Einige fassliche Melo-\ndieen eignen sich allenfalls zu Quadrillen. Die Instrumen-\ntation ist glatt, unmotivirt und vielfach Flotow, vielleicht\nauch Balfe. Dass dieses Machwerk in London gefallen,\nbeweist den Local-Geschmack der Engländer. Dass die\nhiesige königliche Intendanz sich zur Aufführung ent-\nschloss, will ich ihrem Eifer, etwas Neues zu bringen, zu\nGute halten. Warum aber nicht „Die Katakomben\"?\nFür meinen Aerger über die Rose entschädigte mich\nzwei Tage später „Der schwarze Domino\". Desiree\nAr tot sang die Titelrolle. Sie kennen diese reizende Oper\nim leichten französischen Genre. Welche anmuthigen Me-\nlodieen, welche neckische, fein nuancirte Instrumentation!\nDarin herrscht Geist und Leben, das ist eine echte, duf-\ntende Rose, während die Benedict'sche nur eine Klatsch-\nrose genannt werden kann. Opern wie der Domino sind\ndas eigentliche Feld der Artöt, und sie beutete es an die-\nsem Abende mit Glück und Erfolg aus. Ihre kühnen Pas-\nsagen wechselten mit dem innigen Vortrage der Cantilenen\nab. Die Meisterschaft im piano und sotto voce bis in die\nhöchsten Lagen zeigte sich glänzend. Leistungen wie der\nVortrag des aragonesischen Liedes und der Arie im drit-\nten Acte gehören zu denen, die sich einprägen. Warum\nsind der Artöts so wenige?\nEine neue Operette von Offenbach hörte ich im\nFriedrich-Wilhelmstädtischen Theater: „Die Schwätzerin\nvon Saragossa\", die Sie auch schon von Ems her kennen.\nSie ist unbedeutend und arm an Erfindung. Es scheint,\ndie Leier des Orpheus ist zwar nicht verstummt, aber\nverstim mt!\nSo viel Köpfe, so viel Ansichten, gilt in Berlin für die\nFreunde von Concert- und Kammermusik. Es gibt\nfür diese Musik verschiedene, sich feindlich gegenüber-\nstehende Lager. Die Einen wollen nur von Haydn, Mozart,\nBeethoven wissen, die Anderen nur von Bach, Händel,\nGluck, wieder Andere schwärmen für Mendelssohn, Schu-\nmann und Schubert, und eine kleine, aber mächtige Partei\nbegeistert sich für die weimar'sche Schule, für Wagner,\nLiszt, Rubinslein u. s. w. Die königliche Capelle, welche\nalle vierzehn Tage im kleinen Saale des Opernhauses Sin-\nfon i e-Co ncerte veranstaltet, gehört zu den Exclusiven\nder zuerst genannten Art. Die Aulführung einer Mendels-\nsohn'schen Composition ist dort eine Concession, die einer\nGade'schen ein Ereigniss. Die Aufführungen unter der\nDirection Taubert's sind äusserst correct, und der Klang\nin dem akustisch gebauten Saale ist ein wundervoller. Ein-\nzelne auffallende Instrumental-Wirkungen, die ich mich\nnicht erinnere, anderswo gehört zu haben, muss ich ent-\nschieden auf Rechnung dieser vortrefflichen Akustik setzen.\nIm Uebrigen scheint es mir, dass man aul Kosten des Zu-\nsammenspiels Feuer und Nuance geopfert hat. Etwas we-\nniger feines Zusammenspiel und etwas mehr Passion wäre\nmir lieber. Bei der fünften [C-moll) Beethoven'schen Sin-\nfonie gefielen mir die Tempi nicht. Die ersten drei Sätze\nwaren zu rasch genommen, besonders das Scherzo, wo-\ndurch die Passagen der Contrabässe ziemlich verwischt\nwurden. Taubert spielte neulich das Mozart'sche D-dur-\nClavier-Concert, und zwar recht anmuthig und sauber.\nIch vermisste jedoch den markigen, runden Ton und die\nschwungvolle Auffassung, wie man sie z. B. bei lliller's\nVortrag Mozart'scher Compositionen zu hören gewohnt ist.\nDer Karlberg'sehe Orchester-Verein besteht\nnoch nicht lange und verfolgt kein bestimmtes Programm.\nWie ich höre, macht er unter der Leitung seines thätigen\nDirigenten Fortschritte und leistet bereits Löbliches. Hans\nvon Bülow hat eine „Gesellschaft der Musikfreunde\"\ngestiftet, in welcher er, ausser den letzten Werken Beet-\nhoven's, Schumann, Schubert, Wagner, Liszt, Rubinstein,\nBerlioz u. s. w. zur Aufführung bringt. Es scheint, dass\ndie Zukunft allein die Gegenwärtigen nicht befriedigt, denn\nich habe die Bemerkung gemacht, dass auf den neueren\nProgrammen sich bereits Beethoven'sche Werke unter\nNr. 100 und ausserdem höchst verdächtige Namen, wie\nSpohr u. s. w., befinden. Die Liebig'schen populären\nConcerte, k 5 Sgr. Entree (im Abonnement 3 Sgr.), leisten\nfür das wenige Geld recht viel. Der Zweck, gute Musik\nden unbemittelten Ständen zugänglich zu machen, heiligt\ndas Mittel.\nGrössere Vocal-Aufführungen mit Orchester veran-\nstalten die Sing-Akademie und der Stern'sche Ge-\n\nti"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640227-01.1.4", "texte": "sang-Verein. Die erstere ist sehr exclusiv und cullivirt\nbeinahe nur Bach und Händel und vielleicht einige ältere\nitaliänische Meister. Ihre Leistungen stehen gegen die\nStern'schen zurück. Auch dem Stern'sehen Vereine wirft\nman eine zu grosse Einseitigkeit vor. Kürzlich machte\ner indessen eine Ausnahme, und eine zur Gedächtnissfeier\nMendelssohn's veranstaltete Soiree brachte die Walpurgis-\nnacht und das Finale der Loreley. Fräulein Lucca sang\naus Gefälligkeit die Sopran-Partie; diesmal war ein vor-\nhergegangenes sorgfältiges Studium nicht zu verkennen,\nund da sie damit ihr natürliches Feuer vereinigte, dürfte\ndie Loreley wohl zu ihren besten Leistungen zu zählen\nsein. Die Alles scharf kritisirenden Berliner behaupten\nzwar, die Partie der Loreley liesse sich nicht singen, son-\ndern nur schreien; allein ich kann dieser Ansicht, was\nFräulein Lucca anbetrifft, nicht beipflichten. Die Chöre\ngingen besser, als man es hier sonst gewohnt ist. Stern\nist ein vortrefflicher Dirigent, aber dennoch gelingt es ihm\nnicht immer, ein gewisses Schwanken zu bemeistern. Auch\ndas Einsetzen der verschiedenen Stimmen ist manchmal\nunbestimmt. Dann werden die Töne zuerst versuchsweise\nangetastet und gelangen erst, wenn glücklich getroffen,\nzur vollen Stärke. Was Frische der Stimmen, namentlich\nder weiblichen, anbetrifft, gebe ich den rheinischen Chö-\nren entschieden den Vorzug. Sollte die Ursache vielleicht\nan einem eigentümlichen Vorurtheile der hiesigen höhe-\nren Stände liegen, welche es sie verschmähen lässt, ihre\nTöchter von einem Capellmeister dirigiren und corrigiren\nund vom Publicum kritisiren zu lassen? Am Rheine be-\ntheiligen sich doch die Frauen und Töchter aus den besten\nFamilien an den musicalischen Aufführungen, und es wer-\nden dadurch viele gute und, weil es ihre Verhältnisse er-\nlauben, durchgebildete Kräfte gewonnen.\nDer Dom-Chor steht leider nicht mehr auf der\nHöhe seines früheren Ruhmes. Es scheint mir die rechte\nBegeisterung zu fehlen. Ausserdem hat mich immer auf\ndie Dauer die Eintönigkeit des Klanges ermüdet. In einem\nunlängst gegebenen Concerte hörte ich zwei moderne\nCompositionen: eine Motette von Kücken und eine vom\nGrafen von Redern. Sie sind wenig bedeutend. Die\nKücken'sche enthält wenigstens ansprechende Melodieen,\ndie andere ist kein excellentes Werk, sondern das Werk\neiner Excellenz.\nConcerte reisender Künstler finden in dieser Saison\nwenige Statt. Sie sollen hier auch nie rechtes Glück ge-\nmacht haben. Bot sich doch selbst einer Clara Schu-\nmann (bei ihrer Durchreise nach Petersburg) keine Aus-\nsicht auf ein lohnendes Concert dar, während sie in Kö-\nnigsberg drei Soireen mit Erfolg veranstalten konnte.\nBei necke aus Leipzig spielte in einem Concerte des Gu-\nstav-Adolf-Vereins und dirigirte seine Ouvertüre zu „Dame\nKobold\". Sein Spiel gefiel allgemein sehr. Die Ouvertüre\nkennen wir von früher her. Ueber die Bedeutung des\nneuen Componisten Kiel sind die Ansichten der Kunst-\nfreunde sehr getheilt. Sein Requiem soll viel Schönes ent-\nhalten, seine Trio's und Quartette, welche hier in den\nöffentlichen Trio's und Quartett-Soireen (Ehrlich, Engel-\nhardt und Andere) und auch bei Dilettanten gespielt wer-\nden, gefallen weniger, und ich muss gestehen, dass ich in\nden mir bekannt gewordenen, auch in den Clavier-Com-\npositionen, nichts Aussergewöhnliches wahrgenommen\nhabe. Ein neues Clavier-Concert von ihm erscheint dem-\nnächst bei Simrock in Bonn. Hoffen wir im Interesse aller\nconcertirenden Ciavierspieler davon das Beste.\nIn den Familien wird immer noch viel, sehr viel mu-\nsicirt. Unter der Masse des gewöhnlichsten Dilettantismus\nhabe ich indessen einige entschieden begabte Persönlich-\nkeiten gefunden, namentlich unter den Damen. Bei Eini-\ngen, welche mit dem angeborenen Talente künstlerische\nAuffassung vereinen, dürfte die Gränze zwischen Künstler\nund Dilettant schwer zu ziehen sein.\n\nH.\n\nAus Amsterdam.\n(F est-Co 11 c e r t des Vereins zur Beförderung der Tonkunst: Jos u a;\nDr. Gunz. Fräulein Schreck. Yolks-Concerte. Con-\ncerte in Felix Meritis. Franchomme. Sainton und Mad. Sainton-\nDolby. Carlotta Patti. Das 3. Volks-Concert. Concert\ndes St. Vincenz de Pau 1a- Verein s.)\nDen 13. Februar 1864.\nDas erste Concert der Maatschappij zur Beförderung\nder Tonkunst, welches am 5. Januar im Parksaale unter\nVerhülst's Leitung Statt fand, war ein wahres Musikfest;\nseit langer Zeit haben wir in Holland keiner so gelunge-\nnen Leistung beigewohnt, wie die Ausführung des Orato-\nriums „Josua\" von Händel an diesem Abende war.\nHerr Dr. Gu nz aus Hannover sang die Partie des Josua\nund war nicht nur der Held des Oratoriums, sondern auch\ndes Concert-Abends. Der schöne Stimmklang dieses be-\nwundernswerthen Sängers, sein trefflicher Stil, seine tadel-\nlose Methode, seine Auffassung der classischen Musik und\nsein Vortrag derselben haben die Zuhörerschaft entzückt.\nHerr Gunz hat die ganze Macht seiner Mittel entfaltet,\ndie grossen technischen Schwierigkeiten, mit denen die im\nGrunde undankbare Partie des Josua überhäuft ist, wur-\nden mit Leichtigkeit und vollkommener Correctheit über-\nwunden und gewannen dem Künstler während der ganzen\nAufführung des langen Oratoriums immer wiederholte\nBravo's."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "69", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640227-01.1.5", "texte": "Fräulein Schreck aus Bonn, welche wir schon oft\nGelegenheit gehabt haben, zu rühmen, trug die Alt-Partie\ndes Othniel auf vollendete Weise vor. Keine Sängerin ver-\nO\nsteht die Händel'schen Werke so gut wie sie, da sie die\nfeinsten Intentionen des alten Meisters zur Geltung bringt-\nihre schöne Stimme und ihre gute Schule wurden durch\nden lebhaftesten Beifall eines gewählten Publicums an-\nerkannt.\nFrau Offermans van Hove (Achsa) fängt leider an,\nein wenig stark zu tremoliren, um keinen ärgeren Aus-\ndruck zu gebrauchen. Ihre Stimme hat, in der letzten Zeit\nweder an Kraft noch an Rundung gewonnen und ihr Vor-\ntrag wird etwas monoton; aber auch sie ist gewohnt und\ngeschickt, classische Musik zu singen, und man kann sagen,\ndass sie im Ganzen gut an ihrer Stelle war.\nHerr-Lind eck vom Stadttheater in Köln, der erst in\nden letzten Tagen an Stelle des Herrn Behr die Partie\ndes Caleb übernommen hatte, hat eine sonore Bassstimme\nin der tiefen Region, die mittlere scheint bereits etwas ge-\nlitten zu haben und die Höhe ist zuweilen etwas scharf.\nEr ist ein verdienstvoller Sänger und ein trefflicher Mu-\nsiker. Sein Vortrag der Recitative hat uns weniger ange-\nsprochen; mit der schönen Arie: „Soll ich auf Mamre's\nFruchtgefild\", die er mit Adel und tiefem Gefühle sang,\nhatte er grossen Erfolg.\nChor und Orchester haben sich selbst übertroffen.\nDer Chor: „Glorreich ist Gott!\" wurde mit Begeisterung\nda capo gerufen. Verhülst hat sein Restes gethan und ver-\ndient eine ganz besondere Erwähnung; er hat durch die\nAufführung des Josua von Neuem bewiesen, dass er den\nMarschallsstab zu führen versteht und die Massen in Chor\nund Orchester zu beherrschen und zu begeistern weiss.\nDas vierte Volks-Concert stand gegen die früheren\nsowohl in der Ausführung als im Programm etwas zurück.\nDie Concert-Ouverture von Julius Rietz scheint uns\nnicht recht für ein Volks-Concert zu passen urrd hatte we-\nnig Erfolg. Die erste Sinfonie von Reethoven war das Beste\nan diesem Abende. Ausserdem wurde noch Mendels-\nsohn's Sinfonie in A-moll gemacht, und Frau Offermans\nsang einige Lieder von Verhülst auf recht artige hollän-\ndische Texte von J. P. Heije mit Beifall.\nDie Felix-Meritis- und die Park-Concerte haben eine\nReihe von Virtuosen ersten, zweiten und dritten Ranges\nvorübergeführt. Der Violoncellist Franchomme aus Pa-\nris hat den grossen Ruf, den er in der Hauptstadt des\nfranzösischen Kaiserreiches geniesst, hier nicht behaupten\nkönnen; er hatte höchstens einen Der\nViolinist Sainton aus England ist ein talentvoller Künst-\nler, aber ein Spieler aus der alten Schule, der neben den\nLaub, Kömpel, Wieniawski e verliert. Seine\nGattin, Madame Sai nto n-1) ol by , war eine Sängerin\nJ o\nvon grossem Verdienste, aber sie ist im Abnehmen.\nVor Brielessehluss muss ich denn doch noch von der\newigen Carlotta Patti sprechen, welche, durch kolossale\nAnschlagzettel überall zugleich angekündigt, zum ersten\nMale am 11. Februar hier auftrat. Was kann ich Ihnen\nüber sie sagen? Sie haben sie gehört und ausführlich\nbeurtheilt. Es ist ein Naturkind mit wunderbaren Gaben\nund Fehlern ausgestattet. Sie blendet und fesselt die Zu-\nhörer, ohne dass man sich genau Rechenschaft geben\nkann, wodurch. Uebrigens ist der hier von ihr erlangte\nErlolg ihr stark streitig gemacht worden. Vielleicht hatte\nauch der americanische Humbug, der ihrem Auftreten\nvoranging, das holländische Publicum verdrossen, welches\nein geschworener Feind jeder Charlatanerie ist. Wir müs-\nsen die folgenden Concerte abwarten, um diese excep-\ntionelle Erscheinung genauer beurtheilen zu können*).\nAlfred Jaell hat das Concert von Mendelssohn mit un-\ngeheurem Erlolg gespielt; er ist ein vollendeter Meister.\nAuch Laub, ein Violinist diprimo cartello, hat ebenfalls\naussergewöhnlichen Applaus erhalten; man findet indess\nseinen Vortrag etwas kalt, aber seine Technik ist im\nhöchsten Grade vollendet. Matino.\nZur Ergänzung dieses Berichtes fügen wir noch aus\neiner anderen Mittheilung hinzu, dass das dritte Volks-\nConcert (den 27. December v. J.) eines der glänzendsten\nwar, da es zwei herrliche Sinfonieen, von Mozart in D,\nOp. 87, und von Beethoven Nr. VII in A, ferner We-\nber's Oberon-Ouverture und eine Ouvertüre zu Corneille's\nTrauerspiel „Pom pejus \"von Ed. de llartog brachte.\nAlle diese Orchestersachen wurden gut und feurig ausge-\nführt, das Allegro der Mozart'schen Sinfonie wohl etwas\nzu feurig; ein zu schnelles Tempo ist überall nicht ange-\nbracht, geschweige denn bei Mozart. Die Ouvertüre von\nEd. de Hartog ist ein bedeutendes Werk, welches den\nMeister in der Factur verräth; der Stil ist breit, die In-\nstrumentirung effectvoll, und der Zuhörer wird durch die\nSteigerung der Wirkung bis zum Schlüsse gefesselt, nach\nwelchem denn auch lebhafter Beifall ausbrach. Ausserdem\nbezeigte das Publicum auch dem talentvollen jungen Vio-\nlinisten de Gr aar», Schüler von Franz Coenen, seine Sym-\npathie; er spielte ein „Militär-Concertstück\" für Violine\nund Orchester von seinem Lehrer und das Adagio und\nRondo aus Vieuxtemps' erstem Concerte.\n\n*) Diese späteren Concerte haben Statt gefunden, und wir er-\nfahren aus sicherer Quelle, dass in Amsterdam das erste Concert\nam 11. d. Mts. 2100 Fl., das zweite am 13. 2578 FL, das dritte\nam 16. 2240 Fl. und das vierte am 20. 3012 Fl. eingetragen hat!\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640227-01.1.6", "texte": "Am 27. Januar gab der St.-Vincenz-Verein sein jähr-\nliches Concert im grossen Farksaale zum Vortheile seiner\nArmen. Haydn's „Jahreszeilen\" wurden unter der ge-\nschickten Direction von G. A. Heinze recht gut gegeben,\nnur dass im Chor das Verhältniss der Männerstimmen zum\nSopran und Alt nicht ganz ausreichend schien. Von den\nSolisten verdienen Ihre rheinischen Landsleute, Fräulein\nMaria Büschgens aus Crefeld als Hannchen, und Herr\nJulius Scholl, ein Dilettant aus Duisburg, welcher für\nden nicht eingetroffenen Sänger Herrn C. Hill bereitwillig\ndie Partie des Simon übernommen halte, besondere Er-\nwähnung. Erstgenannte hatten wir schon Gelegenheit, in\neinem Concerte in Felix Meritials talentvolle Sängerin\nkennen zu lernen; sie sang auch diesmal die grosse Arie\nund das Spinnlied mit Chor mit klangvoller Stimme und\nvielem Geschmack, so dass sie allgemeinen Beifall erwarb.\nNicht weniger gefiel Herr Scholl in den Arien: „Schon\neilet froh der Ackersmann\", „Seht auf die breiten ie-\nsen hin\", und in der gesangreichen Cavatine: „Der mun-\ntere Hirt\". In Auffassung und Vortrag der Recitative waren\ndie Solisten sehr glücklich. Der Tenorist Herr Callaerts\n(Lucas) besitzt eine angenehme Stimme, welche jedoch\nfür den grossen Parksaal nicht ausreicht, um Eindruck zu\nmachen. Das Orchester war lobenswerth, überall Aplomb,\nSicherheit und innige Verbindung mit dem Gesänge. Dem\ntalentvollen Director G. A. Heinze ward die wohlverdiente\nEhre zu Theil, unter stürmischem Applaus gerufen zu\nwerden. Er hat uns an diesem Abende wieder bewiesen,\nwie gut er die gemüthvolle, melodieenreiche Musik Haydn's\naufzufassen versteht; nirgends Uebertreibung des Tempo's,\nnirgends ein modernisirter Haydn, wie ihn selbst sonst\ntüchtige Dirigenten uns zuweilen vorführen.\n\nAchtes Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller,\nDinstag, den 23. Februar 1864.\nProgramm. Erster Theil. 1. Sinfonie in C-dur mit der\nSchlussfuge von W. A. Mozart. — 2. Ouvertüre und Scenen aus\nder Oper „Iphigenie in Aulis\" von Gluck (Agamemnon Herr Ju-\nlius S t o c k h a u s e n). — 3. Concert Nr. 7 für die Violine von L.\nSpohr (Herr Leopold Auer).\nZweiter Theil. 4, Cantate: „Liebster Gott, wann werd' ich ster-\nben?u für Bass-Solo, Chor, Orchester und Orgel von Joh. Seb.\nBach (Solo: Herr Stockhausen). — 5. a. Romanze für die Violine\nvon Beethoven. b. „Perpetuum mobile\" von Paganini (Herr L.\nAuer). — 6. Schottische Lieder mit Begleitung von Piano, Violine\nund Violoncell von Beethoven (Herr Stockhausen). — 7. Ouver-\ntüre Op. 124 von Beethoven.\nDie prächtige Sinfonie von Mozart wurde ausgezeichnet gut\nausgeführt und jeder Satz mit dem lebhaftesten Applaus aufgenom-\nmen. Nach der im gemessenen langsamen Tempo ausgeführten\nOuvertüre zu Gluck's Iphigenie, in welcher eben durch das richtige\nZeitmaass die gediegene Kraft und der grossartige Charakter dieser\nmonumentalen Musik vollkommen zur Geltung kam, brachte die\nvortreffliche Durchführung der Partie des Agamemnon (dessen erste\ngrosse Scenen bis zum Chor bei der Erscheinung der Klytämnestra\nund Iphigenie gegeben wurden) durch Julius Stockhausen einen\nherrlichen Kunstgenuss. Der Monolog des Agamemnon und die\nScene mit Kalchas, die aus Gründen ebenfalls fast zu einem Mo-\nnolog zusammengezogen werden musste, wurden von ihm mit jener\nMeisterschaft der Declamation und des vollendeten Ausdrucks wie-\ndergegeben, wie man sie nur von einem so classisch gebildeten\nSänger hören kann. Stockhausen hat das mit Jenny Lind gemein,\ndass sein Gesang Anfangs keineswegs imponirt: bald aber beginnt\ner zu fesseln, die Stimme entfaltet sich nach und nach schöner an\nKlang, dem auch ein gewisser sinnlicher Reiz nicht fehlt, und die\nmehr und mehr anziehende, unübertreffliche technische Behandlung\ndieser Stimme als Mittel des Ausdrucks vollendet den Zauber, den\nder Sänger über die ganze Zuhörerschaft übt. Von seinem energi-\nschen Vortrage des Recitativs: „Nein, Griechenland wird um diesen\nPreis nicht gerächt\", so wie von dem milden Hauche der Innigkeit\nin dem Gebete: „Wohlthätiger Gott erhöre des Vaters Fleh'n\",\nkonnte man wirklich sagen, dass er die Scenerie ganz unnöthig\nmachte. Eben so ergreifend war sein Gesang am Schlüsse der zwei-\nten Arie: „Ich höre den Ruf der Natur\", wobei die Oboe so wun-\nderschön eintritt. Die Chöre sind in dieser Scene zu kurz, um ohne\nScenerie zu wirken, mit Ausnahme des reizenden Schlusschors, wo-\nmit die Griechen die nahende Königstochter begrüssen. Merkwür-\ndig, dass Gluck das schöne Motiv dieses Chors auch in der Iphi-\ngenie auf Tauris bloss für Frauenstimmen wieder benutzt hat, und\nnoch merkwürdiger, dass es auf beide Situationen passend schön\nbleibt, obwohl es in Aulis die Bewunderung von „Anmuth und Ho-\nheit\" ausdrückt, auf Tauris aber die „Thränen\" bei dem Opfer, 7das\ndie Griechinnen „den Manen des Orestes\" bringen, mit Tönen be-\ngleitet. So wahr ist es, dass einen bestimmten, nicht einen bloss\nzu errathenden Ausdruck die Musik allein nicht wiedergeben kann.\nDie Annahme des Gegentheils ist ein Grundirrthum der neuesten\nSchule.\nZum Schlüsse des ersten Theiles des Concertes spielte Herr\nLeopold Auer, der kürzlich vom Herzoge von Coburg durch die\nVerleihung der goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaft aus-\ngezeichnet worden ist, das Violin-Concert Nr. 7 von Spohr, eine\nder schönsten Compositionen dieses Meisters, welche der jugendliche\nVirtuose auf würdige und durch reichlichen Beifall mit Recht be-\nlohnte Weise zur Geltung brachte. Herr Auer, den wir vor einigen\nJahren noch als talentvollen Knaben begrüssten, hat die Erwartun-\ngen, welche wir damals von ihm hegten und aussprachen, glänzend\ngerechtfertigt und sich zu einem bedeutenden Künstler entwickelt.\nSeine Technik ist virtuos, sein Ton markig und klangvoll, wenn\nauch zuweilen noch etwas ungleich; der Vortrag war besonders in\ndem herrlichen Adagio recht schön und rief rauschenden Applaus\nhervor. Nachher spielte Herr Auer noch die Romanze von Beetho-\nven, deren Vortrag uns weniger genügte, und darauf das lange und\nin einem fort prickelnde und sprudelnde Perpetuum mobile von"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640227-01.1.7", "texte": "Paganini, wobei einem über die Ausdauer und die rasende Fertig-\nkeit des Spielers wirklich Sehen und Hören vergeht.\nDen zweiten Tlieil des Concertes eröffnete die Can täte:\n„Liebster Gott, wann werd' ich sterben?\" von J. S. Bach, welche\nein Kecitativ und Arie für Bass-Solo zwischen zwei Chören enthält,\nmit Orchester und Orgel. Der Anfangschor hat durch das Geigen-\nQuartett und die Flöte eine merkwürdige Begleitung, welche mehr\nals Begleitung ist, da sie als Hauptsache erscheint und die Sing-\nstimmen nur in abgemessenen Zwischenräumen darein klingen. Die\nWirkung ist eine so wunderbare, wie wohl Niemand wieder mit so\neinfachen Mitteln erreicht hat. Auch der zweite Choral hat eine\nschön figurirte Begleitung. Beide müssten, in der Kirche gehört,\nauch den starrsten Gegner der Instrumental-Musik an heiliger Stelle\nbekehren, denn gerade die verfehmten Saiten-Instrumente bringen\neine so ins Herz greifende Klangwirkung hervor, die kein anderes\nInstrument, auch die Orgel nicht, geschweige denn das allein noch\ngnädig geduldete Fagott, erzeugen kann. Eben so edel und ergrei-\nfend ist das Kecitativ. Bei der Arie, die, musicalisch genommen,\nebenfalls vortrefflich ist, muss man sich allerdings in die Anschau-\nung der Zeit zurückdenken, in der sie geschrieben ist, wo man in\nder Poesie und in Folge deren auch in der Musik neben dem My-\nstischen und Symbolischen, das sich oft in Spielerei mit Gleichnis-\nsen des Sinnlichen und Uebersinnlichen verlor, den Ausdruck welt-\nlichen Entzückens mit der Vorempfindung himmlischer Freude ver-\nwechselte. Uns wird es jetzt freilich schwer, den Ausruf: „Mich\nrufet mein Jesus: wer sollte nicht geh'n?\" mit den Melodieen und\nFiguren der Arie zu verbinden, welche die Erwartung eines „fröh-\nlichen Morgens\" allerdings sehr sprechend ausdrückt, zumal wenn\nsie so vorgetragen wird, wie wir sie an diesem Concert-Abende von\nStockhausen hörten, dessen Gesang in dem Recitativ und der\nArie unzweifelhaft das Höchste leistete, was ein Meister erreichen\nkann in Auffassung, Ausdruck und Gesangkunst. In Bezug auf die\nletzte erinnern wir nur an die ausgehaltenen Töne und an die wun-\nderbare Coloratur, in welcher die ganze Kette von Tönen wie durch\neinen magnetischen Strom so verbunden erscheint, dass jedes Glied\nderselben dem anderen .durchaus gleich und dennoch deutlich zu\nunterscheiden ist.\nVor dem Schlüsse des Concertes, welchen Beethoven's Ouver-\ntüre Op. 124 bildete, trug der treffliche Sänger, der in jeder Gattung\nein echter Künstler ist, noch zwei von den schottischen Liedern\nmit Beethoven's Begleitung von Pianoforte, Violine und Violoncell\nso reizend vor, dass der Applaus kein Ende nahm, bis er-mehrere\nMale wieder auf der Tonbühne erschien.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolli. In der vorletzten Sitzung der musicalischen Gesell-\nschaft erwarb der Pianist Herr Treiber aus Gratz durch den Vor-\ntrag des Concertstückes von C. M. von Weber vielen Beifall.\nIn der letzten Sitzung am 20. d. Mts. hörten wir eine neue\nSinfonie von J. J. Abert in Stuttgart (vgl. Nr. 6, Bericht aus\nStuttgart). Nacli dem Titel: „Columbus. Musicalisches See-\ngemälde in Form einer Sinfonie\" könnte man versucht\nsein, diese Composition zum reinsten Wasser der Programm-Musik\nzu zählen; allein der Componist hat die allgemeine Form der Sin-\nfonie und die besondere der einzelnen Sätze (I. Allegro, 11. Scherzo,\n111. Adagio, IV. Finale) durchaus festgehalten und auch durchweg\nnach den classischen Mustern gearbeitet nur im Finale streift\nEiniges an die Manier der neuesten Schule —, so dass man ihm\ndie Ueberschriften zu Gute halten kann, da sie nicht mehr bedeuten,\nals die Ueberschriften Beethoven's in der Pastoral-Sinfonie. Damit\nwollen wir aber nicht einen Vergleich des Abert'schen Werkes mit\ndem Beethoven'schen hervorrufen, denn welchem Componisten der\nGegenwart dürfte ein solcher nicht gefährlich sein? Aber wir er-\nKennen mit A eignügen an, dass im ersten Allegro non trojipo, D-\ndur, 4/VTact („Abfahrt, Empfindungen der Hoffnung und Freude\"),\neine milde, ruhig heitere Stimmung waltet, die an den ersten Satz\nder Pastoral-Sinfonie erinnert, dass aber diese Erinnerung dem Ein-\ndruck keineswegs Eintrag thut, zumal da diese Stimmung durch\nschone und klare Melodiefiihrung und stets im Charakter des Satzes\nbleibende Instrumentirung ihre Einheit bewahrt und das Ganze sehr\nhübsch klingt. Das Scherzo in H-moll: „Matrosenleben\", dürfte\nder am wenigsten gelungene Satz sein. Dagegen weht in dem Ada-\ngio in A-dur: „Ein Abend auf dem Meere\", ein poetischer Hauch,\nder ein Stück echter Romantik an uns vorüberziehen lässt und un-\nleugbar von vorzüglicher Begabung des Componisten zeugt. Auch\ndas Linale: „Erneute Hoffnungen. Widerstand der Elemente. Em-\npörung. Sturm. Land!\" - der längste Satz (69 Seiten der Partitur;\nder erste 45, der zweite 24, der dritte'2(l Seiten) - verräth in vie-\nler Hinsicht J alent, dürfte aber durch Kürzung gewinnen. Den\nSchluss bildet eine sehr effectvolle, glänzend instrumentirte Coda.\nMerkwürdig war uns bei der Aufführung, dass die Sinfonie den\nMusikern und Kennern mehr gefiel, als dem Publicum der Gesell-\nschaft im Allgemeinen, was wohl daher kommen mochte, dass die\nersteren auch bei dem blossen Vomblattspielen eines solchen Wer-\nkes mehr im Stande sind, Vorzüge zu durchschauen, welche erst\ndurch ein sorgfältiges Probiren, das die Sinfonie verdient, für die\nDilettanten mehr ins Ohr fallen.\nBergen op Zoom. (Orgel von Gebrüder C. R. und\nRieh. Ibach in Barmen.) Am 27. Januar fand hier die Einwei-\nhung der neuen Orgel in der katholischen Parochialkirche in Ge-\ngenwait einei zahlreichen und angesehenen Zuhörerschaft Statt.\nZwischen den Vocalsätzen der Messe von C. H. Rinck, Op. 91\nfanden folgende Orgel-Vorträge Statt: J. S. Bach, Präludium und\nFuge, durch Herrn Capellmeister Lux aus Mainz. Allegro maestoso\nund Andante aus einer Sonate von Alph. Mailly, Professor am\nk. Conservatorium zu Brüssel, vorgetragen v.om Componisten. Va-\nriationen über das Gebet der Agathe von C. M. von Weber, com-\nponirt und gespielt von Lux. Variationen von A. Hesse, durch\nHerrn A, Mailly. Meditation über ein Präludium von J. S. Bach\nfür Orgel, Violine und Violoncello von Gounod (Lux, H. 11. J. und\nJ. Hartmann). Variationen über 0 sanetissima von Lux. Die\nErwartungen, welche man nach der Prüfung und Uebernahme der\nOrgel über ihre Wirkung in hohem Maasse gehegt hatte, wurden\nnicht nur befriedigt, sondern noch bei Weitem übertroffen. Die\nschöne Intonation, die gelungene Charakterisirung der einzelnen\nRegister, der gewaltige Eindruck des vollen Werkes im Gegensatze\nzu der Weichheit und Zartheit der sanfteren Stimmen waren eben\nso wie die Vollkommenheit und Leichtbeweglichkeit der Mechanik\nbereits von der Prüfungs-Commission rühmend anerkannt worden,\nwurden aber nun durch die vortreffliche Behandlung des prachtvol-\nlen Instrumentes durch die beiden Künstler vollends ins Licht ge-\nstellt. Die Orgel hat drei Manuale und ein freies Pedal (löfüssig).\nDas erste Manual hat 13, das zweite 9, das dritte 8, das Pedal 11\nRegister zusammen 41 klingende Stimmen mit 2361 Pfeifen.\nWährend die geschätzte Firma der Gebrüder Ibaeh in Barmen,\nwie uns aus Bergen op Zoom berichtet wird, ihren Ruf durch ein\ngrosses Orgelwerk in Holland verbreitet, schreibt man uns aus Of-\nfenburg in Baden ebenfalls Rühmliches über ein Werk des Herrn\nAdolph Ibach in Bonn, welcher aus derselben Familie und"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640227-01.1.8", "texte": "Kunstschule hervorgegangen ist, wie folgt: „Wir hatten Gelegen-\nheit, der am 1. December v. J. Statt gehabten officiellen Prüfung\nder von Herrn Orgelbauer Adolph Ibach von Bonn für die evan-\ngelisch-protestantische Kirche dahier gefertigten Orgel anzuwohnen.\nViele Sachverständige, Kunstfreunde und Künstler, darunter auch\nein vortrefflicher Organist aus Strassburg, wohnten dem Prüfungs-\nActe bei. Von der Macht der Tonfülle, welche durch die meister-\nhafte Behandlung einiger Künstler diesem ausgezeichneten Orgel-\nwerke entströmte, wurden alle Zuhörer bis zur Begeisterung hinge-\nrissen. Neben der Zartheit und Weichheit einzelner Register, na-\nmentlich der Gamba und Flöte, welche unser Gcmüth fesselte,\nkonnten wir auch der imponirenden Kraft der Bässe unsere Bewun-\nderung nicht versagen. Keine Vorherrschung eines einzelnen Regi-\nsters stört den Eindruck. In der edelsten Abrundung und Eben-\nmässigkeit klingen die Töne der einzelnen Register und diese wieder\nin ihrer Gesammtheit als ganzes Werk in tadelfreier Vollendung.\nAuch in seiner äusseren Ausstattung erhebt sich dieses Kunstwerk\nals eine Zierde. Nach dem Gutachten der Sachverständigen ent-\nspricht dieses Orgelwerk, welchem nach unserem Ermessen wenige\nder neueren Schöpfungen dieser Art als ebenbürtig zur Seite gestellt\nwerden können, allen, auch den strengsten Anforderungen der Kri-\ntik, wesshalb wir nur wünschen, dass dem vortrefflichen, bescheide-\nnen Künstler bald Gelegenheit gegeben werde, im Lande Baden\nauch anderwärts sein Talent als Orgelbauer zur Geltung zu bringen.\"\nDie Mitglieder des Directoriums der Tonkünstler-Ge-\nsellschaft verdienen die vollste Anerkennung und den höchsten\nDank dafür, dass sie keine Mühe und Kosten scheuten, die Auffüh-\nrung eines hier noch nicht gehörten Werkes, Händel's „Salo-\nmon\", zu ermöglichen. Die Aufführung des Oratoriums war eine\nfast durchgängig sehr gute, so dass der Dirigent Herr Jahn, der\ndie Massen mit grossem Geschicke leitete, wie uns scheint, am\nSchlüsse mit grösserem Rechte, als in früheren Jahren, einen ener-\ngischen Hervorruf verdient hätte. Die Chöre hielten sich vortreff-\nlich ; 87 Knaben wirkten präcis und kräftig mit. Obwohl das von\ndem Vorstande der hiesigen Organistenschule dem Concerte zur\nVerfügung gestellte Instrument (es war nicht jenes mit vollständi-\ngem Pedal) als gleichsam nur ein so genanntes Positiv den Inten-\ntionen Mendelssohn's, der eine vollständige Orgel verlangt, nicht\nentsprechen konnte, s.o war die Wirkung bei den Recitativen und\nmehreren Nummern dennoch eine seltene, ja, magische. Besondere\nErwähnung verdient der Organist Herr Prucha und die Solisten,\nund zwar in erster Reihe die Inhaber der Partieen Salomon (Fr.\nProchaska-Schmidt), Erstes Weib (Fräulein Zawiszanka) und Zadok\n(Herr Lukes). Der Besuch war ein massenhafter und mehrere Num-\nmern landen stürmischen Beifall. Weder den Chören und Instru-\nmentalisten als ganzen Körpern, noch den Solisten fehlte es an be-\nsonderen lauten Anerkennungszeichen."}]}