{"numero_id": "bm-bmtnabi-1864-03-05-01", "volume": "bmtnabi_1864-03-05_01", "ocr_sha256": "a1945ef8b0e8d0eb10ce63bfa94e117c71aac403ebf2e968d1065a2d45ff3208", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1864/03/05_01/bmtnabi_1864-03-05_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640305-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1864-03-05-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-03-05_01#c001", "volume": "bmtnabi_1864-03-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "73", "page_fin": "73", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640305-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "73", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640305-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 473, "texte": "Inhalt.\nDie Freiheit der Theater. Aus Wien (Offenbach'sche Werke auf den Theatern Männer-Gesangvereine Gesell-\nschaft der Musikfreunde). Von E. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Concert des kölner Männer-Gesangvereins, 111. und IV-\nSoiree für Kammermusik, Gastspiel der Frau Tuczek-Tlerrenburg Barmen, Abonnements-Concert Berlin, Frau Harriers-Wippern\nGewandhaus-Concert in Leipzig Mainz, Theater-Angelegenheit Dresden, Herr Dawison Stuttgart, Kirchen-Concert u. s. w.)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-03-05-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-03-05_01#c002", "volume": "bmtnabi_1864-03-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "73", "page_fin": "77", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640305-01.2.2", "titre_corps": "Die Freiheit der Theater.", "titre_sommaire": "Die Freiheit der Theater.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "73", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640305-01.1.1", "debut_caractere": 475, "fin_caractere_exclue": 4099, "texte": "Die Freiheit der Theater.\nSo lautet jetzt das Losungswort der dramatischen\nDichter und Componisten in Paris, was bei letzterer Ka-\ntegorie ungefähr eben so viel sagen will, als sämmtlicher\nComponisten in Frankreich, da für sie bekanntlich die\nOper und Operette, am Ende auch nur das Vaudeville\ndas einzige Ziel ihres Strebens ist. Auf der anderen Seite\nhaben die Schauspieler und Bühnensänger bei der Nach-\nricht von den Absichten des Kaisers eine leise Anwandlung\nvon Fieberschauern bekommen, weil sie, ihrer Meinung\nnach unter der Herrschaft der privilegirten Directionen\nschon zu wenig in ihren Rechten geschützt, bei freier\nConcurrenz allen Schutz zu verlieren befürchteten. Aber\ndie Schriftsteller und Componisten sind obenauf und der\nfesten Ueberzeugung, dass durch die Vernichtung der Pri-\nvilegien der Theater die Directionen gezwungen sein wer-\nden, ihre Werke aufzuführen, die bis jetzt durch das\nVeto eines Vorrechtes für grosse oder kleine Oper, für\nTragödie oder Posse um die Unsterblichkeit gebracht\nwerden konnten!\nSchon Anfang December, als die Kunde von dem\nEntschlüsse des neuen Theatergesetzes sich verbreitete,\nrichteten die Componisten von Paris eine Adresse an den\nKaiser, in welcher es hiess: „dass die Abschaffung der\nausschliesslichen Theater-Privilegien endlich der Ton-\nkunst in Frankreich eine breite Laufbahn öffne. Eben so\nbegünstigt in der freien Ausstellung ihrer Werke, wie die\nMaler und Bildhauer, werden die Componisten, der Fes-\nseln ledig, die immer von Neuem jeden Aufschwung\nlähmten, von jetzt an mit der gegebenen Erleichterung,\nsich vor dem Publicum zu zeigen, die nützliche Verwen-\ndung ihres Talentes und den fruchtbarsten Wetteifer fin-\nden. Dieser weise Schutz, den Ew. Majestät der Tonkunst\nzu widmen geruhen will, wird der französischen\nSchule, welche vielleicht in Gefahr ist, den ho-\nhen Rang, den sie sich errungen hat, zu verlieren,\nnoch mehr Glanz verleihen.\"\nDiese Adresse haben wie viele meint der Leser\nwohl? vierundachtzig pariser Componisten unter-\nschrieben! Ein ganzes Heer! Das Spasshafteste dabei ist,\ndass Männer wie Rossini, Auber, Meyerbeer, Fei. David,\nGounod, Thomas u. s. w. die Adresse unterzeichnet ha-\nben, wahrscheinlich ohne sie zu lesen, da sie sonst schwer-\nlich mit Bewusstsein ihr eigenes Todesurtheil (vergleiche\ndie gesperrt gedruckten Stellen) unterschrieben haben\nwürden.\nWorin aber diese sanguinischen Hoffnungen der jün-\ngeren oder unbekannten Componisten,\nriver, wie sie sagen, ihre Begründung finde, will uns\ndurchaus nicht klar werden.\nDurch die Freigebung der Theater-Unternehmungen\nkann allerdings ein verständiger, thätiger, speculativer\nKopf einen guten Gedanken haben, ein die Kunst för-\nderndes Project ins Leben rufen, ohne demülhigen Bewer-\nbungen und Proteclionsgesuchen, ohne Umtrieben und\nEinflüssen persönlicher Gunst unterworfen zu sein. Aber\njed es Ding hat seine Kehrseite. Eben so leicht kann ein\nAbenteurer, ein verkommenes Subject auf sein oder an-\nderer Leute Risico eine Theater-Werkstatt eröffnen, die\ner nach einigen Monaten wieder schliessen muss. Freilich\nkam dergleichen auch bisher schon vor, und die Freunde\nder Freiheit sagen, es sei besser, dass ein Unternehmer\ndergleichen Bankerotte auf eigene Hand mache, als dass\ndie Regierung gewisser Maassen die Verantwortung theile.\nWer will aber mit Sicherheit voraussagen, welche Classe\nvon neuen Theater-Direetoren die Mehrzahl bilden wird,\ndie geschickten, besonnenen und glücklichen Speculanten,\noder die ungeschickten, leichtsinnigen, ja, gewissenlosen?\nDas kann nur die Erfahrung lehren. Es ist aber jetzt\nnicht das erste Mal, dass man in Frankreich diese Erfah-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "74", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640305-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5305, "texte": "rung macht, und die frühere hat, beim Abschluss der\nRechnung, für die Kunst ein arges Deficit ergeben.\nSeit 1791, wo das Gesetz erschien, das Jedem er-\nlaubte, ein Theater zu errichten, hatten sich die Theater\nmaasslos vermehrt; Napoleon's I. Decret vom 29. Juli\n1801 hob in Paris mit Einem Federstriche fünfundzwan-\nzig von ihnen auf. Nach diesem heroischen Mittel gegen\ndie Versunkenheil des Bühnenwesens machten die übrig\ngebliebenen gute Geschäfte. Was hatte die Kunst, im Be-\nsonderen die Tonkunst, bei der Freiheit, die ganz1 unbe-\nschränkt zehn Jahre (1791 —1801) dauerte, gewonnen?\nDoch ehe wir einen Rückblick darauf werfen, wollen\nwir erst die Vorstellungen über die neue Theaterfreiheit,\nwelche, wie wir aus mehreren Blättern ersehen, in\nDeutschland noch ungenau sind, berichtigen.\nDas Gesetz vom 6. Januar enthält in seinem §. 1 die\nwesentlichste Bestimmung der ganzen Reform der Thea-\nter: „Ein Jeder darf ein Theater bauen lassen und es in\nBetrieb setzen unter der Verpflichtung einer Anzeige an\ndas Ministerium unseres Hauses und der schönen Künste\nund an die Polizei-Präfectur von Paris; in den Departe-\nments an die Präfectur.\" —Durch folgenden Zusatz ist die\nUnterstützung von Seiten der Behörden auch für die\nZukunft gewahrt: „Diejenigen Theater, welche der Auf-\nmunterung in besonderem Grade würdig erscheinen, kön-\nnen durch den Staat oder durch die Stadtgemeinden un-\nterstützt werden.\" So wichtig dieser Zusatz ist, so führt\ner doch im Grunde das System der Bevorzugung und alles\ndaran Hangende wieder ein; zugleich aber liegt darin die\nausgesprochene Wahrheit, die auch für die Bühnen in\nDeutschland gilt, dass die Erfahrung lehrt, wie überall ein\ngrosses Theater ohne Zuschuss von irgend einer Seite nicht\nbestehen kann. Es ist also ganz in der Ordnung, dass sich\ndie Regierung das Recht vorbehält, ihre Pflicht den\nKunstanstalten gegenüber erfüllen zu können, und dass\nsie die Unterstützung der dramatischen Kunst für eine\nihrer Pflichten hält, geht auf erfreuliche Weise aus jenem\nZusätze zum ersten Artikel hervor.\nDer andere Haupt-Artikel ist der §. 4: „Dramatische\nWerke jeder Art und Gattung, die Stücke, welche bereits\nGemeingut geworden sind, mit einbegriffen, dürfen auf\nallen Theatern aufgeführt werden.\"\nHiedurch sind also alle Privilegien der einzelnen\nTheater aufgehoben: die Aufführung einer Tragödie oder\neines fünfactigen Lustspiels hängt nicht mehr von der Ent-\nscheidung des Comitede lecturedes Thedtre frangais ab,\neben so wenig wie die Erscheinung einer ernsten Oper\nauf der Bühne von der Annahme der Direction der gros-\nsen kaiserlichen Oper u. s. w. Dieser Paragraph ist der-\nmaassen allgemein gefasst, dass danach jeder Theater-Un-\nternehmer Possen, Vaudevilles, Opern, Tragödien, Komö-\ndien, Ballets, kurz, alles, was er will und kann!\ndurch einander geben darf.\nUns kommt gerade der Erfolg dieses Artikels sehr\nzweifelhaft vor, und doch ist er es, auf den der junge An-\nwachs der Dichter und Componisten seine Hoffnung setzt.\nAuch das Ministerium meint (in den Motiven zu dem\nneuen Gesetze): „Während die lebenden Autoren und\nComponisten Absatzwege für ihre neuen Erzeugnisse fin-\nden können, werden die Meisterwerke des alten Reper-\ntoires, von den Fesseln befreit, welche sie ausschliesslich\nan die beiden ersten französischen Theater banden, von\njetzt an, ohne dadurch herabzusinken, auch die populären\nBühnen zieren und ihre nützlichen Belehrungen dorthin\ntragen. Auf der anderen Seite bleibt die Staats-Regierung\nim Besitze des Rechtes, Institute ersten Ranges durch Sub-\nvention zu unterstützen, damit sie den anderen zu Bei-\nspielen und Mustern der Nacheiferung dienen.\"\nHierbei drängt sich auf der Stelle die Bemerkung\nauf: Was hat vorläufig nur auf die Kunst des Schau-\nspielers und Sängers bezogen in Frankreich den gröss-\nten Einfluss auf die Erreichung einer gewissen Meister-\nschaft in der Darstellung gehabt? Antwort: Die Be-\nschränkung der einzelnen Bühnen auf bestimmte Gattun-\ngen und Fächer der dramatischen Kunst. Ferner: Was\nist in Deutschland nicht nur an immer mehr überhand\nnehmender Unzulänglichkeit der Bühnenkünstler, sondern\nzugleich auch an dem Ruin so vieler Theater-Unterneh-\nmungen Schuld?— Antwort: Die Aufführung dramatischer\nWerke aller Gattungen in Oper und Schauspiel auf einer\nund derselben Bühne und meistentheils durch dieselben\nPersonen.\nIm Uebrigen sind durch das neue Theatergesetz die\nbisherigen Polizei- und Oberaufsichts-Gesetze nicht abge-\nschafft; die Censur der vor der Aufführung einzusenden-\nden Werke ist beibehalten; in Paris kann der Minister\ndes kaiserlichen Hauses, in der Provinz der Präfect die\nAufführung untersagen. Auch die Armen abgäbe ist\nbeibehalten—jene für alle Bühnen-Directionen und Con-\ncertgeber so drückende Steuer, welche keine andere Kuns\nbelastet, als die dramatische und musicalische, eine Steuer,\nwelche die französische Herrschaft auch in unserer Rhein-\nprovinz zurückgelassen hat, und welche an die Abgaben\nder Jahrmarkts-Theater und der Kameel- und Bärentrei-\nber erinnert! Dass §. 5 die Kinder-Theater (also auch\nwohl die Kinder-Ballets) verbietet, ist gewiss löblich.\nWenden wir uns nun zu der Erfahrung über die\nfrühere Periode der Theaterfreiheit in Frankreich zurück,\nund betrachten wir einmal etwas genauer, ob sie—speciel\nder Tonkunst Vortheil gebracht habe, oder nicht."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "75", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640305-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5252, "texte": "Vor der Revolution existirten in Paris die königliche\nOper, von Ludwig XIV. gegründet, die komische Oper\nund das Theater von Monsieur, welches bald das Theater\nFeydeau wurde, und einige unbedeutende Etablissements.\nDurch das Decret von 1791, welches Jedermann erlaubte,\nein Theater zu unternehmen, wurden die Verhältnisse der\nOper wenig geändert. Die drei Operntheater blieben, was\nsie waren; einige Liederbühnen versuchten, daneben auf-\nzukommen, wie das Theater Louvois, das Theater Mon-\ntansier; die Musik setzte wohl einen Fuss auf diese Sce-\nnen, aber ohne auf ihnen zu einem ungetheilten Rechte\nzu gelangen. Auf keinem dieser Nebentheater erschien\nirgend ein Singspiel, das Aufmerksamkeit erregt oder\ndauernden Werth gehabt hätte, während ein zweites\nTheätre frangais einige recitirende Schauspiele brachte,\ndie sich lange hielten.\nIn d en Kranz der grossen Oper flocht die neue Thea-\nterfreiheit auch nicht ein einziges neues Blättchen. Die\nFreiheit kann keinen Anspruch darauf machen, irgendwie\nTheil an den grossen Werken, welche die grosse Oper\nüberhaupt hervorgebracht hat, zu haben: auf ihre Rech-\nnung kommen nur ephemere Schöpfungen von traurige.'\nMittelmässigkeit, wenn sie nicht geradezu unter Null stan-\nden. Während einer zehnjährigen Periode war das grosse,\nschöne Theater von allen Componisten von Geist und Ta-\nlent, mit Ausnahme von Gretry, Mehul und Gossec, ver-\nlassen und brachte kaum zwei oder drei achtbare Werke\nunter einer Menge von schlechten Producten. Gretry's\n„Anakreon bei Polykrates\", wahrlich keines seiner Mei-\nsterstücke, war das Hauptwerk dieser Periode auf einer\nBühne, der die erhabenen Schöpfungen eines Gluck, Pic-\ncini, Sacchini hohen Glanz verliehen hatten. Sonach\nexistirte die grosse Oper eigentlich nur noch dem Namen\nnach und trug an und für sich, geschweige denn im Ver-\nhältnisse zu ihrer früheren Wirksamkeit, nichts zum Auf-\nschwünge der dramatischen Musik bei.\nUnd dennoch hatte während dieser Freiheits-Periode\ndiese Oper keine Concurrenz zu bestehen: keine einzige\nUnternehmung versuchte, ihr bevorrechtetes Genre an sich\nzu reissen und sie auf ihrem alten Gebiete zu beunruhi-\ngen. Und welch ein Unterschied zwischen den Ausgaben\nvon damals und den Kosten der jetzigen Oper! Man denke\nnur, abgesehen von allem Anderen, an den heutigen Ga-\ngen-Etat! Wessen sich also in der ersten Aera der Thea-\nterfreiheit, von 1791 bis 1801, Niemand unterfing, wird\ndas jetzt bei zehn Mal grösseren Schwierigkeiten Jemand\nunternehmen? Wer wird es wagen, der grossen Oper\nConcurrenz zu machen? Wer, oder selbst welche Actien-\nGesellschaft, wird neben dem jetzigen neu erstehenden\nHause noch einen neuen Theater-Palast bauen und das\nCapital für die ganze Einrichtung der Bühne und der\nSäle hergeben wollen, da es schon in die Millionen geht,\nbevor der erste Accord des neu geschaffenen Orchesters\nund der erste Ton des neu engagirten Sänger-Personals\ndarin zu Gehör kommt? Und wird die Subvention des\nStaates dem Concurrenz-Unternehmen ohne Weiteres in\ndie Tasche fallen? Das Einzige, was man zur Ermunte-\nrung der gefahrvollen Nebenbuhlerschaft anführen könnte,\nwäre, dass Frankreich ruhiger ist, als in jener ersten Pe-\nriode, dass die Künste des Friedens mehr sicheren Boden\ngewonnen haben, dass endlich die Liebhaberei an der\nOper zugenommen habe. Beides Erstere geben wir zu,\ndas letzte nicht; wohl hat die Liebhaberei als Sucht nach\nNeuem zugenommen, aber jenes echte Interesse für Opern-\nmusik, welches einst Parteiungen, wie für Gluck und Pic-\ncini, erzeugte, ist nicht mehr in Paris vorhanden, es hat\nsich in die Liebhaberei des Angaffens von Decorationen,\noptischen und mechanischen Kunststücken verkehrt.\nIn der komischen Oper, oder richtiger gesagt: in der\nmit Dialog gemischten Oper, waren die Franzosen schon\nim Jahre 1791 weit voran geschritten. Sie hatten ausser\nden früheren Opern Le Tableau parlant, La fausse Ma-\ngie u. s. w. von Gretry den trefflichen Richard Coeur\ndu Hon,', Mehul hatte mit „Conrad und Euphrosine\" eine\nelektrische Wirkung erzeugt. Die neue Aera fand also\nhier nur wenig zu thun, um etwa den Rahmen zu ver-\ngrössern. Indess gebührt der Ruhm dem Theater Fey-\ndeau, dass es sich kühn dem älteren Theater Favart ent-\ngegenstellte und zehn Jahre Stand hielt, bis—beide Thea-\nter einsahen, dass sie getrennt nicht bestehen\nkonnten, und sich vereinigten.\nIndessen hatte doch diese Concurrenz Resultate für\ndie dramatische Tonkunst. Während der zehn Jahre sei-\nner selbständigen Existenz hatte das Theater Feydeau\n216 Werke gebracht, nämlich etwa 40 italiänische oder\nübersetzte Stücke, 50 Komödien oder Schauspiele und\nungefähr 108 oder 110 Opern und Vaudevilles. Rechnen\nwir zehn neue Opern jährlich, so ist das gewiss schon die\nhöchste Zahl, die ein Theater liefern kann. In diesen zehn\nJahren wurden neue Werke von mehr als vierzig Com-\nponisten aufgeführt —: unter ihnen waren allerdings\nsolche, die zum ersten Male fürs Theater schrieben, aber\nauch viele schon bekannte, ja, berühmte Namen. Dalayrac\nallein, ein Veteran und kein Neuling, brachte mehr als\n25, Gavaux 17, Soliö 11, Mehul 10, Gretry 8, Berton\n8, Cberubini 8, Kreutzer 8, Boieldieu 7, Lesucur 4\nu. s. w. u. s. w. *).\n\n*) Dix Annees lyriques en France par Paul Smith. Gazette et\nRevue mus. An 184* J. Nr. 4]—!4.\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "76", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640305-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5311, "texte": "Es war also einer der ältesten Componisten, dessen\nRuf schon auf eine ganze Reihe von Erfolgen begründet\nwar, der von der neuen Theater-Unternehmung den mei-\nsten Vortheil zog. Aber diese gewährte dennoch der Kunst\neinen grossen Dienst, indem sie theils einige jüngere, un-\nbekannte Talente zur Anerkennung brachte oder wenig-\nstens sie dazu zu bringen versuchte, und anderen bereits\ngemachten Meistern Gelegenheit zu Werken gab, für\nwelche der Rahmen des älteren Theaters der komischen\nOper (Favart) zu eng war.\nDahin gehörte besonders die neue Gattung von musi-\ncalischen Dramen, welche Lesueur und Cherubini schu-\nfen, von der man sowohl in Bezug auf den Adel des Stils,\nals auf die Benutzung des Chors und der Scenerie bisher\nnoch keine Vorstellung gehabt hatte. So entstanden\nCaverne, Telemaque von Lesueur, und von Cherubini Lo-\ndoiska, Medea, Elisa oder die Reise über den St. Bern-\nhard u. s. w., die mit einem Aufwände in Scene gesetzt\nwurden, welcher im Theater Favart gar nicht anzubrin-\ngen war. Auch Steibelt's „Romeo und Julie\" gehört hie-\nher, eine Oper, die mit demselben Glänze in Scene ging\nund an zweihundert Vorstellungen erlebte.\nNeben diesen drei Componisten, deren Talent sich auf\ndem neuen Theater entwickelte, erlangten einige andere,\nunter ihnen Gaveaux, durch angenehme und gefällige\nMusik leichterer Gattung grosse Popularität. Ihre Musik\nwar geistvoll und melodiös, und man nahm leicht und\ngern etwas daraus mit nach Hause.\nDas Theater Feydeau bildete aber neben guten Com-\nponisten auch gute Sänger und Schauspieler, welche bei\nder Verschmelzung mit der älteren komischen Oper das\nPersonal dieser erfrischten und verjüngten.\nDies waren also für diese Gattung der dramatischen\nMusik wirklich gute Folgen der Concurrenz, welche die\nTochter der Theaterfreiheit war. Allein das Endresultat\nwar trotzdem, dass die Concurrenz sich nicht behaupten\nkonnte, dass sie die beiden Operntheater, durch welche\nsie aufrecht gehalten werden sollte, in ihren Sturz mit\nhinab zog. Am Ende mussten beide kämpfende Schiffe die\nSegel streichen und um ihrer eigenen Existenz willen\nFrieden machen und sich einigen.\nAber auch von Seiten des Vortheils für die Tonkunst\nstand das Resultat in keinem Verhältnisse zu den geheg-\nten Erwartungen; die Concurrenz trieb keine reiche Blü-\nthen musicalischer Genies hervor. Damals, wie jetzt,\nglaubte man, dass nun, da die Schranken gefallen und der\nZutritt zu dem Kampfplatze einem Jeden gestattet, grosse\nMusiker von allen Seiten her aufstehen und ihr Vaterland\nvon dem Tribut an die fremden Nationen befreien würden.\nWenn wir, wie es geschehen muss, Cherubini, und\nBerton ausnehmen, die schon vor der Theaterfreiheit Ruf\nerworben hatten, so bleibt von allen jüngeren Compo-\nnisten nur Einer übrig, der seine Erstlingsgaben auf den\nAltar des neuen Theaters legte und wirklich auch für die\nZukunft ein grosser Tondichter wurde: Boieldieu. Nicolo,\nkein Franzose, brachte sein erstes Werk erst nach der\nVereinigung beider Theater auf die Bühne.\nAlso: wenn beim Anfange der Concurrenz sieben bis\nacht Componisten ersten Ranges vorhanden waren, sich\num die Palme zu streiten, so fanden sich beim Ende der-\nselben nur zwei neue dazu, welche im Stande waren, sich\nin die Arena zu wagen.\nAus diesen historischen Notizen geht also hervor, dass\ndie freie Concurrenz der dramatischen Kunst keine dau-\nernden Vortheile gebracht, obwohl sie als Schöpferin einer\nUebergangs - Periode Berechtigung zur Anerkennung\nhat; dass aber für das Aufleben und die Entwicklung\nvon Genies, deren Entstehungsgründe weder mess- noch\nzählbar sind und in ganz anderen Einwirkungen liegen,\nals staatliche Institute haben können, nichts von der Theater-\nfreiheit zu hoffen ist, wiewohl es eben so verkehrt wäre, den\nAufschwung der französischen Oper nach jener Periode\nauf Rechnung des Regimes zu setzen, welches durch Na-\npoleon I. wieder eingeführt wurde. Thatsache bleibt es\naber immerhin, dass Spontini, Herold, Auber, Meyerbeer,\nu. s. w. erst in der Aera der wieder eingeführten\nConcessions-Beschränkung ihre Werke schufen.\nDie ganze vom gegenwärtigen Kaiser decretirte Thea-\nterfreiheit läuft auf die Theatergewerbe-Freiheit\nhinaus und ist nichts als eine Concession an die Gewerbe-\nfreiheit überhaupt, welche für klug und zeitgemäss ge-\nhalten worden, da sie zu den Freiheits-Iliusionen ge-\nhört, womit der liberale Imperialismus die Franzosen be-\nglückt. Das einzige Gute daran dürfte die Abschaffung\ndes ausschliesslichen Vorrechtes einzelner Bühnen für ge-\nwisse Gattungen dramatischer Werke sein; dass aber auch\ndieses Gute in Nachtheil umschlagen kann, haben wir\noben angedeutet. Im Princip aber ist es gewiss ungerecht-\nfertigt, das Geschäft der Theaterleitung mit dem Betriebe\nvon anderen Gewerben auf eipe und dieselbe Linie zu\nstellen. Die Gefahr liegt in dem Mangel an Bürgschaft,\nwelche der Staat und das Gemeinwohl gegen die Unfä-\nhigkeit der Unternehmer hat, wenn Jedermann, der Lust\nund vielleicht Geld dazu hat, ein Theater errichten und\nausbeuten kann. Ein Kunst-Institut, und vollends ein sol-\nches, wie das Theater, dessen Einfluss auf Bildung und\nMoralität so bedeutend ist, ist doch etwas Anderes, als\nein Handwerk oder eine Fabrik. Liefert der ungeschickte\nHandwerker oder Fabrikant schlechte Waare, so schadet\ner doch nur sich selbst; ein unfähiger und gewissenloser"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "77", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640305-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3312, "texte": "Theater-Director kann aber für sich selbst sogar ein gu-\ntes pecuniäres Geschäft machen, während er der Kunst\nund dem Geschmack und der Sittlichkeit, mithin dem »ei-\nstigen Gemeinwohl unendlich viel schadet. Warum soll\nder Staat, dessen erste Pflicht die Sorge für das Gemein-\nwohl ist, von den Leitern der so einflussreichen Wirksam-\nkeit eines Theater-Instituts nicht eben so gut Bürgschaften\nihrer Befähigung verlangen, wie er sie bei allen übrigen\neinflussreichen Stellungen der Staatsangehörigen verlangt?\nUnserer Ansicht nach thut ein Gesetz über die Regelung\nO O\nder Beschränkung der Concessions-Verleihung und\neine weit strengere Handhabung desselben, als die darauf\nbezüglichen Vorschriften bis jetzt erfahren haben, weit\nmehr noth, als jene so genannte Theaterfreiheit.\nDie andere Gefahr, welche diese Freiheit mit sich\nführt, liegt in der Concurrenz an sich; um sich davon\nzu überzeugen, muss man die Sache weniger principiel als\npraktisch betrachten. Die gewöhnlichen Gewerbe beruhen\nauf dem Bedarf, und der Absatz ihrer Erzeugnisse\nsteht zu den Kosten, die darauf verwandt werden müs-\nsen, in bestimmtem Verhältnisse. Es ist ein grosser Unter-\nschied, ob der Fabrikant für fünfzig oder für fünfhundert\nMenschen Waare liefern will. Dieser Umstand hält also\ndie Concurrenz in Schranken, da nicht Jeder im Stande\nist, das nöthige Capital zu schaffen. Der Betrieb des Thea-\ntergeschäftes beruht aber auf der Frequenz der Zu-\nschauer, und die Betriebskosten sind ganz gleich, ob der\nDirector vor fünfzig Leuten oder vor fünfhundert oder\ntausend spielt. Hier ist mithin der Reiz zum Concurrenz-\nmachen viel lockender und gefahrloser, und wenn keine\nNachfrage mehr nach der Befähigung existirt, so wer-\nden sich eine Menge von Concurrenten finden,, um ein\nGeschäft zu versuchen, bei welchem das Verhältniss der\nEinnahme zur Ausgabe sich so vortheilhaft gestaltet—mit\nEinem Worte: das Geld wird dann auch hier die grösste\nRolle spielen. Dass aber durch eine ins Maasslose gestei-\ngerte Concurrenz bei der Unbeständigkeit der Gunst des\nPublicums, welche wie die Wetterfahne sich bei jedem\nneuen Winde dreht denn de gustibus non est dispu-\ntandum —, der Frequenz der besseren Theater Abbruch\ngeschehen werde, ist klar, und da die Frequenz die ein-\nzige Basis der Durchführung eines guten, künstlerische\nZwecke verfolgenden Unternehmens ist, so leuchtet ein,\ndass auch schon die Concurrenz an und für sich der\nwahren Kunst keinen Vortheil, sondern eher Nachtheil\nbringen muss.\nSo eben lesen wir in einem pariser Blatte: „In Folge\nder neuen Theaterfreiheit hat sich hier eine Gesellschaft\nmit einem Capital von einer Million Francs gebildet, die\ngemeinschaftlich im Chätelet-, Gaite- und Porte-St.-Martm-\nrheater ergiebige Cassenstücke zur Aufführung bringen\nwill. Im Chätelet soll fortan vorzugsweise die in\nder Gaite das eigentliche Melodrama, in der Porte St. Mar-\ntin das historische Drama und wo möglich das alte Re-\npertoire cultivirt werden. Zur Vorbereitung der grossen\nMaschinenstücke, welche hier stets eine sehr werthvolle\nZeit und Räumlichkeit in Anspruch nehmen, wird in\nChampigny bei Vincennes eine grosse Decorations- und\nMaschinen-Fabrik nebst einer vollständigen Bühne einge-\nrichtet, wo die Ausstattung der neuen Stücke hergestellt,\nzusammengesetzt und probirt werden soll.\" Schöne\nAussichten!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-03-05-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-03-05_01#c003", "volume": "bmtnabi_1864-03-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "77", "page_fin": "78", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640305-01.2.3", "titre_corps": "Aus Wien.", "titre_sommaire": "Aus Wien.", "signature_source": "R", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "77", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640305-01.1.5", "debut_caractere": 3314, "fin_caractere_exclue": 5117, "texte": "Aus Wien.\n\nDen 23. Februar ]864.\n„Saison Opfenbach\" wäre die beste Bezeichnung für\nunsere gegenwärtige Theaterzeit, denn Ottenbach be-\nherrscht jetzt hier das Repertoire. In voriger Woche wur-\nden an drei Abenden in drei verschiedenen Theatern Of-\nfenbach'sche Werke aufgeführt: im Hof-Operntheater die\n„Rheinnixen\" zum fünften, sechsten und siebenten Male\nbei stets überlülltem Hause, „Signore Fagotto\" allabend-\nlich im Carltheater und „Die Kunstreiterin\" allabendlich\nim Theater an der Wien. Signore Fagotto (das Sujet ist\neine Copie des Capeilmeisters von Venedig) ist musicalisch\ndie reichste von den Operetten des Componisten und hat\nviel Schönes, was aber hier in Folge falscher Besetzung\nverloren geht. Herr Treumann hat nämlich der Frau\nGrobecker, die beinahe jeden Abend in Hosenrollen er-\nscheinen muss, die Partie des Signore Fagotto, die für\neinen Bass-Buffo geschrieben ist, übertragen. Da hört denn\nfreilich Alles auf, und OfTenbach hatte dadurch triftigen\nGrund, seinen Contract mit Treumann zu lösen. Dadurch\nwar nun auch dem Theater an der Wien gestattet, Ope-\nretten von OfTenbach zu geben. Den Anfang machte „Die\nKunstreiterin\" (Mademoisells en lotterie). Herr Director\nStrampfer, der strebsamste unserer Bühnenlenker, besitzt\nein Personal für die Operette, wie kaum eine zweite Bühne\nes vorzuführen hat. Fräulein Gallmeier, die sprühende,\naber auch launenhafte Soubrette, versteht es, jeden Abend\nihr Auditorium zu entzücken. Die Herren Friese und Svvo-\nboda, letzterer mit einer schönen Tenorstimme begabt,\nsind sehr gute komische Kräfte, die neben einer grossen\nRoutine auch gründliche musicalische Bildung besitzen.\nDas Personal für kleinere Gesang-Piecen, Chor und Or-\nchester ist brav. Dieser Tage sahen wir eine Wohl-\nthätigkeits-Vrostellungim Hof-Operntheater, wie sie selten"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "78", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640305-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3023, "texte": "vorkommen wird. Es wurde Baimund's „Verschwender\"\ngegeben mit Besetzung sämmtlicher Rollen durch die be-\nsten Kräfte des Hofburg-Theaters. Den Bettler sang Herr\nHof-Opernsänger Mayerhofer, Chöre und Orchester gab\ndie llofoper. Als Statisten bei dem vorkommenden Feste\nerschienen sämmtliche nicht beschäftigte Mitglieder der\nbeiden Hoftheater. Der Reinertrag der Vorstellung des\n„Verschwenders\" hat 7245 Fl. betragen, die sämmtlichen\nKosten nur 60 FL, und auch diese nur für Wagen.\nEin neuer Männer-Gesangverein, der „Schubert-\nBund\", nur aus Lehrern bestehend, an dessen Spitze der\ntüchtige Chormeister Franz Mayr steht, hat in seiner\nersten öffentlichen Production gezeigt, dass man bessere\nProgramme zusammenstellen und auch theilweise noch\nbesser singen kann, als der wiener Männer-Gesangverein,\nwelcher allerdings die 27 neben ihm bestehenden nicht zu\nfürchten hat; dieser 28ste aber dürfte ihm gefährlich\nwerden. Der wiener Männer-Gesangverein hat durch\nseine Liedertafel zum Besten der verwundeten Soldaten\nmehr als 1000 Fl. an das Hülfs-Comite senden können.\nDas dritte Concert der Gesellschaft der Musikfreunde\nbrachte uns unter Herbeck's Leitung: Mendelssohn's\n„Lobgesang\", Sinlonie-Cantate für Solostimmen, Chor\nund Orchester, dann Haydn's Sinfonie in D. Wenn auch\ndas Programm weniger interessant war, als beim zweiten\nConcerte, in welchem Schumann's Faust-Musik mit dem\nMeister des Gesanges Julius Stockhausen gebracht\nwurde, so war die Aulführung doch ganz geeignet, das\nzahlreiche Auditorium vollkommen zufrieden zu stellen. Im\nLobgesange entzückte Frau Wilt durch ausgezeichnet\nschönen Vortrag, während Fräulein .Seeho fer, eine junge,\nmit einer umfangreichen Stimme begabte Sängerin noch\nzu sehr die Anfängerin durchblicken liess, um in einem\nsolchen Werke als Solistin zu genügen. Indess verdient ihr\nFleiss und emsiges Streben alle Anerkennung. Herr Dr.\nOlschbauer, sonst unser Tenor schien\nnicht gut disponirt. Die Chöre waren ausgezeichnet, beson-\nders im Choral, doch ist der Frauenchor nicht so voll und\nkräftig, wie in der Sing-Akademie, der Männerchor aber\nsehr gut. Das Orchester, welches der artistische Director\nder Gesellschalt, Herr Herbeck, vor einigen Jahren zusam-\nmengestellt hat, ist heute schon ausgezeichnet zu nennen.\nDie drei Sätze der Sinlonie-Cantate wurden correct und\nmit Schwung ausgeführt, obwohl ein hiesiger Kritiker, der\ndie Sinfonie in Dvon Haydn für Mozart's Sinfonie\nanhörte, das Orchester matt nannte. Diese Sinfonie wurde\nmit so viel Präcision und Feinheit gebracht, dass jeder Satz\nstürmisch applaudirt wurde. Bald werden unsere Philhar-\nmoniker nichts mehr voraus haben, als die grössere An-\nzahl von Instrumenten.\nNächsten Sonntag findet das vierte Gesellschafts-Con-\ncert und gleich darauf ein Schubert-Concert durch dieselbe\nGesellschaft Statt. Dann folgen noch Concerte der Sing-\nAkademie, des Singvereins und zwei philharmonische;\nausserdem sind wir noch immer überschwemmt mit Con-\ncertgebern, die alle Instrumente repräsentiren. Wann wer-\nden wir Ruhe haben?\n\nR."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-03-05-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-03-05_01#c004", "volume": "bmtnabi_1864-03-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "78", "page_fin": "80", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640305-01.2.4", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "78", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640305-01.1.6", "debut_caractere": 3025, "fin_caractere_exclue": 6185, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHolli# Sonntag den 28. Februar gab der kölner Männer-\nGesangverein unter Franz Weber'ß Leitung ein Concert im\ngrossen Gürzenichsaale zum Besten „der deutschen Truppen in\nSchleswig\", welches von einem sehr zahlreichen Publicum besucht\nwar und des Schönen gar Vieles brachte. Der Verein bewies durch\nden überaus präcisen, gut nuancirten und klangvollen Vortrag der\ngewählten Gesänge einmal wieder unter stürmischem Applaus, dass\nihm die Meisterschaft in diesem Genre nicht streitig gemacht wer-\nden kann. Der Veranlassung gemäss bildeten kriegerische und pa-\ntriotische Lieder („Dir möcht' ich diese Lieder weihen\" von C.\nKreutzer, Soldatenabschied von Silcher, „Das Eisen bricht die Noth\"\nvon E. Geibel und F. Hiller, Freiheitslied von C. M. von Weber,\nSchlachtlied von Klopstock für Doppelchor von F. Schubert) den\nHauptinhalt des Programms, dem sich Franz Weber's „Weine nicht!\"\nfür Tenor-Solo und Chor und Abt's „Vineta\" anschlössen. Die Com-\nposition J. Herbeck's von Reinick's „Morgenlied\" erschien zu ge-\nsucht; sie gibt mehr Malerei einzelner Worte, als die Stimmung des\nGanzen wieder. Ausserdem trug Fräulein Julie Rothenberger\nBeethoven's Clärchen-Lieder aus Egmont mit Applaus vor; ohne Or-\nchester kann aber die beste Sängerin beide nicht zu vollständiger\nGeltung bringen, zumal da der dabei benutzte Clavier-Auszug zu\nden Zurechtmachungen für Dilettanten gehört, welche die Intentionen\nder Partitur kaum ahnen lassen. Herr Leopold Auer, der in Düs-\nseldorf als Concertmeister angestellt ist, spielte Präludium nnd Fuge\nin G-moll von J. S. Bach mit grosser Bravour, ferner die „Legende\"\n(nächstens werden wir auch wohl noch eine „Agende\" oder eine\n„Homilie\" auf der Violine oder dem Ciavier zu hören bekommen!)\nund die Polonaise von Wieniawski und gab nach stürmischem Her-\nvorrufe noch Paganini's Perpetuum mobile mit derselben staunens-\nwerthen Technik hinzu, die wir im letzten Gesellschafts-Concerte\nbewunderten. Herr Alexander Schmit liess durch den edlen Ge-\nsang auf den Saiten seines Violoncells die Schwächen der Phantasie\nvon Servais vergessen und rief durch ein Andante und ein Lied aus\ndem XVII. Jahrhundert den Eindruck und Ausbruch des Beifalls\nbei dem ganzen Publicum hervor, den der seelenvolle Vortrag einer\nMelodie niemals verfehlt.\nIn der dritten Soiree für Kammermusik hörten wir ein Vio-\nlin-Quartett von Haydn in D-dur und das Quartett Nr. 2 in E-moll\naus Beethoven's Opus 59 (erste Violine Herr Georg Jap ha) in\ntrefflicher Ausführung, ferner eine „Suite\" in fünf Sätzen (Allemandej\nSiciiienne, Burleske, Menuett, Marsch) für Pianoforte und Violine\nvon Woldemar Bargiel, von welcher einzelne Sätze uns an-\nsprachen, andere weniger, da in ihnen eine geistreiche Rhythmik die\nHerrschaft über die Melodie hartnäckig zu behaupten schien.\nDie vierte Soiree brachte das grosse, für Viele, von deren\nZahl wir uns selbst nicht ausnehmen, übergrosse\nOp. 132, von Beethoven (erste Violine Herr von Königs low),\nin welchem zuweilen, z. B. im dritten Satze, dem „Dankliede in ly-\ndischer Tonart für Genesung\" (Beethoven war wirklich im Winter\n1824 von einer schweren Krankheit befallen gewesen, nach welcher"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "79", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640305-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7701, "texte": "er im Frühjahre 1825 diesem Quartette die letzte Feile gab), der\nlogische Zusammenhang der Ideenfolge stets ein Räthsel bleiben\nwird, wenn man nicht so dreist sein will, zu behaupten, es sei gar\nkeiner darin. Das will nun Schreiber dieses nicht thun, sondern\nzieht es vor, mit Beethoven's bestem und gründlichst musicalischem\nFreunde, dem Grafen von Brunswick, sich für einen „Schwachkopf\"\nzu erklären, „der das Dunkel nicht zu durchschauen vermöge\". Das\nmerkwürdige Quartett wurde ganz vortrefflich mit bewundernswer-\nthem Zusammenspiel ausgeführt. Ferdinand Hiller brachte uns\neine neue Serenade für Fortepiano und Violoncell, die er selbst\nmit Herrn AI. Schmit vortrug. Dieses Duo von bedeutendem Um-\nfange und Gehalt erfordert ein paar gute Spieler, namentlich einen\nzugleich technisch und musicalisch so tüchtigen Violoncellisten, wie\nHerr AI. Schmit ist. Es hat fünf Sätze, deren zwei erste: Allegro\nquasi Andante und Menuetto zusammenhangen; dann folgen Ca-\npricetto, Thema mit Variationen und Finale. Die ganze Composition\nist in jeder Hinsicht ausgezeichnet, sowohl was die melodiöse Er-\nfindung, als die höchst geistreiche und z. B. in den Variationen da-\nbei zugleich auch melodisch ansprechende Ausarbeitung betrifft.\nJeder Satz rief rauschenden Beifall hervor, da jeder an und für sich\ngenommen zum wenigsten gespanntes Interesse erregt, meistens aber\nzündend wirkt, und das Ganze sich vortrefflich steigert. Den\nSchluss der Sitzung machte das schöne Quintett in G-moll für\nStreich-lifistrumente von Mozart.\nVon dem oben erwähnten Kriegsliede von E. Geibel („Das\nEisen bricht die Noth\") ist uns eine recht hübsche Composition von\nEmil Naumann für Männerchor und grosses Orchester, dem Her-\nzog von Coburg gewidmet, zu Gesicht gekommen.\nDie königliche Kammersängerin Frau Leopoldine Tuczek-\nHerrenburg hat als zweite Gastrolle die Frau Fluth in Nicolai's\n„Lustigen Weibern\" gesungen und in der dritten auf allgemeines\nVerlangen die Susanne in Mozart's Figaro wiederholt. In beiden\nPartieen erregte der vortreffliche Gesang Bewunderung, indem diese\nKünstlerin bei der grössten Correctheit dennoch für den Ausdruck\njeder Seelenstimmung, der gefühlvollen und erregten, wie der mun-\nteren und neckischen, eine stets charakteristische Nuancirung zu\nfinden weiss und in der Anwendung kunstvoller Verzierungen den\nfeinsten Geschmack mit der anmuthigsten Ausführung vereint, so\ndass sie z. B. in der Mozart'schen Musik niemals die einfache Schön-\nheit dem Wunsche, zu brilliren, opfert, dafür aber auch den Dank\nder innigsten Befriedigung und Verehrung von allen wahren Kunst-\nfreunden ärntet.\nBarmen. Am 20. v. Mts. fand das vierte Abonnements-\nConcert Statt, welches durch die Anwesenheit unseres früheren Mu-\nsik-Directors Herrn Karl Reinecke ein besonderes Interesse er-\nhielt. Herr Reinecke wurde mit lebhaftestem Applaus empfangen,\nals er an den Flügel trat, um ein Pianoforte-Concert von seiner\nComposition vorzutragen. Sein meisterhaftes Clavierspiel ist am\nRheine zu bekannt, um unseres Lobes noch zu bedürfen. Am\nSchlüsse des Abends dirigirte er seine Sinfonie, und beide Com-\npositionen hatten grossen Erfolg, den das grosse Publicum und die\nMusiker einstimmig bekundeten. Namentlich ist auch die Instrumen-\ntation in beiden lein und wirksam. Nach der Sinfonie wurde der\nComponist stürmisch gerufen. Ausserdem sang nach F. Schuberts\nOuvertüre zur „Rosamunde\" Fräulein Maria Büsch gens aus\nCrefeld die grosse Arie aus Spohr's „Faust\" und die Partie der\nMirjam in F. Schubert's „Mirjam's Siegesgesang\" mit grossem und\nwohlverdientem Beifall. Am Palmsonntage werden wir hier zum\nersten Male die grosse Matthäus-Passion von J. S. Bach ha-\nben mit Besetzung der Solo-Partieen durch die Damen Rothen-\nberger und Schreck, die Herren Dr. Gunz und Bietzacher\naus Hannover.\nIC* i Im. Die Engagements-\\ erhandlungen der Frau Harriers-\nWippern mit Herrn Mapleson, dem Director der italiänischen Oper\nan Ihr ei Majestät J heater zu London, haben ein beiderseitig befrie-\ndigendes Resultat erlangt. Die Künstlerin ist in nächster Saison für\ndie Dauer von sechs Wochen engagirt und hat die Bedingungen\neines etwa folgenden Engagements für die Saison 1805 festge-\nstellt. Als Debüt hat Frau Harriers die Alice (Robert der Teufel)\ngewählt und wird nachher die Agathe (Freischütz) und die Gräfin\n(Maskenball von Verdi) singen.\nStettin, 24. Februar. Das Concert, welches Herr Ernst\nIlügel gestern im Casinosaale gab, hatte ein überaus zahlreiches,\nden Saal bis in die letzte Ecke füllendes Publicum versammelt. Ein\nBlick auf diese Zuhörerschaft und ein Blick auf das Programm könn-\nten zur Bestätigung einer jüngst bei Gelegenheit eines anderen Con-\ncertes ausgesprochenen Bemerkung dienen, dass auch in unserer\nStadt die nackte Virtuosität in eben dem Maasse an Boden verliert,\nals die Richtung nach der Production ernster und gehaltreicher Mu-\nsik gewinnt. Herr E. Flügel hat in der Zeit, wo wir ihn nicht ge-\nhört, grosse und bedeutende Fortschritte gemacht. Ein reiferes Alter\nbedingt reiferes Yerständniss, grössere physische wie geistige Kraft.\nDass der junge Spieler noch nicht als vollendeter Künstler vor uns\ntritt, wer wollte das bei der Schwierigkeit der gewählten Aufgaben\nbemängeln; wo ist die Kunst überhaupt vollendet, wenn sie die\nWerke der erhabensten Tondichter zur Grundlage nimmt! Das\nConcert begann mit der „chromatischen Phantasie\" von Bach. Was\nden Vortrag dieses Werkes anbelangt, in dem Bülow, der es neuer-\ndings herausgegeben, die Anfänge der Romantik in der Musik er-\nblickt, so war derselbe von Verständniss geläutert, klar, präcis und\nsicher; er bewies, dass der Spieler über die sehr bedeutenden tech-\nnischen Schwierigkeiten hinweg ist. Dem Vortrage fehlte es keines-\nwegs an der klaren Durchsichtigkeit, die das Werk auch für den\nLaien verständlich macht. Dass aber dem jungen Künstler auch die\nWelt der Phantasie und des Herzens erschlossen ist, das bewies er\nin dem Vortrage der zuletzt gespielten Beethoven'schen F-moll-So-\nnate. Kaum wüssten wir, wie sich dieses erhabene Werk schwung-\nvoller, begeisterter, inniger vortragen liesse. Zwischen diesen beiden\nEndpfeilern des Programms stand die Schubert'sche Phantasie zu\nvier Händen, von dem Concertgeber und dessen Vater, Herrn Gu-\nstav Flügel, gespielt. Die beiden Clavier-Compositionen von die-\nsem, von Flügel (dem Vater): „StilleFrage\" und „Falter im Sonnen-\nschein\", sind zwei reizende Kleinigkeiten, die an innerem Werthe\nweit über dem Niveau gewöhnlicher Salon-Compositionen stehen und\nan das Beste in diesem Genre reichen. Die Schumann'sche Romanze\n(Op. 28, Nr. 2) ist ein Bijou, Au bord d'une aource von Liszc ein\ngefälliges Tonstück; die „Metamorphosen\" von Raff sind etwas wirr\nund ihre Länge schadet dem Eindruck. Alle Piecen wurden von dem\nConcertgeber mit Eleganz und grosser Gewandtheit vorgetragen, und\nes konnte nicht fehlen, dass demselben ein grosser und gerechter\nBeifall zu Theil wurde. Unterstützt wurde das Concert durch den\nGesang des Herrn Johannes Schleich. Der Sänger besitzt eine\nkräftige, wohlklingende, ziemlich durchgebildete Tenorstimme, die,\nwenn die Hand eines Meisters noch weitere Feile an sie legte, von\nbedeutender Wirkung werden dürfte. In dem Vortrage erkennt man\nden Opernsänger; seine Accente sind stark und wuchtig, für die\nzartere Liedform etwas zu prononcirt. Im „Erlkönig\" war die\ndramatische Wärme des Vortrags besonders zum Schlüsse von be-\ndeutender Wirkung.\nIm achtzehnten Gewandhaus-Concerte in Leipzig kamen zur\nAufführung an Orchesterwerken: die Sinfonieen in A-dur von Men-\ndelssohn und in B-dur von Beethoven, so wie Schumann s Manfred-\nOuverture; ausserdem wurden zwei für Leipzig neue Compositionen\nfür Alt-Solo, weiblichen Chor und Orchester zu Gehör gebracht,"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "80", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640305-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4834, "texte": "nämlich: „Die Nixe\" von Anton Rubinstein und „Gesang Heloisens\nund der Nonnen am Grabe Abälard's\" von Ferd. Hiller, in welchen\nbeiden Stücken die Alt-Soli von Fräulein Johanna Klein aus\nBerlin gesungen wurden.\njflaiiiz. In der Sitzung des hiesigen Theater-Comite's kam\nder Antrag des Directors der beiden Theater zu Darmstadt und Mainz,\nihn von der Leitung des letzteren zu entbinden, zur Berathung. Di-\nrector Te scher hatte in seinem Schreiben vom 14. Jan. d. J. ange-\ngeben, seine Gesundheit sei erschüttert, die Leitung zweier Theater\nsei eine zu grosse Last für ihn, und überdies seien auch seine Er-\nwartungen nicht erfüllt worden; die Einnahmen ständen in keinem\nVerhältnisse zu den Ansprüchen des Publicums; eine Erhöhung der\nPreise habe sich nicht als durchführbar gezeigt; das Publicum habe\nauch bei den grossartigsten Vorstellungen das Theater gemieden;\ner habe hier keinen Gewinn machen wollen, sondern sei nur einem\nWunsche des mainzer Stadt-Vorstandes selbst nachgekommen, als er\ndas mainzer Theater übernommen u. s. w. Auf Antrag des Herrn\nHenckel wurde beschlossen, Herrn Director Tescher von dem mit\nihm abgeschlossenen Vertrage zu entbinden, aber nur gegen Erle-\ngung einer Entschädigungssumme von 1000 Gulden, die alsdann zu\nGunsten des Theaters verwandt werden solle. Es steht noch dahin,\nob Director Tescher auf diese Bedingung eingehen oder den Ver-\ntrag, bez. die Directionsführung, fortsetzen wird.\nDresden. Es wird immer gewisser, dass unser Hoftheater\nsehr bald die so belebende Kraft Dawison's wird entbehren müs-\nsen. Der Künstler kehrt nur noch für die drei letzten Wochen des\nApril von seiner jetzigen Gastspielreise zurück und wird Ende jenes\nMonats aus dem hiesigen Engagement austreten. Einen Ersatz seines\nTalentes haben wir vorerst in keinem Falle zu erwarten, weil er\nzur Zeit unmöglich ist. [Sein Gastspiel hier in Köln beginnt am\nDinstag.]\n# %\nIn dem Kirchen-Concerte des Vereins für classi-\nsche Kirchenmusik am Mittwoch den 10. Februar wurden aufge-\nführt: 1. Präludium und Fuge (D-dur) für die Orgel von Joh. Seb.\nBach. 2. De profundes (Psalm 130) von Giovanni Carlo Maria Clari\n(geb. 1669 zu Pisa, gest. um 1750 zu Pistoja). 3. Quintett aus dem\nOratorium „Die Pilgrime\" von Johann Adolph Hasse (geb. 1699\nzu Bergedorf bei Hamburg, gest. 1783 zu Venedig). 4. Heilig, von\nKarl Philipp Emanuel Bach, 1779. 5. Psalm 128, für zwei Solo-\nstimmen von Maximilian Stadler (geb. 1748 zu Melk in Unteröster-\nreich, gest. 1833 zu Wien). 6. Offertorium von Wolfgang Amadeus\nMozart. 7. Terzett von Luigi Cherubini, Ave verum corpus (geb.\n1760 zu Florenz, gest. 1842 zu Paris). 8. Sonate (Nr. 5, D-dur)\nfür die Orgel von Felix Mendelssohn-Bartholdy. 9. Benedictus von\nFerdinand Hiller. 10. Psalm 113 von Ludwig Stark in Stuttgart.\nJulius Stock hausen hat vom Grossherzoge von Oldenburg\ndie goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft erhalten.\nH ■eil. Der Narren-Abend des wiener Männer-Gesangvereins\nhat auch in diesem Carneval seinen alten Ruhm bewährt; es waren\nwieder gegen viertausend Narren aller Art in tollster Heiterkeit\nvereint, ein herrliches Narrenfest zu begehen. Auch heuer hat Her-\nbeck, unstreitig der genialste „Verdichter und Vertoner\" dieses\nGenre's, den Vogel abgeschossen. Nach dem kräftig und frisch vor-\ngetragenen Narren-Wahlspruche: „Ks lebe die Jugend, es lebe die\nNarrheit, denn Kinder und Narren reden die Wahrheit\", nach\neiner präcisen und beifällig aufgenommenen Aufführung des Genee'-\nschen Quodlibets: „Goldene Lebensregeln\", kamen Herbeck's „När-\nrische Walzer\", unstreitig der Glanzpunkt des Abends, reizend in\nder Melodie, anknüpfend an jene weichen, herzpackenden Weisen,\ndie wir seit dem Tode des alten Lanner nicht mehr gehört haben,\nvom Gesangvereine mit Schwung, Humor und Feuer vorgetragen.\nDer Text brachte auch manch zündendes Wort, z. B.:\n„Und auch dem Wachtel hier\nAlljährlich geben wir\nAchtzehntausend Gulden,\nUnd für die Kunst zugleich\nIm ganzen Kaiserreich\nBewilligt der Reichsrath jährlich fünfzehntausend Gulden.\"\nUnd dann:\n„Verschiedene Sprachen spricht unsere Armee,\nAber deutsch kann's dreinschlagen und auf dänisch thut's weh.\"\nOffenbach hat an die Redaction der „Wiener Blätter\" fol-\ngendes Schreiben erlassen:\n„Herr Redacteur! Ich lese in einigen Blättern, dass ich die\nAbsicht habe, meine Oper Die Rheinnixen Behufs fernerer Auffüh-\nrungen in Wien und an anderen Orten umzuarbeiten. Darauf habe\nich zu erwiedern, dass der Erfolg der Rheinnixen in Wien mir keine\nVeranlassung zur Umänderung bietet, und dass meine Oper auf allen\nBühnen in Deutschland, welche Lust haben werden, dieselbe zu\ngeben, so aufgeführt werden wird, wie ich dieselbe geschrieben habe.\nMit der Versicherung u. s. w.\n„Wien, 10. Februar 1864. Jacques Offenbach.\"\nDer Pianist Charles Wehle und der Cellist Feri Kletzer\nhaben in Bombay mit vielem Erfolge ihr erstes Concert gegeben."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "73", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640305-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie Freiheit der Theater. Aus Wien (Offenbach'sche Werke auf den Theatern Männer-Gesangvereine Gesell-\nschaft der Musikfreunde). Von E. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Concert des kölner Männer-Gesangvereins, 111. und IV-\nSoiree für Kammermusik, Gastspiel der Frau Tuczek-Tlerrenburg Barmen, Abonnements-Concert Berlin, Frau Harriers-Wippern\nGewandhaus-Concert in Leipzig Mainz, Theater-Angelegenheit Dresden, Herr Dawison Stuttgart, Kirchen-Concert u. s. w.).\n\nDie Freiheit der Theater.\nSo lautet jetzt das Losungswort der dramatischen\nDichter und Componisten in Paris, was bei letzterer Ka-\ntegorie ungefähr eben so viel sagen will, als sämmtlicher\nComponisten in Frankreich, da für sie bekanntlich die\nOper und Operette, am Ende auch nur das Vaudeville\ndas einzige Ziel ihres Strebens ist. Auf der anderen Seite\nhaben die Schauspieler und Bühnensänger bei der Nach-\nricht von den Absichten des Kaisers eine leise Anwandlung\nvon Fieberschauern bekommen, weil sie, ihrer Meinung\nnach unter der Herrschaft der privilegirten Directionen\nschon zu wenig in ihren Rechten geschützt, bei freier\nConcurrenz allen Schutz zu verlieren befürchteten. Aber\ndie Schriftsteller und Componisten sind obenauf und der\nfesten Ueberzeugung, dass durch die Vernichtung der Pri-\nvilegien der Theater die Directionen gezwungen sein wer-\nden, ihre Werke aufzuführen, die bis jetzt durch das\nVeto eines Vorrechtes für grosse oder kleine Oper, für\nTragödie oder Posse um die Unsterblichkeit gebracht\nwerden konnten!\nSchon Anfang December, als die Kunde von dem\nEntschlüsse des neuen Theatergesetzes sich verbreitete,\nrichteten die Componisten von Paris eine Adresse an den\nKaiser, in welcher es hiess: „dass die Abschaffung der\nausschliesslichen Theater-Privilegien endlich der Ton-\nkunst in Frankreich eine breite Laufbahn öffne. Eben so\nbegünstigt in der freien Ausstellung ihrer Werke, wie die\nMaler und Bildhauer, werden die Componisten, der Fes-\nseln ledig, die immer von Neuem jeden Aufschwung\nlähmten, von jetzt an mit der gegebenen Erleichterung,\nsich vor dem Publicum zu zeigen, die nützliche Verwen-\ndung ihres Talentes und den fruchtbarsten Wetteifer fin-\nden. Dieser weise Schutz, den Ew. Majestät der Tonkunst\nzu widmen geruhen will, wird der französischen\nSchule, welche vielleicht in Gefahr ist, den ho-\nhen Rang, den sie sich errungen hat, zu verlieren,\nnoch mehr Glanz verleihen.\"\nDiese Adresse haben wie viele meint der Leser\nwohl? vierundachtzig pariser Componisten unter-\nschrieben! Ein ganzes Heer! Das Spasshafteste dabei ist,\ndass Männer wie Rossini, Auber, Meyerbeer, Fei. David,\nGounod, Thomas u. s. w. die Adresse unterzeichnet ha-\nben, wahrscheinlich ohne sie zu lesen, da sie sonst schwer-\nlich mit Bewusstsein ihr eigenes Todesurtheil (vergleiche\ndie gesperrt gedruckten Stellen) unterschrieben haben\nwürden.\nWorin aber diese sanguinischen Hoffnungen der jün-\ngeren oder unbekannten Componisten,\nriver, wie sie sagen, ihre Begründung finde, will uns\ndurchaus nicht klar werden.\nDurch die Freigebung der Theater-Unternehmungen\nkann allerdings ein verständiger, thätiger, speculativer\nKopf einen guten Gedanken haben, ein die Kunst för-\nderndes Project ins Leben rufen, ohne demülhigen Bewer-\nbungen und Proteclionsgesuchen, ohne Umtrieben und\nEinflüssen persönlicher Gunst unterworfen zu sein. Aber\njed es Ding hat seine Kehrseite. Eben so leicht kann ein\nAbenteurer, ein verkommenes Subject auf sein oder an-\nderer Leute Risico eine Theater-Werkstatt eröffnen, die\ner nach einigen Monaten wieder schliessen muss. Freilich\nkam dergleichen auch bisher schon vor, und die Freunde\nder Freiheit sagen, es sei besser, dass ein Unternehmer\ndergleichen Bankerotte auf eigene Hand mache, als dass\ndie Regierung gewisser Maassen die Verantwortung theile.\nWer will aber mit Sicherheit voraussagen, welche Classe\nvon neuen Theater-Direetoren die Mehrzahl bilden wird,\ndie geschickten, besonnenen und glücklichen Speculanten,\noder die ungeschickten, leichtsinnigen, ja, gewissenlosen?\nDas kann nur die Erfahrung lehren. Es ist aber jetzt\nnicht das erste Mal, dass man in Frankreich diese Erfah-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "74", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640305-01.1.2", "texte": "rung macht, und die frühere hat, beim Abschluss der\nRechnung, für die Kunst ein arges Deficit ergeben.\nSeit 1791, wo das Gesetz erschien, das Jedem er-\nlaubte, ein Theater zu errichten, hatten sich die Theater\nmaasslos vermehrt; Napoleon's I. Decret vom 29. Juli\n1801 hob in Paris mit Einem Federstriche fünfundzwan-\nzig von ihnen auf. Nach diesem heroischen Mittel gegen\ndie Versunkenheil des Bühnenwesens machten die übrig\ngebliebenen gute Geschäfte. Was hatte die Kunst, im Be-\nsonderen die Tonkunst, bei der Freiheit, die ganz1 unbe-\nschränkt zehn Jahre (1791 —1801) dauerte, gewonnen?\nDoch ehe wir einen Rückblick darauf werfen, wollen\nwir erst die Vorstellungen über die neue Theaterfreiheit,\nwelche, wie wir aus mehreren Blättern ersehen, in\nDeutschland noch ungenau sind, berichtigen.\nDas Gesetz vom 6. Januar enthält in seinem §. 1 die\nwesentlichste Bestimmung der ganzen Reform der Thea-\nter: „Ein Jeder darf ein Theater bauen lassen und es in\nBetrieb setzen unter der Verpflichtung einer Anzeige an\ndas Ministerium unseres Hauses und der schönen Künste\nund an die Polizei-Präfectur von Paris; in den Departe-\nments an die Präfectur.\" —Durch folgenden Zusatz ist die\nUnterstützung von Seiten der Behörden auch für die\nZukunft gewahrt: „Diejenigen Theater, welche der Auf-\nmunterung in besonderem Grade würdig erscheinen, kön-\nnen durch den Staat oder durch die Stadtgemeinden un-\nterstützt werden.\" So wichtig dieser Zusatz ist, so führt\ner doch im Grunde das System der Bevorzugung und alles\ndaran Hangende wieder ein; zugleich aber liegt darin die\nausgesprochene Wahrheit, die auch für die Bühnen in\nDeutschland gilt, dass die Erfahrung lehrt, wie überall ein\ngrosses Theater ohne Zuschuss von irgend einer Seite nicht\nbestehen kann. Es ist also ganz in der Ordnung, dass sich\ndie Regierung das Recht vorbehält, ihre Pflicht den\nKunstanstalten gegenüber erfüllen zu können, und dass\nsie die Unterstützung der dramatischen Kunst für eine\nihrer Pflichten hält, geht auf erfreuliche Weise aus jenem\nZusätze zum ersten Artikel hervor.\nDer andere Haupt-Artikel ist der §. 4: „Dramatische\nWerke jeder Art und Gattung, die Stücke, welche bereits\nGemeingut geworden sind, mit einbegriffen, dürfen auf\nallen Theatern aufgeführt werden.\"\nHiedurch sind also alle Privilegien der einzelnen\nTheater aufgehoben: die Aufführung einer Tragödie oder\neines fünfactigen Lustspiels hängt nicht mehr von der Ent-\nscheidung des Comitede lecturedes Thedtre frangais ab,\neben so wenig wie die Erscheinung einer ernsten Oper\nauf der Bühne von der Annahme der Direction der gros-\nsen kaiserlichen Oper u. s. w. Dieser Paragraph ist der-\nmaassen allgemein gefasst, dass danach jeder Theater-Un-\nternehmer Possen, Vaudevilles, Opern, Tragödien, Komö-\ndien, Ballets, kurz, alles, was er will und kann!\ndurch einander geben darf.\nUns kommt gerade der Erfolg dieses Artikels sehr\nzweifelhaft vor, und doch ist er es, auf den der junge An-\nwachs der Dichter und Componisten seine Hoffnung setzt.\nAuch das Ministerium meint (in den Motiven zu dem\nneuen Gesetze): „Während die lebenden Autoren und\nComponisten Absatzwege für ihre neuen Erzeugnisse fin-\nden können, werden die Meisterwerke des alten Reper-\ntoires, von den Fesseln befreit, welche sie ausschliesslich\nan die beiden ersten französischen Theater banden, von\njetzt an, ohne dadurch herabzusinken, auch die populären\nBühnen zieren und ihre nützlichen Belehrungen dorthin\ntragen. Auf der anderen Seite bleibt die Staats-Regierung\nim Besitze des Rechtes, Institute ersten Ranges durch Sub-\nvention zu unterstützen, damit sie den anderen zu Bei-\nspielen und Mustern der Nacheiferung dienen.\"\nHierbei drängt sich auf der Stelle die Bemerkung\nauf: Was hat vorläufig nur auf die Kunst des Schau-\nspielers und Sängers bezogen in Frankreich den gröss-\nten Einfluss auf die Erreichung einer gewissen Meister-\nschaft in der Darstellung gehabt? Antwort: Die Be-\nschränkung der einzelnen Bühnen auf bestimmte Gattun-\ngen und Fächer der dramatischen Kunst. Ferner: Was\nist in Deutschland nicht nur an immer mehr überhand\nnehmender Unzulänglichkeit der Bühnenkünstler, sondern\nzugleich auch an dem Ruin so vieler Theater-Unterneh-\nmungen Schuld?— Antwort: Die Aufführung dramatischer\nWerke aller Gattungen in Oper und Schauspiel auf einer\nund derselben Bühne und meistentheils durch dieselben\nPersonen.\nIm Uebrigen sind durch das neue Theatergesetz die\nbisherigen Polizei- und Oberaufsichts-Gesetze nicht abge-\nschafft; die Censur der vor der Aufführung einzusenden-\nden Werke ist beibehalten; in Paris kann der Minister\ndes kaiserlichen Hauses, in der Provinz der Präfect die\nAufführung untersagen. Auch die Armen abgäbe ist\nbeibehalten—jene für alle Bühnen-Directionen und Con-\ncertgeber so drückende Steuer, welche keine andere Kuns\nbelastet, als die dramatische und musicalische, eine Steuer,\nwelche die französische Herrschaft auch in unserer Rhein-\nprovinz zurückgelassen hat, und welche an die Abgaben\nder Jahrmarkts-Theater und der Kameel- und Bärentrei-\nber erinnert! Dass §. 5 die Kinder-Theater (also auch\nwohl die Kinder-Ballets) verbietet, ist gewiss löblich.\nWenden wir uns nun zu der Erfahrung über die\nfrühere Periode der Theaterfreiheit in Frankreich zurück,\nund betrachten wir einmal etwas genauer, ob sie—speciel\nder Tonkunst Vortheil gebracht habe, oder nicht."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "75", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640305-01.1.3", "texte": "Vor der Revolution existirten in Paris die königliche\nOper, von Ludwig XIV. gegründet, die komische Oper\nund das Theater von Monsieur, welches bald das Theater\nFeydeau wurde, und einige unbedeutende Etablissements.\nDurch das Decret von 1791, welches Jedermann erlaubte,\nein Theater zu unternehmen, wurden die Verhältnisse der\nOper wenig geändert. Die drei Operntheater blieben, was\nsie waren; einige Liederbühnen versuchten, daneben auf-\nzukommen, wie das Theater Louvois, das Theater Mon-\ntansier; die Musik setzte wohl einen Fuss auf diese Sce-\nnen, aber ohne auf ihnen zu einem ungetheilten Rechte\nzu gelangen. Auf keinem dieser Nebentheater erschien\nirgend ein Singspiel, das Aufmerksamkeit erregt oder\ndauernden Werth gehabt hätte, während ein zweites\nTheätre frangais einige recitirende Schauspiele brachte,\ndie sich lange hielten.\nIn d en Kranz der grossen Oper flocht die neue Thea-\nterfreiheit auch nicht ein einziges neues Blättchen. Die\nFreiheit kann keinen Anspruch darauf machen, irgendwie\nTheil an den grossen Werken, welche die grosse Oper\nüberhaupt hervorgebracht hat, zu haben: auf ihre Rech-\nnung kommen nur ephemere Schöpfungen von traurige.'\nMittelmässigkeit, wenn sie nicht geradezu unter Null stan-\nden. Während einer zehnjährigen Periode war das grosse,\nschöne Theater von allen Componisten von Geist und Ta-\nlent, mit Ausnahme von Gretry, Mehul und Gossec, ver-\nlassen und brachte kaum zwei oder drei achtbare Werke\nunter einer Menge von schlechten Producten. Gretry's\n„Anakreon bei Polykrates\", wahrlich keines seiner Mei-\nsterstücke, war das Hauptwerk dieser Periode auf einer\nBühne, der die erhabenen Schöpfungen eines Gluck, Pic-\ncini, Sacchini hohen Glanz verliehen hatten. Sonach\nexistirte die grosse Oper eigentlich nur noch dem Namen\nnach und trug an und für sich, geschweige denn im Ver-\nhältnisse zu ihrer früheren Wirksamkeit, nichts zum Auf-\nschwünge der dramatischen Musik bei.\nUnd dennoch hatte während dieser Freiheits-Periode\ndiese Oper keine Concurrenz zu bestehen: keine einzige\nUnternehmung versuchte, ihr bevorrechtetes Genre an sich\nzu reissen und sie auf ihrem alten Gebiete zu beunruhi-\ngen. Und welch ein Unterschied zwischen den Ausgaben\nvon damals und den Kosten der jetzigen Oper! Man denke\nnur, abgesehen von allem Anderen, an den heutigen Ga-\ngen-Etat! Wessen sich also in der ersten Aera der Thea-\nterfreiheit, von 1791 bis 1801, Niemand unterfing, wird\ndas jetzt bei zehn Mal grösseren Schwierigkeiten Jemand\nunternehmen? Wer wird es wagen, der grossen Oper\nConcurrenz zu machen? Wer, oder selbst welche Actien-\nGesellschaft, wird neben dem jetzigen neu erstehenden\nHause noch einen neuen Theater-Palast bauen und das\nCapital für die ganze Einrichtung der Bühne und der\nSäle hergeben wollen, da es schon in die Millionen geht,\nbevor der erste Accord des neu geschaffenen Orchesters\nund der erste Ton des neu engagirten Sänger-Personals\ndarin zu Gehör kommt? Und wird die Subvention des\nStaates dem Concurrenz-Unternehmen ohne Weiteres in\ndie Tasche fallen? Das Einzige, was man zur Ermunte-\nrung der gefahrvollen Nebenbuhlerschaft anführen könnte,\nwäre, dass Frankreich ruhiger ist, als in jener ersten Pe-\nriode, dass die Künste des Friedens mehr sicheren Boden\ngewonnen haben, dass endlich die Liebhaberei an der\nOper zugenommen habe. Beides Erstere geben wir zu,\ndas letzte nicht; wohl hat die Liebhaberei als Sucht nach\nNeuem zugenommen, aber jenes echte Interesse für Opern-\nmusik, welches einst Parteiungen, wie für Gluck und Pic-\ncini, erzeugte, ist nicht mehr in Paris vorhanden, es hat\nsich in die Liebhaberei des Angaffens von Decorationen,\noptischen und mechanischen Kunststücken verkehrt.\nIn der komischen Oper, oder richtiger gesagt: in der\nmit Dialog gemischten Oper, waren die Franzosen schon\nim Jahre 1791 weit voran geschritten. Sie hatten ausser\nden früheren Opern Le Tableau parlant, La fausse Ma-\ngie u. s. w. von Gretry den trefflichen Richard Coeur\ndu Hon,', Mehul hatte mit „Conrad und Euphrosine\" eine\nelektrische Wirkung erzeugt. Die neue Aera fand also\nhier nur wenig zu thun, um etwa den Rahmen zu ver-\ngrössern. Indess gebührt der Ruhm dem Theater Fey-\ndeau, dass es sich kühn dem älteren Theater Favart ent-\ngegenstellte und zehn Jahre Stand hielt, bis—beide Thea-\nter einsahen, dass sie getrennt nicht bestehen\nkonnten, und sich vereinigten.\nIndessen hatte doch diese Concurrenz Resultate für\ndie dramatische Tonkunst. Während der zehn Jahre sei-\nner selbständigen Existenz hatte das Theater Feydeau\n216 Werke gebracht, nämlich etwa 40 italiänische oder\nübersetzte Stücke, 50 Komödien oder Schauspiele und\nungefähr 108 oder 110 Opern und Vaudevilles. Rechnen\nwir zehn neue Opern jährlich, so ist das gewiss schon die\nhöchste Zahl, die ein Theater liefern kann. In diesen zehn\nJahren wurden neue Werke von mehr als vierzig Com-\nponisten aufgeführt —: unter ihnen waren allerdings\nsolche, die zum ersten Male fürs Theater schrieben, aber\nauch viele schon bekannte, ja, berühmte Namen. Dalayrac\nallein, ein Veteran und kein Neuling, brachte mehr als\n25, Gavaux 17, Soliö 11, Mehul 10, Gretry 8, Berton\n8, Cberubini 8, Kreutzer 8, Boieldieu 7, Lesucur 4\nu. s. w. u. s. w. *).\n\n*) Dix Annees lyriques en France par Paul Smith. Gazette et\nRevue mus. An 184* J. Nr. 4]—!4.\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "76", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640305-01.1.4", "texte": "Es war also einer der ältesten Componisten, dessen\nRuf schon auf eine ganze Reihe von Erfolgen begründet\nwar, der von der neuen Theater-Unternehmung den mei-\nsten Vortheil zog. Aber diese gewährte dennoch der Kunst\neinen grossen Dienst, indem sie theils einige jüngere, un-\nbekannte Talente zur Anerkennung brachte oder wenig-\nstens sie dazu zu bringen versuchte, und anderen bereits\ngemachten Meistern Gelegenheit zu Werken gab, für\nwelche der Rahmen des älteren Theaters der komischen\nOper (Favart) zu eng war.\nDahin gehörte besonders die neue Gattung von musi-\ncalischen Dramen, welche Lesueur und Cherubini schu-\nfen, von der man sowohl in Bezug auf den Adel des Stils,\nals auf die Benutzung des Chors und der Scenerie bisher\nnoch keine Vorstellung gehabt hatte. So entstanden\nCaverne, Telemaque von Lesueur, und von Cherubini Lo-\ndoiska, Medea, Elisa oder die Reise über den St. Bern-\nhard u. s. w., die mit einem Aufwände in Scene gesetzt\nwurden, welcher im Theater Favart gar nicht anzubrin-\ngen war. Auch Steibelt's „Romeo und Julie\" gehört hie-\nher, eine Oper, die mit demselben Glänze in Scene ging\nund an zweihundert Vorstellungen erlebte.\nNeben diesen drei Componisten, deren Talent sich auf\ndem neuen Theater entwickelte, erlangten einige andere,\nunter ihnen Gaveaux, durch angenehme und gefällige\nMusik leichterer Gattung grosse Popularität. Ihre Musik\nwar geistvoll und melodiös, und man nahm leicht und\ngern etwas daraus mit nach Hause.\nDas Theater Feydeau bildete aber neben guten Com-\nponisten auch gute Sänger und Schauspieler, welche bei\nder Verschmelzung mit der älteren komischen Oper das\nPersonal dieser erfrischten und verjüngten.\nDies waren also für diese Gattung der dramatischen\nMusik wirklich gute Folgen der Concurrenz, welche die\nTochter der Theaterfreiheit war. Allein das Endresultat\nwar trotzdem, dass die Concurrenz sich nicht behaupten\nkonnte, dass sie die beiden Operntheater, durch welche\nsie aufrecht gehalten werden sollte, in ihren Sturz mit\nhinab zog. Am Ende mussten beide kämpfende Schiffe die\nSegel streichen und um ihrer eigenen Existenz willen\nFrieden machen und sich einigen.\nAber auch von Seiten des Vortheils für die Tonkunst\nstand das Resultat in keinem Verhältnisse zu den geheg-\nten Erwartungen; die Concurrenz trieb keine reiche Blü-\nthen musicalischer Genies hervor. Damals, wie jetzt,\nglaubte man, dass nun, da die Schranken gefallen und der\nZutritt zu dem Kampfplatze einem Jeden gestattet, grosse\nMusiker von allen Seiten her aufstehen und ihr Vaterland\nvon dem Tribut an die fremden Nationen befreien würden.\nWenn wir, wie es geschehen muss, Cherubini, und\nBerton ausnehmen, die schon vor der Theaterfreiheit Ruf\nerworben hatten, so bleibt von allen jüngeren Compo-\nnisten nur Einer übrig, der seine Erstlingsgaben auf den\nAltar des neuen Theaters legte und wirklich auch für die\nZukunft ein grosser Tondichter wurde: Boieldieu. Nicolo,\nkein Franzose, brachte sein erstes Werk erst nach der\nVereinigung beider Theater auf die Bühne.\nAlso: wenn beim Anfange der Concurrenz sieben bis\nacht Componisten ersten Ranges vorhanden waren, sich\num die Palme zu streiten, so fanden sich beim Ende der-\nselben nur zwei neue dazu, welche im Stande waren, sich\nin die Arena zu wagen.\nAus diesen historischen Notizen geht also hervor, dass\ndie freie Concurrenz der dramatischen Kunst keine dau-\nernden Vortheile gebracht, obwohl sie als Schöpferin einer\nUebergangs - Periode Berechtigung zur Anerkennung\nhat; dass aber für das Aufleben und die Entwicklung\nvon Genies, deren Entstehungsgründe weder mess- noch\nzählbar sind und in ganz anderen Einwirkungen liegen,\nals staatliche Institute haben können, nichts von der Theater-\nfreiheit zu hoffen ist, wiewohl es eben so verkehrt wäre, den\nAufschwung der französischen Oper nach jener Periode\nauf Rechnung des Regimes zu setzen, welches durch Na-\npoleon I. wieder eingeführt wurde. Thatsache bleibt es\naber immerhin, dass Spontini, Herold, Auber, Meyerbeer,\nu. s. w. erst in der Aera der wieder eingeführten\nConcessions-Beschränkung ihre Werke schufen.\nDie ganze vom gegenwärtigen Kaiser decretirte Thea-\nterfreiheit läuft auf die Theatergewerbe-Freiheit\nhinaus und ist nichts als eine Concession an die Gewerbe-\nfreiheit überhaupt, welche für klug und zeitgemäss ge-\nhalten worden, da sie zu den Freiheits-Iliusionen ge-\nhört, womit der liberale Imperialismus die Franzosen be-\nglückt. Das einzige Gute daran dürfte die Abschaffung\ndes ausschliesslichen Vorrechtes einzelner Bühnen für ge-\nwisse Gattungen dramatischer Werke sein; dass aber auch\ndieses Gute in Nachtheil umschlagen kann, haben wir\noben angedeutet. Im Princip aber ist es gewiss ungerecht-\nfertigt, das Geschäft der Theaterleitung mit dem Betriebe\nvon anderen Gewerben auf eipe und dieselbe Linie zu\nstellen. Die Gefahr liegt in dem Mangel an Bürgschaft,\nwelche der Staat und das Gemeinwohl gegen die Unfä-\nhigkeit der Unternehmer hat, wenn Jedermann, der Lust\nund vielleicht Geld dazu hat, ein Theater errichten und\nausbeuten kann. Ein Kunst-Institut, und vollends ein sol-\nches, wie das Theater, dessen Einfluss auf Bildung und\nMoralität so bedeutend ist, ist doch etwas Anderes, als\nein Handwerk oder eine Fabrik. Liefert der ungeschickte\nHandwerker oder Fabrikant schlechte Waare, so schadet\ner doch nur sich selbst; ein unfähiger und gewissenloser"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "77", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640305-01.1.5", "texte": "Theater-Director kann aber für sich selbst sogar ein gu-\ntes pecuniäres Geschäft machen, während er der Kunst\nund dem Geschmack und der Sittlichkeit, mithin dem »ei-\nstigen Gemeinwohl unendlich viel schadet. Warum soll\nder Staat, dessen erste Pflicht die Sorge für das Gemein-\nwohl ist, von den Leitern der so einflussreichen Wirksam-\nkeit eines Theater-Instituts nicht eben so gut Bürgschaften\nihrer Befähigung verlangen, wie er sie bei allen übrigen\neinflussreichen Stellungen der Staatsangehörigen verlangt?\nUnserer Ansicht nach thut ein Gesetz über die Regelung\nO O\nder Beschränkung der Concessions-Verleihung und\neine weit strengere Handhabung desselben, als die darauf\nbezüglichen Vorschriften bis jetzt erfahren haben, weit\nmehr noth, als jene so genannte Theaterfreiheit.\nDie andere Gefahr, welche diese Freiheit mit sich\nführt, liegt in der Concurrenz an sich; um sich davon\nzu überzeugen, muss man die Sache weniger principiel als\npraktisch betrachten. Die gewöhnlichen Gewerbe beruhen\nauf dem Bedarf, und der Absatz ihrer Erzeugnisse\nsteht zu den Kosten, die darauf verwandt werden müs-\nsen, in bestimmtem Verhältnisse. Es ist ein grosser Unter-\nschied, ob der Fabrikant für fünfzig oder für fünfhundert\nMenschen Waare liefern will. Dieser Umstand hält also\ndie Concurrenz in Schranken, da nicht Jeder im Stande\nist, das nöthige Capital zu schaffen. Der Betrieb des Thea-\ntergeschäftes beruht aber auf der Frequenz der Zu-\nschauer, und die Betriebskosten sind ganz gleich, ob der\nDirector vor fünfzig Leuten oder vor fünfhundert oder\ntausend spielt. Hier ist mithin der Reiz zum Concurrenz-\nmachen viel lockender und gefahrloser, und wenn keine\nNachfrage mehr nach der Befähigung existirt, so wer-\nden sich eine Menge von Concurrenten finden,, um ein\nGeschäft zu versuchen, bei welchem das Verhältniss der\nEinnahme zur Ausgabe sich so vortheilhaft gestaltet—mit\nEinem Worte: das Geld wird dann auch hier die grösste\nRolle spielen. Dass aber durch eine ins Maasslose gestei-\ngerte Concurrenz bei der Unbeständigkeit der Gunst des\nPublicums, welche wie die Wetterfahne sich bei jedem\nneuen Winde dreht denn de gustibus non est dispu-\ntandum —, der Frequenz der besseren Theater Abbruch\ngeschehen werde, ist klar, und da die Frequenz die ein-\nzige Basis der Durchführung eines guten, künstlerische\nZwecke verfolgenden Unternehmens ist, so leuchtet ein,\ndass auch schon die Concurrenz an und für sich der\nwahren Kunst keinen Vortheil, sondern eher Nachtheil\nbringen muss.\nSo eben lesen wir in einem pariser Blatte: „In Folge\nder neuen Theaterfreiheit hat sich hier eine Gesellschaft\nmit einem Capital von einer Million Francs gebildet, die\ngemeinschaftlich im Chätelet-, Gaite- und Porte-St.-Martm-\nrheater ergiebige Cassenstücke zur Aufführung bringen\nwill. Im Chätelet soll fortan vorzugsweise die in\nder Gaite das eigentliche Melodrama, in der Porte St. Mar-\ntin das historische Drama und wo möglich das alte Re-\npertoire cultivirt werden. Zur Vorbereitung der grossen\nMaschinenstücke, welche hier stets eine sehr werthvolle\nZeit und Räumlichkeit in Anspruch nehmen, wird in\nChampigny bei Vincennes eine grosse Decorations- und\nMaschinen-Fabrik nebst einer vollständigen Bühne einge-\nrichtet, wo die Ausstattung der neuen Stücke hergestellt,\nzusammengesetzt und probirt werden soll.\" Schöne\nAussichten!\n\nAus Wien.\n\nDen 23. Februar ]864.\n„Saison Opfenbach\" wäre die beste Bezeichnung für\nunsere gegenwärtige Theaterzeit, denn Ottenbach be-\nherrscht jetzt hier das Repertoire. In voriger Woche wur-\nden an drei Abenden in drei verschiedenen Theatern Of-\nfenbach'sche Werke aufgeführt: im Hof-Operntheater die\n„Rheinnixen\" zum fünften, sechsten und siebenten Male\nbei stets überlülltem Hause, „Signore Fagotto\" allabend-\nlich im Carltheater und „Die Kunstreiterin\" allabendlich\nim Theater an der Wien. Signore Fagotto (das Sujet ist\neine Copie des Capeilmeisters von Venedig) ist musicalisch\ndie reichste von den Operetten des Componisten und hat\nviel Schönes, was aber hier in Folge falscher Besetzung\nverloren geht. Herr Treumann hat nämlich der Frau\nGrobecker, die beinahe jeden Abend in Hosenrollen er-\nscheinen muss, die Partie des Signore Fagotto, die für\neinen Bass-Buffo geschrieben ist, übertragen. Da hört denn\nfreilich Alles auf, und OfTenbach hatte dadurch triftigen\nGrund, seinen Contract mit Treumann zu lösen. Dadurch\nwar nun auch dem Theater an der Wien gestattet, Ope-\nretten von OfTenbach zu geben. Den Anfang machte „Die\nKunstreiterin\" (Mademoisells en lotterie). Herr Director\nStrampfer, der strebsamste unserer Bühnenlenker, besitzt\nein Personal für die Operette, wie kaum eine zweite Bühne\nes vorzuführen hat. Fräulein Gallmeier, die sprühende,\naber auch launenhafte Soubrette, versteht es, jeden Abend\nihr Auditorium zu entzücken. Die Herren Friese und Svvo-\nboda, letzterer mit einer schönen Tenorstimme begabt,\nsind sehr gute komische Kräfte, die neben einer grossen\nRoutine auch gründliche musicalische Bildung besitzen.\nDas Personal für kleinere Gesang-Piecen, Chor und Or-\nchester ist brav. Dieser Tage sahen wir eine Wohl-\nthätigkeits-Vrostellungim Hof-Operntheater, wie sie selten"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "78", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640305-01.1.6", "texte": "vorkommen wird. Es wurde Baimund's „Verschwender\"\ngegeben mit Besetzung sämmtlicher Rollen durch die be-\nsten Kräfte des Hofburg-Theaters. Den Bettler sang Herr\nHof-Opernsänger Mayerhofer, Chöre und Orchester gab\ndie llofoper. Als Statisten bei dem vorkommenden Feste\nerschienen sämmtliche nicht beschäftigte Mitglieder der\nbeiden Hoftheater. Der Reinertrag der Vorstellung des\n„Verschwenders\" hat 7245 Fl. betragen, die sämmtlichen\nKosten nur 60 FL, und auch diese nur für Wagen.\nEin neuer Männer-Gesangverein, der „Schubert-\nBund\", nur aus Lehrern bestehend, an dessen Spitze der\ntüchtige Chormeister Franz Mayr steht, hat in seiner\nersten öffentlichen Production gezeigt, dass man bessere\nProgramme zusammenstellen und auch theilweise noch\nbesser singen kann, als der wiener Männer-Gesangverein,\nwelcher allerdings die 27 neben ihm bestehenden nicht zu\nfürchten hat; dieser 28ste aber dürfte ihm gefährlich\nwerden. Der wiener Männer-Gesangverein hat durch\nseine Liedertafel zum Besten der verwundeten Soldaten\nmehr als 1000 Fl. an das Hülfs-Comite senden können.\nDas dritte Concert der Gesellschaft der Musikfreunde\nbrachte uns unter Herbeck's Leitung: Mendelssohn's\n„Lobgesang\", Sinlonie-Cantate für Solostimmen, Chor\nund Orchester, dann Haydn's Sinfonie in D. Wenn auch\ndas Programm weniger interessant war, als beim zweiten\nConcerte, in welchem Schumann's Faust-Musik mit dem\nMeister des Gesanges Julius Stockhausen gebracht\nwurde, so war die Aulführung doch ganz geeignet, das\nzahlreiche Auditorium vollkommen zufrieden zu stellen. Im\nLobgesange entzückte Frau Wilt durch ausgezeichnet\nschönen Vortrag, während Fräulein .Seeho fer, eine junge,\nmit einer umfangreichen Stimme begabte Sängerin noch\nzu sehr die Anfängerin durchblicken liess, um in einem\nsolchen Werke als Solistin zu genügen. Indess verdient ihr\nFleiss und emsiges Streben alle Anerkennung. Herr Dr.\nOlschbauer, sonst unser Tenor schien\nnicht gut disponirt. Die Chöre waren ausgezeichnet, beson-\nders im Choral, doch ist der Frauenchor nicht so voll und\nkräftig, wie in der Sing-Akademie, der Männerchor aber\nsehr gut. Das Orchester, welches der artistische Director\nder Gesellschalt, Herr Herbeck, vor einigen Jahren zusam-\nmengestellt hat, ist heute schon ausgezeichnet zu nennen.\nDie drei Sätze der Sinlonie-Cantate wurden correct und\nmit Schwung ausgeführt, obwohl ein hiesiger Kritiker, der\ndie Sinfonie in Dvon Haydn für Mozart's Sinfonie\nanhörte, das Orchester matt nannte. Diese Sinfonie wurde\nmit so viel Präcision und Feinheit gebracht, dass jeder Satz\nstürmisch applaudirt wurde. Bald werden unsere Philhar-\nmoniker nichts mehr voraus haben, als die grössere An-\nzahl von Instrumenten.\nNächsten Sonntag findet das vierte Gesellschafts-Con-\ncert und gleich darauf ein Schubert-Concert durch dieselbe\nGesellschaft Statt. Dann folgen noch Concerte der Sing-\nAkademie, des Singvereins und zwei philharmonische;\nausserdem sind wir noch immer überschwemmt mit Con-\ncertgebern, die alle Instrumente repräsentiren. Wann wer-\nden wir Ruhe haben?\n\nR.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHolli# Sonntag den 28. Februar gab der kölner Männer-\nGesangverein unter Franz Weber'ß Leitung ein Concert im\ngrossen Gürzenichsaale zum Besten „der deutschen Truppen in\nSchleswig\", welches von einem sehr zahlreichen Publicum besucht\nwar und des Schönen gar Vieles brachte. Der Verein bewies durch\nden überaus präcisen, gut nuancirten und klangvollen Vortrag der\ngewählten Gesänge einmal wieder unter stürmischem Applaus, dass\nihm die Meisterschaft in diesem Genre nicht streitig gemacht wer-\nden kann. Der Veranlassung gemäss bildeten kriegerische und pa-\ntriotische Lieder („Dir möcht' ich diese Lieder weihen\" von C.\nKreutzer, Soldatenabschied von Silcher, „Das Eisen bricht die Noth\"\nvon E. Geibel und F. Hiller, Freiheitslied von C. M. von Weber,\nSchlachtlied von Klopstock für Doppelchor von F. Schubert) den\nHauptinhalt des Programms, dem sich Franz Weber's „Weine nicht!\"\nfür Tenor-Solo und Chor und Abt's „Vineta\" anschlössen. Die Com-\nposition J. Herbeck's von Reinick's „Morgenlied\" erschien zu ge-\nsucht; sie gibt mehr Malerei einzelner Worte, als die Stimmung des\nGanzen wieder. Ausserdem trug Fräulein Julie Rothenberger\nBeethoven's Clärchen-Lieder aus Egmont mit Applaus vor; ohne Or-\nchester kann aber die beste Sängerin beide nicht zu vollständiger\nGeltung bringen, zumal da der dabei benutzte Clavier-Auszug zu\nden Zurechtmachungen für Dilettanten gehört, welche die Intentionen\nder Partitur kaum ahnen lassen. Herr Leopold Auer, der in Düs-\nseldorf als Concertmeister angestellt ist, spielte Präludium nnd Fuge\nin G-moll von J. S. Bach mit grosser Bravour, ferner die „Legende\"\n(nächstens werden wir auch wohl noch eine „Agende\" oder eine\n„Homilie\" auf der Violine oder dem Ciavier zu hören bekommen!)\nund die Polonaise von Wieniawski und gab nach stürmischem Her-\nvorrufe noch Paganini's Perpetuum mobile mit derselben staunens-\nwerthen Technik hinzu, die wir im letzten Gesellschafts-Concerte\nbewunderten. Herr Alexander Schmit liess durch den edlen Ge-\nsang auf den Saiten seines Violoncells die Schwächen der Phantasie\nvon Servais vergessen und rief durch ein Andante und ein Lied aus\ndem XVII. Jahrhundert den Eindruck und Ausbruch des Beifalls\nbei dem ganzen Publicum hervor, den der seelenvolle Vortrag einer\nMelodie niemals verfehlt.\nIn der dritten Soiree für Kammermusik hörten wir ein Vio-\nlin-Quartett von Haydn in D-dur und das Quartett Nr. 2 in E-moll\naus Beethoven's Opus 59 (erste Violine Herr Georg Jap ha) in\ntrefflicher Ausführung, ferner eine „Suite\" in fünf Sätzen (Allemandej\nSiciiienne, Burleske, Menuett, Marsch) für Pianoforte und Violine\nvon Woldemar Bargiel, von welcher einzelne Sätze uns an-\nsprachen, andere weniger, da in ihnen eine geistreiche Rhythmik die\nHerrschaft über die Melodie hartnäckig zu behaupten schien.\nDie vierte Soiree brachte das grosse, für Viele, von deren\nZahl wir uns selbst nicht ausnehmen, übergrosse\nOp. 132, von Beethoven (erste Violine Herr von Königs low),\nin welchem zuweilen, z. B. im dritten Satze, dem „Dankliede in ly-\ndischer Tonart für Genesung\" (Beethoven war wirklich im Winter\n1824 von einer schweren Krankheit befallen gewesen, nach welcher"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "79", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640305-01.1.7", "texte": "er im Frühjahre 1825 diesem Quartette die letzte Feile gab), der\nlogische Zusammenhang der Ideenfolge stets ein Räthsel bleiben\nwird, wenn man nicht so dreist sein will, zu behaupten, es sei gar\nkeiner darin. Das will nun Schreiber dieses nicht thun, sondern\nzieht es vor, mit Beethoven's bestem und gründlichst musicalischem\nFreunde, dem Grafen von Brunswick, sich für einen „Schwachkopf\"\nzu erklären, „der das Dunkel nicht zu durchschauen vermöge\". Das\nmerkwürdige Quartett wurde ganz vortrefflich mit bewundernswer-\nthem Zusammenspiel ausgeführt. Ferdinand Hiller brachte uns\neine neue Serenade für Fortepiano und Violoncell, die er selbst\nmit Herrn AI. Schmit vortrug. Dieses Duo von bedeutendem Um-\nfange und Gehalt erfordert ein paar gute Spieler, namentlich einen\nzugleich technisch und musicalisch so tüchtigen Violoncellisten, wie\nHerr AI. Schmit ist. Es hat fünf Sätze, deren zwei erste: Allegro\nquasi Andante und Menuetto zusammenhangen; dann folgen Ca-\npricetto, Thema mit Variationen und Finale. Die ganze Composition\nist in jeder Hinsicht ausgezeichnet, sowohl was die melodiöse Er-\nfindung, als die höchst geistreiche und z. B. in den Variationen da-\nbei zugleich auch melodisch ansprechende Ausarbeitung betrifft.\nJeder Satz rief rauschenden Beifall hervor, da jeder an und für sich\ngenommen zum wenigsten gespanntes Interesse erregt, meistens aber\nzündend wirkt, und das Ganze sich vortrefflich steigert. Den\nSchluss der Sitzung machte das schöne Quintett in G-moll für\nStreich-lifistrumente von Mozart.\nVon dem oben erwähnten Kriegsliede von E. Geibel („Das\nEisen bricht die Noth\") ist uns eine recht hübsche Composition von\nEmil Naumann für Männerchor und grosses Orchester, dem Her-\nzog von Coburg gewidmet, zu Gesicht gekommen.\nDie königliche Kammersängerin Frau Leopoldine Tuczek-\nHerrenburg hat als zweite Gastrolle die Frau Fluth in Nicolai's\n„Lustigen Weibern\" gesungen und in der dritten auf allgemeines\nVerlangen die Susanne in Mozart's Figaro wiederholt. In beiden\nPartieen erregte der vortreffliche Gesang Bewunderung, indem diese\nKünstlerin bei der grössten Correctheit dennoch für den Ausdruck\njeder Seelenstimmung, der gefühlvollen und erregten, wie der mun-\nteren und neckischen, eine stets charakteristische Nuancirung zu\nfinden weiss und in der Anwendung kunstvoller Verzierungen den\nfeinsten Geschmack mit der anmuthigsten Ausführung vereint, so\ndass sie z. B. in der Mozart'schen Musik niemals die einfache Schön-\nheit dem Wunsche, zu brilliren, opfert, dafür aber auch den Dank\nder innigsten Befriedigung und Verehrung von allen wahren Kunst-\nfreunden ärntet.\nBarmen. Am 20. v. Mts. fand das vierte Abonnements-\nConcert Statt, welches durch die Anwesenheit unseres früheren Mu-\nsik-Directors Herrn Karl Reinecke ein besonderes Interesse er-\nhielt. Herr Reinecke wurde mit lebhaftestem Applaus empfangen,\nals er an den Flügel trat, um ein Pianoforte-Concert von seiner\nComposition vorzutragen. Sein meisterhaftes Clavierspiel ist am\nRheine zu bekannt, um unseres Lobes noch zu bedürfen. Am\nSchlüsse des Abends dirigirte er seine Sinfonie, und beide Com-\npositionen hatten grossen Erfolg, den das grosse Publicum und die\nMusiker einstimmig bekundeten. Namentlich ist auch die Instrumen-\ntation in beiden lein und wirksam. Nach der Sinfonie wurde der\nComponist stürmisch gerufen. Ausserdem sang nach F. Schuberts\nOuvertüre zur „Rosamunde\" Fräulein Maria Büsch gens aus\nCrefeld die grosse Arie aus Spohr's „Faust\" und die Partie der\nMirjam in F. Schubert's „Mirjam's Siegesgesang\" mit grossem und\nwohlverdientem Beifall. Am Palmsonntage werden wir hier zum\nersten Male die grosse Matthäus-Passion von J. S. Bach ha-\nben mit Besetzung der Solo-Partieen durch die Damen Rothen-\nberger und Schreck, die Herren Dr. Gunz und Bietzacher\naus Hannover.\nIC* i Im. Die Engagements-\\ erhandlungen der Frau Harriers-\nWippern mit Herrn Mapleson, dem Director der italiänischen Oper\nan Ihr ei Majestät J heater zu London, haben ein beiderseitig befrie-\ndigendes Resultat erlangt. Die Künstlerin ist in nächster Saison für\ndie Dauer von sechs Wochen engagirt und hat die Bedingungen\neines etwa folgenden Engagements für die Saison 1805 festge-\nstellt. Als Debüt hat Frau Harriers die Alice (Robert der Teufel)\ngewählt und wird nachher die Agathe (Freischütz) und die Gräfin\n(Maskenball von Verdi) singen.\nStettin, 24. Februar. Das Concert, welches Herr Ernst\nIlügel gestern im Casinosaale gab, hatte ein überaus zahlreiches,\nden Saal bis in die letzte Ecke füllendes Publicum versammelt. Ein\nBlick auf diese Zuhörerschaft und ein Blick auf das Programm könn-\nten zur Bestätigung einer jüngst bei Gelegenheit eines anderen Con-\ncertes ausgesprochenen Bemerkung dienen, dass auch in unserer\nStadt die nackte Virtuosität in eben dem Maasse an Boden verliert,\nals die Richtung nach der Production ernster und gehaltreicher Mu-\nsik gewinnt. Herr E. Flügel hat in der Zeit, wo wir ihn nicht ge-\nhört, grosse und bedeutende Fortschritte gemacht. Ein reiferes Alter\nbedingt reiferes Yerständniss, grössere physische wie geistige Kraft.\nDass der junge Spieler noch nicht als vollendeter Künstler vor uns\ntritt, wer wollte das bei der Schwierigkeit der gewählten Aufgaben\nbemängeln; wo ist die Kunst überhaupt vollendet, wenn sie die\nWerke der erhabensten Tondichter zur Grundlage nimmt! Das\nConcert begann mit der „chromatischen Phantasie\" von Bach. Was\nden Vortrag dieses Werkes anbelangt, in dem Bülow, der es neuer-\ndings herausgegeben, die Anfänge der Romantik in der Musik er-\nblickt, so war derselbe von Verständniss geläutert, klar, präcis und\nsicher; er bewies, dass der Spieler über die sehr bedeutenden tech-\nnischen Schwierigkeiten hinweg ist. Dem Vortrage fehlte es keines-\nwegs an der klaren Durchsichtigkeit, die das Werk auch für den\nLaien verständlich macht. Dass aber dem jungen Künstler auch die\nWelt der Phantasie und des Herzens erschlossen ist, das bewies er\nin dem Vortrage der zuletzt gespielten Beethoven'schen F-moll-So-\nnate. Kaum wüssten wir, wie sich dieses erhabene Werk schwung-\nvoller, begeisterter, inniger vortragen liesse. Zwischen diesen beiden\nEndpfeilern des Programms stand die Schubert'sche Phantasie zu\nvier Händen, von dem Concertgeber und dessen Vater, Herrn Gu-\nstav Flügel, gespielt. Die beiden Clavier-Compositionen von die-\nsem, von Flügel (dem Vater): „StilleFrage\" und „Falter im Sonnen-\nschein\", sind zwei reizende Kleinigkeiten, die an innerem Werthe\nweit über dem Niveau gewöhnlicher Salon-Compositionen stehen und\nan das Beste in diesem Genre reichen. Die Schumann'sche Romanze\n(Op. 28, Nr. 2) ist ein Bijou, Au bord d'une aource von Liszc ein\ngefälliges Tonstück; die „Metamorphosen\" von Raff sind etwas wirr\nund ihre Länge schadet dem Eindruck. Alle Piecen wurden von dem\nConcertgeber mit Eleganz und grosser Gewandtheit vorgetragen, und\nes konnte nicht fehlen, dass demselben ein grosser und gerechter\nBeifall zu Theil wurde. Unterstützt wurde das Concert durch den\nGesang des Herrn Johannes Schleich. Der Sänger besitzt eine\nkräftige, wohlklingende, ziemlich durchgebildete Tenorstimme, die,\nwenn die Hand eines Meisters noch weitere Feile an sie legte, von\nbedeutender Wirkung werden dürfte. In dem Vortrage erkennt man\nden Opernsänger; seine Accente sind stark und wuchtig, für die\nzartere Liedform etwas zu prononcirt. Im „Erlkönig\" war die\ndramatische Wärme des Vortrags besonders zum Schlüsse von be-\ndeutender Wirkung.\nIm achtzehnten Gewandhaus-Concerte in Leipzig kamen zur\nAufführung an Orchesterwerken: die Sinfonieen in A-dur von Men-\ndelssohn und in B-dur von Beethoven, so wie Schumann s Manfred-\nOuverture; ausserdem wurden zwei für Leipzig neue Compositionen\nfür Alt-Solo, weiblichen Chor und Orchester zu Gehör gebracht,"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "80", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640305-01.1.8", "texte": "nämlich: „Die Nixe\" von Anton Rubinstein und „Gesang Heloisens\nund der Nonnen am Grabe Abälard's\" von Ferd. Hiller, in welchen\nbeiden Stücken die Alt-Soli von Fräulein Johanna Klein aus\nBerlin gesungen wurden.\njflaiiiz. In der Sitzung des hiesigen Theater-Comite's kam\nder Antrag des Directors der beiden Theater zu Darmstadt und Mainz,\nihn von der Leitung des letzteren zu entbinden, zur Berathung. Di-\nrector Te scher hatte in seinem Schreiben vom 14. Jan. d. J. ange-\ngeben, seine Gesundheit sei erschüttert, die Leitung zweier Theater\nsei eine zu grosse Last für ihn, und überdies seien auch seine Er-\nwartungen nicht erfüllt worden; die Einnahmen ständen in keinem\nVerhältnisse zu den Ansprüchen des Publicums; eine Erhöhung der\nPreise habe sich nicht als durchführbar gezeigt; das Publicum habe\nauch bei den grossartigsten Vorstellungen das Theater gemieden;\ner habe hier keinen Gewinn machen wollen, sondern sei nur einem\nWunsche des mainzer Stadt-Vorstandes selbst nachgekommen, als er\ndas mainzer Theater übernommen u. s. w. Auf Antrag des Herrn\nHenckel wurde beschlossen, Herrn Director Tescher von dem mit\nihm abgeschlossenen Vertrage zu entbinden, aber nur gegen Erle-\ngung einer Entschädigungssumme von 1000 Gulden, die alsdann zu\nGunsten des Theaters verwandt werden solle. Es steht noch dahin,\nob Director Tescher auf diese Bedingung eingehen oder den Ver-\ntrag, bez. die Directionsführung, fortsetzen wird.\nDresden. Es wird immer gewisser, dass unser Hoftheater\nsehr bald die so belebende Kraft Dawison's wird entbehren müs-\nsen. Der Künstler kehrt nur noch für die drei letzten Wochen des\nApril von seiner jetzigen Gastspielreise zurück und wird Ende jenes\nMonats aus dem hiesigen Engagement austreten. Einen Ersatz seines\nTalentes haben wir vorerst in keinem Falle zu erwarten, weil er\nzur Zeit unmöglich ist. [Sein Gastspiel hier in Köln beginnt am\nDinstag.]\n# %\nIn dem Kirchen-Concerte des Vereins für classi-\nsche Kirchenmusik am Mittwoch den 10. Februar wurden aufge-\nführt: 1. Präludium und Fuge (D-dur) für die Orgel von Joh. Seb.\nBach. 2. De profundes (Psalm 130) von Giovanni Carlo Maria Clari\n(geb. 1669 zu Pisa, gest. um 1750 zu Pistoja). 3. Quintett aus dem\nOratorium „Die Pilgrime\" von Johann Adolph Hasse (geb. 1699\nzu Bergedorf bei Hamburg, gest. 1783 zu Venedig). 4. Heilig, von\nKarl Philipp Emanuel Bach, 1779. 5. Psalm 128, für zwei Solo-\nstimmen von Maximilian Stadler (geb. 1748 zu Melk in Unteröster-\nreich, gest. 1833 zu Wien). 6. Offertorium von Wolfgang Amadeus\nMozart. 7. Terzett von Luigi Cherubini, Ave verum corpus (geb.\n1760 zu Florenz, gest. 1842 zu Paris). 8. Sonate (Nr. 5, D-dur)\nfür die Orgel von Felix Mendelssohn-Bartholdy. 9. Benedictus von\nFerdinand Hiller. 10. Psalm 113 von Ludwig Stark in Stuttgart.\nJulius Stock hausen hat vom Grossherzoge von Oldenburg\ndie goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft erhalten.\nH ■eil. Der Narren-Abend des wiener Männer-Gesangvereins\nhat auch in diesem Carneval seinen alten Ruhm bewährt; es waren\nwieder gegen viertausend Narren aller Art in tollster Heiterkeit\nvereint, ein herrliches Narrenfest zu begehen. Auch heuer hat Her-\nbeck, unstreitig der genialste „Verdichter und Vertoner\" dieses\nGenre's, den Vogel abgeschossen. Nach dem kräftig und frisch vor-\ngetragenen Narren-Wahlspruche: „Ks lebe die Jugend, es lebe die\nNarrheit, denn Kinder und Narren reden die Wahrheit\", nach\neiner präcisen und beifällig aufgenommenen Aufführung des Genee'-\nschen Quodlibets: „Goldene Lebensregeln\", kamen Herbeck's „När-\nrische Walzer\", unstreitig der Glanzpunkt des Abends, reizend in\nder Melodie, anknüpfend an jene weichen, herzpackenden Weisen,\ndie wir seit dem Tode des alten Lanner nicht mehr gehört haben,\nvom Gesangvereine mit Schwung, Humor und Feuer vorgetragen.\nDer Text brachte auch manch zündendes Wort, z. B.:\n„Und auch dem Wachtel hier\nAlljährlich geben wir\nAchtzehntausend Gulden,\nUnd für die Kunst zugleich\nIm ganzen Kaiserreich\nBewilligt der Reichsrath jährlich fünfzehntausend Gulden.\"\nUnd dann:\n„Verschiedene Sprachen spricht unsere Armee,\nAber deutsch kann's dreinschlagen und auf dänisch thut's weh.\"\nOffenbach hat an die Redaction der „Wiener Blätter\" fol-\ngendes Schreiben erlassen:\n„Herr Redacteur! Ich lese in einigen Blättern, dass ich die\nAbsicht habe, meine Oper Die Rheinnixen Behufs fernerer Auffüh-\nrungen in Wien und an anderen Orten umzuarbeiten. Darauf habe\nich zu erwiedern, dass der Erfolg der Rheinnixen in Wien mir keine\nVeranlassung zur Umänderung bietet, und dass meine Oper auf allen\nBühnen in Deutschland, welche Lust haben werden, dieselbe zu\ngeben, so aufgeführt werden wird, wie ich dieselbe geschrieben habe.\nMit der Versicherung u. s. w.\n„Wien, 10. Februar 1864. Jacques Offenbach.\"\nDer Pianist Charles Wehle und der Cellist Feri Kletzer\nhaben in Bombay mit vielem Erfolge ihr erstes Concert gegeben."}]}