{"numero_id": "bm-bmtnabi-1864-04-02-01", "volume": "bmtnabi_1864-04-02_01", "ocr_sha256": "f97e2c5bebe3254f0b2244f3a4d4bfa4d2bf9d91d3f0d3a844f0982399a31bb7", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1864/04/02_01/bmtnabi_1864-04-02_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640402-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1864-04-02-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-04-02_01#c001", "volume": "bmtnabi_1864-04-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "105", "page_fin": "105", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640402-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "105", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640402-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 468, "texte": "Inhalt.\nPariser Briefe („Mireille\", Oper in fünf Acten, Musik von Ch. Gounod „Lara\", Oper in drei Acten, Musik von\nAime Maillart Rossini, Missa brevis). Aus Bremen (Die Privat-Concerte. Neue Compositionen von Reinthaler. Fremde Virtuo-\nsen. Sinfonie von R. Yolkmann). Aus Hamburg (Joh. Seb. Bacb's Johannis-Passion). Von —ts—. Tages- und Unterhal-\ntungsblatt (Köln, Conservatorium, Stadttheater Weimar, Shakespeare-Jubiläum Berlin, die deutschen Iloftheater u. s. w.)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-04-02-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-04-02_01#c002", "volume": "bmtnabi_1864-04-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "105", "page_fin": "108", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640402-01.2.2", "titre_corps": "Pariser Briefe.", "titre_sommaire": "Pariser Briefe.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "105", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640402-01.1.1", "debut_caractere": 470, "fin_caractere_exclue": 4183, "texte": "Pariser Briefe.\n(„Mireille\", Oper in fünf Acten, Musik von Ch. Gounod\n„Lara\", Oper in drei Acten, Musik von Aime Maillart\nRossini, Mlssa brevis.)\nStoff über Stoff! Aufsehen über Aufsehen! Streit über\nStreit! Ich muss die Uebersicht der drei letzten Musik-\nMonate als verlegene VVaare, vergilbten Papierballast\nüber Bord werfen, damit mein Aviso mit den grossen\nNeuigkeiten des Tages so früh wie möglich nach Deutsch-\nland komme, denn\n„nach Neuem drängt,\nam Neuen hängt\ndoch Alles!\"\nUnd es ist die höchste Zeit, Eurem Publicum, vor\nAllem Euren Intendanzen und Directionen zuzurufen: „Sie\nist da, sie ist da, die neue Schöpfung, nach der Ihr so\nsehnsüchtig über den Rhein blickt, dass Ihr für Eure\ndeutschen Tondichter blind geworden seid und über ihre\nWerke hinwegstolpert, um eine neue Margarethe mit\nneuen Decorationen aus Paris zu holen!\" Aber wisst\nIhr, was sogar die Eranzosen selbst über dieses Gretchen\njetzt sagen? Ich will es hersetzen: „Gounod hat sieben\noder acht Opern für unsere Theater geschrieben. Alle\nsind bei ihrem Aufgange am Horizont von dem Beifalls-\nrufe der Salonwelt begrüsst worden, und die meisten ha-\nben auch in der Presse eine Stütze gefunden. Wie kommt\nes, dass nur eine einzige sich aus dem Schiffbruche ge-\nrettet hat, der alle übrigen verschlungen? Den „ „Faust\"\"\nkennt die ganze Welt: wer denkt noch an „ „Sappho\"\",\nan „„Die blutende Nonne\"\", an „„Die Königin von\nSabaf\", an „ „Philemon und Baucis\"\", an den „„Arzt\nwider Willen\"\"? - Was ist der Grund dieser seltsamen,\naber unläugbaren Thatsache? Gounod bedarl solcher\nOpernstoffe, die an und für sich jene Mannigfaltigkeit des\nColorits besitzen, welche er auf seiner musicalischen Pa-\nlette nicht finden kann. Gibt man ihm erschütternde Stolle,\nwie in der „ „Nonne\"\", oder naiv-natürliche, wie in „ „Phi-\nlemon\" \", oder komische, wie im „ „Arzt wider Willen\"\",\nso findet er in sich selbst nicht die Hülfsquellen, die noth-\nwendig sind, um den Charakter seiner Composition zu va-\nriiren; wir erhalten demnach Werke, die stets dasselbe\nGepräge tragen, mithin im Ganzen monoton sind. Hat er\naber einen Stoff, wie den „„Faust\"\", voll Contraste, mit\nfest und scharf gezeichneten Charakteren, mit wechseln-\nden, echt dramatischen Situationen, so kann der Compo-\nnist sich ohne Gefahr in seine Monotonie hüllen, der Ein-\ndruck des Textes und der Handlung schafft auch der Mu-\nsik Erfolg. Im „„Faust\"\" ist Gounod weder talentvoller\nund erfinderischer, noch geschickter und gelehrter, als in\nseinen anderen Werken, aber er hat sich besser gepaart.\nMit Hülfe Goelhe's schien seine Leier mehrere Saiten zu\nhaben, und auf den Schwingen des Dichters hat er sich\nauf die Höhe der musicalischen Berühmtheiten gehoben.\"\nNun, wenn dem also ist, und es ist viel Wahres darin,\nso wird freilich „Mireille\" sich weder in Paris auf dein\nRepertoire halten, geschweige denn den Lauf wie „Faust\"\nüber die deutschen Bühnen machen, denn der Stoff ist\neiner der langweiligsten und monotonsten, die es geben\nkann. Zwar ist er einem provenfalischen Epos oder Idyll\nentnommen, das einst Lamartine mit Vorliebe in die Lese-\nwelt einführte und das auch ein hübsches poetisches Werk\nist; allein Epos und Drama sind zweierlei, und eine Dorf-\ngeschichte (denn so würden wir in Deutschland das Ge-\ndicht nennen), die als Novelle oder Idyll anziehen und\nfesseln kann, wird bei dem engen Kreise, in dem sich die\nHandlung bewegt, kaum jemals ein dankbarer Opernstoff\nsein, zumal wenn, wie hier in der „Mireille\", die Einfach-\nheit des Stoffes durch fratzenhafte Intermezzo's zur Un-\nnatur verzerrt wird.\n„Mirei'o\" heisst das epische Idyll von Frederic Mistral;\ndie neue Oper hat ihm wieder mehrere Neugierige zu\nLesern verschafft, z. B. auch mich. Es ist in provenfali-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640402-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5282, "texte": "schem Dialekt geschrieben, was ihm einen besonderen\nBeiz gibt, mag aber wohl kaum über die Gränzen Frank-\nreichs gedrungen sein. Mistral nennt sich selbst\nescoulan dou grand Omero\" (humble ecolicr du grand Ho-\nmere) und sagt: „Ich besinge ein junges Mädchen aus der\nProvence—ich will ihr folgen in der Liebe ihrer Jugend,\nüber die Haide la Crau, ans Meer, in die Saatfelder. Da\nes nur ein Kind der Scholle war, so hat man von ihr aus-\nserhalb la Crau wenig gesprochen.\" Nun, ob man jetzt\nviel von ihr sprechen wird, ist auch noch sehr ungewiss.\nDer Ort der Handlung ist die Stadt Arles in der Pro-\nvence, die Delta-Insel Camargue mit der baumlosen Ebene\nla Crau zwischen den Mündungen der Bhone, und der\nWallfahrtsort Les Saintes Maries auf der Insel.\nMichel Carr<S hat das Gedicht zum Drama zurecht-\ngemacht; Gounod ist vor der Composition an Ort und\nStelle gewesen, um die Localfarbe zu studiren—so etwas\nund dass es bekannt wird, gehört hier zur Spannungs-\nTheorie, vulgoßeclame.\nAI so. Mireille ist ein schönes Mädchen in Arles. Ein\nreicher Ochsenweider von der Insel, Ourrias geheissen,\nbegehrt sie zur Frau und der Vater Bamon willigt ein.\nMireille aber liebt den Korbllechter Vincent, einen armen\nTeufel, schlägt den Anderen aus und widersetzt sich stand-\nhaft dem tobenden Vater.\nOurrias lauert dem Nebenbuhler im Höllenthale auf\nund verwundet ihn zum Tode mit seiner Heugabel. Vin-\ncent stirbt in der Wirklichkeit zwar nicht, wohl aber für\ndie Zuschauer, denn sie sehen den durch eine mitleidige\nHexe Geheilten erst am Schlüsse des Stückes wieder.\nOurrias, von Gewissensbissen verfolgt, will über die\nRhonesetzen; aber, o weh! es ist St.-Medardustag, an\nwelchem das Boot des Fährmannes umschlägt, sobald ein\nVerbrecher es betritt. Der grimme Ochsenweider ersäuft,\nund auch ihn sehen wir in den noch folgenden zwei Acten\nnicht wieder. Statt dessen ziehen die Leichen aller seit\nJahrhunderten hier in der Rhone Ertrunkenen als nackte\nGespenster an uns vorüber!!\nDie Aerntezeit ist da aus zwei Gründen: erstens\ndamit die Schnitter einen Männerchor singen können, und\nzweitens damit wir an die drückendste Sommerhitze erin-\nnert werden. Denn Mireille, die jetzt das Unglück Vin-\ncenl's erfährt, verlässt das väterliche Haus und pilgert über\ndie Haide la Crau nach Saintes Maries; aber wehe! sie\nbekommt einen Sonnenstich, erreicht mit Mühe und Noth\ndie heilige Capelle und stirbt dort in den Armen des eben-\nfalls herbeigeeilten Geliebten unter den Gesängen einer\ngrossen Procession!\nMichel Carre hat sich übrigens die Mühe gegeben,\nauch den gesprochenen Dialog in Versen zu geben, wie\ndenn überhaupt von Seiten der Form das Buch hesser ist,\nals die gewöhnlichen Texte der heuligen Librettisien.\nGehen wir über die Musik, wie es Gounod's Talent\nund Ruf fordern, etwas mehr ins Einzelne, was uns durch\nden Clavier-Auszug erleichtert wird, der schon am zwei-\nten Tage nach der ersten Aufführung (am 19. Marz) bei\nChoud ens zu haben war. Der Orcheslersatz vor Anfang\ndes Stückes ist für eine Einleitung zu lang und dennoch\nkeine eigentliche Ouvertüre, sondern ein Pastorale, das\nuns den Charakter des Drama's ahnen lässt und dessen\nangenehmes Motiv mehrere Male in verschiedener Bewe-\ngung und mit einer bis zum vollsten Klangeffect des Or-\nchesters ä la Wagner gesteigerten Instrumentirung wie-\nderkehrt.\nDie Scene eröffnet ein Chor für weibliche Stimmen:\nChantez, chantez, magnanarelles,\nCar la cueillette ahne les chants*)\nwelches vielleicht die gelungenste Nummer in der ganzen\nPartitur ist. Die Melodie ist glücklich erfunden, die Mo-\ndulationen natürlich und lieblich, die Begleitung beschei-\nden und durch die Solo-Oboe mit frischem Frühlingshauche\nbelebt. Mireille vereint ihre Stimme mit dem Chor der\nLandmädchen, eine Alle, so eine Art Wahrsagerin oder\nllexe, die es aber mit dem schönen Kinde gut meint,\nmischt sich darein, Vincent lässt auch nicht auf sich war-\nten, und so spinnt sich die Exposition bis zu einem musi-\ncalischen Zwiegespräche der beiden Liebenden fort, wel-\nches den ersten Act schliesst. Das ist alles sehr naiv\nund so ländlich, dass man bei dem Duette, welches ohne\nbestimmte Form sehr lang und monoton ist, schon unge-\nduldig werden könnte, wenn man nicht auf Interessanteres\nholTte und durch den ersten anmuthigen Chor in günstige\nStimmung versetzt worden wäre. Am Schlüsse ist die So-\npran-Partie etwas breiter ausgeführt, als bisher; sie ist\nüberhaupt mit mehr Vorliebe behandelt, als der Tenor.\nMireille sagt dem Geliebten Lebewohl und gibt ihm\npieux rendes-vous\"in der Mahnung, „dass Beide, wenn\nje Einem von ihnen Unglück drohe, nach Saintes-Maries in\nden Schutz der Heiligen eilen sollten\".\nDer zweite Act beginnt mit einer Volksscene auf\neinem freien Platze vor den Ruinen des römischen Amphi-\ntheaters in Arles (A relatum),welches der Prospect dar-\nstellt. Die Decoration ist prachtvoll. Man tanzt die Faran-\ndole, den Nationallanz der Provence, den der Gesang des\nChors begleitet die Musik ist gefällig und voll Leben,\nwie das ganze Bild. Mireille, Vincent sind auch da, und\n\n*) La cueillette bedeutet hier die Aernte der Blätter vom Maul-\nbeerbaume für die Nahrung der Seidenwürmer; die magnanarelles\nsind die Mädchen, welche die Seidenwürmer (les magnans in proven-\nQalischem Dialekt) pflegen. Die Endung o (Mineio) ist eine weibliche."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640402-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5085, "texte": "man lordert sie auf, ein Lied zum Besten zu gehen. Sie\nsingen, siropbisch wechselnd, die im Süden beliebte Bo-\nmanze der Magali, die unter verschiedenen Gestalten ihren\nLiebhaber auf die Probe stellt. In Mistral's Gedicht ist\ndiese Romanze sehr hübsch:\nO Magali, ma tant amado.\nMete La testo au fenestroum!\nEscouto un pau a questo aubado\nDe tambourin et de viouloun.\nAuch die ursprüngliche Melodie soll allerliebst sein, wie\nman mir sagt; aber Gounod hat sie verschmäht, da Carre\nauch den Text modernisirt hat; und das Nationale, das\ner durch wechselnden Zwei- und Dreiviertel-Tact hinein-\nzubringen versucht hat, macht nur den Eindruck einer\nrhythmischen Spielerei. Weit gelungener sind die origi-\nnellen Couplets, welche die Alte, die von Anfang an sich\nunter dem Volke herumtreibt, zur Mireille singt:\nVoici la saison, mignonne,\nOu les galants font leur choix.\nMireille nimmt das übel und beiheuert in einer grossen\nArie ihre Treue für Vincent. Das Larghetto ist wenigstens\neinfach, obwohl ohne besonders einnehmende Melodie,\naber das Allegro ist eine höchst charakterlose Keihe ge-\nwöhnlichster Motive und colorirler Passagen, die sich\nschliesslich in zwei Raketen-Cadenzen gipfeln ein Con-\ncertstück im schlechtesten neu-italiänisch-französischen Ge-\nschmack, welches, abgesehen von der verfehlten Charak-\nteristik solche Musik im Munde eines einfachen Land-\nmädchens! auch nur rein musicalisch genommen, selbst\ndurch den meisterhaften Gesang einer Miolan-Carvalho\nkaum erträglich wird. Das Publicum war indess sehr dank-\nbar für diese Concession.\nMan sieht übrigens, dass in dieser ganzen, die Hälfte\ndes Actes einnehmenden Scene weder Handlung noch\nrechter Zusammenhang zu finden ist.\nDer Ochsenweider Ourrias tritt mit einem Gesänge,\nder halb couplet-, halb arienmässig gehalten ist, gar ma-\nstig auf; man merkt den plumpen Melodie-Phrasen zu sehr\nan, dass sie charakterisier» sollen. Das Finale beginnt\nmit Ramon's patriarchalischem Ausspruche über die Würde\ndes Chef cle famille d'autrefois,die er zu vertreten hat;\ndie Sache wird aber bald sehr ernst und tragisch, da er\nempört die Thränen der Tochter, die zu seinen Füssen um\nseine Einwilligung fleht, verhöhnt und seinen Fluch auf\ndie Arme schleudert. Dieses Finale ist das grösste En-\nsemblestück der Oper. Wenn ich es auch nicht so hart\nbeurtheilen will, wie einige hiesige Kritiker der Eine\nsagt: „es macht materiel viel Lärm und geistig wenig\nWirkung!\" der Andere: „es schliesst den Act mit einem\ngewaltigen Lärm von Stimmen und Instrumenten, welcher\nden Zuhörer ermüdet, weil weder ein hervorragendes\nmelodisches Motiv, noch die harmonische Arbeit Aufmerk-\nsamkeit und Interesse erregt\" :so muss ich doch ge-\nstehen, dass der Componist bei der einzigen Situation des\nDrama's, die ihm Gelegenheit zu einem Stück wirklich\ndramatischer Musik gab, unter seiner Aufgabe geblieben\nist. Nur da, wo Mireille bittet:\nA vos pieds, hdlas! Me voila,\nJe suis saus defense et sans armes (!):\nSi ma pauvre mere etait la:\nElle aurait pitie de mes larmesl\nerhebt er sich zu wahrem Gefühls-Ausdruck; dazu stellt\naber die Stelle vorher, wo sie einen Schwur auf ihre Treue\nthut, in schreiendem Gegensalze schreiend,\ndenn die herausgestossenen Töne der höchsten Region der\nmenschlichen Stimme sind kein Gesang mehr. So ist auch\nfast alles Uebrige in ein Gewühl von gewaltsamen und\nmassenhaften Klängen gehüllt, aus dem kein lichter Strahl\nerquickend oder auch nur frappant hervorleuchtet; es\ngreift die Nerven an und spannt ab, ohne irgendwie einen\ntieferen Eindruck zu machen. Ganz unbedingt lobt, so viel\nich bis jetzt gesehen, kein hiesiges Blatt dieses Finale:;\naber die Günstigen helfen sich mit Worten, wie\nd'une puissance etonnante, dun pathetique acheve, und\ndergleichen mehr.\nTrotz alledem herrscht nur Eine Stimme darüber, dass\ndie beiden ersten Acte die besten der Oper sind, und ich\nwiderspreche ihr keineswegs, denn damit ist nicht gesagt,\ndass Alles in diesen zwei Acten schön sei, sondern nur,\ndass darin Schöneres sei, als in allen übrigen. Nun folgen\naber noch drei Acte!\nDer dritte verlässt den idyllischen Charakter ganz und\ngar und führt uns den Mörder Ourrias, seine Verzweiflung\nund sein Ende im aufwallenden Strome vor—eine Land-\nschaft ä laSalvator Rosa, wilde Fels- und Waldgegend\nund unter den halb eingestürzten Bogen einer steinernen\nBrücke der dahinbrausende Fluss, mit der grausigen Staffage\neiner Schar von Gespenstern, die aus den Fluten empor-\nsteigen! Ausser den Verzweiflungsrufen des Mörders und\neinigen Männerchor-Klängen hinter der Scene macht (1 as\nOrchester allein die Musik zu diesem Graus. Sie ist nolh-\nwendiger Weise düster, aber dieses Colorit ist theils zu\ndick aufgetragen, theils zu gesucht, nur die Töne des\nHorns aus der Ferne bringen stellenweise ein sanfteres\nLicht hinein. Selbst auf die grosse Menge hat dieser Act\nkeinen Eindruck gemacht. Die Günstigen meinen: „Die\nMusik habe weniger angesprochen oder sei vielleicht we-\nniger verstanden worden\" —; ferner: „Mag nun das er-\nschütternde Schauspiel die Aufmerksamkeit ganz in An-\nspruch genommen oder das Genie den Componisten im\n\n[']"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640402-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4451, "texte": "Stiche gelassen haben, sicher ist, dass der musicalische\nEffect nicht der Höhe (?) der Situation entsprach.\"\nDer vierte Act führt uns einen Chor der Schnitter vor\nzu Gunsten der Orphconisten, denn auf die Handlung hat\ner nicht die geringste Beziehung. Er hat weder ein fri-\nsches, fassbares Motiv, noch besondere harmonische Be-\nhandlung; obenein werden die Stimmen durch den Inslru-\nmenlallärm gedeckt. Das Duett zwischen Vincent's Schwe-\nster (die übrigens, wie ihr Vater, auch nur ein einziges\nMal auf der Scene erscheint) und Mireille ist hübsch, aber\nim Verhältnisse zum Ganzen unbedeutend. Das zweite\nTableau zeigt uns die sonnenverbrannte Haide la Crau.\nEin Hirtenknabe mit Präludium auf der Schalmei (Oboe)\nfehlt nicht (wie im Tannhäuser und in der Sappho von\nGounod selbst); er singt natürlich auch und wirklich nicht\nübel. Mireille erscheint auf ihrer Pilgerfahrt, hat aber doch\nnoch Zeit, einige artige Couplets zu singen, in denen sie\ndas Glück des jungen Schäfers beneidet, ja, sogar noch\neine Arie, die jedoch später sehr verkürzt worden ist. Sie\nbliebe besser ganz weg, denn sie ist wirklich wie der\nsonst günstige Bericht von Fiorentino sagt „eben so\ntrocken, wie die Haide, welche Mireille durchschreitet\".\nDer fünfte Act (der zehn Minuten nach Mitternacht\nbegann) wird ganz und gar durch eine grosse Procession\nnach Sainles Maries gefüllt, aus welcher am Ende Vincent\nund Ramon hervortreten, um Zeugen des Todes der Geliebten\nund der Tochter zu sein. Auch hier übernimmt das Or-\nchester wieder die Hauptrolle; es will uns und vielen An-\nderen aber nicht gelingen, aus dem Marsch-Thema, das\nden leitenden Faden bildet, den religiösen Charakter\nherauszuhören, welchen man erwartet. Reflexion und Ge-\nschick in Combinationen, die den Musiker interessiren\nkönnen, thun ihr Mögliches, aber das Ganze lässt gleich-\ngültig und kalt. Es fehlt an Leben und Schwung in der\nMusik wie in der Handlung.\nDie Scheu Gounod's vor dem Gewöhnlichen und Tri-\nvialen, die sich auch in dieser neuen Oper, Einiges aus-\ngenommen, zeigt, ist lobenswerth; aber ob ihm das Genie\nzu Theil geworden sei, das Gewöhnliche durch das Edle\nund Schöne, nicht nur durch das Gesuchte und Combi-\nnirle zu ersetzen, ist schon durch seine „Königin von\nSaba\" und jetzt wieder durch seine neueste Oper sehr\nzweifelhaft geworden. Die Musik darin ist trotz des Ta-\nlentes, das sich häufig im Einzelnen offenbart, im Ganzen\nmonoton, was im Allgemeinen durch den Stil, oder rich-\ntiger die Manier des Componisten, fast überall das gleiche\nColorit und die gleichen musicalischen Wendungen zu ge-\nbrauchen, veranlasst wird. Auch die vielen langsamen\nTempi tragen dazu bei, so dass man wohl mit Gretry, von\ndem man das erzählt, ausrufen könnte: „Hundert Louis-\nd'or für ein Allegro!\" Dazu die von Schumann und\nWagner angenommene Manier, statt lliessender Melodie\noder charakteristischen Recitativs langweiliges Arioso zu\nschreiben, das weder Fisch noch Fleisch ist. Die Haupt-\nursache der Monotonie in Form und Inhalt ist aber die\nmangelnde Charakteristik der Personen, wozu dem Com-\nponisten des Faust das rechte Talent nicht gegeben zu\nsein scheint. Er lässt sich zu sehr verleiten, stets grau in\ngrau zu malen, anstatt lebendige Gestalten zu zeichnen\nund ihnen eine verschiedene Farbe zu geben. Es ist damit\nin der Musik, wie in der Poesie und in der Malerei. Ewige\nSchilderungen in einem Roman, in einem Epos, vollends\nin einem Drama, und wären sie noch so schön, ermüden,\nwenn charakteristische Gestalten sie nicht beleben. Ein\nGemälde, aus dem nichts hervortritt, sei's ein Mensch oder\neine Gruppe, ja, ein Baum oder ein Felsen, aber Alles von\nindividuellem Gepräge, bleibt ein verschwimmendes Chaos,\nwelches das schönste Colorit nicht reiten kann. In „Mi-\nreille\" kommt nun noch dazu, dass der musicalische Aus-\ndruck des Pittoresken, das die Hauptrolle spielt, allmählich\nimmer schwächer wird, so dass, da die Handlung, wie\nwir gesehen haben, erlahmt, anstatt fortzuschreiten, beide\nElemente eines Erfolgs, Gedicht und Musik, ehe sie noch\neine gewisse Höhe erreichen, wieder bergab gehen. Das\nganze Stück ist nur Mireille: ihr Geliebter, ihr Vater, die\ngutmüthige Hexe verschwinden nach dem Finale des zwei-\nten Actes von der Scene und der Nebenbuhler Ourrias\nim dritten was bleibt übrig, das Leben in die letzten\nActe bringen könnte?\nZwei Tage nach Gounod's „Mireille\" im Theätre ly-\nrique wurde Maillart's „Lara\" im Theater der komischen\nOper gegeben.\n(Fortsetzung folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-04-02-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-04-02_01#c003", "volume": "bmtnabi_1864-04-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "108", "page_fin": "110", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640402-01.2.3", "titre_corps": "Aus Bremen.", "titre_sommaire": "Aus Bremen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640402-01.1.4", "debut_caractere": 4453, "fin_caractere_exclue": 5137, "texte": "Aus Bremen.\n(Die Privat-Concerle. Neue Compositionen von Reinthaler»\nFremde Virtuosen. Sinfonie von R. Volk mann.)\nDen 20. März 1864.\nWie ausserordentlich schwierig es ist, ein Concert-\nProgramm zusammenzustellen und durchzuführen, das vor\nden künstlerischen Ansprüchen von heute Stich hält, des-\nsen wird man erst recht inne, wenn es einmal gelingt, ein\nsolches Programm zu Stande zu bringen. Die heutigen\nAnsprüche sind allerdings hoch und kaum zu befriedigen,\nwenn man bedenkt, wie sehr zerfahren bei allen ausser-\nordentlichen Fortschritten, die wir in den letzten zwanzig\nJahren gemacht haben, doch immer noch die musicali-\nschen Zustände sind. Es ist leicht, ein buntes Programm"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640402-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5373, "texte": "nach vormärzlichem Zuschnitte zu machen, wenn man\neine Sinfonie von Beethoven mit einer Verdi'schen Arie\nund einem Concertstücke von moderner Föfon zusammen-\nstellt; auch wird es gar viele Leute geben, die das recht\nvortreülieh finden, zumal wenn die Sängerin gute Toilette\ngemacht hat. lis ist aber sehr schwer, eine Gruppe von\nCompositionen verschiedenen Charakters zu bilden, die\nsich harmonisch zusammenfügen und die Zuhörer 'nicht\ngewaltsam aus der einen Stimmung in die diametral ent-\ngegengesetzte hineintreiben. Eine Concert-Direction ist so\nsehr von den Kunstlern und dem Geschmacke, der diesel-\nben leitet, abhängig, dass sie nicht verantwortlich gemacht\nwtrden kann für jede unkünstlerische und unschöne Bei-\nmischung, welche ihr octroyirt wird. Je mehr das Virtuo-\nsenthum einbüsst von seiner früher das Concertwesen be-\nherrschenden Allmacht, um so mehr wird die echte Kunst\nden Raum wieder gewinnen, den die Künstelei ihr streitig\nmachte. Wir sind in den letzten Jahren schon unendlich\nviel weitei gekommen, und man hört jetzt in den Concert-\nsälen der tonangebenden Städte bei Weitem mehr gute\nund weniger schlechte Musik, als vor zehn und zwölf\nJahren. *\nDie hiesigen Privat-Concerte haben in diesem Winter\nunter den obwaltenden Verhältnissen und bei der Abhän-\ngigkeit von den ausübenden Künstlern hier und da, wenn\nauch viel weniger als früher, zu leiden gehabt. Es fehlte\nnicht an mittelmässigen Sängerinnen und schlechten Lie-\ndern, aber es konnte dagegen auch manche vortreffliche\nLeistung, die jede bedenkliche subjective Beimischung\nüberwunden hatte, sich ehrenwerth behaupten neben den\nOrchesterwerken. Weit über alle anderen Concerte der\nzweiten [läKte des Winters erhoben sich das siebente und\nzehnte durch die Mitwirkung der Sing-Akademie. Es ge-\nlang, musterhafte Programme aufzustellen, die vielleicht\nhöchstens den Fehler hatten, dass sie etwas zu lang und\nbunt waren, wenigstens das des zehnten Concertes. Wenn\ndie Akademie, die sich mit dem Studium der grossen\nBeethoven sehen Messe eine ausserordentlich schwierige\nAufgabe gestellt hat, daneben noch Zeit gewann, auch in\njenen beiden Concerten eine Reihe von Nummern zu sin-\ngen, so war das ein glänzendes Zeugniss für die grossen\nFortschritte, welche die Gesellschaft unter der Leitung des\nHerrn Musik-Directors Reinthaler gemacht hat. Und es\nwar nichts Uebereiltes und Unfertiges in diesen Leistun-\ngen, sondern wohlthuende Sicherheit und künstlerisches\nVerständniss.\nVon besonderem Interesse war im zehnten Concerte\ndie Ausführung der Mendelssohn'schen Musik zum „Som-\nmernachtstraum\" mit dem verbindenden Gedichte von\nGisbert Vincke, der seine häklige Aufgabe nicht gerade\nglänzend, aber doch weit geschickter und bescheidener als\nO. L. 11. Wolll' gelöst hat. Der echt romantische Zauber\ndieser Musik, die Mendelssohn mit seinem ureigenen We-\nsen in glücklichen Stunden schuf, kommt bei starkem Or-\nchester und vollen Chören natürlich zu viel grösserer und\nmehr harmonischer Wirkung, als im Theater. Jede Num-\nmer kann sich charakteristischer geltend machen und\nschliesst sich enger dem Ganzen an. Die Ausführung war\neine recht glückliche, namentlich in dem reizenden Scher-\nzo, bei dem sich, wie überhaupt an diesem Abende, die\nBläser auszeichneten, besonders Herr C. Klier am Flö-\ntenpulte; das Tempo des Marsches hätte, dünkt uns, etwas\nlangsamer sein können. Einen höchst eigentümlichen\nGegtänsatz bildeten die Romantik Mendelssohn'« und die\necht antike Grösse Gluck's, dessen Ouvertüre zur Iphigenie\nin Aulis und Scenen aus dem zweiten Acte der Taurischen\nIph igenie einen anderen Theil desselben Concert-Abends\nbildeten. Die Damen der Akademie, welche beim Som-\nmernachtstraum als Elfen l'ungirten, sangen hier die weihe-\nvollen, ergreifenden Chöre der Priesterinnen, während\nFrau Engel aus Oldenburg die Recitative Iphigeniens\nund die Arie: nO, lasst mich Tiefgebeugte weinen\", vor-\ntrug. Leider war die Sängerin, die bei uns von früher her\ndurch ihren reinen Gesang und natürlichen Vortrag im\nbesten Andenken steht, gezwungen, aus Rücksicht auf ihre\nStimmmitlei so leise zu singen, dass sie ihre Nummern\nnicht zu rechter Geltung bringen konnte.\nIm siebenten Concerte hörten wir von der Akademie,\nwährend das Orchester Beethoven's heroische Sinfonie, die\nEgmont-Ouverture und Mendelssohn's Hebriden ausführte,\ndas Kyrie der grossen Beethoven'schen Messe, zwei alt-\ndeutsche und zwei Mendelssohn'sche Lieder, endlich eine\nneue Composition Reinthaler's für Chor und Orchester,\n„Das Mädchen von Cola\", nach Ossian's „Darthula\". Der\nComponist hat da einen sehr glücklichen GrilF gethan und\neine Chornummer geschaffen, die allen musicalischen Ge-\nsellschaften zu empfehlen ist. Reinthaler hat Stimmung\nund Färbung der Ossian'schen Romantik richtig getroffen,\nseine Musik ist natürlich, liiessend und wohllautend. Wir\nhatten das Gefühl, dass er die Wirkung derselben noch\nhätte erhöhen können, wenn er dem gut behandelten Or-\nchester einen einleitenden und einen abschliessenden Satz\ngegeben hätte. Einer Wiederholung der Sinfonie Rein-\nthaler's und der ersten Aufführung seiner Ouvertüre zum\n„Othello\" konnten wir leider nicht beiwohnen, hörten\naber viel Lobendes über die festen und energischen Rhyth-\nmen der Ouvertüre.\nWir müssen der Künstler, welche in den letzten Con-\ncerlen mitwirkten, noch gedenken. Besonders stark ver-\ntreten war in dieser Saison die Violine. Herr Wilhelmi,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640402-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3310, "texte": "I *\nder im vorigen Winter schon durch eine bei solcher Ju-\ngend doppelt überraschende Vollendung in Ton und Tech-\nnik alle Herzen gewann, spielte das Concert von Ernst in\nFis-moll und die von Joachim so meisterhaft vorgetragene\nChaconne von Bach. Halte er sich zwar durch diese Wahl\nseinen Stand sehr erschwert, so errang er doch einen voll-\nständigen Sieg und bewies, dass er die Hoffnungen, die\ner bei seinem ersten Auftreten hervorrief, erfüllen wird.\nAllgemeine und verdiente Anerkennung erwarb sich so-\nwohl mit dem Spohr'schen Concerte in als auch\nmit höchst schwierigen modernen Composilionen von Ernst\nund Vieuxtemps Herr Schradieck, der seit dem Novem-\nber am ersten Geigenpulte unseres Orchesters mitwirkt.\nAuch er hat die glücklichste Begabung und ist in viel ver-\nsprechender Entwicklung begriffen. Den Genuss einer aus-\ngezeichneten Leistung auf dem Violoncell hatten wir nur\nan einem Abende, allein Herr Louis Lübeck von\nLeipzig führte seine Sache meisterhaft. Sein Spiel hat\netwas Vornehmes und Feines, das ihm auch bei den\nschwersten, dem Instrumente zu viel zumuthenden Aufga-\nben eigen bleibt. Eine uns neue, hervorragende Erschei-\nnung am Ciavier war Herr Treiber von Gratz, der We-\nbers Concerlstück, Mendelssohn's selten gehörtes Rondo\nin Es und eine Triller-litude von Willmers in der gedie-\ngensten Weise und mit grossem Erfolge spielte. Auf dem\nGebiete des Gesanges erregte besonderes Interesse Fräu-\nlein Metzdorf aus Petersburg; Stimme und Vortrag sind\nanziehend, nur hätte die junge Sängerin statt der gar nicht\nin den Concertsaal gehörenden Gounod'schen Arie eine\nandere wählen sollen. Herr Gunz bewies auch bei\nnem diesjährigen Besuche, dass er zu den besten Sängern\ngehört.\nDer Direction der Sinfonie-Concerte gebührt ein Dank,\ndass sie gleich derjenigen der Privat-Concerte ein neues\nOrchesterwerk in ihr Programm aufnahm: die Sinfonie\nin D-moll von Robert Volk mann, die nach dem Vor-\ngange von Leipzig auch hier zur Aufführung kam. Sie\nverdient es, dass man für ihre rasche Einbürgerung sorgt.\nDie Sinfonie ist ein Werk von Bedeutung, zwar vielleicht\nmehr durch die Arbeit, als durch die leitenden Gedanken,\naber auch in dieser zweiten Beziehung sehr beachtens-\nwert!). Von dem Adagio könnte man sagen, es sei nicht\ngerade sinfonisch gedacht und mehr geeignet für eine In-\nstrumental-Composition von geringeren Ansprüchen. Auch\nwird es dem Scherzo und Finale an Widersachern nicht\nfehlen, der erste Satz deren aber kaum finden. Er tritt\nkraftvoll, zuversichtlich auf und ist von der besten Wir-\nkung. In der Entwicklung des Componisten, der in den\nletzten Jahren viel Aufmerksamkeit erregt hat, scheint uns\ndiese Sinfonie einen Abschnitt zu bezeichnen. Das Publi-\ncum nahm sie sehr gut auf. Eben so die neue, bisher nur\nim Künstler-Vereine ausgeführte Ouvertüre von Tb.\nIlen tsc hei, ein frisches, gesundes Musikstück, das unter\nder Leitung des Componisten grossen Erfolg hatte. Er\nwill nächstens ein so eben vollendetes Quintett lür Ciavier\nund Streich-Instrumente in der Quartett-Soiree des Herrn\nJacob so Im vortragen. Im letzten Privat-Concerte am 5.\nApril wird Herr Stock hausen singen und die zwölfjäh-\nrige Mary Krebs spielen, die Tochter des dresdener Ca-\npel Im eiste rs, welche in den letzten Monaten lörmliche\nTriumphe als Clavierspielerin gefeiert hat.\n(Br. S.-Bl.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-04-02-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-04-02_01#c004", "volume": "bmtnabi_1864-04-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "110", "page_fin": "111", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640402-01.2.4", "titre_corps": "Aus Hamburg.", "titre_sommaire": "Aus Hamburg.", "signature_source": "ts", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640402-01.1.6", "debut_caractere": 3312, "fin_caractere_exclue": 5178, "texte": "Aus Hamburg.\nJoh. Seb. Bach’s Johannis-Passion.\n\nAm *23. Februar, Abends 7 Uhr, wurde in der hie-\nsigen Petrikirche durrli die Bach-Gesellschaf}, unter Lei-\ntung des Herrn Organisten Armbrust, die Passioijsmusik\nJ. S. Bach's nach dem Evangelium Johannis aufgeführt.\nDieses erhabene, schöne Werk war hier noch ganz unbe-\nkannt, und war man voller Erwartung, dasselbe zu hören,\nbesonders da vorauszusetzen war, dass die Vorbereitung\nmit ganzer Liebe und Hingebung beschafft werden würde.\nZahlreiche Zuhörer hatten sich in der durch Gas erleuch-\nteten Kirche eingefunden, und bewies die Ausführung, die\ndem Werke zu Theil wurde, dass dasselbe mit grosser\nSorgfalt einstudirt war. Die Chöre wurden vortrefflich\nexecutirt und mit einer Sicherheit wiedergegeben, die den\nZuhörer kaum ahnen liess, welche grossen Schwierigkeiten\nzu besiegen gewesen. Ein besonderer Fleiss schien über-\ndies auf den Vortrag der Choräle verwandt worden zu\nsein, von denen einige, a capdla gesungen, den sichtlich\ntiefsten Eindruck hinterliessen. Wenn wir dies auch als\neinen kleinen Verstoss gegen die Partitur bezeichnen müs-\nsen, wo überall eine Begleitung vorhanden, so möchte es\ndoch gern zu entschuldigen sein, wenn dieselben vom gan-\nzen Chor mit solcher Reinheit ausgeführt werden, wie es\nhier der Fall war, wo beim Wiedereintritt des Orchesters\nauch nicht die kleinste Schwebung im Tone zu bemerken\nwar. Die Tenor-Partie hatte Herr Karl Schneider, zur\nZeit in Rotterdam, übernommen, und sang derselbe den\nEvangelisten und die Arien hinreissend schön. Es dürfte\nkaum ein Sänger zu finden sein, der diese so schwierige\nPartie mit solcher bewundernswerthen Ausdauer wieder-\nzugeben vermöchte. Bis ans Ende blieb die Stimme, trotz\nder hohen Lage, sehr gleichmässig, und war auch nicht\ndie kleinste Anstrengung zu bemerken. Herr Adolph\nSchulze von hier stand ihm als Bassist ebenbürtig zur"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640402-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1583, "texte": "Seite. Derselbe hat ein Jahr bei Garcia in London studirt\nund dessen Lehren auf erfreuliche Weise zu benutzen\nverstanden. Die Stimme dieses hochzuschätzenden Sängers\nist von angenehmer Fülle und in allen Lagen gleichmässig.\nEr sang die Partie mit sichtbarer Liebe, und kamen die\npiano ausgeführten Stellen in schönster Geltung zu Gehör,\nso dass sowohl er wie Herr Schneider die Zuhörer in tiefe\nRührung zu versetzen vermochte. Die Sopran-Arien sang\nFräulein Mal vi na Strahl aus Berlin mit schöner Stimme\nund anzuerkennender Reinheit. Wenn es so schien, als ob\nsie in der ersten Arie: „Ich folge dir gleichfalls\", den\nrechten ernsten Oratorienstil nicht zu treffen vermöchte,\nso sang sie hingegen die zweite Arie: „Zerfliesse, mein\nHerze\", mit rührendem Ausdrucke und gutem Erfolge.\nFräulein Steinfeldt, Mitglied des Vereins, sang ihre Alt-\nArie anerkennenswerth. Der Eindruck, den dieses gross-\nartige Werk, auf so gelungene Weise zu Gehör gebracht,\nauf die Zuhörer machte, war ein überwältigender, und der\nWunsch nach baldiger Wiederholung ein allgemeiner.\nSchliesslich dürfen wir nicht unterlassen, dem Diri-\ngenten unsere Anerkennung zu zollen für die Sorgfalt, die\ner auf die Einübung verwandte, wie für die Mühe, der\ner sich unterzogen halle, das Werk vollständiger zu in-\nstrumentiren, welches geboten war durch den Umstand,\ndass die Orgel wegen zu abweichender Stimmung nicht\nzu benutzen war. Die Instrumentation erwies sich, zumal\nbei den Arien, als sehr wirksam; sie erschien nirgends als\netwas Fremdartiges, sondern war durchweg dem Geiste\nBach's angemessen gehalten.\n\nts."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-04-02-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-04-02_01#c005", "volume": "bmtnabi_1864-04-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "111", "page_fin": "112", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640402-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640402-01.1.7", "debut_caractere": 1585, "fin_caractere_exclue": 6858, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolli. Die Prüfung der Zöglinge des Conservatoriums\nder Musik unter der Direction des städtischen Capellmeisters Herrn\nFerdinand Hiller, welche am 21., 22. und 23. März Statt fand,\nhat in allen Fächern sehr erfreuliche Fortschritte offenbart. Der\nneue Cursus beginnt Montag den 4. April.\nDem Vernehmen nach wird Herr Director Ernst die Opern-\nVorstellungen im Stadttheater auch während des Sommers fort-\nsetzen, so dass die alte Zeit, in welcher Köln ein stehendes Theater\nhatte, wiederzukehren scheint. Wie wir hören, haben wir eine\nWagner-Saison zu erwarten. Mit dem Haupt-Repräsentanten\nderselben, Herrn Nie mann, welcher dafür gewonnen sein soll,\nsind wir gar sehr zufrieden: aber ob Rienzi, Tannhäuser, Lohengrin\nselbst mit diesem Heros, und der fliegende Holländer (mit wem?)\nim Stande sein werden, durch die projectirten wiederholten Auffüh-\nrungen die Concurrenz des Theaters mit den lockenden Mächten des\nSommers bei dem kölner Publicum siegreich zu bestehen, das muss\nder Versuch lehren. Wir möchten rathen, etwas Mozart, Beethoven,\nWeber, Meyerbeer u. s. w. dazwischen zu schieben. Jedenfalls ver-\ndient der heroische Entschluss der Theater-Direction allseitige Un-\nterstützung.\nDer Intendant des Hoftheaters in Weimar, Dr. Dingel-\nstedt, veröffentlichte folgende Einladung: „Nicht in der Osterwocbe,\nwie Anfangs beabsichtigt gowesen, sondern zum Shakespeare-\nJubiläum findet auf der weiinarischen Hofbühne die erstmalige\nvollständige und zusammenhangende Aufführung der historischen\nDramen Shakespeare's Statt, und zwar wird Samstag den 23. April\nRichard 11., Sonntag den J4. April Heinrich IV., 1. Theil, Montag\nden 25. April Heinrich IV., 2. Theil, Dinstag den 20. April Hein-\nrich V., Donnerstag den 28. April Heinrich VI., 1. Theil, Freitag\nden 29. April Heinrich VI., 2. Theil, Samstag den 30. April Ri-\nchard 111. zur Darstellung gelangen. Die Vorstände und Mitglieder\nder deutschen Bühnen, wie die Freunde Shakespeare s und dramati-\nscher Kunst und Literatur überhaupt werden zu dieser Feier, mit\nwelcher der Versuch der Gründung einer deutschen Shakespeare-\nGesellschaft verbunden sein soll, hiermit geziemend eingeladen.\"\n[Was soll denn die deutsche Shakespeare-Gesellschaft bezwecken?\nDer wahre Cultus Shakespeare's als eines gottbegabten Genius be-\ndarf in Deutschland keines äusseren Hülfsmittels zu seiner Verbrei-\nund ein Missions-Verein für die Götzendienerei dem grossen\nDichter gegenüber wäre gar sehr vom Uebel.]\nDie deutschen Hoftheater. In Berlin hat man Verdi's\n„Ernani\" wieder neu in Scene gesetzt für die Lucca. Aber\nwenn man für dieses Gestirn neue Bahnen sucht, in denen es glänze,\ngibt es denn keine neueren deutschen Opern, in deren Aufführung\ndie deutsche Sängerin auch als ein neuer Stern erscheinen könnte,\nund dabei an ganz anderem Kunsthimmel, als an dem Verdi sehen?\nUnd wenn eine einzige Persönlichkeit über das Repertoire entschei-\nden soll, ist es dann nicht Pflicht der Intendanzen, den Glanz, den\nsie verbreitet, auch vaterländischen Coinpositionen zu Theil werden\nzu lassen > F. Hill er' s „Katakomben\" sind in Partitur und Cia-\nvier-Auszug gedruckt, von Max Bruch s „Lorelei\" ist der Cia-\nvier-Auszug bei Leuckart in Breslau auch so eben erschienen:\nr haben die Intendanten unserer lioftheater gar keinen musicali-\nschen „Untergebenen\" mehr, der sich einmal die Partie der „Clythia*4\nin den Katakomben und die Rolle der „Lorelei\" ansähe und es\ndann wagte, seinem Vorgesetzten ganz gehorsamst zu bemerken,\ndass z. B. eine bezauberndere Lorelei als Fräulein Lucca kaum zu\ndenken sei? ln Wiesbaden soll man, wie es heisst, trotz des\nMisserfolgs an grösseren Bühnen, „La Reole\" von Frau Birch-Pfeif-\nfer (denn die Musik kommt bei dem Einflüsse der Dichterin nicht\nin Betracht) geben wollen, ferner „Rizzio\" von Sch Ii ebner in\nBerlin und „Die Fee von Elvarshöh\" von Reiter in Basel. Nun,\ndas sind doch wenigstens deutsche Componisten!\nBerlin. Liszt's „Prometheus\" war eine Hauptnummer auf\ndem Programme des letzten Concertes der „Gesellschaft der Musik-\nfreunde\", deren technischer Vorstand bekanntlich Hans von Bü-\nlow ist. Die ästhetischen Eroberungen für Liszt's Orchestermusik\nwollen aber noch immer nicht glücken, wiewohl in Berlin und in\nWien mit Ausdauer neue Feldzüge projectirt und versucht werden.\nAber die neu geworbenen Truppen richten, wiewohl sie gut schla-\ngen (nämlich in die Hände), gegen die zahlreiche Phalanx, bei wel-\ncher unter dem Panzer ein treues Herz für die alte Liebe schlägt,\nnichts aus. Ueber den „Entfesselten Prometheus\" äussert sich O.\nGumprecht in der National-Zeitung: „Auch hier verräth sich uns\nwieder eine eben so leicht angeregte als lebhaft empfindende Natur,\nderen produetives Vermögen jedoch in keinem Verhältnisse steht zu\ndem sehnsüchtigen Schöpfungsdrange, der ihr die ganze Seele er-\nfüllt und bewegt. Wohin wir blicken, überall gewahren wir die weit-\ngeöffnete Kluft zwischen Wollen und Vollbringen, hochfliegende In-\ntentionen, das massenhafteste Aufgebot der äusseren Mittel und da-\nbei Leistungen, die nach unserer Weise zu empfinden in ihrem in-\nnersten Gehalt leer und nichtig sind. Die Tonsprache zersplittert\nsich in einzelne Anläufe und Interjectionen, welche durch ihre Zu-\nsammenhangslosigkeit wie durch ihre Richtung auf den handgreit\""}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640402-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4680, "texte": "liebsten Realismus unser Gefühl gleichmässig befremden und ab-\nstossen. In den überwiegend chromatisch gebildeten Motiven der\nunstet umhergetriebenen Harmonie, die bald in den raffinirtesten\nDissonanzen schwelgt und dann wieder in dem härenen Gewände\nPalestrina's Busse thut, in der claviermässigen Behandlung der In-\nstrumente und der Singstimmen in dem allem offenbart sich uns\nlediglich das Spiel der phantasielosen Willkür, die jede organische\nGliederung und objective Form zertrümmert, um freien Spielraum\nfür die eigene Subjectivität zu gewinnen. In der gesammten Pro-\nmetheus-Musik begegnet uns nur ein einziger Satz, in dem sich der\nComponist von einer anderen Seite zeigt. In dem Schnitter-Chor\nhat er sich, abgesehen von ein paar vereinzelten, dem Adagio und\nScherzo der Pastoral-Sinfonie dargebrachten Huldigungen, an die\nSchablone der französischen komischen Oper gehalten. Die pointirten\nMotive, behenden Rhythmen und die prickelnde Instrumentation des\nTonstückes, und mehr als das alles die Freude der Hörer, in ihren\nmusicalischen Grundrechten vom Componisten nicht angefochten zu\nwerden, riefen einen allgemeinen Applaus hervor, auf den man sich\nbeeiferte, mit einer Wiederholung zu antworten. Bei den übrigen\nNummern des Werkes beschränkten sich die Beifalls-Aeusserungen\nauf die enge Gemeinde der Adepten.\" Mehr Glück machte in\ndemselben Concerte eine neue Ouvertüre zu dem Trauerspiel [?]\n„Lorelei\" von Emil Naumann, die Arbeit einer gewandten, wäh-\nlerischen Hand, klar und verständlich disponirt, glatt und gerundet\nin der Entwicklung.\nl*otS€laiftft, 20. März. Die Capelle des ersten Garde-Regiments\nzu Fuss brachte uns in ihrem 4., 5. und letzten Abonnements-Con-\ncerte unter der ruhig festen und umsichtigen Leitung ihres Dirigen-\nten Herrn F. W. Voigt ausser Mozart's Sinfonie D-dar) Beetho-\nven's B-dur und Mendelssohns A-dur, auch noch eine wirksame\nConcert-Ouverture von einem jungen Componisten Dumack in Ber-\nlin, ferner zu Jessonda, Sommernachtstraum mit dem Hochzeits-\nmarsch, Maria Stuart von Vieriing (welche tiefen Eindruck machte)\nund Egmont, und wurden sämmtliche Instrumentalwerke mit Präci-\nsion und Sauberkeit ausgeführt. Ausserdem unterstützten diese In-\nstrumentalstücke durch Sologesang und Spiel die Damen Fiedler,\nSchade (letztere eine Schülerin des bewährten T eschner), Herr\nDomsänger Seyffart und die Herren Rokicki, Barth (Piano),\nStahlknecht (Cello). Dem Schlüsse des Cyklus folgte noch ein\nzum Besten der Witweneasse der Capelle veranstaltetes Concert, in\nwelchem wir die uns noch ganz unbekannte, aber dennoch höchst\ninteressante Sinfonie giojosa von 11. Dorn zu hören bekamen, die\nin ihren vier Sätzen mit grösster Aufmerksamkeit und Spannung\nvon dem sehr zahlreichen Auditorium aufgenommen wurde. Herr\nPutsch sang mit schöner, ausgebender Stimme Haydn's „Nun eilet\nfroh\" und zwei Lieder von Fr. Schubert, und endlich erfreute Herr\nA. Golde durch sein klares, perlendes Spiel in Mendelssohn's im-\nmer gern gehörtem ZT-moZZ-Capriccio mit Orchester in lebhaftem\nTempo, so wie in eigenen Compositionen das dankbare Publicum.\nDer königsberger Krönungsmarsch von Meyerbeer beschloss das\nConcert.\nParti, 27. März. Pasdeloup bereitet im Cirque Napoleon\ngrosse Fest-Concerte für die nächsten Tage vor; am 3. April Beet-\nhoven fest: die neunte Sinfonie und die Ruinen von Athen; das\nViolin-Concert, gespielt von Vieuxtemps. Am 10. April Men-\ndelssohn fest: das Oratorium Elias mit Frau R Udersdorf aus\nLondon, Mad. Talbot und dem hiesigen Bariton Petit. Das Vio-\nlin-Concert, gespielt von Jean Becker. lm Charfreitags-Con-\ncerte entzückte Sivori das zahlreiche Publicum.\nPergolese's Stabat mater wurde am grünen Dunnerstage iu\nden Tuilerieen gesungen (Marie Sax Sopran, Warot Tenor, Chor der\nConservatoristen). Im italienischen Opernhause kamen am Donners-\ntag und Freitag die drei Stabat mater von Pergolese, Jos. Haydn\nund Rossini zur Aufführung (die Geschwister Marchisio, Mario u. s. w.).\nHerr.und Frau Marchesi haben am 18. März ein interessan-\ntes „historisches Concert\" im Saale Herz gegeben, welches Compo-\nsitionen aus der älteren italienischen Schule von ]6OO bis 1730\nvorführte, in der ersten Abtheilung von Peri, Caccini, Luigi Rossi,\nArcangelo del Leuta, Carissimi, Stradella (ein Duett, das Dacapo\nverlangt wurde); in der zweiten von Alessandro Scarlatti, Buonon-\ncini, Pergolese (Duo aus La Serva padrona) und die Bass-Arie\naus Iländel's Alexanderfest, der sich freilich wundern würde, diese\nComposition zur italiänischen Schule gerechnet zu sehen! Eine\nViolin-Sonate (la follia) von Corelli (Herr Scherek) und zwei Cla-\nvieistücke von Rameau und Dom. Scarlatti (Herr Billet) vervollstän-\ndigten das musicalische Zeitbild."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "105", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640402-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nPariser Briefe („Mireille\", Oper in fünf Acten, Musik von Ch. Gounod „Lara\", Oper in drei Acten, Musik von\nAime Maillart Rossini, Missa brevis). Aus Bremen (Die Privat-Concerte. Neue Compositionen von Reinthaler. Fremde Virtuo-\nsen. Sinfonie von R. Yolkmann). Aus Hamburg (Joh. Seb. Bacb's Johannis-Passion). Von —ts—. Tages- und Unterhal-\ntungsblatt (Köln, Conservatorium, Stadttheater Weimar, Shakespeare-Jubiläum Berlin, die deutschen Iloftheater u. s. w.).\n\nPariser Briefe.\n(„Mireille\", Oper in fünf Acten, Musik von Ch. Gounod\n„Lara\", Oper in drei Acten, Musik von Aime Maillart\nRossini, Mlssa brevis.)\nStoff über Stoff! Aufsehen über Aufsehen! Streit über\nStreit! Ich muss die Uebersicht der drei letzten Musik-\nMonate als verlegene VVaare, vergilbten Papierballast\nüber Bord werfen, damit mein Aviso mit den grossen\nNeuigkeiten des Tages so früh wie möglich nach Deutsch-\nland komme, denn\n„nach Neuem drängt,\nam Neuen hängt\ndoch Alles!\"\nUnd es ist die höchste Zeit, Eurem Publicum, vor\nAllem Euren Intendanzen und Directionen zuzurufen: „Sie\nist da, sie ist da, die neue Schöpfung, nach der Ihr so\nsehnsüchtig über den Rhein blickt, dass Ihr für Eure\ndeutschen Tondichter blind geworden seid und über ihre\nWerke hinwegstolpert, um eine neue Margarethe mit\nneuen Decorationen aus Paris zu holen!\" Aber wisst\nIhr, was sogar die Eranzosen selbst über dieses Gretchen\njetzt sagen? Ich will es hersetzen: „Gounod hat sieben\noder acht Opern für unsere Theater geschrieben. Alle\nsind bei ihrem Aufgange am Horizont von dem Beifalls-\nrufe der Salonwelt begrüsst worden, und die meisten ha-\nben auch in der Presse eine Stütze gefunden. Wie kommt\nes, dass nur eine einzige sich aus dem Schiffbruche ge-\nrettet hat, der alle übrigen verschlungen? Den „ „Faust\"\"\nkennt die ganze Welt: wer denkt noch an „ „Sappho\"\",\nan „„Die blutende Nonne\"\", an „„Die Königin von\nSabaf\", an „ „Philemon und Baucis\"\", an den „„Arzt\nwider Willen\"\"? - Was ist der Grund dieser seltsamen,\naber unläugbaren Thatsache? Gounod bedarl solcher\nOpernstoffe, die an und für sich jene Mannigfaltigkeit des\nColorits besitzen, welche er auf seiner musicalischen Pa-\nlette nicht finden kann. Gibt man ihm erschütternde Stolle,\nwie in der „ „Nonne\"\", oder naiv-natürliche, wie in „ „Phi-\nlemon\" \", oder komische, wie im „ „Arzt wider Willen\"\",\nso findet er in sich selbst nicht die Hülfsquellen, die noth-\nwendig sind, um den Charakter seiner Composition zu va-\nriiren; wir erhalten demnach Werke, die stets dasselbe\nGepräge tragen, mithin im Ganzen monoton sind. Hat er\naber einen Stoff, wie den „„Faust\"\", voll Contraste, mit\nfest und scharf gezeichneten Charakteren, mit wechseln-\nden, echt dramatischen Situationen, so kann der Compo-\nnist sich ohne Gefahr in seine Monotonie hüllen, der Ein-\ndruck des Textes und der Handlung schafft auch der Mu-\nsik Erfolg. Im „„Faust\"\" ist Gounod weder talentvoller\nund erfinderischer, noch geschickter und gelehrter, als in\nseinen anderen Werken, aber er hat sich besser gepaart.\nMit Hülfe Goelhe's schien seine Leier mehrere Saiten zu\nhaben, und auf den Schwingen des Dichters hat er sich\nauf die Höhe der musicalischen Berühmtheiten gehoben.\"\nNun, wenn dem also ist, und es ist viel Wahres darin,\nso wird freilich „Mireille\" sich weder in Paris auf dein\nRepertoire halten, geschweige denn den Lauf wie „Faust\"\nüber die deutschen Bühnen machen, denn der Stoff ist\neiner der langweiligsten und monotonsten, die es geben\nkann. Zwar ist er einem provenfalischen Epos oder Idyll\nentnommen, das einst Lamartine mit Vorliebe in die Lese-\nwelt einführte und das auch ein hübsches poetisches Werk\nist; allein Epos und Drama sind zweierlei, und eine Dorf-\ngeschichte (denn so würden wir in Deutschland das Ge-\ndicht nennen), die als Novelle oder Idyll anziehen und\nfesseln kann, wird bei dem engen Kreise, in dem sich die\nHandlung bewegt, kaum jemals ein dankbarer Opernstoff\nsein, zumal wenn, wie hier in der „Mireille\", die Einfach-\nheit des Stoffes durch fratzenhafte Intermezzo's zur Un-\nnatur verzerrt wird.\n„Mirei'o\" heisst das epische Idyll von Frederic Mistral;\ndie neue Oper hat ihm wieder mehrere Neugierige zu\nLesern verschafft, z. B. auch mich. Es ist in provenfali-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640402-01.1.2", "texte": "schem Dialekt geschrieben, was ihm einen besonderen\nBeiz gibt, mag aber wohl kaum über die Gränzen Frank-\nreichs gedrungen sein. Mistral nennt sich selbst\nescoulan dou grand Omero\" (humble ecolicr du grand Ho-\nmere) und sagt: „Ich besinge ein junges Mädchen aus der\nProvence—ich will ihr folgen in der Liebe ihrer Jugend,\nüber die Haide la Crau, ans Meer, in die Saatfelder. Da\nes nur ein Kind der Scholle war, so hat man von ihr aus-\nserhalb la Crau wenig gesprochen.\" Nun, ob man jetzt\nviel von ihr sprechen wird, ist auch noch sehr ungewiss.\nDer Ort der Handlung ist die Stadt Arles in der Pro-\nvence, die Delta-Insel Camargue mit der baumlosen Ebene\nla Crau zwischen den Mündungen der Bhone, und der\nWallfahrtsort Les Saintes Maries auf der Insel.\nMichel Carr<S hat das Gedicht zum Drama zurecht-\ngemacht; Gounod ist vor der Composition an Ort und\nStelle gewesen, um die Localfarbe zu studiren—so etwas\nund dass es bekannt wird, gehört hier zur Spannungs-\nTheorie, vulgoßeclame.\nAI so. Mireille ist ein schönes Mädchen in Arles. Ein\nreicher Ochsenweider von der Insel, Ourrias geheissen,\nbegehrt sie zur Frau und der Vater Bamon willigt ein.\nMireille aber liebt den Korbllechter Vincent, einen armen\nTeufel, schlägt den Anderen aus und widersetzt sich stand-\nhaft dem tobenden Vater.\nOurrias lauert dem Nebenbuhler im Höllenthale auf\nund verwundet ihn zum Tode mit seiner Heugabel. Vin-\ncent stirbt in der Wirklichkeit zwar nicht, wohl aber für\ndie Zuschauer, denn sie sehen den durch eine mitleidige\nHexe Geheilten erst am Schlüsse des Stückes wieder.\nOurrias, von Gewissensbissen verfolgt, will über die\nRhonesetzen; aber, o weh! es ist St.-Medardustag, an\nwelchem das Boot des Fährmannes umschlägt, sobald ein\nVerbrecher es betritt. Der grimme Ochsenweider ersäuft,\nund auch ihn sehen wir in den noch folgenden zwei Acten\nnicht wieder. Statt dessen ziehen die Leichen aller seit\nJahrhunderten hier in der Rhone Ertrunkenen als nackte\nGespenster an uns vorüber!!\nDie Aerntezeit ist da aus zwei Gründen: erstens\ndamit die Schnitter einen Männerchor singen können, und\nzweitens damit wir an die drückendste Sommerhitze erin-\nnert werden. Denn Mireille, die jetzt das Unglück Vin-\ncenl's erfährt, verlässt das väterliche Haus und pilgert über\ndie Haide la Crau nach Saintes Maries; aber wehe! sie\nbekommt einen Sonnenstich, erreicht mit Mühe und Noth\ndie heilige Capelle und stirbt dort in den Armen des eben-\nfalls herbeigeeilten Geliebten unter den Gesängen einer\ngrossen Procession!\nMichel Carre hat sich übrigens die Mühe gegeben,\nauch den gesprochenen Dialog in Versen zu geben, wie\ndenn überhaupt von Seiten der Form das Buch hesser ist,\nals die gewöhnlichen Texte der heuligen Librettisien.\nGehen wir über die Musik, wie es Gounod's Talent\nund Ruf fordern, etwas mehr ins Einzelne, was uns durch\nden Clavier-Auszug erleichtert wird, der schon am zwei-\nten Tage nach der ersten Aufführung (am 19. Marz) bei\nChoud ens zu haben war. Der Orcheslersatz vor Anfang\ndes Stückes ist für eine Einleitung zu lang und dennoch\nkeine eigentliche Ouvertüre, sondern ein Pastorale, das\nuns den Charakter des Drama's ahnen lässt und dessen\nangenehmes Motiv mehrere Male in verschiedener Bewe-\ngung und mit einer bis zum vollsten Klangeffect des Or-\nchesters ä la Wagner gesteigerten Instrumentirung wie-\nderkehrt.\nDie Scene eröffnet ein Chor für weibliche Stimmen:\nChantez, chantez, magnanarelles,\nCar la cueillette ahne les chants*)\nwelches vielleicht die gelungenste Nummer in der ganzen\nPartitur ist. Die Melodie ist glücklich erfunden, die Mo-\ndulationen natürlich und lieblich, die Begleitung beschei-\nden und durch die Solo-Oboe mit frischem Frühlingshauche\nbelebt. Mireille vereint ihre Stimme mit dem Chor der\nLandmädchen, eine Alle, so eine Art Wahrsagerin oder\nllexe, die es aber mit dem schönen Kinde gut meint,\nmischt sich darein, Vincent lässt auch nicht auf sich war-\nten, und so spinnt sich die Exposition bis zu einem musi-\ncalischen Zwiegespräche der beiden Liebenden fort, wel-\nches den ersten Act schliesst. Das ist alles sehr naiv\nund so ländlich, dass man bei dem Duette, welches ohne\nbestimmte Form sehr lang und monoton ist, schon unge-\nduldig werden könnte, wenn man nicht auf Interessanteres\nholTte und durch den ersten anmuthigen Chor in günstige\nStimmung versetzt worden wäre. Am Schlüsse ist die So-\npran-Partie etwas breiter ausgeführt, als bisher; sie ist\nüberhaupt mit mehr Vorliebe behandelt, als der Tenor.\nMireille sagt dem Geliebten Lebewohl und gibt ihm\npieux rendes-vous\"in der Mahnung, „dass Beide, wenn\nje Einem von ihnen Unglück drohe, nach Saintes-Maries in\nden Schutz der Heiligen eilen sollten\".\nDer zweite Act beginnt mit einer Volksscene auf\neinem freien Platze vor den Ruinen des römischen Amphi-\ntheaters in Arles (A relatum),welches der Prospect dar-\nstellt. Die Decoration ist prachtvoll. Man tanzt die Faran-\ndole, den Nationallanz der Provence, den der Gesang des\nChors begleitet die Musik ist gefällig und voll Leben,\nwie das ganze Bild. Mireille, Vincent sind auch da, und\n\n*) La cueillette bedeutet hier die Aernte der Blätter vom Maul-\nbeerbaume für die Nahrung der Seidenwürmer; die magnanarelles\nsind die Mädchen, welche die Seidenwürmer (les magnans in proven-\nQalischem Dialekt) pflegen. Die Endung o (Mineio) ist eine weibliche."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640402-01.1.3", "texte": "man lordert sie auf, ein Lied zum Besten zu gehen. Sie\nsingen, siropbisch wechselnd, die im Süden beliebte Bo-\nmanze der Magali, die unter verschiedenen Gestalten ihren\nLiebhaber auf die Probe stellt. In Mistral's Gedicht ist\ndiese Romanze sehr hübsch:\nO Magali, ma tant amado.\nMete La testo au fenestroum!\nEscouto un pau a questo aubado\nDe tambourin et de viouloun.\nAuch die ursprüngliche Melodie soll allerliebst sein, wie\nman mir sagt; aber Gounod hat sie verschmäht, da Carre\nauch den Text modernisirt hat; und das Nationale, das\ner durch wechselnden Zwei- und Dreiviertel-Tact hinein-\nzubringen versucht hat, macht nur den Eindruck einer\nrhythmischen Spielerei. Weit gelungener sind die origi-\nnellen Couplets, welche die Alte, die von Anfang an sich\nunter dem Volke herumtreibt, zur Mireille singt:\nVoici la saison, mignonne,\nOu les galants font leur choix.\nMireille nimmt das übel und beiheuert in einer grossen\nArie ihre Treue für Vincent. Das Larghetto ist wenigstens\neinfach, obwohl ohne besonders einnehmende Melodie,\naber das Allegro ist eine höchst charakterlose Keihe ge-\nwöhnlichster Motive und colorirler Passagen, die sich\nschliesslich in zwei Raketen-Cadenzen gipfeln ein Con-\ncertstück im schlechtesten neu-italiänisch-französischen Ge-\nschmack, welches, abgesehen von der verfehlten Charak-\nteristik solche Musik im Munde eines einfachen Land-\nmädchens! auch nur rein musicalisch genommen, selbst\ndurch den meisterhaften Gesang einer Miolan-Carvalho\nkaum erträglich wird. Das Publicum war indess sehr dank-\nbar für diese Concession.\nMan sieht übrigens, dass in dieser ganzen, die Hälfte\ndes Actes einnehmenden Scene weder Handlung noch\nrechter Zusammenhang zu finden ist.\nDer Ochsenweider Ourrias tritt mit einem Gesänge,\nder halb couplet-, halb arienmässig gehalten ist, gar ma-\nstig auf; man merkt den plumpen Melodie-Phrasen zu sehr\nan, dass sie charakterisier» sollen. Das Finale beginnt\nmit Ramon's patriarchalischem Ausspruche über die Würde\ndes Chef cle famille d'autrefois,die er zu vertreten hat;\ndie Sache wird aber bald sehr ernst und tragisch, da er\nempört die Thränen der Tochter, die zu seinen Füssen um\nseine Einwilligung fleht, verhöhnt und seinen Fluch auf\ndie Arme schleudert. Dieses Finale ist das grösste En-\nsemblestück der Oper. Wenn ich es auch nicht so hart\nbeurtheilen will, wie einige hiesige Kritiker der Eine\nsagt: „es macht materiel viel Lärm und geistig wenig\nWirkung!\" der Andere: „es schliesst den Act mit einem\ngewaltigen Lärm von Stimmen und Instrumenten, welcher\nden Zuhörer ermüdet, weil weder ein hervorragendes\nmelodisches Motiv, noch die harmonische Arbeit Aufmerk-\nsamkeit und Interesse erregt\" :so muss ich doch ge-\nstehen, dass der Componist bei der einzigen Situation des\nDrama's, die ihm Gelegenheit zu einem Stück wirklich\ndramatischer Musik gab, unter seiner Aufgabe geblieben\nist. Nur da, wo Mireille bittet:\nA vos pieds, hdlas! Me voila,\nJe suis saus defense et sans armes (!):\nSi ma pauvre mere etait la:\nElle aurait pitie de mes larmesl\nerhebt er sich zu wahrem Gefühls-Ausdruck; dazu stellt\naber die Stelle vorher, wo sie einen Schwur auf ihre Treue\nthut, in schreiendem Gegensalze schreiend,\ndenn die herausgestossenen Töne der höchsten Region der\nmenschlichen Stimme sind kein Gesang mehr. So ist auch\nfast alles Uebrige in ein Gewühl von gewaltsamen und\nmassenhaften Klängen gehüllt, aus dem kein lichter Strahl\nerquickend oder auch nur frappant hervorleuchtet; es\ngreift die Nerven an und spannt ab, ohne irgendwie einen\ntieferen Eindruck zu machen. Ganz unbedingt lobt, so viel\nich bis jetzt gesehen, kein hiesiges Blatt dieses Finale:;\naber die Günstigen helfen sich mit Worten, wie\nd'une puissance etonnante, dun pathetique acheve, und\ndergleichen mehr.\nTrotz alledem herrscht nur Eine Stimme darüber, dass\ndie beiden ersten Acte die besten der Oper sind, und ich\nwiderspreche ihr keineswegs, denn damit ist nicht gesagt,\ndass Alles in diesen zwei Acten schön sei, sondern nur,\ndass darin Schöneres sei, als in allen übrigen. Nun folgen\naber noch drei Acte!\nDer dritte verlässt den idyllischen Charakter ganz und\ngar und führt uns den Mörder Ourrias, seine Verzweiflung\nund sein Ende im aufwallenden Strome vor—eine Land-\nschaft ä laSalvator Rosa, wilde Fels- und Waldgegend\nund unter den halb eingestürzten Bogen einer steinernen\nBrücke der dahinbrausende Fluss, mit der grausigen Staffage\neiner Schar von Gespenstern, die aus den Fluten empor-\nsteigen! Ausser den Verzweiflungsrufen des Mörders und\neinigen Männerchor-Klängen hinter der Scene macht (1 as\nOrchester allein die Musik zu diesem Graus. Sie ist nolh-\nwendiger Weise düster, aber dieses Colorit ist theils zu\ndick aufgetragen, theils zu gesucht, nur die Töne des\nHorns aus der Ferne bringen stellenweise ein sanfteres\nLicht hinein. Selbst auf die grosse Menge hat dieser Act\nkeinen Eindruck gemacht. Die Günstigen meinen: „Die\nMusik habe weniger angesprochen oder sei vielleicht we-\nniger verstanden worden\" —; ferner: „Mag nun das er-\nschütternde Schauspiel die Aufmerksamkeit ganz in An-\nspruch genommen oder das Genie den Componisten im\n\n[']"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640402-01.1.4", "texte": "Stiche gelassen haben, sicher ist, dass der musicalische\nEffect nicht der Höhe (?) der Situation entsprach.\"\nDer vierte Act führt uns einen Chor der Schnitter vor\nzu Gunsten der Orphconisten, denn auf die Handlung hat\ner nicht die geringste Beziehung. Er hat weder ein fri-\nsches, fassbares Motiv, noch besondere harmonische Be-\nhandlung; obenein werden die Stimmen durch den Inslru-\nmenlallärm gedeckt. Das Duett zwischen Vincent's Schwe-\nster (die übrigens, wie ihr Vater, auch nur ein einziges\nMal auf der Scene erscheint) und Mireille ist hübsch, aber\nim Verhältnisse zum Ganzen unbedeutend. Das zweite\nTableau zeigt uns die sonnenverbrannte Haide la Crau.\nEin Hirtenknabe mit Präludium auf der Schalmei (Oboe)\nfehlt nicht (wie im Tannhäuser und in der Sappho von\nGounod selbst); er singt natürlich auch und wirklich nicht\nübel. Mireille erscheint auf ihrer Pilgerfahrt, hat aber doch\nnoch Zeit, einige artige Couplets zu singen, in denen sie\ndas Glück des jungen Schäfers beneidet, ja, sogar noch\neine Arie, die jedoch später sehr verkürzt worden ist. Sie\nbliebe besser ganz weg, denn sie ist wirklich wie der\nsonst günstige Bericht von Fiorentino sagt „eben so\ntrocken, wie die Haide, welche Mireille durchschreitet\".\nDer fünfte Act (der zehn Minuten nach Mitternacht\nbegann) wird ganz und gar durch eine grosse Procession\nnach Sainles Maries gefüllt, aus welcher am Ende Vincent\nund Ramon hervortreten, um Zeugen des Todes der Geliebten\nund der Tochter zu sein. Auch hier übernimmt das Or-\nchester wieder die Hauptrolle; es will uns und vielen An-\nderen aber nicht gelingen, aus dem Marsch-Thema, das\nden leitenden Faden bildet, den religiösen Charakter\nherauszuhören, welchen man erwartet. Reflexion und Ge-\nschick in Combinationen, die den Musiker interessiren\nkönnen, thun ihr Mögliches, aber das Ganze lässt gleich-\ngültig und kalt. Es fehlt an Leben und Schwung in der\nMusik wie in der Handlung.\nDie Scheu Gounod's vor dem Gewöhnlichen und Tri-\nvialen, die sich auch in dieser neuen Oper, Einiges aus-\ngenommen, zeigt, ist lobenswerth; aber ob ihm das Genie\nzu Theil geworden sei, das Gewöhnliche durch das Edle\nund Schöne, nicht nur durch das Gesuchte und Combi-\nnirle zu ersetzen, ist schon durch seine „Königin von\nSaba\" und jetzt wieder durch seine neueste Oper sehr\nzweifelhaft geworden. Die Musik darin ist trotz des Ta-\nlentes, das sich häufig im Einzelnen offenbart, im Ganzen\nmonoton, was im Allgemeinen durch den Stil, oder rich-\ntiger die Manier des Componisten, fast überall das gleiche\nColorit und die gleichen musicalischen Wendungen zu ge-\nbrauchen, veranlasst wird. Auch die vielen langsamen\nTempi tragen dazu bei, so dass man wohl mit Gretry, von\ndem man das erzählt, ausrufen könnte: „Hundert Louis-\nd'or für ein Allegro!\" Dazu die von Schumann und\nWagner angenommene Manier, statt lliessender Melodie\noder charakteristischen Recitativs langweiliges Arioso zu\nschreiben, das weder Fisch noch Fleisch ist. Die Haupt-\nursache der Monotonie in Form und Inhalt ist aber die\nmangelnde Charakteristik der Personen, wozu dem Com-\nponisten des Faust das rechte Talent nicht gegeben zu\nsein scheint. Er lässt sich zu sehr verleiten, stets grau in\ngrau zu malen, anstatt lebendige Gestalten zu zeichnen\nund ihnen eine verschiedene Farbe zu geben. Es ist damit\nin der Musik, wie in der Poesie und in der Malerei. Ewige\nSchilderungen in einem Roman, in einem Epos, vollends\nin einem Drama, und wären sie noch so schön, ermüden,\nwenn charakteristische Gestalten sie nicht beleben. Ein\nGemälde, aus dem nichts hervortritt, sei's ein Mensch oder\neine Gruppe, ja, ein Baum oder ein Felsen, aber Alles von\nindividuellem Gepräge, bleibt ein verschwimmendes Chaos,\nwelches das schönste Colorit nicht reiten kann. In „Mi-\nreille\" kommt nun noch dazu, dass der musicalische Aus-\ndruck des Pittoresken, das die Hauptrolle spielt, allmählich\nimmer schwächer wird, so dass, da die Handlung, wie\nwir gesehen haben, erlahmt, anstatt fortzuschreiten, beide\nElemente eines Erfolgs, Gedicht und Musik, ehe sie noch\neine gewisse Höhe erreichen, wieder bergab gehen. Das\nganze Stück ist nur Mireille: ihr Geliebter, ihr Vater, die\ngutmüthige Hexe verschwinden nach dem Finale des zwei-\nten Actes von der Scene und der Nebenbuhler Ourrias\nim dritten was bleibt übrig, das Leben in die letzten\nActe bringen könnte?\nZwei Tage nach Gounod's „Mireille\" im Theätre ly-\nrique wurde Maillart's „Lara\" im Theater der komischen\nOper gegeben.\n(Fortsetzung folgt.)\n\nAus Bremen.\n(Die Privat-Concerle. Neue Compositionen von Reinthaler»\nFremde Virtuosen. Sinfonie von R. Volk mann.)\nDen 20. März 1864.\nWie ausserordentlich schwierig es ist, ein Concert-\nProgramm zusammenzustellen und durchzuführen, das vor\nden künstlerischen Ansprüchen von heute Stich hält, des-\nsen wird man erst recht inne, wenn es einmal gelingt, ein\nsolches Programm zu Stande zu bringen. Die heutigen\nAnsprüche sind allerdings hoch und kaum zu befriedigen,\nwenn man bedenkt, wie sehr zerfahren bei allen ausser-\nordentlichen Fortschritten, die wir in den letzten zwanzig\nJahren gemacht haben, doch immer noch die musicali-\nschen Zustände sind. Es ist leicht, ein buntes Programm"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640402-01.1.5", "texte": "nach vormärzlichem Zuschnitte zu machen, wenn man\neine Sinfonie von Beethoven mit einer Verdi'schen Arie\nund einem Concertstücke von moderner Föfon zusammen-\nstellt; auch wird es gar viele Leute geben, die das recht\nvortreülieh finden, zumal wenn die Sängerin gute Toilette\ngemacht hat. lis ist aber sehr schwer, eine Gruppe von\nCompositionen verschiedenen Charakters zu bilden, die\nsich harmonisch zusammenfügen und die Zuhörer 'nicht\ngewaltsam aus der einen Stimmung in die diametral ent-\ngegengesetzte hineintreiben. Eine Concert-Direction ist so\nsehr von den Kunstlern und dem Geschmacke, der diesel-\nben leitet, abhängig, dass sie nicht verantwortlich gemacht\nwtrden kann für jede unkünstlerische und unschöne Bei-\nmischung, welche ihr octroyirt wird. Je mehr das Virtuo-\nsenthum einbüsst von seiner früher das Concertwesen be-\nherrschenden Allmacht, um so mehr wird die echte Kunst\nden Raum wieder gewinnen, den die Künstelei ihr streitig\nmachte. Wir sind in den letzten Jahren schon unendlich\nviel weitei gekommen, und man hört jetzt in den Concert-\nsälen der tonangebenden Städte bei Weitem mehr gute\nund weniger schlechte Musik, als vor zehn und zwölf\nJahren. *\nDie hiesigen Privat-Concerte haben in diesem Winter\nunter den obwaltenden Verhältnissen und bei der Abhän-\ngigkeit von den ausübenden Künstlern hier und da, wenn\nauch viel weniger als früher, zu leiden gehabt. Es fehlte\nnicht an mittelmässigen Sängerinnen und schlechten Lie-\ndern, aber es konnte dagegen auch manche vortreffliche\nLeistung, die jede bedenkliche subjective Beimischung\nüberwunden hatte, sich ehrenwerth behaupten neben den\nOrchesterwerken. Weit über alle anderen Concerte der\nzweiten [läKte des Winters erhoben sich das siebente und\nzehnte durch die Mitwirkung der Sing-Akademie. Es ge-\nlang, musterhafte Programme aufzustellen, die vielleicht\nhöchstens den Fehler hatten, dass sie etwas zu lang und\nbunt waren, wenigstens das des zehnten Concertes. Wenn\ndie Akademie, die sich mit dem Studium der grossen\nBeethoven sehen Messe eine ausserordentlich schwierige\nAufgabe gestellt hat, daneben noch Zeit gewann, auch in\njenen beiden Concerten eine Reihe von Nummern zu sin-\ngen, so war das ein glänzendes Zeugniss für die grossen\nFortschritte, welche die Gesellschaft unter der Leitung des\nHerrn Musik-Directors Reinthaler gemacht hat. Und es\nwar nichts Uebereiltes und Unfertiges in diesen Leistun-\ngen, sondern wohlthuende Sicherheit und künstlerisches\nVerständniss.\nVon besonderem Interesse war im zehnten Concerte\ndie Ausführung der Mendelssohn'schen Musik zum „Som-\nmernachtstraum\" mit dem verbindenden Gedichte von\nGisbert Vincke, der seine häklige Aufgabe nicht gerade\nglänzend, aber doch weit geschickter und bescheidener als\nO. L. 11. Wolll' gelöst hat. Der echt romantische Zauber\ndieser Musik, die Mendelssohn mit seinem ureigenen We-\nsen in glücklichen Stunden schuf, kommt bei starkem Or-\nchester und vollen Chören natürlich zu viel grösserer und\nmehr harmonischer Wirkung, als im Theater. Jede Num-\nmer kann sich charakteristischer geltend machen und\nschliesst sich enger dem Ganzen an. Die Ausführung war\neine recht glückliche, namentlich in dem reizenden Scher-\nzo, bei dem sich, wie überhaupt an diesem Abende, die\nBläser auszeichneten, besonders Herr C. Klier am Flö-\ntenpulte; das Tempo des Marsches hätte, dünkt uns, etwas\nlangsamer sein können. Einen höchst eigentümlichen\nGegtänsatz bildeten die Romantik Mendelssohn'« und die\necht antike Grösse Gluck's, dessen Ouvertüre zur Iphigenie\nin Aulis und Scenen aus dem zweiten Acte der Taurischen\nIph igenie einen anderen Theil desselben Concert-Abends\nbildeten. Die Damen der Akademie, welche beim Som-\nmernachtstraum als Elfen l'ungirten, sangen hier die weihe-\nvollen, ergreifenden Chöre der Priesterinnen, während\nFrau Engel aus Oldenburg die Recitative Iphigeniens\nund die Arie: nO, lasst mich Tiefgebeugte weinen\", vor-\ntrug. Leider war die Sängerin, die bei uns von früher her\ndurch ihren reinen Gesang und natürlichen Vortrag im\nbesten Andenken steht, gezwungen, aus Rücksicht auf ihre\nStimmmitlei so leise zu singen, dass sie ihre Nummern\nnicht zu rechter Geltung bringen konnte.\nIm siebenten Concerte hörten wir von der Akademie,\nwährend das Orchester Beethoven's heroische Sinfonie, die\nEgmont-Ouverture und Mendelssohn's Hebriden ausführte,\ndas Kyrie der grossen Beethoven'schen Messe, zwei alt-\ndeutsche und zwei Mendelssohn'sche Lieder, endlich eine\nneue Composition Reinthaler's für Chor und Orchester,\n„Das Mädchen von Cola\", nach Ossian's „Darthula\". Der\nComponist hat da einen sehr glücklichen GrilF gethan und\neine Chornummer geschaffen, die allen musicalischen Ge-\nsellschaften zu empfehlen ist. Reinthaler hat Stimmung\nund Färbung der Ossian'schen Romantik richtig getroffen,\nseine Musik ist natürlich, liiessend und wohllautend. Wir\nhatten das Gefühl, dass er die Wirkung derselben noch\nhätte erhöhen können, wenn er dem gut behandelten Or-\nchester einen einleitenden und einen abschliessenden Satz\ngegeben hätte. Einer Wiederholung der Sinfonie Rein-\nthaler's und der ersten Aufführung seiner Ouvertüre zum\n„Othello\" konnten wir leider nicht beiwohnen, hörten\naber viel Lobendes über die festen und energischen Rhyth-\nmen der Ouvertüre.\nWir müssen der Künstler, welche in den letzten Con-\ncerlen mitwirkten, noch gedenken. Besonders stark ver-\ntreten war in dieser Saison die Violine. Herr Wilhelmi,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640402-01.1.6", "texte": "I *\nder im vorigen Winter schon durch eine bei solcher Ju-\ngend doppelt überraschende Vollendung in Ton und Tech-\nnik alle Herzen gewann, spielte das Concert von Ernst in\nFis-moll und die von Joachim so meisterhaft vorgetragene\nChaconne von Bach. Halte er sich zwar durch diese Wahl\nseinen Stand sehr erschwert, so errang er doch einen voll-\nständigen Sieg und bewies, dass er die Hoffnungen, die\ner bei seinem ersten Auftreten hervorrief, erfüllen wird.\nAllgemeine und verdiente Anerkennung erwarb sich so-\nwohl mit dem Spohr'schen Concerte in als auch\nmit höchst schwierigen modernen Composilionen von Ernst\nund Vieuxtemps Herr Schradieck, der seit dem Novem-\nber am ersten Geigenpulte unseres Orchesters mitwirkt.\nAuch er hat die glücklichste Begabung und ist in viel ver-\nsprechender Entwicklung begriffen. Den Genuss einer aus-\ngezeichneten Leistung auf dem Violoncell hatten wir nur\nan einem Abende, allein Herr Louis Lübeck von\nLeipzig führte seine Sache meisterhaft. Sein Spiel hat\netwas Vornehmes und Feines, das ihm auch bei den\nschwersten, dem Instrumente zu viel zumuthenden Aufga-\nben eigen bleibt. Eine uns neue, hervorragende Erschei-\nnung am Ciavier war Herr Treiber von Gratz, der We-\nbers Concerlstück, Mendelssohn's selten gehörtes Rondo\nin Es und eine Triller-litude von Willmers in der gedie-\ngensten Weise und mit grossem Erfolge spielte. Auf dem\nGebiete des Gesanges erregte besonderes Interesse Fräu-\nlein Metzdorf aus Petersburg; Stimme und Vortrag sind\nanziehend, nur hätte die junge Sängerin statt der gar nicht\nin den Concertsaal gehörenden Gounod'schen Arie eine\nandere wählen sollen. Herr Gunz bewies auch bei\nnem diesjährigen Besuche, dass er zu den besten Sängern\ngehört.\nDer Direction der Sinfonie-Concerte gebührt ein Dank,\ndass sie gleich derjenigen der Privat-Concerte ein neues\nOrchesterwerk in ihr Programm aufnahm: die Sinfonie\nin D-moll von Robert Volk mann, die nach dem Vor-\ngange von Leipzig auch hier zur Aufführung kam. Sie\nverdient es, dass man für ihre rasche Einbürgerung sorgt.\nDie Sinfonie ist ein Werk von Bedeutung, zwar vielleicht\nmehr durch die Arbeit, als durch die leitenden Gedanken,\naber auch in dieser zweiten Beziehung sehr beachtens-\nwert!). Von dem Adagio könnte man sagen, es sei nicht\ngerade sinfonisch gedacht und mehr geeignet für eine In-\nstrumental-Composition von geringeren Ansprüchen. Auch\nwird es dem Scherzo und Finale an Widersachern nicht\nfehlen, der erste Satz deren aber kaum finden. Er tritt\nkraftvoll, zuversichtlich auf und ist von der besten Wir-\nkung. In der Entwicklung des Componisten, der in den\nletzten Jahren viel Aufmerksamkeit erregt hat, scheint uns\ndiese Sinfonie einen Abschnitt zu bezeichnen. Das Publi-\ncum nahm sie sehr gut auf. Eben so die neue, bisher nur\nim Künstler-Vereine ausgeführte Ouvertüre von Tb.\nIlen tsc hei, ein frisches, gesundes Musikstück, das unter\nder Leitung des Componisten grossen Erfolg hatte. Er\nwill nächstens ein so eben vollendetes Quintett lür Ciavier\nund Streich-Instrumente in der Quartett-Soiree des Herrn\nJacob so Im vortragen. Im letzten Privat-Concerte am 5.\nApril wird Herr Stock hausen singen und die zwölfjäh-\nrige Mary Krebs spielen, die Tochter des dresdener Ca-\npel Im eiste rs, welche in den letzten Monaten lörmliche\nTriumphe als Clavierspielerin gefeiert hat.\n(Br. S.-Bl.)\n\nAus Hamburg.\nJoh. Seb. Bach’s Johannis-Passion.\n\nAm *23. Februar, Abends 7 Uhr, wurde in der hie-\nsigen Petrikirche durrli die Bach-Gesellschaf}, unter Lei-\ntung des Herrn Organisten Armbrust, die Passioijsmusik\nJ. S. Bach's nach dem Evangelium Johannis aufgeführt.\nDieses erhabene, schöne Werk war hier noch ganz unbe-\nkannt, und war man voller Erwartung, dasselbe zu hören,\nbesonders da vorauszusetzen war, dass die Vorbereitung\nmit ganzer Liebe und Hingebung beschafft werden würde.\nZahlreiche Zuhörer hatten sich in der durch Gas erleuch-\nteten Kirche eingefunden, und bewies die Ausführung, die\ndem Werke zu Theil wurde, dass dasselbe mit grosser\nSorgfalt einstudirt war. Die Chöre wurden vortrefflich\nexecutirt und mit einer Sicherheit wiedergegeben, die den\nZuhörer kaum ahnen liess, welche grossen Schwierigkeiten\nzu besiegen gewesen. Ein besonderer Fleiss schien über-\ndies auf den Vortrag der Choräle verwandt worden zu\nsein, von denen einige, a capdla gesungen, den sichtlich\ntiefsten Eindruck hinterliessen. Wenn wir dies auch als\neinen kleinen Verstoss gegen die Partitur bezeichnen müs-\nsen, wo überall eine Begleitung vorhanden, so möchte es\ndoch gern zu entschuldigen sein, wenn dieselben vom gan-\nzen Chor mit solcher Reinheit ausgeführt werden, wie es\nhier der Fall war, wo beim Wiedereintritt des Orchesters\nauch nicht die kleinste Schwebung im Tone zu bemerken\nwar. Die Tenor-Partie hatte Herr Karl Schneider, zur\nZeit in Rotterdam, übernommen, und sang derselbe den\nEvangelisten und die Arien hinreissend schön. Es dürfte\nkaum ein Sänger zu finden sein, der diese so schwierige\nPartie mit solcher bewundernswerthen Ausdauer wieder-\nzugeben vermöchte. Bis ans Ende blieb die Stimme, trotz\nder hohen Lage, sehr gleichmässig, und war auch nicht\ndie kleinste Anstrengung zu bemerken. Herr Adolph\nSchulze von hier stand ihm als Bassist ebenbürtig zur"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640402-01.1.7", "texte": "Seite. Derselbe hat ein Jahr bei Garcia in London studirt\nund dessen Lehren auf erfreuliche Weise zu benutzen\nverstanden. Die Stimme dieses hochzuschätzenden Sängers\nist von angenehmer Fülle und in allen Lagen gleichmässig.\nEr sang die Partie mit sichtbarer Liebe, und kamen die\npiano ausgeführten Stellen in schönster Geltung zu Gehör,\nso dass sowohl er wie Herr Schneider die Zuhörer in tiefe\nRührung zu versetzen vermochte. Die Sopran-Arien sang\nFräulein Mal vi na Strahl aus Berlin mit schöner Stimme\nund anzuerkennender Reinheit. Wenn es so schien, als ob\nsie in der ersten Arie: „Ich folge dir gleichfalls\", den\nrechten ernsten Oratorienstil nicht zu treffen vermöchte,\nso sang sie hingegen die zweite Arie: „Zerfliesse, mein\nHerze\", mit rührendem Ausdrucke und gutem Erfolge.\nFräulein Steinfeldt, Mitglied des Vereins, sang ihre Alt-\nArie anerkennenswerth. Der Eindruck, den dieses gross-\nartige Werk, auf so gelungene Weise zu Gehör gebracht,\nauf die Zuhörer machte, war ein überwältigender, und der\nWunsch nach baldiger Wiederholung ein allgemeiner.\nSchliesslich dürfen wir nicht unterlassen, dem Diri-\ngenten unsere Anerkennung zu zollen für die Sorgfalt, die\ner auf die Einübung verwandte, wie für die Mühe, der\ner sich unterzogen halle, das Werk vollständiger zu in-\nstrumentiren, welches geboten war durch den Umstand,\ndass die Orgel wegen zu abweichender Stimmung nicht\nzu benutzen war. Die Instrumentation erwies sich, zumal\nbei den Arien, als sehr wirksam; sie erschien nirgends als\netwas Fremdartiges, sondern war durchweg dem Geiste\nBach's angemessen gehalten.\n\nts.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolli. Die Prüfung der Zöglinge des Conservatoriums\nder Musik unter der Direction des städtischen Capellmeisters Herrn\nFerdinand Hiller, welche am 21., 22. und 23. März Statt fand,\nhat in allen Fächern sehr erfreuliche Fortschritte offenbart. Der\nneue Cursus beginnt Montag den 4. April.\nDem Vernehmen nach wird Herr Director Ernst die Opern-\nVorstellungen im Stadttheater auch während des Sommers fort-\nsetzen, so dass die alte Zeit, in welcher Köln ein stehendes Theater\nhatte, wiederzukehren scheint. Wie wir hören, haben wir eine\nWagner-Saison zu erwarten. Mit dem Haupt-Repräsentanten\nderselben, Herrn Nie mann, welcher dafür gewonnen sein soll,\nsind wir gar sehr zufrieden: aber ob Rienzi, Tannhäuser, Lohengrin\nselbst mit diesem Heros, und der fliegende Holländer (mit wem?)\nim Stande sein werden, durch die projectirten wiederholten Auffüh-\nrungen die Concurrenz des Theaters mit den lockenden Mächten des\nSommers bei dem kölner Publicum siegreich zu bestehen, das muss\nder Versuch lehren. Wir möchten rathen, etwas Mozart, Beethoven,\nWeber, Meyerbeer u. s. w. dazwischen zu schieben. Jedenfalls ver-\ndient der heroische Entschluss der Theater-Direction allseitige Un-\nterstützung.\nDer Intendant des Hoftheaters in Weimar, Dr. Dingel-\nstedt, veröffentlichte folgende Einladung: „Nicht in der Osterwocbe,\nwie Anfangs beabsichtigt gowesen, sondern zum Shakespeare-\nJubiläum findet auf der weiinarischen Hofbühne die erstmalige\nvollständige und zusammenhangende Aufführung der historischen\nDramen Shakespeare's Statt, und zwar wird Samstag den 23. April\nRichard 11., Sonntag den J4. April Heinrich IV., 1. Theil, Montag\nden 25. April Heinrich IV., 2. Theil, Dinstag den 20. April Hein-\nrich V., Donnerstag den 28. April Heinrich VI., 1. Theil, Freitag\nden 29. April Heinrich VI., 2. Theil, Samstag den 30. April Ri-\nchard 111. zur Darstellung gelangen. Die Vorstände und Mitglieder\nder deutschen Bühnen, wie die Freunde Shakespeare s und dramati-\nscher Kunst und Literatur überhaupt werden zu dieser Feier, mit\nwelcher der Versuch der Gründung einer deutschen Shakespeare-\nGesellschaft verbunden sein soll, hiermit geziemend eingeladen.\"\n[Was soll denn die deutsche Shakespeare-Gesellschaft bezwecken?\nDer wahre Cultus Shakespeare's als eines gottbegabten Genius be-\ndarf in Deutschland keines äusseren Hülfsmittels zu seiner Verbrei-\nund ein Missions-Verein für die Götzendienerei dem grossen\nDichter gegenüber wäre gar sehr vom Uebel.]\nDie deutschen Hoftheater. In Berlin hat man Verdi's\n„Ernani\" wieder neu in Scene gesetzt für die Lucca. Aber\nwenn man für dieses Gestirn neue Bahnen sucht, in denen es glänze,\ngibt es denn keine neueren deutschen Opern, in deren Aufführung\ndie deutsche Sängerin auch als ein neuer Stern erscheinen könnte,\nund dabei an ganz anderem Kunsthimmel, als an dem Verdi sehen?\nUnd wenn eine einzige Persönlichkeit über das Repertoire entschei-\nden soll, ist es dann nicht Pflicht der Intendanzen, den Glanz, den\nsie verbreitet, auch vaterländischen Coinpositionen zu Theil werden\nzu lassen > F. Hill er' s „Katakomben\" sind in Partitur und Cia-\nvier-Auszug gedruckt, von Max Bruch s „Lorelei\" ist der Cia-\nvier-Auszug bei Leuckart in Breslau auch so eben erschienen:\nr haben die Intendanten unserer lioftheater gar keinen musicali-\nschen „Untergebenen\" mehr, der sich einmal die Partie der „Clythia*4\nin den Katakomben und die Rolle der „Lorelei\" ansähe und es\ndann wagte, seinem Vorgesetzten ganz gehorsamst zu bemerken,\ndass z. B. eine bezauberndere Lorelei als Fräulein Lucca kaum zu\ndenken sei? ln Wiesbaden soll man, wie es heisst, trotz des\nMisserfolgs an grösseren Bühnen, „La Reole\" von Frau Birch-Pfeif-\nfer (denn die Musik kommt bei dem Einflüsse der Dichterin nicht\nin Betracht) geben wollen, ferner „Rizzio\" von Sch Ii ebner in\nBerlin und „Die Fee von Elvarshöh\" von Reiter in Basel. Nun,\ndas sind doch wenigstens deutsche Componisten!\nBerlin. Liszt's „Prometheus\" war eine Hauptnummer auf\ndem Programme des letzten Concertes der „Gesellschaft der Musik-\nfreunde\", deren technischer Vorstand bekanntlich Hans von Bü-\nlow ist. Die ästhetischen Eroberungen für Liszt's Orchestermusik\nwollen aber noch immer nicht glücken, wiewohl in Berlin und in\nWien mit Ausdauer neue Feldzüge projectirt und versucht werden.\nAber die neu geworbenen Truppen richten, wiewohl sie gut schla-\ngen (nämlich in die Hände), gegen die zahlreiche Phalanx, bei wel-\ncher unter dem Panzer ein treues Herz für die alte Liebe schlägt,\nnichts aus. Ueber den „Entfesselten Prometheus\" äussert sich O.\nGumprecht in der National-Zeitung: „Auch hier verräth sich uns\nwieder eine eben so leicht angeregte als lebhaft empfindende Natur,\nderen produetives Vermögen jedoch in keinem Verhältnisse steht zu\ndem sehnsüchtigen Schöpfungsdrange, der ihr die ganze Seele er-\nfüllt und bewegt. Wohin wir blicken, überall gewahren wir die weit-\ngeöffnete Kluft zwischen Wollen und Vollbringen, hochfliegende In-\ntentionen, das massenhafteste Aufgebot der äusseren Mittel und da-\nbei Leistungen, die nach unserer Weise zu empfinden in ihrem in-\nnersten Gehalt leer und nichtig sind. Die Tonsprache zersplittert\nsich in einzelne Anläufe und Interjectionen, welche durch ihre Zu-\nsammenhangslosigkeit wie durch ihre Richtung auf den handgreit\""}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640402-01.1.8", "texte": "liebsten Realismus unser Gefühl gleichmässig befremden und ab-\nstossen. In den überwiegend chromatisch gebildeten Motiven der\nunstet umhergetriebenen Harmonie, die bald in den raffinirtesten\nDissonanzen schwelgt und dann wieder in dem härenen Gewände\nPalestrina's Busse thut, in der claviermässigen Behandlung der In-\nstrumente und der Singstimmen in dem allem offenbart sich uns\nlediglich das Spiel der phantasielosen Willkür, die jede organische\nGliederung und objective Form zertrümmert, um freien Spielraum\nfür die eigene Subjectivität zu gewinnen. In der gesammten Pro-\nmetheus-Musik begegnet uns nur ein einziger Satz, in dem sich der\nComponist von einer anderen Seite zeigt. In dem Schnitter-Chor\nhat er sich, abgesehen von ein paar vereinzelten, dem Adagio und\nScherzo der Pastoral-Sinfonie dargebrachten Huldigungen, an die\nSchablone der französischen komischen Oper gehalten. Die pointirten\nMotive, behenden Rhythmen und die prickelnde Instrumentation des\nTonstückes, und mehr als das alles die Freude der Hörer, in ihren\nmusicalischen Grundrechten vom Componisten nicht angefochten zu\nwerden, riefen einen allgemeinen Applaus hervor, auf den man sich\nbeeiferte, mit einer Wiederholung zu antworten. Bei den übrigen\nNummern des Werkes beschränkten sich die Beifalls-Aeusserungen\nauf die enge Gemeinde der Adepten.\" Mehr Glück machte in\ndemselben Concerte eine neue Ouvertüre zu dem Trauerspiel [?]\n„Lorelei\" von Emil Naumann, die Arbeit einer gewandten, wäh-\nlerischen Hand, klar und verständlich disponirt, glatt und gerundet\nin der Entwicklung.\nl*otS€laiftft, 20. März. Die Capelle des ersten Garde-Regiments\nzu Fuss brachte uns in ihrem 4., 5. und letzten Abonnements-Con-\ncerte unter der ruhig festen und umsichtigen Leitung ihres Dirigen-\nten Herrn F. W. Voigt ausser Mozart's Sinfonie D-dar) Beetho-\nven's B-dur und Mendelssohns A-dur, auch noch eine wirksame\nConcert-Ouverture von einem jungen Componisten Dumack in Ber-\nlin, ferner zu Jessonda, Sommernachtstraum mit dem Hochzeits-\nmarsch, Maria Stuart von Vieriing (welche tiefen Eindruck machte)\nund Egmont, und wurden sämmtliche Instrumentalwerke mit Präci-\nsion und Sauberkeit ausgeführt. Ausserdem unterstützten diese In-\nstrumentalstücke durch Sologesang und Spiel die Damen Fiedler,\nSchade (letztere eine Schülerin des bewährten T eschner), Herr\nDomsänger Seyffart und die Herren Rokicki, Barth (Piano),\nStahlknecht (Cello). Dem Schlüsse des Cyklus folgte noch ein\nzum Besten der Witweneasse der Capelle veranstaltetes Concert, in\nwelchem wir die uns noch ganz unbekannte, aber dennoch höchst\ninteressante Sinfonie giojosa von 11. Dorn zu hören bekamen, die\nin ihren vier Sätzen mit grösster Aufmerksamkeit und Spannung\nvon dem sehr zahlreichen Auditorium aufgenommen wurde. Herr\nPutsch sang mit schöner, ausgebender Stimme Haydn's „Nun eilet\nfroh\" und zwei Lieder von Fr. Schubert, und endlich erfreute Herr\nA. Golde durch sein klares, perlendes Spiel in Mendelssohn's im-\nmer gern gehörtem ZT-moZZ-Capriccio mit Orchester in lebhaftem\nTempo, so wie in eigenen Compositionen das dankbare Publicum.\nDer königsberger Krönungsmarsch von Meyerbeer beschloss das\nConcert.\nParti, 27. März. Pasdeloup bereitet im Cirque Napoleon\ngrosse Fest-Concerte für die nächsten Tage vor; am 3. April Beet-\nhoven fest: die neunte Sinfonie und die Ruinen von Athen; das\nViolin-Concert, gespielt von Vieuxtemps. Am 10. April Men-\ndelssohn fest: das Oratorium Elias mit Frau R Udersdorf aus\nLondon, Mad. Talbot und dem hiesigen Bariton Petit. Das Vio-\nlin-Concert, gespielt von Jean Becker. lm Charfreitags-Con-\ncerte entzückte Sivori das zahlreiche Publicum.\nPergolese's Stabat mater wurde am grünen Dunnerstage iu\nden Tuilerieen gesungen (Marie Sax Sopran, Warot Tenor, Chor der\nConservatoristen). Im italienischen Opernhause kamen am Donners-\ntag und Freitag die drei Stabat mater von Pergolese, Jos. Haydn\nund Rossini zur Aufführung (die Geschwister Marchisio, Mario u. s. w.).\nHerr.und Frau Marchesi haben am 18. März ein interessan-\ntes „historisches Concert\" im Saale Herz gegeben, welches Compo-\nsitionen aus der älteren italienischen Schule von ]6OO bis 1730\nvorführte, in der ersten Abtheilung von Peri, Caccini, Luigi Rossi,\nArcangelo del Leuta, Carissimi, Stradella (ein Duett, das Dacapo\nverlangt wurde); in der zweiten von Alessandro Scarlatti, Buonon-\ncini, Pergolese (Duo aus La Serva padrona) und die Bass-Arie\naus Iländel's Alexanderfest, der sich freilich wundern würde, diese\nComposition zur italiänischen Schule gerechnet zu sehen! Eine\nViolin-Sonate (la follia) von Corelli (Herr Scherek) und zwei Cla-\nvieistücke von Rameau und Dom. Scarlatti (Herr Billet) vervollstän-\ndigten das musicalische Zeitbild."}]}