{"numero_id": "bm-bmtnabi-1864-04-09-01", "volume": "bmtnabi_1864-04-09_01", "ocr_sha256": "f010d0e2e51d50a9d1f357b42a1c08df927e47021826946d894abce9ed2b36d7", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1864/04/09_01/bmtnabi_1864-04-09_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640409-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1864-04-09-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-04-09_01#c001", "volume": "bmtnabi_1864-04-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "113", "page_fin": "113", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640409-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640409-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 447, "texte": "Inhalt.\nPariser Briefe (Fortsetzung). Das Operntheater in Wien (Uebersicht der Leistungen im abgelaufenen Theaterjahre).\nJohannes Brahms (Lebensskizze).— Zehntes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unterha 1 tungsb 1 att\n(Leipzig, Siftung für das Conservatorium Karlsruhe, Abonnements-Concert Joachim Ralf Julius Stockhausen verlobt Pr&gj\nConcerte des Cäcilien-Vereins Paris, Violinist Hammer, Flotow's „Martha\", Neue Strassen)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-04-09-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-04-09_01#c002", "volume": "bmtnabi_1864-04-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "113", "page_fin": "114", "image_debut": 1, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640409-01.2.2", "titre_corps": "Pariser Briefe.", "titre_sommaire": "Pariser Briefe.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640409-01.1.1", "debut_caractere": 449, "fin_caractere_exclue": 4106, "texte": "Pariser Briefe.\n(Fortsetzung. S. Nr. 14.)\nDie Neuigkeit im Theater der komischen Oper ist zwar\nnichts weniger als eine komische Oper, aber ein Werk\nvoll scenischen und musicalischen Lebens, das einen be-\ndeutenden und allem Anscheine nach nicht so leicht ver-\ngänglichen Erfolg gehabt hat. Die Oper heisst „Lara\",\ndas Buch ist von Cormon und Michel Carr£, die Mu-\nsik von Aime Maillart,dem Componisten von Les Dra-\ngons de Villars, die in Deutschland unter dem Titel: „Das\nGlöckchen des Eremiten\" gegeben werden. Die erste Vor-\nstellung fand am 21. März Statt.\nVon Byron's Lara hat der Held der Oper eben nicht\nviel mehr, als den Namen; einige Situationen haben die\nVerfasser dem Gedichte entnommen, übrigens den „Cor-\nsar\" dabei benutzt, und aus beiden zusammen mit grosser\nWillkür, aber mit dramatischem Geschick, ein Opernbuch\ngemacht, dessen Handlung beinahe überall interessant und\nspannend, aber durchweg ernst ist, wie man es freilich\nnach dem Inhalt der beiden Erzählungen Byron's nicht an-\nders erwarten kann.\nNach einer ouverturenartigen Einleitung sehen wir\nbeim Aufziehen des Vorhanges das Stammschloss der\nGrafen Lara mit seinen Thürmen und seinem wohlbefestig-\nten Eingange. Der alte Graf ist gestorben und sein einzi-\nger Sohn seit Jahren verschwunden. Man hält ihn für todt,\nund der König überweist sein Erbe der Gräfin Camilla\nFlor mit dem Rechte, Namen und Besitz der Lara's auf\nden Mann ihrer Wahl zu übertragen. Ritterliche Reisende,\nan ihrer Spitze Ezzelin, der um Camilla's Hand wirbt, er-\nscheinen und begehren Einlass ins Schloss. Aber drinnen\nhaust ein alter treuer Diener, Lambro, der den Glauben\nan die Rückkehr des eigentlichen Erben nicht aufgibt, sich\nbis dahin als Herrn betrachtet und trotz dem Befehle des\nKönigs den Rittern den Eintritt verwehrt. Sie entfernen\nsich, und die nun mit Gefolge erscheinende Gräfin Flor\nerfährt dieselbe Zurückweisung. Empört entfernt sich die\nGräfin; Lambro freut sich in hübschen Couplets seiner\nrauhen Standhaftigkeit und Wachsamkeit\nfidele\" und verschliesst hinter sich das Schlossthor.\nZwei Wanderer treten auf. Der ältere sagt zu dem\nzarten, schönen Knaben, der ihn begleitet:\nliegarde, enfant, c*est la patrie,\nBivage heureux, terre chbrie,\nEden quSautrefois j ai quittil\nEs ist Lara, dem Gulnare als Kaled in männlicher Klei-\ndung folgt. Bald darauf erblickt er Camilla, die er als\nKind verlassen, und fühlt, dass er sie liebt. Er verschwin-\ndet, und kurz nachher erscheint der alte Lambro mit\nFackeln am Thore und ladet die ganze Gesellschaft im\nNamen seines zurückgekehrten Herrn ein, ins Schloss zu\ntreten. Und das war Zeit, denn ein Gewitter zog herauf\nund der erste Act hatte bereits eine Stunde gedauert.\nDie Musik zu diesem Acte ist ansprechend, ohne durch\nNeuheit oder besondere Charakteristik aufzufallen. Was\nman indess im ernsteren Genre zu erwarten hat, zeigt der\nGesang Lara's und Kaled's bei ihrem ersten Auftreten.\nAusserdem machen Couplets von Ezzelin und Lambro,\nund der Wechsel von Männerchören mit Frauenchören\ndie Scene musicalisch ziemlich lebendig.\nIm zweiten Acte befinden wir uns auf dem Feste, das\nLara in seinem Schlosse gibt. Gulnare (Kaled) unterbricht\nseine vertrauliche Unterhaltung mit Camilla, denn die\nLiebe, welche sie für ihn tief im Herzen trägt, ist wach-\nsam. Sie kommt, um ihrem Herrn Lebewohl zu sagen. Die\nBitten des Paares, sie von diesem Entschlüsse zurückzu-\nbringen, führen eine der musicalisch wirkungsvollsten Sce-\nnen der Oper herbei: Gulnare singt eine arabische Le-\ngende— der Inhalt, ihrer eigenen Lage ähnlich, reisst sie\nfort, ihr Auge blitzt und schleudert zugleich mit Wort\nund Ton die Gluth der Eifersucht gegen die Nebenbuhlerin."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640409-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4146, "texte": "„Es ist ein Weib!\" ruft Camilla aber Gulnare lenkt\nwieder in die ruhige Melodie der Ballade ein. Doch von\nHass entflammt, das Glück der Feindin zu vernichten, ver-\nräth sie dem Ezzelin, den gleiche Eifersucht quält, dass\nLara nicht der Graf Lara, sondern der Corsar Conrad sei.\nMit diesem Geheimnisse bewaffnet, tritt Ezzelin in den Fest-\nsaal und schleudert die furchtbare Anklage gegen Lara.\nDieser aber weist ihn entrüstet zurück, fordert auf den\nnächsten Morgen ihn zur Genugthuung und fährt fort, in\nausgelassener Freude mit dem Becher in der Hand zu jubeln.\nDiese Scene bildet ein Finale, das in seinen Dimen-\nsionen und in der Behandlung des Orchesters weit über alles\nhinausgeht, was man auf dem Theater der komischen Oper\nje gehört hat; es ist ganz und gar im Stile der grossen\nOper geschrieben und bietet vielleicht in zu hohem Grade\nalle Mittel glänzender Instrumentirung auf. Allein es macht\neine grosse Wirkung, wie denn überhaupt der ganze zweite\nAct an Frische der musicalischen Inspiration, Charakteristik\nder Solostimmen und dramatischem Leben leicht alles\nübertreffen dürfte, was die französische Muse des lyrischen\nDrama's in den letzten Jahrzehenden hervorgebracht hat.\nDer Gesang Gulnare's muss bei jeder Aufführung wieder-\nholt werden, und auch gegen das Finale ist von den öf-\nfentlichen Stimmen keine einzige in entschiedener Oppo-\nsition; nur können Einige, die am Hergebrachten hangen,\nes nicht verwinden, dass Musik von solchen Intentionen\nund Ausführungen im Theater Favart gemacht wird! Und\ndas sprechen sie vier Wochen, nachdem sie die „Freiheit\nder Theater\" als das Heil der Tonkunst gepriesen haben,\naus! Ich glaube, dass man in Deutschland, wohin Mail-\nlart's Lara gewiss den Weg finden wird, daran nicht den\ngeringsten Anstoss nehmen wird. Hiess doch sogar der\nDon Giovanni von Mozart bei seinen ersten Aufführungen\nDramma giocoso.\nIm dritten Acte bat nun aber der Lara der französi-\nschen Librettisten weder mit dem Lara, noch mit dem\nCorsar Byron's die geringste Charakterfarbe gemein, denn\ner wird eher einem hochsentimentalen spanischen „Arzte\nseiner Ehre\" ähnlich, als einem Manne, der Jahre lang ein\nSeeräuberleben geführt.\nDie Scene zeigt ihn uns, wie er aus einem schweren\nTraume erwacht, den er in Ergriffenheit schildert. Er sah\nsich wieder mitten unter seinen Raubgenossen und theilte\nihren wilden Taumel, als plötzlich ein Kampf begann und\ner selbst tödlich verwundet in Kaled's Armen starb. Der-\ngleichen Traumerzählungen sind freilich nichts Neues, aber\nmusicalisch genommen ist hier daraus eine glänzende Scene\nfür den Tenor geworden. Der alte Lambro bringt ihm das\nSchwert und das Testament seines Vaters; sein erster\nBlick fällt auf die Stelle, in welcher sein Vater ihm be-\nfleh 11, lieber zu sterben, als sich je zu erniedrigen. Dies\nschmettert ihn nieder; er beschliesst, dem Erbe und dem\nGlück der Liebe zu entsagen, demüthigt sich, wie ein Büs-\nsender, der ins Kloster gehen will, vor seinem Feinde Ez-\nzelin, erklärt vor aller Welt, er sei nicht Lara, sondern\nder Corsar Conrad, und kehrt, gestützt auf Gulnare und\nauf den treuen Lambro, der ihn nicht verlassen will, aul\nsein Schiff, das man im Prospect sieht, und zu den See-\nräubern zurück. Diese Katastrophe und das Tragische, das\ndarin liegen soll, mögen die beiden Librettisten verantwor-\nten: das letztere verschwindet besonders noch dadurch,\ndass Lara bei seiner Entsagung doch wieder lügt, indem\ner seine wahre Abkunft läugnet. Aber auch hier macht\ndie Musik die Mängel des Textbuches in vieler Hinsicht\nwieder gut und lässt die Theilnahme der Zuschauer nicht\nsinken; auch kann man, abgesehen von der Idee der Ka-\ntastrophe, nicht läugnen, dass die Wendung mit Geschick\nherbeigeführt wird.\nDas Haus ist jedes Mal überfüllt bei den Wiederho-\nlungen der Oper. Der Erfolg der Darstellung beruht be-\nsonders auf den Trägern der beiden Hauptrollen, Lara's\nund Kaled's. Monlaubry führt seine dankbare Partie sehr\ngut durch, und in der Rolle des Kaled hat sich ein neues\nTalent in der Person der Madame offenbart,\nwelches durch Wahrheit des Spiels noch mehr als durch\nden ausdrucksvollen Gesang in Erstaunen gesetzt hat.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-04-09-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-04-09_01#c003", "volume": "bmtnabi_1864-04-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "114", "page_fin": "117", "image_debut": 2, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640409-01.2.3", "titre_corps": "Das Operntheater in Wien.", "titre_sommaire": "Das Operntheater in Wien.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640409-01.1.2", "debut_caractere": 4148, "fin_caractere_exclue": 5236, "texte": "Das Operntheater in Wien.\n[Als Vorwort zu der statistischen Uebersicht der Lei-\nstungen des wiener Operntheaters im abgelaufenen Thea-\nterjahre vom 1. Juli 1863 bis 31. März 1864 enthalten\ndie wiener „Recensionen\" in ihrer Nr. 14 eine starke\nPhilippika gegen die Leitung dieser Kunstanstalt. Da die\nVorwürfe durch die Anführung von Thalsachen als wohl-\nbegründet erscheinen, so ist es sehr erfreulich, einmal in\neinem öffentlichen Blatte einer so eingehenden, der Wahr-\nheit allein huldigenden, ohne andere Leidenschaft als die\nder Entrüstung über die Missbräuche und Unterlassungen\ngeschriebenen, von keiner anderen Gunst und Liebe als der\nLiebe zur Kunst eingegebenen Darstellung der Verhältnisse\neiner der ersten Bühnen Deutschlands zu begegnen. Ob die\nfreimüthige Anklage eine praktische Wirkung haben werde,\noder ob die Redaction, wie wir es an unserer Zeitschrift\nleider auch oft genug erfahren, eine Danaiden-Arbeit\nthut, indem sie beharrlich auf Besseres dringt, das muss\ndie nächste Saison lehren. Eine sichere oder auch nur\nwahrscheinliche Hoffnung auf den Einfluss unabhängiger"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640409-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5391, "texte": "Kritik auf die Vorstände deutscher Kunstanstalten und\nderen Capellmeister und Regisseure zu setzen, wäre ein\nsanguinischer Optimismus. Wir wollen aber den haupt-\nsächlichen Inhalt des Aufsatzes aufnehmen, um diese Zu-\nstände auch im Auslande bekannt zu machen; vielleicht\nkommt dann von London oder Paris ein Rückschlag, der\nein Gefühl der Scham weckt, das zur Besserung führt.]\nDie negativen Resultate der eben verflossenen Opern-\nSaison liegen deutlich vor. Ein Novitäten-Unicum O f-\nfenbach's „Rheinnixen\"—bildet die einzige operistische\nAusbeute von Belang; von länger nicht gegebenen Opern\nkam gleichfalls nur ein bescheidenes Exemplar Hale-\nvy's „Musketiere der Königin\" zur Wiederaufnahme,\nund von Opern, die etwa ein Jahr nicht gegeben worden,\nwurden nachstudirt und theilweise neu besetzt: „Oberon\",\n„Der Postillon von Lonjumeau\", „Lucreziaßorgia\", „Die\nStumme von Portici\", „Der Prophet\". Das sind die voll-\nständig aufgezählten Ruhmesthaten einer neunmonatlichen\nOpern-Saison in der Haupt- und Residenzstadt Wien. Um\ndas zu erreichen, zahlen die Steuerpflichtigen dem Staate\njährlich wohl an die 200,000 Gulden und ausserdem,\nwenn sie's mit eigenen Ohren hören wollen, ein theures\nEintrittsgeld. Um das zu erreichen, sind im Personale\nmanche Fächer dreifach hesetzt und werden viele Tausende\nvon Gulden an die Acquisition einzelner Stimmen oder an\ndie Erhaltung routinirter Mittelmässigkeiten gewandt. Um\ndas zu erreichen, fungiren am Operntheater drei Capell-\nmeister, drei Orchester-Directoren, zwei Correpetitoren,\nein General-Chorführer, ein regisseurähnlicher Inspicient,\nein Ober-Regisseur, ein gesangskundiger artistischer Di-\nrector, ein literaturkundiger Secretär und ein salonfähiger\nOberstkämmerer mit permanentem hofräthlichem Beirathü\nUnd dennoch finden so edle und fruchtbringende Be-\nstrebungen keine Anerkennung, keinen Dank, ja, nicht\neinmal andere als officiös bestallte Vertheidiger. Wir Un-\ndankbaren, was wollen wir denn noch mehr, als drei\nganze neue Acte von Offenbach und drei ganze wieder-\naufgenommene Acte von Halevy?! Macht das denn nicht\nin neun Monaten für jedes Vierteljahr ein ange-\nstrengtes Studium von einem neuen und einem alten Acte?!\nUnd wir sind noch nicht, noch immer nicht zufrieden?!\nZur Steuer der Wahrheit muss freilich gesagt werden,\ndass die Direction des Operntheaters Einiges mehr als das\nvon ihr Geleistete versprochen und eine classische Oper so-\ngar „vorbereitet\" hatte. Aber die Vorbereitung der Glue k'-\nschen „Iphigenie in Aulis\" dauerte vom Frühherbste bis\nWeihnachten, um sie endlich . .. auf die nächste Saison\nzu verschieben. Wir wissen, dass die Direction sich viel-\nfach mit den Unpässlichkeiten der Mitglieder und mit den\nausserordentlichen Beurlaubungen im Juli und August zu\ndecken sucht. Was nun letztere betrifft, so hätte, wie uns\ndünkt, weit eher die Kritik ein Recht, der Direction den\nMissbrauch mit den Beurlaubungen vorzuwerfen, als es\nder Direction ansteht, diesen .Missbrauch als eine Ent-\nschuldigung anzuführen.\nAllein activ vorhanden waren im Juli die Damen\nFabbri-Mulder, Krauss, Tel Iheim, Kropp, De-\nstinn und Bettelheim, die Herren Erl, Walter,\nDalffy, v. Bignio, Hrabanek, Schmid, Mayer-\nhofer, also quantitativ jedes Fach mindestens doppelt be-\nsetzt, nebst den Herren Capellmeistern Proch und Des-\nsoff. Wenn di eses Personal als befähigt erachtet wurde,\ndie wichtigsten Repertoire-Opern (Mozart, Meyerbeer\nu. s. w.) zur Aufführung zu bringen, so konnte dasselbe\neben sowohl zur relativ genügenden Besetzung einer neuen\noder neu in Scene gesetzten Oper verwandt werden. Vom\nAugust an aber waren auch bereits die Damen Wil-\ndauer und Dust mann, etwas später Fräulein Lieb-\nhardt.dann Herr Draxler, und im September die Herren\nBeck und Ander (letzterer nur durch Unwohlsein noch\ncirca zwei Wochen aufgehalten) in Thätigkeit. Dessenunge-\nachtet aber erlebten wir erst am 4. October die Wieder-\naufnahme der „Musketiere\" (besetzt, mit Ausnahme einer\nRolle, durch Mitglieder, die schon vom 1. Juli an activ\nwaren) und erst am 4. Februar die erste und einzige\nNovität!\nKrankheiten! Das ist das grosse Wort der Entschul-\ndigung! Wenn wir aber das Unpässlichkeits-Verzeichniss\ndes Theaterzettels Revue passiren lassen, so finden wir kein\nanderes längeres Unwohlsein eines Mitgliedes verzeichnet,\nals das des Herrn Ander, der nach Beendigung seines\nUrlaubs krankheitshalber erst am 15. September auftreten\nkonnte. Sonst ist während der ganzen Saison unseres Wis-\nsens Niemand so nennenswerth krank gewesen, dass da-\ndurch das Einstudiren neuer oder lange nicht gegebener\nWerke hätte vereitelt werden können. Wenn also auch\ndie Schonung, die Herr Ander beanspruchte, durch einige\nWochen die Proben zur „Ipbi genie\" und zu den „Rhein-\nnixen\" verzögerte*), so hätte doch, wie uns dünkt, die\nZeit von 6 7 Wochen nach der Aufführung der „Rhein-\nnixen\" zum endlichen Herausfördern der „Iphigenie\", die\nja schon ziemlich vorbereitet war, genügen sollen. Wenn\naber auch die Aufführung des Gluck'schen Werkes den\nWiederholungen des Offenbach'schen zum Opfer fallen\nmusste, so ist dies allein noch immer kein triftiger Grund\nfür die leider constatirte Stagnation überhaupt. Das Un-\n\n*) Ein genialer Einfall war es jedenfalls, die Herren Ander und\nBeck mit den Proben zur Oftenbach'schen und zur Gluck'schen Oper\ngleichzeitig zu überbürden, wodurch dann beide Opern verzögert,\ndie eine ganz unmöglich gemacht wurde.\n□"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640409-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5479, "texte": "Wohlsein des Herrn Ander, welches ihn übrigens nicht ge-\nhindert hat, die einzige neue Tenor-Partie der Saison\ndurchzuführen, konnte doch noch weniger die Herren\nWalter und Wachtel hindern, ihrerseits eine oder die an-\ndere neue Rolle ihrem Repertoire beizufügen. Die Ver-\nnachlässigung in dieser Beziehung ist daher grösstenteils,\nwenn nicht einzig und allein, der Saumseligkeit oder un-\ngeschickten Eintheilung Seitens der unmittelbar leitenden,\nder widerspruchsvollen Energielosigkeit und dem Mangel\nan künstlerischem Verständnisse Seitens der mittelbar lei-\ntenden Kräfte zuzuschreiben. Dass jedes Repertoire einer\njährlichen Auffrischung durch Novitäten und Reprisen drin-\ngend bedarf, diese elementare Wahrheit ist schon so oft\nund eindringlich an dieser Stelle gepredigt worden, dass\neine weitere, ausführliche Erörterung nicht mehr vonnö-\nthen ist. Eben so ist die Klage über die geringe Production\nder Gegenwart und das Veraltetsein der classischen Opern\nschon hinlänglich oft auf das richtige Maass zurückgeführt\nworden. So wenig Bedeutsames in der Oper auch geleistet\nwird, das relativ Beste aus diesem Wenigen soll immerhin\nzur Kenntniss dfis Publicurns gebracht werden, das ist die\nSchuldigkeit einer Opem-Direction. So gut man bei Of-\nfenbach eine Oper bestellen konnte, so gut konnte man\nin derselben Saison auch einheimische Componisten durch\nAufführung ihrer Werke fördern, so gut konnte-man es\nmit Hiller's „Katakomben'', mit den neuen Opern von\nRichard Wüerst, Gustav Schmidt, Max Bruch\nu. v. A., dessgleichen mit den neueren französischen Er-\nzeugnissen versuchen. Was vollends die Reprisen anbelangt,\nso würden das ist so selbstverständlich, dass nur allein\nunsere Opernleitung es nicht zu fassen vermag Gluck,\nMozart (Idomeneo), Cherubini, um nur der Meister ersten\nRanges zu gedenken, wohlverstanden in passender Aus-\nwahl, sorgsamer Bearbeitung und stilgemässer Darstellung,\nfür unser Opern-Repertoire die köstlichste Ausbeute lie-\nfern, auf den Geschmack unseres Publicums den wohlthä-\ntigsten Einfluss üben, unseren Sängern die schönsten An-\nlässe zum Studium der gediegenen Opern-Literatur und\nzur Geltendmachung ihrer musicalisch-dramatischen Fähig-\nkeiten darbieten.\nDass Letzteres das Anrecht jedes einzelnen Mitglie-\ndes auf entsprechende Beschäftigung von der Direction\nin ihrer gedankenlosen Consequenz durchaus vernachlässigt\nwird, gerade das betrachten wir als einen der wundesten\nFlecke in unserem Opern-Organismus. Entsprechend\nnennen wir aber nur-die Beschäftigung, die dem Einzelnen\nGelegenheit gibt, sich dem Publicum von seiner besten Seite\nzu zeigen, seine stärksten Eigenschaften herauszukehren\nund als eifriges Einzelglied die Gesammtwirkung zu un-\nterstützen. Es ist aber zu bedauern, dass unsere Sänger\nwegen Mangels an neuen Partieen aus ihren Raouls, Ro-\nberts, Manrico's, ihren Leonoren, Valentinen, Agathen, ih-\nren Marcels und Bertrams nicht herauskommen. Das muss\nnothwendig einen Stillstand in der Entwicklung ihrer künst-\nlerischen Eigenschaften hervorbringen. War unser musica-\nlisches Publicum nicht allgemein überrascht, als neulich am\nChardinstage Herr Walter den Bach'schen Evangelisten\nso musterhaft stilgemäss vortrug? Mit mancher ihm gut\nliegenden neuen Partie hätte Herr Walter einen bedeuten-\nden Erfolg haben können, während er jetzt nur so beiläufig\nmitsingt, wie die Anderen. Und wie wird Fräulein Bettel-\nheim am Operntheater behandelt? Was ist geschehen seit\nzwei Jahren, um diese prachtvolle Stimme, verbunden mit\nso viel Eifer und richtigem Verständnisse, geltend zu ma-\nchen und glänzen zu lassen? Nicht eine Oper ist bisher\naufgeführt worden, welche uns Fräulein Bettelheim in einer\nfür sie besonders dankbaren und für uns neuen Partie vor-\ngeführt hätte, als Beweis, dass die Direction die Kräfte,\ndie sie besitzt, auch kennt und sie zu verwerthen weiss.\nSelbst für das anscheinend protegirte Fräulein Destinn\ngeschieht eigentlich nichts Günstiges, nicht das Rechte;\ndenn wenn man sie die Ortrud, Azucena, Fides singen lässt,\nso compromittirt man sie mehr, als man sie hebt, während\nauch sie durch bescheidene, aber speciei für sie passende\nBeschäftigung gehoben werden könnte. Dessgleichen wird\nes auch mit Fräulein Teilheim gehen. Zuerst lässt man\ndie Anfänger unbeachtet, dann zieht man sie plötzlich ans\nTageslicht, nicht weil sie reif sind, sondern weil ein Zufall\ngerade eine Rolle vacant Werden lässt, und dann lässt man\nsie ohne reilliche Vorbereitung Partieen singen, die ihnen\nzu schwer sind. Und was ist in dieser Saison für unsere\nlebendigsten Darstellungskräfte, für Frau Dustmann,\nFräulein Wildauer, Herrn Ander und Herrn Beck\ngeschehen? Für erstere gar nichts, für die letzteren die\nZutheilung jener flachen Partieen in den „Rheinnixen\".\nHerr Wachtel hat in keiner neuen Oper gesungen, die\nbeiden Bassisten Draxler und Schmid haben keineneuen\nRollen bekommen, der tüchtige Mayerhofer auch nur\neine schlechte in den „Rheinnixen\"; der hoffnungsvolle\nBignio ward in einer französischen Spielrolle blamirt\nkurz, nicht ein Mitglied des Sänger-Personals hat Ur-\nsache, am Schlüsse der Saison seiner Direction für die ihm\nzu Theil gewordene Beschäftigung dankbar zu sein. Wenn\naber dann die Direction über die geringe Willfährigkeit\nder Mitglieder klagt, so darf man diese wohl entschuldigen,\ndenn woher sollte unter einer so verwahrlosten und ver-\nwahrlosenden Leitung die Willfährigkeit kommen? Etwas\nmuss für den Ehrgeiz des Schauspielers gethan werden,\nsonst verkümmert er oder wird schwierig."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640409-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2753, "texte": "Wie für den Einzelnen, so wird aber auch fürs Ganze,\nfürs Zusammenwirken, fürs Ensemble nichts gethan.\nNoch immer hat das Operntheater keinen Regisseur\nund keine Autorität für den Gesangs Vortrag.\nMehrere unserer Sänger haben Sinn und Geschick für stil-\ngemässen Vortrag sie erhalten aber nicht die richtige\nAnleitung. Die Capellmeister haben in der Regel nicht viel\nSinn dafür, sind auch mehr mit dem Orchester beschäftigt,\ndie Ciavierproben dienen mehr nur zum Auswendiglernen\nder Partieen. Herr Salvi, der im Anfange seiner Direc-\ntions-Carrifere einige Anlagen zur passenden Verwendung\nund Behandlung der Stimmen verrieth, scheint auch dies\nnicht mehr zu vermögen, oder keine Autorität zu haben.\nUnd so trifft es sich, dass einige Vorstellungen gut klappen,\nwie z. B. der „Postillon\", wo die Mitwirkenden an ihrem\nPlatze sind und ihnen Lust und Talent zu Gebote steht,\nwährend in der Mehrzahl der abgespielten Repertoire-Opern\nder Erfolg der Einzelleistungen von der momentanen Dis-\nposition der einzelnen Kehlen und Gemüther abhängig\nbleibt, das Ensemble aber, namentlich die Scenirung, viel-\nfach gegen den guten Geschmack, gegen Vernunft und\nWahrscheinlichkeit verstösst und in Bezug auf sinngemässe\nAusstattung oft Alles zu wünschen übrig lässt.\nEntschieden besser ist in dieser Beziehung das Ballet\nbestellt. Ihm wendet sich alle Sorgfalt der Ausstattung zu,\nihm gebührt die Anerkennung, dass es nicht bloss durch\nEinzelkräfte, wie Fräulein Couqui, Fräulein Friedberg,\ndie Herren Price und Frappart, sondern auch durch\nein compactes, wohlgegliedertes Ensemble wirkt.\nAn den 259 Spielabenden haben 192 Opern- und\n67 Ballet-Vorstellungen Statt gefunden. Aufgeführt wur-\nden 38 Opern, darunter 1 neu, 1 neu einstudirt, und\n12 Bailette» darunter 1 neu, 1 neu einstudirt. Die\nOpern waren: Adam: Der Postillon (nachstudirt) 14 Mal.\nAuber: Die Stumme von Portici (nachstudirt) 7 Mal. Balfe:\nDie Zigeunerin 2. Beethoven: Fidelio 5. Bellini: Norma 3.\nBoieldieu: Die weisse Frau 5. David: Lalla Rookh 4. Do-\nnizetti: Lucrezia Borgia (nachstudirt) 4; Beiisar 1; Linda\nvon Chamounix 3; Lucia von Lammermoor 3; Dom Se-\nbastian 3. Doppler: Wanda 1. Flotow: Alessandro Stra-\ndella 7 ; Martha 4. Gounod: Margarethe 7. Halevy: Die\nJüdin 7; Die Musketiere der Königin (neu einstudirt)\n5. Kreutzer: Das Nachtlager in Granada 3. Marschner:\nHans Heiling 3. Meyerbeer: Robert der Teufel 12; Die\nHugenotten 11; Der Nordstern 1; Der Prophet (nachstu-\ndirt) 3. Mozart: Die Zauberflöte 4; Don Juan 6; Die\nHochzeit des Figaro 1. Offenbach: Die Rheinnixen (neu)\n7. Rossini: Wilhelm Teil 6. Spohr: Jessonda 3. Verdi:\nDer Troubadour 13; Hernani 4; Rigoletto 2. Wagner:\nLohengrin 6; Der fliegende Holländer 5. Weber: Der\nFreischütz 6; Oberon (nachstudirt) 5; Euryanthe 4 Mal."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-04-09-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-04-09_01#c004", "volume": "bmtnabi_1864-04-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "117", "page_fin": "119", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640409-01.2.4", "titre_corps": "Johannes Brahms.", "titre_sommaire": "Johannes Brahms.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640409-01.1.5", "debut_caractere": 2755, "fin_caractere_exclue": 5141, "texte": "Johannes Brahms.\nJohannes Brahms, Sohn eines Musikers in Ham-\nburg und Schüler von Eduard Marxsen, wurde im Herbste\n1853, als er neunzehn Jahre zählte, von Robert Schumann\nin einer so glänzenden Weise, wie es selten vorkommt, in\ndie musicalische Welt eingeführt. Die „Neue Zeitschrift\nfür Musik\" enthält in ihrer Nummer vom 28. October\n1853 folgenden, „Neue Bahnen\" überschriebenen Artikel\nvon Robert Schumann: „Es sind Jahre verflossen\nbeinahe eben so viele, als ich der früheren Redaction die-\nser Blätter widmete, nämlich zehn —, dass ich mich auf\ndiesem an Erinnerungen so reichen Terrain einmal hätte\nvernehmen lassen. Oft, trotz angestrengter productiver\nThätigkeit, fühlte ich mich angeregt; manche neue, be-\ndeutende Talente erschienen, eine neue Kraft der Musik\nschien sich anzukündigen, wie dies viele der hochaufstre-\nbenden Künstler der jüngsten Zeit bezeugen, wenn auch\nderen Productionen mehr einem engeren Kreise bekannt\nsind. Ich habe hier im Sinne: Joseph Joachim, Ernst\nNaumann, Ludwig Norman, Woldemar Bargiel,\nTheodor Kirchner, Julius Schäffer, Albert Diet-\nrich, des tiefsinnigen, grosser Kunst beflissenen geistli-\nchen Tonsetzers C. F. Wilsing nicht zu vergessen. Als\nrüstig schreitende Vorboten wären hier auch Niels W.\nGade, C. F. Mangold, Robert Franz und St. Hel-\nler zu nennen. Ich dachte, die Bahnen dieser Auserwähl-\nten mit der grössten Theilnahme verfolgend, es würde\nund müsse nach solchem Vorgange einmal plötzlich Einer\nerscheinen, der den höchsten Ausdruck der Zeit in idealer\nWeise auszusprechen berufen wäre, einer, der uns die\nMeisterschaft nicht in stufenweiser Entfaltung brächte, son-\ndern, wie Minerva, gleich vollkommen gepanzert aus dem\nHaupte des Kronion spränge. Und er ist gekommen, ein\njunges Blut, an dessen Wiege Grazien und Helden Wache\nhielten. Er heisst Johannes Brahms, kam von Ham-\nburg, dort in dunkler Stille schaffend, aber von einem\ntrefflichen und begeistert zutragenden Lehrer gebildet in\nden schwierigsten Satzungen der Kunst, mir kurz vorher\nvon einem verehrten, bekannten Meister empfohlen. Er\ntrug auch im Aeusseren alle Anzeichen an sich, die uns\nankündigen: das ist ein Berufener. Am Ciavier sitzend,\nfing er an, wunderbare Regionen zu enthüllen. Wir wur-\nden in immer zauberischere Kreise hineingezogen. Dazu\nkam ein ganz geniales Spiel, das aus dem Ciavier ein Or-\nchester von wehklagenden und laut jubelnden Stimmen"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640409-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5347, "texte": "machte. Es waren Sonaten, mehr verschleierte Sinfonieen\n—Lieder, deren Poesie man, ohne die Worte zu kennen,\nverstehen würde, obwohl eine tiefe Gesangs-Melodie sich\ndurch alle hindurchzieht —, einzelne Ciavierstücke, theil-\nweise dämonischer Natur, von der anmuthigsten Form\ndann Sonaten für Violine und Ciavier Quartette für\nSaiten-Instrumente und jedes so abweichend von den\nanderen, dass sie jedes verschiedenen Quellen zu entströ-\nmen schienen. Und dann schien es, als vereinigte er, als\nStrom dahinbrausend, alle wie zu einem Wasserfalle, über\ndie hinunterstürzenden Wogen den friedlichen Regenbo-\ngen tragend und am Ufer von Schmetterlingen umspielt\nund von Nachtigallenstimmen begleitet. Wenn er seinen\nZauberstab dahin senken wird, wo ihm die Mächte der\nMassen im Chor und Orchester ihre Kräfte leihen, so ste-\nhen uns noch wunderbarere Blicke in die Geheimnisse der\nGeisterwelt bevor. Möchte ihn der höchste Genius dazu\nstärken, wozu die Voraussicht da ist, da ihm auch ein an-\nderer Genius, der der Bescheidenheit, innewohnt. Seine\nMitgenossen begrüssen ihn bei seinem ersten Gange durch\ndie Welt, wo seiner vielleicht Wunden warten werden,\naber auch Lorbern und Palmen; wir heissen ihn willkom-\nmen als starken Streiter. Es waltet in jeder Zeit ein ge-\nheimes Bündniss verwandter Geister. Schliesst, die Ihr zu-\nsammengehört, den Kreis fester, dass die Wahrheit der\nKunst immer klarer leuchte, überall Freude und Segen\nverbreitend.\"\nSo glänzend diese Einführung, so gefährlich war sie.\nDie Anhänger Schumann's waren geneigt, den Empfohle-\nnen als musicalischen Messias jubelnd zu begrüssen, die\nGegner des Meisters sofort bereit, die ganze Sache als\nHumbug zu verschreien. Schumann konnte nichts weiter\nfür seinen Schützling thun, als dass er die Firmen Breit-\nkopf und SenfT bewog, des jungen Mannes erste Compo-\nsitionen zu drucken; die Nacht des Wahnsinns umhüllte\nbald darauf den Geist Schumann's. So trat denn Brahms\nseinen Weg allein an und erhielt zunächst, seitdem er am\n17. December 1853 in Leipzig öffentlich gespielt hatte,\nfast mehr Wunden als Lorbern. Angriffe und vornehm\nabweisende Urtheile waren häufiger als Anerkennung und\nAufmunterung; der Componist wie der Clavierspieler wur-\nden gleich scharf kritisirt, und seine Laufbahn entsprach\nnicht den prophetischen Worten Schumann's. Sie war\nlangsamer und dornenvoller, als die Beschützer des ju-\ngendlichen Talentes dachten. Was durch Unvorsichtigkeit\nin einem Augenblicke verdorben war, musste im Laufe\nvon Jahren wieder gut gemacht werden; was Brahms nicht\nim ersten Anlaufe eroberte, hatte er durch schrittweise\nvorgehende Anstrengung und Arbeit allmählich zu er-\nwerben.\nIn kurzen Zwischenräumen erschienen bald nach Schu-\nmann's Empfehlung Compositionen von Brahms in neun\nHeften. Es waren drei Clavier-Sonaten, drei Liederhefte,\nein Clavier-Trio, endlich Scherzo und Variationen für\nPianoforte. Das Anfangs durch Parteieifer (?) getrübte Urtheil\nhat sich jetzt wohl dahin festgestellt, dass die Sonaten, von\ndenen die in F-molldie bedeutendste ist, einen begabten,\nphantasievollen Verfasser zeigen, der aber in jugendlich\nübersprudelndem Eifer noch nicht die Gesetze des Stils\nund der Formenschönheit kennt, sie oft keck und eigen-\nsinnig überschreitet. Leichteren Eingang fanden die Lie-\nder, welche an Schubert und Schumann erinnern und zum\nTheil, besonders die nach Eichendorff'schen Texten, echt\npoetisch sind. Es ist in ihnen, wie in später gedruckten\nLiedern, das eigentlich charakteristische Wesen von\nBrahms, eine weiche, innige, träumerische Romantik und\nein feines dichterisches Gefühl ausgeprägt. Bezeichnend\nfür seine Natur sind auch namentlich die Variationen über\nein Schumann'sches Thema (Op. 9). Man hat irgendwo\nrichtig gesagt, Brahms sei nicht ein Schumannianer, son-\ndern eine mit Schumann nahe verwandte Natur zu nen-\nnen, die nur brausend und schäumend begonnen habe\nund sich abklären müsse.\nNachdem das erste Auftreten des Componisten den\nangeregten Erwartungen nicht ganz entsprochen hatte»\nwidmete er sich in Hannover, Düsseldorf und Hamburg\neingehenden Studien und machte gelegentlich Kunstreisen,\nauf denen er als Clavierspieler auftrat, indem er neben\neigenen Arbeiten besonders Werke von Bach, Beethoven\nund Schumann vortrug. Auch hier ähnliche Schwierigkei-\nten; Spiel und Richtung verriethen eine feine und sinnige\nNatur, aber die Masse wollte grosse Eindrücke und be-\nhandelte Brahms ziemlich lau. Wie sein künstlerisches\nSchaffen, so scheint sein Clavierspie! sich neuerdings ver-\ntieft zu haben. Man rühmt es jetzt als überaus weich und\nfein, ohne dass es der Kraft entbehrt, wo es noth thut; es\nschmiegt sich mit Geist und inniger Empfindung den Com-\npositionen an und hält sich mit künstlerischer Würde von\nallem Virtuosenflitter fern.\nSeit dem Spätherbste 1862 lebt Brahms in Wien\nund wurde dort vor einigen Monaten, nach dem Tode\nStegmayer's, Chormeister der Sing-Akademie. Er hat sich\nin den letzten (etwa vier) Jahren mit Energie auf zwei der\nbedeutendsten Gebiete begeben, auf die Gebiete der Kam-\nmermusik und der Orchester-Composition, somit bewiesen,\ndass er nach dem Höchsten strebt. Er hat eine Serenade\nfür grosses Orchester in D-dur(Op. 11) und eine zweite\nfür kleines Orchester, Bratschen, Bässe und Bläser (Op.\n16) geschrieben; für Chor Marienlieder, Gesänge mit\nHarfe und Hörnern, einen Begräbnissgesang und ein Ave"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640409-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3736, "texte": "Maria. Unter seinen neueren Ciaviersachen zeichnen sich\nVariationen über ein Händel'sches Thema durch reiche,\nglatte, kunstvolle Arbeit besonders aus.\nEin Theil der Kritik ist geneigt, von ihm Bedeutendes\nauf dem Gebiete der Kammermusik zu erwarten. Zwei\nQuartette für Ciavier, Violine, Bratsche und Violoncell\n(G-mollund A-dur,Op. 25 und 26) und das etwas früher\ngedruckte Sextett für zwei Violinen, zwei Bratschen und\nzwei Violoncelle werden als seine am besten durchgear-\nbeiteten Compositionen bezeichnet. Ein wiener Kritiker\nsagt von Brahm's.: „Künstlerische Würde, tiefer und zu-\ngleich anspruchsloser Ernst, diese Eigenschaften sind es,\ndie ihn über das Maass des Gewöhnlichen hinausragen\nlassen. Ihm ist die Kunst noch ein heiliger Beruf; möge\nsie ihm dies immer bleiben!\"\nDarin stimmen wir vollkommen überein: aber Wille\nund Absicht allein machen noch nicht den hervorragenden\nComponisten, so wenig wie ein edler Charakter und eine\nrichtige Einsicht in die Formen der Poesie den Dichter\nmachen. Das ist freilich ein Gemeinplatz, allein er kann\neinem grossen Theile der heutigen musicalischen Kritiker\nnicht oft genug wiederholt werden. Namentlich die An-\nhänger der Schumann'schen Schule unter den deutschen\nKritikern lassen sich wie es Schumann selbst widerfuhr\ngar zu leicht verleiten, die überzeugungsvolle Bichtung\neines Musikers auf das Höhere und Edlere in der Kunst\nfür dessen inneren Beruf, für eine ausgemachte Berechti-\ngung zum Schaffen zu nehmen, mithin die Gesinnung für\neine sichere Bürgschaft des Genies zu halten. Auch uns\nist die Gesinnung und das Streben eines Künstlers nach\ndem Edeln etwas Hochheiliges, aber die vollste Anerken-\nnung dieses Strebens darf uns doch nicht an der ernsten\nPrüfung hindern, ob dieser Kraft des Willens auch die\nzum künstlerischen Schaffen nothwendige Ergänzung der-\nselben, das Genie, entspreche. „Allein ich will\" sagt\nFaust; aber der satanische Prakticus, der manche tausend\nJahre an der harten Speise der göttlichen Welteinrichtung\nkaut, erwiedert ihm:\n„Das lässt sich hören.\nDoch nur vor Einem ist mir bang:\nDie Zeit ist kurz, die Kunst ist lang.\"\nEs lässt sich nicht läugnen, dass die oben bezeichne-\nten Kritiker durch die Achtung vor dem Willen eine ge-\nwisse Scheu vor der Prüfung neuer Erzeugnisse, nicht\nnach der Intention des Componisten, sondern nach dem\nResultate dieser Intention besitzen, und dass diese Scheu\nsie bindert, den rein musicalischen Maassstab anzulegen.\nZu diesen Bemerkungen haben uns gerade die zwei Cla-\nvier-Quartette, die neuesten Werke von Brahms, veran-\nlasst. bei deren Anhörung das Talent des Componisten\ndurch das furchtbare longewühl aller vier Instrumente\ndurch einander ohne Buhe und Rast und ohne melodische\nLichtpunkte dermaassen verhüllt und erdrückt erscheint,\ndass schwer an ein Verständniss des Ganzen, geschweige\ndenn an einen wohlthuenden oder erhebenden Eindruck\nauf Gemüth und Phantasie zu denken ist.\nDie bisher im Druck erschienenen Compositionen von\nBrahms sind folgende:\nOp. 1. Sonate für Pianoforte 2. Sonate für Piano-\nforte [Fis-moll). 3. Lieder. 4. Scherzo für Pianoforte\nmoll). 5. Sonate (F-mott).6. und 7. Lieder. 8. Trio. 9.\nVariationen lür Pianolorte über ein Schumann sches The-\nma. 10. Balladen. 11. Serenade für grosses Orchester.\n12. Ave Maria für weiblichen Chor. 13. Begräbnissge-\nsang für gemischten Chor. 14. Lieder. 15. Concert für\nPianoforte. 16. Serenade für kleines Orchester. 17. Ge-\nsänge lür Irauenchor mit Harfe und Hörnern. 18. Sextett\nfür Streich-Instrumente. 19. Lieder. 20. Duette. 21. Va-\nriationen lür Pianoforte. 2*2. Marienlieder für Chor. 23.\nVariationen für Pianoforte zu vier Händen. 24. Variatio-\nnen und Fuge für Pianoforte nach Händel. 25. und 26.\nClavier-Quartette (G-moll und A-dur)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-04-09-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-04-09_01#c005", "volume": "bmtnabi_1864-04-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "119", "page_fin": "120", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640409-01.2.5", "titre_corps": "Zehntes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller, Dinstag, den 5. April 1864.", "titre_sommaire": "Zehntes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller, Dinstag, den 5. 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Beethoven, Mendelssohn\nund Hiller, eingeführt in den Saal durch die glänzende, sinfonie-\nartige Concert-Ouverture in A-dur von Julius Rietz, brach-\nten ihre Gaben dar: Hill er zwei schön emptundene, im altitaliäni-\nschen Kirchenstile gehaltene „M arienl iederu, die vom Chor ohne\nBegleitung ausdrucksvoll gesungen wurden; Mendelssohn sein\nzwar oft gehörtes, aber stets durch die Grösse der Auffassung und\ndie geschickte Verwendung des achtstimmigen Chors und der wo-\ngenden Tonmassen des Orchesters imponirendes Gemälde vom Aus-\nzuge Israels aus Aegypten; Beethoven endlich zwei seiner herr-\nlichsten Schöpfungen, das Concert für die Violine und die Sinfonie\nin C-moll mit dem siegprangenden Schlusssatze in C'dur.\nDas Concert rfür Violine\" —so steht auf dem Titelblatte —,\nes sollte aber heissen: das Concert „für Joseph Joachim\", und\nso würde Beethoven es genannt haben, wenn er gehört hätte, wie\ndieser geniale Künstler sich in seinen Geist versenkt' und als sein\nanderes Ich mit seinem Werke verwachsen ist. Aber ach, der arme\nBeethoven hätte das ja doch nicht hören können, wenn er auch noch\nunter den Lebenden wandelte! Wir aber, die so viel gehört haben\nund noch hören, zuweilen auch hören müssen, uns ist es immer,"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640409-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3304, "texte": "wenn wir Joachim's Vortrag schlechtes Wort! Joachim's Ver-\nklärung der Beethoven'schen Gedanken zu vernehmbarer Poesie hö-\nren, als wenn es nichts Höheres im ganzen Reiche der Tonkunst\ngebe, als diese Composition von diesem Künstler ins volle Leben\ngerufen.\nAusser dem Beethoven'schen Concerte spielte Joachim noch ein\nAdagio von Hiller (aus Op. 87) mit Pianoforte-Begleitung, welches\nselbst nach dem über Alles schönen Adagio Beethoven's einen tie-\nfen Eindruck machte, dann eine von den dreistimmigen Fugen von\nBach für die Violine allein, und war so freundlich, nach dem un-\nendlichen Applaus und Hervorruf noch eine wunderhübsche Gavotte\nvon Bach zuzugeben.\nWerfen wir zum Schlüsse einen Rückblick auf die Musikzeit\nvon 1863 und 1864, so haben wir wohl Grund genug, mit den Lei-\nstungen unseres Concert-Instituts zufrieden zu sein. Von Vocal-\nmusik haben wir in den eilf Concerten (das Fest-Concert bei der\nDombaufeier am 16. October v. J. mitgerechnet) gehört: Händel's\n„Messias\" und den dritten Theil des „Salomon\"; J. S. Bach's grosse\nMatthäus-Passion und die Cantate „Liebster Gott\" u. s. w.; Lieder\na capella von Steinekker und Donato aus dem XVI. Jahrhundert;\nvon Beethoven das Sanctus und Benedictus aus der Missa solemnis\nund Christus am Oelberge; von Gluck Scenen aus Iphigenie in Au-\nlis; von Mozart das Ave verum; von Mendelssohn Hymne für So-\npransolo und Chor, Hymne für Altsolo, Chor und Orgel, die erste\nWalpurgisnacht, den 114. Psalm; von Meyerbeer Busslied für Ba-\nritonsolo, Chor und Orgel; von Ferdinand Hiller Fest-Cantate für\nTenorsolo u. s. w. zur Dombaufeier, Palmsonntag-Morgen, zwei Ma-\nrienlieder a capella (alles neu); von Max Bruch ~Die Flucht der\nheiligen Familie\" (neu).\nDie Instrumentalmusik für volles Orchester brachte von\nOuvertüren: Beethoven's Op. 124 (zwei Mal) und „Coriolan\", Che-\nrubini „Lodoiska\", „Joseph und seine Brüder\", Spohr ~Jess-\nsonda\", C. M. von Weber „Oberon\", Mendelssohn „Die schöne Me-\nlusine\", Jul. Rietz „Concert-Ouverture in A-dur\", Woldemar Bar-\ngiel „Prometheus\" (neu). Ferner an Sinfonieen: von Jos. Haydn in\nG-dur; Mozart in C-dur mit dem fugirten Finale; Beethoven Nr.\nVII in A-dur; die neunte, Nr. Vin .C-moll; Robert Schumann Nr.\nII in C-dur; Niels W. Gade Nr. VI; Franz Lachner Suite in D-moll;\nFerd. Hiller Morgenmusik für Orchester in sechs Sätzen (neu).\nDer Sologesang war vertreten durch Frau Harriers-Wippern\naus Berlin, Fräulein Assmann (zwei Mal), Frau Knöpges-Saart, Frau\nRudersdorf aus London, Fräulein Schreck aus Bonn (zwei Mal),\nFräulein Jenny Meyer aus Berlin, Fräulein Rothenberger von hier,\nFräulein Wiesemann ebenfalls, Fräulein Pels-Leusden von hier, Fräu-\nlein Elise Rempel aus Hamm. Ferner durch die Sänger Niemann\naus Hannover; Wolters, Bergstein und einen Dilettanten Herrn B.\nvon hier; Göbbels von Aachen; Karl Hill aus Frankfurt am Main\n(zwei Mal); Max Stägemann aus Hannover; Julius Stockhausen,\nOtto aus Berlin.\nInstrumental-Solo-Vorträge hörten wir von Frau Clara Schu-\nmann und Herrn Ernst Pauer aus London (Fortepiano); von Joachim,\nvon Königslöw, Georg Japha, Leopold Auer (Violine); von Herrn\nAlexander Schmit und Herrn Alfred Piatti (Violoncello). Herr Ge-\nneral-Musik-Director Franz Lachner dirigirte seine Suite für Orche-\nster in D-moll im ersten Gesellschafts-Concerte am 27. October\nvorigen Jahres."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-04-09-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-04-09_01#c006", "volume": "bmtnabi_1864-04-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "120", "page_fin": "120", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640409-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640409-01.1.8", "debut_caractere": 3306, "fin_caractere_exclue": 5731, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nDem Conservatorium der Musik zu Leipzig ist von dem\nCand. theol. und Musiklehrer Heibig ein Capital von 1000 Thlrn.\n„als Ergebniss langjähriger Thätigkeit und Luxus-Vermeidung\" mit\nder Bestimmung übergeben worden, dass die Zinsen desselben zur\nAnschaffung von Musicalien verwandt und diese alljährlich den vor-\nzüglichsten und würdigsten Schülern und Schülerinnen als Prämien\nmit Censur und Widmungsblatt zugetheilt und gegen Ostern jedes\nJahres eingehändigt werden. Das Directorium hat dieser Schenkung\nden Namen „Helbig-Stiftung\" beigelegt.\nIm fünften Abonnements-Concerte der grossherzoglichen Hof-\neapelle in Karlsruhe kam eine Orchester-Suite von Joachim\nRaff, aus fünf Sätzen bestehend, zur Aufführung. Die Aufführung\nwar sehr gelungen, das Publicum spendete lebhaften Beifall und be-\nehrte den anwesenden Componisten durch stürmischen Hervorruf.\nJoachim Raff hat vom Grossherzoge von Weimar die goldene\nCivil-Verdienst-Medaille erhalten.\nH .\nDer Concert-Director Julius Stockhausen in Hamburg hat\nsich mit Fräulein Clara Toberentz aus Berlin verlobt.\nPrag. In den Concerten des Cäcilien-Vereins, die be-\nleits ihren 24. Jahrgang erlebt haben, kamen im ersten die Suite\nin C-dur von J. S. Bach und Cherubini's Requiem in\nzur Aufführung; im zweiten Haydn's Sinfonie in und Men-\n.delssohn's Musik zur Antigone mit Zwischenversen von Christian\nKuffner; im dritten Gluck's Ouvertüre zur Iphigenie in Aulis und\n2, Act des Orpheus (Frau Prochaska-Schmidt), Arie aus Händel's\nHerakles (dieselbe Künstlerin), Wiegenlied aus Cherubini's\nBlanche de Provence, dann R. Schumann's Musik zu Manfred\n(zur Concert-Aufführung eingerichtet von Jos. Bayer).\nParis, 27. März. Der Violinist Hammer, ein Rheinländer\naus Elberfeld, lebt seit langer Zeit hier und gibt, wie die meisten\nder hier ansässigen Künstler, jährlich sein Concert. Im diesjährigen,\ndas in voriger Woche Statt fand, spielte er Mendelsjsohn's Concert,'\nBeethoven's Clavier-Trio in Es mit W. Krüger und dem Violon-\ncellisten Rignault, von seiner Composition eine Phantasie über Mo-\ntive aus der Traviata, Transcription von Beethoven's „Lob der\nIhranen\", ein Adagio und Tarantella u. s. w. Alles mit grossem\nApplaus.\nFlotow's „Martha\" ist diesen Winter schon fünf Mal von den\nItaliänern gegeben worden mit Mario und Adelina Patti.\nVier neue Strassen, die auf das neue Opernhaus führen, erhal-\nten die Namen von HaUvy, Auber, Scribe und Adam."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640409-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nPariser Briefe (Fortsetzung). Das Operntheater in Wien (Uebersicht der Leistungen im abgelaufenen Theaterjahre).\nJohannes Brahms (Lebensskizze).— Zehntes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unterha 1 tungsb 1 att\n(Leipzig, Siftung für das Conservatorium Karlsruhe, Abonnements-Concert Joachim Ralf Julius Stockhausen verlobt Pr&gj\nConcerte des Cäcilien-Vereins Paris, Violinist Hammer, Flotow's „Martha\", Neue Strassen).\n\nPariser Briefe.\n(Fortsetzung. S. Nr. 14.)\nDie Neuigkeit im Theater der komischen Oper ist zwar\nnichts weniger als eine komische Oper, aber ein Werk\nvoll scenischen und musicalischen Lebens, das einen be-\ndeutenden und allem Anscheine nach nicht so leicht ver-\ngänglichen Erfolg gehabt hat. Die Oper heisst „Lara\",\ndas Buch ist von Cormon und Michel Carr£, die Mu-\nsik von Aime Maillart,dem Componisten von Les Dra-\ngons de Villars, die in Deutschland unter dem Titel: „Das\nGlöckchen des Eremiten\" gegeben werden. Die erste Vor-\nstellung fand am 21. März Statt.\nVon Byron's Lara hat der Held der Oper eben nicht\nviel mehr, als den Namen; einige Situationen haben die\nVerfasser dem Gedichte entnommen, übrigens den „Cor-\nsar\" dabei benutzt, und aus beiden zusammen mit grosser\nWillkür, aber mit dramatischem Geschick, ein Opernbuch\ngemacht, dessen Handlung beinahe überall interessant und\nspannend, aber durchweg ernst ist, wie man es freilich\nnach dem Inhalt der beiden Erzählungen Byron's nicht an-\nders erwarten kann.\nNach einer ouverturenartigen Einleitung sehen wir\nbeim Aufziehen des Vorhanges das Stammschloss der\nGrafen Lara mit seinen Thürmen und seinem wohlbefestig-\nten Eingange. Der alte Graf ist gestorben und sein einzi-\nger Sohn seit Jahren verschwunden. Man hält ihn für todt,\nund der König überweist sein Erbe der Gräfin Camilla\nFlor mit dem Rechte, Namen und Besitz der Lara's auf\nden Mann ihrer Wahl zu übertragen. Ritterliche Reisende,\nan ihrer Spitze Ezzelin, der um Camilla's Hand wirbt, er-\nscheinen und begehren Einlass ins Schloss. Aber drinnen\nhaust ein alter treuer Diener, Lambro, der den Glauben\nan die Rückkehr des eigentlichen Erben nicht aufgibt, sich\nbis dahin als Herrn betrachtet und trotz dem Befehle des\nKönigs den Rittern den Eintritt verwehrt. Sie entfernen\nsich, und die nun mit Gefolge erscheinende Gräfin Flor\nerfährt dieselbe Zurückweisung. Empört entfernt sich die\nGräfin; Lambro freut sich in hübschen Couplets seiner\nrauhen Standhaftigkeit und Wachsamkeit\nfidele\" und verschliesst hinter sich das Schlossthor.\nZwei Wanderer treten auf. Der ältere sagt zu dem\nzarten, schönen Knaben, der ihn begleitet:\nliegarde, enfant, c*est la patrie,\nBivage heureux, terre chbrie,\nEden quSautrefois j ai quittil\nEs ist Lara, dem Gulnare als Kaled in männlicher Klei-\ndung folgt. Bald darauf erblickt er Camilla, die er als\nKind verlassen, und fühlt, dass er sie liebt. Er verschwin-\ndet, und kurz nachher erscheint der alte Lambro mit\nFackeln am Thore und ladet die ganze Gesellschaft im\nNamen seines zurückgekehrten Herrn ein, ins Schloss zu\ntreten. Und das war Zeit, denn ein Gewitter zog herauf\nund der erste Act hatte bereits eine Stunde gedauert.\nDie Musik zu diesem Acte ist ansprechend, ohne durch\nNeuheit oder besondere Charakteristik aufzufallen. Was\nman indess im ernsteren Genre zu erwarten hat, zeigt der\nGesang Lara's und Kaled's bei ihrem ersten Auftreten.\nAusserdem machen Couplets von Ezzelin und Lambro,\nund der Wechsel von Männerchören mit Frauenchören\ndie Scene musicalisch ziemlich lebendig.\nIm zweiten Acte befinden wir uns auf dem Feste, das\nLara in seinem Schlosse gibt. Gulnare (Kaled) unterbricht\nseine vertrauliche Unterhaltung mit Camilla, denn die\nLiebe, welche sie für ihn tief im Herzen trägt, ist wach-\nsam. Sie kommt, um ihrem Herrn Lebewohl zu sagen. Die\nBitten des Paares, sie von diesem Entschlüsse zurückzu-\nbringen, führen eine der musicalisch wirkungsvollsten Sce-\nnen der Oper herbei: Gulnare singt eine arabische Le-\ngende— der Inhalt, ihrer eigenen Lage ähnlich, reisst sie\nfort, ihr Auge blitzt und schleudert zugleich mit Wort\nund Ton die Gluth der Eifersucht gegen die Nebenbuhlerin."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640409-01.1.2", "texte": "„Es ist ein Weib!\" ruft Camilla aber Gulnare lenkt\nwieder in die ruhige Melodie der Ballade ein. Doch von\nHass entflammt, das Glück der Feindin zu vernichten, ver-\nräth sie dem Ezzelin, den gleiche Eifersucht quält, dass\nLara nicht der Graf Lara, sondern der Corsar Conrad sei.\nMit diesem Geheimnisse bewaffnet, tritt Ezzelin in den Fest-\nsaal und schleudert die furchtbare Anklage gegen Lara.\nDieser aber weist ihn entrüstet zurück, fordert auf den\nnächsten Morgen ihn zur Genugthuung und fährt fort, in\nausgelassener Freude mit dem Becher in der Hand zu jubeln.\nDiese Scene bildet ein Finale, das in seinen Dimen-\nsionen und in der Behandlung des Orchesters weit über alles\nhinausgeht, was man auf dem Theater der komischen Oper\nje gehört hat; es ist ganz und gar im Stile der grossen\nOper geschrieben und bietet vielleicht in zu hohem Grade\nalle Mittel glänzender Instrumentirung auf. Allein es macht\neine grosse Wirkung, wie denn überhaupt der ganze zweite\nAct an Frische der musicalischen Inspiration, Charakteristik\nder Solostimmen und dramatischem Leben leicht alles\nübertreffen dürfte, was die französische Muse des lyrischen\nDrama's in den letzten Jahrzehenden hervorgebracht hat.\nDer Gesang Gulnare's muss bei jeder Aufführung wieder-\nholt werden, und auch gegen das Finale ist von den öf-\nfentlichen Stimmen keine einzige in entschiedener Oppo-\nsition; nur können Einige, die am Hergebrachten hangen,\nes nicht verwinden, dass Musik von solchen Intentionen\nund Ausführungen im Theater Favart gemacht wird! Und\ndas sprechen sie vier Wochen, nachdem sie die „Freiheit\nder Theater\" als das Heil der Tonkunst gepriesen haben,\naus! Ich glaube, dass man in Deutschland, wohin Mail-\nlart's Lara gewiss den Weg finden wird, daran nicht den\ngeringsten Anstoss nehmen wird. Hiess doch sogar der\nDon Giovanni von Mozart bei seinen ersten Aufführungen\nDramma giocoso.\nIm dritten Acte bat nun aber der Lara der französi-\nschen Librettisten weder mit dem Lara, noch mit dem\nCorsar Byron's die geringste Charakterfarbe gemein, denn\ner wird eher einem hochsentimentalen spanischen „Arzte\nseiner Ehre\" ähnlich, als einem Manne, der Jahre lang ein\nSeeräuberleben geführt.\nDie Scene zeigt ihn uns, wie er aus einem schweren\nTraume erwacht, den er in Ergriffenheit schildert. Er sah\nsich wieder mitten unter seinen Raubgenossen und theilte\nihren wilden Taumel, als plötzlich ein Kampf begann und\ner selbst tödlich verwundet in Kaled's Armen starb. Der-\ngleichen Traumerzählungen sind freilich nichts Neues, aber\nmusicalisch genommen ist hier daraus eine glänzende Scene\nfür den Tenor geworden. Der alte Lambro bringt ihm das\nSchwert und das Testament seines Vaters; sein erster\nBlick fällt auf die Stelle, in welcher sein Vater ihm be-\nfleh 11, lieber zu sterben, als sich je zu erniedrigen. Dies\nschmettert ihn nieder; er beschliesst, dem Erbe und dem\nGlück der Liebe zu entsagen, demüthigt sich, wie ein Büs-\nsender, der ins Kloster gehen will, vor seinem Feinde Ez-\nzelin, erklärt vor aller Welt, er sei nicht Lara, sondern\nder Corsar Conrad, und kehrt, gestützt auf Gulnare und\nauf den treuen Lambro, der ihn nicht verlassen will, aul\nsein Schiff, das man im Prospect sieht, und zu den See-\nräubern zurück. Diese Katastrophe und das Tragische, das\ndarin liegen soll, mögen die beiden Librettisten verantwor-\nten: das letztere verschwindet besonders noch dadurch,\ndass Lara bei seiner Entsagung doch wieder lügt, indem\ner seine wahre Abkunft läugnet. Aber auch hier macht\ndie Musik die Mängel des Textbuches in vieler Hinsicht\nwieder gut und lässt die Theilnahme der Zuschauer nicht\nsinken; auch kann man, abgesehen von der Idee der Ka-\ntastrophe, nicht läugnen, dass die Wendung mit Geschick\nherbeigeführt wird.\nDas Haus ist jedes Mal überfüllt bei den Wiederho-\nlungen der Oper. Der Erfolg der Darstellung beruht be-\nsonders auf den Trägern der beiden Hauptrollen, Lara's\nund Kaled's. Monlaubry führt seine dankbare Partie sehr\ngut durch, und in der Rolle des Kaled hat sich ein neues\nTalent in der Person der Madame offenbart,\nwelches durch Wahrheit des Spiels noch mehr als durch\nden ausdrucksvollen Gesang in Erstaunen gesetzt hat.\n(Schluss folgt.)\n\nDas Operntheater in Wien.\n[Als Vorwort zu der statistischen Uebersicht der Lei-\nstungen des wiener Operntheaters im abgelaufenen Thea-\nterjahre vom 1. Juli 1863 bis 31. März 1864 enthalten\ndie wiener „Recensionen\" in ihrer Nr. 14 eine starke\nPhilippika gegen die Leitung dieser Kunstanstalt. Da die\nVorwürfe durch die Anführung von Thalsachen als wohl-\nbegründet erscheinen, so ist es sehr erfreulich, einmal in\neinem öffentlichen Blatte einer so eingehenden, der Wahr-\nheit allein huldigenden, ohne andere Leidenschaft als die\nder Entrüstung über die Missbräuche und Unterlassungen\ngeschriebenen, von keiner anderen Gunst und Liebe als der\nLiebe zur Kunst eingegebenen Darstellung der Verhältnisse\neiner der ersten Bühnen Deutschlands zu begegnen. Ob die\nfreimüthige Anklage eine praktische Wirkung haben werde,\noder ob die Redaction, wie wir es an unserer Zeitschrift\nleider auch oft genug erfahren, eine Danaiden-Arbeit\nthut, indem sie beharrlich auf Besseres dringt, das muss\ndie nächste Saison lehren. Eine sichere oder auch nur\nwahrscheinliche Hoffnung auf den Einfluss unabhängiger"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640409-01.1.3", "texte": "Kritik auf die Vorstände deutscher Kunstanstalten und\nderen Capellmeister und Regisseure zu setzen, wäre ein\nsanguinischer Optimismus. Wir wollen aber den haupt-\nsächlichen Inhalt des Aufsatzes aufnehmen, um diese Zu-\nstände auch im Auslande bekannt zu machen; vielleicht\nkommt dann von London oder Paris ein Rückschlag, der\nein Gefühl der Scham weckt, das zur Besserung führt.]\nDie negativen Resultate der eben verflossenen Opern-\nSaison liegen deutlich vor. Ein Novitäten-Unicum O f-\nfenbach's „Rheinnixen\"—bildet die einzige operistische\nAusbeute von Belang; von länger nicht gegebenen Opern\nkam gleichfalls nur ein bescheidenes Exemplar Hale-\nvy's „Musketiere der Königin\" zur Wiederaufnahme,\nund von Opern, die etwa ein Jahr nicht gegeben worden,\nwurden nachstudirt und theilweise neu besetzt: „Oberon\",\n„Der Postillon von Lonjumeau\", „Lucreziaßorgia\", „Die\nStumme von Portici\", „Der Prophet\". Das sind die voll-\nständig aufgezählten Ruhmesthaten einer neunmonatlichen\nOpern-Saison in der Haupt- und Residenzstadt Wien. Um\ndas zu erreichen, zahlen die Steuerpflichtigen dem Staate\njährlich wohl an die 200,000 Gulden und ausserdem,\nwenn sie's mit eigenen Ohren hören wollen, ein theures\nEintrittsgeld. Um das zu erreichen, sind im Personale\nmanche Fächer dreifach hesetzt und werden viele Tausende\nvon Gulden an die Acquisition einzelner Stimmen oder an\ndie Erhaltung routinirter Mittelmässigkeiten gewandt. Um\ndas zu erreichen, fungiren am Operntheater drei Capell-\nmeister, drei Orchester-Directoren, zwei Correpetitoren,\nein General-Chorführer, ein regisseurähnlicher Inspicient,\nein Ober-Regisseur, ein gesangskundiger artistischer Di-\nrector, ein literaturkundiger Secretär und ein salonfähiger\nOberstkämmerer mit permanentem hofräthlichem Beirathü\nUnd dennoch finden so edle und fruchtbringende Be-\nstrebungen keine Anerkennung, keinen Dank, ja, nicht\neinmal andere als officiös bestallte Vertheidiger. Wir Un-\ndankbaren, was wollen wir denn noch mehr, als drei\nganze neue Acte von Offenbach und drei ganze wieder-\naufgenommene Acte von Halevy?! Macht das denn nicht\nin neun Monaten für jedes Vierteljahr ein ange-\nstrengtes Studium von einem neuen und einem alten Acte?!\nUnd wir sind noch nicht, noch immer nicht zufrieden?!\nZur Steuer der Wahrheit muss freilich gesagt werden,\ndass die Direction des Operntheaters Einiges mehr als das\nvon ihr Geleistete versprochen und eine classische Oper so-\ngar „vorbereitet\" hatte. Aber die Vorbereitung der Glue k'-\nschen „Iphigenie in Aulis\" dauerte vom Frühherbste bis\nWeihnachten, um sie endlich . .. auf die nächste Saison\nzu verschieben. Wir wissen, dass die Direction sich viel-\nfach mit den Unpässlichkeiten der Mitglieder und mit den\nausserordentlichen Beurlaubungen im Juli und August zu\ndecken sucht. Was nun letztere betrifft, so hätte, wie uns\ndünkt, weit eher die Kritik ein Recht, der Direction den\nMissbrauch mit den Beurlaubungen vorzuwerfen, als es\nder Direction ansteht, diesen .Missbrauch als eine Ent-\nschuldigung anzuführen.\nAllein activ vorhanden waren im Juli die Damen\nFabbri-Mulder, Krauss, Tel Iheim, Kropp, De-\nstinn und Bettelheim, die Herren Erl, Walter,\nDalffy, v. Bignio, Hrabanek, Schmid, Mayer-\nhofer, also quantitativ jedes Fach mindestens doppelt be-\nsetzt, nebst den Herren Capellmeistern Proch und Des-\nsoff. Wenn di eses Personal als befähigt erachtet wurde,\ndie wichtigsten Repertoire-Opern (Mozart, Meyerbeer\nu. s. w.) zur Aufführung zu bringen, so konnte dasselbe\neben sowohl zur relativ genügenden Besetzung einer neuen\noder neu in Scene gesetzten Oper verwandt werden. Vom\nAugust an aber waren auch bereits die Damen Wil-\ndauer und Dust mann, etwas später Fräulein Lieb-\nhardt.dann Herr Draxler, und im September die Herren\nBeck und Ander (letzterer nur durch Unwohlsein noch\ncirca zwei Wochen aufgehalten) in Thätigkeit. Dessenunge-\nachtet aber erlebten wir erst am 4. October die Wieder-\naufnahme der „Musketiere\" (besetzt, mit Ausnahme einer\nRolle, durch Mitglieder, die schon vom 1. Juli an activ\nwaren) und erst am 4. Februar die erste und einzige\nNovität!\nKrankheiten! Das ist das grosse Wort der Entschul-\ndigung! Wenn wir aber das Unpässlichkeits-Verzeichniss\ndes Theaterzettels Revue passiren lassen, so finden wir kein\nanderes längeres Unwohlsein eines Mitgliedes verzeichnet,\nals das des Herrn Ander, der nach Beendigung seines\nUrlaubs krankheitshalber erst am 15. September auftreten\nkonnte. Sonst ist während der ganzen Saison unseres Wis-\nsens Niemand so nennenswerth krank gewesen, dass da-\ndurch das Einstudiren neuer oder lange nicht gegebener\nWerke hätte vereitelt werden können. Wenn also auch\ndie Schonung, die Herr Ander beanspruchte, durch einige\nWochen die Proben zur „Ipbi genie\" und zu den „Rhein-\nnixen\" verzögerte*), so hätte doch, wie uns dünkt, die\nZeit von 6 7 Wochen nach der Aufführung der „Rhein-\nnixen\" zum endlichen Herausfördern der „Iphigenie\", die\nja schon ziemlich vorbereitet war, genügen sollen. Wenn\naber auch die Aufführung des Gluck'schen Werkes den\nWiederholungen des Offenbach'schen zum Opfer fallen\nmusste, so ist dies allein noch immer kein triftiger Grund\nfür die leider constatirte Stagnation überhaupt. Das Un-\n\n*) Ein genialer Einfall war es jedenfalls, die Herren Ander und\nBeck mit den Proben zur Oftenbach'schen und zur Gluck'schen Oper\ngleichzeitig zu überbürden, wodurch dann beide Opern verzögert,\ndie eine ganz unmöglich gemacht wurde.\n□"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640409-01.1.4", "texte": "Wohlsein des Herrn Ander, welches ihn übrigens nicht ge-\nhindert hat, die einzige neue Tenor-Partie der Saison\ndurchzuführen, konnte doch noch weniger die Herren\nWalter und Wachtel hindern, ihrerseits eine oder die an-\ndere neue Rolle ihrem Repertoire beizufügen. Die Ver-\nnachlässigung in dieser Beziehung ist daher grösstenteils,\nwenn nicht einzig und allein, der Saumseligkeit oder un-\ngeschickten Eintheilung Seitens der unmittelbar leitenden,\nder widerspruchsvollen Energielosigkeit und dem Mangel\nan künstlerischem Verständnisse Seitens der mittelbar lei-\ntenden Kräfte zuzuschreiben. Dass jedes Repertoire einer\njährlichen Auffrischung durch Novitäten und Reprisen drin-\ngend bedarf, diese elementare Wahrheit ist schon so oft\nund eindringlich an dieser Stelle gepredigt worden, dass\neine weitere, ausführliche Erörterung nicht mehr vonnö-\nthen ist. Eben so ist die Klage über die geringe Production\nder Gegenwart und das Veraltetsein der classischen Opern\nschon hinlänglich oft auf das richtige Maass zurückgeführt\nworden. So wenig Bedeutsames in der Oper auch geleistet\nwird, das relativ Beste aus diesem Wenigen soll immerhin\nzur Kenntniss dfis Publicurns gebracht werden, das ist die\nSchuldigkeit einer Opem-Direction. So gut man bei Of-\nfenbach eine Oper bestellen konnte, so gut konnte man\nin derselben Saison auch einheimische Componisten durch\nAufführung ihrer Werke fördern, so gut konnte-man es\nmit Hiller's „Katakomben'', mit den neuen Opern von\nRichard Wüerst, Gustav Schmidt, Max Bruch\nu. v. A., dessgleichen mit den neueren französischen Er-\nzeugnissen versuchen. Was vollends die Reprisen anbelangt,\nso würden das ist so selbstverständlich, dass nur allein\nunsere Opernleitung es nicht zu fassen vermag Gluck,\nMozart (Idomeneo), Cherubini, um nur der Meister ersten\nRanges zu gedenken, wohlverstanden in passender Aus-\nwahl, sorgsamer Bearbeitung und stilgemässer Darstellung,\nfür unser Opern-Repertoire die köstlichste Ausbeute lie-\nfern, auf den Geschmack unseres Publicums den wohlthä-\ntigsten Einfluss üben, unseren Sängern die schönsten An-\nlässe zum Studium der gediegenen Opern-Literatur und\nzur Geltendmachung ihrer musicalisch-dramatischen Fähig-\nkeiten darbieten.\nDass Letzteres das Anrecht jedes einzelnen Mitglie-\ndes auf entsprechende Beschäftigung von der Direction\nin ihrer gedankenlosen Consequenz durchaus vernachlässigt\nwird, gerade das betrachten wir als einen der wundesten\nFlecke in unserem Opern-Organismus. Entsprechend\nnennen wir aber nur-die Beschäftigung, die dem Einzelnen\nGelegenheit gibt, sich dem Publicum von seiner besten Seite\nzu zeigen, seine stärksten Eigenschaften herauszukehren\nund als eifriges Einzelglied die Gesammtwirkung zu un-\nterstützen. Es ist aber zu bedauern, dass unsere Sänger\nwegen Mangels an neuen Partieen aus ihren Raouls, Ro-\nberts, Manrico's, ihren Leonoren, Valentinen, Agathen, ih-\nren Marcels und Bertrams nicht herauskommen. Das muss\nnothwendig einen Stillstand in der Entwicklung ihrer künst-\nlerischen Eigenschaften hervorbringen. War unser musica-\nlisches Publicum nicht allgemein überrascht, als neulich am\nChardinstage Herr Walter den Bach'schen Evangelisten\nso musterhaft stilgemäss vortrug? Mit mancher ihm gut\nliegenden neuen Partie hätte Herr Walter einen bedeuten-\nden Erfolg haben können, während er jetzt nur so beiläufig\nmitsingt, wie die Anderen. Und wie wird Fräulein Bettel-\nheim am Operntheater behandelt? Was ist geschehen seit\nzwei Jahren, um diese prachtvolle Stimme, verbunden mit\nso viel Eifer und richtigem Verständnisse, geltend zu ma-\nchen und glänzen zu lassen? Nicht eine Oper ist bisher\naufgeführt worden, welche uns Fräulein Bettelheim in einer\nfür sie besonders dankbaren und für uns neuen Partie vor-\ngeführt hätte, als Beweis, dass die Direction die Kräfte,\ndie sie besitzt, auch kennt und sie zu verwerthen weiss.\nSelbst für das anscheinend protegirte Fräulein Destinn\ngeschieht eigentlich nichts Günstiges, nicht das Rechte;\ndenn wenn man sie die Ortrud, Azucena, Fides singen lässt,\nso compromittirt man sie mehr, als man sie hebt, während\nauch sie durch bescheidene, aber speciei für sie passende\nBeschäftigung gehoben werden könnte. Dessgleichen wird\nes auch mit Fräulein Teilheim gehen. Zuerst lässt man\ndie Anfänger unbeachtet, dann zieht man sie plötzlich ans\nTageslicht, nicht weil sie reif sind, sondern weil ein Zufall\ngerade eine Rolle vacant Werden lässt, und dann lässt man\nsie ohne reilliche Vorbereitung Partieen singen, die ihnen\nzu schwer sind. Und was ist in dieser Saison für unsere\nlebendigsten Darstellungskräfte, für Frau Dustmann,\nFräulein Wildauer, Herrn Ander und Herrn Beck\ngeschehen? Für erstere gar nichts, für die letzteren die\nZutheilung jener flachen Partieen in den „Rheinnixen\".\nHerr Wachtel hat in keiner neuen Oper gesungen, die\nbeiden Bassisten Draxler und Schmid haben keineneuen\nRollen bekommen, der tüchtige Mayerhofer auch nur\neine schlechte in den „Rheinnixen\"; der hoffnungsvolle\nBignio ward in einer französischen Spielrolle blamirt\nkurz, nicht ein Mitglied des Sänger-Personals hat Ur-\nsache, am Schlüsse der Saison seiner Direction für die ihm\nzu Theil gewordene Beschäftigung dankbar zu sein. Wenn\naber dann die Direction über die geringe Willfährigkeit\nder Mitglieder klagt, so darf man diese wohl entschuldigen,\ndenn woher sollte unter einer so verwahrlosten und ver-\nwahrlosenden Leitung die Willfährigkeit kommen? Etwas\nmuss für den Ehrgeiz des Schauspielers gethan werden,\nsonst verkümmert er oder wird schwierig."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640409-01.1.5", "texte": "Wie für den Einzelnen, so wird aber auch fürs Ganze,\nfürs Zusammenwirken, fürs Ensemble nichts gethan.\nNoch immer hat das Operntheater keinen Regisseur\nund keine Autorität für den Gesangs Vortrag.\nMehrere unserer Sänger haben Sinn und Geschick für stil-\ngemässen Vortrag sie erhalten aber nicht die richtige\nAnleitung. Die Capellmeister haben in der Regel nicht viel\nSinn dafür, sind auch mehr mit dem Orchester beschäftigt,\ndie Ciavierproben dienen mehr nur zum Auswendiglernen\nder Partieen. Herr Salvi, der im Anfange seiner Direc-\ntions-Carrifere einige Anlagen zur passenden Verwendung\nund Behandlung der Stimmen verrieth, scheint auch dies\nnicht mehr zu vermögen, oder keine Autorität zu haben.\nUnd so trifft es sich, dass einige Vorstellungen gut klappen,\nwie z. B. der „Postillon\", wo die Mitwirkenden an ihrem\nPlatze sind und ihnen Lust und Talent zu Gebote steht,\nwährend in der Mehrzahl der abgespielten Repertoire-Opern\nder Erfolg der Einzelleistungen von der momentanen Dis-\nposition der einzelnen Kehlen und Gemüther abhängig\nbleibt, das Ensemble aber, namentlich die Scenirung, viel-\nfach gegen den guten Geschmack, gegen Vernunft und\nWahrscheinlichkeit verstösst und in Bezug auf sinngemässe\nAusstattung oft Alles zu wünschen übrig lässt.\nEntschieden besser ist in dieser Beziehung das Ballet\nbestellt. Ihm wendet sich alle Sorgfalt der Ausstattung zu,\nihm gebührt die Anerkennung, dass es nicht bloss durch\nEinzelkräfte, wie Fräulein Couqui, Fräulein Friedberg,\ndie Herren Price und Frappart, sondern auch durch\nein compactes, wohlgegliedertes Ensemble wirkt.\nAn den 259 Spielabenden haben 192 Opern- und\n67 Ballet-Vorstellungen Statt gefunden. Aufgeführt wur-\nden 38 Opern, darunter 1 neu, 1 neu einstudirt, und\n12 Bailette» darunter 1 neu, 1 neu einstudirt. Die\nOpern waren: Adam: Der Postillon (nachstudirt) 14 Mal.\nAuber: Die Stumme von Portici (nachstudirt) 7 Mal. Balfe:\nDie Zigeunerin 2. Beethoven: Fidelio 5. Bellini: Norma 3.\nBoieldieu: Die weisse Frau 5. David: Lalla Rookh 4. Do-\nnizetti: Lucrezia Borgia (nachstudirt) 4; Beiisar 1; Linda\nvon Chamounix 3; Lucia von Lammermoor 3; Dom Se-\nbastian 3. Doppler: Wanda 1. Flotow: Alessandro Stra-\ndella 7 ; Martha 4. Gounod: Margarethe 7. Halevy: Die\nJüdin 7; Die Musketiere der Königin (neu einstudirt)\n5. Kreutzer: Das Nachtlager in Granada 3. Marschner:\nHans Heiling 3. Meyerbeer: Robert der Teufel 12; Die\nHugenotten 11; Der Nordstern 1; Der Prophet (nachstu-\ndirt) 3. Mozart: Die Zauberflöte 4; Don Juan 6; Die\nHochzeit des Figaro 1. Offenbach: Die Rheinnixen (neu)\n7. Rossini: Wilhelm Teil 6. Spohr: Jessonda 3. Verdi:\nDer Troubadour 13; Hernani 4; Rigoletto 2. Wagner:\nLohengrin 6; Der fliegende Holländer 5. Weber: Der\nFreischütz 6; Oberon (nachstudirt) 5; Euryanthe 4 Mal.\n\nJohannes Brahms.\nJohannes Brahms, Sohn eines Musikers in Ham-\nburg und Schüler von Eduard Marxsen, wurde im Herbste\n1853, als er neunzehn Jahre zählte, von Robert Schumann\nin einer so glänzenden Weise, wie es selten vorkommt, in\ndie musicalische Welt eingeführt. Die „Neue Zeitschrift\nfür Musik\" enthält in ihrer Nummer vom 28. October\n1853 folgenden, „Neue Bahnen\" überschriebenen Artikel\nvon Robert Schumann: „Es sind Jahre verflossen\nbeinahe eben so viele, als ich der früheren Redaction die-\nser Blätter widmete, nämlich zehn —, dass ich mich auf\ndiesem an Erinnerungen so reichen Terrain einmal hätte\nvernehmen lassen. Oft, trotz angestrengter productiver\nThätigkeit, fühlte ich mich angeregt; manche neue, be-\ndeutende Talente erschienen, eine neue Kraft der Musik\nschien sich anzukündigen, wie dies viele der hochaufstre-\nbenden Künstler der jüngsten Zeit bezeugen, wenn auch\nderen Productionen mehr einem engeren Kreise bekannt\nsind. Ich habe hier im Sinne: Joseph Joachim, Ernst\nNaumann, Ludwig Norman, Woldemar Bargiel,\nTheodor Kirchner, Julius Schäffer, Albert Diet-\nrich, des tiefsinnigen, grosser Kunst beflissenen geistli-\nchen Tonsetzers C. F. Wilsing nicht zu vergessen. Als\nrüstig schreitende Vorboten wären hier auch Niels W.\nGade, C. F. Mangold, Robert Franz und St. Hel-\nler zu nennen. Ich dachte, die Bahnen dieser Auserwähl-\nten mit der grössten Theilnahme verfolgend, es würde\nund müsse nach solchem Vorgange einmal plötzlich Einer\nerscheinen, der den höchsten Ausdruck der Zeit in idealer\nWeise auszusprechen berufen wäre, einer, der uns die\nMeisterschaft nicht in stufenweiser Entfaltung brächte, son-\ndern, wie Minerva, gleich vollkommen gepanzert aus dem\nHaupte des Kronion spränge. Und er ist gekommen, ein\njunges Blut, an dessen Wiege Grazien und Helden Wache\nhielten. Er heisst Johannes Brahms, kam von Ham-\nburg, dort in dunkler Stille schaffend, aber von einem\ntrefflichen und begeistert zutragenden Lehrer gebildet in\nden schwierigsten Satzungen der Kunst, mir kurz vorher\nvon einem verehrten, bekannten Meister empfohlen. Er\ntrug auch im Aeusseren alle Anzeichen an sich, die uns\nankündigen: das ist ein Berufener. Am Ciavier sitzend,\nfing er an, wunderbare Regionen zu enthüllen. Wir wur-\nden in immer zauberischere Kreise hineingezogen. Dazu\nkam ein ganz geniales Spiel, das aus dem Ciavier ein Or-\nchester von wehklagenden und laut jubelnden Stimmen"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640409-01.1.6", "texte": "machte. Es waren Sonaten, mehr verschleierte Sinfonieen\n—Lieder, deren Poesie man, ohne die Worte zu kennen,\nverstehen würde, obwohl eine tiefe Gesangs-Melodie sich\ndurch alle hindurchzieht —, einzelne Ciavierstücke, theil-\nweise dämonischer Natur, von der anmuthigsten Form\ndann Sonaten für Violine und Ciavier Quartette für\nSaiten-Instrumente und jedes so abweichend von den\nanderen, dass sie jedes verschiedenen Quellen zu entströ-\nmen schienen. Und dann schien es, als vereinigte er, als\nStrom dahinbrausend, alle wie zu einem Wasserfalle, über\ndie hinunterstürzenden Wogen den friedlichen Regenbo-\ngen tragend und am Ufer von Schmetterlingen umspielt\nund von Nachtigallenstimmen begleitet. Wenn er seinen\nZauberstab dahin senken wird, wo ihm die Mächte der\nMassen im Chor und Orchester ihre Kräfte leihen, so ste-\nhen uns noch wunderbarere Blicke in die Geheimnisse der\nGeisterwelt bevor. Möchte ihn der höchste Genius dazu\nstärken, wozu die Voraussicht da ist, da ihm auch ein an-\nderer Genius, der der Bescheidenheit, innewohnt. Seine\nMitgenossen begrüssen ihn bei seinem ersten Gange durch\ndie Welt, wo seiner vielleicht Wunden warten werden,\naber auch Lorbern und Palmen; wir heissen ihn willkom-\nmen als starken Streiter. Es waltet in jeder Zeit ein ge-\nheimes Bündniss verwandter Geister. Schliesst, die Ihr zu-\nsammengehört, den Kreis fester, dass die Wahrheit der\nKunst immer klarer leuchte, überall Freude und Segen\nverbreitend.\"\nSo glänzend diese Einführung, so gefährlich war sie.\nDie Anhänger Schumann's waren geneigt, den Empfohle-\nnen als musicalischen Messias jubelnd zu begrüssen, die\nGegner des Meisters sofort bereit, die ganze Sache als\nHumbug zu verschreien. Schumann konnte nichts weiter\nfür seinen Schützling thun, als dass er die Firmen Breit-\nkopf und SenfT bewog, des jungen Mannes erste Compo-\nsitionen zu drucken; die Nacht des Wahnsinns umhüllte\nbald darauf den Geist Schumann's. So trat denn Brahms\nseinen Weg allein an und erhielt zunächst, seitdem er am\n17. December 1853 in Leipzig öffentlich gespielt hatte,\nfast mehr Wunden als Lorbern. Angriffe und vornehm\nabweisende Urtheile waren häufiger als Anerkennung und\nAufmunterung; der Componist wie der Clavierspieler wur-\nden gleich scharf kritisirt, und seine Laufbahn entsprach\nnicht den prophetischen Worten Schumann's. Sie war\nlangsamer und dornenvoller, als die Beschützer des ju-\ngendlichen Talentes dachten. Was durch Unvorsichtigkeit\nin einem Augenblicke verdorben war, musste im Laufe\nvon Jahren wieder gut gemacht werden; was Brahms nicht\nim ersten Anlaufe eroberte, hatte er durch schrittweise\nvorgehende Anstrengung und Arbeit allmählich zu er-\nwerben.\nIn kurzen Zwischenräumen erschienen bald nach Schu-\nmann's Empfehlung Compositionen von Brahms in neun\nHeften. Es waren drei Clavier-Sonaten, drei Liederhefte,\nein Clavier-Trio, endlich Scherzo und Variationen für\nPianoforte. Das Anfangs durch Parteieifer (?) getrübte Urtheil\nhat sich jetzt wohl dahin festgestellt, dass die Sonaten, von\ndenen die in F-molldie bedeutendste ist, einen begabten,\nphantasievollen Verfasser zeigen, der aber in jugendlich\nübersprudelndem Eifer noch nicht die Gesetze des Stils\nund der Formenschönheit kennt, sie oft keck und eigen-\nsinnig überschreitet. Leichteren Eingang fanden die Lie-\nder, welche an Schubert und Schumann erinnern und zum\nTheil, besonders die nach Eichendorff'schen Texten, echt\npoetisch sind. Es ist in ihnen, wie in später gedruckten\nLiedern, das eigentlich charakteristische Wesen von\nBrahms, eine weiche, innige, träumerische Romantik und\nein feines dichterisches Gefühl ausgeprägt. Bezeichnend\nfür seine Natur sind auch namentlich die Variationen über\nein Schumann'sches Thema (Op. 9). Man hat irgendwo\nrichtig gesagt, Brahms sei nicht ein Schumannianer, son-\ndern eine mit Schumann nahe verwandte Natur zu nen-\nnen, die nur brausend und schäumend begonnen habe\nund sich abklären müsse.\nNachdem das erste Auftreten des Componisten den\nangeregten Erwartungen nicht ganz entsprochen hatte»\nwidmete er sich in Hannover, Düsseldorf und Hamburg\neingehenden Studien und machte gelegentlich Kunstreisen,\nauf denen er als Clavierspieler auftrat, indem er neben\neigenen Arbeiten besonders Werke von Bach, Beethoven\nund Schumann vortrug. Auch hier ähnliche Schwierigkei-\nten; Spiel und Richtung verriethen eine feine und sinnige\nNatur, aber die Masse wollte grosse Eindrücke und be-\nhandelte Brahms ziemlich lau. Wie sein künstlerisches\nSchaffen, so scheint sein Clavierspie! sich neuerdings ver-\ntieft zu haben. Man rühmt es jetzt als überaus weich und\nfein, ohne dass es der Kraft entbehrt, wo es noth thut; es\nschmiegt sich mit Geist und inniger Empfindung den Com-\npositionen an und hält sich mit künstlerischer Würde von\nallem Virtuosenflitter fern.\nSeit dem Spätherbste 1862 lebt Brahms in Wien\nund wurde dort vor einigen Monaten, nach dem Tode\nStegmayer's, Chormeister der Sing-Akademie. Er hat sich\nin den letzten (etwa vier) Jahren mit Energie auf zwei der\nbedeutendsten Gebiete begeben, auf die Gebiete der Kam-\nmermusik und der Orchester-Composition, somit bewiesen,\ndass er nach dem Höchsten strebt. Er hat eine Serenade\nfür grosses Orchester in D-dur(Op. 11) und eine zweite\nfür kleines Orchester, Bratschen, Bässe und Bläser (Op.\n16) geschrieben; für Chor Marienlieder, Gesänge mit\nHarfe und Hörnern, einen Begräbnissgesang und ein Ave"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640409-01.1.7", "texte": "Maria. Unter seinen neueren Ciaviersachen zeichnen sich\nVariationen über ein Händel'sches Thema durch reiche,\nglatte, kunstvolle Arbeit besonders aus.\nEin Theil der Kritik ist geneigt, von ihm Bedeutendes\nauf dem Gebiete der Kammermusik zu erwarten. Zwei\nQuartette für Ciavier, Violine, Bratsche und Violoncell\n(G-mollund A-dur,Op. 25 und 26) und das etwas früher\ngedruckte Sextett für zwei Violinen, zwei Bratschen und\nzwei Violoncelle werden als seine am besten durchgear-\nbeiteten Compositionen bezeichnet. Ein wiener Kritiker\nsagt von Brahm's.: „Künstlerische Würde, tiefer und zu-\ngleich anspruchsloser Ernst, diese Eigenschaften sind es,\ndie ihn über das Maass des Gewöhnlichen hinausragen\nlassen. Ihm ist die Kunst noch ein heiliger Beruf; möge\nsie ihm dies immer bleiben!\"\nDarin stimmen wir vollkommen überein: aber Wille\nund Absicht allein machen noch nicht den hervorragenden\nComponisten, so wenig wie ein edler Charakter und eine\nrichtige Einsicht in die Formen der Poesie den Dichter\nmachen. Das ist freilich ein Gemeinplatz, allein er kann\neinem grossen Theile der heutigen musicalischen Kritiker\nnicht oft genug wiederholt werden. Namentlich die An-\nhänger der Schumann'schen Schule unter den deutschen\nKritikern lassen sich wie es Schumann selbst widerfuhr\ngar zu leicht verleiten, die überzeugungsvolle Bichtung\neines Musikers auf das Höhere und Edlere in der Kunst\nfür dessen inneren Beruf, für eine ausgemachte Berechti-\ngung zum Schaffen zu nehmen, mithin die Gesinnung für\neine sichere Bürgschaft des Genies zu halten. Auch uns\nist die Gesinnung und das Streben eines Künstlers nach\ndem Edeln etwas Hochheiliges, aber die vollste Anerken-\nnung dieses Strebens darf uns doch nicht an der ernsten\nPrüfung hindern, ob dieser Kraft des Willens auch die\nzum künstlerischen Schaffen nothwendige Ergänzung der-\nselben, das Genie, entspreche. „Allein ich will\" sagt\nFaust; aber der satanische Prakticus, der manche tausend\nJahre an der harten Speise der göttlichen Welteinrichtung\nkaut, erwiedert ihm:\n„Das lässt sich hören.\nDoch nur vor Einem ist mir bang:\nDie Zeit ist kurz, die Kunst ist lang.\"\nEs lässt sich nicht läugnen, dass die oben bezeichne-\nten Kritiker durch die Achtung vor dem Willen eine ge-\nwisse Scheu vor der Prüfung neuer Erzeugnisse, nicht\nnach der Intention des Componisten, sondern nach dem\nResultate dieser Intention besitzen, und dass diese Scheu\nsie bindert, den rein musicalischen Maassstab anzulegen.\nZu diesen Bemerkungen haben uns gerade die zwei Cla-\nvier-Quartette, die neuesten Werke von Brahms, veran-\nlasst. bei deren Anhörung das Talent des Componisten\ndurch das furchtbare longewühl aller vier Instrumente\ndurch einander ohne Buhe und Rast und ohne melodische\nLichtpunkte dermaassen verhüllt und erdrückt erscheint,\ndass schwer an ein Verständniss des Ganzen, geschweige\ndenn an einen wohlthuenden oder erhebenden Eindruck\nauf Gemüth und Phantasie zu denken ist.\nDie bisher im Druck erschienenen Compositionen von\nBrahms sind folgende:\nOp. 1. Sonate für Pianoforte 2. Sonate für Piano-\nforte [Fis-moll). 3. Lieder. 4. Scherzo für Pianoforte\nmoll). 5. Sonate (F-mott).6. und 7. Lieder. 8. Trio. 9.\nVariationen lür Pianolorte über ein Schumann sches The-\nma. 10. Balladen. 11. Serenade für grosses Orchester.\n12. Ave Maria für weiblichen Chor. 13. Begräbnissge-\nsang für gemischten Chor. 14. Lieder. 15. Concert für\nPianoforte. 16. Serenade für kleines Orchester. 17. Ge-\nsänge lür Irauenchor mit Harfe und Hörnern. 18. Sextett\nfür Streich-Instrumente. 19. Lieder. 20. Duette. 21. Va-\nriationen lür Pianoforte. 2*2. Marienlieder für Chor. 23.\nVariationen für Pianoforte zu vier Händen. 24. Variatio-\nnen und Fuge für Pianoforte nach Händel. 25. und 26.\nClavier-Quartette (G-moll und A-dur).\n\nZehntes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller,\nDinstag, den 5. April 1864.\nDas zehnte hat die Keihe unserer Winter-Concerte im Gürzenich\nauf eine Weise beschlossen, welche die beste Empfehlung für den\nWiederbeginn der künftigen Saison sein wird; denn selten hat wohl\neine Zuhörerschaft in allen ihren Fractionen so allgemein befriedigt\neinen Concertsaal verlassen, wie dies am 5. April hier der Fall war.\nDas Programm und die Ausführung können sich gleichberechtigt in\ndie Ansprüche auf diesen Erfolg theilen. Beethoven, Mendelssohn\nund Hiller, eingeführt in den Saal durch die glänzende, sinfonie-\nartige Concert-Ouverture in A-dur von Julius Rietz, brach-\nten ihre Gaben dar: Hill er zwei schön emptundene, im altitaliäni-\nschen Kirchenstile gehaltene „M arienl iederu, die vom Chor ohne\nBegleitung ausdrucksvoll gesungen wurden; Mendelssohn sein\nzwar oft gehörtes, aber stets durch die Grösse der Auffassung und\ndie geschickte Verwendung des achtstimmigen Chors und der wo-\ngenden Tonmassen des Orchesters imponirendes Gemälde vom Aus-\nzuge Israels aus Aegypten; Beethoven endlich zwei seiner herr-\nlichsten Schöpfungen, das Concert für die Violine und die Sinfonie\nin C-moll mit dem siegprangenden Schlusssatze in C'dur.\nDas Concert rfür Violine\" —so steht auf dem Titelblatte —,\nes sollte aber heissen: das Concert „für Joseph Joachim\", und\nso würde Beethoven es genannt haben, wenn er gehört hätte, wie\ndieser geniale Künstler sich in seinen Geist versenkt' und als sein\nanderes Ich mit seinem Werke verwachsen ist. Aber ach, der arme\nBeethoven hätte das ja doch nicht hören können, wenn er auch noch\nunter den Lebenden wandelte! Wir aber, die so viel gehört haben\nund noch hören, zuweilen auch hören müssen, uns ist es immer,"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640409-01.1.8", "texte": "wenn wir Joachim's Vortrag schlechtes Wort! Joachim's Ver-\nklärung der Beethoven'schen Gedanken zu vernehmbarer Poesie hö-\nren, als wenn es nichts Höheres im ganzen Reiche der Tonkunst\ngebe, als diese Composition von diesem Künstler ins volle Leben\ngerufen.\nAusser dem Beethoven'schen Concerte spielte Joachim noch ein\nAdagio von Hiller (aus Op. 87) mit Pianoforte-Begleitung, welches\nselbst nach dem über Alles schönen Adagio Beethoven's einen tie-\nfen Eindruck machte, dann eine von den dreistimmigen Fugen von\nBach für die Violine allein, und war so freundlich, nach dem un-\nendlichen Applaus und Hervorruf noch eine wunderhübsche Gavotte\nvon Bach zuzugeben.\nWerfen wir zum Schlüsse einen Rückblick auf die Musikzeit\nvon 1863 und 1864, so haben wir wohl Grund genug, mit den Lei-\nstungen unseres Concert-Instituts zufrieden zu sein. Von Vocal-\nmusik haben wir in den eilf Concerten (das Fest-Concert bei der\nDombaufeier am 16. October v. J. mitgerechnet) gehört: Händel's\n„Messias\" und den dritten Theil des „Salomon\"; J. S. Bach's grosse\nMatthäus-Passion und die Cantate „Liebster Gott\" u. s. w.; Lieder\na capella von Steinekker und Donato aus dem XVI. Jahrhundert;\nvon Beethoven das Sanctus und Benedictus aus der Missa solemnis\nund Christus am Oelberge; von Gluck Scenen aus Iphigenie in Au-\nlis; von Mozart das Ave verum; von Mendelssohn Hymne für So-\npransolo und Chor, Hymne für Altsolo, Chor und Orgel, die erste\nWalpurgisnacht, den 114. Psalm; von Meyerbeer Busslied für Ba-\nritonsolo, Chor und Orgel; von Ferdinand Hiller Fest-Cantate für\nTenorsolo u. s. w. zur Dombaufeier, Palmsonntag-Morgen, zwei Ma-\nrienlieder a capella (alles neu); von Max Bruch ~Die Flucht der\nheiligen Familie\" (neu).\nDie Instrumentalmusik für volles Orchester brachte von\nOuvertüren: Beethoven's Op. 124 (zwei Mal) und „Coriolan\", Che-\nrubini „Lodoiska\", „Joseph und seine Brüder\", Spohr ~Jess-\nsonda\", C. M. von Weber „Oberon\", Mendelssohn „Die schöne Me-\nlusine\", Jul. Rietz „Concert-Ouverture in A-dur\", Woldemar Bar-\ngiel „Prometheus\" (neu). Ferner an Sinfonieen: von Jos. Haydn in\nG-dur; Mozart in C-dur mit dem fugirten Finale; Beethoven Nr.\nVII in A-dur; die neunte, Nr. Vin .C-moll; Robert Schumann Nr.\nII in C-dur; Niels W. Gade Nr. VI; Franz Lachner Suite in D-moll;\nFerd. Hiller Morgenmusik für Orchester in sechs Sätzen (neu).\nDer Sologesang war vertreten durch Frau Harriers-Wippern\naus Berlin, Fräulein Assmann (zwei Mal), Frau Knöpges-Saart, Frau\nRudersdorf aus London, Fräulein Schreck aus Bonn (zwei Mal),\nFräulein Jenny Meyer aus Berlin, Fräulein Rothenberger von hier,\nFräulein Wiesemann ebenfalls, Fräulein Pels-Leusden von hier, Fräu-\nlein Elise Rempel aus Hamm. Ferner durch die Sänger Niemann\naus Hannover; Wolters, Bergstein und einen Dilettanten Herrn B.\nvon hier; Göbbels von Aachen; Karl Hill aus Frankfurt am Main\n(zwei Mal); Max Stägemann aus Hannover; Julius Stockhausen,\nOtto aus Berlin.\nInstrumental-Solo-Vorträge hörten wir von Frau Clara Schu-\nmann und Herrn Ernst Pauer aus London (Fortepiano); von Joachim,\nvon Königslöw, Georg Japha, Leopold Auer (Violine); von Herrn\nAlexander Schmit und Herrn Alfred Piatti (Violoncello). Herr Ge-\nneral-Musik-Director Franz Lachner dirigirte seine Suite für Orche-\nster in D-moll im ersten Gesellschafts-Concerte am 27. October\nvorigen Jahres.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nDem Conservatorium der Musik zu Leipzig ist von dem\nCand. theol. und Musiklehrer Heibig ein Capital von 1000 Thlrn.\n„als Ergebniss langjähriger Thätigkeit und Luxus-Vermeidung\" mit\nder Bestimmung übergeben worden, dass die Zinsen desselben zur\nAnschaffung von Musicalien verwandt und diese alljährlich den vor-\nzüglichsten und würdigsten Schülern und Schülerinnen als Prämien\nmit Censur und Widmungsblatt zugetheilt und gegen Ostern jedes\nJahres eingehändigt werden. Das Directorium hat dieser Schenkung\nden Namen „Helbig-Stiftung\" beigelegt.\nIm fünften Abonnements-Concerte der grossherzoglichen Hof-\neapelle in Karlsruhe kam eine Orchester-Suite von Joachim\nRaff, aus fünf Sätzen bestehend, zur Aufführung. Die Aufführung\nwar sehr gelungen, das Publicum spendete lebhaften Beifall und be-\nehrte den anwesenden Componisten durch stürmischen Hervorruf.\nJoachim Raff hat vom Grossherzoge von Weimar die goldene\nCivil-Verdienst-Medaille erhalten.\nH .\nDer Concert-Director Julius Stockhausen in Hamburg hat\nsich mit Fräulein Clara Toberentz aus Berlin verlobt.\nPrag. In den Concerten des Cäcilien-Vereins, die be-\nleits ihren 24. Jahrgang erlebt haben, kamen im ersten die Suite\nin C-dur von J. S. Bach und Cherubini's Requiem in\nzur Aufführung; im zweiten Haydn's Sinfonie in und Men-\n.delssohn's Musik zur Antigone mit Zwischenversen von Christian\nKuffner; im dritten Gluck's Ouvertüre zur Iphigenie in Aulis und\n2, Act des Orpheus (Frau Prochaska-Schmidt), Arie aus Händel's\nHerakles (dieselbe Künstlerin), Wiegenlied aus Cherubini's\nBlanche de Provence, dann R. Schumann's Musik zu Manfred\n(zur Concert-Aufführung eingerichtet von Jos. Bayer).\nParis, 27. März. Der Violinist Hammer, ein Rheinländer\naus Elberfeld, lebt seit langer Zeit hier und gibt, wie die meisten\nder hier ansässigen Künstler, jährlich sein Concert. Im diesjährigen,\ndas in voriger Woche Statt fand, spielte er Mendelsjsohn's Concert,'\nBeethoven's Clavier-Trio in Es mit W. Krüger und dem Violon-\ncellisten Rignault, von seiner Composition eine Phantasie über Mo-\ntive aus der Traviata, Transcription von Beethoven's „Lob der\nIhranen\", ein Adagio und Tarantella u. s. w. Alles mit grossem\nApplaus.\nFlotow's „Martha\" ist diesen Winter schon fünf Mal von den\nItaliänern gegeben worden mit Mario und Adelina Patti.\nVier neue Strassen, die auf das neue Opernhaus führen, erhal-\nten die Namen von HaUvy, Auber, Scribe und Adam."}]}