{"numero_id": "bm-bmtnabi-1864-05-07-01", "volume": "bmtnabi_1864-05-07_01", "ocr_sha256": "b65801440863591ac63a0129dff1cd0eafda930ce62abf5caaa826cd8d625f41", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1864/05/07_01/bmtnabi_1864-05-07_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640507-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1864-05-07-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-05-07_01#c001", "volume": "bmtnabi_1864-05-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "145", "page_fin": "145", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640507-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "145", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640507-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 407, "texte": "Inhalt.\nBiographie universelle des Musiciens. Par F. J. Fetis. 111. (Meyerbeer. 2.) Aus Bremen (Aufführung der Miya\nsolemnis von Beethoven). Von p. Beurtheilungen. H. Ch. Kocb's musicalisches Lexikon von Arrey von Dommer. Von E. Krüger.\nStadt-Theater in Köln. Meyerbeer f. Gang, Winter, gang, dei Zeit ist 'rum. Tages- und Unterhaltungsblatt (Kassel,\nSechstes Abonnements-Concert Leipzig, Arrey von Dommer)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-05-07-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-05-07_01#c002", "volume": "bmtnabi_1864-05-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "145", "page_fin": "147", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640507-01.2.2", "titre_corps": "Biographie universelle des Musiciens. Par F. J. 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November 1820*) gegeben;\nTacchinardi, Levasseur und Rosa Mariani sangen darin.\nDie Vorurtheile der Italiäner gegen ausländische Compo-\nnisten verschwanden vor dem Werthe der Musik, und die\nOper hatte einen vollständigen Erfolg. Mehrere Jahre\nspäter wurde sie für das Odeon-Theater zu Paris ins\nFranzösische übersetzt und in Frankreich und Belgien\nviel gegeben. Der Margherita folgte L'Esule di Granata,\nebenfalls von Romani, zum ersten Male auch in der Scala\nden 12. März 1822 aufgeführt. Die Hauptpartieen darin\nsangen Adelaide Tosi, die Pisaroni und Carolina Bassi,\nLablache und der Tenor Winter. Bereits aber regte sich\nder Neid der Kunstgenossen gegen den wachsenden Ruhm\ndes Deutschen; man wusste zunächst der Aufführung aller-\nlei Hindernisse in den Weg zu legen, so dass sie erst in\nden letzten Tagen der Saison zu Stande kam, und der\nVorstellung selbst hatte man im Vertrauen auf die ange-\nsponnenen Ränke den Fall vorhergesagt. Der erste Act\nfiel in der That durch und der zweite schien auch schon\ndemselben Geschick anheim zu fallen, als ein Duett der\nPisaroni und Lablache's das Publicum zu stürmischem Ap-\nplaus hinriss und die Oper rettete, die in den folgenden\nVorstellungen vollen Beifall fand.\nNach dem Schlüsse der Saison ging Meyerbeer von\nMailand nach Rom, um dort die Oper Almansor, eben-\nfalls auf Romani's Text, zu schreiben, wurde aber ernst-\nlich krank und konnte sie nicht zur bestimmten Zeit voll-\nenden. Er stellte seine Gesundheit durch eine Badereise\nund durch den Aufenthalt in Berlin während des Jahres\n1823 wieder her. Dort schrieb er eine deutsche Oper:\n„Das Brandenburger Thoru, wahrscheinlich für das\nkönigsstädtische Theater; sie ist aber niemals zur Auffüh-\nrung gekommen.\nMan kann sagen, dass hier Meyerbeer's zweite Periode\nihren Abschluss fand. Sie hatte für ihn glückliche Resul-\ntate gehabt: denn einerseits bezeichnet sie seine Fortschritte\nin der Kunst, für die Singstimmen zu schreiben, ver-\nschaffte ihm Erfahrung in den Erfordernissen der drama-\ntischen Musik und eine Bühnenkerintniss, die man nur\ndurch die Praxis gewinnen kann, und andererseits war\ndas eigene Vertrauen auf sein Talent durch den Erfolg\ngewachsen. In der That war sein Ruf bereits kein ge-\nwöhnlicher. Emma di Resburgo war glänzend aufgenom-\nmen und mehrere Male in Venedig, Mailand, Genua, Flo-\nrenz, Padua gegeben worden, in Deutschland unter dem\nTitel Emma von Leicester in Wien, München, Dresden\nund Frankfurt, unter dem Titel Emma von Iloxburg in\nBerlin und in Stuttgart. Margaretha von Anjou war mit\ngleichem Erfolge zu Mailand, Venedig, Bologna, Turin,\nFlorenz und Triest aufgeführt worden, in Deutschland zu\nMünchen und Dresden, in Frankreich zu Paris und fast\nauf allen Bühnen der Provinz, zu Eondon sowohl mit eng-\nlischem als italiänischem Text. Dennoch hatte Meyerbeer\nseine eigenthümliche Individualität als Componist noch\nnicht gefunden; er schritt auf Bahnen voran, die nicht die\nseinigen waren; er war geschickter geworden, aber nicht\noriginel; er halte Erfahrungen und Kenntnisse gesammelt,\naber es fehlte ihm an Kühnheit, seinen eigenen Weg zu\ngehen.\n\n*) Im Original steht aus Versehen des Setzers 1826."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "146", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640507-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5325, "texte": "Doch ist das Jahr 1823 als dasjenige zu bemerken,\nwelches Epoche in seiner künstlerischen Entwicklung\nmachte. Es ist nicht zu bezweifeln, dass er durch die prü-\nfende Betrachtung alles dessen, was er in Italien geschrie-\nben, nicht in sich selbst zum Bewusslsein gekommen sein\nund nicht gefühlt haben sollte, was seinen Werken in Be-\nzug auf ästhetische Dramatik fehlte: denn man gewahrt\nvon jetzt an sein Streben nach einer immer mehr ausge-\nsprochenen Offenbarung seiner künstlerischen Eigenthüm-\nlichkeit. In diese Zeit fällt auch sein Besuch bei C. M. von\nWeber, worüber wir oben einen Brief von letzterem an-\ngeführt haben, und es dürfte wohl mit Sicherheit anzu-\nnehmen sein, dass dieser Tag und der offene Austausch\nder Meinungen beider grossen Tonkünstler für den Com-\nponisten des Robert und der Hugenotten kein verlorener\ngewesen sei.\nNach Italien zurückgekehrt, brachte Meyerbeer seinen\nCrociato in Egittoauf die Bühne, aber nicht in Triest, wie\nWeber schreibt und viele Zeitungen ankündigten, sondern\nin Venedig, wo er am 26. December 1824 zum ersten\nMale aufgeführt wurde. Die Hauptrollen waren für die\nMeric-Lalande, die damals in der Blüthe ihres Ruhmes\nstand, und für Veluti und Lablache geschrieben. Die Aus-\nführung war eine gute und der Erfolg übertraf die Er-\nwartungen des Componisten, der mehrere Male gerufen\nund auf der Bühne bekränzt wurde. In allen grossen\nStädten Italiens fand „Der Kreuzritter\" dieselbe günstige\nAufnahme, und es ist kein Zweifel, dass, wenn Meyerbeer\nnoch einige Opern in demselben Stile geschrieben hätte,\ner den ersten Rang unter den transalpinischen Componisten\neingenommen haben würde. Allein seine Gedanken waren\nbereits auf andere Ziele gerichtet.\nWenn man die Partitur des mit Aufmerk-\nsamkeit durchgeht, so entdeckt man darin ganz unzwei-\ndeutige Anzeichen einer Reaction, die auf die Schreibart\ndes Componisten Einfluss gehabt hat und in dem Versuche\nbesteht, seine ursprünglichen Tendenzen mit dem italiäni-\nschen Stile, der in der Emma und Margherita herrscht,\nzu vereinigen. Meyerbeer's Individualität strebte, sich aus-\nzusprechen, und das glückliche Talent für den energischen\nAusdruck dramatischer Situationen brach schon hervor.\nZur Entwicklung dieses Talentes bedurfte er nur der ge-\nnaueren Bekanntschaft mit der französischen Oper, und\ndazu bot sich ihm bald eine günstige Gelegenheit dar.\nHerr von La Rochefoucault, unter dessen Oberleitung die\nOper während der Restauration stand, lud Meyerbeer ein,\nnach Paris zu kommen, um dort seinen selbst in\nScene zu setzen.\nDiese Op er fand in Paris nicht die begeisterte Auf-\nnahme, die ihr zu Venedig, Rom, Mailand, Turin, in ganz\nItalien, später auch in Spanien, Lissabon, London und in\nDeutschland zu Theil geworden war. Die Umstände wa-\nren ihr auch nicht günstig. Paris theilt nicht gern seine\nKränze, sondern häuft sie am liebsten epochenweise auf\nEin Haupt. Im Jahre 1826 war für die stetigen Besucher\nder italiänischen Oper in Paris kein anderer Componist\nals Rossini möglich, für sie war keine andere Musik vor-\nhanden, als die Rossini'sche. Für die grosse Menge der\nDilettanten war die Musik im zu ernst, nur eine\nkleine Anzahl von Kennern beurtheilte sie unparteiisch\nund verkannte weder ihre Schönheiten noch ihre Mängel.\nUebrigens muss man gestehen, dass auch von diesen We-\nnigen Niemand die Tragweite des Talentes erkannte, das\nin dem Verfasser des Werkes lag; kein Mensch schöpfte\naus dem Crociato die Ahnung des Genie's, welches musi-\ncalisch-dramatische Werke schaffen werde, deren breite\nund grossartige Auffassung und Durchführung von 1831\nan alle Bühnen der gebildeten Welt erobern würde. Die-\njenigen, welche die Oper schätzten, betrachteten sie als\ndie höchste Stufe des Meyerbeer verliehenen Talentes,\ngewisser Maassen als sein letztes Wort. Und sein Schwei-\ngen während mehrerer Jahre schien dieses Urtheil zu\nrechtfertigen. Seine Verheirathung und der schmerzliche\nVerlust zweier Kinder hemmten seine Lust zum Arbeiten.\nErst im Jahre 1828 ergriff er die Feder wieder, aber\nnun hatte er sich auch seine neue Bahn mit Bewusstsein\nvorgezeichnet; gereift durch jahrelanges Nachdenken über\ndramatische Musik, hatte sich sein Genie ganz umgestaltet\nund sein Stil seine Eigentümlichkeit erhalten. Jedermann\nkennt die Ergebnisse dieser von Grund aus vorgenomme-\nnen Umwandlung.\n„Robert der Teufel\" wurde, durch viele Reisen\nverzögert [und mit Vorbedacht langsamer und mit reif-\nlicherer Ueberlegung geschrieben], erst gegen Ende des\nMonats Juli 1830 fertig und um dieselbe Zeit der Ver-\nwaltung der grossen Oper in Paris, für welche die Partitur\ngeschrieben war, eingereicht. Die Staats-Revolution hatte\nauch eine Umwälzung der Theater-Verhältnisse veranlasst.\nAuf die königliche Verwaltung folgte eine Privat-Unter-\nnehmung, welche in ihre vertragsmässigen Verbindlichkei-\nten die Aufführung der Oper von Meyerbeer nur als eine\nlästige Verpflichtung aufnahm. So kam es denn, dass „Ro-\nbert\" erst im November 1831 in Scene gesetzt wurde,\nund trotz der Anfeindungen, deren Gegenstand das Werk\nwar, begann mit ihm das glückliche Gedeihen des Insti-\ntuts, das man data als die A\nnannte. Die General-Proben lieferten Stoff zu merkwürdi-\ngen Aeusserungen. Eine Menge von Journalisten vom Hand-\nwerk ohne genügende musicalische Kenntnisse, deren es\nin Paris weit mehr als irgend anderswo gibt, fanden sich"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "147", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640507-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4042, "texte": "dabei ein und verarbeiteten das Werk unbarmherzig und\nmit wahrer Lust. Mail wetteiferte, wer die besten Einfälle\ndarüber vorbringen könne, oder wer ihm die witzigste\nund derbste Grabrede halten werde. Dass die Oper, wenn\nes hoch komme, zehn Vorstellungen erleben werde, dar-\nüber war Alles einig. Der Theater-Director, in dessen\nOhren diese Reden kein angenehmer Klang waren, theilte\ndem Componisten offen seine Befürchtungen mit. Meyer-\nbeer antwortete ihm: „Beruhigen Sie Sich nur; ich habe\neben in der Probe gut zugehört, und ich bin überzeugt,\ndass ich mich nicht selbst täusche. Es ist mehr Schönes\nals Verfehltes in der Oper: die Handlung wird packen,\nder Eindruck wird lebhaft und tief sein. Ich sage Ihnen,\nman wird das Werk bis in die Wolken erheben, und es\nwird den Weg über alle Bühnen der Welt machen.\"\nNun, die Folge hat dieses eigene Urtheil des Meisters\nals begründet legitimirt: niemals ist ein dramatisches\nWerk populärer geworden [das heisst in Frankreich], nie-\nmals ein Erfolg allgemeiner gewesen. Das ist wenigstens\nausgemacht, dass das Glück, welches die Oper machte,\nvon fabelhafter Beständigkeit war und noch gegenwärtig\nist, da es nun bereits über dreissig Jahre dauert. Mit\nihr haben im grossen Opernhause in Paris die Tages-\nEinnahmen von 10,000 Francs angefangen, an die früher\nnicht zu denken war. Ins Italiänische, Deutsche, Engli-\nsche, Holländische, Russische, Polnische, Dänische über-\nsetzt, ist sie überall gegeben und zwanzig Mal in kleinen\nwie grossen Städten wiederholt worden, ja, ihr Erfolg hat\nsich nicht auf Europa beschränkt, in New-Orleans wurde\nRobert der Teufel mehrere Monate lang auf zwei Thea-\ntern englisch und französisch gegeben; in der Havanna!), in\nMexico, Lima, Algier wurde er aufgeführt und bewundert.\nEin neuer Mensch offenbarte sich in diesem Werke.\nEs ist nicht mehr der deutsche Meyerbeer, der steife Schü-\nler Vogler's, nicht mehr der italiänische, der den Schul-\nstaub von sich abschüttelte, um nach Rossini's Weise für\nGesang schreiben zu lernen und der Instrumentation ein\nlebendiges Colorit zu geben; es ist auch nicht die Ver-\nschmelzung beider Manieren, um dadurch andere Wir-\nkungen zu erreichen; es ist eine ganz neue Schöpfung,\nbei der dem Künstler von seinen ersten Perioden nichts\ngeblieben ist, als die Erfahrung in der Factur. Sechs Jahre\nlange Ruhe oder vielmehr Studium und Nachdenken hat-\nten endlich alles, was die Natur von starken Gefühlen in\nseine Seele gelegt, was Kühnheit den Gedanken Neues\ngibt, was die Kunstlehre dem Stil Erhebendes verleiht,\nwas die Uebung im Handwerk dem Arbeitenden für Si-\ncherheit schafft, um die Effecte, die er haben will, auch\nhervorzubringen, zu einem vollständigen, originellen und\nmächtig wirkenden Ganzen vereinigt.\nNach dem glänzenden Erfolge des .Robert\" sah die\nOpern-Direction wohl ein, dass Meyerbeer's Compositionen\nvon jelzt an einen glücklichen Einlluss auf ihre Einnahme\nhaben würden, und gab sich alle mögliche Mühe, ihn zu\nvermögen, ein neues Werk zu schreiben. Sie übergab ihm\ndesshalb mit Vertrauen das Textbuch der „Hugenotten\";\naber um die Gewissheit zu haben, dass der Componist\nnicht allzu langsam arbeite, wurde eine Zahlung von 30,000\nFrancs für den Fall festgesetzt, dass die Oper nicht bis\nzu dem bestimmten Termine fertig wäre. Während Meyer-\nbeer nun mit dieser Arbeit beschäftigt war, zwang ihn die\nRücksicht auf die Gesundheit seiner Frau, die an einem\nBrustübel litt, aul den Rath der Aerzte seinen Aufenthalt\nfür eine gewisse Zeit in Italien zu nehmen. In dieser Lage\nersuchte er die Direction um einen Aufschub von einem\nhalben Jahre bis zum Reginne der Proben des neuen\nWerkes; aber diese billige Forderung wurde ihm abge-\nschlagen, worauf er seine Partitur zurücknahm, die Con-\nventionalstrafe bezahlte und abreiste. Allein die allgemeine\nErwartung war bereits zu sehr gespannt, der Director sah\nein, dass er die „Hugenotten\" bringen müsse, wenn er\nwieder ein volles Haus haben wollte. Er unterhandelte\nmit Meyerbeer, zahlte die Summe zurück und am *2l.\nFebruar 1836 wurde die neue Oper gegeben."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-05-07-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-05-07_01#c003", "volume": "bmtnabi_1864-05-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "147", "page_fin": "148", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640507-01.2.3", "titre_corps": "Aus Bremen", "titre_sommaire": "Aus Bremen", "signature_source": "p", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "147", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640507-01.1.3", "debut_caractere": 4044, "fin_caractere_exclue": 5181, "texte": "Aus Bremen\n\n*).\nDen 23. April 1864.\nDen Höhepunkt der diesjährigen musicalischen Saison\nbildete die Aufführung der Mi von Beethoven,\nwelche am Charfreitage durch die Sing-Akademie unter\nMusik-Director Reinthaler's Leitung in der Domkirche\nStatt fand. Als die erste Aufführung des Werkes in Bre-\nmen war sie ein musicalisches Ereigniss für die Stadt, und\nes kam darauf an, einen grossen l heil unseres protestan-\ntischen Publicums, das sich seit einer Reihe von Jahren\ngewöhnt hat, die Charfreitags-Auflührungen als eine Art\nkirchlicher Feier anzusehen, für ein Werk zu gewinnen,\ndas in dem fremden Gewände der lateinischen Sprache\nentgegentritt. Man darf das Unternehmen als gelungen\nbetrachten. Der Eindruck des Ganzen auf die andächtig\nversammelte Menge —es waren an 2000 Zuhörer gegen-\nwärtig— war ein ergreifender, er war mächtiger und all-\ngemeiner, als die Freunde des Werkes erwartet hatten.\nDie akustischen Verhältnisse des hiesigen Domes sind\nim Allgemeinen den zarteren und feierlichen Partieen der\nMusik günstig; sie heben dieselben und i'ibergiessen sie\n\n*) Von einem anderen Correspondenten, als in Nr. 18.\nDie Redaction.\n[1"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "148", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640507-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4608, "texte": "wie mit einer magischen Beleuchtung; für schnelle und\nzugleich starke Tonfolgen ist das Gebäude weniger glück-\nlich, vollkommene Klarheit der Figuren bleibt nur für die\nnähersitzenden Zuhörer gewahrt.. So modificirt sich nach\ndem Platze der Eindruck und das Urlheil über die Musik.\nIst daher der Genuss für einen Theil des Publicums\nkein ganz gleichmässiger, so werden doch Alle durch zau-\nberhaft schöne Klangwirkungen entschädigt, und der Ein-\ndruck gestaltet sich unter Mitwirkung der mächtigen Orgel\nbis zu überraschender Grossartigkeit. Die Beethoven'sche\nMesse hat unter diesen Verhältnissen weniger eingebüsst,\nals man fürchtete, und mehr geboten, als man hoffte. So-\ngleich das Kyrie, welches einige Wochen früher im Unions-\nsaale mit ziemlich denselben Kräften zur Ausführung kam,\nerschien in den weiten Hallen des Domes in gesteigerter\nSchönheit; das Tongemälde stand wie vergeistigt da, man\nfühlte, dass hier der Ort sei, für den der Meister es be-\nstimmt hatte, in dessen golhischen Wölbungen die Ton-\nschwingen des Gebetes sich wie zum Himmel empor ent-\nfalten konnten. Es würde zu weit führen, die reichen Ein-\ndrücke zu verfolgen, zumal für einen Leserkreis, der die\nMesse kennt. Die Ausführung war sorgfältig vorbereitet\nund in den entscheidenden Momenten glücklich. Der Chor\nhatte die Schwierigkeiten überwunden, er sang mit Sicher-\nReinheit und warmem Aufschwung im Vortrage;\nauch das Orchester, das ausser drei General-Proben meh-\nrere besondere Proben gehabt halle, zeigte sich der Auf-\ngabe gewachsen, man fühlte nicht nur am Ensemble, son-\ndern auch an schön ausgeführten Details der Streicher\nund Bläser, dass die Sache geislig erfasst worden war.\nDie Orgel schmiegte sich in maassvoller Registrirung\ndem Ganzen glücklich an, und nur an wenig Punkten\nzeigte sich ihre unbezwingliche Machtfülle. Da hätte man\nfreilich nicht einen Chor von 250, sondern von 800 Sän-\ngern gewünscht. Doch wollen wir nicht zu streng tadeln,\nwenn z. B. an der charakteristischen Stelle vi-\nvosu die bis dahin angehaltene Orgelkraft mit solcher Ge-\nwalt losbrach, dass Chor und Orchester wie von einer\nGottheit zermalmt erschienen; es verband sich hier die\ngeistige Intention mit dem sinnlich erschütternden Eindruck,\nund er war wirklich zu grossartig schön, als dass man ihn\num des momentanen Aufhebens des Gleichgewichtes der\nKräfte willen hätte missen sollen.\nDie Soli waren in den Händen von Fräulein Eicke,\nSopran, welche die hohe Stimm-Disposition für die Messe\nmit vortrefflicher Durchbildung und musicalischer Sicher-\nheit verbindet, eine Dilettantin von hier sang die Alt-Partie\nmit weichem, wohllautendem Organ und künstlerischem\nVerständniss, die Herren Roberl Wiedemann aus Leip-\nzig und Bletzacher aus Hannover bewährten ihre be-\nkannten guten Eigenschaften als Oratoriensänger. Der\nwohlzusammengehenden Ausführung des Solo-Quartetts,\nwelches in der Wiedergabe des seinen Höhe-\npunkt erreichte, schloss sich Herr Concertmeister Böttjer\nals Solo-Violinist würdig an. Die Aufnahme des Werkes\nbürgt dafür, dass die Messe dem Repertoire der Charfrei-\ntags-Aufführungen dauernd angehören wird.\nUeberhaupt war die diesjährige Musik-Saison eine sehr\nbelebte und reichhaltige [vgl. Nr. 18 d. Bl.]. Im Ganzen\nfanden 19 Concerte unter Mitwirkung des Concert-Orche-\nsters Statt, dessen Feinheit im Zusammenspiel wie in der\nHerausbildung der Einzelnen durch vielfache Proben glück-\nlich gefördert worden ist. Dass neben diesem Hauplstamme\nder Concerte der Domchor noch zwei besuchte Orgel-Con-\ncerte mit Chören a capetta, der Gesangverein des Herrn\nEngel noch vier bemerkenswerthe Soireen (worunter das\nOratorium Gideon von Meinardus) geben konnte, dass sich\nnoch zehn Quartett-Soireen behaupteten und viele einzelne\nConcerte Statt fanden, während der Künstlerverein, dem\nziemlich jeder Mensch angehört, fast allwöchentlich in sei-\nnen Versammlungen gute Musik jeder Gattung, Kammer-\nmusik, Sologesang, auch Orchester-Aufführungen und\nChöre in höchst anerkennenswerther Weise veranstaltet,\noft in glücklicher Verbindung mit musicalisch-wissenschaft'\nliehen Vorträgen, durch die sich Dr. Pietzer ein bedeu-\ntendes Verdienst erworben hat dies alles spricht für ein\nsehr reges Musikleben, bei dem nur die Gefahr vorhanden\nist, dass das Vielerlei, das bunte Durcheinander der Auf-\nführungen das Publicum verführen könnte, das nicht mehr\nals etwas Besonderes hochzuachten, was man so oft haben\nkann, und dass andererseits die mannigfachen Verpflich-\ntungen und Ansprüche an unsere Dilettanten- und Künst-\nlerwelt dem stetigen Zusammenwirken für die Haupt-\nAufführungen ein fühlbarer Hemmschuh werden dürften.\n\np."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-05-07-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-05-07_01#c004", "volume": "bmtnabi_1864-05-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "148", "page_fin": "149", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640507-01.2.4", "titre_corps": "Beurtheilungen.", "titre_sommaire": "Beurtheilungen.", "signature_source": "E. Krüger", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "148", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640507-01.1.4", "debut_caractere": 4610, "fin_caractere_exclue": 5252, "texte": "Beurtheilungen.\n\nH. Ch. Koch's musicalisches Lexikon. Zweite,durch-\naus umgearbeitete und vermehrte Ausgabe von\nArrey von Dommer. Heidelberg, Mohr, 1864.\nAuf oben genanntes Werk, dessen erste Lieferung so\neben erschienen mit dem Versprechen, es Ende dieses\nJahres abzuschliessen, dürfen wir nach Einsicht des vor-\nliegenden Heftes (S. 1 —128) alle Liebhaber und Künst-\nler mit der Ueberzeugung aufmerksam machen, dass es\neinen werthvollen Beitrag zur Musik-Wissenschaft bilden\nwird. Man mag über die encyklopädischen Neigungen un-\nseres Zeitalters zürnen, mag von rein wissenschaftlichem\nGesichtspunkte aus deren Vermehrung bedenklich halten:"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "149", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640507-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2948, "texte": "ein Bedürfniss liegt doch vor, das sich nicht allein äusser-\nlich bezeugt durch den Buchhandel, sondern auch inner-\nlich, indem bei der riesenhaft schwellenden Literatur im\nschreib- und denkseligen Deutschland das Resumiren, Re-\ncapituliren und Orientiren immer nothwendiger wird.\nAllerdings ist aber zu unterscheiden, ob man vom Brock-\nhausischen oder aristotelischen Standpunkte aus Ency-\nklopädieen erbaut: ob man wie weiland Zedier oder\nneuerdings G. Schilling und Bernsdorf den encyklo-\npädischen Universalismus bethätigt im Zusammenraffen\nvon allerlei Holz, Stoppeln und Edelsteinen, und gemüth-\nlich Albernes und Bedeutendes alphabetisch zusammen-\nheftet, um die Bogen zu füllen, oder ob man wirklich\ndem Bedürfnisse nachgeht, Nutzbares zu lehren, Unklares\naufzuhellen, und demnach Hauptsachen gründlich, Unter-\ngeordnetes kurz in transitu,Alles aber einheitlich in Ton\nund Behandlung durchführt.\nNach Ansicht dieses ersten Heftes dürfen wir hoffen,\ndass es dem Verfasser gelingen werde, ein so einheitliches\nund concentrirtes Werk, wie eine gute Encyklopädie sein\nsoll, glücklich zu Ende zu führen. Wer nur die Artikel:\nAccent, Accord, Aria, Ausweichung, Begleitung, Canon,\naufmerksam durchliest, wird die klare und vollständige\nDarstellung anerkennen, und selbst gelehrte Musiker wer-\nden manches Neue oder neu Aufgefasste finden, da der\nVerfasser einen Schatz von Belesenheit in älterer und\nneuerer Literatur besitzt, wie er nicht häufig beisammen\n.gefunden wird.\nSo weit wir sehen, ist Alles aus Einer Hand, oder\nwenn das nicht, doch im Tone so gleicbmässig gehalten,\ndass auch dieses wohlthätig wirkt, wenn auch zuweilen\nGefahr der Einseitigkeit drohen mag. Dass der Stoff fertig\ngerüstet vorliegt, scheint aus einigen vordeutenden Citaten\nersichtlich: eine Gewähr für die rasche Vollendung und\nErfüllung des in der Ankündigung gegebenen Verspre-\nchens, vielleicht auch dafür, dass die Buchstaben nach\nGebühr gleichmässig behandelt werden und nicht etwa\ndie letzten Buchstaben zu kurz kommen, wie das in eini-\ngen— berühmten! Alphabetarien unseres Faches ja lei-\nder geschehen. Exempla sunt. . .in promptu, wie Raum,\nPapier und Witz gleichzeitig auf die Neige gehen, wenn\ndem Verleger das Ding zu lang wird. Hier dagegen ist\ndas äusserliche Maassverhältniss, dass der vollendete Buch-\nstabe Cetwa ein Sechstel des Ganzen bilden wird, wie\nwir glauben, das richtige. Der alte Koch ist die Grund-\nlage des Buches, immer noch ein wackerer Hintermann;\nDo mm er hat das Gute von ihm bewahrt, Einzelnes ab-\ngeworfen, neue Artikel eingefügt und ein wahrhaft Neues\nzum Alten gegeben, nicht bloss ein neues Schild zur alten\nFirma.\nNach Abschluss des Werkes hoffen wir unsere gun-\nstige Ansicht bestätigt zu sehen und dann über den Ge-\nsammt-Eindruck zu berichten. Erfreulich ist jedenfalls, in\ndiesem Werke einen erheblichen Fortschritt der Darstel-\nlung gegen das frühere: „Elemente der Musik\", zu er-\nblicken.\nGöttingen, April 1864.\n\nE. Krüger."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-05-07-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-05-07_01#c005", "volume": "bmtnabi_1864-05-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "149", "page_fin": "151", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640507-01.2.5", "titre_corps": "Stadt-Theater in Köln.", "titre_sommaire": "Stadt-Theater in Köln.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "149", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640507-01.1.5", "debut_caractere": 2950, "fin_caractere_exclue": 5131, "texte": "Stadt-Theater in Köln.\nNach dem Schlüsse des Winter-Abonnements dürfte\nes geeignet sein, einen kurzen Bückblick auf die vergangene\nOpern-Saison zu werfen, um so mehr, da sie die erste un-\nter der Leitung der Direction des Herrn Ernst war und\nihr, gemäss der bereits erschienenen Kundmachung, eine\nzweite unmittelbar folgen soll, ein Unternehmen, welches\nendlich wieder der grössten Stadt am Rheine und den\nTausenden von Fremden, welche sie im Sommer besuchen,\nauch in der schönen Jahreszeit ein Theater sichert, in wel-\nchem die gebildete Welt neben der Freude an den monu-\nmentalen und plastischen Kunstschätzen Kölns nach den\nTageswanderungen an den Abenden auch die Liebe zur\ndramatischen Kunst befriedigen kann. Das Zustandekommen\ndieser neuen Sommer-Saison für Opern-Vorstellungen em-\npfiehlt sich an und für sich durch so viele auf der Hand\nliegende Vortheile, unter denen die allein durch Jahres-\nEngagements zu erzielende künstlerische Vervollkommnung\nder Gesammtleistungen der bedeutendste ist, dass es über-\nflüssig wäre, sie ausführlicher darzulegen. Es kann nicht\nmehr die Frage sein, ob überhaupt die Einwohnerschaft\neiner Stadt wie Köln die Fortdauer theatralischer Vorstel-\nlungen durchs ganze Jahr wünschen müsse und sie ins Le-\nben rufen werde, sondern nur, ob sie im gegebenen Falle\nder gegenwärtigen Theater-Direction das Vertrauen zollen\nkönne, die Ausführung in ihre Hand zu legen.\nNun, wir glauben keinen Widerspruch fürchten zu\ndürfen, wenn wir auf die Erfahrung, die wir über die Thea-\nterleitung während des Winters gemacht haben, den\nWunsch, dass das Vertrauen des Publicums der Direction\nentgegen kommen möge, und die Hoffnung begründen,\ndass diese dasselbe rechtfertigen werde. Wir sind gewiss\nwie manche Kunstfreunde im Publicum weit davon entfernt,\ndie Opern-Vorstellungen dieses Winters für mustergültige\nzu erklären, und sind vielleicht einiger Maassen berechtig-\nter dazu, als manche Tadler; aber eben so fern liegt uns\ndie Anlegung eines absoluten oder gar idealischen Maass-\nstabes an die Leistungen einer Provincialbühne, welche\njeder praktische Thealerverständige nur relativ, d. h. den\nVerhältnissen Rechnung tragend, beurtheilen wird, und das"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640507-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5272, "texte": "um so eher, wenn er in unserer Zeit die Erfahrung macht,\ndass auch bei den Bühnen grosser Städle und den Hof-\ntheatern in Residenzen jener absolute Maassstab der Kri-\ntik sehr verkürzt werden muss, wenn er den gerühmten\nGrössen gerecht werden soll. Das Streben nach wirkli-\nchen Kunstleistungen war jedenfalls vorhanden, und wenn\nes sich in der letzten Hälfte der Saison vielleicht etwas zu\nüberwiegend auf das Aeussere der Darstellungen, auf die\nAusstattung der Oper gelegt hat, so geben wir gern zu,\ndass auch diese Seite allerdings heutzutage ihre Berück-\nsichtigung verdient und dass die Direction darin Ausser-\nordentliches geleistet hat, müssen aber davor warnen, einem\nSysteme, welches am leichtesten von allen zur Uebersätti-\ngung und zu maasslos gesteigerten Ansprüchen der gros-\nsen Menge führt, mit Bevorzugung zu huldigen.\nIm Ganzen fanden vom 15. September 1863 bis 1.\nMai 1864 in Köln 118, in Bonn 19 Opern-Vorstellungen\nStatt. Ueberwiegend war an Wahl für das Repertoire und\nan Zahl der Vorstellungen die deutsche Oper. Zur Auffüh-\nrung von Opern deutscher Componisten kamen von Mo-\nzart „Belmonte und Constanze\", „Don Juan\", „Figaro's\nHochzeit\", „ Die Zauberflöte\"; von Beethoven „Fidelio\";\nvon C. M. von Weber „Der Freischütz\" und „Oberon\";\nvon Marschner „HansHeiling\"; von Conr. Kreutzer\n„Das Nachtlager in Granada\"; von Flotow „Martha\"\nund „Stradella\"; von Nicolai „Die lustigen Weiber von\nWindsor\"; von Lortzing „Czaar und Zimmermann\",\n„Undine\"; von R. Wagner „Tannhäuser\"; von Meyer-\nbeer „Robert der Teufel\", „Die Hugenotten\". Von fran-\nzösischen Componisten Halevy's „Jüdin\", Boieldieu's\n„Weisse Dame\", Auber's „Maskenball\" und „Die Stum-\nme von Portici\", Gounod's „Faust\". Von Italiänern:\nRossini's „Wilhelm Teil\" und „Der Barbier von Sevilla\";\nDonizetti's „Lucia\", „Lucrezia\", „Regimentstochter\";\nVerdi's „Trovatore\" und „Rigolello\". Mithin 17 deut-\nsche, 5 französische und 7 italiänische Opern. Von Schau-\nspielen mit Musik wurden gegeben: Goethe's „Egmont\"\nmit Musik von Beethoven, Shakespeare's „Wintermär-\nchen\" mit Musik von Flotow und dessen „Sommer-\nnachtstraum\" mit Musik von Mendelssohn. Mit neuer\nund, wie bereits erwähnt, vorzüglicher Ausstattung er-\nschienen „Das Wintermärchen\", „Undine\" und „Oberon\".\nDer Vollständigkeit wegen erwähnen wir, dass in den\nSchauspiel-Vorstellungen Shakespeare durch „Ham-\nlet\", „Othello\", „Kaufmann von Venedig\", „Richard II.\",\n„Richard III.\", „ Wintermärchen\", „Sommernachtstraum\",\n„Die bezähmte Widerspänstige\"; Goethe durch „Eg-\nmont\", „Faust\", „Clavigo\"; Schiller durch „Die Räu-\nber\", „Die Jungfrau von Orleans\", „MariaStuart\", „Wal-\nlenstein\"; Calderon durch „Das Leben ein Traum\";\nGutzkow durch „Das Urbild des Tartüffe\", „Zopf und\nSchwert\", „Der Königslieutenant\", „Ottfried\"; Laube\ndurch „Die Karlssehüler\", „Gottsched und Geliert\"; An-\ndere durch verschiedene Lustspiele u. s. w. vertreten waren.\nVon bedeutenden Gästen sahen wir im Schauspiel die\nHerren Emil Devrient und Dawison, die Damen Ma-\nrie Niemann-Seebach und Hedwig Raab e; in der\nOper die Sängerinnen Fräulein Arl6l, Frau Tuczek-\nHerrenburg und Fräulein Pauline Lucca,die Sänger\nKarl Formes und Carrion.\nDie meisten von den Vorstellungen der genannten\nOpern genügten einer Kritik, welche vor Allem die For-\nderung an eine Bühnen-Gesellschalt stellt, dass die Auf-\nführungen so gut eingerichtet werden und ein so gutes\nZusammenspiel aufweisen, wie es die vorhandenen Kräfte\nund Mittel ermöglichen. Diese Forderung haben wir nur\neinige Male unberücksichtigt gefunden, wo das engagirte\nPersonal eine zweckmässigere Besetzung möglich gemacht\nhaben würde. Wir kennen aber die Bühnen-Verhältnisse\nzu gut, um dergleichen MissgrifFe, die oft durch Persönlich-\nkeiten, die sie schonen muss, veranlasst werden, der Di-\nrection allein zum Vorwurfe zu machen. Man muss beden-\nken, dass oft die Erhaltung des Hausfriedens kleine Opfer\nverlangt, geschweige denn der Theaterfriede! Manche\nVorstellungen, und nicht die am leichtesten ausführbaren,\nleisteten dagegen mehr, als die Erfüllung der eben ausge-\nsprochenen Forderung, und vertrugen ganz gut einen hö-\nheren Maassstab für künstlerische Ausführung und Abrun-\ndung; wir rechnen dahin namentlich Fidelio, Figaro's\nHochzeit, Die Hugenotten, Hans Heiling, Tannhäuser, Tro-\nvatore, in deren Vorstellungen auch der verwöhntere Zu-\nhörer gern verweilen und einen befriedigenden Kunstge-\nnusshaben konnte. Um das Ganze dieser Aufführungen, so\nwie um vieles Einzelne in allen anderen haben die Damen\nFrau Zademak-Doria, Fräulein Agnes Bury und\nFriederike Grün mehr oder weniger grosses Verdienst,\nferner die Herren Grimminger, Wolters, Lang\nund Lindeck unbestreitbare Ansprüche auf die Anerken-\nnung des Publicums, welche denn auch allen genannten\nMitgliedern der Opernbühne stets in reichem Maasse durch\nden lebhaftesten Beifall zu Theil wurde.\nUeber die Gastspiele in der Oper haben wir in diesen\nBlättern zu ihrer Zeit gesprochen, über das zweimalige\nAuftreten von Fräulein Lucca ausführlich in der vorigen\nNummer vom 30. April.\nIn beiden Aufführungen, den Hugenotten und dem\nFaust, hatte Fräulein Lucca zwei treffliche Sänger zur Seite\nin Herrn Grim mi n ger (Raoul und Faust) und Herrn\nLind eck (Marcel und Mephistopheles). Wer die Frische\nund Kraft, mit welcher Herr Grimminger die genannten"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640507-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 975, "texte": "beiden Rollen am Sonntag und dem darauffolgenden Dins-\ntag gesungen, wahrgenommen hat, der wird den abspre-\nchenden Aeusserungen, mit denen man leider in Deutsch-\n* *\nland gar leicht bei den verdientesten Künstlern bei der\nHand ist, dass ihre Blüthe längst vorüber sei, mit voller\nUeberzeugung entgegentreten. Zu dem künstlerisch aus-\ndrucksvollen Gesänge kommt bei Grimminger das ausge-\nzeichnete Spiel hinzu, das in jeder Scene den Darsteller\nzeigt, der den durchzuführenden Charakter studirt hat und\npsychologisch in den Hauptmomenten seiner Entwicklung\nzur Anschauung zu bringen strebt. Wir bedauern es sehr,\ndass uns Herr Grimminger verlässt, da wir in ihm nicht\nbloss einen vorzüglichen Bühnenkünstler, sondern auch\nsonst vielseitig begabten Mann kennen gelernt haben, wie\nes seine früheren Sculptur-Arbeiten und seine dichterischen\nAnlagen beweisen, vermöge deren er namentlich den Volks-\nton in Gedichten in schwäbischer Mundart vorzüglich out\nzu treffen versteht\n*)•"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-05-07-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-05-07_01#c006", "volume": "bmtnabi_1864-05-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "151", "page_fin": "151", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640507-01.2.6", "titre_corps": "Meyerbeer †.", "titre_sommaire": "Meyerbeer †.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640507-01.1.7", "debut_caractere": 977, "fin_caractere_exclue": 3193, "texte": "Meyerbeer †.\nAls wir in der vorigen Nummer die Biographie Meyer-\nbeer's nach Fetis mitzutheilen begannen, hatten wir keine\nAhnung davon, dass sie so bald zum Nekrolog werden würde.\nDer grosse Tondichter ist am 2. Mai, Morgens sechs\nUhr, in Paris gestorben. Er ist einer Erkältung des Un-\nterleibes erlegen, welche Anfangs keineswegs einen so trau-\nrigen Verlauf vorhersehen liess: noch acht Tage vor sei-\nnem Tode war er so wohl, dass er eine Reise zu machen\ngedachte. Er hat fast die ganze Zeit der Krankheit über\nsein völliges Bewusstsein behalten, nur ergriff ihn gegen\ndas Ende eine Schwäche, die nichts Schmerzliches hatte.\nSein Abschied vom Leben war ein sanfter Uebergang.\nEr hat genaue Anordnungen über die Behandlung\nseiner sterblichen Hülle hinterlassen. Die Leiche soll drei\n/\nTage lang in Paris ausgestellt und bewacht und dann auf\ndem von ihm bestimmten Wege nach Berlin gebracht wer-\nden, wo sein Testament zu eröffnen ist. Seine Töchter, aus\nBaden herbeigerufen, kamen noch zu rechter Zeit, seinen\nletzten Athemzug zu empfangen.\nSeit October v. J. hatte er Paris nicht verlassen, um\npersönlich das Einstudiren der „Africanerin\" zu überwachen,\nfür deren Aufführung er endlich seinen Forderungen genü-\ngende Darsteller gefunden zu haben glaubte (wie es heisst,\ndie Damen Sax und Battü und den Tenoristen Wachtel).\nMan erzählt, dass Rossini der Erste gewesen, der bei der\nTrauerbotschaft nach dem Sterbehause geeilt sei.\nDer Todesfall hat in Berlin, der Vaterstadt des Mei-\nsters, Nachforschungen über seinen Geburtstag veranlasst,\nund die Einsicht in die Geburts-Begister der jüdischen Ge-\nmeinde daselbst hat gezeigt, dass Jakob (Meyer) Beer,\nSohn des Zuckersiederei-ßesitzers und ßanquiers Jakob\nHerz Beer (f 1825), am 23. September 1791 geboren\nwar, mithin ein Alter von 72 Jahren 7 Monaten und eini-\ngen Tagen erreicht hat. Den Vornamen Meyer hat er\nspäter nach dem Willen seiner Grossmutter (oder Tante,\nwie von anderer Seile gesagt wird), die ihm ein bedeuten-\ndes Vermögen vermacht hatte, angenommen und erst in\nT. I • • 1 _\nItalien sich Giacomo Meyerbeer genannt\n*) Wir theilen unten eines dieser Gedichte mit, dem vielleicht\nnoch andere, ebenfalls zur Composition geeignete, folgen dürften.\n*)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-05-07-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-05-07_01#c007", "volume": "bmtnabi_1864-05-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "151", "page_fin": "151", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640507-01.2.7", "titre_corps": "Gang, Winter, gang, dei Zeit ist ’rum.", "titre_sommaire": "Gang, Winter, gang, dei Zeit ist ’rum.", "signature_source": "Adolf Grimminger", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640507-01.1.7", "debut_caractere": 3195, "fin_caractere_exclue": 3716, "texte": "Gang, Winter, gang, dei Zeit ist ’rum.\nAdolf Grimminger.\nJetz will si s wieder maiig rege\nUnd d' Welt lacht gar so freundlich drein;\nGott grüss, du lieber Himmelssege,\nGott grüss, du gold ger Sonnescheiu !\n0, wie das wohl thut aus und inne,\nKei Fleckle Schnee meh um und um!\n's iss Frühling, brauchst di gar nit z'bsinne,\nGang, Winter, gang, dei Zeit ist Vum.\nHörst 's Schwälble net, wie's ruft: rjetz wander\"?\nLang gnug hent d' Blümle träumt und g'ruht,\nUnd du und Frühling bei anander.\nDes thät sei Lebtag doch kei gut."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-05-07-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-05-07_01#c008", "volume": "bmtnabi_1864-05-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "151", "page_fin": "152", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640507-01.2.8", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640507-01.1.7", "debut_caractere": 3718, "fin_caractere_exclue": 5217, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nIm sechsten Abonnements-Concerte des\nHof-Orchesters unter der Direction des Hof-Capellmeisters Karl\nReiss wurde in der zweiten Abtheilung Ferd. Hiller's Sinfo-\nnie in E-moll: „Es muss doch Frühling werden\", gemacht. Man\nhörte der trefflichen Ausführung die höchst sorgfältige Vorbereitung\nund die Begeisterung des Orchesters für das Werk an. Dieselbe\ngünstige Stimmung ergriff auch die Zuhörerschaft, welche zwar\nAnfangs etwas zurückhaltend schien, aber nach dem Scherzo und\nFinale in stürmischen Beifall ausbrach. Dem Herrn Capellmeister\nReiss, der sich überhaupt auch um diese Concerte, nicht bloss um\n\n*) Hiernach sind die Angaben bei Fetis (und im Conversa-\ntions-Lexikon, 10. Ausg., und im musicalischen Lexikon von Berns-\ndorf— Verlag von —u. s. w.) und in unserer Nr. 18 zu be-\nrichtigen, und die Angabe der Allg. Leipz. M. -Zeitung, Jahrg.\n38, S. 876, wird dadurch bestätigt. Was unsere Anmerkung Nr.\n18, S. 140) in Bezug auf die Vollendung einer von C. M. von We-\nber begonnenen Oper durch Meyerbeer betrifft, so ist uns von zu-\nverlässiger Seite die Nachricht zugegangen, dass Meyerbeer sich al-\nlerdings gegen die Witwe Webers erboten hat, die Oper: „Die\ndrei Pinto's\"} zu vollenden, dass er aber vor anderen Arbeiten\nnicht dazu gekommen ist. Der Text war ursprünglich von Theodor\nHell, soll aber späterhin nach Meyerbeer s eigener Aeusserung durch\nFrau Birch-Pfeiffer für ihn umgearbeitet worden sein. Weber hatte\nden ersten Act und einiges Andere fertig."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640507-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1362, "texte": "das Theater, sehr verdient gemacht hat, wurde durch zweimaligen\nHervorruf der warme Dank des Publicums zu Theil. An demselben\nAbende trug Herr Concertmeister Ferdinand David aus Leipzig\nein Concert in A-moll von Viotti und ein Andante und Scherzo\nvon seiner Compotition mit rauschendem Beifalle vor. Ueber die\nganze Saison erhalten Sie nächstens einen Bericht.\nIn diesen Tagen verliess uns Arrey von Dom-\nmer, eine auch in weiteren Kreisen als Kritiker, Gelehrter und\nForscher bekannte Persönlichkeit und, fügen wir hinzu, ein eben so\nliebenswürdiger wie charaktervoller Mensch. Dass man ihn hier\nnicht zu fesseln und zu beschäftigen wusste, beweist, dass auch in\nLeipzig wie anderwärts in den maassgebenden musicalischen Kreisen\nnicht Alle§ so ist, wie es sein sollte. A. v. Dommer hatte im Win-\nter 1860—1861 im „Tageblatt\" allerdings ziemlich scharfe, aber\nehrliche Kritiken über das hiesige Musikwesen geschrieben und sich\ndadurch vielleicht hier und da missliebig gemacht, wo man gewohnt\nwar, Schmeicheleien oder unbedingte Anerkennung zu vernehmen.\nA. von Dommer geht zunächst nach Lauenburg an der Elbe, um\nin Gemeinschaft mit seinem Freunde F. Chrysander an wichtigen\nAufgaben der Kunstwissenschaft weiter zu arbeiten. Wir wünschen\nihm für die Zukunft ebnere Pfade, als die bisherigen waren, und\nrufen ihm hiermit ein herzliches Lebewohl nach. (A. M. Z.)"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "145", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640507-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nBiographie universelle des Musiciens. Par F. J. Fetis. 111. (Meyerbeer. 2.) Aus Bremen (Aufführung der Miya\nsolemnis von Beethoven). Von p. Beurtheilungen. H. Ch. Kocb's musicalisches Lexikon von Arrey von Dommer. Von E. Krüger.\nStadt-Theater in Köln. Meyerbeer f. Gang, Winter, gang, dei Zeit ist 'rum. Tages- und Unterhaltungsblatt (Kassel,\nSechstes Abonnements-Concert Leipzig, Arrey von Dommer).\n\nBiographie universelle des Musiciens.\nPar F. J. Fétis.\nIII.\n(Meyerbeer. 2,)\nDer Erfolg der Oper Emm hatte dem\nComponisten die Pforten aller grossen Opernbühnen in\nItalien geöffnet, unter denen bekanntlich das Theater La\nScala in Mailand eine der ersten ist. Meyerbeer schrieb\ndafür die halb-ernste Oper Margherita d'Anjou, Text von\nRomani. Sie wurde den 14. November 1820*) gegeben;\nTacchinardi, Levasseur und Rosa Mariani sangen darin.\nDie Vorurtheile der Italiäner gegen ausländische Compo-\nnisten verschwanden vor dem Werthe der Musik, und die\nOper hatte einen vollständigen Erfolg. Mehrere Jahre\nspäter wurde sie für das Odeon-Theater zu Paris ins\nFranzösische übersetzt und in Frankreich und Belgien\nviel gegeben. Der Margherita folgte L'Esule di Granata,\nebenfalls von Romani, zum ersten Male auch in der Scala\nden 12. März 1822 aufgeführt. Die Hauptpartieen darin\nsangen Adelaide Tosi, die Pisaroni und Carolina Bassi,\nLablache und der Tenor Winter. Bereits aber regte sich\nder Neid der Kunstgenossen gegen den wachsenden Ruhm\ndes Deutschen; man wusste zunächst der Aufführung aller-\nlei Hindernisse in den Weg zu legen, so dass sie erst in\nden letzten Tagen der Saison zu Stande kam, und der\nVorstellung selbst hatte man im Vertrauen auf die ange-\nsponnenen Ränke den Fall vorhergesagt. Der erste Act\nfiel in der That durch und der zweite schien auch schon\ndemselben Geschick anheim zu fallen, als ein Duett der\nPisaroni und Lablache's das Publicum zu stürmischem Ap-\nplaus hinriss und die Oper rettete, die in den folgenden\nVorstellungen vollen Beifall fand.\nNach dem Schlüsse der Saison ging Meyerbeer von\nMailand nach Rom, um dort die Oper Almansor, eben-\nfalls auf Romani's Text, zu schreiben, wurde aber ernst-\nlich krank und konnte sie nicht zur bestimmten Zeit voll-\nenden. Er stellte seine Gesundheit durch eine Badereise\nund durch den Aufenthalt in Berlin während des Jahres\n1823 wieder her. Dort schrieb er eine deutsche Oper:\n„Das Brandenburger Thoru, wahrscheinlich für das\nkönigsstädtische Theater; sie ist aber niemals zur Auffüh-\nrung gekommen.\nMan kann sagen, dass hier Meyerbeer's zweite Periode\nihren Abschluss fand. Sie hatte für ihn glückliche Resul-\ntate gehabt: denn einerseits bezeichnet sie seine Fortschritte\nin der Kunst, für die Singstimmen zu schreiben, ver-\nschaffte ihm Erfahrung in den Erfordernissen der drama-\ntischen Musik und eine Bühnenkerintniss, die man nur\ndurch die Praxis gewinnen kann, und andererseits war\ndas eigene Vertrauen auf sein Talent durch den Erfolg\ngewachsen. In der That war sein Ruf bereits kein ge-\nwöhnlicher. Emma di Resburgo war glänzend aufgenom-\nmen und mehrere Male in Venedig, Mailand, Genua, Flo-\nrenz, Padua gegeben worden, in Deutschland unter dem\nTitel Emma von Leicester in Wien, München, Dresden\nund Frankfurt, unter dem Titel Emma von Iloxburg in\nBerlin und in Stuttgart. Margaretha von Anjou war mit\ngleichem Erfolge zu Mailand, Venedig, Bologna, Turin,\nFlorenz und Triest aufgeführt worden, in Deutschland zu\nMünchen und Dresden, in Frankreich zu Paris und fast\nauf allen Bühnen der Provinz, zu Eondon sowohl mit eng-\nlischem als italiänischem Text. Dennoch hatte Meyerbeer\nseine eigenthümliche Individualität als Componist noch\nnicht gefunden; er schritt auf Bahnen voran, die nicht die\nseinigen waren; er war geschickter geworden, aber nicht\noriginel; er halte Erfahrungen und Kenntnisse gesammelt,\naber es fehlte ihm an Kühnheit, seinen eigenen Weg zu\ngehen.\n\n*) Im Original steht aus Versehen des Setzers 1826."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "146", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640507-01.1.2", "texte": "Doch ist das Jahr 1823 als dasjenige zu bemerken,\nwelches Epoche in seiner künstlerischen Entwicklung\nmachte. Es ist nicht zu bezweifeln, dass er durch die prü-\nfende Betrachtung alles dessen, was er in Italien geschrie-\nben, nicht in sich selbst zum Bewusslsein gekommen sein\nund nicht gefühlt haben sollte, was seinen Werken in Be-\nzug auf ästhetische Dramatik fehlte: denn man gewahrt\nvon jetzt an sein Streben nach einer immer mehr ausge-\nsprochenen Offenbarung seiner künstlerischen Eigenthüm-\nlichkeit. In diese Zeit fällt auch sein Besuch bei C. M. von\nWeber, worüber wir oben einen Brief von letzterem an-\ngeführt haben, und es dürfte wohl mit Sicherheit anzu-\nnehmen sein, dass dieser Tag und der offene Austausch\nder Meinungen beider grossen Tonkünstler für den Com-\nponisten des Robert und der Hugenotten kein verlorener\ngewesen sei.\nNach Italien zurückgekehrt, brachte Meyerbeer seinen\nCrociato in Egittoauf die Bühne, aber nicht in Triest, wie\nWeber schreibt und viele Zeitungen ankündigten, sondern\nin Venedig, wo er am 26. December 1824 zum ersten\nMale aufgeführt wurde. Die Hauptrollen waren für die\nMeric-Lalande, die damals in der Blüthe ihres Ruhmes\nstand, und für Veluti und Lablache geschrieben. Die Aus-\nführung war eine gute und der Erfolg übertraf die Er-\nwartungen des Componisten, der mehrere Male gerufen\nund auf der Bühne bekränzt wurde. In allen grossen\nStädten Italiens fand „Der Kreuzritter\" dieselbe günstige\nAufnahme, und es ist kein Zweifel, dass, wenn Meyerbeer\nnoch einige Opern in demselben Stile geschrieben hätte,\ner den ersten Rang unter den transalpinischen Componisten\neingenommen haben würde. Allein seine Gedanken waren\nbereits auf andere Ziele gerichtet.\nWenn man die Partitur des mit Aufmerk-\nsamkeit durchgeht, so entdeckt man darin ganz unzwei-\ndeutige Anzeichen einer Reaction, die auf die Schreibart\ndes Componisten Einfluss gehabt hat und in dem Versuche\nbesteht, seine ursprünglichen Tendenzen mit dem italiäni-\nschen Stile, der in der Emma und Margherita herrscht,\nzu vereinigen. Meyerbeer's Individualität strebte, sich aus-\nzusprechen, und das glückliche Talent für den energischen\nAusdruck dramatischer Situationen brach schon hervor.\nZur Entwicklung dieses Talentes bedurfte er nur der ge-\nnaueren Bekanntschaft mit der französischen Oper, und\ndazu bot sich ihm bald eine günstige Gelegenheit dar.\nHerr von La Rochefoucault, unter dessen Oberleitung die\nOper während der Restauration stand, lud Meyerbeer ein,\nnach Paris zu kommen, um dort seinen selbst in\nScene zu setzen.\nDiese Op er fand in Paris nicht die begeisterte Auf-\nnahme, die ihr zu Venedig, Rom, Mailand, Turin, in ganz\nItalien, später auch in Spanien, Lissabon, London und in\nDeutschland zu Theil geworden war. Die Umstände wa-\nren ihr auch nicht günstig. Paris theilt nicht gern seine\nKränze, sondern häuft sie am liebsten epochenweise auf\nEin Haupt. Im Jahre 1826 war für die stetigen Besucher\nder italiänischen Oper in Paris kein anderer Componist\nals Rossini möglich, für sie war keine andere Musik vor-\nhanden, als die Rossini'sche. Für die grosse Menge der\nDilettanten war die Musik im zu ernst, nur eine\nkleine Anzahl von Kennern beurtheilte sie unparteiisch\nund verkannte weder ihre Schönheiten noch ihre Mängel.\nUebrigens muss man gestehen, dass auch von diesen We-\nnigen Niemand die Tragweite des Talentes erkannte, das\nin dem Verfasser des Werkes lag; kein Mensch schöpfte\naus dem Crociato die Ahnung des Genie's, welches musi-\ncalisch-dramatische Werke schaffen werde, deren breite\nund grossartige Auffassung und Durchführung von 1831\nan alle Bühnen der gebildeten Welt erobern würde. Die-\njenigen, welche die Oper schätzten, betrachteten sie als\ndie höchste Stufe des Meyerbeer verliehenen Talentes,\ngewisser Maassen als sein letztes Wort. Und sein Schwei-\ngen während mehrerer Jahre schien dieses Urtheil zu\nrechtfertigen. Seine Verheirathung und der schmerzliche\nVerlust zweier Kinder hemmten seine Lust zum Arbeiten.\nErst im Jahre 1828 ergriff er die Feder wieder, aber\nnun hatte er sich auch seine neue Bahn mit Bewusstsein\nvorgezeichnet; gereift durch jahrelanges Nachdenken über\ndramatische Musik, hatte sich sein Genie ganz umgestaltet\nund sein Stil seine Eigentümlichkeit erhalten. Jedermann\nkennt die Ergebnisse dieser von Grund aus vorgenomme-\nnen Umwandlung.\n„Robert der Teufel\" wurde, durch viele Reisen\nverzögert [und mit Vorbedacht langsamer und mit reif-\nlicherer Ueberlegung geschrieben], erst gegen Ende des\nMonats Juli 1830 fertig und um dieselbe Zeit der Ver-\nwaltung der grossen Oper in Paris, für welche die Partitur\ngeschrieben war, eingereicht. Die Staats-Revolution hatte\nauch eine Umwälzung der Theater-Verhältnisse veranlasst.\nAuf die königliche Verwaltung folgte eine Privat-Unter-\nnehmung, welche in ihre vertragsmässigen Verbindlichkei-\nten die Aufführung der Oper von Meyerbeer nur als eine\nlästige Verpflichtung aufnahm. So kam es denn, dass „Ro-\nbert\" erst im November 1831 in Scene gesetzt wurde,\nund trotz der Anfeindungen, deren Gegenstand das Werk\nwar, begann mit ihm das glückliche Gedeihen des Insti-\ntuts, das man data als die A\nnannte. Die General-Proben lieferten Stoff zu merkwürdi-\ngen Aeusserungen. Eine Menge von Journalisten vom Hand-\nwerk ohne genügende musicalische Kenntnisse, deren es\nin Paris weit mehr als irgend anderswo gibt, fanden sich"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "147", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640507-01.1.3", "texte": "dabei ein und verarbeiteten das Werk unbarmherzig und\nmit wahrer Lust. Mail wetteiferte, wer die besten Einfälle\ndarüber vorbringen könne, oder wer ihm die witzigste\nund derbste Grabrede halten werde. Dass die Oper, wenn\nes hoch komme, zehn Vorstellungen erleben werde, dar-\nüber war Alles einig. Der Theater-Director, in dessen\nOhren diese Reden kein angenehmer Klang waren, theilte\ndem Componisten offen seine Befürchtungen mit. Meyer-\nbeer antwortete ihm: „Beruhigen Sie Sich nur; ich habe\neben in der Probe gut zugehört, und ich bin überzeugt,\ndass ich mich nicht selbst täusche. Es ist mehr Schönes\nals Verfehltes in der Oper: die Handlung wird packen,\nder Eindruck wird lebhaft und tief sein. Ich sage Ihnen,\nman wird das Werk bis in die Wolken erheben, und es\nwird den Weg über alle Bühnen der Welt machen.\"\nNun, die Folge hat dieses eigene Urtheil des Meisters\nals begründet legitimirt: niemals ist ein dramatisches\nWerk populärer geworden [das heisst in Frankreich], nie-\nmals ein Erfolg allgemeiner gewesen. Das ist wenigstens\nausgemacht, dass das Glück, welches die Oper machte,\nvon fabelhafter Beständigkeit war und noch gegenwärtig\nist, da es nun bereits über dreissig Jahre dauert. Mit\nihr haben im grossen Opernhause in Paris die Tages-\nEinnahmen von 10,000 Francs angefangen, an die früher\nnicht zu denken war. Ins Italiänische, Deutsche, Engli-\nsche, Holländische, Russische, Polnische, Dänische über-\nsetzt, ist sie überall gegeben und zwanzig Mal in kleinen\nwie grossen Städten wiederholt worden, ja, ihr Erfolg hat\nsich nicht auf Europa beschränkt, in New-Orleans wurde\nRobert der Teufel mehrere Monate lang auf zwei Thea-\ntern englisch und französisch gegeben; in der Havanna!), in\nMexico, Lima, Algier wurde er aufgeführt und bewundert.\nEin neuer Mensch offenbarte sich in diesem Werke.\nEs ist nicht mehr der deutsche Meyerbeer, der steife Schü-\nler Vogler's, nicht mehr der italiänische, der den Schul-\nstaub von sich abschüttelte, um nach Rossini's Weise für\nGesang schreiben zu lernen und der Instrumentation ein\nlebendiges Colorit zu geben; es ist auch nicht die Ver-\nschmelzung beider Manieren, um dadurch andere Wir-\nkungen zu erreichen; es ist eine ganz neue Schöpfung,\nbei der dem Künstler von seinen ersten Perioden nichts\ngeblieben ist, als die Erfahrung in der Factur. Sechs Jahre\nlange Ruhe oder vielmehr Studium und Nachdenken hat-\nten endlich alles, was die Natur von starken Gefühlen in\nseine Seele gelegt, was Kühnheit den Gedanken Neues\ngibt, was die Kunstlehre dem Stil Erhebendes verleiht,\nwas die Uebung im Handwerk dem Arbeitenden für Si-\ncherheit schafft, um die Effecte, die er haben will, auch\nhervorzubringen, zu einem vollständigen, originellen und\nmächtig wirkenden Ganzen vereinigt.\nNach dem glänzenden Erfolge des .Robert\" sah die\nOpern-Direction wohl ein, dass Meyerbeer's Compositionen\nvon jelzt an einen glücklichen Einlluss auf ihre Einnahme\nhaben würden, und gab sich alle mögliche Mühe, ihn zu\nvermögen, ein neues Werk zu schreiben. Sie übergab ihm\ndesshalb mit Vertrauen das Textbuch der „Hugenotten\";\naber um die Gewissheit zu haben, dass der Componist\nnicht allzu langsam arbeite, wurde eine Zahlung von 30,000\nFrancs für den Fall festgesetzt, dass die Oper nicht bis\nzu dem bestimmten Termine fertig wäre. Während Meyer-\nbeer nun mit dieser Arbeit beschäftigt war, zwang ihn die\nRücksicht auf die Gesundheit seiner Frau, die an einem\nBrustübel litt, aul den Rath der Aerzte seinen Aufenthalt\nfür eine gewisse Zeit in Italien zu nehmen. In dieser Lage\nersuchte er die Direction um einen Aufschub von einem\nhalben Jahre bis zum Reginne der Proben des neuen\nWerkes; aber diese billige Forderung wurde ihm abge-\nschlagen, worauf er seine Partitur zurücknahm, die Con-\nventionalstrafe bezahlte und abreiste. Allein die allgemeine\nErwartung war bereits zu sehr gespannt, der Director sah\nein, dass er die „Hugenotten\" bringen müsse, wenn er\nwieder ein volles Haus haben wollte. Er unterhandelte\nmit Meyerbeer, zahlte die Summe zurück und am *2l.\nFebruar 1836 wurde die neue Oper gegeben.\n\nAus Bremen\n\n*).\nDen 23. April 1864.\nDen Höhepunkt der diesjährigen musicalischen Saison\nbildete die Aufführung der Mi von Beethoven,\nwelche am Charfreitage durch die Sing-Akademie unter\nMusik-Director Reinthaler's Leitung in der Domkirche\nStatt fand. Als die erste Aufführung des Werkes in Bre-\nmen war sie ein musicalisches Ereigniss für die Stadt, und\nes kam darauf an, einen grossen l heil unseres protestan-\ntischen Publicums, das sich seit einer Reihe von Jahren\ngewöhnt hat, die Charfreitags-Auflührungen als eine Art\nkirchlicher Feier anzusehen, für ein Werk zu gewinnen,\ndas in dem fremden Gewände der lateinischen Sprache\nentgegentritt. Man darf das Unternehmen als gelungen\nbetrachten. Der Eindruck des Ganzen auf die andächtig\nversammelte Menge —es waren an 2000 Zuhörer gegen-\nwärtig— war ein ergreifender, er war mächtiger und all-\ngemeiner, als die Freunde des Werkes erwartet hatten.\nDie akustischen Verhältnisse des hiesigen Domes sind\nim Allgemeinen den zarteren und feierlichen Partieen der\nMusik günstig; sie heben dieselben und i'ibergiessen sie\n\n*) Von einem anderen Correspondenten, als in Nr. 18.\nDie Redaction.\n[1"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "148", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640507-01.1.4", "texte": "wie mit einer magischen Beleuchtung; für schnelle und\nzugleich starke Tonfolgen ist das Gebäude weniger glück-\nlich, vollkommene Klarheit der Figuren bleibt nur für die\nnähersitzenden Zuhörer gewahrt.. So modificirt sich nach\ndem Platze der Eindruck und das Urlheil über die Musik.\nIst daher der Genuss für einen Theil des Publicums\nkein ganz gleichmässiger, so werden doch Alle durch zau-\nberhaft schöne Klangwirkungen entschädigt, und der Ein-\ndruck gestaltet sich unter Mitwirkung der mächtigen Orgel\nbis zu überraschender Grossartigkeit. Die Beethoven'sche\nMesse hat unter diesen Verhältnissen weniger eingebüsst,\nals man fürchtete, und mehr geboten, als man hoffte. So-\ngleich das Kyrie, welches einige Wochen früher im Unions-\nsaale mit ziemlich denselben Kräften zur Ausführung kam,\nerschien in den weiten Hallen des Domes in gesteigerter\nSchönheit; das Tongemälde stand wie vergeistigt da, man\nfühlte, dass hier der Ort sei, für den der Meister es be-\nstimmt hatte, in dessen golhischen Wölbungen die Ton-\nschwingen des Gebetes sich wie zum Himmel empor ent-\nfalten konnten. Es würde zu weit führen, die reichen Ein-\ndrücke zu verfolgen, zumal für einen Leserkreis, der die\nMesse kennt. Die Ausführung war sorgfältig vorbereitet\nund in den entscheidenden Momenten glücklich. Der Chor\nhatte die Schwierigkeiten überwunden, er sang mit Sicher-\nReinheit und warmem Aufschwung im Vortrage;\nauch das Orchester, das ausser drei General-Proben meh-\nrere besondere Proben gehabt halle, zeigte sich der Auf-\ngabe gewachsen, man fühlte nicht nur am Ensemble, son-\ndern auch an schön ausgeführten Details der Streicher\nund Bläser, dass die Sache geislig erfasst worden war.\nDie Orgel schmiegte sich in maassvoller Registrirung\ndem Ganzen glücklich an, und nur an wenig Punkten\nzeigte sich ihre unbezwingliche Machtfülle. Da hätte man\nfreilich nicht einen Chor von 250, sondern von 800 Sän-\ngern gewünscht. Doch wollen wir nicht zu streng tadeln,\nwenn z. B. an der charakteristischen Stelle vi-\nvosu die bis dahin angehaltene Orgelkraft mit solcher Ge-\nwalt losbrach, dass Chor und Orchester wie von einer\nGottheit zermalmt erschienen; es verband sich hier die\ngeistige Intention mit dem sinnlich erschütternden Eindruck,\nund er war wirklich zu grossartig schön, als dass man ihn\num des momentanen Aufhebens des Gleichgewichtes der\nKräfte willen hätte missen sollen.\nDie Soli waren in den Händen von Fräulein Eicke,\nSopran, welche die hohe Stimm-Disposition für die Messe\nmit vortrefflicher Durchbildung und musicalischer Sicher-\nheit verbindet, eine Dilettantin von hier sang die Alt-Partie\nmit weichem, wohllautendem Organ und künstlerischem\nVerständniss, die Herren Roberl Wiedemann aus Leip-\nzig und Bletzacher aus Hannover bewährten ihre be-\nkannten guten Eigenschaften als Oratoriensänger. Der\nwohlzusammengehenden Ausführung des Solo-Quartetts,\nwelches in der Wiedergabe des seinen Höhe-\npunkt erreichte, schloss sich Herr Concertmeister Böttjer\nals Solo-Violinist würdig an. Die Aufnahme des Werkes\nbürgt dafür, dass die Messe dem Repertoire der Charfrei-\ntags-Aufführungen dauernd angehören wird.\nUeberhaupt war die diesjährige Musik-Saison eine sehr\nbelebte und reichhaltige [vgl. Nr. 18 d. Bl.]. Im Ganzen\nfanden 19 Concerte unter Mitwirkung des Concert-Orche-\nsters Statt, dessen Feinheit im Zusammenspiel wie in der\nHerausbildung der Einzelnen durch vielfache Proben glück-\nlich gefördert worden ist. Dass neben diesem Hauplstamme\nder Concerte der Domchor noch zwei besuchte Orgel-Con-\ncerte mit Chören a capetta, der Gesangverein des Herrn\nEngel noch vier bemerkenswerthe Soireen (worunter das\nOratorium Gideon von Meinardus) geben konnte, dass sich\nnoch zehn Quartett-Soireen behaupteten und viele einzelne\nConcerte Statt fanden, während der Künstlerverein, dem\nziemlich jeder Mensch angehört, fast allwöchentlich in sei-\nnen Versammlungen gute Musik jeder Gattung, Kammer-\nmusik, Sologesang, auch Orchester-Aufführungen und\nChöre in höchst anerkennenswerther Weise veranstaltet,\noft in glücklicher Verbindung mit musicalisch-wissenschaft'\nliehen Vorträgen, durch die sich Dr. Pietzer ein bedeu-\ntendes Verdienst erworben hat dies alles spricht für ein\nsehr reges Musikleben, bei dem nur die Gefahr vorhanden\nist, dass das Vielerlei, das bunte Durcheinander der Auf-\nführungen das Publicum verführen könnte, das nicht mehr\nals etwas Besonderes hochzuachten, was man so oft haben\nkann, und dass andererseits die mannigfachen Verpflich-\ntungen und Ansprüche an unsere Dilettanten- und Künst-\nlerwelt dem stetigen Zusammenwirken für die Haupt-\nAufführungen ein fühlbarer Hemmschuh werden dürften.\n\np.\n\nBeurtheilungen.\n\nH. Ch. Koch's musicalisches Lexikon. Zweite,durch-\naus umgearbeitete und vermehrte Ausgabe von\nArrey von Dommer. Heidelberg, Mohr, 1864.\nAuf oben genanntes Werk, dessen erste Lieferung so\neben erschienen mit dem Versprechen, es Ende dieses\nJahres abzuschliessen, dürfen wir nach Einsicht des vor-\nliegenden Heftes (S. 1 —128) alle Liebhaber und Künst-\nler mit der Ueberzeugung aufmerksam machen, dass es\neinen werthvollen Beitrag zur Musik-Wissenschaft bilden\nwird. Man mag über die encyklopädischen Neigungen un-\nseres Zeitalters zürnen, mag von rein wissenschaftlichem\nGesichtspunkte aus deren Vermehrung bedenklich halten:"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "149", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640507-01.1.5", "texte": "ein Bedürfniss liegt doch vor, das sich nicht allein äusser-\nlich bezeugt durch den Buchhandel, sondern auch inner-\nlich, indem bei der riesenhaft schwellenden Literatur im\nschreib- und denkseligen Deutschland das Resumiren, Re-\ncapituliren und Orientiren immer nothwendiger wird.\nAllerdings ist aber zu unterscheiden, ob man vom Brock-\nhausischen oder aristotelischen Standpunkte aus Ency-\nklopädieen erbaut: ob man wie weiland Zedier oder\nneuerdings G. Schilling und Bernsdorf den encyklo-\npädischen Universalismus bethätigt im Zusammenraffen\nvon allerlei Holz, Stoppeln und Edelsteinen, und gemüth-\nlich Albernes und Bedeutendes alphabetisch zusammen-\nheftet, um die Bogen zu füllen, oder ob man wirklich\ndem Bedürfnisse nachgeht, Nutzbares zu lehren, Unklares\naufzuhellen, und demnach Hauptsachen gründlich, Unter-\ngeordnetes kurz in transitu,Alles aber einheitlich in Ton\nund Behandlung durchführt.\nNach Ansicht dieses ersten Heftes dürfen wir hoffen,\ndass es dem Verfasser gelingen werde, ein so einheitliches\nund concentrirtes Werk, wie eine gute Encyklopädie sein\nsoll, glücklich zu Ende zu führen. Wer nur die Artikel:\nAccent, Accord, Aria, Ausweichung, Begleitung, Canon,\naufmerksam durchliest, wird die klare und vollständige\nDarstellung anerkennen, und selbst gelehrte Musiker wer-\nden manches Neue oder neu Aufgefasste finden, da der\nVerfasser einen Schatz von Belesenheit in älterer und\nneuerer Literatur besitzt, wie er nicht häufig beisammen\n.gefunden wird.\nSo weit wir sehen, ist Alles aus Einer Hand, oder\nwenn das nicht, doch im Tone so gleicbmässig gehalten,\ndass auch dieses wohlthätig wirkt, wenn auch zuweilen\nGefahr der Einseitigkeit drohen mag. Dass der Stoff fertig\ngerüstet vorliegt, scheint aus einigen vordeutenden Citaten\nersichtlich: eine Gewähr für die rasche Vollendung und\nErfüllung des in der Ankündigung gegebenen Verspre-\nchens, vielleicht auch dafür, dass die Buchstaben nach\nGebühr gleichmässig behandelt werden und nicht etwa\ndie letzten Buchstaben zu kurz kommen, wie das in eini-\ngen— berühmten! Alphabetarien unseres Faches ja lei-\nder geschehen. Exempla sunt. . .in promptu, wie Raum,\nPapier und Witz gleichzeitig auf die Neige gehen, wenn\ndem Verleger das Ding zu lang wird. Hier dagegen ist\ndas äusserliche Maassverhältniss, dass der vollendete Buch-\nstabe Cetwa ein Sechstel des Ganzen bilden wird, wie\nwir glauben, das richtige. Der alte Koch ist die Grund-\nlage des Buches, immer noch ein wackerer Hintermann;\nDo mm er hat das Gute von ihm bewahrt, Einzelnes ab-\ngeworfen, neue Artikel eingefügt und ein wahrhaft Neues\nzum Alten gegeben, nicht bloss ein neues Schild zur alten\nFirma.\nNach Abschluss des Werkes hoffen wir unsere gun-\nstige Ansicht bestätigt zu sehen und dann über den Ge-\nsammt-Eindruck zu berichten. Erfreulich ist jedenfalls, in\ndiesem Werke einen erheblichen Fortschritt der Darstel-\nlung gegen das frühere: „Elemente der Musik\", zu er-\nblicken.\nGöttingen, April 1864.\n\nE. Krüger.\n\nStadt-Theater in Köln.\nNach dem Schlüsse des Winter-Abonnements dürfte\nes geeignet sein, einen kurzen Bückblick auf die vergangene\nOpern-Saison zu werfen, um so mehr, da sie die erste un-\nter der Leitung der Direction des Herrn Ernst war und\nihr, gemäss der bereits erschienenen Kundmachung, eine\nzweite unmittelbar folgen soll, ein Unternehmen, welches\nendlich wieder der grössten Stadt am Rheine und den\nTausenden von Fremden, welche sie im Sommer besuchen,\nauch in der schönen Jahreszeit ein Theater sichert, in wel-\nchem die gebildete Welt neben der Freude an den monu-\nmentalen und plastischen Kunstschätzen Kölns nach den\nTageswanderungen an den Abenden auch die Liebe zur\ndramatischen Kunst befriedigen kann. Das Zustandekommen\ndieser neuen Sommer-Saison für Opern-Vorstellungen em-\npfiehlt sich an und für sich durch so viele auf der Hand\nliegende Vortheile, unter denen die allein durch Jahres-\nEngagements zu erzielende künstlerische Vervollkommnung\nder Gesammtleistungen der bedeutendste ist, dass es über-\nflüssig wäre, sie ausführlicher darzulegen. Es kann nicht\nmehr die Frage sein, ob überhaupt die Einwohnerschaft\neiner Stadt wie Köln die Fortdauer theatralischer Vorstel-\nlungen durchs ganze Jahr wünschen müsse und sie ins Le-\nben rufen werde, sondern nur, ob sie im gegebenen Falle\nder gegenwärtigen Theater-Direction das Vertrauen zollen\nkönne, die Ausführung in ihre Hand zu legen.\nNun, wir glauben keinen Widerspruch fürchten zu\ndürfen, wenn wir auf die Erfahrung, die wir über die Thea-\nterleitung während des Winters gemacht haben, den\nWunsch, dass das Vertrauen des Publicums der Direction\nentgegen kommen möge, und die Hoffnung begründen,\ndass diese dasselbe rechtfertigen werde. Wir sind gewiss\nwie manche Kunstfreunde im Publicum weit davon entfernt,\ndie Opern-Vorstellungen dieses Winters für mustergültige\nzu erklären, und sind vielleicht einiger Maassen berechtig-\nter dazu, als manche Tadler; aber eben so fern liegt uns\ndie Anlegung eines absoluten oder gar idealischen Maass-\nstabes an die Leistungen einer Provincialbühne, welche\njeder praktische Thealerverständige nur relativ, d. h. den\nVerhältnissen Rechnung tragend, beurtheilen wird, und das"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640507-01.1.6", "texte": "um so eher, wenn er in unserer Zeit die Erfahrung macht,\ndass auch bei den Bühnen grosser Städle und den Hof-\ntheatern in Residenzen jener absolute Maassstab der Kri-\ntik sehr verkürzt werden muss, wenn er den gerühmten\nGrössen gerecht werden soll. Das Streben nach wirkli-\nchen Kunstleistungen war jedenfalls vorhanden, und wenn\nes sich in der letzten Hälfte der Saison vielleicht etwas zu\nüberwiegend auf das Aeussere der Darstellungen, auf die\nAusstattung der Oper gelegt hat, so geben wir gern zu,\ndass auch diese Seite allerdings heutzutage ihre Berück-\nsichtigung verdient und dass die Direction darin Ausser-\nordentliches geleistet hat, müssen aber davor warnen, einem\nSysteme, welches am leichtesten von allen zur Uebersätti-\ngung und zu maasslos gesteigerten Ansprüchen der gros-\nsen Menge führt, mit Bevorzugung zu huldigen.\nIm Ganzen fanden vom 15. September 1863 bis 1.\nMai 1864 in Köln 118, in Bonn 19 Opern-Vorstellungen\nStatt. Ueberwiegend war an Wahl für das Repertoire und\nan Zahl der Vorstellungen die deutsche Oper. Zur Auffüh-\nrung von Opern deutscher Componisten kamen von Mo-\nzart „Belmonte und Constanze\", „Don Juan\", „Figaro's\nHochzeit\", „ Die Zauberflöte\"; von Beethoven „Fidelio\";\nvon C. M. von Weber „Der Freischütz\" und „Oberon\";\nvon Marschner „HansHeiling\"; von Conr. Kreutzer\n„Das Nachtlager in Granada\"; von Flotow „Martha\"\nund „Stradella\"; von Nicolai „Die lustigen Weiber von\nWindsor\"; von Lortzing „Czaar und Zimmermann\",\n„Undine\"; von R. Wagner „Tannhäuser\"; von Meyer-\nbeer „Robert der Teufel\", „Die Hugenotten\". Von fran-\nzösischen Componisten Halevy's „Jüdin\", Boieldieu's\n„Weisse Dame\", Auber's „Maskenball\" und „Die Stum-\nme von Portici\", Gounod's „Faust\". Von Italiänern:\nRossini's „Wilhelm Teil\" und „Der Barbier von Sevilla\";\nDonizetti's „Lucia\", „Lucrezia\", „Regimentstochter\";\nVerdi's „Trovatore\" und „Rigolello\". Mithin 17 deut-\nsche, 5 französische und 7 italiänische Opern. Von Schau-\nspielen mit Musik wurden gegeben: Goethe's „Egmont\"\nmit Musik von Beethoven, Shakespeare's „Wintermär-\nchen\" mit Musik von Flotow und dessen „Sommer-\nnachtstraum\" mit Musik von Mendelssohn. Mit neuer\nund, wie bereits erwähnt, vorzüglicher Ausstattung er-\nschienen „Das Wintermärchen\", „Undine\" und „Oberon\".\nDer Vollständigkeit wegen erwähnen wir, dass in den\nSchauspiel-Vorstellungen Shakespeare durch „Ham-\nlet\", „Othello\", „Kaufmann von Venedig\", „Richard II.\",\n„Richard III.\", „ Wintermärchen\", „Sommernachtstraum\",\n„Die bezähmte Widerspänstige\"; Goethe durch „Eg-\nmont\", „Faust\", „Clavigo\"; Schiller durch „Die Räu-\nber\", „Die Jungfrau von Orleans\", „MariaStuart\", „Wal-\nlenstein\"; Calderon durch „Das Leben ein Traum\";\nGutzkow durch „Das Urbild des Tartüffe\", „Zopf und\nSchwert\", „Der Königslieutenant\", „Ottfried\"; Laube\ndurch „Die Karlssehüler\", „Gottsched und Geliert\"; An-\ndere durch verschiedene Lustspiele u. s. w. vertreten waren.\nVon bedeutenden Gästen sahen wir im Schauspiel die\nHerren Emil Devrient und Dawison, die Damen Ma-\nrie Niemann-Seebach und Hedwig Raab e; in der\nOper die Sängerinnen Fräulein Arl6l, Frau Tuczek-\nHerrenburg und Fräulein Pauline Lucca,die Sänger\nKarl Formes und Carrion.\nDie meisten von den Vorstellungen der genannten\nOpern genügten einer Kritik, welche vor Allem die For-\nderung an eine Bühnen-Gesellschalt stellt, dass die Auf-\nführungen so gut eingerichtet werden und ein so gutes\nZusammenspiel aufweisen, wie es die vorhandenen Kräfte\nund Mittel ermöglichen. Diese Forderung haben wir nur\neinige Male unberücksichtigt gefunden, wo das engagirte\nPersonal eine zweckmässigere Besetzung möglich gemacht\nhaben würde. Wir kennen aber die Bühnen-Verhältnisse\nzu gut, um dergleichen MissgrifFe, die oft durch Persönlich-\nkeiten, die sie schonen muss, veranlasst werden, der Di-\nrection allein zum Vorwurfe zu machen. Man muss beden-\nken, dass oft die Erhaltung des Hausfriedens kleine Opfer\nverlangt, geschweige denn der Theaterfriede! Manche\nVorstellungen, und nicht die am leichtesten ausführbaren,\nleisteten dagegen mehr, als die Erfüllung der eben ausge-\nsprochenen Forderung, und vertrugen ganz gut einen hö-\nheren Maassstab für künstlerische Ausführung und Abrun-\ndung; wir rechnen dahin namentlich Fidelio, Figaro's\nHochzeit, Die Hugenotten, Hans Heiling, Tannhäuser, Tro-\nvatore, in deren Vorstellungen auch der verwöhntere Zu-\nhörer gern verweilen und einen befriedigenden Kunstge-\nnusshaben konnte. Um das Ganze dieser Aufführungen, so\nwie um vieles Einzelne in allen anderen haben die Damen\nFrau Zademak-Doria, Fräulein Agnes Bury und\nFriederike Grün mehr oder weniger grosses Verdienst,\nferner die Herren Grimminger, Wolters, Lang\nund Lindeck unbestreitbare Ansprüche auf die Anerken-\nnung des Publicums, welche denn auch allen genannten\nMitgliedern der Opernbühne stets in reichem Maasse durch\nden lebhaftesten Beifall zu Theil wurde.\nUeber die Gastspiele in der Oper haben wir in diesen\nBlättern zu ihrer Zeit gesprochen, über das zweimalige\nAuftreten von Fräulein Lucca ausführlich in der vorigen\nNummer vom 30. April.\nIn beiden Aufführungen, den Hugenotten und dem\nFaust, hatte Fräulein Lucca zwei treffliche Sänger zur Seite\nin Herrn Grim mi n ger (Raoul und Faust) und Herrn\nLind eck (Marcel und Mephistopheles). Wer die Frische\nund Kraft, mit welcher Herr Grimminger die genannten"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640507-01.1.7", "texte": "beiden Rollen am Sonntag und dem darauffolgenden Dins-\ntag gesungen, wahrgenommen hat, der wird den abspre-\nchenden Aeusserungen, mit denen man leider in Deutsch-\n* *\nland gar leicht bei den verdientesten Künstlern bei der\nHand ist, dass ihre Blüthe längst vorüber sei, mit voller\nUeberzeugung entgegentreten. Zu dem künstlerisch aus-\ndrucksvollen Gesänge kommt bei Grimminger das ausge-\nzeichnete Spiel hinzu, das in jeder Scene den Darsteller\nzeigt, der den durchzuführenden Charakter studirt hat und\npsychologisch in den Hauptmomenten seiner Entwicklung\nzur Anschauung zu bringen strebt. Wir bedauern es sehr,\ndass uns Herr Grimminger verlässt, da wir in ihm nicht\nbloss einen vorzüglichen Bühnenkünstler, sondern auch\nsonst vielseitig begabten Mann kennen gelernt haben, wie\nes seine früheren Sculptur-Arbeiten und seine dichterischen\nAnlagen beweisen, vermöge deren er namentlich den Volks-\nton in Gedichten in schwäbischer Mundart vorzüglich out\nzu treffen versteht\n*)•\n\nMeyerbeer †.\nAls wir in der vorigen Nummer die Biographie Meyer-\nbeer's nach Fetis mitzutheilen begannen, hatten wir keine\nAhnung davon, dass sie so bald zum Nekrolog werden würde.\nDer grosse Tondichter ist am 2. Mai, Morgens sechs\nUhr, in Paris gestorben. Er ist einer Erkältung des Un-\nterleibes erlegen, welche Anfangs keineswegs einen so trau-\nrigen Verlauf vorhersehen liess: noch acht Tage vor sei-\nnem Tode war er so wohl, dass er eine Reise zu machen\ngedachte. Er hat fast die ganze Zeit der Krankheit über\nsein völliges Bewusstsein behalten, nur ergriff ihn gegen\ndas Ende eine Schwäche, die nichts Schmerzliches hatte.\nSein Abschied vom Leben war ein sanfter Uebergang.\nEr hat genaue Anordnungen über die Behandlung\nseiner sterblichen Hülle hinterlassen. Die Leiche soll drei\n/\nTage lang in Paris ausgestellt und bewacht und dann auf\ndem von ihm bestimmten Wege nach Berlin gebracht wer-\nden, wo sein Testament zu eröffnen ist. Seine Töchter, aus\nBaden herbeigerufen, kamen noch zu rechter Zeit, seinen\nletzten Athemzug zu empfangen.\nSeit October v. J. hatte er Paris nicht verlassen, um\npersönlich das Einstudiren der „Africanerin\" zu überwachen,\nfür deren Aufführung er endlich seinen Forderungen genü-\ngende Darsteller gefunden zu haben glaubte (wie es heisst,\ndie Damen Sax und Battü und den Tenoristen Wachtel).\nMan erzählt, dass Rossini der Erste gewesen, der bei der\nTrauerbotschaft nach dem Sterbehause geeilt sei.\nDer Todesfall hat in Berlin, der Vaterstadt des Mei-\nsters, Nachforschungen über seinen Geburtstag veranlasst,\nund die Einsicht in die Geburts-Begister der jüdischen Ge-\nmeinde daselbst hat gezeigt, dass Jakob (Meyer) Beer,\nSohn des Zuckersiederei-ßesitzers und ßanquiers Jakob\nHerz Beer (f 1825), am 23. September 1791 geboren\nwar, mithin ein Alter von 72 Jahren 7 Monaten und eini-\ngen Tagen erreicht hat. Den Vornamen Meyer hat er\nspäter nach dem Willen seiner Grossmutter (oder Tante,\nwie von anderer Seile gesagt wird), die ihm ein bedeuten-\ndes Vermögen vermacht hatte, angenommen und erst in\nT. I • • 1 _\nItalien sich Giacomo Meyerbeer genannt\n*) Wir theilen unten eines dieser Gedichte mit, dem vielleicht\nnoch andere, ebenfalls zur Composition geeignete, folgen dürften.\n*).\n\nGang, Winter, gang, dei Zeit ist ’rum.\nAdolf Grimminger.\nJetz will si s wieder maiig rege\nUnd d' Welt lacht gar so freundlich drein;\nGott grüss, du lieber Himmelssege,\nGott grüss, du gold ger Sonnescheiu !\n0, wie das wohl thut aus und inne,\nKei Fleckle Schnee meh um und um!\n's iss Frühling, brauchst di gar nit z'bsinne,\nGang, Winter, gang, dei Zeit ist Vum.\nHörst 's Schwälble net, wie's ruft: rjetz wander\"?\nLang gnug hent d' Blümle träumt und g'ruht,\nUnd du und Frühling bei anander.\nDes thät sei Lebtag doch kei gut.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nIm sechsten Abonnements-Concerte des\nHof-Orchesters unter der Direction des Hof-Capellmeisters Karl\nReiss wurde in der zweiten Abtheilung Ferd. Hiller's Sinfo-\nnie in E-moll: „Es muss doch Frühling werden\", gemacht. Man\nhörte der trefflichen Ausführung die höchst sorgfältige Vorbereitung\nund die Begeisterung des Orchesters für das Werk an. Dieselbe\ngünstige Stimmung ergriff auch die Zuhörerschaft, welche zwar\nAnfangs etwas zurückhaltend schien, aber nach dem Scherzo und\nFinale in stürmischen Beifall ausbrach. Dem Herrn Capellmeister\nReiss, der sich überhaupt auch um diese Concerte, nicht bloss um\n\n*) Hiernach sind die Angaben bei Fetis (und im Conversa-\ntions-Lexikon, 10. Ausg., und im musicalischen Lexikon von Berns-\ndorf— Verlag von —u. s. w.) und in unserer Nr. 18 zu be-\nrichtigen, und die Angabe der Allg. Leipz. M. -Zeitung, Jahrg.\n38, S. 876, wird dadurch bestätigt. Was unsere Anmerkung Nr.\n18, S. 140) in Bezug auf die Vollendung einer von C. M. von We-\nber begonnenen Oper durch Meyerbeer betrifft, so ist uns von zu-\nverlässiger Seite die Nachricht zugegangen, dass Meyerbeer sich al-\nlerdings gegen die Witwe Webers erboten hat, die Oper: „Die\ndrei Pinto's\"} zu vollenden, dass er aber vor anderen Arbeiten\nnicht dazu gekommen ist. Der Text war ursprünglich von Theodor\nHell, soll aber späterhin nach Meyerbeer s eigener Aeusserung durch\nFrau Birch-Pfeiffer für ihn umgearbeitet worden sein. Weber hatte\nden ersten Act und einiges Andere fertig."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640507-01.1.8", "texte": "das Theater, sehr verdient gemacht hat, wurde durch zweimaligen\nHervorruf der warme Dank des Publicums zu Theil. An demselben\nAbende trug Herr Concertmeister Ferdinand David aus Leipzig\nein Concert in A-moll von Viotti und ein Andante und Scherzo\nvon seiner Compotition mit rauschendem Beifalle vor. Ueber die\nganze Saison erhalten Sie nächstens einen Bericht.\nIn diesen Tagen verliess uns Arrey von Dom-\nmer, eine auch in weiteren Kreisen als Kritiker, Gelehrter und\nForscher bekannte Persönlichkeit und, fügen wir hinzu, ein eben so\nliebenswürdiger wie charaktervoller Mensch. Dass man ihn hier\nnicht zu fesseln und zu beschäftigen wusste, beweist, dass auch in\nLeipzig wie anderwärts in den maassgebenden musicalischen Kreisen\nnicht Alle§ so ist, wie es sein sollte. A. v. Dommer hatte im Win-\nter 1860—1861 im „Tageblatt\" allerdings ziemlich scharfe, aber\nehrliche Kritiken über das hiesige Musikwesen geschrieben und sich\ndadurch vielleicht hier und da missliebig gemacht, wo man gewohnt\nwar, Schmeicheleien oder unbedingte Anerkennung zu vernehmen.\nA. von Dommer geht zunächst nach Lauenburg an der Elbe, um\nin Gemeinschaft mit seinem Freunde F. Chrysander an wichtigen\nAufgaben der Kunstwissenschaft weiter zu arbeiten. Wir wünschen\nihm für die Zukunft ebnere Pfade, als die bisherigen waren, und\nrufen ihm hiermit ein herzliches Lebewohl nach. (A. M. Z.)"}]}