{"numero_id": "bm-bmtnabi-1864-05-14-01", "volume": "bmtnabi_1864-05-14_01", "ocr_sha256": "9d4f28f6eb69a17879012c286a590cf4d223c14a1a3f9a9e19394ea397ba0597", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1864/05/14_01/bmtnabi_1864-05-14_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640514-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1864-05-14-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-05-14_01#c001", "volume": "bmtnabi_1864-05-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "153", "page_fin": "153", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640514-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "153", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640514-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 472, "texte": "Inhalt.\nMeyerbeer1s letzte Tage und seine Leichenfeier in Paris und Berlin. Aus Braunschweig (Rahab, Oratoriuni von\nWilh. Meves). Von Diamond. Anzeigen (J. S. Bach: Erstes Concert Sechs Orgel-Sonaten Sechs Fragmente aus Kirchen-Can-\ntaten G. Muffat: Passacaglia für Ciavier oder Orgel C. H. Graun: Gigue für Pianoforte J. P. Kirnberger: Allegro für Ciavier\nPh. Em. Bach: Clavier-Sonaten). Von Dr. Mettenleiter. 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Ein untergeordneter per-\nsönlicher Zweck war bei dieser Thätigkeit die praktische\nPrüfung des jetzigen Künstler-Personals der grossen Oper\nin Bezug auf die endliche Aufführung der „Africanerin\".\nDass er aber bereits seine bestimmte Einwilligung zu die-\nser Aufführung gegeben oder gar schon Proben zu der-\nselben geleitet habe, ist ein Irrthum.\nAllerdings war er halb und halb entschlossen, die\n„Africanerin\" für die nächste Saison auf die Bühne zu\nbringen; allein den schlagendsten Beweis, dass in Hinsicht\ndarauf noch nichts festgestellt war, gibt der Schluss der\nRede des Herrn Perrin am Sarge des Meisters. Hier spricht\nHerr Perrin, der Director der grossen Oper, nur von dem\nWunsche und dem Willen des Dahingeschiedenen, auch\ndiese Oper, wie seine früheren, auf der ersten pariser\nBühne erscheinen zu sehen, und dass es jetzt an Frank-\nreich, auf dessen Boden sich die Partitur befände, sei, den\nGedanken des Verewigten fortzuführen und ins Werk zu\nsetzen. „Seine Angehörigen, seine Freunde, die zu Häup-\nten des Sterbenden an seinem Bette gewacht, haben sei-\nnen Wunsch vernommen und werden seinen letzten Willen\nbezeugen.\" —Hiernach wird also die Eröffnung des Testa-\nmentes und, wenn dieses nichts über diese Angelegenheit\nenthalten sollte, die Zustimmung der Erben abzuwarten\nsein. Die Nachricht einiger Blätter, dass die Proben zur\n„Africanerin\" am 1. Juli beginnen würden, ist ungenau.\nMeyerbeer verhehlte die Ansicht keineswegs, dass die\nBlüthezeit der grossen Oper in Paris vorüber sei, dass\ndieses Institut, das ehemals keinen Nebenbuhler gehabt,\nmehr Rückschritte als Fortschritte auf der Bahn der Dar-\nstellungs- und Gesangeskunst gemacht habe, eine Wahr-\nnehmung, die er besonders aus den Aufführungen seiner\neigenen Werke in den letzten Jahren geschöpft habe.\n„Ich will doch lieber noch warten\" war immer sein\nletztes Wort, wenn die Aufführung der „Africanerin\" zur\nSprache kam. Nur in den letzten Wochen soll er die\nCopisten gedrängt und den Entschluss gefasst haben, Alles\nso weit vorzubereiten, dass die Proben am 1. Juli beginnen\nkönnten, und daher scheint denn die Nachricht, dass sie\nalsdann wirklich beginnen würden, zu stammen.\n„Man erzählt,\" schreibt uns unser Correspondent,\n„dass er in den Tagen seiner Krankheit das Bedauern\nausgesprochen habe, die Instrumentirung der Ouvertüre\nzur Africanerin nicht vollenden zu können. Da aber von\nAugenzeugen bestätigt wird, dass er keineswegs seinen\nZustand für so gefährlich hielt, wie er war, so lässt sich\njenes Bedauern, wie auch der Wunsch, die vierhundertste\nVorstellung der Hugenotten zu erleben, den er eben-\nfalls ausgesprochen haben soll, nicht wohl mit der That-\nsache vereinigen, dass er sein Ende so wenig ahnte, dass\ner sogar verbot, den Seinigen Nachricht von seiner Krank-\nheit zu geben.\"\nEs ist zu erwarten, dass sein Testament Bestimmun-\ngen über seinen musicalischen Nachlass enthält; ein abso-\nlutes Verbot der Aufführung oder Veröffentlichung seines\nletzten dramatischen Werkes ist unwahrscheinlich, da er\nes offenbar nur aus übertriebenen Forderungen an die\nDarsteller so lange zurückgehalten hat, schwerlich aber\naus zu strenger Selbstkritik.\nMeyerbeer's Gesundheit hatte schon seit dem Jahre\n1851 gelitten. Er hielt sich nur durch Vorsicht und sorg-\nfältige Rücksichtnahme auf seinen Körper, durch Scho-\nnung und Ruhe und genaue Befolgung der Vorschriften\nseiner Aerzte, wenigstens so lange seine Leidenschaft lür\n\n*) Aus den Mittheilungen unseres Correspondenten und anderen\nzuverlässigen Quellen. Die Kedaction."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "154", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640514-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5334, "texte": "die Kunst ihn sie nicht vergessen liess. Den Sommer\nbrachte er seit Jahren meistens in Spaa zu, einige Wochen\nauch zuweilen in Wiesbaden und Langenschwalbach. In\nden letzten Jahren war er sehr mager und schwach, alles\nLeben concentrirte sich in seinem Geiste und in seinem\nBlicke. Diesen Winter nahm er keine Einladung an und\nspeiste nie ausser dem Hause. Aber er versäumte keine\nerste Vorstellung einer neuen Oper und folgte dem Werke\nund den Darstellern mit der angestrengtesten Aufmerk-\nsamkeit. Solche Abende ermüdeten ihn sehr, noch mehr\naber griffen ihn die Proben zu den Hugenotten an. Beides\nwollte er indess nie Wort haben, bis er sich gezwungen\nsah, das Zimmer zu hüten und sich zu legen.\nAllein er halte, wie gesagt, keine Ahnung der Gefahr\nund verbot ausdrücklich, den Seinigen Nachricht zu geben.\nTrotzdem telegraphirte man an seine Gattin in Berlin und\nan zwei von seinen Töchtern in Baden. Die Töchter ka-\nmen am Sonntag Morgen (den 1. Mai) an. Da er aber\nschon sehr schwach war, so liess man sie nicht sogleich\nvor und bereitete ihn nur auf ihre Ankunft durch die\nNachricht, dass sie von Baden abgereist wären. Endlich\nsagte ihm sein Neffe Julius Beer, der mit Gemmy Brandus\nund seinem treuen Kammerdiener August immer um ihn\nwar, dass sie da wären. Er sprach noch freundlich mit\nihnen, erkundigte sich, ob sie mit ihrer Wohnung in Ba-\nden zufrieden wären, ob es auch an nichts darin fehle.\nAuch dankte er den anderen Anwesenden für ihre Sorg-\nfalt um ihn. Er hatte eine ziemlich ruhige Nacht; gegen\nhalb sechs Uhr verlangte er ein wenig Bouillon; er seufzte\nnoch einmal und schlief sanft ein.\nIn seinem Reise-Portefeuille fand man ein Blatt mit\nder Vorschrift über die Behandlung seiner Leiche. Es\nschloss mit den Worten: „Gottes Wille geschehe! Sein\nName sei gelobt und gepriesen im Himmel und auf Er-\nden! Amen.\"\nDa nach dieser Vorschrift seine sterbliche Hülle, nach-\ndem sie drei Tage über der Erde gestanden, nach Berlin\ngebracht werden sollte, um dort in dem Familiengewölbe\nauf dem israelitischen Kirchhofe beigesetzt zu werden, so\nbildete sich in Paris eine Commission, um derselben vom\nSterbehause (Rue Montaigne an den Champs Elysees) bis\nzum Bahnhofe der Nordbahn durch einen feierlichen Zug\ndie letzte Ehre zu erweisen.\nUm 1 Uhr (den 6. Mai) setzte sich der Zug vom\nSterbehause aus in Bewegung. Das Wetter war schön,\neine unzählige Menschenmenge stand dichtgedrängt längs\nder Fahrstrasse der Champs EEin Peloton der Na-\ntionalgarde eröffnete den Zug, mehrere Compagnieen der-\nselben bildeten das Spalier. Die Musikcorps der Gensd'ar-\nmerie der kaiserlichen Garde, der Garde-Grenadiere und\ndes dritten Bataillons der Nationalgarde stimmten abwech-\nselnd Märsche und Chöre aus Meyerbeer's Werken an.\nHinter den Musikcorps folgte der Leichenwagen, mit\nsechs Pferden bespannt; der Sarg war mit Blumen geziert.\nDie Schnüre des Leichentuches hielten, zur Seite des Wa-\ngens gehend, der preussische Gesandte Graf von der Goltz\nund der Ober-Intendant der Theater Graf Baciocchi (sie\nübergaben sie später an ihre Stellvertreter, den ersten Ge-\nsanTltschafts-Secretär und den Herrn Camille Doucet), die\nHerren von Gisors und Beute, Mitglieder des Instituts, de\nSt. Georges, Präsident des Vereins der dramatischen\nSchriftsteller, der Baron Taylor, Präsident des Vereins der\ndramatischen und musicalischen Künstler, Auber, Director\ndes Conservatoriums, und Perrin, Director der grossen Oper.\nHinter dem Wagen trugen zwei Diener in Trauer-\nkleidern der eine die Orden des Verewigten, der andere\neinen Kranz von Immortellen. An der Spitze der Leidtra-\ngenden ging der Neffe des Verstorbenen, Herr Jules Beer,\nund zwei andere Anverwandte; dann folgte die Commis-\nsion für die Veranstaltung der Feier, die Mitglieder des\nisraelitischen Consistoriums, die zahlreichen Abgeordneten\nder musicalischen Section des Instituts, des Vereins der\ndramatischen Dichter und Componisten, des Künstler-\nvereins, des Personals der drei Operntheater, des Conser-\nvatoriums und der deutschen Sängervereine. Ausserdem\nbemerkte man eine Menge Notabilitäten aller Stände in\ndem Zuge, unter Anderen den Marschall Vaillant, den\nMinister des kaiserlichen Hauses und der schönen Künste,\nden Marschall Magnan, den Baron Emil Pe-\nreire u. s. w. Fünfzehn Trauerwagen und ein Zug Na-\ntionalgardisten machten den Schluss.\nUeber zweihunderttausend Menschen hatten sich von\nder Strasse Montaigne bis zum Nordbahnhofe aufgestellt\nund alle Balcons, Fenster, Dächer und Vorsprünge waren\ndicht besetzt; es war ein grossartiges Schauspiel, wie man\nes nur in einer so grossen Stadt wie Paris sehen kann.\nDer Zug gebrauchte zwei volle Stunden, um von der\nStrasse Montaigne über einen Theii der grossen Allee der\nChamps Elysees, die Eue royale, die Boulevards, die Stras-\nsen Drouot und Lafayette bis zur Nordbahn zu gelangen.\nHier war der frühere Stationshof mit schwarzem Tuche\nausgeschlagen, eben so wie der grosse Wartesaal, in wel-\nchem der Katafalk stand. Auf den schwarzen Draperieen\nwaren Schilde mit den Titeln der vorzüglichsten Werke\nMeyerbeer's angebracht. In dem äusseren Räume waren\nSängerchöre und Orchester aufgestellt, ausserdem Reihen\nvon Stufensitzen, die mit Damen und eingeladenen Perso-\nnen gefüllt waren, welche den Zug dort erwarteten.\nGesang, Harmoniemusik und Reden wechselten ab.\nEs sprachen die Herren Beute, de St. Georges, Camille"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "155", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640514-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5413, "texte": "Doucet (von der General-Intendantur der Theater), Tay-\nlor, Perrin, Emil Ollivier, der Präsident des Consisloriums\nund der Ober-Rabbiner.\nUm vier Uhr wurde der Sarg auf den Eisenbahnzug\ngehoben. Die Herren Jules Beer, Perrin und Brandus be-\ngleiteten ihn nach Berlin.\nDie verschiedenen Reden berührten fast alle das Ver-\nhältniss der Nationalität, was bei einem Meisler, der von\nGeburt ein Deutscher war, aber der französischen Bühne\nfür die ersten Aufführungen seiner grössten Werke den\nVorzug gegeben hatte, ganz natürlich war. Am besten\nsprach sich Herr Beulö, Mitglied des Instituts, in dieser\nBeziehung aus, indem er unter Anderem sagte: „Von al-\nlen Kämpfen zwischen zwei Nationen gibt es keinen rühm-\nlicheren, als den Streit um den Ruhm und die Werke\neines grossen Mannes, so lange er lebt, und um das Recht,\nseine Asche zu ehren, wenn er gestorben ist. Es ist das\neine edle Eifersucht, welche die Völker einander näher\nbringt, anstatt sie zu trennen, ein edler Wettkampf, der\nkein Blut und keine Thränen kostet, wohl aber diesseit\nund jenseit der Gränzen die Liebe zum Schönen und die\nAchtung vor dem Talente nährt und immer höher ent-\nwickelt. Gewiss hätte Frankreich die sterblichen Ueber-\nreste des grossen Tondichters eben so gern wie Deutsch-\nland in seinem Schoosse behalten, wenn der Wille eines\nSterbenden nicht heilig wäre. Meyerbeer hat bestimmt,\ndass die Erde seines Geburtslandes seinen letzten Schlaf\nschütze. So müssen wir denn diesen traurigen, aber von\nRuhm umstrahlten Zug von hier scheiden sehen, mitten\nunter Thränen, und die letzten Ehrenbezeigungen, die wir\nihm hier beweisen, sind nur das Vorspiel der feierlichen\nBestattung, die ihm in Berlin zu Theil werden wird; aber\ndie Trauer kann dort nicht tiefer und aufrichtiger sein,\nals hier. Unsere Gedanken begleiten ihn auf der Trauer-\nreise nach einem Grabe in der Heimat und theilen mit\nseinen Landsleuten die Gefühle des Schmerzes. So werden\nsich zwei Nationen über sein Grab beugen; aber wenn\nDeutschland das Sterbliche des Meisters hütet, dem es das\nLeben gab, so darf sich Frankreich das Eigerilhum der\nWerke aneignen, die er für die französische Bühne schrieb\nund die mit leuchtenden Buchstaben in das goldene Buch\nunserer musicalischen Dramen eingetragen sind.\"\nAus Berlin schreibt man vom 9. Mai: „Heute Mittag\nfand die Leichenbestattung Meyerbeers unter grosser und\nallgemeiner Theilnahme Statt. Schon eine Stunde vor dem\nBeginne der eigentlichen Leichenfeier wogte es unter den\nLinden und auf dem pariser Platze, wo im Hause Nr. 6,\nder Wohnung Meyerbeer's, dessen Sarg unter blühenden\nTopfgewächsen stand. In einem schwarz decorirten Saale\nerhob sich der Katafalk. Der Sarg war mit einer schwar-\nzen, silberdurchwirkten Decke überzogen und prangte in\neiner Fülle von Kränzen. Sechs Kerzen umstanden den-\nselben, eben so viele Candelaber den Katafalk, und ein\nLustre warf von der Decke herab seine Strahlen auf den\nSarg. Zu den Füssen desselben lagen auf schwarzen Kissen\ndie 11 Orden, die den Verewigten geschmückt, daneben\nlegte Taubert einen Lorberkranz. Zur Linken prangte auf\neiner Säule die verhüllte Marmorbüste des Meisters. Ihre\nMajestät die Königin Augusta und Ihre K. Hob. die Frau\nPrinzessin Friedrich Karl hatten den Sarg gleichfalls mit\nKränzen schmücken lassen. Die Säle der Wohnung ver-\nmochten die Trauer-Versammlung nur zum kleinen Theile\nzu fassen, wesshalb gar viele auf Treppe, Flur und Strasse\nweilen mussten. Unter den in den Sälen Anwesenden be-\nmerkte man Se. K. Höh. den Prinzen Georg (wie bekannt,\nselbst gründlicher Kenner und Plleger der Musik,, den\nFürsten Radziwill, den Oberstkämmerer Grafen Wilhelm\nvon Redern, den Minister des königlichen Hauses Frhrn. v.\nSchleinitz, den Ober-Ceremonienmeister Graleu Stillfried,\nden Hofmarschall Grafen Lucchesini, den Stadt-Comman-\ndanten Gen.-Lieut. v. Alvensleben, den französischen Bot-\nschafter Baron v. Talleyrand-Perigord, den italiänischen\nGesandten, den hannoverschen Gesandten und viele Nota-\nbilitäten der Wissenschaft und Kunst, so auch die Vertre-\nter der Akademie der Künste, deren Mitglied der Ver-\newigte gewesen, Abordnungen des Magistrats und der\nStadtverordneten, den Oberbürgermeister Seydel und den\nStadtverordneten-Vorsteher Kochhann an der Spitze, wie\ndes Vorstandes der jüdischen Gemeinde. Da der General-\nIntendant der königlichen Schauspiele, Kammerherr von\nHülsen, verreist ist, so hatte er sich ausdrücklich durch\nden Director des Schauspiels, Düringer, den Capellmeister\nTaubert und den Kanzleirath Heuser vertreten lassen. Das\nSolo-Personal der königlichen Oper eröffnete die Feier\nmit einem Trauergesange, dessen Weise der Verewigte\nselbst gesetzt und welchen der Musik-Director Radecke\nfür Männerchor arrangirt hatte. Es folgte die Gedächtniss-\nrede des Rabbiners Dr. Joel aus Breslau, der des Heim-\ngegangenen Ernst, Fleiss und Genius pries und die Sprache\nseiner Werke verherrlichte. Ein zweiter Trauergesang en-\ndete die Feier im Hause, Bald nach 1 Uhr setzte sich der\nZug in Bewegung. Voran schritt der erste Musik-Director\nder hiesigen Militärmusik, Wieprecht, mit einem umflor-\nten Stabe; ihm folgten drei Militär-Musikcorps, die Beet-\nhoven's und Wieprecht's Trauermärsche bliesen; die Mu-\nsikmeister trugen gleichfalls umflorte Stäbe. Der Musik-\nmeister des 8. (Leib-) Infanterie-Regiments, Piefke, war\nvon dem Kriegsschauplatze zur Feier hiehergeei It. Dann\nfolgte das Bureau der General-Intendantur der Schau-\n\nte"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "156", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640514-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1873, "texte": "spiele, die Capellmeister, Musik-Directoren und Concert-\nmeister der königlichen Capelle, dann der Capellmeister\nDorn mit dem Kissen, auf welchem die Orden lagen, hier-\nnach der mit Palmen geschmückte Leichenwagen, zu des-\nsen beiden Seiten, neben den Leichenträgern, die jüngsten\nMitglieder der königlichen Capelle, Palmenzweige tragend,\neinhergingen. Hinter dem Leichenwagen schritten die Leid-\ntragenden, der Schwiegersohn Meyerbeer's, Rittmeister im\n2. Garde-Dragoner-Regiment, v. Korff, die beiden Neffen\nJules und Georg Beer, die Mitglieder der königl. Capelle,\nder königl. Theater, die Vorsteher der Privat-Theater, De-\nputationen, darunter auch der Director der kaiserlichen\nOper, Perrin aus Paris, und eine lange Wagenreihe, er-\nöffnet durch die sechsspännigen Galawagen Ihrer Majestä-\nten des Königs und der Königin, wie der königlichen Prin-\nzen. Als der von einer dichten Menge umwogte Zug am\nOpernhause angelangt, ward eine grosse Trauerfahne dort\nentfaltet, der männliche Opernchor trat auf die Bampe und\nsang: „ „Was Gott thut, das ist wohlgethan.\"\" Die Choristen\nreihten sich dem Zuge ein, der überall grosse Zuschauer-\nmassen herbeigezogen. Er hatte sich durch die Linden,\nden Kastanienwald, die neue Friedrichs-, Burgstrasse, neue\nPromenade, Rosenthaler- und Schönhauserstrasse nach\ndem jüdischen Begräbnissplatze vor dem Schönhauser-\nThore bewegt. Hier waren Eingang und Halle schwarz\ndecorirt. Unter der letzteren ward der Sarg abgesetzt, der\nTheaterchor sang Schiller's „ „Bäsch tritt der Tod\"\" nach\nB. A. Weber's Composition, der Babbiner hielt die hebräi-\nsche Trauer-Liturgie und sprach ein deutsches Gebet.\nNunmehr wurde der Sarg in der Familiengruft neben des\nVerewigten ihm vor zehn Jahren vorangegangenen Mutter\nbeigesetzt. Die jüngste Tochter des Meisters begleitete ih-\nren Vater bis zum Grabe. Eine schöne Frühlingssonne\nleuchtete der Feier.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-05-14-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-05-14_01#c003", "volume": "bmtnabi_1864-05-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "156", "page_fin": "156", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640514-01.2.3", "titre_corps": "Nachtrag.", "titre_sommaire": "Nachtrag.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "156", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640514-01.1.4", "debut_caractere": 1875, "fin_caractere_exclue": 5216, "texte": "Nachtrag.\nAus dem Nachrufe an Meyerbeer, den die Nr. 19 der\nRevue et Gazette niusieale vom 8. Mai enthält, erfahren\nwir noch folgende Einzelheiten über die „Africanerin\":\nSchon im Jahre 1840 war die Direction der grossen\nOper in Besitz von zwei Opern-Gedichten: „Der Prophet\"\nund „Die Africanerin\". „Der Prophet\" erhielt den Vor-\nzug, aber bald nach der ersten Vorstellung desselben ver-\ntraute uns*) Meyerbeer das Manuscript der Africanerin,\nderen Partitur schon geschrieben war, mit der Bitte an,\nihm unsere Bemerkungen darüber mitzutheilen, die er mit\neigener Hand abschrieb, um sie Scribe vorzulegen. So\nwurde das Buch umgearbeitet, und in Bezug auf die Aen-\nderungen in der Musik, welche durch die Aenderungen\ndes Textes nöthig werden würden, äusserte Meyerbeer:\n„Das thut nichts! Ich bin immer bereit, meine Musik-\nstücke zu ändern; im Propheten habe ich noch viel mehr\ngeändert.\"\nDas neue Manuscript der Africanerin wurde dem\nComponisten im Mai 1852 eingehändigt und die Partitur\nwar im Jahre 1860 vollständig fertig. Es handelte sich\nseitdem nur um die Aufführung, wozu aber Meyerbeer\nkeineswegs drängte. Gewiss ist es aber, dass er im Herbste\nvorigen Jahres nur desshalb nach Paris gekommen war.\nEs war im Anfange des September, wo er dort eintraf\nund trotz der Ermüdung von der Reise noch denselben\nAbend in die Oper ging, um Fräulein Tietjens in den\nHugenotten zu hören. Seitdem war täglich von der „Afri-\ncanerin\" die Rede; er hatte sich entschieden, Fräulein\nSax die Hauptrolle anzuvertrauen, und beschäftigte sich\nviel mit der vorzunehmenden Austheilung der übrigen\nRollen und nach seiner Weise mit allen Einzelheiten der\nInscenesetzung. Die Bollen und Orchesterstimmen wurden\nin seiner Wohnung ausgeschrieben, die Haupt-Partieen\nwaren bereits vollständig und die kleineren wenigstens\nvom ersten Acte fertig. Aenderungen nahm er nicht wei-\nter vor, nur äusserte er zu einem Freunde: „Ich hatte\nAnfangs nur eine Introduction geschrieben, man hat mir\naber gerathen, eine Ouvertüre an deren Stelle treten zu\nlassen. Ich habe eine gemacht, sie ist ganz fertig, ich habe\nsie da liegen und brauche nur noch die Instrumentirung\nzu vervollständigen. Schade, dass mich mein Unwohlsein\njetzt daran hindert.\"\nUebrigens belebte ihn noch bis zu dem Augenblicke,\nwo er krank wurde, ein unermüdlicher Trieb zur Thätig-\nkeit. Er wünschte namentlich ein Textbuch zu einer komi-\nschen Oper und dachte an die Anfertigung eines verbinden-\nden Textes zu seiner Musik zu dem Trauerspiele Struensee.\nDer Todtenzettel, mit welchem „Frau Witwe Meyer-\nbeer, die Fräulein Cäcilie und Cornelia Meyerbeer, der\nBaron und die Baronin von Korff und deren Sohn, Herr\nund Madame Georges Beer, Herr und Madame Jules Beer\nund ihre Kinder, Herr und Madame Alexander Oppen-\nheim, Herr und Madame Haber, Fräulein Laura Haber,\nFräulein Anna Eberty den Tod Meyerbeer's (des Gatten,\nVaters, Schwiegervaters, Onkels und Grossonkels)\" in\nParis anzeigten, besagt: „dass er, zweiundsiebenzig\nJahre alt, am 2. Mai 1864\" gestorben sei wonach\nalso kein Zweifel mehr über sein Geburtsjahr 1791\n(nicht 1794) Statt finden kann.\n*) Man ersieht nicht genau, auf wen sich das „uns\" bezieht.\nDer Aufsatz ist von Edouard Monnais unterzeichnet, und so mö-\ngen wohl dieser Schriftsteller und Herr Rrandus, der Herausgeber\nder Revue etc. und langjährige Freund Meyerbeer's, gemeint sein."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-05-14-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-05-14_01#c004", "volume": "bmtnabi_1864-05-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "157", "page_fin": "158", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640514-01.2.4", "titre_corps": "Aus Braunschweig.", "titre_sommaire": "Aus Braunschweig.", "signature_source": "Diamond", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "157", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640514-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5330, "texte": "Aus Braunschweig.\n\n(Rahab, Oratorium von Wilh. Meves.)\nDen 9. Mai 1864.\nVor wenig Tagen ward uns hier der Genuss, ein neues\nOratorium von einem Landsmanne, dem Kammermusicus\nMeves, zu hören, der bis dahin sich hier bloss als aus-\nübenden Künstler in der herzoglichen Capelle kundgege-\nben, hinter welchem man keineswegs ein so durchdachtes\nund ernstes Kunstwerk vermuthet hatte. Unsere Freunde\nder Tonkunst, von dem Erfolge entzückt, bemühen sich\ngegenwärtig, den Tonsetzer zu einer zweiten Aufführung\nin einem grösseren Räume, in der hiesigen Egidienkirche,\nzu veranlassen, um sich sowohl des Geschenkes zu er-\nfreuen, als um den Geschenkgeber zu frischem Schaffen\nzu ermuntern. Wirklich ist das Auftauchen eines solchen\nTalentes doppelt zu begrüssen, da heutzutage die meisten\nmusicalischen Begabungen sich dem Singspiele zuwenden,\nin welchem doch die Musik als dienende Schwester da-\nsteht, die oft und leider wohl meistentheils zu den aus-\nschweifendsten Abenteuerlichkeiten missbraucht wird. Im\nOratorium steht gerade die Tonkunst am reinsten, am\nhöchsten da, vermag sie den Kundigen am entschieden-\nsten hinzureissen und zu erheben. Möge daher Meves die\nso glücklich betretene Bahn weiter verfolgen, und möge\ndas grosse Publicum das Seinige beitragen, die thätige\nKraft durch Eingehen auf ihre Werke zu ermuntern. Wir\nwollen hier, so weit es in Worten möglich ist, einen Ab-\nriss des Werkes versuchen, um auch auswärts einen Be-\ngriff des Geleisteten zu geben.\nDas Buch des Werkes ist von Hermann Brandes\nder Bibel nach entworfen. Josua, der jüdische Volksfüh-\nrer, ist vor Jericho erschienen, erklärt, dass er diese Stadt\nerobern müsse, um dem Volke auch dann Frieden zu ver-\nschaffen. Nach kurzem Einleitungsspiele erklingt der Chor,\ndann legt Josua im Recitativ seine Ansicht dar, und es bie-\ntet sich Salma zum Späher an, um nach der Stadt zu wan-\ndern. Nach dem Duett zwischen Josua und Salma geht letz-\nterer auf seine Sendung, Josua lässt das Lager aufschlagen.\n„Süsser Schlummer sinke nieder\", Arie mit Chor, ertönt\nnun als wirklich schöne Abendmusik, nach welcher das\nOrchester für einige Zeit die Stimmen ablöst und in dem\nZuhörer die Nacht und den anbrechenden Morgen ange-\ndeutet haben will. Wir wissen nicht, ob jeder Hörer mit\ndiesen Naturschilderungen, die als Musikstücke wenigstens\nschönfliessende Gedanken enthalten, zufrieden sein wird,\nmüssen aber zugestehen, dass, wenn hier der Zweck nicht\nerreicht wird, der Fehler mehr auf Rechnung des Dichters\nzu schreiben ist, welcher von dem Tonsetzer diese wenig-\nstens gewagte Schilderung verlangte. Er hätte besser hier\neine Abtheilung schliessen lassen.—Nach der Nachtmusik\nbefinden wir uns in Jericho, belauschen wir Rahab in\nihrem Blumengarten, in welchem sie den jüdischen Späher\nentdeckt. Ks enthüllt sich nun ein Verhältniss zwischen\nden Beiden, welches durch ein treffliches Duett,\nausgesprochen wird. Doch bald wird das zärtliche Stell-\ndichein gestört durch den König, welcher mit Gefolge\nnaht. Das Gerücht von einem fremden Späher hat sich\nverbreitet, der aufgesucht werden soll. Rahab, welche\nden Fremdling unterdessen verborgen hat, bringt den Kö-\nnig auf eine lalsche Fährte, auf welcher er denn dem\nVerborgenen nachzujagen meint. Nach dem Gesänge des\nKriegerchors führt das Mädchen den Geretteten her-\nvor und entlässt ihn zu den Seinigen. Als sie allein steht,\nfällt ihr Ver Verrath an ihren Landsleuten, den sie übt,\nschwer aufs Herz; allein sie hat sich dem Gotte Israels\nzugewandt, die Menschenopfer, die man eben darbringen\nwill, sind ihr ein Gräuel geworden. Nach ihrer Arie tritt\nder Chor der Cananiter ein, der zuletzt mit einem kräfti-\ngen Fujjensatze die erste Abtheilung schliesst.\nDie zweite Abtheilung beginnt mit einem kurzen Satze\nfür das Saiten-Quartett, dann hören wir Rahab sich Je-\nhovah weihen, nachdem sie allen Banden entsagt hat,\nwelche sie noch an ihr Volk knüpften. Sie strömt ihre Ge-\nfühle in einer glänzenden Arie aus, alsdann kehrt der\nKönig zurück. Er hat sie als Verrätherin, als Retterin des\nSpähers erkannt, befiehlt desshalb, sie zu ergreifen, um\nsie statt des Fremdlings dem Baal zu opfern. Ihre Klage-\nstimme, die Bitten der Weiber werden nicht gehört, sie soll\nfortgeführt werden:—aber da stürmt Israel von draussen\nheran. Der Kampf wird durch einen Doppelchor geschil-\ndert, den die Juden vierstimmig anheben, in welchen die\nCananiter bloss einstimmig zeitweise einfallen, welches in\nder That eine gute Zusammenwirkung hervorbringt. Der\nKönig versucht die Seinigen durch sein Wort aufzustacheln,\naber da ertönen die Posaunen des Sieges schon. Die Ju-\nden dringen ein und die Cananiter verkünden ihre Ver-\nzweiflung in dem äusserst wirksamen Chor: „Weh' uns,\nweh', die Erde bebt!\" Josua befiehlt nun, Alles zu er-\nwürgen, welchem Befehle die Israeliten mit dem wilden\nChore: „Vor unserm Rachestahl\", antworten. Daher ist\nes seltsam und störend für die dramatische Haltung des\nWerkes, dass jetzt die Cananiter abermals mit einem\nChor: „Weh' uns, kein Entrinnen\", auftreten, und eben\nso seltsam, dass Rahab in ihrem Hause, aus welchem sie\nihr Tuch als Flagge ausgehangen, der Abrede gemäss\nverschont bleibt, da sie doch vom Könige und seinen Tra-\nbanten in den Tempel zum Opferaltare geschleppt wurde.\nDer Dichter wollte sie aus dringender Lebensgefahr ge-\nrettet wissen, wich daher von der biblischen Erzählung"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640514-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3516, "texte": "ab und verdunkelte das Bild. Doch der Tonmeister ist lür\ndiesen Schnitzer nicht verantwortlich. Josua lässt nach der\nVerheerung der Stadt nun Rahab aus ihrer Hütte vor-\nführen und dem Freunde Salma antrauen. Das junge Paar\nverkündet seine Gefühle in dem lieblichen Duette: „Wie\nnach der Prüfung Sorgen\". Jetzt wird aber Josua's Auge\ndurch ein Wunder gerührt: er sieht den sittlichen Verfall\nder Welt nach Jahrhunderten voraus, verkündet den Hei-\nland und Reiter, der aus Rahab's Stamme entspriessen\nwird. Wirklich ist nicht zu iäugnen, dass der Name Ra-\nhab, welches Beiwort ihr immer die Bibel geben mochte,\nin dem Geschlechts-Register des Heilandes mit angeführt\nsteht (Matth. I. 5). Das Becitativ Josua's, in welchem der\nTonsetzer dieses Gesicht gibt, gehört in seiner Klangfolge\nzu einem der Haupt-Glanzpunkte des ganzen Oratoriums.\nNach diesem Recitativ tritt der Chor ein, welcher dann\nbald in eine gewaltige Fuge übergeht. Diese eben sowohl\nwie die Fuge der ersten Abtheilung sind trotz des kunst-\ngerechten Satzes nicht zu lang ausgesponnen, tragen also,\nweit entfernt, zu ermüden, reichlich zu dem kräftigen und\nwirksamen Schlüsse des Werkes bei. Von den Melodieen\ndes ganzen Werkes lässt sich sagen, dass sie frisch und\nfliessend, dass sie nirgend gesucht sind, dass sie stets zur\nLage des Ganzen wie des einzelnen Theiles passen, dass\nsie sich ohne Ausnahme zur eigentlichen musicalischen\nBearbeitung eignen und alle auch wohl bearbeitet stehen.\nDie Stimmführung ist allenthalben tadellos und dabei na-\ntürlich, die Befähigung zu organischem Satze ist in jedem\nStücke des Werkes einleuchtend. In der Behandlung der\nTonbühne, besonders des Saiten-Quartetts, zeigt sich Me-\nves als Fachmann, als ausübenden Künstler. In der Far-\nbengebung durch Blas-Instrumente weiss er das rechte\nMaass zu halten, doch wünschen wir, dass er in Zukunft\neher nüchterner und einfacher, als glänzender und voller\ninstrumentiren möge. Mozart liess in seinem unsterblichen\nDon Juan die Posaunen erst mit dem Geiste eintreten, die\nneueren Künstler machen zu gern den Gespensterspuk wo\nmöglich schon in der Ouvertüre, so dass er zuletzt nicht\nmehr ergreifen will. Hätte z. B. Meves alles Blech erst\nbeim Sturme erklingen lassen, so würden die Posaunen-\ntöne gewiss wohl eine grössere Wirkung gehabt haben*).\nHier mag die Schuld mehr wieder am Dichter liegen, der\nder Darstellung der Bibel, des Falles der Mauer durch\nPosaunenton, keinen Ausdruck zu geben sich bewogen\nsah, wenigstens denselben nur nachträglich anführte.\nMag diese kurze Darstellung des Werkes den grösse-\nren Kreis von Tonfreunden bestimmen, das Werk der\nAnschauung zu würdigen, und möge der Künstler selber\nunterdessen nicht feiern, sondern muthig und besonnen\nauf dem Pfade weiter wandern, den er hier mit so viel\nGlück und Geschicklichkeit betreten hat. Möge er seine\nVorliebe vor Allem dem Oratorium erhalten, sich nicht\nverlocken lassen von den Sirenen des Singspiels, die dem\nWechsel der Mode huldigen und den Meister heute mit\nWeihrauch beräuchern, um ihn später zu vergessen. Im\nConcertsaale kann er durch Verdienst glänzen, im ande-\nren Räume vielleicht nur durch einen gemalten Vulcan-\nAusbruch, durch Prunk-Aufzüge oder Seiltänzereien.\n*) Was die Aufführung betrifft, so muss anerkannt werden,\ndass Capellmeister Abt die Chöre mit grossem Fleisse eingeübt\nhatte, die Massen mit solchem Geschick und solcher Leichtigkeit\nbewältigte, dass die Aufführung des Oratoriums unbezweifelt als die\ngelungenste des ganzen Winters betrachtet werden muss.\n\nDiamond."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-05-14-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-05-14_01#c005", "volume": "bmtnabi_1864-05-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "158", "page_fin": "159", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640514-01.2.5", "titre_corps": "Anzeigen.", "titre_sommaire": "Anzeigen.", "signature_source": "Mettenleiter", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640514-01.1.6", "debut_caractere": 3518, "fin_caractere_exclue": 5136, "texte": "Anzeigen.\n\nJoh. Seb. Bach. 1) Erstes Concert in A-moll für\nVioline, von David für Violine und Ciavier bear-\nbeitet. 2) Sechs 0 rgel -So nat en, für Ciavier\nund Violine bearbeitet von Naumann. 3) Sechs\nFragmente aus dessen Kirchen-Cantaten und\nViolin-Sonaten. Für Pianoforte übertragen von\nCamille Saint-Saens. Nr. 1. Ouvertüre. 2.\nAdagio. 3. Andantino. 4. Gavotte. 5. Andante.\n6. Presto.\nG. Muffat. Passacaglia für Ciavier oder Orgel. Her-\nausgegeben von Franz Grandauer.\nC. H. Graun. Gigue für Pianoforte.\nJ. P. Ki r n be r ge r. Allegro für Ciavier. Aus dem Con-\ncert-Programme von Alfred Jaell. Alles Ver-\nlag von J. Rieter-Biedermann, Leipzig und Win-\nterthur.\nP h. E m a n u e I Bach. Clavier-Sonaten in sechs Heften.\nNeu herausgegeben. F. E. C. Leuckart in Breslau.\nWohl Jeder, der es redlich mit der Kunst meint, wird\nden in neuester Zeit gewaltig wieder erwachenden Sinn\nfür ältere Musik freudig begrüssen. Wenn auch das Zurück-\ngreifen in die ältere, dem Ideenkreise der Gegenwart mehr\noder minder entrückte Zeit nur jenen Kunst-Epochen eigen-\ntümlich ist, deren schaffende Kraft ermattet ist und sich\nübersättigt hat, so wird andererseits die Productionskraft\ngerade hiedurch wiederum angeregt und gestärkt. Sollen\naber die Werke der Altvordern mit der Fühl- und Denk-\nweise der späteren Geschlechter in eine so innige Verbin-\ndung treten, um dieselbe zu läutern und deren Schwung-\nkraft zu steigern, so müssen dieselben uns in verwandter,\nsympathischer Form entgegentreten. Das schroffe Festhal-\nten an Nebendingen, die eben als Ausfluss des speciellen\nZeitgeistes in späteren Perioden weder verstanden noch"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640514-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3469, "texte": "verdaut werden können, ist wohl dem Standpunkte einer\ngründlichen Kunstgeschichtsforschung, nimmer aber dem\nrein künstlerischen angemessen, denn die Kunst ist keine\nArchäologie. Einleuchtend ist allerdings, dass nur die um-\nsichtigste Sorgfalt im Stande sein wird, das Wesentliche\nvom Unwesentlichen, die Hauptsache von der Zuthat zu\nunterscheiden, und gerade hiermit dürfte unseren jungen\nschaffenden Künstlern eine eben so dankbare wie lehr-\nreiche Aufgabe gegeben sein.\nHiervon ausgehend, wird man die Eingangs aufgeführ-\nten Veröffentlichungen von Herzen willkommen heissen.\nDass es ein glücklicher Griff ist, wenn die Perlen jener\nCompositionen unseres herrlichen und einzigen Joh. Seb.\nBach, welche ursprünglich nicht für das Ciavier bestimmt\nsind, diesem Universal-Instrumente unserer Zeit angepasst\nwerden, liegt am Tage. Die Auswahl vorliegender sechs\nPiecen bekundet ausgebildeten Geschmack, das Arrange-\nment selbst hält unseres Erachtens zwischen schwülstiger\nUeberladenheit und zu grosser Einfachheit die richtige Mitte.\nGanz besonderen Dank verdienen David's und Naumann's\nTransscriptionen, einmal wegen der Auswahl der Compo-\nsitionen und dann wegen des geistvollen Arrangements.\nDie Passacaglia von Muffat, ein insbesondere durch\nMortier de Fontaine's meisterhafte Reproduction neulich\nbekannt gewordenes Tonstück, berechtigt und veranlasst\nuns zu dein dringenden Wunsche, es möchten die so unver-\nantwortlicher Weise im Staube der Jahrhunderte begrabe-\nnen Schöpfungen dieses Meisters der Vergessenheit entris-\nsen werden. Durch die Herausgabe dieser herrlichen Com-\nposition, so wie durch Beifügung der bis jetzt theilweise\nunbekannten biographischen Daten über den Meister hat\nsich Franz Grandauer unstreitiges Verdienst erworben. Die\nVerzierungen, womit diese Piece nach unseren Begriffen\nüberladen ist, sind geeignet reducirt. Die Umbildung der\nneunzehnten Variation, wenn auch der ganzen Anlage und\ndem Geiste derselben entsprechend, scheint uns übrigens\ndenn doch ein etwas bedenklicher Eingriff in. die Autor-\nrechte zu sein, die, wo immer möglich, aufs gewissenhaf-\nteste gewahrt werden müssen.\nDie Gigue von Graun ist ein frisches, geistsprühendes\nTonstück, Kirnberger's Allegro eine ansprechende, me-\nlodiöse, nur vielleicht etwas zu thematische Arbeit. Die\nEditoren der beiden letzteren Stücke sind nicht genannt,\nauch müssen wir uns kritischer Bemerkungen über die\nEdition selbst enthalten, da uns die Originale der Compo-\nsitionen nicht vorliegen.\nHinsichtlich der neu herausgegebenen Clavier-Sonaten\nvon Ph. Emanuel Bach erwähnen wir in Bezug auf die\nEingangs gemachten Bemerkungen noch, dass die Intention\ndes Herausgebers lediglich dahin ging, diese Compositionen\nin ihrem originellen Gewände wiederzugeben. Es wollen\ndesshalb die obigen Wünsche danach genommen sein. Be-\nsonders aufmerksam wollen wir dabei auf die Einleitung\nmachen, welche Emanuel Bach's Vorwort und sehr gründ-\nliche, nützliche Bemerkungen über den Vortrag, die Auf-\nfassung u. s. w. der in Bede stellenden Sonaten, so wie\neine höchst dankenswerthe Abhandlung über die Verzie-\nrungen der alten Meister enthält.\nFür die Vortrefflichkeit der Ausstattung bürgen die\no n\nFirmen J. Rieter-Biedermann in Leipzig und Winter-\nthur und F. E. C. Leuckart in Breslau.\nMögen diese kurzen Bemerkungen dazu beitragen, den\nerwähnten Compositionen bei unseren Musikern und Di-\nlettanten von ernster und gediegener Richtung den verdien-\nten Eingang zu verschaffen.\n\nDr. Mettenleiter."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-05-14-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-05-14_01#c006", "volume": "bmtnabi_1864-05-14_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "159", "page_fin": "160", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640514-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640514-01.1.7", "debut_caractere": 3471, "fin_caractere_exclue": 5808, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\n* Hannen. In den zwei letzten Soireen für Kammer-\nmusik der Herren Krause, Seiss, Posse, Ewald und Wod-\nri c h hörten wir Beethoven's Trio-Serenade, Op. 8, dessen Sonate\nOp. 96 für Piano und Violine und Violin-Quartett Op. 74, F. Schu-\nberts Trio Op. 99, Violin-Quartett in D-dur von Haydn und So-\nnate in Es-dur für Pianoforte von demselben, und 0. Singer1 b\nAndante und Variationen, Op. ], für zwei Piano s (die Herren Krause\nund Ewald)»\nHesel, 8. Mai. Wie alljährlich, fand am Donnerstag den 5.\nMai ein Militär-Concert für die Pensions-Zuschusscasse der Musik-\nmeister des preussischen Heeres im hiesigen Schützenhause Statt,\nausgeführt vom Musikcorps des k. 4. westfälischen Infanterie-Regi-\nmerts Ni\\ ] 7,. unter Leitung seines Capellmeisters Herrn Weissen-\nborn. Obgleich wir schon oft die Leistungen dieses trefflichen Mu-\nsikcorps zu schätzen Gelegenheit hatten, so verdient dasselbe und\nsein Leiter dieses Mal doch besondere Anerkennung und Dank we-\ngen der Composition und Ausführung des so zeitgemässen Musik-\nstückes „Der 18. April 1864. Musiealische Erinnerungen an die\nsiegreiche Erstürmung der Düppeler Schanzen durch die preussische\nArmee44 von E. Weissenborn. Die darin angebrachten Effecte,\nwie der Sturmmarsch (durch ein Tambourcorps), Kanonen- und Ge-\nwehrfeuer, der Siegesmarsch, die eingeflochtenen patriotischen Lie-\nder: „Ich bin ein Preusse\", „Schleswig-Holstein meerumschlungenu,\nund am Schlüsse der Choral: „Nun danket Alle Gott\", versetzten die\nPhantasie der Zuhörer auf eine so täuschende und ergreifende Weise\nauf die Scene des Kampfplatzes, dass die ganze Versammlung zu\neiner wahrhaft feierlichen Stimmung erhoben wurde und am Schlüsse\ndurch rauschenden Applaus und Dacapo-Ruf ihren Gefühlen Luft\nmachte.\nAus Mainz bexichtet man uns sehr vortheilhaft für den jungen\nKünstler über ein Concert, das der Pianist Herr Theodor Schar-\nfenberg aus Berlin im April daselbst auf Einladung des Kunst-\nvereins gegeben. Bei ausserordentlicher technischer Fertigkeit hat\ner eine feine Auffassungsgabe und ein edles Streben nach der clas-\nsischen Richtung der Virtuosität bekundet, indem er eine Fuge von\nBach, eine Phantasie von Mozart, Beethoven's grosse Sonate in C-dur}\nzwei Stücke von Chopin und zwei Bravoursätze von Liszt nnd Bii-\nlow Alles auswendig mit grossem Beifalle vortrug."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640514-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2142, "texte": "f Oldenburg 11. Mai. Am vorigen Montag schloss die\ndiesjährige Concert-Saison mit einem Concerte in den Räumen des\nTheaters, da der Concertsaal im Umbau begriffen ist. Capellmeister\nDietrich dirigirte nach längerer Unterbrechung wieder, und zwar\nmit voller Frische und Sicherheit der früheren Jahre. Zur Auffüh-\nrung kamen: die Ouvertüre zu Semiramis von Catel, Zigeuner-\nleben von Schumann, Ouvertüre zu Hamlet von Gade, diese\nnamentlich in feiner und prächtiger Darstellung, hierauf das Neu-\njahrslied von Schumann. Dietrich empfing von allen Seiten leb-\nhafte Beweise der Freude über seine wiederhergestellte Gesundheit\nnach schweren Leiden. Im zweiten Theile des Concertes kam die\nSinfonie von C. Reinthaler in D-dur unter Leitung des Compo-\nnisten zur Aufführung. Sämmtliche Sätze des Werkes erhielten leb-\nhaften Beifall, namentlich wurde der zweite Satz ausgezeichnet. Der\nComponist wurde mehrfach gerufen und durch rauschenden Applaus\ngefeiert.\nDer Hof-Opernsänger Meyerhofer in Wien erhielt vom Herzog\nvon Coburg eine werthvolle Nadel mit dem Bildnisse des Herzogs.\nPai*is, 4. Mai. Den ersten Gebrauch, den Fräulein Adelina\nPatti von ihrer Mündigkeits-Erklärung gemacht hat, war, durch\neinen Act beim Notar Acloque ihrem Vater eine jährliche Rente\nvon 6000 Francs und ihrer Mutter eine gleiche von ebenfalls GOUO\nFrancs zu sichern. Der Redaction der Revue et Gazette musicale\nist auf die Anzweiflung dieser Nachricht durch ein anderes Blatt\nder notarielle Act vorgelegt worden. Vor ihrer Abreise nach Lon-\ndon (am 2. Mai) hat die gefeierte Sängerin noch in einigen Wohl-\nthätigkeits-Concerten gesungen und 2000 Francs an die Choristen\nund die bei der italiänischen Oper angestellten Theaterdiener u. s. w.\nvertheilen lassen.\nTartini's Violine. In London ist neuerdings eine Nicolas\nAmati-Violine, grosses Format, zu einem fabelhaften Preise ver-\nkauft worden, bei der sich ein vollständig legalisirtes Zeugniss be-\nfand, dass diese Violine dem berühmten Tartini gehört habe und\ndass er darauf die bekannte Teufels-Sonate componirt habe. [Das\nletztere dürfte doch ohne Tartini's eigene Erklärung schwer durch\nZeugen zu beweisen sein!]"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "153", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640514-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nMeyerbeer1s letzte Tage und seine Leichenfeier in Paris und Berlin. Aus Braunschweig (Rahab, Oratoriuni von\nWilh. Meves). Von Diamond. Anzeigen (J. S. Bach: Erstes Concert Sechs Orgel-Sonaten Sechs Fragmente aus Kirchen-Can-\ntaten G. Muffat: Passacaglia für Ciavier oder Orgel C. H. Graun: Gigue für Pianoforte J. P. Kirnberger: Allegro für Ciavier\nPh. Em. Bach: Clavier-Sonaten). Von Dr. Mettenleiter. Tages- und Unterha 1 tungsb 1 all (Barmen, Soireen u. s. w.).\n\nMeyerbeer’s letzte Tage und seine Leichenfeier\nin Paris und Berlin.\nIm September vorigen Jahres war Meyerbeer wieder\nnach Paris gekommen, und zwar hauptsächlich, um bei\nder neuen Inscenesetzung seiner „Hugenotten\" mit Rath\nund That gegenwärtig zu sein. Ein untergeordneter per-\nsönlicher Zweck war bei dieser Thätigkeit die praktische\nPrüfung des jetzigen Künstler-Personals der grossen Oper\nin Bezug auf die endliche Aufführung der „Africanerin\".\nDass er aber bereits seine bestimmte Einwilligung zu die-\nser Aufführung gegeben oder gar schon Proben zu der-\nselben geleitet habe, ist ein Irrthum.\nAllerdings war er halb und halb entschlossen, die\n„Africanerin\" für die nächste Saison auf die Bühne zu\nbringen; allein den schlagendsten Beweis, dass in Hinsicht\ndarauf noch nichts festgestellt war, gibt der Schluss der\nRede des Herrn Perrin am Sarge des Meisters. Hier spricht\nHerr Perrin, der Director der grossen Oper, nur von dem\nWunsche und dem Willen des Dahingeschiedenen, auch\ndiese Oper, wie seine früheren, auf der ersten pariser\nBühne erscheinen zu sehen, und dass es jetzt an Frank-\nreich, auf dessen Boden sich die Partitur befände, sei, den\nGedanken des Verewigten fortzuführen und ins Werk zu\nsetzen. „Seine Angehörigen, seine Freunde, die zu Häup-\nten des Sterbenden an seinem Bette gewacht, haben sei-\nnen Wunsch vernommen und werden seinen letzten Willen\nbezeugen.\" —Hiernach wird also die Eröffnung des Testa-\nmentes und, wenn dieses nichts über diese Angelegenheit\nenthalten sollte, die Zustimmung der Erben abzuwarten\nsein. Die Nachricht einiger Blätter, dass die Proben zur\n„Africanerin\" am 1. Juli beginnen würden, ist ungenau.\nMeyerbeer verhehlte die Ansicht keineswegs, dass die\nBlüthezeit der grossen Oper in Paris vorüber sei, dass\ndieses Institut, das ehemals keinen Nebenbuhler gehabt,\nmehr Rückschritte als Fortschritte auf der Bahn der Dar-\nstellungs- und Gesangeskunst gemacht habe, eine Wahr-\nnehmung, die er besonders aus den Aufführungen seiner\neigenen Werke in den letzten Jahren geschöpft habe.\n„Ich will doch lieber noch warten\" war immer sein\nletztes Wort, wenn die Aufführung der „Africanerin\" zur\nSprache kam. Nur in den letzten Wochen soll er die\nCopisten gedrängt und den Entschluss gefasst haben, Alles\nso weit vorzubereiten, dass die Proben am 1. Juli beginnen\nkönnten, und daher scheint denn die Nachricht, dass sie\nalsdann wirklich beginnen würden, zu stammen.\n„Man erzählt,\" schreibt uns unser Correspondent,\n„dass er in den Tagen seiner Krankheit das Bedauern\nausgesprochen habe, die Instrumentirung der Ouvertüre\nzur Africanerin nicht vollenden zu können. Da aber von\nAugenzeugen bestätigt wird, dass er keineswegs seinen\nZustand für so gefährlich hielt, wie er war, so lässt sich\njenes Bedauern, wie auch der Wunsch, die vierhundertste\nVorstellung der Hugenotten zu erleben, den er eben-\nfalls ausgesprochen haben soll, nicht wohl mit der That-\nsache vereinigen, dass er sein Ende so wenig ahnte, dass\ner sogar verbot, den Seinigen Nachricht von seiner Krank-\nheit zu geben.\"\nEs ist zu erwarten, dass sein Testament Bestimmun-\ngen über seinen musicalischen Nachlass enthält; ein abso-\nlutes Verbot der Aufführung oder Veröffentlichung seines\nletzten dramatischen Werkes ist unwahrscheinlich, da er\nes offenbar nur aus übertriebenen Forderungen an die\nDarsteller so lange zurückgehalten hat, schwerlich aber\naus zu strenger Selbstkritik.\nMeyerbeer's Gesundheit hatte schon seit dem Jahre\n1851 gelitten. Er hielt sich nur durch Vorsicht und sorg-\nfältige Rücksichtnahme auf seinen Körper, durch Scho-\nnung und Ruhe und genaue Befolgung der Vorschriften\nseiner Aerzte, wenigstens so lange seine Leidenschaft lür\n\n*) Aus den Mittheilungen unseres Correspondenten und anderen\nzuverlässigen Quellen. Die Kedaction."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "154", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640514-01.1.2", "texte": "die Kunst ihn sie nicht vergessen liess. Den Sommer\nbrachte er seit Jahren meistens in Spaa zu, einige Wochen\nauch zuweilen in Wiesbaden und Langenschwalbach. In\nden letzten Jahren war er sehr mager und schwach, alles\nLeben concentrirte sich in seinem Geiste und in seinem\nBlicke. Diesen Winter nahm er keine Einladung an und\nspeiste nie ausser dem Hause. Aber er versäumte keine\nerste Vorstellung einer neuen Oper und folgte dem Werke\nund den Darstellern mit der angestrengtesten Aufmerk-\nsamkeit. Solche Abende ermüdeten ihn sehr, noch mehr\naber griffen ihn die Proben zu den Hugenotten an. Beides\nwollte er indess nie Wort haben, bis er sich gezwungen\nsah, das Zimmer zu hüten und sich zu legen.\nAllein er halte, wie gesagt, keine Ahnung der Gefahr\nund verbot ausdrücklich, den Seinigen Nachricht zu geben.\nTrotzdem telegraphirte man an seine Gattin in Berlin und\nan zwei von seinen Töchtern in Baden. Die Töchter ka-\nmen am Sonntag Morgen (den 1. Mai) an. Da er aber\nschon sehr schwach war, so liess man sie nicht sogleich\nvor und bereitete ihn nur auf ihre Ankunft durch die\nNachricht, dass sie von Baden abgereist wären. Endlich\nsagte ihm sein Neffe Julius Beer, der mit Gemmy Brandus\nund seinem treuen Kammerdiener August immer um ihn\nwar, dass sie da wären. Er sprach noch freundlich mit\nihnen, erkundigte sich, ob sie mit ihrer Wohnung in Ba-\nden zufrieden wären, ob es auch an nichts darin fehle.\nAuch dankte er den anderen Anwesenden für ihre Sorg-\nfalt um ihn. Er hatte eine ziemlich ruhige Nacht; gegen\nhalb sechs Uhr verlangte er ein wenig Bouillon; er seufzte\nnoch einmal und schlief sanft ein.\nIn seinem Reise-Portefeuille fand man ein Blatt mit\nder Vorschrift über die Behandlung seiner Leiche. Es\nschloss mit den Worten: „Gottes Wille geschehe! Sein\nName sei gelobt und gepriesen im Himmel und auf Er-\nden! Amen.\"\nDa nach dieser Vorschrift seine sterbliche Hülle, nach-\ndem sie drei Tage über der Erde gestanden, nach Berlin\ngebracht werden sollte, um dort in dem Familiengewölbe\nauf dem israelitischen Kirchhofe beigesetzt zu werden, so\nbildete sich in Paris eine Commission, um derselben vom\nSterbehause (Rue Montaigne an den Champs Elysees) bis\nzum Bahnhofe der Nordbahn durch einen feierlichen Zug\ndie letzte Ehre zu erweisen.\nUm 1 Uhr (den 6. Mai) setzte sich der Zug vom\nSterbehause aus in Bewegung. Das Wetter war schön,\neine unzählige Menschenmenge stand dichtgedrängt längs\nder Fahrstrasse der Champs EEin Peloton der Na-\ntionalgarde eröffnete den Zug, mehrere Compagnieen der-\nselben bildeten das Spalier. Die Musikcorps der Gensd'ar-\nmerie der kaiserlichen Garde, der Garde-Grenadiere und\ndes dritten Bataillons der Nationalgarde stimmten abwech-\nselnd Märsche und Chöre aus Meyerbeer's Werken an.\nHinter den Musikcorps folgte der Leichenwagen, mit\nsechs Pferden bespannt; der Sarg war mit Blumen geziert.\nDie Schnüre des Leichentuches hielten, zur Seite des Wa-\ngens gehend, der preussische Gesandte Graf von der Goltz\nund der Ober-Intendant der Theater Graf Baciocchi (sie\nübergaben sie später an ihre Stellvertreter, den ersten Ge-\nsanTltschafts-Secretär und den Herrn Camille Doucet), die\nHerren von Gisors und Beute, Mitglieder des Instituts, de\nSt. Georges, Präsident des Vereins der dramatischen\nSchriftsteller, der Baron Taylor, Präsident des Vereins der\ndramatischen und musicalischen Künstler, Auber, Director\ndes Conservatoriums, und Perrin, Director der grossen Oper.\nHinter dem Wagen trugen zwei Diener in Trauer-\nkleidern der eine die Orden des Verewigten, der andere\neinen Kranz von Immortellen. An der Spitze der Leidtra-\ngenden ging der Neffe des Verstorbenen, Herr Jules Beer,\nund zwei andere Anverwandte; dann folgte die Commis-\nsion für die Veranstaltung der Feier, die Mitglieder des\nisraelitischen Consistoriums, die zahlreichen Abgeordneten\nder musicalischen Section des Instituts, des Vereins der\ndramatischen Dichter und Componisten, des Künstler-\nvereins, des Personals der drei Operntheater, des Conser-\nvatoriums und der deutschen Sängervereine. Ausserdem\nbemerkte man eine Menge Notabilitäten aller Stände in\ndem Zuge, unter Anderen den Marschall Vaillant, den\nMinister des kaiserlichen Hauses und der schönen Künste,\nden Marschall Magnan, den Baron Emil Pe-\nreire u. s. w. Fünfzehn Trauerwagen und ein Zug Na-\ntionalgardisten machten den Schluss.\nUeber zweihunderttausend Menschen hatten sich von\nder Strasse Montaigne bis zum Nordbahnhofe aufgestellt\nund alle Balcons, Fenster, Dächer und Vorsprünge waren\ndicht besetzt; es war ein grossartiges Schauspiel, wie man\nes nur in einer so grossen Stadt wie Paris sehen kann.\nDer Zug gebrauchte zwei volle Stunden, um von der\nStrasse Montaigne über einen Theii der grossen Allee der\nChamps Elysees, die Eue royale, die Boulevards, die Stras-\nsen Drouot und Lafayette bis zur Nordbahn zu gelangen.\nHier war der frühere Stationshof mit schwarzem Tuche\nausgeschlagen, eben so wie der grosse Wartesaal, in wel-\nchem der Katafalk stand. Auf den schwarzen Draperieen\nwaren Schilde mit den Titeln der vorzüglichsten Werke\nMeyerbeer's angebracht. In dem äusseren Räume waren\nSängerchöre und Orchester aufgestellt, ausserdem Reihen\nvon Stufensitzen, die mit Damen und eingeladenen Perso-\nnen gefüllt waren, welche den Zug dort erwarteten.\nGesang, Harmoniemusik und Reden wechselten ab.\nEs sprachen die Herren Beute, de St. Georges, Camille"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "155", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640514-01.1.3", "texte": "Doucet (von der General-Intendantur der Theater), Tay-\nlor, Perrin, Emil Ollivier, der Präsident des Consisloriums\nund der Ober-Rabbiner.\nUm vier Uhr wurde der Sarg auf den Eisenbahnzug\ngehoben. Die Herren Jules Beer, Perrin und Brandus be-\ngleiteten ihn nach Berlin.\nDie verschiedenen Reden berührten fast alle das Ver-\nhältniss der Nationalität, was bei einem Meisler, der von\nGeburt ein Deutscher war, aber der französischen Bühne\nfür die ersten Aufführungen seiner grössten Werke den\nVorzug gegeben hatte, ganz natürlich war. Am besten\nsprach sich Herr Beulö, Mitglied des Instituts, in dieser\nBeziehung aus, indem er unter Anderem sagte: „Von al-\nlen Kämpfen zwischen zwei Nationen gibt es keinen rühm-\nlicheren, als den Streit um den Ruhm und die Werke\neines grossen Mannes, so lange er lebt, und um das Recht,\nseine Asche zu ehren, wenn er gestorben ist. Es ist das\neine edle Eifersucht, welche die Völker einander näher\nbringt, anstatt sie zu trennen, ein edler Wettkampf, der\nkein Blut und keine Thränen kostet, wohl aber diesseit\nund jenseit der Gränzen die Liebe zum Schönen und die\nAchtung vor dem Talente nährt und immer höher ent-\nwickelt. Gewiss hätte Frankreich die sterblichen Ueber-\nreste des grossen Tondichters eben so gern wie Deutsch-\nland in seinem Schoosse behalten, wenn der Wille eines\nSterbenden nicht heilig wäre. Meyerbeer hat bestimmt,\ndass die Erde seines Geburtslandes seinen letzten Schlaf\nschütze. So müssen wir denn diesen traurigen, aber von\nRuhm umstrahlten Zug von hier scheiden sehen, mitten\nunter Thränen, und die letzten Ehrenbezeigungen, die wir\nihm hier beweisen, sind nur das Vorspiel der feierlichen\nBestattung, die ihm in Berlin zu Theil werden wird; aber\ndie Trauer kann dort nicht tiefer und aufrichtiger sein,\nals hier. Unsere Gedanken begleiten ihn auf der Trauer-\nreise nach einem Grabe in der Heimat und theilen mit\nseinen Landsleuten die Gefühle des Schmerzes. So werden\nsich zwei Nationen über sein Grab beugen; aber wenn\nDeutschland das Sterbliche des Meisters hütet, dem es das\nLeben gab, so darf sich Frankreich das Eigerilhum der\nWerke aneignen, die er für die französische Bühne schrieb\nund die mit leuchtenden Buchstaben in das goldene Buch\nunserer musicalischen Dramen eingetragen sind.\"\nAus Berlin schreibt man vom 9. Mai: „Heute Mittag\nfand die Leichenbestattung Meyerbeers unter grosser und\nallgemeiner Theilnahme Statt. Schon eine Stunde vor dem\nBeginne der eigentlichen Leichenfeier wogte es unter den\nLinden und auf dem pariser Platze, wo im Hause Nr. 6,\nder Wohnung Meyerbeer's, dessen Sarg unter blühenden\nTopfgewächsen stand. In einem schwarz decorirten Saale\nerhob sich der Katafalk. Der Sarg war mit einer schwar-\nzen, silberdurchwirkten Decke überzogen und prangte in\neiner Fülle von Kränzen. Sechs Kerzen umstanden den-\nselben, eben so viele Candelaber den Katafalk, und ein\nLustre warf von der Decke herab seine Strahlen auf den\nSarg. Zu den Füssen desselben lagen auf schwarzen Kissen\ndie 11 Orden, die den Verewigten geschmückt, daneben\nlegte Taubert einen Lorberkranz. Zur Linken prangte auf\neiner Säule die verhüllte Marmorbüste des Meisters. Ihre\nMajestät die Königin Augusta und Ihre K. Hob. die Frau\nPrinzessin Friedrich Karl hatten den Sarg gleichfalls mit\nKränzen schmücken lassen. Die Säle der Wohnung ver-\nmochten die Trauer-Versammlung nur zum kleinen Theile\nzu fassen, wesshalb gar viele auf Treppe, Flur und Strasse\nweilen mussten. Unter den in den Sälen Anwesenden be-\nmerkte man Se. K. Höh. den Prinzen Georg (wie bekannt,\nselbst gründlicher Kenner und Plleger der Musik,, den\nFürsten Radziwill, den Oberstkämmerer Grafen Wilhelm\nvon Redern, den Minister des königlichen Hauses Frhrn. v.\nSchleinitz, den Ober-Ceremonienmeister Graleu Stillfried,\nden Hofmarschall Grafen Lucchesini, den Stadt-Comman-\ndanten Gen.-Lieut. v. Alvensleben, den französischen Bot-\nschafter Baron v. Talleyrand-Perigord, den italiänischen\nGesandten, den hannoverschen Gesandten und viele Nota-\nbilitäten der Wissenschaft und Kunst, so auch die Vertre-\nter der Akademie der Künste, deren Mitglied der Ver-\newigte gewesen, Abordnungen des Magistrats und der\nStadtverordneten, den Oberbürgermeister Seydel und den\nStadtverordneten-Vorsteher Kochhann an der Spitze, wie\ndes Vorstandes der jüdischen Gemeinde. Da der General-\nIntendant der königlichen Schauspiele, Kammerherr von\nHülsen, verreist ist, so hatte er sich ausdrücklich durch\nden Director des Schauspiels, Düringer, den Capellmeister\nTaubert und den Kanzleirath Heuser vertreten lassen. Das\nSolo-Personal der königlichen Oper eröffnete die Feier\nmit einem Trauergesange, dessen Weise der Verewigte\nselbst gesetzt und welchen der Musik-Director Radecke\nfür Männerchor arrangirt hatte. Es folgte die Gedächtniss-\nrede des Rabbiners Dr. Joel aus Breslau, der des Heim-\ngegangenen Ernst, Fleiss und Genius pries und die Sprache\nseiner Werke verherrlichte. Ein zweiter Trauergesang en-\ndete die Feier im Hause, Bald nach 1 Uhr setzte sich der\nZug in Bewegung. Voran schritt der erste Musik-Director\nder hiesigen Militärmusik, Wieprecht, mit einem umflor-\nten Stabe; ihm folgten drei Militär-Musikcorps, die Beet-\nhoven's und Wieprecht's Trauermärsche bliesen; die Mu-\nsikmeister trugen gleichfalls umflorte Stäbe. Der Musik-\nmeister des 8. (Leib-) Infanterie-Regiments, Piefke, war\nvon dem Kriegsschauplatze zur Feier hiehergeei It. Dann\nfolgte das Bureau der General-Intendantur der Schau-\n\nte"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "156", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640514-01.1.4", "texte": "spiele, die Capellmeister, Musik-Directoren und Concert-\nmeister der königlichen Capelle, dann der Capellmeister\nDorn mit dem Kissen, auf welchem die Orden lagen, hier-\nnach der mit Palmen geschmückte Leichenwagen, zu des-\nsen beiden Seiten, neben den Leichenträgern, die jüngsten\nMitglieder der königlichen Capelle, Palmenzweige tragend,\neinhergingen. Hinter dem Leichenwagen schritten die Leid-\ntragenden, der Schwiegersohn Meyerbeer's, Rittmeister im\n2. Garde-Dragoner-Regiment, v. Korff, die beiden Neffen\nJules und Georg Beer, die Mitglieder der königl. Capelle,\nder königl. Theater, die Vorsteher der Privat-Theater, De-\nputationen, darunter auch der Director der kaiserlichen\nOper, Perrin aus Paris, und eine lange Wagenreihe, er-\nöffnet durch die sechsspännigen Galawagen Ihrer Majestä-\nten des Königs und der Königin, wie der königlichen Prin-\nzen. Als der von einer dichten Menge umwogte Zug am\nOpernhause angelangt, ward eine grosse Trauerfahne dort\nentfaltet, der männliche Opernchor trat auf die Bampe und\nsang: „ „Was Gott thut, das ist wohlgethan.\"\" Die Choristen\nreihten sich dem Zuge ein, der überall grosse Zuschauer-\nmassen herbeigezogen. Er hatte sich durch die Linden,\nden Kastanienwald, die neue Friedrichs-, Burgstrasse, neue\nPromenade, Rosenthaler- und Schönhauserstrasse nach\ndem jüdischen Begräbnissplatze vor dem Schönhauser-\nThore bewegt. Hier waren Eingang und Halle schwarz\ndecorirt. Unter der letzteren ward der Sarg abgesetzt, der\nTheaterchor sang Schiller's „ „Bäsch tritt der Tod\"\" nach\nB. A. Weber's Composition, der Babbiner hielt die hebräi-\nsche Trauer-Liturgie und sprach ein deutsches Gebet.\nNunmehr wurde der Sarg in der Familiengruft neben des\nVerewigten ihm vor zehn Jahren vorangegangenen Mutter\nbeigesetzt. Die jüngste Tochter des Meisters begleitete ih-\nren Vater bis zum Grabe. Eine schöne Frühlingssonne\nleuchtete der Feier.\"\n\nNachtrag.\nAus dem Nachrufe an Meyerbeer, den die Nr. 19 der\nRevue et Gazette niusieale vom 8. Mai enthält, erfahren\nwir noch folgende Einzelheiten über die „Africanerin\":\nSchon im Jahre 1840 war die Direction der grossen\nOper in Besitz von zwei Opern-Gedichten: „Der Prophet\"\nund „Die Africanerin\". „Der Prophet\" erhielt den Vor-\nzug, aber bald nach der ersten Vorstellung desselben ver-\ntraute uns*) Meyerbeer das Manuscript der Africanerin,\nderen Partitur schon geschrieben war, mit der Bitte an,\nihm unsere Bemerkungen darüber mitzutheilen, die er mit\neigener Hand abschrieb, um sie Scribe vorzulegen. So\nwurde das Buch umgearbeitet, und in Bezug auf die Aen-\nderungen in der Musik, welche durch die Aenderungen\ndes Textes nöthig werden würden, äusserte Meyerbeer:\n„Das thut nichts! Ich bin immer bereit, meine Musik-\nstücke zu ändern; im Propheten habe ich noch viel mehr\ngeändert.\"\nDas neue Manuscript der Africanerin wurde dem\nComponisten im Mai 1852 eingehändigt und die Partitur\nwar im Jahre 1860 vollständig fertig. Es handelte sich\nseitdem nur um die Aufführung, wozu aber Meyerbeer\nkeineswegs drängte. Gewiss ist es aber, dass er im Herbste\nvorigen Jahres nur desshalb nach Paris gekommen war.\nEs war im Anfange des September, wo er dort eintraf\nund trotz der Ermüdung von der Reise noch denselben\nAbend in die Oper ging, um Fräulein Tietjens in den\nHugenotten zu hören. Seitdem war täglich von der „Afri-\ncanerin\" die Rede; er hatte sich entschieden, Fräulein\nSax die Hauptrolle anzuvertrauen, und beschäftigte sich\nviel mit der vorzunehmenden Austheilung der übrigen\nRollen und nach seiner Weise mit allen Einzelheiten der\nInscenesetzung. Die Bollen und Orchesterstimmen wurden\nin seiner Wohnung ausgeschrieben, die Haupt-Partieen\nwaren bereits vollständig und die kleineren wenigstens\nvom ersten Acte fertig. Aenderungen nahm er nicht wei-\nter vor, nur äusserte er zu einem Freunde: „Ich hatte\nAnfangs nur eine Introduction geschrieben, man hat mir\naber gerathen, eine Ouvertüre an deren Stelle treten zu\nlassen. Ich habe eine gemacht, sie ist ganz fertig, ich habe\nsie da liegen und brauche nur noch die Instrumentirung\nzu vervollständigen. Schade, dass mich mein Unwohlsein\njetzt daran hindert.\"\nUebrigens belebte ihn noch bis zu dem Augenblicke,\nwo er krank wurde, ein unermüdlicher Trieb zur Thätig-\nkeit. Er wünschte namentlich ein Textbuch zu einer komi-\nschen Oper und dachte an die Anfertigung eines verbinden-\nden Textes zu seiner Musik zu dem Trauerspiele Struensee.\nDer Todtenzettel, mit welchem „Frau Witwe Meyer-\nbeer, die Fräulein Cäcilie und Cornelia Meyerbeer, der\nBaron und die Baronin von Korff und deren Sohn, Herr\nund Madame Georges Beer, Herr und Madame Jules Beer\nund ihre Kinder, Herr und Madame Alexander Oppen-\nheim, Herr und Madame Haber, Fräulein Laura Haber,\nFräulein Anna Eberty den Tod Meyerbeer's (des Gatten,\nVaters, Schwiegervaters, Onkels und Grossonkels)\" in\nParis anzeigten, besagt: „dass er, zweiundsiebenzig\nJahre alt, am 2. Mai 1864\" gestorben sei wonach\nalso kein Zweifel mehr über sein Geburtsjahr 1791\n(nicht 1794) Statt finden kann.\n*) Man ersieht nicht genau, auf wen sich das „uns\" bezieht.\nDer Aufsatz ist von Edouard Monnais unterzeichnet, und so mö-\ngen wohl dieser Schriftsteller und Herr Rrandus, der Herausgeber\nder Revue etc. und langjährige Freund Meyerbeer's, gemeint sein."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "157", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640514-01.1.5", "texte": "Aus Braunschweig.\n\n(Rahab, Oratorium von Wilh. Meves.)\nDen 9. Mai 1864.\nVor wenig Tagen ward uns hier der Genuss, ein neues\nOratorium von einem Landsmanne, dem Kammermusicus\nMeves, zu hören, der bis dahin sich hier bloss als aus-\nübenden Künstler in der herzoglichen Capelle kundgege-\nben, hinter welchem man keineswegs ein so durchdachtes\nund ernstes Kunstwerk vermuthet hatte. Unsere Freunde\nder Tonkunst, von dem Erfolge entzückt, bemühen sich\ngegenwärtig, den Tonsetzer zu einer zweiten Aufführung\nin einem grösseren Räume, in der hiesigen Egidienkirche,\nzu veranlassen, um sich sowohl des Geschenkes zu er-\nfreuen, als um den Geschenkgeber zu frischem Schaffen\nzu ermuntern. Wirklich ist das Auftauchen eines solchen\nTalentes doppelt zu begrüssen, da heutzutage die meisten\nmusicalischen Begabungen sich dem Singspiele zuwenden,\nin welchem doch die Musik als dienende Schwester da-\nsteht, die oft und leider wohl meistentheils zu den aus-\nschweifendsten Abenteuerlichkeiten missbraucht wird. Im\nOratorium steht gerade die Tonkunst am reinsten, am\nhöchsten da, vermag sie den Kundigen am entschieden-\nsten hinzureissen und zu erheben. Möge daher Meves die\nso glücklich betretene Bahn weiter verfolgen, und möge\ndas grosse Publicum das Seinige beitragen, die thätige\nKraft durch Eingehen auf ihre Werke zu ermuntern. Wir\nwollen hier, so weit es in Worten möglich ist, einen Ab-\nriss des Werkes versuchen, um auch auswärts einen Be-\ngriff des Geleisteten zu geben.\nDas Buch des Werkes ist von Hermann Brandes\nder Bibel nach entworfen. Josua, der jüdische Volksfüh-\nrer, ist vor Jericho erschienen, erklärt, dass er diese Stadt\nerobern müsse, um dem Volke auch dann Frieden zu ver-\nschaffen. Nach kurzem Einleitungsspiele erklingt der Chor,\ndann legt Josua im Recitativ seine Ansicht dar, und es bie-\ntet sich Salma zum Späher an, um nach der Stadt zu wan-\ndern. Nach dem Duett zwischen Josua und Salma geht letz-\nterer auf seine Sendung, Josua lässt das Lager aufschlagen.\n„Süsser Schlummer sinke nieder\", Arie mit Chor, ertönt\nnun als wirklich schöne Abendmusik, nach welcher das\nOrchester für einige Zeit die Stimmen ablöst und in dem\nZuhörer die Nacht und den anbrechenden Morgen ange-\ndeutet haben will. Wir wissen nicht, ob jeder Hörer mit\ndiesen Naturschilderungen, die als Musikstücke wenigstens\nschönfliessende Gedanken enthalten, zufrieden sein wird,\nmüssen aber zugestehen, dass, wenn hier der Zweck nicht\nerreicht wird, der Fehler mehr auf Rechnung des Dichters\nzu schreiben ist, welcher von dem Tonsetzer diese wenig-\nstens gewagte Schilderung verlangte. Er hätte besser hier\neine Abtheilung schliessen lassen.—Nach der Nachtmusik\nbefinden wir uns in Jericho, belauschen wir Rahab in\nihrem Blumengarten, in welchem sie den jüdischen Späher\nentdeckt. Ks enthüllt sich nun ein Verhältniss zwischen\nden Beiden, welches durch ein treffliches Duett,\nausgesprochen wird. Doch bald wird das zärtliche Stell-\ndichein gestört durch den König, welcher mit Gefolge\nnaht. Das Gerücht von einem fremden Späher hat sich\nverbreitet, der aufgesucht werden soll. Rahab, welche\nden Fremdling unterdessen verborgen hat, bringt den Kö-\nnig auf eine lalsche Fährte, auf welcher er denn dem\nVerborgenen nachzujagen meint. Nach dem Gesänge des\nKriegerchors führt das Mädchen den Geretteten her-\nvor und entlässt ihn zu den Seinigen. Als sie allein steht,\nfällt ihr Ver Verrath an ihren Landsleuten, den sie übt,\nschwer aufs Herz; allein sie hat sich dem Gotte Israels\nzugewandt, die Menschenopfer, die man eben darbringen\nwill, sind ihr ein Gräuel geworden. Nach ihrer Arie tritt\nder Chor der Cananiter ein, der zuletzt mit einem kräfti-\ngen Fujjensatze die erste Abtheilung schliesst.\nDie zweite Abtheilung beginnt mit einem kurzen Satze\nfür das Saiten-Quartett, dann hören wir Rahab sich Je-\nhovah weihen, nachdem sie allen Banden entsagt hat,\nwelche sie noch an ihr Volk knüpften. Sie strömt ihre Ge-\nfühle in einer glänzenden Arie aus, alsdann kehrt der\nKönig zurück. Er hat sie als Verrätherin, als Retterin des\nSpähers erkannt, befiehlt desshalb, sie zu ergreifen, um\nsie statt des Fremdlings dem Baal zu opfern. Ihre Klage-\nstimme, die Bitten der Weiber werden nicht gehört, sie soll\nfortgeführt werden:—aber da stürmt Israel von draussen\nheran. Der Kampf wird durch einen Doppelchor geschil-\ndert, den die Juden vierstimmig anheben, in welchen die\nCananiter bloss einstimmig zeitweise einfallen, welches in\nder That eine gute Zusammenwirkung hervorbringt. Der\nKönig versucht die Seinigen durch sein Wort aufzustacheln,\naber da ertönen die Posaunen des Sieges schon. Die Ju-\nden dringen ein und die Cananiter verkünden ihre Ver-\nzweiflung in dem äusserst wirksamen Chor: „Weh' uns,\nweh', die Erde bebt!\" Josua befiehlt nun, Alles zu er-\nwürgen, welchem Befehle die Israeliten mit dem wilden\nChore: „Vor unserm Rachestahl\", antworten. Daher ist\nes seltsam und störend für die dramatische Haltung des\nWerkes, dass jetzt die Cananiter abermals mit einem\nChor: „Weh' uns, kein Entrinnen\", auftreten, und eben\nso seltsam, dass Rahab in ihrem Hause, aus welchem sie\nihr Tuch als Flagge ausgehangen, der Abrede gemäss\nverschont bleibt, da sie doch vom Könige und seinen Tra-\nbanten in den Tempel zum Opferaltare geschleppt wurde.\nDer Dichter wollte sie aus dringender Lebensgefahr ge-\nrettet wissen, wich daher von der biblischen Erzählung"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640514-01.1.6", "texte": "ab und verdunkelte das Bild. Doch der Tonmeister ist lür\ndiesen Schnitzer nicht verantwortlich. Josua lässt nach der\nVerheerung der Stadt nun Rahab aus ihrer Hütte vor-\nführen und dem Freunde Salma antrauen. Das junge Paar\nverkündet seine Gefühle in dem lieblichen Duette: „Wie\nnach der Prüfung Sorgen\". Jetzt wird aber Josua's Auge\ndurch ein Wunder gerührt: er sieht den sittlichen Verfall\nder Welt nach Jahrhunderten voraus, verkündet den Hei-\nland und Reiter, der aus Rahab's Stamme entspriessen\nwird. Wirklich ist nicht zu iäugnen, dass der Name Ra-\nhab, welches Beiwort ihr immer die Bibel geben mochte,\nin dem Geschlechts-Register des Heilandes mit angeführt\nsteht (Matth. I. 5). Das Becitativ Josua's, in welchem der\nTonsetzer dieses Gesicht gibt, gehört in seiner Klangfolge\nzu einem der Haupt-Glanzpunkte des ganzen Oratoriums.\nNach diesem Recitativ tritt der Chor ein, welcher dann\nbald in eine gewaltige Fuge übergeht. Diese eben sowohl\nwie die Fuge der ersten Abtheilung sind trotz des kunst-\ngerechten Satzes nicht zu lang ausgesponnen, tragen also,\nweit entfernt, zu ermüden, reichlich zu dem kräftigen und\nwirksamen Schlüsse des Werkes bei. Von den Melodieen\ndes ganzen Werkes lässt sich sagen, dass sie frisch und\nfliessend, dass sie nirgend gesucht sind, dass sie stets zur\nLage des Ganzen wie des einzelnen Theiles passen, dass\nsie sich ohne Ausnahme zur eigentlichen musicalischen\nBearbeitung eignen und alle auch wohl bearbeitet stehen.\nDie Stimmführung ist allenthalben tadellos und dabei na-\ntürlich, die Befähigung zu organischem Satze ist in jedem\nStücke des Werkes einleuchtend. In der Behandlung der\nTonbühne, besonders des Saiten-Quartetts, zeigt sich Me-\nves als Fachmann, als ausübenden Künstler. In der Far-\nbengebung durch Blas-Instrumente weiss er das rechte\nMaass zu halten, doch wünschen wir, dass er in Zukunft\neher nüchterner und einfacher, als glänzender und voller\ninstrumentiren möge. Mozart liess in seinem unsterblichen\nDon Juan die Posaunen erst mit dem Geiste eintreten, die\nneueren Künstler machen zu gern den Gespensterspuk wo\nmöglich schon in der Ouvertüre, so dass er zuletzt nicht\nmehr ergreifen will. Hätte z. B. Meves alles Blech erst\nbeim Sturme erklingen lassen, so würden die Posaunen-\ntöne gewiss wohl eine grössere Wirkung gehabt haben*).\nHier mag die Schuld mehr wieder am Dichter liegen, der\nder Darstellung der Bibel, des Falles der Mauer durch\nPosaunenton, keinen Ausdruck zu geben sich bewogen\nsah, wenigstens denselben nur nachträglich anführte.\nMag diese kurze Darstellung des Werkes den grösse-\nren Kreis von Tonfreunden bestimmen, das Werk der\nAnschauung zu würdigen, und möge der Künstler selber\nunterdessen nicht feiern, sondern muthig und besonnen\nauf dem Pfade weiter wandern, den er hier mit so viel\nGlück und Geschicklichkeit betreten hat. Möge er seine\nVorliebe vor Allem dem Oratorium erhalten, sich nicht\nverlocken lassen von den Sirenen des Singspiels, die dem\nWechsel der Mode huldigen und den Meister heute mit\nWeihrauch beräuchern, um ihn später zu vergessen. Im\nConcertsaale kann er durch Verdienst glänzen, im ande-\nren Räume vielleicht nur durch einen gemalten Vulcan-\nAusbruch, durch Prunk-Aufzüge oder Seiltänzereien.\n*) Was die Aufführung betrifft, so muss anerkannt werden,\ndass Capellmeister Abt die Chöre mit grossem Fleisse eingeübt\nhatte, die Massen mit solchem Geschick und solcher Leichtigkeit\nbewältigte, dass die Aufführung des Oratoriums unbezweifelt als die\ngelungenste des ganzen Winters betrachtet werden muss.\n\nDiamond.\n\nAnzeigen.\n\nJoh. Seb. Bach. 1) Erstes Concert in A-moll für\nVioline, von David für Violine und Ciavier bear-\nbeitet. 2) Sechs 0 rgel -So nat en, für Ciavier\nund Violine bearbeitet von Naumann. 3) Sechs\nFragmente aus dessen Kirchen-Cantaten und\nViolin-Sonaten. Für Pianoforte übertragen von\nCamille Saint-Saens. Nr. 1. Ouvertüre. 2.\nAdagio. 3. Andantino. 4. Gavotte. 5. Andante.\n6. Presto.\nG. Muffat. Passacaglia für Ciavier oder Orgel. Her-\nausgegeben von Franz Grandauer.\nC. H. Graun. Gigue für Pianoforte.\nJ. P. Ki r n be r ge r. Allegro für Ciavier. Aus dem Con-\ncert-Programme von Alfred Jaell. Alles Ver-\nlag von J. Rieter-Biedermann, Leipzig und Win-\nterthur.\nP h. E m a n u e I Bach. Clavier-Sonaten in sechs Heften.\nNeu herausgegeben. F. E. C. Leuckart in Breslau.\nWohl Jeder, der es redlich mit der Kunst meint, wird\nden in neuester Zeit gewaltig wieder erwachenden Sinn\nfür ältere Musik freudig begrüssen. Wenn auch das Zurück-\ngreifen in die ältere, dem Ideenkreise der Gegenwart mehr\noder minder entrückte Zeit nur jenen Kunst-Epochen eigen-\ntümlich ist, deren schaffende Kraft ermattet ist und sich\nübersättigt hat, so wird andererseits die Productionskraft\ngerade hiedurch wiederum angeregt und gestärkt. Sollen\naber die Werke der Altvordern mit der Fühl- und Denk-\nweise der späteren Geschlechter in eine so innige Verbin-\ndung treten, um dieselbe zu läutern und deren Schwung-\nkraft zu steigern, so müssen dieselben uns in verwandter,\nsympathischer Form entgegentreten. Das schroffe Festhal-\nten an Nebendingen, die eben als Ausfluss des speciellen\nZeitgeistes in späteren Perioden weder verstanden noch"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640514-01.1.7", "texte": "verdaut werden können, ist wohl dem Standpunkte einer\ngründlichen Kunstgeschichtsforschung, nimmer aber dem\nrein künstlerischen angemessen, denn die Kunst ist keine\nArchäologie. Einleuchtend ist allerdings, dass nur die um-\nsichtigste Sorgfalt im Stande sein wird, das Wesentliche\nvom Unwesentlichen, die Hauptsache von der Zuthat zu\nunterscheiden, und gerade hiermit dürfte unseren jungen\nschaffenden Künstlern eine eben so dankbare wie lehr-\nreiche Aufgabe gegeben sein.\nHiervon ausgehend, wird man die Eingangs aufgeführ-\nten Veröffentlichungen von Herzen willkommen heissen.\nDass es ein glücklicher Griff ist, wenn die Perlen jener\nCompositionen unseres herrlichen und einzigen Joh. Seb.\nBach, welche ursprünglich nicht für das Ciavier bestimmt\nsind, diesem Universal-Instrumente unserer Zeit angepasst\nwerden, liegt am Tage. Die Auswahl vorliegender sechs\nPiecen bekundet ausgebildeten Geschmack, das Arrange-\nment selbst hält unseres Erachtens zwischen schwülstiger\nUeberladenheit und zu grosser Einfachheit die richtige Mitte.\nGanz besonderen Dank verdienen David's und Naumann's\nTransscriptionen, einmal wegen der Auswahl der Compo-\nsitionen und dann wegen des geistvollen Arrangements.\nDie Passacaglia von Muffat, ein insbesondere durch\nMortier de Fontaine's meisterhafte Reproduction neulich\nbekannt gewordenes Tonstück, berechtigt und veranlasst\nuns zu dein dringenden Wunsche, es möchten die so unver-\nantwortlicher Weise im Staube der Jahrhunderte begrabe-\nnen Schöpfungen dieses Meisters der Vergessenheit entris-\nsen werden. Durch die Herausgabe dieser herrlichen Com-\nposition, so wie durch Beifügung der bis jetzt theilweise\nunbekannten biographischen Daten über den Meister hat\nsich Franz Grandauer unstreitiges Verdienst erworben. Die\nVerzierungen, womit diese Piece nach unseren Begriffen\nüberladen ist, sind geeignet reducirt. Die Umbildung der\nneunzehnten Variation, wenn auch der ganzen Anlage und\ndem Geiste derselben entsprechend, scheint uns übrigens\ndenn doch ein etwas bedenklicher Eingriff in. die Autor-\nrechte zu sein, die, wo immer möglich, aufs gewissenhaf-\nteste gewahrt werden müssen.\nDie Gigue von Graun ist ein frisches, geistsprühendes\nTonstück, Kirnberger's Allegro eine ansprechende, me-\nlodiöse, nur vielleicht etwas zu thematische Arbeit. Die\nEditoren der beiden letzteren Stücke sind nicht genannt,\nauch müssen wir uns kritischer Bemerkungen über die\nEdition selbst enthalten, da uns die Originale der Compo-\nsitionen nicht vorliegen.\nHinsichtlich der neu herausgegebenen Clavier-Sonaten\nvon Ph. Emanuel Bach erwähnen wir in Bezug auf die\nEingangs gemachten Bemerkungen noch, dass die Intention\ndes Herausgebers lediglich dahin ging, diese Compositionen\nin ihrem originellen Gewände wiederzugeben. Es wollen\ndesshalb die obigen Wünsche danach genommen sein. Be-\nsonders aufmerksam wollen wir dabei auf die Einleitung\nmachen, welche Emanuel Bach's Vorwort und sehr gründ-\nliche, nützliche Bemerkungen über den Vortrag, die Auf-\nfassung u. s. w. der in Bede stellenden Sonaten, so wie\neine höchst dankenswerthe Abhandlung über die Verzie-\nrungen der alten Meister enthält.\nFür die Vortrefflichkeit der Ausstattung bürgen die\no n\nFirmen J. Rieter-Biedermann in Leipzig und Winter-\nthur und F. E. C. Leuckart in Breslau.\nMögen diese kurzen Bemerkungen dazu beitragen, den\nerwähnten Compositionen bei unseren Musikern und Di-\nlettanten von ernster und gediegener Richtung den verdien-\nten Eingang zu verschaffen.\n\nDr. Mettenleiter.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\n* Hannen. In den zwei letzten Soireen für Kammer-\nmusik der Herren Krause, Seiss, Posse, Ewald und Wod-\nri c h hörten wir Beethoven's Trio-Serenade, Op. 8, dessen Sonate\nOp. 96 für Piano und Violine und Violin-Quartett Op. 74, F. Schu-\nberts Trio Op. 99, Violin-Quartett in D-dur von Haydn und So-\nnate in Es-dur für Pianoforte von demselben, und 0. Singer1 b\nAndante und Variationen, Op. ], für zwei Piano s (die Herren Krause\nund Ewald)»\nHesel, 8. Mai. Wie alljährlich, fand am Donnerstag den 5.\nMai ein Militär-Concert für die Pensions-Zuschusscasse der Musik-\nmeister des preussischen Heeres im hiesigen Schützenhause Statt,\nausgeführt vom Musikcorps des k. 4. westfälischen Infanterie-Regi-\nmerts Ni\\ ] 7,. unter Leitung seines Capellmeisters Herrn Weissen-\nborn. Obgleich wir schon oft die Leistungen dieses trefflichen Mu-\nsikcorps zu schätzen Gelegenheit hatten, so verdient dasselbe und\nsein Leiter dieses Mal doch besondere Anerkennung und Dank we-\ngen der Composition und Ausführung des so zeitgemässen Musik-\nstückes „Der 18. April 1864. Musiealische Erinnerungen an die\nsiegreiche Erstürmung der Düppeler Schanzen durch die preussische\nArmee44 von E. Weissenborn. Die darin angebrachten Effecte,\nwie der Sturmmarsch (durch ein Tambourcorps), Kanonen- und Ge-\nwehrfeuer, der Siegesmarsch, die eingeflochtenen patriotischen Lie-\nder: „Ich bin ein Preusse\", „Schleswig-Holstein meerumschlungenu,\nund am Schlüsse der Choral: „Nun danket Alle Gott\", versetzten die\nPhantasie der Zuhörer auf eine so täuschende und ergreifende Weise\nauf die Scene des Kampfplatzes, dass die ganze Versammlung zu\neiner wahrhaft feierlichen Stimmung erhoben wurde und am Schlüsse\ndurch rauschenden Applaus und Dacapo-Ruf ihren Gefühlen Luft\nmachte.\nAus Mainz bexichtet man uns sehr vortheilhaft für den jungen\nKünstler über ein Concert, das der Pianist Herr Theodor Schar-\nfenberg aus Berlin im April daselbst auf Einladung des Kunst-\nvereins gegeben. Bei ausserordentlicher technischer Fertigkeit hat\ner eine feine Auffassungsgabe und ein edles Streben nach der clas-\nsischen Richtung der Virtuosität bekundet, indem er eine Fuge von\nBach, eine Phantasie von Mozart, Beethoven's grosse Sonate in C-dur}\nzwei Stücke von Chopin und zwei Bravoursätze von Liszt nnd Bii-\nlow Alles auswendig mit grossem Beifalle vortrug."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640514-01.1.8", "texte": "f Oldenburg 11. Mai. Am vorigen Montag schloss die\ndiesjährige Concert-Saison mit einem Concerte in den Räumen des\nTheaters, da der Concertsaal im Umbau begriffen ist. Capellmeister\nDietrich dirigirte nach längerer Unterbrechung wieder, und zwar\nmit voller Frische und Sicherheit der früheren Jahre. Zur Auffüh-\nrung kamen: die Ouvertüre zu Semiramis von Catel, Zigeuner-\nleben von Schumann, Ouvertüre zu Hamlet von Gade, diese\nnamentlich in feiner und prächtiger Darstellung, hierauf das Neu-\njahrslied von Schumann. Dietrich empfing von allen Seiten leb-\nhafte Beweise der Freude über seine wiederhergestellte Gesundheit\nnach schweren Leiden. Im zweiten Theile des Concertes kam die\nSinfonie von C. Reinthaler in D-dur unter Leitung des Compo-\nnisten zur Aufführung. Sämmtliche Sätze des Werkes erhielten leb-\nhaften Beifall, namentlich wurde der zweite Satz ausgezeichnet. Der\nComponist wurde mehrfach gerufen und durch rauschenden Applaus\ngefeiert.\nDer Hof-Opernsänger Meyerhofer in Wien erhielt vom Herzog\nvon Coburg eine werthvolle Nadel mit dem Bildnisse des Herzogs.\nPai*is, 4. Mai. Den ersten Gebrauch, den Fräulein Adelina\nPatti von ihrer Mündigkeits-Erklärung gemacht hat, war, durch\neinen Act beim Notar Acloque ihrem Vater eine jährliche Rente\nvon 6000 Francs und ihrer Mutter eine gleiche von ebenfalls GOUO\nFrancs zu sichern. Der Redaction der Revue et Gazette musicale\nist auf die Anzweiflung dieser Nachricht durch ein anderes Blatt\nder notarielle Act vorgelegt worden. Vor ihrer Abreise nach Lon-\ndon (am 2. Mai) hat die gefeierte Sängerin noch in einigen Wohl-\nthätigkeits-Concerten gesungen und 2000 Francs an die Choristen\nund die bei der italiänischen Oper angestellten Theaterdiener u. s. w.\nvertheilen lassen.\nTartini's Violine. In London ist neuerdings eine Nicolas\nAmati-Violine, grosses Format, zu einem fabelhaften Preise ver-\nkauft worden, bei der sich ein vollständig legalisirtes Zeugniss be-\nfand, dass diese Violine dem berühmten Tartini gehört habe und\ndass er darauf die bekannte Teufels-Sonate componirt habe. [Das\nletztere dürfte doch ohne Tartini's eigene Erklärung schwer durch\nZeugen zu beweisen sein!]"}]}