{"numero_id": "bm-bmtnabi-1864-06-18-01", "volume": "bmtnabi_1864-06-18_01", "ocr_sha256": "ba8669fe2cdec852ff13ad30cccf32d16e4e6cb78a1f80d4bf00f6c20d3f21fe", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1864/06/18_01/bmtnabi_1864-06-18_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640618-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1864-06-18-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-06-18_01#c001", "volume": "bmtnabi_1864-06-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "193", "page_fin": "193", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640618-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "193", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640618-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 421, "texte": "Inhalt.\nDie ersten öffentlichen Concerte in Wien. Privat-Capellen und Vereine. Quartett-Productionen. Aus Güttingen\n(Rückblick auf die Concerte im vergangenen Semester). Zweites Sängerfest des rheinischen Sängerbundes in Köln. Der 93. Psalm von\nF. Hiller. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Erste Gastdarstellung der italienischen Opern-Gesellschaft Paris, Einnah-\nmen der pariser Theater im verflossenen Theaterjahre)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-06-18-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-06-18_01#c002", "volume": "bmtnabi_1864-06-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "193", "page_fin": "197", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640618-01.2.2", "titre_corps": "Die ersten öffentlichen Concerte in Wien. Privat- Capellen und Vereine. 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Quartett-Productionen\nIn der Fasten- und Adventszeit wurden von 1772 an\nnicht bloss vollständige Oratorien gegeben (wovon die drei\nersten Capitel des Aufsatzes handelten), sondern auch ge-\nmischte Concerte, „musicalische Akademieen\".\nSie waren bunt durch einander gewürfelt, ihre ganz\nzufällige, principlose Gestaltung zeigt, dass bis in den An-\nfang unseres Jahrhunderts höchstens die ersten Keime\neines wirklichen Concertlebens vorhanden waren. Geist-\nliche und weltliche Musik, italiänische Sänger, einheimi-\nsche und fremde Virtuosen, wie sie sich eben vorfanden,\nwurden rasch zu einer „Akademie\" zusammengestellt.\nVon einem eigenen Locale dafür war lange nicht die\nRede; die Bühne an theaterfreien Abenden und in den\nZwischenacten des Schauspiels reichte vollkommen für die\ngeringen öffentlichen Bedürfnisse der Instrumental-Musik\naus. Wir finden ausser den früher aufgeführten Oratorien\nfolgende wichtigere Musik-Productionen in den Hofthea-\ntern in den letzten dreissig Jahren des vorigen Jahrhun-\nderts: die symphonische Musik in den „Fasten-Con-\ncerten\" war repräsentirt durch Symphonieen von Kohaut,\nOrdonnez, Martini, Haydn, Mozart', Dittersdorf, Kozeluch,\nWranitzky, Weigl; auch zwei „Symphonieen\" von Gluck\nbegegnen wir. Die Arien und Chöre dieses Concert-\nRepertoires waren überwiegend von der Composition Sa-\nlieri's, Gluck's, Wagenseil's, Weigl's, Händel's, Haydn's.\nAuch Chöre und Arien von Hasse, Sacchini, Winter,\nSüssmayer, Righini und Paesiello waren stehende Num-\nmern. Die Sänger waren fast durchaus Italiäner, wie Mad.\n*).\nNicolini (Cesarini), der Soprano Signor Muschietti,\nMad. Storace, H err und Mad. Madini, Mad. Cava-\nglieri und Teyber. Im Jahre 1780 sang die preussische\nKammersängerin Mara, 1783 die Storace, 1795 die\nEngländerin Mrs. Blomer in den Burgtheater-Akade-\nmieen. Im Fache der Instrumental-Virtuosität wirk-\nten im Laufe dieser Jahre mit: die Geiger Paisible,\nSchlesinger, Fränzel, Marchand, die Cellisten\nReicha und Weigl (Vater des Componisten), der Clari-\nnettist Stadler, die Hornisten Böck und Punto, der\nFlötist Scholl, die Oboisten Triebensee und Le\nBrun, die Harfenspielerin Müller, der Hoftrompeter\nWeidinger, endlich die Ciavier-Virtuosen W. A. Mo-\nzart, Fräulein Therese Paradies und in den Jahren\n1795, 1798 und 1800 Beethoven.\nEine gefeierte Grösse jener Zeit und eine interessante\nErscheinung in der Geschichte deutscher Musik war Georg\nBenda, der Componist der damals überaus beliebten\nMono- und Duo-Dramen „Ariadne auf Naxos\" u.s.w.\nBenda gab (14. März 1779) im Kärnlhnerthor-Theater\neine „Akademie\", welche meistens Arien und Duette aus\nseinen Opern „Romeo und Julie\" und „Walder\" (von\nden Sängerinnen Cavaglieri und Teyber vorgetragen)\nzu Gehör brachte.\nAls Curiosa stechen bei diesen Akademieen im Hof-\ntheater hervor: eine Madame Schindler, welche Arien\nsang und die Zwerchflöte blies, 1783; Herrn Röl-\nlig's „Tasten-Harmonica\" (eine Glas-Harmonica, wobei\nstatt der Finger genässte Lederarme die Glocken berühr-\nten, 1791); die Production des J. G. Roth aus Nürnberg\nauf 16 Pauken, wohl der letzte Nachklang der berühm-\nten alten Hofpauker, die Akademie der Demoiselle Hauk,\n„einer Riesin von ausserordentlicher Grösse\", welche ita-\nliänische Arien sang, endlich, als ein frühes Exemplar\ndescriptiver Musik, eine Art symphonischer Dichtung unter\ndem Titel: „Werther. Ein Roman, in Musik gesetzt von\n\n*) Der IV. Band der „österreichischen Revue\" enthält\nden Anfang eines interessanten Aufsatzes von Prof. Dr. Ed. Hans-\nlick in Wien: „Zur Geschichte des C oncertw es ens in\nWien\", dem wir obigen Abschnitt auszugsweise entnehmen.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "194", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640618-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5672, "texte": "Pugnani, Musik-Aufseher des Königs von Sardinien\"\n(1796). Wunderlich genug erscheint uns auch eine Aka-\ndemie von Joseph Weigl, in welcher er ausser einer\nCantate: „Die Gelühle meines Herzens\", eine „vollstän-\ndige ßalletmusik: Richard Löwenherz\" — ohne das\nP\ndazu gehörige Ballet— aufführen liess. |Das geschieht ja\njetzt auch noch mit Beethoven's Gli uomini dl Prometeo.]\nAuch im Theater „auf der Wieden\" finden wir\nin den letzten Jahren des vorigen Jahrhunderts einzelne\nConcert-Productionen: Akademieen zum Vortheil des Mu-\nsik- Directors Suche (Mayseder's Lehrer), der Orchester-\nMitglieder Rust und Pischelberger, Zwischenact-Pro-\nduclionen des Clarinetlisten Plaske und des Geigers\nWillmann, des Pianisten Wölfl und der achtjährigen\nJosepha Hofer (später Sängerin als Mad. Hönig), die\n1799 ein Clavier-Concert von Hofmeister vortrug. Da-\nmit auch hier die „Merkwürdigkeiten\" nicht fehlen, pro-\nducirte sich 1797 eine „israelitische Tonkünstler-Ge-\nsellschaft mit ihren Naturstimmen\", und 1799 Herr\nMayer aus Mannheim mit der „Nachahmung von Vogel-\nstimmen\".\nAls den eigentlich begründenden Ahnherrn der Vir-\ntuosen-Concerte in Wien kann man Mozart ansehen;\nseine stets nur der echten Kunst dienende hohe Meister-\nschaft auf dem Ciavier hat diesen Kunstzweig zuerst in ge-\ndiegener Weise dem Publicum nahe gebracht und durch\nstetige Wiederholung zum Bedürfnisse gemacht. Während\nseines ersten Aufenthaltes in Wien (1762) scheint sich das\nWunderkind Mozart mit seiner Schwester „Nannerl\" nur\nbei Hofe und in aristokratischen Kreisen producirt zu ha-\nben ; bei seinem zweiten Aufenthalte (1767) vereitelte seine\nErkrankung an den Blattern jede Production des jungen\nVirtuosen. Bei dem grossen Publicum war überdies damals\nnoch keine Theilnahme für dergleichen zu hoffen.\nDie unfläthigen Lieder Hanswursts oder die Musik-\nbande bei den Thierhetzen waren der Masse des Publi-\ncums jedenfalls willkommener\nAls sich aber Mozart in Wien förmlich ansässig ge-\nmacht hatte, pflegte er regelmässig in den Fasten ein eige-\nnes Concert zu geben. Nachdem das erste (Anfang 1782)\ngut ausgefallen war, associirte er sich im Frühjahre mit\neinem Herrn Martin, um während des Sommers am\nSonntage eine Reihe von Concerten im Augarten zu\ngeben. (Nähere Details bei Jahn, 111. Bd., S. 66, 199 ff.)\nDamit begann die Instrumental-Musik aus dem Banne be-\ngünstigter Privatkreise in die Oeffentlichkeit zu rücken.\nIhren Schwerpunkt behielt sie jedoch noch lange in diesen\nPrivatkreisen, und es bedurfte geraumer Zeit, bis dieser\nSchwerpunkt sich immer mehr gegen die Oeffentlichkeit\nhinsenkte, wo er nunmehr, etwa mit Beethoven's Tode,\nvollständig ruht.\nDer Genuss kunstmässig gepflegter Musik ging zuerst\naus dem Besitze der Hofe in den der Adeligen und\nReichen über, weiterhin aus diesem in die kunstlieben-\nden bürgerlichen Privatkreise. ZuZeiten Haydn's, Mo-\nzart's und noch Beethoven's gelangte die nichttheatralische\nMusik nur zum kleinsten Theile, gleichsam in ausnahms-\nweisem, excentrischem Herausspringen, vor das zahlende\ngrosse Publicum; überwiegend ruhte sie im Schoosse vor-\nnehmer Privat-Capellen und des bürgerlichen Dilettantis-\nmus. Der Einfluss der Privat-Capellen und des Dilettan-\ntismus auf die Physiognomie der damaligen Musik nicht\nbloss der reproducirenden, sondern auch der productiven\nist ein tiefgreifender und kaum noch in seiner ganzen\nWichtigkeit erfasst und dargestellt. Wir können uns hier\ndie Wiederholung des einschlägigen reichen, historischen\nMaterials nicht gestatten und verweisen auf die bezüglichen\nlehrreichen Partieen in den bekannten Biographieen von\nHaydn, Mozart, Beethoven, Gluck und auf die Selbst-Bio-\ngraphieen von Dittersdorf und Gyrowetz.\nWir können uns heutzutage, wo die ganze nennens-\nwerthe Musikpllege im Besitze der Oeffentlichkeit ist und\ndie grossartigsten Dimensionen angenommen hat, kaum\nmehr in jene Zeiten zurückdenken, wo die namhaftesten\nTondichter im Privatdienste grosser Herren standen, wo\nder Erzbischof von Salzburg heute einige neue Concerte\nbei Mozart bestellte, morgen der Prinz von Hildburghau-\nsen zwölf neue Symphonieen bei Gyrowetz, der Fürst-\nbischof von Breslau ein neues, leichtes Oratorium bei\nDittersdorf, wo ein Fürst Esterhazy die ganze Thätigkeit\nHaydn's gleichsam gepachtet hatte u. s. w., während das\ngrosse Publicum von diesen Genüssen nur durch besondere\n\n*)•\n*) Leopold Mozart schreibt hierüber nach Salzburg: „Dass\ndie Wiener, in genere zu reden, nicht begierig sind, Ernsthaftes und\nVernünftiges zu sehen, auch wenig oder gar keinen Begriff davon\nhaben und nichts als närrisches Zeug, Tanzen, Teufel, Gespenster,\nZaubereien, Hanswürste, Lipperl, Bernardon, Hexen und Erscheinun-\ngen sehen wollen, ist eine bekannte Sache und ihre Theater bewei-\nsen es täglich.\" (Vergl. Jahn's „Mozart\", 1. 84.)\nDie Thier hetzen waren ein regelmässiges, hochbeliebtes\nSchauspiel. Das „Hetzhaus\", welches „mit allen Freiheiten\" der\nTheatral-Direction überlassen war, befand sich vor dem „Stuben-\nthor\" ; es war ein von Holz aufgeführtes, drei Stockwerk hohes\nAmphitheater, welches 3000 Menschen fasste. Die Hetztage waren ge-\nwöhnlich die Sonn- und Feiertage. Die Unkosten der Hetze betrugen\njährlich 5000 Fl. (Müll er's „Genaue Nachrichten\" u. s. w. 1772.)\nEs liegen uns zwei grosse, roth gedruckte Original-Placate von\nThierhetzen vor. Das eine beginnt: „In dem k. k. privil. Hetz-Am-\npliitheater unter den Weissgerbern wird Sonntag den 31. October\n1790 unter einer harmonischen Musik ein grosser, starker Thier-\nkampf abgehalten werden.\" (Folgt das detaillirte Programm.) Auf\ndem anderen Zettel heisst es: ,«unter einer aus guten Tonkünstlern\nbestehenden Musik\". [Schade, dass das Programm nicht mitgetheilt ist.]"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "195", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640618-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5389, "texte": "Protection zu naschen bekam. Noch weniger können wir\nsie zurückwünschen, die Zeit, wo die Musik ein aristokra-\ntisches Privilegium bildete, während sie jetzt, dem allge-\nmeinen demokratischen Zuge der Geschichte folgend, wie\nLicht und Luft Allgemeingut ist. Aber wie selbst dem mo-\ndernsten Eisenbahnschwärmer mitunter ein stiller Seufzer\nnach der bürgerlichen Poesie der Postkutsche entfährt, so\nmuss auch uns erlaubt sein, auf die guten, ja, rührend\npatriarchalischen Seiten einer Kunstpflege zurückzublicken,\nwo weder die Jagd nach Geldgewinn, noch nach raschem\nWeltruhm, sondern die Freude an der Sache selbst den\nmächtigsten Hebel der Thätigkeit abgab. Man erwäge nur,\nwelch fortwährende Anregung zum Produciren solche\nPrivat-Capellen gaben. Der musikliebende Fürst oder Bi-\nschof und seine Gesellschaft wollten Neues hören und spie-\nlen; derComponist musste allzeit dafür sorgen. Er brauchte\nsich nicht während des Schaffens zu kümmern, ob irgend\neine Concert-Gesellschaft seine Composition werde auffüh-\nren, ob ein Verleger sie werde stechen und bezahlen wol-\nlen; er war in allen Dingen gesichert und fortwährend\naufgemuntert. Natürlich konnten diese Privat-Höfe auch\nnicht so fest ummauert sein, dass der Ruhm genialer\nKünstler nicht über die Schwelle des Palastes hinaus-\ngedrungen wäre; wir erinnern an die Erfolge, die llaydn\nin England, Gyrowetz in Paris, Dittersdorf in Italien\nund Deutschland allerdings durch die Gunst ganz be-\nsonderer Verhältnisse erlangten.\nKarl D itters von Dittersdorf existirt im Gedächt-\nnisse unserer Zeit nur noch als Componist heiterer Sing-\nspiele; seine Wirksamkeit als Oratorien- und Symphonieen-\nComponist, wie als Violin-Virtuose ist vergessen. Für seine\nZeit und für die wiener Concert-Zustände war er in die-\nsen beiden Eigenschaften nicht unwichtig. Seine vier Ora-\ntorien: Hiob, Esther, David, Isaak, wurden gern gehört;\nausserdem führte er im Augarten (1786) ein wunder-\nliches Orchesterwerk auf: „Ovid's Metamorphosen\", eine\nReihe von zwölf charakteristischen Symphonieen! Ausser-\ndem finden wir auch den grossen Dramatiker Gluck mit\nLeistungen im symphonischen Fache vertreten, die längst\nvergessen sind.\n*\nEs gab im ersten Jahrzehend dieses Jahrhunderts\nkein öffentliches Concert-Institut für Aufführung von\nSymphonieen und anderen Orchestersachen, Trio's und\nQuartetten. Desto eifriger wurden diese Zweige von Freun-\nden der Musik geübt, und wir sehen die regelmässigen\nQuartett-Productionen, die „Concerts spirituels\" und die\n„Gesellschaft der Musikfreunde\" sich aus dem musicali-\nschen Privatleben herausbilden. Dr. L. v. Sonnleithner,\nder noch die volle Mittagshöhe dieser Periode erlebte und\nll V .i.A.-\nals besonders gesuchtes Mitglied alle besseren musicali-\nschen Privat-Cirkel durch sein Talent unterstützte, hat in\neiner Reihe von „Musicalischen Skizzen aus Alt-Wien\"\n(in den wiener „Recensionen\" vom J. 1861, Nr. 47 II.)\nuns Spälergeborenen den besten Einblick in jene Zustände\nverschallt. Mit dem Anfange des Jahrhunderts waren die\nmeisten der hervorragenden Ilaus-Capellen aufgelöst, die\nhochgestellten Mäcene grösstenteils verschwunden: die\nTonkunst flüchtete unter den Schulz des bescheidenen\nMittelstandes. Im Hause des Herrn Joseph Hochenadl,\nBeamten der k. k. Hof-Kriegsbuchhaltung, dessen Frau\nund Kinder sehr musicalisch waren, landen regelmässige\nAufführungen von Haus- und Kammermusik Statt, mit-\nunter sogar von ganzen Oratorien, Cantaten und älteren\nOpern (bei Clavier-Begleitung), in den Jahren 1810 bis\n1824. Unter den mitwirkenden Dilettanten bemerken wir\ndie später so berühmt gewordene Sängerin Caroline\nCnger, den Violinspieler Georg Hellmesberger\nVater (später Primgeiger des Ilof-Operntheaters), und den\nHofrath Kiesewetter, der nicht nur als Sänger mit-\nwirkte, sondern oft Clavier-Auszüge von Oratorien u. dgl.\neigens verfasste. Kiesewetter's Sammelgeist hatte ihn kei-\nneswegs dem blühenden Leben der Musik entfremdet, ein\ngewählter Kreis von Musikfreunden versammelte sich an\ngewissen Festtagen um die Mittagsstunde bei ihm; die\nProductionen daselbst waren ganz eigentlich die ersten\n„historischen Concerte\" in Wien und sind im stren-\ngen Sinne auch die letzten geblieben. Sie mögen im Jahre\n1817 begonnen haben und wurden bis zum Jahre 1838\nfortgesetzt. Geistliche und weltliche Compositionen aus\nfrüheren Jahrhunderten, aller Schulen und Nationen, wur-\nden hier mit Eifer und Andacht ausgeführt. Einer der vor-\nzüglichsten Hausaltäre des musicalischen Cultus in Wien\nwar die Wohnung des Advocaten Dr. Ignaz von Sonn-\nleithner. Sohn eines geachteten Rechtsgelehrten und\nTonsetzers (Dr. Christoph Sonnleitner) und Vater eines\nsolchen (Dr. Leopold v. Sonnleitner), vereinigte auch Ignaz\ndiese beiden Qualitäten. Eine bedeutende Zahl von Kunst-\nfreunden und Künstlern fand sich bei ihm in den Jahren\n1815 bis 1824 zu regelmässigen Uebungen ein, die bald\nden Namen „Productionen\" verdienten. Kammermusik,\nArien, Chöre und die zu jener Zeit sehr beliebten Quar-\ntett-Arrangements von Ouvertüren und Symphonieen, auch\nvon ganzen Opern und Oratorien, wechselten in zweck-\nmässiger Folge. Die Sonnleithner'schen Kränzchen sind uns\ndadurch besonders wichtig, dass in ihnen und durch sie\nzuerst Franz Schubert's Lieder und Vocal-Quartette\neinem grösseren Kreise bekannt wurden, wie denn auch\n(1820) Leopold v. Sonnleitner das erste Werk Schu-\nberts, den Erlkönig, in Folge einer solchen Privat-Aullüh-\n\n[1"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "196", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640618-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5317, "texte": "rung auf eigene Kosten herausgegeben und damit die Lauf-\nbahn dieses genialen Tondichters factisch eröffnet hat.\nDer Eifer der musicalischen Dilettanten blieb nicht\nüberall bei Gesang und Kammermusik stehen. Es bildeten\nsich auch -kleine Orchester-Vereine. Ein solcher hatte\nseine bescheidenen Anfänge im Elternhause Franz Schü-\nbe rt's. Papa Schubert und seine Söhne (in dieser\nSchullehrer-Farnilie war ja Alles musicalisch) versammel-\nten wöchentlich zwei Mal einige wenige Freunde bei sich\nzu musicalischen Unterhaltungen, meist auf dem Gebiete\nder Quartett-Musik. Die bescheidene Schullehrer-Wohnung\nin Liechtentbal wurde bald zu klein für diese Versamm-\nlungen. In das gastfreundliche Haus des Kaufmannes\nFrischling, dann des tüchtigen Orchester-Geigers llat-\nwig übertragen, erweiterte sich dieser Dilettanten-Kreis\nallmählich zu einem kleinen Orchester, das im Jahre 1818\nschon hinreichend eingespielt war, um Symphonieen von\nHaydn, Mozart, Romberg und die zwei ersten von\nBeethoven gut vorzutragen. Für diesen Privat-Musik-\nverein „im Gundelhol\" componirte Fr. Schubert eine\nSymphonie in B-dur„ohne Trompeten und Pauken\", eine\ngrössere in C-dur \\die jetzt gedruckte?] und die schnell\nbeliebt gewordene „Ouvertüre in italiänischem Stil\". Die\nKosten dieser „Uebungen\" wurden in den Jahren 1815\nbis 1818 durch mässige Beiträge der Mitwirkenden be-\nstritten. Im Jahre 1819 nahm die Schubert'sche Gesell-\nschaft (die inzwischen in Herrn Pettenkofer's Wohnung\nauf dem Bauernmarkt übersiedelt war) auch Concertslücke,\nendlich auch ganze Oratorien in ihr Repertoire auf. Da-\nmit hatte die Gesellschaft ihren Gipfelpunkt erreicht; die\nUebungen waren in Productionen verwandelt. Wir sehen\nan diesem Beispiele (wie an zahlreichen ähnlichen) das\nnaturgemässe, immer unabweisbarer sich meldende Drän-\ngen an die Oeffenllichkeit. Zufällige Ereignisse führten im\nHerbste 1820 die Auflösung dieses Privat-Vereins herbei.\nEs lag in der Natur der damaligen Musik-Verhältnisse\nüberhaupt und im Wesen der Kammermusik insbeson-\ndere, dass diese ihre überwiegende Pflege im häuslichen\nKreise fand. Das Streich-Quartett fand man bei seinen\nmusicalischen Freunden allerwärts und konnte es leicht\nselbst im eigenen Hause herstellen ein Drängen in die\nOeffentlichkeit war hier kein dringendes Bedürfniss. Erst\nals der Ruf von Schuppanzigh's Meisterschaft im Quar-\ntcttspiel sich verbreitete, fühlte auch das grosse Publicum\nden Wunsch, davon profitiren zu können.\nIgnaz Schuppanzigh war der erste (und seiner\nZeit einzige) Künstler, der in Wien regelmässige Quartett-\nProductionen gegen Abonnement veranstaltete, Anfangs im\nSaale des Gasthofes „Zum römischen Kaiser\", später im\nalten Musik-Vereinssaale. Seine Quartett-Collegen waren\nLinke (Violoncell), Sina (zweite Violine), Franz Weiss\n(Viola). Diese Quartetl-Productionen waren sehr beliebt\nund zahlreich besucht. Nr. 43 der Wiener Musik-Zeitung\nvom Jahre 1813 bringt die Abonnements-Anzeige von\nSchuppanzigh's „schon seit mehreren Jahren in zwei\nPerioden gegebenen Violin-Quartetten\". Dieser schöne\nVerein, heisst es weiter, dankt seine Entstehung dem Kunst-\nsinne des Grafen Razumowsky, dessen besondere Liebe\nzum Violin-Quartett die Virtuosen Schuppanzigh, Linke\n(Cello) und Weiss (Viola) um sich versammelt hat.\nDas Abonnement für „acht Darstellungen\" betrug\n10 Fl. Wenn Schuppanzigh die Saison in Wien zu-\nbrachte (er war manchmal aul' Reisen), setzte er diese\nQuartette regelmässig fort. Gegen das Ende der zwanziger\nJahre fanden sie (an sechs nach einander folgenden Sonn-\ntagen) Abends von bis Uhr im kleinen Musik-\nVereinssaale („Zum rothen Igel\") Statt; das Abonnement\nzu 10 Fl. W. W. für sechs Productionen. Von dieser\nZeit an blieb bis heute der Sonntag Nachmittag (5 bis\n61/2 oder 7 Ohr) den öffentlichen Quartett-Productionen\nbestimmt; nur ganz vorübergehend taucht\"noch ein oder\ndas andere Mal die „Mittagsstunde\" auf.\nJoseph Böhm, der sich in Wien zum ersten Male\nin den Zwischenacten einer Vorstellung des Burgtheaters\nproducirt hatte, eröffnete am 20. November 1816 eine\nReihe von sechs Quartett-Productionen im „Römischen\nKaiser\" (an Freitagen Mittags). Wir finden dabei schon\nMerk als Cellisten. Auch später im Jahre 1821 unter-\nnahm es Joseph Böhm, die durch einige Jahre ausgesetz-\nten, von Schuppanzigh gegründeten Quartett-Unterhal-\ntungen im Prater wieder aufzunehmen. Sie begannen\nam 1. Mai und fanden im ersten Kaffeehause der Prater-\nAllee Morgens um 8 Uhr Statt. Also eine Uebertragung\nder Augarten-Morgen-Concerte in eine grössere Umgebung\nund ein kleineres Genre. Holz, Weiss und Linke bil-\ndeten mit Böhm das Quartett. Ciavierstücke bildeten nun\neinen Bestandlheil des Programms. Demoiselle Förster\nspielte sogar den ersten Satz von HummeTs\ncert. Die Quartettspieler leisteten so Tüchtiges, dass die\nMusik-Zeitung (Nr. 40 von 1821) entzückt ausruft: „So\nmuss man Beethoven's und Mozart's Quartette spie-\nlen hören!\"\nFast scheint es, als ob Böhm momentan Schuppan-\nzigh vergessen gemacht hätte. Dieser, inzwischen in Russ-\nland angesiedelt, kam im Frühling 1823 auf Besuch nach\nWien und gab am 4. Mai ein trotz aller Anpreisungen\nder Journale schlecht besuchtes Concert, worin er ein\nViolin-Concert von Maurer und eine Polonaise— damals\nunentbehrlich spielte. Ende September eröffnete Schup-\npanzigh, der durch seinen Eintritt in die k. k. Hofcapelle"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "197", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640618-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1236, "texte": "nun dauernd an Wien gefesselt ward, wieder seine Quar-\ntette mit Holz, Weiss und Linke im Musik-Vereins-\nsaale. (Sechs Produclionen 10 Fl. W. W.) Im Februar\n1824 gab er wieder einen Cyklus von sechs Quartett-\nAbenden. Darunter kam Haydn 4, Mozart 5, Beethoven 6,\nFr. Weiss 1, Fr. Schubert 1 Mal zur Aufführung. Von\ndem „Neuen Quartett\" des letzteren berichtet die Musik-\nZeitung (Nr. 12 von 1824) einfach, „man müsse es öfter\nhören, um dasselbe beurtheilen zu können\". Schuppan-\nzighs Quartette finden wir fortan regelmässig um 4',2\nUhr an Sonntagen im Musik-Vereinssaale. Ihm ist die\nreichlichere Vertretung Beethoven's im Quartetlfache zu\ndanken; sein persönlicher Verkehr mit dem Meister konnte\nihn auch tiefer in dessen schwierigere Schöpfungen ein-\nweihen. Im Jahre 1829 gab Schuppanzigh vier Quartett-\nUnterhaltungen im „Römischen Kaiser\", das Abonnement\nzu 3 Fl. C.-M., „wobei jeder Abnehmer ein Damen-\nBillet gratis erhält\". Diese wunderliche Begünstigung ist\nuns in den wiener Concert-Annalen nur dieses eine Mal\nvorgekommen.\nNach Schuppanzigh und Böhm trat ein längeres Brach-\nliegen der öffentlichen Quartett-Musiken ein, bis 1845\nLeopold Jansa und Jos. Helltnesberger 1849 die\nregelmässige Pllege derselben wieder aufnahmen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-06-18-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-06-18_01#c003", "volume": "bmtnabi_1864-06-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "197", "page_fin": "198", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640618-01.2.3", "titre_corps": "Aus Göttingen.", "titre_sommaire": "Aus Göttingen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "197", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640618-01.1.5", "debut_caractere": 1238, "fin_caractere_exclue": 5148, "texte": "Aus Göttingen.\nNachträglich und in Kürze berichte ich Ihnen, geehr-\nter Herr Redacteur, über die im vergangenen Winter-\nSemester Statt gefundenen Concerte, und beginne mit den\nakademischen Concerten des Musik-Directors Hille,\nwelche den eigentlichen Mittelpunkt des musicalischen Le-\nbens hier bilden. Ein grosser Fortschritt ist es unstreitig,\ndass jetzt in jedem dieser Concerte das Orchester zur Ver-\nwendung kommt, was noch vor zwei Jahren der unzuläng-\nlichen Kräfte und Mittel wegen nicht möglich war. Frei-\nlich bedarf es Seitens des Dirigenten eines aussergewöhn-\nlichen Aufwandes an Zeit und Mühe, um die aufzuführen-\nden Werke einzustudiren, aber es ist denn doch die Mög-\nlichkeit gegeben, das musicalische Publicum nach und\nnach mit den Werken unserer Meister aus der Vergan-\ngenheit und Gegenwart bekannt zu machen, eine Aufgabe,\ndie in sich lohnend genug sein dürfte, um Zeit und Arbeit\nan deren Lösung zu setzen, zumal zu hoffen steht, dass\ndie Schwierigkeiten sich mit der Zeit verringern werden.\nDass keine Mühe gescheut war, haben die diesmaligen\nAufführungen bewiesen, die, abgesehen von hier und da\nvorgekommenen kleineren Verstössen, wie sie bei fast allen\nOrchestern vorkommen, eine strengere Kritik nicht zu\nscheuen brauchen. Und wenn z. ß., wie es hier vorkam,\nunmittelbar vor Beginn der Beethoven'schen 0-moll-SU\\-\nl'onie der erste Flötist und der erste Clarinettist plötzlich\nerkranken und durch sofortige anderweite Besetzung die-\nser Instrumente aus dem Orchester die Aufführung des\nWerkes keine Störung erleidet, so ist daraus jedenfalls zu\nentnehmen, dass das Orchester tüchtige Elemente in sich\nschliessen muss, übrigens, nebenbei bemerkt, ein ge-\nwagtes Unternehmen von Seiten des Dirigenten, für des-\nsen Gelingen er sich bei Fortuna bedanken mag.\nIn den fünf akademischen Concerten kamen\nfolgende Orchesterwerke zur Aufführung: die C-moll-Sin-\nfonie von Beethoven, die erste (in (?)von Gade, die\nvon Mendelssohn, die Jubel-Ouverture von Weber, Ouver-\ntüre zur Zauberflöte, zu „Aladin\" von Karl Reinecke,\ndie erste Leonoren-Ouverture (in von Beethoven und\nsodann die ganze Musik zum Sommernachtstraum, das\nvon Gisbert Frhrn. v. Vincke dazu ve'rfasste Gedicht von\ndem bekannten Literarhistoriker Dr. Karl Goedeke ge-\nsprochen. Mendelssohn's reizende Musik, zum ersten Male\nvollständig aufgeführt, interessirte in hohem Grade. Da-\ngegen wollte die Reinecke'sche Ouvertüre, die andere\nNovität, dem Publicum nicht recht munden. Es ist auch\nnicht zu läugnen, dass ihr der rechte natürliche Fluss fehlt,\nobwohl sie interessante und feine Züge genug bietet. Am\nwenigsten hat mir der nicht gerade originel zu nennende\nSchlusssatz gefallen. Herr Karl Hill aus Frankfurt\nsang zwei Arien aus „Paulus\" und aus der „Schöpfung\"\nund Lieder aus dem Lieder-Cyklus „Ein frühes Liebes-\nleben\" von E. Hille. Der ausgezeichnete Sänger ward auch\njetzt wieder wie früher mit Beifall reich bedacht. Nicht\nweniger Anerkennung erwarb sich der Pianist Herr Mar-\n*\ntin Wallenstein aus Frankfurt durch den gediegenen\nVortrag des D-Jwr-Concertes von Mozart und kleinerer\nSachen von Bach und Schumann. Herr Concertmeister\nC. Bargheer aus Detmold spielte das Beethoven'sche\nViolin-Concert und die Chaconne von J. S. Bach. Das\nPublicum und die Kritik waren einstimmig im Lobe, und\nder Berichterstatter stimmt vollständig bei. Ferner sang\ndie hiesige vortreffliche Sängerin Frau Ulrich Kecilativ\nund Arie aus Rinaldo von Händel und die Schubert'schen\nMignonlieder, und zwar schön und zu Aller Freude.\nAusserdem brachten die Concerte von kleineren Chor-\nsachen die Cantate „Der Sturm\" von Jos. Haydn, die\nMorgen-Hymne aus der „Vestalin\", Volkslieder für Män-\nnerstimmen, vom Studenten-Gesangverein gesungen, und\nLieder für Frauenstimmen von R. Schumann.\nIm dritten akademischen Concerte wurde der „ Messias\"\nvon Händel aufgeführt unter Mitwirkung zweier Gäste\naus Kassel, der Frau Ilempel-Kristinus und des Herrn"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "198", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640618-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3610, "texte": "Denn er. Erstere besitzt einen ausgiebigen, kräftigen Alt\nvon bedeutendem Umfange und leistete sehr Tüchtiges,\nund Herr Denner, der die Partie zum ersten Male sang und\neben desshalb wohl anfänglich mit einiger Befangenheit zu\nkämpfen hatte, ist der glückliche Besitzer einer volltönen-\nden und weichen Tenorstimme, wie sie sich zur Repro-\nduclion von Oratorien-Partieen besonders eignen dürfte.\nHerr Denner ist übrigens nicht Sänger von Fach, sondern\nDilettant. Bei dem oft sehr fühlbaren Mangel an Teno-\nristen möchte ich die Leiter von Oratorien-Vereinen auf\ndiesen Sänger aufmerksam machen, und bin der Meinung,\ndass er bei fortgesetztem eifrigem Studium ein zweiter\nHill werden könnte, in Tenor übersetzt. Das Zeug dazu\nscheint er zu haben. Die schon vorher erwähnte Frau\nUlrich war eine Vertreterin der Sopran-Partie, wie wir\nsie uns nicht besser wünschen, und den Bass-Part hatte\nein sangeskundiger Student übernommen, der ihn im Gan-\nzen recht befriedigend durchführte. Würden überall die\nChöre gesungen, wie von unserer Sing-Akademie, so hätte\nHändel sicher keine Ursache zur Klage, wie denn über-\nhaupt die ganze Aufführung, von Kleinigkeiten abgesehen,\neine wohl abgerundete und gelungene zu nennen war.\nAusser den akademischen Concerten fanden noch zwei\nzum Besten Schleswig-Holsteins veranstaltete Concerte\nStatt. Das erste gaben die hiesigen verbundenen Männer-\nGesangvereine unter Hille's Leitung, und wurde dasselbe\nauch von dem gerade hier anwesenden Concertmeister\nC. Bargheer aufs zuvorkommendste durch treffliche\nViolin-Vorträge unterstützt. Die interessantesten Gesangs-\nNummern des Programms waren die Sturmes-Mythe von\nFr. Lachner und der Altdeutsche Schlachtgesang von Jul.\nRietz, beide mit vollem Orchester aufgeführt. Das zweite\nConcert gaben die Herren Concert-Director Joachim,\nCapellmeister Scholz und Hof-Opernsänger Bletzacher\naus Hannover, die freundlich begrüsst und verdienter\nMaassen mit Beifall in reichster Fülle belohnt wurden.\nDie auf dem Programm besonders hervortretenden Namen\nwaren Bach, Beethoven, Tartini, Spohr. Bei beiden Con-\ncerten waren die Räume bis auf den letzten Platz gefüllt.\nZum Schlüsse erwähne ich noch eines Concertes, das\nEnde Mai Capellmeister G. Herr mann aus Lübeck nebst\ndessen Tochter hier gab. Derselbe führte darin ein von\nihm componirtes Octett für Streich-Instrumente\naul, das von einem bedeutenden Talente des Componisten\nZeugniss ablegt und sich auch den Beifall des Publicums\nzu erringen wusste. Von den vier Sätzen möchte ich dem\nreizenden Scherzo und nächst diesem dem ersten Satze den\nPreis zuerkennen. Das interessante Werk verdient alle Be-\nachtung und wird sich zweifelsohne in den betreffenden\nmusicalischen Kreisen bald Eingang zu verschaffen wissen.\nIn dem ersten Satze des eilften Concertes von Spohr und\nVariationen von Vieuxtemps zeigte sich Herr Herrmann\nauch als gewandten Solo-Geiger aus der älteren Schule.\nIch für meinen Theil hätte nun freilich lieber gesehen,\nwenn Herr Herrmann das Spohr'sche Concert vollständig\ngespielt und dafür die unbedeutende Vieuxtemps'sche\nComposition weggelassen hätte; und so wird es auch An-\nderen ergangen sein. Fräulein Herr mann sang „Ah\nperfido\" von Beethoven, Lorelei von Fr. Liszt und zwei\nLieder von G. Nicolai und G. Herrmann. In der Mittellage\nbesitzt die Stimme viel Klang und Kraft, wogegen die\nHöhe noch etwas absticht. Die Lorelei war keine für die\nStimme der jungen Dame günstige Wahl. Im Uebrigen\nsang dieselbe mit Geschmack und Wärme, und fanden ihre\nVorträge, von denen ich die der beiden Lieder besonders\nhervorhebe, verdiente beifällige Aufnahme.\nGöttingen, im Juni 1864."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-06-18-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-06-18_01#c004", "volume": "bmtnabi_1864-06-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "198", "page_fin": "200", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640618-01.2.4", "titre_corps": "Zweites Sängerfest des rheinischen Sängerbundes in Köln. Der 93. Psalm von F. Hiller.", "titre_sommaire": "Zweites Sängerfest des rheinischen Sängerbundes in Köln. Der 93. Psalm von F. Hiller.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "198", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640618-01.1.6", "debut_caractere": 3612, "fin_caractere_exclue": 5204, "texte": "Zweites Sängerfest des rheinischen Sängerbundes\nin Köln. Der 93. Psalm von F. Hiller.\nDer rheinische Sängerbund hat sich im Jahre\n1862 als ein Zweig des grossen deutschen Sängerbundes,\nder seine Entstehung aus dem nürnberger Gesangfeste\n(1861) herleitet,gebildet*) und im vorigen Jahre zu Aachen\nsein erstes Fest gegeben (vgl. Jahrg. 1863, Nr. 37). Durch\nörtliche Verhältnisse bewogen, halte die Stadl Aachen da-\nmit einen internationalen Gesang-Wettstreit verbunden;\nda die dortigen Rücksichten in Köln wegfielen, so war das\nzweite Sängerfest des Bundes ein rein deutsches, an dem\nsich 30 mehr oder weniger zahlreiche Vereine (der Bund\nzählt deren 42) betheiligten. Die leitenden kölner Vereine\nwaren die Polyhymnia (Dirigent R. Zerbe), der Apollo\n(VV. Eisenhuth), die Germania (Radermacher), der\nLiederkranz (K u fferath). Das Concert fand Sonntag\nden 12. d. Mts. im grossen Gürzenichsaale Statt, fand\naber in Hinsicht auf zahlreichen Besuch nicht die Theil-\nnahme, die es verdient hätte.\nDas Programm enthielt an Gesamrnt-Aulführungen\nausser zwei Ouvertüren (Oberon von Weber und Con-\ncert-Ouverture über Wilhelm's Lied: „Die Wacht am\nRhein\", von 11 ob. Zerbe, k. pr. Regiments-Capellmeistcr\n\n:f;) Ein anderer ist „der rheinische Sängerverein\", wel-\nchen, unabhängig vom deutschen Sängerbunde, der kölner Män-\nner-Gesangverein (Franz Weber), die Liedertafel von\nAachen (Fritz Wenig 111 ann), von Crefeld (Karl Wilhelm),\nvon Elberfeld (Weinbrenner), die Concordia von Bonn\n(Brambach) und der Männer-Gesangverein von Neuss\n(Hartmann) im April 1863 gebildet haben. Vergl. 1863, Nr. 38\nund 41."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "199", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640618-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5510, "texte": "in Köln, neu): „Begrüssungschor\" vonWol'fg. Müller\nund W. Eisenhuth, Meeresstille u. s. w. von C. L. Fi-\nscher (von ihm selbst dirigirt), „Rheinlied\" von V.Lach-\nner, »Der 93. Psalm\" von Ferd. Hiller, neu (vom\nComponisten dirigirt), „Siegesgesang der Deutschen nach\nder Hermannsschlacht\" von F. Abt, neu (vom Compo-\nnisten dirigirt), „Frühlingsgruss\" von V. Lachner, „Das\ndeutsche Lied\" von.Stoltze und P. F. Schneider.\nDazwischen Einzel-Vorträge durch die crefelder Concordia\n(H. Fr iese), die aachener Concordia (C. F. Ackens),\ndie neuwieder Liedertafel (C. Löcher), den M.-Gladbacher\nLiederkranz (H. Zimmermann).\nIm Ganzen wurde, was Präcision und Sicherheit be-\ntrifft, gut gesungen, und die Ausführungen gaben Zeugniss\nvon ernster und fleissiger Einübung; auch der Vortrag\nzeugte von künstlerischem Streben, welches aber, da viele\njüngere Vereine betheiligt und auch die Stimmen an sich\nnicht überall gleich klangvoll und biegsam waren, nicht\nimmer sein Ziel erreichte. So war es natürlich, dass trotz\nder Tüchtigkeit einzelner Vereine (von denen z. B. die Con-\ncordia von Aachen und der Liederkranz von M.-Gladbach\nbei ihren Einzel-Vorträgen Auszeichnung erwarben) der\nWohllaut des Gesammttones nicht jene innige Verschmel-\nzung erreichte, die dem Männergestfnge seinen besonderen\nReiz gibt. Höchst erfreulich waren aber die Reinheit, Rich-\ntigkeit und Präcision, mit der schwierige Werke, wie z. B.\nFerd. Hiller's Psalm, gesungen wurden, was einen Fleiss\nund eine Liebe zur Sache bei allen Vereinen bekundet,\nwelche die höchste Anerkennung verdienen, und das um\nso mehr, da ein grosser Theil der Mitglieder derselben mit\nder Tagesarbeit so beschäftigt ist, dass sie sich die Zeit zu\nden Singübungen von ihren Erholungsslunden absparen\nmüssen, worin sie manchen anderen Vereinen, deren Glieder\nüber weit mehr freie Zeit zu verfügen haben, voranstehen.\nVon den neuen, für das Fest bestimmten Compositio-\nnen ist der 93. Psalm: „Der Herr ist König und herrlich\ngeschmückt\", von F. Hiller die umfangreichste und be-\ndeutendste. Das Werk—in der Reihe das 112. des Mei-\nsters ist in demjenigen Oratorienstile geschrieben, in\nwelchem Mendelssohn und Hiller die einfache, kräftige\nForm der älteren Meister mit der neueren Auffassungsweise\nmusicalischer Texte vereinigt und mit Freiheit erweitert\nhaben, ohne desshalb die Polyphonie, die bisher Jast allei-\nnige Grundlage der kirchlichen Vocalmusik, aufzugeben.\nDiese in der Zeit wurzelnde und eben dadurch vollkommen\nberechtigte Schreibart macht denn auch notwendiger\nWeise von den ungeheuren Fortschritten der Instrumen-\ntal-Musik und der Verstärkung des Orchesters durch eine\nwesentlich in das Ganze eingreifende Behandlung des Or-\nchesters einen anderen Gebrauch, als ihn die älteren Kir-\nchen-Componisten machen konnten. Das Bedürfniss dazu\nlühllen diese so gut, wie die neueren, das sehen und er-\nfahren wir aus der Art und Weise, wie sie die Orgel als\nOrchester-Instrument benutzten, ferner was noch selten\noder gar nicht von dieser Seite betrachtet worden ist\nwie sie diejenigen Instrumente, für deren imponirende\nWirkung sie Virtuosen besassen, z. ß. die Trompeten,\nnicht bloss zur Verstärkung des Glanzes der Chöre, son-\ndern sogar zur Begleitung und obligaten Secundirung der\nArien in der Kirchenmusik mit Vorliebe anwandten. So\nhat denn auch Hiller in diesem seinem neuesten Werke ern-\nsten Stils den Gesangstimmen das volle Orchester: Geigen-\nQuartett (oder, wie man heutzutage richtiger sagen muss:\nGeigen-Quintett, da das Violoncello in der Regel selbst-\nständig behandelt wird), 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Clarinetten,\n2 Fagotte, ferner 4 Hörner, 2 Trompeten und Pauken, 3\nPosaunen und Tuba zugesellt und hat diese drei Instrumen-\ntal-Chöre höchst wirkungsvoll und keineswegs erdrückend,\naber auch nicht untergeordnet, sondern als ebenbürtige\nGenossen des Sängerchors zu einem Ganzen verschmolzen,\nin welchem die Violinen und höheren Holz-Blaseinstrumente\num so wesentlicher für die Vervollständigung der weiten\nHarmonie sind, als die Männerstimmen sich nur in der\nmittleren und tiefen Tonregion bewegen. Wir halten es\nnämlich für eineA Irrthum (den wir wohl hauptsächlich\nMendelssohn zu verdanken haben, der sonst nicht leicht in\nsolchen und ähnlichen Dingen einen Fehlgriff that, aber\nseinen schönen Hymnus „An die Künstler\" nur mit Blech-\nmusik begleitete), dass man Männerchöre nur mit Blech-\nInstrumenten begleiten zu müssen glaubt, was nur bei Ge-\nsängen, die im Freien ertönen sollen, zu billigen ist. Man\nnehme einmal den Priesterchören von Mozart in der Zau-\nberflöte und dem Chor der Gefangenen in Beethoven's\nFidelio das Orchester hinweg und die Wirkung wird ver-\nloren sein. Daher haben mit Recht die Männer-Gesang-\nstücke mit ganzem Orchester, wie C. L. Fischer's „Mee-\nresstille und glückliche Fahrt\", und J. Rietz's „Dithy-\nrambe\", überall gefallen, wovon der rauschende Applaus,\nmit welchem das erstere, vom Herrn Componisten dirigirt,\nauch jetzt wieder in dem Concerte, von dem wir sprechen,\naufgenommen wurde, das lebendigste Zeugniss gab.\nDie Composition Hiller's (Haupt-Tonart C-dur) enthält\n1. ein A llegro maestoso,4/4, auf die zwei ersten\nVerse des Psalms; 2. ein Allegro con fuoco, 3/'4, in C-moll,\nauf die zwei folgenden, das bei den Worten: „Aber der\nHerr ist noch grösser\", in Efällt und eine reiche\nPhantasie in prächtiger Tonfülle entfaltet. Ihm folgt ein\nAndante con moto,2/4, in E-duein zart melodischer Satz\nauf die Worte: „Heiligkeit ist die Zierde Deines Hauses\newiglich\", welcher zugleich würdig und lieblich gehalten"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "200", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640618-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1383, "texte": "ist, was nur bevorzugten Talenten gelingt. Dieser Nummer\nschliesst sich der Anklang an das erste Maestoso: „Der\nHerr ist König\", an, dem unmittelbar im Allegro vivace,\nAU, C-dur, ein fugirtes „Halleluja\" folgt, welches mit sehr\nrichtigem Gefühle für die so schwer in der engen Har-\nmonie der Männerstimmen zu erreichende Klarheit fast\nnur dreistimmig (Tenor und erster und zweiter Bass),\nvortrefflich zu einem glänzenden Schlüsse geführt ist.\nHiller hat mit dieser Composition ein werthvolles und zu-\ngleich sehr dankbares Gesangstück für Männer-Gesang-\nvereine geliefert. Der, wie schon gesagt, sehr wackeren\nAusführung unter seiner Direction wurden die lautesten\nOvationen zu Theil*).\nHerr Hof-Capellmeister F. Abt dirigirte ebenfalls\npersönlich seine neue Composition: „Siegsgesang der Deut-\nschen\", für Chor und Instrumental-Begleitung, welche\ndem beliebten Lieder-Componisten, der auch in diesem\nWerke dem Charakter eindringlicher Popularität mit Erfolg\ntreu geblieben ist, einen donnernden Applaus bereitete.\nAuch die zwei neuen Compositionen: „Gruss am\nRheine\", von Wolfg. Müller» für Männerchor von W.\nEisenhuth, und eine Ouvertüre für Orchester mit\nBenutzung von Wilhelm's Lied: „Die Wacht am Rhein\",\nvon Rob. Zerbe, erwarben lebhaften Beifall; namentlich\nist die Ouvertüre ein Musikstück, welches dem Compo-\nnisten Ehre macht und Talent und Geschick in der Factur\nbekundet."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-06-18-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-06-18_01#c005", "volume": "bmtnabi_1864-06-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "200", "page_fin": "200", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640618-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "200", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640618-01.1.8", "debut_caractere": 1385, "fin_caractere_exclue": 6147, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln, 17. Juni. Gestern Abend eröffnete die italiänische\n0 pern-Gesellschaft ihr Gastspiel im Stadttheater mit Bellini's\nlieblich idyllischer Sonnambula. Die eben gebrauchten Prädicate der\nMusik dieser Oper können mit vollem Rechte auch auf die Dar-\nstellerin der Amine, Mademoiselle Vitali, angewandt werden,\nwelche durch ihren Gesang und ihr Spiel die Gunst des Publicums\nan diesem ersten Abende zwar nicht durch imponirende Glanz-Effecte,\ndie auch nicht angebracht gewesen waren, erobert, aber durch Reiz\nund Anmuth und vollendete Gesanges-Technik gleich im Augenblick\ngewonnen, und sie nicht bloss für den Augenblick, sondern auf die\nDauer sich gesichert hat. Denn den schönen Ton einer so reinen,\nfrischen Silberstimme und den gefühlvollen, unaffectirten Vortrag,\nder selbst bei den kleinen, mit grosser Zierlichkeit hingeworfenen\nFiorituren immer natürlich bleibt, wird man stets wieder mit wah-\nrem Vergnügen hören. Die ganze Erscheinung der jungen Künstlerin\nist in Harmonie mit ihrem Gesänge; beide haben nichts Grosses\nund Blendendes, aber etwas ungemein Liebliches und von der Gunst\nder Grazien Geweihtes. Ihre musicalische Bildung und Schule ist\nvortrefflich. Es ist demnach in jeder Hinsicht ein Kunstgenuss und\neine Freude, ihrer Darstellung zu folgen, zumal da der Wohllaut\nihres Gesanges und das Maasshalten im dramatischen Ausdrucke, wel-\nches sonst die Italiänerinnen nicht im richtigen Grade und die deut-\nschen Sängerinnen heutzutage leider noch weniger als jene beach-\nten, dem gebildeten Zuhörer wahrhaft wohl thut. Wie sehr aber ein\nsolcher Gesang, der seinen Werth in den künstlerischen Vortrag\nsetzt und die Gränzlinie des Schönen auch im leidenschaftlichen\nAusdrucke inne hält, auch auf das ganze Publicum mit einer Art\nvon Zauber wirkt, das bewiesen gestern der rauschendste Applaus\nund die wiederholten Hervorrufe.\nWenn wir also die londoner Berichte über Mademoiselle Vitali\nvollkommen bestätigen können, so ist dies nicht ganz so derselbe\nFall bei dem Tenor Herrn Baragli, was zum Theil daran liegt,\ndass wir in Deutschland an den echten Tenor-Timbre der meisten\nitaliänischen Tenoristen, der gar nicht in die Region des Baritons\nüberstreift, nicht gewöhnt sind, und zweitens an dem Tremoliren,\nwomit das deutsche Publicum bei seinem Sinne für die reine Ton-\nschönlieit selbst bei mässiger Anwendung sich niemals befreunden\nwird, geschweige denn bei übermässigem Gebrauche desselben. Trotz-\ndem bleibt Herr Baragli eine sehr interessante Künstler-Individua-\nlität, denn er ist in Bezug auf musicalische Bildung und Schule ein\nganz vortrefflicher Sänger, welcher die Coloratur mit einer so voll-\nendeten Correctheit, Rundung und Weichheit vorträgt, wie man sie\nnur höchst selten von einer Männerstimme hört, was seinem Lehrer,\nHerrn Ronzi in Florenz, grosse Ehre macht. Dabei ist Herr Ba-\nragli ein sehr guter Schauspieler, der sich mit Natürlichkeit und\nSicherheit in allen Situationen seiner Rolle bewegt. Diese beiden\nEigenschaften, vollendete Technik und das Talent der Darstellung,\nmachen es uns zur Pflicht, die späteren Vorstellungen, wo Herr Ba-\nragli in anderen Charakteren auftreten wird, abzuwarten und einst-\nweilen allen unseren Sängern und Dilettanten zu empfehlen, die\nGesanges-Technik dieses Künstlers mit Aufmerksamkeit zu beobach-\nten» —Herr Antonucci gehört zu den glücklichen Bassisten (oder\ntiefen Baritonisten), welche nur einen Ton klingen zu lassen brau-\nchen, um sogleich alle Zuhörer für sich einzunehmen. Bekanntlich\nlässt sich aus der Rolle des Grafen nichts machen; aber die kleine\nRomanze und die wenigen Recitative zeigten sehr wohl die sonore\nStimme, eine vortreffliche Aussprache und einen würdigen Vortrag\nWir freuen uns auf die Leistungen dieses Künstlers in grösseren\nPartieen.\nllai'i§. Die grosse Oper hat vom 1. April 1863 bis 31. März\n1864 ei ngenommen 1,420,910 Frcs. und an Autorenrechten be-\nzahlt 85,406 Frcs. Die komische Oper eben so 1,109,760 und\n131,538. Das Theätre lyrique eben so 863,994 und 86,337.\nSämmtliche Theater-Einnahmen in Paris betrugen 12,991,015, die\nAutoren-Antheile 1,335,960 Frcs.; die ersten 167,572 mehr, als im\nvorhergehenden Jahre, die Autoren-Antheile 19,689 Frcs. mehr.\nAus der Provinz haben die letzteren sich auf 436,363 Frcs. belau-\nfen; in ganz Frankreich haben mithin die dramatischen und musi-\ncalischen Autoren an Antheilen von den Aufführungen ihrer Werke\n1,772,323 Frcs. erhalten.\n*) Der 93. Psalm für Männerchor und Orchester.\nFranz Lachner in Hochachtung und Freundschaft zugeeignet von\nFerd. Hiller. Op. 112. Clavier-Auszug. (43 S. Fol.) Leipzig und\nWinterthur, bei J. Rieter-Bieder mann. Pr. 2 Thlr. (Chorstimmen\nTenor I. und II., Bass I. und II., ä 10 Sgr. — Partitur und Or-\nchesterstimmen in Abschrift zu beziehen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "193", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640618-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie ersten öffentlichen Concerte in Wien. Privat-Capellen und Vereine. Quartett-Productionen. Aus Güttingen\n(Rückblick auf die Concerte im vergangenen Semester). Zweites Sängerfest des rheinischen Sängerbundes in Köln. Der 93. Psalm von\nF. Hiller. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Erste Gastdarstellung der italienischen Opern-Gesellschaft Paris, Einnah-\nmen der pariser Theater im verflossenen Theaterjahre).\n\nDie ersten öffentlichen Concerte in Wien. Privat-\nCapellen und Vereine. Quartett-Productionen\nIn der Fasten- und Adventszeit wurden von 1772 an\nnicht bloss vollständige Oratorien gegeben (wovon die drei\nersten Capitel des Aufsatzes handelten), sondern auch ge-\nmischte Concerte, „musicalische Akademieen\".\nSie waren bunt durch einander gewürfelt, ihre ganz\nzufällige, principlose Gestaltung zeigt, dass bis in den An-\nfang unseres Jahrhunderts höchstens die ersten Keime\neines wirklichen Concertlebens vorhanden waren. Geist-\nliche und weltliche Musik, italiänische Sänger, einheimi-\nsche und fremde Virtuosen, wie sie sich eben vorfanden,\nwurden rasch zu einer „Akademie\" zusammengestellt.\nVon einem eigenen Locale dafür war lange nicht die\nRede; die Bühne an theaterfreien Abenden und in den\nZwischenacten des Schauspiels reichte vollkommen für die\ngeringen öffentlichen Bedürfnisse der Instrumental-Musik\naus. Wir finden ausser den früher aufgeführten Oratorien\nfolgende wichtigere Musik-Productionen in den Hofthea-\ntern in den letzten dreissig Jahren des vorigen Jahrhun-\nderts: die symphonische Musik in den „Fasten-Con-\ncerten\" war repräsentirt durch Symphonieen von Kohaut,\nOrdonnez, Martini, Haydn, Mozart', Dittersdorf, Kozeluch,\nWranitzky, Weigl; auch zwei „Symphonieen\" von Gluck\nbegegnen wir. Die Arien und Chöre dieses Concert-\nRepertoires waren überwiegend von der Composition Sa-\nlieri's, Gluck's, Wagenseil's, Weigl's, Händel's, Haydn's.\nAuch Chöre und Arien von Hasse, Sacchini, Winter,\nSüssmayer, Righini und Paesiello waren stehende Num-\nmern. Die Sänger waren fast durchaus Italiäner, wie Mad.\n*).\nNicolini (Cesarini), der Soprano Signor Muschietti,\nMad. Storace, H err und Mad. Madini, Mad. Cava-\nglieri und Teyber. Im Jahre 1780 sang die preussische\nKammersängerin Mara, 1783 die Storace, 1795 die\nEngländerin Mrs. Blomer in den Burgtheater-Akade-\nmieen. Im Fache der Instrumental-Virtuosität wirk-\nten im Laufe dieser Jahre mit: die Geiger Paisible,\nSchlesinger, Fränzel, Marchand, die Cellisten\nReicha und Weigl (Vater des Componisten), der Clari-\nnettist Stadler, die Hornisten Böck und Punto, der\nFlötist Scholl, die Oboisten Triebensee und Le\nBrun, die Harfenspielerin Müller, der Hoftrompeter\nWeidinger, endlich die Ciavier-Virtuosen W. A. Mo-\nzart, Fräulein Therese Paradies und in den Jahren\n1795, 1798 und 1800 Beethoven.\nEine gefeierte Grösse jener Zeit und eine interessante\nErscheinung in der Geschichte deutscher Musik war Georg\nBenda, der Componist der damals überaus beliebten\nMono- und Duo-Dramen „Ariadne auf Naxos\" u.s.w.\nBenda gab (14. März 1779) im Kärnlhnerthor-Theater\neine „Akademie\", welche meistens Arien und Duette aus\nseinen Opern „Romeo und Julie\" und „Walder\" (von\nden Sängerinnen Cavaglieri und Teyber vorgetragen)\nzu Gehör brachte.\nAls Curiosa stechen bei diesen Akademieen im Hof-\ntheater hervor: eine Madame Schindler, welche Arien\nsang und die Zwerchflöte blies, 1783; Herrn Röl-\nlig's „Tasten-Harmonica\" (eine Glas-Harmonica, wobei\nstatt der Finger genässte Lederarme die Glocken berühr-\nten, 1791); die Production des J. G. Roth aus Nürnberg\nauf 16 Pauken, wohl der letzte Nachklang der berühm-\nten alten Hofpauker, die Akademie der Demoiselle Hauk,\n„einer Riesin von ausserordentlicher Grösse\", welche ita-\nliänische Arien sang, endlich, als ein frühes Exemplar\ndescriptiver Musik, eine Art symphonischer Dichtung unter\ndem Titel: „Werther. Ein Roman, in Musik gesetzt von\n\n*) Der IV. Band der „österreichischen Revue\" enthält\nden Anfang eines interessanten Aufsatzes von Prof. Dr. Ed. Hans-\nlick in Wien: „Zur Geschichte des C oncertw es ens in\nWien\", dem wir obigen Abschnitt auszugsweise entnehmen.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "194", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640618-01.1.2", "texte": "Pugnani, Musik-Aufseher des Königs von Sardinien\"\n(1796). Wunderlich genug erscheint uns auch eine Aka-\ndemie von Joseph Weigl, in welcher er ausser einer\nCantate: „Die Gelühle meines Herzens\", eine „vollstän-\ndige ßalletmusik: Richard Löwenherz\" — ohne das\nP\ndazu gehörige Ballet— aufführen liess. |Das geschieht ja\njetzt auch noch mit Beethoven's Gli uomini dl Prometeo.]\nAuch im Theater „auf der Wieden\" finden wir\nin den letzten Jahren des vorigen Jahrhunderts einzelne\nConcert-Productionen: Akademieen zum Vortheil des Mu-\nsik- Directors Suche (Mayseder's Lehrer), der Orchester-\nMitglieder Rust und Pischelberger, Zwischenact-Pro-\nduclionen des Clarinetlisten Plaske und des Geigers\nWillmann, des Pianisten Wölfl und der achtjährigen\nJosepha Hofer (später Sängerin als Mad. Hönig), die\n1799 ein Clavier-Concert von Hofmeister vortrug. Da-\nmit auch hier die „Merkwürdigkeiten\" nicht fehlen, pro-\nducirte sich 1797 eine „israelitische Tonkünstler-Ge-\nsellschaft mit ihren Naturstimmen\", und 1799 Herr\nMayer aus Mannheim mit der „Nachahmung von Vogel-\nstimmen\".\nAls den eigentlich begründenden Ahnherrn der Vir-\ntuosen-Concerte in Wien kann man Mozart ansehen;\nseine stets nur der echten Kunst dienende hohe Meister-\nschaft auf dem Ciavier hat diesen Kunstzweig zuerst in ge-\ndiegener Weise dem Publicum nahe gebracht und durch\nstetige Wiederholung zum Bedürfnisse gemacht. Während\nseines ersten Aufenthaltes in Wien (1762) scheint sich das\nWunderkind Mozart mit seiner Schwester „Nannerl\" nur\nbei Hofe und in aristokratischen Kreisen producirt zu ha-\nben ; bei seinem zweiten Aufenthalte (1767) vereitelte seine\nErkrankung an den Blattern jede Production des jungen\nVirtuosen. Bei dem grossen Publicum war überdies damals\nnoch keine Theilnahme für dergleichen zu hoffen.\nDie unfläthigen Lieder Hanswursts oder die Musik-\nbande bei den Thierhetzen waren der Masse des Publi-\ncums jedenfalls willkommener\nAls sich aber Mozart in Wien förmlich ansässig ge-\nmacht hatte, pflegte er regelmässig in den Fasten ein eige-\nnes Concert zu geben. Nachdem das erste (Anfang 1782)\ngut ausgefallen war, associirte er sich im Frühjahre mit\neinem Herrn Martin, um während des Sommers am\nSonntage eine Reihe von Concerten im Augarten zu\ngeben. (Nähere Details bei Jahn, 111. Bd., S. 66, 199 ff.)\nDamit begann die Instrumental-Musik aus dem Banne be-\ngünstigter Privatkreise in die Oeffentlichkeit zu rücken.\nIhren Schwerpunkt behielt sie jedoch noch lange in diesen\nPrivatkreisen, und es bedurfte geraumer Zeit, bis dieser\nSchwerpunkt sich immer mehr gegen die Oeffentlichkeit\nhinsenkte, wo er nunmehr, etwa mit Beethoven's Tode,\nvollständig ruht.\nDer Genuss kunstmässig gepflegter Musik ging zuerst\naus dem Besitze der Hofe in den der Adeligen und\nReichen über, weiterhin aus diesem in die kunstlieben-\nden bürgerlichen Privatkreise. ZuZeiten Haydn's, Mo-\nzart's und noch Beethoven's gelangte die nichttheatralische\nMusik nur zum kleinsten Theile, gleichsam in ausnahms-\nweisem, excentrischem Herausspringen, vor das zahlende\ngrosse Publicum; überwiegend ruhte sie im Schoosse vor-\nnehmer Privat-Capellen und des bürgerlichen Dilettantis-\nmus. Der Einfluss der Privat-Capellen und des Dilettan-\ntismus auf die Physiognomie der damaligen Musik nicht\nbloss der reproducirenden, sondern auch der productiven\nist ein tiefgreifender und kaum noch in seiner ganzen\nWichtigkeit erfasst und dargestellt. Wir können uns hier\ndie Wiederholung des einschlägigen reichen, historischen\nMaterials nicht gestatten und verweisen auf die bezüglichen\nlehrreichen Partieen in den bekannten Biographieen von\nHaydn, Mozart, Beethoven, Gluck und auf die Selbst-Bio-\ngraphieen von Dittersdorf und Gyrowetz.\nWir können uns heutzutage, wo die ganze nennens-\nwerthe Musikpllege im Besitze der Oeffentlichkeit ist und\ndie grossartigsten Dimensionen angenommen hat, kaum\nmehr in jene Zeiten zurückdenken, wo die namhaftesten\nTondichter im Privatdienste grosser Herren standen, wo\nder Erzbischof von Salzburg heute einige neue Concerte\nbei Mozart bestellte, morgen der Prinz von Hildburghau-\nsen zwölf neue Symphonieen bei Gyrowetz, der Fürst-\nbischof von Breslau ein neues, leichtes Oratorium bei\nDittersdorf, wo ein Fürst Esterhazy die ganze Thätigkeit\nHaydn's gleichsam gepachtet hatte u. s. w., während das\ngrosse Publicum von diesen Genüssen nur durch besondere\n\n*)•\n*) Leopold Mozart schreibt hierüber nach Salzburg: „Dass\ndie Wiener, in genere zu reden, nicht begierig sind, Ernsthaftes und\nVernünftiges zu sehen, auch wenig oder gar keinen Begriff davon\nhaben und nichts als närrisches Zeug, Tanzen, Teufel, Gespenster,\nZaubereien, Hanswürste, Lipperl, Bernardon, Hexen und Erscheinun-\ngen sehen wollen, ist eine bekannte Sache und ihre Theater bewei-\nsen es täglich.\" (Vergl. Jahn's „Mozart\", 1. 84.)\nDie Thier hetzen waren ein regelmässiges, hochbeliebtes\nSchauspiel. Das „Hetzhaus\", welches „mit allen Freiheiten\" der\nTheatral-Direction überlassen war, befand sich vor dem „Stuben-\nthor\" ; es war ein von Holz aufgeführtes, drei Stockwerk hohes\nAmphitheater, welches 3000 Menschen fasste. Die Hetztage waren ge-\nwöhnlich die Sonn- und Feiertage. Die Unkosten der Hetze betrugen\njährlich 5000 Fl. (Müll er's „Genaue Nachrichten\" u. s. w. 1772.)\nEs liegen uns zwei grosse, roth gedruckte Original-Placate von\nThierhetzen vor. Das eine beginnt: „In dem k. k. privil. Hetz-Am-\npliitheater unter den Weissgerbern wird Sonntag den 31. October\n1790 unter einer harmonischen Musik ein grosser, starker Thier-\nkampf abgehalten werden.\" (Folgt das detaillirte Programm.) Auf\ndem anderen Zettel heisst es: ,«unter einer aus guten Tonkünstlern\nbestehenden Musik\". [Schade, dass das Programm nicht mitgetheilt ist.]"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "195", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640618-01.1.3", "texte": "Protection zu naschen bekam. Noch weniger können wir\nsie zurückwünschen, die Zeit, wo die Musik ein aristokra-\ntisches Privilegium bildete, während sie jetzt, dem allge-\nmeinen demokratischen Zuge der Geschichte folgend, wie\nLicht und Luft Allgemeingut ist. Aber wie selbst dem mo-\ndernsten Eisenbahnschwärmer mitunter ein stiller Seufzer\nnach der bürgerlichen Poesie der Postkutsche entfährt, so\nmuss auch uns erlaubt sein, auf die guten, ja, rührend\npatriarchalischen Seiten einer Kunstpflege zurückzublicken,\nwo weder die Jagd nach Geldgewinn, noch nach raschem\nWeltruhm, sondern die Freude an der Sache selbst den\nmächtigsten Hebel der Thätigkeit abgab. Man erwäge nur,\nwelch fortwährende Anregung zum Produciren solche\nPrivat-Capellen gaben. Der musikliebende Fürst oder Bi-\nschof und seine Gesellschaft wollten Neues hören und spie-\nlen; derComponist musste allzeit dafür sorgen. Er brauchte\nsich nicht während des Schaffens zu kümmern, ob irgend\neine Concert-Gesellschaft seine Composition werde auffüh-\nren, ob ein Verleger sie werde stechen und bezahlen wol-\nlen; er war in allen Dingen gesichert und fortwährend\naufgemuntert. Natürlich konnten diese Privat-Höfe auch\nnicht so fest ummauert sein, dass der Ruhm genialer\nKünstler nicht über die Schwelle des Palastes hinaus-\ngedrungen wäre; wir erinnern an die Erfolge, die llaydn\nin England, Gyrowetz in Paris, Dittersdorf in Italien\nund Deutschland allerdings durch die Gunst ganz be-\nsonderer Verhältnisse erlangten.\nKarl D itters von Dittersdorf existirt im Gedächt-\nnisse unserer Zeit nur noch als Componist heiterer Sing-\nspiele; seine Wirksamkeit als Oratorien- und Symphonieen-\nComponist, wie als Violin-Virtuose ist vergessen. Für seine\nZeit und für die wiener Concert-Zustände war er in die-\nsen beiden Eigenschaften nicht unwichtig. Seine vier Ora-\ntorien: Hiob, Esther, David, Isaak, wurden gern gehört;\nausserdem führte er im Augarten (1786) ein wunder-\nliches Orchesterwerk auf: „Ovid's Metamorphosen\", eine\nReihe von zwölf charakteristischen Symphonieen! Ausser-\ndem finden wir auch den grossen Dramatiker Gluck mit\nLeistungen im symphonischen Fache vertreten, die längst\nvergessen sind.\n*\nEs gab im ersten Jahrzehend dieses Jahrhunderts\nkein öffentliches Concert-Institut für Aufführung von\nSymphonieen und anderen Orchestersachen, Trio's und\nQuartetten. Desto eifriger wurden diese Zweige von Freun-\nden der Musik geübt, und wir sehen die regelmässigen\nQuartett-Productionen, die „Concerts spirituels\" und die\n„Gesellschaft der Musikfreunde\" sich aus dem musicali-\nschen Privatleben herausbilden. Dr. L. v. Sonnleithner,\nder noch die volle Mittagshöhe dieser Periode erlebte und\nll V .i.A.-\nals besonders gesuchtes Mitglied alle besseren musicali-\nschen Privat-Cirkel durch sein Talent unterstützte, hat in\neiner Reihe von „Musicalischen Skizzen aus Alt-Wien\"\n(in den wiener „Recensionen\" vom J. 1861, Nr. 47 II.)\nuns Spälergeborenen den besten Einblick in jene Zustände\nverschallt. Mit dem Anfange des Jahrhunderts waren die\nmeisten der hervorragenden Ilaus-Capellen aufgelöst, die\nhochgestellten Mäcene grösstenteils verschwunden: die\nTonkunst flüchtete unter den Schulz des bescheidenen\nMittelstandes. Im Hause des Herrn Joseph Hochenadl,\nBeamten der k. k. Hof-Kriegsbuchhaltung, dessen Frau\nund Kinder sehr musicalisch waren, landen regelmässige\nAufführungen von Haus- und Kammermusik Statt, mit-\nunter sogar von ganzen Oratorien, Cantaten und älteren\nOpern (bei Clavier-Begleitung), in den Jahren 1810 bis\n1824. Unter den mitwirkenden Dilettanten bemerken wir\ndie später so berühmt gewordene Sängerin Caroline\nCnger, den Violinspieler Georg Hellmesberger\nVater (später Primgeiger des Ilof-Operntheaters), und den\nHofrath Kiesewetter, der nicht nur als Sänger mit-\nwirkte, sondern oft Clavier-Auszüge von Oratorien u. dgl.\neigens verfasste. Kiesewetter's Sammelgeist hatte ihn kei-\nneswegs dem blühenden Leben der Musik entfremdet, ein\ngewählter Kreis von Musikfreunden versammelte sich an\ngewissen Festtagen um die Mittagsstunde bei ihm; die\nProductionen daselbst waren ganz eigentlich die ersten\n„historischen Concerte\" in Wien und sind im stren-\ngen Sinne auch die letzten geblieben. Sie mögen im Jahre\n1817 begonnen haben und wurden bis zum Jahre 1838\nfortgesetzt. Geistliche und weltliche Compositionen aus\nfrüheren Jahrhunderten, aller Schulen und Nationen, wur-\nden hier mit Eifer und Andacht ausgeführt. Einer der vor-\nzüglichsten Hausaltäre des musicalischen Cultus in Wien\nwar die Wohnung des Advocaten Dr. Ignaz von Sonn-\nleithner. Sohn eines geachteten Rechtsgelehrten und\nTonsetzers (Dr. Christoph Sonnleitner) und Vater eines\nsolchen (Dr. Leopold v. Sonnleitner), vereinigte auch Ignaz\ndiese beiden Qualitäten. Eine bedeutende Zahl von Kunst-\nfreunden und Künstlern fand sich bei ihm in den Jahren\n1815 bis 1824 zu regelmässigen Uebungen ein, die bald\nden Namen „Productionen\" verdienten. Kammermusik,\nArien, Chöre und die zu jener Zeit sehr beliebten Quar-\ntett-Arrangements von Ouvertüren und Symphonieen, auch\nvon ganzen Opern und Oratorien, wechselten in zweck-\nmässiger Folge. Die Sonnleithner'schen Kränzchen sind uns\ndadurch besonders wichtig, dass in ihnen und durch sie\nzuerst Franz Schubert's Lieder und Vocal-Quartette\neinem grösseren Kreise bekannt wurden, wie denn auch\n(1820) Leopold v. Sonnleitner das erste Werk Schu-\nberts, den Erlkönig, in Folge einer solchen Privat-Aullüh-\n\n[1"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "196", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640618-01.1.4", "texte": "rung auf eigene Kosten herausgegeben und damit die Lauf-\nbahn dieses genialen Tondichters factisch eröffnet hat.\nDer Eifer der musicalischen Dilettanten blieb nicht\nüberall bei Gesang und Kammermusik stehen. Es bildeten\nsich auch -kleine Orchester-Vereine. Ein solcher hatte\nseine bescheidenen Anfänge im Elternhause Franz Schü-\nbe rt's. Papa Schubert und seine Söhne (in dieser\nSchullehrer-Farnilie war ja Alles musicalisch) versammel-\nten wöchentlich zwei Mal einige wenige Freunde bei sich\nzu musicalischen Unterhaltungen, meist auf dem Gebiete\nder Quartett-Musik. Die bescheidene Schullehrer-Wohnung\nin Liechtentbal wurde bald zu klein für diese Versamm-\nlungen. In das gastfreundliche Haus des Kaufmannes\nFrischling, dann des tüchtigen Orchester-Geigers llat-\nwig übertragen, erweiterte sich dieser Dilettanten-Kreis\nallmählich zu einem kleinen Orchester, das im Jahre 1818\nschon hinreichend eingespielt war, um Symphonieen von\nHaydn, Mozart, Romberg und die zwei ersten von\nBeethoven gut vorzutragen. Für diesen Privat-Musik-\nverein „im Gundelhol\" componirte Fr. Schubert eine\nSymphonie in B-dur„ohne Trompeten und Pauken\", eine\ngrössere in C-dur \\die jetzt gedruckte?] und die schnell\nbeliebt gewordene „Ouvertüre in italiänischem Stil\". Die\nKosten dieser „Uebungen\" wurden in den Jahren 1815\nbis 1818 durch mässige Beiträge der Mitwirkenden be-\nstritten. Im Jahre 1819 nahm die Schubert'sche Gesell-\nschaft (die inzwischen in Herrn Pettenkofer's Wohnung\nauf dem Bauernmarkt übersiedelt war) auch Concertslücke,\nendlich auch ganze Oratorien in ihr Repertoire auf. Da-\nmit hatte die Gesellschaft ihren Gipfelpunkt erreicht; die\nUebungen waren in Productionen verwandelt. Wir sehen\nan diesem Beispiele (wie an zahlreichen ähnlichen) das\nnaturgemässe, immer unabweisbarer sich meldende Drän-\ngen an die Oeffenllichkeit. Zufällige Ereignisse führten im\nHerbste 1820 die Auflösung dieses Privat-Vereins herbei.\nEs lag in der Natur der damaligen Musik-Verhältnisse\nüberhaupt und im Wesen der Kammermusik insbeson-\ndere, dass diese ihre überwiegende Pflege im häuslichen\nKreise fand. Das Streich-Quartett fand man bei seinen\nmusicalischen Freunden allerwärts und konnte es leicht\nselbst im eigenen Hause herstellen ein Drängen in die\nOeffentlichkeit war hier kein dringendes Bedürfniss. Erst\nals der Ruf von Schuppanzigh's Meisterschaft im Quar-\ntcttspiel sich verbreitete, fühlte auch das grosse Publicum\nden Wunsch, davon profitiren zu können.\nIgnaz Schuppanzigh war der erste (und seiner\nZeit einzige) Künstler, der in Wien regelmässige Quartett-\nProductionen gegen Abonnement veranstaltete, Anfangs im\nSaale des Gasthofes „Zum römischen Kaiser\", später im\nalten Musik-Vereinssaale. Seine Quartett-Collegen waren\nLinke (Violoncell), Sina (zweite Violine), Franz Weiss\n(Viola). Diese Quartetl-Productionen waren sehr beliebt\nund zahlreich besucht. Nr. 43 der Wiener Musik-Zeitung\nvom Jahre 1813 bringt die Abonnements-Anzeige von\nSchuppanzigh's „schon seit mehreren Jahren in zwei\nPerioden gegebenen Violin-Quartetten\". Dieser schöne\nVerein, heisst es weiter, dankt seine Entstehung dem Kunst-\nsinne des Grafen Razumowsky, dessen besondere Liebe\nzum Violin-Quartett die Virtuosen Schuppanzigh, Linke\n(Cello) und Weiss (Viola) um sich versammelt hat.\nDas Abonnement für „acht Darstellungen\" betrug\n10 Fl. Wenn Schuppanzigh die Saison in Wien zu-\nbrachte (er war manchmal aul' Reisen), setzte er diese\nQuartette regelmässig fort. Gegen das Ende der zwanziger\nJahre fanden sie (an sechs nach einander folgenden Sonn-\ntagen) Abends von bis Uhr im kleinen Musik-\nVereinssaale („Zum rothen Igel\") Statt; das Abonnement\nzu 10 Fl. W. W. für sechs Productionen. Von dieser\nZeit an blieb bis heute der Sonntag Nachmittag (5 bis\n61/2 oder 7 Ohr) den öffentlichen Quartett-Productionen\nbestimmt; nur ganz vorübergehend taucht\"noch ein oder\ndas andere Mal die „Mittagsstunde\" auf.\nJoseph Böhm, der sich in Wien zum ersten Male\nin den Zwischenacten einer Vorstellung des Burgtheaters\nproducirt hatte, eröffnete am 20. November 1816 eine\nReihe von sechs Quartett-Productionen im „Römischen\nKaiser\" (an Freitagen Mittags). Wir finden dabei schon\nMerk als Cellisten. Auch später im Jahre 1821 unter-\nnahm es Joseph Böhm, die durch einige Jahre ausgesetz-\nten, von Schuppanzigh gegründeten Quartett-Unterhal-\ntungen im Prater wieder aufzunehmen. Sie begannen\nam 1. Mai und fanden im ersten Kaffeehause der Prater-\nAllee Morgens um 8 Uhr Statt. Also eine Uebertragung\nder Augarten-Morgen-Concerte in eine grössere Umgebung\nund ein kleineres Genre. Holz, Weiss und Linke bil-\ndeten mit Böhm das Quartett. Ciavierstücke bildeten nun\neinen Bestandlheil des Programms. Demoiselle Förster\nspielte sogar den ersten Satz von HummeTs\ncert. Die Quartettspieler leisteten so Tüchtiges, dass die\nMusik-Zeitung (Nr. 40 von 1821) entzückt ausruft: „So\nmuss man Beethoven's und Mozart's Quartette spie-\nlen hören!\"\nFast scheint es, als ob Böhm momentan Schuppan-\nzigh vergessen gemacht hätte. Dieser, inzwischen in Russ-\nland angesiedelt, kam im Frühling 1823 auf Besuch nach\nWien und gab am 4. Mai ein trotz aller Anpreisungen\nder Journale schlecht besuchtes Concert, worin er ein\nViolin-Concert von Maurer und eine Polonaise— damals\nunentbehrlich spielte. Ende September eröffnete Schup-\npanzigh, der durch seinen Eintritt in die k. k. Hofcapelle"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "197", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640618-01.1.5", "texte": "nun dauernd an Wien gefesselt ward, wieder seine Quar-\ntette mit Holz, Weiss und Linke im Musik-Vereins-\nsaale. (Sechs Produclionen 10 Fl. W. W.) Im Februar\n1824 gab er wieder einen Cyklus von sechs Quartett-\nAbenden. Darunter kam Haydn 4, Mozart 5, Beethoven 6,\nFr. Weiss 1, Fr. Schubert 1 Mal zur Aufführung. Von\ndem „Neuen Quartett\" des letzteren berichtet die Musik-\nZeitung (Nr. 12 von 1824) einfach, „man müsse es öfter\nhören, um dasselbe beurtheilen zu können\". Schuppan-\nzighs Quartette finden wir fortan regelmässig um 4',2\nUhr an Sonntagen im Musik-Vereinssaale. Ihm ist die\nreichlichere Vertretung Beethoven's im Quartetlfache zu\ndanken; sein persönlicher Verkehr mit dem Meister konnte\nihn auch tiefer in dessen schwierigere Schöpfungen ein-\nweihen. Im Jahre 1829 gab Schuppanzigh vier Quartett-\nUnterhaltungen im „Römischen Kaiser\", das Abonnement\nzu 3 Fl. C.-M., „wobei jeder Abnehmer ein Damen-\nBillet gratis erhält\". Diese wunderliche Begünstigung ist\nuns in den wiener Concert-Annalen nur dieses eine Mal\nvorgekommen.\nNach Schuppanzigh und Böhm trat ein längeres Brach-\nliegen der öffentlichen Quartett-Musiken ein, bis 1845\nLeopold Jansa und Jos. Helltnesberger 1849 die\nregelmässige Pllege derselben wieder aufnahmen.\n\nAus Göttingen.\nNachträglich und in Kürze berichte ich Ihnen, geehr-\nter Herr Redacteur, über die im vergangenen Winter-\nSemester Statt gefundenen Concerte, und beginne mit den\nakademischen Concerten des Musik-Directors Hille,\nwelche den eigentlichen Mittelpunkt des musicalischen Le-\nbens hier bilden. Ein grosser Fortschritt ist es unstreitig,\ndass jetzt in jedem dieser Concerte das Orchester zur Ver-\nwendung kommt, was noch vor zwei Jahren der unzuläng-\nlichen Kräfte und Mittel wegen nicht möglich war. Frei-\nlich bedarf es Seitens des Dirigenten eines aussergewöhn-\nlichen Aufwandes an Zeit und Mühe, um die aufzuführen-\nden Werke einzustudiren, aber es ist denn doch die Mög-\nlichkeit gegeben, das musicalische Publicum nach und\nnach mit den Werken unserer Meister aus der Vergan-\ngenheit und Gegenwart bekannt zu machen, eine Aufgabe,\ndie in sich lohnend genug sein dürfte, um Zeit und Arbeit\nan deren Lösung zu setzen, zumal zu hoffen steht, dass\ndie Schwierigkeiten sich mit der Zeit verringern werden.\nDass keine Mühe gescheut war, haben die diesmaligen\nAufführungen bewiesen, die, abgesehen von hier und da\nvorgekommenen kleineren Verstössen, wie sie bei fast allen\nOrchestern vorkommen, eine strengere Kritik nicht zu\nscheuen brauchen. Und wenn z. ß., wie es hier vorkam,\nunmittelbar vor Beginn der Beethoven'schen 0-moll-SU\\-\nl'onie der erste Flötist und der erste Clarinettist plötzlich\nerkranken und durch sofortige anderweite Besetzung die-\nser Instrumente aus dem Orchester die Aufführung des\nWerkes keine Störung erleidet, so ist daraus jedenfalls zu\nentnehmen, dass das Orchester tüchtige Elemente in sich\nschliessen muss, übrigens, nebenbei bemerkt, ein ge-\nwagtes Unternehmen von Seiten des Dirigenten, für des-\nsen Gelingen er sich bei Fortuna bedanken mag.\nIn den fünf akademischen Concerten kamen\nfolgende Orchesterwerke zur Aufführung: die C-moll-Sin-\nfonie von Beethoven, die erste (in (?)von Gade, die\nvon Mendelssohn, die Jubel-Ouverture von Weber, Ouver-\ntüre zur Zauberflöte, zu „Aladin\" von Karl Reinecke,\ndie erste Leonoren-Ouverture (in von Beethoven und\nsodann die ganze Musik zum Sommernachtstraum, das\nvon Gisbert Frhrn. v. Vincke dazu ve'rfasste Gedicht von\ndem bekannten Literarhistoriker Dr. Karl Goedeke ge-\nsprochen. Mendelssohn's reizende Musik, zum ersten Male\nvollständig aufgeführt, interessirte in hohem Grade. Da-\ngegen wollte die Reinecke'sche Ouvertüre, die andere\nNovität, dem Publicum nicht recht munden. Es ist auch\nnicht zu läugnen, dass ihr der rechte natürliche Fluss fehlt,\nobwohl sie interessante und feine Züge genug bietet. Am\nwenigsten hat mir der nicht gerade originel zu nennende\nSchlusssatz gefallen. Herr Karl Hill aus Frankfurt\nsang zwei Arien aus „Paulus\" und aus der „Schöpfung\"\nund Lieder aus dem Lieder-Cyklus „Ein frühes Liebes-\nleben\" von E. Hille. Der ausgezeichnete Sänger ward auch\njetzt wieder wie früher mit Beifall reich bedacht. Nicht\nweniger Anerkennung erwarb sich der Pianist Herr Mar-\n*\ntin Wallenstein aus Frankfurt durch den gediegenen\nVortrag des D-Jwr-Concertes von Mozart und kleinerer\nSachen von Bach und Schumann. Herr Concertmeister\nC. Bargheer aus Detmold spielte das Beethoven'sche\nViolin-Concert und die Chaconne von J. S. Bach. Das\nPublicum und die Kritik waren einstimmig im Lobe, und\nder Berichterstatter stimmt vollständig bei. Ferner sang\ndie hiesige vortreffliche Sängerin Frau Ulrich Kecilativ\nund Arie aus Rinaldo von Händel und die Schubert'schen\nMignonlieder, und zwar schön und zu Aller Freude.\nAusserdem brachten die Concerte von kleineren Chor-\nsachen die Cantate „Der Sturm\" von Jos. Haydn, die\nMorgen-Hymne aus der „Vestalin\", Volkslieder für Män-\nnerstimmen, vom Studenten-Gesangverein gesungen, und\nLieder für Frauenstimmen von R. Schumann.\nIm dritten akademischen Concerte wurde der „ Messias\"\nvon Händel aufgeführt unter Mitwirkung zweier Gäste\naus Kassel, der Frau Ilempel-Kristinus und des Herrn"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "198", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640618-01.1.6", "texte": "Denn er. Erstere besitzt einen ausgiebigen, kräftigen Alt\nvon bedeutendem Umfange und leistete sehr Tüchtiges,\nund Herr Denner, der die Partie zum ersten Male sang und\neben desshalb wohl anfänglich mit einiger Befangenheit zu\nkämpfen hatte, ist der glückliche Besitzer einer volltönen-\nden und weichen Tenorstimme, wie sie sich zur Repro-\nduclion von Oratorien-Partieen besonders eignen dürfte.\nHerr Denner ist übrigens nicht Sänger von Fach, sondern\nDilettant. Bei dem oft sehr fühlbaren Mangel an Teno-\nristen möchte ich die Leiter von Oratorien-Vereinen auf\ndiesen Sänger aufmerksam machen, und bin der Meinung,\ndass er bei fortgesetztem eifrigem Studium ein zweiter\nHill werden könnte, in Tenor übersetzt. Das Zeug dazu\nscheint er zu haben. Die schon vorher erwähnte Frau\nUlrich war eine Vertreterin der Sopran-Partie, wie wir\nsie uns nicht besser wünschen, und den Bass-Part hatte\nein sangeskundiger Student übernommen, der ihn im Gan-\nzen recht befriedigend durchführte. Würden überall die\nChöre gesungen, wie von unserer Sing-Akademie, so hätte\nHändel sicher keine Ursache zur Klage, wie denn über-\nhaupt die ganze Aufführung, von Kleinigkeiten abgesehen,\neine wohl abgerundete und gelungene zu nennen war.\nAusser den akademischen Concerten fanden noch zwei\nzum Besten Schleswig-Holsteins veranstaltete Concerte\nStatt. Das erste gaben die hiesigen verbundenen Männer-\nGesangvereine unter Hille's Leitung, und wurde dasselbe\nauch von dem gerade hier anwesenden Concertmeister\nC. Bargheer aufs zuvorkommendste durch treffliche\nViolin-Vorträge unterstützt. Die interessantesten Gesangs-\nNummern des Programms waren die Sturmes-Mythe von\nFr. Lachner und der Altdeutsche Schlachtgesang von Jul.\nRietz, beide mit vollem Orchester aufgeführt. Das zweite\nConcert gaben die Herren Concert-Director Joachim,\nCapellmeister Scholz und Hof-Opernsänger Bletzacher\naus Hannover, die freundlich begrüsst und verdienter\nMaassen mit Beifall in reichster Fülle belohnt wurden.\nDie auf dem Programm besonders hervortretenden Namen\nwaren Bach, Beethoven, Tartini, Spohr. Bei beiden Con-\ncerten waren die Räume bis auf den letzten Platz gefüllt.\nZum Schlüsse erwähne ich noch eines Concertes, das\nEnde Mai Capellmeister G. Herr mann aus Lübeck nebst\ndessen Tochter hier gab. Derselbe führte darin ein von\nihm componirtes Octett für Streich-Instrumente\naul, das von einem bedeutenden Talente des Componisten\nZeugniss ablegt und sich auch den Beifall des Publicums\nzu erringen wusste. Von den vier Sätzen möchte ich dem\nreizenden Scherzo und nächst diesem dem ersten Satze den\nPreis zuerkennen. Das interessante Werk verdient alle Be-\nachtung und wird sich zweifelsohne in den betreffenden\nmusicalischen Kreisen bald Eingang zu verschaffen wissen.\nIn dem ersten Satze des eilften Concertes von Spohr und\nVariationen von Vieuxtemps zeigte sich Herr Herrmann\nauch als gewandten Solo-Geiger aus der älteren Schule.\nIch für meinen Theil hätte nun freilich lieber gesehen,\nwenn Herr Herrmann das Spohr'sche Concert vollständig\ngespielt und dafür die unbedeutende Vieuxtemps'sche\nComposition weggelassen hätte; und so wird es auch An-\nderen ergangen sein. Fräulein Herr mann sang „Ah\nperfido\" von Beethoven, Lorelei von Fr. Liszt und zwei\nLieder von G. Nicolai und G. Herrmann. In der Mittellage\nbesitzt die Stimme viel Klang und Kraft, wogegen die\nHöhe noch etwas absticht. Die Lorelei war keine für die\nStimme der jungen Dame günstige Wahl. Im Uebrigen\nsang dieselbe mit Geschmack und Wärme, und fanden ihre\nVorträge, von denen ich die der beiden Lieder besonders\nhervorhebe, verdiente beifällige Aufnahme.\nGöttingen, im Juni 1864.\n\nZweites Sängerfest des rheinischen Sängerbundes\nin Köln. Der 93. Psalm von F. Hiller.\nDer rheinische Sängerbund hat sich im Jahre\n1862 als ein Zweig des grossen deutschen Sängerbundes,\nder seine Entstehung aus dem nürnberger Gesangfeste\n(1861) herleitet,gebildet*) und im vorigen Jahre zu Aachen\nsein erstes Fest gegeben (vgl. Jahrg. 1863, Nr. 37). Durch\nörtliche Verhältnisse bewogen, halte die Stadl Aachen da-\nmit einen internationalen Gesang-Wettstreit verbunden;\nda die dortigen Rücksichten in Köln wegfielen, so war das\nzweite Sängerfest des Bundes ein rein deutsches, an dem\nsich 30 mehr oder weniger zahlreiche Vereine (der Bund\nzählt deren 42) betheiligten. Die leitenden kölner Vereine\nwaren die Polyhymnia (Dirigent R. Zerbe), der Apollo\n(VV. Eisenhuth), die Germania (Radermacher), der\nLiederkranz (K u fferath). Das Concert fand Sonntag\nden 12. d. Mts. im grossen Gürzenichsaale Statt, fand\naber in Hinsicht auf zahlreichen Besuch nicht die Theil-\nnahme, die es verdient hätte.\nDas Programm enthielt an Gesamrnt-Aulführungen\nausser zwei Ouvertüren (Oberon von Weber und Con-\ncert-Ouverture über Wilhelm's Lied: „Die Wacht am\nRhein\", von 11 ob. Zerbe, k. pr. Regiments-Capellmeistcr\n\n:f;) Ein anderer ist „der rheinische Sängerverein\", wel-\nchen, unabhängig vom deutschen Sängerbunde, der kölner Män-\nner-Gesangverein (Franz Weber), die Liedertafel von\nAachen (Fritz Wenig 111 ann), von Crefeld (Karl Wilhelm),\nvon Elberfeld (Weinbrenner), die Concordia von Bonn\n(Brambach) und der Männer-Gesangverein von Neuss\n(Hartmann) im April 1863 gebildet haben. Vergl. 1863, Nr. 38\nund 41."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "199", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640618-01.1.7", "texte": "in Köln, neu): „Begrüssungschor\" vonWol'fg. Müller\nund W. Eisenhuth, Meeresstille u. s. w. von C. L. Fi-\nscher (von ihm selbst dirigirt), „Rheinlied\" von V.Lach-\nner, »Der 93. Psalm\" von Ferd. Hiller, neu (vom\nComponisten dirigirt), „Siegesgesang der Deutschen nach\nder Hermannsschlacht\" von F. Abt, neu (vom Compo-\nnisten dirigirt), „Frühlingsgruss\" von V. Lachner, „Das\ndeutsche Lied\" von.Stoltze und P. F. Schneider.\nDazwischen Einzel-Vorträge durch die crefelder Concordia\n(H. Fr iese), die aachener Concordia (C. F. Ackens),\ndie neuwieder Liedertafel (C. Löcher), den M.-Gladbacher\nLiederkranz (H. Zimmermann).\nIm Ganzen wurde, was Präcision und Sicherheit be-\ntrifft, gut gesungen, und die Ausführungen gaben Zeugniss\nvon ernster und fleissiger Einübung; auch der Vortrag\nzeugte von künstlerischem Streben, welches aber, da viele\njüngere Vereine betheiligt und auch die Stimmen an sich\nnicht überall gleich klangvoll und biegsam waren, nicht\nimmer sein Ziel erreichte. So war es natürlich, dass trotz\nder Tüchtigkeit einzelner Vereine (von denen z. B. die Con-\ncordia von Aachen und der Liederkranz von M.-Gladbach\nbei ihren Einzel-Vorträgen Auszeichnung erwarben) der\nWohllaut des Gesammttones nicht jene innige Verschmel-\nzung erreichte, die dem Männergestfnge seinen besonderen\nReiz gibt. Höchst erfreulich waren aber die Reinheit, Rich-\ntigkeit und Präcision, mit der schwierige Werke, wie z. B.\nFerd. Hiller's Psalm, gesungen wurden, was einen Fleiss\nund eine Liebe zur Sache bei allen Vereinen bekundet,\nwelche die höchste Anerkennung verdienen, und das um\nso mehr, da ein grosser Theil der Mitglieder derselben mit\nder Tagesarbeit so beschäftigt ist, dass sie sich die Zeit zu\nden Singübungen von ihren Erholungsslunden absparen\nmüssen, worin sie manchen anderen Vereinen, deren Glieder\nüber weit mehr freie Zeit zu verfügen haben, voranstehen.\nVon den neuen, für das Fest bestimmten Compositio-\nnen ist der 93. Psalm: „Der Herr ist König und herrlich\ngeschmückt\", von F. Hiller die umfangreichste und be-\ndeutendste. Das Werk—in der Reihe das 112. des Mei-\nsters ist in demjenigen Oratorienstile geschrieben, in\nwelchem Mendelssohn und Hiller die einfache, kräftige\nForm der älteren Meister mit der neueren Auffassungsweise\nmusicalischer Texte vereinigt und mit Freiheit erweitert\nhaben, ohne desshalb die Polyphonie, die bisher Jast allei-\nnige Grundlage der kirchlichen Vocalmusik, aufzugeben.\nDiese in der Zeit wurzelnde und eben dadurch vollkommen\nberechtigte Schreibart macht denn auch notwendiger\nWeise von den ungeheuren Fortschritten der Instrumen-\ntal-Musik und der Verstärkung des Orchesters durch eine\nwesentlich in das Ganze eingreifende Behandlung des Or-\nchesters einen anderen Gebrauch, als ihn die älteren Kir-\nchen-Componisten machen konnten. Das Bedürfniss dazu\nlühllen diese so gut, wie die neueren, das sehen und er-\nfahren wir aus der Art und Weise, wie sie die Orgel als\nOrchester-Instrument benutzten, ferner was noch selten\noder gar nicht von dieser Seite betrachtet worden ist\nwie sie diejenigen Instrumente, für deren imponirende\nWirkung sie Virtuosen besassen, z. ß. die Trompeten,\nnicht bloss zur Verstärkung des Glanzes der Chöre, son-\ndern sogar zur Begleitung und obligaten Secundirung der\nArien in der Kirchenmusik mit Vorliebe anwandten. So\nhat denn auch Hiller in diesem seinem neuesten Werke ern-\nsten Stils den Gesangstimmen das volle Orchester: Geigen-\nQuartett (oder, wie man heutzutage richtiger sagen muss:\nGeigen-Quintett, da das Violoncello in der Regel selbst-\nständig behandelt wird), 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Clarinetten,\n2 Fagotte, ferner 4 Hörner, 2 Trompeten und Pauken, 3\nPosaunen und Tuba zugesellt und hat diese drei Instrumen-\ntal-Chöre höchst wirkungsvoll und keineswegs erdrückend,\naber auch nicht untergeordnet, sondern als ebenbürtige\nGenossen des Sängerchors zu einem Ganzen verschmolzen,\nin welchem die Violinen und höheren Holz-Blaseinstrumente\num so wesentlicher für die Vervollständigung der weiten\nHarmonie sind, als die Männerstimmen sich nur in der\nmittleren und tiefen Tonregion bewegen. Wir halten es\nnämlich für eineA Irrthum (den wir wohl hauptsächlich\nMendelssohn zu verdanken haben, der sonst nicht leicht in\nsolchen und ähnlichen Dingen einen Fehlgriff that, aber\nseinen schönen Hymnus „An die Künstler\" nur mit Blech-\nmusik begleitete), dass man Männerchöre nur mit Blech-\nInstrumenten begleiten zu müssen glaubt, was nur bei Ge-\nsängen, die im Freien ertönen sollen, zu billigen ist. Man\nnehme einmal den Priesterchören von Mozart in der Zau-\nberflöte und dem Chor der Gefangenen in Beethoven's\nFidelio das Orchester hinweg und die Wirkung wird ver-\nloren sein. Daher haben mit Recht die Männer-Gesang-\nstücke mit ganzem Orchester, wie C. L. Fischer's „Mee-\nresstille und glückliche Fahrt\", und J. Rietz's „Dithy-\nrambe\", überall gefallen, wovon der rauschende Applaus,\nmit welchem das erstere, vom Herrn Componisten dirigirt,\nauch jetzt wieder in dem Concerte, von dem wir sprechen,\naufgenommen wurde, das lebendigste Zeugniss gab.\nDie Composition Hiller's (Haupt-Tonart C-dur) enthält\n1. ein A llegro maestoso,4/4, auf die zwei ersten\nVerse des Psalms; 2. ein Allegro con fuoco, 3/'4, in C-moll,\nauf die zwei folgenden, das bei den Worten: „Aber der\nHerr ist noch grösser\", in Efällt und eine reiche\nPhantasie in prächtiger Tonfülle entfaltet. Ihm folgt ein\nAndante con moto,2/4, in E-duein zart melodischer Satz\nauf die Worte: „Heiligkeit ist die Zierde Deines Hauses\newiglich\", welcher zugleich würdig und lieblich gehalten"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "200", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640618-01.1.8", "texte": "ist, was nur bevorzugten Talenten gelingt. Dieser Nummer\nschliesst sich der Anklang an das erste Maestoso: „Der\nHerr ist König\", an, dem unmittelbar im Allegro vivace,\nAU, C-dur, ein fugirtes „Halleluja\" folgt, welches mit sehr\nrichtigem Gefühle für die so schwer in der engen Har-\nmonie der Männerstimmen zu erreichende Klarheit fast\nnur dreistimmig (Tenor und erster und zweiter Bass),\nvortrefflich zu einem glänzenden Schlüsse geführt ist.\nHiller hat mit dieser Composition ein werthvolles und zu-\ngleich sehr dankbares Gesangstück für Männer-Gesang-\nvereine geliefert. Der, wie schon gesagt, sehr wackeren\nAusführung unter seiner Direction wurden die lautesten\nOvationen zu Theil*).\nHerr Hof-Capellmeister F. Abt dirigirte ebenfalls\npersönlich seine neue Composition: „Siegsgesang der Deut-\nschen\", für Chor und Instrumental-Begleitung, welche\ndem beliebten Lieder-Componisten, der auch in diesem\nWerke dem Charakter eindringlicher Popularität mit Erfolg\ntreu geblieben ist, einen donnernden Applaus bereitete.\nAuch die zwei neuen Compositionen: „Gruss am\nRheine\", von Wolfg. Müller» für Männerchor von W.\nEisenhuth, und eine Ouvertüre für Orchester mit\nBenutzung von Wilhelm's Lied: „Die Wacht am Rhein\",\nvon Rob. Zerbe, erwarben lebhaften Beifall; namentlich\nist die Ouvertüre ein Musikstück, welches dem Compo-\nnisten Ehre macht und Talent und Geschick in der Factur\nbekundet.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKöln, 17. Juni. Gestern Abend eröffnete die italiänische\n0 pern-Gesellschaft ihr Gastspiel im Stadttheater mit Bellini's\nlieblich idyllischer Sonnambula. Die eben gebrauchten Prädicate der\nMusik dieser Oper können mit vollem Rechte auch auf die Dar-\nstellerin der Amine, Mademoiselle Vitali, angewandt werden,\nwelche durch ihren Gesang und ihr Spiel die Gunst des Publicums\nan diesem ersten Abende zwar nicht durch imponirende Glanz-Effecte,\ndie auch nicht angebracht gewesen waren, erobert, aber durch Reiz\nund Anmuth und vollendete Gesanges-Technik gleich im Augenblick\ngewonnen, und sie nicht bloss für den Augenblick, sondern auf die\nDauer sich gesichert hat. Denn den schönen Ton einer so reinen,\nfrischen Silberstimme und den gefühlvollen, unaffectirten Vortrag,\nder selbst bei den kleinen, mit grosser Zierlichkeit hingeworfenen\nFiorituren immer natürlich bleibt, wird man stets wieder mit wah-\nrem Vergnügen hören. Die ganze Erscheinung der jungen Künstlerin\nist in Harmonie mit ihrem Gesänge; beide haben nichts Grosses\nund Blendendes, aber etwas ungemein Liebliches und von der Gunst\nder Grazien Geweihtes. Ihre musicalische Bildung und Schule ist\nvortrefflich. Es ist demnach in jeder Hinsicht ein Kunstgenuss und\neine Freude, ihrer Darstellung zu folgen, zumal da der Wohllaut\nihres Gesanges und das Maasshalten im dramatischen Ausdrucke, wel-\nches sonst die Italiänerinnen nicht im richtigen Grade und die deut-\nschen Sängerinnen heutzutage leider noch weniger als jene beach-\nten, dem gebildeten Zuhörer wahrhaft wohl thut. Wie sehr aber ein\nsolcher Gesang, der seinen Werth in den künstlerischen Vortrag\nsetzt und die Gränzlinie des Schönen auch im leidenschaftlichen\nAusdrucke inne hält, auch auf das ganze Publicum mit einer Art\nvon Zauber wirkt, das bewiesen gestern der rauschendste Applaus\nund die wiederholten Hervorrufe.\nWenn wir also die londoner Berichte über Mademoiselle Vitali\nvollkommen bestätigen können, so ist dies nicht ganz so derselbe\nFall bei dem Tenor Herrn Baragli, was zum Theil daran liegt,\ndass wir in Deutschland an den echten Tenor-Timbre der meisten\nitaliänischen Tenoristen, der gar nicht in die Region des Baritons\nüberstreift, nicht gewöhnt sind, und zweitens an dem Tremoliren,\nwomit das deutsche Publicum bei seinem Sinne für die reine Ton-\nschönlieit selbst bei mässiger Anwendung sich niemals befreunden\nwird, geschweige denn bei übermässigem Gebrauche desselben. Trotz-\ndem bleibt Herr Baragli eine sehr interessante Künstler-Individua-\nlität, denn er ist in Bezug auf musicalische Bildung und Schule ein\nganz vortrefflicher Sänger, welcher die Coloratur mit einer so voll-\nendeten Correctheit, Rundung und Weichheit vorträgt, wie man sie\nnur höchst selten von einer Männerstimme hört, was seinem Lehrer,\nHerrn Ronzi in Florenz, grosse Ehre macht. Dabei ist Herr Ba-\nragli ein sehr guter Schauspieler, der sich mit Natürlichkeit und\nSicherheit in allen Situationen seiner Rolle bewegt. Diese beiden\nEigenschaften, vollendete Technik und das Talent der Darstellung,\nmachen es uns zur Pflicht, die späteren Vorstellungen, wo Herr Ba-\nragli in anderen Charakteren auftreten wird, abzuwarten und einst-\nweilen allen unseren Sängern und Dilettanten zu empfehlen, die\nGesanges-Technik dieses Künstlers mit Aufmerksamkeit zu beobach-\nten» —Herr Antonucci gehört zu den glücklichen Bassisten (oder\ntiefen Baritonisten), welche nur einen Ton klingen zu lassen brau-\nchen, um sogleich alle Zuhörer für sich einzunehmen. Bekanntlich\nlässt sich aus der Rolle des Grafen nichts machen; aber die kleine\nRomanze und die wenigen Recitative zeigten sehr wohl die sonore\nStimme, eine vortreffliche Aussprache und einen würdigen Vortrag\nWir freuen uns auf die Leistungen dieses Künstlers in grösseren\nPartieen.\nllai'i§. Die grosse Oper hat vom 1. April 1863 bis 31. März\n1864 ei ngenommen 1,420,910 Frcs. und an Autorenrechten be-\nzahlt 85,406 Frcs. Die komische Oper eben so 1,109,760 und\n131,538. Das Theätre lyrique eben so 863,994 und 86,337.\nSämmtliche Theater-Einnahmen in Paris betrugen 12,991,015, die\nAutoren-Antheile 1,335,960 Frcs.; die ersten 167,572 mehr, als im\nvorhergehenden Jahre, die Autoren-Antheile 19,689 Frcs. mehr.\nAus der Provinz haben die letzteren sich auf 436,363 Frcs. belau-\nfen; in ganz Frankreich haben mithin die dramatischen und musi-\ncalischen Autoren an Antheilen von den Aufführungen ihrer Werke\n1,772,323 Frcs. erhalten.\n*) Der 93. Psalm für Männerchor und Orchester.\nFranz Lachner in Hochachtung und Freundschaft zugeeignet von\nFerd. Hiller. Op. 112. Clavier-Auszug. (43 S. Fol.) Leipzig und\nWinterthur, bei J. Rieter-Bieder mann. Pr. 2 Thlr. (Chorstimmen\nTenor I. und II., Bass I. und II., ä 10 Sgr. — Partitur und Or-\nchesterstimmen in Abschrift zu beziehen."}]}