{"numero_id": "bm-bmtnabi-1864-06-25-01", "volume": "bmtnabi_1864-06-25_01", "ocr_sha256": "32776f0e0182032b770f11894ffb98ee629b0370beb81b37e8d61e111ea5d3b2", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1864/06/25_01/bmtnabi_1864-06-25_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640625-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1864-06-25-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-06-25_01#c001", "volume": "bmtnabi_1864-06-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "201", "page_fin": "201", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640625-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "201", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640625-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 475, "texte": "Inhalt.\nZur Geschichte des Concertwesens in Wien. Von Dr. Eduard Hanslick. 11. Aus Rossini's Leben. Ein Beitrag zu den\nTheater-Verhältnissen in Italien und zur Geschichte des „Barbiers von Sevilla\". Deutsche Musik in Italien. Aus München (Con-\ncert-Programme der abgelaufenen Saison). Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Fortsetzung des Gastspiels der italienischen\nOpern-Gesellschaft Wiesbaden, Aufführung von F. Hiller's „Saul\" Aus Tyrol, Todesfälle Wien, Fräulein Artot)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-06-25-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-06-25_01#c002", "volume": "bmtnabi_1864-06-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "201", "page_fin": "203", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640625-01.2.2", "titre_corps": "Zur Geschichte des Concertwesens in Wien.", "titre_sommaire": "Zur Geschichte des Concertwesens in Wien.", "signature_source": "Eduard Hanslick", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "201", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640625-01.1.1", "debut_caractere": 477, "fin_caractere_exclue": 4010, "texte": "Zur Geschichte des Concertwesens in Wien.\nVon Dr. Eduard Hanslick.\nII.\n(S. Nr. 25.)\nIn den Verzeichnissen der Oratorien, welche die Pen-\nsions-Gesellschaft österreichischer Tonkünstler seit ihrer\nGründung im December 1772 durch den hochverdienten\nHof-Capellmeister Gassmann im Burgtheater im Advent\nund in der Charwoche veranstaltete, finden wir auch\nOpern, die ganz oder theilweise als Concertc gegeben\nwurden, z. B . Ifigenia in Taurvon Traetta, Scenen\naus Fedravon Paesiello, von\nMozart, Castor und Pollux vom Abt Vogler (1803),\nTamerlan von Winter (1805) u. s. w.— Eben so welt-\nliche Cantaten, z. B. Hercules am Scheidewege von Hasse,\nVenus und Adonis von Weigl, „Der Retter in Gelahr\"\nvon Süssmayer u. s. w. Von Händel kommt zuerst\n1779 Judas Maccabäus als „geistliches Singspiel\" vor,\n1806 wiederholt, und dann von 1820 an Samson u. s. w.\nnach Mosel's, doch schon 1806 der Messias nach Mozart's\nBearbeitung. Auch Passionen kommen vor von Sa-\nlieri, Starzer und Weigl.\nNächstdem war die „Gesellschaft der Musik-\nfreunde\" der wichtigste und bis jetzt noch wirksamste\nVerein, der aus dem Dilettantismus hervorging. (Siehe in\nHanslick's Aufsatze die Geschichte ihrer Gründung und\ndie Programme ihrer Musikfeste und regelmässigen Gesell-\nschafts-Concerte von 1812 an.)\nNeben dieser Gesellschaft kam das Institut der\ncerts spirituels auf. Mosel sagt über die Gründung die-\nser Concerte in der wiener Allgem. Musical. Zeitung (vom\n5. April 1820): „Jedermann, der die Tonkunst wahrhaft\nehrt, hat mit tiefem Kummer gesehen, welche Wendung\nhier in den letztverflossenen Jahren das Musikwesen ge-\nnommen hat.\" Es folgen nun Klagen, „dass musicalische\nTaschenspielereien an die Stelle gefühlvollen Vortrages\ngetreten, die Symphonieen von Mozart, Haydn, Beethoven\nallenthalben verschwunden sind\" u. s. w. „Da macht Herr\nGebauer den Vorschlag, eine eigene Gesellschaft von\nmassiger Zahl zu bilden, die mit Ausschliessung al-\nler Concertmusik und alles Bravourgesanges\nbloss Symphonieen und Chöre zur Aufführung\nbringe.\"\nMan sieht, die Spirituel-Concerte hatten sich eine viel\nstrengere Kegel vorgeschrieben, als die Gesellschafts-Con-\ncerle. Alle vierzehn Tage fand ein solches Spirituel-Con-\ncert Statt (an Freitagen von 4 6 Uhr), Anfangs im\nSaale zur „Mehlgrube\" dem Speisesaale des jetzigen\n„Hotel Munsch\". Mosel nennt ihn „zu einem Tempel\nPolyhymnia's in mancher Beziehung nicht ganz angemes-\nsen, aber von trefflichem akustischem Bau\". Im Jahre\n1821 (Wiener Musik-Zeitung Nr. 89) schreibt Kanne\nüber denselben Verein: „In Wien, wo die Concerts de\nmelangeso sehr gebräuchlich sind, ereignet es sich selten,\ndass man das schönste Werk der reinen Musik, die Svm-\n%)\nphonie, ordentlich zu hören bekommt. Denn entweder\nwerden wir damit nach Art der Köche servirt, welche von\nwilden Schweinen auch nur den Kopf auf die Talel setzen,\noder man servirt sie wie das beste Stück vom Biber und\ngibt noch am Schlüsse das letzte Allegro Preis, um das\nGescharre der Weggehenden einiger Maassen mit Musik\nzu begleiten. Um so mehr muss man sich freuen, wenn\nnun ein redlich gesinnter Musiker wirklich ganze Sym-\nphonieen aufführt.\" Dieses freudenvolle Aufheben, was\ndavon gemacht wurde, ganze Symphonieen aufgeführt zu\nhören, ist charakteristisch. In dieser Bichtung haben die\nSpirituel-Concerte segensreich gewirkt. Ihr sterblicher\nPunkt lag in der Mangelhaftigkeit der Aufführungen. Nach\ndem ursprünglichen Plane sollte nämlich alles a vista,\nohne vorhergegangene Probe executirt werden. Nur be-\nsonders schwierige Werke nahm man ganz oder theilweise"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "202", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640625-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5187, "texte": "vor dem Concerte einmal probeweise vor. Dieser Urzu-\nstand genügte vollkommen, so lange die Ausführenden\nvollständig „unter sich\" waren; in dem Maasse, als der\nRuf von diesen Concerten sich verbreitete, mehr Zuhörer\nzuströmten, endlich auch von den Tonseizern immer grös-\nsere Anforderungen an die Quantität und Qualität der\nSpieler gestellt wurden, mussle die Stellung der „proben-\nlosen\" Concerts spirituek schwieriger werden, und mussten\ndiese allmählich ganz in die llände von Fach-Musikern\ngerathen.\nEs fanden Anfangs im Laufe jedes Winters in der\nKegel achtzehn solcher Concerte Statt.\nWir geben als Probe das vollständige Programm des\nersten Jahrgangs 1820.\n1. Haydn, i?s-Symphonie; drei Sätze aus Cherubini's\nMesse {Kyrie, Gloria, Credo). 2. Mozart, /^-Symphonie;\nSanctus, Benedictas, Agnus aus derselben Messe von Che-\nrubini. .3. Beethoven, I. Symphonie; von Jo-\nmelli; Liberavon Martini. 4. Symphonie von Krommer;\nMesse von Seyfried. 5. Haydn, Hummel,\nEs-Messe. 6. 6\"-Symphoiiie, zwei lateinische nnd eine deut-\nsche Hymne von Mozart. 7. Beethoven, 11. Symphonie;\nPastoral-Messe und Motette von Abbe Vogler. 8. Sym-\nphonie von Fried. Schneider in Leipzig; Psalm von Hän-\ndel; Psalm von Stadler. 9. Ö-Symphonie, Z?-Messe und\nChor von Haydn. 10. Z?-Symphonie, Cantate und Motette\nvon Mozart; Chor von Preindl; Psalm von Stadler. 11.\nHI. Symphonie von Beethoven; Messe von Chor\nvon Preindl. 12. Symphonie von Spohr; „Sieben Worte\"\nvon Haydn. 13. von Haydn; Messe von\nFr. Schneider; zwei Sätze aus P. Winter's 14.\nMozart, und Misericordias; Cantate von\nHändel. 15. Beethoven, IV. Symphonie und „Meeresstille\";\nRequiem von Drechsler. 10. Symphonie von Fesca; Kyrie\nvon Horzalka; Chöre von Händel, Salieri und Mosel. 17.\nSymphonie von Romberg; erste Messe von Beethoven. 18.\nBeelhoven's Pastoral-Symphonie und „Meeresstille\"; geist-\nliche Chöre von Mozart, Salieri, Stadler und Mosel.\nDiese Concerte fanden rasch lebhaften Anklang; bei\nder Besprechung des letzten dieser 18 Spirituel-Concerte\n(19. Mai 1820, um 4 Uhr) klagt die Musik-Zeitung über\n„ein fast zu zahlreiches Publicum und drückende Hitze\".\nNur noch die folgende Saison (April bis Juni 1821) blie-\nben diese Concerte in der „Mehlgrube\"; mit 25. October\n1821 finden wir sie, abermals von 4 bis 0 Uhr, im land-\nständischen Saale in der Herrengasse wieder. Dieser schöne\nSaal mit seinem stattlichen Aufgange von zwei Treppen\nwar etwas grösser als der jetzige Musikvereins-Saal und\ngut akustisch. Er hatte nur den Uebelstand, dass er sich\nnicht heizen liess (Musik-Zeitung 1823, Nr. 7). Die Pro-\nGramme der Coneeris spirituels blieben dem Charakter\ndes oben abgedruckten der ersten Saison in den ersten\nJahren vollständig getreu. Jedes Concert bestand aus 2\nbis 4, höchstens 5 Stücken; den Anfang bildete stets eine\nSymphonie, dann folgten geistliche Chöre, am liebsten\nTheile von Messen. Sebastian Bach fehlt gänzlich bis zum\nJahre 1839, wo wir eine „Litanei\" dieses Meisters und\neines seiner Violin-Concerte als vereinzelte Erscheinungen\nauftauchen sehen. Im Jahre 1843 endlich spielte Fischhof\nein Bach'sches Clavier-Concert. Von Emanuel Bach finden\nwir einmal (1827) einen Chor: „Leite mich nach Deinen\nWegen\". Im Fache der Symphonieen sind Haydn, Mozart\nund der frühere Beethoven vorherrschend. In dem Pro-\ngramm vom 19. April 1827 nimmt sich fast verwunder-\nlich aus: „Erster Satz aus weiland Beethoven's 9.\nSymphonie. Auf Verlangen.\" Hier wurden die Unter-\nnehmer also doch einmal ihrem Integritäts-Princip untreu.\nVon geistlichen Werken sind am häufigsten aufgeführt:\nChöre und Oratorien-Fragmente von Händel („mit ver-\nmehrter Begleitung von Herrn v. Mosel\")*); Haydn's\nWorte\" und vor Allem Cherubini's Messen, ganz oder\nstückweise. Der Cherubini-Cultus in Wien war auf allen\nmusicalischen Gebieten in den zwanziger und dreissiger\nJahren überaus lebhaft; in den Spirituel-Concerten (die\ndoch nur immer wenige Nummern brachten) finden wir\nin den Jahren 1825—29 Cherubini mit 9 Stücken vertre-\nten (worunter ganze Messen); in den Jahren 1830 —4O\nerscheint Cherubini 22 Mal (16 geistliche Compositionen\nund 6 symphonische Ouvertüren und Symphonieen), in den\nJahren 1840 —46 13 Mal, worunter 7 Mal mit reinen\nOrchesterwerken. Mendelssohn um ein wenig vorzu-\ngreifen erschien in den Spirituel-Concerten sehr spät\nund spärlich; keine seiner Ouvertüren, keiner seiner Psal-\nmen kam zur Aufführung; keine Wiederholung seiner\n„Symphonie\".\nIn dem Programm der zwanziger Jahre finden wir\nneben den classischen Autoren häufig die Namen Mosel,\nKrommer, Seyfried, Eybler, auch Halm, Gebauer, Sechler,\nHorzalka, Kanne, Lannoy u. s. w., also auch hier einen\nsehr merklichen Einlluss des Local-Patriotismus und der\npersönlichen Beziehungen. Als historisch-denkwürdig\nerscheinen uns die Concerte vom 17. März 1825 („Ouver-\ntüre in C-dur von Herrn v. Beethoven, Manuscript\"), vom\n5. März 1829 („Neue Hymne von Franz Schubert, eigens\nfür diese Concerte componirt\"), vom 12. März 1829\n(„Symphonie von Fr. Schubert\"). Von 1830 an werden\ndie Programme etwas lebendiger; einzelne Instrumental-\n\n*) Am 18. und 25. Februar 1834 finden wir (bei zwei Stücken\naus Handers „Saul\") zum ersten Male den Beisatz: „Nach der\n0 rigin al-P ar t i tur\"."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "203", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640625-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3775, "texte": "Concerte finden Eingang, so z. B. am 1. April 1850 Beet-\nhoven's Clavier-Concert in G; am 24. Februar 1831 des-\nsen Violin-Concert. (Die Programme verschweigen bisher\nsystematisch die Namen der Ausführenden.) Am 17. März\nspielte Thal berg (das Programm entsohliesst sich, ihn zu\nnennen) Beethoven's C-moll-Conceri. Im Jahre 1832 lin-\nden wir zum ersten Male ein Duett (aus König Stephan\nvon Beethoven), eine Sopran-Arie und ein Opern-Finale\n(aus Cherubini's „Elisa\"). Man fühlte sich also gedrängt,\nvon der ursprünglichen Strenge abzuweichen; doch blieben\nein bis zwei Stücke aus Kirchen-Compositionen immer die\nRegel; Instrumental-Concerte erschienen nicht jedes Mal,\nsondern meist in jedem dritten oder vierten Concerte (1833\nspielte Bocklet das Weber'sche Concertstück, Vieux-\nlemps das Beethoven'sche Violin-Concert). Am 31. März\n1833 kam Beethoven's „Glorreicher Augenblick\" (Manu-\nscript, Eigenthum des Herrn Tobias Haslinger) zur Auf-\nführung; etwa von diesem Jahre an erscheint Beethoven\nin jedem Spirituel-Concerte mit einem Stücke vertreten.\nIlm dieselbe Zeit beginnen die Spirituel-Concerte etwas\nzugänglicher für Novitäten auswärtiger Componisten zu\nwerden; 1834 kommt S.pohr's „Weihe der Töne\" zur\nAufführung (Ludwig Löwe declamirt das erklärende\nGedicht von Pfeiffer);—1836 die Preis-Symphonie von\nF. La ebner und eine handschriftliche Ouvertüre von\nLindpaintner; 1838 eine neue Concert-Ouverture\nund eine neue, eigens für diese Concerte componirte Sym-\nphonie (C-dur) von Spohr. Zu der Zugkraft von Novitä-\nten gesellte sich zur selben Zeit die allmähliche Vorfüh-\nrung von Iremden Virtuosen; die Gränzen dilettantischer\nHäuslichkeit waren längst überschritten. 1839 spielte\nLiszt Beethoven's 67-?«o//-Concert und Mozart's Sohn ein\nClavier-Concert seines Vaters; 1840 Miss Rowena Laid-\nia w Weber's Concertstück; 1841 Evers Mendelssohn's\nG-moll-Concert.\nDiese Modernisirung der Spirituel-Concerte schien\nkeinen Anklang beim Publicum zu haben; die Zahl dieser\nConcerte war längst von ihrer ursprünglichen enormen\nHöhe (16 —18) auf vier gesunken; im Jahre 1834 lin-\nden wir die Annonce auf dem Programm des vierten Con-\ncertes, dass „auf mehrfaches Verlangen\" noch zwei Con-\ncerte Statt linden werden. Diese Vermehrung von vier auf\nsechs Spirituel-Concerte linden wir in den folgenden Jah-\nren fixirt.\nIm Jahre 1841 begegnen wir nicht ohne Ueberra-\nschung einem Kyrie von Pergolese, zum ersten Male\neinem älteren italiänischen Kirchen-Componisten in\nden Concerts spirituels.Die Hinneigung zur Havdn-Mo-\nzart'schen Schule in der kirchlichen Composition blieb aber\nnoch in späteren Jahren unverläugnet; noch in den vier-\nziger Jahren begegnen wir Kirchenstücken von Umlauft\nund Worzischek, Michael Haydn und Neukomm.\nDer Gründer der Spirituel-Concerte, F. X.Gebauer,\nleitete sie nicht lange, er starb schon am 13. December\n182*2; da auch sein zeitweiliger Substitut, Herr v. Pi*\nringer, erkrankt war, erlitten die Concerte 1823 eine\nUnterbrechung. Im Jahre 1824 wurden die Concerts spi-\nrituels durch die beiden Musikfreunde Herren Pi ringer\nund Geissler, und zwar „als blosse Privat-Unterhaltun-\ngen\" .wieder hergestellt; der landständische Saal blieb das\nLocal dafür; dennoch wurden nur vier Concerte in jeder\nSaison gegeben. Baron Lannoy hatte sich „als Director\ndem Herrn v. Piringer beigesellt\". Das erste dieser vier\nConcerte, 1824, brachte nur Compositionen von Haydn,\ndas zweite nur von Mozart, das drille nur von Beet-\nhoven, das vierte nur von diesen drei Meistern abwech-\nselnd. Die letzte Periode dieses Instituts, das am 23. April\n1848 (im Musikvereinssaale) seinen Abschied nahm\nwunderlicher Weise mit einem „Trauermarsch\" des un-\nglücklichen Dr. A. J. Becher —, werden wir später im\nZusammenhange mit den modernen Concert-Erscheinun-\ngen besprechen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-06-25-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-06-25_01#c003", "volume": "bmtnabi_1864-06-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "203", "page_fin": "206", "image_debut": 3, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640625-01.2.3", "titre_corps": "Aus Rossini’s Leben.", "titre_sommaire": "Aus Rossini’s Leben.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "203", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640625-01.1.3", "debut_caractere": 3777, "fin_caractere_exclue": 5079, "texte": "Aus Rossini’s Leben.\nEin Beitrag zu den Theater- Verhältnissen in Italien\nund zur Geschichte des „Barbiers von Sevilla“.\nNachdem Rossini's Name durch seinen Tancredi, zu-\nerst im Jahre 1813 in Venedig auf dem Theater Fenice\naufgeführt, Italien durchflogen hatte, der Componist selbst\naber immer noch unter den drückendsten Bedingungen\narbeiten musste und in beschrankten Verhältnissen lebte,\ntrat eines Tages das günstige Geschick unter der Gestalt\ndes neapolitanischen Theater-Unternehmers Barbaja in\nsein bescheidenes Zimmer zu Bologna, wo er bei seinen\nEltern, die dorthin gezogen waren, zum Besuche war.\nBarbaja, ehemals Kellner in einem Kaffeehause zu\nMailand, war durch Glück im Hazardspiel und durch\nTheater-Unternehmungen ein Millionär geworden. Rossini\nnahm alle Clausein seiner Anträge an und verliess Bologna\nnach dem misslungenen Versuche Murat's zur Wieder-\nerlangung seines Königreiches. In Neapel zahlte ihm Bar-\nbaja 200 Ducaten monatlich, wofür er jährlich zwei Opern\nschreiben und eine Menge von Arbeiten für Einstudirung\nund andere Dinge übernehmen musste. Rossini sagte\nübrigens späterhin: „Wenn Barbaja mir zur Bedingung\ngemacht hätte, auch seine Küche zu besorgen, ich hätte\ndoch angenommen!\" Uebrigens war Barbaja zugleich\nPächter der Spielbanken in Neapel und bewilligte der\n\n[1"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "204", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640625-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5153, "texte": "Sängerin Colbrand, mit der Rossini sich vermählte, und\nihm selbst einen Anlheil am Bankgewinn, der ihnen zu-\nsammen 1000 Ducaten jährlich einbrachte*). Wollte Hos-\nsini dem Rule anderer Unternehmer folgen, um für sie\nOpern zu schreiben, so musste er von Bärbaja Urlaub\nnehmen und sein Gehalt fiel dann für diese Zeit aus. Es\nwar in der Herbst-Saison von 1815, als „Elisabeüa\",\ndie erste Oper des Meisters in Neapel, ungeheuren Erfolg\nhatte. • .1 .\nBald nach der Aufführung ging Rossini nach Rom\nund führte dort im Teairo Valle seine Oper Torwalcio e\nDorlisca auf, welche jedoch trotz der guten Sänger haupt-\nsächlich durch die Schuld des Dichters keinen bedeutenden\nErfolg hatte. Bei Gelegenheit dieser Aufführung erlebte\nRossini eine Scene, die ihm nie aus der Erinnerung ge-\nkommen und die er oft erzählt hat.\nAls er nach Rom kam, liess er sich einen Barbier\nkommen und behielt ihn, weil er sehr gut rasirte und ein\nbescheidener, schweigsamer Mann war. Nach einigen Wo-\nchen, als die General-Proben zu der neuen Oper beginnen\nsollten, rasirte der junge Mensch den Maestro und blieb\nschweigend, wie gewöhnlich. Als er aber seine Arbeit\nvollbracht hatte, reichte er Rossini vortraulich die Hand\nund sagte: „Auf Wiedersehen!\" „Wie meinen Sie\ndas?\" sagte Rossini verwundert. „Ja, ja—sogleich, im\nTheater.\" „Im Theater?\" „Nun freilich; ich blase die\nerste Clarinette im Orchester.\"\nUnd in der That, fast alle Musiker des Theaters Valle\ntrieben neben der Musik, die sie con amore ausübten oder\ngegen geringe Bezahlung, ein Handwerk; namentlich war\nauch der erste Contrabassist ein berühmter Sattler, dem\nes denn im Orchester auch nicht darauf ankam, dass er\neinmal mitten in einer Arie ein Blatt aus der Ouvertüre\nabspielte, das da hineingerathen war, und dem Dirigenten,\nder ihn zur Ordnung rief, sehr barsch erwiderte: „Ich\nspiele, was da steht!\" —und ihm die Stimme hinhielt.\nRossini, der an der Spitze des Orchesters sehr hitzig war,\nsich nicht immer in sehr schmeichelhaften Redensarten\nausdrückte und keinen Instrumentalisten schonte, sagte\ndem ersten Klarinettisten niemals ein hartes Wort in der\nProbe; wenn dieser noch so falsch blies, er liess es durch-\ngehen, denn —er dachte daran, dass er sich diesen Mann,\ndem er alle Tage seine Kehle anvertraute, nicht zum\nFeinde machen dürfe. Am anderen Morgen, wenn er glatt\nrasirt war, zeigte er ihm mit der grössten Freundlichkeit,\nwas er in der Probe für Fehler gemacht habe, und so\nbrachte er es dahin, einen guten Clarinettisten und einen\nzuverlässigen Barbier an ihm zu haben.\nMittlerweile wurde ihm ein Contract vom Impresario\ndes Theaters Di Torre Argentinaebenfalls in Rom, an-\ngetragen, und Rossini nahm ihn an. Dieses Actenstück ist\nzu wichtig für die Beurtheilung der Theater-Zustände in\nItalien und der Lage der Opern-Componisten denselben\ngegenüber, als dass wir es den Lesern nicht vollständig\nmittheilen sollten; nur dadurch werden die nichts weniger\nals preiswürdigen, sondern unseren Begriffen nach uner-\nträglichen Verhältnisse, wie sie im Ganzen gegenwärtig\nnoch existiren, glaublich erscheinen. Der Vertrag lautet*):\n„Nobil Teatro di Torre Argentina.\n„Rom, den 26. December 1815.\n„Durch gegenwärtigen Privat-Act von rechtsgültiger\nKraft und nach den Bedingungen, über welche die Con-\ntrahirenden übereingekommen sind, ist festgesetzt worden,\nwas folgt:\n„SignorPuce Sforza Cesarini, Impresario des oben be-\nsagten Theaters, engagirt Herrn Maestro Gioacbino Ros-\nsini für die nächste Saison des Carnevals des Jahres 1816;\nbesagter Rossini verspricht und verpflichtet sich, das zweite\nkomische Schauspiel, welches in der genannten Saison und\nauf dem genannten Theater aufgeführt werden wird, zu\ncomponiren und in Scene zu setzen, und zwar nach dem\nTextbuche, welches ihm der Impresario geben\nwird, mag dieses Buch alt oder neu sein. Maestro\nRossini macht sich verbindlich, seine Partitur Mitte Ja-\nnuar abzuliefern und sie den Stimmen der San«er\nanzupassen, verpflichtet sich auch, im Nothfalle alle\nVeränderungen, die man sowohl für die Ausführung\nder Musik, als gemäss dem Gutfinden und den For-\nderungen der Herren Sänger für nöthig halten\nwird, damit vorzunehmen.\n„Der Maestro Rossini verspricht ferner und macht sich\nverbindlich, sich in Rom einzufinden, um seinem Engage-\nment zu entsprechen, und zwar nicht später als Ende De-\ncember des laufenden Jahres, .und dem Copisten den er-\nsten Act seiner Oper vollständig fertig den 20. Januar\n1816 zu übergeben; es wird der 20. Januar festgesetzt,\ndamit die Proben und die Ensembles schnell gehalten und\ngeordnet werden und die Oper an dem Tage, den der\nDirector bestimmt, unfehlbar in Scene gehen könne, in-\ndem die erste Vorstellung desshalb schon jetzt auf den 5.\nFebruar oder ungefähr angesetzt wird. Ferner muss der\nMaestro Rossini seinen zweiten Act ebenfalls zu der vom\n\n*) Nach den Quellen, die Alexis Azevedo in seinem Abriss\nvon Kossini's Leben im Menestrel benutzt hat und zu denen Rössi-\nngs eigene Mittheilungen gehören, ist die obige Zahlenangabe die\nrichtige, während Stendhal in seiner Biographie Kossini's nur\nvon 30—40 Louisd'ors spricht.\n*) Uebersetzt aus Escudier' s Vie de Eossini u. s. w., Paris,\n1854, S. 35 u. ff."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "205", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640625-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5110, "texte": "Director festzusetzenden Zeit dem Copisten über-\ngeben, damit man Zeit habe, die Proben zu verabreden\nund zu hallen, um im Stande zu sein, an dem oben ge-\nnannten Tage die Oper aufzuführen; im anderen Falle\nsetzt sich der Maestro Rossini dem Ersatz von allem\nSchaden aus, was so und nicht anders sein muss.\n„Ausserdem wird der Maestro Hossini verbunden sein,\nseine Oper, wie es der Brauch ist, zu dirigiren und al-\nlen Gesang- und Orchester-Proben, sowohl im Thealer\nals ausserhalb desselben, so oft es nöthig ist, nach dem\nWillen des Directors persönlich beizuwohnen;\ner verpachtet sich ferner, bei den drei ersten Vorstellun-\ngen, welche hinter einander Statt finden werden, zugegen\nzu sein und dabei am Ciavier zu dirigiren, was so und\nnicht anders sein muss.\n„Zur Entschädigung für seine Mühen (fatiche) erhält\nder Maestro Hossini vom Director Summe und Werth\nvon 400 römischen Scudi (etwa 570 preuss. Thlr.)\nunmittelbar nach den drei ersten Vorstellungs-Abenden,\nan welchen er am Ciavier dirigirt hat*).\n„Ausserdem versteht es sich von selbst, dass im Falle\neines Verbotes oder Schliessung des Theaters, sei es\ndurch die Behörde oder durch irgend einen un-\nvorhergesehenen Zufall, die in solchen Fällen bei\nden Theatern in Rom und überall im Lande üblichen Ge-\nwohnheiten gelten.\n„Als Bürgschaft für die vollständige Ausführung dieses\nVertrages wird derselbe von dem Impresario und auch von\ndem Maestro Gioachino Rossini unterzeichnet; überdies\nbewilligt der genannte Impresario dem Maestro Rossini\nwährend der Dauer des Vertrages freie Wohnung in\ndemselben Hause, welches dem Signor Zamboni ange-\nwiesen ist.\"\nCharakteristisch in diesem Vertrage der übrigens\nlür Italien damals gar nichts Auffallendes halte ist das\nWort fatiche.Bloss von „Anstrengungen\"; „Mühen\"\nder Mann hat sich geplagt, er muss auch etwas dafür\nhaben ist die Rede: Talent. Genie, alles, was sich auf\ndas eigentliche Schallen der Musik bezieht, ist nicht der\nErwähnung werth. Und diesem Contracte, der so recht\neigentlich den Pegasus ins Joch spannt, verdanken wir\nden Barbier von Sevilla!\nNun betrachte man ferner die fast noch lästigeren\nGebräuche in Bezug auf das Eigenthumsrecht des Com-\nponisten, wie sie während der Laufbahn Rossini s in Ita-\nlien galten, und man wird sehen, dass das Loos eines\n1 ondicblers in Italien nichts weniger als beneidenswerth\nwar und zum Theil noch ist.\nZu Rossini s Zeit behielt der Impresario, der eine\nOpern-Partilur bezahlt halte, zwei Jahre lang das aus-\nschliessliche Recht, sie aufzuführen; war diese Frist vor-\nüber, so konnte jedes Theater sie ohne weitere Förmlich-\nkeiten geben. Das einzige Recht, das dem Componisten\nauf sein Werk blieb, war die Zurückforderung seiner Ori-\nginal-Partitur nach Verlauf des ersten Jahres. Allein Ros-\nsini vernachlässigte im Strudel seiner Arbeiten sehr häufig,\ndieses Recht geltend zu machen, und so sind z. B. auch\ndie ursprüngliche Ouvertüre zum „Barbier\" und die voll-\nständig componirle Unterrichts-Scene zu Anfang des zwei-\nten Actes (wo die Sängerinnen jetzt andere Bavourstücke\neinlegen) verloren gegangen.\nMit den Abschriften wurde nun aber vollends der\ngrösste Missbrauch getrieben. Die Copisten, meist schlecht\nvon den Unternehmern bezahlt und oft geradezu auf den\nErvverb, den wir sogleich schildern werden, angewiesen,\nwaren nicht vereidigt und schrieben die Partitur eben so\ngut für sich, wie für den Impresario ab. Nach zwei Jah-\nren verkauften sie ihre Partituren nicht nur an Theater-\nDirectionen, sondern sogar an Verleger, denn nach dieser\nZeit durfte Jeder das Werk in Abschrift oder gedruckt\nverkaufen. Aber auch schon während der festgesetzten\nzwei Jahre trieben die Copisten mit den Abschriften ein-\nzelner Nummern einen gewinnreichen Handel, der ihnen\nnur dadurch geschmälert wurde, dass die Abnehmer wie-\nderum Abschriften vervielfältigten.\nSo war also der Preis, den der erste Impresario dem\nComponisten zahlte, der einzige Lohn seines Talentes und\nseiner Arbeit. Da es nun in der Regel vier Saisons gab\nnämlich 1. die Carnevals-S'aison vom 26. December\nbis zum Fastnachts-Dinstag; 2. die Fasten-Saison, welche\nmit Aschermittwoch beginnt, aber nicht in allen Städten\ngehalten wird; 3. die Frühlings- (vom 10. April und 4.\ndie Herbst-Saison, vom 15. August an —, so schrieb Ros-\nsini im Jahre drei, vier, ja, sechs Opern, um sein Haus-\nwesen, wenn auch immerhin noch spärlich genug, zu be-\nstreiten, während alle Theater in Italien schweres Geld\nmit seinen Werken verdienten und Ricordi in Mailand, der\nsie druckte, ein grosses Vermögen erwarb.\nRossini hatte nur eine sehr kurze Frist für die Erfül-\nlung des mitgetheilten Contractes. Die erste Vorstellung\nwar auf den 5. Februar gesetzt, den ersten Act musstc\ner am 20., den zweiten am 24. Januar liefern, da der\nitaliänische Theatergebrauch den Sängern einer\nbujfa wenigstens zwölf Tage zum Studiren und Probiren\nzuerkennt. Zwölf Tage! Und die Meyerbcer'schen Opern\nin Paris! Sonach blieben dem Maestro, der erst am 29.\n\n*) Rossini bat sich in Paris geäussert, dass bei dieser Zahl\nwahrscheinlich ein Druckfehler obwalte; so viel er sich erinnere,\nhabe er nur 300 Scudi bekommen."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "206", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640625-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4174, "texte": "December frei war, da ihm die Direction der drei ersten\nVorstellungen von Torwaldo und Dorliska den 27;\nund 28. wegnahm, nur zwei u ndz wa nzig Tage zur\nComposition des ersten und des grössten Theils vom zwei-\nten Acte, da er für diesen nur noch vier Tage übrig be-\nhielt! Im Ganzen schrieb er also den „Barbier\" in sechs-\nundzwanzig Tagen.\nWir haben gesehen, dass er das Libretto, gleichviel\nob ein altes oder neues, aus der Hand des Directors an-\nnehmen musste. Dabei kam aber die geistliche Censur in\nBetracht, und der Impresario hatte das Unglück, dass meh-\nrere seiner eingereichten Libretti verworfen wurden. Die\nZeit drängte. Zufällig warf der Signor Cesarini in einem\nGespräche mit den Censoren den Namen des „Barbiers\nvon Sevilla\" hin, und die gestrengen Herren, die wahr-\nscheinlich diese berühmte Komödie von Beaumarchais\n(1775) für moralisch ganz unschädlich hielten, willigten ein.\nJetzt halte man also einen OpernstolF. Allein nun gab\nes ein anderes Bedenken! Der berühmte Paesiello hatte\ndenselben Stod schon componirt, und Bossini scheute den\nVorwurf der Impietät gegen einen solchen Meister, wenn\ner es wagte, eine neue Musik auf denselben Text zu schrei-\nben. Auch war die Partei der älteren italiänischen Schule\nnoch sehr stark in Rom vertreten, und die Neuerungen\ndes jungen Maestro halten wenigstens eben so viele Gegner,\nals Anhänger. Bossini erwog das alles aber Cesarini\nhatte seine Unterschrift, und er halte keine Stunde zu ver-\nlieren: er ging an die Arbeit.\nMan hat erzählt, Bossini habe nach Neapel an Paesiello\nüber die Sache geschrieben und ihn gebeten, den gebie-\nterischen Umständen der Lage Bechnung zu tragen; Pae-\nsiello habe politisch geantwortet, dass er sich durch eine\nneue Composition keineswegs beleidigt fühle. Andere\nBiographen läugnen die ganze Sache und behaupten, dass\nnur in der Vorrede zum Textbuche das Verhältniss zu\nPaesiello erwähnt worden sei.\nIndess musste die Romödie Beaumarchais' doch erst\nwieder in ilaliänische Verse gebracht werden, denn Pae-\nsiello's Buch schlechtweg wieder in Musik zu setzen, wäre\ndoch zu arg gewesen. Ein Herr Sterbini, Schatzsecretär\nund poetischer Dilettant, wurde vom Impresario mit dieser\nArbeit beauftragt. Bossini schloss mit ihm den Accord,\ndass Sterbini sich bei ihm einquartieren und ohne Unter-\nbrechung das Buch fertig schaiFen solle.\nNun machten sich die beiden Kunstgenossen daran,\nbeide zusammen in dem Zimmer, das Rossini angewiesen\nworden war. Der Dichter vermochte kaum mit dem Mu-\nsiker gleichen Schritt zu hallen, allein Rossini verstand\nglücklicher Weise Französisch und hatte das Stück von\nBeaumarchais nicht nur gelesen, sondern auch bei der\nArbeit vor sich liegen, um den Zuschnitt, den man für die\nOper gemacht hatte, darin zu verfolgen und die Situatio-\nnen immer gegenwärtig zu haben. So arbeitete er oft dem\nDichter vor und passte dann dessen Verse seinen Melo-\ndieen an. Auf der anderen Seite hatte er auch Paesiello's\nPartitur neben sich, um sich vor der Bevorzugung dieser\noder jener Scene zu musicalischer Entwicklung zu hüten,\nwenn sein Vorgänger dieselbe Scene bereits dazu benutzt\nhatte, überhaupt um so viel als möglich die zu häufigen\nVergleichungspunkte zu meiden. So gut, wie dieses Mal,\nwo er wenigstens das Ganze und den Geist des Stückes\nkannte, hat es Bossini nicht immer gehabt; manchmal hat\ner die ersten Nummern einer Oper geschrieben, ohne den\nText oder auch nur das Scenarium des Ganzen vor sich\nzu haben.\nNeben dem Arbeitszimmer der Autoren war die\nWerkstube der Copisten, die sich Rossini's Blätter noch\nnass herüberholten. Dann kamen auch öfters die Sänger\nmit ihren Wünschen und Bitten um glänzende Passagen,\nund alltäglich der Director, um zu sehen, wie weit man\ngekommen. Trotzdem war die Oper binnen dreizehn Ta-\ngen fertig! Es ging wie im Felde und vor dem Feinde zu:\nman ass, wenn man Zeit hatte, und warf sich aufs Sopha,\nwenn man dem Schlafe nicht mehr widerstehen konnte.\nJa, Rossini hat noch vor Rurzem in Paris erzählt (Azevedo\na. a. 0.), dass er sich während dieser dreizehn Tage nicht\nhabe rasiren lassen. „Hätte ich mich rasiren lassen, so\nwäre ich auch ausgegangen und dann zu spät wieder nach\nHause gekommen.\"\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-06-25-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-06-25_01#c004", "volume": "bmtnabi_1864-06-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "206", "page_fin": "207", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640625-01.2.4", "titre_corps": "Deutsche Musik in Italien.", "titre_sommaire": "Deutsche Musik in Italien.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "206", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640625-01.1.6", "debut_caractere": 4176, "fin_caractere_exclue": 5056, "texte": "Deutsche Musik in Italien.\nEs soll hier nicht von deutscher Opernmusik in Ita-\nlien, auch nicht von italiänischen Opern, die von Deut-\nschen componirt sind, die Rede sein, sondern von der\ndeutschen Instrumental-Musik, und noch dazu ihrer ernste-\nsten Gattung: der Rammermusik.\nWir haben schon früher in diesen Blättern darauf\naufmerksam gemacht, dass bei dem vorherrschenden Sinne\nder Italiäner für Gesang und dem vorzugsweise verbreite-\nten Geschmacke für populäre Melodie es als ein merk-\nwürdiges Zeichen der neueren Zeit zu betrachten ist, dass\ndie Rammermusik sich Bahn zu brechen beginnt in einem\nLande, das zwar Violinisten wie Corelli, Tartini, Paganini,\nund auch einige bedeutende Pianisten erzeugt, allein die\nVioline und das Pianoforte bisher nur als Solo-Instrument\nund deren hervorragende Meister nur als Virtuosen in ihrer\nEinzelleistung gewürdigt und bewundert hat."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "207", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640625-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2528, "texte": "Das vorzüglichste Verdienst darum hat der „Quar-\ntett-Verein\" in Florenz. Dieser Verein besteht seit\ndrei Jahren und hat es inmitten von Abneigungen und\nVorurtheilen und von Anfeindungen der musicalischen\nItalianissimi, die sich sogar mit den politischen verbanden\nund zum Theil aus diesen hervorgegangen waren, durch\nAusdauer und Hingebung an die Kunst auf einen solchen\nHöhepunkt gebracht, dass seine Sitzungen zahlreiche Theil-\nnahme und die grösste Anerkennung finden. Ueber die\nletzte Versammlung gehen uns folgende Nachrichten aus\nFlorenz zu.\nAm 26. Mai ist das dritte Jahr der Quartett-Gesell-\nschaft auf charakteristische Weise durch ein „Mendels-\nsohn-Fest\" beschlossen worden, welches mit wahrer\nBegeisterung aufgenommen worden ist. Dennoch war es\nnicht etwa ein Oratorium des Meisters oder eine Sinfonie,\nwelche diesen Erfolg erhielt, sondern der Vortrag von\nKammermusik, für deren Verbreitung der genannte Verein\nschon so viel gethan hat.\nDas Fest-Programm bestand nur aus solchen Com-\npositionen, welche in den bisherigen Morgen-Concerten\ndie grösste Wirkung gemacht hallen. Es waren das Gei-\ngen-Quintelt in B-dur,das Clavier-Quartett in\nF-moll und das Ottetto für Saiten-Instrumente. Die\nAusführung war bewundernswert!). Der junge Violinist\nPapini (et ist erst 18 Jahre alt) hat die Zuhörer in Er-\nstaunen gesetzt und bereits alle Violinspieler in Florenz\nverdunkelt. Der Violoncellist Jandelli, der zweite Violinist\nSasso, die Bratschisten Chiöstri und Mattolini haben sich\nebenfalls mit Ehre bedeckt. „Was soll man vollends von\nder Ausführung des Octetts sagen?\" schreibt die mu-\nsicalische Zeitung II Boccherini (Redacteur Basevi), welche\nuns vorliegt. „Diese kolossale Composilion ist wunderbar\nherrlich durch die acht trefflichen Künstler vorgetragen\nworden. Alle Sätze des Meisterwerkes wurden mit der ge-\nwissenhaftesten Treue echter Künstler wiedergegeben, und\ndie rauschenden Beifallsbezeigungen, die sie hervorriefen,\nwaren einstimmig. Diese Sitzung wird lange in der Erin-\nnerung aller, die daran Theil genommen, bleiben. Wie\nwünschenswerth wäre es, wenn die Künstler von Fach\nund die Lehrer und Schüler der Tonkunst sich nicht län-\nger der Ueberzeugung verschliessen wollten, dass solche\nMusik zu hören kein Zeitverlust ist, und dass es weit mehr\nWerth und Nutzen hat, solche Schönheiten musicalischer\nWerke kennen und schätzen zu lernen und seinen Ge-\nschmack danach zu bilden, als seine Mussestunden mit\ndem Componiren von Romanzen, Polka's und anderen\nMusikstücken ephemeren Daseins zu verbringen.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-06-25-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-06-25_01#c005", "volume": "bmtnabi_1864-06-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "207", "page_fin": "207", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640625-01.2.5", "titre_corps": "Aus München.", "titre_sommaire": "Aus München.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "207", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640625-01.1.7", "debut_caractere": 2530, "fin_caractere_exclue": 4482, "texte": "Aus München.\nDie Programme der unter der Leitung Lachner's\nstellenden Concerte der musicalischen Akademie\nin der diesjährigen Saison, die, durch den lod des Königs\nunterbrochen, erst am 13. Mai schloss, waren folgende:\nErstes Concert. vl-c2wr-Sinfonievon Beethoven; So-\npran-Arie mit obligater (Klarinette aus Spohr's „Kaust\";\nViolin-Concert von Lal'ont; zwei Vocal-Quartette von Men-\ndelssohn; Taubert's Ouvertüre zu „Tausend und eine\nNacht\". Zweites Concert. Suite in E-moll (Nr. 2\nvon Iranz Lachner; Arie von Rossini; Concert von\nHummel; zwei Lieder von Franz Schubert und Esser;\nMendelssohn's Ouvertüre zu „Athalia\". Drittes Con-\ncert. Eine Sinfonie in Cdurvon J. Haydn; Duett aus\nSpohr's „Jessonda\"; Symphonie für Violine\nund Viola von Mozart; drei Lieder (eines von Franz Lach-\nner und zwei von Schumann); Violoncell-Concert von Lint-\nner; Ouvertüre zu den „Abenceragen\" von Cherubini.—\nViertes Concert. Mozart's yl-e?wr-Sinfonie; zwei Ter-\nzette für Frauenstimmen von Franz Lachner; Romanze\nliir die Violine (Op. 40) von Beethoven; „Columbus\",\nSinfonie von J. J. Abert. Fünftes Concert. Beetho-\nven's Pastoral-Sinfonie; der 63. Psalm von Franz Lachner;\nSuite für Streich-Orchester von J. S. Bach; zwei Duette\nfür Frauenstimmen von Weber; „Meeresstille und glück-\nliche Fahrt\" von Mendelssohn.\nEs kamen sonach 31 (Kompositionen von 18 Compo-\nnisten zur Aufführung; hiervon treffen 5 auf Franz Lach-\nner, 4 auf Mendelssohn, 3 auf Beethoven, je 2 auf Mozart,\nSchumann und Spohr, und je 1 auf die übrigen, worunter\nBach, Cherubini, J. Haydn und Franz Schubert. Neu wa-\nren Abert's Sinfonie, Taubert's Ouvertüre und Franz Lach-\nner's Psalm und zweite Suite; letztere, obwohl schon vor\neinem Jahre gegeben, desshalb, weil der Componist den\nursprünglichen ersten Satz (ein ausgearbeitetes Präludium\ncassirt hat und an dessen Stelle eine lebendige, brillant in-\nstrumentirte Fuge setzte. Lachner's Suite und Abert's Sin-\nfonie erhielten grossen Beifall."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-06-25-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-06-25_01#c006", "volume": "bmtnabi_1864-06-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "207", "page_fin": "208", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640625-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "207", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640625-01.1.7", "debut_caractere": 4484, "fin_caractere_exclue": 5132, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nWoli», 24. Juni. Die Gesellschaft von der kaiserlichen ita-\nlienischen Oper in Paris hat ihr Gastspiel durch die Auft'üh-\nrungen von Verdi's Trovatoreund Donizctti'9\nmermoor fortgesetzt und durch beide Vorstellungen in hohem Grade\nbefriedigt. Im Trovatoreu traten Frau Demeric-Lablache und\nHerr Sterbini (Bariton) zum ersten Male hier auf. Frau Lablache\nführte die Rolle der Azucena in Gesang und Spiel meisterhaft durch:\nihre schöne, in allen Tonregionen wohllautende, nirgends scharfe\nStimme hat besonders in den Mitteltönen einen höchst angenehmen\nKlang, während die Höhe leicht anspricht, und vor allen Dingen zu"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "208", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640625-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5182, "texte": "loben ist, dass Madame Lablache niemals die schönen Brusttöne\ndurch jene widerliche offene Breite entstellt, die andere, auch sehr\nberühmte Altistinnen jetzt so häufig als ganz verkehrtes Effectmittel\nanwenden. Ueberhaupt müssen wir von ihr, wie von Fräulein Vi-\ntali, im Ganzen von allen Künstlern dieser Gesellschaft rühmen,\ndass sie Maass zu halten wissen und das schöne Bild eines edeln\ndramatischen Vortrages niemals durch Uebertreibungen zur Carica-\ntur machen. Wenn der Tenor Baragli auch nicht ,mehr die frühere\nKraft und Frische seiner Stimme besitzt, die in Paris und Madrid\nund in Deutschland auch vor einigen Jahren in Hamburg ihm die\ngrössten Triumphe erwarb, so ist er doch noch immer ein vorzüg-\nlicher Sänger und Schauspieler. Herrn Sterbini's mächtige und\ndabei stets wohllautende Baritonstimme kennzeichnete sich gleich in\nder Partie des Conte Luna, offenbarte aber ihren vollen Glanz haupt-\nsächlich in der Rolle des Asthon in der „Lucia\". Ueberhaupt war\ndie ganze Vorstellung der „Lucia\" am Donnerstag eine nahezu\nvollendete zu nennen: namentlich war die Auffassung und Leitung\ndes berühmten Sextetts durch den Capellmeister Orsini und die\nAusführung durch die Darsteller, wobei Fräulein Vitali eine Kraft\nund einen dramatischen Ausdruck der Stimme entwickelte, die man\nnach ihren bisherigen, meist graziösen und durch technische Eleganz\nbezaubernden Leistungen in so hohem Grade kaum von ihr erwartet\nhatte, eine vortreffliche, so dass die Wiederholung des prächtigen\nGesangstückes unter rauschendem Applaus verlangt wurde. Auch\nerwähnen wir gern, dass Herr Schüller vom hiesigen Stadttheater\ndie zweite Tenor-Partie (den Bräutigam der Lucia) italiänisch sang\nund durch seine frische Stimme zum Eriolg des Ganzen lobenswerth\nbeitrug. Nächsten Sonntag wird der „ Trovatore\" wiederholt, am\nMittwoch den 29. d. Mts kommen „Die Puritaner\" zur Aufführung.\nWiesbaden? 18. Juni. Gestern führte der Singverein unter\nder Direction des Herrn Capellmeisters Hagen das Oratorium Saul\nvon Ferdinand Hiller zum zweiten Male hier auf, und das treff-\nliche Werk erregte wieder dieselbe enthusiastische Theilnahme, wie\nbei der ersten Aufführung. Die diesmalige konnte in jeder Hinsicht\nals gelungen gelten. Der Chor sang mit Liebe und Wärme, wie das\nbei der Verehrung, die sich das Werk gewonnen, nicht anders sein\nkann. Die Solisten Herr Bertram (Saul), Frau Bertram (Michal),\nHerr Borchers (David), Herr Klein (Samuel), Fräulein Schaun (Hexe\nvon Endor) leisteten sehr Gutes, und man hörte ihrem Vortrage\ndeutlich an, dass sie ihre Partieen gern sangen; besonders machte\nHerr Borchers tiefen Eindruck. Das Orchester that seine Schuldig-\nkeit, und so konnte es nicht fehlen, dass die Zuhörerschaft mit an-\nhaltender Spannung der Aufführung folgte und ihre grosse Befrie-\ndigung laut bekundete.\nProfessor Moscheies in Leipzig hat am 30. Mai seinen 70.\nGeburtstag in voller Rüstigkeit des Geistes und Körpers gefeiert,\nTyrol hat Ende Mai d. J. seinen bedeutendsten Tonkünstler und\nseinen besten lyrischen Dichter durch den Tod verloren. Am 28.\nMai starb zu Graz Joseph Netzer und am 30. Mai zu Linz\nHermann v. Gilm. Netzer war 1808 im Oberinnthale zu Zams,\nwo sein Vater Schullehrer war, geboren und in Wien durch Sechter\nin der Musik vorgebildet worden. Dann ging er nach Leipzig und\nsiedelte später nach Graz über, wo er Dirigent der Liedertafel wurde.\nEr hat viele Lieder und auch vier Opern componirt. In Leipzig\nwar er früher eine Zeit lang Theater-Capellmeister und Dirigent\nder Euterpe-Concerte. Von seinen Opern hat „Maraa den meisten\nBeifall gefunden. Hermann v. Gilm, geb. 1813 zu Rankweil in\nVorarlberg, studirte Jura* ward Beamter und fungirte zuletzt als\nStatthalterei-Seeretär in Linz. Er hat sehr viele Lieder gesungen,\naber immer nur als Flugblätter ausgegeben. S?3 ZU sammeln, ist\nihm nie eingefallen. Es g3niigte ihm, dass sie in Tyrol allgemein\nbekannt waren.\nDer Tenorist Walter vom Hof-Operntheater in Wien, welcher\nmit so ausserordentlichem Erfolge in Frankfurt a. M. gastirte, hat\ndas Honorar seiner letzten Gastrolle im Betrage von 437 Fl. der\ndortigen Mozart-Stiftung überwiesen und sich dadurch als Mensch\nund Künstler neuerdings ein glänzendes Zeugniss ausgestellt.\n11 ieii* Dass Fräulein Art6t für die nächste „Italiänische\"\ngewonnen wurde, ist selbstverständlich, denn sie war ja doch die\neinzige, die „gezogen\" hat. Man wollte Fräulein Artöt auch für die\n„Deutsche\" gewinnen, sie mochte sich aber nicht einsperren lassen\nin den Bauer eines Contractes; dieses Vögel eben liebt die Freiheit\naes — Gastirens, das mehr einbringt. Vielleicht hat man nicht ge-\nnug geboten? Man behauptet, es seien dieser Nachtigall Angebote\ngemacht worden, welche die „Wachtel-Gage\" noch überbieten. Aus\neinem mehrjährigen Contracte ist aber doch nichts geworden; dage-\ngen, hiess es, werde Fräulein Art6t so gefällig sein, im kommen-\nden Herbste einige französische Opern zur authentischen Auf-\nührung bringen zu helfen, obgleich Bestimmtes bisher darüber nicht\nverlautet.\nCapellmeister Eichard Genee in Prag hat vom Grossherzog\nvon Mecklenburg gelegentlich der Aufführung seiner Oper Rosita\"\nin Schwerin die goldene Medaille für Kunst j.nd Wissenschaft\nerhalten. . * : v"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "201", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640625-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nZur Geschichte des Concertwesens in Wien. Von Dr. Eduard Hanslick. 11. Aus Rossini's Leben. Ein Beitrag zu den\nTheater-Verhältnissen in Italien und zur Geschichte des „Barbiers von Sevilla\". Deutsche Musik in Italien. Aus München (Con-\ncert-Programme der abgelaufenen Saison). Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Fortsetzung des Gastspiels der italienischen\nOpern-Gesellschaft Wiesbaden, Aufführung von F. Hiller's „Saul\" Aus Tyrol, Todesfälle Wien, Fräulein Artot).\n\nZur Geschichte des Concertwesens in Wien.\nVon Dr. Eduard Hanslick.\nII.\n(S. Nr. 25.)\nIn den Verzeichnissen der Oratorien, welche die Pen-\nsions-Gesellschaft österreichischer Tonkünstler seit ihrer\nGründung im December 1772 durch den hochverdienten\nHof-Capellmeister Gassmann im Burgtheater im Advent\nund in der Charwoche veranstaltete, finden wir auch\nOpern, die ganz oder theilweise als Concertc gegeben\nwurden, z. B . Ifigenia in Taurvon Traetta, Scenen\naus Fedravon Paesiello, von\nMozart, Castor und Pollux vom Abt Vogler (1803),\nTamerlan von Winter (1805) u. s. w.— Eben so welt-\nliche Cantaten, z. B. Hercules am Scheidewege von Hasse,\nVenus und Adonis von Weigl, „Der Retter in Gelahr\"\nvon Süssmayer u. s. w. Von Händel kommt zuerst\n1779 Judas Maccabäus als „geistliches Singspiel\" vor,\n1806 wiederholt, und dann von 1820 an Samson u. s. w.\nnach Mosel's, doch schon 1806 der Messias nach Mozart's\nBearbeitung. Auch Passionen kommen vor von Sa-\nlieri, Starzer und Weigl.\nNächstdem war die „Gesellschaft der Musik-\nfreunde\" der wichtigste und bis jetzt noch wirksamste\nVerein, der aus dem Dilettantismus hervorging. (Siehe in\nHanslick's Aufsatze die Geschichte ihrer Gründung und\ndie Programme ihrer Musikfeste und regelmässigen Gesell-\nschafts-Concerte von 1812 an.)\nNeben dieser Gesellschaft kam das Institut der\ncerts spirituels auf. Mosel sagt über die Gründung die-\nser Concerte in der wiener Allgem. Musical. Zeitung (vom\n5. April 1820): „Jedermann, der die Tonkunst wahrhaft\nehrt, hat mit tiefem Kummer gesehen, welche Wendung\nhier in den letztverflossenen Jahren das Musikwesen ge-\nnommen hat.\" Es folgen nun Klagen, „dass musicalische\nTaschenspielereien an die Stelle gefühlvollen Vortrages\ngetreten, die Symphonieen von Mozart, Haydn, Beethoven\nallenthalben verschwunden sind\" u. s. w. „Da macht Herr\nGebauer den Vorschlag, eine eigene Gesellschaft von\nmassiger Zahl zu bilden, die mit Ausschliessung al-\nler Concertmusik und alles Bravourgesanges\nbloss Symphonieen und Chöre zur Aufführung\nbringe.\"\nMan sieht, die Spirituel-Concerte hatten sich eine viel\nstrengere Kegel vorgeschrieben, als die Gesellschafts-Con-\ncerle. Alle vierzehn Tage fand ein solches Spirituel-Con-\ncert Statt (an Freitagen von 4 6 Uhr), Anfangs im\nSaale zur „Mehlgrube\" dem Speisesaale des jetzigen\n„Hotel Munsch\". Mosel nennt ihn „zu einem Tempel\nPolyhymnia's in mancher Beziehung nicht ganz angemes-\nsen, aber von trefflichem akustischem Bau\". Im Jahre\n1821 (Wiener Musik-Zeitung Nr. 89) schreibt Kanne\nüber denselben Verein: „In Wien, wo die Concerts de\nmelangeso sehr gebräuchlich sind, ereignet es sich selten,\ndass man das schönste Werk der reinen Musik, die Svm-\n%)\nphonie, ordentlich zu hören bekommt. Denn entweder\nwerden wir damit nach Art der Köche servirt, welche von\nwilden Schweinen auch nur den Kopf auf die Talel setzen,\noder man servirt sie wie das beste Stück vom Biber und\ngibt noch am Schlüsse das letzte Allegro Preis, um das\nGescharre der Weggehenden einiger Maassen mit Musik\nzu begleiten. Um so mehr muss man sich freuen, wenn\nnun ein redlich gesinnter Musiker wirklich ganze Sym-\nphonieen aufführt.\" Dieses freudenvolle Aufheben, was\ndavon gemacht wurde, ganze Symphonieen aufgeführt zu\nhören, ist charakteristisch. In dieser Bichtung haben die\nSpirituel-Concerte segensreich gewirkt. Ihr sterblicher\nPunkt lag in der Mangelhaftigkeit der Aufführungen. Nach\ndem ursprünglichen Plane sollte nämlich alles a vista,\nohne vorhergegangene Probe executirt werden. Nur be-\nsonders schwierige Werke nahm man ganz oder theilweise"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "202", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640625-01.1.2", "texte": "vor dem Concerte einmal probeweise vor. Dieser Urzu-\nstand genügte vollkommen, so lange die Ausführenden\nvollständig „unter sich\" waren; in dem Maasse, als der\nRuf von diesen Concerten sich verbreitete, mehr Zuhörer\nzuströmten, endlich auch von den Tonseizern immer grös-\nsere Anforderungen an die Quantität und Qualität der\nSpieler gestellt wurden, mussle die Stellung der „proben-\nlosen\" Concerts spirituek schwieriger werden, und mussten\ndiese allmählich ganz in die llände von Fach-Musikern\ngerathen.\nEs fanden Anfangs im Laufe jedes Winters in der\nKegel achtzehn solcher Concerte Statt.\nWir geben als Probe das vollständige Programm des\nersten Jahrgangs 1820.\n1. Haydn, i?s-Symphonie; drei Sätze aus Cherubini's\nMesse {Kyrie, Gloria, Credo). 2. Mozart, /^-Symphonie;\nSanctus, Benedictas, Agnus aus derselben Messe von Che-\nrubini. .3. Beethoven, I. Symphonie; von Jo-\nmelli; Liberavon Martini. 4. Symphonie von Krommer;\nMesse von Seyfried. 5. Haydn, Hummel,\nEs-Messe. 6. 6\"-Symphoiiie, zwei lateinische nnd eine deut-\nsche Hymne von Mozart. 7. Beethoven, 11. Symphonie;\nPastoral-Messe und Motette von Abbe Vogler. 8. Sym-\nphonie von Fried. Schneider in Leipzig; Psalm von Hän-\ndel; Psalm von Stadler. 9. Ö-Symphonie, Z?-Messe und\nChor von Haydn. 10. Z?-Symphonie, Cantate und Motette\nvon Mozart; Chor von Preindl; Psalm von Stadler. 11.\nHI. Symphonie von Beethoven; Messe von Chor\nvon Preindl. 12. Symphonie von Spohr; „Sieben Worte\"\nvon Haydn. 13. von Haydn; Messe von\nFr. Schneider; zwei Sätze aus P. Winter's 14.\nMozart, und Misericordias; Cantate von\nHändel. 15. Beethoven, IV. Symphonie und „Meeresstille\";\nRequiem von Drechsler. 10. Symphonie von Fesca; Kyrie\nvon Horzalka; Chöre von Händel, Salieri und Mosel. 17.\nSymphonie von Romberg; erste Messe von Beethoven. 18.\nBeelhoven's Pastoral-Symphonie und „Meeresstille\"; geist-\nliche Chöre von Mozart, Salieri, Stadler und Mosel.\nDiese Concerte fanden rasch lebhaften Anklang; bei\nder Besprechung des letzten dieser 18 Spirituel-Concerte\n(19. Mai 1820, um 4 Uhr) klagt die Musik-Zeitung über\n„ein fast zu zahlreiches Publicum und drückende Hitze\".\nNur noch die folgende Saison (April bis Juni 1821) blie-\nben diese Concerte in der „Mehlgrube\"; mit 25. October\n1821 finden wir sie, abermals von 4 bis 0 Uhr, im land-\nständischen Saale in der Herrengasse wieder. Dieser schöne\nSaal mit seinem stattlichen Aufgange von zwei Treppen\nwar etwas grösser als der jetzige Musikvereins-Saal und\ngut akustisch. Er hatte nur den Uebelstand, dass er sich\nnicht heizen liess (Musik-Zeitung 1823, Nr. 7). Die Pro-\nGramme der Coneeris spirituels blieben dem Charakter\ndes oben abgedruckten der ersten Saison in den ersten\nJahren vollständig getreu. Jedes Concert bestand aus 2\nbis 4, höchstens 5 Stücken; den Anfang bildete stets eine\nSymphonie, dann folgten geistliche Chöre, am liebsten\nTheile von Messen. Sebastian Bach fehlt gänzlich bis zum\nJahre 1839, wo wir eine „Litanei\" dieses Meisters und\neines seiner Violin-Concerte als vereinzelte Erscheinungen\nauftauchen sehen. Im Jahre 1843 endlich spielte Fischhof\nein Bach'sches Clavier-Concert. Von Emanuel Bach finden\nwir einmal (1827) einen Chor: „Leite mich nach Deinen\nWegen\". Im Fache der Symphonieen sind Haydn, Mozart\nund der frühere Beethoven vorherrschend. In dem Pro-\ngramm vom 19. April 1827 nimmt sich fast verwunder-\nlich aus: „Erster Satz aus weiland Beethoven's 9.\nSymphonie. Auf Verlangen.\" Hier wurden die Unter-\nnehmer also doch einmal ihrem Integritäts-Princip untreu.\nVon geistlichen Werken sind am häufigsten aufgeführt:\nChöre und Oratorien-Fragmente von Händel („mit ver-\nmehrter Begleitung von Herrn v. Mosel\")*); Haydn's\nWorte\" und vor Allem Cherubini's Messen, ganz oder\nstückweise. Der Cherubini-Cultus in Wien war auf allen\nmusicalischen Gebieten in den zwanziger und dreissiger\nJahren überaus lebhaft; in den Spirituel-Concerten (die\ndoch nur immer wenige Nummern brachten) finden wir\nin den Jahren 1825—29 Cherubini mit 9 Stücken vertre-\nten (worunter ganze Messen); in den Jahren 1830 —4O\nerscheint Cherubini 22 Mal (16 geistliche Compositionen\nund 6 symphonische Ouvertüren und Symphonieen), in den\nJahren 1840 —46 13 Mal, worunter 7 Mal mit reinen\nOrchesterwerken. Mendelssohn um ein wenig vorzu-\ngreifen erschien in den Spirituel-Concerten sehr spät\nund spärlich; keine seiner Ouvertüren, keiner seiner Psal-\nmen kam zur Aufführung; keine Wiederholung seiner\n„Symphonie\".\nIn dem Programm der zwanziger Jahre finden wir\nneben den classischen Autoren häufig die Namen Mosel,\nKrommer, Seyfried, Eybler, auch Halm, Gebauer, Sechler,\nHorzalka, Kanne, Lannoy u. s. w., also auch hier einen\nsehr merklichen Einlluss des Local-Patriotismus und der\npersönlichen Beziehungen. Als historisch-denkwürdig\nerscheinen uns die Concerte vom 17. März 1825 („Ouver-\ntüre in C-dur von Herrn v. Beethoven, Manuscript\"), vom\n5. März 1829 („Neue Hymne von Franz Schubert, eigens\nfür diese Concerte componirt\"), vom 12. März 1829\n(„Symphonie von Fr. Schubert\"). Von 1830 an werden\ndie Programme etwas lebendiger; einzelne Instrumental-\n\n*) Am 18. und 25. Februar 1834 finden wir (bei zwei Stücken\naus Handers „Saul\") zum ersten Male den Beisatz: „Nach der\n0 rigin al-P ar t i tur\"."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "203", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640625-01.1.3", "texte": "Concerte finden Eingang, so z. B. am 1. April 1850 Beet-\nhoven's Clavier-Concert in G; am 24. Februar 1831 des-\nsen Violin-Concert. (Die Programme verschweigen bisher\nsystematisch die Namen der Ausführenden.) Am 17. März\nspielte Thal berg (das Programm entsohliesst sich, ihn zu\nnennen) Beethoven's C-moll-Conceri. Im Jahre 1832 lin-\nden wir zum ersten Male ein Duett (aus König Stephan\nvon Beethoven), eine Sopran-Arie und ein Opern-Finale\n(aus Cherubini's „Elisa\"). Man fühlte sich also gedrängt,\nvon der ursprünglichen Strenge abzuweichen; doch blieben\nein bis zwei Stücke aus Kirchen-Compositionen immer die\nRegel; Instrumental-Concerte erschienen nicht jedes Mal,\nsondern meist in jedem dritten oder vierten Concerte (1833\nspielte Bocklet das Weber'sche Concertstück, Vieux-\nlemps das Beethoven'sche Violin-Concert). Am 31. März\n1833 kam Beethoven's „Glorreicher Augenblick\" (Manu-\nscript, Eigenthum des Herrn Tobias Haslinger) zur Auf-\nführung; etwa von diesem Jahre an erscheint Beethoven\nin jedem Spirituel-Concerte mit einem Stücke vertreten.\nIlm dieselbe Zeit beginnen die Spirituel-Concerte etwas\nzugänglicher für Novitäten auswärtiger Componisten zu\nwerden; 1834 kommt S.pohr's „Weihe der Töne\" zur\nAufführung (Ludwig Löwe declamirt das erklärende\nGedicht von Pfeiffer);—1836 die Preis-Symphonie von\nF. La ebner und eine handschriftliche Ouvertüre von\nLindpaintner; 1838 eine neue Concert-Ouverture\nund eine neue, eigens für diese Concerte componirte Sym-\nphonie (C-dur) von Spohr. Zu der Zugkraft von Novitä-\nten gesellte sich zur selben Zeit die allmähliche Vorfüh-\nrung von Iremden Virtuosen; die Gränzen dilettantischer\nHäuslichkeit waren längst überschritten. 1839 spielte\nLiszt Beethoven's 67-?«o//-Concert und Mozart's Sohn ein\nClavier-Concert seines Vaters; 1840 Miss Rowena Laid-\nia w Weber's Concertstück; 1841 Evers Mendelssohn's\nG-moll-Concert.\nDiese Modernisirung der Spirituel-Concerte schien\nkeinen Anklang beim Publicum zu haben; die Zahl dieser\nConcerte war längst von ihrer ursprünglichen enormen\nHöhe (16 —18) auf vier gesunken; im Jahre 1834 lin-\nden wir die Annonce auf dem Programm des vierten Con-\ncertes, dass „auf mehrfaches Verlangen\" noch zwei Con-\ncerte Statt linden werden. Diese Vermehrung von vier auf\nsechs Spirituel-Concerte linden wir in den folgenden Jah-\nren fixirt.\nIm Jahre 1841 begegnen wir nicht ohne Ueberra-\nschung einem Kyrie von Pergolese, zum ersten Male\neinem älteren italiänischen Kirchen-Componisten in\nden Concerts spirituels.Die Hinneigung zur Havdn-Mo-\nzart'schen Schule in der kirchlichen Composition blieb aber\nnoch in späteren Jahren unverläugnet; noch in den vier-\nziger Jahren begegnen wir Kirchenstücken von Umlauft\nund Worzischek, Michael Haydn und Neukomm.\nDer Gründer der Spirituel-Concerte, F. X.Gebauer,\nleitete sie nicht lange, er starb schon am 13. December\n182*2; da auch sein zeitweiliger Substitut, Herr v. Pi*\nringer, erkrankt war, erlitten die Concerte 1823 eine\nUnterbrechung. Im Jahre 1824 wurden die Concerts spi-\nrituels durch die beiden Musikfreunde Herren Pi ringer\nund Geissler, und zwar „als blosse Privat-Unterhaltun-\ngen\" .wieder hergestellt; der landständische Saal blieb das\nLocal dafür; dennoch wurden nur vier Concerte in jeder\nSaison gegeben. Baron Lannoy hatte sich „als Director\ndem Herrn v. Piringer beigesellt\". Das erste dieser vier\nConcerte, 1824, brachte nur Compositionen von Haydn,\ndas zweite nur von Mozart, das drille nur von Beet-\nhoven, das vierte nur von diesen drei Meistern abwech-\nselnd. Die letzte Periode dieses Instituts, das am 23. April\n1848 (im Musikvereinssaale) seinen Abschied nahm\nwunderlicher Weise mit einem „Trauermarsch\" des un-\nglücklichen Dr. A. J. Becher —, werden wir später im\nZusammenhange mit den modernen Concert-Erscheinun-\ngen besprechen.\n\nAus Rossini’s Leben.\nEin Beitrag zu den Theater- Verhältnissen in Italien\nund zur Geschichte des „Barbiers von Sevilla“.\nNachdem Rossini's Name durch seinen Tancredi, zu-\nerst im Jahre 1813 in Venedig auf dem Theater Fenice\naufgeführt, Italien durchflogen hatte, der Componist selbst\naber immer noch unter den drückendsten Bedingungen\narbeiten musste und in beschrankten Verhältnissen lebte,\ntrat eines Tages das günstige Geschick unter der Gestalt\ndes neapolitanischen Theater-Unternehmers Barbaja in\nsein bescheidenes Zimmer zu Bologna, wo er bei seinen\nEltern, die dorthin gezogen waren, zum Besuche war.\nBarbaja, ehemals Kellner in einem Kaffeehause zu\nMailand, war durch Glück im Hazardspiel und durch\nTheater-Unternehmungen ein Millionär geworden. Rossini\nnahm alle Clausein seiner Anträge an und verliess Bologna\nnach dem misslungenen Versuche Murat's zur Wieder-\nerlangung seines Königreiches. In Neapel zahlte ihm Bar-\nbaja 200 Ducaten monatlich, wofür er jährlich zwei Opern\nschreiben und eine Menge von Arbeiten für Einstudirung\nund andere Dinge übernehmen musste. Rossini sagte\nübrigens späterhin: „Wenn Barbaja mir zur Bedingung\ngemacht hätte, auch seine Küche zu besorgen, ich hätte\ndoch angenommen!\" Uebrigens war Barbaja zugleich\nPächter der Spielbanken in Neapel und bewilligte der\n\n[1"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "204", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640625-01.1.4", "texte": "Sängerin Colbrand, mit der Rossini sich vermählte, und\nihm selbst einen Anlheil am Bankgewinn, der ihnen zu-\nsammen 1000 Ducaten jährlich einbrachte*). Wollte Hos-\nsini dem Rule anderer Unternehmer folgen, um für sie\nOpern zu schreiben, so musste er von Bärbaja Urlaub\nnehmen und sein Gehalt fiel dann für diese Zeit aus. Es\nwar in der Herbst-Saison von 1815, als „Elisabeüa\",\ndie erste Oper des Meisters in Neapel, ungeheuren Erfolg\nhatte. • .1 .\nBald nach der Aufführung ging Rossini nach Rom\nund führte dort im Teairo Valle seine Oper Torwalcio e\nDorlisca auf, welche jedoch trotz der guten Sänger haupt-\nsächlich durch die Schuld des Dichters keinen bedeutenden\nErfolg hatte. Bei Gelegenheit dieser Aufführung erlebte\nRossini eine Scene, die ihm nie aus der Erinnerung ge-\nkommen und die er oft erzählt hat.\nAls er nach Rom kam, liess er sich einen Barbier\nkommen und behielt ihn, weil er sehr gut rasirte und ein\nbescheidener, schweigsamer Mann war. Nach einigen Wo-\nchen, als die General-Proben zu der neuen Oper beginnen\nsollten, rasirte der junge Mensch den Maestro und blieb\nschweigend, wie gewöhnlich. Als er aber seine Arbeit\nvollbracht hatte, reichte er Rossini vortraulich die Hand\nund sagte: „Auf Wiedersehen!\" „Wie meinen Sie\ndas?\" sagte Rossini verwundert. „Ja, ja—sogleich, im\nTheater.\" „Im Theater?\" „Nun freilich; ich blase die\nerste Clarinette im Orchester.\"\nUnd in der That, fast alle Musiker des Theaters Valle\ntrieben neben der Musik, die sie con amore ausübten oder\ngegen geringe Bezahlung, ein Handwerk; namentlich war\nauch der erste Contrabassist ein berühmter Sattler, dem\nes denn im Orchester auch nicht darauf ankam, dass er\neinmal mitten in einer Arie ein Blatt aus der Ouvertüre\nabspielte, das da hineingerathen war, und dem Dirigenten,\nder ihn zur Ordnung rief, sehr barsch erwiderte: „Ich\nspiele, was da steht!\" —und ihm die Stimme hinhielt.\nRossini, der an der Spitze des Orchesters sehr hitzig war,\nsich nicht immer in sehr schmeichelhaften Redensarten\nausdrückte und keinen Instrumentalisten schonte, sagte\ndem ersten Klarinettisten niemals ein hartes Wort in der\nProbe; wenn dieser noch so falsch blies, er liess es durch-\ngehen, denn —er dachte daran, dass er sich diesen Mann,\ndem er alle Tage seine Kehle anvertraute, nicht zum\nFeinde machen dürfe. Am anderen Morgen, wenn er glatt\nrasirt war, zeigte er ihm mit der grössten Freundlichkeit,\nwas er in der Probe für Fehler gemacht habe, und so\nbrachte er es dahin, einen guten Clarinettisten und einen\nzuverlässigen Barbier an ihm zu haben.\nMittlerweile wurde ihm ein Contract vom Impresario\ndes Theaters Di Torre Argentinaebenfalls in Rom, an-\ngetragen, und Rossini nahm ihn an. Dieses Actenstück ist\nzu wichtig für die Beurtheilung der Theater-Zustände in\nItalien und der Lage der Opern-Componisten denselben\ngegenüber, als dass wir es den Lesern nicht vollständig\nmittheilen sollten; nur dadurch werden die nichts weniger\nals preiswürdigen, sondern unseren Begriffen nach uner-\nträglichen Verhältnisse, wie sie im Ganzen gegenwärtig\nnoch existiren, glaublich erscheinen. Der Vertrag lautet*):\n„Nobil Teatro di Torre Argentina.\n„Rom, den 26. December 1815.\n„Durch gegenwärtigen Privat-Act von rechtsgültiger\nKraft und nach den Bedingungen, über welche die Con-\ntrahirenden übereingekommen sind, ist festgesetzt worden,\nwas folgt:\n„SignorPuce Sforza Cesarini, Impresario des oben be-\nsagten Theaters, engagirt Herrn Maestro Gioacbino Ros-\nsini für die nächste Saison des Carnevals des Jahres 1816;\nbesagter Rossini verspricht und verpflichtet sich, das zweite\nkomische Schauspiel, welches in der genannten Saison und\nauf dem genannten Theater aufgeführt werden wird, zu\ncomponiren und in Scene zu setzen, und zwar nach dem\nTextbuche, welches ihm der Impresario geben\nwird, mag dieses Buch alt oder neu sein. Maestro\nRossini macht sich verbindlich, seine Partitur Mitte Ja-\nnuar abzuliefern und sie den Stimmen der San«er\nanzupassen, verpflichtet sich auch, im Nothfalle alle\nVeränderungen, die man sowohl für die Ausführung\nder Musik, als gemäss dem Gutfinden und den For-\nderungen der Herren Sänger für nöthig halten\nwird, damit vorzunehmen.\n„Der Maestro Rossini verspricht ferner und macht sich\nverbindlich, sich in Rom einzufinden, um seinem Engage-\nment zu entsprechen, und zwar nicht später als Ende De-\ncember des laufenden Jahres, .und dem Copisten den er-\nsten Act seiner Oper vollständig fertig den 20. Januar\n1816 zu übergeben; es wird der 20. Januar festgesetzt,\ndamit die Proben und die Ensembles schnell gehalten und\ngeordnet werden und die Oper an dem Tage, den der\nDirector bestimmt, unfehlbar in Scene gehen könne, in-\ndem die erste Vorstellung desshalb schon jetzt auf den 5.\nFebruar oder ungefähr angesetzt wird. Ferner muss der\nMaestro Rossini seinen zweiten Act ebenfalls zu der vom\n\n*) Nach den Quellen, die Alexis Azevedo in seinem Abriss\nvon Kossini's Leben im Menestrel benutzt hat und zu denen Rössi-\nngs eigene Mittheilungen gehören, ist die obige Zahlenangabe die\nrichtige, während Stendhal in seiner Biographie Kossini's nur\nvon 30—40 Louisd'ors spricht.\n*) Uebersetzt aus Escudier' s Vie de Eossini u. s. w., Paris,\n1854, S. 35 u. ff."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "205", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640625-01.1.5", "texte": "Director festzusetzenden Zeit dem Copisten über-\ngeben, damit man Zeit habe, die Proben zu verabreden\nund zu hallen, um im Stande zu sein, an dem oben ge-\nnannten Tage die Oper aufzuführen; im anderen Falle\nsetzt sich der Maestro Rossini dem Ersatz von allem\nSchaden aus, was so und nicht anders sein muss.\n„Ausserdem wird der Maestro Hossini verbunden sein,\nseine Oper, wie es der Brauch ist, zu dirigiren und al-\nlen Gesang- und Orchester-Proben, sowohl im Thealer\nals ausserhalb desselben, so oft es nöthig ist, nach dem\nWillen des Directors persönlich beizuwohnen;\ner verpachtet sich ferner, bei den drei ersten Vorstellun-\ngen, welche hinter einander Statt finden werden, zugegen\nzu sein und dabei am Ciavier zu dirigiren, was so und\nnicht anders sein muss.\n„Zur Entschädigung für seine Mühen (fatiche) erhält\nder Maestro Hossini vom Director Summe und Werth\nvon 400 römischen Scudi (etwa 570 preuss. Thlr.)\nunmittelbar nach den drei ersten Vorstellungs-Abenden,\nan welchen er am Ciavier dirigirt hat*).\n„Ausserdem versteht es sich von selbst, dass im Falle\neines Verbotes oder Schliessung des Theaters, sei es\ndurch die Behörde oder durch irgend einen un-\nvorhergesehenen Zufall, die in solchen Fällen bei\nden Theatern in Rom und überall im Lande üblichen Ge-\nwohnheiten gelten.\n„Als Bürgschaft für die vollständige Ausführung dieses\nVertrages wird derselbe von dem Impresario und auch von\ndem Maestro Gioachino Rossini unterzeichnet; überdies\nbewilligt der genannte Impresario dem Maestro Rossini\nwährend der Dauer des Vertrages freie Wohnung in\ndemselben Hause, welches dem Signor Zamboni ange-\nwiesen ist.\"\nCharakteristisch in diesem Vertrage der übrigens\nlür Italien damals gar nichts Auffallendes halte ist das\nWort fatiche.Bloss von „Anstrengungen\"; „Mühen\"\nder Mann hat sich geplagt, er muss auch etwas dafür\nhaben ist die Rede: Talent. Genie, alles, was sich auf\ndas eigentliche Schallen der Musik bezieht, ist nicht der\nErwähnung werth. Und diesem Contracte, der so recht\neigentlich den Pegasus ins Joch spannt, verdanken wir\nden Barbier von Sevilla!\nNun betrachte man ferner die fast noch lästigeren\nGebräuche in Bezug auf das Eigenthumsrecht des Com-\nponisten, wie sie während der Laufbahn Rossini s in Ita-\nlien galten, und man wird sehen, dass das Loos eines\n1 ondicblers in Italien nichts weniger als beneidenswerth\nwar und zum Theil noch ist.\nZu Rossini s Zeit behielt der Impresario, der eine\nOpern-Partilur bezahlt halte, zwei Jahre lang das aus-\nschliessliche Recht, sie aufzuführen; war diese Frist vor-\nüber, so konnte jedes Theater sie ohne weitere Förmlich-\nkeiten geben. Das einzige Recht, das dem Componisten\nauf sein Werk blieb, war die Zurückforderung seiner Ori-\nginal-Partitur nach Verlauf des ersten Jahres. Allein Ros-\nsini vernachlässigte im Strudel seiner Arbeiten sehr häufig,\ndieses Recht geltend zu machen, und so sind z. B. auch\ndie ursprüngliche Ouvertüre zum „Barbier\" und die voll-\nständig componirle Unterrichts-Scene zu Anfang des zwei-\nten Actes (wo die Sängerinnen jetzt andere Bavourstücke\neinlegen) verloren gegangen.\nMit den Abschriften wurde nun aber vollends der\ngrösste Missbrauch getrieben. Die Copisten, meist schlecht\nvon den Unternehmern bezahlt und oft geradezu auf den\nErvverb, den wir sogleich schildern werden, angewiesen,\nwaren nicht vereidigt und schrieben die Partitur eben so\ngut für sich, wie für den Impresario ab. Nach zwei Jah-\nren verkauften sie ihre Partituren nicht nur an Theater-\nDirectionen, sondern sogar an Verleger, denn nach dieser\nZeit durfte Jeder das Werk in Abschrift oder gedruckt\nverkaufen. Aber auch schon während der festgesetzten\nzwei Jahre trieben die Copisten mit den Abschriften ein-\nzelner Nummern einen gewinnreichen Handel, der ihnen\nnur dadurch geschmälert wurde, dass die Abnehmer wie-\nderum Abschriften vervielfältigten.\nSo war also der Preis, den der erste Impresario dem\nComponisten zahlte, der einzige Lohn seines Talentes und\nseiner Arbeit. Da es nun in der Regel vier Saisons gab\nnämlich 1. die Carnevals-S'aison vom 26. December\nbis zum Fastnachts-Dinstag; 2. die Fasten-Saison, welche\nmit Aschermittwoch beginnt, aber nicht in allen Städten\ngehalten wird; 3. die Frühlings- (vom 10. April und 4.\ndie Herbst-Saison, vom 15. August an —, so schrieb Ros-\nsini im Jahre drei, vier, ja, sechs Opern, um sein Haus-\nwesen, wenn auch immerhin noch spärlich genug, zu be-\nstreiten, während alle Theater in Italien schweres Geld\nmit seinen Werken verdienten und Ricordi in Mailand, der\nsie druckte, ein grosses Vermögen erwarb.\nRossini hatte nur eine sehr kurze Frist für die Erfül-\nlung des mitgetheilten Contractes. Die erste Vorstellung\nwar auf den 5. Februar gesetzt, den ersten Act musstc\ner am 20., den zweiten am 24. Januar liefern, da der\nitaliänische Theatergebrauch den Sängern einer\nbujfa wenigstens zwölf Tage zum Studiren und Probiren\nzuerkennt. Zwölf Tage! Und die Meyerbcer'schen Opern\nin Paris! Sonach blieben dem Maestro, der erst am 29.\n\n*) Rossini bat sich in Paris geäussert, dass bei dieser Zahl\nwahrscheinlich ein Druckfehler obwalte; so viel er sich erinnere,\nhabe er nur 300 Scudi bekommen."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "206", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640625-01.1.6", "texte": "December frei war, da ihm die Direction der drei ersten\nVorstellungen von Torwaldo und Dorliska den 27;\nund 28. wegnahm, nur zwei u ndz wa nzig Tage zur\nComposition des ersten und des grössten Theils vom zwei-\nten Acte, da er für diesen nur noch vier Tage übrig be-\nhielt! Im Ganzen schrieb er also den „Barbier\" in sechs-\nundzwanzig Tagen.\nWir haben gesehen, dass er das Libretto, gleichviel\nob ein altes oder neues, aus der Hand des Directors an-\nnehmen musste. Dabei kam aber die geistliche Censur in\nBetracht, und der Impresario hatte das Unglück, dass meh-\nrere seiner eingereichten Libretti verworfen wurden. Die\nZeit drängte. Zufällig warf der Signor Cesarini in einem\nGespräche mit den Censoren den Namen des „Barbiers\nvon Sevilla\" hin, und die gestrengen Herren, die wahr-\nscheinlich diese berühmte Komödie von Beaumarchais\n(1775) für moralisch ganz unschädlich hielten, willigten ein.\nJetzt halte man also einen OpernstolF. Allein nun gab\nes ein anderes Bedenken! Der berühmte Paesiello hatte\ndenselben Stod schon componirt, und Bossini scheute den\nVorwurf der Impietät gegen einen solchen Meister, wenn\ner es wagte, eine neue Musik auf denselben Text zu schrei-\nben. Auch war die Partei der älteren italiänischen Schule\nnoch sehr stark in Rom vertreten, und die Neuerungen\ndes jungen Maestro halten wenigstens eben so viele Gegner,\nals Anhänger. Bossini erwog das alles aber Cesarini\nhatte seine Unterschrift, und er halte keine Stunde zu ver-\nlieren: er ging an die Arbeit.\nMan hat erzählt, Bossini habe nach Neapel an Paesiello\nüber die Sache geschrieben und ihn gebeten, den gebie-\nterischen Umständen der Lage Bechnung zu tragen; Pae-\nsiello habe politisch geantwortet, dass er sich durch eine\nneue Composition keineswegs beleidigt fühle. Andere\nBiographen läugnen die ganze Sache und behaupten, dass\nnur in der Vorrede zum Textbuche das Verhältniss zu\nPaesiello erwähnt worden sei.\nIndess musste die Romödie Beaumarchais' doch erst\nwieder in ilaliänische Verse gebracht werden, denn Pae-\nsiello's Buch schlechtweg wieder in Musik zu setzen, wäre\ndoch zu arg gewesen. Ein Herr Sterbini, Schatzsecretär\nund poetischer Dilettant, wurde vom Impresario mit dieser\nArbeit beauftragt. Bossini schloss mit ihm den Accord,\ndass Sterbini sich bei ihm einquartieren und ohne Unter-\nbrechung das Buch fertig schaiFen solle.\nNun machten sich die beiden Kunstgenossen daran,\nbeide zusammen in dem Zimmer, das Rossini angewiesen\nworden war. Der Dichter vermochte kaum mit dem Mu-\nsiker gleichen Schritt zu hallen, allein Rossini verstand\nglücklicher Weise Französisch und hatte das Stück von\nBeaumarchais nicht nur gelesen, sondern auch bei der\nArbeit vor sich liegen, um den Zuschnitt, den man für die\nOper gemacht hatte, darin zu verfolgen und die Situatio-\nnen immer gegenwärtig zu haben. So arbeitete er oft dem\nDichter vor und passte dann dessen Verse seinen Melo-\ndieen an. Auf der anderen Seite hatte er auch Paesiello's\nPartitur neben sich, um sich vor der Bevorzugung dieser\noder jener Scene zu musicalischer Entwicklung zu hüten,\nwenn sein Vorgänger dieselbe Scene bereits dazu benutzt\nhatte, überhaupt um so viel als möglich die zu häufigen\nVergleichungspunkte zu meiden. So gut, wie dieses Mal,\nwo er wenigstens das Ganze und den Geist des Stückes\nkannte, hat es Bossini nicht immer gehabt; manchmal hat\ner die ersten Nummern einer Oper geschrieben, ohne den\nText oder auch nur das Scenarium des Ganzen vor sich\nzu haben.\nNeben dem Arbeitszimmer der Autoren war die\nWerkstube der Copisten, die sich Rossini's Blätter noch\nnass herüberholten. Dann kamen auch öfters die Sänger\nmit ihren Wünschen und Bitten um glänzende Passagen,\nund alltäglich der Director, um zu sehen, wie weit man\ngekommen. Trotzdem war die Oper binnen dreizehn Ta-\ngen fertig! Es ging wie im Felde und vor dem Feinde zu:\nman ass, wenn man Zeit hatte, und warf sich aufs Sopha,\nwenn man dem Schlafe nicht mehr widerstehen konnte.\nJa, Rossini hat noch vor Rurzem in Paris erzählt (Azevedo\na. a. 0.), dass er sich während dieser dreizehn Tage nicht\nhabe rasiren lassen. „Hätte ich mich rasiren lassen, so\nwäre ich auch ausgegangen und dann zu spät wieder nach\nHause gekommen.\"\n(Schluss folgt.)\n\nDeutsche Musik in Italien.\nEs soll hier nicht von deutscher Opernmusik in Ita-\nlien, auch nicht von italiänischen Opern, die von Deut-\nschen componirt sind, die Rede sein, sondern von der\ndeutschen Instrumental-Musik, und noch dazu ihrer ernste-\nsten Gattung: der Rammermusik.\nWir haben schon früher in diesen Blättern darauf\naufmerksam gemacht, dass bei dem vorherrschenden Sinne\nder Italiäner für Gesang und dem vorzugsweise verbreite-\nten Geschmacke für populäre Melodie es als ein merk-\nwürdiges Zeichen der neueren Zeit zu betrachten ist, dass\ndie Rammermusik sich Bahn zu brechen beginnt in einem\nLande, das zwar Violinisten wie Corelli, Tartini, Paganini,\nund auch einige bedeutende Pianisten erzeugt, allein die\nVioline und das Pianoforte bisher nur als Solo-Instrument\nund deren hervorragende Meister nur als Virtuosen in ihrer\nEinzelleistung gewürdigt und bewundert hat."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "207", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640625-01.1.7", "texte": "Das vorzüglichste Verdienst darum hat der „Quar-\ntett-Verein\" in Florenz. Dieser Verein besteht seit\ndrei Jahren und hat es inmitten von Abneigungen und\nVorurtheilen und von Anfeindungen der musicalischen\nItalianissimi, die sich sogar mit den politischen verbanden\nund zum Theil aus diesen hervorgegangen waren, durch\nAusdauer und Hingebung an die Kunst auf einen solchen\nHöhepunkt gebracht, dass seine Sitzungen zahlreiche Theil-\nnahme und die grösste Anerkennung finden. Ueber die\nletzte Versammlung gehen uns folgende Nachrichten aus\nFlorenz zu.\nAm 26. Mai ist das dritte Jahr der Quartett-Gesell-\nschaft auf charakteristische Weise durch ein „Mendels-\nsohn-Fest\" beschlossen worden, welches mit wahrer\nBegeisterung aufgenommen worden ist. Dennoch war es\nnicht etwa ein Oratorium des Meisters oder eine Sinfonie,\nwelche diesen Erfolg erhielt, sondern der Vortrag von\nKammermusik, für deren Verbreitung der genannte Verein\nschon so viel gethan hat.\nDas Fest-Programm bestand nur aus solchen Com-\npositionen, welche in den bisherigen Morgen-Concerten\ndie grösste Wirkung gemacht hallen. Es waren das Gei-\ngen-Quintelt in B-dur,das Clavier-Quartett in\nF-moll und das Ottetto für Saiten-Instrumente. Die\nAusführung war bewundernswert!). Der junge Violinist\nPapini (et ist erst 18 Jahre alt) hat die Zuhörer in Er-\nstaunen gesetzt und bereits alle Violinspieler in Florenz\nverdunkelt. Der Violoncellist Jandelli, der zweite Violinist\nSasso, die Bratschisten Chiöstri und Mattolini haben sich\nebenfalls mit Ehre bedeckt. „Was soll man vollends von\nder Ausführung des Octetts sagen?\" schreibt die mu-\nsicalische Zeitung II Boccherini (Redacteur Basevi), welche\nuns vorliegt. „Diese kolossale Composilion ist wunderbar\nherrlich durch die acht trefflichen Künstler vorgetragen\nworden. Alle Sätze des Meisterwerkes wurden mit der ge-\nwissenhaftesten Treue echter Künstler wiedergegeben, und\ndie rauschenden Beifallsbezeigungen, die sie hervorriefen,\nwaren einstimmig. Diese Sitzung wird lange in der Erin-\nnerung aller, die daran Theil genommen, bleiben. Wie\nwünschenswerth wäre es, wenn die Künstler von Fach\nund die Lehrer und Schüler der Tonkunst sich nicht län-\nger der Ueberzeugung verschliessen wollten, dass solche\nMusik zu hören kein Zeitverlust ist, und dass es weit mehr\nWerth und Nutzen hat, solche Schönheiten musicalischer\nWerke kennen und schätzen zu lernen und seinen Ge-\nschmack danach zu bilden, als seine Mussestunden mit\ndem Componiren von Romanzen, Polka's und anderen\nMusikstücken ephemeren Daseins zu verbringen.\"\n\nAus München.\nDie Programme der unter der Leitung Lachner's\nstellenden Concerte der musicalischen Akademie\nin der diesjährigen Saison, die, durch den lod des Königs\nunterbrochen, erst am 13. Mai schloss, waren folgende:\nErstes Concert. vl-c2wr-Sinfonievon Beethoven; So-\npran-Arie mit obligater (Klarinette aus Spohr's „Kaust\";\nViolin-Concert von Lal'ont; zwei Vocal-Quartette von Men-\ndelssohn; Taubert's Ouvertüre zu „Tausend und eine\nNacht\". Zweites Concert. Suite in E-moll (Nr. 2\nvon Iranz Lachner; Arie von Rossini; Concert von\nHummel; zwei Lieder von Franz Schubert und Esser;\nMendelssohn's Ouvertüre zu „Athalia\". Drittes Con-\ncert. Eine Sinfonie in Cdurvon J. Haydn; Duett aus\nSpohr's „Jessonda\"; Symphonie für Violine\nund Viola von Mozart; drei Lieder (eines von Franz Lach-\nner und zwei von Schumann); Violoncell-Concert von Lint-\nner; Ouvertüre zu den „Abenceragen\" von Cherubini.—\nViertes Concert. Mozart's yl-e?wr-Sinfonie; zwei Ter-\nzette für Frauenstimmen von Franz Lachner; Romanze\nliir die Violine (Op. 40) von Beethoven; „Columbus\",\nSinfonie von J. J. Abert. Fünftes Concert. Beetho-\nven's Pastoral-Sinfonie; der 63. Psalm von Franz Lachner;\nSuite für Streich-Orchester von J. S. Bach; zwei Duette\nfür Frauenstimmen von Weber; „Meeresstille und glück-\nliche Fahrt\" von Mendelssohn.\nEs kamen sonach 31 (Kompositionen von 18 Compo-\nnisten zur Aufführung; hiervon treffen 5 auf Franz Lach-\nner, 4 auf Mendelssohn, 3 auf Beethoven, je 2 auf Mozart,\nSchumann und Spohr, und je 1 auf die übrigen, worunter\nBach, Cherubini, J. Haydn und Franz Schubert. Neu wa-\nren Abert's Sinfonie, Taubert's Ouvertüre und Franz Lach-\nner's Psalm und zweite Suite; letztere, obwohl schon vor\neinem Jahre gegeben, desshalb, weil der Componist den\nursprünglichen ersten Satz (ein ausgearbeitetes Präludium\ncassirt hat und an dessen Stelle eine lebendige, brillant in-\nstrumentirte Fuge setzte. Lachner's Suite und Abert's Sin-\nfonie erhielten grossen Beifall.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nWoli», 24. Juni. Die Gesellschaft von der kaiserlichen ita-\nlienischen Oper in Paris hat ihr Gastspiel durch die Auft'üh-\nrungen von Verdi's Trovatoreund Donizctti'9\nmermoor fortgesetzt und durch beide Vorstellungen in hohem Grade\nbefriedigt. Im Trovatoreu traten Frau Demeric-Lablache und\nHerr Sterbini (Bariton) zum ersten Male hier auf. Frau Lablache\nführte die Rolle der Azucena in Gesang und Spiel meisterhaft durch:\nihre schöne, in allen Tonregionen wohllautende, nirgends scharfe\nStimme hat besonders in den Mitteltönen einen höchst angenehmen\nKlang, während die Höhe leicht anspricht, und vor allen Dingen zu"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "208", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640625-01.1.8", "texte": "loben ist, dass Madame Lablache niemals die schönen Brusttöne\ndurch jene widerliche offene Breite entstellt, die andere, auch sehr\nberühmte Altistinnen jetzt so häufig als ganz verkehrtes Effectmittel\nanwenden. Ueberhaupt müssen wir von ihr, wie von Fräulein Vi-\ntali, im Ganzen von allen Künstlern dieser Gesellschaft rühmen,\ndass sie Maass zu halten wissen und das schöne Bild eines edeln\ndramatischen Vortrages niemals durch Uebertreibungen zur Carica-\ntur machen. Wenn der Tenor Baragli auch nicht ,mehr die frühere\nKraft und Frische seiner Stimme besitzt, die in Paris und Madrid\nund in Deutschland auch vor einigen Jahren in Hamburg ihm die\ngrössten Triumphe erwarb, so ist er doch noch immer ein vorzüg-\nlicher Sänger und Schauspieler. Herrn Sterbini's mächtige und\ndabei stets wohllautende Baritonstimme kennzeichnete sich gleich in\nder Partie des Conte Luna, offenbarte aber ihren vollen Glanz haupt-\nsächlich in der Rolle des Asthon in der „Lucia\". Ueberhaupt war\ndie ganze Vorstellung der „Lucia\" am Donnerstag eine nahezu\nvollendete zu nennen: namentlich war die Auffassung und Leitung\ndes berühmten Sextetts durch den Capellmeister Orsini und die\nAusführung durch die Darsteller, wobei Fräulein Vitali eine Kraft\nund einen dramatischen Ausdruck der Stimme entwickelte, die man\nnach ihren bisherigen, meist graziösen und durch technische Eleganz\nbezaubernden Leistungen in so hohem Grade kaum von ihr erwartet\nhatte, eine vortreffliche, so dass die Wiederholung des prächtigen\nGesangstückes unter rauschendem Applaus verlangt wurde. Auch\nerwähnen wir gern, dass Herr Schüller vom hiesigen Stadttheater\ndie zweite Tenor-Partie (den Bräutigam der Lucia) italiänisch sang\nund durch seine frische Stimme zum Eriolg des Ganzen lobenswerth\nbeitrug. Nächsten Sonntag wird der „ Trovatore\" wiederholt, am\nMittwoch den 29. d. Mts kommen „Die Puritaner\" zur Aufführung.\nWiesbaden? 18. Juni. Gestern führte der Singverein unter\nder Direction des Herrn Capellmeisters Hagen das Oratorium Saul\nvon Ferdinand Hiller zum zweiten Male hier auf, und das treff-\nliche Werk erregte wieder dieselbe enthusiastische Theilnahme, wie\nbei der ersten Aufführung. Die diesmalige konnte in jeder Hinsicht\nals gelungen gelten. Der Chor sang mit Liebe und Wärme, wie das\nbei der Verehrung, die sich das Werk gewonnen, nicht anders sein\nkann. Die Solisten Herr Bertram (Saul), Frau Bertram (Michal),\nHerr Borchers (David), Herr Klein (Samuel), Fräulein Schaun (Hexe\nvon Endor) leisteten sehr Gutes, und man hörte ihrem Vortrage\ndeutlich an, dass sie ihre Partieen gern sangen; besonders machte\nHerr Borchers tiefen Eindruck. Das Orchester that seine Schuldig-\nkeit, und so konnte es nicht fehlen, dass die Zuhörerschaft mit an-\nhaltender Spannung der Aufführung folgte und ihre grosse Befrie-\ndigung laut bekundete.\nProfessor Moscheies in Leipzig hat am 30. Mai seinen 70.\nGeburtstag in voller Rüstigkeit des Geistes und Körpers gefeiert,\nTyrol hat Ende Mai d. J. seinen bedeutendsten Tonkünstler und\nseinen besten lyrischen Dichter durch den Tod verloren. Am 28.\nMai starb zu Graz Joseph Netzer und am 30. Mai zu Linz\nHermann v. Gilm. Netzer war 1808 im Oberinnthale zu Zams,\nwo sein Vater Schullehrer war, geboren und in Wien durch Sechter\nin der Musik vorgebildet worden. Dann ging er nach Leipzig und\nsiedelte später nach Graz über, wo er Dirigent der Liedertafel wurde.\nEr hat viele Lieder und auch vier Opern componirt. In Leipzig\nwar er früher eine Zeit lang Theater-Capellmeister und Dirigent\nder Euterpe-Concerte. Von seinen Opern hat „Maraa den meisten\nBeifall gefunden. Hermann v. Gilm, geb. 1813 zu Rankweil in\nVorarlberg, studirte Jura* ward Beamter und fungirte zuletzt als\nStatthalterei-Seeretär in Linz. Er hat sehr viele Lieder gesungen,\naber immer nur als Flugblätter ausgegeben. S?3 ZU sammeln, ist\nihm nie eingefallen. Es g3niigte ihm, dass sie in Tyrol allgemein\nbekannt waren.\nDer Tenorist Walter vom Hof-Operntheater in Wien, welcher\nmit so ausserordentlichem Erfolge in Frankfurt a. M. gastirte, hat\ndas Honorar seiner letzten Gastrolle im Betrage von 437 Fl. der\ndortigen Mozart-Stiftung überwiesen und sich dadurch als Mensch\nund Künstler neuerdings ein glänzendes Zeugniss ausgestellt.\n11 ieii* Dass Fräulein Art6t für die nächste „Italiänische\"\ngewonnen wurde, ist selbstverständlich, denn sie war ja doch die\neinzige, die „gezogen\" hat. Man wollte Fräulein Artöt auch für die\n„Deutsche\" gewinnen, sie mochte sich aber nicht einsperren lassen\nin den Bauer eines Contractes; dieses Vögel eben liebt die Freiheit\naes — Gastirens, das mehr einbringt. Vielleicht hat man nicht ge-\nnug geboten? Man behauptet, es seien dieser Nachtigall Angebote\ngemacht worden, welche die „Wachtel-Gage\" noch überbieten. Aus\neinem mehrjährigen Contracte ist aber doch nichts geworden; dage-\ngen, hiess es, werde Fräulein Art6t so gefällig sein, im kommen-\nden Herbste einige französische Opern zur authentischen Auf-\nührung bringen zu helfen, obgleich Bestimmtes bisher darüber nicht\nverlautet.\nCapellmeister Eichard Genee in Prag hat vom Grossherzog\nvon Mecklenburg gelegentlich der Aufführung seiner Oper Rosita\"\nin Schwerin die goldene Medaille für Kunst j.nd Wissenschaft\nerhalten. . * : v"}]}