{"numero_id": "bm-bmtnabi-1864-07-16-01", "volume": "bmtnabi_1864-07-16_01", "ocr_sha256": "b301c78b066e53000aa8094e55077ae0be63b2c824038075edfcffde822655b4", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1864/07/16_01/bmtnabi_1864-07-16_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640716-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1864-07-16-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-07-16_01#c001", "volume": "bmtnabi_1864-07-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "225", "page_fin": "225", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640716-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "225", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640716-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 456, "texte": "Inhalt.\nJohannes Aloys Miksch. Ein Lebensbild. Pariser Brief (Rückblick auf die italiänische Oper Früchte der\nTheater-Gewerbefreiheit). Von B. P. Tages- und Unterhai tu ngsblatt (Köln, Fortsetzung des Gastspiels der italiänischen Oper\nBaden-Baden, Virtuosen-Concerte Dresden, Wiedereröffnung des Hoftheaters Wien, Eduard Hanslick Paris, neue komische\nOper, Heinr. Jos. Maria Duesberg f, Witwe Cherubini +, neue Orgel Marseille, Karl Wynnen f Künstlerlohn)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-07-16-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-07-16_01#c002", "volume": "bmtnabi_1864-07-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "225", "page_fin": "228", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640716-01.2.2", "titre_corps": "Johannes Aloys Miksch.", "titre_sommaire": "Johannes Aloys Miksch.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "225", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640716-01.1.1", "debut_caractere": 458, "fin_caractere_exclue": 4044, "texte": "Johannes Aloys Miksch.\nUnter dem Titel: „Denkwürdigkeiten der Hof-\nmusik zu Dresden im 18. und 19. Jahrhundert\"\n(Leipzig, bei H. Matthes, 1863, 131 S. 8), hat Hein-\nrich Mannstein ein Lebensbild von Johannes Aloys\nMik sch, dem berühmten Gesanglehrer in Dresden (Juli\n1765 September 1845), gegeben, welches nicht bloss\nals ein Dankopfer der Pietät des Schülers gegen den Leh-\nrer Theilnahme verdient, sondern durch den Inhalt, der\nsich ausser dem Biographischen auch auf allgemeine mu-\nsicalische Zustände in Dresden und Züge von bedeutenden\nPersönlichkeiten (die jedoch nicht hinreichen dürften, um\nden Titel des Büchleins zu rechtfertigen) Interesse erregt.\nDie kleine Schrift schliesst sich gewisser Maassen als ein\nEpilog den theoretischen Schriften Mannstein's an, in de-\nnen er nach sechsjährigen Studien bei Miksch die Besul-\ntate der Methode seines Lehrers, durch eigene Praxis er-\nweitert, niedergelegt hat*). Wir lernen aus dieser biogra-\nphischen Skizze Miksch sowohl in seiner stets von echt\nkünstlerischem Streben getragenen und unermüdlichen\nBerufsthätigkeit kennen, als in ihm den Mann von Cha-\nrakter und edler Gesinnung schätzen und lieben. Was\nseinen Unterricht betrifft, so braucht man nur an die Na-\nmen einer Veltheim, Funk, Hähnel, Schröder-Devrient,\nAgnes Schebest, der Sänger Bergmann, Zezi u. s. w. zu\nerinnern, um auch denjenigen Freunden der Tonkunst, die\nden tüchtigen Meister noch nicht kannten oder wieder\nvergessen haben, das Büchlein, das von ihm erzählt, zu\nempfehlen.\nVon allgemeinem Interesse dürfte aus demselben auch\nfolgender Beitrag zur Geschichte von Weber's Anstellung\nund erster Wirksamkeit in Dresden sein.\n„Seitdem die Gründung einer deutseben Oper be-\nschlossene Sache war, hatte man sich natürlich auch nach\neinem deutschen Dirigenten umsehen müssen. Miksch\nkannte Carl Maria von Weber, er hatte dessen gros-\nses Talent gewürdigt und bezeichnete ihn dem Cabinets-\nMinister als den Vormann unter den deutschen Opern-\nDirigenten, da Beethoven an Oesterreich gebunden war\nund sich übrigens zum Leiter einer grossen Oper wegen\nseines Unglückes weniger eignete. Der Graf Vitzthum von\nEckstädt erhielt Befehl, mit Herrn von Weber zu unter-\nhandeln, denn er war damals General-Director der Capelle,\nein liebevoller, edler Mensch, aber halb taub; zugleich\nwar er auch Director der Kunst-Akademie und in allen\nZweigen nur für das Gute eingenommen.\n„Eines Tages empfängt Miksch ein Briefeben von We-\nber, worin ihm dieser anzeigt, dass er in Dresden einge-\ntroffen sei und ihn im Hotel de Pobgne sehnlich erwarte.\nMiksch eilt dahin und findet den kleinen Mann in unge-\nheurer Aufregung im Zimmer herumhinken. Kaum findet\ner Zeit, seinen Freund zu begrüssen, dann zeigt er ihm\neine Visitenkarte mit der Inschrift: Francesco Morlacchi,\nDirettore di tutti theatri del und fragt\nzornig: Was? dieser Morlacchi ist Director der königlichen\nTheater? ich soll also unter ihm dienen? denn ich bin\ndoch bloss Capellmeister!\n„So viel ich weiss, bemerkte Miksch, sind Sie bloss\nMusik-Director.\n„Weber wollte rasend werden; er rief seinem Freunde\nzu, er solle ungesäumt zum General-Director gehen und\nihm erklären, dass er sofort wieder abreise, wenn er nicht\nden Charakter als Hof-Capellmeister erhalte. Er möge\nferner dem Grafen Vitzthum bemerken, dass alle seine\nZuschriften an den „ „Capellmeister\"\" von Weber adres-\n\n*) „Die italienische Gesangschule.\" 1834 und 1848.\nDresden und Leipzig, bei Arnold. Die Praktik der classi-\nschen Gesangkunst. 1830. Ebendaselbst. Geschichte des\nGesanges von Gregor dem Grossen bis auf unsere Zeit. 1845.\nLeipzig, bei Teubner."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "226", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640716-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5479, "texte": "sirt gewesen seien, dass von einem „ „Musik-Director\"\"\nunter ihnen kein Wort gefallen sei.\n„Die Sache war die, dass Weber allerdings nur als\nMusik-Director engagirt werden sollte; GrafVitzthum aber\nhatte aus Scheu diesen Punkt stets umgangen und war so\nin die unangenehme Lage gekommen, dem Könige eiligst\neinen besonderen Vortrag machen zu müssen, denn We-\nber liess in der That seinen Reisewagen gar nicht ab-\npacken, und doch sollte er Abends dem Personale der\nCapelle und des Hoftheaters auf dem Brühl'schen Garten\nvorgestellt werden. Der König war ziemlich verstimmt ge-\nwesen, indessen halte er auf des Grafen dringendes Anlie-\ngen Herrn von Weber den Capellmeister-Titel, jedoch nur\nmit einjährigem Contracte, verliehen. Da sich dieser dar-\nüber wegsetzte, so erfolgte seine leierliche Einführung\ndurch die General-Direction als Hof-Capelimeister. Miksch\nhatte während der Gefangenschaft seines Fürsten sich unter\nder Menge zweideutiger Charaktere durch Entschiedenheit\nder Gesinnung so vortheilhaft ausgezeichnet, dass der Kö-\nnig ihn zu dieser Zeit zu seinem musicalischen Archivar\nernannte und seiner besonderen Gnade würdigte.\n„Er beschäftigte sich mittlerweile unablässig mit der\nAusbildung glücklicher Begabungen, die hervorragendsten\ndavon waren in jener Periode die Funk, welche sogleich\nfür die neue deutsche Oper gewonnen ward, der Tenor\nBergmann, ein junger Schullehrer aus der Lausitz,\nschwächlich und kümmerlich genährt, Bisse, ebenfalls\ndem hochbeglückten Schulmeisterslande angehörend, die\nH ä h n e I, welche er insgeheim ausbildete, und die Z u ck er.\nWeber arbeitete nach Vollendung der „ „Preziosa\"\" Reis-\nsig am „ „Freischütz\"\", wovon er jede Nummer dem äl-\nteren Freunde vorlegte. Das Stück fing erst mit einer lan-\ngen Scene des langweiligen Eremiten an; Miksch stellte\ndem Tondichter vor, dass sich um diesen grossen Heiligen\nnoch kein Mensch kümmere, dass man erst durch den\nFreischütz werde auf ihn aufmerksam werden, wesshalb\nes gerathener sei, diese Scene bis dahin geheim zu halten.\nDa dieser Eremit für Miksch selbst bestimmt war, so\nfanden seine Gründe Eingang und die Wegschneidung ging\nvor sich. Miksch hatte dreiundzwanzig Jahre in der italiäni-\nschen Oper gesungen, so dass ihm wohl ein bündiges Ur-\ntheil zugestanden werden musste. Weber kam ihm gegen-\nüber mehrmals in die Lage, an der Partitur ändern zu\nmüssen. So hatte z.B. Caspar die Worte im ersten Finale:\n„ „Nur ein keckes Wagen ist's, was Glück erringt\"\", ohne\nBegleitung zu singen; Miksch stellte Weber vor, dass es\nunerhört sei, Jemanden einen übermässigen Terz-Quint-\nSext-Accord singen zu lassen, weil die Stimme die Töne\ngar nicht treffen könne, und so liess Weber die Celli mit\nder Stimme gehen. Ferner hatte derselbige unglückselige\nCaspar in seiner Triumph-Arie die lange Passage auf\n„„Bache\"\" sob zu singen. Miksch stellte ihm vor, dass\nder Bassist Mayer, für den der Part geschrieben war, gar\nnicht der Sänger sei, um einen Gang von einer Terz-De-\ncime (Fisbis eingestrichen e)auszuführen, zumal nach der\nbereits gehabten gewaltigen Anstrengung. „ „Sie sind ein\nschlauer Fuchs,\"\" scherzte Miksch, „ „diesmal haben Sie\nSich aber doch selber gefangen; Sie haben Beethoven über-\ntreffen wollen und sind unter ihm geblieben. Dieser lässt\nim Fidelio den Pizarro eingestrichen aushalten und das\nOrchester figuriren, Sie machen es umgekehrt und müssen\ndadurch den Sänger nothwendig compromittiren.\"\"\n„In Folge dieser Besprechung begleiten nun die\nStreich-Instrumente die Bache-Passage. Bei diesen Gesprä-\nchen kam es zwischen den beiden Männern überhaupt zu\nheftigen Explosionen, insonderheit als Weber eines Tages\nbehauptete, was er immer schreibe, müsse ein Sänger auch\nsingen können. Doch Miksch erklärte ihm darauf rund\nund nett, dass er eben vom Gesänge nichts verstehe, jeder\nKenner seinen Melodieen augenblicklich anhöre, dass er\nsie entweder pfeifend oder auf dem Ciavier ausbilde, denn\nsie klängen alle nach Clarinette oder Piano. Miksch sagte\ndem Staunenden, dass er gleich allen deutschen Pedanten\nunter Singen nichts als Notentreffen verstehe, dass ihm\naber die Technik des göttlichen Instrumentes der Men-\nschenstimme, ihr Ausdruck der Leidenschaften in den ver-\nschiedenen Stilen, überhaupt der schöne Gesang völlig\nfremd sei, und dass er überhaupt diesen bei den grossen\nMeistern erst studiren und gute italiänische Sänger lange\nhören müsse, um jene hohe Kunst sich zu eigen zu machen.\nWeber, sagte Miksch unter Anderem, komme ihm mit\nseiner Compositions-Weise den Sängern gegenüber vor wie\nein boshafter Mensch, der für Weber ein Clavier-Concert\nschreiben solle und alle Schwierigkeiten in die linke Hand\nlege, weil Herr von Weber eine „ „schlechte\"\" linke Hand\nhabe. Uebrigens möge der Herr Capellmeister im Mar-\npurg nachlesen, der schon vor achtzig Jahren gelehrt\nhabe, dass die übermässige Terz, die verminderte und über-\nmässige Sext nebst der verminderten Octave ausser dem\nBereiche der Singkunst liegen.\n„Ungeachtet dieser und zum Theile noch heftigerer\nZusammenstösse blieben die edeln Männer stets aufrichtige\nFreunde. Der Freischütz ging indessen mit seiner ganz\nneuen Melodik, diesem köstlichen Geschenke des grossen\ndeutschen Mannes Carl Maria von Weber, wie das\nSignal zu einem allgemeinen Freudengeschrei auf; zahllose\nStimmen verkündeten die süssen Gesänge dieses Lieder-\nschatzes, von den grössten Orchestern bis zum Leierkasten\nfreischützte Alles. Als die sächsischen Prinzen von einer\nausländischen Reise zurückkehrten, erzählten sie unserem"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "227", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640716-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5386, "texte": "Helden in ihrer liebenswürdigen Art und Weise: „„Wo\nman uns entgegenkam, huldigte man uns in Weber, denn\nüberall spielte man uns Freischütz vor; bei unserm Einzüge\nin Rotterdam spielte ein Thurm: „„Wir winden dir den\nJungfernkranz\"\", und als wir an Bord eines Linienschiffes\neingeladen waren, spielte die Capelle: „ „Was gleicht wohl\nauf Erden dem Jägervergnügen, und der Capitän be-\nglückwünschte uns zu Weber. Weber war immer die Haupt-\nperson, wir spielten die Nebenrollen.\"\" Und in dieser\nOper sangen bei ihrem Erscheinen auf der dresdener Hof-\nbühne lauter Mikschische Schüler in den Hauptrollen: die\nFunk war die erste Agathe, Bergmann der erste Max,\ndie Zucker das erste Aennchen. Glücklich, wer sich die-\nser Zeiten erinnert! Ein schöneres Dreigestirn hat -die\ndeutsche Oper seitdem nicht wieder gehabt, es versetzte\nganz Dresden in Wonnerausch, und Weber war damals\ngewiss einer der glücklichsten Menschen. Nur der beschei-\ndene Miksch hatte keinen anderen Gewinn von diesen\nErfolgen als sein Bewusst&ein, und wie dem edeln Manne\nsogar der Ruhm verloren ging, der neuen Oper die gros-\nsen Repräsentanten geschenkt zu haben, davon iiefert die\nAnfangs-Epoche derselben einen fast komischen Beweis,\nder zugleich ein Beleg für die Verlässigkeit der Zeitungs-\nBerichte ist. Eines Tages sagte Weber zu Miksch: Ich bin\nnun über ein Jahr in Dresden und habe noch keine deut-\nsche Oper Mozart's aufgeführt, sehe auch keine Möglich-\nkeit dazu. Was wird man dazu sagen?\n„An welche Oper Mozart's denken Sie, an die Ent-\nführung oder an die Zauberflöte? fragte Miksch.\n„An die Zauberflöte; sie ist populärer, fordert aber\nunendliches Personal. Wir haben keine Königin der Nacht\nund keine Pamina.\n„Wie, wenn ich Ihnen beide schaffte?\n„Sie halten mich zum Besten! An unserem Theater\nwären diese zwei ersten Sängerinnen?\n„Morgen sollen Sie die Königin der Nacht hören.\n„Mit d ieser Königin hatte es folgende interessante\nBewandtniss. Miksch hatte zu seinen Aemtern eines könig-\nlichen Kammer- und Ceremonien-Sängers und königlichen\nmusicalischen Archivars auch noch das eines Directors des\nneugegründeten Theater-Singchors erhalten und bei den\nUebungen desselben die pompöse Stimme eines ganz armen\nMädchens, Namens Hähnel, beobachtet. Er sagte ihr,\ndass er gemeint sei, sie unentgeltlich zur Solosängerin aus-\nzubilden, falls sie Stillschweigen gelobe, jedoch werde mit\ndem Bruche des Gelübdes der Unterricht sofort und für\nimmer aufhören. Um dem armen Kinde, das an Kleidern\nund Wäsche bei einem Monatsgehalte von acht Thalern\nzehn Silbergroschen bittern Mangel litt, etwas Muth ein-\nzuflössen, schenkte ihr der wackere Mann auch noch zwan-\nzig Thaler, und das Studium begann. Aber wie! Die aus-\nserordentlich kräftige Constitution der Schülerin gestattete,\ndass sie neben den umfassendsten Uebungen ihren Dienst\nverrichten konnte. Hier zeigte sich die VortrefTlichkeit der\nbolognesischen Schule in voller Stärke; denn ihre Methode\nder Stimmgebung und Tonbildung, die auf den Gesetzen\nder Athemlührung, des Tonanschlages und der Körper-\nhaltung beruhen, bewirkt, dass das Singen die Organe\nnicht angreift, sondern kräftiget, und in Folge desselben\nalso niemals krankhafte Ueberreizung, vielmehr nur natür-\nliche Ermüdung eintritt. Nach kaum zweijährigem Zeit-\nräume sang die junge Schülerin die schwierigste aller\nPartieen mit einer Kraft und Virtuosität, die wir seitdem\nnie wieder gehört haben. Die nächstgrosse Zöglingin\nMiksch's, welche diese Rolle in angränzender Vollendung\nund in den Urtonarten, nicht in Transponirung, sang,\nwar das jetzt noch lebende Fräulein Charlotte Velt-\nheim.— Also Miksch erschien zur festgesetzten Stunde bei\nWeber mit seinem Schützling. Weber, der Fräulein Häh-\nnel als Choristin kannte, war aus den Wolken gefallen,\neine Königin der Nacht in ihr erkennen zu sollen, er\nglaubte sich myslificirt, zog Miksch bei Seite und fragte\nihn, ob er ihn zum Narren haben wolle? Wie erstaunte\ner aber, als er in der nächsten Viertelstunde das junge\nMädchen für eine der grössten Sängerinnen anerkennen\nmusste, die er jemals gehört! Fast eben so erging es\nihm mit der Zucker, die er nur als Soubrette gekannt\nund in der er jetzt die reizendste Pamina bewundern\nmusste. Die Zauberflöte ging, mit Bergmann als Tamino,\nunter rauschendem Beifall über die Bretter; man fragte\nim Publicum erstaunt nach dem Zauberer, der die Zau-\nberllöte möglich gemacht, und las in den nächsten Tagen\nnoch erstaunter in einer Zeitung die Nachricht, dass We-\nber der Wunderthäter sei. Miksch stellte natürlich den\nRedacteur darüber zur Rede und forderte ihn zu der Er-\nklärung auf, dass nicht Weber, sondern Miksch der Mei-\nster jener bewunderten Sängerinnen sei. Es wurde Alles\nversprochen; Weher spielte den Erstaunten, der Bedacleur\nden Dummen, Miksch den Wüthenden, aber der Wider-\nruf soll heute noch kommen. Weber's Amtsantritt war,\nwiewohl unabsichtlich, mit einer Kränkung verknüpft,\nallein diese wurde bald durch die Gnade der Königin aus-\ngeglichen. Als Weber nämlich einstmals am Sommer-Hof-\nlager Tafelmusik leitete, bezeigte ihm Ihre Majestät den\nallerhöchsten Beifall, indem sie sich zugleich nach dem\nBefinden seiner Familie zu erkundigen geruhte. Weber\nbemerkte nicht ohne Kummer, dass er als ein Capellmei-\nster auf Jahres-Contract nicht wage, seine Braut heimzu-\nführen, und von nun an ruhte die hohe Landesmutter\nnicht, als bis Weber definitiv angestellt war. Uebrigens\n\n[1"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "228", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640716-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 621, "texte": "wurde er vom Volke so vergöttert, dass man den Grund\nseiner oft wiederkehrenden Verstimmung wohl in seiner\nkörperlichen Disposition suchen muss; der Beifall, den er\nfand, war unermesslich und konnte ihn über alle Miss-\nstände hinwegheben. Was waren alle giftigen Blicke der\nNeidharte, alles Gezischel der Nattern, was waren alle\nErdichtungen der Bosheit, wenn der tobende Beifallssturm\nin den Vorstellungen der Preziosa, des Freischütz und der\nEuryanthe losbrach? Weggefegt, wie der giftige Schwa-\nden, den ein fauler Sumpf ausgedunstet, weggefegt von\ndem Odem des Weltenschöpfers, der in dem frischen\nMorgenwinde braust!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-07-16-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-07-16_01#c003", "volume": "bmtnabi_1864-07-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "228", "page_fin": "231", "image_debut": 4, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640716-01.2.3", "titre_corps": "Pariser Brief.", "titre_sommaire": "Pariser Brief.", "signature_source": "B. p", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "228", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640716-01.1.4", "debut_caractere": 623, "fin_caractere_exclue": 5029, "texte": "Pariser Brief.\n\n(Rückblick auf die italiän ische Oper Früchte der\nTheater - Gewerbefreiheit.)\nDie kaiserliche italiänische Oper hat unter der Di-\nrection des Herrn Bagier in der abgelaufenen Saison\n1863—1864 149 Vorstellungen gegeben, wovon 145\nim Abonnement. Es kamen 17 Opern vor: Trovatore und\nRigoletto je 15 Mal, 11 Barbiere 13 Mal, Sonnambula\nund Lucia je 12 Mal, Traviaia 10 Mal, und\nPasquale je 8 Mal, Semiramide, Lucrezia, Un Balb in\nMaschera je 7 Mal, Poliuto6 Mal, 5 Mal,\nMaria di Rohan, Ernani, Marta je 4 Mal, Italiana in\nAlgeri 1 Mal. Also Donizetti und Verdi mit 5 Wer-\nken ein jeder, Rossini mit 4, Bellini mit 2, Flotow\nmit 1. Mozart? Cimarosa? Versprochen waren:\nDon Giovanni, Le Nozze di se-\ngreto, aber sie erschienen nicht. Und doch waren nicht\nweniger als 38 Sängerinnen und Sänger engagirt! Näm-\nlich 11 Soprani, darunter de la Grange, Adel. Patti,\nCarl. Marchisio, Spezzia, Calderon u. s. w.; 5\nMezzo-k Soprani und Alti, darunter Borghi-Mamo, De-\nmeric-Lablache, Barbara Marchisio u.s.w.; 8\nTenori, mit Fraschini, Mario, Baragli, Naudin\nu. s. w.; 8 Baritoni, mit Delle Sedie, Aldighieri,\nAgnesi, Sterbini u. s. w.; 6 Bassi, mit Antonucci,\nMarchetti, Scalese u. s. w. Von diesen 38 Künstlern\nalternirten 26 zwischen Paris und Madrid. Eine admi-\nnistrative Neuerung war die Abschaffung des Parterres.\nSie hat aber keinen Beifall gefunden, und die allgemeine\nStimme verlangt für die nächste Saison das Parterre als\nden Platz des eigentlichen Publicums im Gegensatze zu\nden Abonnenten, die alle übrigen Plätze inne haben, wie-\nder. Man wird sich ihr wohl fügen müssen. Uebrigens\nhat das italiänische Operntheater trotz seines Epithetons\n„kaiserliches\" in dieser Saison keine Subvention von der\nRegierung gehabt; ob es die 100,000 Francs, die es\nfrüher genoss, wieder erhalten wird, ist noch unentschie-\nden. Dagegen haben sich schon zwei neue italiäni-\nsche Opern-Unternehmungen, von dem Gesetze, das die\nTheater frei gibt, Gebrauch machend, in Bewegung ge-\nsetzt, bauen Theater und wollen schon im nächsten Win-\nter Vorstellungen geben. Also die Concurrenz droht zu-\nnächst für die Italiäner; ob sie für alle Theater und alle\nGattungen von Dramen floriren wird ? Bis jetzt scheint es\nkaum so, und man kann das nicht bedauern: denn was\nam wenigsten dadurch gefördert und gehoben werden\nwird, ist sicher die dramatische Kunst.\nDer erste wirklich ins Leben getretene Versuch hat\nwenigstens zum grossen Theile schon diese Befürchtung\nbestätigt, obschon er bei der Menge, und theilweise nicht\nmit Unrecht, Erfolg gehabt hat.\nMit dem 1. Juli fielen nämlich die Schranken der Pri-\nvilegien; die Pforten der Freiheit öffneten sich und die\nDirection des grossen Spectakel-Theaters\nMartin überraschte schon an demselben Tage mit einer\nOpern-Aufführung. Es wird von jetzt an Drama, Tra-\ngödie, Komödie, komische und ernste Oper in seinen Be-\nreich ziehen. Nun, da haben wir ja schon den Fortschritt,\ndas Idol der Zeit, welches, weil in dem praktischen Leben\nund in den Werken des Verstandes und der Speculation\nals wirklich bethätigt, auch in den Werken der Kunst, in\nden Schöpfungen und Thätigkeiten des Genies angebetet\nwerden soll und muss. Nun ja, jenes Theater huldigt dem\nFortschritte, denn statt eine Gattung der dramatischen\nKunst zu cultiviren, wird es alle auf seine Bretter brin-\ngen. Aber das Wie der Ausführung? Ei, das kommt beim\nFortschritte der Kunst nicht in Betracht, denn dass er mehr\nin die Breite als in die Tiefe geht, mehr das Neue als das\nSchöne sucht, zeigt die Erfahrung in allen Ländern. Was\nhat die französischen Schauspieler im recitirenden Drama\ngross und namentlich im Lustspiel und dem Conversalions-\nstücke, wie in der komischen Oper, den Deutschen über-\nlegen gemacht? Die Vereinfachung ihrer Aufgabe, die\nConcentrirung des Talentes und der Routine auf eine\nGattung, während vom deutschen Schauspieler und Sänger\nverlangt wird, er solle allen Fächern gerecht werden.\nNun fürchte ich aber sehr, jene Virtuosität, die sich nur\nan einer Specialilät heranbildet, wird durch Zersplitterung\nder Kraft, wenn auch nicht sogleich, doch nach und nach\nsich verlieren. Und kann die dramatische Musik dabei ge-\nwinnen, wenn die Ausführung ihrer Werke der Mittel-\nmässigkeit anheimfällt? Und kann eine solche Aussicht die\nComponisten zu grossen Schöpfungen begeistern?\nDoch das sind vielleicht zu trübe Ansichten, und die\nFreunde der Theaterfreiheit werden uns entgegnen: „Die"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "229", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640716-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5455, "texte": "Kunst muss Gemeingut der ganzen Menschheit werden,\nsie muss ins Leben des Volkes dringen\" und was der-\ngleichen Schlagwörter der Neuzeit mehr sind. Gut: den\nZweck billigen wir; ob aber die Concurrenz die richtigen\nMittel dazu biete, daran zweifeln wir. Nun, die Zeit wird\nes lehren. Ja, wenn sie uns Aufführungen brächte, bei\ndenen massige Eintrittspreise durch Wegwerfung alles\nkostspieligen Ausstattungs-Prunkes der neueren Oper er-\nmöglicht würden, und die Directionen nur die künstleri-\nsche Ausführung der dramatischen Meisterwerke im Auge\nhätten, etwa in der Art, wie Pasdeloup die Beethoven'-\nschen Sinfonieen dem grossen Publicum vorführt, dann\nliesse sich etwas für die Erhebung des Geschmackes der\nMenge an wahrer Kunst hoffen. Aber welche neue Büh-\nnen-Unternehmung wird sich in Paris diese Aufgabe stel-\nlen? Wird nicht jede vorzugsweise auf die Schaulust spe-\nculiren, um Geld zu machen? Schlummert auch bei der\njetzigen Direction des Theaters am Thore St. Martin nicht\nim Hintergrunde die Speculation auf die ungeheuren äus-\nseren Mittel dieser Bühne, auf die grossen Räumlichkeiten,\ndie vortrefflichen Maschinerieen, Decorationen u. s. w.?\nZwar mit der ersten Opern-Vorstellung hat sie einen\ngeschickten Zug gethan und sich dabei zugleich frei von\njenem Vorwurf gehalten; denn Rossini's „Barbier von Se-\nvilla\" bedarf keines Theaterprunks. Es kam aber etwas\nAnderes hinzu, das diese Wahl zu einem glücklichen Wurfe\nmachte. Rossini's Oper hat bekanntlich die Komödie von\nBeaumarchais: „Le Barbier de Sevitte\", von der franzö-\nsischen Bühne verdrängt. Nun dachte der Director des\nSt.-Martin-Theaters: „Wie, wenn man die Komödie wie-\nder in die Oper hineintrüge und dadurch für die Franzo-\nsen, denen das klare Verständniss der Handlung über Alles\ngeht, die Oper noch verständlicher machte?\" Gedacht,\ngethan! Der Musik des italiänischen Meisters wurde ein\nfranzösischer Text untergelegt, die Recitative gestrichen\nund statt deren Scenen aus Beaumarchais mit gesproche-\nnem Dialog eingelegt, und so eine komische Oper nach\nder guten Art und Weise der echten französischen komi-\nschen Oper hergestellt, welche, so lange sie ihrem wahren\nCharakter trep blieb, kein Recitativo secco kannte, -son-\ndern nur den gesprochenen Dialog. Der Versuch, in die-\nser Gestalt (die übrigens nicht ganz neu, sondern vor vie-\nlen Jahren in der Bearbeitung von Castil-Blaze im Odeon-\nTheater schon einmal da gewesen sein soll) den „Barbier\"\nRossini's zu geben, ist vollkommen geglückt: das Haus\nwar gedrängt voll und das Publicum in der aufgeweckte-\nsten und günstigsten Stimmung.\nVom künstlerischen Standpunkte aus befriedigten der\nGraf Almaviva, von Capoul, einem jungen Tenor mit schö-\nner Stimme, gesungen, den das Theater der komischen\nOper der Direction für diese Rolle überlassen hatte, und\ndie Rosine der Demoiselle Balbi, die, früher in Paris un-\nterrichtet, auf Provincialhühnen sich recht hübsch ausge-\nbildet hat. In der Clavierscene im zweiten Acte sang sie\n.eine Arie aus der Sonnambula ebenfalls ganz gut. Die\nAusführung der übrigen RolleTi, namentlich des Figaro,\nliess Ireilich gar Manches in Gesang und Spiel vermissen,\nso dass trotz des rauschenden Beifalls, der nicht nur der\nMusik, sonderntauch der Prosa häufig zu Theil wurde,\nfür jeden Unbefangenen nicht zu verkennen war, dass die\nin Eile zusammengebrachte Gesellschaft der Herstellung\neines künstlerischen Ganzen nicht gewachsen ist. Dennoch\nmöchten wir die Ueberzeugung aussprechen, dass man\ndurch Wiedereinführung komischer Opern mit Dialog\nnach alter Weise, seien es französische Originale oder Be-\narbeitungen auslandischer Werke, den richtigen Weg für\nneue Theater-Unternehmungen betreten hat.\nSchon die zweite Vorstellung an der Porte St. Martin,\nBellini's „Norma\" (!), zeigte, dass weder die italiänische\nnoch die französische grosse Oper eine solche Concurrenz\nzu fürchten habe. Das Orchester, das freilich auch im\n„Barbier\" die feine Instrumentirung kaum wiedererkennen\nliess, war in der „Norma\" eben so schlecht wie der Chor,\nund wenn auch die jetzt überall bei den Provincialhühnen\neingetretenen Ferien dem Unternehmer gestatten, das\nBeste von dort heranzuziehen, so war doch das gesammte\nPersonal der Hauptrollen höchst ungenügend und das\nGanze der Vorstellung himmelweit von einer auch nur\nmittelmässigen Kunstleislung entfernt.\nAuch das Theätre hat die neue Freiheit be-\nnutzt, um Gesang- und Orchester-Musik in den Tempel\nder classischen französischen Tragödie einzuführen. Es gab\nRacine's „Esther\" mit Musik von Jules Cohen. Seit\ndem Tode der Rachel war dieses biblische Drama nicht\ngegeben worden; Demoiselle Favart trat jetzt an ihre\nStelle und füllte sie würdig aus: dennoch urtheille das\nglänzende Publicum, welches sich zu der Vorstellung ver-\nsammelt hatte, dass hauptsächlich die überaus reiche Aus-\nstattung und die Musik der Wiederaufnahme des im Grunde\ndoch nur schwachen Werkes des grossen Dichters eine\nneue Lebens-Periode verleihe. Freilich müssen die weni-\ngen Habitue's, die noch die alte Zeit der Perücken und\nReifröcke auf der Bühne erlebt haben, staunen, wenn sie\ndie Missgestalten der Helden und Heldinnen der damaligen\nTheater-Periode mit den historisch und ethnographisch\ngetreuen Costümen, wie sie jetzt auf der Bühne erschei-\nnen, vergleichen. Aber auch das gegenwärtige, an die seit\nTalma bewerkstelligte Reform der Costüme gewöhnte Ge-\nschlecht musste den Reichthum und Glanz derselben bei\nder jetzigen Vorstellung bewundern. Eben so prächtig sind"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "230", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640716-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5247, "texte": "die neuen Decorationen und die ganze Insceneselzung.\nFür alles dieses sind die Schätze des assyrischen Museums\nim Louvre benutzt worden. Das Tableau eines orientali-\nschen Gartens mit einer prächtigen Ceder, welche ihren\nSchatten über die Vorhalle von Eslher's Gemächern brei-\ntet, ist eine der schönster! Decorationen, die man sehen\nkann. *\nDie Musik bildet eine ziemlich starke Partitur, welche\neine Ouvertüre und mehrere Chöre mit ein- und zwei-\nstimmigen Solo's enthält. Jules Cohen hat früher auch zu\nRa eines Athalia Chöre geschrieben, die ich nicht kenne:\nseine Arbeit zu Esther ist sehr schätzenswerth; dass er\nMendelssohn's Musik zu Athalia, auch wohl dessen Com-\npositionen zur Antigone und zu König Oedipus kennt,\nscheint mir aus der Färbet dem Charakter und auch der\nder Hauptsache nach hervorzugehen, wiewohl die\nmusicalischen Referenten in hiesigen Blättern nicht darauf\n*\naufmerksam machen, wahrscheinlich aus dem sehr trifti-\ngen Grunde, weil sie selbst jene Werke von Mendelssohn\nnicht kennen. Der Chor alla der im zweiten Acte\nhinter der Scene gesungen wird, wurde da capo gerufen;\nauch der Schlusschor, der die Dimensionen und Formen\neines förmlichen Oratorien-Finales hat, musste wiederholt\nwerden. Ueberhaupt wurde eigentlich der meiste und leb-\nhalteste Beifall an dem ganzen Abende der Musik gezollt.\nZöglinge des Conservatoriums aus der Classe. des Herrn\nCohen lür Ensemblegesang sangen die Soli und Chöre\nrecht schön; sie sind sowohl an den Vortrag ernster Mu-\nsik als an die Direction Cohen's durch ihre Mitwirkung\nin der kaiserlichen Capelle, welche Cohen dirigirt, gewöhnt.\nIm Uebrigen merkt man noch nichts von den so zu-\nversichtlich angekündigten Früchten der neuen Freiheit;\nmöglich, dass sie mit der Zeit reifen. Zunächst äussert sie,\nwie das vorauszusehen war, ihre Wirkungen nur auf das\nGewerbe. Für jetzt sind erst bloss die Unternehmer an\nder Reihe: es werden, wie es heisst, bereits mehrere neue\nTheater im kleinen Maassstabe gebaut. Die darstellenden\nKünstler, die Dichter und die Componisten werden dann\nwohl nachkommen. Der erwartete Regen von neuen\nStücken und neuen Opern ist bis jetzt ausgeblieben. Man\nerzählt sich zwar, dass eine Anzahl von Neuigkeiten ange-\nboten worden ist, allein die älteren, erfahrenen Directoren\nhaben im Gegentheil gerade das neue Freiheitsgesetz zum\nVorwande abschlägiger Antworten genommen, da man\nerst abwarten müsse, was für neue Theater entständen,\nbevor man daran gehe, neue Werke in Scene zu setzen.\nParis hat jetzt in seinem neuen Umfange, so dass man\ndie Bühnen in dem ehemaligen Weichbilde (banlieue) der\nStadt mit einrechnen muss, über vierzig Schauspiel-Lo-\ncale, einschliesslich der beiden Circus und des Hippo-\ndrome. Sieben bis acht davon sind augenblicklich ge-\nschlossen; zu ihnen gehören Odeon (Ferien seit dem\n1. Juni), Opera comique (wird im Innern umgebaut),\nTheätre lyrique(auf welchem zuletzt die Ristori mit\neiner schlechten Gesellschaft zwei oder drei Vorstellungen\ngegeben hat), die italiänische Oper, die\nu. s. w. Trotzdem haben die Neubauten eines grossen\nTheaters in der Rue de Lyon,nahe beim Bastille-Platz,\neines kleineren in der Rue Lafayetie und eines anderen\n(Theätre du Roule) in der Nähe des Triumphbogens de\nl'j Etoilebegonnen.\nDie Kunst-Gewerbefreiheit scheint aber auch be-\nrühmte Künstler mit ihrem Schwindel anzustecken. So hat\nGueymard von der grossen Oper eine Truppe engagirt,\num mit ihr in den französischen Colonieen auf St. Maurice\nund Reunion Vorstellungen zu geben, und Felicien Da-\nvid kündigt lür den nächsten Winter eine Art von musi-\ncalischem Omnibus-Unternehmen an, denn es soll nichts\nweniger als Alles für Alle omnia Omnibus liefern.\nSeine Bekanntmachung vom 9. Juli lautet:\n„Es hat sich eine Gesellschaft in Paris gebildet, um\nunter den Bedingungen ganz vorzüglicher Ausführung zu\nermässigten Eintrittspreisen alle Meisterwerke der alten\nund neuen französischen und fremden Componisten hören\nzu lassen. Die Programme der neuen Gesellschaft werden\nin ihrer unendlichen Mannigfaltigkeit Proben von allen\nmusicalischen Gattungen enthalten: Sinfonieen, Sinfonie-\nOden, Fragmente aus Opern, Messen und Oratorien, Chöre,\nCantaten, ohne Parteinahme für irgend eine besondere\nGattung und mit gleichmässiger Berücksichtigung der deut-\nschen, italiänischen und französischen Schule. Das Local,\nwelches im Merzen von Paris und in der Nähe des Boule-\nvard Montmartre gewählt ist, fasst drei Tausend Personen.\nDer Director ist Felicien David, dessen Name keiner\nAnpreisung bedarf; zweiter Dirigent Magnus, Pianist\nund Componist. Die Einweihung dieses neuen Etablisse-\nments wird im Monat November Statt finden. Die neue\nGesellschaft wird ihren Ruf an alle talentvollen Musiker erge-\nhen lassen und den berühmtesten Solisten gestatten\nmsttra was ist damit gemeint? Dass sie nach der Ehre,\ndort umsonst zu spielen, geizen sollen?], sich hören zu las-\nsen. Die Componisten sollen das Recht haben, ihre Werke\npersönlich zu dirigiren.\"\nWenn es dabei am Ende nur nicht heisst:\nmontes!\nHenry Litolff hat einen Trauermarsch zum\nAndenken an Meyer beer geschrieben für Pianoforte zu\nzwei und vier Händen, auch für sechs Sax-Instrumente\neingerichtet. Die Composition erhebt sich über das Ge-\nwöhnliche, doch führe ich sie hauptsächlich nur an,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "231", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640716-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1583, "texte": "um an einem Auszuge aus der Recension »von Maurice\nBourges in der Gazette et R ein Beispiel zu geben,\ndass der heutige emphatische Stil der Literaten und Dich-\nter, die, ohne einen Accord zu kennen, über Musik schrei-\nben, hier wie bei Euch derselbe ist. Da heisst es denn\nunter Anderem: „Litolff's Feder weicht bekanntlich (?)\nnicht vor den unheilvollsten und düstersten Stoffen zurück;\nsie findet Melodieen und Klänge, welche so traurig wie\nYoung's Nachtgedanken sind. Nichts Schmerzvolleres,\nnichts Thränenreicheres, als dieser Trauermarsch! Alles,\nwas der Kreidestift Barbizet's auf das Bild des Titelblattes\ngezeichnet hat, die Aschenurne, das Grabmal, die Trauer-\nweide, die Leichenkrone, die gebrochene Palme, die Lyra\nmit zerrissenen Saiten —alle diese Grab-Symbole, die uns\nwie der 1 rappist das Memenio zurufen, erhalten\ndurch den Geisteshauch des Componisten eine klagende\nStimme. [Danach hat also Barbizet erst das Titelbild ge-\nmacht und LitolfF es in Musik gesetzt!] Natürlich ist\ndiese Musik in C-moll geschrieben, wie jeder Marsch, der\nseine Schuldigkeit als Trauermarsch kennt. [Und die zwei\nberühmtesten Trauermärsche von Beethoven??] Die\nDur-Tonart kommt fast gar nicht vor, und wenn auf Au-\ngenblicke, so mischt der Tondichter durchdringende Dis-\nsonanzen hinein, schneidend wie die Sichel des Todes, oder\neine schwankende, nebelige Harmonie, die gleichwie das\nAuge durch Thränen verschleiert ist!\" u. s. w. u. s. w.—\nUnd nun der Schluss: „Aus dem Zusammenfassen dieser\nBemerkungen muss der Leser einsehen, dass dieser\nTrauermarsch eminent dramatisch ist!\"\n\nB. p."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-07-16-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-07-16_01#c004", "volume": "bmtnabi_1864-07-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "231", "page_fin": "232", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640716-01.2.4", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "231", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640716-01.1.7", "debut_caractere": 1585, "fin_caractere_exclue": 6827, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\n-94011i, 15. Juli. Gestern gaben die Italiäner von Paris Ros-\nsini s Bavbiere\" bei vollbesetztem Hause; die Anziehungskraft\nder reizenden Musik und die Erwartung einer vorzüglichen Auffüh-\nrung hatten den Sieg über den Sonnenschein und den blauen Him-\nmel draussen davongetragen. Die Erwartung wurde nicht getäuscht:\nRosine Madame Demeric-Lablache, Almaviva Signor Ba-\nragli, Doctor Bartolo Signor Antonucci, Figaro Signor\nSterbini waren vortrefflich, die beiden ersten ganz ausgezeichnet.\nDie technische Gesangtertigkeit des Tenors Baragli zeigte sich in\nihrem glänzendsten Lichte, und Madame Lablache war in Erschei-\nnung, Gesang und Spiel eine der reizendsten Rosinen, die wir je\ngesehen. Am schwächsten war die Partie des Basilio besetzt, indess\ntrug doch die Mitwirkung des Signor Elzelini zu der vortrefflichen\nAusführung der Ensemblestücke das Ihrige bei.\nMan schreibt aus Baden-Baden: „In Erwartung der Theater-\nSaison, welche am 15. Juli beginnt, wird mittlerweile für die Er-\ngötzung der Gäste durch Concerte zur Genüge Sorge getragen. Seit-\nher liessen sich bereits hören: der Violinist Heer mann mit seiner\nGemahlin, die eine gute Harfenspielerin ist; der Violoncellist Onds-\nhorn; die Fräulein und Organi, Schülerinnen der Viar-\ndot, und die wiener Sängerin Fräulein Caroline Pruckner. Die\nMatineen des Fräuleins* Elise Lang, welches einen gemischten\nChorverein gründete und mit demselben allwöchentlich eine Pro-\nduetion abhält, sind sehr besucht. Der Violinist Leonard und seine\nFrau, eine perfecte Sängerin, sind zu Concerten eingetroffen. Die\nmannheimei Capelle unter Lachner s Leitung begann Anfangs\nJuli ihre Conceite. Aul den Repertoires aller dieser Productionen\nfindet man die besten Namen: Beethoven, Mozart, Mendelssohn,\nSchubert, Schumann. Rubin stein, der sich hier befindet, ist\nnicht zu bewegen, öffentlich zu spielen, dagegen gibt er, gleichwie\nim vorigen Jahre, jeden Sonntag Vormittag bei sich Concert-Vor-\nträge zum Besten, zu welchen sich die Elite der Gesellschaft drängt,\nAehnliche Genüsse wird demnächst auch die feierliche Eröffnung\ndes Musiksaales der trau \\ iardot-Garcia, den sie sich eigens\nerbauen liess und die im nächsten Monate Statt finden wird, dar-\nbieten.\"\n! iL\n•ÖFCSfldl} S. Juli. Nachdem die inneren Räumlichkeiten un-\nseres Holtheaters zum grossen Theile renovirt worden sind und da-\ndurch eine längere Unterbrechung der regelmässigen Vorstellungen\nnöthig wurde, haben dieselben im neu decorirten Hause am 28. Juni\nwieder begonnen. Dem jetzigen Intendanten Herrn von Könneritz\ngehört unstreitig das Verdienst au, durch Regsamkeit und Umsicht\nmanches Stereotype, besonders in Hinsicht auf Repertoire und an-\ndere äussere Einrichtungen, durchorochen zu haben. Es sind in den\nletzten Jahren sowohl für Oper als Schauspiel bedeutend mehr No-\nvitäten in Scene gegangen, als früher, wenn auch mehrere derselben\nnur ein paar Mal dem Publicum vorgeführt werden konnten, ohne\ndauernde Aufnahme zu finden. Zu dieser Liberalität, welche den\nWerken der Neuzeit den Zutritt erleichtert, gesellt sich aber in\nHerrn von Könneritz auch Pietät und sorgfältige Auswahl für ältere\nMeister, wodurch uns hiervon Manches neu entgegentritt, das längst\nbegraben schien. So sollte dem Vernehmen nach die Oper mit\nGluck's rAlcestet* wieder eröffnet werden, was leider durch ein Un-\nwohlsein der Frau Bürde-Ney verhindert worden ist. Möchte doch\nunsere allverehrte Prima Donna, deren Darstellungs-Vermögen sich\nso bedeutend entfaltet hat und deren musterhafte Leistungen bei\neminenter Kunstfertigkeit stets einfache Grösse und Ungekünstelt-\nheit kennzeichnen, sich bald wieder des vollen Stimmgebrauches\nund einer ungestörten Gesundheit erfreuen! Der Ileldeu-Tcnor des\nHerrn Tichatschek glänzt immer noch in unverwüstlicher Klang-\nkratt. Neben ihm ist in Herrn Schnorr von Karoisfeld ein Nach-\nfolger erwachsen, der, von dramatischem Leben und edler Auffassung\nbeseelt, schon viele wahrhafte Triumphe ersungen hat. Herr Mitter-\nwurzer (Bariton) und Frau Krebs-Michalesi (Mezzo-Sopran) haben\nsich auf ihrem künstlerischen Höhepunkte erhalten. Auch Frau\nJauner-Krall weiss noch mit demselben Liebreiz zu fesseln, der um\nso dauernder wirkt, je natürlicher er erscheint. Von den übrigen\nOpern-Mitgliedern, welche meistens alle sehr brauchbar sind und\nvon denen einige in der Neuzeit geeigneter verwendet werden, als\nsonst, sei Fräulein Alvsleben noch vorzugsweise erwähnt. Schon\nfrüher besprachen wir die Eigenschaften ihres hohen Soprans, der\nnicht bloss das Krystallhelle zum Merkmale hat, sondern eine zarte\nFülle und reichen, schmelzenden Wohllaut gerade in der höheren\nLage entwickelt, was dem Gesänge besonderen Reiz verleiht. Wir\nwiederholen den Wunsch, dass eine gesteigerte Begeisterung sich\nnoch den Darstellungen dieses jungen Bühnen-Mitgliedes mittheile,\ndamit sie dramatischer werden möchten, um so mehr, als glückliche\nAuffassungskraft vorhanden ist, welche durch grosse musicalische\nSicherheit unterstützt wird. L. N., geb. K.\nWien« Eduard Hansl ic k befindet sich auch unter den\nfrüheren Mitarbeitern der „Presse\", welche der Fahue des Herrn\nZang nicht länger zu folgen gesonnen sind und ein neues Blatt im\ngrossen Stile gründen wollen. Wir bedauern diesen vorläufigen Aus-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "232", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640716-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4258, "texte": "fall einer so tüchtigen und liebenswürdigen Persönlichkeit aus der\nwiener Journalistik aufrichtig; denn mag auch dem neuen Unter-\nnehmen die reichste Auswahl bewährter Kräfte zu Gebote stehen,\nso wird es doch zunächst eines besonderen Glückes bedürfen, um\ndenselben in dem jungen Organe einen auch nur annähernd so\ngrossen Leserkreis und Einfluss zu sichern, wie sie ihn bisher be-\nsessen haben. (Ree.)\nParis, 10. Juli. Eine komische Oper: „Le Mariage de Dom,\nLopez\", Text von Jules Barbier, Musik von Eduard de Har-\ntog, ist vom Theätre lyrique in diesen Tagen angenommen worden\nund wird eine der ersten Neuigkeiten sein, welche nach der Wie-\ndereröffnung dieser Opernbühne zur Aufführung kommen.\nIn vergangener Woche ist Heinr. Jos. Maria Duesberg\ngestorben, der in seinen letzten Jahren hier lebte und ein fleissiger\nMitarbeiter, namentlich durch Uebersetzung musiealischer Artikel\naus deutschen Zeitschriften, an der Revue et Gazette musicale war.\nEr war aus Münster in Westfalen, wo er den 20. September 1793\ngeboren wurde. Der Tod erreichte ihn plötzlich. Am Freitag den 8.\nd. Mts. wurde er zur Ruhe bestattet.\nDie Witwe eines der grössten Componisten, Frau Cherubini,\ngeborene Cäcilia Tourette, ist in voriger Woche in ihrem ein-\nundneunzigsten Jahre zu Neuilly gestorben. Nach dem letzten Wil-\nlen derselben fand ihr Begräbniss ohne allen Prunk, auch ohne alle\nEinladungen dazu Statt; auch für die kirchliche Feier hatte sie alle\nTrauer-Draperieen u. s. w. verbeten: „Ich mag diesen Apparat, um\nin die Ewigkeit befördert zu werden, nicht leiden, und hoffe ohne\nDemonstrationen nichtiger Eitelkeit dahin zu gelangen.\" Nur die\nMitglieder der Familie bildeten den Leichenzug, doch hatte der\ngreise Auber es sich nicht nehmen lassen, den Sarg bis zur Ruhe-\nstätte zu begleiten.\nDie Einweihung einer neuen Orgel aus den Werkstätten der\nHerren Merklin und Schütze in Brüssel und Paris fand zu\nParis in der Kirche Bonne Nouvelle zu grosser Befriedigung der\nanwesenden Musiker und Kenner des Orgelbaues Statt.\nDie pariser Akademie der schönen Künste hat an Meyer-\nbeer1 s Stelle den Componisten Verdi zu ihrem auswärtigen Mit-\ngliede ernannt. Er erhielt von 37 Stimmen 23, während dem Bild-\nhauer Simonis 7, dem Maler Navez 4, dem Maler Gallait.2\nund dem Bildhauer Geefs 1 Stimme zufiel.\nIn Marseille starb der Violinspieler Karl Wynnen, einer\nder besten Schüler de Bdriot's. Wynnen war die personificirte Wan-\nderlust. Er reiste nicht, gleich anderen Virtuosen, um Geld zu ver-\ndienen, sondern er verdiente sich mit seiner Kunst Geld, um reisen\nzu können. Nachdem er Europa in allen Richtungen durchwandert\nhatte, zog es ihn über das Meer. Unter den vielen Fährlichkeiten\nund Abenteuern, die er zu bestehen hatte, figuriren ein paar Aus-\nraubungen und ein Schiffbruch, aus welchem er nur das nackte\nLeben rettete. Wynnen war in Brasilien, wo er den Titel eines kö-\nniglichen Kammer-Virtuosen bekam, in La Plata, Chili, Peru, Mar-\nwice, am Cap u. s. w. Längere Zeit reiste er mit Livingston in\nCentral-Africa und kam bis an den See Nyami. Vor Kurzem nach\nMarseille zurückgekehrt, bereitete er sich zu einer grossen Reise\nnach China vor. Der Tod vereitelte diesen Plan. Er erreichte nur\ndas 37. Lebensjahr.\n(Künstler lohn.) Wir sind bei dem gegenwärtigen hohen\nStande des Honorars für musicalische und theatralische Kunstleistun-\ngen sehr leicht zu dem Glauben geneigt, dass so übermässige Be-\nlohnungen von Tonkünstlern noch nie da gewesen. Sie sind aber\nuralt, und selbst die Einnahmen der grossen Sänger und Sängerin-\nnen des vorigen Jahrhunderts, von denen wir nur Farinelli nennen\nwollen, halten den Vergleich zu dem nicht aus, was wir in W.\nDrumann („Die Arbeiter u. s. w. im alten Griechenland und Rom.\nNach den Quellen.\" Königsberg, 1860, bei Gebr. Bornträger. Ab-\nschnitt I. §. 13, S. 79) lesen: „Ausgezeichnete Meister im Flöten-\nspiel oder Gesänge erhielten für ihre Mitwirkung im Theater oder\nan Festen einen beträchtlichen Lohn. So zahlte man z. B. dem\nSänger Amoibeos in Athen, so oft er auftrat, ein Talent,\nd. h. beinahe 1500 Thal er! (Athenäus XIV, 17. p. 623.) Waß\nwollen dagegen unsere jetzigen Honorare von 20, 25, 30, höchstens\n50 Friedrichsd'or in Deutschland, 1000 Francs in Paris, 60—80 L.\nSterling in London für jedes Auftreten sagen?"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "225", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640716-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nJohannes Aloys Miksch. Ein Lebensbild. Pariser Brief (Rückblick auf die italiänische Oper Früchte der\nTheater-Gewerbefreiheit). Von B. P. Tages- und Unterhai tu ngsblatt (Köln, Fortsetzung des Gastspiels der italiänischen Oper\nBaden-Baden, Virtuosen-Concerte Dresden, Wiedereröffnung des Hoftheaters Wien, Eduard Hanslick Paris, neue komische\nOper, Heinr. Jos. Maria Duesberg f, Witwe Cherubini +, neue Orgel Marseille, Karl Wynnen f Künstlerlohn).\n\nJohannes Aloys Miksch.\nUnter dem Titel: „Denkwürdigkeiten der Hof-\nmusik zu Dresden im 18. und 19. Jahrhundert\"\n(Leipzig, bei H. Matthes, 1863, 131 S. 8), hat Hein-\nrich Mannstein ein Lebensbild von Johannes Aloys\nMik sch, dem berühmten Gesanglehrer in Dresden (Juli\n1765 September 1845), gegeben, welches nicht bloss\nals ein Dankopfer der Pietät des Schülers gegen den Leh-\nrer Theilnahme verdient, sondern durch den Inhalt, der\nsich ausser dem Biographischen auch auf allgemeine mu-\nsicalische Zustände in Dresden und Züge von bedeutenden\nPersönlichkeiten (die jedoch nicht hinreichen dürften, um\nden Titel des Büchleins zu rechtfertigen) Interesse erregt.\nDie kleine Schrift schliesst sich gewisser Maassen als ein\nEpilog den theoretischen Schriften Mannstein's an, in de-\nnen er nach sechsjährigen Studien bei Miksch die Besul-\ntate der Methode seines Lehrers, durch eigene Praxis er-\nweitert, niedergelegt hat*). Wir lernen aus dieser biogra-\nphischen Skizze Miksch sowohl in seiner stets von echt\nkünstlerischem Streben getragenen und unermüdlichen\nBerufsthätigkeit kennen, als in ihm den Mann von Cha-\nrakter und edler Gesinnung schätzen und lieben. Was\nseinen Unterricht betrifft, so braucht man nur an die Na-\nmen einer Veltheim, Funk, Hähnel, Schröder-Devrient,\nAgnes Schebest, der Sänger Bergmann, Zezi u. s. w. zu\nerinnern, um auch denjenigen Freunden der Tonkunst, die\nden tüchtigen Meister noch nicht kannten oder wieder\nvergessen haben, das Büchlein, das von ihm erzählt, zu\nempfehlen.\nVon allgemeinem Interesse dürfte aus demselben auch\nfolgender Beitrag zur Geschichte von Weber's Anstellung\nund erster Wirksamkeit in Dresden sein.\n„Seitdem die Gründung einer deutseben Oper be-\nschlossene Sache war, hatte man sich natürlich auch nach\neinem deutschen Dirigenten umsehen müssen. Miksch\nkannte Carl Maria von Weber, er hatte dessen gros-\nses Talent gewürdigt und bezeichnete ihn dem Cabinets-\nMinister als den Vormann unter den deutschen Opern-\nDirigenten, da Beethoven an Oesterreich gebunden war\nund sich übrigens zum Leiter einer grossen Oper wegen\nseines Unglückes weniger eignete. Der Graf Vitzthum von\nEckstädt erhielt Befehl, mit Herrn von Weber zu unter-\nhandeln, denn er war damals General-Director der Capelle,\nein liebevoller, edler Mensch, aber halb taub; zugleich\nwar er auch Director der Kunst-Akademie und in allen\nZweigen nur für das Gute eingenommen.\n„Eines Tages empfängt Miksch ein Briefeben von We-\nber, worin ihm dieser anzeigt, dass er in Dresden einge-\ntroffen sei und ihn im Hotel de Pobgne sehnlich erwarte.\nMiksch eilt dahin und findet den kleinen Mann in unge-\nheurer Aufregung im Zimmer herumhinken. Kaum findet\ner Zeit, seinen Freund zu begrüssen, dann zeigt er ihm\neine Visitenkarte mit der Inschrift: Francesco Morlacchi,\nDirettore di tutti theatri del und fragt\nzornig: Was? dieser Morlacchi ist Director der königlichen\nTheater? ich soll also unter ihm dienen? denn ich bin\ndoch bloss Capellmeister!\n„So viel ich weiss, bemerkte Miksch, sind Sie bloss\nMusik-Director.\n„Weber wollte rasend werden; er rief seinem Freunde\nzu, er solle ungesäumt zum General-Director gehen und\nihm erklären, dass er sofort wieder abreise, wenn er nicht\nden Charakter als Hof-Capellmeister erhalte. Er möge\nferner dem Grafen Vitzthum bemerken, dass alle seine\nZuschriften an den „ „Capellmeister\"\" von Weber adres-\n\n*) „Die italienische Gesangschule.\" 1834 und 1848.\nDresden und Leipzig, bei Arnold. Die Praktik der classi-\nschen Gesangkunst. 1830. Ebendaselbst. Geschichte des\nGesanges von Gregor dem Grossen bis auf unsere Zeit. 1845.\nLeipzig, bei Teubner."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "226", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640716-01.1.2", "texte": "sirt gewesen seien, dass von einem „ „Musik-Director\"\"\nunter ihnen kein Wort gefallen sei.\n„Die Sache war die, dass Weber allerdings nur als\nMusik-Director engagirt werden sollte; GrafVitzthum aber\nhatte aus Scheu diesen Punkt stets umgangen und war so\nin die unangenehme Lage gekommen, dem Könige eiligst\neinen besonderen Vortrag machen zu müssen, denn We-\nber liess in der That seinen Reisewagen gar nicht ab-\npacken, und doch sollte er Abends dem Personale der\nCapelle und des Hoftheaters auf dem Brühl'schen Garten\nvorgestellt werden. Der König war ziemlich verstimmt ge-\nwesen, indessen halte er auf des Grafen dringendes Anlie-\ngen Herrn von Weber den Capellmeister-Titel, jedoch nur\nmit einjährigem Contracte, verliehen. Da sich dieser dar-\nüber wegsetzte, so erfolgte seine leierliche Einführung\ndurch die General-Direction als Hof-Capelimeister. Miksch\nhatte während der Gefangenschaft seines Fürsten sich unter\nder Menge zweideutiger Charaktere durch Entschiedenheit\nder Gesinnung so vortheilhaft ausgezeichnet, dass der Kö-\nnig ihn zu dieser Zeit zu seinem musicalischen Archivar\nernannte und seiner besonderen Gnade würdigte.\n„Er beschäftigte sich mittlerweile unablässig mit der\nAusbildung glücklicher Begabungen, die hervorragendsten\ndavon waren in jener Periode die Funk, welche sogleich\nfür die neue deutsche Oper gewonnen ward, der Tenor\nBergmann, ein junger Schullehrer aus der Lausitz,\nschwächlich und kümmerlich genährt, Bisse, ebenfalls\ndem hochbeglückten Schulmeisterslande angehörend, die\nH ä h n e I, welche er insgeheim ausbildete, und die Z u ck er.\nWeber arbeitete nach Vollendung der „ „Preziosa\"\" Reis-\nsig am „ „Freischütz\"\", wovon er jede Nummer dem äl-\nteren Freunde vorlegte. Das Stück fing erst mit einer lan-\ngen Scene des langweiligen Eremiten an; Miksch stellte\ndem Tondichter vor, dass sich um diesen grossen Heiligen\nnoch kein Mensch kümmere, dass man erst durch den\nFreischütz werde auf ihn aufmerksam werden, wesshalb\nes gerathener sei, diese Scene bis dahin geheim zu halten.\nDa dieser Eremit für Miksch selbst bestimmt war, so\nfanden seine Gründe Eingang und die Wegschneidung ging\nvor sich. Miksch hatte dreiundzwanzig Jahre in der italiäni-\nschen Oper gesungen, so dass ihm wohl ein bündiges Ur-\ntheil zugestanden werden musste. Weber kam ihm gegen-\nüber mehrmals in die Lage, an der Partitur ändern zu\nmüssen. So hatte z.B. Caspar die Worte im ersten Finale:\n„ „Nur ein keckes Wagen ist's, was Glück erringt\"\", ohne\nBegleitung zu singen; Miksch stellte Weber vor, dass es\nunerhört sei, Jemanden einen übermässigen Terz-Quint-\nSext-Accord singen zu lassen, weil die Stimme die Töne\ngar nicht treffen könne, und so liess Weber die Celli mit\nder Stimme gehen. Ferner hatte derselbige unglückselige\nCaspar in seiner Triumph-Arie die lange Passage auf\n„„Bache\"\" sob zu singen. Miksch stellte ihm vor, dass\nder Bassist Mayer, für den der Part geschrieben war, gar\nnicht der Sänger sei, um einen Gang von einer Terz-De-\ncime (Fisbis eingestrichen e)auszuführen, zumal nach der\nbereits gehabten gewaltigen Anstrengung. „ „Sie sind ein\nschlauer Fuchs,\"\" scherzte Miksch, „ „diesmal haben Sie\nSich aber doch selber gefangen; Sie haben Beethoven über-\ntreffen wollen und sind unter ihm geblieben. Dieser lässt\nim Fidelio den Pizarro eingestrichen aushalten und das\nOrchester figuriren, Sie machen es umgekehrt und müssen\ndadurch den Sänger nothwendig compromittiren.\"\"\n„In Folge dieser Besprechung begleiten nun die\nStreich-Instrumente die Bache-Passage. Bei diesen Gesprä-\nchen kam es zwischen den beiden Männern überhaupt zu\nheftigen Explosionen, insonderheit als Weber eines Tages\nbehauptete, was er immer schreibe, müsse ein Sänger auch\nsingen können. Doch Miksch erklärte ihm darauf rund\nund nett, dass er eben vom Gesänge nichts verstehe, jeder\nKenner seinen Melodieen augenblicklich anhöre, dass er\nsie entweder pfeifend oder auf dem Ciavier ausbilde, denn\nsie klängen alle nach Clarinette oder Piano. Miksch sagte\ndem Staunenden, dass er gleich allen deutschen Pedanten\nunter Singen nichts als Notentreffen verstehe, dass ihm\naber die Technik des göttlichen Instrumentes der Men-\nschenstimme, ihr Ausdruck der Leidenschaften in den ver-\nschiedenen Stilen, überhaupt der schöne Gesang völlig\nfremd sei, und dass er überhaupt diesen bei den grossen\nMeistern erst studiren und gute italiänische Sänger lange\nhören müsse, um jene hohe Kunst sich zu eigen zu machen.\nWeber, sagte Miksch unter Anderem, komme ihm mit\nseiner Compositions-Weise den Sängern gegenüber vor wie\nein boshafter Mensch, der für Weber ein Clavier-Concert\nschreiben solle und alle Schwierigkeiten in die linke Hand\nlege, weil Herr von Weber eine „ „schlechte\"\" linke Hand\nhabe. Uebrigens möge der Herr Capellmeister im Mar-\npurg nachlesen, der schon vor achtzig Jahren gelehrt\nhabe, dass die übermässige Terz, die verminderte und über-\nmässige Sext nebst der verminderten Octave ausser dem\nBereiche der Singkunst liegen.\n„Ungeachtet dieser und zum Theile noch heftigerer\nZusammenstösse blieben die edeln Männer stets aufrichtige\nFreunde. Der Freischütz ging indessen mit seiner ganz\nneuen Melodik, diesem köstlichen Geschenke des grossen\ndeutschen Mannes Carl Maria von Weber, wie das\nSignal zu einem allgemeinen Freudengeschrei auf; zahllose\nStimmen verkündeten die süssen Gesänge dieses Lieder-\nschatzes, von den grössten Orchestern bis zum Leierkasten\nfreischützte Alles. Als die sächsischen Prinzen von einer\nausländischen Reise zurückkehrten, erzählten sie unserem"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "227", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640716-01.1.3", "texte": "Helden in ihrer liebenswürdigen Art und Weise: „„Wo\nman uns entgegenkam, huldigte man uns in Weber, denn\nüberall spielte man uns Freischütz vor; bei unserm Einzüge\nin Rotterdam spielte ein Thurm: „„Wir winden dir den\nJungfernkranz\"\", und als wir an Bord eines Linienschiffes\neingeladen waren, spielte die Capelle: „ „Was gleicht wohl\nauf Erden dem Jägervergnügen, und der Capitän be-\nglückwünschte uns zu Weber. Weber war immer die Haupt-\nperson, wir spielten die Nebenrollen.\"\" Und in dieser\nOper sangen bei ihrem Erscheinen auf der dresdener Hof-\nbühne lauter Mikschische Schüler in den Hauptrollen: die\nFunk war die erste Agathe, Bergmann der erste Max,\ndie Zucker das erste Aennchen. Glücklich, wer sich die-\nser Zeiten erinnert! Ein schöneres Dreigestirn hat -die\ndeutsche Oper seitdem nicht wieder gehabt, es versetzte\nganz Dresden in Wonnerausch, und Weber war damals\ngewiss einer der glücklichsten Menschen. Nur der beschei-\ndene Miksch hatte keinen anderen Gewinn von diesen\nErfolgen als sein Bewusst&ein, und wie dem edeln Manne\nsogar der Ruhm verloren ging, der neuen Oper die gros-\nsen Repräsentanten geschenkt zu haben, davon iiefert die\nAnfangs-Epoche derselben einen fast komischen Beweis,\nder zugleich ein Beleg für die Verlässigkeit der Zeitungs-\nBerichte ist. Eines Tages sagte Weber zu Miksch: Ich bin\nnun über ein Jahr in Dresden und habe noch keine deut-\nsche Oper Mozart's aufgeführt, sehe auch keine Möglich-\nkeit dazu. Was wird man dazu sagen?\n„An welche Oper Mozart's denken Sie, an die Ent-\nführung oder an die Zauberflöte? fragte Miksch.\n„An die Zauberflöte; sie ist populärer, fordert aber\nunendliches Personal. Wir haben keine Königin der Nacht\nund keine Pamina.\n„Wie, wenn ich Ihnen beide schaffte?\n„Sie halten mich zum Besten! An unserem Theater\nwären diese zwei ersten Sängerinnen?\n„Morgen sollen Sie die Königin der Nacht hören.\n„Mit d ieser Königin hatte es folgende interessante\nBewandtniss. Miksch hatte zu seinen Aemtern eines könig-\nlichen Kammer- und Ceremonien-Sängers und königlichen\nmusicalischen Archivars auch noch das eines Directors des\nneugegründeten Theater-Singchors erhalten und bei den\nUebungen desselben die pompöse Stimme eines ganz armen\nMädchens, Namens Hähnel, beobachtet. Er sagte ihr,\ndass er gemeint sei, sie unentgeltlich zur Solosängerin aus-\nzubilden, falls sie Stillschweigen gelobe, jedoch werde mit\ndem Bruche des Gelübdes der Unterricht sofort und für\nimmer aufhören. Um dem armen Kinde, das an Kleidern\nund Wäsche bei einem Monatsgehalte von acht Thalern\nzehn Silbergroschen bittern Mangel litt, etwas Muth ein-\nzuflössen, schenkte ihr der wackere Mann auch noch zwan-\nzig Thaler, und das Studium begann. Aber wie! Die aus-\nserordentlich kräftige Constitution der Schülerin gestattete,\ndass sie neben den umfassendsten Uebungen ihren Dienst\nverrichten konnte. Hier zeigte sich die VortrefTlichkeit der\nbolognesischen Schule in voller Stärke; denn ihre Methode\nder Stimmgebung und Tonbildung, die auf den Gesetzen\nder Athemlührung, des Tonanschlages und der Körper-\nhaltung beruhen, bewirkt, dass das Singen die Organe\nnicht angreift, sondern kräftiget, und in Folge desselben\nalso niemals krankhafte Ueberreizung, vielmehr nur natür-\nliche Ermüdung eintritt. Nach kaum zweijährigem Zeit-\nräume sang die junge Schülerin die schwierigste aller\nPartieen mit einer Kraft und Virtuosität, die wir seitdem\nnie wieder gehört haben. Die nächstgrosse Zöglingin\nMiksch's, welche diese Rolle in angränzender Vollendung\nund in den Urtonarten, nicht in Transponirung, sang,\nwar das jetzt noch lebende Fräulein Charlotte Velt-\nheim.— Also Miksch erschien zur festgesetzten Stunde bei\nWeber mit seinem Schützling. Weber, der Fräulein Häh-\nnel als Choristin kannte, war aus den Wolken gefallen,\neine Königin der Nacht in ihr erkennen zu sollen, er\nglaubte sich myslificirt, zog Miksch bei Seite und fragte\nihn, ob er ihn zum Narren haben wolle? Wie erstaunte\ner aber, als er in der nächsten Viertelstunde das junge\nMädchen für eine der grössten Sängerinnen anerkennen\nmusste, die er jemals gehört! Fast eben so erging es\nihm mit der Zucker, die er nur als Soubrette gekannt\nund in der er jetzt die reizendste Pamina bewundern\nmusste. Die Zauberflöte ging, mit Bergmann als Tamino,\nunter rauschendem Beifall über die Bretter; man fragte\nim Publicum erstaunt nach dem Zauberer, der die Zau-\nberllöte möglich gemacht, und las in den nächsten Tagen\nnoch erstaunter in einer Zeitung die Nachricht, dass We-\nber der Wunderthäter sei. Miksch stellte natürlich den\nRedacteur darüber zur Rede und forderte ihn zu der Er-\nklärung auf, dass nicht Weber, sondern Miksch der Mei-\nster jener bewunderten Sängerinnen sei. Es wurde Alles\nversprochen; Weher spielte den Erstaunten, der Bedacleur\nden Dummen, Miksch den Wüthenden, aber der Wider-\nruf soll heute noch kommen. Weber's Amtsantritt war,\nwiewohl unabsichtlich, mit einer Kränkung verknüpft,\nallein diese wurde bald durch die Gnade der Königin aus-\ngeglichen. Als Weber nämlich einstmals am Sommer-Hof-\nlager Tafelmusik leitete, bezeigte ihm Ihre Majestät den\nallerhöchsten Beifall, indem sie sich zugleich nach dem\nBefinden seiner Familie zu erkundigen geruhte. Weber\nbemerkte nicht ohne Kummer, dass er als ein Capellmei-\nster auf Jahres-Contract nicht wage, seine Braut heimzu-\nführen, und von nun an ruhte die hohe Landesmutter\nnicht, als bis Weber definitiv angestellt war. Uebrigens\n\n[1"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "228", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640716-01.1.4", "texte": "wurde er vom Volke so vergöttert, dass man den Grund\nseiner oft wiederkehrenden Verstimmung wohl in seiner\nkörperlichen Disposition suchen muss; der Beifall, den er\nfand, war unermesslich und konnte ihn über alle Miss-\nstände hinwegheben. Was waren alle giftigen Blicke der\nNeidharte, alles Gezischel der Nattern, was waren alle\nErdichtungen der Bosheit, wenn der tobende Beifallssturm\nin den Vorstellungen der Preziosa, des Freischütz und der\nEuryanthe losbrach? Weggefegt, wie der giftige Schwa-\nden, den ein fauler Sumpf ausgedunstet, weggefegt von\ndem Odem des Weltenschöpfers, der in dem frischen\nMorgenwinde braust!\n\nPariser Brief.\n\n(Rückblick auf die italiän ische Oper Früchte der\nTheater - Gewerbefreiheit.)\nDie kaiserliche italiänische Oper hat unter der Di-\nrection des Herrn Bagier in der abgelaufenen Saison\n1863—1864 149 Vorstellungen gegeben, wovon 145\nim Abonnement. Es kamen 17 Opern vor: Trovatore und\nRigoletto je 15 Mal, 11 Barbiere 13 Mal, Sonnambula\nund Lucia je 12 Mal, Traviaia 10 Mal, und\nPasquale je 8 Mal, Semiramide, Lucrezia, Un Balb in\nMaschera je 7 Mal, Poliuto6 Mal, 5 Mal,\nMaria di Rohan, Ernani, Marta je 4 Mal, Italiana in\nAlgeri 1 Mal. Also Donizetti und Verdi mit 5 Wer-\nken ein jeder, Rossini mit 4, Bellini mit 2, Flotow\nmit 1. Mozart? Cimarosa? Versprochen waren:\nDon Giovanni, Le Nozze di se-\ngreto, aber sie erschienen nicht. Und doch waren nicht\nweniger als 38 Sängerinnen und Sänger engagirt! Näm-\nlich 11 Soprani, darunter de la Grange, Adel. Patti,\nCarl. Marchisio, Spezzia, Calderon u. s. w.; 5\nMezzo-k Soprani und Alti, darunter Borghi-Mamo, De-\nmeric-Lablache, Barbara Marchisio u.s.w.; 8\nTenori, mit Fraschini, Mario, Baragli, Naudin\nu. s. w.; 8 Baritoni, mit Delle Sedie, Aldighieri,\nAgnesi, Sterbini u. s. w.; 6 Bassi, mit Antonucci,\nMarchetti, Scalese u. s. w. Von diesen 38 Künstlern\nalternirten 26 zwischen Paris und Madrid. Eine admi-\nnistrative Neuerung war die Abschaffung des Parterres.\nSie hat aber keinen Beifall gefunden, und die allgemeine\nStimme verlangt für die nächste Saison das Parterre als\nden Platz des eigentlichen Publicums im Gegensatze zu\nden Abonnenten, die alle übrigen Plätze inne haben, wie-\nder. Man wird sich ihr wohl fügen müssen. Uebrigens\nhat das italiänische Operntheater trotz seines Epithetons\n„kaiserliches\" in dieser Saison keine Subvention von der\nRegierung gehabt; ob es die 100,000 Francs, die es\nfrüher genoss, wieder erhalten wird, ist noch unentschie-\nden. Dagegen haben sich schon zwei neue italiäni-\nsche Opern-Unternehmungen, von dem Gesetze, das die\nTheater frei gibt, Gebrauch machend, in Bewegung ge-\nsetzt, bauen Theater und wollen schon im nächsten Win-\nter Vorstellungen geben. Also die Concurrenz droht zu-\nnächst für die Italiäner; ob sie für alle Theater und alle\nGattungen von Dramen floriren wird ? Bis jetzt scheint es\nkaum so, und man kann das nicht bedauern: denn was\nam wenigsten dadurch gefördert und gehoben werden\nwird, ist sicher die dramatische Kunst.\nDer erste wirklich ins Leben getretene Versuch hat\nwenigstens zum grossen Theile schon diese Befürchtung\nbestätigt, obschon er bei der Menge, und theilweise nicht\nmit Unrecht, Erfolg gehabt hat.\nMit dem 1. Juli fielen nämlich die Schranken der Pri-\nvilegien; die Pforten der Freiheit öffneten sich und die\nDirection des grossen Spectakel-Theaters\nMartin überraschte schon an demselben Tage mit einer\nOpern-Aufführung. Es wird von jetzt an Drama, Tra-\ngödie, Komödie, komische und ernste Oper in seinen Be-\nreich ziehen. Nun, da haben wir ja schon den Fortschritt,\ndas Idol der Zeit, welches, weil in dem praktischen Leben\nund in den Werken des Verstandes und der Speculation\nals wirklich bethätigt, auch in den Werken der Kunst, in\nden Schöpfungen und Thätigkeiten des Genies angebetet\nwerden soll und muss. Nun ja, jenes Theater huldigt dem\nFortschritte, denn statt eine Gattung der dramatischen\nKunst zu cultiviren, wird es alle auf seine Bretter brin-\ngen. Aber das Wie der Ausführung? Ei, das kommt beim\nFortschritte der Kunst nicht in Betracht, denn dass er mehr\nin die Breite als in die Tiefe geht, mehr das Neue als das\nSchöne sucht, zeigt die Erfahrung in allen Ländern. Was\nhat die französischen Schauspieler im recitirenden Drama\ngross und namentlich im Lustspiel und dem Conversalions-\nstücke, wie in der komischen Oper, den Deutschen über-\nlegen gemacht? Die Vereinfachung ihrer Aufgabe, die\nConcentrirung des Talentes und der Routine auf eine\nGattung, während vom deutschen Schauspieler und Sänger\nverlangt wird, er solle allen Fächern gerecht werden.\nNun fürchte ich aber sehr, jene Virtuosität, die sich nur\nan einer Specialilät heranbildet, wird durch Zersplitterung\nder Kraft, wenn auch nicht sogleich, doch nach und nach\nsich verlieren. Und kann die dramatische Musik dabei ge-\nwinnen, wenn die Ausführung ihrer Werke der Mittel-\nmässigkeit anheimfällt? Und kann eine solche Aussicht die\nComponisten zu grossen Schöpfungen begeistern?\nDoch das sind vielleicht zu trübe Ansichten, und die\nFreunde der Theaterfreiheit werden uns entgegnen: „Die"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "229", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640716-01.1.5", "texte": "Kunst muss Gemeingut der ganzen Menschheit werden,\nsie muss ins Leben des Volkes dringen\" und was der-\ngleichen Schlagwörter der Neuzeit mehr sind. Gut: den\nZweck billigen wir; ob aber die Concurrenz die richtigen\nMittel dazu biete, daran zweifeln wir. Nun, die Zeit wird\nes lehren. Ja, wenn sie uns Aufführungen brächte, bei\ndenen massige Eintrittspreise durch Wegwerfung alles\nkostspieligen Ausstattungs-Prunkes der neueren Oper er-\nmöglicht würden, und die Directionen nur die künstleri-\nsche Ausführung der dramatischen Meisterwerke im Auge\nhätten, etwa in der Art, wie Pasdeloup die Beethoven'-\nschen Sinfonieen dem grossen Publicum vorführt, dann\nliesse sich etwas für die Erhebung des Geschmackes der\nMenge an wahrer Kunst hoffen. Aber welche neue Büh-\nnen-Unternehmung wird sich in Paris diese Aufgabe stel-\nlen? Wird nicht jede vorzugsweise auf die Schaulust spe-\nculiren, um Geld zu machen? Schlummert auch bei der\njetzigen Direction des Theaters am Thore St. Martin nicht\nim Hintergrunde die Speculation auf die ungeheuren äus-\nseren Mittel dieser Bühne, auf die grossen Räumlichkeiten,\ndie vortrefflichen Maschinerieen, Decorationen u. s. w.?\nZwar mit der ersten Opern-Vorstellung hat sie einen\ngeschickten Zug gethan und sich dabei zugleich frei von\njenem Vorwurf gehalten; denn Rossini's „Barbier von Se-\nvilla\" bedarf keines Theaterprunks. Es kam aber etwas\nAnderes hinzu, das diese Wahl zu einem glücklichen Wurfe\nmachte. Rossini's Oper hat bekanntlich die Komödie von\nBeaumarchais: „Le Barbier de Sevitte\", von der franzö-\nsischen Bühne verdrängt. Nun dachte der Director des\nSt.-Martin-Theaters: „Wie, wenn man die Komödie wie-\nder in die Oper hineintrüge und dadurch für die Franzo-\nsen, denen das klare Verständniss der Handlung über Alles\ngeht, die Oper noch verständlicher machte?\" Gedacht,\ngethan! Der Musik des italiänischen Meisters wurde ein\nfranzösischer Text untergelegt, die Recitative gestrichen\nund statt deren Scenen aus Beaumarchais mit gesproche-\nnem Dialog eingelegt, und so eine komische Oper nach\nder guten Art und Weise der echten französischen komi-\nschen Oper hergestellt, welche, so lange sie ihrem wahren\nCharakter trep blieb, kein Recitativo secco kannte, -son-\ndern nur den gesprochenen Dialog. Der Versuch, in die-\nser Gestalt (die übrigens nicht ganz neu, sondern vor vie-\nlen Jahren in der Bearbeitung von Castil-Blaze im Odeon-\nTheater schon einmal da gewesen sein soll) den „Barbier\"\nRossini's zu geben, ist vollkommen geglückt: das Haus\nwar gedrängt voll und das Publicum in der aufgeweckte-\nsten und günstigsten Stimmung.\nVom künstlerischen Standpunkte aus befriedigten der\nGraf Almaviva, von Capoul, einem jungen Tenor mit schö-\nner Stimme, gesungen, den das Theater der komischen\nOper der Direction für diese Rolle überlassen hatte, und\ndie Rosine der Demoiselle Balbi, die, früher in Paris un-\nterrichtet, auf Provincialhühnen sich recht hübsch ausge-\nbildet hat. In der Clavierscene im zweiten Acte sang sie\n.eine Arie aus der Sonnambula ebenfalls ganz gut. Die\nAusführung der übrigen RolleTi, namentlich des Figaro,\nliess Ireilich gar Manches in Gesang und Spiel vermissen,\nso dass trotz des rauschenden Beifalls, der nicht nur der\nMusik, sonderntauch der Prosa häufig zu Theil wurde,\nfür jeden Unbefangenen nicht zu verkennen war, dass die\nin Eile zusammengebrachte Gesellschaft der Herstellung\neines künstlerischen Ganzen nicht gewachsen ist. Dennoch\nmöchten wir die Ueberzeugung aussprechen, dass man\ndurch Wiedereinführung komischer Opern mit Dialog\nnach alter Weise, seien es französische Originale oder Be-\narbeitungen auslandischer Werke, den richtigen Weg für\nneue Theater-Unternehmungen betreten hat.\nSchon die zweite Vorstellung an der Porte St. Martin,\nBellini's „Norma\" (!), zeigte, dass weder die italiänische\nnoch die französische grosse Oper eine solche Concurrenz\nzu fürchten habe. Das Orchester, das freilich auch im\n„Barbier\" die feine Instrumentirung kaum wiedererkennen\nliess, war in der „Norma\" eben so schlecht wie der Chor,\nund wenn auch die jetzt überall bei den Provincialhühnen\neingetretenen Ferien dem Unternehmer gestatten, das\nBeste von dort heranzuziehen, so war doch das gesammte\nPersonal der Hauptrollen höchst ungenügend und das\nGanze der Vorstellung himmelweit von einer auch nur\nmittelmässigen Kunstleislung entfernt.\nAuch das Theätre hat die neue Freiheit be-\nnutzt, um Gesang- und Orchester-Musik in den Tempel\nder classischen französischen Tragödie einzuführen. Es gab\nRacine's „Esther\" mit Musik von Jules Cohen. Seit\ndem Tode der Rachel war dieses biblische Drama nicht\ngegeben worden; Demoiselle Favart trat jetzt an ihre\nStelle und füllte sie würdig aus: dennoch urtheille das\nglänzende Publicum, welches sich zu der Vorstellung ver-\nsammelt hatte, dass hauptsächlich die überaus reiche Aus-\nstattung und die Musik der Wiederaufnahme des im Grunde\ndoch nur schwachen Werkes des grossen Dichters eine\nneue Lebens-Periode verleihe. Freilich müssen die weni-\ngen Habitue's, die noch die alte Zeit der Perücken und\nReifröcke auf der Bühne erlebt haben, staunen, wenn sie\ndie Missgestalten der Helden und Heldinnen der damaligen\nTheater-Periode mit den historisch und ethnographisch\ngetreuen Costümen, wie sie jetzt auf der Bühne erschei-\nnen, vergleichen. Aber auch das gegenwärtige, an die seit\nTalma bewerkstelligte Reform der Costüme gewöhnte Ge-\nschlecht musste den Reichthum und Glanz derselben bei\nder jetzigen Vorstellung bewundern. Eben so prächtig sind"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "230", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640716-01.1.6", "texte": "die neuen Decorationen und die ganze Insceneselzung.\nFür alles dieses sind die Schätze des assyrischen Museums\nim Louvre benutzt worden. Das Tableau eines orientali-\nschen Gartens mit einer prächtigen Ceder, welche ihren\nSchatten über die Vorhalle von Eslher's Gemächern brei-\ntet, ist eine der schönster! Decorationen, die man sehen\nkann. *\nDie Musik bildet eine ziemlich starke Partitur, welche\neine Ouvertüre und mehrere Chöre mit ein- und zwei-\nstimmigen Solo's enthält. Jules Cohen hat früher auch zu\nRa eines Athalia Chöre geschrieben, die ich nicht kenne:\nseine Arbeit zu Esther ist sehr schätzenswerth; dass er\nMendelssohn's Musik zu Athalia, auch wohl dessen Com-\npositionen zur Antigone und zu König Oedipus kennt,\nscheint mir aus der Färbet dem Charakter und auch der\nder Hauptsache nach hervorzugehen, wiewohl die\nmusicalischen Referenten in hiesigen Blättern nicht darauf\n*\naufmerksam machen, wahrscheinlich aus dem sehr trifti-\ngen Grunde, weil sie selbst jene Werke von Mendelssohn\nnicht kennen. Der Chor alla der im zweiten Acte\nhinter der Scene gesungen wird, wurde da capo gerufen;\nauch der Schlusschor, der die Dimensionen und Formen\neines förmlichen Oratorien-Finales hat, musste wiederholt\nwerden. Ueberhaupt wurde eigentlich der meiste und leb-\nhalteste Beifall an dem ganzen Abende der Musik gezollt.\nZöglinge des Conservatoriums aus der Classe. des Herrn\nCohen lür Ensemblegesang sangen die Soli und Chöre\nrecht schön; sie sind sowohl an den Vortrag ernster Mu-\nsik als an die Direction Cohen's durch ihre Mitwirkung\nin der kaiserlichen Capelle, welche Cohen dirigirt, gewöhnt.\nIm Uebrigen merkt man noch nichts von den so zu-\nversichtlich angekündigten Früchten der neuen Freiheit;\nmöglich, dass sie mit der Zeit reifen. Zunächst äussert sie,\nwie das vorauszusehen war, ihre Wirkungen nur auf das\nGewerbe. Für jetzt sind erst bloss die Unternehmer an\nder Reihe: es werden, wie es heisst, bereits mehrere neue\nTheater im kleinen Maassstabe gebaut. Die darstellenden\nKünstler, die Dichter und die Componisten werden dann\nwohl nachkommen. Der erwartete Regen von neuen\nStücken und neuen Opern ist bis jetzt ausgeblieben. Man\nerzählt sich zwar, dass eine Anzahl von Neuigkeiten ange-\nboten worden ist, allein die älteren, erfahrenen Directoren\nhaben im Gegentheil gerade das neue Freiheitsgesetz zum\nVorwande abschlägiger Antworten genommen, da man\nerst abwarten müsse, was für neue Theater entständen,\nbevor man daran gehe, neue Werke in Scene zu setzen.\nParis hat jetzt in seinem neuen Umfange, so dass man\ndie Bühnen in dem ehemaligen Weichbilde (banlieue) der\nStadt mit einrechnen muss, über vierzig Schauspiel-Lo-\ncale, einschliesslich der beiden Circus und des Hippo-\ndrome. Sieben bis acht davon sind augenblicklich ge-\nschlossen; zu ihnen gehören Odeon (Ferien seit dem\n1. Juni), Opera comique (wird im Innern umgebaut),\nTheätre lyrique(auf welchem zuletzt die Ristori mit\neiner schlechten Gesellschaft zwei oder drei Vorstellungen\ngegeben hat), die italiänische Oper, die\nu. s. w. Trotzdem haben die Neubauten eines grossen\nTheaters in der Rue de Lyon,nahe beim Bastille-Platz,\neines kleineren in der Rue Lafayetie und eines anderen\n(Theätre du Roule) in der Nähe des Triumphbogens de\nl'j Etoilebegonnen.\nDie Kunst-Gewerbefreiheit scheint aber auch be-\nrühmte Künstler mit ihrem Schwindel anzustecken. So hat\nGueymard von der grossen Oper eine Truppe engagirt,\num mit ihr in den französischen Colonieen auf St. Maurice\nund Reunion Vorstellungen zu geben, und Felicien Da-\nvid kündigt lür den nächsten Winter eine Art von musi-\ncalischem Omnibus-Unternehmen an, denn es soll nichts\nweniger als Alles für Alle omnia Omnibus liefern.\nSeine Bekanntmachung vom 9. Juli lautet:\n„Es hat sich eine Gesellschaft in Paris gebildet, um\nunter den Bedingungen ganz vorzüglicher Ausführung zu\nermässigten Eintrittspreisen alle Meisterwerke der alten\nund neuen französischen und fremden Componisten hören\nzu lassen. Die Programme der neuen Gesellschaft werden\nin ihrer unendlichen Mannigfaltigkeit Proben von allen\nmusicalischen Gattungen enthalten: Sinfonieen, Sinfonie-\nOden, Fragmente aus Opern, Messen und Oratorien, Chöre,\nCantaten, ohne Parteinahme für irgend eine besondere\nGattung und mit gleichmässiger Berücksichtigung der deut-\nschen, italiänischen und französischen Schule. Das Local,\nwelches im Merzen von Paris und in der Nähe des Boule-\nvard Montmartre gewählt ist, fasst drei Tausend Personen.\nDer Director ist Felicien David, dessen Name keiner\nAnpreisung bedarf; zweiter Dirigent Magnus, Pianist\nund Componist. Die Einweihung dieses neuen Etablisse-\nments wird im Monat November Statt finden. Die neue\nGesellschaft wird ihren Ruf an alle talentvollen Musiker erge-\nhen lassen und den berühmtesten Solisten gestatten\nmsttra was ist damit gemeint? Dass sie nach der Ehre,\ndort umsonst zu spielen, geizen sollen?], sich hören zu las-\nsen. Die Componisten sollen das Recht haben, ihre Werke\npersönlich zu dirigiren.\"\nWenn es dabei am Ende nur nicht heisst:\nmontes!\nHenry Litolff hat einen Trauermarsch zum\nAndenken an Meyer beer geschrieben für Pianoforte zu\nzwei und vier Händen, auch für sechs Sax-Instrumente\neingerichtet. Die Composition erhebt sich über das Ge-\nwöhnliche, doch führe ich sie hauptsächlich nur an,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "231", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640716-01.1.7", "texte": "um an einem Auszuge aus der Recension »von Maurice\nBourges in der Gazette et R ein Beispiel zu geben,\ndass der heutige emphatische Stil der Literaten und Dich-\nter, die, ohne einen Accord zu kennen, über Musik schrei-\nben, hier wie bei Euch derselbe ist. Da heisst es denn\nunter Anderem: „Litolff's Feder weicht bekanntlich (?)\nnicht vor den unheilvollsten und düstersten Stoffen zurück;\nsie findet Melodieen und Klänge, welche so traurig wie\nYoung's Nachtgedanken sind. Nichts Schmerzvolleres,\nnichts Thränenreicheres, als dieser Trauermarsch! Alles,\nwas der Kreidestift Barbizet's auf das Bild des Titelblattes\ngezeichnet hat, die Aschenurne, das Grabmal, die Trauer-\nweide, die Leichenkrone, die gebrochene Palme, die Lyra\nmit zerrissenen Saiten —alle diese Grab-Symbole, die uns\nwie der 1 rappist das Memenio zurufen, erhalten\ndurch den Geisteshauch des Componisten eine klagende\nStimme. [Danach hat also Barbizet erst das Titelbild ge-\nmacht und LitolfF es in Musik gesetzt!] Natürlich ist\ndiese Musik in C-moll geschrieben, wie jeder Marsch, der\nseine Schuldigkeit als Trauermarsch kennt. [Und die zwei\nberühmtesten Trauermärsche von Beethoven??] Die\nDur-Tonart kommt fast gar nicht vor, und wenn auf Au-\ngenblicke, so mischt der Tondichter durchdringende Dis-\nsonanzen hinein, schneidend wie die Sichel des Todes, oder\neine schwankende, nebelige Harmonie, die gleichwie das\nAuge durch Thränen verschleiert ist!\" u. s. w. u. s. w.—\nUnd nun der Schluss: „Aus dem Zusammenfassen dieser\nBemerkungen muss der Leser einsehen, dass dieser\nTrauermarsch eminent dramatisch ist!\"\n\nB. p.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\n-94011i, 15. Juli. Gestern gaben die Italiäner von Paris Ros-\nsini s Bavbiere\" bei vollbesetztem Hause; die Anziehungskraft\nder reizenden Musik und die Erwartung einer vorzüglichen Auffüh-\nrung hatten den Sieg über den Sonnenschein und den blauen Him-\nmel draussen davongetragen. Die Erwartung wurde nicht getäuscht:\nRosine Madame Demeric-Lablache, Almaviva Signor Ba-\nragli, Doctor Bartolo Signor Antonucci, Figaro Signor\nSterbini waren vortrefflich, die beiden ersten ganz ausgezeichnet.\nDie technische Gesangtertigkeit des Tenors Baragli zeigte sich in\nihrem glänzendsten Lichte, und Madame Lablache war in Erschei-\nnung, Gesang und Spiel eine der reizendsten Rosinen, die wir je\ngesehen. Am schwächsten war die Partie des Basilio besetzt, indess\ntrug doch die Mitwirkung des Signor Elzelini zu der vortrefflichen\nAusführung der Ensemblestücke das Ihrige bei.\nMan schreibt aus Baden-Baden: „In Erwartung der Theater-\nSaison, welche am 15. Juli beginnt, wird mittlerweile für die Er-\ngötzung der Gäste durch Concerte zur Genüge Sorge getragen. Seit-\nher liessen sich bereits hören: der Violinist Heer mann mit seiner\nGemahlin, die eine gute Harfenspielerin ist; der Violoncellist Onds-\nhorn; die Fräulein und Organi, Schülerinnen der Viar-\ndot, und die wiener Sängerin Fräulein Caroline Pruckner. Die\nMatineen des Fräuleins* Elise Lang, welches einen gemischten\nChorverein gründete und mit demselben allwöchentlich eine Pro-\nduetion abhält, sind sehr besucht. Der Violinist Leonard und seine\nFrau, eine perfecte Sängerin, sind zu Concerten eingetroffen. Die\nmannheimei Capelle unter Lachner s Leitung begann Anfangs\nJuli ihre Conceite. Aul den Repertoires aller dieser Productionen\nfindet man die besten Namen: Beethoven, Mozart, Mendelssohn,\nSchubert, Schumann. Rubin stein, der sich hier befindet, ist\nnicht zu bewegen, öffentlich zu spielen, dagegen gibt er, gleichwie\nim vorigen Jahre, jeden Sonntag Vormittag bei sich Concert-Vor-\nträge zum Besten, zu welchen sich die Elite der Gesellschaft drängt,\nAehnliche Genüsse wird demnächst auch die feierliche Eröffnung\ndes Musiksaales der trau \\ iardot-Garcia, den sie sich eigens\nerbauen liess und die im nächsten Monate Statt finden wird, dar-\nbieten.\"\n! iL\n•ÖFCSfldl} S. Juli. Nachdem die inneren Räumlichkeiten un-\nseres Holtheaters zum grossen Theile renovirt worden sind und da-\ndurch eine längere Unterbrechung der regelmässigen Vorstellungen\nnöthig wurde, haben dieselben im neu decorirten Hause am 28. Juni\nwieder begonnen. Dem jetzigen Intendanten Herrn von Könneritz\ngehört unstreitig das Verdienst au, durch Regsamkeit und Umsicht\nmanches Stereotype, besonders in Hinsicht auf Repertoire und an-\ndere äussere Einrichtungen, durchorochen zu haben. Es sind in den\nletzten Jahren sowohl für Oper als Schauspiel bedeutend mehr No-\nvitäten in Scene gegangen, als früher, wenn auch mehrere derselben\nnur ein paar Mal dem Publicum vorgeführt werden konnten, ohne\ndauernde Aufnahme zu finden. Zu dieser Liberalität, welche den\nWerken der Neuzeit den Zutritt erleichtert, gesellt sich aber in\nHerrn von Könneritz auch Pietät und sorgfältige Auswahl für ältere\nMeister, wodurch uns hiervon Manches neu entgegentritt, das längst\nbegraben schien. So sollte dem Vernehmen nach die Oper mit\nGluck's rAlcestet* wieder eröffnet werden, was leider durch ein Un-\nwohlsein der Frau Bürde-Ney verhindert worden ist. Möchte doch\nunsere allverehrte Prima Donna, deren Darstellungs-Vermögen sich\nso bedeutend entfaltet hat und deren musterhafte Leistungen bei\neminenter Kunstfertigkeit stets einfache Grösse und Ungekünstelt-\nheit kennzeichnen, sich bald wieder des vollen Stimmgebrauches\nund einer ungestörten Gesundheit erfreuen! Der Ileldeu-Tcnor des\nHerrn Tichatschek glänzt immer noch in unverwüstlicher Klang-\nkratt. Neben ihm ist in Herrn Schnorr von Karoisfeld ein Nach-\nfolger erwachsen, der, von dramatischem Leben und edler Auffassung\nbeseelt, schon viele wahrhafte Triumphe ersungen hat. Herr Mitter-\nwurzer (Bariton) und Frau Krebs-Michalesi (Mezzo-Sopran) haben\nsich auf ihrem künstlerischen Höhepunkte erhalten. Auch Frau\nJauner-Krall weiss noch mit demselben Liebreiz zu fesseln, der um\nso dauernder wirkt, je natürlicher er erscheint. Von den übrigen\nOpern-Mitgliedern, welche meistens alle sehr brauchbar sind und\nvon denen einige in der Neuzeit geeigneter verwendet werden, als\nsonst, sei Fräulein Alvsleben noch vorzugsweise erwähnt. Schon\nfrüher besprachen wir die Eigenschaften ihres hohen Soprans, der\nnicht bloss das Krystallhelle zum Merkmale hat, sondern eine zarte\nFülle und reichen, schmelzenden Wohllaut gerade in der höheren\nLage entwickelt, was dem Gesänge besonderen Reiz verleiht. Wir\nwiederholen den Wunsch, dass eine gesteigerte Begeisterung sich\nnoch den Darstellungen dieses jungen Bühnen-Mitgliedes mittheile,\ndamit sie dramatischer werden möchten, um so mehr, als glückliche\nAuffassungskraft vorhanden ist, welche durch grosse musicalische\nSicherheit unterstützt wird. L. N., geb. K.\nWien« Eduard Hansl ic k befindet sich auch unter den\nfrüheren Mitarbeitern der „Presse\", welche der Fahue des Herrn\nZang nicht länger zu folgen gesonnen sind und ein neues Blatt im\ngrossen Stile gründen wollen. Wir bedauern diesen vorläufigen Aus-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "232", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640716-01.1.8", "texte": "fall einer so tüchtigen und liebenswürdigen Persönlichkeit aus der\nwiener Journalistik aufrichtig; denn mag auch dem neuen Unter-\nnehmen die reichste Auswahl bewährter Kräfte zu Gebote stehen,\nso wird es doch zunächst eines besonderen Glückes bedürfen, um\ndenselben in dem jungen Organe einen auch nur annähernd so\ngrossen Leserkreis und Einfluss zu sichern, wie sie ihn bisher be-\nsessen haben. (Ree.)\nParis, 10. Juli. Eine komische Oper: „Le Mariage de Dom,\nLopez\", Text von Jules Barbier, Musik von Eduard de Har-\ntog, ist vom Theätre lyrique in diesen Tagen angenommen worden\nund wird eine der ersten Neuigkeiten sein, welche nach der Wie-\ndereröffnung dieser Opernbühne zur Aufführung kommen.\nIn vergangener Woche ist Heinr. Jos. Maria Duesberg\ngestorben, der in seinen letzten Jahren hier lebte und ein fleissiger\nMitarbeiter, namentlich durch Uebersetzung musiealischer Artikel\naus deutschen Zeitschriften, an der Revue et Gazette musicale war.\nEr war aus Münster in Westfalen, wo er den 20. September 1793\ngeboren wurde. Der Tod erreichte ihn plötzlich. Am Freitag den 8.\nd. Mts. wurde er zur Ruhe bestattet.\nDie Witwe eines der grössten Componisten, Frau Cherubini,\ngeborene Cäcilia Tourette, ist in voriger Woche in ihrem ein-\nundneunzigsten Jahre zu Neuilly gestorben. Nach dem letzten Wil-\nlen derselben fand ihr Begräbniss ohne allen Prunk, auch ohne alle\nEinladungen dazu Statt; auch für die kirchliche Feier hatte sie alle\nTrauer-Draperieen u. s. w. verbeten: „Ich mag diesen Apparat, um\nin die Ewigkeit befördert zu werden, nicht leiden, und hoffe ohne\nDemonstrationen nichtiger Eitelkeit dahin zu gelangen.\" Nur die\nMitglieder der Familie bildeten den Leichenzug, doch hatte der\ngreise Auber es sich nicht nehmen lassen, den Sarg bis zur Ruhe-\nstätte zu begleiten.\nDie Einweihung einer neuen Orgel aus den Werkstätten der\nHerren Merklin und Schütze in Brüssel und Paris fand zu\nParis in der Kirche Bonne Nouvelle zu grosser Befriedigung der\nanwesenden Musiker und Kenner des Orgelbaues Statt.\nDie pariser Akademie der schönen Künste hat an Meyer-\nbeer1 s Stelle den Componisten Verdi zu ihrem auswärtigen Mit-\ngliede ernannt. Er erhielt von 37 Stimmen 23, während dem Bild-\nhauer Simonis 7, dem Maler Navez 4, dem Maler Gallait.2\nund dem Bildhauer Geefs 1 Stimme zufiel.\nIn Marseille starb der Violinspieler Karl Wynnen, einer\nder besten Schüler de Bdriot's. Wynnen war die personificirte Wan-\nderlust. Er reiste nicht, gleich anderen Virtuosen, um Geld zu ver-\ndienen, sondern er verdiente sich mit seiner Kunst Geld, um reisen\nzu können. Nachdem er Europa in allen Richtungen durchwandert\nhatte, zog es ihn über das Meer. Unter den vielen Fährlichkeiten\nund Abenteuern, die er zu bestehen hatte, figuriren ein paar Aus-\nraubungen und ein Schiffbruch, aus welchem er nur das nackte\nLeben rettete. Wynnen war in Brasilien, wo er den Titel eines kö-\nniglichen Kammer-Virtuosen bekam, in La Plata, Chili, Peru, Mar-\nwice, am Cap u. s. w. Längere Zeit reiste er mit Livingston in\nCentral-Africa und kam bis an den See Nyami. Vor Kurzem nach\nMarseille zurückgekehrt, bereitete er sich zu einer grossen Reise\nnach China vor. Der Tod vereitelte diesen Plan. Er erreichte nur\ndas 37. Lebensjahr.\n(Künstler lohn.) Wir sind bei dem gegenwärtigen hohen\nStande des Honorars für musicalische und theatralische Kunstleistun-\ngen sehr leicht zu dem Glauben geneigt, dass so übermässige Be-\nlohnungen von Tonkünstlern noch nie da gewesen. Sie sind aber\nuralt, und selbst die Einnahmen der grossen Sänger und Sängerin-\nnen des vorigen Jahrhunderts, von denen wir nur Farinelli nennen\nwollen, halten den Vergleich zu dem nicht aus, was wir in W.\nDrumann („Die Arbeiter u. s. w. im alten Griechenland und Rom.\nNach den Quellen.\" Königsberg, 1860, bei Gebr. Bornträger. Ab-\nschnitt I. §. 13, S. 79) lesen: „Ausgezeichnete Meister im Flöten-\nspiel oder Gesänge erhielten für ihre Mitwirkung im Theater oder\nan Festen einen beträchtlichen Lohn. So zahlte man z. B. dem\nSänger Amoibeos in Athen, so oft er auftrat, ein Talent,\nd. h. beinahe 1500 Thal er! (Athenäus XIV, 17. p. 623.) Waß\nwollen dagegen unsere jetzigen Honorare von 20, 25, 30, höchstens\n50 Friedrichsd'or in Deutschland, 1000 Francs in Paris, 60—80 L.\nSterling in London für jedes Auftreten sagen?"}]}