{"numero_id": "bm-bmtnabi-1864-07-23-01", "volume": "bmtnabi_1864-07-23_01", "ocr_sha256": "de447ccc4a1b2dacb2b6e0f80d0a1e57b38a3d16bf35eab6783b2ca32c387ce6", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1864/07/23_01/bmtnabi_1864-07-23_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640723-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1864-07-23-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-07-23_01#c001", "volume": "bmtnabi_1864-07-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "233", "page_fin": "233", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640723-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "233", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640723-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 463, "texte": "Inhalt.\nDie Riesenorgel in Doncaster. Gebaut von J. F. Schulze und Söhnen. Beurtheilung. J. Moscheies, Melodisch-con-\ntrapunktische Studien. Von W. Aus Zofingen in der Schweiz (Musik-Collegium). Von L. St. Aus Aachen (Theater). Von N.\nBestimmungen Meyerbeer's über seine Stiftung für Tonkünstler. Tages- und Unterhallu n gs b 1 a 11 (Leipzig, Pauliner-Verein\nKarlsbad, Fräulein Wolter München, R. Wagner's Opern Wien, Herr Ferenczy Petersburg, Concert-Programme)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-07-23-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-07-23_01#c002", "volume": "bmtnabi_1864-07-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "233", "page_fin": "236", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640723-01.2.2", "titre_corps": "Die Riesenorgel zu Doncaster.", "titre_sommaire": "Die Riesenorgel zu Doncaster.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "233", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640723-01.1.1", "debut_caractere": 465, "fin_caractere_exclue": 4323, "texte": "Die Riesenorgel zu Doncaster.\nGebaut von J. F. Schulze und Söhnen.\nDie St. Georgskirche zu Doncaster in Yorkshire ge-\nhörte zu den grössten und schönsten Denkmalen der go-\nthischen Baukunst in England und war namentlich schon\nseit 1740 auch durch eine grosse Orgel, ein Werk des\ndamals berühmtesten Orgelbauers Harris in London, aus-\ngezeichnet. Dieses Werk wurde zu verschiedenen Zeiten,\nim Jahre 1758 von Snetzler, 1803 von Donaldson, später\nvon Ward, vor Allem aber von 1841 —1846 unter der\nLeitung von Jeremias Rogers (seit 1835 Organisten\nan der Georgskirche) durch den Orgelbauer Brown von\nYork dermaassen vergrössert und verbessert (die Kosten\ndieser Vergrösserung von 1000 L. St. trug Herr Rogers\nfast ganz allein!), dass es eine der schönsten Orgeln in\nEuropa wurde. Im Jahre 1852 wurde die Orgel, um\ndem Bau eines prachtvollen Votivfensters Raum zu\nan eine andere Stelle versetzt. Es geschah durch die Or-\ngelbauer Hill und Söhne in London, da Brown gestorben\nwar. Auch jetzt wurden wieder Verbesserungen ange-\nbracht und Alles war zu der Feierlichkeit der Wieder-\neröffnung vorbereitet, als ein furchtbarer Brand in der\nNacht vom 28. Februar 1853 den Dom und die Orgel\nin einen Trümmerhaufen verwandelte und die Werke, an\ndenen mehrere Geschlechter gebaut hatten, in Einer Nacht\nvernichtete. Die damals zu Grunde gerichtete Orgel hatte\ndrei Manuale und ein Pedal (32füssig) mit 51 Registern\nund 8 Koppeln und 3458 Pfeifen.\nDas grosse Unglück erregte eine ungeheure Theil-\nnahme, und unter Begünstigung und Beistand der Königin\nbegannen Unterzeichnungen, Sammlungen, Ausstellungen,\nBazars u. s. w., welche den Wideraufbau der Kirche\ndurch den berühmtesten englischen Baumeister unserer\nZeit, Herrn George Gilbert Scott, möglich machten.\nDiesem genialen Architekten (der auch den Plan zu der\nneuen Nicolaikirche in Hamburg entworfen hat) ist es ge-\nlungen, eines der prächtigsten Kirchengebäude von Eng-\nland neu aufzuführen. Allein dem wackeren Organisten\nRogers lag es vor Allem am Herzen, dem neuen Dome\nauch wieder eine Orgel zu verschaffen, die an Majestät\ndes Baues und Klanges den grossartigen architektonischen\nVerhältnissen des christlichen Tempels angemessen sei. Er\nbildete daher ein Comite, dem der Mayor und die ange-\nsehensten Einwohner von Doncaster beitraten. Die Zeich-\nnungen und Beiträge für den neuen Orgelbau übertrafen\nalle Erwartungen: man konnte bald über mehr als 2000\nL. St. verfügen, und da nach reiflicher Ueberlegung eines\nzu dem Zwecke vereinigten Ausschusses von Sachverstän-\ndigen unter dem Vorsitze des Herrn Rogers und des Herrn\nHopkins, Organisten in Temple Church in London, die\nWahl auf die deutschen Orgelbauer Schulze und\nSöhne zu Paulinzeile in Thüringen fiel, so wurde der\nAuftrag zum Bau bereits im Jahre 1857 dieser Firma\ngegeben. Da der Vater J. F. Schulze am 9. Januar 1858\nstarb, so haben die drei Söhne die Kunstwerkstatt mit\nKenntniss und Energie fortgeführt und den gediegenen\nRuf, dessen sie bereits genoss, durch mehr als dreissig ge-\nlungene Bauten in Deutschland und England*) auf erfreu-\nliche Weise bewahrt und vermehrt. Dem für die deutsche\nKunstgewerbthätigkeit im Orgelbau so ehrenvollen Rufe,\ndie kolossale Orgel in Doncaster zu bauen, hat die Vollen-\ndung des Werkes nach fünfjähriger Arbeit aufs vollkom-\nmenste entsprochen*'). Herrn Edmund Schulze, dem\n\n*) In England seit 1860 noch eine andere Orgel in Doncaster\nund eine in South-Shields, Verbesserungen und Hinzufügungen an\nden Orgeln in der Tempelkirche zu London, der Pfarrkirche zu\nLeeds und der Kathedrale zu York.\n**) Wir wissen recht gut, dass nur ein einziger Tadel ausge-\nsprochen worden nach Einweihung und Abnahme der Orgel im Jahre\n1862 in einer verdienstvollen Schrift über die Orgel zu Doncaster\n(welcher wir auch die oben gegebenen historischen Angaben ent-\nnommen haben). Er betrifft das Register der Vox humana, dessen"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "234", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640723-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3739, "texte": "ältesten der Herren Gebrüder Schulze, der die Aufstellung\nleitete, wird desshalb in den öffentlichen Blättern von Don-\ncaster ein Nachruf der Dankbarkeit gewidmet, der mit\nder Anerkennung auch seiner persönlichen Zuvorkommen-\nheit und dem Bedauern, das seine Abreise den Kunst-\nfreunden verursacht, schliesst.\nUm dem Leser klar zu machen, wesshalb wir dieses\nWerk eine Riesenorgel genannt haben, geben wir die\nvollständige Disposition derselben.\nGroat-Organ (Hauptwerk)*).\n1. Sub-Bourdon 32 Fuss.\n2. Double Open-Diapason 16 Fuss. (Doppel-Principal.)\n3. Bourdon 16 Fuss.\n4. Open-Diapason 8 Fuss.\n5. Octave 8 Fuss.\n6. Hohlflöte 8 Fuss.\n7. Stopt-Diapason 8 Fuss. (Gedackt.)\n8. Great-Quint s*/3 Fuss.\n9. Principal 4 Fuss.\n10. Gemshorn 4 Fuss.\n11. Stopt-Flute 4 Fuss.\n12. Twelfth 2-/3 Fuss. (Quinte.)\n13. Fifteenth 2 Fuss. (Octave.)\n14. Mixture 5 ranks.\n15. Cymbale 3—5 ranks.\n16. Cornet 4 ranks.\n17. Double-Trumpet 16 Fuss.\n18. Trumpet 8 Fuss. .\n19. Posaune 8 Fuss.\n20. Horn 8 Fuss.\n21. Clarion 4 Fuss.\nClloir-Organ (Chorwerk).\n1. Lieblich-Gedact 16 Fuss.\n2. Geigen-Principal 8 Fuss.\n3. Yiola di Gamba 8 Fuss.\n4. Flauto-traverso 8 Fuss.\n5. Salicional 8 Fuss.\n6. Lieblich-Gedackt 8 Fuss.\n7. Geigen-Principal 4 Fuss.\n8. Lieblich-Flute 4 Fuss.\n9. Flauto-traverso 4 Fuss.\n10. Quintatön 4 Fuss.\n11. Flautino 2 Fuss.\n12. Mixture 3ranks.\n13. Clarionet 8 Fuss.\nHerstellung verlangt worden war, und bezeichnet mit einem Aus-\ndrucke, der allerdings auf viele Geschwister dieser veralteten Orgel-\nstimme passt, dasselbe als „eine Caricatur der menschlichen Stimme\".\nDas Register ist aber seitdem verändert worden und klingt zwar in\nder Isälie auch jetzt noch rauh und \"der menschlichen Stimme wenig\nähnlich, aber in grösserer Entfernung und in Verbindung mit ge-\neigneten Registern wird der Ton edler und hat sogar, als der Or-\nganist dasselbe nach der Veränderung zum ersten Male beim Gottes-\ndienste gebrauchte, eine wirkliche Täuschung hervorgebracht, indem\nnämlich die Geistlichen und ein Theil der Gemeinde sich von ihren\nSitzen erhoben in dem Glauben, der Gesang beginne, wobei nach\nenglischer Sitte die Gemeinde aufsteht.\n*) Diapason, bei uns Principal. Open: offen. Stopt:\ngedackt. Bank: Chor; 4ranJcs: vierchorig.\nSwell-Organ (Schwellerwerk).\n1. Bourdon j6 Fuss.\n2. Open-Diapason 8 Fuss.\n3. Gemshorn 8 Fuss.\n4. Harmonic-Flute 8 Fuss.\n5. Rohrflöte 8 Fuss.\n(j. Terpodion 8 Fuss.\n7. Principal 4 Fuss.\n8. Harmonic-Flute 4 Fuss.\n9. Stopt-Flute 4 Fuss.\n10. Yriol d'amour 4 Fuss.\n]l. Mixture 4ranks.\n12. Scharf 3ranks.\n% f i\n13. Cornet 4ranks.\n14. Double-Bassoon l(j Fuss.\n15. Hautboy 8 Fuss.\n16. Trumpet 8 Fuss.\n17. Horn 8 Fuss.\n18. Clarion 4 Fuss.\n* i« J * * ►'! 9 '\nSolo-Organ (Solo werk)\n1. Gemshorn 8 Fuss.\n2. Harmonic-Flute 8 Fuss.\n3. Kohrflöte 8 Fuss.\n4. Harmonic-Flute 4 Fuss.\n5. Stopt-Flute 4 Fuss.\n6. Double-Bassoon 16 Fuss.\n7. Hautboy 8 Fuss.\n8. Horn 8 Fuss.\n9. Yox liumana 8 Fuss.\nV\nNB. Die meisten Stimmen dieses Claviers sind aus dem Schweiler\nentnommen.\nEcho-Organ (Echowerk).\n1. Tibia major 16 Fuss.\n2. Yox angelica 8 Fuss.\n3. Harmonica 8 Fuss.\n4. Flauto-traverso 8 Fuss.\n5. Flauto-amabile 8 Fuss.\n6. Celestina 4 Fuss.\n7. Flauto-dolcissimo 4 Fuss.\n8. Harmonica aetherica 2ranks.\nPedal-Organ (Pedal).\n1. Sub-Principal 32 Fuss.\n2. Major-Bass J6 FUSS.\n3. Principal-Bass 16. Fuss.\n4. Open-Diapason-Bass 16 Fuss.\n5. Sub-Bass 16 Fuss.\n6. Violon-Bass 16 Fuss.\n7. Minor-Bass 8 Fuss.\n8. Octave-Bass 8 Fuss.\n9. Yioloncello-Bass 8 Fuss,\n10. Flute-Bass 8 Fuss.\n11. Great-Quint 10-/3 Fuss.\n12. Quint-Bass s*/3 Fuss.\n13. 15th. Bass 4 Fuss. (Octave.)\n14. Great-Tierce 62/Ö FUSS.\n15. Tierce 3Ys Fuss.\n16. Mixture 2ranks.\n17. Cymbala 2ranks.\n18. Contra-Posaune 32 Fuss.\n19. Bombarde 16 Fuss.\n20. Posaune 16 Fuss.\n21. Fagotto 16 Fuss,\n22. Trumpet 8 Fuss."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "235", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640723-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5168, "texte": "23. Fagotto 8 Fuss.\n24. Horn 8 Fuss.\n25. Clarion 4 Fuss.\nKoppel u. s. w. u. s. w\n1. Hauptwerk zum Pedal.\n2. Schweller zum Hauptwerk.\n3. Chor zum Hauptwerk.\n4. Tremulant für den Schweller.\n5. Donner-Stimme.\n6. und 7. Combination für das Hauptwerk.\n8. Combination für das Pedal.\n9. und 10. Combination für den Schweller.\n11. Combination für das Chorwerk.\nDie Orgel ist in der nördlichen Capelle des hohen\nChors aufgestellt und zeigt der Kirche zwei Fronten, eine\nnach dem hohen Chore hin, die andere nach dem Transept.\nDa sie beinahe den ganzen Kaum dieser Capelle einnimmt,\nso konnte das Steinwer-k selbst die Stelle des Gehäuses\nvertreten; indess war es doch nothwendig, diesen localen\nVortheil noch durch ein inneres Gehäuse zu ergänzen. Der\nuntere Tbeil der Orgel bis auf eine Höhe von 10 bis 12\nFuss ist in ein Gehäuse von Eichenholz eingeschlossen, das\nmit ausgezeichnetem Schnitzwerk verziert ist; über dem\nHolzwerke ist aber eine Eisen-Galerie, ungefähr 3 Fuss\nhoch. Durch diese und den offenen Raum über derselben\nist der grössere Theil des Pfeifenwerkes der Orgel zu\nsehen. Die Transept-Fronte der Orgel ist dagegen durch\neine Reihe grosser klingender Prospect-Pfeifen (Principal-\nbass 16 Fuss) geschlossen.\nDie Orgel hat 5 Manuale und 1 Pedal. Keine andere\nOrgel in England hat so viele Manuale, da gewöhnlich\nderen nur 3 oder höchstens 4 vorhanden sind. Jedes von\ndiesen 5 Manualen hat einen 16 Fuss- und das erste auch\nnoch einen 32 Fusston.\nObgleich man nun auf den ersten Blick vermuthen\nsollte, dass so viele Manuale über die Controle eines ein-\nzigen Organisten gehen müssten, so sind sie doch so ein-\ngerichtet, dass sie dem Spieler die leichteste Handhabung\nmöglich machen. Der Haupt-Vortheil der Anwendung so\nvieler Manuale besteht darin, dass der Organist, indem er\ndie Register vorher arrangirt, wie er sie zu einem vorzu-\ntragenden Musikstücke braucht, in grossem Maasse das\nWechseln der Register während des Spiels vermeiden kann,\ndass er vielmehr nur von dem einen Ciavier auf das andere\nüberzugehen braucht, um alle Effecte und Abwechslungen,\nwie er sie wünscht, hervorzubringen. Hierin unterstützen\nihn besonders noch die Combinationszüge, welche durch\nFusstritte über dem Pedal regiert werden und durch\nwelche ganze Gruppen von Stimmen zugezogen oder ab-\ngestossen werden können. Der Umfang aller Manuale ist\nvon CCbis a(5B Tasten), des Pedals von bis\n(29 Tasten). Die Register, welche die Zahl von 100 über-\nschreiten, sind in je drei Reihen zu beiden Seiten des Or-\nganisten angebracht und ziehen sich leicht.\nDas Instrument ist, wie man oben gesehen, eingetheilt\nin Hauptwerk, Chorwerk, Schwellerwerk, Solowerk, Echo-\nwerk und Pedal. Das Pedal hat 25 Stimmen, welche ihm\ndie ungewöhnliche Kraft geben, durch welche es alle Pe-\ndalwerke anderer Orgeln weit hinter sich lässt. In den\nOrgeln zu Liverpool und zu Leeds, den nächstgrössten\nWerken im Königreiche, sind in der ersteren 17, in der\nzweiten nur 16 Pedal-Stimmen. Dieser Vorzug der Don-\ncaster-Orgel ist bemerkenswert!) und von wesentlichem\nEinflüsse auf die majestätische Grösse ihrer Wirkung, und\nzeigt uns den Begriff, den die Deutschen mit dem Worte\n,Kraft des Pedals\" verbinden (wie ein englischer Bericht-\nerstatter sagt). Das Hauptwerk hat 21 Stimmen von\njeder Qualität und Stärke, welche verlangt werden können.\nIn das Hauptwerk und Pedal ist die Hauptstärke der Orgel\ngelegt; besonders wirksam sind die zwei Principale im\nHauptwerke, von welchen das eine sehr weit und stark,\ndas andere dagegen enger und schwächer ist. Die Rohr-\nwerke, sämmtlich aufschlagend, mit Ausnahme von Po-\nsaune 32 und 16 Fuss des Pedals, sind in der ganzen\nOrgel mit stärkerem Winde intonirt, als die Labialstimmen\nder betreffenden Claviere. Das Chorwerk , welches haupt-\nsächlich zur Begleitung gebraucht wird, hat 13 Stimmen;\nes ist viel sanfter intonirt, als das Hauptwerk, und die\nStimmen sind von engerer Mensur; es fasst wunderschöne\nRegister in sich. Das Schwellerwerk hat 18 Stimmen\nund ist in einem Gehäuse von ungewöhnlicher Grösse ein-\ngeschlossen, das alle Dimensionen und das ganze Aussehen\neines niedlichen Zimmers hat. Seine Länge ist 18 Fuss,\nseine Breite 12 Fuss und die Höhe 11 Fuss 6 Zoll. Seine\nFronte besteht aus 48 venetianischen Fensterläden, welche\nsich ohne das geringste Geräusch öffnen und schliessen\nnach dem Willen des Spielers, und mittels welcher dieser\ndas Crescendo und Diminuendo erzeugt, welches in einer\ngrossen Kathedrale, wie die Doncaster-Kirche ist, so schön\nund ausdrucksvoll wirkt. Die Stimmen des Schwellers sind\nkräftiger intonirt, als die des Chorwerkes; die Principale\nzeichnen sich durch Intensität und Fülle des Tones aus.\nDas Solowerk hat 9 Stimmen, welche grösstenteils aus\ndem Schweller entnommen sind durch eine sinnreiche me-\nchanische Vorrichtung, welche diesem Ciavier aber alle\nVortheile eines ganz selbständigen Werkes verleiht. Das\nFör-Awmawft-Register befindet sich auf diesem Claviere;\nwir haben oben schon davon gesprochen.\nWir kommen nun zum Echowerk, welches eine\nbesondere Eigenthümlichkeit dieser Orgel und ganz neu\nin England ist. Es ist ein Zusatz zu der Original-Dispo-\nsition, wie diese von dem Orgel-Comite festgestellt war,\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "236", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640723-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3058, "texte": "und ist ganz auf Kosten des Organisten Herrn Kogers zu-\ngefügt, in Verfolgung der Absicht, dass die Doncaster-\nOrgel in jeder Beziehung ein Musterwerk werden sollte,\nund um Herrn (Edmund) Schulze Gelegenheit zu geben,\nseine grosse Erfahrung und Geschicklichkeit in seinem\nFache zur vollen Geltung zu bringen. In allen englischen\nOrgeln wird das Echo durch den Schweller hervorgebracht,\nes ist aber notwendiger Weise unvollkommen. In der\nDoncaster-Orgel stehen die Pfeifen des Echowerkes ganz\nfrei; jede Stimme ist aber das Echo zu einer anderen\nStimme des Hauptwerkes, des Schwellers oder des Chor-\nwerkes. Der Effect wird nur durch die verschiedene Into-\nnation hervorgebracht. Es ist nämlich durch auf Theorie\nberuhende Versuche dem Herrn 0. Schulze gelungen, ein\nganz neues System der Intonation aufzustellen, das in der\nOrgel zu Doncaster zum ersten Male versucht und auf das\nglänzendste bewährt gefunden worden ist.\nAls ein Resultat der mechanischen Vollendung der\nOrgel muss die schöne elastische Spielart derselben ange-\nsehen werden, welche die Ausführung der schnellsten Pas-\nsagen mit der grössten Leichtigkeit gestattet. Die pneuma-\ntische Mechanik ist für die Tracturen zweier Manuale und\nfür sämmtliche Koppel- und Combinations-Pedale ange-\nwandt. Das sämmtliche Metall-Pfeifenwerk der Orgel ist\naus dem besten gefleckten Metall (lOlöthig) hergestellt,\nmit Ausnahme allein der tiefen Octaven der aufschlagen-\nden Rohrwerke und der beiden einschlagenden Posaunen\n(32 und 16 Fuss), welche von Zink gemacht sind. Die\nProspectpfeifen der Orgel sind gleichfalls von Zink und\ngemalt *).\nZur Speisung dieses Riesen-Instrumentes ist eine grosse\nMasse Wind nöthig. Dieser wird geschafft durch 12 grosse\nDiagonal-Bälge und 3 Reservoirs. Die Wind-Canäle\nu. s. w. zu verfolgen, bildet ein Studium für sich.\nEinige Worte noch über den Ton dieses herrlichen\nInstrumentes. Herrn Schulze ist es gelungen, in dem Tone\ndieser Orgel etwas in jeder Beziehung Grosses und Präch-\ntiges zu schaffen. Der Charakter des Tones überrascht wie\netwas, das von allem, was wir bis jetzt in England zu hö-\nren gewohnt gewesen sind, ganz verschieden ist; es kann\nnicht beschrieben werden, sondern man muss selbst hören,\num darüber zu urtheilen. Ohne unseren englischen Orgel-\nbauern im entferntesten zu nahe treten zu wollen, müssen\nwir doch aufrichtig bekennen, dass wir in dieser deutschen\nOrgel eine Klarheit und Reinheit des Tones finden, welche\nsie selten erreichen, nirgends aber übertreffen. Rein\nund edel in jeder Note, spricht dieses Instrument in den\nzartesten Ausdrücken der pathetischen Melodie zu uns,\noder es braust in den reichsten und glänzendsten Tonströ-\nmungen daher. Wir glauben nicht zu viel zu sagen, wenn\nwir die Meinung aussprechen, dass die Doncaster-Orgel\ndas vollkommenste Instrument ist, das es jetzt gibt, und\ndass Herr Schulze durch den Bau dieser Orgel sich als den\ngrössten Orgelbauer der Gegenwart bewiesen hat.\n\n*) Die Prospectpfeifen werden in englischen Orgeln gewöhnlich\nvon Zink gemacht und mit passenden Figuren, Arabesken u. s. w.\nbemalt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-07-23-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-07-23_01#c003", "volume": "bmtnabi_1864-07-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "236", "page_fin": "237", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640723-01.2.3", "titre_corps": "Beurtheilung.", "titre_sommaire": "Beurtheilung.", "signature_source": "W", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "236", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640723-01.1.4", "debut_caractere": 3060, "fin_caractere_exclue": 5146, "texte": "Beurtheilung.\n\nJ. Moscheies, Melodisch-contrapuii ktische\nStudien. Eine Auswahl von zehn Präludien aus\nJ. Seb. Bach's wohllemperir lern Ciavier mit einer\nhinzucomponirten obligaten Violoncellslimme\noder concertirenden zweiten CI a v iersti mm e.\nPreis der Partitur und Violoncellstimme 2 Thlr.\n15 Ngr.; wird die zweite Clavierslimme dazu ver-\nlangt, so ist der Preis 3 Thlr. 10 Ngr.\nDer hochverdiente Altmeister des Ciavierspiels, Herr\nProfessor J. Moscheies, welcher vor Kurzem bei der Feier\nseines siebenzigsten Geburlstages mit den ihm gebühren-\nden Ehren von Seiten der Regierung und der leipziger\nKünstlerschaft bedacht wurde, besitzt in seinen hohen\nJahren immer noch eine solche Frische des Geistes und\nder Phantasie, dass wir an seine Blüthezeit, in welcher\ndas schöne G-moll-Concert für Pianoforte entstand, leb-\nhaft gemahnt werden. Auch die vorliegenden Studien\nzeigen Kraft und Leben, wenn wir auch hin und wieder\nmit dem Standpunkte des Componisten nicht einverstanden\nsind, welchen er selbst in einem kurzen Vorworte darge-\nlegt hat. „Indem ich dieses Werk der Oeffentlichkeit\nübergebe,\" so sagt der Autor, „möchte ich mich vor Al-\nlem von der Beschuldigung zu reinigen suchen, als läge\neine Anmaassung darin, an Bach'schen Werken (d. h. mit\nAusnahme der Präludien), diesen Grundpfeilern und Stützen\naller Compositiorien, zu rütteln, ja, es gar zu versuchen,\nzu dem abgerundeten meisterlichen Ganzen von dem Mei-\nnigen hinzuzuthun.\" Von dieser Verehrung des Autors für\nBach sind wir vollständig überzeugt, da wir wohl wissen,\nmit welcher tiefen Kenntniss der Bach'schen Meisterwerke\nund mit welcher ausgezeichneten Interpretation derselben\nHerr Professor Moscheies das Studium seiner Schüler zu\nleiten versteht. Mit dem Ausspruche des trefflichen Mei-\nsters können wir jedoch nicht einverstanden sein, dass „er\nden Präludien durch eine hinzucomponirte concerti-\nrende Stimme eine neue Charakteristik zu verleihen\nund durch contrapunktische Mittel einen concertiren-\nden Effect zu geben versucht habe, um auf diese Weise\ndie herrlichen Präludien den Laien und dem grösseren"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "237", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640723-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2777, "texte": "Publicum im Allgemeinen zugänglich zu machen\". Dieser\nStandpunkt ist unserer Ansicht nach verfehlt, da das Prä-\nludium dazu bestimmt ist, auf die nachfolgende Fuge vor-\nzubereiten, gleichwie jeder ausführlichere und logisch ge-\ngliederte Aufsatz eine Einleitung zum Thema haben muss.\nDie Präludien müssen also im Zusammenhange mit den\nFugen, lalis sie im „Concerte\" zu spielen sind, vorge-\ntragen werden, und leiden keine andere Zuthat, als die\neines passenden Ausdrucks der Bach'schen Tongebilde.\nFür den „Laien'\" und für das „Concert\" dürfte also die\nArbeit des geschätzten Componisten keine Berechtigung\nhaben. Wohl aber hat sie Berechtigung als „melodisch-\ncontrapunktische Studie\" für Kunst jünger, denen es\nobliegt, sich so vielseitig als möglich harmonisch auszu-\nbilden.\nFerdinand Hiller empfiehlt in seinem theoreti-\nschen Lehrbuche mit Recht die Uebung, zu einer bereits\nfertigen Stimme eine periodisch gegliederte Melodie zu\ncomponiren, um das Gefühl für schöne, wohlklingende\nMelodie innerhalb harmonischer Führung zu wecken. Die\n„melodisch-contrapunktischen Studien\" von Moscheies sind\ngewisser Maassen eine Erweiterung der von Hiller empfoh-\nlenen Aufgaben und dürften Kunstjüngern als Muster-\nVorlagen für Arbeiten ähnlicher Art sehr willkommen sein.\nNamentlich wollen wir, diesen Standpunkt festhaltend, das\nsechste Präludium der Sammlung (aus Seb. Bach's wohl-\ntemperirtem Ciavier, erster Theil, Nr. 24) empfehlen, wel-\nches zwei Mal bearbeitet ist, einmal im strengen, das an-\ndere Mal im freien Stil. Zu bemerken ist endlich noch ein\nstörender Druckfehler auf Seite 13 der sonst schön aus-\ngestatteten Partitur, wo im fünften Tacte von oben die\nletzten sechs Sechszehntel nebst der punktirten halben\nNote im nächsten Tacte vom Violoncell eine Octave höher\ngespielt werden müssen, da sonst übelklingende Quinten-\nParallelen entstehen, hingegen in der von uns angegebe-\nnen Tonlage erlaubte Quarten mit Begleitung der Terz\nherauskommen.\nDie Allgemeine Musicalische Zeitung in Leipzig be-\nhauptet in ihrer Nr. 52, Jahrgang 1863, bei der Be-\nurtheilung der vorliegenden Arbeit von Moscheies in ihrer\ngewohnten Gehässigkeit, dass Moscheies „keinen Respect\nvor irgend welcher Intention Bach's\" bekundet und „sich\nfreiwillig aus der guten musicalischen Gesellschaft entfernt\nhabe, der er bisher zugezählt worden sei\". Nun, wir glau-\nben, dass die anständige musicalische Gesellschaft wohl\nsolchen Urtheilen den Zutritt in ihren Kreis verweigern\nund nebenbei auch jene Bässe im ersten Präludium für die\nrichtigen wohlvorbereiteter Septimen-Harmonieen er-\nkennen wird, welche die Allgemeine Musicalische Zeitung\nauf Seite 875 als „grundfalsche\" bezeichnet. Entfernen\nwir uns daher gegenwärtig aus der Gesellschaft genannter\nZeitung, denn, wie Horaz sagt:\nLeipzig.\n\nW."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-07-23-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-07-23_01#c004", "volume": "bmtnabi_1864-07-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "237", "page_fin": "238", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640723-01.2.4", "titre_corps": "Aus Zofingen in der Schweiz.", "titre_sommaire": "Aus Zofingen in der Schweiz.", "signature_source": "L. 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Rieter-Biedermann in Winterthur in schöner Ausstat-\ntung erschienen ist.\nWir haben hier ein Werk kennen gelernt, das unbe-\ndingt würdig ist, in weiteren Kreisen bisher wurde es\n1860 zwei Mal in Darmstadt, der Heimat des Autors,\nund 1862 in Regensburg gegeben —bekannt zu werden.\nNach Mendelssohn's Vorgange hat der Componist sel-\nber den Text, ohne irgend welche andere Beimischung,\naus den biblischen Urkunden genommen und auf sinnige\nWeise so zusammengestellt, dass die Hauptmomente im\nLeben des Patriarchen ganz nach dem Wortlaute der\nbiblischen Darstellung vorgeführt und die übrige Ausstat-\ntung der Scenen mit anderweitigen Worten und Stellen\nder Bibel bewerkstelligt wurde. Man erkennt leicht, dass\nScenen wie die mit Loth bei der Ansiedelung in Kanaan,\nder kriegerische Auszug Abraham's gegen die Könige,\nseine Fürbitte für die sündigen Städte, so wie dann deren\nUntergang, Hagar und Ismael in der Wüste, Isaak's Opfer\nStoff genug bieten mussten zu wirksamer, gewisser\nMaassen dramatischer Ausführung, die denn auch in wohl-\nthätiger Abwechslung von Recitativen, Arien, Duetten,\nChören sich entwickelt. In sehr richtigem Gefühle hat der\nComponist (nach Mendelssohns Vorgange im „Paulus\")\ndie Stimme Jehovah's stets durch einen Doppelchor dar-\ngestellt. Dabei war denn auch in diesen Doppelchören,\nso wie in den übrigen bedeutungsvollen Stellen der jedes-\nmalige Eintritt der Orgel mit ihren schweren, tiefen Stim-\nmen von wahrhaft überwältigendem Eindrucke. Der Com-\nponist hatte nämlich eigens auf diesen Anlass zu den be-\nsagten Stellen eine Begleitung für die dortige herrliche\nOrgel gesetzt. Wahrhaft majestätisch lauten die Worte:\n„Ich bin der allmächtige Gott, wandle vor mir und sei"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "238", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640723-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3791, "texte": "fromm!\" und: „Ich will einen ewigen Bund aulrichten\nzwischen mir und zwischen dir und deinen Nachkommen.\"\nAuch die sonstigen Chöre entfalten Hoheit und Pracht und\nhinwieder Andacht und frommes Vertrauen. Ein Muster\nschöner, klarer Durchführung ist der fugirte Chor Nr. 3:\n„Wohl dem Volke, dessen Gott der Herr ist\", und ein\nMeisterstück die Doppelluge in bei Sodoma's Unter-\ngang: „Seine Blitze leuchten!\" Während so der Schwer-\npunkt des ganzen Oratoriums in den Chören liegt, bieten\nauch die kleineren Ensembles und die Solostücke des\nSchönen, Durchdachten, Schwungvollen und Zarten viel;\ndie Engelstimmen sowohl im Sopran als im l enor und im\nMänner-Terzett sind ganz ihrem Charakter angemessen;\nglücklich ist die patriarchalische Natur Abraham's in den\nverschiedenen Situationen dargestellt; mit besonderer Vor-\nliebe und mit ganz neuer, eigentümlicher Charakter-Aul-\nfassung, von Einsicht und Gefühl des Componisten zeu-\ngend, ist Hagar's Bild gezeichnet. Bei Scenen wie derje-\nnigen des verschmachtenden Ismael, dem Gange des Pa-\ntriarchen mit seinem Sohne nach der Stätte der Opferung\nkonnte man unverkennbare Zeichen der Rührung unter\nden Zuhörern wahrnehmen. Mit Geschick und sinnreicher\nBegleitung ist durchweg das Recitativ behandelt; mit einer\nwundersamen Eigentümlichkeit das Chor-Recitativ Nr.\n13: „Es bebet die Erde\", gleich vor der mächtig ein-\nschlagenden Blitzfuge mit ihrer gezackten Violin-Beglei-\ntung. Nicht minder meisterhaft sind die rein instrumentalen\nSätze, wie der charaktervolle Kriegermarsch und die Ein-\nleitung mit ihrem kernhaften, wir möchten sagen, im La-\npidarstile gehaltenen ersten Satze, der dann als Thema des\nDoppelthors Nr. 12 mit den Worten: „Des Herrn Wort\nist wahrhaftig, und was Er zusagt, das hält Er gewiss!\"\ndem eigentlichen Brennpunkte des Oratoriums, eintritt\nund noch öfter bis zum Schlüsse anklingt, ja, das Ganze\nals Motto und Hauptwahrheit durchzieht.\nBerücksichtigt man nun, dass diese grossartige Musik\nvon einem freilich durch etliche anderweitige Künstler-\nkräfte verstärkten Dilettantenkreise in einer kleinen Schwei-\nzerstadt ausgeführt wurde, wo man sich freilich über einen\nunsicheren Einsatz der Blech-Instrumente u.dgl. wegsetzen\nmusste, so kann man mit Recht sagen, dass die Ausfüh-\nrung sehr gelungen war und wie dem Dirigenten, so dem\ngesammten ausübenden Personale zur grossen Ehre ge-\nreichte. Ersterer, ein eifriger Kunstjünger und unermüd-\nlicher Förderer echten Musiklebens, Herr Musik-Director\nund Organist Eugen Petzold, dem das Musik-Collegium\naus inniger Verehrung einen reichverzierten silbernen Tact-\nstock mit gravirter Widmung am Tage der Aufführung\nauf sein Pult legte, hatte die freudige Genugthuung, nicht\nnur den Gesangchor, der mit sichtlicher Liebe und stei-\ngender Begeisterung seine Chöre einstudirt hatte, sondern\nauch die weiblichen Solostimmen mit eigenen Zöglingen,\nund zwar in vorzüglicher Weise besetzt zu sehen, wäh-\nrend die Partie des Abraham, so wie der Solo-Tenor von\nbenachbarten bewährten Künstlern übernommen waren\nund sehr gut ausgeführt wurden.\nZum glücklichen Gelingen des Ganzen trug dann auch\ndie persönliche Anwesenheit des Herrn Componisten selbst\nbei, der vor dem Schlüsse der Hauptprobe in freundlich-\nhumoristischer Weise die Mitwirkenden zu ermuntern\nwusste und sich überhaupt durch sein männlich-biederes\nWesen die ungetheilte Hochachtung aller erwarb, die ihm\nnäher kamen, was ihm denn auch durch einen dargereich-\nten Lorberkranz beurkundet wurde. Kürzlich hat er ein\nneues Oratorium, „Israel in der Wüste\", vollendet, somit\ndem Stoffe nach eine Fortsetzung des Händel'schen „Israel\nin Aegypten\". Den würdigen Mann begleiten unsere besten\nWünsche und dem rühmlichen und verdienstlichen Stre-\nben der zofinger Musikfreunde gilt für weiterhin unser\nfreudiges Glückauf!\n\nL. St."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-07-23-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-07-23_01#c005", "volume": "bmtnabi_1864-07-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "238", "page_fin": "239", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640723-01.2.5", "titre_corps": "Aus Aachen.", "titre_sommaire": "Aus Aachen.", "signature_source": "N", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "238", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640723-01.1.6", "debut_caractere": 3793, "fin_caractere_exclue": 5246, "texte": "Aus Aachen.\n\nIn Ermangelung von Concerten verstatten Sie mir\nwohl einige Worte über unsere Bühne, welche, wie in\nallen Bädern, in denen es Theater-Vorstellungen gibt, sich\nder Oper befleissigt und durch die anhaltende Regenzeit\ndes vorigen Monats vom Himmel so begünstigt war, dass\nman hätte glauben sollen, die Theater-Directoren, die es\nja in der Maschinerie jetzt vor allem Anderen sehr weit\ngebracht haben, dirigirtön auch den Witterungs-Apparat\nin der Atmosphäre. Zu dem Interessantesten, was bis jetzt\ndie diesjährige Saison gebracht hat, gehörten die Gast-\nrollen der Fräulein U brich vom königlichen Hoftheater\nzu Hannover. Asminde Übrich gab die Bosine, Carlo\nBroschi (2 Mal), Martha, Gretchen, Scenen aus Dinorah,\nder Regimentstochter und Bobert. Das Talent dieser Künst-\nlerin zog unser Publicum sehr an. denn es ist ein wirk-\nliches, welches vor Allem die trivialen Mittel, die Masse\nzu gewinnen, verschmäht. Niemals missbraucht sie die\nKraft der Stimme, niemals hört man von ihr einen Schrei,\nsondern immer nur Gesang, und zwar sehr wohllautenden.\nIhre Stimme hat den bedeutenden Umfang eines hohen\nund Mezzo-Soprans; zwar ohne grosse Klangfülle, ist das\nmittlere Register sehr gleich, die hohen Töne sprechen mit\nerstaunlicher Leichtigkeit an und die Tiefe hat etwas recht\nSympathisches. Sie singt sehr rein und besitzt eine grosse\nBiegsamkeit und technische Fertigkeit, so dass man sie\nwohl zu den besten Coloratufsängerinnen unserer Zeit"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "239", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640723-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 791, "texte": "rechnen kann. Sie verwischt die Passagen nicht, sondern\ngibt sie mit grosser Correctheit wieder. Beweise davon\ngab sie in den genannten Parlieen und noch besonders in\neiner Arie aus Herold's „Zweikampf\", zu welcher Joachim\neine obligate Violine geschrieben hat, die von Herrn Fleisch-\nhauer vortrefflich vorgetragen wurde. Das Spiel von Fräu-\nlein Übrich ist natürlich, leicht und pikant; dagegen dürf-\nten Leidenschaft und Feuer, wo sie hingehören, in höhe-\nrem Grade zu wünschen sein, um die Zuschauer hinzu-\nreissen. Doch das ist nicht allen Naturen gegeben, und\ndie hervorragenden Eigenschaften, die Fräulein Übrich\nsonst besitzt, haben ihr hier einen so grossen Erfolg be-\nreitet, dass es der allgemeine Wunsch des Publicums ist,\nsie bald einmal wieder hieher zurückkehren zu sehen.\n\nN."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-07-23-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-07-23_01#c006", "volume": "bmtnabi_1864-07-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "239", "page_fin": "239", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640723-01.2.6", "titre_corps": "Bestimmungen Meyerbeer’s über seine Stiftung für Tonkünstler.", "titre_sommaire": "Bestimmungen Meyerbeer’s über seine Stiftung für Tonkünstler.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "239", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640723-01.1.7", "debut_caractere": 793, "fin_caractere_exclue": 5359, "texte": "Bestimmungen Meyerbeer’s über seine Stiftung\nfür Tonkünstler.\nVon meinem Vermögen soll ein Capital von 10,000 Thlrn. ab-\ngesondert, auf den Namen „Meyerbeer-Stiftung für Tonkünstler\" fest-\ngestellt und von meinen Erben durch meine Testaments-Executoren\nmit 5 Procent jährlich verzinst werden. Alle zwei Jahre sollen die\nvon diesem Capitale aufgelaufenen Zinsen einem Studirenden der\nmusicalischen Composition unter folgenden Bedingungen und zu fol-\ngenden Zwecken gegeben werden:\nJeder Bewerber um den zur Concurrenz ausgesetzten Preis muss:\n1) ein Deutscher, in Deutschland geboren und erzogen, auch\nnicht älter als 28 Jahre sein; gleichgültig ist, zu welcher Re-\nligion er sich bekennt und welchem Stande er angehört. Er muss\nferner:\n2) seine Studien in einem der öffentlichen Kunstinstitute Ber-\nlins oder in dem Conservatorium für Musik in Köln gemacht\nhaben. Als erstere jetzt vorhandene bezeichne ich die von Professor\nGrell geleitete königl. akademische Schule für musicalische Compo-\nsition, das vom Professor Bach geleitete königliche Institut für Kir-\nchenmusik, das vom Professor Stern und das vom Professor Kullak\ngeleitete Conservatorium der Musik. Ob später in Berlin entstehende\nöffentliche Kunstinstitute für die Tlieilnahme an der Preisbewerbung\nqualificirte Schüler genügend ausbilden, bleibt der Beurtheilung und\nFeststellung der musicalischen Section der Akademie der Künste\nvorbehalten. So lange die Professoren Marx und Flodoard Geyer\nsich mit der Ausbildung junger Musiker beschäftigen, sollen auch\nderen Schüler, sofern sie ein Attest ihres Lehrers zur Befähigung\nzur Theilnabme an der Preisbewerbung beibringen, ausreichend sein.\nDie Gegenstände für die Preisbewerbung sollen sein gleichzeitig:\na) eine achtstimmige Yocalfuge für zwei Chöre, deren Haupt-\nthema mit dem Texte von den Preisrichtern aufgegeben wird;\nb) eine Ouvertüre für grosses Orchester;\nc) eine dreistimmige dramatische Cantate für Gesang und Or-\nchester, deren ungedruckter Text von den Preisrichtern den Bewer-\nbern mitgetheilt wird, bestehend aus zwei Arien, einem Duett und\neinem Terzett, verbunden durch Recitative, als Einleitung eine auf\ndie Situation des Textes passende Instrumental-Introduction. Der von\nden Preisrichtern zu wählende Dichter des Textes dieser Cantate\nerhält 30 Thaler, die von meinen Erben besonders zu zahlen sind.\nZu Preisrichtern ernenne ich:\n1) sämmtliche Mitglieder der musicalischen Section der Akade-\nmie der Künste in Berlin;\n-) die beiden Capellmeister der königlichen Oper zu Berlin;\n3) die beiden Directoren des Stern1 sehen und des Kullak'schen\nConservatoriums, so lange sie bestehen;\n4) die Professoren B. A. Marx und Flodoard Geyer, so lange\nsie am Leben sind.\nDerjenige Concurrent, dem der Preis zuerkannt wird, erhält die\nvon dem Capitale der 10,000 Thaler während dieser verflossenen\nzwei Jahre aufgelaufenen Zinsen, also l(i00 Thaler, und ist dagegen\nverpflichtet, die ersten sechs Monate in Italien, die zweiten sechs\nMonate in Paris und die dritten sechs Monate abwechselnd in Wien.\nMünchen und Dresden zuzubringen, um die musicalischen Zustände\nder gedachten Länder und Städte gründlich zu studiren. Er ist fer-\nner verpiiiehtet, als Beweis für seine musicalische Thätigkeit, wäh-\nrend der achtzehnmonatlichen Reisezeit an die musicalische Section\nder königlichen Akademie zwei grössere Compositionen von sich\neinzusenden.\nDie eine muss eine Gesangs-Composition, und zwar entweder\nein Opern-Fragment oder ein Oratorien-Fragment, die andere muss\neine Orcliester-Composition, entweder eine Ouvertüre oder ein Sin-\nfonie-Satz sein. Wird bei einer Preisbewerbung keiner der Bewerber\nfür würdig befunden, so kann derjenige, welcher bei der unmittelbar\nvorhergegangenen Bewerbung den Preis erhielt, den nunmehr zur\nAushändigung bestimmten Preis noch einmal erhalten, wenn die\nPreisrichter es für zweckmässig erachten. Geschieht dies nicht, so\nsoll der für diese Concurrenz zurückbehaltene Preis zur einen Hälfte\ndem nächstfolgenden zur Auszahlung gelangenden Preise, zur ande-\nren Hälfte dem auf diesen zunächst folgenden zur Auszahlung kom-\nmenden Preise zuwachsen.\nZu Curatoren dieser Stiftung ernenne ich:\n]) den gegenwärtigen Vorsitzenden der königlichen Akademie\nder Künste, Professor Daege;\n2) den Geheimen Ober-Regierungsrath Dr. Johannes Schulze,\nwelcher die Stiftung für Maler und Bildhauer meines seligen Bruders\nMichael seit Jahren so treu und weise leitet;\n3) meinen Schwiegersohn Baron Emanuel Korff.\nDiese Curatoren vertreten auch die Stiftung nach aussen, Be-\nhörden und Privatpersonen gegenüber, mit voller Wirkung."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-07-23-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-07-23_01#c007", "volume": "bmtnabi_1864-07-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "239", "page_fin": "240", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640723-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "239", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640723-01.1.7", "debut_caractere": 5361, "fin_caractere_exclue": 5990, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nLeipzig* Der Universitäts-Gesangverein der Pauliner feierte\nam 11. und 12. Juli sein Stiftungsfest durch ein Concert im Schützen-\nhause, welches in unserer von jetzt ab in diesen Blättern zu brin-\ngenden monatlichen Revue aus Leipzig besprochen werden soll.\nVorläufig sei bemerkt, dass sieben deutsche Universitäten um die\nStatuten des Pauliner-Vereins zur Gründung ähnlicher Vereine ge-\nbeten haben. O. P.\nFräulein Wolter wird in Karlsbad mit Ehren überschüttet.\nSie ist förmlich der Gegenstand von Ovationen, die sie von Seiten\nhoher Herrschaften sowohl als auch von daselbst weilenden literari-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "240", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640723-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4031, "texte": "sehen Grössen erhält. Sie wurde bereits von der rassischen Gross-\nfürstin zu einer Soiree, bei der auch der König von Preussen er-\nscheint, eingeladen.\nITftÜllclieil* Richard Wagner's „Fliegender Holländer\",\nder nun vollkommen einstudirt ist, wurde verschoben, bis nach Ab-\nlauf der Hoftrauer König Ludwig 11. zum ersten Male wieder das\nTheater besuchen wird. Die Oper soll alsdann unter der persönli-\nchen Leitung des Componisten gegeben werden. Ob die Oper „Tri-\nstan und Isolde\" gegeben werden soll, davon verlautet jetzt wenig-\nstens noch nichts.\nRubinstein wird einen neuen Operntext von Moriz Hart-\nmann componiren; den dieser gegenwärtig für ihn arbeitet.\n(W. 81. f. Th.)\nAls Capellmeister am hamburger Stadttheater ist der leipziger\nCapellineister Herr Riccius engagirt worden.\nWieil* Herr Ferenczy, erster Tenor vom Hoftheater in\nKassel, erfreut sich einer klangvollen, frischen Stimme, intonirt rein,\nspricht ziemlich deutlich und stört im Spiele nicht. Hätte er Tem-\nperament, überhaupt eine ausgesprochene Individualität, so würden\ndiese Anlagen allerdings als schätzbares Material zu einem zukünf-\ntigen bedeutenden Künstler zu betrachten sein. Allein Herr Ferenczy\nnicht zu den allzu aufschwungs- und entwicklungsfähigen\nNaturen zu gehören. In seinen Leistungen: Eleazar, Hernani, Arnold\nim Teil, war nichts zu bemerken, was das Gepräge des Selbstge-\ndachten, der eigenen Empfindung Entsprossenen getragen hätte.\nUeberdies ist sein Missachten des Tactes oft peinlich. Ein schönes\nOrgan indessen deckt in den Augen der Menge noch weit grössere\nMängel, und desshalb ist es eben nicht zu verwundern, dass dieser\nSänger gefiel und ausserordentlich applaudirt wurde.\nPetersburg. In den Programmen der diesjährigen Con-\ncerte der russischen Musik-Gesellschaft unter Direction von Anton\nRubinstein finden wir unter Anderem: Musik zu „Manfred\", Schu-\nmann; Ouvertüre zu den „Girondisten\", LitolfF; Cavatine aus der\nOper „Faust\", Gounod; Concert für die Violine, Ferd. David; Ro-\nmanzen am Ciavier, Gurileff; „Orpheus\", symphonische Dichtung,\nLiszt; Fragmente aus der Oper „Orpheus\", Gluck (beides im zwei-\nten Concerte mit oder ohne Ironie?); Concert für Ciavier (F-\n--moll)} Chopin; Ouvertüre und Fragmente aus der Oper „Russlan und\nLudmilla\", Glinka; Serenade (D-dur, erster Satz für Orchester), J.\nBrahms; Ouvertüre zu einem Trauerspiele, Bargiel; der hundertste\nPsalm, Händel; Symphonie (C-dur), Schumann; Ouvertüre zu „Hafis\",\nL. Ehlert; Concert für Violoncello (Manuscript), DavidofF; Thema\nund Variationen aus der „I. Suite\", F. Lachner; Concert (D-moll) für\nCiavier, Mendelssohn; Romanzen am Ciavier, Glinka; Fragmente aus\nder Missa solemnis, Beethoven; „Meeresstille und glückliche Fahrt\",\nBeethoven; Concert (Fis-moll) für Violine, Ernst; „Passacaglia\"\n(instrumentirt von Esser), J. S. Bach; Symphonie (C-moll), Spohr;\nFragmente aus „Lelio\", Berlioz; Concert für Ciavier, Schumann;\nArie aus der Oper: „Das Leben für den Czaar\", Glinka; eine Faust-\nOuverture, Wagner; a. Chor aus der Oper „Isis\", Lulli; b. Chor\naus der Oper „Castor und Pollux\", Rameau; Ouvertüre aus der Oper\n„Der Sohn des Mandarinen\", Kui; Symphonie (D-moll), Schumann;\nOuvertüre zu „Hamlet\", N. W. Gade; „Nachtlied\" für Chor und Or-\nchester, Schumann; Ballet aus der Oper „Der Dämon\", Vietinghof;\nConcert für Ciavier (Es-dur), Liszt; Symphonie (D-moll, Nr. 9),\nBeethoven. Der Quartett-Unterhaltungen waren vier. Ausserdem\nhat die Gesellschaft noch drei Matineen für Mad. Schumann veran-\nstaltet, in welchen letztere mitgewirkt hat mit Compositionen von\nRobert Schumann, von Beethoven, Bach, Chopin u. a. m., und in\nwelchen immer ein Quartett gemacht wurde. Im Conservatorium\nwaren für dieses Jahs 2(j3 Zöglinge eingeschrieben; auch sind die\nGesellschaft eröffnet worden in Kieff und Charkoff. Die\nmoskauer Filial-Gesellschaft hat in diesem Jahre mit glänzenden\nErfolgen gewirkt, besonders durch drei Concerte in der Manege,\ndie zum Zwecke hatten, durch billige Eintrittspreise dem grossen\nPublicum Gelegenheit zu verschaffen, gute Musik zu hören."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "233", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640723-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie Riesenorgel in Doncaster. Gebaut von J. F. Schulze und Söhnen. Beurtheilung. J. Moscheies, Melodisch-con-\ntrapunktische Studien. Von W. Aus Zofingen in der Schweiz (Musik-Collegium). Von L. St. Aus Aachen (Theater). Von N.\nBestimmungen Meyerbeer's über seine Stiftung für Tonkünstler. Tages- und Unterhallu n gs b 1 a 11 (Leipzig, Pauliner-Verein\nKarlsbad, Fräulein Wolter München, R. Wagner's Opern Wien, Herr Ferenczy Petersburg, Concert-Programme).\n\nDie Riesenorgel zu Doncaster.\nGebaut von J. F. Schulze und Söhnen.\nDie St. Georgskirche zu Doncaster in Yorkshire ge-\nhörte zu den grössten und schönsten Denkmalen der go-\nthischen Baukunst in England und war namentlich schon\nseit 1740 auch durch eine grosse Orgel, ein Werk des\ndamals berühmtesten Orgelbauers Harris in London, aus-\ngezeichnet. Dieses Werk wurde zu verschiedenen Zeiten,\nim Jahre 1758 von Snetzler, 1803 von Donaldson, später\nvon Ward, vor Allem aber von 1841 —1846 unter der\nLeitung von Jeremias Rogers (seit 1835 Organisten\nan der Georgskirche) durch den Orgelbauer Brown von\nYork dermaassen vergrössert und verbessert (die Kosten\ndieser Vergrösserung von 1000 L. St. trug Herr Rogers\nfast ganz allein!), dass es eine der schönsten Orgeln in\nEuropa wurde. Im Jahre 1852 wurde die Orgel, um\ndem Bau eines prachtvollen Votivfensters Raum zu\nan eine andere Stelle versetzt. Es geschah durch die Or-\ngelbauer Hill und Söhne in London, da Brown gestorben\nwar. Auch jetzt wurden wieder Verbesserungen ange-\nbracht und Alles war zu der Feierlichkeit der Wieder-\neröffnung vorbereitet, als ein furchtbarer Brand in der\nNacht vom 28. Februar 1853 den Dom und die Orgel\nin einen Trümmerhaufen verwandelte und die Werke, an\ndenen mehrere Geschlechter gebaut hatten, in Einer Nacht\nvernichtete. Die damals zu Grunde gerichtete Orgel hatte\ndrei Manuale und ein Pedal (32füssig) mit 51 Registern\nund 8 Koppeln und 3458 Pfeifen.\nDas grosse Unglück erregte eine ungeheure Theil-\nnahme, und unter Begünstigung und Beistand der Königin\nbegannen Unterzeichnungen, Sammlungen, Ausstellungen,\nBazars u. s. w., welche den Wideraufbau der Kirche\ndurch den berühmtesten englischen Baumeister unserer\nZeit, Herrn George Gilbert Scott, möglich machten.\nDiesem genialen Architekten (der auch den Plan zu der\nneuen Nicolaikirche in Hamburg entworfen hat) ist es ge-\nlungen, eines der prächtigsten Kirchengebäude von Eng-\nland neu aufzuführen. Allein dem wackeren Organisten\nRogers lag es vor Allem am Herzen, dem neuen Dome\nauch wieder eine Orgel zu verschaffen, die an Majestät\ndes Baues und Klanges den grossartigen architektonischen\nVerhältnissen des christlichen Tempels angemessen sei. Er\nbildete daher ein Comite, dem der Mayor und die ange-\nsehensten Einwohner von Doncaster beitraten. Die Zeich-\nnungen und Beiträge für den neuen Orgelbau übertrafen\nalle Erwartungen: man konnte bald über mehr als 2000\nL. St. verfügen, und da nach reiflicher Ueberlegung eines\nzu dem Zwecke vereinigten Ausschusses von Sachverstän-\ndigen unter dem Vorsitze des Herrn Rogers und des Herrn\nHopkins, Organisten in Temple Church in London, die\nWahl auf die deutschen Orgelbauer Schulze und\nSöhne zu Paulinzeile in Thüringen fiel, so wurde der\nAuftrag zum Bau bereits im Jahre 1857 dieser Firma\ngegeben. Da der Vater J. F. Schulze am 9. Januar 1858\nstarb, so haben die drei Söhne die Kunstwerkstatt mit\nKenntniss und Energie fortgeführt und den gediegenen\nRuf, dessen sie bereits genoss, durch mehr als dreissig ge-\nlungene Bauten in Deutschland und England*) auf erfreu-\nliche Weise bewahrt und vermehrt. Dem für die deutsche\nKunstgewerbthätigkeit im Orgelbau so ehrenvollen Rufe,\ndie kolossale Orgel in Doncaster zu bauen, hat die Vollen-\ndung des Werkes nach fünfjähriger Arbeit aufs vollkom-\nmenste entsprochen*'). Herrn Edmund Schulze, dem\n\n*) In England seit 1860 noch eine andere Orgel in Doncaster\nund eine in South-Shields, Verbesserungen und Hinzufügungen an\nden Orgeln in der Tempelkirche zu London, der Pfarrkirche zu\nLeeds und der Kathedrale zu York.\n**) Wir wissen recht gut, dass nur ein einziger Tadel ausge-\nsprochen worden nach Einweihung und Abnahme der Orgel im Jahre\n1862 in einer verdienstvollen Schrift über die Orgel zu Doncaster\n(welcher wir auch die oben gegebenen historischen Angaben ent-\nnommen haben). Er betrifft das Register der Vox humana, dessen"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "234", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640723-01.1.2", "texte": "ältesten der Herren Gebrüder Schulze, der die Aufstellung\nleitete, wird desshalb in den öffentlichen Blättern von Don-\ncaster ein Nachruf der Dankbarkeit gewidmet, der mit\nder Anerkennung auch seiner persönlichen Zuvorkommen-\nheit und dem Bedauern, das seine Abreise den Kunst-\nfreunden verursacht, schliesst.\nUm dem Leser klar zu machen, wesshalb wir dieses\nWerk eine Riesenorgel genannt haben, geben wir die\nvollständige Disposition derselben.\nGroat-Organ (Hauptwerk)*).\n1. Sub-Bourdon 32 Fuss.\n2. Double Open-Diapason 16 Fuss. (Doppel-Principal.)\n3. Bourdon 16 Fuss.\n4. Open-Diapason 8 Fuss.\n5. Octave 8 Fuss.\n6. Hohlflöte 8 Fuss.\n7. Stopt-Diapason 8 Fuss. (Gedackt.)\n8. Great-Quint s*/3 Fuss.\n9. Principal 4 Fuss.\n10. Gemshorn 4 Fuss.\n11. Stopt-Flute 4 Fuss.\n12. Twelfth 2-/3 Fuss. (Quinte.)\n13. Fifteenth 2 Fuss. (Octave.)\n14. Mixture 5 ranks.\n15. Cymbale 3—5 ranks.\n16. Cornet 4 ranks.\n17. Double-Trumpet 16 Fuss.\n18. Trumpet 8 Fuss. .\n19. Posaune 8 Fuss.\n20. Horn 8 Fuss.\n21. Clarion 4 Fuss.\nClloir-Organ (Chorwerk).\n1. Lieblich-Gedact 16 Fuss.\n2. Geigen-Principal 8 Fuss.\n3. Yiola di Gamba 8 Fuss.\n4. Flauto-traverso 8 Fuss.\n5. Salicional 8 Fuss.\n6. Lieblich-Gedackt 8 Fuss.\n7. Geigen-Principal 4 Fuss.\n8. Lieblich-Flute 4 Fuss.\n9. Flauto-traverso 4 Fuss.\n10. Quintatön 4 Fuss.\n11. Flautino 2 Fuss.\n12. Mixture 3ranks.\n13. Clarionet 8 Fuss.\nHerstellung verlangt worden war, und bezeichnet mit einem Aus-\ndrucke, der allerdings auf viele Geschwister dieser veralteten Orgel-\nstimme passt, dasselbe als „eine Caricatur der menschlichen Stimme\".\nDas Register ist aber seitdem verändert worden und klingt zwar in\nder Isälie auch jetzt noch rauh und \"der menschlichen Stimme wenig\nähnlich, aber in grösserer Entfernung und in Verbindung mit ge-\neigneten Registern wird der Ton edler und hat sogar, als der Or-\nganist dasselbe nach der Veränderung zum ersten Male beim Gottes-\ndienste gebrauchte, eine wirkliche Täuschung hervorgebracht, indem\nnämlich die Geistlichen und ein Theil der Gemeinde sich von ihren\nSitzen erhoben in dem Glauben, der Gesang beginne, wobei nach\nenglischer Sitte die Gemeinde aufsteht.\n*) Diapason, bei uns Principal. Open: offen. Stopt:\ngedackt. Bank: Chor; 4ranJcs: vierchorig.\nSwell-Organ (Schwellerwerk).\n1. Bourdon j6 Fuss.\n2. Open-Diapason 8 Fuss.\n3. Gemshorn 8 Fuss.\n4. Harmonic-Flute 8 Fuss.\n5. Rohrflöte 8 Fuss.\n(j. Terpodion 8 Fuss.\n7. Principal 4 Fuss.\n8. Harmonic-Flute 4 Fuss.\n9. Stopt-Flute 4 Fuss.\n10. Yriol d'amour 4 Fuss.\n]l. Mixture 4ranks.\n12. Scharf 3ranks.\n% f i\n13. Cornet 4ranks.\n14. Double-Bassoon l(j Fuss.\n15. Hautboy 8 Fuss.\n16. Trumpet 8 Fuss.\n17. Horn 8 Fuss.\n18. Clarion 4 Fuss.\n* i« J * * ►'! 9 '\nSolo-Organ (Solo werk)\n1. Gemshorn 8 Fuss.\n2. Harmonic-Flute 8 Fuss.\n3. Kohrflöte 8 Fuss.\n4. Harmonic-Flute 4 Fuss.\n5. Stopt-Flute 4 Fuss.\n6. Double-Bassoon 16 Fuss.\n7. Hautboy 8 Fuss.\n8. Horn 8 Fuss.\n9. Yox liumana 8 Fuss.\nV\nNB. Die meisten Stimmen dieses Claviers sind aus dem Schweiler\nentnommen.\nEcho-Organ (Echowerk).\n1. Tibia major 16 Fuss.\n2. Yox angelica 8 Fuss.\n3. Harmonica 8 Fuss.\n4. Flauto-traverso 8 Fuss.\n5. Flauto-amabile 8 Fuss.\n6. Celestina 4 Fuss.\n7. Flauto-dolcissimo 4 Fuss.\n8. Harmonica aetherica 2ranks.\nPedal-Organ (Pedal).\n1. Sub-Principal 32 Fuss.\n2. Major-Bass J6 FUSS.\n3. Principal-Bass 16. Fuss.\n4. Open-Diapason-Bass 16 Fuss.\n5. Sub-Bass 16 Fuss.\n6. Violon-Bass 16 Fuss.\n7. Minor-Bass 8 Fuss.\n8. Octave-Bass 8 Fuss.\n9. Yioloncello-Bass 8 Fuss,\n10. Flute-Bass 8 Fuss.\n11. Great-Quint 10-/3 Fuss.\n12. Quint-Bass s*/3 Fuss.\n13. 15th. Bass 4 Fuss. (Octave.)\n14. Great-Tierce 62/Ö FUSS.\n15. Tierce 3Ys Fuss.\n16. Mixture 2ranks.\n17. Cymbala 2ranks.\n18. Contra-Posaune 32 Fuss.\n19. Bombarde 16 Fuss.\n20. Posaune 16 Fuss.\n21. Fagotto 16 Fuss,\n22. Trumpet 8 Fuss."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "235", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640723-01.1.3", "texte": "23. Fagotto 8 Fuss.\n24. Horn 8 Fuss.\n25. Clarion 4 Fuss.\nKoppel u. s. w. u. s. w\n1. Hauptwerk zum Pedal.\n2. Schweller zum Hauptwerk.\n3. Chor zum Hauptwerk.\n4. Tremulant für den Schweller.\n5. Donner-Stimme.\n6. und 7. Combination für das Hauptwerk.\n8. Combination für das Pedal.\n9. und 10. Combination für den Schweller.\n11. Combination für das Chorwerk.\nDie Orgel ist in der nördlichen Capelle des hohen\nChors aufgestellt und zeigt der Kirche zwei Fronten, eine\nnach dem hohen Chore hin, die andere nach dem Transept.\nDa sie beinahe den ganzen Kaum dieser Capelle einnimmt,\nso konnte das Steinwer-k selbst die Stelle des Gehäuses\nvertreten; indess war es doch nothwendig, diesen localen\nVortheil noch durch ein inneres Gehäuse zu ergänzen. Der\nuntere Tbeil der Orgel bis auf eine Höhe von 10 bis 12\nFuss ist in ein Gehäuse von Eichenholz eingeschlossen, das\nmit ausgezeichnetem Schnitzwerk verziert ist; über dem\nHolzwerke ist aber eine Eisen-Galerie, ungefähr 3 Fuss\nhoch. Durch diese und den offenen Raum über derselben\nist der grössere Theil des Pfeifenwerkes der Orgel zu\nsehen. Die Transept-Fronte der Orgel ist dagegen durch\neine Reihe grosser klingender Prospect-Pfeifen (Principal-\nbass 16 Fuss) geschlossen.\nDie Orgel hat 5 Manuale und 1 Pedal. Keine andere\nOrgel in England hat so viele Manuale, da gewöhnlich\nderen nur 3 oder höchstens 4 vorhanden sind. Jedes von\ndiesen 5 Manualen hat einen 16 Fuss- und das erste auch\nnoch einen 32 Fusston.\nObgleich man nun auf den ersten Blick vermuthen\nsollte, dass so viele Manuale über die Controle eines ein-\nzigen Organisten gehen müssten, so sind sie doch so ein-\ngerichtet, dass sie dem Spieler die leichteste Handhabung\nmöglich machen. Der Haupt-Vortheil der Anwendung so\nvieler Manuale besteht darin, dass der Organist, indem er\ndie Register vorher arrangirt, wie er sie zu einem vorzu-\ntragenden Musikstücke braucht, in grossem Maasse das\nWechseln der Register während des Spiels vermeiden kann,\ndass er vielmehr nur von dem einen Ciavier auf das andere\nüberzugehen braucht, um alle Effecte und Abwechslungen,\nwie er sie wünscht, hervorzubringen. Hierin unterstützen\nihn besonders noch die Combinationszüge, welche durch\nFusstritte über dem Pedal regiert werden und durch\nwelche ganze Gruppen von Stimmen zugezogen oder ab-\ngestossen werden können. Der Umfang aller Manuale ist\nvon CCbis a(5B Tasten), des Pedals von bis\n(29 Tasten). Die Register, welche die Zahl von 100 über-\nschreiten, sind in je drei Reihen zu beiden Seiten des Or-\nganisten angebracht und ziehen sich leicht.\nDas Instrument ist, wie man oben gesehen, eingetheilt\nin Hauptwerk, Chorwerk, Schwellerwerk, Solowerk, Echo-\nwerk und Pedal. Das Pedal hat 25 Stimmen, welche ihm\ndie ungewöhnliche Kraft geben, durch welche es alle Pe-\ndalwerke anderer Orgeln weit hinter sich lässt. In den\nOrgeln zu Liverpool und zu Leeds, den nächstgrössten\nWerken im Königreiche, sind in der ersteren 17, in der\nzweiten nur 16 Pedal-Stimmen. Dieser Vorzug der Don-\ncaster-Orgel ist bemerkenswert!) und von wesentlichem\nEinflüsse auf die majestätische Grösse ihrer Wirkung, und\nzeigt uns den Begriff, den die Deutschen mit dem Worte\n,Kraft des Pedals\" verbinden (wie ein englischer Bericht-\nerstatter sagt). Das Hauptwerk hat 21 Stimmen von\njeder Qualität und Stärke, welche verlangt werden können.\nIn das Hauptwerk und Pedal ist die Hauptstärke der Orgel\ngelegt; besonders wirksam sind die zwei Principale im\nHauptwerke, von welchen das eine sehr weit und stark,\ndas andere dagegen enger und schwächer ist. Die Rohr-\nwerke, sämmtlich aufschlagend, mit Ausnahme von Po-\nsaune 32 und 16 Fuss des Pedals, sind in der ganzen\nOrgel mit stärkerem Winde intonirt, als die Labialstimmen\nder betreffenden Claviere. Das Chorwerk , welches haupt-\nsächlich zur Begleitung gebraucht wird, hat 13 Stimmen;\nes ist viel sanfter intonirt, als das Hauptwerk, und die\nStimmen sind von engerer Mensur; es fasst wunderschöne\nRegister in sich. Das Schwellerwerk hat 18 Stimmen\nund ist in einem Gehäuse von ungewöhnlicher Grösse ein-\ngeschlossen, das alle Dimensionen und das ganze Aussehen\neines niedlichen Zimmers hat. Seine Länge ist 18 Fuss,\nseine Breite 12 Fuss und die Höhe 11 Fuss 6 Zoll. Seine\nFronte besteht aus 48 venetianischen Fensterläden, welche\nsich ohne das geringste Geräusch öffnen und schliessen\nnach dem Willen des Spielers, und mittels welcher dieser\ndas Crescendo und Diminuendo erzeugt, welches in einer\ngrossen Kathedrale, wie die Doncaster-Kirche ist, so schön\nund ausdrucksvoll wirkt. Die Stimmen des Schwellers sind\nkräftiger intonirt, als die des Chorwerkes; die Principale\nzeichnen sich durch Intensität und Fülle des Tones aus.\nDas Solowerk hat 9 Stimmen, welche grösstenteils aus\ndem Schweller entnommen sind durch eine sinnreiche me-\nchanische Vorrichtung, welche diesem Ciavier aber alle\nVortheile eines ganz selbständigen Werkes verleiht. Das\nFör-Awmawft-Register befindet sich auf diesem Claviere;\nwir haben oben schon davon gesprochen.\nWir kommen nun zum Echowerk, welches eine\nbesondere Eigenthümlichkeit dieser Orgel und ganz neu\nin England ist. Es ist ein Zusatz zu der Original-Dispo-\nsition, wie diese von dem Orgel-Comite festgestellt war,\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "236", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640723-01.1.4", "texte": "und ist ganz auf Kosten des Organisten Herrn Kogers zu-\ngefügt, in Verfolgung der Absicht, dass die Doncaster-\nOrgel in jeder Beziehung ein Musterwerk werden sollte,\nund um Herrn (Edmund) Schulze Gelegenheit zu geben,\nseine grosse Erfahrung und Geschicklichkeit in seinem\nFache zur vollen Geltung zu bringen. In allen englischen\nOrgeln wird das Echo durch den Schweller hervorgebracht,\nes ist aber notwendiger Weise unvollkommen. In der\nDoncaster-Orgel stehen die Pfeifen des Echowerkes ganz\nfrei; jede Stimme ist aber das Echo zu einer anderen\nStimme des Hauptwerkes, des Schwellers oder des Chor-\nwerkes. Der Effect wird nur durch die verschiedene Into-\nnation hervorgebracht. Es ist nämlich durch auf Theorie\nberuhende Versuche dem Herrn 0. Schulze gelungen, ein\nganz neues System der Intonation aufzustellen, das in der\nOrgel zu Doncaster zum ersten Male versucht und auf das\nglänzendste bewährt gefunden worden ist.\nAls ein Resultat der mechanischen Vollendung der\nOrgel muss die schöne elastische Spielart derselben ange-\nsehen werden, welche die Ausführung der schnellsten Pas-\nsagen mit der grössten Leichtigkeit gestattet. Die pneuma-\ntische Mechanik ist für die Tracturen zweier Manuale und\nfür sämmtliche Koppel- und Combinations-Pedale ange-\nwandt. Das sämmtliche Metall-Pfeifenwerk der Orgel ist\naus dem besten gefleckten Metall (lOlöthig) hergestellt,\nmit Ausnahme allein der tiefen Octaven der aufschlagen-\nden Rohrwerke und der beiden einschlagenden Posaunen\n(32 und 16 Fuss), welche von Zink gemacht sind. Die\nProspectpfeifen der Orgel sind gleichfalls von Zink und\ngemalt *).\nZur Speisung dieses Riesen-Instrumentes ist eine grosse\nMasse Wind nöthig. Dieser wird geschafft durch 12 grosse\nDiagonal-Bälge und 3 Reservoirs. Die Wind-Canäle\nu. s. w. zu verfolgen, bildet ein Studium für sich.\nEinige Worte noch über den Ton dieses herrlichen\nInstrumentes. Herrn Schulze ist es gelungen, in dem Tone\ndieser Orgel etwas in jeder Beziehung Grosses und Präch-\ntiges zu schaffen. Der Charakter des Tones überrascht wie\netwas, das von allem, was wir bis jetzt in England zu hö-\nren gewohnt gewesen sind, ganz verschieden ist; es kann\nnicht beschrieben werden, sondern man muss selbst hören,\num darüber zu urtheilen. Ohne unseren englischen Orgel-\nbauern im entferntesten zu nahe treten zu wollen, müssen\nwir doch aufrichtig bekennen, dass wir in dieser deutschen\nOrgel eine Klarheit und Reinheit des Tones finden, welche\nsie selten erreichen, nirgends aber übertreffen. Rein\nund edel in jeder Note, spricht dieses Instrument in den\nzartesten Ausdrücken der pathetischen Melodie zu uns,\noder es braust in den reichsten und glänzendsten Tonströ-\nmungen daher. Wir glauben nicht zu viel zu sagen, wenn\nwir die Meinung aussprechen, dass die Doncaster-Orgel\ndas vollkommenste Instrument ist, das es jetzt gibt, und\ndass Herr Schulze durch den Bau dieser Orgel sich als den\ngrössten Orgelbauer der Gegenwart bewiesen hat.\n\n*) Die Prospectpfeifen werden in englischen Orgeln gewöhnlich\nvon Zink gemacht und mit passenden Figuren, Arabesken u. s. w.\nbemalt.\n\nBeurtheilung.\n\nJ. Moscheies, Melodisch-contrapuii ktische\nStudien. Eine Auswahl von zehn Präludien aus\nJ. Seb. Bach's wohllemperir lern Ciavier mit einer\nhinzucomponirten obligaten Violoncellslimme\noder concertirenden zweiten CI a v iersti mm e.\nPreis der Partitur und Violoncellstimme 2 Thlr.\n15 Ngr.; wird die zweite Clavierslimme dazu ver-\nlangt, so ist der Preis 3 Thlr. 10 Ngr.\nDer hochverdiente Altmeister des Ciavierspiels, Herr\nProfessor J. Moscheies, welcher vor Kurzem bei der Feier\nseines siebenzigsten Geburlstages mit den ihm gebühren-\nden Ehren von Seiten der Regierung und der leipziger\nKünstlerschaft bedacht wurde, besitzt in seinen hohen\nJahren immer noch eine solche Frische des Geistes und\nder Phantasie, dass wir an seine Blüthezeit, in welcher\ndas schöne G-moll-Concert für Pianoforte entstand, leb-\nhaft gemahnt werden. Auch die vorliegenden Studien\nzeigen Kraft und Leben, wenn wir auch hin und wieder\nmit dem Standpunkte des Componisten nicht einverstanden\nsind, welchen er selbst in einem kurzen Vorworte darge-\nlegt hat. „Indem ich dieses Werk der Oeffentlichkeit\nübergebe,\" so sagt der Autor, „möchte ich mich vor Al-\nlem von der Beschuldigung zu reinigen suchen, als läge\neine Anmaassung darin, an Bach'schen Werken (d. h. mit\nAusnahme der Präludien), diesen Grundpfeilern und Stützen\naller Compositiorien, zu rütteln, ja, es gar zu versuchen,\nzu dem abgerundeten meisterlichen Ganzen von dem Mei-\nnigen hinzuzuthun.\" Von dieser Verehrung des Autors für\nBach sind wir vollständig überzeugt, da wir wohl wissen,\nmit welcher tiefen Kenntniss der Bach'schen Meisterwerke\nund mit welcher ausgezeichneten Interpretation derselben\nHerr Professor Moscheies das Studium seiner Schüler zu\nleiten versteht. Mit dem Ausspruche des trefflichen Mei-\nsters können wir jedoch nicht einverstanden sein, dass „er\nden Präludien durch eine hinzucomponirte concerti-\nrende Stimme eine neue Charakteristik zu verleihen\nund durch contrapunktische Mittel einen concertiren-\nden Effect zu geben versucht habe, um auf diese Weise\ndie herrlichen Präludien den Laien und dem grösseren"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "237", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640723-01.1.5", "texte": "Publicum im Allgemeinen zugänglich zu machen\". Dieser\nStandpunkt ist unserer Ansicht nach verfehlt, da das Prä-\nludium dazu bestimmt ist, auf die nachfolgende Fuge vor-\nzubereiten, gleichwie jeder ausführlichere und logisch ge-\ngliederte Aufsatz eine Einleitung zum Thema haben muss.\nDie Präludien müssen also im Zusammenhange mit den\nFugen, lalis sie im „Concerte\" zu spielen sind, vorge-\ntragen werden, und leiden keine andere Zuthat, als die\neines passenden Ausdrucks der Bach'schen Tongebilde.\nFür den „Laien'\" und für das „Concert\" dürfte also die\nArbeit des geschätzten Componisten keine Berechtigung\nhaben. Wohl aber hat sie Berechtigung als „melodisch-\ncontrapunktische Studie\" für Kunst jünger, denen es\nobliegt, sich so vielseitig als möglich harmonisch auszu-\nbilden.\nFerdinand Hiller empfiehlt in seinem theoreti-\nschen Lehrbuche mit Recht die Uebung, zu einer bereits\nfertigen Stimme eine periodisch gegliederte Melodie zu\ncomponiren, um das Gefühl für schöne, wohlklingende\nMelodie innerhalb harmonischer Führung zu wecken. Die\n„melodisch-contrapunktischen Studien\" von Moscheies sind\ngewisser Maassen eine Erweiterung der von Hiller empfoh-\nlenen Aufgaben und dürften Kunstjüngern als Muster-\nVorlagen für Arbeiten ähnlicher Art sehr willkommen sein.\nNamentlich wollen wir, diesen Standpunkt festhaltend, das\nsechste Präludium der Sammlung (aus Seb. Bach's wohl-\ntemperirtem Ciavier, erster Theil, Nr. 24) empfehlen, wel-\nches zwei Mal bearbeitet ist, einmal im strengen, das an-\ndere Mal im freien Stil. Zu bemerken ist endlich noch ein\nstörender Druckfehler auf Seite 13 der sonst schön aus-\ngestatteten Partitur, wo im fünften Tacte von oben die\nletzten sechs Sechszehntel nebst der punktirten halben\nNote im nächsten Tacte vom Violoncell eine Octave höher\ngespielt werden müssen, da sonst übelklingende Quinten-\nParallelen entstehen, hingegen in der von uns angegebe-\nnen Tonlage erlaubte Quarten mit Begleitung der Terz\nherauskommen.\nDie Allgemeine Musicalische Zeitung in Leipzig be-\nhauptet in ihrer Nr. 52, Jahrgang 1863, bei der Be-\nurtheilung der vorliegenden Arbeit von Moscheies in ihrer\ngewohnten Gehässigkeit, dass Moscheies „keinen Respect\nvor irgend welcher Intention Bach's\" bekundet und „sich\nfreiwillig aus der guten musicalischen Gesellschaft entfernt\nhabe, der er bisher zugezählt worden sei\". Nun, wir glau-\nben, dass die anständige musicalische Gesellschaft wohl\nsolchen Urtheilen den Zutritt in ihren Kreis verweigern\nund nebenbei auch jene Bässe im ersten Präludium für die\nrichtigen wohlvorbereiteter Septimen-Harmonieen er-\nkennen wird, welche die Allgemeine Musicalische Zeitung\nauf Seite 875 als „grundfalsche\" bezeichnet. Entfernen\nwir uns daher gegenwärtig aus der Gesellschaft genannter\nZeitung, denn, wie Horaz sagt:\nLeipzig.\n\nW.\n\nAus Zofingen in der Schweiz.\n\nDas Musik-Collegium in Zoflngen, die neulich vollzo-\ngene Vereinigung einer Sinfonie-Gesellschaft und eines\nGesangvereins mit einer früher schon bestandenen Musik-\nGesellschaft zu einem Ganzen, welches es sich bei seinen\nzweijährlichen grösseren Aufführungen angelegen sein\nlässt, neben bekannteren älteren Oratorien höheren Ran-\nges auch solche zu Gehör zu bringen, welche bisher auch\nin der Schweiz noch unbekannt waren, so z. ß. „David\"\nvon Bernhard Klein, „Saul\" von Hiller, hat Sonntag den\n26. Juni das Oratorium „Abraham\" von Mangold\nvorgelührt, dessen Ciavier-Auszug vor einigen Jahren bei\nJ. Rieter-Biedermann in Winterthur in schöner Ausstat-\ntung erschienen ist.\nWir haben hier ein Werk kennen gelernt, das unbe-\ndingt würdig ist, in weiteren Kreisen bisher wurde es\n1860 zwei Mal in Darmstadt, der Heimat des Autors,\nund 1862 in Regensburg gegeben —bekannt zu werden.\nNach Mendelssohn's Vorgange hat der Componist sel-\nber den Text, ohne irgend welche andere Beimischung,\naus den biblischen Urkunden genommen und auf sinnige\nWeise so zusammengestellt, dass die Hauptmomente im\nLeben des Patriarchen ganz nach dem Wortlaute der\nbiblischen Darstellung vorgeführt und die übrige Ausstat-\ntung der Scenen mit anderweitigen Worten und Stellen\nder Bibel bewerkstelligt wurde. Man erkennt leicht, dass\nScenen wie die mit Loth bei der Ansiedelung in Kanaan,\nder kriegerische Auszug Abraham's gegen die Könige,\nseine Fürbitte für die sündigen Städte, so wie dann deren\nUntergang, Hagar und Ismael in der Wüste, Isaak's Opfer\nStoff genug bieten mussten zu wirksamer, gewisser\nMaassen dramatischer Ausführung, die denn auch in wohl-\nthätiger Abwechslung von Recitativen, Arien, Duetten,\nChören sich entwickelt. In sehr richtigem Gefühle hat der\nComponist (nach Mendelssohns Vorgange im „Paulus\")\ndie Stimme Jehovah's stets durch einen Doppelchor dar-\ngestellt. Dabei war denn auch in diesen Doppelchören,\nso wie in den übrigen bedeutungsvollen Stellen der jedes-\nmalige Eintritt der Orgel mit ihren schweren, tiefen Stim-\nmen von wahrhaft überwältigendem Eindrucke. Der Com-\nponist hatte nämlich eigens auf diesen Anlass zu den be-\nsagten Stellen eine Begleitung für die dortige herrliche\nOrgel gesetzt. Wahrhaft majestätisch lauten die Worte:\n„Ich bin der allmächtige Gott, wandle vor mir und sei"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "238", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640723-01.1.6", "texte": "fromm!\" und: „Ich will einen ewigen Bund aulrichten\nzwischen mir und zwischen dir und deinen Nachkommen.\"\nAuch die sonstigen Chöre entfalten Hoheit und Pracht und\nhinwieder Andacht und frommes Vertrauen. Ein Muster\nschöner, klarer Durchführung ist der fugirte Chor Nr. 3:\n„Wohl dem Volke, dessen Gott der Herr ist\", und ein\nMeisterstück die Doppelluge in bei Sodoma's Unter-\ngang: „Seine Blitze leuchten!\" Während so der Schwer-\npunkt des ganzen Oratoriums in den Chören liegt, bieten\nauch die kleineren Ensembles und die Solostücke des\nSchönen, Durchdachten, Schwungvollen und Zarten viel;\ndie Engelstimmen sowohl im Sopran als im l enor und im\nMänner-Terzett sind ganz ihrem Charakter angemessen;\nglücklich ist die patriarchalische Natur Abraham's in den\nverschiedenen Situationen dargestellt; mit besonderer Vor-\nliebe und mit ganz neuer, eigentümlicher Charakter-Aul-\nfassung, von Einsicht und Gefühl des Componisten zeu-\ngend, ist Hagar's Bild gezeichnet. Bei Scenen wie derje-\nnigen des verschmachtenden Ismael, dem Gange des Pa-\ntriarchen mit seinem Sohne nach der Stätte der Opferung\nkonnte man unverkennbare Zeichen der Rührung unter\nden Zuhörern wahrnehmen. Mit Geschick und sinnreicher\nBegleitung ist durchweg das Recitativ behandelt; mit einer\nwundersamen Eigentümlichkeit das Chor-Recitativ Nr.\n13: „Es bebet die Erde\", gleich vor der mächtig ein-\nschlagenden Blitzfuge mit ihrer gezackten Violin-Beglei-\ntung. Nicht minder meisterhaft sind die rein instrumentalen\nSätze, wie der charaktervolle Kriegermarsch und die Ein-\nleitung mit ihrem kernhaften, wir möchten sagen, im La-\npidarstile gehaltenen ersten Satze, der dann als Thema des\nDoppelthors Nr. 12 mit den Worten: „Des Herrn Wort\nist wahrhaftig, und was Er zusagt, das hält Er gewiss!\"\ndem eigentlichen Brennpunkte des Oratoriums, eintritt\nund noch öfter bis zum Schlüsse anklingt, ja, das Ganze\nals Motto und Hauptwahrheit durchzieht.\nBerücksichtigt man nun, dass diese grossartige Musik\nvon einem freilich durch etliche anderweitige Künstler-\nkräfte verstärkten Dilettantenkreise in einer kleinen Schwei-\nzerstadt ausgeführt wurde, wo man sich freilich über einen\nunsicheren Einsatz der Blech-Instrumente u.dgl. wegsetzen\nmusste, so kann man mit Recht sagen, dass die Ausfüh-\nrung sehr gelungen war und wie dem Dirigenten, so dem\ngesammten ausübenden Personale zur grossen Ehre ge-\nreichte. Ersterer, ein eifriger Kunstjünger und unermüd-\nlicher Förderer echten Musiklebens, Herr Musik-Director\nund Organist Eugen Petzold, dem das Musik-Collegium\naus inniger Verehrung einen reichverzierten silbernen Tact-\nstock mit gravirter Widmung am Tage der Aufführung\nauf sein Pult legte, hatte die freudige Genugthuung, nicht\nnur den Gesangchor, der mit sichtlicher Liebe und stei-\ngender Begeisterung seine Chöre einstudirt hatte, sondern\nauch die weiblichen Solostimmen mit eigenen Zöglingen,\nund zwar in vorzüglicher Weise besetzt zu sehen, wäh-\nrend die Partie des Abraham, so wie der Solo-Tenor von\nbenachbarten bewährten Künstlern übernommen waren\nund sehr gut ausgeführt wurden.\nZum glücklichen Gelingen des Ganzen trug dann auch\ndie persönliche Anwesenheit des Herrn Componisten selbst\nbei, der vor dem Schlüsse der Hauptprobe in freundlich-\nhumoristischer Weise die Mitwirkenden zu ermuntern\nwusste und sich überhaupt durch sein männlich-biederes\nWesen die ungetheilte Hochachtung aller erwarb, die ihm\nnäher kamen, was ihm denn auch durch einen dargereich-\nten Lorberkranz beurkundet wurde. Kürzlich hat er ein\nneues Oratorium, „Israel in der Wüste\", vollendet, somit\ndem Stoffe nach eine Fortsetzung des Händel'schen „Israel\nin Aegypten\". Den würdigen Mann begleiten unsere besten\nWünsche und dem rühmlichen und verdienstlichen Stre-\nben der zofinger Musikfreunde gilt für weiterhin unser\nfreudiges Glückauf!\n\nL. St.\n\nAus Aachen.\n\nIn Ermangelung von Concerten verstatten Sie mir\nwohl einige Worte über unsere Bühne, welche, wie in\nallen Bädern, in denen es Theater-Vorstellungen gibt, sich\nder Oper befleissigt und durch die anhaltende Regenzeit\ndes vorigen Monats vom Himmel so begünstigt war, dass\nman hätte glauben sollen, die Theater-Directoren, die es\nja in der Maschinerie jetzt vor allem Anderen sehr weit\ngebracht haben, dirigirtön auch den Witterungs-Apparat\nin der Atmosphäre. Zu dem Interessantesten, was bis jetzt\ndie diesjährige Saison gebracht hat, gehörten die Gast-\nrollen der Fräulein U brich vom königlichen Hoftheater\nzu Hannover. Asminde Übrich gab die Bosine, Carlo\nBroschi (2 Mal), Martha, Gretchen, Scenen aus Dinorah,\nder Regimentstochter und Bobert. Das Talent dieser Künst-\nlerin zog unser Publicum sehr an. denn es ist ein wirk-\nliches, welches vor Allem die trivialen Mittel, die Masse\nzu gewinnen, verschmäht. Niemals missbraucht sie die\nKraft der Stimme, niemals hört man von ihr einen Schrei,\nsondern immer nur Gesang, und zwar sehr wohllautenden.\nIhre Stimme hat den bedeutenden Umfang eines hohen\nund Mezzo-Soprans; zwar ohne grosse Klangfülle, ist das\nmittlere Register sehr gleich, die hohen Töne sprechen mit\nerstaunlicher Leichtigkeit an und die Tiefe hat etwas recht\nSympathisches. Sie singt sehr rein und besitzt eine grosse\nBiegsamkeit und technische Fertigkeit, so dass man sie\nwohl zu den besten Coloratufsängerinnen unserer Zeit"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "239", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640723-01.1.7", "texte": "rechnen kann. Sie verwischt die Passagen nicht, sondern\ngibt sie mit grosser Correctheit wieder. Beweise davon\ngab sie in den genannten Parlieen und noch besonders in\neiner Arie aus Herold's „Zweikampf\", zu welcher Joachim\neine obligate Violine geschrieben hat, die von Herrn Fleisch-\nhauer vortrefflich vorgetragen wurde. Das Spiel von Fräu-\nlein Übrich ist natürlich, leicht und pikant; dagegen dürf-\nten Leidenschaft und Feuer, wo sie hingehören, in höhe-\nrem Grade zu wünschen sein, um die Zuschauer hinzu-\nreissen. Doch das ist nicht allen Naturen gegeben, und\ndie hervorragenden Eigenschaften, die Fräulein Übrich\nsonst besitzt, haben ihr hier einen so grossen Erfolg be-\nreitet, dass es der allgemeine Wunsch des Publicums ist,\nsie bald einmal wieder hieher zurückkehren zu sehen.\n\nN.\n\nBestimmungen Meyerbeer’s über seine Stiftung\nfür Tonkünstler.\nVon meinem Vermögen soll ein Capital von 10,000 Thlrn. ab-\ngesondert, auf den Namen „Meyerbeer-Stiftung für Tonkünstler\" fest-\ngestellt und von meinen Erben durch meine Testaments-Executoren\nmit 5 Procent jährlich verzinst werden. Alle zwei Jahre sollen die\nvon diesem Capitale aufgelaufenen Zinsen einem Studirenden der\nmusicalischen Composition unter folgenden Bedingungen und zu fol-\ngenden Zwecken gegeben werden:\nJeder Bewerber um den zur Concurrenz ausgesetzten Preis muss:\n1) ein Deutscher, in Deutschland geboren und erzogen, auch\nnicht älter als 28 Jahre sein; gleichgültig ist, zu welcher Re-\nligion er sich bekennt und welchem Stande er angehört. Er muss\nferner:\n2) seine Studien in einem der öffentlichen Kunstinstitute Ber-\nlins oder in dem Conservatorium für Musik in Köln gemacht\nhaben. Als erstere jetzt vorhandene bezeichne ich die von Professor\nGrell geleitete königl. akademische Schule für musicalische Compo-\nsition, das vom Professor Bach geleitete königliche Institut für Kir-\nchenmusik, das vom Professor Stern und das vom Professor Kullak\ngeleitete Conservatorium der Musik. Ob später in Berlin entstehende\nöffentliche Kunstinstitute für die Tlieilnahme an der Preisbewerbung\nqualificirte Schüler genügend ausbilden, bleibt der Beurtheilung und\nFeststellung der musicalischen Section der Akademie der Künste\nvorbehalten. So lange die Professoren Marx und Flodoard Geyer\nsich mit der Ausbildung junger Musiker beschäftigen, sollen auch\nderen Schüler, sofern sie ein Attest ihres Lehrers zur Befähigung\nzur Theilnabme an der Preisbewerbung beibringen, ausreichend sein.\nDie Gegenstände für die Preisbewerbung sollen sein gleichzeitig:\na) eine achtstimmige Yocalfuge für zwei Chöre, deren Haupt-\nthema mit dem Texte von den Preisrichtern aufgegeben wird;\nb) eine Ouvertüre für grosses Orchester;\nc) eine dreistimmige dramatische Cantate für Gesang und Or-\nchester, deren ungedruckter Text von den Preisrichtern den Bewer-\nbern mitgetheilt wird, bestehend aus zwei Arien, einem Duett und\neinem Terzett, verbunden durch Recitative, als Einleitung eine auf\ndie Situation des Textes passende Instrumental-Introduction. Der von\nden Preisrichtern zu wählende Dichter des Textes dieser Cantate\nerhält 30 Thaler, die von meinen Erben besonders zu zahlen sind.\nZu Preisrichtern ernenne ich:\n1) sämmtliche Mitglieder der musicalischen Section der Akade-\nmie der Künste in Berlin;\n-) die beiden Capellmeister der königlichen Oper zu Berlin;\n3) die beiden Directoren des Stern1 sehen und des Kullak'schen\nConservatoriums, so lange sie bestehen;\n4) die Professoren B. A. Marx und Flodoard Geyer, so lange\nsie am Leben sind.\nDerjenige Concurrent, dem der Preis zuerkannt wird, erhält die\nvon dem Capitale der 10,000 Thaler während dieser verflossenen\nzwei Jahre aufgelaufenen Zinsen, also l(i00 Thaler, und ist dagegen\nverpflichtet, die ersten sechs Monate in Italien, die zweiten sechs\nMonate in Paris und die dritten sechs Monate abwechselnd in Wien.\nMünchen und Dresden zuzubringen, um die musicalischen Zustände\nder gedachten Länder und Städte gründlich zu studiren. Er ist fer-\nner verpiiiehtet, als Beweis für seine musicalische Thätigkeit, wäh-\nrend der achtzehnmonatlichen Reisezeit an die musicalische Section\nder königlichen Akademie zwei grössere Compositionen von sich\neinzusenden.\nDie eine muss eine Gesangs-Composition, und zwar entweder\nein Opern-Fragment oder ein Oratorien-Fragment, die andere muss\neine Orcliester-Composition, entweder eine Ouvertüre oder ein Sin-\nfonie-Satz sein. Wird bei einer Preisbewerbung keiner der Bewerber\nfür würdig befunden, so kann derjenige, welcher bei der unmittelbar\nvorhergegangenen Bewerbung den Preis erhielt, den nunmehr zur\nAushändigung bestimmten Preis noch einmal erhalten, wenn die\nPreisrichter es für zweckmässig erachten. Geschieht dies nicht, so\nsoll der für diese Concurrenz zurückbehaltene Preis zur einen Hälfte\ndem nächstfolgenden zur Auszahlung gelangenden Preise, zur ande-\nren Hälfte dem auf diesen zunächst folgenden zur Auszahlung kom-\nmenden Preise zuwachsen.\nZu Curatoren dieser Stiftung ernenne ich:\n]) den gegenwärtigen Vorsitzenden der königlichen Akademie\nder Künste, Professor Daege;\n2) den Geheimen Ober-Regierungsrath Dr. Johannes Schulze,\nwelcher die Stiftung für Maler und Bildhauer meines seligen Bruders\nMichael seit Jahren so treu und weise leitet;\n3) meinen Schwiegersohn Baron Emanuel Korff.\nDiese Curatoren vertreten auch die Stiftung nach aussen, Be-\nhörden und Privatpersonen gegenüber, mit voller Wirkung.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nLeipzig* Der Universitäts-Gesangverein der Pauliner feierte\nam 11. und 12. Juli sein Stiftungsfest durch ein Concert im Schützen-\nhause, welches in unserer von jetzt ab in diesen Blättern zu brin-\ngenden monatlichen Revue aus Leipzig besprochen werden soll.\nVorläufig sei bemerkt, dass sieben deutsche Universitäten um die\nStatuten des Pauliner-Vereins zur Gründung ähnlicher Vereine ge-\nbeten haben. O. P.\nFräulein Wolter wird in Karlsbad mit Ehren überschüttet.\nSie ist förmlich der Gegenstand von Ovationen, die sie von Seiten\nhoher Herrschaften sowohl als auch von daselbst weilenden literari-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "240", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640723-01.1.8", "texte": "sehen Grössen erhält. Sie wurde bereits von der rassischen Gross-\nfürstin zu einer Soiree, bei der auch der König von Preussen er-\nscheint, eingeladen.\nITftÜllclieil* Richard Wagner's „Fliegender Holländer\",\nder nun vollkommen einstudirt ist, wurde verschoben, bis nach Ab-\nlauf der Hoftrauer König Ludwig 11. zum ersten Male wieder das\nTheater besuchen wird. Die Oper soll alsdann unter der persönli-\nchen Leitung des Componisten gegeben werden. Ob die Oper „Tri-\nstan und Isolde\" gegeben werden soll, davon verlautet jetzt wenig-\nstens noch nichts.\nRubinstein wird einen neuen Operntext von Moriz Hart-\nmann componiren; den dieser gegenwärtig für ihn arbeitet.\n(W. 81. f. Th.)\nAls Capellmeister am hamburger Stadttheater ist der leipziger\nCapellineister Herr Riccius engagirt worden.\nWieil* Herr Ferenczy, erster Tenor vom Hoftheater in\nKassel, erfreut sich einer klangvollen, frischen Stimme, intonirt rein,\nspricht ziemlich deutlich und stört im Spiele nicht. Hätte er Tem-\nperament, überhaupt eine ausgesprochene Individualität, so würden\ndiese Anlagen allerdings als schätzbares Material zu einem zukünf-\ntigen bedeutenden Künstler zu betrachten sein. Allein Herr Ferenczy\nnicht zu den allzu aufschwungs- und entwicklungsfähigen\nNaturen zu gehören. In seinen Leistungen: Eleazar, Hernani, Arnold\nim Teil, war nichts zu bemerken, was das Gepräge des Selbstge-\ndachten, der eigenen Empfindung Entsprossenen getragen hätte.\nUeberdies ist sein Missachten des Tactes oft peinlich. Ein schönes\nOrgan indessen deckt in den Augen der Menge noch weit grössere\nMängel, und desshalb ist es eben nicht zu verwundern, dass dieser\nSänger gefiel und ausserordentlich applaudirt wurde.\nPetersburg. In den Programmen der diesjährigen Con-\ncerte der russischen Musik-Gesellschaft unter Direction von Anton\nRubinstein finden wir unter Anderem: Musik zu „Manfred\", Schu-\nmann; Ouvertüre zu den „Girondisten\", LitolfF; Cavatine aus der\nOper „Faust\", Gounod; Concert für die Violine, Ferd. David; Ro-\nmanzen am Ciavier, Gurileff; „Orpheus\", symphonische Dichtung,\nLiszt; Fragmente aus der Oper „Orpheus\", Gluck (beides im zwei-\nten Concerte mit oder ohne Ironie?); Concert für Ciavier (F-\n--moll)} Chopin; Ouvertüre und Fragmente aus der Oper „Russlan und\nLudmilla\", Glinka; Serenade (D-dur, erster Satz für Orchester), J.\nBrahms; Ouvertüre zu einem Trauerspiele, Bargiel; der hundertste\nPsalm, Händel; Symphonie (C-dur), Schumann; Ouvertüre zu „Hafis\",\nL. Ehlert; Concert für Violoncello (Manuscript), DavidofF; Thema\nund Variationen aus der „I. Suite\", F. Lachner; Concert (D-moll) für\nCiavier, Mendelssohn; Romanzen am Ciavier, Glinka; Fragmente aus\nder Missa solemnis, Beethoven; „Meeresstille und glückliche Fahrt\",\nBeethoven; Concert (Fis-moll) für Violine, Ernst; „Passacaglia\"\n(instrumentirt von Esser), J. S. Bach; Symphonie (C-moll), Spohr;\nFragmente aus „Lelio\", Berlioz; Concert für Ciavier, Schumann;\nArie aus der Oper: „Das Leben für den Czaar\", Glinka; eine Faust-\nOuverture, Wagner; a. Chor aus der Oper „Isis\", Lulli; b. Chor\naus der Oper „Castor und Pollux\", Rameau; Ouvertüre aus der Oper\n„Der Sohn des Mandarinen\", Kui; Symphonie (D-moll), Schumann;\nOuvertüre zu „Hamlet\", N. W. Gade; „Nachtlied\" für Chor und Or-\nchester, Schumann; Ballet aus der Oper „Der Dämon\", Vietinghof;\nConcert für Ciavier (Es-dur), Liszt; Symphonie (D-moll, Nr. 9),\nBeethoven. Der Quartett-Unterhaltungen waren vier. Ausserdem\nhat die Gesellschaft noch drei Matineen für Mad. Schumann veran-\nstaltet, in welchen letztere mitgewirkt hat mit Compositionen von\nRobert Schumann, von Beethoven, Bach, Chopin u. a. m., und in\nwelchen immer ein Quartett gemacht wurde. Im Conservatorium\nwaren für dieses Jahs 2(j3 Zöglinge eingeschrieben; auch sind die\nGesellschaft eröffnet worden in Kieff und Charkoff. Die\nmoskauer Filial-Gesellschaft hat in diesem Jahre mit glänzenden\nErfolgen gewirkt, besonders durch drei Concerte in der Manege,\ndie zum Zwecke hatten, durch billige Eintrittspreise dem grossen\nPublicum Gelegenheit zu verschaffen, gute Musik zu hören."}]}