{"numero_id": "bm-bmtnabi-1864-07-30-01", "volume": "bmtnabi_1864-07-30_01", "ocr_sha256": "10e63147db5fbc1c7b07ba424ff7d754d6952fb71c4ca39f37ad4fe72b1bf55c", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1864/07/30_01/bmtnabi_1864-07-30_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640730-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1864-07-30-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-07-30_01#c001", "volume": "bmtnabi_1864-07-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "241", "page_fin": "241", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640730-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "241", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640730-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 459, "texte": "Inhalt.\nAus London (Die Fidelio-Ouverturen Dr. Schmid aus Wien Adelina Patti Gounod's rMireilleu Concerte:\nBenedict; Arditi). Von C. A. Beurtheilung. Instrumentationslehre von Hector Berlioz. Autorisirte deutsche Ausgabe von A. Dörffel.\nVon W. Nachträge und Berichtigungen zu von Köchers Verzeichniss der Werke Mozart's. —.Aus den rheinischen Bädern. Von L. B.\nTages- und Unterha 1 tungsblall (Weimar, Gutzkow's Jubiläum Wien, Figaro's Hochzeit Spa, Concert)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-07-30-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-07-30_01#c002", "volume": "bmtnabi_1864-07-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "241", "page_fin": "244", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640730-01.2.2", "titre_corps": "Aus London.", "titre_sommaire": "Aus London.", "signature_source": "C. A", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "241", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640730-01.1.1", "debut_caractere": 461, "fin_caractere_exclue": 4226, "texte": "Aus London.\n\n(Schluss. S. Nr. 28.)\n(Die Fidelio-Ouverturen Dr. Sclimid aus Wien Ade-\nlina 'Patti Gounod's „Mireilleu Concerte:\nBenedict; Arditi.)\nDen 23. Juli 1864.\nIch muss noch einmal auf die Fidelio-Aufführungen\nzurückkommen, denn es wird Ihnen zu besonderer Genug-\ntuung gereichen, zu erfahren, dass Ihre oft wiederholte\nRüge über den Missbrauch, der an den deutschen Thea-\ntern mit der Einschaltung der so genannten Leonoren-\nOuverture zwischen dem ersten und zweiten Acte getrie-\nben wird, hier in England die verdiente Beachtung gefun-\nden hat. Ihr Vorschlag, dass man endlich den Muth haben\nsollte, das Urtheil der Wiener von 1805 zu cassiren und\ndie von Beethoven ursprünglich zur Eröffnung der Oper\ngeschriebene grosse Ouvertüre in C-dur an ihre richtige\nStelle zu setzen, ist bei der zweiten und den folgenden\nVorstellungen des Fidelio in Her Majesty's Theatre aus-\ngeführt worden, und zwar von einem Italiäner, dem Ca-\npellmeister Arditi, der mithin den deutschen Capellmeistern\ndieses Mal in der richtigen Wiederherstellung des grössten\nWerkes dramatischer Tonkunst zuvorgekommen ist.\nBei der ersten Aufführung folgte Ardiii ebenfalls dem\nGebrauche, der sich in den letzten Jahren in Deutschland\nso eingewurzelt hat, wie das bei manchem Falschen und\nO 7\nKrankhaften oft der Fall ist, dass man eine Aufführung\nohne die C-e?wr-Ouverture als Zwischenact-Musik sogar\nfür unvollständig hält! Er begann mit der ver-\nture und gab vor dem zweiten Acte die andere in\nAber er fühlte, dass durch die Einschiebung an dieser\nStelle die ganze Bedeutung dieses Sinfoniesatzes selbst ver-\nloren gehl, dass ferner der Trompelensloss den Eindruck\nder kurz darauf durch denselben herbeigeführten Ent-\nscheidung der Handlung auf der Bühne abschwächt, dass\nendlich das herrliche Grave in F-moll, welches Beethoven\nmit Absicht als Introduzione,als wirkliche Zwischenacts-\nMusik, zur Vorbereitung auf den Monolog Florestan's im\nKerker geschrieben hat, durch die unmittelbare Folge auf\nden jubelnden Schluss der (7c?M/'-0uverlure die Intention\ndes Componisten geradezu verkehrt — und somit beschloss\nArdiii, den Fidelio ganz im wahren Geiste Beelhoven's\nherzustellen, legte bei der zweiten Aufführung die\ncfcr-Ouverture ganz bei Seite und begann die Oper mit\nder grossen Ouvertüre in C. Ein wahrer Sturm von Ap-\nplaus war sein Lohn, und die Ouvertüre musste wieder-\nholt werden.\n[Mit Recht fühlte das londoner Publicum, dass dieses\nTongemälde an diese Stelle gehöre; in der Mitte der Oper ist\nes durch nichts zu rechtfertigen, denn es zerreisst den Zu-\nsammenhang zwischen beiden Acten und zerstört die dra-\nmatisch-musicalische Einheit des Werkes, eine Einheit,\ndie kein anderer Opern-Componist so meisterhaft durch-\ngeführt hat, wie Beethoven in seinem Fidelio, jene Ein-\nheit des Charakters der ganzen Musik, welche allein das\nGenie herzustellen vermag, wogegen die jetzt beliebten\nWiederholungen oder Anklänge an irgend ein 1 hema, sei\nes ein Volkslied, oder ein Choral, oder gar ein persön-\nliches Instrumental-Motiv, wie im Lohengrin, als ärm-\nlicher Nothbehelf einer raffinirenden Reflexion erscheinen.\nDie C-dur-Ouvertüre ist ein Gemälde der ganzen Oper;\nsie ist mehr als ein Prolog oder als eine Einleitung, mehr\nals ein sinfonistischer Satz, der den Zuhörer in die Stim-\nmung für die Auflassung des auszuführenden Drama's ver-\nsetzen soll — sie ist die herrlichste Programm-Musik, die\njemals geschrieben worden ist. Ihr Programm ist die Hand-\nlung der Oper von Anfang bis zu Ende, nicht etwa vom\nAnfang bis zur Milte, oder gar von der Mille bis zum\nSchlüsse derselben. Die Leiden des Gefangenen und \\ er-\nschmachtenden, Liebe und Treue der heldischen Gatlin,\nHoffnung und Glauben, Rettung und Freiheit — alles das\nsprechen die Töne aus von dem spannenden Anfange und"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "242", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640730-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5249, "texte": "den rührenden Melodieen des Adagio s an bis zu dem ju-\nbelnden Aufschwünge des Schlusssatzes. Wie kann man\nnur einen Augenblick Bedenken tragen, dieses grosse Ton-\nbild, das uns das ganze Drama in seinen Hauptmomenten\ndarstellt, nicht dahin zu stellen? wo es allein seine Berech-\ntigung durch seine poetische und musicalische Bedeutung\nhat! Hat uns vor dem Drama das Orchester das Bild des\nGanzen in der schönsten Farbengebung, welche die Ton-\nkunst erreichen kann, vorgeführt, dann reiht sich die Ent-\nwicklung der Handlung im Einzelnen folgerichtig daran\nund führt uns von Scene zu Scene in fortwährender Span-\nnung und Steigerung der Theilnahme bis zu dem Mo-\nmente der Errettung und dem Jubel der befreiten Un-\nschuld, in den ein ganzes Volk einstimmt, wie es uns früher\nder Trompetenstoss und der schwungvolle Schluss in der\nOuvertüre ahnen Hessen.\nAusser diesem Hauptgrunde für die Wiedereinsetzung\nder in ihr Recht spricht gegen die Stel-\nlung, die man ihr in der Mitte der Oper anzuweisen den\nEinfall gehabt hat, vollends noch der durch diese Stellung\nganz und gar zerrissene Zusammenhang des zweiten Actes\nmit dem ersten. Nach dem Finale des ersten Actes klingt\ndie düstere Stimmung, welche der Chor der Gefangenen,\ndie Wuth Pizarro's, die schreckliche Besänftigung des\nBösewichts durch die Erinnerung an sein Opfer, der Ab-\nschied der armen Kerkerbewohner vom Sonnenlichte er-\nregt haben, in uns fort. Der bangen Ahnung über das\nSchicksal des unschuldig Verfolgten gibt die Musik (das\nGrave in F-mott), welche die Kerkerscene, die uns das un-\nglückliche Opfer zum ersten Male vor Augen stellt, ein-\nleitet, Ausdruck. Was soll nun dazwischen das jubelnde\nFinale der C-c/wr-Ouverture? Das Meisterstück einer dra-\nmatisch-symphonischen Dichtung wird, weil in\neine falsche Stellung gebracht, zu einer blossen Concert-\nOuverture. L. B.j\nUebrigens können Publicum und Kritik noch immer\nnicht von der Bewunderung zurückkommen, welche Fräu-\nlein Tietjens als Leonore erregt hat. Sie stellen sie der\nSchröder-Devrient ganz gleich und erheben sie über die\nMalibran und Cruvelli; jene war die erste Leonore in Eng-\nland im Jahre 1835 in Coventgarden. Auch im Drury-\nlane-Theater ist früher Fidelio in englischer Sprache ge-\ngeben worden, wobei Staudigl den Pizarro sang.\nAusser Dr. Gunz hat hier norli ein anderer deutscher\nSänger, Dr. Schmid vom Hof-Operntheater zu Wien,\ngrossen Erfolg gehabt. Herr Karl Budolf Schmid ist ein\nSchweizer, ein Predigerssohn ans Aarau, der sich dem\nStudi um der Medicin widmete, aber, weil mit einer wun-\ndervollen Bassstimme begabt, schon als Student in Tübin-\ngen von vielen Musikern, namentlich auch von dem Com-\nponisten Silcher, der mehrere Lieder für ihn schrieb, drin-\ngend aufgefordert wurde, auf die Bühne zu gehen. Allein\ner schlug das Anerbieten des Hoftheater-Intendanten in\nStuttgart, ihn auf der Stelle zu engagiren, aus und kam\nerst später, nachdem er seine Studien beendet, auf einer\nwissenschaftlichen Reise durch Deutschland, die ihn nach\nDresden führte, zu dem Entschlüsse, sich der Kunst zu\nwidmen. Nach kaum halbjährigen Gesangstudien trat er\nals Sarastro in der Zauberflöte mit ausserordentlichem\nBeifalle auf. Er mochte damals etwa vierundzwanzig Jahre\nalt sein4). Ein festes Engagement nahm er erst in Wien\nan, wo er Anfangs nach Staudigl einen schweren Stand\nhatte, aber bald als Sarastro, Osmin, Figaro, Caspar,\nRocco u. s. w. Liebling des Publicums wurde. Herr Gye\nhörte ihn im Frühjahre zu Wien und bewog ihn, ein En-\ngagement auf die Season in London an Coventgarden an-\nzunehmen. Er trat hier als Orovist in der Norma auf und\nschuf sich sogleich eine hohe Stellung in der musicalischen\nWelt Londons, die er sowohl durch die Ausführung an-\nderer Opern-Partieen, als durch seine Vorträge in den\nConcerten der neuen philharmonischen Gesellschaft und\nim Krystallpalaste bedeutend gehoben hat. Man war hier\ndarüber einig, dass es gegenwärtig wohl keine schönere\nBassstimme gebe, als die seinige. Die Partieen des Marcel\nund Bertram waren ihm ebenfalls bereits zugetheilt, als\ner krank wurde und London verlassen musste, um seine\nGesundheit wieder herzustellen.\nUeber Ade 1 ina Patti als fünftes „Gretchen\" kann\nman nur sagen: sie entzückt. Auch der nüchternste der\nKritiker kann ihrem Zauber nicht widerstehen, das ist\nbuchstäbliche Wahrheit. Dass es aber vorzüglich die\nSchönheit ist, welche diesen Zauber ausübt, ist eben so\nwahr; Anmuth und Liebreiz in der Erscheinung und in\nSpiel, Stimme und Gesang, Alles ist bei ihr nur im Dienste\nder Schönheit und Jugend und erhält den fesselnden Reiz\nhauptsächlich von diesen. Nach dem Schlüsse der Saison\nwird sie in Verbindung mit Joachim und Madame God-\ndard Concerte geben, wenigstens kündigen die Zeitungen\nbereits das Auftreten dieses Trio's in dem Seebade zu\nBoulogne in Frankreich an.\nBeide Opern-Directionen geben noch eine Nachreihe\nvon Vorstellungen zu massigeren Preisen mit demselben\ndie sich bis in den August hinein-\nziehen werden. Tietjens, Patti und Artöt sind die Haupt-\nMagnete; Adelina erneuert nach dem Urlheile der Chro-\nnisten der hiesigen Oper das Lind-Fieber früherer Zeit in\nLondon. Dennoch hält ihr die Artöt als „Traviata\" und\nsogar als sechstes „Grelchen\" (zum ersten Male am 19.\n\n*) Schmid ist den P. April 1827 geboren."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "243", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640730-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5207, "texte": "d. Mts.) die Wage, Her hat zum\nEnde der Season Gounod's neueste Oper „Mireille\"\n[Mirella) mit der Tietjens in der Titelrolle auf die Scene\ngebracht. Die Oper gefällt und hat so gezogen, dass Herr\nMapleson statt des angekündigten Pasticcio die vierte oder\nfünfte Wiederholung davon zu seiner Benefiz-Vorstellung\ngewählt hat. Ich begnüge mich mit dem historischen Be-\nrichte dieses Erfolges um so eher, da Ihre Zeitung bereits\neinen ausführlichen Artikel aus Paris über das Buch und\ndie Musik dieser letzten dramatischen Schöpfung des Com-\nponisten gebracht hat. So viel möchte ich aber doch pro-\nphezeien, dass, wenn die „Mireille\" nach Deutschland\nkommt, Gounod gewahr werden wird, wie sehr dem Er-\nfolge seines „Faust\" der alte Goethe vorgearbeitet bat!\nAusserdem gibt man von Opern nicht italiänischer\nComponisten auch noch Flotow's „Martha\" und hat so-\ngar Meyerbeer's „Etoile du Nor(mit der Miolan)\nwieder hervorgeholt und ihm durch glänzende Ausstattung\nErfolg bei der Menge verschafft.\nSie wissen, dass die Concerte in der londoner Sea-\nson unzählbar wie die Sterne sind, obwohl in ihnen nicht\nimmer Sterne glänzen. Die Zahl der Virtuosen und Vir-\ntuosinnen ist Legion. Als Heerführer jedoch ohne sich\num die Operationen seines Heeres zu kümmern erschien\nauch dieses Jahr wieder Joachim, sowohl in den popu-\nlären Montags-Concerten und den Abonnements-Concerten\nbeider philharmonischen Gesellschaften, als in den Quar-\ntett-Vereinen und unzähligen Matineen.\nSie kennen die endlosen Programme der Jahres-Con-\ncerte der hier ansässigen Künstler: allein der Luxus, der\ndarin mit der Anzahl der Stücke und den Namen aller\nKuristgrössen getrieben wird, die London jetzt mehr wie\nje an der Themse versammelt, überstieg doch dieses Mal\nalles bisher Dagewesene.\nWie immer, so war auch in diesem Jahre Benedict's\n„Morgen-Concert\" —das, beiläufig gesagt, erst nach sechs\nUhr Nachmittags aus war! ein Congress aller musica-\nlischen Mächte und ihrer Vertreter.\nBenedict wohnt jetzt seit beinahe dreissig Jahren in\nLondon und nimmt eine Stellung ein, die seit Händel kein\nausländischer Musiker sich hier errungen hat. Er kam mit\nder Malibran hieher, welche der erste und mächtige Hebel\nseines Emporkommens wurde. Durch die Sachen, welche\ner für die grosse Sängerin schrieb, und durch die Gunst,\ndie sein Lehrer C. M. von Weber ihm bewiesen, fand er\nzuerst Eingang in die musicalischen Kreise; sein Talent\nals Componist und Lehrer, und ein liebenswürdiger und\nedler Charakter, verbunden mit ausgezeichnetem gesell-\nschaftlichem Tacte, brachen ihm von Jahr zu Jahr breitere\nBahn, so dass er vorzugsweise der Künstler der hiesigen\nAristokratie wurde und sich in dieser ehrenvollen und zu-\ngleich sehr einträglichen Stellung durch die genannten\nEigenschaften immer mehr befestigte.\nMan ist gewohnt, in seinem Monster-Concerte alljähr-\nlich alles zu hören, was die jedesmalige Season von Künst-\nler-Berühmtheiten aufzuweisen hat. Dies und das allge-\nmeine Wohlwollen, das ihm entgegenkommt, hatte denn\nauch im Juni den Saal von St. James Hall mit einer so\nglänzenden Zuhörerschaft gefüllt, wie vielleicht noch nie\ndarin vereinigt gewesen war.\nVon Benedicts eigenen Composilionen kamen vor zu-\nnächst die Romanze aus „The Lily of Killar ney\", von\nGiuglini gesungen; dann die Cantate „Richard Löwen-\nherz\" für Soli, Chor (die Mitglieder des von Benedict ge-\nstifteten und geleiteten Singvereins), welche er für das\nletzte Musikfest in Norwich geschrieben; die Damen Pa-\nrepa und Sainlon-Dolby und die Herren Sims Ree-\nves und hantlev sangen die Soli. Dann eine Auswahl\nvon Gesängen aus Benedicts Operette: „Die Gesanges-\nbraut\", welche vor Kurzem in dem Concerte von Louise\nVinning (die auch jetzt eine Partie übernommen halte)\nmit Beifall aufgeführt worden war. Neben einem hüb-\nschen Terzett für Frauenstimmen sprachen das Publicum\ndie freilich etwas stark auf Effect berechneten Arien des\nSoprans mit obligater Harfe und des Baritons mit obliga-\ntem Cornet a Piston am meisten an. Ausserdem hatte der\nConcertgeber Schulhoff's Carneval von Venedig für Car-\nlo tta Patti arrangirt, womit diese Furore machte; Miss\nArabella Goddard spielte eine Pianoforte-Phantasie\nvon ihm, eine andere über irische Melodieen trug er selbst\nvor und spielte auch noch mit George Osbome ein\nDuo von dessen Compositior. für zwei Flügel über Thema's\naus Gounod's Faust. Man sieht, dass Benedict selbst\ngenug und übergenug für sein Concert und in seinem\nConcerte gethan; zugleich bemerkt man aber auch, was\nfür ein Genre von Composilionen dem hohen Publicum\nallhier genehm ist.\nDavor und dazwischen kamen Beethoven's Fidelio-\nOuverture, Mozart's Ave verum (vom Singverein gesungen),\ndie zweite Sarastro-Arie, ein Bolero für Sopran von Auber,\nChopin's Berceuse und Clavierslücke von Lilolf, Duett\nvon Nicolai, Arie von Pixis (Fräulein Bettelheim), Scene\nder Agathe (Frau II a rriers-Wippern , mit ungeheu-\nrem Applaus empfangen) u. s. w.\nDamit habe ich aber noch kaum die Hälfte der\nGerichte genannt, welche der Wirlh dieses reichen musi-\ncalischen Bankels seinen hohen Gästen vorsetzte. Da san-\ngen noch die Damen Georgi, Vinning, Trebelli,\nCarlotta Patti, Volpini, Dolby, Leschetilzki,\nEnequist, Liebhard t und ein paar Schülerinnen Bene-\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "244", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640730-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3351, "texte": "dict's; ferner die Sänger Fricker, Gunz, Gordoni,\nBettini, Delle Sedie u. s. w. Es ist unmöglich, die\nListe vollständig zu geben. Nur zwei Nummern verdienen\nnoch Erwähnung: eine Phantasie für Violoncell, von\nPiatti componirt und gespielt, und dann die unstreitig\ninteressanteste und vollkommenste Leistung des ganzen\nConcert-Nachmittags: Spohr's Concertante für zwei\nViolinen, vorgetragen von Joachim und Wieniawski.\nDas Concert schloss mit Mendelssohn's „Hocbzeits-\nmarsch\".\nIn derselben Woche gab Arditi, der Capellmeister\nMapleson's in Her Majesty's Theatre, ein ähnliches Monster-\nConcert in dem genannten Theater, wobei ausser sämmt-\nlichen Kräften dieser Opernbühne für Solo und Chor noch\ndie Damen Lemmens-Sherrington und Goddard betheiligt\nwaren. Das Programm war ebenfalls bunt genug und\nmischte hier, wie dort, Salonstücke und classische Musik\ndurch einander. Auszuzeichnen waren fünf oder sechs\nNummern aus Rossini's Stabat maier mit dem prächti-\ngen Solo-Quartett: Tieljens, Trebelli, Giuglini und Sant-\nley; dann der dritte Act von Nicolai's „Lustigen Wei-\nbern\" köstliche Zusammenstellung! aber vortrefflich\ngesungen von Tietjens, Bettelheim, Junca, Gassier und\nSantley; ferner Mendelssohn's G-moll-Concert für Piano-\nforte vollständig (Madame Goddard), Arditi's „Gari-\nbaldina\", ein Canto nationale, für Garibaldis Anwesenheit\nim Krystallpalaste geschrieben und vom Chor mit Orche-\nster und Militärmusik ausgeführt, und ein Salon-Duo für\nPianoforte und Violine von Arditi und Benedict gemein-\nschaftlich componirt. Da Herr Arditi eine brillante Ein-\nnahme gemacht hat, so wird er wohl diesen ersten Ver-\nsuch eines Concertes zu seinem Vortheil alljährlich wie-\nderholen.\nVon deutschen Violinisten haben ausser Deich-\nmann, der, hier ansässig und beliebt, auch alljährlich ein\nrecht besuchtes Concert gibt noch Fräulein Amelie\nBidö und Herr Lauterbach mit Beifall gespielt; von\nPianisten hat Alfred Jaell in mehreren Privat-Concer-\nten, vor Allem aber in der neuen philharmonischen Gesell-\nschaft mit Beelhoven's C- mollConcert und der darin ein-\ngelegten Cadenz einen grossen Triumph gefeiert. In dem-\nselben Concerte sangen Carlotta Patti und Wachtel, beide\nmit ungeheurem Applaus. Aufsehen hat die fünfzehnjäh-\nrige Maria Krebs aus Dresden als Ciavierspielerin ge-\nmacht, um so mehr, da das Pianoforte dasjenige Instru-\nment ist, für welches sich jetzt au<h die Engländerinnen\nvorzugsweise ausbilden, so dass London allein schon über\nein Dutzend Concertspielerinnen liefert.\nMit den Concerten der grossen Musik-Gesellschaften\ngeht es so fort wie seit Jahren; man hört gute Orchester-\nLeistungen und gute Instrumente, die neben der Akustik\nder Concertsäle eine Hauptursache des überraschenden\nGesammttones der hiesigen Orchester sind, so dass die\nAusführung der Sinfonieen an Klangfülle und Kraft denen\nin Köln überlegen ist, an Geist der Auffassung und Fein-\nheit des Ausdrucks aber vor jenen zurücktreten muss.\nHier haben Sie eine Uebersicht über die diesjährige\nSeason, in der ich aus der Ueberfülle des Stoffes mich auf\ndas beschränkt habe, was drüben am meisten interessiren\ndürfte, dennoch aber nichts übergangen zu haben glaube,\nwas durch sein wirkliches Auftauchen aus der Flut er-\nwähnenswerth ist. Man könnte auf den londoner Musik-\nstrom anwenden, was der alte Horaz vom Lucilius sagt:\nCum flueret lutulentus, erat qu\n\nC. A."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-07-30-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-07-30_01#c003", "volume": "bmtnabi_1864-07-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "244", "page_fin": "246", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640730-01.2.3", "titre_corps": "Beurtheilung.", "titre_sommaire": "Beurtheilung.", "signature_source": "W", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "244", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640730-01.1.4", "debut_caractere": 3353, "fin_caractere_exclue": 5008, "texte": "Beurtheilung.\n\nInstrumentationslehre von Hector Berlioz.\nAutorisirte deutsche Ausgabe von Alfred Dörf-\nfel. Leipzig, Verlag von Gustav Heinze. 18G4.\nTextseiten IV und 285. Noten- und Zeichentafeln\n70 Seiten.\nMag man über H. Berlioz als Componist verschieden\ndenken; durch seine Instrumentationslehre hat sich der-\nselbe ein wirklich durchgreifendes Verdienst erworben, in\nso fern er hier zuerst mit Einsicht und Gründlichkeit die\nTechnik der von unseren Meistern Gluck, Mjozart,\nBeethoven u.s.w. angewandten Instrumente entwickelte.\nWohl find en wir bei Erwähnung seines Biesen-Orchesters\nund anderer Punkte manche Ueberspanntheiten und viel-\nfach den Hang zum Aeusserlichen; davon abgesehen, bleibt\naber das Weik für jeden Kunsljünger ein sehr empfeh-\nlenswerlhes. Bisher existirten von diesem gut französisch\ngeschriebenen Werke zwei deutsche Ueberselzungen, eine\nvon Leibrock (als Auszug) und eine andere von Grünbaum,\nbei Schlesinger in Berlin erschienen. Erslere ist in ihrer\nUnvollkommenheit kaum zu gebrauchen, und letztere, ob-\ngleich sie zu dem deutschen Texte noch den französischen\ngibt, ist wegen des enormen Preises von 8 Thalern für\npraktische Musiker nicht leicht zugänglich und übrigens\nauch schon seit geraumer Zeit vergriffen. Daher ist es ein\nsehr zu achtendes Unternehmen, dass die Verlagshandlung\nvon Gustav lleinze, wo auch die vollständigen Schriften\nvon Berlioz erschienen sind, eine von Berlioz autorisirte\ndeutsche Ausgabe der Instrumentationslehre zu dem billi-\ngen Preise von 1 '/zThaler veranstalten liess, und zwar\ndurch einen Mann, welcher in Leipzig schon längst den\nHuf des vorzüglichsten musicalischen Correctors geniesst"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "245", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640730-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5375, "texte": "und früher als musicalischer Schriftsteller manchen beach-\ntenswerten Artikel geliefert hat. Die Gründlichkeit unse-\nres Uebersetzers Alfred Dörffel ist längst bekannt, so\ndass Berlioz selbst in seinem Vorworte zu der vorliegen-\nden deutschen Bearbeitung seiner Instrumentationslehre\nmit Recht sagen konnte: „Dieselbe wurde von einem\nManne unternommen, der als Musiker eben so bewährt,\nwie als Schriftsteller geachtet ist.\"\nDie Anordnung dieser Bearbeitung besteht nun darin,\ndass die kleineren, grösstenteils nur das rein Technische\nbegründenden Notenbeispiele und Zeichen für die Direc-\ntion des Orchesters in verschiedenen Tactarten als Anhang\ngedruckt sind, auf welchen im Texte selbst verwiesen wird,\nwas bei der leichten Handhabung einer Oelav-Ausgabe\nweiter keine Unbequemlichkeiten verursacht. Um nun\nauch dem Unbemittelteren die Anschaffung des Werkes\nzu ermöglichen, sind die grösseren Partitur-Beispiele,\nwelche Auszüge aus bereits gedruckten Werken ent-\nhalten und auf die im Texte überall ausführlich\nhingewiesen ist, ausgelassen worden. Die Verlags-\nhandlung hat aber dieselben in einem separaten Hefte zu\ndem billigen Preise von 1 tj% Thaler netto nachfolgen las-\nsen, so dass es Jedem freisteht, entweder dieses Supple-\nment anzuschaffen oder von den citirten Partituren durch\ndirecte Einsicht Kenntniss zu nehmen.\nWas nun die Uebersetzung anlangt, ist dieselbe in\ncorrectem Deutsch geschrieben, ohne Haschen nach feuille-\ntonistischen Phrasen, und trifft bei Vermeidung von Fremd-\nwörtern me i sten t h eils in richtig gewähltem Ausdrucke\nunter Anwendung der gangbaren musicalisch-technischen\nBezeichnungen den Sinn des Originals. Abgesehen von\ndem Leibrock'schen Auszuge, steht auch die Dörffel'sche\nBearbeitung mit der erwähnten Schlesinger'schen Ausgabe\nmindestens in gleichem Range, was sich bei vorhandenem\nRäume leicht ausführlich nachweisen lässt. Um hier nur\nin der Kürze Einiges anzuführen, so heisst es im Original:\nA aueune epoque de l'histoire\nuutant qu'on le fait aujourd'hui de l'lnstrumentation. Diese\nStelle übersetzt Grün bäum: „111 keiner Zeit-Epoche\nder Geschichte der Musik ist so viel die Rede gewesen\nvon der Instrumentation, als heutzutage.\"—Der Ausdruck\n„Zeit-Epoche\" ist ein idem aber keine Ueber-\nsetzung; denn ejpoque = Epoche, vom griechischen\nherzuleiten, heisst im einfachen Sprachgebrauche „Zeit-\nAbschnitt\", d. h. eine näher zu bestimmende Zeit. Man\nhat also bei der Uebersetzung nur die Wahl zwischen dem\nFremdworte „Epoche\" oder dem deutschen Worte\n„Zeit\", kann aber nicht beide zu einem W orte zusam-\nmensetzen. Daher übersetzt Döiffel richtiger, als Griin-\nbaum: „Zu keiner Zeil der Musikgeschichte hat\nman so viel von der Instrumentation gesprochen, als es\nheutzutage geschieht.4* Im weiteren Verlaufe übersetzt\njedoch Dördel „pretexteu etwas frei mit „Unterlage*,\nwohingegen (jrünbaum wörtlicher „Vorwand\" gebraucht\nu. s. w. So finden wir in ähnlicher Weise manche Par-\ntieen bei Dördel besser übersetzt, und manche andere\nwürden wiederum in der Schlesinger'schen Ausgabe vor-\nzuziehen sein.\nDa nun also beide Uebersetzungen in gleichem Range\nstehen, ausserdem aber die Dörffelsche Bearbeitung bei\nschönerer Ausstattung auch vollständiger ist, als die Grün-\nbaum'sche, indem letztere die Abschnitte „Der Orchester-\nDirigent\" und „Neue Instrumente\" gar nicht enthalt,\nund weil endlich bei der grossen Billigkeit auch noch die\nPartitur-Beispiele nach den besten Partitur-Ausgaben her-\ngestellt sind, wie z. B. die Beispiele aus Beethoven nach\nder neuen Ausgabe von Breitkopf und Härtel: so ist es\nwohl leicht zu begreifen, dass die meisten Kritiker mit\nHecht d ie durch lleinze veranlasste Dörffelsche Ausgabe\nhöher stellen, als die durch Schlesinger dem Publicum\nübergebene. Um so sonderbarer finden wir daher, dass\ndie „Allgemeine Musicalische Zeitung44 in Leipzig in Nr.\n15 bei unzulänglichen Angaben von theilweise sogar un-\nrichtig aufgefassten Sätzen, zu denen auch der von der\nerwähnten „Zeit-Epoche\" zählt, zum Nachtheile der\nvorliegenden Bearbeitung behauptet, dass Herr DörfTel\n„vollkommen Französisch verstehe, aber kein gutes Deutsch\nschreibe\", und dass dessen Bearbeitung „entschieden und\nmitunter (?) lief unter der älteren berliner stehe\". „Letz-\ntere,\" so heisst es dort weiter, „von C. A. Grünbaum ver-\nfasst, lag Herrn .DörfTel offenbar vor; wo dieser sie ab-\nänderte, hat er sie nur verschlechtert.\" Gegen die-\nsen persönlichen Angriff verwahrt sie h Herr DörfTel in\nNr, 18 derselben Zeitung und erklärt jene Behauptung\nfür Unwahrheit. Unserer Ansicht nach war diese Verwah-\nrung eigentlich ganz überflüssig, da jeder unbefangene\nLeser sofort den Widerspruch erkennen musste, welcher\nin den Worten liegt, dass Herr Dörfl'el „vollkommen Fran-\nzösisch verstehe\", und hierzu im Gegensatze, dass derselbe\ndie Grünbaum'sche „Uebersetzung\" nur „abänderte*\nund „verschlechterte\", sich also um das französische Ori-\nginal gar nicht besonders kümmerte. Zu der Verwahrung\ndes Herrn Dörfl'el macht die Redaction der Allgemeinen\nMusicalischen Zeitung noch die Bemerkung, dass „im lite-\nrarischen Verkehr das Vorliegen einer früheren Ueber-\nsetzung nicht so verstanden werde, als habe der spätere\nUebersetzer Zeile für Zeile verglichen, sondern nur, dass\ner sie gekannt habe. Damit entfalle zugleich für Herrn\nDörflei der Grund, seine persönliche Ehre angelastet\nzu finden\". Wenn wir auch über die bei genannter lle-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "246", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640730-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 698, "texte": "daction nicht ungewöhnliche Begriffsverwirrung hinweg-\nsehen wollten, wo bleibt aber die angebliche „Abände-\nrung\" und „Verschlechterung\"? Warum erwähnt\ndie Redaction diese ehrverletzenden Behauptungen nicht?\nJedenfalls schreiben wir dies, wie alle anderen in die Oef-\nfentlichkeit gelangten Tactlosigkeiten dieser Art, dem Man-\ngel an wissenschaftlicher Bildung zu, durch welche ja erst\nim Vereine mit musicalischer Erkenntniss logisch richtige\no O\nSchlüsse in Bezug auf musicalische Gegenstände ermög-\nlicht werden. Urlheile und Schlüsse, welche sich allein\nauf autodidaktisches Musicantenthum stützen, werden\nauch bei der „besten Gesinnung\" immer unreif und un-\nvollständig bleiben.\nLeipzig.\n\nW."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-07-30-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-07-30_01#c004", "volume": "bmtnabi_1864-07-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "246", "page_fin": "247", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640730-01.2.4", "titre_corps": "Nachträge und Berichtigungen zu von Küchel’s Verzeichnis der Werke Mozart’s", "titre_sommaire": "Nachträge und Berichtigungen zu von Küchel’s Verzeichnis der Werke Mozart’s", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "246", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640730-01.1.6", "debut_caractere": 700, "fin_caractere_exclue": 4915, "texte": "Nachträge und Berichtigungen zu von Küchel’s\nVerzeichnis der Werke Mozart’s\n*)•\nDie leipziger Allgemeine Musicalische Zeitung enthält\nin ihrer Nr. 29 d. J. die von Herrn von Kochel selbst\ngegebenen Nachtrage zu dessen thematischem Kataloge\nder Werke Mozart's.\nDiese Nachträge beziehen sich hauptsächlich auf die\nExistenz Mozart'scher Autographen an verschiedenen\nOrten und geben auch Nachrichten über einzelne, nur\nhandschriftlich vorhandene Compositionen, welche letztere\njedoch nicht von besonderer Bedeutung scheinen. Von all-\ngemeinerem, nicht bloss für die urkundliche Geschichte\nwichtigem Interesse sind folgende Rubriken der Nachträge.\n(Die Nummern beziehen sich auf das von Köchel'sche Ver-\nzeichniss.)\n86. Ant iphone: Quaerite prim\nF. J. Felis führt in der 11. Auflage seiner\nselle des musiciens,T. VI 227 ff. eine von der bekannten\nverschiedene Bearbeitung des Antiphons an, die wirklich\nvon Mozart herrühren und, mit seinem Namen versehen,\nin einem Miscellaneenbuche im Archive der\nfilarmonica zu Bologna sich befinden soll, zugleich mit je-\nner früher bekannten, über welche Mozart das Diploma\nMagistrale erhalten hat; diese letzte sei aber eine Arbeit\nP. Martini's und von Mozart nur abgeschrieben worden.\nDiese Daten rühren von Gaetano Gaspari, Capellmeister\nam Dome zu Bologna, her, der in seinem Discorso „Za\nMusica in Bologna\" nur ganz dunkel sich dabin ausspricht,\nP. Martini sei Mozart bei Erlangung des\nstralebehülflich gewesen, während er in zwei Privatbrie-\nfen die oben erwähnte Meinung aufstellt. Directe Beweise\ndafür kann Gaspari nicht aufführen, ja, nicht einmal wahr-\nscheinlich machen, wie es möglich gewesen sei, die ganze\nKörperschaft der Societa filarmonica selbst unter der ange-\nnommenen Voraussetzung irre zu führen, abgesehen da-\nvon, dass der deutsche Meister Leopold Mozart und sein\nSohn Wolfgang zu einem solchen „inganno innocente' (wie\nGaspari euphemistisch diesen groben Betrug nennt) gewiss\nnicht die Hand geboten hätten.\n87. Mitridate, Re di Oper. Wie Leopold\nvon Sonnleithner bereits in der Caecilia, XXIII, 92, dem\nTextbuche zufolge richtig bemerkte, dass die Oper nicht\nmit der Arie 22: „Gia dagli tolto\", ab-\nschliesse, wie dies in der einzigen damals bekannten un-\nvollständigen Partitur im Conservatoire de musique in Paris\nder Fall ist, sondern mit einem Quintelt: „Non si ceda\nal campidoglio\", so fand es sich auch bestätigt, als ich die\nAbschrift im British Museum in London in dieser Rich-\ntung nachsah. Diese schön geschriebene Partitur wurde\ndem genannten Museum von Mr. Domenico Dragonetti\nvermacht, der als geschickter Contrabassist in London län-\ngere Zeit lebte.\n315 a. 8 Minuette mit Trio für Glavier. Comp.\n*1778. Nach dem Charakter der Handschrift Autograph\nim Besitze von Mr. Eug. Sauzay in Paris (1864, April K.).\n2 Blätter mit drei beschriebenen Seiten, Querformat, zehn-\nzeilig. Ausgabe: keine. Diese acht Tänze waren bis nun\nvöllig unbekannt. Sie sind im Autograph ohne Aufschrift,\nihrer Bewegung nach Minuette mit Trio, mit Ausnahme\nvon Nr. 8, welcher kein Trio, eine abweichende Bewe-\ngung und 18 Tacte hat.—Aus der Behandlung des Basses\nund dem Umstände, dass Mozart bisweilen aus seinen Tanz-\nCompositionen für Orchester einen Clavier-Auszug machte,\nhat man Grund, zu glauben, dass auch diese acht Tänze\nursprünglich für Orchester componirt waren.\n•329. Sonate für Orgel und Orchester. Auto-\ngraph: Im Besitze von Mr. Villot in Paris (1864, Mai K.).\nUeberschrift: „Sonata\".Ausgabe: Keine.\n387. Q ua r tet t Tür Streich-Instrumente. Auto-\ngraph: Im Besitze von Mr. C. W. C. Plowden in London\n(1864. April K.). Ueberschrift: „Quartetto di Wolfgango\nAmadeo Mozart mp. Ii 31 di\n12 Blätter mit 23 beschriebenen Seiten, Querformat, 12-\nzeilig. Mr. C. W. C. Plowden ist der beneidenswerlhe Be-\nsitzer der Autographe nicht nur der sechs Jos. Haydn ge-\nwidmeten Quartette (387, 421, 428, 458, 464, 465),\nsondern auch jener drei, welche dem Könige von Preussen\ndedicirt sind (575, 589, 590), so wie des vereinzelt ge-\nbliebenen Quartetts 499 aus jener Periode; also aller zehn\nPerlen der Quartette Mozart's.\n492. Le No 82e di Figaro. Oper, Autograph: Im\nBesitze von N. Simrock in Bonn, der es von Volkmar\n\n) Vergl. Jahrgang X, Nr. 31 vom 2. August 1862."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "247", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640730-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1096, "texte": "Schurig an sich brachte (1864, Mai K.). Das Autograph\nist in zwei Papierbänden gebunden. Die Ueberschrift auf\ndem Papier-Umschlage des I. Bandes, welcher die Acte I.\nund 11. enthält, ist von fremder Hand; die Ueberschrift\nMozart's auf dem 11. Bande lautet: „Fi»aro's Hochzeit,\ndritter und vierter Act, von Mozart.\" Der I. Band enthält\nauf 164 Blättern 322 beschriebene Seiten; der 11. Band\nauf 139 Blättern 265 beschriebene Seiten Querformat,\n10- und 1 2zeilig.— Die trockenen Becitative sind an Ort\nund Stelle eingeschaltet. Die Partitur der Blas-Instrumente\nzu mehreren Nummern ist am Schlüsse auf 13 Blättern\nbesonders geschrieben angehängt.— Das Becitaliv zu Arie\n27 (Figaro: „Tutto e disposto\")ist auf zwei Blättern von\nfremder Hand geschrieben. (Das Autograph davon besitzt\nC. A. Andre.)—Eben so hat eine fremde Hand der ganzen\nOper einen deutschen Text beigefügt. Die Ouvertüre hat\ndie Ueberschrift: „Sinfonia\", und das Tempo: „Prestou\n(nicht Ällegro assai einiger gedruckten Ausgaben).\n620. Die Zauberflöte. Oper. Autograph: In der\nköniglichen Bibliothek zu Berlin (1863, Sept., Espagne)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-07-30-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-07-30_01#c005", "volume": "bmtnabi_1864-07-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "247", "page_fin": "248", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640730-01.2.5", "titre_corps": "Aus den rheinischen Bädern.", "titre_sommaire": "Aus den rheinischen Bädern.", "signature_source": "L. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "247", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640730-01.1.7", "debut_caractere": 1098, "fin_caractere_exclue": 6436, "texte": "Aus den rheinischen Bädern.\n\nMusicalische Unterhaltungen sind, wie für alle geselligen Ver-\neinigungen, so auch für die Cur- und Vergnügungsgäste in den Bä-\ndern Bedürfniss geworden. Aber es ist schwer, in der Befriedigung\nder Ansprüche eines Bade-Publicums in dieser Beziehung den rech-\nten Ton zu treffen. Die Cursaal-Verwaltung in Ems ist von der\nrichtigen Ansicht ausgegangen, dass für ihr Publicum vorzugsweise\nder heiteren Kunst gehuldigt werden müsse, und desshalb bietet\nsie ihm die komischen Operetten der Franzosen im Original dar, da\ndie französische Sprache ja auch allein das Verständnis des Textes\nbei einer Zuhörerschaft aus allen Nationalitäten vermitteln kann.\nBesonders bringt sie die neuen Buffo-Operetten von Jakob Offen-\nbach, dem Erfinder und Meister dieser Gattung, seit einigen Jah-\nren stets zuerst, und so haben wir denn «in diesem Monate dort\nwieder zwei von seinen Blüetten gesehen, die beide, vorzüglich aber\ndie erstere, überall gefallen werden.\nEms hat kein Theater; für die Aufführungen wird im Cursaale\njedesmal eine allerliebste kleine Bühne improvisirt, welche bei der\nGewandtheit der französischen Truppe (aus Mitgliedern des Theu're\nlyrique und der Bouffes parisiens zusammengesetzt) dem Bedürfnisse\nvollkommen genügt und dem Ganzen mehr den Charakter einer ge-\nselligen Reunion, als eines öffentlichen Schauspiels gibt.\nDie erstere jener beiden einaktigen Neuigkeiten beisst: Le Sol-\ndat magicien. Die Handlung (nach einem älteren Lustspiele) stellt\neine Reihe von komischen Scenen zusammen, die höchst ergötzlich\nsind. Sie dreht sich um den Zwist eines bürgellichen Ehepaares aus\ndem vorigen Jahrhundert und um die Erscheinung eines jungen\nPfeifers, der die Kammerjungfer der Madame liebt. Frau Robin ist\nder Quälereien durch die üble Laune ihres Mannes überdrüssig und\neilt zu einem Advocaten, um sich scheiden zu lassen. Unter der\nZeit kommt Rigobert, ein blutjunges, lustiges Kerlchen, mit seinem\nQuerpfeifchen aus Flandern vom Regimente und umarmt seine Ca-\nroline. Madame kommt zurück, der Soldat wird in ein Oberstübchen\ngesteckt, durch dessen rundes Fenster er ins Zimmer sehen kann.\nDer Advocat, den Madame nicht zu Hause getroffen, hat in seiner\nEitelkeit das Billet, welches sie zurückgelassen, für eine Einladung\nganz anderer Art genommen und rückt erwartungsvoll in Begleitung\neines feinen Soupers heran. Aber Herr Robin schellt plötzlich: man\nspedirt den Advocaten sammt seinem Souper in ein zweites Neben-\nstübchen, das Ehepaar beginnt den häuslichen Krieg von Neuem,\nder lauernde Rigobert verräth sich durch ein Geräusch, tritt aber\ndreist heraus und erbietet sich, vermöge seiner Zauberpfeife dem\nzornigen und hungrigen Hausherrn ein Souper und der unglück-\nlichen Hausfrau einen Advocaten zur Stelle zu schaffen, der ihren\nAntrag auf Scheidung aufnehmen solle. Er hält Wort: Erstaunen\nRobin's, Erklärungen Carolinens, die als echte Soubrette Alles auf\nsich nimmt, dem Advocaten aber höflich die Thür weist und mit\nEinwilligung der Herrschaft den Zauberer in Uniform zum Manne\nwählt.\nDie Musik enthält nicht nur sehr hübsche Melodieen zu den\nCouplets der Caroline und des kleinen Pfeifers (den eine Demoiselle\nAlbreclit ganz vorzüglich sang und spielte), sondern auch mehrere\nStücke von grösserer musicalischer Bedeutung, so dass die Operette\nwohl mit zu dem Besten gehört, was Offenbach geschrieben hat.\nWir rechnen dahin besonders sämmtliche Ensembles, namentlich ein\nTerzett, in welchem die Soubrette besänftigend zwischen das auf-\ngeregte Ehepaar tritt, und vor Allem ein Quintett: „f'a sent la\ntruffeu, welches ein wahres Meisterstück in Erfindung und Charak-\nteristik und in musicalischer Factur ist. Hier und auch in der zwei-\nten neuen Operette zeigt Offenbach, wie geschickt er die Form ca-\nnonischer Imitationen für komische Effecte zu behandeln weiss: er\nhandhabt sie so richtig wie die Alten, aber nicht so steif wie sie.\nDer Ausdruck der verschiedenen Empfindungen, womit die Bethei-\nligten ihr „Es riecht nach Trüffeln\" aussprechen, der eine verwun-\ndert, der andere neugierig, der dritte ängstlich, der vierte mit unter-\ndrücktem Appetit, ist ganz vortrefflich gefärbt. Auch ein folgendes\nQuartett und das Finale sind von einer Leichtigkeit im melodischen\nFlusse und einer Durchsichtigkeit in der Arbeit, welche nur weni-\ngen Componisten unserer Zeit gegeben sind, da die meisten selbst\nin der komischen Oper den Flug der einfachen Melodie, wenn sie\nauch einmal einen guten Anlauf nimmt,' durch gesuchte Harmonie\nund lärmende Instrumentirurig, welche sie als schweres Gewicht\nihren Schwingen anhängen, hemmen und herabziehen.\nDie zweite Operette: „Jeanne qui pleure et Jean qui ritu, ist\nbesonders auf Spiel und Gesang der Hauptrolle berechnet, in wel-\ncher Jeanne und Jean vereinigt sind. Diese Blüette streift mehr als\nder v Soldat magicienü in das Gebiet der Posse hinüber, bringt aber\ndurch die hübsche Musik und das lebendige Spiel auch den ärgsten\nGriesgram zum Lachen vom Anfange bis zum Ende. Abgesehen vom\nSpiele, ist auch die Gesang-Partie der Jeanne nicht leicht und er-\nfordert eine vorzügliche Technik. Fräulein Albrecht war allerliebst\nund neben ihr der Vater des Prätendenten, ein Bass-Buffo von gros-\nsem Talente, vortrefflich.\nAusser diesen scenischen Unterhaltungen sorgt die Verwaltung\nin Ems aber auch für Concerte im Cursaale, und wir haben gefun-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "248", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640730-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1665, "texte": "den, dass diese sich vortheilhaft von manchen in anderen Bädern\nunterscheiden, indem ihre Programme nicht so arg kaleidoskopisch\nsind, wie man sie sonst findet. Dass man für das Auftreten berühm-\nter Künstler sorgt, versteht sich von selbst; aber dass man z. B. in\ndem Concerte am 14. d. Mts. ein vollständiges Violin-Concert von\nViotti in allen seinen drei Sätzen mit steigendem Applaus anhörte,\nwelches David aus Leipzig hinreissend vortrug, das dürfte in einem\nBade-Concerte zu den Seltenheiten gehören.\nIn Wiesbaden wohnten wir dem Concerte im Cursaale am\n26. d. Mts. zur Nachfeier des Geburtsfestes des Herzogs von Nassau\nbei, in welchem wiederum David und Alfred Jaell mitwirkten.\nBeide spielten einzeln ein paar von ihren beliebten Salonstücken,\nerregten aber den grössten Enthusiasmus durch den Vortrag der\nKreutzer gewidmeten Sonate von Beethoven. Frau Lern mens-\nSherrington entzückte durch ihre vollendete Technik und Grazie\nim Vortrage einer Arie aus Gounod's Faust und der Bravour-Va-\nriationen aus Adam's Torreador.\nTags vorher hatten wir auf der Durchreise durch Mainz ein\nsehr schönes Concert gehört, welches A. Jaell mit Unterstützung\nvon Frau Fabbri-Mulder, David, Jacquard und N. Rubin-\nst ein zum Vortheil des gelähmten Violoncellisten Kellermann\nveranstaltet hatte. Unter allem Trefflichen, das dargeboten wurde,\nglänzten besonders das Clavier-Trio in C-moll von Mendelssohn\n(Jaell, David und Jacquard), Tartini's „Teufelstriller\" (David) und\nSchumann's Variationen für Pianoforte (Jaell und Rubinstein).\nFrau Fabbri-Mulder ärntete durch den Vortrag von Weber's: „Ocean,\ndu Ungeheuer\", und zweier Lieder von Rieh. Mulder grossen Beifall.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-07-30-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-07-30_01#c006", "volume": "bmtnabi_1864-07-30_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "248", "page_fin": "248", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640730-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "248", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640730-01.1.8", "debut_caractere": 1667, "fin_caractere_exclue": 3400, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nAm 15. Juli feierte Gutzkow sein fünfundzwanzigjähriges\nJubiläum als Dramatiker; es war am 15. Juli 1839, als sein\nchard Savage\" in Frankfurt am Main zum ersten Male zur Darstel-\nlung kam. An dem Feste, das dem Dichter zu Ehren am 15. d. M.\nin Weimar gegeben wurde, betheiligten sich alle, welche die Be-\ndeutung des Dichters für die deutsche Literatur würdigen.' Im Na-\nmen des Vereins für Kunst und Wissenschaft, welcher der Thätig-\nkeit des Jubilars so viel verdankt, überreichten ihm, nach einer\nAnsprache des Dr. Köster, Graf Kalckreuth, Geh. Hofratn Dr. Schöll\nund Dr. v. Schorn einen Lorberkranz.. Auch von anderen Seiten,\naus Weimar nicht minder als aus Berlin, Dresden, Leipzig u. a. 0.\nwaren schriftliche und telegraphische Glückwünsche in gebundener\nund ungebundener Rede, so wie werthvolle Andenken u. s. w. ein-\ngegangen. • ' . ' .\nWien* Bei Gelegenheit einer der letzten Aufführungen von\nMozart's „Figaro's Hochzeit\" macht der' Referent der „Wiener\nRecensionen\" folgenden hübschen Witz: „Die übrige Besetzung war\ndie alte geblieben, was in Bezug auf Figaro und Susanna eine dop-\npelte Bedeutung hat, denn beim Anblicke dieses Brautpaares musste\nman vermuthen, dass im Titel ein Wort ausgelassen sei, da er wohl\nhätte lauten sollen: „Die silberne Hochzeit des Figaro\".\n19. Juli. Gestern hatte der grosse Redoutensaal ein\nglänzendes Publicum zu einem Concerte versammelt, in welchem\nbesonders Alfred Jaell durch Mendelssohn's Concert in Q-moll\n(vollständig) und einige kleinere Stücke (Variationen von Händel\nund eine Bravour-Caprice über den Walzer aus Dinorah), und der\nvortreffliche Violoncellist Cosmann durch einige Salonstücke von\nseiner Composition stürmischen Beifall davon trugen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "241", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640730-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nAus London (Die Fidelio-Ouverturen Dr. Schmid aus Wien Adelina Patti Gounod's rMireilleu Concerte:\nBenedict; Arditi). Von C. A. Beurtheilung. Instrumentationslehre von Hector Berlioz. Autorisirte deutsche Ausgabe von A. Dörffel.\nVon W. Nachträge und Berichtigungen zu von Köchers Verzeichniss der Werke Mozart's. —.Aus den rheinischen Bädern. Von L. B.\nTages- und Unterha 1 tungsblall (Weimar, Gutzkow's Jubiläum Wien, Figaro's Hochzeit Spa, Concert).\n\nAus London.\n\n(Schluss. S. Nr. 28.)\n(Die Fidelio-Ouverturen Dr. Sclimid aus Wien Ade-\nlina 'Patti Gounod's „Mireilleu Concerte:\nBenedict; Arditi.)\nDen 23. Juli 1864.\nIch muss noch einmal auf die Fidelio-Aufführungen\nzurückkommen, denn es wird Ihnen zu besonderer Genug-\ntuung gereichen, zu erfahren, dass Ihre oft wiederholte\nRüge über den Missbrauch, der an den deutschen Thea-\ntern mit der Einschaltung der so genannten Leonoren-\nOuverture zwischen dem ersten und zweiten Acte getrie-\nben wird, hier in England die verdiente Beachtung gefun-\nden hat. Ihr Vorschlag, dass man endlich den Muth haben\nsollte, das Urtheil der Wiener von 1805 zu cassiren und\ndie von Beethoven ursprünglich zur Eröffnung der Oper\ngeschriebene grosse Ouvertüre in C-dur an ihre richtige\nStelle zu setzen, ist bei der zweiten und den folgenden\nVorstellungen des Fidelio in Her Majesty's Theatre aus-\ngeführt worden, und zwar von einem Italiäner, dem Ca-\npellmeister Arditi, der mithin den deutschen Capellmeistern\ndieses Mal in der richtigen Wiederherstellung des grössten\nWerkes dramatischer Tonkunst zuvorgekommen ist.\nBei der ersten Aufführung folgte Ardiii ebenfalls dem\nGebrauche, der sich in den letzten Jahren in Deutschland\nso eingewurzelt hat, wie das bei manchem Falschen und\nO 7\nKrankhaften oft der Fall ist, dass man eine Aufführung\nohne die C-e?wr-Ouverture als Zwischenact-Musik sogar\nfür unvollständig hält! Er begann mit der ver-\nture und gab vor dem zweiten Acte die andere in\nAber er fühlte, dass durch die Einschiebung an dieser\nStelle die ganze Bedeutung dieses Sinfoniesatzes selbst ver-\nloren gehl, dass ferner der Trompelensloss den Eindruck\nder kurz darauf durch denselben herbeigeführten Ent-\nscheidung der Handlung auf der Bühne abschwächt, dass\nendlich das herrliche Grave in F-moll, welches Beethoven\nmit Absicht als Introduzione,als wirkliche Zwischenacts-\nMusik, zur Vorbereitung auf den Monolog Florestan's im\nKerker geschrieben hat, durch die unmittelbare Folge auf\nden jubelnden Schluss der (7c?M/'-0uverlure die Intention\ndes Componisten geradezu verkehrt — und somit beschloss\nArdiii, den Fidelio ganz im wahren Geiste Beelhoven's\nherzustellen, legte bei der zweiten Aufführung die\ncfcr-Ouverture ganz bei Seite und begann die Oper mit\nder grossen Ouvertüre in C. Ein wahrer Sturm von Ap-\nplaus war sein Lohn, und die Ouvertüre musste wieder-\nholt werden.\n[Mit Recht fühlte das londoner Publicum, dass dieses\nTongemälde an diese Stelle gehöre; in der Mitte der Oper ist\nes durch nichts zu rechtfertigen, denn es zerreisst den Zu-\nsammenhang zwischen beiden Acten und zerstört die dra-\nmatisch-musicalische Einheit des Werkes, eine Einheit,\ndie kein anderer Opern-Componist so meisterhaft durch-\ngeführt hat, wie Beethoven in seinem Fidelio, jene Ein-\nheit des Charakters der ganzen Musik, welche allein das\nGenie herzustellen vermag, wogegen die jetzt beliebten\nWiederholungen oder Anklänge an irgend ein 1 hema, sei\nes ein Volkslied, oder ein Choral, oder gar ein persön-\nliches Instrumental-Motiv, wie im Lohengrin, als ärm-\nlicher Nothbehelf einer raffinirenden Reflexion erscheinen.\nDie C-dur-Ouvertüre ist ein Gemälde der ganzen Oper;\nsie ist mehr als ein Prolog oder als eine Einleitung, mehr\nals ein sinfonistischer Satz, der den Zuhörer in die Stim-\nmung für die Auflassung des auszuführenden Drama's ver-\nsetzen soll — sie ist die herrlichste Programm-Musik, die\njemals geschrieben worden ist. Ihr Programm ist die Hand-\nlung der Oper von Anfang bis zu Ende, nicht etwa vom\nAnfang bis zur Milte, oder gar von der Mille bis zum\nSchlüsse derselben. Die Leiden des Gefangenen und \\ er-\nschmachtenden, Liebe und Treue der heldischen Gatlin,\nHoffnung und Glauben, Rettung und Freiheit — alles das\nsprechen die Töne aus von dem spannenden Anfange und"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "242", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640730-01.1.2", "texte": "den rührenden Melodieen des Adagio s an bis zu dem ju-\nbelnden Aufschwünge des Schlusssatzes. Wie kann man\nnur einen Augenblick Bedenken tragen, dieses grosse Ton-\nbild, das uns das ganze Drama in seinen Hauptmomenten\ndarstellt, nicht dahin zu stellen? wo es allein seine Berech-\ntigung durch seine poetische und musicalische Bedeutung\nhat! Hat uns vor dem Drama das Orchester das Bild des\nGanzen in der schönsten Farbengebung, welche die Ton-\nkunst erreichen kann, vorgeführt, dann reiht sich die Ent-\nwicklung der Handlung im Einzelnen folgerichtig daran\nund führt uns von Scene zu Scene in fortwährender Span-\nnung und Steigerung der Theilnahme bis zu dem Mo-\nmente der Errettung und dem Jubel der befreiten Un-\nschuld, in den ein ganzes Volk einstimmt, wie es uns früher\nder Trompetenstoss und der schwungvolle Schluss in der\nOuvertüre ahnen Hessen.\nAusser diesem Hauptgrunde für die Wiedereinsetzung\nder in ihr Recht spricht gegen die Stel-\nlung, die man ihr in der Mitte der Oper anzuweisen den\nEinfall gehabt hat, vollends noch der durch diese Stellung\nganz und gar zerrissene Zusammenhang des zweiten Actes\nmit dem ersten. Nach dem Finale des ersten Actes klingt\ndie düstere Stimmung, welche der Chor der Gefangenen,\ndie Wuth Pizarro's, die schreckliche Besänftigung des\nBösewichts durch die Erinnerung an sein Opfer, der Ab-\nschied der armen Kerkerbewohner vom Sonnenlichte er-\nregt haben, in uns fort. Der bangen Ahnung über das\nSchicksal des unschuldig Verfolgten gibt die Musik (das\nGrave in F-mott), welche die Kerkerscene, die uns das un-\nglückliche Opfer zum ersten Male vor Augen stellt, ein-\nleitet, Ausdruck. Was soll nun dazwischen das jubelnde\nFinale der C-c/wr-Ouverture? Das Meisterstück einer dra-\nmatisch-symphonischen Dichtung wird, weil in\neine falsche Stellung gebracht, zu einer blossen Concert-\nOuverture. L. B.j\nUebrigens können Publicum und Kritik noch immer\nnicht von der Bewunderung zurückkommen, welche Fräu-\nlein Tietjens als Leonore erregt hat. Sie stellen sie der\nSchröder-Devrient ganz gleich und erheben sie über die\nMalibran und Cruvelli; jene war die erste Leonore in Eng-\nland im Jahre 1835 in Coventgarden. Auch im Drury-\nlane-Theater ist früher Fidelio in englischer Sprache ge-\ngeben worden, wobei Staudigl den Pizarro sang.\nAusser Dr. Gunz hat hier norli ein anderer deutscher\nSänger, Dr. Schmid vom Hof-Operntheater zu Wien,\ngrossen Erfolg gehabt. Herr Karl Budolf Schmid ist ein\nSchweizer, ein Predigerssohn ans Aarau, der sich dem\nStudi um der Medicin widmete, aber, weil mit einer wun-\ndervollen Bassstimme begabt, schon als Student in Tübin-\ngen von vielen Musikern, namentlich auch von dem Com-\nponisten Silcher, der mehrere Lieder für ihn schrieb, drin-\ngend aufgefordert wurde, auf die Bühne zu gehen. Allein\ner schlug das Anerbieten des Hoftheater-Intendanten in\nStuttgart, ihn auf der Stelle zu engagiren, aus und kam\nerst später, nachdem er seine Studien beendet, auf einer\nwissenschaftlichen Reise durch Deutschland, die ihn nach\nDresden führte, zu dem Entschlüsse, sich der Kunst zu\nwidmen. Nach kaum halbjährigen Gesangstudien trat er\nals Sarastro in der Zauberflöte mit ausserordentlichem\nBeifalle auf. Er mochte damals etwa vierundzwanzig Jahre\nalt sein4). Ein festes Engagement nahm er erst in Wien\nan, wo er Anfangs nach Staudigl einen schweren Stand\nhatte, aber bald als Sarastro, Osmin, Figaro, Caspar,\nRocco u. s. w. Liebling des Publicums wurde. Herr Gye\nhörte ihn im Frühjahre zu Wien und bewog ihn, ein En-\ngagement auf die Season in London an Coventgarden an-\nzunehmen. Er trat hier als Orovist in der Norma auf und\nschuf sich sogleich eine hohe Stellung in der musicalischen\nWelt Londons, die er sowohl durch die Ausführung an-\nderer Opern-Partieen, als durch seine Vorträge in den\nConcerten der neuen philharmonischen Gesellschaft und\nim Krystallpalaste bedeutend gehoben hat. Man war hier\ndarüber einig, dass es gegenwärtig wohl keine schönere\nBassstimme gebe, als die seinige. Die Partieen des Marcel\nund Bertram waren ihm ebenfalls bereits zugetheilt, als\ner krank wurde und London verlassen musste, um seine\nGesundheit wieder herzustellen.\nUeber Ade 1 ina Patti als fünftes „Gretchen\" kann\nman nur sagen: sie entzückt. Auch der nüchternste der\nKritiker kann ihrem Zauber nicht widerstehen, das ist\nbuchstäbliche Wahrheit. Dass es aber vorzüglich die\nSchönheit ist, welche diesen Zauber ausübt, ist eben so\nwahr; Anmuth und Liebreiz in der Erscheinung und in\nSpiel, Stimme und Gesang, Alles ist bei ihr nur im Dienste\nder Schönheit und Jugend und erhält den fesselnden Reiz\nhauptsächlich von diesen. Nach dem Schlüsse der Saison\nwird sie in Verbindung mit Joachim und Madame God-\ndard Concerte geben, wenigstens kündigen die Zeitungen\nbereits das Auftreten dieses Trio's in dem Seebade zu\nBoulogne in Frankreich an.\nBeide Opern-Directionen geben noch eine Nachreihe\nvon Vorstellungen zu massigeren Preisen mit demselben\ndie sich bis in den August hinein-\nziehen werden. Tietjens, Patti und Artöt sind die Haupt-\nMagnete; Adelina erneuert nach dem Urlheile der Chro-\nnisten der hiesigen Oper das Lind-Fieber früherer Zeit in\nLondon. Dennoch hält ihr die Artöt als „Traviata\" und\nsogar als sechstes „Grelchen\" (zum ersten Male am 19.\n\n*) Schmid ist den P. April 1827 geboren."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "243", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640730-01.1.3", "texte": "d. Mts.) die Wage, Her hat zum\nEnde der Season Gounod's neueste Oper „Mireille\"\n[Mirella) mit der Tietjens in der Titelrolle auf die Scene\ngebracht. Die Oper gefällt und hat so gezogen, dass Herr\nMapleson statt des angekündigten Pasticcio die vierte oder\nfünfte Wiederholung davon zu seiner Benefiz-Vorstellung\ngewählt hat. Ich begnüge mich mit dem historischen Be-\nrichte dieses Erfolges um so eher, da Ihre Zeitung bereits\neinen ausführlichen Artikel aus Paris über das Buch und\ndie Musik dieser letzten dramatischen Schöpfung des Com-\nponisten gebracht hat. So viel möchte ich aber doch pro-\nphezeien, dass, wenn die „Mireille\" nach Deutschland\nkommt, Gounod gewahr werden wird, wie sehr dem Er-\nfolge seines „Faust\" der alte Goethe vorgearbeitet bat!\nAusserdem gibt man von Opern nicht italiänischer\nComponisten auch noch Flotow's „Martha\" und hat so-\ngar Meyerbeer's „Etoile du Nor(mit der Miolan)\nwieder hervorgeholt und ihm durch glänzende Ausstattung\nErfolg bei der Menge verschafft.\nSie wissen, dass die Concerte in der londoner Sea-\nson unzählbar wie die Sterne sind, obwohl in ihnen nicht\nimmer Sterne glänzen. Die Zahl der Virtuosen und Vir-\ntuosinnen ist Legion. Als Heerführer jedoch ohne sich\num die Operationen seines Heeres zu kümmern erschien\nauch dieses Jahr wieder Joachim, sowohl in den popu-\nlären Montags-Concerten und den Abonnements-Concerten\nbeider philharmonischen Gesellschaften, als in den Quar-\ntett-Vereinen und unzähligen Matineen.\nSie kennen die endlosen Programme der Jahres-Con-\ncerte der hier ansässigen Künstler: allein der Luxus, der\ndarin mit der Anzahl der Stücke und den Namen aller\nKuristgrössen getrieben wird, die London jetzt mehr wie\nje an der Themse versammelt, überstieg doch dieses Mal\nalles bisher Dagewesene.\nWie immer, so war auch in diesem Jahre Benedict's\n„Morgen-Concert\" —das, beiläufig gesagt, erst nach sechs\nUhr Nachmittags aus war! ein Congress aller musica-\nlischen Mächte und ihrer Vertreter.\nBenedict wohnt jetzt seit beinahe dreissig Jahren in\nLondon und nimmt eine Stellung ein, die seit Händel kein\nausländischer Musiker sich hier errungen hat. Er kam mit\nder Malibran hieher, welche der erste und mächtige Hebel\nseines Emporkommens wurde. Durch die Sachen, welche\ner für die grosse Sängerin schrieb, und durch die Gunst,\ndie sein Lehrer C. M. von Weber ihm bewiesen, fand er\nzuerst Eingang in die musicalischen Kreise; sein Talent\nals Componist und Lehrer, und ein liebenswürdiger und\nedler Charakter, verbunden mit ausgezeichnetem gesell-\nschaftlichem Tacte, brachen ihm von Jahr zu Jahr breitere\nBahn, so dass er vorzugsweise der Künstler der hiesigen\nAristokratie wurde und sich in dieser ehrenvollen und zu-\ngleich sehr einträglichen Stellung durch die genannten\nEigenschaften immer mehr befestigte.\nMan ist gewohnt, in seinem Monster-Concerte alljähr-\nlich alles zu hören, was die jedesmalige Season von Künst-\nler-Berühmtheiten aufzuweisen hat. Dies und das allge-\nmeine Wohlwollen, das ihm entgegenkommt, hatte denn\nauch im Juni den Saal von St. James Hall mit einer so\nglänzenden Zuhörerschaft gefüllt, wie vielleicht noch nie\ndarin vereinigt gewesen war.\nVon Benedicts eigenen Composilionen kamen vor zu-\nnächst die Romanze aus „The Lily of Killar ney\", von\nGiuglini gesungen; dann die Cantate „Richard Löwen-\nherz\" für Soli, Chor (die Mitglieder des von Benedict ge-\nstifteten und geleiteten Singvereins), welche er für das\nletzte Musikfest in Norwich geschrieben; die Damen Pa-\nrepa und Sainlon-Dolby und die Herren Sims Ree-\nves und hantlev sangen die Soli. Dann eine Auswahl\nvon Gesängen aus Benedicts Operette: „Die Gesanges-\nbraut\", welche vor Kurzem in dem Concerte von Louise\nVinning (die auch jetzt eine Partie übernommen halte)\nmit Beifall aufgeführt worden war. Neben einem hüb-\nschen Terzett für Frauenstimmen sprachen das Publicum\ndie freilich etwas stark auf Effect berechneten Arien des\nSoprans mit obligater Harfe und des Baritons mit obliga-\ntem Cornet a Piston am meisten an. Ausserdem hatte der\nConcertgeber Schulhoff's Carneval von Venedig für Car-\nlo tta Patti arrangirt, womit diese Furore machte; Miss\nArabella Goddard spielte eine Pianoforte-Phantasie\nvon ihm, eine andere über irische Melodieen trug er selbst\nvor und spielte auch noch mit George Osbome ein\nDuo von dessen Compositior. für zwei Flügel über Thema's\naus Gounod's Faust. Man sieht, dass Benedict selbst\ngenug und übergenug für sein Concert und in seinem\nConcerte gethan; zugleich bemerkt man aber auch, was\nfür ein Genre von Composilionen dem hohen Publicum\nallhier genehm ist.\nDavor und dazwischen kamen Beethoven's Fidelio-\nOuverture, Mozart's Ave verum (vom Singverein gesungen),\ndie zweite Sarastro-Arie, ein Bolero für Sopran von Auber,\nChopin's Berceuse und Clavierslücke von Lilolf, Duett\nvon Nicolai, Arie von Pixis (Fräulein Bettelheim), Scene\nder Agathe (Frau II a rriers-Wippern , mit ungeheu-\nrem Applaus empfangen) u. s. w.\nDamit habe ich aber noch kaum die Hälfte der\nGerichte genannt, welche der Wirlh dieses reichen musi-\ncalischen Bankels seinen hohen Gästen vorsetzte. Da san-\ngen noch die Damen Georgi, Vinning, Trebelli,\nCarlotta Patti, Volpini, Dolby, Leschetilzki,\nEnequist, Liebhard t und ein paar Schülerinnen Bene-\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "244", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640730-01.1.4", "texte": "dict's; ferner die Sänger Fricker, Gunz, Gordoni,\nBettini, Delle Sedie u. s. w. Es ist unmöglich, die\nListe vollständig zu geben. Nur zwei Nummern verdienen\nnoch Erwähnung: eine Phantasie für Violoncell, von\nPiatti componirt und gespielt, und dann die unstreitig\ninteressanteste und vollkommenste Leistung des ganzen\nConcert-Nachmittags: Spohr's Concertante für zwei\nViolinen, vorgetragen von Joachim und Wieniawski.\nDas Concert schloss mit Mendelssohn's „Hocbzeits-\nmarsch\".\nIn derselben Woche gab Arditi, der Capellmeister\nMapleson's in Her Majesty's Theatre, ein ähnliches Monster-\nConcert in dem genannten Theater, wobei ausser sämmt-\nlichen Kräften dieser Opernbühne für Solo und Chor noch\ndie Damen Lemmens-Sherrington und Goddard betheiligt\nwaren. Das Programm war ebenfalls bunt genug und\nmischte hier, wie dort, Salonstücke und classische Musik\ndurch einander. Auszuzeichnen waren fünf oder sechs\nNummern aus Rossini's Stabat maier mit dem prächti-\ngen Solo-Quartett: Tieljens, Trebelli, Giuglini und Sant-\nley; dann der dritte Act von Nicolai's „Lustigen Wei-\nbern\" köstliche Zusammenstellung! aber vortrefflich\ngesungen von Tietjens, Bettelheim, Junca, Gassier und\nSantley; ferner Mendelssohn's G-moll-Concert für Piano-\nforte vollständig (Madame Goddard), Arditi's „Gari-\nbaldina\", ein Canto nationale, für Garibaldis Anwesenheit\nim Krystallpalaste geschrieben und vom Chor mit Orche-\nster und Militärmusik ausgeführt, und ein Salon-Duo für\nPianoforte und Violine von Arditi und Benedict gemein-\nschaftlich componirt. Da Herr Arditi eine brillante Ein-\nnahme gemacht hat, so wird er wohl diesen ersten Ver-\nsuch eines Concertes zu seinem Vortheil alljährlich wie-\nderholen.\nVon deutschen Violinisten haben ausser Deich-\nmann, der, hier ansässig und beliebt, auch alljährlich ein\nrecht besuchtes Concert gibt noch Fräulein Amelie\nBidö und Herr Lauterbach mit Beifall gespielt; von\nPianisten hat Alfred Jaell in mehreren Privat-Concer-\nten, vor Allem aber in der neuen philharmonischen Gesell-\nschaft mit Beelhoven's C- mollConcert und der darin ein-\ngelegten Cadenz einen grossen Triumph gefeiert. In dem-\nselben Concerte sangen Carlotta Patti und Wachtel, beide\nmit ungeheurem Applaus. Aufsehen hat die fünfzehnjäh-\nrige Maria Krebs aus Dresden als Ciavierspielerin ge-\nmacht, um so mehr, da das Pianoforte dasjenige Instru-\nment ist, für welches sich jetzt au<h die Engländerinnen\nvorzugsweise ausbilden, so dass London allein schon über\nein Dutzend Concertspielerinnen liefert.\nMit den Concerten der grossen Musik-Gesellschaften\ngeht es so fort wie seit Jahren; man hört gute Orchester-\nLeistungen und gute Instrumente, die neben der Akustik\nder Concertsäle eine Hauptursache des überraschenden\nGesammttones der hiesigen Orchester sind, so dass die\nAusführung der Sinfonieen an Klangfülle und Kraft denen\nin Köln überlegen ist, an Geist der Auffassung und Fein-\nheit des Ausdrucks aber vor jenen zurücktreten muss.\nHier haben Sie eine Uebersicht über die diesjährige\nSeason, in der ich aus der Ueberfülle des Stoffes mich auf\ndas beschränkt habe, was drüben am meisten interessiren\ndürfte, dennoch aber nichts übergangen zu haben glaube,\nwas durch sein wirkliches Auftauchen aus der Flut er-\nwähnenswerth ist. Man könnte auf den londoner Musik-\nstrom anwenden, was der alte Horaz vom Lucilius sagt:\nCum flueret lutulentus, erat qu\n\nC. A.\n\nBeurtheilung.\n\nInstrumentationslehre von Hector Berlioz.\nAutorisirte deutsche Ausgabe von Alfred Dörf-\nfel. Leipzig, Verlag von Gustav Heinze. 18G4.\nTextseiten IV und 285. Noten- und Zeichentafeln\n70 Seiten.\nMag man über H. Berlioz als Componist verschieden\ndenken; durch seine Instrumentationslehre hat sich der-\nselbe ein wirklich durchgreifendes Verdienst erworben, in\nso fern er hier zuerst mit Einsicht und Gründlichkeit die\nTechnik der von unseren Meistern Gluck, Mjozart,\nBeethoven u.s.w. angewandten Instrumente entwickelte.\nWohl find en wir bei Erwähnung seines Biesen-Orchesters\nund anderer Punkte manche Ueberspanntheiten und viel-\nfach den Hang zum Aeusserlichen; davon abgesehen, bleibt\naber das Weik für jeden Kunsljünger ein sehr empfeh-\nlenswerlhes. Bisher existirten von diesem gut französisch\ngeschriebenen Werke zwei deutsche Ueberselzungen, eine\nvon Leibrock (als Auszug) und eine andere von Grünbaum,\nbei Schlesinger in Berlin erschienen. Erslere ist in ihrer\nUnvollkommenheit kaum zu gebrauchen, und letztere, ob-\ngleich sie zu dem deutschen Texte noch den französischen\ngibt, ist wegen des enormen Preises von 8 Thalern für\npraktische Musiker nicht leicht zugänglich und übrigens\nauch schon seit geraumer Zeit vergriffen. Daher ist es ein\nsehr zu achtendes Unternehmen, dass die Verlagshandlung\nvon Gustav lleinze, wo auch die vollständigen Schriften\nvon Berlioz erschienen sind, eine von Berlioz autorisirte\ndeutsche Ausgabe der Instrumentationslehre zu dem billi-\ngen Preise von 1 '/zThaler veranstalten liess, und zwar\ndurch einen Mann, welcher in Leipzig schon längst den\nHuf des vorzüglichsten musicalischen Correctors geniesst"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "245", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640730-01.1.5", "texte": "und früher als musicalischer Schriftsteller manchen beach-\ntenswerten Artikel geliefert hat. Die Gründlichkeit unse-\nres Uebersetzers Alfred Dörffel ist längst bekannt, so\ndass Berlioz selbst in seinem Vorworte zu der vorliegen-\nden deutschen Bearbeitung seiner Instrumentationslehre\nmit Recht sagen konnte: „Dieselbe wurde von einem\nManne unternommen, der als Musiker eben so bewährt,\nwie als Schriftsteller geachtet ist.\"\nDie Anordnung dieser Bearbeitung besteht nun darin,\ndass die kleineren, grösstenteils nur das rein Technische\nbegründenden Notenbeispiele und Zeichen für die Direc-\ntion des Orchesters in verschiedenen Tactarten als Anhang\ngedruckt sind, auf welchen im Texte selbst verwiesen wird,\nwas bei der leichten Handhabung einer Oelav-Ausgabe\nweiter keine Unbequemlichkeiten verursacht. Um nun\nauch dem Unbemittelteren die Anschaffung des Werkes\nzu ermöglichen, sind die grösseren Partitur-Beispiele,\nwelche Auszüge aus bereits gedruckten Werken ent-\nhalten und auf die im Texte überall ausführlich\nhingewiesen ist, ausgelassen worden. Die Verlags-\nhandlung hat aber dieselben in einem separaten Hefte zu\ndem billigen Preise von 1 tj% Thaler netto nachfolgen las-\nsen, so dass es Jedem freisteht, entweder dieses Supple-\nment anzuschaffen oder von den citirten Partituren durch\ndirecte Einsicht Kenntniss zu nehmen.\nWas nun die Uebersetzung anlangt, ist dieselbe in\ncorrectem Deutsch geschrieben, ohne Haschen nach feuille-\ntonistischen Phrasen, und trifft bei Vermeidung von Fremd-\nwörtern me i sten t h eils in richtig gewähltem Ausdrucke\nunter Anwendung der gangbaren musicalisch-technischen\nBezeichnungen den Sinn des Originals. Abgesehen von\ndem Leibrock'schen Auszuge, steht auch die Dörffel'sche\nBearbeitung mit der erwähnten Schlesinger'schen Ausgabe\nmindestens in gleichem Range, was sich bei vorhandenem\nRäume leicht ausführlich nachweisen lässt. Um hier nur\nin der Kürze Einiges anzuführen, so heisst es im Original:\nA aueune epoque de l'histoire\nuutant qu'on le fait aujourd'hui de l'lnstrumentation. Diese\nStelle übersetzt Grün bäum: „111 keiner Zeit-Epoche\nder Geschichte der Musik ist so viel die Rede gewesen\nvon der Instrumentation, als heutzutage.\"—Der Ausdruck\n„Zeit-Epoche\" ist ein idem aber keine Ueber-\nsetzung; denn ejpoque = Epoche, vom griechischen\nherzuleiten, heisst im einfachen Sprachgebrauche „Zeit-\nAbschnitt\", d. h. eine näher zu bestimmende Zeit. Man\nhat also bei der Uebersetzung nur die Wahl zwischen dem\nFremdworte „Epoche\" oder dem deutschen Worte\n„Zeit\", kann aber nicht beide zu einem W orte zusam-\nmensetzen. Daher übersetzt Döiffel richtiger, als Griin-\nbaum: „Zu keiner Zeil der Musikgeschichte hat\nman so viel von der Instrumentation gesprochen, als es\nheutzutage geschieht.4* Im weiteren Verlaufe übersetzt\njedoch Dördel „pretexteu etwas frei mit „Unterlage*,\nwohingegen (jrünbaum wörtlicher „Vorwand\" gebraucht\nu. s. w. So finden wir in ähnlicher Weise manche Par-\ntieen bei Dördel besser übersetzt, und manche andere\nwürden wiederum in der Schlesinger'schen Ausgabe vor-\nzuziehen sein.\nDa nun also beide Uebersetzungen in gleichem Range\nstehen, ausserdem aber die Dörffelsche Bearbeitung bei\nschönerer Ausstattung auch vollständiger ist, als die Grün-\nbaum'sche, indem letztere die Abschnitte „Der Orchester-\nDirigent\" und „Neue Instrumente\" gar nicht enthalt,\nund weil endlich bei der grossen Billigkeit auch noch die\nPartitur-Beispiele nach den besten Partitur-Ausgaben her-\ngestellt sind, wie z. B. die Beispiele aus Beethoven nach\nder neuen Ausgabe von Breitkopf und Härtel: so ist es\nwohl leicht zu begreifen, dass die meisten Kritiker mit\nHecht d ie durch lleinze veranlasste Dörffelsche Ausgabe\nhöher stellen, als die durch Schlesinger dem Publicum\nübergebene. Um so sonderbarer finden wir daher, dass\ndie „Allgemeine Musicalische Zeitung44 in Leipzig in Nr.\n15 bei unzulänglichen Angaben von theilweise sogar un-\nrichtig aufgefassten Sätzen, zu denen auch der von der\nerwähnten „Zeit-Epoche\" zählt, zum Nachtheile der\nvorliegenden Bearbeitung behauptet, dass Herr DörfTel\n„vollkommen Französisch verstehe, aber kein gutes Deutsch\nschreibe\", und dass dessen Bearbeitung „entschieden und\nmitunter (?) lief unter der älteren berliner stehe\". „Letz-\ntere,\" so heisst es dort weiter, „von C. A. Grünbaum ver-\nfasst, lag Herrn .DörfTel offenbar vor; wo dieser sie ab-\nänderte, hat er sie nur verschlechtert.\" Gegen die-\nsen persönlichen Angriff verwahrt sie h Herr DörfTel in\nNr, 18 derselben Zeitung und erklärt jene Behauptung\nfür Unwahrheit. Unserer Ansicht nach war diese Verwah-\nrung eigentlich ganz überflüssig, da jeder unbefangene\nLeser sofort den Widerspruch erkennen musste, welcher\nin den Worten liegt, dass Herr Dörfl'el „vollkommen Fran-\nzösisch verstehe\", und hierzu im Gegensatze, dass derselbe\ndie Grünbaum'sche „Uebersetzung\" nur „abänderte*\nund „verschlechterte\", sich also um das französische Ori-\nginal gar nicht besonders kümmerte. Zu der Verwahrung\ndes Herrn Dörfl'el macht die Redaction der Allgemeinen\nMusicalischen Zeitung noch die Bemerkung, dass „im lite-\nrarischen Verkehr das Vorliegen einer früheren Ueber-\nsetzung nicht so verstanden werde, als habe der spätere\nUebersetzer Zeile für Zeile verglichen, sondern nur, dass\ner sie gekannt habe. Damit entfalle zugleich für Herrn\nDörflei der Grund, seine persönliche Ehre angelastet\nzu finden\". Wenn wir auch über die bei genannter lle-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "246", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640730-01.1.6", "texte": "daction nicht ungewöhnliche Begriffsverwirrung hinweg-\nsehen wollten, wo bleibt aber die angebliche „Abände-\nrung\" und „Verschlechterung\"? Warum erwähnt\ndie Redaction diese ehrverletzenden Behauptungen nicht?\nJedenfalls schreiben wir dies, wie alle anderen in die Oef-\nfentlichkeit gelangten Tactlosigkeiten dieser Art, dem Man-\ngel an wissenschaftlicher Bildung zu, durch welche ja erst\nim Vereine mit musicalischer Erkenntniss logisch richtige\no O\nSchlüsse in Bezug auf musicalische Gegenstände ermög-\nlicht werden. Urlheile und Schlüsse, welche sich allein\nauf autodidaktisches Musicantenthum stützen, werden\nauch bei der „besten Gesinnung\" immer unreif und un-\nvollständig bleiben.\nLeipzig.\n\nW.\n\nNachträge und Berichtigungen zu von Küchel’s\nVerzeichnis der Werke Mozart’s\n*)•\nDie leipziger Allgemeine Musicalische Zeitung enthält\nin ihrer Nr. 29 d. J. die von Herrn von Kochel selbst\ngegebenen Nachtrage zu dessen thematischem Kataloge\nder Werke Mozart's.\nDiese Nachträge beziehen sich hauptsächlich auf die\nExistenz Mozart'scher Autographen an verschiedenen\nOrten und geben auch Nachrichten über einzelne, nur\nhandschriftlich vorhandene Compositionen, welche letztere\njedoch nicht von besonderer Bedeutung scheinen. Von all-\ngemeinerem, nicht bloss für die urkundliche Geschichte\nwichtigem Interesse sind folgende Rubriken der Nachträge.\n(Die Nummern beziehen sich auf das von Köchel'sche Ver-\nzeichniss.)\n86. Ant iphone: Quaerite prim\nF. J. Felis führt in der 11. Auflage seiner\nselle des musiciens,T. VI 227 ff. eine von der bekannten\nverschiedene Bearbeitung des Antiphons an, die wirklich\nvon Mozart herrühren und, mit seinem Namen versehen,\nin einem Miscellaneenbuche im Archive der\nfilarmonica zu Bologna sich befinden soll, zugleich mit je-\nner früher bekannten, über welche Mozart das Diploma\nMagistrale erhalten hat; diese letzte sei aber eine Arbeit\nP. Martini's und von Mozart nur abgeschrieben worden.\nDiese Daten rühren von Gaetano Gaspari, Capellmeister\nam Dome zu Bologna, her, der in seinem Discorso „Za\nMusica in Bologna\" nur ganz dunkel sich dabin ausspricht,\nP. Martini sei Mozart bei Erlangung des\nstralebehülflich gewesen, während er in zwei Privatbrie-\nfen die oben erwähnte Meinung aufstellt. Directe Beweise\ndafür kann Gaspari nicht aufführen, ja, nicht einmal wahr-\nscheinlich machen, wie es möglich gewesen sei, die ganze\nKörperschaft der Societa filarmonica selbst unter der ange-\nnommenen Voraussetzung irre zu führen, abgesehen da-\nvon, dass der deutsche Meister Leopold Mozart und sein\nSohn Wolfgang zu einem solchen „inganno innocente' (wie\nGaspari euphemistisch diesen groben Betrug nennt) gewiss\nnicht die Hand geboten hätten.\n87. Mitridate, Re di Oper. Wie Leopold\nvon Sonnleithner bereits in der Caecilia, XXIII, 92, dem\nTextbuche zufolge richtig bemerkte, dass die Oper nicht\nmit der Arie 22: „Gia dagli tolto\", ab-\nschliesse, wie dies in der einzigen damals bekannten un-\nvollständigen Partitur im Conservatoire de musique in Paris\nder Fall ist, sondern mit einem Quintelt: „Non si ceda\nal campidoglio\", so fand es sich auch bestätigt, als ich die\nAbschrift im British Museum in London in dieser Rich-\ntung nachsah. Diese schön geschriebene Partitur wurde\ndem genannten Museum von Mr. Domenico Dragonetti\nvermacht, der als geschickter Contrabassist in London län-\ngere Zeit lebte.\n315 a. 8 Minuette mit Trio für Glavier. Comp.\n*1778. Nach dem Charakter der Handschrift Autograph\nim Besitze von Mr. Eug. Sauzay in Paris (1864, April K.).\n2 Blätter mit drei beschriebenen Seiten, Querformat, zehn-\nzeilig. Ausgabe: keine. Diese acht Tänze waren bis nun\nvöllig unbekannt. Sie sind im Autograph ohne Aufschrift,\nihrer Bewegung nach Minuette mit Trio, mit Ausnahme\nvon Nr. 8, welcher kein Trio, eine abweichende Bewe-\ngung und 18 Tacte hat.—Aus der Behandlung des Basses\nund dem Umstände, dass Mozart bisweilen aus seinen Tanz-\nCompositionen für Orchester einen Clavier-Auszug machte,\nhat man Grund, zu glauben, dass auch diese acht Tänze\nursprünglich für Orchester componirt waren.\n•329. Sonate für Orgel und Orchester. Auto-\ngraph: Im Besitze von Mr. Villot in Paris (1864, Mai K.).\nUeberschrift: „Sonata\".Ausgabe: Keine.\n387. Q ua r tet t Tür Streich-Instrumente. Auto-\ngraph: Im Besitze von Mr. C. W. C. Plowden in London\n(1864. April K.). Ueberschrift: „Quartetto di Wolfgango\nAmadeo Mozart mp. Ii 31 di\n12 Blätter mit 23 beschriebenen Seiten, Querformat, 12-\nzeilig. Mr. C. W. C. Plowden ist der beneidenswerlhe Be-\nsitzer der Autographe nicht nur der sechs Jos. Haydn ge-\nwidmeten Quartette (387, 421, 428, 458, 464, 465),\nsondern auch jener drei, welche dem Könige von Preussen\ndedicirt sind (575, 589, 590), so wie des vereinzelt ge-\nbliebenen Quartetts 499 aus jener Periode; also aller zehn\nPerlen der Quartette Mozart's.\n492. Le No 82e di Figaro. Oper, Autograph: Im\nBesitze von N. Simrock in Bonn, der es von Volkmar\n\n) Vergl. Jahrgang X, Nr. 31 vom 2. August 1862."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "247", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640730-01.1.7", "texte": "Schurig an sich brachte (1864, Mai K.). Das Autograph\nist in zwei Papierbänden gebunden. Die Ueberschrift auf\ndem Papier-Umschlage des I. Bandes, welcher die Acte I.\nund 11. enthält, ist von fremder Hand; die Ueberschrift\nMozart's auf dem 11. Bande lautet: „Fi»aro's Hochzeit,\ndritter und vierter Act, von Mozart.\" Der I. Band enthält\nauf 164 Blättern 322 beschriebene Seiten; der 11. Band\nauf 139 Blättern 265 beschriebene Seiten Querformat,\n10- und 1 2zeilig.— Die trockenen Becitative sind an Ort\nund Stelle eingeschaltet. Die Partitur der Blas-Instrumente\nzu mehreren Nummern ist am Schlüsse auf 13 Blättern\nbesonders geschrieben angehängt.— Das Becitaliv zu Arie\n27 (Figaro: „Tutto e disposto\")ist auf zwei Blättern von\nfremder Hand geschrieben. (Das Autograph davon besitzt\nC. A. Andre.)—Eben so hat eine fremde Hand der ganzen\nOper einen deutschen Text beigefügt. Die Ouvertüre hat\ndie Ueberschrift: „Sinfonia\", und das Tempo: „Prestou\n(nicht Ällegro assai einiger gedruckten Ausgaben).\n620. Die Zauberflöte. Oper. Autograph: In der\nköniglichen Bibliothek zu Berlin (1863, Sept., Espagne).\n\nAus den rheinischen Bädern.\n\nMusicalische Unterhaltungen sind, wie für alle geselligen Ver-\neinigungen, so auch für die Cur- und Vergnügungsgäste in den Bä-\ndern Bedürfniss geworden. Aber es ist schwer, in der Befriedigung\nder Ansprüche eines Bade-Publicums in dieser Beziehung den rech-\nten Ton zu treffen. Die Cursaal-Verwaltung in Ems ist von der\nrichtigen Ansicht ausgegangen, dass für ihr Publicum vorzugsweise\nder heiteren Kunst gehuldigt werden müsse, und desshalb bietet\nsie ihm die komischen Operetten der Franzosen im Original dar, da\ndie französische Sprache ja auch allein das Verständnis des Textes\nbei einer Zuhörerschaft aus allen Nationalitäten vermitteln kann.\nBesonders bringt sie die neuen Buffo-Operetten von Jakob Offen-\nbach, dem Erfinder und Meister dieser Gattung, seit einigen Jah-\nren stets zuerst, und so haben wir denn «in diesem Monate dort\nwieder zwei von seinen Blüetten gesehen, die beide, vorzüglich aber\ndie erstere, überall gefallen werden.\nEms hat kein Theater; für die Aufführungen wird im Cursaale\njedesmal eine allerliebste kleine Bühne improvisirt, welche bei der\nGewandtheit der französischen Truppe (aus Mitgliedern des Theu're\nlyrique und der Bouffes parisiens zusammengesetzt) dem Bedürfnisse\nvollkommen genügt und dem Ganzen mehr den Charakter einer ge-\nselligen Reunion, als eines öffentlichen Schauspiels gibt.\nDie erstere jener beiden einaktigen Neuigkeiten beisst: Le Sol-\ndat magicien. Die Handlung (nach einem älteren Lustspiele) stellt\neine Reihe von komischen Scenen zusammen, die höchst ergötzlich\nsind. Sie dreht sich um den Zwist eines bürgellichen Ehepaares aus\ndem vorigen Jahrhundert und um die Erscheinung eines jungen\nPfeifers, der die Kammerjungfer der Madame liebt. Frau Robin ist\nder Quälereien durch die üble Laune ihres Mannes überdrüssig und\neilt zu einem Advocaten, um sich scheiden zu lassen. Unter der\nZeit kommt Rigobert, ein blutjunges, lustiges Kerlchen, mit seinem\nQuerpfeifchen aus Flandern vom Regimente und umarmt seine Ca-\nroline. Madame kommt zurück, der Soldat wird in ein Oberstübchen\ngesteckt, durch dessen rundes Fenster er ins Zimmer sehen kann.\nDer Advocat, den Madame nicht zu Hause getroffen, hat in seiner\nEitelkeit das Billet, welches sie zurückgelassen, für eine Einladung\nganz anderer Art genommen und rückt erwartungsvoll in Begleitung\neines feinen Soupers heran. Aber Herr Robin schellt plötzlich: man\nspedirt den Advocaten sammt seinem Souper in ein zweites Neben-\nstübchen, das Ehepaar beginnt den häuslichen Krieg von Neuem,\nder lauernde Rigobert verräth sich durch ein Geräusch, tritt aber\ndreist heraus und erbietet sich, vermöge seiner Zauberpfeife dem\nzornigen und hungrigen Hausherrn ein Souper und der unglück-\nlichen Hausfrau einen Advocaten zur Stelle zu schaffen, der ihren\nAntrag auf Scheidung aufnehmen solle. Er hält Wort: Erstaunen\nRobin's, Erklärungen Carolinens, die als echte Soubrette Alles auf\nsich nimmt, dem Advocaten aber höflich die Thür weist und mit\nEinwilligung der Herrschaft den Zauberer in Uniform zum Manne\nwählt.\nDie Musik enthält nicht nur sehr hübsche Melodieen zu den\nCouplets der Caroline und des kleinen Pfeifers (den eine Demoiselle\nAlbreclit ganz vorzüglich sang und spielte), sondern auch mehrere\nStücke von grösserer musicalischer Bedeutung, so dass die Operette\nwohl mit zu dem Besten gehört, was Offenbach geschrieben hat.\nWir rechnen dahin besonders sämmtliche Ensembles, namentlich ein\nTerzett, in welchem die Soubrette besänftigend zwischen das auf-\ngeregte Ehepaar tritt, und vor Allem ein Quintett: „f'a sent la\ntruffeu, welches ein wahres Meisterstück in Erfindung und Charak-\nteristik und in musicalischer Factur ist. Hier und auch in der zwei-\nten neuen Operette zeigt Offenbach, wie geschickt er die Form ca-\nnonischer Imitationen für komische Effecte zu behandeln weiss: er\nhandhabt sie so richtig wie die Alten, aber nicht so steif wie sie.\nDer Ausdruck der verschiedenen Empfindungen, womit die Bethei-\nligten ihr „Es riecht nach Trüffeln\" aussprechen, der eine verwun-\ndert, der andere neugierig, der dritte ängstlich, der vierte mit unter-\ndrücktem Appetit, ist ganz vortrefflich gefärbt. Auch ein folgendes\nQuartett und das Finale sind von einer Leichtigkeit im melodischen\nFlusse und einer Durchsichtigkeit in der Arbeit, welche nur weni-\ngen Componisten unserer Zeit gegeben sind, da die meisten selbst\nin der komischen Oper den Flug der einfachen Melodie, wenn sie\nauch einmal einen guten Anlauf nimmt,' durch gesuchte Harmonie\nund lärmende Instrumentirurig, welche sie als schweres Gewicht\nihren Schwingen anhängen, hemmen und herabziehen.\nDie zweite Operette: „Jeanne qui pleure et Jean qui ritu, ist\nbesonders auf Spiel und Gesang der Hauptrolle berechnet, in wel-\ncher Jeanne und Jean vereinigt sind. Diese Blüette streift mehr als\nder v Soldat magicienü in das Gebiet der Posse hinüber, bringt aber\ndurch die hübsche Musik und das lebendige Spiel auch den ärgsten\nGriesgram zum Lachen vom Anfange bis zum Ende. Abgesehen vom\nSpiele, ist auch die Gesang-Partie der Jeanne nicht leicht und er-\nfordert eine vorzügliche Technik. Fräulein Albrecht war allerliebst\nund neben ihr der Vater des Prätendenten, ein Bass-Buffo von gros-\nsem Talente, vortrefflich.\nAusser diesen scenischen Unterhaltungen sorgt die Verwaltung\nin Ems aber auch für Concerte im Cursaale, und wir haben gefun-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "248", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640730-01.1.8", "texte": "den, dass diese sich vortheilhaft von manchen in anderen Bädern\nunterscheiden, indem ihre Programme nicht so arg kaleidoskopisch\nsind, wie man sie sonst findet. Dass man für das Auftreten berühm-\nter Künstler sorgt, versteht sich von selbst; aber dass man z. B. in\ndem Concerte am 14. d. Mts. ein vollständiges Violin-Concert von\nViotti in allen seinen drei Sätzen mit steigendem Applaus anhörte,\nwelches David aus Leipzig hinreissend vortrug, das dürfte in einem\nBade-Concerte zu den Seltenheiten gehören.\nIn Wiesbaden wohnten wir dem Concerte im Cursaale am\n26. d. Mts. zur Nachfeier des Geburtsfestes des Herzogs von Nassau\nbei, in welchem wiederum David und Alfred Jaell mitwirkten.\nBeide spielten einzeln ein paar von ihren beliebten Salonstücken,\nerregten aber den grössten Enthusiasmus durch den Vortrag der\nKreutzer gewidmeten Sonate von Beethoven. Frau Lern mens-\nSherrington entzückte durch ihre vollendete Technik und Grazie\nim Vortrage einer Arie aus Gounod's Faust und der Bravour-Va-\nriationen aus Adam's Torreador.\nTags vorher hatten wir auf der Durchreise durch Mainz ein\nsehr schönes Concert gehört, welches A. Jaell mit Unterstützung\nvon Frau Fabbri-Mulder, David, Jacquard und N. Rubin-\nst ein zum Vortheil des gelähmten Violoncellisten Kellermann\nveranstaltet hatte. Unter allem Trefflichen, das dargeboten wurde,\nglänzten besonders das Clavier-Trio in C-moll von Mendelssohn\n(Jaell, David und Jacquard), Tartini's „Teufelstriller\" (David) und\nSchumann's Variationen für Pianoforte (Jaell und Rubinstein).\nFrau Fabbri-Mulder ärntete durch den Vortrag von Weber's: „Ocean,\ndu Ungeheuer\", und zweier Lieder von Rieh. Mulder grossen Beifall.\n\nL. B.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nAm 15. Juli feierte Gutzkow sein fünfundzwanzigjähriges\nJubiläum als Dramatiker; es war am 15. Juli 1839, als sein\nchard Savage\" in Frankfurt am Main zum ersten Male zur Darstel-\nlung kam. An dem Feste, das dem Dichter zu Ehren am 15. d. M.\nin Weimar gegeben wurde, betheiligten sich alle, welche die Be-\ndeutung des Dichters für die deutsche Literatur würdigen.' Im Na-\nmen des Vereins für Kunst und Wissenschaft, welcher der Thätig-\nkeit des Jubilars so viel verdankt, überreichten ihm, nach einer\nAnsprache des Dr. Köster, Graf Kalckreuth, Geh. Hofratn Dr. Schöll\nund Dr. v. Schorn einen Lorberkranz.. Auch von anderen Seiten,\naus Weimar nicht minder als aus Berlin, Dresden, Leipzig u. a. 0.\nwaren schriftliche und telegraphische Glückwünsche in gebundener\nund ungebundener Rede, so wie werthvolle Andenken u. s. w. ein-\ngegangen. • ' . ' .\nWien* Bei Gelegenheit einer der letzten Aufführungen von\nMozart's „Figaro's Hochzeit\" macht der' Referent der „Wiener\nRecensionen\" folgenden hübschen Witz: „Die übrige Besetzung war\ndie alte geblieben, was in Bezug auf Figaro und Susanna eine dop-\npelte Bedeutung hat, denn beim Anblicke dieses Brautpaares musste\nman vermuthen, dass im Titel ein Wort ausgelassen sei, da er wohl\nhätte lauten sollen: „Die silberne Hochzeit des Figaro\".\n19. Juli. Gestern hatte der grosse Redoutensaal ein\nglänzendes Publicum zu einem Concerte versammelt, in welchem\nbesonders Alfred Jaell durch Mendelssohn's Concert in Q-moll\n(vollständig) und einige kleinere Stücke (Variationen von Händel\nund eine Bravour-Caprice über den Walzer aus Dinorah), und der\nvortreffliche Violoncellist Cosmann durch einige Salonstücke von\nseiner Composition stürmischen Beifall davon trugen."}]}