{"numero_id": "bm-bmtnabi-1864-08-27-01", "volume": "bmtnabi_1864-08-27_01", "ocr_sha256": "97d6bb4bfa37a78ec631df2df6c047e3fb2af5f527dacf78ff3de7037eab8694", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1864/08/27_01/bmtnabi_1864-08-27_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640827-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1864-08-27-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-08-27_01#c001", "volume": "bmtnabi_1864-08-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "273", "page_fin": "273", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640827-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "273", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640827-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 395, "texte": "Inhalt.\nFelicien David. Biographie. (Schluss.) Von L. B. Gesangfest des Sieg-Rheinischen Lehrervereins zu Brühl am 24.\nAugust 1864. Die Oper Lorelei von Max Bruch. (Aufgeführt in Köln den 25. August.) Tages- und Unterhaltungsblatt\n(Berlin, Theater, Fräulein Lucca, Dr. Gunz Breslau, Deutsches Gesangfest in Reichenberg, Capellmeister Eugen Seidelmann f\nWien, Hof-Musicalienhandlung C. A. 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Nr. 34.)\nDie Zeit sollte indess doch kommen, wo sich für Da-\nvid die Pforten der grossen Oper erschliessen würden. Am\n4. März 1859 erschien die Pracht-Oper „Herculanum\"\nzum ersten Male auf der Scene der ersten Opernbühne\nvon Frankreich.\nWenn wir oben sagten, dass von David's Oper „Das\nEnde der Welt\" nach dem Directionswechsel des\nlyrique nicht weiter die Rede gewesen, so ist das in Bezug\nauf den Titel und das Werk als ein dramatisches Ganzes\nrichtig. Aber David war nicht der Mann, um ein dramati-\nsches Project, von dem er sich ungeheure Wirkung ver-\nsprach, so leicht wieder fallen zu lassen, und so wurde\ndenn, nachdem drei bis vier Poeten die Hand an die Be-\nwältigung und Umarbeitung des Stoffes gelegt hatten, end-\nlich beschlossen, das „Ende der Welt\" aufzugeben und\nsich mit dem Untergange von Herculanum durch den Aus-\nbruch des Vesuvs zu begnügen. Zwar war der Vesuv in\nder grossen Oper nichts Neues; jedoch in der „Stummen\nvon Portici\" war er nur Decoration, jetzt sollte ihm eine\nwirkliche Rolle zugetheilt werden, und damit hoffte man\neinen nie gesehenen Effect zu machen. Die Herren Mery\nund Hadot lieferten das Buch und Felicien David die Mu-\nsik; im Grunde genommen wurde Alles, Handlung, Poesie\nund Musik, nur auf die Decorationen gemacht, und damit\ndas „Ende der Welt\" nicht ganz umsonst projectirt, ge-\ndichtet und componirt worden sei, wurde der Untergang\nHerculanums als ein Strafgericht des Himmels dargestellt,\nwelches die sündige Bevölkerung dieses zweiten Sodom\noder Gomorrha durch ihr üppiges Leben auf sich herab-\ngezogen habe. Schwelgerische Orgien waren zur Darstel-\nlung der frevelhaften Wirthschaft in der heidnischen Stadt\nwillkommen, aber da ein Strafgericht über die Sünder doch\neigentlich eine christliche Idee ist, so musste das Christen-\nthuna in die Oper hineingebracht werden, und es erhielt\nin dem liebenden Paare Helios und Lilia seine Repräsen-\ntanten, und am Ende kommt auch noch der Teufel in\nPerson dazu, dem „der göttliche Wille das sündige Volk\nüberantwortet hat\", und der dann durch seine Maschi-\nnisten den Untergang in Scene setzt. Als verständiger Dra-\nmaturg führt er sich aber nicht so plump wie Mephisto\nein, sondern orts- und zeitgemäss als römischer Proconsul.\nDas geht so zu. Der wirkliche Proconsul lästert Gott,\nworauf der Blitz ihn in die Erde hinein schlägt und damit\nden „Satan\" befreit, der „ein Jahrhundert lang da unten\ngefesselt lag\", jetzt aber aus demselben Loche, welches\nder Donnerkeil geschlagen, heraufsteigt, den Purpurman-\ntel, den der Proconsul mitzunehmen vergessen hat, um\nseine Schultern schlägt und triumphirend ausruft: „Jetzt\nbin ich Proconsul!\" Dies nur ein Pröbchen von dem\nUnsinn, der in diesem Drama die Hauptrolle spielt.\nDoch nein, die Hauptrolle spielen die Decorationen.\nUm auch den orientalischen Luxus vereint mit dem römi-\nschen anbringen zu können, wird eine Königin Olympia\nvom Euphrat her eingeführt und die Handlung spielt\ngrösstentheils im ägyptischen Viertel von Herculanum. Die\ndecorativen Gemälde und ihre Beleuchtung erheben sich\nin der That zu Kunstwerken. Da sie in dieser Zeitschrift\nim Jahrgange von 1859, Nr. 51, bereits ausführlich ge-\nschildert sind, so verweisen wir die Leser darauf und er-\nwähnen hier nur summarisch, dass der erste Act einen\ndreifachen Prospect öffnet, im Vordergrunde eine etruski-\nsche Säulenhalle und eine Allee von Sphinxen, im Mittel-\ngründe den Hafen mit zahlreichen Masten, von denen pur-\npurne Velaria bis zum Fries der Säulenhalle gespannt\nsind, im Hintergrunde das Meer und aul den ansteigenden\nHöhen Villen und Tempel. Der zweite Act zeigt ein Fel-\nsenthal, Gräber christlicher Märtyrer u. s. w., der dritte\ndie Gärten der Königin, in der Ferne Neapel und seinen"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "274", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640827-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5251, "texte": "Meerbusen; der vierte spielt unter immerwährendem Erd-\nbeben, Aschenregen und Lavaströmen vom Vesuv herab.\nEs ist nothwendig, diese Aeusserlichkeiten zu skizzi-\nren, um begreiflich zu machen, was die Musik bei solchen\nSchaustellungen für eine Rolle spielt. Grösstenteils ist\ndiese Rolle nur eine begleitende, und David leistet in die-\nsem Genre Vorzügliches; doch hatte er sich in Schilderun-\ngen in allen seinen früheren Werken—es waren fünfzehn\nJahre seit der Composition der „Wüste\" verflossen be-\nreits so ausgeschrieben, dass er jetzt zu denjenigen Hülfs-\nmitteln greifen musste, welche das neuere Orchester mit\nEinschluss der Monstre-Instrumente von Sax, des Tamtam,\nder Riesen-Opbikleide u. s. w. zum Zwecke theatralischen\nLärms darbietet. Aufrichtig zu sprechen, war so ziemlich\nalles, was bei dem Schaugepränge musicirt wurde, gleich-\ngültig; der Standpunkt Weber's, der zu dem Spuk in der\nWolfsschlucht noch wirkliche und ausdrucksvolle Musik\nschrieb, ist längst überwunden, und so bleibt denn auch\nDavid's Musik da, wo sie nur die Decorationen begleitet,\nund namentlich auch im vierten Acte, weit hinter seinen\nfrüheren pittoresken Instrumentalsätzen zurück. Doch dür-\nfen wir, um gerecht zu sein, nicht vergessen, dass aus dem\nWüste des vierten Actes eine einzige Nummer wie eine\nerquickende Oase hervorragt, das Duett von Helios und\nLilia, die sich dem Martyrertode weihen; dies hat melo-\ndischen Schwung und athmet Wahrheit der Empfindung.\nEs ist jedenfalls das beste Musikstück in der ganzen, un-\nendlich langen Oper. Nächst ihm hat die Musik zum er-\nsten Acte, dessen Finale eine Orgie im Palaste der Kö-\nnigin Olympia bildet, den meisten Werth, jedoch auch\nnur relativen im Vergleich zu den anderen Acten.\nDer ausserordentliche Erfolg dieser Oper bei dem\ngrossen Publicum war für Felicien David von Bedeutung;\ner vergrösserte zwar seinen Ruhm als Componist nicht,\naber er verschaffte ihm reichliche Einnahmen, die ihm\neine behagliche Existenz sicherten. Erklären wird man sich\ndiesen Erfolg die Oper musste lange Zeit hindurch fast\njede Woche drei Mal gegeben werden—durch alles oben\nGesagte, zumal wenn man hinzunimmt, dass Roger, da-\nmals noch seiner Stimme und seines Armes mächtig, darin\nsang und die bewunderte Emma Livry darin tanzte, die\nspäter das beklagenswerthe Opfer der Flammen wurde,\ndie ihre Kleider ergriffen. Auch bei einer der Vorstellun-\ngen von Herculanum in der zweiten Woche nach der er-\nsten Aufführung entstand Brand, indem die Vorhänge von\nschwarzer Gaze, welche die dunkle Aschenwolke dar-\nstellten, die sich vor dem Ausbruche des Vesuvs über die\nStadt verbreitet, Feuer fingen, das glücklicher Weise sich\nmit dem blitzschnellen Auflodern dieses ätherischen Stoffes\nbegnügte.\nDie Oper hielt sich das ganze Jahr 1859 hindurch\nund noch länger auf dem Repertoire, und doch hatte sie\ndie Concurrenz von Gounod's „Faust\", dessen erste Vor-\nstellung am Theätre lyriquein denselben Monat, den 19.\nMärz, fiel, und von Meyerbeer's\n(Dinorah), zum ersten Male am 4. April in der Opera co-\nmique gegeben, zu bestehen. Von beiden war die Neben-\nbuhlerschaft der letzteren Oper die gefährlichste, indem\nGounod's „Faust\" damals bei Weitem nicht den Erfolg\nhatte, den er nachher in Deutschland und seitdem auch\nin Paris gefunden hat, bei der „Dinorah\" aber der grosse\nName des Meisters allein schon seine besondere Zugkraft\nübte und auch die Direction der komischen Oper für die\nSchaulust durch die Ausstattung mit wirklichen Wasser-\nfällen, Brücken-Einsturz und dergleichen mehr, endlich\nfür die Liebhaber der Thierdressur sogar durch eine wobl-\ngeschulte Ziege gesorgt hatte.\nTrotzdem ist „Herculanum\" auch in der letzten Sai-\nson (1863 —1864) auf Befehl des Kaisers wiederum in\nScene gesetzt worden und hat in wiederholten Vorstellun-\ngen das Haus gefüllt, freilich mehr der Decorationen als\nder Musik wegen.\nVielleicht fühlte Felicien David selbst, dass der grosse\nOpernstil doch nicht so recht seine Sache sei; er suchte\ndaher wieder nach einem Stoffe, bei dessen musicalischer\nBearbeitung er sich mehr in seinem Elemente fühlte, und\nglaubte diesen in Thomas Moore's Lalla Rookh zu finden.\nDie Herren Michel Carre und Hippolyt Lucas machten\nihm daraus ein Opernbuch zurecht, er componirte es mit\nNeigung und Lust, und am 12. Mai 1862 ging Lalla\nRookh, Oper in'zwei Acten, auf dem Theater der komi-\nschen Oper in Scene.\nDas Buch hat freilich den grossen Fehler, dass es fast\nnur Gelegenheit zu lyrischen Ergüssen in Romanzen und\nDuetten gibt, eine eigentlich dramatische Handlung aber\nganz und gar fehlt, mithin der Componist Gefahr läuft,\nsich zu wiederholen und monoton zu werden. Der pariser\nCorrespondent dieser Zeitschrift hat in Nr. 21 vom 24.\nMai des Jahrgangs 1862 eine Schilderung des Inhalts\ngegeben, auf welche wir verweisen. Uebrigens hat die\nOper auch nach Deutschland bald ihren Weg gefunden,\nist an mehreren Bühnen, vor Kurzem auch auf dem Stadt-\ntheater in Köln, gegeben und dadurch bekannter gewor-\nden. Nach der „Wüste\" ist diese Oper wieder die erste\nComposition David's, welche die Gränzen Frankreichs über-\nschritten hat. Sie hat in Paris gleich bei den ersten Vor-\nstellungen Erfolg gehabt, sich auf dem Repertoire erhalten\nund auch in der letzten Saison eine zweite Reihe von Auf-\nführungen erlebt."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "275", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640827-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5433, "texte": "Auch in Deutschland hat sie eine gute Aufnahme ge-\nfunden, im Ganzen eine bessere, als die etwas strenge\nKritik unseres pariser Correspondenten erwarten liess,\nwiewohl in den Grundzügen seiner Beurtheilung wohl Je-\nder mit ihm übereinstimmen wird. Die deutschen musica-\nlischen Kritiker lassen im Allgemeinen der französischen\nund italiänischen Musik der Neueren zu wenig Gerechtig-\nkeit widerfahren. Wie lange hat es gedauert, ehe sie so-\ngar grosse Genie's, wie Rossini und Auber, anerkannten!\nWir werfen den Franzosen ihre Oberflächlichkeit, ja, Un-\nwissenheit in den Dingen, die das Ausland betreffen, und\nihre Eitelkeit auf das Ihrige vor: allein in Bezug auf die\nTonkunst übertreiben wir Deutschen einen gerechten Stolz\nbis zur Geringschätzung des Ausländischen, und vergessen\nnur allzu oft den Respect, den man der Nationalität schul-\ndig ist, was für uns, die wir überall zu Hause sind und\nan universaler Bildung den romanischen Nationen für\nüberlegen gelten, ein weit ärgerer Vorwurf ist, als der-\nselbe Fehler ihn bei diesen verdient. Besonders ist es die\nleichtere Gattung der Musik, wie sie die komische Oper\ndarbietet, welche die deutsche Kritik selten vorurtheilsfrei\nwürdigt, da jene doch verlangen kann, dass man sich auf\nden nationalen Standpunkt ihrer Componisten stelle und\nfranzösische oder italiänische Musik nicht mit deutscher\nElle messe. Wir sollten, um gerecht zu sein, die Italiäner\nund Franzosen gerade dann am meisten schätzen, wenn\nsie Italiäner und Franzosen bleiben. Warum hat Rossini\naufgehört, zu schreiben? Weil er einsah, dass nach dem\nErfolg seines Wilhelm Teil, wenn er in demselben Stile\nfortführe, er nicht mehr Italiäner bleiben könne.\nDie Musik David's ist in der Oper Lalla Rookh vor-\nwiegend anmutbig und einnehmend, selbst die grösseren\nEnsembles, oder richtiger gesagt, das Finale des ersten\nActes, denn es ist dieses das einzige von bedeutenderem,\naber immer noch mässigem Umfange, erhält seinen Reiz\nnicht durch die Verwebung verschiedener charakteristi-\nscher Motive und harmonische Arbeit, sondern durch\neine liebliche Sopran-Melodie, welche hinter den Coulissen\nsich über dem Männerchor, der sich auf der Vorscene be-\nfindet, leicht emporschwingt. Das melodische Element\nherrscht durchweg vor, und das ist offenbar ein Vorzug,\nda es den Componisten niemals zum Trivialen hinabzieht;\nwenn auch seine Weisen nicht die Tiefen des Gemüthes\naufregen, so schmeicheln sie sich doch durch natürlichen\nFluss und schmelzenden Charakter ein, zumal da eine Be-\ni\ngleitung des Orchesters hinzukommt, welche ihre Wirkung\nebenfalls wieder der geschickten Verwendung einzelner\nInstrumente zu melodischen Arabesken, die sich um den\nGesang schlingen, verdankt. Diese seine Behandlung des\nOrchesters, welches, überall klar und durchsichtig, die\nSingstimme niemals deckt, geschweige denn übertönt, un-\nterscheidet David's Musik gar sehr zu ihrem Vortheil von\nden meisten neueren Producten der Franzosen für die ko-\nmische Scene, welche sich immer mehr von der schönen\nEinfachheit der älteren komischen Oper entfernen und das\nOrchester der grossen Oper mit seinem ganzen Lärm-Ap-\nparat in die Spiel-Oper hineintragen. Es zeugt mithin die\nOper Lalla Rookh von dem richtigen Tacte David's, der\nihn bewog, sich aus der musicalischen Teufelskücbe und\ndem Donnergebrause der Erdbeben-Musik zu retten und\nzu dem, was er orientalisches Colorit nennt, zurückzu-\nkehren.\nNun ist es aber doch eine eigene Sache um dieses\nColorit, welches er allerdings —er mag sich dabei gedacht\nhaben, was er wolle in der Weise, wie er es sich ge-\ndacht, festgehalten und durchgeführt hat. Eine blumen-\nduftige Atmosphäre, thauige Nächte mit goldenem Stern-\ngeflimmer am tiefblauen Himmel, Gesang beim Mondlicht\nauf Rosengefilden das kann man mit einiger Phantasie\nalles in Lalla Rookh finden; aber Personen, interessirende\noder gar fesselnde Gestalten, sucht man vergebens, und\nweil diese nicht da sind, so fehlt auch die Verwicklung\nihrer Schicksale, die spannende Handlung, die dramati-\nschen Situationen. Davon trägt allerdings das Buch die\nHauptschuld, aber auch der Componist erscheint wie ein\nMaler, welcher über seiner Meisterschaft in der Farben-\ngebung die Zeichnung vernachlässigt oder ganz und gar\nvergessen hat. Die Wiederholung einer und derselben\nEmpfindung in einer Reihe von lyrischen Gesängen veran-\nlasst bei allem Reiz der Melodie und der Instrumentirung\ndoch eine gewisse Ermüdung des Zuhörers durch Mono-\ntonie. Wohl haben Dichter und Componist das Bedürf-\nniss der Abwechslung der Stimmung gefühlt, aber das\nMittel, welches sie gegen das Einerlei angewandt haben,\nverfängt nicht, denn die Episoden, welche das Komische\nin die Handlung bringen sollen, dessen Repräsentant der\nReisemarschall und Haremswächter Baskir ist eine aus\netwas Seneschall im Johann von Paris und Osmin in Mo-\nzart's Entführung aus dem Serail zusammengesetzte Fi-\ngur —, diese Episoden sind auch musicalisch am wenig-\nsten gelungen.\nNach dieser Oper haben wir bis heute von keinem\nneueren Werke David s gehört. Wohl finden wir auf den\nConcert-Programmen von Paris in der letzten Saison Auf-\nführungen einer Sinfonie verzeichnet, jedoch ist dies wahr-\nscheinlich eine frühere Composition. Als solche der frühe-\nren Periode angehörige Werke sind ausser den schon er-\nwähnten zwei Sinfonieen u. s. w. noch von Felicien David\nerschienen: 1. Vierundzwanzig Quintette für zwei Vio-\nlinen, Alt, Violoncell und Contrabass, unter dem Titel:\n\n[1"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "276", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640827-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 542, "texte": "Les quaire Saisons;jede Reihe:\ntemps, Les Soirees d'eteu. s. w., enthält sechs Quintette\n(Paris, bei Escudier, Mainz, bei Schott). 2. Zwölf Me-\nlodieen für das Violoncell. 3. Einige kleine Stücke für\ndas Pianoforte. 4. Les Brises d'Orient, Sammlung von\nLiedern ohne Worte, und 5. ebenso, für\nPianoforte. Für eine Singstimme: 6. Les Perles d'Orient\nund viele einzelne Romanzen und Lieder.\nFelicien David ist Ritter der Ehrenlegion und wohnt\nin Paris; er kommt wenig in Gesellschaft, ist nicht sehr\nmittheilsam und lebt nur der Tonkunst.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-08-27-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-08-27_01#c003", "volume": "bmtnabi_1864-08-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "276", "page_fin": "278", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640827-01.2.3", "titre_corps": "Gesangfest des Sieg-Rheinischen Lehrervereins zu Brühl am 24. August 1864.", "titre_sommaire": "Gesangfest des Sieg-Rheinischen Lehrervereins zu Brühl am 24. August 1864.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "276", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640827-01.1.4", "debut_caractere": 544, "fin_caractere_exclue": 4815, "texte": "Gesangfest des Sieg-Rheinischen Lehrervereins zu\nBrühl am 24. August 1864.\nDer Sieg-Rheinische Lehrerverein hat unter der eifri-\ngen Fürsorge seiner Stifter und Leiter, des Pfarrers We-\nber zu Grav-Rheindorf bei Bonn und Musik-Directors\nTöpler am Lehrer-Seminarium zu Brühig seit dem Jahre\n1850 seine verdienstlichen Bemühungen um die Wieder-\nbelebung des mehrstimmigen Gesanges ohne Begleitung\nin der katholischen Kirche mit Ausdauer fortgesetzt, und\ndiese Ausdauer seines Strebens ist allein schon rühmens-\nwerth in einem Zeitalter und bei einem Geschlechte, das\nvor lauter buntem Wechsel und heisshungeriger Sucht\nnach Neuem kaum noch fähig ist, ein und dasselbe Ziel\nJahre lang im Auge zu halten. Wenn wir vor einigen\nJahren in einem Berichte über das Gesangfest in Brühl\nsagten, dass nur die Erfahrung die Frage über die Mög-\nlichkeit der Wiedereinführung des Kirchengesanges\npella entscheiden könne, indem selbst die überzeugendsten\nGründe für dieselbe die Schwierigkeit der Ausführung\nnicht hinwegbeweisen könnten und die ganze Sache an\ndieser Schwierigkeit scheitern würde, so haben die Ge-\nsänge, welche alljährlich bei dem Vereinsfeste zu Brühl in\nder Kirche in Verbindung mit dem Gottesdienste ausge-\nführt wurden, allerdings einen Beweis dessen geliefert, was\ndurch treffliche Lehrweise und andauernde Hebung er-\nreicht werden kann. Allein gerade diese Resultate bestäti-\ngen unsere Ansicht. Man bedenke nur die. Zeit, welche\nauf die Einübung gewandt wird, und man wird sogleich\neinsehen, dass dasselbe, was hier, auch nur quantitativ ge-\nnommen, für ein Mal erzielt ist, ganz andere Verhältnisse\nbedingt, wenn es bei dem regelmässigen Gottesdienste an\nSonn- und Feiertagen angewandt werden soll. Dann be-\nachte man zweitens die Stufe der Technik, Vortrag und\nAusdruck mit einbegriffen, welche durch die löblichsten\nAnstrengungen bis heute erreicht ist, und man wird bei\naller Befriedigung, ja, theilweisem Erstaunen über das\nGeleistete, dennoch immer noch viel von den Forderungen\nvermissen, welche schon vor Jahren einer der tüchtigsten\nKenner der katholischen Kirchenmusik und der aufrichtig-\nsten Vertreter der Wiederbelebung derselben für den Got-\ntesdienst in dieser Zeitschrift an das Verständniss und den\nVortrag jener alten Kirchengesänge gestellt hat. Wir müs-\nsen also immer wieder darauf zurückkommen, dass, so\nlange sich die Geistlichkeit oder die Gemeinden nicht zu\nder Aufbringung von Mitteln zur Gründung von Chor-\nschulen (Maitrisen) unter tüchtigen Gesanglehrern und\nDom-Capellmeistern entschliessen, die Einführung des Kir-\nchengesanges a capella zu den frommen Wünschen gehö-\nren wird.\nFür das diesjährige Fest wurden eingeübt:\n1. Introitus. Gaudeamus,einstimmig.\n2. Kyrie,vierstimmig, von Orlandus Lassus.\n3. Gloria,ebenso, von demselben.\n4. Beim Graduale Psalm Laetatus sum, vierstimmig,\nvon Adrian Willaert.\n5. Credo,vierstimmig, von Orl. Lassus.\n6. Vor der Predigt: „Wach' auf!\" ebenso.\n7. Offertorium. Ave Maria, ebenso.\n8. Sanctus,ebenso.\n9. Nach der Wandlung: 0 Crux, ave, sechsstimmig,\nvon Orl. Lassus.\n10. Agnus Dei,vierstimmig, von demselben.\n11. Communio, wie 1.\n12. Sicut lilium,vierstimmig, von Antonio Brü-\nmel. (Antony Brumel, ein Niederländer, Schüler von\nOkenhem und Zeitgenosse von Josquin des Pr£s, blühte\num 1490. Ein Laudate Dominum von ihm steht im zwei-\nten Bande von Forkel's Geschichte der Musik. Ebendaselbst\nfindet sich auch von ihm ein kleines, fünfzeiliges Duett\nvon lauter canonischen Nachahmungen.)\n13. Nach der h. Messe: Laudate nomen Domini, für\nzwei viertimmige Chöre von Caesar de Zachariis aus\nCremona (um 1590 —l6OO zu München).\nNur die einstimmigen Chöre Nr. 1 und 11 wurden\nmit der Orgel (vom Herrn Seminarlehrer Hoffmann ge-\nspielt) begleitet, alle übrigen a capella gesungen, und zwar\nNr. 4 und 7 von dem Männerchor, die anderen Nummern\nvom gemischten Chor. In dem letzteren vertraten den So-\npran und Alt 260 Kinder, Knaben und Mädchen, aus den\nElementarschulen von 18 Dörfern und dem Städtchen\nBrühl; Tenor und Bass sangen die Lehrer des Vereins und\ndie Zöglinge des Seminariums in Brühl.\nWas die Wahl der Gesänge betrifft, so kann man\nden Standpunkt nur billigen, von welchem aus Herr Mu-\nsik-Director Töpler eine Messe von kleinerem Umfange\nund geringerer Schwierigkeit gewählt hat, „um es mög-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "277", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640827-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5331, "texte": "lieh zu machen, dass die Herren Lehrer die auf dem Ge-\nsangfeste ausgeführten Gesänge wenigstens theilweise auch\nin ihren heimatlichen Kirchen mit beschränkteren Kräften\nexecutiren können\", wie es im Vorworte zu dem Lieder-\nhefte für 1864 heisst. Herr Töpler hat diese kleine Messe\nvon Orlandus Lassus bei seinem Aufenthalte in Regens-\nburg der reichen Bibliothek des seligen Canonicus Proske\nentlehnt. Sie ist in neueren Drucken nicht vorhanden, eben\nso wenig die beiden Psalmen: von Adrian\nWillaert (Nr. 4) und Laudate von Caesar\nde Zachariis, ferner das Sicu von Briimel (Nr.\n12), welches aus einem Codex von 1557 stammt, und\ndas Ave Maria von Lassus (Nr. 7), welche Stücke aus\nderselben so eben genannten Quelle geschöpft sind*); doch\nist das Ave Maria jetzt im VII. Bande der\nvon Franz Commer gedruckt. Dieser vortrefflichen\nSammlung sind auch das „Wach' auf!\" (Band VI) und\nCruz ave(Band VIII) von Lassus entnommen.\nIst nun aber dieser Standpunkt praktischer Zweck-\nmässigkeit und setzen wir hinzu angemessener Be-\nrücksichtigung der vorhandenen Kräfte auch bei den übri-\ngen Gesangstücken, nicht bloss bei der kleinen Messe, fest-\ngehalten worden? Hierauf können wir nur mit Nein ant-\nworten. Der alte römische Spruch, wohl zu prüfen,\nQuid valeant humeri, quid ferre recusent,\nist unserer Meinung nach zu wenig beachtet worden, und\nwir stehen in dieser Meinung nicht allein, sondern haben\nviele Zuhörer, auch mehrere Geistliche, dieselbe Ansicht\naussprechen hören. Wenn die vierstimmige Messe von\nLassus wegen der darin vorherrschenden homophonen\nSchreibweise dem Zwecke der Bestrebungen des Vereins\nund zugleich den Kräften, die zur Ausführung zu Ge-\nbote stehen, entspricht, erscheinen manche der mehr con-\ntrapunktisch gearbeiteten Stücke, z. B. das\nvon Lassus und vollends der Psalm für zwei vierstimmige\nChöre von de Zachariis, viel zu complicirt und schwierig,\nHerr Töpler zeigt durch seine Bemerkungen im Vorworte:\n„Die Stimmen übe man zuerst einzeln, und zwar so, dass\nnach der speciellen technischen und geistigen Vorbe-\nreitung grössere Theile des Stückes wiederholt zusam-\nmenhangend und ausdrucksvoll gesungen werden, da-\nmit alsdann beim Zusammensingen der selbständige\ndeclamatorische Vortrag einer jeden Stimme\nmöglichst zu Tage trete; denn Letzteres ist ja bei der Aus-\nführung älterer Gesang-Compositionen ein wesentliches\nErforder niss\" und durch seine sehr detaillirten An-\ngaben der Ausdrucks-Nuancen in den gedruckten Stim-\nmen, dass er den Vortrag bei der Ausführung dieser\nMusikgaltung für wesentlich hält. Erscheint aber dabei\nden geringen Grad der Empfänglichkeit der in Wirklich-\nkeit vorhandenen Ausführenden ganz verkannt oder über-\nsehen zu haben, sonst müsste er doch zugeben, dass die\nSchulkinder aus den Dörfern mit der mechanischen Bewäl-\ntigung der Reinheit der Intonation und der Festigkeit im\nTacte vollauf und übergenug zu schaffen haben, um dar-\nüber hinaus zu gehen, und dass bei ihrem Alter und der\nStufe allgemeiner Bildung, auf welcher sie stehen, von der\nWirkung einer „geistigen\" Vorbereitung kaum die Rede\nsein könne, und dass nicht bloss den Kindern, sondern\nauch den Lehrern gegenüber die Forderung „eines selb-\nständigen declamatorischen Vortrages einer jeden Stimme\"\neine so hoch gestellte, ja, ideale sei, dass selbst ein Chor\nvon wohlgeschulten und mit lauter schönen Stimmen be-\ngabten Sängern von Fach das grössteLob verdienen würde,\nwenn er sie nur annähernd erfüllte! Was wird durch die\nmühevollste Einübung so schwieriger polyphoner Stücke\nerreicht? Präcision und die im Ganzen auch richtige In-\ntonation, deren wohllautende Beinheit aber durch die\nnatürliche Schönheit der Stimme, wejehe bekanntlich sel-\nten ist, bedingt wird, können Anerkennung des Fleisses\nund selbst Verwunderung über das materielle Besultat\ndesselben erregen: aber von einer Vergeistigung des In-\nhalts der Partitur, von künstlerischem, aus der Seele drin-\ngenden Vortrage, als dem Wesentlichen bei der Sache,\nkann doch nicht entfernt die Rede sein, und wir können\nnicht glauben, dass Herr Töpler selbst z. ß. die Ausfüh-\nrung des achtstimmigen Psalms Nr. 13, wie sie nach un-\nendlicher Mühe nun beim Eeste Statt fand, für Ges ans\n• C\nhalten sollte. Grössere Einfachheit und Leichtigkeit der\nAusführung sollten, meinen wir, die Haupt-Eigenschaften\nder für den Verein zu wählenden Gesangstücke sein.\nSollen wir uns nun über den Ivunstwerth der vorge-\ntragenen Gesänge aussprechen, so müssen wir offen ge-\nstehen, dass wir nur in einigen derselben jenen musicali-\nschen Gehalt gefunden haben, der unmittelbar zum Ge-\nfühle spricht und die Seele zur Andacht erhebt. Dazu\nrechnen wir in der Messe von Lassus das\nest mit der schönen Harmonie auf et homo factus est (wo-\nbei wir, beiläufig gesagt, die Bezeichnung: „etwas ge-\nschwinder\", nicht gerechtfertigt finden, da sie den Aus-\ndruck des Wunderbaren eher schwächt, als verstärkt',\nworauf aber das Crucißxus sehr abfällt; ferner das Sanc-\ntus und das Agnus Dei. Von den übrigen Stücken schien\nuns das „Sicut lüium inter s\nfilias\" von Anton Brümel die Perle von allen zu sein;\nnächstdem das Ave Maria von Lassus. Beide, das Sicut\nlüium (für Sopran, Alt, Tenor und Bass; und das\n\n*) Das Liederheft für den Sieg-Rheinischen Lehrer-Gesang-\nverein für 1864 ist in der M. DuMont-Sehauberg'schen Buchhand-\nlung in Köln und bei Max Cohen in Bonn zu haben."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "278", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640827-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2036, "texte": "Maria (für zwei Tenöre und zwei Bässe) wurden auch am\nbesten und ausdrucksvollsten gesungen.\nUeber den fast unbekannten Anton Brümel haben wir\nbereits oben in einer Parenthese eine Notiz aus Gerber's\nTonkünstler-Lexicon gegeben; wir ergänzen sie noch durch\nFolgendes aus Biographie\nAntoine Brümel oder Bromel, im französischen\nFlandern geboren, war ein berühmter Componist und lebte\nam Ende des XV. und in der ersten Hälfte des XVI. Jahr-\nhunderts. Eine Defloration (Klage) über Ockeghem's(Ocken-\nheim's) Tod von Guillaume Crespel nennt ihn mit Agricola,\nVerbonet, Prioris, Josquin des Pres, Gaspard und Comp&re\nunter den Schülern jenes Meisters. Man weiss nichts von\nden Lebensschicksalen Brümel's, als dass sein Name seit\ndem Anfange des XVI. Jahrhunderts in Italien grosse Be-\nrühmtheit erlangt hatte. Glareanus zählt ihn zu den ge-\nschicktesten Componisten seiner Zeit, und F6tis setzt hinzu:\n„Was wir von ihm kennen, offenbart in der That ein\naussergewöhnliches Talent für die Zeit, in welcher er\nschrieb. Seine Modulation ist natürlich, die Stimmführung\nleicht und ungezwungen, sein Stil hat weniger Gesuchtes,\nals der von Josquin, und seine Harmonie ist voller.\"\nHierauf gibt er ein Verzeichniss seiner theils in alten\nDrucken, theils in Handschriften auf verschiedenen Biblio-\ntheken noch vorhandenen und bis jetzt aufgefundenen\nWerke: 5 vierstimmige Messen, gedruckt Venedig,\n1503, mit gothischen Lettern, ein vollständiges Exemplar\nauf der kaiserlichen Bibliothek zu Wien.— 3 vierstim-\n%\nmige Messen (unter ihnen die vortreffliche\ngine) in einer Sammlung von 15 Messen, Rom, 1519\nmax., ein Exemplar auf der Bibliotheque Mazarine.— Eine\nzwölfstimmige Messe: Et eece terrae motus, handschriftlich\nauf der königlichen Bibliothek zu München. Viele Mo-\ntetten und einzelne Gesänge u. s. w., wie bei F&is weiter\nnachzusehen. Das oben angeführte canonische Duett bei\nForkelist wahrscheinlich aus der Sammlung: Bieinia gal-\nlica, latina et germanica et qua\n1545, genommen; das Laudate Dominum aus: Motetti\ndella Corona, Venedig, 1514."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-08-27-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-08-27_01#c004", "volume": "bmtnabi_1864-08-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "278", "page_fin": "279", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640827-01.2.4", "titre_corps": "Die Oper Lorelei von Max Bruch.", "titre_sommaire": "Die Oper Lorelei von Max Bruch.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "278", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640827-01.1.6", "debut_caractere": 2038, "fin_caractere_exclue": 5182, "texte": "Die Oper Lorelei von Max Bruch.\n(Aufgeführt in Köln den 25. August.)\nEmanuel Geibel hat im Jahre 1846 ein Opernbuch\nunter dem Titel: „Die Lorelei\", geschrieben, welches\nbekanntlich für Felix Mendelssohn-Bartholdy bestimmt\nwar. Mendelssohn hat sich auch im Jahre 1847, während\nseines Aufenthaltes zu Interlaken in der Schweiz, mit der\nComposition desselben beschäftigt und das Finale des er-\nsten Actes die grosse Scene, in welcher sich Leonore\nden Rheingeistern weiht vollendet. Wahrscheinlich hat\nihn das Elfen- und Geisterhafte in dieser Scene am mei-\nsten angezogen, ein Element, in welchem er sich gern\nbewegte, vielleicht aber auch, dass er sich mit Vorliebe\ndem Oratorium „Christus\", welches er in derselben Zeit\nbegann, zuwandte. Leider sollte er keine von diesen bei-\nden Arbeiten vollenden, da ihn schon im Herbste desselben\nJahres der Tod dahinraffte. Danach erschien Geibel's\nOperngedicht im Verlage von C. Rümpler in Hannover,\naber mit der Verwahrung des Dichters gegen jede Com-\nposition desselben. Die bindenden Verhältnisse, welche diese\nVerwahrung veranlassten, sind erst in den letzten Jahren\ndurch zuvorkommende Weise aller dabei Betheiligten zu\nGunsten des Componisten gelöst worden, und eben so hat\nGeibel den Wünschen desselben in Bezug auf die Einrich-\ntung des Buches u. s. w. gewillfahrt—ein Einverständniss\nzwischen Musiker und Dichter, das zum Gelingen eines\nOpernwerkes durchaus nothwendig ist, aber leider in\nDeutschland nur zu oft von beiden zu wenig berücksich-\ntigt wird.\nWir können denjenigen unter den Zuschauern, welche\nbei den Aufführungen der Oper zu Mannheim (deren zweite\nnach dem Erfolge der ersten einen wahren Congress von\nKünstlern versammelt hatte) zwar von der Musik, wie Alle,\nbefriedigt, ja, ergriffen waren, aber gegen das Buch Man-\nches zu erinnern hatten, in diesem letzteren Punkte nicht\nbeistimmen. Der Dichter hat die Freiheit, die Sage, die ja\nselbst nur ein Kind der Phantasie ist, nach seiner Weise\nzu gestalten; Geibel hat die Rheinnixe auf der Lurlei als\neine von dem Geliebten betrogene und durch ein Bündniss\nmit der dämonischen Gewalt der Wassergeister Strafe des\nUngetreuen suchende Jungfrau dargestellt. Das Buch hat\nden grossen Vorzug vor vielen anderen, dass auch ohne\nDialog, da die Oper nach Art der grossen Opern mit Re-\ncitativen geschrieben ist, das Verständniss der Handlung\nsich aus dieser selbst leicht und klar entwickelt. Dabei ist\nfür dramatische Situationen und für lyrische Ergüsse der\nEmpfindung reichlich gesorgt, an Wechsel zwischen Idylli-\nschem und Grossartigem fehlt es nicht, da die Scene von\ndem munteren Treiben der Winzer und Schiffer am Rheine\nbelebt ist und andererseits Auftritte, wie das Hochzeitsfest\ndes Pfalzgrafen und dessen Unterbrechung durch den be-\nzaubernden Gesang Leonorens und durch die Gluth, die sie\nin jeder Männerbrust entzündet, dann wieder die Erschei-\nnung der vermeinten Zauberin vor dem geistlichen Gerichte\nund der furchtbare Conflict, der daraus entsteht, zu den\nergreifendsten dramatischen Effecten gehören, und endlich\ndas romantisch-geisterhafte Element, welches das Drama\ndurchdringt, dem Ganzen den echten Charakter der deut-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "279", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640827-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5208, "texte": "sehen Sage bewahrt. Nehmen wir nun noch dazu, dass für\ndie malerische Ausstattung der Bühne reichliche Gelegen-\nheit geboten ist, so kann man die „Lorelei\" von Geibel\ngewiss mit Recht als ein gutes Opernbuch bezeichnen. Dass\ndie Ausführung des Einzelnen in Bezug auf Form und\nSprache ansprechend ist, versteht sich bei Geibel von selbst.\nTrotz dieser Vorzüge des Buches vor so vielen anderen\nist es doch erst die Musik, welche es zu einem wirklichen\nKunstwerke macht, und so muss es auch sein, wenn eine\nOper ihrem wahren Begriffe entsprechen soll. Max Bruch\ngehört nicht zu jener Schule, welche auf der einen Seite\nin der Wort-Composition, in der blossen Uebersetzung des\nTextes in Noten, und auf der anderen in dem Instrumen-\ntal-Lärm und den fremdartigen Klangwirkungen die Effecte\nder Oper sucht: im Gegentheil, in allem, was er bisher\ngeschrieben, und ganz vorzüglich in der Oper „Lorelei\",\ntritt überall seine künstlerische Ueberzeugung, dass die\nMelodie die Seele der Musik ist, deutlich hervor. Sein\nStreben ist desshalb auf rein musicalische Charakteristik\ngerichtet, und ist ihm diese namentlich für die Hauptrolle\nder Oper sehr wohl gelungen. So sehr auch die Auffassung\nund Ausführung den dramatisch wirkungsvollsten Scenen\nentspricht, z. B. in den beiden grossen Finale's: der Braut-\nweihe dem Geisterchor gegenüber und in der Gerichts-\nscene, so offenbart doch der letzte Act, in welchem eine\nSteigerung der Theilnahme nach so grossen und bewegten\nAuftritten, welche alle Handelnden und die bedeutenden\nChormassen in Anspruch nehmen, kaum erreichbar scheint,\ndie Begabung des Componisten in besonders hohem Grade,\nda hier, wo nur noch die zwei Hauptpersonen des Dra-\nma's, Leonore und Otto, auftreten, die ganze Wirkung\nnur von der Musik abhängt uns doch keinen Augenblick\nzweifelhaft bleibt. Unser Gefühl wird bis zur Katastrophe\nnur durch den Gesang und das Orchester steigend in Span-\nnung erhalten, bis am Ende der Oper das Versinken Leo-\nnorens mit dem Felsen in den Strom und ihr Wiederauf-\nsteigen aus der Flut als Königin des Rheines mit decora-\ntiver Pracht das Ganze schliesst.\nDie Aufführung der Oper auf dem hiesigen Stadt-\ntheater verdient alles Lob, wenn man die mannichfachen\nForderungen in Betracht zieht, welche sie an die verschie-\ndenen Factoren des Erfolges macht, an die Begabung der\nHauptträger der Handlung für lyrischen und dramatischen\nGesang und für die Darstellung, an die zugleich gute Be-\nsetzung der Nebenrollen, von denen z. B. dem Minnesän-\nger Reinald und dem alten Fährmanne Hubert vortreff-\nliche liedartige Gesänge anvertraut sind, ferner an den Chor\nder Winzer, der Ritter, der Priester, an die Scenirung und\nGruppirung der Massen in den grossen Ensemblestücken\ndes zweiten und dritten Actes, endlich an die decorative\nAusstattung und an die Maschinerie. Bringen wir die nicht\nzu vermeidenden Schwierigkeiten einer ersten Vorstellung\nin Anschlag, so dürfen wir es aussprechen, dass das Ganze\nder Aullührung unserem Bühnen-Institute zur Ehre ge-\nreicht. Die Chöre waren sehr gut einstudirt und ihr Per-\nsonal-leistete alles, was man von einer Provincialbühne\nerwarten kann, und mehr, als die meisten in diesem Punkte\nleisten. Die Regie des Herrn Ernst bewies sich als eine\nverständige und bühnenkundige, und Decorationen wie die\nAnsicht von Bacharach, der Prospect aus dem Festsaale in\ndas Rheinthal mit täuschender Perspective, die Ansicht des\nLurleifelsens bei Mondbeleuchtung, und endlich der mit der\nLorelei als Königin des Rheines aus den Fluten aufstei-\ngende Feenpalast zeigen Herrn Mühl dorfer als einen\nwahren Dichter in der Decorationskunst. Die Ausführung\nder Hauptrollen, Leonore (Fräulein Jäger) und Pfalz-\ngraf Otto (Herr Wolters), olfenbarte den grossen Fleiss,\nder darauf verwandt worden war, und erwarb sich an vie-\nlen Stellen den lauten Beifall des Publicums und Hervor-\nruf; höhere Ansprüche an poetische Auffassung und Dar-\nstellung befriedigte sie freilich nicht in dem Maasse, wie\nes in beiden Partieen die Dichtung und die Musik verlan-\ngen. Die anderen Rollen waren alle recht gut besetzt;\nden Erzbischof (Bass) sang Herr Lindeck, den alten Hu-\nbert (Bass) Herr van Gülpen, den Minnesänger Reinald\n(Bariton) Herr Schelper, der in dem schönen Liede von\nLiebe und Treue durch seine klangvolle Stimme und treff-\nlichen Vortrag stürmischen Beifall erwarb, der auch Herrn\nvan Gülpen durch den Vortrag des Liedes über den Wech-\nsel des Glückes auf Erden (im 4. Acte) zu Theil wurde.\nDie Partie der Bertha (Otto's Gattin) ist von den Neben-\nrollen die bedeutendste; sie wurde von Fräulein Huttary\nin Gesang und Spiel recht gut durchgeführt; namentlich\ntrug sie die schöne Cavatine im dritten Acte mit gefühl-\nvollem Ausdrucke vor. Fräulein Kirchner sang das Lied,\nmit welchem die Winzerinnen Leonoren begrüssen, recht\nhübsch, wie denn überhaupt an dieser jungen Dame die\nmusicalische Bildung und die reine und deutliche Aus-\nsprache zu loben ist.\nDas Publicum brachte der Oper sichtbarlich eine rege\nTheilnahme entgegen, die gleich nach der ersten Scene,\nwelche mit dem Ave Maria schliesst, in lauten Applaus\nausbrach und sich mit jedem Acte zu enthusiastischem\nBeifalle steigerte. Der Componist, der anwesend war, wurde\nwiederholt gerufen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-08-27-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-08-27_01#c005", "volume": "bmtnabi_1864-08-27_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "279", "page_fin": "280", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640827-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "279", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640827-01.1.7", "debut_caractere": 5210, "fin_caractere_exclue": 5436, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nBerlin, 20. August. Kommende Saison wird das Repertoire des\nFräul. Liucca mit zwei Partieen bereichern, der Zerline in „Fra Dia-\nvolo\" und der Titelrolle in der zur Aufführung angenommenen neuen"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "280", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640827-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4728, "texte": "Wuerst'schen Oper „Der Stern von Tu ran\". Die Künstlerin, die den\ngrössten Theil ihres Urlaubs in Reichenhall zugebracht, hat sich in\ndiesen Tagen, wie die National-Zeitung mittheilt, zu einer kurzen\nNachkur nach Hubertus-Bad im Harz begeben und wird um die Mitte\ndes Monats nach Berlin zurückkehren. Das Gerücht von einer Wall-\nfahrt nach Mariazell war also nichts weiter als eine müssige Erfin-\ndung, die möglicher Weise darauf basirte, dass Fräulein Lucca vor\nihrer Herkunft in Mariazell war. Zwischen der General-Intendanz\nder königlichen Schauspiele und Herrn Woworsky ist ein Con-\ntract auf Lebenszeit abgeschlossen.\nDie Direction des Victoria-Theaters hat sich mit Herrn Dr.\nGunz über eine Verlängerung seines Gastspiels geeinigt. Derselbe\nwird, wie wir hören, noch an acht Abenden auftreten. Am letzten\nSonntage ging Rossinfs „Barbier von Sevilla\" in Scene. Den Grafen\nAlmaviva sang Herr Dr. Gunz. Der geschätzte Künstler lieferte eine\nin jeder Hinsicht vollendete Gesangsleistung und dürfte darin wohl\nschwerlich einen Rivalen zu fürchten haben. Wir haben schon so\nmanchen Almaviva-Sänger gehört, aber in so feiner, geschmackvoller\nWeise, bekennen wir ganz offen, noch nicht. Herr Dr. Gunz machte\nseine schönen Stimmmittel in jeder Weise geltend. Sein Vortrag war\nso hübsch schattirt und sauber nuancirt, dass jedes Mal der Jubel\ndes überfüllten Hauses lostoste, ja, mitunter sogar mitten hinein zu\nbrechen drohte. Was die Einlagen anbetrifft, so hatte die Romanze\naus „Lalla Rookhu von Felicien David, dann das Abt'sche Lied:\n„Schlaf wohl, du süsser Engel\" (welches der Sänger unnachahmlich\nschön sang), so wie das spanische Lied von Dessauer den meisten\nBeifall.\nAm 14. und 15. August fand zu Reichenberg,\neiner schön gelegenen Fabrikstadt Böhmens, ein deutsches Ge-\nsangfest Statt, zu welchem sich zwischen 60 bis 70 Vereine aus\nBöhmen und Oesterreich, Schlesien und Sachsen eingefunden hatten.\nMan hatte dazu eine Tonhalle auf einer Anhöhe beim Schützenhause\nerbaut, an welcher, eben so wie in der Stadt, deutsche, österreichi-\nsche, preussische, sächsische, böhmische, schleswig-holsteinische Fah-\nnen prangten. Eine Menge Zelte umgaben sie und bildeten ein fröh-\nliches Sängerlager. Die Gesammt-Aufführungen brachten: Men-\ndelssohn „An die Künstler\", Storch „Die Heimat\", V. Lachner „Gruss\nan's Vaterland\", Fl. Schmidt (Chor-Rector und Dirigent des Ganzen)\n„Germania\", F. A. Vogl (Professor am Conservatorium zu Prag)\n„H)rmne\", Fr. Lachner „Kriegers Gebet\", H. Esser, „Jubelruf des\nLebens\", Fr. Abt „Schlachtlied\". Am anderen Tage wurde die\nCantate „Die Harmonie\" von Wilhelm Tschirch unter Direction\ndes Componisten aufgeführt. Alsdann begann der Gesangwettstreit,\nan welchem achtzehn Vereine Theil nahmen. Concurrenzstück für\nden ersten Preis war „Der Jäger\" von Fr. Kücken (Op. 56, Heft\n11, Nr. 2). Es concurrirten nur drei Vereine: der »Sängerbund\nvon Breslau (Dirigent Wätzold), der Männer-Gesangverein\nvon Leitmeritz und der Orpheus von Dresden. Der „Sänger-\nbund\" erhielt den ersten Preis, einen silbernen Lorberkranz. Um\nden zweiten Preis (einen silbernen Pocal) und den dritten (kunstvoll\ngearbeitetes Notenpult nebst Tactirstock) bewarben sich 15 Vereine;\njenen erhielt der Männer-Gesangverein von Leitmeritz, diesen der\nOrpheus von Dresden. Zwischen den Wettgesängen wurde noch\nvom Gesammtchor „Liedesweihe\" von F. A. V ogl gesungen. Ein'\nhübsches Curiosum war es, dass das Bier nur in eigens für dieses\nFest gegossenen Gläsern verabreicht wurde, welche die Inschrift:\n„Heil dem Sänger!\" trugen.\nCapellmeister Eugen Seidelmann in Breslau f. Geboren\nam 12. April 1806 zu Rengersdorf in der Grafschaft Glaz, kam er\nmit zwanzig Jahren als Student der katholischen Theologie nach\nBreslau, wo er sich mit Vorliebe der Musik hingab, so dass er bald\nDirigent des akademischen Musikvereins und 1830 Capellmeister am\ndortigen Stadttheater wurde. „Don Juan\" war die erste Oper, die\ner dirigirte, und bei der neuerlichen Leitung der Proben zu dersel-\nben überraschte ihn auch die Krankheit, die in Kurzem seinem Le-\nben ein Ende machte. Neben vielen Compositionen zu Fest-, Schau-\nund Trauerspielen entstammen zwei Opern, „Virginia\" und „Das\nFest zu Kenilworth\", seiner Feder.\nWien« Die Hof-Musicalienhandlung C. A. Spina bereitet für\ndie Herbst-Saison eine sehr interessante Nova-Sendung vor. Dieselbe\nwird enthalten: Schub ert's „Müllerlieder\" nach den Original-Ma-\nnuscripten und ersten Drucken kritisch revidirt; Deutsche Tänze,\nbisher ungedruckt, für Pianoforte und zugleich in vierhändigem\nArrangement von Julius Epstein. Ausser Anderem bereitet\ndiese thätige Handlung eine complete Ausgabe der Schubert'schen\nChöre (vervollständigt durch Opern-Chöre), und zwar kommen die\nMännerchöre zunächst an die Reihe."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "273", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640827-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nFelicien David. Biographie. (Schluss.) Von L. B. Gesangfest des Sieg-Rheinischen Lehrervereins zu Brühl am 24.\nAugust 1864. Die Oper Lorelei von Max Bruch. (Aufgeführt in Köln den 25. August.) Tages- und Unterhaltungsblatt\n(Berlin, Theater, Fräulein Lucca, Dr. Gunz Breslau, Deutsches Gesangfest in Reichenberg, Capellmeister Eugen Seidelmann f\nWien, Hof-Musicalienhandlung C. A. Spina).\n\nFelicien David.\n\n(Schluss. S. Nr. 34.)\nDie Zeit sollte indess doch kommen, wo sich für Da-\nvid die Pforten der grossen Oper erschliessen würden. Am\n4. März 1859 erschien die Pracht-Oper „Herculanum\"\nzum ersten Male auf der Scene der ersten Opernbühne\nvon Frankreich.\nWenn wir oben sagten, dass von David's Oper „Das\nEnde der Welt\" nach dem Directionswechsel des\nlyrique nicht weiter die Rede gewesen, so ist das in Bezug\nauf den Titel und das Werk als ein dramatisches Ganzes\nrichtig. Aber David war nicht der Mann, um ein dramati-\nsches Project, von dem er sich ungeheure Wirkung ver-\nsprach, so leicht wieder fallen zu lassen, und so wurde\ndenn, nachdem drei bis vier Poeten die Hand an die Be-\nwältigung und Umarbeitung des Stoffes gelegt hatten, end-\nlich beschlossen, das „Ende der Welt\" aufzugeben und\nsich mit dem Untergange von Herculanum durch den Aus-\nbruch des Vesuvs zu begnügen. Zwar war der Vesuv in\nder grossen Oper nichts Neues; jedoch in der „Stummen\nvon Portici\" war er nur Decoration, jetzt sollte ihm eine\nwirkliche Rolle zugetheilt werden, und damit hoffte man\neinen nie gesehenen Effect zu machen. Die Herren Mery\nund Hadot lieferten das Buch und Felicien David die Mu-\nsik; im Grunde genommen wurde Alles, Handlung, Poesie\nund Musik, nur auf die Decorationen gemacht, und damit\ndas „Ende der Welt\" nicht ganz umsonst projectirt, ge-\ndichtet und componirt worden sei, wurde der Untergang\nHerculanums als ein Strafgericht des Himmels dargestellt,\nwelches die sündige Bevölkerung dieses zweiten Sodom\noder Gomorrha durch ihr üppiges Leben auf sich herab-\ngezogen habe. Schwelgerische Orgien waren zur Darstel-\nlung der frevelhaften Wirthschaft in der heidnischen Stadt\nwillkommen, aber da ein Strafgericht über die Sünder doch\neigentlich eine christliche Idee ist, so musste das Christen-\nthuna in die Oper hineingebracht werden, und es erhielt\nin dem liebenden Paare Helios und Lilia seine Repräsen-\ntanten, und am Ende kommt auch noch der Teufel in\nPerson dazu, dem „der göttliche Wille das sündige Volk\nüberantwortet hat\", und der dann durch seine Maschi-\nnisten den Untergang in Scene setzt. Als verständiger Dra-\nmaturg führt er sich aber nicht so plump wie Mephisto\nein, sondern orts- und zeitgemäss als römischer Proconsul.\nDas geht so zu. Der wirkliche Proconsul lästert Gott,\nworauf der Blitz ihn in die Erde hinein schlägt und damit\nden „Satan\" befreit, der „ein Jahrhundert lang da unten\ngefesselt lag\", jetzt aber aus demselben Loche, welches\nder Donnerkeil geschlagen, heraufsteigt, den Purpurman-\ntel, den der Proconsul mitzunehmen vergessen hat, um\nseine Schultern schlägt und triumphirend ausruft: „Jetzt\nbin ich Proconsul!\" Dies nur ein Pröbchen von dem\nUnsinn, der in diesem Drama die Hauptrolle spielt.\nDoch nein, die Hauptrolle spielen die Decorationen.\nUm auch den orientalischen Luxus vereint mit dem römi-\nschen anbringen zu können, wird eine Königin Olympia\nvom Euphrat her eingeführt und die Handlung spielt\ngrösstentheils im ägyptischen Viertel von Herculanum. Die\ndecorativen Gemälde und ihre Beleuchtung erheben sich\nin der That zu Kunstwerken. Da sie in dieser Zeitschrift\nim Jahrgange von 1859, Nr. 51, bereits ausführlich ge-\nschildert sind, so verweisen wir die Leser darauf und er-\nwähnen hier nur summarisch, dass der erste Act einen\ndreifachen Prospect öffnet, im Vordergrunde eine etruski-\nsche Säulenhalle und eine Allee von Sphinxen, im Mittel-\ngründe den Hafen mit zahlreichen Masten, von denen pur-\npurne Velaria bis zum Fries der Säulenhalle gespannt\nsind, im Hintergrunde das Meer und aul den ansteigenden\nHöhen Villen und Tempel. Der zweite Act zeigt ein Fel-\nsenthal, Gräber christlicher Märtyrer u. s. w., der dritte\ndie Gärten der Königin, in der Ferne Neapel und seinen"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "274", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640827-01.1.2", "texte": "Meerbusen; der vierte spielt unter immerwährendem Erd-\nbeben, Aschenregen und Lavaströmen vom Vesuv herab.\nEs ist nothwendig, diese Aeusserlichkeiten zu skizzi-\nren, um begreiflich zu machen, was die Musik bei solchen\nSchaustellungen für eine Rolle spielt. Grösstenteils ist\ndiese Rolle nur eine begleitende, und David leistet in die-\nsem Genre Vorzügliches; doch hatte er sich in Schilderun-\ngen in allen seinen früheren Werken—es waren fünfzehn\nJahre seit der Composition der „Wüste\" verflossen be-\nreits so ausgeschrieben, dass er jetzt zu denjenigen Hülfs-\nmitteln greifen musste, welche das neuere Orchester mit\nEinschluss der Monstre-Instrumente von Sax, des Tamtam,\nder Riesen-Opbikleide u. s. w. zum Zwecke theatralischen\nLärms darbietet. Aufrichtig zu sprechen, war so ziemlich\nalles, was bei dem Schaugepränge musicirt wurde, gleich-\ngültig; der Standpunkt Weber's, der zu dem Spuk in der\nWolfsschlucht noch wirkliche und ausdrucksvolle Musik\nschrieb, ist längst überwunden, und so bleibt denn auch\nDavid's Musik da, wo sie nur die Decorationen begleitet,\nund namentlich auch im vierten Acte, weit hinter seinen\nfrüheren pittoresken Instrumentalsätzen zurück. Doch dür-\nfen wir, um gerecht zu sein, nicht vergessen, dass aus dem\nWüste des vierten Actes eine einzige Nummer wie eine\nerquickende Oase hervorragt, das Duett von Helios und\nLilia, die sich dem Martyrertode weihen; dies hat melo-\ndischen Schwung und athmet Wahrheit der Empfindung.\nEs ist jedenfalls das beste Musikstück in der ganzen, un-\nendlich langen Oper. Nächst ihm hat die Musik zum er-\nsten Acte, dessen Finale eine Orgie im Palaste der Kö-\nnigin Olympia bildet, den meisten Werth, jedoch auch\nnur relativen im Vergleich zu den anderen Acten.\nDer ausserordentliche Erfolg dieser Oper bei dem\ngrossen Publicum war für Felicien David von Bedeutung;\ner vergrösserte zwar seinen Ruhm als Componist nicht,\naber er verschaffte ihm reichliche Einnahmen, die ihm\neine behagliche Existenz sicherten. Erklären wird man sich\ndiesen Erfolg die Oper musste lange Zeit hindurch fast\njede Woche drei Mal gegeben werden—durch alles oben\nGesagte, zumal wenn man hinzunimmt, dass Roger, da-\nmals noch seiner Stimme und seines Armes mächtig, darin\nsang und die bewunderte Emma Livry darin tanzte, die\nspäter das beklagenswerthe Opfer der Flammen wurde,\ndie ihre Kleider ergriffen. Auch bei einer der Vorstellun-\ngen von Herculanum in der zweiten Woche nach der er-\nsten Aufführung entstand Brand, indem die Vorhänge von\nschwarzer Gaze, welche die dunkle Aschenwolke dar-\nstellten, die sich vor dem Ausbruche des Vesuvs über die\nStadt verbreitet, Feuer fingen, das glücklicher Weise sich\nmit dem blitzschnellen Auflodern dieses ätherischen Stoffes\nbegnügte.\nDie Oper hielt sich das ganze Jahr 1859 hindurch\nund noch länger auf dem Repertoire, und doch hatte sie\ndie Concurrenz von Gounod's „Faust\", dessen erste Vor-\nstellung am Theätre lyriquein denselben Monat, den 19.\nMärz, fiel, und von Meyerbeer's\n(Dinorah), zum ersten Male am 4. April in der Opera co-\nmique gegeben, zu bestehen. Von beiden war die Neben-\nbuhlerschaft der letzteren Oper die gefährlichste, indem\nGounod's „Faust\" damals bei Weitem nicht den Erfolg\nhatte, den er nachher in Deutschland und seitdem auch\nin Paris gefunden hat, bei der „Dinorah\" aber der grosse\nName des Meisters allein schon seine besondere Zugkraft\nübte und auch die Direction der komischen Oper für die\nSchaulust durch die Ausstattung mit wirklichen Wasser-\nfällen, Brücken-Einsturz und dergleichen mehr, endlich\nfür die Liebhaber der Thierdressur sogar durch eine wobl-\ngeschulte Ziege gesorgt hatte.\nTrotzdem ist „Herculanum\" auch in der letzten Sai-\nson (1863 —1864) auf Befehl des Kaisers wiederum in\nScene gesetzt worden und hat in wiederholten Vorstellun-\ngen das Haus gefüllt, freilich mehr der Decorationen als\nder Musik wegen.\nVielleicht fühlte Felicien David selbst, dass der grosse\nOpernstil doch nicht so recht seine Sache sei; er suchte\ndaher wieder nach einem Stoffe, bei dessen musicalischer\nBearbeitung er sich mehr in seinem Elemente fühlte, und\nglaubte diesen in Thomas Moore's Lalla Rookh zu finden.\nDie Herren Michel Carre und Hippolyt Lucas machten\nihm daraus ein Opernbuch zurecht, er componirte es mit\nNeigung und Lust, und am 12. Mai 1862 ging Lalla\nRookh, Oper in'zwei Acten, auf dem Theater der komi-\nschen Oper in Scene.\nDas Buch hat freilich den grossen Fehler, dass es fast\nnur Gelegenheit zu lyrischen Ergüssen in Romanzen und\nDuetten gibt, eine eigentlich dramatische Handlung aber\nganz und gar fehlt, mithin der Componist Gefahr läuft,\nsich zu wiederholen und monoton zu werden. Der pariser\nCorrespondent dieser Zeitschrift hat in Nr. 21 vom 24.\nMai des Jahrgangs 1862 eine Schilderung des Inhalts\ngegeben, auf welche wir verweisen. Uebrigens hat die\nOper auch nach Deutschland bald ihren Weg gefunden,\nist an mehreren Bühnen, vor Kurzem auch auf dem Stadt-\ntheater in Köln, gegeben und dadurch bekannter gewor-\nden. Nach der „Wüste\" ist diese Oper wieder die erste\nComposition David's, welche die Gränzen Frankreichs über-\nschritten hat. Sie hat in Paris gleich bei den ersten Vor-\nstellungen Erfolg gehabt, sich auf dem Repertoire erhalten\nund auch in der letzten Saison eine zweite Reihe von Auf-\nführungen erlebt."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "275", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640827-01.1.3", "texte": "Auch in Deutschland hat sie eine gute Aufnahme ge-\nfunden, im Ganzen eine bessere, als die etwas strenge\nKritik unseres pariser Correspondenten erwarten liess,\nwiewohl in den Grundzügen seiner Beurtheilung wohl Je-\nder mit ihm übereinstimmen wird. Die deutschen musica-\nlischen Kritiker lassen im Allgemeinen der französischen\nund italiänischen Musik der Neueren zu wenig Gerechtig-\nkeit widerfahren. Wie lange hat es gedauert, ehe sie so-\ngar grosse Genie's, wie Rossini und Auber, anerkannten!\nWir werfen den Franzosen ihre Oberflächlichkeit, ja, Un-\nwissenheit in den Dingen, die das Ausland betreffen, und\nihre Eitelkeit auf das Ihrige vor: allein in Bezug auf die\nTonkunst übertreiben wir Deutschen einen gerechten Stolz\nbis zur Geringschätzung des Ausländischen, und vergessen\nnur allzu oft den Respect, den man der Nationalität schul-\ndig ist, was für uns, die wir überall zu Hause sind und\nan universaler Bildung den romanischen Nationen für\nüberlegen gelten, ein weit ärgerer Vorwurf ist, als der-\nselbe Fehler ihn bei diesen verdient. Besonders ist es die\nleichtere Gattung der Musik, wie sie die komische Oper\ndarbietet, welche die deutsche Kritik selten vorurtheilsfrei\nwürdigt, da jene doch verlangen kann, dass man sich auf\nden nationalen Standpunkt ihrer Componisten stelle und\nfranzösische oder italiänische Musik nicht mit deutscher\nElle messe. Wir sollten, um gerecht zu sein, die Italiäner\nund Franzosen gerade dann am meisten schätzen, wenn\nsie Italiäner und Franzosen bleiben. Warum hat Rossini\naufgehört, zu schreiben? Weil er einsah, dass nach dem\nErfolg seines Wilhelm Teil, wenn er in demselben Stile\nfortführe, er nicht mehr Italiäner bleiben könne.\nDie Musik David's ist in der Oper Lalla Rookh vor-\nwiegend anmutbig und einnehmend, selbst die grösseren\nEnsembles, oder richtiger gesagt, das Finale des ersten\nActes, denn es ist dieses das einzige von bedeutenderem,\naber immer noch mässigem Umfange, erhält seinen Reiz\nnicht durch die Verwebung verschiedener charakteristi-\nscher Motive und harmonische Arbeit, sondern durch\neine liebliche Sopran-Melodie, welche hinter den Coulissen\nsich über dem Männerchor, der sich auf der Vorscene be-\nfindet, leicht emporschwingt. Das melodische Element\nherrscht durchweg vor, und das ist offenbar ein Vorzug,\nda es den Componisten niemals zum Trivialen hinabzieht;\nwenn auch seine Weisen nicht die Tiefen des Gemüthes\naufregen, so schmeicheln sie sich doch durch natürlichen\nFluss und schmelzenden Charakter ein, zumal da eine Be-\ni\ngleitung des Orchesters hinzukommt, welche ihre Wirkung\nebenfalls wieder der geschickten Verwendung einzelner\nInstrumente zu melodischen Arabesken, die sich um den\nGesang schlingen, verdankt. Diese seine Behandlung des\nOrchesters, welches, überall klar und durchsichtig, die\nSingstimme niemals deckt, geschweige denn übertönt, un-\nterscheidet David's Musik gar sehr zu ihrem Vortheil von\nden meisten neueren Producten der Franzosen für die ko-\nmische Scene, welche sich immer mehr von der schönen\nEinfachheit der älteren komischen Oper entfernen und das\nOrchester der grossen Oper mit seinem ganzen Lärm-Ap-\nparat in die Spiel-Oper hineintragen. Es zeugt mithin die\nOper Lalla Rookh von dem richtigen Tacte David's, der\nihn bewog, sich aus der musicalischen Teufelskücbe und\ndem Donnergebrause der Erdbeben-Musik zu retten und\nzu dem, was er orientalisches Colorit nennt, zurückzu-\nkehren.\nNun ist es aber doch eine eigene Sache um dieses\nColorit, welches er allerdings —er mag sich dabei gedacht\nhaben, was er wolle in der Weise, wie er es sich ge-\ndacht, festgehalten und durchgeführt hat. Eine blumen-\nduftige Atmosphäre, thauige Nächte mit goldenem Stern-\ngeflimmer am tiefblauen Himmel, Gesang beim Mondlicht\nauf Rosengefilden das kann man mit einiger Phantasie\nalles in Lalla Rookh finden; aber Personen, interessirende\noder gar fesselnde Gestalten, sucht man vergebens, und\nweil diese nicht da sind, so fehlt auch die Verwicklung\nihrer Schicksale, die spannende Handlung, die dramati-\nschen Situationen. Davon trägt allerdings das Buch die\nHauptschuld, aber auch der Componist erscheint wie ein\nMaler, welcher über seiner Meisterschaft in der Farben-\ngebung die Zeichnung vernachlässigt oder ganz und gar\nvergessen hat. Die Wiederholung einer und derselben\nEmpfindung in einer Reihe von lyrischen Gesängen veran-\nlasst bei allem Reiz der Melodie und der Instrumentirung\ndoch eine gewisse Ermüdung des Zuhörers durch Mono-\ntonie. Wohl haben Dichter und Componist das Bedürf-\nniss der Abwechslung der Stimmung gefühlt, aber das\nMittel, welches sie gegen das Einerlei angewandt haben,\nverfängt nicht, denn die Episoden, welche das Komische\nin die Handlung bringen sollen, dessen Repräsentant der\nReisemarschall und Haremswächter Baskir ist eine aus\netwas Seneschall im Johann von Paris und Osmin in Mo-\nzart's Entführung aus dem Serail zusammengesetzte Fi-\ngur —, diese Episoden sind auch musicalisch am wenig-\nsten gelungen.\nNach dieser Oper haben wir bis heute von keinem\nneueren Werke David s gehört. Wohl finden wir auf den\nConcert-Programmen von Paris in der letzten Saison Auf-\nführungen einer Sinfonie verzeichnet, jedoch ist dies wahr-\nscheinlich eine frühere Composition. Als solche der frühe-\nren Periode angehörige Werke sind ausser den schon er-\nwähnten zwei Sinfonieen u. s. w. noch von Felicien David\nerschienen: 1. Vierundzwanzig Quintette für zwei Vio-\nlinen, Alt, Violoncell und Contrabass, unter dem Titel:\n\n[1"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "276", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640827-01.1.4", "texte": "Les quaire Saisons;jede Reihe:\ntemps, Les Soirees d'eteu. s. w., enthält sechs Quintette\n(Paris, bei Escudier, Mainz, bei Schott). 2. Zwölf Me-\nlodieen für das Violoncell. 3. Einige kleine Stücke für\ndas Pianoforte. 4. Les Brises d'Orient, Sammlung von\nLiedern ohne Worte, und 5. ebenso, für\nPianoforte. Für eine Singstimme: 6. Les Perles d'Orient\nund viele einzelne Romanzen und Lieder.\nFelicien David ist Ritter der Ehrenlegion und wohnt\nin Paris; er kommt wenig in Gesellschaft, ist nicht sehr\nmittheilsam und lebt nur der Tonkunst.\n\nL. B.\n\nGesangfest des Sieg-Rheinischen Lehrervereins zu\nBrühl am 24. August 1864.\nDer Sieg-Rheinische Lehrerverein hat unter der eifri-\ngen Fürsorge seiner Stifter und Leiter, des Pfarrers We-\nber zu Grav-Rheindorf bei Bonn und Musik-Directors\nTöpler am Lehrer-Seminarium zu Brühig seit dem Jahre\n1850 seine verdienstlichen Bemühungen um die Wieder-\nbelebung des mehrstimmigen Gesanges ohne Begleitung\nin der katholischen Kirche mit Ausdauer fortgesetzt, und\ndiese Ausdauer seines Strebens ist allein schon rühmens-\nwerth in einem Zeitalter und bei einem Geschlechte, das\nvor lauter buntem Wechsel und heisshungeriger Sucht\nnach Neuem kaum noch fähig ist, ein und dasselbe Ziel\nJahre lang im Auge zu halten. Wenn wir vor einigen\nJahren in einem Berichte über das Gesangfest in Brühl\nsagten, dass nur die Erfahrung die Frage über die Mög-\nlichkeit der Wiedereinführung des Kirchengesanges\npella entscheiden könne, indem selbst die überzeugendsten\nGründe für dieselbe die Schwierigkeit der Ausführung\nnicht hinwegbeweisen könnten und die ganze Sache an\ndieser Schwierigkeit scheitern würde, so haben die Ge-\nsänge, welche alljährlich bei dem Vereinsfeste zu Brühl in\nder Kirche in Verbindung mit dem Gottesdienste ausge-\nführt wurden, allerdings einen Beweis dessen geliefert, was\ndurch treffliche Lehrweise und andauernde Hebung er-\nreicht werden kann. Allein gerade diese Resultate bestäti-\ngen unsere Ansicht. Man bedenke nur die. Zeit, welche\nauf die Einübung gewandt wird, und man wird sogleich\neinsehen, dass dasselbe, was hier, auch nur quantitativ ge-\nnommen, für ein Mal erzielt ist, ganz andere Verhältnisse\nbedingt, wenn es bei dem regelmässigen Gottesdienste an\nSonn- und Feiertagen angewandt werden soll. Dann be-\nachte man zweitens die Stufe der Technik, Vortrag und\nAusdruck mit einbegriffen, welche durch die löblichsten\nAnstrengungen bis heute erreicht ist, und man wird bei\naller Befriedigung, ja, theilweisem Erstaunen über das\nGeleistete, dennoch immer noch viel von den Forderungen\nvermissen, welche schon vor Jahren einer der tüchtigsten\nKenner der katholischen Kirchenmusik und der aufrichtig-\nsten Vertreter der Wiederbelebung derselben für den Got-\ntesdienst in dieser Zeitschrift an das Verständniss und den\nVortrag jener alten Kirchengesänge gestellt hat. Wir müs-\nsen also immer wieder darauf zurückkommen, dass, so\nlange sich die Geistlichkeit oder die Gemeinden nicht zu\nder Aufbringung von Mitteln zur Gründung von Chor-\nschulen (Maitrisen) unter tüchtigen Gesanglehrern und\nDom-Capellmeistern entschliessen, die Einführung des Kir-\nchengesanges a capella zu den frommen Wünschen gehö-\nren wird.\nFür das diesjährige Fest wurden eingeübt:\n1. Introitus. Gaudeamus,einstimmig.\n2. Kyrie,vierstimmig, von Orlandus Lassus.\n3. Gloria,ebenso, von demselben.\n4. Beim Graduale Psalm Laetatus sum, vierstimmig,\nvon Adrian Willaert.\n5. Credo,vierstimmig, von Orl. Lassus.\n6. Vor der Predigt: „Wach' auf!\" ebenso.\n7. Offertorium. Ave Maria, ebenso.\n8. Sanctus,ebenso.\n9. Nach der Wandlung: 0 Crux, ave, sechsstimmig,\nvon Orl. Lassus.\n10. Agnus Dei,vierstimmig, von demselben.\n11. Communio, wie 1.\n12. Sicut lilium,vierstimmig, von Antonio Brü-\nmel. (Antony Brumel, ein Niederländer, Schüler von\nOkenhem und Zeitgenosse von Josquin des Pr£s, blühte\num 1490. Ein Laudate Dominum von ihm steht im zwei-\nten Bande von Forkel's Geschichte der Musik. Ebendaselbst\nfindet sich auch von ihm ein kleines, fünfzeiliges Duett\nvon lauter canonischen Nachahmungen.)\n13. Nach der h. Messe: Laudate nomen Domini, für\nzwei viertimmige Chöre von Caesar de Zachariis aus\nCremona (um 1590 —l6OO zu München).\nNur die einstimmigen Chöre Nr. 1 und 11 wurden\nmit der Orgel (vom Herrn Seminarlehrer Hoffmann ge-\nspielt) begleitet, alle übrigen a capella gesungen, und zwar\nNr. 4 und 7 von dem Männerchor, die anderen Nummern\nvom gemischten Chor. In dem letzteren vertraten den So-\npran und Alt 260 Kinder, Knaben und Mädchen, aus den\nElementarschulen von 18 Dörfern und dem Städtchen\nBrühl; Tenor und Bass sangen die Lehrer des Vereins und\ndie Zöglinge des Seminariums in Brühl.\nWas die Wahl der Gesänge betrifft, so kann man\nden Standpunkt nur billigen, von welchem aus Herr Mu-\nsik-Director Töpler eine Messe von kleinerem Umfange\nund geringerer Schwierigkeit gewählt hat, „um es mög-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "277", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640827-01.1.5", "texte": "lieh zu machen, dass die Herren Lehrer die auf dem Ge-\nsangfeste ausgeführten Gesänge wenigstens theilweise auch\nin ihren heimatlichen Kirchen mit beschränkteren Kräften\nexecutiren können\", wie es im Vorworte zu dem Lieder-\nhefte für 1864 heisst. Herr Töpler hat diese kleine Messe\nvon Orlandus Lassus bei seinem Aufenthalte in Regens-\nburg der reichen Bibliothek des seligen Canonicus Proske\nentlehnt. Sie ist in neueren Drucken nicht vorhanden, eben\nso wenig die beiden Psalmen: von Adrian\nWillaert (Nr. 4) und Laudate von Caesar\nde Zachariis, ferner das Sicu von Briimel (Nr.\n12), welches aus einem Codex von 1557 stammt, und\ndas Ave Maria von Lassus (Nr. 7), welche Stücke aus\nderselben so eben genannten Quelle geschöpft sind*); doch\nist das Ave Maria jetzt im VII. Bande der\nvon Franz Commer gedruckt. Dieser vortrefflichen\nSammlung sind auch das „Wach' auf!\" (Band VI) und\nCruz ave(Band VIII) von Lassus entnommen.\nIst nun aber dieser Standpunkt praktischer Zweck-\nmässigkeit und setzen wir hinzu angemessener Be-\nrücksichtigung der vorhandenen Kräfte auch bei den übri-\ngen Gesangstücken, nicht bloss bei der kleinen Messe, fest-\ngehalten worden? Hierauf können wir nur mit Nein ant-\nworten. Der alte römische Spruch, wohl zu prüfen,\nQuid valeant humeri, quid ferre recusent,\nist unserer Meinung nach zu wenig beachtet worden, und\nwir stehen in dieser Meinung nicht allein, sondern haben\nviele Zuhörer, auch mehrere Geistliche, dieselbe Ansicht\naussprechen hören. Wenn die vierstimmige Messe von\nLassus wegen der darin vorherrschenden homophonen\nSchreibweise dem Zwecke der Bestrebungen des Vereins\nund zugleich den Kräften, die zur Ausführung zu Ge-\nbote stehen, entspricht, erscheinen manche der mehr con-\ntrapunktisch gearbeiteten Stücke, z. B. das\nvon Lassus und vollends der Psalm für zwei vierstimmige\nChöre von de Zachariis, viel zu complicirt und schwierig,\nHerr Töpler zeigt durch seine Bemerkungen im Vorworte:\n„Die Stimmen übe man zuerst einzeln, und zwar so, dass\nnach der speciellen technischen und geistigen Vorbe-\nreitung grössere Theile des Stückes wiederholt zusam-\nmenhangend und ausdrucksvoll gesungen werden, da-\nmit alsdann beim Zusammensingen der selbständige\ndeclamatorische Vortrag einer jeden Stimme\nmöglichst zu Tage trete; denn Letzteres ist ja bei der Aus-\nführung älterer Gesang-Compositionen ein wesentliches\nErforder niss\" und durch seine sehr detaillirten An-\ngaben der Ausdrucks-Nuancen in den gedruckten Stim-\nmen, dass er den Vortrag bei der Ausführung dieser\nMusikgaltung für wesentlich hält. Erscheint aber dabei\nden geringen Grad der Empfänglichkeit der in Wirklich-\nkeit vorhandenen Ausführenden ganz verkannt oder über-\nsehen zu haben, sonst müsste er doch zugeben, dass die\nSchulkinder aus den Dörfern mit der mechanischen Bewäl-\ntigung der Reinheit der Intonation und der Festigkeit im\nTacte vollauf und übergenug zu schaffen haben, um dar-\nüber hinaus zu gehen, und dass bei ihrem Alter und der\nStufe allgemeiner Bildung, auf welcher sie stehen, von der\nWirkung einer „geistigen\" Vorbereitung kaum die Rede\nsein könne, und dass nicht bloss den Kindern, sondern\nauch den Lehrern gegenüber die Forderung „eines selb-\nständigen declamatorischen Vortrages einer jeden Stimme\"\neine so hoch gestellte, ja, ideale sei, dass selbst ein Chor\nvon wohlgeschulten und mit lauter schönen Stimmen be-\ngabten Sängern von Fach das grössteLob verdienen würde,\nwenn er sie nur annähernd erfüllte! Was wird durch die\nmühevollste Einübung so schwieriger polyphoner Stücke\nerreicht? Präcision und die im Ganzen auch richtige In-\ntonation, deren wohllautende Beinheit aber durch die\nnatürliche Schönheit der Stimme, wejehe bekanntlich sel-\nten ist, bedingt wird, können Anerkennung des Fleisses\nund selbst Verwunderung über das materielle Besultat\ndesselben erregen: aber von einer Vergeistigung des In-\nhalts der Partitur, von künstlerischem, aus der Seele drin-\ngenden Vortrage, als dem Wesentlichen bei der Sache,\nkann doch nicht entfernt die Rede sein, und wir können\nnicht glauben, dass Herr Töpler selbst z. ß. die Ausfüh-\nrung des achtstimmigen Psalms Nr. 13, wie sie nach un-\nendlicher Mühe nun beim Eeste Statt fand, für Ges ans\n• C\nhalten sollte. Grössere Einfachheit und Leichtigkeit der\nAusführung sollten, meinen wir, die Haupt-Eigenschaften\nder für den Verein zu wählenden Gesangstücke sein.\nSollen wir uns nun über den Ivunstwerth der vorge-\ntragenen Gesänge aussprechen, so müssen wir offen ge-\nstehen, dass wir nur in einigen derselben jenen musicali-\nschen Gehalt gefunden haben, der unmittelbar zum Ge-\nfühle spricht und die Seele zur Andacht erhebt. Dazu\nrechnen wir in der Messe von Lassus das\nest mit der schönen Harmonie auf et homo factus est (wo-\nbei wir, beiläufig gesagt, die Bezeichnung: „etwas ge-\nschwinder\", nicht gerechtfertigt finden, da sie den Aus-\ndruck des Wunderbaren eher schwächt, als verstärkt',\nworauf aber das Crucißxus sehr abfällt; ferner das Sanc-\ntus und das Agnus Dei. Von den übrigen Stücken schien\nuns das „Sicut lüium inter s\nfilias\" von Anton Brümel die Perle von allen zu sein;\nnächstdem das Ave Maria von Lassus. Beide, das Sicut\nlüium (für Sopran, Alt, Tenor und Bass; und das\n\n*) Das Liederheft für den Sieg-Rheinischen Lehrer-Gesang-\nverein für 1864 ist in der M. DuMont-Sehauberg'schen Buchhand-\nlung in Köln und bei Max Cohen in Bonn zu haben."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "278", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640827-01.1.6", "texte": "Maria (für zwei Tenöre und zwei Bässe) wurden auch am\nbesten und ausdrucksvollsten gesungen.\nUeber den fast unbekannten Anton Brümel haben wir\nbereits oben in einer Parenthese eine Notiz aus Gerber's\nTonkünstler-Lexicon gegeben; wir ergänzen sie noch durch\nFolgendes aus Biographie\nAntoine Brümel oder Bromel, im französischen\nFlandern geboren, war ein berühmter Componist und lebte\nam Ende des XV. und in der ersten Hälfte des XVI. Jahr-\nhunderts. Eine Defloration (Klage) über Ockeghem's(Ocken-\nheim's) Tod von Guillaume Crespel nennt ihn mit Agricola,\nVerbonet, Prioris, Josquin des Pres, Gaspard und Comp&re\nunter den Schülern jenes Meisters. Man weiss nichts von\nden Lebensschicksalen Brümel's, als dass sein Name seit\ndem Anfange des XVI. Jahrhunderts in Italien grosse Be-\nrühmtheit erlangt hatte. Glareanus zählt ihn zu den ge-\nschicktesten Componisten seiner Zeit, und F6tis setzt hinzu:\n„Was wir von ihm kennen, offenbart in der That ein\naussergewöhnliches Talent für die Zeit, in welcher er\nschrieb. Seine Modulation ist natürlich, die Stimmführung\nleicht und ungezwungen, sein Stil hat weniger Gesuchtes,\nals der von Josquin, und seine Harmonie ist voller.\"\nHierauf gibt er ein Verzeichniss seiner theils in alten\nDrucken, theils in Handschriften auf verschiedenen Biblio-\ntheken noch vorhandenen und bis jetzt aufgefundenen\nWerke: 5 vierstimmige Messen, gedruckt Venedig,\n1503, mit gothischen Lettern, ein vollständiges Exemplar\nauf der kaiserlichen Bibliothek zu Wien.— 3 vierstim-\n%\nmige Messen (unter ihnen die vortreffliche\ngine) in einer Sammlung von 15 Messen, Rom, 1519\nmax., ein Exemplar auf der Bibliotheque Mazarine.— Eine\nzwölfstimmige Messe: Et eece terrae motus, handschriftlich\nauf der königlichen Bibliothek zu München. Viele Mo-\ntetten und einzelne Gesänge u. s. w., wie bei F&is weiter\nnachzusehen. Das oben angeführte canonische Duett bei\nForkelist wahrscheinlich aus der Sammlung: Bieinia gal-\nlica, latina et germanica et qua\n1545, genommen; das Laudate Dominum aus: Motetti\ndella Corona, Venedig, 1514.\n\nDie Oper Lorelei von Max Bruch.\n(Aufgeführt in Köln den 25. August.)\nEmanuel Geibel hat im Jahre 1846 ein Opernbuch\nunter dem Titel: „Die Lorelei\", geschrieben, welches\nbekanntlich für Felix Mendelssohn-Bartholdy bestimmt\nwar. Mendelssohn hat sich auch im Jahre 1847, während\nseines Aufenthaltes zu Interlaken in der Schweiz, mit der\nComposition desselben beschäftigt und das Finale des er-\nsten Actes die grosse Scene, in welcher sich Leonore\nden Rheingeistern weiht vollendet. Wahrscheinlich hat\nihn das Elfen- und Geisterhafte in dieser Scene am mei-\nsten angezogen, ein Element, in welchem er sich gern\nbewegte, vielleicht aber auch, dass er sich mit Vorliebe\ndem Oratorium „Christus\", welches er in derselben Zeit\nbegann, zuwandte. Leider sollte er keine von diesen bei-\nden Arbeiten vollenden, da ihn schon im Herbste desselben\nJahres der Tod dahinraffte. Danach erschien Geibel's\nOperngedicht im Verlage von C. Rümpler in Hannover,\naber mit der Verwahrung des Dichters gegen jede Com-\nposition desselben. Die bindenden Verhältnisse, welche diese\nVerwahrung veranlassten, sind erst in den letzten Jahren\ndurch zuvorkommende Weise aller dabei Betheiligten zu\nGunsten des Componisten gelöst worden, und eben so hat\nGeibel den Wünschen desselben in Bezug auf die Einrich-\ntung des Buches u. s. w. gewillfahrt—ein Einverständniss\nzwischen Musiker und Dichter, das zum Gelingen eines\nOpernwerkes durchaus nothwendig ist, aber leider in\nDeutschland nur zu oft von beiden zu wenig berücksich-\ntigt wird.\nWir können denjenigen unter den Zuschauern, welche\nbei den Aufführungen der Oper zu Mannheim (deren zweite\nnach dem Erfolge der ersten einen wahren Congress von\nKünstlern versammelt hatte) zwar von der Musik, wie Alle,\nbefriedigt, ja, ergriffen waren, aber gegen das Buch Man-\nches zu erinnern hatten, in diesem letzteren Punkte nicht\nbeistimmen. Der Dichter hat die Freiheit, die Sage, die ja\nselbst nur ein Kind der Phantasie ist, nach seiner Weise\nzu gestalten; Geibel hat die Rheinnixe auf der Lurlei als\neine von dem Geliebten betrogene und durch ein Bündniss\nmit der dämonischen Gewalt der Wassergeister Strafe des\nUngetreuen suchende Jungfrau dargestellt. Das Buch hat\nden grossen Vorzug vor vielen anderen, dass auch ohne\nDialog, da die Oper nach Art der grossen Opern mit Re-\ncitativen geschrieben ist, das Verständniss der Handlung\nsich aus dieser selbst leicht und klar entwickelt. Dabei ist\nfür dramatische Situationen und für lyrische Ergüsse der\nEmpfindung reichlich gesorgt, an Wechsel zwischen Idylli-\nschem und Grossartigem fehlt es nicht, da die Scene von\ndem munteren Treiben der Winzer und Schiffer am Rheine\nbelebt ist und andererseits Auftritte, wie das Hochzeitsfest\ndes Pfalzgrafen und dessen Unterbrechung durch den be-\nzaubernden Gesang Leonorens und durch die Gluth, die sie\nin jeder Männerbrust entzündet, dann wieder die Erschei-\nnung der vermeinten Zauberin vor dem geistlichen Gerichte\nund der furchtbare Conflict, der daraus entsteht, zu den\nergreifendsten dramatischen Effecten gehören, und endlich\ndas romantisch-geisterhafte Element, welches das Drama\ndurchdringt, dem Ganzen den echten Charakter der deut-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "279", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640827-01.1.7", "texte": "sehen Sage bewahrt. Nehmen wir nun noch dazu, dass für\ndie malerische Ausstattung der Bühne reichliche Gelegen-\nheit geboten ist, so kann man die „Lorelei\" von Geibel\ngewiss mit Recht als ein gutes Opernbuch bezeichnen. Dass\ndie Ausführung des Einzelnen in Bezug auf Form und\nSprache ansprechend ist, versteht sich bei Geibel von selbst.\nTrotz dieser Vorzüge des Buches vor so vielen anderen\nist es doch erst die Musik, welche es zu einem wirklichen\nKunstwerke macht, und so muss es auch sein, wenn eine\nOper ihrem wahren Begriffe entsprechen soll. Max Bruch\ngehört nicht zu jener Schule, welche auf der einen Seite\nin der Wort-Composition, in der blossen Uebersetzung des\nTextes in Noten, und auf der anderen in dem Instrumen-\ntal-Lärm und den fremdartigen Klangwirkungen die Effecte\nder Oper sucht: im Gegentheil, in allem, was er bisher\ngeschrieben, und ganz vorzüglich in der Oper „Lorelei\",\ntritt überall seine künstlerische Ueberzeugung, dass die\nMelodie die Seele der Musik ist, deutlich hervor. Sein\nStreben ist desshalb auf rein musicalische Charakteristik\ngerichtet, und ist ihm diese namentlich für die Hauptrolle\nder Oper sehr wohl gelungen. So sehr auch die Auffassung\nund Ausführung den dramatisch wirkungsvollsten Scenen\nentspricht, z. B. in den beiden grossen Finale's: der Braut-\nweihe dem Geisterchor gegenüber und in der Gerichts-\nscene, so offenbart doch der letzte Act, in welchem eine\nSteigerung der Theilnahme nach so grossen und bewegten\nAuftritten, welche alle Handelnden und die bedeutenden\nChormassen in Anspruch nehmen, kaum erreichbar scheint,\ndie Begabung des Componisten in besonders hohem Grade,\nda hier, wo nur noch die zwei Hauptpersonen des Dra-\nma's, Leonore und Otto, auftreten, die ganze Wirkung\nnur von der Musik abhängt uns doch keinen Augenblick\nzweifelhaft bleibt. Unser Gefühl wird bis zur Katastrophe\nnur durch den Gesang und das Orchester steigend in Span-\nnung erhalten, bis am Ende der Oper das Versinken Leo-\nnorens mit dem Felsen in den Strom und ihr Wiederauf-\nsteigen aus der Flut als Königin des Rheines mit decora-\ntiver Pracht das Ganze schliesst.\nDie Aufführung der Oper auf dem hiesigen Stadt-\ntheater verdient alles Lob, wenn man die mannichfachen\nForderungen in Betracht zieht, welche sie an die verschie-\ndenen Factoren des Erfolges macht, an die Begabung der\nHauptträger der Handlung für lyrischen und dramatischen\nGesang und für die Darstellung, an die zugleich gute Be-\nsetzung der Nebenrollen, von denen z. B. dem Minnesän-\nger Reinald und dem alten Fährmanne Hubert vortreff-\nliche liedartige Gesänge anvertraut sind, ferner an den Chor\nder Winzer, der Ritter, der Priester, an die Scenirung und\nGruppirung der Massen in den grossen Ensemblestücken\ndes zweiten und dritten Actes, endlich an die decorative\nAusstattung und an die Maschinerie. Bringen wir die nicht\nzu vermeidenden Schwierigkeiten einer ersten Vorstellung\nin Anschlag, so dürfen wir es aussprechen, dass das Ganze\nder Aullührung unserem Bühnen-Institute zur Ehre ge-\nreicht. Die Chöre waren sehr gut einstudirt und ihr Per-\nsonal-leistete alles, was man von einer Provincialbühne\nerwarten kann, und mehr, als die meisten in diesem Punkte\nleisten. Die Regie des Herrn Ernst bewies sich als eine\nverständige und bühnenkundige, und Decorationen wie die\nAnsicht von Bacharach, der Prospect aus dem Festsaale in\ndas Rheinthal mit täuschender Perspective, die Ansicht des\nLurleifelsens bei Mondbeleuchtung, und endlich der mit der\nLorelei als Königin des Rheines aus den Fluten aufstei-\ngende Feenpalast zeigen Herrn Mühl dorfer als einen\nwahren Dichter in der Decorationskunst. Die Ausführung\nder Hauptrollen, Leonore (Fräulein Jäger) und Pfalz-\ngraf Otto (Herr Wolters), olfenbarte den grossen Fleiss,\nder darauf verwandt worden war, und erwarb sich an vie-\nlen Stellen den lauten Beifall des Publicums und Hervor-\nruf; höhere Ansprüche an poetische Auffassung und Dar-\nstellung befriedigte sie freilich nicht in dem Maasse, wie\nes in beiden Partieen die Dichtung und die Musik verlan-\ngen. Die anderen Rollen waren alle recht gut besetzt;\nden Erzbischof (Bass) sang Herr Lindeck, den alten Hu-\nbert (Bass) Herr van Gülpen, den Minnesänger Reinald\n(Bariton) Herr Schelper, der in dem schönen Liede von\nLiebe und Treue durch seine klangvolle Stimme und treff-\nlichen Vortrag stürmischen Beifall erwarb, der auch Herrn\nvan Gülpen durch den Vortrag des Liedes über den Wech-\nsel des Glückes auf Erden (im 4. Acte) zu Theil wurde.\nDie Partie der Bertha (Otto's Gattin) ist von den Neben-\nrollen die bedeutendste; sie wurde von Fräulein Huttary\nin Gesang und Spiel recht gut durchgeführt; namentlich\ntrug sie die schöne Cavatine im dritten Acte mit gefühl-\nvollem Ausdrucke vor. Fräulein Kirchner sang das Lied,\nmit welchem die Winzerinnen Leonoren begrüssen, recht\nhübsch, wie denn überhaupt an dieser jungen Dame die\nmusicalische Bildung und die reine und deutliche Aus-\nsprache zu loben ist.\nDas Publicum brachte der Oper sichtbarlich eine rege\nTheilnahme entgegen, die gleich nach der ersten Scene,\nwelche mit dem Ave Maria schliesst, in lauten Applaus\nausbrach und sich mit jedem Acte zu enthusiastischem\nBeifalle steigerte. Der Componist, der anwesend war, wurde\nwiederholt gerufen.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nBerlin, 20. August. Kommende Saison wird das Repertoire des\nFräul. Liucca mit zwei Partieen bereichern, der Zerline in „Fra Dia-\nvolo\" und der Titelrolle in der zur Aufführung angenommenen neuen"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "280", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640827-01.1.8", "texte": "Wuerst'schen Oper „Der Stern von Tu ran\". Die Künstlerin, die den\ngrössten Theil ihres Urlaubs in Reichenhall zugebracht, hat sich in\ndiesen Tagen, wie die National-Zeitung mittheilt, zu einer kurzen\nNachkur nach Hubertus-Bad im Harz begeben und wird um die Mitte\ndes Monats nach Berlin zurückkehren. Das Gerücht von einer Wall-\nfahrt nach Mariazell war also nichts weiter als eine müssige Erfin-\ndung, die möglicher Weise darauf basirte, dass Fräulein Lucca vor\nihrer Herkunft in Mariazell war. Zwischen der General-Intendanz\nder königlichen Schauspiele und Herrn Woworsky ist ein Con-\ntract auf Lebenszeit abgeschlossen.\nDie Direction des Victoria-Theaters hat sich mit Herrn Dr.\nGunz über eine Verlängerung seines Gastspiels geeinigt. Derselbe\nwird, wie wir hören, noch an acht Abenden auftreten. Am letzten\nSonntage ging Rossinfs „Barbier von Sevilla\" in Scene. Den Grafen\nAlmaviva sang Herr Dr. Gunz. Der geschätzte Künstler lieferte eine\nin jeder Hinsicht vollendete Gesangsleistung und dürfte darin wohl\nschwerlich einen Rivalen zu fürchten haben. Wir haben schon so\nmanchen Almaviva-Sänger gehört, aber in so feiner, geschmackvoller\nWeise, bekennen wir ganz offen, noch nicht. Herr Dr. Gunz machte\nseine schönen Stimmmittel in jeder Weise geltend. Sein Vortrag war\nso hübsch schattirt und sauber nuancirt, dass jedes Mal der Jubel\ndes überfüllten Hauses lostoste, ja, mitunter sogar mitten hinein zu\nbrechen drohte. Was die Einlagen anbetrifft, so hatte die Romanze\naus „Lalla Rookhu von Felicien David, dann das Abt'sche Lied:\n„Schlaf wohl, du süsser Engel\" (welches der Sänger unnachahmlich\nschön sang), so wie das spanische Lied von Dessauer den meisten\nBeifall.\nAm 14. und 15. August fand zu Reichenberg,\neiner schön gelegenen Fabrikstadt Böhmens, ein deutsches Ge-\nsangfest Statt, zu welchem sich zwischen 60 bis 70 Vereine aus\nBöhmen und Oesterreich, Schlesien und Sachsen eingefunden hatten.\nMan hatte dazu eine Tonhalle auf einer Anhöhe beim Schützenhause\nerbaut, an welcher, eben so wie in der Stadt, deutsche, österreichi-\nsche, preussische, sächsische, böhmische, schleswig-holsteinische Fah-\nnen prangten. Eine Menge Zelte umgaben sie und bildeten ein fröh-\nliches Sängerlager. Die Gesammt-Aufführungen brachten: Men-\ndelssohn „An die Künstler\", Storch „Die Heimat\", V. Lachner „Gruss\nan's Vaterland\", Fl. Schmidt (Chor-Rector und Dirigent des Ganzen)\n„Germania\", F. A. Vogl (Professor am Conservatorium zu Prag)\n„H)rmne\", Fr. Lachner „Kriegers Gebet\", H. Esser, „Jubelruf des\nLebens\", Fr. Abt „Schlachtlied\". Am anderen Tage wurde die\nCantate „Die Harmonie\" von Wilhelm Tschirch unter Direction\ndes Componisten aufgeführt. Alsdann begann der Gesangwettstreit,\nan welchem achtzehn Vereine Theil nahmen. Concurrenzstück für\nden ersten Preis war „Der Jäger\" von Fr. Kücken (Op. 56, Heft\n11, Nr. 2). Es concurrirten nur drei Vereine: der »Sängerbund\nvon Breslau (Dirigent Wätzold), der Männer-Gesangverein\nvon Leitmeritz und der Orpheus von Dresden. Der „Sänger-\nbund\" erhielt den ersten Preis, einen silbernen Lorberkranz. Um\nden zweiten Preis (einen silbernen Pocal) und den dritten (kunstvoll\ngearbeitetes Notenpult nebst Tactirstock) bewarben sich 15 Vereine;\njenen erhielt der Männer-Gesangverein von Leitmeritz, diesen der\nOrpheus von Dresden. Zwischen den Wettgesängen wurde noch\nvom Gesammtchor „Liedesweihe\" von F. A. V ogl gesungen. Ein'\nhübsches Curiosum war es, dass das Bier nur in eigens für dieses\nFest gegossenen Gläsern verabreicht wurde, welche die Inschrift:\n„Heil dem Sänger!\" trugen.\nCapellmeister Eugen Seidelmann in Breslau f. Geboren\nam 12. April 1806 zu Rengersdorf in der Grafschaft Glaz, kam er\nmit zwanzig Jahren als Student der katholischen Theologie nach\nBreslau, wo er sich mit Vorliebe der Musik hingab, so dass er bald\nDirigent des akademischen Musikvereins und 1830 Capellmeister am\ndortigen Stadttheater wurde. „Don Juan\" war die erste Oper, die\ner dirigirte, und bei der neuerlichen Leitung der Proben zu dersel-\nben überraschte ihn auch die Krankheit, die in Kurzem seinem Le-\nben ein Ende machte. Neben vielen Compositionen zu Fest-, Schau-\nund Trauerspielen entstammen zwei Opern, „Virginia\" und „Das\nFest zu Kenilworth\", seiner Feder.\nWien« Die Hof-Musicalienhandlung C. A. Spina bereitet für\ndie Herbst-Saison eine sehr interessante Nova-Sendung vor. Dieselbe\nwird enthalten: Schub ert's „Müllerlieder\" nach den Original-Ma-\nnuscripten und ersten Drucken kritisch revidirt; Deutsche Tänze,\nbisher ungedruckt, für Pianoforte und zugleich in vierhändigem\nArrangement von Julius Epstein. Ausser Anderem bereitet\ndiese thätige Handlung eine complete Ausgabe der Schubert'schen\nChöre (vervollständigt durch Opern-Chöre), und zwar kommen die\nMännerchöre zunächst an die Reihe."}]}