{"numero_id": "bm-bmtnabi-1864-09-03-01", "volume": "bmtnabi_1864-09-03_01", "ocr_sha256": "7f4cc0f0766d1b2cde9aa0bf9e3257334b924589e65d1daa0139078e8a822ffb", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1864/09/03_01/bmtnabi_1864-09-03_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640903-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1864-09-03-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-09-03_01#c001", "volume": "bmtnabi_1864-09-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "281", "page_fin": "281", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640903-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "281", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640903-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 474, "texte": "Inhalt.\nPariser Briefe (Die „Concerts populairesu von J. Pasdeloup Meyerbeer's Africanerin J. Becker Soiree bei\nBossini SociM du Grand Concert). Das Eossini-Fest in Pesaro. (Brief von Panofka.) Ueber das Verhältniss des Stils der Meister\ndes XVI. Jahrhunderts zu der heutigen Musik. Tages- und Unterhaltungsblatt (Aachen, rheinischer Sängerverein Iserlohn,\nMusikfest Mainz, Theater-Personal Schlangenbad, Concerte Geschenk an das Mozarteum'— Capellmeister Taubert u. s. w.)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-09-03-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-09-03_01#c002", "volume": "bmtnabi_1864-09-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "281", "page_fin": "284", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640903-01.2.2", "titre_corps": "Pariser Briefe.", "titre_sommaire": "Pariser Briefe.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "281", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640903-01.1.1", "debut_caractere": 476, "fin_caractere_exclue": 4133, "texte": "Pariser Briefe.\n(Die vConcerts pojpulairesu von J. Pasdeloup*] Meyerbeer's\nAfricanerin J. Becker Soiree bei Rossini Sociöte\ndu Grand Concert).\nIn Folge der politischen Stürme des Jahres 1848 sah\nsich ein junger Tonkünstler, der einen ersten Preis als\nClavierspieler im pariser Conservatorium im Jahre 1833\nerhalten hatte, genöthigt, eine Stelle in der Verwaltung\nder ehemals königlichen Schlösser, jetzt National-Eigen-\nthum geworden, anzunehmen, um die Existenz seiner Fa-\nmilie, zu deren Haupt ihn allzu früh der Tod seines Vaters\ngemacht hatte, zu sichern.\nWährend der Mussestunden von Amtsgeschäften com-\nponirte er in einem der schönsten Parks in den Umgebun-\ngen von Paris, und im Jahre 1850 brachte er dem Di-\nrector einer Concert-Gesellschaft ein Scherzo, das er im\nSchatten der hundertjährigen Eichen von St. Cloud ge-\nschrieben hatte. Der Director, dessen rauhe Aufrichtigkeit\neben so gross wie sein musicalisches Talent war, sagte\nihm gerade heraus, dass er seine Partitur gar nicht an-\nsehen würde, da er nur Sachen von grossen Meistern\naufführe.\nDer bescheidene Künstler steckte sein Manuscript\nwieder ein, ohne ein Wort zu entgegnen. Allein der Ge-\ndanke fuhr in diesem Augenblicke durch seinen Kopf, eine\nConcert-Unternehmung ins Leben zu rufen, in welcher\nCompositionen von jungen, unbekannten Meistern neben\nclassischer Musik zur Aufführung kommen sollten. Er\nnahm sich vor, sein Orchester aus den jungen Zöglingen\ndes Conservatoires zu bilden, und voll Willenskraft und\nunaufhaltsamem Thätigkeitstriebe, die ihm Vertrauen auf\nseinen Plan einflössten, legte er seine Verwalter-Stelle nie-\nder und stellte sich als Orchester-Director an die Spitze\neiner Gesellschaft, welche er Societe des jeunes artistes du\nConservatoire nannte, und gab am 20. Februar 1851 sein\nerstes Concert in dem Saale Herz.\nDer Gedanke, die besten Zöglinge des Conservatoires\nzu einem Orchester zu vereinigen, war nicht neu. Schon\nvor der Gründung der Concert-Gesellschaft des Conserva-\ntoires, der einzigen der Art, welche seit dem 9. März\n1828 allen Wechsel der Regierungsform und der Mode\nin Paris überdauert hat, hatte die Verwaltung der Anstalt\nselbst unter dem Consulate mit Erfolg den Versuch dazu\ngemacht. Späterbin wurden die Concerte, in welchen die\ntüchtigsten Zöglinge das Orchester bildeten, nach einer\nUnterbrechung derselben wieder neu organisirt, und Ha-\nbeneck machte darin seine erste Schule zum Dirigenten\nund hauptsächlichen Begründer der späteren Conservatoire-\nConcerte. Im Jahre 1826 unternahm A. El wart in dem\nkleinen Saale des Conservatoires die Concerts d'emula-\ntion, welche bis 1834 bestanden. Zu der Ausführung\nvon Instrumental- und Vocalmusik benutzte er ebenfalls\ndie Schüler und Schülerinnen der Anstalt.\nDas waren gleichsam die Vorspiele zu dem Unter-\nnehmen von Jules Pasdeloup gewesen, denn er war\nes, von dem oben die Rede war und der am 20. Februar\n1851 sein erstes Concert mit seiner „Gesellschaft der jun-\ngen Künstler vom Conservatoire\" gab. Dieser Titel war\ndamals eine Wahrheit, denn der grösste Theil der Instru-\nmentalisten bestand wirklich aus Conservatoiristen, aber\nbald wusste Pasdeloup auch bereits durchgebildete, ja, schon\nrühmlich bekannte Künstler für seine Concerte zu gewin-\nnen und zugleich die herangewachsene Generation des\nConservatoires an das Unternehmen zu fesseln.\nAllein trotz der günstigen Theilnahme vieler hohen\nBeamten und der opferwilliger. Unterstützung eines wohl-\nhabenden musikliebenden Gönners fristeten die Concerte\nder jungen Gesellschaft nur mit Mühe ihre Existenz; sie\n\n*] Histoire des Concerts populaires de Musique classique etc.\netc. par A. Elioart. Paris} chez Castel, 1864. 142 S. 8."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "282", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640903-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5247, "texte": "hatten mehr Erfolg in der öffentlichen Meinung, als reich-\nlichen Ertrag. Allein Pasdeloup war nicht der Mann, sich\nabschrecken zu lassen, er beharrte mit Energie und stetem\nStreben nach vollkommenerer Leistung bei seinem Plane\nund sah mit richtigem Blicke voraus, dass es nur der Aus-\ndauer bedürfe, um die nicht ferne Zeit zu erwarten und\n»•\ndurch eigene Anstrengung herbeiführen zu helfen, wo\nnicht bloss die privilegirte Zuhörerschalt der Conservatoire-\nConcerte, sondern auch die grosse Menge der Musiklieben-\nden in der Weltstadt Paris die Meisterwerke der Deut-\nschen schätzen und lieben lernen und zu ihren Ausführun-\ngen massenweise hinströmen würden. Er führte desshalb\nvor Allen Haydn, Mozart, Beethoven und Carl Maria von\nWeber seinen Zuhörern vor, damit sie den Eindruck, den\nsie empfangen, weiter trügen, wagte es auch, Mendels-\nsohn, ja, sogar Schumann ihnen vorzustellen und brachte\ndazwischen Werke der Zeitgenossen in Paris, Sinfonieen\nvon Gounod, Gouvy, Saint-Saens u. s. w.\nZu vielen Aufführungen von bisher in Paris ganz unbe-\nkannten Werken gab er durch seine Concerte Veranlas-\nsung, z. B. von Weber's „Preciosa\", von Mozart's\n„Entführung aus dem Serail\" auf dem\nEine erfreuliche Vermehrung der Einnahme der Or-\nchester-Mitglieder gewährte es, dass der Seine-Präfect\nHerrn Pasdeloup beauftragte, die Concerte in den wöchent-\nlichen Winter-Soireen auf dem zu organi-\nsiren. Auch wurde die Gesellschaft zu mehreren Coneert-\nAufführungen in Privatkreisen, z. B. in den Soireen des\nMinisters der schönen Künste und der Museen, eingeladen.\nSo erhielt sich das neue Institut neun Jahre lang, und\ndie Theilnahme daran, hauptsächlich von Künstlern von\nFach und bedeutenden Dilettanten getragen und befür-\nwortet, stieg in Bezug auf Anerkennung und auch auf\nzahlreicheren Besuch dergestalt, dass Pasdeloup den Ent-\nschluss fasste, seine Concerte in einen grösseren Saal zu\nverlegen und bei den Eintrittspreisen Bücksicht auf die\nMenge von Musikfreunden zu nehmen, denen ihre häus-\nlichen Verhältnisse keine grossen Ausgaben für Concert\nund Theater erlauben. Der Director des\njenes grossartigen Bauwerkes von Hittorf, ging auf den\nGedanken ein und stellte ihm den ungeheuren Saal, der\nfünf Tausend Menschen fasst, zur Verfügung, und so ent-\nstanden die Concerts populaires,die gleich im ersten Jahre\neinen kaum geahnten Erfolg hatten und seitdem in wirk-\nlicher Popularität so gestiegen sind, dass nicht allein ihr\nBestehen gesichert ist, sondern sie zugleich einen reich-\nlichen Ertrag gewähren, der für die Aufopferungen von\nZeit und Mühe in den früheren Jahren entschädigt.\nDie Concerte finden Sonntags um 2 Uhr Nachmittags\nStatt, sind also dem pariser Gebrauche, erst um 6 Uhr\noder noch später zu speisen, gemäss Morgen-Concerte.\nDas erste wurde am 27. October 1861 gegeben und\nhatte folgendes Programm: 1. Weber, Ouvertüre zu\nOberon; 2. Beethoven, Pastoral-Sinfonie; 3. Violin-\nConcert von Mendelssohn, gespielt von Alard; 4.\nHymne von Jos. Haydn („Gott erhalte Franz, den Kai-\nser\", für Violin-Quartett), ausgeführt von sämmtlichen\nSaiten-Instrumenten; 5. M£hul, Ouvertüre zur Jagd\nHeinrich's IV.\nIn den sieben folgenden der ersten Beihe kamen unter\nAnderem zur Aufführung von Beethoven die Sinfonieen\nin C-moll(2 Mal), C-dur, F-du(Nr. 8), A-dur, die Ou-\nvertüre zu Egmont und ein Theil des Septetts; von Mo-\nzart Ouvertüren zur Zauberflöte, Figaro, Sinfonie in Es;\nvon Weber Jubel-Ouverture, Euryanthe, Freischütz,\nAufforderung zum Tanze, instrumentirt von Berlioz; von\nMendelssohn G-moll-Concert für Piano, gespielt von\nErnst Lübeck, Sinfonie in Allegretto aus der\nSinfonie Op. 52, Ouvertüre Melusine.\nBesuch und Beifall waren so gross, dass Pasdeloup\nnach der ersten Reihe von acht Concerten in derselben\nSaison (1861 —1862) eine zweite und eine dritte veran-\nstalten konnte. Und so ist es geblieben: in jedem Winter\nfinden vierundzwanzig Concerte in drei Serien Statt,\nwozu dann noch einige ausserordentliche Concert- oder\nmusikfestliche Aufführungen kommen.\nDas Orchester zählt 20 erste und 20 zweite Violinen,\n12 Bratschen, 12 Violoncelle und 12 Contrabässe, also\n76 Geigen-Instrumente; 3 Flöten, 2 Oboen, 2 Clarinetten,\n2 Fagotte, 4 Hörner, 2 Trompeten, 3 Posaunen, Ophi-\nklei'de, Pauken, 4 Harfen, Triangel zusammen 101\nPersonen. Unter ihnen sind 44, welche als Zöglinge des\nConservatoires den ersten Preis erhalten haben. Seit dem\nvorigen Jahre hat Pasdeloup auch einen Chor gebildet\n(Choral populaire de musique classique), welcher in den\nExtra-Concerten und von jetzt an in vier grossen Musik-\nfesten, welche nach den drei Reihen sinfonistischer Con-\ncerte folgen sollen, mitwirken wird.\nDie Eintrittspreise sind gegenwärtig folgende: Parquet\n(numerirte Stühle) 5 Fr.; Erster Platz 2 Fr. 50 C.; Zwei-\nter 1 Fr. 25 C.; Dritter 75 Cent. Die in Paris übliche\nErhöhung bei Vorausbestellung beträgt für das Parquet\neinen und für den ersten Platz einen halben Franc; der\nzweite und dritte Platz erleiden in Betracht des populären\nZweckes keine Erhöhung.\nIn den vier ausserordentlichen Concerten der Saison\n1861 1862 wurde der erste Theil von Mendelssohn's\n„Elias\" im ersten aufgeführt und im zweiten wiederholt,\nim dritten Mozart's „Requiem\" bis zum Lacrimosa ein-\nschliesslich und Beethoven's Pastoral-Sinfonie, im vierten"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "283", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640903-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5175, "texte": "(zum Besten einer Erziehungs-Anstalt für Töchter von\nKünstlern und Schriftstellern) Wagner's Tannhäuser-\nMarsch und Chor; in demselben spielte Alard das Con-\ncert von Mendelssohn, Sivori das H-moll-Concert von\nPaganin i.\nEinen merkwürdigen Fortschritt haben Pasdeloup's\npopuläre Concerte in einer wichtigen Beziehung dadurch\nbewirkt, dass die Virtuosen-Leistungen in den Hintergrund\ngestellt worden sind und eigentlich nur noch als Lockspeise\nund Concession an den alten pariser Kunstgeschmack in\ndie Programme aufgenommen worden. Eine andere Conces-\nsion ähnlicher Art, die Vorträge von Kammermusikslücken\ndurch das sämmtliche Geigen-Quartett und Contrabässe,\nwar durch die Rivalität mit den Conservatoire-Concerten\ngeboten und ist in dem ungeheuren Räume des\nNapoleon auch eher zu rechtfertigen, als in dem kleinen\nConcert-Theater des Conservatoires. Den Reiz der Neuheit\nhat die Sache längst verloren, und dass sie kein ausseror-\ndentliches Kunststück sei, haben die jeunes Artistes schon\nim Saale Herz seit zehn Jahren bewiesen.— Auch überall\nein vollständiges Ganzes zu geben, hat Pasdeloup noch\nnicht gewagt; wir begegnen daher noch vielen fragmen-\ntarischen Aufführungen von Sinfonie- und Quartettsätzen\naus den grossen Werken aller Meister.\nBetrachtet man die Programme der drei Jahre, so\nlässt sich aus den gewählten Compositionen und nament-\nlich aus der Zahl der Wiederholungen ein ungefährer\nSchluss auf den gegenwärtigen Geschmack der Franzosen\nin Sachen der Tonkunst ziehen. Haydn ist 33 Mal vor-\ngekommen mit ganzen Sinfonieen und Bruchstücken\nderselben, ferner 16 Mal mit Quartettsätzen (en masse), also\n49 Mal im Ganzen. Mozart 13 Mal mit Sinfonieen\n{G-moll 4, C-dur mit Fuge 3, D-dur 2 Mal, B-dur, Es-\ndur und Bruchstücke) und 7 Mal mit Fragmenten aus\nden Quintetten (en masse), also 20 Mal im Ganzen.\nBeethoven 33 Mal mit Sinfonieen (C-dur 4, C-moll 8,\nD-dur 4, Es-dur Eroica, 1, F-dur, Nr VIII, 2, A-dur\n6, B-dur 1, D-moll, Nr. IX mit Chor, 1, Pastorale 6\nund 4 Mal in Bruchstücken), ferner 12 Mal in Gesammt-\nAusführungen von Theilen des Septetts und der Quartette\nNr. 9 und 10 (Fuge), also im Ganzen 45 Mal. Men-\ndelssohn 13 Mal mit ganzen Sinfonieen, 4,\nmoll 5, mit Fragmenten 4 Mal.— Schumann in Es-dur\n1 Mal. Theod. Gouvy in 1 Mal. Gounod\nBruchstück der Sinfonie in Es-d 1 Mal. Bizet Scherzo\n(Manuscript) 1 Mal.\nIn Bezug auf Ouvertüren finden wir folgendes Ver-\nhältniss: J. S. Bach die Suite in D als Ouvertüre 1 Mal.\n—Gluck Iphigenie in Aulis 2. Mozart Zauberflöte 2,\nDon Juan 1, Figaro 2 = 5 Mal. Cimarosa\nmonio segreto 2. C. M. von Weber Oberon 5, Eu-\nryanthe 4, Preciosa 2, Beherrscher der Geister 2, Frei-\nschütz 5, Jubel-Ouverture 2 = 20 Mal. Beethoven\nPrometheus 1, Fidelio (in E-dur) 3, Egmont 5, Coriolan\n2, Zwiscbenacte zu Egmont 3= 14 Mal*). Cheru-\nbini Lodoiska 1, Medea 2, Portugiesisches Gasthaus 1\n= 4 Mal. Mendelssohn Fingalshöhle 3, Buy Blas 3,\nSommernachtstraum 4, Musik zum Sommernachtstraum 1\n= 11 Mal. —Bossini Wilhelm Teil 4, Semiramis 3 =\n7 Mal. Schumann Genofeva 2 Mal. Mehul, He-\nrold, Auber, Meyerbeer (Struensee 1, Polonaise 3),\nBerlioz (Römischer Carneval) je 1 Mal.\nIm Ganzen ist in den drei Jahren durch die Energie\neines einzigen Mannes wirklich Grosses geleistet worden.\nWenn es auch in Deutschland, wo man an treffliche Con-\ncert-Aufführungen der classischen Musik gewöhnt ist, nicht\neben ausserordentlich erscheinen mag, so ist es doch für\nFrankreich wahrhalt bewundernswert!) und von unaus-\nbleiblichen Folgen für Richtung des Geschmacks.\nUeber die Einrichtung des Unternehmens, das den\npopulären Concerten von Pasdeloup Concurrenz machen\nsoll, ist ein ausführlicher Prospect erschienen, der im Stil\nund in den Verheissungen grosse Aehnlichkeit mit den ge-\nwöhnlichen Ankündigungen von Actien-Gesellschaften hat.\nUnterzeichnet haben ihn als „Gründer der Societe da\nGrand Concert\"'die Herren Felicien David, D. Magnus,\nLeopold Deutz und Charles de Lorrac.\nDer ausgesprochene Zweck ist, die classischen Meister-\nwerke aller Nationen und Zeiten mit grossen Massen gut\naufzuführen und zu massigen Eintrittspreisen. Werke von\nneueren Componisten sollen eben so wenig ausgeschlossen\nwerden, wie Solo-Vorträge von Sängern und Instru-\nmentalisten.\n„Felicien David wird der artistische Director sein.\nMan wird Sinfonieen, Sinfonieen mit Chören; Fragmente\nvon Opern, Messen, Oratorien; Ouvertüren, Chöre, Can-\ntaten u. s. w. aufführen.\" —Curiosa sind folgende Stellen:\n„Man wird nur Werke von unbestrittenem Verdienste und\nderen Erfolg sicher ist, geben.\" „Die Gesellschaft\ndu Grand Concertist weit entfernt davon, allein dazu be-\nstimmt zu sein, das symphonische Repertoire des\nHerrn Felicien David ins Licht zu stellen, son-\ndern wird an alle französischen und auswärtigen Componi-\nsten die Einladung ergehen lassen, ihre Werke persönlich\nzu dirigiren.\"\n\n*) Hier ist besonders auffallend, dass die üJ-tfor-Ouverture zu\nFidelio 3 Mal, die grosse in C zu Leonore gar nicht und die\nSinfonia eroica zwar ein Mal gemacht worden, aber keine Wieder-\nholung erlebt hat. Eben so bezeichnend dürfte es sein, dass We-\nber unbedingt den Vorzug in den Onverturen über alle anderen\nComponisten (Beethoven eingeschlossen) erhalten hat.\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "284", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640903-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5200, "texte": "Die G esollschaft hat mittels notariellen Actes vom 2.\nJuli d. J. auf 14 Jahre den grossen Saal\ncule in der Rue Richer Nr. 32 gemiethet; er enthält mehr\nals 3000 Sitzplätze und eine Bühne für 400, bei ausser-\nordentlichen Gelegenheiten für 600 ausführende Musiker\nund Sänger. Sie wird ein eigenes Orchester von 85\ntüchtigen Künstlern engagiren und sie gut besolden, so\ndass „so viele Proben, als nöthig erachtet werden, gehal-\nten werden können\". (Auch dieser Zusatz ist charakte-\nristisch, denn es ist leider wahr, dass es in Paris erschreck-\nlich schwer hält, mehrere Proben für eine grosse Auffüh-\nrung zu Stande zu bringen.) Der Chor soll Anfangs 200\nChoristen zählen, später auf 250 und selbst bis auf 300\nvermehrt werden. Ausser dem Gehalte wird den Mitglie-\ndern des Orchesters und Chors eine Theilnahme von 10\npCt. an dem Gewinne gesichert.\nDie Eintrittspreise werden auf 2 und 1 Fr. gesetzt,\nwofür Jeder (auch für 1 Fr.) einen numerirten Sitz er-\nhält. Eine Preiserhöhung auf die Vorausmiethe findet\nnicht Statt.\nDas Grundcapital ist auf 600,000 Fr. festgestellt und\nwird durch 1200 Actien zu 500 Fr. aufgebracht; der Zeich-\nner von 10 Actien erhält das persönliche Recht des freien Ein-\ntritts. Die Actien werden mit 5 pCt. verzins'!, gewähren aber\nnach einem calcul minutieux Aussicht auf 50 pCt. Gewinn!\nIn den Operntheatern ist stille Zeit, was die Kunst\nbetrifft; nur die Gala-Vorstellung mit der glänzenden Sce-\nnerie in den Logen hat einigen Lärm gemacht, der aber,\ndurch die spanische und altfranzösische Etiquette be-\nschränkt, nicht einmal recht zum Ausbruche kam. Gege-\nben wurde das Ballet „Nemea\", die einzige Neuigkeit,\nwelche die grosse Oper diesen Sommer aufbringen konnte.\nMan wird mir die Aufzählung der Lichter nicht bloss\nder Gasflammen, denn die Rückkehr zum Rococo erfor-\ndert Wachslichter! und der Toiletten und Diamanten\nund Ordenssterne erlassen.\nDie einzige Theater-Nachricht von Bedeutung ist die,\ndass F&is von Brüssel auf Einladung von Meyerbeer's\nWitwe und des Herrn Perrin, Directors der grossen Oper,\nhier angekommen ist, um die Partitur der „ Africanerin\"\neinzusehen, deren Proben unter seiner Leitung nach der\nBestimmung des Dahingeschiedenen gehalten werden sol-\nlen. Nach anderen Auslegungen soll dieser immerhin für\nF&is ehrenvolle Auftrag nicht auf einem testamentarischen\nWunsche des Verstorbenen, sondern auf einer Combina-\ntion der hiesigen entscheidenden Mächte, deren Vertreter\nich so eben genannt habe, beruhen, indem man durch die\nBerufung einer ausländischen Berühmtheit keine einzelne\neinheimische zu verletzen hofft, da sie sich alle davon\nausgeschlossen sehen das nachgelassene Werk unter ihren\nAuspicien in Scene gehen zu lassen.\nUeber Meverbeer erscheinen noch fortwährend Bro-\n«/\nschüren und Artikel, meist ohne allen Werth und nichts\nals Erzeugnisse der buchhändlerischen und journalisti-\nschen Industrie. Man war indess in den höheren musicali-\nschen Kreisen hier sehr neugierig, wer den grossen Mei-\nster in dem Capitel des preussischen Ordens pour le merite\nersetzen würde. Die Nachricht, dass Grell in Berlin das\nRitterkreuz Meyerbeer's erhalten habe, hat überrascht, da\nman hier glaubte, die Wahl könne nur zwischen zwei be-\nrühmten deutschen Componisten schwanken. Ich gestehe,\ndass ich auf die Erkundigungen hiesiger Tonkünstler bei\nmir über Herrn Grell nichts Anderes zu antworten wusste,\nals dass mir bei meiner bereits ziemlich langen Abwesen-\nheit von Deutschland der Name aus der Erinnerung ge-\nkommen sei *).\nWeil ich einmal bei Ehrenbezeigungen bin, so muss\nich der Medaille erwähnen, welche die Concert-Gesellschaft\ndes Conservatoires unserem Landsmanne, dem Violinisten\nJohann Becker (ich darf den deutschen Künstler nicht\nJean Becker, wie er sich auch selbst bei Euch schreiben\nsoll, nennen!), als Zeichen der Verehrung und Dankbarkeit\nfür seinen Vortrag namentlich des Concertes von Beetho-\nven übersandt hat. Sie ist von Silber und zeigt das Bild-\nniss Habeneck's.\nRossini hat den Vorabend des 21. August, seines\nzweiundsiebenzigsten Namenstages, auf seiner Villa zu\nPassy in vertraulichem Kreise gefeiert, wo zugleich die\nAuszeichnung bekannt wurde, die er vom Könige von Ita-\nlien durch Uebersendung des Grosskreuzes vom Orden\ndes heiligen Mauritius und Lazarus erhalten hat**). Im\nGarten war glänzende Illumination und Feuerwerk trotz\ndes Regens. Im Saale sangen Faure, Obin und Vil-\nla ret (Tenor) das Terzett aus Wilhelm Teil, welches\nRossini seit länger als dreissig Jahren nicht wieder gehört\nhatte, und Tamburini, die Celebrität der Generation,\ndie den Barbier von Sevilla zuerst hörte, sang mit Frau\nLemmens-Sherrington das Duett von Rosine und Fi-\ngaro. Der vortrefflichen Sängerin begleitete Rossini selbst\nseine Elegie: Adieux ä la, vie. Schliesslich erfolgte die\nAufführung einiger komischen Scenen durch Schauspieler\nvom Theätre fran^ais.\n\n*) Herr Eduard Grell (geboren 18QU) ist seit Rungenhagen's\nTode Director der von Fasch gegründeten Sing-Akademie in\nBerlin, welcher Anstalt er seine verdienstliche Thätigkeit fast aus-\nschliesslich widmet. Mehrere von seinen Compositionen, im Kirchen-\nstile für die Akademie geschrieben, werden sehr geschätzt.\nDie Redaction.\n**) Siehe unten den Bericht aus Pesaro."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-09-03-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-09-03_01#c003", "volume": "bmtnabi_1864-09-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "285", "page_fin": "286", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640903-01.2.3", "titre_corps": "Das Rossini-Fest in Pesaro.", "titre_sommaire": "Das Rossini-Fest in Pesaro.", "signature_source": "Ubaldino Peruzzi", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "285", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640903-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5181, "texte": "Das Rossini-Fest in Pesaro.\n\n(Brief von Panofka.)\nPesaro, 22. August 1864.\nAm Samstag den 20. fuhren wir, eine ganze Kara-\nwane von Tonkünstlern, Dichtern, Sängern und Journa-\nlisten, von Bologna früh um 5 Uhr ab und trafen um 9\nUhr auf dem Bahnhofe von Pesaro ein. Eine Militärmusik\nempfing uns mit rauschenden Fanfaren. Ein unabsehbares\nGewühl von Menschen liess befürchten, kein Quartier zu\nbekommen, denn Tausende von Fremden strömten der\nanmuthigen Stadt Pesaro zu, die nicht mehr als 12,000\n(16,000)Einw. bat. Bei so bewandten Umständen hatten wir,\nmein Freund Emiliani, der treffliche Violinist von Bologna,\nund ich die Gastfreundschaft der Witwe und des Sohnes\ndes berühmten Componisten Vaccai doppelt zu preisen.\nGanz in der Nähe ihrer Wohnung liegt in der Strasse\nRossini das kleine, aber niedliche Haus, in welchem der\nSchwan von Pesaro das Licht der Welt erblickte, was\neine marmorne Tafel bekundet.\nDer allgemeine Sammelplatz war der Platz Rossini;\ndort befindet sich in einer Nische der Fagade von San\nDomenico eine Statue des Componisten in einem polni-\nschen Rocke mit Schnüren, das Geschenk eines Privat-\nmannes. Der Kirche gegenüber war ein Cafe Rossini im-\nprovisirt, wo trotz der grossen Hitze die künstlerischen\nNotabilitäten aus ganz Italien zusammenkamen, um ihrem\ngrossen Meister zu huldigen. Palermo war durch den Se-\ncretär der Akademie der schönen Wissenschaften und\ndurch zwei Journalisten vertreten; Neapel durch zwei Pro-\nfessoren der Musik am Conservatorium und den Compo-\nnisten Florino; Venedig durch den Capellmeister von San\nMarcus, Buzzola; Turin durch den Redacteur des „Pi-\nratau;Florenz durch die Grafen Pertirari- Gardiano und\nAppoliti, den Componisten Pacini, den berühmten Con-\ntrapunktisten Mabellini und den besten Orchester-Director\nvon Italien, Mariani. Von Mailand war der Director des\nConservatoriums, Rossi, und die beiden Professoren Ron-\nchetti und Lucca, und de Filippi, der Redacteur der „Per-\nseveranza\", zugegen, von Bologna der Graf Pepoli, Maire\nvon Bologna und Dichter von Operntexten, der berühmte\nViolinist Emiliani, der Pianist Gollinelli, die Sänger Ivanoff,\nBadiali, Giraldoni u. s. w. und der Dichter Mercantini.\nAm Abende des 20. wurde „Wilhelm Teil\" gegeben.\nDer Tenorist Stigelli war leider durch plötzliches Erkran-\nken am Auftreten verhindert, sonst war die Aufführung\nimposant; das Orchester bildeten die ausgezeichnetsten\nMusiker von Italien, und ein Chor von 68 Sängern ent-\nwickelte eine schöne Klangfülle. Mariani dirigirte die Oper.\nDas Theater von Pesaro fasst 1500 Personen und war\nüberfüllt. Die wahrhaft tropische Hitze zwang gar Manche,\nvor dem Ende das Haus zu verlassen. Das Publicum war\nüber die Maassen begeistert und rief gleich die Ouvertüre\nda Capo.\nDer folgende Tag, der 21. August, war durch das\nschönste Wetter begünstigt. Vom frühen Morgen an\npflanzte man Masten auf, von deren Spitzen die National-\nllaggen wehten, eine Menge Musikbanden zogen durch die\nStrassen, die Pferde der Fiaker waren mit roth und weis-\nsen Federbüschen geschmückt und eine ungeheure Menge\nvon Menschen wogte auf und ab.\nUm 12 Öhr wurde das Fest durch eine feierliche\nSitzung eröffnet, welche Se. Excellenz der Minister des\nInnern, HerrPeruzzi, präsidirte, ihm zur Seite der Maire\nund die Beigeordneten von Pesaro. Der Graf Pertirari las\neine Rede im Namen der Repräsentanten von Florenz,\nwelche der Stadt eine grosse goldene Erinnerungs-Medaille\nüberreichten. Herr Regli las eine Abhandlung über die\nWerke Rossini's, welche oft durch Beifall unterbrochen\nwurde. Am meisten aber zündete die freie Rede des Mini-\nsters Peruzzi, eines Mannes von höchst noblem und ein-\nnehmendem Aeussern, dabei ein grosser Redner mit herr-\nlichem Organ. Seine Worte waren der Ausdruck einer\nwahren Begeisterung für die Kunst; erhebende Gedanken,\nglänzende Betrachtungen über das Verhältniss der Kunst\nzum Staate, und unter Anderem die Worte: „Als Italien\nim Schlafe lag, war Rossini der Einzige, der durch seine\nMelodieen das Leben des Vaterlandes verkündete\", riefen\neinen Enthusiasmus hervor, der in dreimaligen lauten Bei-\nfall ausbrach.\nUm 3 Uhr versammelte man sich auf dem Bahnhofe,\nwo die Bildsäule Rossini s, das Geschenk der Herren Sa-\nlamanca und Delahante, Directoren der italiänischen Eisen-\nbahnen, enthüllt wurde. Ein sonderbarer Zufall ist es,\ndass Rossini, der bekanntlich die Eisenbahnen nicht liebt\nund nie mit dem Dampfwagen fährt, in Passy eine Villa\nneben dem Bahnhofe bewohnt, und dass nun gar seine\nStatue zu Pesaro auf dem Bahnhofe selbst steht! Er ist\nsitzend dargesellt, die Augen auf den Perron gerichtet,\nund kehrt der Stadt den Rücken zu. | Hony soit qui mal\ny pensef]Auf einer grossen Bühne befanden sich fünf-\nhundert Sänger und Instrumentalisten: sie begannen mit\nder Ouvertüre zur Gazza ladraAlsdann ergriff der Graf\nBriganti-Bellini als Vertreter der Gesellschaft der römi-\nschen Eisenbahnen das Wort und hielt eine Rede von\nstark politischer Färbung. Hierauf folgte die Aufführung\nder für diese Feierlichkeit von Mercantini gedichteten\nund von Mercadante in Neapel componirten Cantate.\nMercadante hatte, von einem richtigen Gefühle geleitet.\nRossini'sche Motive, namentlich aus der „Donna del Lago*"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "286", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640903-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4187, "texte": "und aus „Zelmira\", zu einem Ganzen verbunden und vor-\ntrefflich instrumentirt. Die Cantate gefiel sehr und musste\nvollständig wiederholt werden. Mercadante war verhindert,\npersönlich anwesend zu sein. Alsdann trat der Graf Pepoli\nvon Bologna auf und verkündete, dass in demselben Au-\ngenblicke, wo die Hülle der Bildsäule Rossini's fiel, in\nBologna auf dem Platze vor dem Lyceum ein Denkstein\nmit folgender Inschrift errichtet werde:\nQui entrö studente, di qui usci principe\ndelle seiende musicali\nGIOACCHINO BOSSINI.\nBologna,\nPer doeumento p\nAI Bglio adottivo, int\nla circostante piazza.\nQ. L. P.\nII 21. Ägosto.\nDie Feier wurde durch die schwungvolle Ausführung\nder Ouvertüre zu Semiramis beschlossen. Mariani hatte\nalle Aufführungen sehr geschickt dirigirt.\nAm Abende war die Stadt erleuchtet und Concert im\nTheater.\nDie erste Nummer des Programms war eine Fest-\nCantate von Pacini auf einen Text, der ebenfalls von\nMercantini gedichtet war. Der Gedanke, die verschie-\ndenen Städte Italiens, welche dem Meister ihre Huldigung\ndarbringen, als Personen einzuführen, lag dem Gedichte\nzum Grunde. Venezia z. B. sang folgende Stanze:\nVengo alla festa aneh' io per l'aria bruna,\nPorto il sospiro della mia laguna.\nLa mia lagunae in fac\nE piena di canzoni era quell' onda.\nSa i canti di Rossini\nMa oggi il nostro canto e Miserere.\nVengo alla festa aneh' io per l'aria bruna,\nPorto il sospiro della\nBei der politischen Stimmung in Italien machte diese Stelle\nnatürlich grossen Eindruck.\n[Wir ergänzen diese Mitlheilung noch durch einige\nNachrichten aus dem Corriere Emilia:]\nDie Bildsäule ist ein Werk Marochetti's. Der Platz\nder Aufstellung sei gewählt, „damit auch der durchrei-\nsende Fremde die Stadt Pesaro glücklich preisen könne,\nein solches Genie erzeugt zu haben\".\nIn dem Abend-Concerte wurden ausser der Cantate\nvon Pacini Stücke aus dem S'tabat mater, dem Barbiere,\nMoses, Semiramis und Cenerentola gesungen; unter den\nVortragenden zeichneten sich Badiali und eine schöne So-\npranstimme, Henriette Sgarzi, aus. Die Erkrankung des\nTenoristen Stigelli war durch die Anstrengungen desselben\nin den zehn Vorstellungen von Wilhelm Teil, welche den\nFesttagen unmittelbar vorhergingen, veranlasst worden.\nDas Schreiben des Ministers Peruzzi, mit welchem er\nRossini von der Verleihung der hohen Decoration benach-\nrichtigte, lautet:\n„Illustre Signore! Das Fest, durch welches die\nStadt Pesaro Ihren Namen feiert, hat unter der Regierung\nvon Victor Emanuel zum ersten Male ein Nationalfest sein\nkönnen, weil jetzt, wo die Schranken, welche die Bevöl-\nkerungen Italiens trennten, gefallen, diese von allen Seiten\nherbeigeeilt sind, um Theil an dem Feste zu nehmen und\nsich zu brüderlicher Eintracht nicht nur im Geiste, sondern\ndurch persönliche Anwesenheit zu dem Cultus eines erha-\nbenen Genies vereinigen.\n„Se. Majestät der König, der sich zum Vertreter jedes\nedeln Strebens in Italien macht, hat bei dieser glücklichen\nVeranlassung Sie durch Verleihung des Grosskreuzes des\nSt. Mauritius- und Lazarus-Ordens auszeichnen (insignire)\nwollen, nicht nur, um einem Manne Ehre zu erweisen,\nden ganz Europa ehrt, sondern um eine Schuld der Nation\nabzutragen und dadurch der Liebe und der Bewunderung\nItaliens für seinen grossen Bürger Ausdruck zu geben.\n„Indem ich den angenehmen Auftrag vollziehe, Sie\nvon dieser Entscheidung des Souverains in Renntniss zu\nsetzen und Ihnen die Insignien des Ordens, der Ihnen ver-\nliehen ist, zu übersenden, schätze ich mich glücklich, Ihnen\ndie Gefühle der Bewunderung und Verehrung (riverenza)\nauszudrücken, mit denen ich die Ehre habe, mich zu nennen\n„ihren ganz ergebenen\n*) „Hier trat Gioacchino Rossini als Student ein und ging als\nFürst der musicalischen Wissenschaft und Kunst daraus hervor. Bo-\nlogna hat zum ewigen Ehren-Andenken seines Adoptivsohnes seinen\nNamen diesem Platze gegeben und diesen Stein gesetzt (Questa\nLapide Pose) den 21. August 1864.\"\n**) „Auch ich komme zum Feste aus trüber Luft hieher, ich\nbringe den Klagelaut meiner Lagune; meine Lagune liegt diesem\nGestade gegenüber, und auf ihren Wogen erklangen stets Lieder;\nder Gondelfahrer weiss Rössings Gesänge auswendig, aber jetzt ist\nein Miserere unser Gesang.\"\n\n„Ubaldino Peruzzi.“"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-09-03-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-09-03_01#c004", "volume": "bmtnabi_1864-09-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "286", "page_fin": "287", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640903-01.2.4", "titre_corps": "Ueber das Verhältniss des Stils der Meister des XVI. 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Springer, 1862, XVIII und 367 S. 8., über den\noben angegebenen Punkt eine Ansicht aus, welche, weil"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "287", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640903-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2963, "texte": "von einem Musikgelehrten herrührend, der mit dem tief-\nsten Studium der älteren Musikwerke die grösste Ver-\nehrung für ihre Schöpfer verbindet, Beherzigung nicht\nbloss von allen jüngeren Musikern, sondern auch vorzüg-\nlich von denen verdient, welche unsere heutige Vocal-\nmusik auf die einseitigste Weise wieder zurückschrauben\nwollen.\n„So viel und so vielerlei auch heutzutage componirt\nwird,\" —sagt er— „so selten ist es doch, dass in diesem\nwichtigsten Zweige der musicalischen Compositions-Tech-\nnik, in der Stimmführung, die nöthigen Vorstudien ge-\nmacht sind, ja, wir besitzen nicht einmal ein Werk aus\nder neueren Zeit, das hierin den nöthigen Unterricht er-\ntheilt.\" Er dringt darauf, dass das Studium der älteren\nMeister den Grund für eine Lehre des Contrapunktes bil-\nden müsse, dass es „die Pflicht eines wahren Künstlers\nsei, die Geschichte seiner Kunst zu studiren und ihre\nWerke, vor allen Dingen die der früheren Zeiten, kennen\nzu lernen. Diese Pflicht wird von den Musikern der Ge-\ngenwart selten erfüllt, die Werke einer früheren Zeit wer-\nden hochmüthig als antiquirt verworfen. Daher finden wir\nauch so selten Meister in der Stimmführung, ja, es sind\ndarin Rückschritte gemacht\". Bellermann bezieht sich\nnämlich vorzugsweise auf die Vocalmusik des XVI. Jahr-\nhunderts und fährt dann fort:\n„Hauptsächlich war es das gewaltige Genie und der\ntiefe künstlerische Sinn eines Palestrina und Orlandus\nLassus, wodurch der reine a-capella-Gesang zu jener be-\nwunderungswürdigen Classicität emporgehoben wurde. Mit\nRecht haben nicht nur die Zeitgenossen, sondern auch\nSpätere die unerschöpfliche Erfindungskraft dieser beiden\nMänner gepriesen; in ihren Werken herrscht ein Eben-\nmaass der Form und vor Allem ein Fluss in dem Gesänge\neiner jeden einzelnen Stimme, wie wir ihn von keinem\nSpäteren übertroffen und nur von Wenigen erreicht sehen.\nDie Meisterwerke Seb. Bach's und Händel's zeigen al-\nlerdings eine eben so sichere und vielleicht noch ausgebil-\ndetere Hand im Contrapunkte, als ihre Vorfahren im XVI.\nJahrhundert, sie brauchten aber nicht mit einer solchen\nSorgfalt, als jene, zu Werke zu gehen, weil alle ihre Chor-\nCompositionen auf eine instrumentale Grundlage berechnet\nsind. Die Alten schrieben aber nur für reine Singstimmen\nund hatten desshalb schon der Intonation wegen sich in\nviel engeren Gränzen zu halten. An diese Zeit müssen wir\ndaher das Studium der Stimmführung anknüpfen, und\nmüssen nach den Regeln und Gesetzen, welche damals\ngalten, unsere Uebungen einrichten. Keineswegs soll hie-\ndurch unsere Musik jene alte Gestalt wieder er-\nhalten; wir sollen nur von ihr annehmen, was wir durch\nein Studium unserer heutigen Musik nicht erlernen können.\nWir sollen nach einem eben so fliessenden Gesänge der\neinzelnen Stimmen wie die Alten streben, wenn wir auch\ndurch die heutige Zeit berechtigt sind, über die eri-\ngen Schranken ihrer Regeln hinauszugehen,\nwenn uns auch andere Ideen zu unseren Kunstwerken be-\ngeistern, als damals.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-09-03-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-09-03_01#c005", "volume": "bmtnabi_1864-09-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "287", "page_fin": "288", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640903-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "287", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640903-01.1.7", "debut_caractere": 2965, "fin_caractere_exclue": 5863, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nAachen. Bei der zweiten Jahres-Versammlung des ..rheini-\nschen Sängervereins\" (die Liedertafeln von Aachen, Cre-\nfeldj Elberfeld, Bonn, der Männer-Gesangverein von\nKöln und der von Neuss), für welche Aachen als Vorort ge-\nwählt wurde*), wird am Sonntag den 4-. September im neuen\nCurhaussaale hierselbst das zweite V erei ns-Con c e r t unter Lei-\ntung des Herrrt Concertmeisters Fritz Wenigmann, Directors\nder hiesigen Liedertafel, und unter Mitwirkung der Hof-Opernsängerin\nFräulein Henriette Röhn aus Mannheim und des Herrn Karl\nHill aus Frankfurt am Main Statt finden.\nNach dem Beschlüsse des aachener Fest-Comite's wird die\nHälfte des Reinertrags dem Restaurations-Fonds des hiesigen Mün-\nsters überwiesen; die andere Hälfte bleibt statutmässig stets zu\nPreis-Ausschreibungen für grössere Compositionen für Männergesang\naufbewahrt.\nDa die aachener Liedertafel durch ihr Preis-Ausschreiben\nvom 15. Februar 1863 in den Besitz zweier gekrönter Compositio-\nnen für Männergesang und Orchester gelangt ist, so hat sie im Sinne\ndes Zweckes der Gesammt-Verbindung zu handeln geglaubt, als sie\nbeschloss, die beiden preisgekrönten Werke in dem diesjährigen\nConcerte zur Aufführung zu bringen. Ausser diesen beiden grösse-\nren Werken: „Heinrich der Finkler\" von Fr. Wüllner und ~Vell-\nleda\" von C. Jos. Brambach, kommen durch den Gesammtchor\nnoch drei kleinere von Franz Schubert zur Aufführung. Den\nEinzel-Vortrag, zu welchem statutgemäss in demselben Concerte nur\neine der vereinten Gesellschaften zugelassen werden kann, wird dies-\nmal der kölner Männer-Gesangverein übernehmen.\nIserlohn. Am 11. und 12. September wird in Iserlohn\nin der neu erbauten Festhalle auf der Alexanderhöhe ein Musik-\nfest gehalten werden, dessen Direction Herr Capellmeister Ferdi-\nnand Hiller aus Köln übernommen hat. Das Orchester besteht\naus 60—70 vorzüglichen Künstlern, unter Anführung des Herrn\nConcertmeisters Otto von König slow aus Köln. Als Solospieler\nwerden mitwirken Herr Capellmeister Hiller (Pianoforte-Concert in\nC-moll von Beethoven), Hr. Hof-Concertmeister August Kömpel\naus Weimar (Violin-Concert von Mendelssohn), Herr Alexan-\nder Schmit, Lehrer am Conservatorium zu Köln (Ballade für Vio-\nloncello von F. Hiller), Herr Loos aus Iserlohn (Pianoforte-Con-\ncert in Fis-moll von F. Hiller). Dazwischen finden Gesang-Vorträge\n(Arien und Ensemblestücke) durch die Damen Julie Rothenber-\nger und Hildegard Kirchner aus Köln und Herrn Hof-Opern-\nsänger Stägemann aus Hannover Statt. Von grossen Orchester-\nsachen werden die Sinfonie in C-dur mit der Fuge von Mozart\nund die siebente Sinfonie in A-dur von Beethoven aufgeführt.\nDer Anfang der Concerte ist auf 4£- Uhr festgesetzt.\nJflftiliz* Die Mainzer Zeitung theilt das Personal des hiesigen\nStadttheaters für den nächsten Winter mit, wonach für die Oper\n\n*) Vergl. Jahrg. 1863, rDer rheinische Sängervereiu\", S. 3|!l\nund 327."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "288", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640903-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4790, "texte": "folgende Künstler gewonnen sind: die Herren Otto Bach und\nFreudenberg als Capellmeister; Fräulein Klingelhöfer von\nBreslau, erste dramatische Sängerin; Fräulein Brückner von Re-\ngensburg, Coloratursängerin; Fräulein Franceschini (Schülerin des\nProf. Mulder), Soubrette; Fräulein Gindele und Fräulein Gall-\nmeyer, Altistinnen; Fräulein Lamara aus Hamburg, jugendliche\nSängerin; die Herren Avoni von Olmütz, Waldmann von Schwe-\nrin, Brofft von Düsseldorf Jäger von hier, Tenoristen; Herr\nRose hl au von Aachen, Bariton; Herr Tümmel von Posen, Bas-\nsist; Herr Freund von Ulm, Bass-Buffo.\nSclilaiijseiilmcl. Am 11. August hier und in Schwal-\nbach am 10. hat Herr W. Wülfingh off, Pianist und Clavier-\nlehrer in Wiesbaden, Concert gegeben und mehrere Stücke von\nclassischen Meistern, wie J. S. Bach, Field, Beethoven, Weber,\nChopin, und glänzende Salon-Compositionen von Henselt, Döhler\nu. s. w. mit grossem Beifalle gespielt. Interessant waren die Vor-\nträge der kleinen Amalie Wülfinghoff, Kl Jahre alt, von Beet-\nhovens Variationen über Nel cor piu non mi sento und eines Wal-\nzers von Chopin, ja, sogar der Sonate pathetique von Beethoven!\nDas Programm enthielt zugleich eine artige Interpretation von Cho-\npin's Berceuse in drei Strophen.\nDie Grossfürstin Helene von Russland hat aus Karlsbad dem\nMozarteum in Salzburg ein werthvolles Geschenk gemacht. Es fand\nnämlich Herr Dessauer ein altes Notenheft unter dem geschriebe-\nnen Titel: „Ce livre apartient h Marie Anne Mozart 1759\". Die\nersten Bogen enthalten Uebungsstücke für Ciavier, geschrieben von\nder Hand des Vaters Mozart's. Zum Schlüsse des Heftes erscheinen\naber etwa 10—12 Blätter von der eigenen Handschrift des Wolf-\ngang Amadäus Mozart aus den Jahren 1762 und 1763, enthal-\ntend fünf noch nicht bekannte Compositionen des grossen Meisters.\nDie Grossfürstin brachte das Heft an sich und machte dem Mo-\nzarteum ein Geschenk damit, da sie, wie es in dem Schenkungs-\nbriefe heisst, eine so kostbare Reliquie nicht entführen wolle, nach-\ndem sie in deren Besitz gekommen.\nDer königl. Capellmeister W. Taubert, Mitglied der königl.\nAkademie der Künste in Berlin, ist zum Mitgliede der musicalischen\niSection des Senates der gedachten Akademie ernannt worden.\nFräulein Ilma v. Murska hatte sich durch ihre\ndoppelte Darstellung der Lucia so glücklich introducirt, dass bei\nder „Martha\" im Operntheater buchstäblich „kein Apfel zu Boden\nfallen konnte\". Es ist unläugbar, dass die jugendliche Gastin durch\nden brillanten Vortrag der berüchtigten Proch'schen Variationen im\nvierten Acte das Publicum zu gerechten Beifalls-Ausbrüchei? ' :nriss.\nAber wir wüssten in der eigentlichen Rolle aüch keine SteL inzu-\ngeben, die sich diesem „Nebenverdienst\" vollkommen würdig an die\nSeite setzen liesse. Die Stimme des Fräuleins v. Murska ist weder\nstark, noch von besonders angenehmem Timbre; der Vortrags- und\nnamentlich der Darstellungsweise aber scheint es, nach jenem Abende\nzu urtheilen, an frischer Lebendigkeit und Naturwabrheit sehr zu\nfehlen, so dass am Ende nichts übrig bleibt, als die trefflich fun-\ndirte, virtuos entwickelte Gesangs-Technik zur Ausfüllung der Inter-\nmezzo's aufzubieten. Dass dabei immer im Einzelnen viel Gelun-\ngenes, ja, Frappantes mit unterläuft, lässt sich denken. Beim An-\nschauen dieser anmuthigen Stimmgaukelei wollte uns aber durchaus\nder verwünschte Gedanke nicht aus dem Sinne, das Fräulein sei\neigentlich gar kein wirkliches Fräulein, sondern eine jener pfirsich-\nroth geschminkten Phantasie-Puppen-Figuren in Theodor Amadeus\nHoftmann s Manier, die an Stelle der Seele eine Spieluhr im Leibe\nhaben. (Wien. Ree.)\nP. Scudo, der berühmte Musik-Kritiker der Revue des deux\nMondes, ist gefährlich erkrankt.\nDer Nachricht, nach welcher Gounod geisteskrank geworden\nsein sollte: wird von Paris aus auf das entschiedenste wiederspro-\nchen. Gounod soll sich einer vorzüglichen geistigen und körperli-\nchen Gesundheit erfreuen.\nliOlldoil* Balfe hat eine neue komische Oper auf einen\nenglischen Text: The Sleeping Queen (Die schlafende Königin), ge-\nschrieben. Die Bemühungen, eine englische Oper hier zu errichten\nwelche fast jedes Jahr nach Schluss der Saison der Italiäner auf-\ntauchen, aber eben so oft wieder untergehen, ohne etwas von Be-\nstand zuwege zu bringen, erneuern sich dieses Mal mit grossem\nEifer.\nAus London wird geschrieben: „Der Schauspieler Thomas\nPotte-Cooke ist unlängst mit Hinterlassung eines Vermögens von\n30,000 Pf. St. gestorben. Mit einem Capital von 2000 Pf. St., das\ner dem londoner Dramatic College hinterlassen, ist ein Preis für\nein National-Schauspiel gestiftet, der jedes Mal am 23. April, dem\nGeburtstage Shakespeare's und seinem eigenen, vertheilt werden\nsoll.\"\nFlotow's neue Oper „Naida\" soll in der nächsten Saison der\nitaliänischen Oper in Petersburg zur Aufführung kommen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "281", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640903-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nPariser Briefe (Die „Concerts populairesu von J. Pasdeloup Meyerbeer's Africanerin J. Becker Soiree bei\nBossini SociM du Grand Concert). Das Eossini-Fest in Pesaro. (Brief von Panofka.) Ueber das Verhältniss des Stils der Meister\ndes XVI. Jahrhunderts zu der heutigen Musik. Tages- und Unterhaltungsblatt (Aachen, rheinischer Sängerverein Iserlohn,\nMusikfest Mainz, Theater-Personal Schlangenbad, Concerte Geschenk an das Mozarteum'— Capellmeister Taubert u. s. w.).\n\nPariser Briefe.\n(Die vConcerts pojpulairesu von J. Pasdeloup*] Meyerbeer's\nAfricanerin J. Becker Soiree bei Rossini Sociöte\ndu Grand Concert).\nIn Folge der politischen Stürme des Jahres 1848 sah\nsich ein junger Tonkünstler, der einen ersten Preis als\nClavierspieler im pariser Conservatorium im Jahre 1833\nerhalten hatte, genöthigt, eine Stelle in der Verwaltung\nder ehemals königlichen Schlösser, jetzt National-Eigen-\nthum geworden, anzunehmen, um die Existenz seiner Fa-\nmilie, zu deren Haupt ihn allzu früh der Tod seines Vaters\ngemacht hatte, zu sichern.\nWährend der Mussestunden von Amtsgeschäften com-\nponirte er in einem der schönsten Parks in den Umgebun-\ngen von Paris, und im Jahre 1850 brachte er dem Di-\nrector einer Concert-Gesellschaft ein Scherzo, das er im\nSchatten der hundertjährigen Eichen von St. Cloud ge-\nschrieben hatte. Der Director, dessen rauhe Aufrichtigkeit\neben so gross wie sein musicalisches Talent war, sagte\nihm gerade heraus, dass er seine Partitur gar nicht an-\nsehen würde, da er nur Sachen von grossen Meistern\naufführe.\nDer bescheidene Künstler steckte sein Manuscript\nwieder ein, ohne ein Wort zu entgegnen. Allein der Ge-\ndanke fuhr in diesem Augenblicke durch seinen Kopf, eine\nConcert-Unternehmung ins Leben zu rufen, in welcher\nCompositionen von jungen, unbekannten Meistern neben\nclassischer Musik zur Aufführung kommen sollten. Er\nnahm sich vor, sein Orchester aus den jungen Zöglingen\ndes Conservatoires zu bilden, und voll Willenskraft und\nunaufhaltsamem Thätigkeitstriebe, die ihm Vertrauen auf\nseinen Plan einflössten, legte er seine Verwalter-Stelle nie-\nder und stellte sich als Orchester-Director an die Spitze\neiner Gesellschaft, welche er Societe des jeunes artistes du\nConservatoire nannte, und gab am 20. Februar 1851 sein\nerstes Concert in dem Saale Herz.\nDer Gedanke, die besten Zöglinge des Conservatoires\nzu einem Orchester zu vereinigen, war nicht neu. Schon\nvor der Gründung der Concert-Gesellschaft des Conserva-\ntoires, der einzigen der Art, welche seit dem 9. März\n1828 allen Wechsel der Regierungsform und der Mode\nin Paris überdauert hat, hatte die Verwaltung der Anstalt\nselbst unter dem Consulate mit Erfolg den Versuch dazu\ngemacht. Späterbin wurden die Concerte, in welchen die\ntüchtigsten Zöglinge das Orchester bildeten, nach einer\nUnterbrechung derselben wieder neu organisirt, und Ha-\nbeneck machte darin seine erste Schule zum Dirigenten\nund hauptsächlichen Begründer der späteren Conservatoire-\nConcerte. Im Jahre 1826 unternahm A. El wart in dem\nkleinen Saale des Conservatoires die Concerts d'emula-\ntion, welche bis 1834 bestanden. Zu der Ausführung\nvon Instrumental- und Vocalmusik benutzte er ebenfalls\ndie Schüler und Schülerinnen der Anstalt.\nDas waren gleichsam die Vorspiele zu dem Unter-\nnehmen von Jules Pasdeloup gewesen, denn er war\nes, von dem oben die Rede war und der am 20. Februar\n1851 sein erstes Concert mit seiner „Gesellschaft der jun-\ngen Künstler vom Conservatoire\" gab. Dieser Titel war\ndamals eine Wahrheit, denn der grösste Theil der Instru-\nmentalisten bestand wirklich aus Conservatoiristen, aber\nbald wusste Pasdeloup auch bereits durchgebildete, ja, schon\nrühmlich bekannte Künstler für seine Concerte zu gewin-\nnen und zugleich die herangewachsene Generation des\nConservatoires an das Unternehmen zu fesseln.\nAllein trotz der günstigen Theilnahme vieler hohen\nBeamten und der opferwilliger. Unterstützung eines wohl-\nhabenden musikliebenden Gönners fristeten die Concerte\nder jungen Gesellschaft nur mit Mühe ihre Existenz; sie\n\n*] Histoire des Concerts populaires de Musique classique etc.\netc. par A. Elioart. Paris} chez Castel, 1864. 142 S. 8."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "282", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640903-01.1.2", "texte": "hatten mehr Erfolg in der öffentlichen Meinung, als reich-\nlichen Ertrag. Allein Pasdeloup war nicht der Mann, sich\nabschrecken zu lassen, er beharrte mit Energie und stetem\nStreben nach vollkommenerer Leistung bei seinem Plane\nund sah mit richtigem Blicke voraus, dass es nur der Aus-\ndauer bedürfe, um die nicht ferne Zeit zu erwarten und\n»•\ndurch eigene Anstrengung herbeiführen zu helfen, wo\nnicht bloss die privilegirte Zuhörerschalt der Conservatoire-\nConcerte, sondern auch die grosse Menge der Musiklieben-\nden in der Weltstadt Paris die Meisterwerke der Deut-\nschen schätzen und lieben lernen und zu ihren Ausführun-\ngen massenweise hinströmen würden. Er führte desshalb\nvor Allen Haydn, Mozart, Beethoven und Carl Maria von\nWeber seinen Zuhörern vor, damit sie den Eindruck, den\nsie empfangen, weiter trügen, wagte es auch, Mendels-\nsohn, ja, sogar Schumann ihnen vorzustellen und brachte\ndazwischen Werke der Zeitgenossen in Paris, Sinfonieen\nvon Gounod, Gouvy, Saint-Saens u. s. w.\nZu vielen Aufführungen von bisher in Paris ganz unbe-\nkannten Werken gab er durch seine Concerte Veranlas-\nsung, z. B. von Weber's „Preciosa\", von Mozart's\n„Entführung aus dem Serail\" auf dem\nEine erfreuliche Vermehrung der Einnahme der Or-\nchester-Mitglieder gewährte es, dass der Seine-Präfect\nHerrn Pasdeloup beauftragte, die Concerte in den wöchent-\nlichen Winter-Soireen auf dem zu organi-\nsiren. Auch wurde die Gesellschaft zu mehreren Coneert-\nAufführungen in Privatkreisen, z. B. in den Soireen des\nMinisters der schönen Künste und der Museen, eingeladen.\nSo erhielt sich das neue Institut neun Jahre lang, und\ndie Theilnahme daran, hauptsächlich von Künstlern von\nFach und bedeutenden Dilettanten getragen und befür-\nwortet, stieg in Bezug auf Anerkennung und auch auf\nzahlreicheren Besuch dergestalt, dass Pasdeloup den Ent-\nschluss fasste, seine Concerte in einen grösseren Saal zu\nverlegen und bei den Eintrittspreisen Bücksicht auf die\nMenge von Musikfreunden zu nehmen, denen ihre häus-\nlichen Verhältnisse keine grossen Ausgaben für Concert\nund Theater erlauben. Der Director des\njenes grossartigen Bauwerkes von Hittorf, ging auf den\nGedanken ein und stellte ihm den ungeheuren Saal, der\nfünf Tausend Menschen fasst, zur Verfügung, und so ent-\nstanden die Concerts populaires,die gleich im ersten Jahre\neinen kaum geahnten Erfolg hatten und seitdem in wirk-\nlicher Popularität so gestiegen sind, dass nicht allein ihr\nBestehen gesichert ist, sondern sie zugleich einen reich-\nlichen Ertrag gewähren, der für die Aufopferungen von\nZeit und Mühe in den früheren Jahren entschädigt.\nDie Concerte finden Sonntags um 2 Uhr Nachmittags\nStatt, sind also dem pariser Gebrauche, erst um 6 Uhr\noder noch später zu speisen, gemäss Morgen-Concerte.\nDas erste wurde am 27. October 1861 gegeben und\nhatte folgendes Programm: 1. Weber, Ouvertüre zu\nOberon; 2. Beethoven, Pastoral-Sinfonie; 3. Violin-\nConcert von Mendelssohn, gespielt von Alard; 4.\nHymne von Jos. Haydn („Gott erhalte Franz, den Kai-\nser\", für Violin-Quartett), ausgeführt von sämmtlichen\nSaiten-Instrumenten; 5. M£hul, Ouvertüre zur Jagd\nHeinrich's IV.\nIn den sieben folgenden der ersten Beihe kamen unter\nAnderem zur Aufführung von Beethoven die Sinfonieen\nin C-moll(2 Mal), C-dur, F-du(Nr. 8), A-dur, die Ou-\nvertüre zu Egmont und ein Theil des Septetts; von Mo-\nzart Ouvertüren zur Zauberflöte, Figaro, Sinfonie in Es;\nvon Weber Jubel-Ouverture, Euryanthe, Freischütz,\nAufforderung zum Tanze, instrumentirt von Berlioz; von\nMendelssohn G-moll-Concert für Piano, gespielt von\nErnst Lübeck, Sinfonie in Allegretto aus der\nSinfonie Op. 52, Ouvertüre Melusine.\nBesuch und Beifall waren so gross, dass Pasdeloup\nnach der ersten Reihe von acht Concerten in derselben\nSaison (1861 —1862) eine zweite und eine dritte veran-\nstalten konnte. Und so ist es geblieben: in jedem Winter\nfinden vierundzwanzig Concerte in drei Serien Statt,\nwozu dann noch einige ausserordentliche Concert- oder\nmusikfestliche Aufführungen kommen.\nDas Orchester zählt 20 erste und 20 zweite Violinen,\n12 Bratschen, 12 Violoncelle und 12 Contrabässe, also\n76 Geigen-Instrumente; 3 Flöten, 2 Oboen, 2 Clarinetten,\n2 Fagotte, 4 Hörner, 2 Trompeten, 3 Posaunen, Ophi-\nklei'de, Pauken, 4 Harfen, Triangel zusammen 101\nPersonen. Unter ihnen sind 44, welche als Zöglinge des\nConservatoires den ersten Preis erhalten haben. Seit dem\nvorigen Jahre hat Pasdeloup auch einen Chor gebildet\n(Choral populaire de musique classique), welcher in den\nExtra-Concerten und von jetzt an in vier grossen Musik-\nfesten, welche nach den drei Reihen sinfonistischer Con-\ncerte folgen sollen, mitwirken wird.\nDie Eintrittspreise sind gegenwärtig folgende: Parquet\n(numerirte Stühle) 5 Fr.; Erster Platz 2 Fr. 50 C.; Zwei-\nter 1 Fr. 25 C.; Dritter 75 Cent. Die in Paris übliche\nErhöhung bei Vorausbestellung beträgt für das Parquet\neinen und für den ersten Platz einen halben Franc; der\nzweite und dritte Platz erleiden in Betracht des populären\nZweckes keine Erhöhung.\nIn den vier ausserordentlichen Concerten der Saison\n1861 1862 wurde der erste Theil von Mendelssohn's\n„Elias\" im ersten aufgeführt und im zweiten wiederholt,\nim dritten Mozart's „Requiem\" bis zum Lacrimosa ein-\nschliesslich und Beethoven's Pastoral-Sinfonie, im vierten"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "283", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640903-01.1.3", "texte": "(zum Besten einer Erziehungs-Anstalt für Töchter von\nKünstlern und Schriftstellern) Wagner's Tannhäuser-\nMarsch und Chor; in demselben spielte Alard das Con-\ncert von Mendelssohn, Sivori das H-moll-Concert von\nPaganin i.\nEinen merkwürdigen Fortschritt haben Pasdeloup's\npopuläre Concerte in einer wichtigen Beziehung dadurch\nbewirkt, dass die Virtuosen-Leistungen in den Hintergrund\ngestellt worden sind und eigentlich nur noch als Lockspeise\nund Concession an den alten pariser Kunstgeschmack in\ndie Programme aufgenommen worden. Eine andere Conces-\nsion ähnlicher Art, die Vorträge von Kammermusikslücken\ndurch das sämmtliche Geigen-Quartett und Contrabässe,\nwar durch die Rivalität mit den Conservatoire-Concerten\ngeboten und ist in dem ungeheuren Räume des\nNapoleon auch eher zu rechtfertigen, als in dem kleinen\nConcert-Theater des Conservatoires. Den Reiz der Neuheit\nhat die Sache längst verloren, und dass sie kein ausseror-\ndentliches Kunststück sei, haben die jeunes Artistes schon\nim Saale Herz seit zehn Jahren bewiesen.— Auch überall\nein vollständiges Ganzes zu geben, hat Pasdeloup noch\nnicht gewagt; wir begegnen daher noch vielen fragmen-\ntarischen Aufführungen von Sinfonie- und Quartettsätzen\naus den grossen Werken aller Meister.\nBetrachtet man die Programme der drei Jahre, so\nlässt sich aus den gewählten Compositionen und nament-\nlich aus der Zahl der Wiederholungen ein ungefährer\nSchluss auf den gegenwärtigen Geschmack der Franzosen\nin Sachen der Tonkunst ziehen. Haydn ist 33 Mal vor-\ngekommen mit ganzen Sinfonieen und Bruchstücken\nderselben, ferner 16 Mal mit Quartettsätzen (en masse), also\n49 Mal im Ganzen. Mozart 13 Mal mit Sinfonieen\n{G-moll 4, C-dur mit Fuge 3, D-dur 2 Mal, B-dur, Es-\ndur und Bruchstücke) und 7 Mal mit Fragmenten aus\nden Quintetten (en masse), also 20 Mal im Ganzen.\nBeethoven 33 Mal mit Sinfonieen (C-dur 4, C-moll 8,\nD-dur 4, Es-dur Eroica, 1, F-dur, Nr VIII, 2, A-dur\n6, B-dur 1, D-moll, Nr. IX mit Chor, 1, Pastorale 6\nund 4 Mal in Bruchstücken), ferner 12 Mal in Gesammt-\nAusführungen von Theilen des Septetts und der Quartette\nNr. 9 und 10 (Fuge), also im Ganzen 45 Mal. Men-\ndelssohn 13 Mal mit ganzen Sinfonieen, 4,\nmoll 5, mit Fragmenten 4 Mal.— Schumann in Es-dur\n1 Mal. Theod. Gouvy in 1 Mal. Gounod\nBruchstück der Sinfonie in Es-d 1 Mal. Bizet Scherzo\n(Manuscript) 1 Mal.\nIn Bezug auf Ouvertüren finden wir folgendes Ver-\nhältniss: J. S. Bach die Suite in D als Ouvertüre 1 Mal.\n—Gluck Iphigenie in Aulis 2. Mozart Zauberflöte 2,\nDon Juan 1, Figaro 2 = 5 Mal. Cimarosa\nmonio segreto 2. C. M. von Weber Oberon 5, Eu-\nryanthe 4, Preciosa 2, Beherrscher der Geister 2, Frei-\nschütz 5, Jubel-Ouverture 2 = 20 Mal. Beethoven\nPrometheus 1, Fidelio (in E-dur) 3, Egmont 5, Coriolan\n2, Zwiscbenacte zu Egmont 3= 14 Mal*). Cheru-\nbini Lodoiska 1, Medea 2, Portugiesisches Gasthaus 1\n= 4 Mal. Mendelssohn Fingalshöhle 3, Buy Blas 3,\nSommernachtstraum 4, Musik zum Sommernachtstraum 1\n= 11 Mal. —Bossini Wilhelm Teil 4, Semiramis 3 =\n7 Mal. Schumann Genofeva 2 Mal. Mehul, He-\nrold, Auber, Meyerbeer (Struensee 1, Polonaise 3),\nBerlioz (Römischer Carneval) je 1 Mal.\nIm Ganzen ist in den drei Jahren durch die Energie\neines einzigen Mannes wirklich Grosses geleistet worden.\nWenn es auch in Deutschland, wo man an treffliche Con-\ncert-Aufführungen der classischen Musik gewöhnt ist, nicht\neben ausserordentlich erscheinen mag, so ist es doch für\nFrankreich wahrhalt bewundernswert!) und von unaus-\nbleiblichen Folgen für Richtung des Geschmacks.\nUeber die Einrichtung des Unternehmens, das den\npopulären Concerten von Pasdeloup Concurrenz machen\nsoll, ist ein ausführlicher Prospect erschienen, der im Stil\nund in den Verheissungen grosse Aehnlichkeit mit den ge-\nwöhnlichen Ankündigungen von Actien-Gesellschaften hat.\nUnterzeichnet haben ihn als „Gründer der Societe da\nGrand Concert\"'die Herren Felicien David, D. Magnus,\nLeopold Deutz und Charles de Lorrac.\nDer ausgesprochene Zweck ist, die classischen Meister-\nwerke aller Nationen und Zeiten mit grossen Massen gut\naufzuführen und zu massigen Eintrittspreisen. Werke von\nneueren Componisten sollen eben so wenig ausgeschlossen\nwerden, wie Solo-Vorträge von Sängern und Instru-\nmentalisten.\n„Felicien David wird der artistische Director sein.\nMan wird Sinfonieen, Sinfonieen mit Chören; Fragmente\nvon Opern, Messen, Oratorien; Ouvertüren, Chöre, Can-\ntaten u. s. w. aufführen.\" —Curiosa sind folgende Stellen:\n„Man wird nur Werke von unbestrittenem Verdienste und\nderen Erfolg sicher ist, geben.\" „Die Gesellschaft\ndu Grand Concertist weit entfernt davon, allein dazu be-\nstimmt zu sein, das symphonische Repertoire des\nHerrn Felicien David ins Licht zu stellen, son-\ndern wird an alle französischen und auswärtigen Componi-\nsten die Einladung ergehen lassen, ihre Werke persönlich\nzu dirigiren.\"\n\n*) Hier ist besonders auffallend, dass die üJ-tfor-Ouverture zu\nFidelio 3 Mal, die grosse in C zu Leonore gar nicht und die\nSinfonia eroica zwar ein Mal gemacht worden, aber keine Wieder-\nholung erlebt hat. Eben so bezeichnend dürfte es sein, dass We-\nber unbedingt den Vorzug in den Onverturen über alle anderen\nComponisten (Beethoven eingeschlossen) erhalten hat.\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "284", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640903-01.1.4", "texte": "Die G esollschaft hat mittels notariellen Actes vom 2.\nJuli d. J. auf 14 Jahre den grossen Saal\ncule in der Rue Richer Nr. 32 gemiethet; er enthält mehr\nals 3000 Sitzplätze und eine Bühne für 400, bei ausser-\nordentlichen Gelegenheiten für 600 ausführende Musiker\nund Sänger. Sie wird ein eigenes Orchester von 85\ntüchtigen Künstlern engagiren und sie gut besolden, so\ndass „so viele Proben, als nöthig erachtet werden, gehal-\nten werden können\". (Auch dieser Zusatz ist charakte-\nristisch, denn es ist leider wahr, dass es in Paris erschreck-\nlich schwer hält, mehrere Proben für eine grosse Auffüh-\nrung zu Stande zu bringen.) Der Chor soll Anfangs 200\nChoristen zählen, später auf 250 und selbst bis auf 300\nvermehrt werden. Ausser dem Gehalte wird den Mitglie-\ndern des Orchesters und Chors eine Theilnahme von 10\npCt. an dem Gewinne gesichert.\nDie Eintrittspreise werden auf 2 und 1 Fr. gesetzt,\nwofür Jeder (auch für 1 Fr.) einen numerirten Sitz er-\nhält. Eine Preiserhöhung auf die Vorausmiethe findet\nnicht Statt.\nDas Grundcapital ist auf 600,000 Fr. festgestellt und\nwird durch 1200 Actien zu 500 Fr. aufgebracht; der Zeich-\nner von 10 Actien erhält das persönliche Recht des freien Ein-\ntritts. Die Actien werden mit 5 pCt. verzins'!, gewähren aber\nnach einem calcul minutieux Aussicht auf 50 pCt. Gewinn!\nIn den Operntheatern ist stille Zeit, was die Kunst\nbetrifft; nur die Gala-Vorstellung mit der glänzenden Sce-\nnerie in den Logen hat einigen Lärm gemacht, der aber,\ndurch die spanische und altfranzösische Etiquette be-\nschränkt, nicht einmal recht zum Ausbruche kam. Gege-\nben wurde das Ballet „Nemea\", die einzige Neuigkeit,\nwelche die grosse Oper diesen Sommer aufbringen konnte.\nMan wird mir die Aufzählung der Lichter nicht bloss\nder Gasflammen, denn die Rückkehr zum Rococo erfor-\ndert Wachslichter! und der Toiletten und Diamanten\nund Ordenssterne erlassen.\nDie einzige Theater-Nachricht von Bedeutung ist die,\ndass F&is von Brüssel auf Einladung von Meyerbeer's\nWitwe und des Herrn Perrin, Directors der grossen Oper,\nhier angekommen ist, um die Partitur der „ Africanerin\"\neinzusehen, deren Proben unter seiner Leitung nach der\nBestimmung des Dahingeschiedenen gehalten werden sol-\nlen. Nach anderen Auslegungen soll dieser immerhin für\nF&is ehrenvolle Auftrag nicht auf einem testamentarischen\nWunsche des Verstorbenen, sondern auf einer Combina-\ntion der hiesigen entscheidenden Mächte, deren Vertreter\nich so eben genannt habe, beruhen, indem man durch die\nBerufung einer ausländischen Berühmtheit keine einzelne\neinheimische zu verletzen hofft, da sie sich alle davon\nausgeschlossen sehen das nachgelassene Werk unter ihren\nAuspicien in Scene gehen zu lassen.\nUeber Meverbeer erscheinen noch fortwährend Bro-\n«/\nschüren und Artikel, meist ohne allen Werth und nichts\nals Erzeugnisse der buchhändlerischen und journalisti-\nschen Industrie. Man war indess in den höheren musicali-\nschen Kreisen hier sehr neugierig, wer den grossen Mei-\nster in dem Capitel des preussischen Ordens pour le merite\nersetzen würde. Die Nachricht, dass Grell in Berlin das\nRitterkreuz Meyerbeer's erhalten habe, hat überrascht, da\nman hier glaubte, die Wahl könne nur zwischen zwei be-\nrühmten deutschen Componisten schwanken. Ich gestehe,\ndass ich auf die Erkundigungen hiesiger Tonkünstler bei\nmir über Herrn Grell nichts Anderes zu antworten wusste,\nals dass mir bei meiner bereits ziemlich langen Abwesen-\nheit von Deutschland der Name aus der Erinnerung ge-\nkommen sei *).\nWeil ich einmal bei Ehrenbezeigungen bin, so muss\nich der Medaille erwähnen, welche die Concert-Gesellschaft\ndes Conservatoires unserem Landsmanne, dem Violinisten\nJohann Becker (ich darf den deutschen Künstler nicht\nJean Becker, wie er sich auch selbst bei Euch schreiben\nsoll, nennen!), als Zeichen der Verehrung und Dankbarkeit\nfür seinen Vortrag namentlich des Concertes von Beetho-\nven übersandt hat. Sie ist von Silber und zeigt das Bild-\nniss Habeneck's.\nRossini hat den Vorabend des 21. August, seines\nzweiundsiebenzigsten Namenstages, auf seiner Villa zu\nPassy in vertraulichem Kreise gefeiert, wo zugleich die\nAuszeichnung bekannt wurde, die er vom Könige von Ita-\nlien durch Uebersendung des Grosskreuzes vom Orden\ndes heiligen Mauritius und Lazarus erhalten hat**). Im\nGarten war glänzende Illumination und Feuerwerk trotz\ndes Regens. Im Saale sangen Faure, Obin und Vil-\nla ret (Tenor) das Terzett aus Wilhelm Teil, welches\nRossini seit länger als dreissig Jahren nicht wieder gehört\nhatte, und Tamburini, die Celebrität der Generation,\ndie den Barbier von Sevilla zuerst hörte, sang mit Frau\nLemmens-Sherrington das Duett von Rosine und Fi-\ngaro. Der vortrefflichen Sängerin begleitete Rossini selbst\nseine Elegie: Adieux ä la, vie. Schliesslich erfolgte die\nAufführung einiger komischen Scenen durch Schauspieler\nvom Theätre fran^ais.\n\n*) Herr Eduard Grell (geboren 18QU) ist seit Rungenhagen's\nTode Director der von Fasch gegründeten Sing-Akademie in\nBerlin, welcher Anstalt er seine verdienstliche Thätigkeit fast aus-\nschliesslich widmet. Mehrere von seinen Compositionen, im Kirchen-\nstile für die Akademie geschrieben, werden sehr geschätzt.\nDie Redaction.\n**) Siehe unten den Bericht aus Pesaro."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "285", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640903-01.1.5", "texte": "Das Rossini-Fest in Pesaro.\n\n(Brief von Panofka.)\nPesaro, 22. August 1864.\nAm Samstag den 20. fuhren wir, eine ganze Kara-\nwane von Tonkünstlern, Dichtern, Sängern und Journa-\nlisten, von Bologna früh um 5 Uhr ab und trafen um 9\nUhr auf dem Bahnhofe von Pesaro ein. Eine Militärmusik\nempfing uns mit rauschenden Fanfaren. Ein unabsehbares\nGewühl von Menschen liess befürchten, kein Quartier zu\nbekommen, denn Tausende von Fremden strömten der\nanmuthigen Stadt Pesaro zu, die nicht mehr als 12,000\n(16,000)Einw. bat. Bei so bewandten Umständen hatten wir,\nmein Freund Emiliani, der treffliche Violinist von Bologna,\nund ich die Gastfreundschaft der Witwe und des Sohnes\ndes berühmten Componisten Vaccai doppelt zu preisen.\nGanz in der Nähe ihrer Wohnung liegt in der Strasse\nRossini das kleine, aber niedliche Haus, in welchem der\nSchwan von Pesaro das Licht der Welt erblickte, was\neine marmorne Tafel bekundet.\nDer allgemeine Sammelplatz war der Platz Rossini;\ndort befindet sich in einer Nische der Fagade von San\nDomenico eine Statue des Componisten in einem polni-\nschen Rocke mit Schnüren, das Geschenk eines Privat-\nmannes. Der Kirche gegenüber war ein Cafe Rossini im-\nprovisirt, wo trotz der grossen Hitze die künstlerischen\nNotabilitäten aus ganz Italien zusammenkamen, um ihrem\ngrossen Meister zu huldigen. Palermo war durch den Se-\ncretär der Akademie der schönen Wissenschaften und\ndurch zwei Journalisten vertreten; Neapel durch zwei Pro-\nfessoren der Musik am Conservatorium und den Compo-\nnisten Florino; Venedig durch den Capellmeister von San\nMarcus, Buzzola; Turin durch den Redacteur des „Pi-\nratau;Florenz durch die Grafen Pertirari- Gardiano und\nAppoliti, den Componisten Pacini, den berühmten Con-\ntrapunktisten Mabellini und den besten Orchester-Director\nvon Italien, Mariani. Von Mailand war der Director des\nConservatoriums, Rossi, und die beiden Professoren Ron-\nchetti und Lucca, und de Filippi, der Redacteur der „Per-\nseveranza\", zugegen, von Bologna der Graf Pepoli, Maire\nvon Bologna und Dichter von Operntexten, der berühmte\nViolinist Emiliani, der Pianist Gollinelli, die Sänger Ivanoff,\nBadiali, Giraldoni u. s. w. und der Dichter Mercantini.\nAm Abende des 20. wurde „Wilhelm Teil\" gegeben.\nDer Tenorist Stigelli war leider durch plötzliches Erkran-\nken am Auftreten verhindert, sonst war die Aufführung\nimposant; das Orchester bildeten die ausgezeichnetsten\nMusiker von Italien, und ein Chor von 68 Sängern ent-\nwickelte eine schöne Klangfülle. Mariani dirigirte die Oper.\nDas Theater von Pesaro fasst 1500 Personen und war\nüberfüllt. Die wahrhaft tropische Hitze zwang gar Manche,\nvor dem Ende das Haus zu verlassen. Das Publicum war\nüber die Maassen begeistert und rief gleich die Ouvertüre\nda Capo.\nDer folgende Tag, der 21. August, war durch das\nschönste Wetter begünstigt. Vom frühen Morgen an\npflanzte man Masten auf, von deren Spitzen die National-\nllaggen wehten, eine Menge Musikbanden zogen durch die\nStrassen, die Pferde der Fiaker waren mit roth und weis-\nsen Federbüschen geschmückt und eine ungeheure Menge\nvon Menschen wogte auf und ab.\nUm 12 Öhr wurde das Fest durch eine feierliche\nSitzung eröffnet, welche Se. Excellenz der Minister des\nInnern, HerrPeruzzi, präsidirte, ihm zur Seite der Maire\nund die Beigeordneten von Pesaro. Der Graf Pertirari las\neine Rede im Namen der Repräsentanten von Florenz,\nwelche der Stadt eine grosse goldene Erinnerungs-Medaille\nüberreichten. Herr Regli las eine Abhandlung über die\nWerke Rossini's, welche oft durch Beifall unterbrochen\nwurde. Am meisten aber zündete die freie Rede des Mini-\nsters Peruzzi, eines Mannes von höchst noblem und ein-\nnehmendem Aeussern, dabei ein grosser Redner mit herr-\nlichem Organ. Seine Worte waren der Ausdruck einer\nwahren Begeisterung für die Kunst; erhebende Gedanken,\nglänzende Betrachtungen über das Verhältniss der Kunst\nzum Staate, und unter Anderem die Worte: „Als Italien\nim Schlafe lag, war Rossini der Einzige, der durch seine\nMelodieen das Leben des Vaterlandes verkündete\", riefen\neinen Enthusiasmus hervor, der in dreimaligen lauten Bei-\nfall ausbrach.\nUm 3 Uhr versammelte man sich auf dem Bahnhofe,\nwo die Bildsäule Rossini s, das Geschenk der Herren Sa-\nlamanca und Delahante, Directoren der italiänischen Eisen-\nbahnen, enthüllt wurde. Ein sonderbarer Zufall ist es,\ndass Rossini, der bekanntlich die Eisenbahnen nicht liebt\nund nie mit dem Dampfwagen fährt, in Passy eine Villa\nneben dem Bahnhofe bewohnt, und dass nun gar seine\nStatue zu Pesaro auf dem Bahnhofe selbst steht! Er ist\nsitzend dargesellt, die Augen auf den Perron gerichtet,\nund kehrt der Stadt den Rücken zu. | Hony soit qui mal\ny pensef]Auf einer grossen Bühne befanden sich fünf-\nhundert Sänger und Instrumentalisten: sie begannen mit\nder Ouvertüre zur Gazza ladraAlsdann ergriff der Graf\nBriganti-Bellini als Vertreter der Gesellschaft der römi-\nschen Eisenbahnen das Wort und hielt eine Rede von\nstark politischer Färbung. Hierauf folgte die Aufführung\nder für diese Feierlichkeit von Mercantini gedichteten\nund von Mercadante in Neapel componirten Cantate.\nMercadante hatte, von einem richtigen Gefühle geleitet.\nRossini'sche Motive, namentlich aus der „Donna del Lago*"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "286", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640903-01.1.6", "texte": "und aus „Zelmira\", zu einem Ganzen verbunden und vor-\ntrefflich instrumentirt. Die Cantate gefiel sehr und musste\nvollständig wiederholt werden. Mercadante war verhindert,\npersönlich anwesend zu sein. Alsdann trat der Graf Pepoli\nvon Bologna auf und verkündete, dass in demselben Au-\ngenblicke, wo die Hülle der Bildsäule Rossini's fiel, in\nBologna auf dem Platze vor dem Lyceum ein Denkstein\nmit folgender Inschrift errichtet werde:\nQui entrö studente, di qui usci principe\ndelle seiende musicali\nGIOACCHINO BOSSINI.\nBologna,\nPer doeumento p\nAI Bglio adottivo, int\nla circostante piazza.\nQ. L. P.\nII 21. Ägosto.\nDie Feier wurde durch die schwungvolle Ausführung\nder Ouvertüre zu Semiramis beschlossen. Mariani hatte\nalle Aufführungen sehr geschickt dirigirt.\nAm Abende war die Stadt erleuchtet und Concert im\nTheater.\nDie erste Nummer des Programms war eine Fest-\nCantate von Pacini auf einen Text, der ebenfalls von\nMercantini gedichtet war. Der Gedanke, die verschie-\ndenen Städte Italiens, welche dem Meister ihre Huldigung\ndarbringen, als Personen einzuführen, lag dem Gedichte\nzum Grunde. Venezia z. B. sang folgende Stanze:\nVengo alla festa aneh' io per l'aria bruna,\nPorto il sospiro della mia laguna.\nLa mia lagunae in fac\nE piena di canzoni era quell' onda.\nSa i canti di Rossini\nMa oggi il nostro canto e Miserere.\nVengo alla festa aneh' io per l'aria bruna,\nPorto il sospiro della\nBei der politischen Stimmung in Italien machte diese Stelle\nnatürlich grossen Eindruck.\n[Wir ergänzen diese Mitlheilung noch durch einige\nNachrichten aus dem Corriere Emilia:]\nDie Bildsäule ist ein Werk Marochetti's. Der Platz\nder Aufstellung sei gewählt, „damit auch der durchrei-\nsende Fremde die Stadt Pesaro glücklich preisen könne,\nein solches Genie erzeugt zu haben\".\nIn dem Abend-Concerte wurden ausser der Cantate\nvon Pacini Stücke aus dem S'tabat mater, dem Barbiere,\nMoses, Semiramis und Cenerentola gesungen; unter den\nVortragenden zeichneten sich Badiali und eine schöne So-\npranstimme, Henriette Sgarzi, aus. Die Erkrankung des\nTenoristen Stigelli war durch die Anstrengungen desselben\nin den zehn Vorstellungen von Wilhelm Teil, welche den\nFesttagen unmittelbar vorhergingen, veranlasst worden.\nDas Schreiben des Ministers Peruzzi, mit welchem er\nRossini von der Verleihung der hohen Decoration benach-\nrichtigte, lautet:\n„Illustre Signore! Das Fest, durch welches die\nStadt Pesaro Ihren Namen feiert, hat unter der Regierung\nvon Victor Emanuel zum ersten Male ein Nationalfest sein\nkönnen, weil jetzt, wo die Schranken, welche die Bevöl-\nkerungen Italiens trennten, gefallen, diese von allen Seiten\nherbeigeeilt sind, um Theil an dem Feste zu nehmen und\nsich zu brüderlicher Eintracht nicht nur im Geiste, sondern\ndurch persönliche Anwesenheit zu dem Cultus eines erha-\nbenen Genies vereinigen.\n„Se. Majestät der König, der sich zum Vertreter jedes\nedeln Strebens in Italien macht, hat bei dieser glücklichen\nVeranlassung Sie durch Verleihung des Grosskreuzes des\nSt. Mauritius- und Lazarus-Ordens auszeichnen (insignire)\nwollen, nicht nur, um einem Manne Ehre zu erweisen,\nden ganz Europa ehrt, sondern um eine Schuld der Nation\nabzutragen und dadurch der Liebe und der Bewunderung\nItaliens für seinen grossen Bürger Ausdruck zu geben.\n„Indem ich den angenehmen Auftrag vollziehe, Sie\nvon dieser Entscheidung des Souverains in Renntniss zu\nsetzen und Ihnen die Insignien des Ordens, der Ihnen ver-\nliehen ist, zu übersenden, schätze ich mich glücklich, Ihnen\ndie Gefühle der Bewunderung und Verehrung (riverenza)\nauszudrücken, mit denen ich die Ehre habe, mich zu nennen\n„ihren ganz ergebenen\n*) „Hier trat Gioacchino Rossini als Student ein und ging als\nFürst der musicalischen Wissenschaft und Kunst daraus hervor. Bo-\nlogna hat zum ewigen Ehren-Andenken seines Adoptivsohnes seinen\nNamen diesem Platze gegeben und diesen Stein gesetzt (Questa\nLapide Pose) den 21. August 1864.\"\n**) „Auch ich komme zum Feste aus trüber Luft hieher, ich\nbringe den Klagelaut meiner Lagune; meine Lagune liegt diesem\nGestade gegenüber, und auf ihren Wogen erklangen stets Lieder;\nder Gondelfahrer weiss Rössings Gesänge auswendig, aber jetzt ist\nein Miserere unser Gesang.\"\n\n„Ubaldino Peruzzi.“\n\nUeber das Verhältniss des Stils der Meister des\nXVI. Jahrhunderts zu der heutigen Musik.\nHeinrich Bellermann spricht in der Vorrede zu\nseinem Buche: „Der Contrapunkt oder Anleitung zur\nStimmführung in der musicalischen Composition\", Berlin,\nbei J. Springer, 1862, XVIII und 367 S. 8., über den\noben angegebenen Punkt eine Ansicht aus, welche, weil"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "287", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640903-01.1.7", "texte": "von einem Musikgelehrten herrührend, der mit dem tief-\nsten Studium der älteren Musikwerke die grösste Ver-\nehrung für ihre Schöpfer verbindet, Beherzigung nicht\nbloss von allen jüngeren Musikern, sondern auch vorzüg-\nlich von denen verdient, welche unsere heutige Vocal-\nmusik auf die einseitigste Weise wieder zurückschrauben\nwollen.\n„So viel und so vielerlei auch heutzutage componirt\nwird,\" —sagt er— „so selten ist es doch, dass in diesem\nwichtigsten Zweige der musicalischen Compositions-Tech-\nnik, in der Stimmführung, die nöthigen Vorstudien ge-\nmacht sind, ja, wir besitzen nicht einmal ein Werk aus\nder neueren Zeit, das hierin den nöthigen Unterricht er-\ntheilt.\" Er dringt darauf, dass das Studium der älteren\nMeister den Grund für eine Lehre des Contrapunktes bil-\nden müsse, dass es „die Pflicht eines wahren Künstlers\nsei, die Geschichte seiner Kunst zu studiren und ihre\nWerke, vor allen Dingen die der früheren Zeiten, kennen\nzu lernen. Diese Pflicht wird von den Musikern der Ge-\ngenwart selten erfüllt, die Werke einer früheren Zeit wer-\nden hochmüthig als antiquirt verworfen. Daher finden wir\nauch so selten Meister in der Stimmführung, ja, es sind\ndarin Rückschritte gemacht\". Bellermann bezieht sich\nnämlich vorzugsweise auf die Vocalmusik des XVI. Jahr-\nhunderts und fährt dann fort:\n„Hauptsächlich war es das gewaltige Genie und der\ntiefe künstlerische Sinn eines Palestrina und Orlandus\nLassus, wodurch der reine a-capella-Gesang zu jener be-\nwunderungswürdigen Classicität emporgehoben wurde. Mit\nRecht haben nicht nur die Zeitgenossen, sondern auch\nSpätere die unerschöpfliche Erfindungskraft dieser beiden\nMänner gepriesen; in ihren Werken herrscht ein Eben-\nmaass der Form und vor Allem ein Fluss in dem Gesänge\neiner jeden einzelnen Stimme, wie wir ihn von keinem\nSpäteren übertroffen und nur von Wenigen erreicht sehen.\nDie Meisterwerke Seb. Bach's und Händel's zeigen al-\nlerdings eine eben so sichere und vielleicht noch ausgebil-\ndetere Hand im Contrapunkte, als ihre Vorfahren im XVI.\nJahrhundert, sie brauchten aber nicht mit einer solchen\nSorgfalt, als jene, zu Werke zu gehen, weil alle ihre Chor-\nCompositionen auf eine instrumentale Grundlage berechnet\nsind. Die Alten schrieben aber nur für reine Singstimmen\nund hatten desshalb schon der Intonation wegen sich in\nviel engeren Gränzen zu halten. An diese Zeit müssen wir\ndaher das Studium der Stimmführung anknüpfen, und\nmüssen nach den Regeln und Gesetzen, welche damals\ngalten, unsere Uebungen einrichten. Keineswegs soll hie-\ndurch unsere Musik jene alte Gestalt wieder er-\nhalten; wir sollen nur von ihr annehmen, was wir durch\nein Studium unserer heutigen Musik nicht erlernen können.\nWir sollen nach einem eben so fliessenden Gesänge der\neinzelnen Stimmen wie die Alten streben, wenn wir auch\ndurch die heutige Zeit berechtigt sind, über die eri-\ngen Schranken ihrer Regeln hinauszugehen,\nwenn uns auch andere Ideen zu unseren Kunstwerken be-\ngeistern, als damals.\"\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nAachen. Bei der zweiten Jahres-Versammlung des ..rheini-\nschen Sängervereins\" (die Liedertafeln von Aachen, Cre-\nfeldj Elberfeld, Bonn, der Männer-Gesangverein von\nKöln und der von Neuss), für welche Aachen als Vorort ge-\nwählt wurde*), wird am Sonntag den 4-. September im neuen\nCurhaussaale hierselbst das zweite V erei ns-Con c e r t unter Lei-\ntung des Herrrt Concertmeisters Fritz Wenigmann, Directors\nder hiesigen Liedertafel, und unter Mitwirkung der Hof-Opernsängerin\nFräulein Henriette Röhn aus Mannheim und des Herrn Karl\nHill aus Frankfurt am Main Statt finden.\nNach dem Beschlüsse des aachener Fest-Comite's wird die\nHälfte des Reinertrags dem Restaurations-Fonds des hiesigen Mün-\nsters überwiesen; die andere Hälfte bleibt statutmässig stets zu\nPreis-Ausschreibungen für grössere Compositionen für Männergesang\naufbewahrt.\nDa die aachener Liedertafel durch ihr Preis-Ausschreiben\nvom 15. Februar 1863 in den Besitz zweier gekrönter Compositio-\nnen für Männergesang und Orchester gelangt ist, so hat sie im Sinne\ndes Zweckes der Gesammt-Verbindung zu handeln geglaubt, als sie\nbeschloss, die beiden preisgekrönten Werke in dem diesjährigen\nConcerte zur Aufführung zu bringen. Ausser diesen beiden grösse-\nren Werken: „Heinrich der Finkler\" von Fr. Wüllner und ~Vell-\nleda\" von C. Jos. Brambach, kommen durch den Gesammtchor\nnoch drei kleinere von Franz Schubert zur Aufführung. Den\nEinzel-Vortrag, zu welchem statutgemäss in demselben Concerte nur\neine der vereinten Gesellschaften zugelassen werden kann, wird dies-\nmal der kölner Männer-Gesangverein übernehmen.\nIserlohn. Am 11. und 12. September wird in Iserlohn\nin der neu erbauten Festhalle auf der Alexanderhöhe ein Musik-\nfest gehalten werden, dessen Direction Herr Capellmeister Ferdi-\nnand Hiller aus Köln übernommen hat. Das Orchester besteht\naus 60—70 vorzüglichen Künstlern, unter Anführung des Herrn\nConcertmeisters Otto von König slow aus Köln. Als Solospieler\nwerden mitwirken Herr Capellmeister Hiller (Pianoforte-Concert in\nC-moll von Beethoven), Hr. Hof-Concertmeister August Kömpel\naus Weimar (Violin-Concert von Mendelssohn), Herr Alexan-\nder Schmit, Lehrer am Conservatorium zu Köln (Ballade für Vio-\nloncello von F. Hiller), Herr Loos aus Iserlohn (Pianoforte-Con-\ncert in Fis-moll von F. Hiller). Dazwischen finden Gesang-Vorträge\n(Arien und Ensemblestücke) durch die Damen Julie Rothenber-\nger und Hildegard Kirchner aus Köln und Herrn Hof-Opern-\nsänger Stägemann aus Hannover Statt. Von grossen Orchester-\nsachen werden die Sinfonie in C-dur mit der Fuge von Mozart\nund die siebente Sinfonie in A-dur von Beethoven aufgeführt.\nDer Anfang der Concerte ist auf 4£- Uhr festgesetzt.\nJflftiliz* Die Mainzer Zeitung theilt das Personal des hiesigen\nStadttheaters für den nächsten Winter mit, wonach für die Oper\n\n*) Vergl. Jahrg. 1863, rDer rheinische Sängervereiu\", S. 3|!l\nund 327."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "288", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640903-01.1.8", "texte": "folgende Künstler gewonnen sind: die Herren Otto Bach und\nFreudenberg als Capellmeister; Fräulein Klingelhöfer von\nBreslau, erste dramatische Sängerin; Fräulein Brückner von Re-\ngensburg, Coloratursängerin; Fräulein Franceschini (Schülerin des\nProf. Mulder), Soubrette; Fräulein Gindele und Fräulein Gall-\nmeyer, Altistinnen; Fräulein Lamara aus Hamburg, jugendliche\nSängerin; die Herren Avoni von Olmütz, Waldmann von Schwe-\nrin, Brofft von Düsseldorf Jäger von hier, Tenoristen; Herr\nRose hl au von Aachen, Bariton; Herr Tümmel von Posen, Bas-\nsist; Herr Freund von Ulm, Bass-Buffo.\nSclilaiijseiilmcl. Am 11. August hier und in Schwal-\nbach am 10. hat Herr W. Wülfingh off, Pianist und Clavier-\nlehrer in Wiesbaden, Concert gegeben und mehrere Stücke von\nclassischen Meistern, wie J. S. Bach, Field, Beethoven, Weber,\nChopin, und glänzende Salon-Compositionen von Henselt, Döhler\nu. s. w. mit grossem Beifalle gespielt. Interessant waren die Vor-\nträge der kleinen Amalie Wülfinghoff, Kl Jahre alt, von Beet-\nhovens Variationen über Nel cor piu non mi sento und eines Wal-\nzers von Chopin, ja, sogar der Sonate pathetique von Beethoven!\nDas Programm enthielt zugleich eine artige Interpretation von Cho-\npin's Berceuse in drei Strophen.\nDie Grossfürstin Helene von Russland hat aus Karlsbad dem\nMozarteum in Salzburg ein werthvolles Geschenk gemacht. Es fand\nnämlich Herr Dessauer ein altes Notenheft unter dem geschriebe-\nnen Titel: „Ce livre apartient h Marie Anne Mozart 1759\". Die\nersten Bogen enthalten Uebungsstücke für Ciavier, geschrieben von\nder Hand des Vaters Mozart's. Zum Schlüsse des Heftes erscheinen\naber etwa 10—12 Blätter von der eigenen Handschrift des Wolf-\ngang Amadäus Mozart aus den Jahren 1762 und 1763, enthal-\ntend fünf noch nicht bekannte Compositionen des grossen Meisters.\nDie Grossfürstin brachte das Heft an sich und machte dem Mo-\nzarteum ein Geschenk damit, da sie, wie es in dem Schenkungs-\nbriefe heisst, eine so kostbare Reliquie nicht entführen wolle, nach-\ndem sie in deren Besitz gekommen.\nDer königl. Capellmeister W. Taubert, Mitglied der königl.\nAkademie der Künste in Berlin, ist zum Mitgliede der musicalischen\niSection des Senates der gedachten Akademie ernannt worden.\nFräulein Ilma v. Murska hatte sich durch ihre\ndoppelte Darstellung der Lucia so glücklich introducirt, dass bei\nder „Martha\" im Operntheater buchstäblich „kein Apfel zu Boden\nfallen konnte\". Es ist unläugbar, dass die jugendliche Gastin durch\nden brillanten Vortrag der berüchtigten Proch'schen Variationen im\nvierten Acte das Publicum zu gerechten Beifalls-Ausbrüchei? ' :nriss.\nAber wir wüssten in der eigentlichen Rolle aüch keine SteL inzu-\ngeben, die sich diesem „Nebenverdienst\" vollkommen würdig an die\nSeite setzen liesse. Die Stimme des Fräuleins v. Murska ist weder\nstark, noch von besonders angenehmem Timbre; der Vortrags- und\nnamentlich der Darstellungsweise aber scheint es, nach jenem Abende\nzu urtheilen, an frischer Lebendigkeit und Naturwabrheit sehr zu\nfehlen, so dass am Ende nichts übrig bleibt, als die trefflich fun-\ndirte, virtuos entwickelte Gesangs-Technik zur Ausfüllung der Inter-\nmezzo's aufzubieten. Dass dabei immer im Einzelnen viel Gelun-\ngenes, ja, Frappantes mit unterläuft, lässt sich denken. Beim An-\nschauen dieser anmuthigen Stimmgaukelei wollte uns aber durchaus\nder verwünschte Gedanke nicht aus dem Sinne, das Fräulein sei\neigentlich gar kein wirkliches Fräulein, sondern eine jener pfirsich-\nroth geschminkten Phantasie-Puppen-Figuren in Theodor Amadeus\nHoftmann s Manier, die an Stelle der Seele eine Spieluhr im Leibe\nhaben. (Wien. Ree.)\nP. Scudo, der berühmte Musik-Kritiker der Revue des deux\nMondes, ist gefährlich erkrankt.\nDer Nachricht, nach welcher Gounod geisteskrank geworden\nsein sollte: wird von Paris aus auf das entschiedenste wiederspro-\nchen. Gounod soll sich einer vorzüglichen geistigen und körperli-\nchen Gesundheit erfreuen.\nliOlldoil* Balfe hat eine neue komische Oper auf einen\nenglischen Text: The Sleeping Queen (Die schlafende Königin), ge-\nschrieben. Die Bemühungen, eine englische Oper hier zu errichten\nwelche fast jedes Jahr nach Schluss der Saison der Italiäner auf-\ntauchen, aber eben so oft wieder untergehen, ohne etwas von Be-\nstand zuwege zu bringen, erneuern sich dieses Mal mit grossem\nEifer.\nAus London wird geschrieben: „Der Schauspieler Thomas\nPotte-Cooke ist unlängst mit Hinterlassung eines Vermögens von\n30,000 Pf. St. gestorben. Mit einem Capital von 2000 Pf. St., das\ner dem londoner Dramatic College hinterlassen, ist ein Preis für\nein National-Schauspiel gestiftet, der jedes Mal am 23. April, dem\nGeburtstage Shakespeare's und seinem eigenen, vertheilt werden\nsoll.\"\nFlotow's neue Oper „Naida\" soll in der nächsten Saison der\nitaliänischen Oper in Petersburg zur Aufführung kommen."}]}