{"numero_id": "bm-bmtnabi-1864-09-10-01", "volume": "bmtnabi_1864-09-10_01", "ocr_sha256": "d7a7954f733878f11fd66664170ae6b86ab7156676ac191f17454cd339a3d774", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1864/09/10_01/bmtnabi_1864-09-10_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640910-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1864-09-10-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-09-10_01#c001", "volume": "bmtnabi_1864-09-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "289", "page_fin": "289", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640910-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "289", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640910-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 431, "texte": "Inhalt.\nDie Tonarten. Ueber Künstler-Lohn. Tages- und Unterhaltungsblatt (Karlsruhe, Capellmeister Strauss\nAltenburg, A. Gerstenberger Lorch, Musikleben Wien, Graf Moriz Dietrichstein f Künstler-Stipendien Alfred Bicking f\nR. v. Hornstein Rossini-Feste in Italien Antwerpen, Musikfest Paris, Theater Emile Cheve f Auszeichnungen, Rossini,\nSamson, Iffland Theaterfreiheit Birmingham, Musikfest Mozart-Stiftung zu Frankfurt am Main)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-09-10-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-09-10_01#c002", "volume": "bmtnabi_1864-09-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "289", "page_fin": "292", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640910-01.2.2", "titre_corps": "Die Tonarten", "titre_sommaire": "Die Tonarten", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "289", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640910-01.1.1", "debut_caractere": 433, "fin_caractere_exclue": 2505, "texte": "Die Tonarten\n*)•\nDer Modus in der Musik, sagt Calvisius, ist eine\nTonfolge von etnem bestimmten Umfange mit Schlüs-\nsen und einem geschlossenen Ende. Der Umfang eines\njeden Modus ist in irgend einer Octavengattung enthalten,\nwelche er bisweilen nicht ganz ausfüllt, bisweilen jedoch\nüber sie hinausschreitet. Doch zeigt er diese Octavengat-\ntung durch die Bildung seiner Schlüsse deutlich an. Das\nEnde eines jeden Modus ist der unterste Ton derjenigen\nQuintengattung, aus welcher jener Modus gebildet wird.\nDie Gattungen dieser Intervalle werden nach Ordnung der\nmusicalischen Töne vom Tone aus im regulären Sy-\nsteme, oder vom Tone .F aus im transponirten Sy-\nsteme gezählt und nach Art der Stellung des Halbtones\nunterschieden, weil der Halbton seinen regelmässigen Sitz\nzwischen Mi und Fa hat und alle anderen Tonstufen die\nEntfernung eines ganzen Tones aufweisen.\nDie Quarte ist ein Intervall, welches zwei Töne und\neinen Halbton enthält. Von derselben gibt es drei Gattungen:\nDie Quinte ist ein Intervall, welches drei Töne und\neinen Halbton enthält. Von derselben werden vier Gat-\ntungen unterschieden:\n\n*) Herr Dr. Oscar Paul hat in eine Beurtheilung von H. Bel-\nlermann's „Contrapunkt\" (Berlin, 1862) in den wiener „Recensionen\"\nNr. 34 u. ff. eine Abhandlung über die Tonarten eingeflochten,\nwelche eine weitere Verbreitung verdient, wesshalb wir sie mit Be-\nwilligung des Herrn Verfassers hier nach ihrem wesentlichen Inhalt\nwiedergeben. Er sagt, Calvisius sei ihm von den musicalischen\nSchriftstellern des XVI. Jahrhunderts als der klarste erschienen;\nnach dessen Exerjcitationes musicae duae, Lipsiae, 1600, wolle er\nversuchen, das Wesen der Tonarten, deren Klarstellung in den bis-\nher gedruckten Werken vermisst werde, aus einander zu setzen, da\nauch das, was Bellermann aus dem musicalischen Wörterbuche\ndes Joh. Tinetoris (XV.\"Jahrb.) in Chrysander's „Jahrbüchernu\nüber die Quinten- und Quartengattungen anführe, der Tonartenbil-\ndung des XVI. Jahrhunderts nach Calvisius nicht entspreche.\n*) a = regulär, b = transponirt. Der Halb ton ist mit '\nbezeichnet."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "290", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640910-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4175, "texte": "Die Octave ist von Natur das erste Intervall; die-\nselbe enthält fünf ganze Töne und zwei Halbtöne und\ndurchläuft alle Klänge, bis sie zu dem Tone, wo sie ange-\nfangen hat, gelangt. Daher entstehen durch die Reihe der\nsieben Töne vernünftiger Weise auch sieben Octaven-Gat-\ntungen, und in jeder derselben wird die Stellung des Halb-\ntones verändert. Die erste Gattung ist im regulären Sy-\nsteme von C—c und im transponirten System von F—f\nu. s. w.\nUeber den Schluss (clausula) ist zu bemerken, dass\nderselbe eine Modulation ist, welche zu einem Ruhepunkte\nführt, wo ein Theil des Textes geendigt wird. Diese En-\ndigung geschieht hauptsächlich in den Endtönen des Inter-\nvalles Quinte, ganz besonders aber auf dem untersten\nTone (d. h. also auf der Tonica),wo auch das vollständige\nEnde (finis) einer Melodie festgestellt wird. Dann auch\nauf dem obersten Tone (d. h. also aul der\nvon welchem der erstere Theil der Melodie (d. h. also der\nmelodische Vordersatz) abhangen soll, und in der Mitte,\nwo die Quinte in grosse und kleine Terz getheilt wird.\nDer Ort dieser Schlüsse kann aus diesen Noten begriffen\nwerden:\nWir würden einfach sagen, dass der Dreiklang die\nTöne für die Schlüsse liefere; die Alten hingegen führten\nAlles speciel auf ihre Tonarten zurück. Für sie gab es\nkeine Neben-Dreiklänge, sondern nur Haupt-Dreiklänge\nder Tonarten, auf welchen bei Tonstücken in Betreff der\nSchlüsse das melodische Princip basirte.\nEs gibt sechs Hauptmoden Diese\nheissen lonicus, Dorius, Phrygius, Lydius, Mixolydius\nund Aeolius.Ein jeder von diesen Hauptmoden hat eine\ndoppelte Gestalt, welche durch die Art und Weise des\nAnschlusses der Quarte an die Quinte bewirkt wird. Die\nQuinte entfernt sich nicht von ihrem Platze, wogegen sich\ndie Quarte an jene auf dem oberen oder unteren Tone\nanschliessen kann. Daher kommt es auch, dass ein und\nderselbe Modus durch die verschiedene Art und Weise\ndes Anschlusses der Quarte an die Quinte auch verschie-\ndene Namen erhält; z. B. wird, wenn sich die Quarte an\ndie Quinte auf dem obersten Tone der letzteren anschliesst,\nder daraus entstehende Modus entweder mit dem bereits\nangegebenen Worte „principalisu genannt, z. B. der Mo-\ndus lonicus, Dorius, Phrygiusu. s. w., oder er wird\ndurch Hinzufügung der Wörter oder\nthentus\" bezeichnet. Wenn dagegen die Quarte unterhalb\nder Quinte liegt, dann wird der so gebildete Modus ent-\nweder mit der dem Modus principalis hinzugefügten grie-\nchischen Präposition flypo (vno) genannt; z. B. Hypo-lo-\nnicus, Hypo-Doriusu. s. w., oder er wird durcfi Hinzu-\nfügung der Wörter „remissus\" oder „plagalis\" bezeich-\nnet, und beide, nämlich die authenti und plagales, haben\nwegen ihrer gemeinschaftlichen Quinte einerlei Schlüsse in\nden Octavengattungen; jedoch sind sie von einander ver-\nschieden, und es erzeugen jene {authenti) freudigere, diese\n[plagales) hingegen weichere und traurigere Harmonieen.\nWegen dieses zweifachen Anschlusses der Quarte an die\nQuinte werden daher im Ganzen 12 Modi gezählt.\nI. Der lonische Modus besteht aus der ersten Quin-\ntengattung {Ut—Sol), an die sich die erste Quartengattung\n(Ut—Fa) anschliesst. Die erste Form, in welcher sich die\nQuarte auf dem oberen Tone der Quinte anschliesst, wird\nModus lonicus,oder lonicus oder\nthentus genannt. Dieser Modus liegt in der ersten Octaven-\ngattung, welche er dennoch bisweilen um eine grosse Terz\nüberschreitet. Gewöhnlich nennt man ihn den fünften\nTon. Im sechszehnten Jahrhundert glaubte man, dass die-\nser Modus hauptsächlich zur Erzeugung einer freudigen\nStimmung geeignet wäre, wesshalb man meistentheils auch\ndie Tonstücke in demselben componirte. Im regulären\nSysteme besteht er aus folgenden Noten:\nDer Hypo-lonische Modus, oder lonicus remissus, oder\nlonicus plagalis ist derjenige, welcher die erste Quarten-\ngattung mit der ersten Quintengattung auf dem untersten\n\n*) Wir bezeichnen die durch Bogen verbundenen Endtöne der\nQuinte und Quarte mit ganzen Noten, die Töne der übrigen Schlüsse\nmit halben Noten und die rein melodischen Töne der Scala mit\nViertelnoten. Die Beispiele zu einem jeden Modus, bestehend aus\nden meisten damals gebräuchlichen Choral- und Figuralgesängen, über-\ngehen wir zur Ersparung des Raumes."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "291", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640910-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4038, "texte": "Tone der letzteren verbindet und in der fünften Octaven-\ngattung liegt.. Er wird im regulären Systeme vom Tone\nG, im transponirten aber vom Tone C aus geführt und\ngewöhnlich der sechste Ton genannt. Häufiger als sein\nModus contentus dient derselbe zur Erweckung der Andacht.\nIn den meisten auf diesen Modus componirten Choral-\ngesängen überschreitet er seinen Umfang nach der Höhe\num einen ganzen Ton.\n11. Der Dorische Modus besteht aus der zweiten\nQuintengattung (Re—La) und zweiten Quartengattung\n[Re— Sol),und zwar ist in der ersten Form desselben die\nletztere der ersteren auf dem obersten Tone hinzugefügt;\nder Modus liegt also in der zweiten Octavengattung, welche\nim regulären Systeme vom Tone D, im transponirten vom\nTone G aus geführt wird. Zuweilen überschreitet er sei-\nnen Umfang um eine kleine Terz. Dieser\noder Dorius contenius, oder auch Dorius authentus wird\ngewöhnlich der erste Ton genannt.\nDer Modus Hypo-Dorius,oder oder\nDorius plagalis, dessen Bildung die zweite Quartengattung\nzur zweiten Quintengattung auf dem untersten Tone der\nletzteren angefügt zeigt, fällt in die sechste Octavengat-\ntung, die im regulären Systeme vom Tone A, im transpo-\nnirten aber vom Tone Daus geführt und gewöhnlich der\nzweite Ton genannt wird.\nIm sechszehnten Jahrhundert findet sich nach der An-\ngabe des Calvisius kein auf diesen Modus componirter\nChoralgesang; im figurirten Gesänge hingegen finden wir\nverschiedene auf diesen Modus componirte Tonstücke').\n111. Der Phrygische Modus besteht aus der dritten\nQuintengattung {Mi—Mi) und dritten Quartengattung\n{Mi—La). „Die Alten\" (d. h. die Griechen), sagt Cal-\nvisius, „behaupteten, dass dieser Modus kriegerisch und\nzur Erregung von Tumulten geschickt sei. Da es aber in\nWahrheit keinen Modus gibt, welcher nicht zum Ausdruck\nirgend eines Gefühls verwandt werden könnte, was nur\nder erfahrene Künstler richtig trifft, so wird auch dieser\nModus heutzutage (im sechszehnten Jahrhundert) meistens\nso angewandt, dass er Mitleidserregung herbeiführt und\nden Geist mit einer gewissen Frömmigkeit umzieht, woher\ner auch beim Apulejus den Namen eines „ „ernsten\"\"\nModus „ „religiosus\"uerhalten hat.\" Was nun die\nSchlüsse anlangt, so möchte dieselben die dritte Quinten-\ngattung auf der höchsten Note weniger bilden können.\nDieser Modus hat seine Schlüsse zuweilen mit Hinweglas-\nsung jener Note in andere Noten übertragen, hauptsäch-\nlich in die Töne A und C im regulären Systeme, im trans-\nponirten Systeme jedoch in die Töne D und F, obschon\ner auch auf anderen Tönen seine Schlüsse bildet, so dass\ndieser Modus am wenigsten von allen selbständig ist und\nkeineswegs sicher aus dem Schlüsse erkannt werden\ndürfte. Die erste Form desselben, wo die Quarte oberhalb\nder Quinte liegt, fällt in die dritte Octavengattung. welche\nim regulären Systeme vom Tone E, im transponirten je-\ndoch vom Tone A aus geleitet wird. Der Modus heisst\ndann kurzweg Phrygius oder Phrygius oder auch\nPhrygius authentus.Gewöhnlich nennt man ihn den drit-\nten Ton. Zuweilen überschreitet er seinen Umfang in der\nHöhe um einen halben Ton, in der Tiefe aber um einen\nganzen Ton, ja, zuweilen um eine grosse Terz.\nDie andere Form des phrygischen Modus, in welcher\ndie dritte Quartengattung am unteren Tone der dritten\nQuintengattung liegt, wird Hypoder\nremissus, oder Phrygius plagalis genannt. Gewöhnlich\nheisst er auch der vierte Ton und fällt in die siebente\nOctavengattung, welche im regulären System von 11, im\ntransponirten von E aus geführt wird. Dieser Modus über-\nschreitet seinen Umfang in der Höhe oft um einen Halb-\nton oder auch um eine kleine Terz. In der Tiefe erreicht\ner seinen Umfang bisweilen nicht, wenn nämlich der Halb-\nton (H—e) weggelassen wird, und dann fällt er in den\nUmfang des ionischen Modus hinein, von welchem er den-\nnoch durch Wendungen und Schlüsse leicht zu unterschei-\nden ist. Wenn er jedoch seinen Umfang in der Tiefe er-\nreicht, so überschreitet er ihn auch gewöhnlich um einen\n\n*) Hierbei ist zu bemerken, dass Calvisius über die grie-\nchische Theorie nicht ganz im Klaren war.\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "292", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640910-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 125, "texte": "ganzen Ton, wie es aus verschiedenen harmonischen Bei-\nspielen ersichtlich ist. Der Modus hat diese Gestalt:\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-09-10-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-09-10_01#c016", "volume": "bmtnabi_1864-09-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "292", "page_fin": "294", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640910-01.2.3", "titre_corps": "Ueber Künstler-Lohn.", "titre_sommaire": "Ueber Künstler-Lohn.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "292", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640910-01.1.4", "debut_caractere": 127, "fin_caractere_exclue": 4778, "texte": "Ueber Künstler-Lohn.\nEs gibt eine Menge von Aussprüchen und Sätzen, die\nso gäng und gebe geworden sind, dass man sie, weil sie\newig wiederholt werden, für Axiome, für Wahrheiten\nhält, die gar keines Beweises mehr bedürfen. Sind sie\nphilosophischer, speculativer Natur, so lässt sich der Glaube\ndaran durch die Verschiedenheit der Verstandeskraft bei\nden Menschen und durch die Anwendung von mancherlei\näusserlichen Mitteln zu ihrer Verbreitung erklären und bis\nauf einen gewissen Grad rechtfertigen; betreffen sie aber\nhistorische Dinge, greifen sie in das Gebiet der Wirklich-\nkeit ein, wo die Erfahrung allein über die Wahrheit\nmaassgebend ist, so begreift man kaum, wie der Irrthum\nWurzel fassen und eine so allgemeine Verbreitung erlan-\ngen konnte.\nAuch in Bezug auf die Tonkunst gibt es dergleichen\nSätze, sowohl philosophischer, namentlich ästhetischer, als\nhistorischer Art, welche sich von einer Epoche in die an-\ndere fortpflanzen, ohne dass man sich die Mühe nimmt,\neinmal danach zu fragen, ob sie vor einer ernsten Prüfung\nbestehen können.\nWir wollen heute nur an einen Gemeinspruch erin-\nnern, der nicht das innere Wesen der Tonkunst berührt,\nsondern nur das Aeussere, ganz und gar Materielle, das\nmit ihrer Ausübung verbunden ist; wir wollen nicht von\nder Freude des Künstlers am Schaffen, vom Bewusstsein\ndes hohen und edeln Strebens und der inneren Befriedi-\ngung am vollendeten Werke sprechen, sondern von dem\näusseren Lohne, der ihm durch seine Stellung in der Ge-\nsellschaft und im Staate und durch seine Einkünfte zu\nTheil wird.\nDa hört und liest man denn alle Augenblicke, dass\nvon allen Künstlern der Tonkünstler, namentlich der schaf-\nfende, der Componist, am schlechtesten belohnt werde,\nund besonders muss unser gutes Deutschland sich von\nAusländern und von Deutschen selbst Vorwürfe in dieser\nBeziehung gefallen lassen, die so weit gehen, dass die Re-\ndensart: „wir liessen unsere grossen musicalischen Genies\nverhungern\", zu den landläufigen gehört. Die Deutschen,\ndie in diesen Chorus einstimmen, weisen dann immer zu-\ngleich auf Frankreich hin, als auf das Eldorado, wo alle\nmöglichen Quellen des Gewinns sprudeln, wo der btaat\ndie Componislen reichlich bedenke, wo sie allein noch auf\nder Welt Ruhm und Schätze zugleich sammeln könnten.\nDas Einzige, was Frankreich in dieser Beziehung Jahre\nlang vor Deutschland voraus hatte, war die gesetzliche Re-\ngelung der Früchte des geistigen Eigenthums, mithin auch\nder musicalischen Werke, und leider ist selbst noch jetzt\ndiese Sache bei uns nicht so gut geordnet, wie drüben bei\nunseren Nachbarn, wenn auch bedeutende Fortschritte\ndarin zu Gunsten der Componislen gemacht worden sind.\nBlicken wir aber in die Geschichte der beiden letzten\nJahrhunderte und der ersten Jahrzehende des gegenwärti-\ngen, so verhält sich die Unterstützung der Tonkunst durch\nden Staat oder die Staaten gerade umgekehrt, und Frank-\nreich kann darin den Vergleich mit Deutschland nicht\naushalten. „Die Kunst geht nach Brod!\" sagt der Maler\nbei Lessing zum Prinzen, und dieser erwiedert: „Das soll\nsie nicht, in meinem kleinen Gebiete gewiss nicht!\" Was\ner da den italiänischen Fürsten aussprechen lässt, das\nzeigte dem deutschen Dichter die Erfahrung auf allen den\nkleinen und grösseren fürstlichen Gebieten seines Vater-\nlandes. Die Summen, welche Frankreichs Könige auf die\nTonkunst verwandten, können gar nicht in Betracht kom-\nmen gegen den grossen, ja, oft verschwenderischen Auf-\nwand, den fast alle deutschen Höfe, die geistlichen und\nweltlichen, für musicalische Festlichkeiten und Aufführun-\ngen und für Gehälter und Ehrensold nicht bloss der aus-\nübenden Künstler, sondern besonders auch der Compo-\nnisten machten. Die Capellmeister an Kirchen wie an\nTheatern und für Concertmusik wurden nicht als Dirigen-\nten, denn oft hatten sie mit der eigentlichen Direction der\nAusführung gar nichts zu thun, sondern als Componi-\nsten besoldet, und was in ganz Frankreich der einzige\nkönigliche Hof für diesen oder jenen einzelnen, z. B. Lulli,\nthat, das thaten der kaiserliche Hof in Wien und sämmt-\nliche Kurfürsten in Deutschland an weit mehreren Künst-\nlern zugleich, ja, man kann sagen an Hunderten, wenn\nman die kleineren Höfe der reichsunmittelbaren Fürsten\nund Grafen mitrechnet. Schon vom siebenzehnten Jahr-\nhundert an beweisen die bis zum Ende des vorigen fort-\nlaufenden Verzeichnisse der Anstellungen grosser Compo-\nnisten an den Höfen zu München, Dresden, Berlin u. s. w.,\nvon Orlandus Lassus und dessen Zeitgenossen an bis auf\nGraun und Naumann u. s. w., den unbestreitbaren Vor-\nrang Deutschlands vor Frankreich, und die Menge von\ntrefflichen Capellen an unseren Königs- und Fürstenhöfen"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "293", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640910-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5191, "texte": "beweisen ihn bis auf diese Stunde. Eben so und noch weit\nmehr, als die Unterstützung der Tonkunst durch die Höfe\nin Deutschland verbreiteter und bedeutender ist. als in\nFrankreich, ist sie es auch durch die grossen Städte und\nderen Kunst-Institute (Operntheater und Concerte) und\ndurch die reiche Aristokratie von je her gewesen. Man\nbraucht nur an Hamburg und seine Oper, an Joseph\nHaydn beim Fürsten Esterhazy u. s. w. zu denken. Und\nnun kommt in der neuesten Zeit das Vereinswesen auf\nmusicalischem Gebiete hinzu, welches seit den ersten Jahr-\nzehenden unseres Jahrhunderts eine Menge von Gesell-\nschaften für Gesang- und Instrumental-Musik, classische\nConcert-Institute, grosse Musikfeste gegründet hat, was\nalles doch mittelbar auch den Componisten zu Gute kommt,\nwovon aber in Frankreich kaum die ersten Anfänge vor-\nhanden sind.\nTrotz aliedem wird die Vernachlässigung Mozart's\nseinen Zeitgenossen zwar allerdings mit Recht vorgewor-\nfen; allein wenn wir auch nicht im geringsten darauf ein-\ngehen wollen, einen Theil der Schuld seiner ewigen Noth\nseiner Persönlichkeit zuzumessen, so vergisst man doch,\ndass ihn der Tod ereilt hat, ehe sein Ruhm sich so weit\nverbreitet hatte, dass die ganze Nation ihn kannte und ihm\nden Zoll der Dankbarkeit abtragen konnte.\nHat denn aber das gepriesene Frankreich keine ähn-\nichen Märtyrer der Tonkunst aufzuweisen? Ist dort immer\nund immer, wie die Leute meinen, dem Genius nicht bloss\nWeihrauch gestreut, sondern sind ihm auch goldene\nKränze stets zu Füssen gelegt worden? Was haben Che-\nrubini, Herold, Boieldieu hinterlassen?\nLesen wir doch einmal folgenden Brief Boieldieu's\naus dem Jahre 1832, den das\nSciences et des Lettres(lß64, Nr. 2, vom 3. Februar)\nmitgetheilt hat. Er ist an Berton aus einem den\nPyrenäen geschrieben:\n„Lieber Freund! Ich bin sehr bald am Ende meiner\nMittel und lange kann ich nicht mehr den Vorschriften der\nHerren Aerzte gemäss leben, da ich Stelle, Pension, Thea-\nter und ziemlich starke Summen, die man mir schuldete,\nverloren habe. Leider gewahre ich, dass unsere Regierung\nnicht geneigt ist, etwas für uns alte Künstler zu thun.\nUnd doch haben wir so gut wie dieser oder jener Mini-\nster, dieser oder jener General, die gute Pensionen bezie-\nhen, dem Vaterlande unsere Schuld abgetragen. In jedem\ncivilisirten Staate müssten die alten Künstler auch National-\nEigenthum sein, welches die Regierung eben so wenig vor\nArmuth ins Elend, als die Monumente vor Alterthum in\nTrümmer fallen lassen dürfte, da die letzteren nicht mehr\nals wir Frankreich zur Zierde gereichen.\n„Wie? Die wilden Thiere in der Menagerie haben\nnichts bei dem Regierungswechsel verloren, und wir, wir\nverlieren dabei die mageren Belohnungen, die uns nach\nvierzig Jahren voll Arbeit bewilligt worden waren? Das\nist empörend, und was man mir über den Zustand von\nVerzweillung und Elend geschrieben hat, worin sich die\nKunst und die Künstler in Paris befinden, betrübt mich tief.\n„Ich wüsste nur Ein Mittel, theurer Freund, uns aus\ndiesem Jammer zu ziehen: wir müssten in einer der schö-\nnen Gegenden, in denen ich seit einem Jahre lebe, eine\nColonie von ruinirten Tonkünstlern gründen, in\nwelche man nur aus besonderer Gnade diejenigen, die\nnoch nicht ruinirt sind, aufnehmen könnte. Da könnten\nwir ein wohlfeiles Leben und glückliches Dasein unter\neinem schönen Himmel führen, und wenn man sich ver-\neinigt und einander hilft und beisteht, so hat man meiner\nUeberzeugung nach kein Elend zu befürchten: Nach mei-\nnem Plane müssten wir ein altes, schön gelegenes Schloss\nkaufen, wie das vom Dichter Despourins in dem herrlichen\nThale von Argelfes. Der Anblick der so schönen Natur\nwürde die erstarrte Phantasie wieder erwärmen, und wer\nweiss, ob nicht aus den alten Köpfen wieder freie und\nursprüngliche Gedanken hervorgehen würden, welche\nwohl den rein speculativen und ergrübelten ge-\nwisser Tonkünstler der neueren Schule die Wage halten\nmöchten!\n„Schon vor langer Zeit, als ich in Russland war, hegte\nich den Traum von einem glücklichen Asyl für alte Künst-\nler, wo sie ihre Laufbahn so schön beschliessen könnten.\nWir müssten eine Musterwirtbschaft von Künstlern bilden,\nwelche gewiss nicht ohne Einfluss auf die Kunst selbst\nbleiben würde. Wie viele junge Leute, die man mit Sti-\npendien nach Rom schickt, dort die schönsten Jahre ihres\nLebens zu verlieren, würden nicht vorziehen, zu uns zu\nkommen und einige Monate lang ihren musicalisch-philo-\nsophischen Cursus mit uns durchzumachen!\n„Das Klima der Pyrenäen würde eben so viel wie der\nHimmel Italiens für sie werth sein. Der Pic du Midi hat\nkeinen Vulcan, aber duftende Blumen. Sind die schönen\nWasserfälle von dem Pont d'Espagne nicht den Cascaden\nvon Tivoli vorzuziehen? Sind der Marbore, die Rolands-\nbresche, der Circus von Gavornie mit seinen Brücken von\nSchnee und seinem Wasserfalle, der eine Höhe von 1200\nFuss herabstürzt, nicht Denkmäler der Natur, welche die\nPhantasie eben so gut aufregen können, als St. Peter in\nRom, als das Collosseum und das Pantheon?\n„Aber ach! um das zu erreichen, müsste man viele\nVorurtheile und eingebildete Meinungen abstreifen, vor\nAllem die Ansicht, dass ein Künstler nur in Paris leben,\nnur in Paris schaffen könne! Ich denke, Voltaire war doch"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "294", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640910-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1889, "texte": "in Ferney kein Schwachkopl' und bat dort nicht ganz übel\ngeschrieben; auch Horaz hat auf seinem Sabinum ganz\nhübsche Sachen gemacht, wiewohl er Augustus und Mä-\ncenas zu besingen hatte. Da wir nun vollends weder einen\nMäcenas noch Augustus zu besingen haben, was freilich\nfür die Kunst ein Unglück ist, so weiss ich nicht, was uns\nabhalten sollte, nach den Pyrenäen zu gehen.\n,Adrian Boieldieu.\"\nSo weit Boieldieu selbst. Und was brachte den Mann,\nder die echt französische Musik, die Musik der komischen\nOper, auf ihren Gipfel gebracht hatte, zu dieser Stim-\nmung? Die Undankbarkeit seiner Nation und ihrer Re-\ngierung.\nInden letzten achtzehnhundert zwanziger Jahren fühlte\ner das Bedürfniss der Ruhe um so mehr, als die Keime\neiner tödlichen Krankheit, der Halsschwindsucht, sich im-\nmer drohender entwickelten. Er kam um seine Entlassung\nvom Conservatorium ein, und seine Pension wurde anstän-\ndig festgesetzt. Allein ein Gehalt von 1200 Fr. vom Thea-\nter der komischen Oper verlor er; indess wies ihm der\nKönig Karl X. eine Zulage zur Pension auf seine Privat-\ncasse an. Da kam die Juli-Revolution. Nicht nur fiel da-\nnach die königliche Zulage weg, sondern eine Revision\naller Pensionen der Oper und des Conservatoriums brachte\nheraus, dass ihm einige Dienstmonate zur Berechtigung\nauf die Höhe der seinigen fehlten, und so wurde ihm ein\nTheil derselben gestrichen. So gesellte sich zu dem kör-\nperlichen Leiden noch die Sorge für die Existenz, und\nBoieldieu, der neunundfünfzigjährige Boieldieu, der Sänger\nder unsterblichen Melodieen der „Weissen Dame\", war\ngezwungen, wiederum Unterricht zu geben und kam beim\nMinister um seine Wiederaufnahme als fungirender Leh-\nrer am Conservatorium ein! Sein Wunsch wurde erfüllt\nund ihm aus dem allgemeinen Fonds für die schönen Künste\neine kümmerliche Pension von 3000 Fr. (800 Thlr.) an-\ngewiesen. Zu spät! Er starb schon am 8. October 1834."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-09-10-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-09-10_01#c017", "volume": "bmtnabi_1864-09-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "294", "page_fin": "296", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640910-01.2.4", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "294", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640910-01.1.6", "debut_caractere": 1891, "fin_caractere_exclue": 6454, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nDer in den Ruhestand versetzte Capellmeister Strauss in\nKarlsruhe hat vom Grossherzog von Baden als Zeichen der Aner-\nkennung seiner vieljährigen und erspriesslichen Dienste eine kostbare\ngoldene Tabatikre, mit dem Bildnisse des Grossherzogs von Brillan-\nten umgeben, als Geschenk erhalten.\nA. Gerstenberger, Hof-Musicalienhändler in Altenburg, hat\nfür sein neuestes volksthümliches Werk: „Liederschatz für Kinder\",\nIhrer Hoheit der Prinzessin Marie zu Sachsen-Altenburg dedicirt,\nvon Sr. Hoheit dem Herzoge Ernst zu Sachsen-Altenburg einen\nDiamantring zum Geschenk erhalten.\nAus Lorch schreibt man dem Frankfurter Journal: Wie in\njedem Jahre, so ist auch in diesem Sommer unser freundliches\nStädtchen das Ziel und das Standquartier vieler Touristen. Von No-\ntabilitäten nennen wir hier ausser Lachner von Mannheim, der\nuns neulich mit einem Besuche beehrte, Heinrich Neeb aus\nFrankfurt, der seit einigen Wochen in dem rühmlichst bekannten\nGasthause des Herrn Dahlen „Zum rheinischen Hofe\" wohnt und\ndem Vernehmen nach mit der Composition einer heroisch-romanti-\nschen Oper, „Rudolph von Habsburg\", beschäftigt ist, zu welcher\nDr. G. Freudenberg in St. Goarshausen den Text schreibt. Wie\nwir hören, beabsichtigt sein renommirtes Quartett, ihn demnächst zu\nbesuchen, auf welchen Kunstgenuss man sich hier schon freut.\nIV feil* Graf Moriz D ietric h stein ist am 27. August im\n9<\\ Lebensjahre nach langem, schmerzvollem Leiden gestorben. Ge-\nboren zu Wien am 19. Februar 1775 (wir entnehmen diese und die\nmeisten folgenden factischen Angaben dem „Biographischen Lexicon\"\nvon Wurzbach) verfolgte er von 1791 bis 1800 mit Auszeichnung\ndie militärische Laufbahn. Später widmete er sich dem Hofdienste\nund der Pflege von Wissenschaft und Kunst. Kaiser Franz er-\nnannte ihn zum Mentor des unglücklichen Herzogs von Reichstadt,\nwelcher schwierigen Aufgabe Dietrichstein mit Hingebung oblag.\nIn den Jahren 1819 —1826 war er Hofmusik-Graf, 1821—1826 zu-\ngleich an der Spitze der Hoftheater, 1826—1845 Chef der Hof-Bi-\nbliothek, später auch Director der Münz- und Antiken-Sammlung,\nendlich 1845 —IB4B Oberstkämmerer und in dieser Eigenschaft wie-\nder Chef der Hoftheater. Als solcher wird ihm der beste Wille, es\nAllen recht zu machen, und die grösste Leutseligkeit im Verkehr\nmit allen Theater-Angehörigen dankbar nachgerühmt. Auch fehlte\nes ihm weder an vielseitigen Kenntnissen, noch an richtigem Urtheil\nin Kunstsachen, wenngleich mitunter an der nöthigen Energie und\nConcentrationskraft. Abgesehen von seiner amtlichen Stellung, wirkte\nDietrichstein nach allen Seiten hin helfend und fördernd, wo irgend\nes einem künstlerischen oder wissenschaftlichen Zwecke galt. Nach\nallen Seiten hin, selbst auf seinem Krankenlager, noch unermüdlich\nthätig, veranlasste er noch zuletzt einen Wiederabdruck der Biogra-\nphie seines einstigen Lehrers, des Abtes Stadler. Er selbst hatte\nsich in früheren Zeiten auch in der Composition versucht. Wün-\nschenswert wäre eine ausführliche Biographie des Verstorbenen,\nwelcher jedenfalls als ein gebildeter, intelligenter Repräsentant der\nwiener Aristokratie besondere Aufmerksamkeit und Theilnahme ver-\ndient. (W. Ree.)\nKünstler-Stipendien aus dem österreichischen Staatsschatze ha-\nben folgende dramatische Dichter und Musiker erhalten: Tonkünst-\nler Franz Doppler aus Lemberg, der Dichter und Uebersetzer\nOtto Gottfried Frhr. v. Lütgendorf-Leinburg aus Wien, der\nepische Dichter Ludwig Ritter v. Mertens aus Wien und der\nDramatiker Franz Nissel aus Wien.\n/\nDie wiener „Recensionen\" bringen (Nr. 36) folgenden Nekro-\nlog: Alfred Bicking f. Nachdem wir öfters in diesen Blättern\ndes jungen, talentvollen Componisten und Sängers Alfred Bicking in\nanerkennender Weise gedachten, müssen wir jetzt die traurige Kunde\nvon dem am 15. Juli erfolgten Tode desselben bringen. Kaum aus\nItalien nach Berlin zu seinen Eltern zurückgekehrt, erlag derselbe\neinem zehrenden Fieber, 24 Jahre alt. Sein Verlust ist um so inni-\nger zu beklagen, als sich bei diesem jungen Talente in einer selt-\nsamen Weise Alles vereinigte, um uns mit recht günstigen Aussich-\nten für die Zukunft zu erfüllen. Schon in früher Jugend erfasste\nihn einzig der mächtige Trieb, seiner idealen Richtung im Gebiete\nder Musik zu folgen, unterstützt darin durch eine edle und kraft-\nvolle, den würdigsten Interessen des Lebens zugewandte Persönlich-\nkeit. Eine reiche, hochbegabte Natur, die freudig ihr Alles an ein\ngrosses Ziel setzte und die auch äusserlich in die glücklichsten\nVerhältnisse gestellt war, starb hier in der Blüthe der Jahre, in der"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "295", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640910-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7399, "texte": "Begeisterung für die Kunst und in der vollsten Kraft des Schaffens.\nVon Alfred Bicking sind schon früher in Druck erschienen: „Due\nromanze\" und rIl renegatoc\\ Die Aufführung seiner Oper „ Vinces-\nlao\" in Italien, zu welcher er das Libretto in italiänischer Sprache\nselbst gedichtet, hat in allen italiänischen Journalen die grösste An-\nerkennung gefunden. Wir können nur wünschen, dass diese Oper\nauch in Deutschland die verdiente Anerkennung finden möge.\nR. v. Hornstein hat zu Mosenthal's „Deborah\" eine Ouver-\ntüre und Entreacts geschrieben, denen althebräische Melodieen zu\nGrunde liegen. Derselbe Componist vollendete vor Kurzem eine neue\nOperette „Adam und Eva4*, Text von Paul Heyse.\nRossini-Feste in Italien. Nicht bloss in Pesaro, Bologna\nund Florenz, von denen jede ein Drittel Heimatsruhm Rössings für\nsich in Anspruch nimmt, ist der siebenzigste Namenstag des Maestro\ngefeiert worden, sondern von allen Seiten gehen Nachrichten von\nfestlichen Ehrenbezeigungen für ihn an dem genannten Tage durch\ndie Blätter. In Genua war die Stadt glänzend illuminirt, eine Fest-\nCantate wurde aufgeführt und Rossini's Büste bekränzt; dann gab\nman „Othello\". In Neapel erschien eine neue Prachtausgabe des\nLustspiels in vier Acten von Dasti: „Rossini in Napoli\", worin\nder Maestro die Hauptrolle spielt. ln Paris aber erzählt man\nsich, dass Rossini, als die Rede daraufkam, dass Catania die Asche\nBellini1 s, der in Paris begraben liegt, reclamire, sich geäussert\nhabe: „Meine Asche soll aber in Frankreich bleiben; die Lumpe\nvon Eisenbahnen (ces gueux de chemins de fer) sollen mich so\nwenig todt als lebendig zum Transport bekommen.\" Ein köst-\nliches Paroli auf die Errichtung seiner Statue in Pesaro durch diese\ngueux!\nAntwerpen. Das Musikfest zum dreihundertsten Jahrestage\nder Gründung der Akademie und zum achtundfünfzigsten der Stiftung\nder Soci6te d'Harmonie wurde durch zwei grosse Concerte gefeiert.\nAufgeführt wurden der 114. Psalm von Mendelssohn, die Cantate\n„Jacob von Artevelde\" von Gevaert, drei Sätze aus einer Messe\nvon Benoit, eine Ouvertüre: „Teniers oder die flandrische Kir-\nmess\", von Burbure, die Sinfonie in C-moll von Beethoven,\nein Te Deum und Invocation h VHarmonie, Sinfonie mit Chor von\nBenoit, Theile aus Mendelssohn's „Elias\", Violin-Concert in\nA von Vieuxtemps. Mademoiselle Sax, Stockhausen und\nVieuxtemps waren die Solisten.\nParis» Die grosse Oper hat schon vor einigen Wochen\nihre Vorstellungen wieder eröffnet; in der vorigen Woche sind die\nOpera comique und das Thedtre lyrique ihr gefolgt. Der Zuschauer-\nraum im Theater der ersteren, welche zwei Monate lang geschlossen\nwar, ist gänzlich restaurirt und verschönert. Die Eröffnung mit\nBoieldieu's Dame blanche und Tableau parlant war\nder Gattung von classischer französischer Musik, weiche dieses\nTheater vertritt, vollkommen würdig und brachte eine Einnahme\nvon 6000 Fr. ein. lm Thedtre lyrique war La Reine Topaze mit\nMadame Miolan-Carvalho die erste Vorstellung.\nDie italiänische Opev wird am 1. October ihre Saison, die\nbis zum 4. Mai 1865 dauert, beginnen. Der Direktor Herr Bagier\nhat in dem Saale Ventadour mehrere Verbesserungen zur Bequem-\nlichkeit der Besucher angebracht und verspricht auch für die Opern,\ndie dessen bedürfen, ein vollständiges Ballet. Seine Gesellschaft, die\ner für seine beiden Theater zu Madrid und Paris engagirt hat, be-\nsteht aus vierzig ersten Sängerinnen und Sängern, ausschliesslich\ndem Chor-, Ballet- und Orchester-Personale. Damen: Adomali, de\nBrigni, Charten Demeur, de la Grange, de Meric-Lab lache*),\nCarlotta und Barbara Marchisio, Adelina Patti, Penco, Spezzia, Vi-\ntali u. s. w. Tenöre: Baragii, Corsi, Fraschini, Naudin, Ne-\ngrini, Nicolini u. s. w. Baritone: Aldighieri, Agnesi, Delle Se-\ndie, Sterbini, Zucchi u. s. w. Bässe: Antonucci, Marchetti,\nfeelva u. s. w. Buffi: fecalese, Zucchini. Das Repertoire verspricht\nvon Rossini 8 Opern, von Bellini 3, von Donizetti 8 (darun*\nter Poliuto, Roberto d'Evreux), von Mercadante 1 (Giuramento),\nPergolese 1 (Serva padrona), Verdi 5, Cimarosa 1 (Matri-\nmonio segreto), Mozart 3 (Don Giovanni, Figaro, Cosl fan tutte),\nFlotow (Martha), Pacini (SafFo), Poniatowski (Don Desiderio),\nFerner als neue Opern: Fa Forza del Deatino von Verdi, Leo-\nnora von Mercadante, Don Bucefalo von Gagnoni, Crispini\ne la Comare von Ricci, La Duchessa di San Giuliano von\nGraffigna.\nDas neueste Stück en vogue ist: Eh Lambert! Polka für\nPianoforte vo;i Karl Merz (2 Fr. 5 C.).\nDer fürstliche Componist der „Santa Chiara\" und rDiana von\nSolanges'\" wird hier erwartet. Es ist die Rede davon, dessen Oper\n„Casildau im Thöatre lyrique nächstens in Scene zu setzen.\nSivori hat uns verlassen, nachdem er noch in einigen Städten\nder nördlichen Provinzen Concerte gegeben, um über Mailand und\nTriest nach Wien und Pesth zu gehen.\nf Emile der eifrige Vertheidiger des musicalischen\nUnterrichts-Systems nach Ziffern und der thätigste Förderer dessel-\nben durch theoretische Anleitungen und praktische Lehrstunden in\nFrankreich, ist in der letzten Woche des August gestorben. Um\nseine durch rastlose Thätigkeit und Willensstärke angegriffene Ge-\nsundheit zu stärken, war er nach Fontenay le Comte in der\ngegangen. Er sass im Garten und hörte, den Kopf auf die Hand ge-\nstützt, einem Freunde zu, der etwas vorlas; er schien eingeschlafen\nzu sein: man war still, um ihn nicht zu wecken allein er er-\nwachte nicht wieder. Geboren im Jahre 1804, hatte er sich der\nArzneikunde und Chirurgie gewidmet und wegen seiner vorzüglichen\nDienste auf der Station am Senegal im Jahre 1831 den Orden der\nEhrenlegion erhalten. Nach seiner Verheirathung mit einer musica-\nlisch gebildeten Dame begeisterte er sich für den Volksgesang und\ndessen Verbreitung durch das Ziffern-System, welches Galin (f 1821)\nzuerst in Frankreich eingeführt hatte. Galin und waren beide\nmusicalische Dilettanten, der erstere von Beruf ein tüchtiger Mathe-\nmatiker und besonders Arithmetiker; sie waren um •so enthusiasti-\nscher für ihre Methode eingenommen, als ihnen selbst das Studium\nder Musik nach Noten, weil sie es nicht in der Jugend begonnen\nhatten, grosse Schwierigkeiten machte und sie in das eigentliche\nWesen der Tonkunst im höheren Sinne nicht eingedrungen waren.\nSie glaubten daher der Welt eine Wohlthat zu erzeigen, wenn sie\ndie Intervallenlehre populär darstellten und dadurch zu leichterem\nund sichererem Treffen der Töne beim Gesauge beitrügen. Ob sie\ndie Versuche deutscher Pädagogen in derselben Methode gekannt\nhaben, steht dahin. Chevd, unterstützt von seiner Frau und seinem\nSchwager, leistete als Lehrer in seinem Gesang-Institute Ausseror-\ndentliches, was aber doch immer nur heissen kann: alles, was diese\nMethode überhaupt für musicalische Ausbildung leisten kann. Sein\nGlaube an sich selbst, in ehrlicher Ueberzeugung begründet, ver-\nwickelte ihn in viele Kämpfe mit den Musikern, die anderer Ansicht\nwaren, und in seinen Streitschriften, die allerdings ein gewisses\ndialektisch-polemisches Talent zeigen, machte er sich durch rück-\nsichtslose Schärfe und Derbheit nur immer mehr Feinde, ohne sei-\nner Sache zu nützen. Sein Fehler war, dass er die Wirksamkeit\nseiner Methode, die über die Elementarlehre nicht hinausgeht, über-\nschätzte und auch das höhere Studium der Tonkunst davon abhän-\ngig machen zu müssen glaubte.\n\n*) Die gesperrt gedruckten Namen waren Mitglieder der ita-\nliänischen Oper, welche in diesem Sommer hier in Köln Vorstel-\nlungen gegeben hat."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "296", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640910-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5422, "texte": "Auszeichnungen. (Rossini. Samson. Iffland.) Rossini\nist der erste Componist, dem in Frankreich die grösste Auszeich-\nnung zu Theil geworden, indem ihm der Kaiser am 15. August das\nGross kreuz der Ehrenlegion verliehen hat. Auch ist bemerkt\nworden, dass Samson vom Thtätre frangais der erste Schauspieler\nist, der einen Orden erhalten, nämlich das Ritterkreuz der Ehren-\nlegion. In Deutschland war Iffland der erste Schauspieler, der de-\ncorirt wurde durch Verleihung des preussischen Rothen Adlerordens.\nIn unseren Tagen ist demselben Künstler und dramatischen Dichter\nvom Könige Ludwig I. von Baiern eine Statue in Mannheim er\nrichtet worden, welche am 20. August enthüllt worden ist. Am\nAbende kam sein Drama: „Der Spieler\", zur Aufführung. Eine ein-\ngehende Würdigung Iffland s als Dichter wäre gerade jetzt an der\nZeit, wo unsere Poeten und Literaten vermeinen, mit dem wegwer-\nfenden Worte: „So etwas kann man nicht mehr ansehen— sei\ndas Urtheil über Iffland's Dramen gesprochen. Das bürgerliche\nDrama ist eine echt deutsche Schöpfung und ist der ganzen Ge-\nfühls- und Anschauungsweise unseres Volkes vollkommen angemes-\nsen. Das sahen Lessing und Schiller letzterer wenigstens im An-\nfange seiner dichterischen Laufbahn wohl ein. Emilia Galotti\nund Cabale und Liebe verfehlen auf unbefangene, nicht blasirte oder\nverbildete Gemüther noch jetzt ihre Wirkung nicht, und eben so\ndürfte es sich der Mühe lohnen, die' besten von den Iffland'schen\nStücken einmal wieder in Scene zu setzen. Freilich gehören Schau-\nspieler dazu, die Charaktere darzustellen vermögen. Auch einige\nneuere Dichter haben mit Dramen ähnlicher Gattung Glück gemacht,\nvon denen wir nur ~Deborahu von Mosenthal nennen; auch Heb-\n„Magdalena\" gehört dahin, wenn auch der Stoff und die Art,\nwie er durchgeführt ist, abstossen.\nTheaterfreiheit. Zu den Missgriffen, welche die Theater-\nfreiheit in Paris hervorruft, gehört eine Aufführung auf dem Vau-\ndeville-Theater in voriger Woche, deren Gegenstand auf dieser\nBühne kein Mensch auf Erden errathen würde, und wenn er auch\nnoch so sehr in der dramatischen Literatur aller Nationen bewandert\nwäre. In diesem der Heiterkeit, dem populären Witze und der Ko-\nmik geweihten Hause brachte man eines der grässlichsten Trauer-\nspiele, die je der Phantasie eines Dichters entsprungen sind, auf\ndie Scene eine Uebersetzung des vierundzwanzigsten Fe-\nbruars von Zacharias Werner! Benutzt worden ist dieser\nschauerliche Stoff schon vor Jahren einmal im letzten Acte des\nDrama's: „JLa Vie d'un Joueuru, einem Stücke, das gänzlich durch-\nfiel. Jetzt aber bringt das Vaudeville (!) eine wörtliche Uebersetzung\nhoffentlich einmal und nicht wieder. Charakteristisch ist auch\ndie Zusammenstellung, denn der Theaterzettel des Abends lautet:\nLe Devin du Village, Musik von Rousseau. Le Florentin, Lust-\nspiel in 1 Act von la Fontaine. Le 24 Fevrier, drame en 1 acte\nde Werner (der Uebersetzer hat sich nicht genannt). Pierrot\njposthume, Lustspiel von Th. Gautier. Man ist versucht, unter\ndiesen Umgebungen und auf dieser Bühne die Ankündigung für eine\nMystification oder das angekündigte Stück für eine Travestie zu\nhalten: aber nein, es war der wirkliche grauenhafte 24. Februar\nW ort für W ort!!\nBeim nächsten birminghamer Musikfeste (im September) kom-\nmen drei neue grössere Musikwerke zur Aufführung: Costa's neues\nOratorium: „Naamanu, eine Cantate vKenilworthJ von Sullivan\nund eine ähnliche Composition von Henry Smart, welche sich\n„ The bride of Dunkerronu betitelt.\nJTlozart-Stiftiiiig zu Frankfurt am Jflain.\nDie Mozart-Stiftung zu Frankfurt am Main, begründet bei dem\nim Jahre 1838 dahier veranstalteten Sängerfeste, beabsichtigt, wieder\nein Stipendium zu vergeben. Es kommen hierbei nachfolgende\nBestimmungen der Statuten in Betracht:\n§. 1. Die Mozart-Stiftung bezweckt Unterstützung musicalischer\nTalente bei ihrer Ausbildung in der Compositionslehre.\n§. 2. Jünglinge aus allen Ländern, in denen die deutsche Sprache\ndie Sprache des Volkes ist, können diese Unterstützung in Anspruch\nnehmen, wenn sie unbescholtenen Rufes sind und besondere musi-\ncalische Befähigung besitzen.\n§. 25. Bewerbungen um das Stipendium werden in frankirten Zu-\nschriften bei dem Ausschusse gemacht; dieselben müssen, nebst An-\ngabe des Alters, mit Zeugnissen über die musicalischen Fähigkeiten\nund Leistungen des Bewerbers begleitet sein.\n§. 26. Genügen Zeugnisse und Erkundigungen, so wird der Be-\nwerber vom Ausschusse aufgefordert, seine musicalische Befähigung\ndurch die That nachzuweisen.\n§. 27. Dem Bewerber wird die Composition eines vom Aus-\nschusse bestimmten Liedes und eines Instrumental-Quartettsatzes\nübertragen.\n§. 29. Drei Musiker von anerkannter Autorität üben das Amt\nder Preisrichter. •\n§. 33. Der erwählte Stipendiat wird sodann nach Wahl des\nAusschusses, wobei jedoch der Wunsch des Schülers möglichst be-\nrücksichtigt werden soll, einem Meister in der Compositionslehre\nzum Unterricht übergeben.\nWir laden nunmehr zur Anmeldung bei uns bis zum Tage des\n1. October d. J. alle diejenigen ein, welche geneigt und nach obigen\nVorschriften geeigenschaftet sind, sich um das Stipendium zu be-\nwerben. Zugleich ersuchen wir alle verehrlichen Redactionen deut-\nscher Zeitungen, dieser Bekanntmachung zu deren möglichster Ver-\nbreitung einen Platz in ihren Blättern vergönnen zu wollen, und\nsind dafür zum voraus dankbar verpflichtet.\nFrankfurt am Main, 31. August 1864.\nDer Yerwaltuiigs-Ausschuss der Mozart-Stiftung."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "289", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640910-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie Tonarten. Ueber Künstler-Lohn. Tages- und Unterhaltungsblatt (Karlsruhe, Capellmeister Strauss\nAltenburg, A. Gerstenberger Lorch, Musikleben Wien, Graf Moriz Dietrichstein f Künstler-Stipendien Alfred Bicking f\nR. v. Hornstein Rossini-Feste in Italien Antwerpen, Musikfest Paris, Theater Emile Cheve f Auszeichnungen, Rossini,\nSamson, Iffland Theaterfreiheit Birmingham, Musikfest Mozart-Stiftung zu Frankfurt am Main).\n\nDie Tonarten\n*)•\nDer Modus in der Musik, sagt Calvisius, ist eine\nTonfolge von etnem bestimmten Umfange mit Schlüs-\nsen und einem geschlossenen Ende. Der Umfang eines\njeden Modus ist in irgend einer Octavengattung enthalten,\nwelche er bisweilen nicht ganz ausfüllt, bisweilen jedoch\nüber sie hinausschreitet. Doch zeigt er diese Octavengat-\ntung durch die Bildung seiner Schlüsse deutlich an. Das\nEnde eines jeden Modus ist der unterste Ton derjenigen\nQuintengattung, aus welcher jener Modus gebildet wird.\nDie Gattungen dieser Intervalle werden nach Ordnung der\nmusicalischen Töne vom Tone aus im regulären Sy-\nsteme, oder vom Tone .F aus im transponirten Sy-\nsteme gezählt und nach Art der Stellung des Halbtones\nunterschieden, weil der Halbton seinen regelmässigen Sitz\nzwischen Mi und Fa hat und alle anderen Tonstufen die\nEntfernung eines ganzen Tones aufweisen.\nDie Quarte ist ein Intervall, welches zwei Töne und\neinen Halbton enthält. Von derselben gibt es drei Gattungen:\nDie Quinte ist ein Intervall, welches drei Töne und\neinen Halbton enthält. Von derselben werden vier Gat-\ntungen unterschieden:\n\n*) Herr Dr. Oscar Paul hat in eine Beurtheilung von H. Bel-\nlermann's „Contrapunkt\" (Berlin, 1862) in den wiener „Recensionen\"\nNr. 34 u. ff. eine Abhandlung über die Tonarten eingeflochten,\nwelche eine weitere Verbreitung verdient, wesshalb wir sie mit Be-\nwilligung des Herrn Verfassers hier nach ihrem wesentlichen Inhalt\nwiedergeben. Er sagt, Calvisius sei ihm von den musicalischen\nSchriftstellern des XVI. Jahrhunderts als der klarste erschienen;\nnach dessen Exerjcitationes musicae duae, Lipsiae, 1600, wolle er\nversuchen, das Wesen der Tonarten, deren Klarstellung in den bis-\nher gedruckten Werken vermisst werde, aus einander zu setzen, da\nauch das, was Bellermann aus dem musicalischen Wörterbuche\ndes Joh. Tinetoris (XV.\"Jahrb.) in Chrysander's „Jahrbüchernu\nüber die Quinten- und Quartengattungen anführe, der Tonartenbil-\ndung des XVI. Jahrhunderts nach Calvisius nicht entspreche.\n*) a = regulär, b = transponirt. Der Halb ton ist mit '\nbezeichnet."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "290", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640910-01.1.2", "texte": "Die Octave ist von Natur das erste Intervall; die-\nselbe enthält fünf ganze Töne und zwei Halbtöne und\ndurchläuft alle Klänge, bis sie zu dem Tone, wo sie ange-\nfangen hat, gelangt. Daher entstehen durch die Reihe der\nsieben Töne vernünftiger Weise auch sieben Octaven-Gat-\ntungen, und in jeder derselben wird die Stellung des Halb-\ntones verändert. Die erste Gattung ist im regulären Sy-\nsteme von C—c und im transponirten System von F—f\nu. s. w.\nUeber den Schluss (clausula) ist zu bemerken, dass\nderselbe eine Modulation ist, welche zu einem Ruhepunkte\nführt, wo ein Theil des Textes geendigt wird. Diese En-\ndigung geschieht hauptsächlich in den Endtönen des Inter-\nvalles Quinte, ganz besonders aber auf dem untersten\nTone (d. h. also auf der Tonica),wo auch das vollständige\nEnde (finis) einer Melodie festgestellt wird. Dann auch\nauf dem obersten Tone (d. h. also aul der\nvon welchem der erstere Theil der Melodie (d. h. also der\nmelodische Vordersatz) abhangen soll, und in der Mitte,\nwo die Quinte in grosse und kleine Terz getheilt wird.\nDer Ort dieser Schlüsse kann aus diesen Noten begriffen\nwerden:\nWir würden einfach sagen, dass der Dreiklang die\nTöne für die Schlüsse liefere; die Alten hingegen führten\nAlles speciel auf ihre Tonarten zurück. Für sie gab es\nkeine Neben-Dreiklänge, sondern nur Haupt-Dreiklänge\nder Tonarten, auf welchen bei Tonstücken in Betreff der\nSchlüsse das melodische Princip basirte.\nEs gibt sechs Hauptmoden Diese\nheissen lonicus, Dorius, Phrygius, Lydius, Mixolydius\nund Aeolius.Ein jeder von diesen Hauptmoden hat eine\ndoppelte Gestalt, welche durch die Art und Weise des\nAnschlusses der Quarte an die Quinte bewirkt wird. Die\nQuinte entfernt sich nicht von ihrem Platze, wogegen sich\ndie Quarte an jene auf dem oberen oder unteren Tone\nanschliessen kann. Daher kommt es auch, dass ein und\nderselbe Modus durch die verschiedene Art und Weise\ndes Anschlusses der Quarte an die Quinte auch verschie-\ndene Namen erhält; z. B. wird, wenn sich die Quarte an\ndie Quinte auf dem obersten Tone der letzteren anschliesst,\nder daraus entstehende Modus entweder mit dem bereits\nangegebenen Worte „principalisu genannt, z. B. der Mo-\ndus lonicus, Dorius, Phrygiusu. s. w., oder er wird\ndurch Hinzufügung der Wörter oder\nthentus\" bezeichnet. Wenn dagegen die Quarte unterhalb\nder Quinte liegt, dann wird der so gebildete Modus ent-\nweder mit der dem Modus principalis hinzugefügten grie-\nchischen Präposition flypo (vno) genannt; z. B. Hypo-lo-\nnicus, Hypo-Doriusu. s. w., oder er wird durcfi Hinzu-\nfügung der Wörter „remissus\" oder „plagalis\" bezeich-\nnet, und beide, nämlich die authenti und plagales, haben\nwegen ihrer gemeinschaftlichen Quinte einerlei Schlüsse in\nden Octavengattungen; jedoch sind sie von einander ver-\nschieden, und es erzeugen jene {authenti) freudigere, diese\n[plagales) hingegen weichere und traurigere Harmonieen.\nWegen dieses zweifachen Anschlusses der Quarte an die\nQuinte werden daher im Ganzen 12 Modi gezählt.\nI. Der lonische Modus besteht aus der ersten Quin-\ntengattung {Ut—Sol), an die sich die erste Quartengattung\n(Ut—Fa) anschliesst. Die erste Form, in welcher sich die\nQuarte auf dem oberen Tone der Quinte anschliesst, wird\nModus lonicus,oder lonicus oder\nthentus genannt. Dieser Modus liegt in der ersten Octaven-\ngattung, welche er dennoch bisweilen um eine grosse Terz\nüberschreitet. Gewöhnlich nennt man ihn den fünften\nTon. Im sechszehnten Jahrhundert glaubte man, dass die-\nser Modus hauptsächlich zur Erzeugung einer freudigen\nStimmung geeignet wäre, wesshalb man meistentheils auch\ndie Tonstücke in demselben componirte. Im regulären\nSysteme besteht er aus folgenden Noten:\nDer Hypo-lonische Modus, oder lonicus remissus, oder\nlonicus plagalis ist derjenige, welcher die erste Quarten-\ngattung mit der ersten Quintengattung auf dem untersten\n\n*) Wir bezeichnen die durch Bogen verbundenen Endtöne der\nQuinte und Quarte mit ganzen Noten, die Töne der übrigen Schlüsse\nmit halben Noten und die rein melodischen Töne der Scala mit\nViertelnoten. Die Beispiele zu einem jeden Modus, bestehend aus\nden meisten damals gebräuchlichen Choral- und Figuralgesängen, über-\ngehen wir zur Ersparung des Raumes."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "291", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640910-01.1.3", "texte": "Tone der letzteren verbindet und in der fünften Octaven-\ngattung liegt.. Er wird im regulären Systeme vom Tone\nG, im transponirten aber vom Tone C aus geführt und\ngewöhnlich der sechste Ton genannt. Häufiger als sein\nModus contentus dient derselbe zur Erweckung der Andacht.\nIn den meisten auf diesen Modus componirten Choral-\ngesängen überschreitet er seinen Umfang nach der Höhe\num einen ganzen Ton.\n11. Der Dorische Modus besteht aus der zweiten\nQuintengattung (Re—La) und zweiten Quartengattung\n[Re— Sol),und zwar ist in der ersten Form desselben die\nletztere der ersteren auf dem obersten Tone hinzugefügt;\nder Modus liegt also in der zweiten Octavengattung, welche\nim regulären Systeme vom Tone D, im transponirten vom\nTone G aus geführt wird. Zuweilen überschreitet er sei-\nnen Umfang um eine kleine Terz. Dieser\noder Dorius contenius, oder auch Dorius authentus wird\ngewöhnlich der erste Ton genannt.\nDer Modus Hypo-Dorius,oder oder\nDorius plagalis, dessen Bildung die zweite Quartengattung\nzur zweiten Quintengattung auf dem untersten Tone der\nletzteren angefügt zeigt, fällt in die sechste Octavengat-\ntung, die im regulären Systeme vom Tone A, im transpo-\nnirten aber vom Tone Daus geführt und gewöhnlich der\nzweite Ton genannt wird.\nIm sechszehnten Jahrhundert findet sich nach der An-\ngabe des Calvisius kein auf diesen Modus componirter\nChoralgesang; im figurirten Gesänge hingegen finden wir\nverschiedene auf diesen Modus componirte Tonstücke').\n111. Der Phrygische Modus besteht aus der dritten\nQuintengattung {Mi—Mi) und dritten Quartengattung\n{Mi—La). „Die Alten\" (d. h. die Griechen), sagt Cal-\nvisius, „behaupteten, dass dieser Modus kriegerisch und\nzur Erregung von Tumulten geschickt sei. Da es aber in\nWahrheit keinen Modus gibt, welcher nicht zum Ausdruck\nirgend eines Gefühls verwandt werden könnte, was nur\nder erfahrene Künstler richtig trifft, so wird auch dieser\nModus heutzutage (im sechszehnten Jahrhundert) meistens\nso angewandt, dass er Mitleidserregung herbeiführt und\nden Geist mit einer gewissen Frömmigkeit umzieht, woher\ner auch beim Apulejus den Namen eines „ „ernsten\"\"\nModus „ „religiosus\"uerhalten hat.\" Was nun die\nSchlüsse anlangt, so möchte dieselben die dritte Quinten-\ngattung auf der höchsten Note weniger bilden können.\nDieser Modus hat seine Schlüsse zuweilen mit Hinweglas-\nsung jener Note in andere Noten übertragen, hauptsäch-\nlich in die Töne A und C im regulären Systeme, im trans-\nponirten Systeme jedoch in die Töne D und F, obschon\ner auch auf anderen Tönen seine Schlüsse bildet, so dass\ndieser Modus am wenigsten von allen selbständig ist und\nkeineswegs sicher aus dem Schlüsse erkannt werden\ndürfte. Die erste Form desselben, wo die Quarte oberhalb\nder Quinte liegt, fällt in die dritte Octavengattung. welche\nim regulären Systeme vom Tone E, im transponirten je-\ndoch vom Tone A aus geleitet wird. Der Modus heisst\ndann kurzweg Phrygius oder Phrygius oder auch\nPhrygius authentus.Gewöhnlich nennt man ihn den drit-\nten Ton. Zuweilen überschreitet er seinen Umfang in der\nHöhe um einen halben Ton, in der Tiefe aber um einen\nganzen Ton, ja, zuweilen um eine grosse Terz.\nDie andere Form des phrygischen Modus, in welcher\ndie dritte Quartengattung am unteren Tone der dritten\nQuintengattung liegt, wird Hypoder\nremissus, oder Phrygius plagalis genannt. Gewöhnlich\nheisst er auch der vierte Ton und fällt in die siebente\nOctavengattung, welche im regulären System von 11, im\ntransponirten von E aus geführt wird. Dieser Modus über-\nschreitet seinen Umfang in der Höhe oft um einen Halb-\nton oder auch um eine kleine Terz. In der Tiefe erreicht\ner seinen Umfang bisweilen nicht, wenn nämlich der Halb-\nton (H—e) weggelassen wird, und dann fällt er in den\nUmfang des ionischen Modus hinein, von welchem er den-\nnoch durch Wendungen und Schlüsse leicht zu unterschei-\nden ist. Wenn er jedoch seinen Umfang in der Tiefe er-\nreicht, so überschreitet er ihn auch gewöhnlich um einen\n\n*) Hierbei ist zu bemerken, dass Calvisius über die grie-\nchische Theorie nicht ganz im Klaren war.\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "292", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640910-01.1.4", "texte": "ganzen Ton, wie es aus verschiedenen harmonischen Bei-\nspielen ersichtlich ist. Der Modus hat diese Gestalt:\n(Schluss folgt.)\n\nUeber Künstler-Lohn.\nEs gibt eine Menge von Aussprüchen und Sätzen, die\nso gäng und gebe geworden sind, dass man sie, weil sie\newig wiederholt werden, für Axiome, für Wahrheiten\nhält, die gar keines Beweises mehr bedürfen. Sind sie\nphilosophischer, speculativer Natur, so lässt sich der Glaube\ndaran durch die Verschiedenheit der Verstandeskraft bei\nden Menschen und durch die Anwendung von mancherlei\näusserlichen Mitteln zu ihrer Verbreitung erklären und bis\nauf einen gewissen Grad rechtfertigen; betreffen sie aber\nhistorische Dinge, greifen sie in das Gebiet der Wirklich-\nkeit ein, wo die Erfahrung allein über die Wahrheit\nmaassgebend ist, so begreift man kaum, wie der Irrthum\nWurzel fassen und eine so allgemeine Verbreitung erlan-\ngen konnte.\nAuch in Bezug auf die Tonkunst gibt es dergleichen\nSätze, sowohl philosophischer, namentlich ästhetischer, als\nhistorischer Art, welche sich von einer Epoche in die an-\ndere fortpflanzen, ohne dass man sich die Mühe nimmt,\neinmal danach zu fragen, ob sie vor einer ernsten Prüfung\nbestehen können.\nWir wollen heute nur an einen Gemeinspruch erin-\nnern, der nicht das innere Wesen der Tonkunst berührt,\nsondern nur das Aeussere, ganz und gar Materielle, das\nmit ihrer Ausübung verbunden ist; wir wollen nicht von\nder Freude des Künstlers am Schaffen, vom Bewusstsein\ndes hohen und edeln Strebens und der inneren Befriedi-\ngung am vollendeten Werke sprechen, sondern von dem\näusseren Lohne, der ihm durch seine Stellung in der Ge-\nsellschaft und im Staate und durch seine Einkünfte zu\nTheil wird.\nDa hört und liest man denn alle Augenblicke, dass\nvon allen Künstlern der Tonkünstler, namentlich der schaf-\nfende, der Componist, am schlechtesten belohnt werde,\nund besonders muss unser gutes Deutschland sich von\nAusländern und von Deutschen selbst Vorwürfe in dieser\nBeziehung gefallen lassen, die so weit gehen, dass die Re-\ndensart: „wir liessen unsere grossen musicalischen Genies\nverhungern\", zu den landläufigen gehört. Die Deutschen,\ndie in diesen Chorus einstimmen, weisen dann immer zu-\ngleich auf Frankreich hin, als auf das Eldorado, wo alle\nmöglichen Quellen des Gewinns sprudeln, wo der btaat\ndie Componislen reichlich bedenke, wo sie allein noch auf\nder Welt Ruhm und Schätze zugleich sammeln könnten.\nDas Einzige, was Frankreich in dieser Beziehung Jahre\nlang vor Deutschland voraus hatte, war die gesetzliche Re-\ngelung der Früchte des geistigen Eigenthums, mithin auch\nder musicalischen Werke, und leider ist selbst noch jetzt\ndiese Sache bei uns nicht so gut geordnet, wie drüben bei\nunseren Nachbarn, wenn auch bedeutende Fortschritte\ndarin zu Gunsten der Componislen gemacht worden sind.\nBlicken wir aber in die Geschichte der beiden letzten\nJahrhunderte und der ersten Jahrzehende des gegenwärti-\ngen, so verhält sich die Unterstützung der Tonkunst durch\nden Staat oder die Staaten gerade umgekehrt, und Frank-\nreich kann darin den Vergleich mit Deutschland nicht\naushalten. „Die Kunst geht nach Brod!\" sagt der Maler\nbei Lessing zum Prinzen, und dieser erwiedert: „Das soll\nsie nicht, in meinem kleinen Gebiete gewiss nicht!\" Was\ner da den italiänischen Fürsten aussprechen lässt, das\nzeigte dem deutschen Dichter die Erfahrung auf allen den\nkleinen und grösseren fürstlichen Gebieten seines Vater-\nlandes. Die Summen, welche Frankreichs Könige auf die\nTonkunst verwandten, können gar nicht in Betracht kom-\nmen gegen den grossen, ja, oft verschwenderischen Auf-\nwand, den fast alle deutschen Höfe, die geistlichen und\nweltlichen, für musicalische Festlichkeiten und Aufführun-\ngen und für Gehälter und Ehrensold nicht bloss der aus-\nübenden Künstler, sondern besonders auch der Compo-\nnisten machten. Die Capellmeister an Kirchen wie an\nTheatern und für Concertmusik wurden nicht als Dirigen-\nten, denn oft hatten sie mit der eigentlichen Direction der\nAusführung gar nichts zu thun, sondern als Componi-\nsten besoldet, und was in ganz Frankreich der einzige\nkönigliche Hof für diesen oder jenen einzelnen, z. B. Lulli,\nthat, das thaten der kaiserliche Hof in Wien und sämmt-\nliche Kurfürsten in Deutschland an weit mehreren Künst-\nlern zugleich, ja, man kann sagen an Hunderten, wenn\nman die kleineren Höfe der reichsunmittelbaren Fürsten\nund Grafen mitrechnet. Schon vom siebenzehnten Jahr-\nhundert an beweisen die bis zum Ende des vorigen fort-\nlaufenden Verzeichnisse der Anstellungen grosser Compo-\nnisten an den Höfen zu München, Dresden, Berlin u. s. w.,\nvon Orlandus Lassus und dessen Zeitgenossen an bis auf\nGraun und Naumann u. s. w., den unbestreitbaren Vor-\nrang Deutschlands vor Frankreich, und die Menge von\ntrefflichen Capellen an unseren Königs- und Fürstenhöfen"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "293", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640910-01.1.5", "texte": "beweisen ihn bis auf diese Stunde. Eben so und noch weit\nmehr, als die Unterstützung der Tonkunst durch die Höfe\nin Deutschland verbreiteter und bedeutender ist. als in\nFrankreich, ist sie es auch durch die grossen Städte und\nderen Kunst-Institute (Operntheater und Concerte) und\ndurch die reiche Aristokratie von je her gewesen. Man\nbraucht nur an Hamburg und seine Oper, an Joseph\nHaydn beim Fürsten Esterhazy u. s. w. zu denken. Und\nnun kommt in der neuesten Zeit das Vereinswesen auf\nmusicalischem Gebiete hinzu, welches seit den ersten Jahr-\nzehenden unseres Jahrhunderts eine Menge von Gesell-\nschaften für Gesang- und Instrumental-Musik, classische\nConcert-Institute, grosse Musikfeste gegründet hat, was\nalles doch mittelbar auch den Componisten zu Gute kommt,\nwovon aber in Frankreich kaum die ersten Anfänge vor-\nhanden sind.\nTrotz aliedem wird die Vernachlässigung Mozart's\nseinen Zeitgenossen zwar allerdings mit Recht vorgewor-\nfen; allein wenn wir auch nicht im geringsten darauf ein-\ngehen wollen, einen Theil der Schuld seiner ewigen Noth\nseiner Persönlichkeit zuzumessen, so vergisst man doch,\ndass ihn der Tod ereilt hat, ehe sein Ruhm sich so weit\nverbreitet hatte, dass die ganze Nation ihn kannte und ihm\nden Zoll der Dankbarkeit abtragen konnte.\nHat denn aber das gepriesene Frankreich keine ähn-\nichen Märtyrer der Tonkunst aufzuweisen? Ist dort immer\nund immer, wie die Leute meinen, dem Genius nicht bloss\nWeihrauch gestreut, sondern sind ihm auch goldene\nKränze stets zu Füssen gelegt worden? Was haben Che-\nrubini, Herold, Boieldieu hinterlassen?\nLesen wir doch einmal folgenden Brief Boieldieu's\naus dem Jahre 1832, den das\nSciences et des Lettres(lß64, Nr. 2, vom 3. Februar)\nmitgetheilt hat. Er ist an Berton aus einem den\nPyrenäen geschrieben:\n„Lieber Freund! Ich bin sehr bald am Ende meiner\nMittel und lange kann ich nicht mehr den Vorschriften der\nHerren Aerzte gemäss leben, da ich Stelle, Pension, Thea-\nter und ziemlich starke Summen, die man mir schuldete,\nverloren habe. Leider gewahre ich, dass unsere Regierung\nnicht geneigt ist, etwas für uns alte Künstler zu thun.\nUnd doch haben wir so gut wie dieser oder jener Mini-\nster, dieser oder jener General, die gute Pensionen bezie-\nhen, dem Vaterlande unsere Schuld abgetragen. In jedem\ncivilisirten Staate müssten die alten Künstler auch National-\nEigenthum sein, welches die Regierung eben so wenig vor\nArmuth ins Elend, als die Monumente vor Alterthum in\nTrümmer fallen lassen dürfte, da die letzteren nicht mehr\nals wir Frankreich zur Zierde gereichen.\n„Wie? Die wilden Thiere in der Menagerie haben\nnichts bei dem Regierungswechsel verloren, und wir, wir\nverlieren dabei die mageren Belohnungen, die uns nach\nvierzig Jahren voll Arbeit bewilligt worden waren? Das\nist empörend, und was man mir über den Zustand von\nVerzweillung und Elend geschrieben hat, worin sich die\nKunst und die Künstler in Paris befinden, betrübt mich tief.\n„Ich wüsste nur Ein Mittel, theurer Freund, uns aus\ndiesem Jammer zu ziehen: wir müssten in einer der schö-\nnen Gegenden, in denen ich seit einem Jahre lebe, eine\nColonie von ruinirten Tonkünstlern gründen, in\nwelche man nur aus besonderer Gnade diejenigen, die\nnoch nicht ruinirt sind, aufnehmen könnte. Da könnten\nwir ein wohlfeiles Leben und glückliches Dasein unter\neinem schönen Himmel führen, und wenn man sich ver-\neinigt und einander hilft und beisteht, so hat man meiner\nUeberzeugung nach kein Elend zu befürchten: Nach mei-\nnem Plane müssten wir ein altes, schön gelegenes Schloss\nkaufen, wie das vom Dichter Despourins in dem herrlichen\nThale von Argelfes. Der Anblick der so schönen Natur\nwürde die erstarrte Phantasie wieder erwärmen, und wer\nweiss, ob nicht aus den alten Köpfen wieder freie und\nursprüngliche Gedanken hervorgehen würden, welche\nwohl den rein speculativen und ergrübelten ge-\nwisser Tonkünstler der neueren Schule die Wage halten\nmöchten!\n„Schon vor langer Zeit, als ich in Russland war, hegte\nich den Traum von einem glücklichen Asyl für alte Künst-\nler, wo sie ihre Laufbahn so schön beschliessen könnten.\nWir müssten eine Musterwirtbschaft von Künstlern bilden,\nwelche gewiss nicht ohne Einfluss auf die Kunst selbst\nbleiben würde. Wie viele junge Leute, die man mit Sti-\npendien nach Rom schickt, dort die schönsten Jahre ihres\nLebens zu verlieren, würden nicht vorziehen, zu uns zu\nkommen und einige Monate lang ihren musicalisch-philo-\nsophischen Cursus mit uns durchzumachen!\n„Das Klima der Pyrenäen würde eben so viel wie der\nHimmel Italiens für sie werth sein. Der Pic du Midi hat\nkeinen Vulcan, aber duftende Blumen. Sind die schönen\nWasserfälle von dem Pont d'Espagne nicht den Cascaden\nvon Tivoli vorzuziehen? Sind der Marbore, die Rolands-\nbresche, der Circus von Gavornie mit seinen Brücken von\nSchnee und seinem Wasserfalle, der eine Höhe von 1200\nFuss herabstürzt, nicht Denkmäler der Natur, welche die\nPhantasie eben so gut aufregen können, als St. Peter in\nRom, als das Collosseum und das Pantheon?\n„Aber ach! um das zu erreichen, müsste man viele\nVorurtheile und eingebildete Meinungen abstreifen, vor\nAllem die Ansicht, dass ein Künstler nur in Paris leben,\nnur in Paris schaffen könne! Ich denke, Voltaire war doch"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "294", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640910-01.1.6", "texte": "in Ferney kein Schwachkopl' und bat dort nicht ganz übel\ngeschrieben; auch Horaz hat auf seinem Sabinum ganz\nhübsche Sachen gemacht, wiewohl er Augustus und Mä-\ncenas zu besingen hatte. Da wir nun vollends weder einen\nMäcenas noch Augustus zu besingen haben, was freilich\nfür die Kunst ein Unglück ist, so weiss ich nicht, was uns\nabhalten sollte, nach den Pyrenäen zu gehen.\n,Adrian Boieldieu.\"\nSo weit Boieldieu selbst. Und was brachte den Mann,\nder die echt französische Musik, die Musik der komischen\nOper, auf ihren Gipfel gebracht hatte, zu dieser Stim-\nmung? Die Undankbarkeit seiner Nation und ihrer Re-\ngierung.\nInden letzten achtzehnhundert zwanziger Jahren fühlte\ner das Bedürfniss der Ruhe um so mehr, als die Keime\neiner tödlichen Krankheit, der Halsschwindsucht, sich im-\nmer drohender entwickelten. Er kam um seine Entlassung\nvom Conservatorium ein, und seine Pension wurde anstän-\ndig festgesetzt. Allein ein Gehalt von 1200 Fr. vom Thea-\nter der komischen Oper verlor er; indess wies ihm der\nKönig Karl X. eine Zulage zur Pension auf seine Privat-\ncasse an. Da kam die Juli-Revolution. Nicht nur fiel da-\nnach die königliche Zulage weg, sondern eine Revision\naller Pensionen der Oper und des Conservatoriums brachte\nheraus, dass ihm einige Dienstmonate zur Berechtigung\nauf die Höhe der seinigen fehlten, und so wurde ihm ein\nTheil derselben gestrichen. So gesellte sich zu dem kör-\nperlichen Leiden noch die Sorge für die Existenz, und\nBoieldieu, der neunundfünfzigjährige Boieldieu, der Sänger\nder unsterblichen Melodieen der „Weissen Dame\", war\ngezwungen, wiederum Unterricht zu geben und kam beim\nMinister um seine Wiederaufnahme als fungirender Leh-\nrer am Conservatorium ein! Sein Wunsch wurde erfüllt\nund ihm aus dem allgemeinen Fonds für die schönen Künste\neine kümmerliche Pension von 3000 Fr. (800 Thlr.) an-\ngewiesen. Zu spät! Er starb schon am 8. October 1834.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nDer in den Ruhestand versetzte Capellmeister Strauss in\nKarlsruhe hat vom Grossherzog von Baden als Zeichen der Aner-\nkennung seiner vieljährigen und erspriesslichen Dienste eine kostbare\ngoldene Tabatikre, mit dem Bildnisse des Grossherzogs von Brillan-\nten umgeben, als Geschenk erhalten.\nA. Gerstenberger, Hof-Musicalienhändler in Altenburg, hat\nfür sein neuestes volksthümliches Werk: „Liederschatz für Kinder\",\nIhrer Hoheit der Prinzessin Marie zu Sachsen-Altenburg dedicirt,\nvon Sr. Hoheit dem Herzoge Ernst zu Sachsen-Altenburg einen\nDiamantring zum Geschenk erhalten.\nAus Lorch schreibt man dem Frankfurter Journal: Wie in\njedem Jahre, so ist auch in diesem Sommer unser freundliches\nStädtchen das Ziel und das Standquartier vieler Touristen. Von No-\ntabilitäten nennen wir hier ausser Lachner von Mannheim, der\nuns neulich mit einem Besuche beehrte, Heinrich Neeb aus\nFrankfurt, der seit einigen Wochen in dem rühmlichst bekannten\nGasthause des Herrn Dahlen „Zum rheinischen Hofe\" wohnt und\ndem Vernehmen nach mit der Composition einer heroisch-romanti-\nschen Oper, „Rudolph von Habsburg\", beschäftigt ist, zu welcher\nDr. G. Freudenberg in St. Goarshausen den Text schreibt. Wie\nwir hören, beabsichtigt sein renommirtes Quartett, ihn demnächst zu\nbesuchen, auf welchen Kunstgenuss man sich hier schon freut.\nIV feil* Graf Moriz D ietric h stein ist am 27. August im\n9<\\ Lebensjahre nach langem, schmerzvollem Leiden gestorben. Ge-\nboren zu Wien am 19. Februar 1775 (wir entnehmen diese und die\nmeisten folgenden factischen Angaben dem „Biographischen Lexicon\"\nvon Wurzbach) verfolgte er von 1791 bis 1800 mit Auszeichnung\ndie militärische Laufbahn. Später widmete er sich dem Hofdienste\nund der Pflege von Wissenschaft und Kunst. Kaiser Franz er-\nnannte ihn zum Mentor des unglücklichen Herzogs von Reichstadt,\nwelcher schwierigen Aufgabe Dietrichstein mit Hingebung oblag.\nIn den Jahren 1819 —1826 war er Hofmusik-Graf, 1821—1826 zu-\ngleich an der Spitze der Hoftheater, 1826—1845 Chef der Hof-Bi-\nbliothek, später auch Director der Münz- und Antiken-Sammlung,\nendlich 1845 —IB4B Oberstkämmerer und in dieser Eigenschaft wie-\nder Chef der Hoftheater. Als solcher wird ihm der beste Wille, es\nAllen recht zu machen, und die grösste Leutseligkeit im Verkehr\nmit allen Theater-Angehörigen dankbar nachgerühmt. Auch fehlte\nes ihm weder an vielseitigen Kenntnissen, noch an richtigem Urtheil\nin Kunstsachen, wenngleich mitunter an der nöthigen Energie und\nConcentrationskraft. Abgesehen von seiner amtlichen Stellung, wirkte\nDietrichstein nach allen Seiten hin helfend und fördernd, wo irgend\nes einem künstlerischen oder wissenschaftlichen Zwecke galt. Nach\nallen Seiten hin, selbst auf seinem Krankenlager, noch unermüdlich\nthätig, veranlasste er noch zuletzt einen Wiederabdruck der Biogra-\nphie seines einstigen Lehrers, des Abtes Stadler. Er selbst hatte\nsich in früheren Zeiten auch in der Composition versucht. Wün-\nschenswert wäre eine ausführliche Biographie des Verstorbenen,\nwelcher jedenfalls als ein gebildeter, intelligenter Repräsentant der\nwiener Aristokratie besondere Aufmerksamkeit und Theilnahme ver-\ndient. (W. Ree.)\nKünstler-Stipendien aus dem österreichischen Staatsschatze ha-\nben folgende dramatische Dichter und Musiker erhalten: Tonkünst-\nler Franz Doppler aus Lemberg, der Dichter und Uebersetzer\nOtto Gottfried Frhr. v. Lütgendorf-Leinburg aus Wien, der\nepische Dichter Ludwig Ritter v. Mertens aus Wien und der\nDramatiker Franz Nissel aus Wien.\n/\nDie wiener „Recensionen\" bringen (Nr. 36) folgenden Nekro-\nlog: Alfred Bicking f. Nachdem wir öfters in diesen Blättern\ndes jungen, talentvollen Componisten und Sängers Alfred Bicking in\nanerkennender Weise gedachten, müssen wir jetzt die traurige Kunde\nvon dem am 15. Juli erfolgten Tode desselben bringen. Kaum aus\nItalien nach Berlin zu seinen Eltern zurückgekehrt, erlag derselbe\neinem zehrenden Fieber, 24 Jahre alt. Sein Verlust ist um so inni-\nger zu beklagen, als sich bei diesem jungen Talente in einer selt-\nsamen Weise Alles vereinigte, um uns mit recht günstigen Aussich-\nten für die Zukunft zu erfüllen. Schon in früher Jugend erfasste\nihn einzig der mächtige Trieb, seiner idealen Richtung im Gebiete\nder Musik zu folgen, unterstützt darin durch eine edle und kraft-\nvolle, den würdigsten Interessen des Lebens zugewandte Persönlich-\nkeit. Eine reiche, hochbegabte Natur, die freudig ihr Alles an ein\ngrosses Ziel setzte und die auch äusserlich in die glücklichsten\nVerhältnisse gestellt war, starb hier in der Blüthe der Jahre, in der"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "295", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640910-01.1.7", "texte": "Begeisterung für die Kunst und in der vollsten Kraft des Schaffens.\nVon Alfred Bicking sind schon früher in Druck erschienen: „Due\nromanze\" und rIl renegatoc\\ Die Aufführung seiner Oper „ Vinces-\nlao\" in Italien, zu welcher er das Libretto in italiänischer Sprache\nselbst gedichtet, hat in allen italiänischen Journalen die grösste An-\nerkennung gefunden. Wir können nur wünschen, dass diese Oper\nauch in Deutschland die verdiente Anerkennung finden möge.\nR. v. Hornstein hat zu Mosenthal's „Deborah\" eine Ouver-\ntüre und Entreacts geschrieben, denen althebräische Melodieen zu\nGrunde liegen. Derselbe Componist vollendete vor Kurzem eine neue\nOperette „Adam und Eva4*, Text von Paul Heyse.\nRossini-Feste in Italien. Nicht bloss in Pesaro, Bologna\nund Florenz, von denen jede ein Drittel Heimatsruhm Rössings für\nsich in Anspruch nimmt, ist der siebenzigste Namenstag des Maestro\ngefeiert worden, sondern von allen Seiten gehen Nachrichten von\nfestlichen Ehrenbezeigungen für ihn an dem genannten Tage durch\ndie Blätter. In Genua war die Stadt glänzend illuminirt, eine Fest-\nCantate wurde aufgeführt und Rossini's Büste bekränzt; dann gab\nman „Othello\". In Neapel erschien eine neue Prachtausgabe des\nLustspiels in vier Acten von Dasti: „Rossini in Napoli\", worin\nder Maestro die Hauptrolle spielt. ln Paris aber erzählt man\nsich, dass Rossini, als die Rede daraufkam, dass Catania die Asche\nBellini1 s, der in Paris begraben liegt, reclamire, sich geäussert\nhabe: „Meine Asche soll aber in Frankreich bleiben; die Lumpe\nvon Eisenbahnen (ces gueux de chemins de fer) sollen mich so\nwenig todt als lebendig zum Transport bekommen.\" Ein köst-\nliches Paroli auf die Errichtung seiner Statue in Pesaro durch diese\ngueux!\nAntwerpen. Das Musikfest zum dreihundertsten Jahrestage\nder Gründung der Akademie und zum achtundfünfzigsten der Stiftung\nder Soci6te d'Harmonie wurde durch zwei grosse Concerte gefeiert.\nAufgeführt wurden der 114. Psalm von Mendelssohn, die Cantate\n„Jacob von Artevelde\" von Gevaert, drei Sätze aus einer Messe\nvon Benoit, eine Ouvertüre: „Teniers oder die flandrische Kir-\nmess\", von Burbure, die Sinfonie in C-moll von Beethoven,\nein Te Deum und Invocation h VHarmonie, Sinfonie mit Chor von\nBenoit, Theile aus Mendelssohn's „Elias\", Violin-Concert in\nA von Vieuxtemps. Mademoiselle Sax, Stockhausen und\nVieuxtemps waren die Solisten.\nParis» Die grosse Oper hat schon vor einigen Wochen\nihre Vorstellungen wieder eröffnet; in der vorigen Woche sind die\nOpera comique und das Thedtre lyrique ihr gefolgt. Der Zuschauer-\nraum im Theater der ersteren, welche zwei Monate lang geschlossen\nwar, ist gänzlich restaurirt und verschönert. Die Eröffnung mit\nBoieldieu's Dame blanche und Tableau parlant war\nder Gattung von classischer französischer Musik, weiche dieses\nTheater vertritt, vollkommen würdig und brachte eine Einnahme\nvon 6000 Fr. ein. lm Thedtre lyrique war La Reine Topaze mit\nMadame Miolan-Carvalho die erste Vorstellung.\nDie italiänische Opev wird am 1. October ihre Saison, die\nbis zum 4. Mai 1865 dauert, beginnen. Der Direktor Herr Bagier\nhat in dem Saale Ventadour mehrere Verbesserungen zur Bequem-\nlichkeit der Besucher angebracht und verspricht auch für die Opern,\ndie dessen bedürfen, ein vollständiges Ballet. Seine Gesellschaft, die\ner für seine beiden Theater zu Madrid und Paris engagirt hat, be-\nsteht aus vierzig ersten Sängerinnen und Sängern, ausschliesslich\ndem Chor-, Ballet- und Orchester-Personale. Damen: Adomali, de\nBrigni, Charten Demeur, de la Grange, de Meric-Lab lache*),\nCarlotta und Barbara Marchisio, Adelina Patti, Penco, Spezzia, Vi-\ntali u. s. w. Tenöre: Baragii, Corsi, Fraschini, Naudin, Ne-\ngrini, Nicolini u. s. w. Baritone: Aldighieri, Agnesi, Delle Se-\ndie, Sterbini, Zucchi u. s. w. Bässe: Antonucci, Marchetti,\nfeelva u. s. w. Buffi: fecalese, Zucchini. Das Repertoire verspricht\nvon Rossini 8 Opern, von Bellini 3, von Donizetti 8 (darun*\nter Poliuto, Roberto d'Evreux), von Mercadante 1 (Giuramento),\nPergolese 1 (Serva padrona), Verdi 5, Cimarosa 1 (Matri-\nmonio segreto), Mozart 3 (Don Giovanni, Figaro, Cosl fan tutte),\nFlotow (Martha), Pacini (SafFo), Poniatowski (Don Desiderio),\nFerner als neue Opern: Fa Forza del Deatino von Verdi, Leo-\nnora von Mercadante, Don Bucefalo von Gagnoni, Crispini\ne la Comare von Ricci, La Duchessa di San Giuliano von\nGraffigna.\nDas neueste Stück en vogue ist: Eh Lambert! Polka für\nPianoforte vo;i Karl Merz (2 Fr. 5 C.).\nDer fürstliche Componist der „Santa Chiara\" und rDiana von\nSolanges'\" wird hier erwartet. Es ist die Rede davon, dessen Oper\n„Casildau im Thöatre lyrique nächstens in Scene zu setzen.\nSivori hat uns verlassen, nachdem er noch in einigen Städten\nder nördlichen Provinzen Concerte gegeben, um über Mailand und\nTriest nach Wien und Pesth zu gehen.\nf Emile der eifrige Vertheidiger des musicalischen\nUnterrichts-Systems nach Ziffern und der thätigste Förderer dessel-\nben durch theoretische Anleitungen und praktische Lehrstunden in\nFrankreich, ist in der letzten Woche des August gestorben. Um\nseine durch rastlose Thätigkeit und Willensstärke angegriffene Ge-\nsundheit zu stärken, war er nach Fontenay le Comte in der\ngegangen. Er sass im Garten und hörte, den Kopf auf die Hand ge-\nstützt, einem Freunde zu, der etwas vorlas; er schien eingeschlafen\nzu sein: man war still, um ihn nicht zu wecken allein er er-\nwachte nicht wieder. Geboren im Jahre 1804, hatte er sich der\nArzneikunde und Chirurgie gewidmet und wegen seiner vorzüglichen\nDienste auf der Station am Senegal im Jahre 1831 den Orden der\nEhrenlegion erhalten. Nach seiner Verheirathung mit einer musica-\nlisch gebildeten Dame begeisterte er sich für den Volksgesang und\ndessen Verbreitung durch das Ziffern-System, welches Galin (f 1821)\nzuerst in Frankreich eingeführt hatte. Galin und waren beide\nmusicalische Dilettanten, der erstere von Beruf ein tüchtiger Mathe-\nmatiker und besonders Arithmetiker; sie waren um •so enthusiasti-\nscher für ihre Methode eingenommen, als ihnen selbst das Studium\nder Musik nach Noten, weil sie es nicht in der Jugend begonnen\nhatten, grosse Schwierigkeiten machte und sie in das eigentliche\nWesen der Tonkunst im höheren Sinne nicht eingedrungen waren.\nSie glaubten daher der Welt eine Wohlthat zu erzeigen, wenn sie\ndie Intervallenlehre populär darstellten und dadurch zu leichterem\nund sichererem Treffen der Töne beim Gesauge beitrügen. Ob sie\ndie Versuche deutscher Pädagogen in derselben Methode gekannt\nhaben, steht dahin. Chevd, unterstützt von seiner Frau und seinem\nSchwager, leistete als Lehrer in seinem Gesang-Institute Ausseror-\ndentliches, was aber doch immer nur heissen kann: alles, was diese\nMethode überhaupt für musicalische Ausbildung leisten kann. Sein\nGlaube an sich selbst, in ehrlicher Ueberzeugung begründet, ver-\nwickelte ihn in viele Kämpfe mit den Musikern, die anderer Ansicht\nwaren, und in seinen Streitschriften, die allerdings ein gewisses\ndialektisch-polemisches Talent zeigen, machte er sich durch rück-\nsichtslose Schärfe und Derbheit nur immer mehr Feinde, ohne sei-\nner Sache zu nützen. Sein Fehler war, dass er die Wirksamkeit\nseiner Methode, die über die Elementarlehre nicht hinausgeht, über-\nschätzte und auch das höhere Studium der Tonkunst davon abhän-\ngig machen zu müssen glaubte.\n\n*) Die gesperrt gedruckten Namen waren Mitglieder der ita-\nliänischen Oper, welche in diesem Sommer hier in Köln Vorstel-\nlungen gegeben hat."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "296", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18640910-01.1.8", "texte": "Auszeichnungen. (Rossini. Samson. Iffland.) Rossini\nist der erste Componist, dem in Frankreich die grösste Auszeich-\nnung zu Theil geworden, indem ihm der Kaiser am 15. August das\nGross kreuz der Ehrenlegion verliehen hat. Auch ist bemerkt\nworden, dass Samson vom Thtätre frangais der erste Schauspieler\nist, der einen Orden erhalten, nämlich das Ritterkreuz der Ehren-\nlegion. In Deutschland war Iffland der erste Schauspieler, der de-\ncorirt wurde durch Verleihung des preussischen Rothen Adlerordens.\nIn unseren Tagen ist demselben Künstler und dramatischen Dichter\nvom Könige Ludwig I. von Baiern eine Statue in Mannheim er\nrichtet worden, welche am 20. August enthüllt worden ist. Am\nAbende kam sein Drama: „Der Spieler\", zur Aufführung. Eine ein-\ngehende Würdigung Iffland s als Dichter wäre gerade jetzt an der\nZeit, wo unsere Poeten und Literaten vermeinen, mit dem wegwer-\nfenden Worte: „So etwas kann man nicht mehr ansehen— sei\ndas Urtheil über Iffland's Dramen gesprochen. Das bürgerliche\nDrama ist eine echt deutsche Schöpfung und ist der ganzen Ge-\nfühls- und Anschauungsweise unseres Volkes vollkommen angemes-\nsen. Das sahen Lessing und Schiller letzterer wenigstens im An-\nfange seiner dichterischen Laufbahn wohl ein. Emilia Galotti\nund Cabale und Liebe verfehlen auf unbefangene, nicht blasirte oder\nverbildete Gemüther noch jetzt ihre Wirkung nicht, und eben so\ndürfte es sich der Mühe lohnen, die' besten von den Iffland'schen\nStücken einmal wieder in Scene zu setzen. Freilich gehören Schau-\nspieler dazu, die Charaktere darzustellen vermögen. Auch einige\nneuere Dichter haben mit Dramen ähnlicher Gattung Glück gemacht,\nvon denen wir nur ~Deborahu von Mosenthal nennen; auch Heb-\n„Magdalena\" gehört dahin, wenn auch der Stoff und die Art,\nwie er durchgeführt ist, abstossen.\nTheaterfreiheit. Zu den Missgriffen, welche die Theater-\nfreiheit in Paris hervorruft, gehört eine Aufführung auf dem Vau-\ndeville-Theater in voriger Woche, deren Gegenstand auf dieser\nBühne kein Mensch auf Erden errathen würde, und wenn er auch\nnoch so sehr in der dramatischen Literatur aller Nationen bewandert\nwäre. In diesem der Heiterkeit, dem populären Witze und der Ko-\nmik geweihten Hause brachte man eines der grässlichsten Trauer-\nspiele, die je der Phantasie eines Dichters entsprungen sind, auf\ndie Scene eine Uebersetzung des vierundzwanzigsten Fe-\nbruars von Zacharias Werner! Benutzt worden ist dieser\nschauerliche Stoff schon vor Jahren einmal im letzten Acte des\nDrama's: „JLa Vie d'un Joueuru, einem Stücke, das gänzlich durch-\nfiel. Jetzt aber bringt das Vaudeville (!) eine wörtliche Uebersetzung\nhoffentlich einmal und nicht wieder. Charakteristisch ist auch\ndie Zusammenstellung, denn der Theaterzettel des Abends lautet:\nLe Devin du Village, Musik von Rousseau. Le Florentin, Lust-\nspiel in 1 Act von la Fontaine. Le 24 Fevrier, drame en 1 acte\nde Werner (der Uebersetzer hat sich nicht genannt). Pierrot\njposthume, Lustspiel von Th. Gautier. Man ist versucht, unter\ndiesen Umgebungen und auf dieser Bühne die Ankündigung für eine\nMystification oder das angekündigte Stück für eine Travestie zu\nhalten: aber nein, es war der wirkliche grauenhafte 24. Februar\nW ort für W ort!!\nBeim nächsten birminghamer Musikfeste (im September) kom-\nmen drei neue grössere Musikwerke zur Aufführung: Costa's neues\nOratorium: „Naamanu, eine Cantate vKenilworthJ von Sullivan\nund eine ähnliche Composition von Henry Smart, welche sich\n„ The bride of Dunkerronu betitelt.\nJTlozart-Stiftiiiig zu Frankfurt am Jflain.\nDie Mozart-Stiftung zu Frankfurt am Main, begründet bei dem\nim Jahre 1838 dahier veranstalteten Sängerfeste, beabsichtigt, wieder\nein Stipendium zu vergeben. Es kommen hierbei nachfolgende\nBestimmungen der Statuten in Betracht:\n§. 1. Die Mozart-Stiftung bezweckt Unterstützung musicalischer\nTalente bei ihrer Ausbildung in der Compositionslehre.\n§. 2. Jünglinge aus allen Ländern, in denen die deutsche Sprache\ndie Sprache des Volkes ist, können diese Unterstützung in Anspruch\nnehmen, wenn sie unbescholtenen Rufes sind und besondere musi-\ncalische Befähigung besitzen.\n§. 25. Bewerbungen um das Stipendium werden in frankirten Zu-\nschriften bei dem Ausschusse gemacht; dieselben müssen, nebst An-\ngabe des Alters, mit Zeugnissen über die musicalischen Fähigkeiten\nund Leistungen des Bewerbers begleitet sein.\n§. 26. Genügen Zeugnisse und Erkundigungen, so wird der Be-\nwerber vom Ausschusse aufgefordert, seine musicalische Befähigung\ndurch die That nachzuweisen.\n§. 27. Dem Bewerber wird die Composition eines vom Aus-\nschusse bestimmten Liedes und eines Instrumental-Quartettsatzes\nübertragen.\n§. 29. Drei Musiker von anerkannter Autorität üben das Amt\nder Preisrichter. •\n§. 33. Der erwählte Stipendiat wird sodann nach Wahl des\nAusschusses, wobei jedoch der Wunsch des Schülers möglichst be-\nrücksichtigt werden soll, einem Meister in der Compositionslehre\nzum Unterricht übergeben.\nWir laden nunmehr zur Anmeldung bei uns bis zum Tage des\n1. October d. J. alle diejenigen ein, welche geneigt und nach obigen\nVorschriften geeigenschaftet sind, sich um das Stipendium zu be-\nwerben. Zugleich ersuchen wir alle verehrlichen Redactionen deut-\nscher Zeitungen, dieser Bekanntmachung zu deren möglichster Ver-\nbreitung einen Platz in ihren Blättern vergönnen zu wollen, und\nsind dafür zum voraus dankbar verpflichtet.\nFrankfurt am Main, 31. August 1864.\nDer Yerwaltuiigs-Ausschuss der Mozart-Stiftung."}]}