{"numero_id": "bm-bmtnabi-1864-10-01-01", "volume": "bmtnabi_1864-10-01_01", "ocr_sha256": "591b79622324545c3fa7bc74cba93f6a3f191d40b3e62c107990781c4bf11605", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1864/10/01_01/bmtnabi_1864-10-01_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641001-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1864-10-01-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-10-01_01#c001", "volume": "bmtnabi_1864-10-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "313", "page_fin": "313", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641001-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "313", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641001-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 427, "texte": "Inhalt.\nDie Mnsikfeste in Hereford und in Birmingham. Antonio Stradivaris Violinen. Tages- und Unterhaltungs-\nBlatt (Berlin, W. Gährich -j-, Grabmal für Franz Mücke, ~I'ra Diavolo\" in der königlichen Oper Weimar, Franz Liszt Leipzig,\nEröffnung der Opern-Vorstellungen Chemnitz, Musik-Aufführung München, Theater Musik-Literatur in Oesterreich Ueher die\nMillionen der Schwestern Patti - Rotterdam, Eröffnung der deutschen Oper)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-10-01-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-10-01_01#c002", "volume": "bmtnabi_1864-10-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "313", "page_fin": "317", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641001-01.2.2", "titre_corps": "Die Musikfeste in Hereford und in Birmingham.", "titre_sommaire": "Die Musikfeste in Hereford und in Birmingham.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "313", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641001-01.1.1", "debut_caractere": 429, "fin_caractere_exclue": 4121, "texte": "Die Musikfeste in Hereford und in Birmingham.\nDas 141. Musikfest des vereinigten Bundes der drei\nStädte Worcester, Hereford und Gloucester wurde dieses\nJahr in Hereford vom 30. August bis 2. September\ngefeiert.\nDie Kathedrale hatte durch eine mit theilweisem Um-\nbau verbundene Restauration eine günstigere Akustik, als\nsie früher besass, und zugleich eine neue Orgel erhalten;\ndie Theilnahme für eine würdige Feier zeigte sich von\nvorn herein so rege, dass mehr als fünfzig Gentlemen unter\ndem Vorsitze des Lord-Lieutenants der Grafschaft sich zur\nDeckung eines etwaigen Deficits verbindlich machten. Das\nOrchester zählte zwischen 60 und 70 Saiten-Instrumente,\nder Chor hatte sich aus dem Bestände der Singvereine der\ndrei Grafschaften und Zuziehung anderer gegen 1861 be-\ndeutend verstärkt. Der Organist der Kathedrale, Herr\nTownshend Smith, leitete das Ganze. Da es trotz der mehr\nals hundertjährigen Dauer dieses Festes doch noch immer\neinige Stimmen unter der Geistlichkeit gab, welche dage-\ngen eiferten, dass man durch Oratorien-Aufführungen die\nKirche ihrer Bestimmung entziehe, so war dieses Mal an\njedem Festtage ein vollständiger Früh-Gottesdienst mit\nPredigt angeordnet. Da bei diesem ebenfalls Musik ge-\nmacht wurde Anthems, Choräle u. s. w., ja, am ersten\nTage hörten wir zum Schlüsse sogar eine Fuge in C-moll\nvon J. S. Bach— , alsdann in den Mittagsstunden das Ora-\ntorien-Concert und Abends in der Grafschaftshalle das so\ngenannte „gemischte Concert\" Statt fand, so konnte, wer\nLust dazu hatte, während der vier Tage sich voll von Mu-\nsik bis zum nächsten Jahre stopfen. Solisten waren für\nSopran Fräulein Tietjens und Madame Sherrington-\nLemmens, für Alt die Damen Sainton-Dolby und\nWeiss, für Tenor immer noch Sims Reeves und Mon-\ntem Smith, für Bass Santley und Weiss.\nDas erste Kirchen-Concert brachte den ersten und\nzweiten Theil von Haydn's „Schöpfung\". Gegen die\nWeglassung des dritten Theiles sprach sich die Kritik mit\nRecht aus; auch meint ein Bericht, dass die Schöpfung\ndes Menschen das Werk erst kröne, und dass „unsere\nStammeltern jedenfalls mehr Theilnahme verdienten, als\nVögel und Säugethiere und Gewürm und grosse Wall-\nfische!''— Darauf folgte Mendelssohn's Ouvertüre zum\n„Paulus\" und Beethoven's Messe in C-dur (unter dem\nTitel „Service\"). Nach hiesiger Sitte, welche eine Con-\ncession an die Dilettant)' der Provinz ist—denn diese wol-\nlen vor Allem recht viele berühmte Solisten hören —, wa-\nren die Soli getheilt, Fräulein Tietjens sang im ersten,\nFrau Lemmens im zweiten Theile u. s. w.\nDas Abend-Concert brachte als Eröffnung die Ouver-\ntüre aus Weber's „Oberon\" und eine Auswahl von Ge-\nsängen aus derselben Oper, von denen die meisten über's\nKnie gebrochen wurden und nur Fräulein Tietjens dem\n„Ungeheuer Ocean\" vollständig gerecht wurde. Mozart's\ngrosse wurde, wie auch die Oberon-Ouver-\nture, recht gut ausgeführt. Alles Uebrige war „Gemisch\"\nim wahren Sinne des Wortes. Englische Songs und Balla-\nden wechselten ab mit Rode's Variationen (d. h. gesungen\nvon Frau Lemmens), einer Arie von Händel, einem Trom-\npeten-Solo, geblasen von dem Virtuosen Harper, Doni-\nzetti's Duett aus Belisario, Gounod's Soldatenchor u. s. w.\nWohl dem, der von früh Morgens halb acht bis Nachts\neilf Uhr das Bisschen Musik verdauen konnte!\nAm zweiten Festtage kam in <fer Kirche Mendels-\nsohn's „Elias\" zur Aufführung. Die Haupt-Partie, bei\nanderen Gelegenheiten hier zu Lande auch an zwei Per-\nsonen vertheilt—eine wahre Absurdität! war dieses Mal\ndenn doch nur Einem Sänger (Herrn Weiss) übertragen;\nwo indessen, wenn man über so viele Kräfte zu verfügen\nhat, getheilt werden sollte, da geschieht es nicht; so sang\nz. B. Madame Lemmens die „Witwe\" und den „Knaben\"."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "314", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641001-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5196, "texte": "Die Arie: „Höre, Israel!\" war Fräulein Tietjens zugefal-\nlen; offenbar aber hätte diese dramatische Sängerin die\nPartie der „Witwe\" zu grossartigerer Wirkung gebracht,\nals Frau Lemmens, deren Genre mehr die vollendete\nTechnik, als der declamatorische Ausdruck ist. Uebrigens\nwar die ganze Ausführung keineswegs eine musterhafte\nund durfte nicht nach dem Maassstabe der Musikfeste in\nDeutschland gemessen werden.\nDas zweite Misch-Concert war glänzend besucht. Die\nHauptnummer war Benedict's Cantate\nde Lion\",die zuerst im vorigen Herbste auf dem Feste\nzu Norwich aufgeführt worden. Sie hat vier Solo-Partieen:\nRichard (Bass), Blondel (Tenor), Mathilde (Sopran, Toch-\nter des Seneschalls, die den Gefangenen heimlich liebt),\nein Page (Alt). Die Composition ist in den lyrischen Ge-\nsängen—und sie besteht fast nur aus solchen—recht me-\nlodiös und sangbar, ohne sich irgendwo ins Aussergewöhn-\nliche oder Geniale zu erheben. Eine Einheit des Stils ist\nnicht vorhanden, die Chöre scheinen ziemlich schnell hin-\ngeschrieben zu sein, und an sehr fühlbaren Concessionen\nan den Geschmack des englischen Publicums fehlt es nicht.\nIn der Partie des Pagen ist der französische Pagenstil\nAuber's, Meyerbeer's u. s. w. nicht zu verkennen. Der\nBeifall war gross.\nDer zweite Theil des Abend-Concertes begann mit\nBeethoven's C-mo/Z-Sinfonie. Mit Ausnahme des Finale\nwar die Ausführung höheren künstlerischen Anforderun-\ngen nicht entsprechend, was nicht zu verwundern ist, da\ndas Orchester, fast lauter Musiker aus London, die Sin-\nfonie und auch meistens die Oratorien ohne Probe\nspielt. Bei dem ersten Satze wusste das Publicum, wie es\nschien, nicht recht, was es daraus machen sollte: der letzte\nriss dasselbe endlich aus seiner Apathie heraus. Aber was\nsoll man zu dem nun folgenden musikfestlichen Programm\nsagen! Sopran-Arie Quando miro von Mozart, dito von\nHändel mit obligater Flöte, Lied von Blumenthal, engli-\nsche Ballade, II Bado (Fräulein Tietjens!), englisches Ma-\ntrosenlied, Bierlied Plumkett's aus Martha, das Spinn-\nQuartett aus Martha (!!), der Winzerchor aus Haydn's\nJahreszeiten zum Hinaussingen des Publicums, das genug\nfür sein Geld hatte! Dazwischen noch ein Violoncell-Solo,\neine so genannte Phantasie über Motive aus Verdi's\n„Maskenball\"! • ' •' .\nDas dritte Rirchen-Concert dauerte von 111 [2 Uhr\nbis Nachmittags halb vier Uhr! Es gab aber auch nicht\nweniger zu hören als: des Oratoriums „Babylons Fall\"\nersten Theil von Spohr das ganze\nvon Rossini Ouvertüre von Händel —Auswahl aus\n„Judas Maccabäus\" —Arie aus „Theodora\" —Aus-\nwahl aus „Israel in Aegypten\"!\nDer erste Theil von „Babylons Fall\" dauerte allein\nschon anderthalb Stunde! Jedermann war froh, als es aus\nwar, da in dem Ganzen doch eine unläugbare Monotonie\nherrscht, die nur durch ein paar schöne lyrische Ergüsse\nin der Sopran-Partie (Madame Lemmens) und durch den\npomphaften Rriegsmarsch des Cyrus unterbrochen wird.\nRossini's Musik war in der That eine wahre Er-\nquickung, so wunderlich auch die Zusammenstellung mit\nSpohr und Händel war. Man konnte dabei, besonders in\nBezug auf das musicalische Wissen der beiden anderen,\nan Goethe's Wort denken: „Prophete rechts, Prophete\nlinks, das Weltkind in der Mitten!\" Aber das Weltkind\nwar ein Genie und kannte die Menschen, und Cherubini\nhatte ganz Recht, als er einem französischen Musiker, der\nda ausrief: „Der Mensch weiss nichts von der Runst des\nSatzes!\" antwortete: „Richtig: er erfindet, was er davon\nbraucht.\" —Die Ausführung des Stabat war in den Chö-\nren mangelhaft, der Vortrag der Soli gut; Fräulein Tiet-\njens glänzte vor allen Anderen. Die Auswahl aus „Judas\nMaccabäus\" wurde durch den Prachtchor: „See the con-\nquering hero comes\"geendet, bei welchem hier in England\ndie eine Strophe stets durch drei Solostimmen gesun-\ngen wird, was, wenn die Stimmen den vollen Rlang ha-\nben, wie sie ihn hier hatten—die Damen Tietjens, Weiss\nund Sainton-Dolby —, eine sehr schöne Wirkung macht\nund zugleich der Tradition gemäss ist. In den gewaltigen\nChören aus „Israel in Aegypten\" vermisste man doch den\nfrischen Rlang der deutschen Stimmen, namentlich der\nrheinischen.\nDas dritte Abend-Concert war das besuchteste von\nallen; selbst das Vorzimmer und der Eingang zum Saale\nwaren besetzt. Es begann mit Mendelssohn's Ouvertüre\nund Musik zu Shakespeare's „Sommernachtstraum\". Von\ndem entsetzlich langen Programm sind theils curiositäts-\nhalber, theils als im Vortrage gelungen zu bemerken: So-\npran-Scene aus Gounod's „Mirella\", Tenor-Arie aus Gou-\nnod's „JNonne sanglante\", Rosine's Una voce poco fä in\nder Bearbeitung der Sherrington, Der Trompeter auf der\nRhone (Ballade mit obligater Trompete), „Rule Britannia\"\n(Solo Fräulein Tietjens Jubel!) und Spohr's „Gesang-\nscene\" für Violine, gespielt von Blagrove. Ausserdem\neine unendliche Reihe von Stücken für Gesang, Alles im\nRahmen der Tell-Ouverture zu Anfang und des „God save\nthe Queen\" zu Ende.\nAm vierten Tage füllte das Oratorium „Der Mes-\nsias\", wie immer, die Rirche mit dicht gedrängten Zu-\nhörern „das Oratorium der Oratorien, entsprossen dem\nGenius, geheiligt durch die Religion und verewigt durch\nden Glauben\", das allein den Besuch eines englischen Mu-\nsikfestes lohnt, wie die Engländer sagen. Und mit Recht:"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "315", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641001-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5080, "texte": "denn es ist, abgesehen von der herrlichen musicalischen\nSchöpfung, dasjenige, welches in England am besten aus-\ngeführt wird. An den Soli waren fast alle bereits ge-\nnannte Celebritäten betheiligt. Die Anwesenden hörten\ndieses Mal nicht nur das „Halleluja\", sondern auch den\nChor Nr. 32: „Hoch thut euch auf—dass der König der\nEhre einziehe!\" und den Schluss-Chor: „Würdig ist das\nLamm\", stehend an.\nAls etwas Neues kam am Abende des vierten Fest-\ntages zu dem Bisschen Musik, das man bereits genossen,\nnoch ein Kammermusik-Concert dazu. Es begann\num 8 Uhr in dem Collegiensaale, da die Grafschaftshalle\nzum Balle, welcher Nachts das Fest beschloss, eingerichtet\nwerden musste. Die Herren Biagrove und Genossen trugen\ndas G-moll-Quartett von Mozart, A-dur von Beethoven\nund ein Quintett von Onslow vor. Dazwischen wurden ein\npaar Lieder gesungen.\nBekanntlich wird der ganze Betrag der Collecten an\nden Kirchthüren und der Ueberschuss der Eintrittsgelder\nnach Abzug der Kosten bei den englischen Musikfesten\nWohllhätigkeits-Anstalten überwiesen in Hereford dem\nWitwen- und W7aisenhause. Die Collecten betrugen an\nden vier Tagen 950 Pf. St. (über 6300 Tblr.!). An Ein-\ntrittskarten für die vier Kirchen-Concerte wurden 4878,\nfür die Abend-Concerte 1623 verkauft. Am stärksten be-\nsucht—1996 Karten war die Aufführung des Messias.\nWas will das aber sagen im Vergleiche zu dem Mu-\nsikfeste in Birmingham, wo Alles noch weit kolossalere\nVerhältnisse annahm!\nDieses Fest wurde an den vier Tagen vom 6. bis 9.\nSeptember gefeiert in der prächtigen Tonhalle dieser\nersten Fabrikstadt der Welt, und die Concerte waren von\n14,202 Zuhörern besucht und brachten die Summe von\n13,075 Pf. St. (über 87,000 Thlr.) ein!\nSeit der Gründung des Birmingham'schen Musikfestes\nim Jahre 1768 war das diesjährige das neunundzwan-\nzigste. Das zweite fand erst zehn Jahre nach dem ersten\nStatt (1778), das dritte sechs Jahre nach dem zweiten\n; 1784), und von da an wurde es alle drei Jahre mit einer\neinzigen Ausnahme (von 1829 —1834) gefeiert. Die\nUeberschüsse der Einnahme wurden von Anfang an dem\nGeneral Hospital zugewiesen, und diese Anstalt erhielt da-\ndurch bis zum Jahre 1861 einschliesslich 79,333 Pf. St.\n(weit über eine halbe Million Thaler)! Die diesjährige Ein-\nnahme wird nur von 1834 übertroffen, in welchem Jahre\n13,527 Pf. St. einkamen; alle übrigen übersteigt sie, die\ngrössten wenigstens noch um einige Hundert Pfund. Der\nErtrag ist von 800 Pf. St. (mit einem Ueberschuss über\ndie Kosten von 300 Pf. St.), welche das erste Fest ein-\nbrachte, bis auf die diesjährige Summe von 13,075 Pf. St.\ngestiegen. Den höchsten Ueberschuss lieferte bis jetzt das\nJahr 1823 mit 5806 Pf. St., demnächst 1846 mit 5508\nPf. St. Das Verhältniss der Ueberschüsse zu den Einnah-\nmen ist aber keineswegs dasselbe geblieben, sondern es\nhat sich verringert, indem die Kosten der Feste in neueren\nZeiten immer bedeutender geworden sind. Der eben er-\nwähnte höchste Ueberschuss von 5806 Pf. St. für das\nHospital (1823) erwuchs aus einer Einnahme von 11,115\nPf. St.; dagegen ergab 1855 von 12,745 nur 3108,\n1858 von 11,141 nur 2731, 1861 von 11,453 nur\n3043 Pf. St. Ueberschuss. Während also das erste Musik-\nfest (1768) nur 500 Pf. St. kostete (freilich schon über\n30,000 Thlr.), nahmen die Feste von 1861 8410 Pf.,\nvon 1858 ebenfalls 8410 Pf. und das von 1855 gar\n9637 Pf. St. (über 63,000 Thaler) für die Kosten in\nAnspruch!\nBei dem diesjährigen Feste waren vor Beginn dessel-\nben schon für 6090 Pf. St. Karten verkauft.\nVon allen Musikfesten in England und wohl auf der\nganzen Welt ist das zu Birmingham das grösste. Es hat\naber zugleich in Bezug auf seine künstlerische Bedeutung\nden Vorrang vor allen übrigen in England, weil es viele\nneue Werke zuerst aufführt und in den Abend-Concerten\nebenfalls grössere Vocal-Musikstücke zur Aulführung\nbringt und nicht bloss den gewöhnlichen Sangmischmasch\nallein.\nSo wurde hier Mendelssohn's „Paulus\" 1837 zum\nersten Male in England gegeben, 1840 dessen Sinfonie-\nCantate „Lobgesang\", 1846 der „Elias\" —alle drei\nWerke dirigirte Mendelssohn selbst, und der „Elias\" wurde\nseitdem auf jedem Musikfeste, eben so wie der „Messias\",\nwiederholt. Auch das Fragment „Christus\" und das Finale\nder „Lorelei\" aus Mendelssohn's Nachlass brachte Bir-\nmingham. Ferner schrieb Neu komm für das Fest zwei\nOratorien: „David\" und „Die Himmelfahrt\", 1834 und\n1837. Im Jahre 1855 kam Costa's „Eli\", 1858 Henry\nLeslie's „Judith\", ferner mehrere Cantaten von engli-\nschen Componisten zur Aufführung.\nDas Orchester zählte dieses Mal 28 erste und 26\nzweite Violinen, 18 Violen, 17 Violoncelle und 17 Con-\ntrabässe, je 4 Flöten, Oboen, Clarinetten, Fagotte, Hör-\nner, 2 Trompeten, 3 Posaunen und 1 Ophikleid, 2 Ser-\npents, eine Harfe und die Schlag-Instrumente, im Ganzen\n137 Instrumentalisten. Der Chor bestand aus 94 So-\npranisten, 87 Altisten (Frauen-, Knaben- und Männer-\nstimmen), 87 Tenoristen und 88 Bassisten, zusammen\n356 Personen.\nAls Solisten waren thätig die Fräulein Tietjens und\nAdelina Patti (die zum ersten Male in Oratorien sang),\ndie Frauen Rudersdorf, Sherrington-Lemmens,\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "316", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641001-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5153, "texte": "Sainton-Doiby und Frl. Palm er, die Tenoristen Sims\nReeves und Cummings (Mario war engagirt, hatte\naber aus Florenz abgeschrieben), die Bassisten Weiss\nund Santley. Solo-Instrumentalisten waren Madame\nArabella Goddard (Pianoforte) und Herr Sainton\n(Violine). Fest-Dirigent des Ganzen Costa.\nDas Programm war folgendes:\nDinstag den 6, Sept. Morgens: Mendelssohn's\n„Paulus\". Abends: „Die Braut von Dunkerron\", Can-\ntate von Smart; Mendelssohn's Pianoforte-Concert in\nmoll; Rossini's Ouvertüre zu la Gazsa ladra und Solo-\nGesangstücke.\nMittwoch den 7. Sept. Morgens: „Naaman\",\nneues Oratorium von Costa. Abends: Mendelssohn's\n„Lobgesang\" (zum ersten Male seit 1840); Ouvertüren\nvon Weber („Beherrscher der Geister\") und Cheru-\nbini (Anakreon); Sologesänge; Sonate von Beethoven\nfür Pianoforte und Violine.\nDonnerstag den 8. Sept. Morgens: Händel's\n„Messias\". Abends: „Kenilworth\", Cantate von Sul-\nlivan; Rossini's Ouvertüre zu Wilhelm Teil; Weber's\nConcertstück für Pianoforte; Sologesänge.\nFreitag den 9. Sept. Morgens: Beethoven's „Chri-\nstus am Oelberge\"; Guglielmi's Offertorium (für Ade-\nlina Patti und obligate Clarinette); Auswahl aus Händel's\n„Salomon\". Abends: Mendelssohn's „Elias\".\nDie Aufführung des „Paulus\" war sehr befriedigend;\ndie Chöre gingen präcis und kräftig, die Orgel griff maje-\nstätisch ein und die Soli wurden grösstentheils recht schön\nvorgetragen. Da in England die Unsitte des Dacaporufens\nüberhand genommen, so ist nach einem Beschlüsse des\nComite's dem Publicum in den Musikfest-Concerten zu\nBirmingham untersagt, irgend ein Zeichen des Beifalls\noder Missfallens laut werden zu lassen. Dagegen hat der\nPräsident des Festes das Recht, die Wiederholung dessen,\nwas ihm und seiner Gesellschaft am meisten gefällt, zu\nverlangen. Ländlich, sittlich! Die Zuhörerschaft von vielen\nHunderten bleibt stumm auch geklatscht wird nicht\nund verlässt sich auf den Geschmack eines Einzelnen. Der\ndiesmalige Präsident, Lord Lichfield, machte einen sehr\nweiten Gebrauch von seinem Vorrechte und liess die Arie\n„Jerusalem\" (Tietjens), das Alt-Arioso (Madame Sainton-\nDolby), das Duett der beiden Boten und den darauf fol-\ngenden Chor, die Tenor-Cavatine (Sims Reeves) mit obli-\ngatem Violoncell und den Chor: „Seht, welch' eine Liebe\"\n—also sechs Nummern—sich noch einmal vorsingen, was\nzwar gerade keinen schlechten Geschmack bewies, aber\ndas Concert doch gar sehr verlängerte. Die Einnahme be-\nlief sich auf 1582 Pf. St. 2 Sh.\nDas neue Oratorium „Naaman\" von Costa wurde\nam 7. September Morgens aufgeführt und mit einem un-\ngeheuren Enthusiasmus aufgenommen. Man wird sagen:\n„Woran war denn dieser Enthusiasmus zu erkennen, da\njede Aeusserung von Beifall untersagt war?\" Die Zu-\nhörerschaft von mehr als 2000 Personen zeigte am Mitt-\nwoch früh von Beginn der Aufführung an eine sehr ge-\nneigte Stimmung für Costa und sein Werk und eine sehr\ngereizte gegen das Verbot des Applauses und gegen das\nVorrecht des Präsidenten. Obwohl dieser zwölf Nummern\nwiederholen liess (!), so brachte dies das Publicum um so\nmehr auf, als es selbst zum Stillschweigen fortwährend\nverdammt blieb. Kundige Steuerleute auf dem leicht be-\nweglichen Meere der Volksmenge weissagten einen drohen-\nden Sturm, und in der That, es entstand plötzlich eine\nvollständige Rebellion. Nach dem Vortrage eines Solo-\nQuartetts: „jHonor and glory, Almighty, be thineu, durch\n„Adah\" —Adelina Patti, „Timna\"—Miss Palmer\n(Alt), „Naaman\" (Sims Reeves), Prophet „Elisha\"\n(Santley) fiel das Schloss von den Lippen und zerbrachen\ndie Fesseln an den Händen der Zuhörer, und ein tausend-\nstimmiges encore,von Cheers und Bravo's unterstützt, brach\nlos. Das Decorum war auf entsetzliche Weise verletzt, aber\ndie Ovation für Costa und die Sänger um so glänzender.\nAm Schlüsse des Oratoriums wiederholten sich, als er vom\nDirigenten-Pulte zurücktrat, die Hochs, dieses Mal auch\ndurch das Chor- und Orchester-Personal verstärkt.\nLondoner Blätter vergleichen die gegenwärtige Stel-\nlung Costa's und den Triumph, den er vor neun Jahren\nauf dem birminghamer Musikfeste mit seinem Oratorium\n„Eli\" und jetzt mit dem „Naaman\" in noch weit höherem\nGrade feierte, mit seinem ersten Auftreten in England.\n„Michael Costa, der vor fünfunddreissig Jahren eine ganz\nunbedeutende Figur als einer der untergeordneten italiäni-\nschen Sänger, welche für das Musikfest engagirt waren,\nspielte, war jetzt nichts Geringeres, als der Held desselben.\nIm Jahre 1829 war Signor Costa ein unbekannter Frem-\nder, jung von Jahren, kaum als eine Zahl unter seinen\nGenossen gerechnet; jetzt, ein Mann im reifen Alter und\nnoch dazu (!) in England naturalisirt, steht er als unum-\nschränkter Herrscher auf den Musikfesten da und hat von\nden Leitern des diesjährigen den Auftrag erhalten, ein\nWerk zu schreiben, das zwischen Mendelssohn's Paulus\nund Händel's Messias aufgeführt werden sollte!\"\nWenn die Notiz über Costa's erstes Erscheinen in\nEngland aus sicheren Nachrichten geschöpft ist, so wäre\ner schon 1829, im Alter von 23 Jahren (er ist 1806 in\nNeapel geboren), dort gewesen. Allein es scheint eine Na-\nmensverwechslung mit Andrea Costa aus Brescia, der sich\num 1825 in London als Gesanglehrer niederliess, hierbei"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "317", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641001-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1835, "texte": "obzuwalten, da man bisher annahm, dass Michael Costa\nerst 1835 nach London gekommen. Dies ist um so eher\nrichtig, als man weiss, dass gerade im Jahre 1829 die\nerste Oper Costa's, „Malwina\", in Neapel auf dem Thea-\nter San Carlo gegeben wurde. Der Componist verliess\nNeapel, da die Oper durchgefallen war, und bis zu seinem\nAuftreten in London im Jahre 1835 hat man keine sichere\nKunde von seinem Leben. In Mailand hat er einige Ge-\nsangstücke bei Bicordi herausgegeben; auch soll er eine\nZeit lang in Portugal gewesen und von dort aus nach Eng-\nland gegangen sein. In London gab er Anfangs ebenfalls\nGesang-Unterricht, bis man ihm die Orchester-Direction\nim Theater der Königin anvertraute. Da offenbarte sich\nzuerst sein ausgezeichnetes Directions-Talent. Im Jahre\n1837 versuchte er noch einmal, seine Oper Malwina zur\nGeltung zu bringen; sie ging unter dem Titel „Malek\nAdel\" auf dem italiänischen Operntheater in Paris in\nScene, allein die ausgezeichnetsten Sänger, Rubini, La-\nblache, Tamburini, die Grisi und Albertazzi, konnten ihr\nkeinen Erfolg verschaffen. Im Jahre 1844 liess er seine\nOper „Don Carlos\" in London aufführen, die einigen Er-\nfolg hatte. Er entzweite sich mit dem Director Lumley\nund trat einer Gesellschaft bei, die eine zweite italiänische\nOper im Coventgarden-Theater gründete. Seitdem hat er\ndie Stellung als Orchester-Director derselben nicht wieder\nverlassen, leitete auch mehrere Jahre lang die Concerte\nder philharmonischen Gesellschaft, was er aber wieder\naufgab, dirigirt dagegen vorzugsweise die grossen Ora-\ntorien-Aufführungen in London und die meisten Musikfeste\nin der Provinz. Im Jahre 1855 brachte er in Birmingham\nsein Oratorium „Eli\" zur Aufführung, das auch in Partitur\nund Clavier-Auszug gedruckt ist, jedoch den Weg über\ndas Meer nach dem Festlande noch nicht gefunden hat.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-10-01-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-10-01_01#c003", "volume": "bmtnabi_1864-10-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "317", "page_fin": "319", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641001-01.2.3", "titre_corps": "Antonio Stradivari’s Violinen.", "titre_sommaire": "Antonio Stradivari’s Violinen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "317", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641001-01.1.5", "debut_caractere": 1837, "fin_caractere_exclue": 5241, "texte": "Antonio Stradivari’s Violinen.\nEine kleine Schrift: „Die Geigenmacher der al-\nten itaüänischen Schule\", von dem Geigenmacher\nNie. Ludw. Die hl in Hamburg (Verlag von J. P. F. E.\nRichter), enthält Notizen über die Bauart der italiänischen\nViolinen, die Firmen der Geigenmacher u. s. w., welche\nvon einer genauen Kenntniss der alten Instrumente zeugen,\npraktisch brauchbar für die Unterscheidung der verschie-\ndenen Meister und desshalb den Violinisten und Liebha-\nbern zu empfehlen sind.\nUeber den Bau der Violine überhaupt heisst es in der\nEinleitung:\n„Die Construction der jetzigen Geige ist eine geist-\nreiche und vollkommene. Die Länge ihres Corpus misst\nungefähr 14 /8 Zoll, ihre grösste Breite ungefähr 6s/8\nZoll und ihre kleinste ungefähr 46/8 Zoll. Die Höhe des\nCorpus ist nur 25/ s Zoll, und seine Wände sind so dünn,\ndass das Gewicht desselben nur ungefähr 15 Loth beträgt.\nTrotzdem übt diese Maschine, so zerbrechlich im Aeussern,\neinen bewunderungswürdigen Widerstand gegen die un-\naufhörlichen Einwirkungen des Zuges der Saiten und des\nDruckes derselben aus; ersterer ist ungefähr 80 Pfund\nund letzterer ungefähr 24 Pfund auf dem schmälsten\nTheile der Decke. Ihre symmetrische Figur, ihre graziösen\nund proportionirten Umrisse, ihre in der Mitte angebrach-\nten Büge (Ausschnitte), die gewölbte Oberfläche der Decke\nund des Bodens, im Innern der Balken, die Stimme, die\nvier dreieckigen in den Ecken der Büge, so wie die zwei\nunten und oben angebrachten Klötze sind in so grosser\nHarmonie verbunden, dass der Widerstand und die Elasti-\ncität in vollkommenem Gleichgewicht stehen. Die Büge des\nInstrumentes dienen nicht allein dazu, den Bogen frei und\nbequem über die vier Saiten führen zu können, sondern\nüben einen sehr grossen Einfluss auf die Kraft und Fülle\ndes Tones aus, indem die oberen und unteren Theile des\nInstrumentes um so kräftigere Vibrationen entwickeln kön-\nnen, welche auf derselben Stelle sich ausscheiden, wo sie\nhervorgebracht werden.\n„Die Einrichtung der Geige entspricht nicht allein der\nBeförderung des Tones, sondern ist desshalb so, damit das\nInstrument dauerhaft sei, sich conservire und vor irgend\nunvorhergesehenen Einwirkungen geschützt sei. Es war\nz. B. nothwendig, sie öffnen zu können, um Reparaturen\ndaran vorzunehmen. Zu dem Zwecke hat man die sinn-\nreiche Idee gehabt, den Rand der Decke und des Bodens\netwa l 1 Linie über die Zargen vorstehen zu lassen, wo-\ndurch dem zum Oeffnen dienenden Werkzeuge ein besserer\nStützpunkt gegeben und dem Zerbrechen vorgebeugt wird.\nAusserdem sind die Ränder mit einer aus drei zusammen-\ngeleimten schwarzen und weissen Holzfasern bestehenden\nEinlage verziert, welche aber eigentlich den Dienst eines\ndas Zerbrechen der Decke und des Bodens verhütenden\n/\nSaumes verrichtet. Ebenfalls wäre die Meinung eine sehr\nunrichtige, dass die Gestalt des F-Loches, welches in der\nGeige, der Bratsche und dem Violoncello die Oefl'nungen\nder älteren Instrumente vertritt, so wie dass die Wahl der\nStelle desselben willkürlich sei; vielmehr ist Alles so noth-\nwendig und berechnet, dass man nichts daran verändern\nkann, ohne Gefahr zu laufen, dem Tone zu schaden.\n„Der Hals der Geige verdient nicht weniger Lob, als\ndie anderen Theile derselben, der Einfachheit seiner Ein-\nrichtung und seiner markirten, in einem so eleganten\nSchnörkel auslaufenden Contouren wegen. Eben so auch\nder Apparat, die Saiten zu befestigen und auszuspannen,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "318", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641001-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5381, "texte": "•welche alsdann, in Vibration gesetzt, den lon des Instru-\nmentes wecken. Alles kann nicht einfacher und besser ge-\ndacht werden.\n„Das Ahorn- und das Fichtenholz sind die wesent-\nlichen Elemente der Geige. Diese Hölzer hat man in so\nverschiedenen Arten, so verschieden das Land ist, woher\nsie kommen. Das Ahorn, welches die alten italiänischen\nGeigenmacher verwandten, kam aus Dalmatien, Croatien\nund selbst aus der Türkei. Man schickte es nach Venedig,\nfür Galeerenruder zubereitet, und man erzählt sich, dass\ndie mit den Venetiern beständig in Streit und Krieg leben-\nden Türken stets dafür das geflammteste Holz auswählten,\ndamit es leichter bräche. Aus diesen für die Ruderer be-\nstimmten Hölzern wählten die italiänischen Geigenmacher\ndas, was ihnen für die Verarbeitung passend schien. Das\nFichtenholz wurde an den nach Süden ablallenden Bergen\nder italiänischen Schweiz und Tyrols gehauen.\"\nUeber den verschiedenen Werth der Violinen von\nStradivari gibt das Schriftchen folgende Auskunft:\n„Die Instrumente von Gasparo di Salo und Maggini\nhaben einen grossen, dicken und durchdringenden, obgleich\netwas stumpfen und tiefen Ton, die von Nikolaus, des ge-\nschicktesten der Amati, einen reinen, weichen, metalligen\n(Silber-) Ton. Darauf war die Aufgabe zu lösen, einen Ton\nzu schaffen, der alle Eigenschaften verbände: die Lieblich-\nkeit mit der Kraft und die Klarheit mit der füile. Da er-\nschien ein Mann, welcher im beständigen Fortschreiten\ndas vollständige Geheimniss zu dieser Vollkommenheit er-\nfand, und dieser Mann war Stradivarius. Seine Arbeiten\nbeweisen, dass die Principien, welche die Frucht seiner\nStudien gewesen sind und welche er in seinen besseren\nWerken anwandte, die besten sind.\n„Antonio Stradiuari, in Cremona geboren,\nstammte aus einer sehr alten Patrizier- und Senators-Fa-\nmilie dieser Stadt. So grosse Mühe man sich auch gegeben\nhat, so ist es doch nicht möglich gewesen, genau aufzu-\nfinden, in welchem Jahre Stradivarius geboren ist. Ver-\nmutlich sind durch Aufhebung mehrerer Kirchen in Cre-\nmona deren Archive vernichtet. Zum Glück existirt ein\nanderer Nachweis darüber. Man hat nämlich eine Geige\nvon Stradivarius gefunden, welche einen von ihm selbst\ngeschriebenen Zettel hatte; auf demselben war sein Name,\nAlter (92 Jahre) und die Jahreszahl 1726 vermerkt.\nDemnach war Slradivarius im Jahre 1644 geboren.\n„Als Schüler von Nikolaus Amati verfertigte er von\n1667 an, im Alter von 23 Jahren, einige dem Formate\nseines Lehrers indess genau nachgebildete Geigen, in\nwelche er auch den Namen Nikolaus setzte. Im Jahre 1670\nfing er erst an, seinen eigenen Namen zu gebrauchen. Von\nhier an bis 1690, also in zwanzig Jahren, arbeitete er\nwenig. Man sollte glauben, dass dieser Künstler in dieser\nZeit mehr sich mit Versuchen und Forschungen beschäftigt\nhätte, als mit Verkaufs-Arbeit. Diese Geigen von Stradi-\nvarius sind sehr wenig von denen Nikolaus Amati's ver-\nschieden, der Boden ist nach der Schwarte genommen,\ndas Format, die Wölbung und der Lack eben so.\n„Im Jahre 1660 tritt eine sehr grosse Veränderung\nin der Arbeit des Anton Stradivarius ein. Um diese Zeit\nfängt er an, seine Violinen grösser zu bauen, denselben\neine schönere Wölbung zu geben, Decke und Boden in\nder Ausarbeitung dicker zu lassen, so wie sie etwas leb-\nhafter (röther) zu lackiren. Kurz, die Violinen haben ein\nanderes Ansehen als die früheren bekommen, welchen\nman noch die Schule Nikolaus Amati's ansieht, daher die\ngegenwärtigen Instrumentenmacher sie gewöhnlich mit dem\nNamen „ „amatisirte Stradi vari\"\" bezeichnen.\n„Im Jahre 1700 hat der Künstler sein sechsundfünf-\nzigstes Jahr erreicht; sein Talent hat sich ganz entfaltet,\nund von da an bis 1725 sind alle seine Instrumente wahre\nMeisterstücke. Er macht keine Versuche mehr, sondern\nist jetzt sicher in seiner Arbeit, welche er bis in die klein-\nsten Details kostbar vollendet ausführt. Sein Format hat\nganz die wünschenswerte Grösse und ist mit einem Ge-\nschmack und einer Reinheit gezeichnet, die seit anderthalb\nJahrhundert die Bewunderung der Kenner erregt hat. Das\nHolz, mit der grössten Sorgfalt und Sachkenntniss ausge-\nwählt, besitzt alle guten Bedingungen zur Bildung eines\nguten Tones. Den Boden, so wie die Zargen, nimmt er\njetzt nicht mehr nach der Schwarte, sondern nach dem\nSpiegel. Die Wölbung seiner Instrumente, ohne sehr hoch\nzu sein, verläuft sich (nach dem Rande zu) in eine ziemlich\nflache Hohlkehle, wodurch dem Holze mehr wie bei der\nden Amati's eigenen spitzen Wölbung mit breiter und tie-\nfer Hohlkehle die nöthige Befähigung zum Schwingen ge-\nlassen wird. Die mit Meisterhand geschnittenen F-Löcher\nwurden das Model aller seiner Nachfolger. Die Schnecke\nist in ihrer Form etwas plumper und nicht so tief, aber\nausserordentlich schön gestochen. Der feurige Farbenton\ndes Lacks, welcher fein und geschmeidig ist, datirt sich\naus dieser Zeit.\n„Das Innere des Instrumentes ist nicht minder voll-\nkommen gearbeitet. Die Ausarbeitung zeichnet sich durch\neine grosse Genauigkeit aus, welche nur durch lange Stu-\ndien erreicht werden kann. Die Decke, der Boden und\nalle Theile, welche das Instrument ausmachen, stehen im\ninnigen, harmonischen Zusammenhange. Wahrscheinlich\nhaben auch wiederholte Versuche und anhaltende Beobach-\ntungen Stradivarius dazu gebracht, zu den Klötzen und\nLeisten in den von ihm in seiner Glanz-Periode verfertig-\nten Geigen das Weidenholz zu wählen, dessen specifische"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "319", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641001-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3643, "texte": "Leichtigkeit alle anderen Hölzer übertrifft. Mit Einem\nWorte: Alles ist in diesen bewunderungswürdigen Instru-\nmenten berechnet, nur ist der Balken zu schwach, und\nzwar in Folge der seit dem Anfange des achtzehnten Jahr-\nhunderts nach und nach höher gewordenen Orchesterstim-\nmung, welche auch einen vermehrten Zug und Druck der\nSaiten auf die Decke mit sich brachte. Daher ist es nötbig\ngeworden, alle alten Geigen und Violoncelli mit stärkeren\nBalken zu versehen.\n„Um die Zeit, als Stradivarius mit der erwähnten\nVollkommenheit und Sicherheit arbeitete, hat er sich\nmanchmal auf Anregung von Künstlern oder Liebhabern\nvon seiner bestimmten Form und Bauart entfernt und Gei-\ngen gebaut, welche etwas länger waren. Ihr Aeusseres\nhat nicht so viel Schwung, jedoch dieselbe angewandte\nSorgfalt ist nicht zu verkennen, so wie, dass alle Verhält-\nnisse des übrigen Baues zu jener Veränderung in der Grösse\nproportionirt sind, damit dieselbe Vibration bliebe. Da-\ndurch haben diese Instrumente, eben so wie die anderen\nvon diesem Künstler gebauten, dieselbe edle Kraft und\nFülle, eine Auszeichnung, welche überall den grossen Ruf\nvon Stradivarius hervorgerufen hat.\n„Seine Instrumente, welche von 1725 —1730 ver-\nfertigt sind, haben noch einen schönen Ton, obgleich\nmanchmal dieselbe Vollkommenheit in der Arbeit nicht\nmehr vorherrscht. Solche haben etwas spitzere Wölbung\n(mit etwas mehr Hohlkehle), daher weniger klaren Ton.\nVon da ab verliert stufenweise die Arbeit an Gediegenheit.\nDer Lack wird brauner, und selbst scheint Stradivarius\nnicht mehr so viel zu arbeiten, denn man trifft verhältniss-\nmässig weniger Instrumente aus dieser Periode, als aus\nfrüherer an.\n„Im Jahre 1730 und selbst ein wenig vorher ver-\nschwindejt seine Meisterschaft fast gänzlich; ein geübtes\nAuge erkennt, dass die Instrumente von einer weniger ge-\nschickten Hand gemacht sind. Er selbst bezeichnet meh-\nrere davon, als einfach unter seiner Leitung gemacht, mit:\nsub diseiplina Stradivari.ln anderen erkennt man die\nHand Carlo Bergonzi's und seiner Söhne, Omobono und\nFrancesco.\n„Nach dem Tode dieses berühmten Meisters fanden\nsich viele nicht rein (nach Stradivarius' Art) gearbeitete\nInstrumente vor; dieselben wurden von seinen Söhnen ver-\nkauft. Die meisten haben seine Etiquette;. daher entstand\ndie Ungewissheit und die Confusion hinsichtlich der Mach-\nwerke seiner letzten Zeit.\n„Stradivarius hat nur eine kleine Anzahl Bratschen\ngemacht, alle aber von grossem Format die Qualität\ndes Tones ist ausgezeichnet durchdringend und nobel\nVioloncelli dagegen mehr, bei welchen man dieselbe Ab-\nstulung der vollkommenen Arbeit bemerkt. Dieselben sind\nvon zwei Formen, die eine gross, welcher man früher den\nNamen „ ,Bass\"\" gab, die andere kleiner, welche das\neigentliche Violoncello ist.\n„Die Violoncelli von Stradivarius haben ein hervor-\nragendes Uebergewicht gegen alle Instrumente derselben\nArt; ihrem mächtigen und brillanten Tone kommt nichts\ngleich. Diese Eigenschaft rührt einestheils von der Wahl\ndes Holzes, anderentheils von der Stärkevertheilung her\nund von dem genauen Verhältnisse, in welchem alle Theile\ndes Instrumentes zu einander stehen.\n„Stradivarius hat eine bedeutende Anzahl von Instru-\nmenten gemacht, was sich auch durch sein hohes Alter\nund durch die Beharrlichkeit zum Arbeiten bis zu seinen\nletzten Tagen erklären lässt (im Alter von 92 Jahren hat\ner noch eine Geige angefertigt). Er hatte sich viel erwor-\nben, denn die Einwohner von Cremona pflegten zu sagen:\nReich wie Stradivari. Für seine Instrumente erhielt\ner 4 Louisd'or. Unter diesen Bedingungen und in der Zeit,\nin der er lebte, konnte er sich wohl einigen Reichthum\nerwerben.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-10-01-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-10-01_01#c004", "volume": "bmtnabi_1864-10-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "319", "page_fin": "320", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641001-01.2.4", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "319", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641001-01.1.7", "debut_caractere": 3645, "fin_caractere_exclue": 5500, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nBerlin, 20. Sept. Am Sonntag wurde der ehemalige Ballet-\nDirigent Herr W. Gährich beerdigt. Der Verstorbene hat sich\ndurch mehrfache werthvolle Compositionen in der Musikwelt einen\ngeachteten Namen erworben. Die Vorstände des königlichen Ballets\nünd der Capelle gaben ihm das Geleit zur letzten Ruhestätte.\nAuf dem neuen Kirchhofe der Jerusalemer Gemeinde wurde vor-\ngestern das dem verstorbenen Musik-Director Franz Mücke ge-\nsetzte Grabmal eingeweiht. Die Weiherede hielt der Prediger Platz\nvon der St. Marienkirche. Viele Mitglieder hiesiger Gesangvereine\nwaren zugegen. Das Denkmal, von gegossenem Zinn und sandstein-\nähnlich überzogen, zeigt in einem Medaillon das Brustbild Muck es,\ndarunter eine Lyra und Inschrift.\nBerlin, 24. Sept. Auber's ~Fra Diavolo\" macht volle Häuser\nin der königlichen Oper. Fräulein P. Lucca gibt die Partie mit\nbezaubernder Naivetät und Natürlichkeit. Sie entwickelt dabei eine\nsolche Grazie und Schalkhaftigkeit, dass die Zuhörer in enthusiasti-\nsche Beifallszeichen ausbrechen. Ein Spiel voller Anmuth illustrirt\naufs reizendste das Ganze. Die Titelrolle vertrat Herr Woworski\naufs wirksamste; seine Stimme erklang weich und zeichnete sich\ndurch Wohlklang vornehmlich vortheilhaft aus.\nWeilliai*. Dem seit dem 7. Sept. hier weilenden Dr. Franz\nLiszt wurde am 23. Sept. Abends vor seiner Wohnung, der Alten-\nburg, vom Sängerkranze, dem grössten hiesigen Männer-Gesang-\nvereine, ein Ständchen gebracht, wobei unter Anderem das von\nHoffmann von Fallersleben gedichtete und von Liszt componirte\nVereinslied: „Frisch auf zu neuem Leben!\" gesungen wurde. Der\ngrosse Meister war über den kleinen Beweis von Aufmerksamkeit\nSeitens der Weimaraner sichtlich erfreut, und schien es um so mehr,\nals der Dirigent des genannten Gesangvereins, der als Componist\nbekannte Karl Götze, Liszfs Schüler ist."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "320", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641001-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5899, "texte": "Ijeipzig* Die Opern-Vorstellungen unter der neuen Direction\nwurden mit „Die Jüdin\" eröffnet. Die Titelrolle wurde\nvon Frau Palm-Spatzer gesungen, einer nicht mehr jungen Dame,\nwelche nach sechsjähriger Zurückgezogenheit von der Bühne als\nRecha sie zum ersten Male wieder betrat. Da ist es natürlich, dass\nsie Anfangs etwas unsicher war, allein bald zeigte sie sich als eine\ndramatische Sängerin der besten Schule, und die Kunst ihres Vor-\ntrages, das Seelenvolle desselben, so wie das ausgezeichnete, fein-\ndurchdachte und mit dem rechten Maasse sich steigernde Spiel liess\nes vergessen, dass ihre Stimme der jugendlichen Frische entbehrte.\nAls Helden-Tenor lernten wir in Herrn Grimminger (Eleazar)\neinen begabten Sänger kennen, der, obgleich auch wohl nicht mehr\nganz jugendlich, um so mehr Erfolg erzielen wird, wenn er es sich\nangelegen sein lässt, ein bei ihm, wie es scheint, Manier gewordenes\nTremoliren abzulegen.\nCJicmiiitz, 10. Sept. Gestern fand hier zum Besten zweier\nChorcassen-Stiftungen eine Musik-Aufführung Statt, in welcher Joh.\nChristoph Bach's Motette: „Ich lasse Dich nicht\", Arie und\nChor aus Mendelssohn's „Paulus\" und die Messe in D-moll Nr.\n14 von Friedr. Schneider für Soli, Chor, Orchester und Orgel\nzu Gehör kamen.\njflltnelieil* Von den musicalischen Vorstellungen der lau-\nfenden Woche nahm Weber s „Oberon\" eine Hauptstelle ein. Leider\nsind die Erwartungen des Publicums in Bezug auf die ausführenden\nKräfte nicht vollständig befriedigt worden, nur der instrumentale\nTheil und die schönen Decorationen thaten vollständig ihre Schul-\ndigkeit; der vocale Theil liess aber Vieles zu wünschen. Nur Frau\nFörster als Rezia befriedigte und wurde durch Beifall und Hervor-\nruf ausgezeichnet. Ihre klangvolle Sopranstimme von sympathischer\nWirkung ist extensiv genug, um in unserem grossen Hause drama-\ntische Effecte hervorzubringen. In der grossen Ocean-Arie offenbarte\nsich Schwung und Stimmkraft. Das Spiel genügt, obgleich es sich\nnicht über die gewöhnliche Routine der Opernsänger erhebt. Herr\nRichard repräsentirte den Hüon weder schön noch ritterlich. Fräu-\nlein Edelsberg wusste durch ihre Altstimme der Fatime musicali-\nsche Geltung zu verschaffen; aber ihre Auffassung und besonders\ndas Spiel entbehrten alles Bewusstseins der Aufgabe.\nMusik-Literatur in Oesterreich. Der musicalische Ab-\nschnitt des „Oesterreichischen Katalogs für 1863\" enthält in 29 Ab-\ntheilungen 1207 Nummern Musicalien, welche im Jahre 1863 in\nOesterreich veröffentlicht worden sind. Darunter für Pianoforte 285\nund 260 (Tänze und Märsche!), 29 für Orchester, 72 für Kirchen-\nmusik, 141 Lieder für eine, 111 Gesänge für mehrere Stimmen\nxx, 3. w. Am zahlreichsten sind, wie immer, Wien und Prag ver-\ntreten, wo die bekannten Firmen Haslinger, Spina, Wessely\nund Büsing, Christoph undKuhd, Hoffmann, Schalek und\nWetzler u. s. w. die meiste Thätigkeit entwickeln. In der Clavier-\nAbtheilung dominirt das Salonstück und die Tanzmusik; die Gebrü-\nder Strauss allein lieferten 63 neue Tänze und Märsche. Auf dem\nGebiete der Clavier-Auszüge und Opern-Arrangements finden wir\nVerdi1 s „Ballo in Mascher au (Spina), welcher neben dem voll-\nständigen Auszuge mit 29 Nummern vertreten ist, denen sich ausser-\ndem eine Auswahl der beliebtesten Gesänge aus derselben Oper (10\nNummern) anschliesst. Unter den 26 Nummern Compositionen für\nOrgel, Physharmonica und Harmonium figurirt C. G. Lickl mit\n13. Für Violine findet sich nur eine einzige Nummer. Das Quar-\ntett ist durch H. W. Ernst, Johann Herbeck und Franz\nSchubert (Op. 168) vertreten. Zu dem Contingent der Vocalmusik\ntrugen am zahlreichsten Esser mit 6, v. Hornstein mit 18 Lie-\nder-Nummern bei. Im mehrstimmigen Gesänge begegnen wir vorwie-\ngend den Namen Kittl, J. F. Kloss, Rubinstein, Storch,\nTauwitz und J. L. Zwonar (Prag). Robert Führer, L. Rot-\nter, A. Tuma, Cyrill und Joseph Wolf bringen kirchliche\nCompositionen, der Erstgenannte allein 26 Nummern.\nUeber die Millionen der Schwestern Patti hat eine pa-\nriser Zeitung ausgerechnet, dass Adelina Patti sich ein Vermögen\nvon 15 Millionen Francs ersungen haben wird, sollte sie zu ihrem\ngegenwärtigen Honorar, k 3000 Fr. per Abend, so lange wie die\nGrisi singen. Eine londoner Zeitung bemerkt dagegen, dass Carlotta\nPatti ihre Schwester noch um einige Millionen überflügeln wird,\nwenn ihre Concerte in der Zukunft eben solche ungeheure Einnah-\nmen erzielen sollten, wie im verflossenen Jahre. Es hat sich näm-\nlich herausgestellt, dass der monatliche Nutzen der Carlotta Patti'-\nschen Concerte einen Durchschnitt von über 40,000 Fr., also unge-\nfähr eine halbe Million per Jahr ausmacht, während Adelina, welche\nnur zehn Mal im Monate singt, eine monatliche Gage von bloss\n30,000 Fr. bezieht. Dagegen gibt Ulimann mit Carlotta nie weniger\nals fünfundzwanzig Concerte im Monate. Es ist aber nicht alles\nGold, was glänzt, denn von diesen grossen Summen fällt die Hälfte\nin die Taschen der Patti-Unternehmer Ullmann und Strakosch. Dann\nführen diese Schwestern einen separaten Haushalt, leben wie Prin-\nzessinnen und unterstützen reichlich ihre zahlreiche Familie. So hat\nvor Kurzem Carlotta ihren jüngeren Bruder Carlo von America\nkommen lassen, um ihn in das brüsseler Conservatorium zu bringen.\nDerselbe soll schon jetzt ein ausgezeichneter, aber sehr lustiger\nGeiger sein. Trotzdem, dass er erst 22 Jahre alt ist, war er schon\nzwei Mal, freilich auf americanische Art, verheirathet, lief seinen\nEltern davon und liess sich bei der Conföderirten-Armee anwerben,\nwo er es bis zum Capitän brachte, wurde bei Gettysburg gefangen\nund vertauschte dann das Schwert mit der Geige.\nDie deutsche Oper in Rotterdam ist wieder eröffnet worden,\nEngagirt sind die Damen Ellinger, Roll-Meyerhöfer, Weyringer, Mül-\nler und von Czerdakely, und die Herren Böhlken, Ellinger, Schnei-\nder und Zimmermann, Tenöre; Pohl, Visani und Brassin, Baritons;\nDalle-Aste und Behr, Bässe. Herr L. v. Saar ist Capellmeister."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "313", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641001-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie Mnsikfeste in Hereford und in Birmingham. Antonio Stradivaris Violinen. Tages- und Unterhaltungs-\nBlatt (Berlin, W. Gährich -j-, Grabmal für Franz Mücke, ~I'ra Diavolo\" in der königlichen Oper Weimar, Franz Liszt Leipzig,\nEröffnung der Opern-Vorstellungen Chemnitz, Musik-Aufführung München, Theater Musik-Literatur in Oesterreich Ueher die\nMillionen der Schwestern Patti - Rotterdam, Eröffnung der deutschen Oper).\n\nDie Musikfeste in Hereford und in Birmingham.\nDas 141. Musikfest des vereinigten Bundes der drei\nStädte Worcester, Hereford und Gloucester wurde dieses\nJahr in Hereford vom 30. August bis 2. September\ngefeiert.\nDie Kathedrale hatte durch eine mit theilweisem Um-\nbau verbundene Restauration eine günstigere Akustik, als\nsie früher besass, und zugleich eine neue Orgel erhalten;\ndie Theilnahme für eine würdige Feier zeigte sich von\nvorn herein so rege, dass mehr als fünfzig Gentlemen unter\ndem Vorsitze des Lord-Lieutenants der Grafschaft sich zur\nDeckung eines etwaigen Deficits verbindlich machten. Das\nOrchester zählte zwischen 60 und 70 Saiten-Instrumente,\nder Chor hatte sich aus dem Bestände der Singvereine der\ndrei Grafschaften und Zuziehung anderer gegen 1861 be-\ndeutend verstärkt. Der Organist der Kathedrale, Herr\nTownshend Smith, leitete das Ganze. Da es trotz der mehr\nals hundertjährigen Dauer dieses Festes doch noch immer\neinige Stimmen unter der Geistlichkeit gab, welche dage-\ngen eiferten, dass man durch Oratorien-Aufführungen die\nKirche ihrer Bestimmung entziehe, so war dieses Mal an\njedem Festtage ein vollständiger Früh-Gottesdienst mit\nPredigt angeordnet. Da bei diesem ebenfalls Musik ge-\nmacht wurde Anthems, Choräle u. s. w., ja, am ersten\nTage hörten wir zum Schlüsse sogar eine Fuge in C-moll\nvon J. S. Bach— , alsdann in den Mittagsstunden das Ora-\ntorien-Concert und Abends in der Grafschaftshalle das so\ngenannte „gemischte Concert\" Statt fand, so konnte, wer\nLust dazu hatte, während der vier Tage sich voll von Mu-\nsik bis zum nächsten Jahre stopfen. Solisten waren für\nSopran Fräulein Tietjens und Madame Sherrington-\nLemmens, für Alt die Damen Sainton-Dolby und\nWeiss, für Tenor immer noch Sims Reeves und Mon-\ntem Smith, für Bass Santley und Weiss.\nDas erste Kirchen-Concert brachte den ersten und\nzweiten Theil von Haydn's „Schöpfung\". Gegen die\nWeglassung des dritten Theiles sprach sich die Kritik mit\nRecht aus; auch meint ein Bericht, dass die Schöpfung\ndes Menschen das Werk erst kröne, und dass „unsere\nStammeltern jedenfalls mehr Theilnahme verdienten, als\nVögel und Säugethiere und Gewürm und grosse Wall-\nfische!''— Darauf folgte Mendelssohn's Ouvertüre zum\n„Paulus\" und Beethoven's Messe in C-dur (unter dem\nTitel „Service\"). Nach hiesiger Sitte, welche eine Con-\ncession an die Dilettant)' der Provinz ist—denn diese wol-\nlen vor Allem recht viele berühmte Solisten hören —, wa-\nren die Soli getheilt, Fräulein Tietjens sang im ersten,\nFrau Lemmens im zweiten Theile u. s. w.\nDas Abend-Concert brachte als Eröffnung die Ouver-\ntüre aus Weber's „Oberon\" und eine Auswahl von Ge-\nsängen aus derselben Oper, von denen die meisten über's\nKnie gebrochen wurden und nur Fräulein Tietjens dem\n„Ungeheuer Ocean\" vollständig gerecht wurde. Mozart's\ngrosse wurde, wie auch die Oberon-Ouver-\nture, recht gut ausgeführt. Alles Uebrige war „Gemisch\"\nim wahren Sinne des Wortes. Englische Songs und Balla-\nden wechselten ab mit Rode's Variationen (d. h. gesungen\nvon Frau Lemmens), einer Arie von Händel, einem Trom-\npeten-Solo, geblasen von dem Virtuosen Harper, Doni-\nzetti's Duett aus Belisario, Gounod's Soldatenchor u. s. w.\nWohl dem, der von früh Morgens halb acht bis Nachts\neilf Uhr das Bisschen Musik verdauen konnte!\nAm zweiten Festtage kam in <fer Kirche Mendels-\nsohn's „Elias\" zur Aufführung. Die Haupt-Partie, bei\nanderen Gelegenheiten hier zu Lande auch an zwei Per-\nsonen vertheilt—eine wahre Absurdität! war dieses Mal\ndenn doch nur Einem Sänger (Herrn Weiss) übertragen;\nwo indessen, wenn man über so viele Kräfte zu verfügen\nhat, getheilt werden sollte, da geschieht es nicht; so sang\nz. B. Madame Lemmens die „Witwe\" und den „Knaben\"."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "314", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641001-01.1.2", "texte": "Die Arie: „Höre, Israel!\" war Fräulein Tietjens zugefal-\nlen; offenbar aber hätte diese dramatische Sängerin die\nPartie der „Witwe\" zu grossartigerer Wirkung gebracht,\nals Frau Lemmens, deren Genre mehr die vollendete\nTechnik, als der declamatorische Ausdruck ist. Uebrigens\nwar die ganze Ausführung keineswegs eine musterhafte\nund durfte nicht nach dem Maassstabe der Musikfeste in\nDeutschland gemessen werden.\nDas zweite Misch-Concert war glänzend besucht. Die\nHauptnummer war Benedict's Cantate\nde Lion\",die zuerst im vorigen Herbste auf dem Feste\nzu Norwich aufgeführt worden. Sie hat vier Solo-Partieen:\nRichard (Bass), Blondel (Tenor), Mathilde (Sopran, Toch-\nter des Seneschalls, die den Gefangenen heimlich liebt),\nein Page (Alt). Die Composition ist in den lyrischen Ge-\nsängen—und sie besteht fast nur aus solchen—recht me-\nlodiös und sangbar, ohne sich irgendwo ins Aussergewöhn-\nliche oder Geniale zu erheben. Eine Einheit des Stils ist\nnicht vorhanden, die Chöre scheinen ziemlich schnell hin-\ngeschrieben zu sein, und an sehr fühlbaren Concessionen\nan den Geschmack des englischen Publicums fehlt es nicht.\nIn der Partie des Pagen ist der französische Pagenstil\nAuber's, Meyerbeer's u. s. w. nicht zu verkennen. Der\nBeifall war gross.\nDer zweite Theil des Abend-Concertes begann mit\nBeethoven's C-mo/Z-Sinfonie. Mit Ausnahme des Finale\nwar die Ausführung höheren künstlerischen Anforderun-\ngen nicht entsprechend, was nicht zu verwundern ist, da\ndas Orchester, fast lauter Musiker aus London, die Sin-\nfonie und auch meistens die Oratorien ohne Probe\nspielt. Bei dem ersten Satze wusste das Publicum, wie es\nschien, nicht recht, was es daraus machen sollte: der letzte\nriss dasselbe endlich aus seiner Apathie heraus. Aber was\nsoll man zu dem nun folgenden musikfestlichen Programm\nsagen! Sopran-Arie Quando miro von Mozart, dito von\nHändel mit obligater Flöte, Lied von Blumenthal, engli-\nsche Ballade, II Bado (Fräulein Tietjens!), englisches Ma-\ntrosenlied, Bierlied Plumkett's aus Martha, das Spinn-\nQuartett aus Martha (!!), der Winzerchor aus Haydn's\nJahreszeiten zum Hinaussingen des Publicums, das genug\nfür sein Geld hatte! Dazwischen noch ein Violoncell-Solo,\neine so genannte Phantasie über Motive aus Verdi's\n„Maskenball\"! • ' •' .\nDas dritte Rirchen-Concert dauerte von 111 [2 Uhr\nbis Nachmittags halb vier Uhr! Es gab aber auch nicht\nweniger zu hören als: des Oratoriums „Babylons Fall\"\nersten Theil von Spohr das ganze\nvon Rossini Ouvertüre von Händel —Auswahl aus\n„Judas Maccabäus\" —Arie aus „Theodora\" —Aus-\nwahl aus „Israel in Aegypten\"!\nDer erste Theil von „Babylons Fall\" dauerte allein\nschon anderthalb Stunde! Jedermann war froh, als es aus\nwar, da in dem Ganzen doch eine unläugbare Monotonie\nherrscht, die nur durch ein paar schöne lyrische Ergüsse\nin der Sopran-Partie (Madame Lemmens) und durch den\npomphaften Rriegsmarsch des Cyrus unterbrochen wird.\nRossini's Musik war in der That eine wahre Er-\nquickung, so wunderlich auch die Zusammenstellung mit\nSpohr und Händel war. Man konnte dabei, besonders in\nBezug auf das musicalische Wissen der beiden anderen,\nan Goethe's Wort denken: „Prophete rechts, Prophete\nlinks, das Weltkind in der Mitten!\" Aber das Weltkind\nwar ein Genie und kannte die Menschen, und Cherubini\nhatte ganz Recht, als er einem französischen Musiker, der\nda ausrief: „Der Mensch weiss nichts von der Runst des\nSatzes!\" antwortete: „Richtig: er erfindet, was er davon\nbraucht.\" —Die Ausführung des Stabat war in den Chö-\nren mangelhaft, der Vortrag der Soli gut; Fräulein Tiet-\njens glänzte vor allen Anderen. Die Auswahl aus „Judas\nMaccabäus\" wurde durch den Prachtchor: „See the con-\nquering hero comes\"geendet, bei welchem hier in England\ndie eine Strophe stets durch drei Solostimmen gesun-\ngen wird, was, wenn die Stimmen den vollen Rlang ha-\nben, wie sie ihn hier hatten—die Damen Tietjens, Weiss\nund Sainton-Dolby —, eine sehr schöne Wirkung macht\nund zugleich der Tradition gemäss ist. In den gewaltigen\nChören aus „Israel in Aegypten\" vermisste man doch den\nfrischen Rlang der deutschen Stimmen, namentlich der\nrheinischen.\nDas dritte Abend-Concert war das besuchteste von\nallen; selbst das Vorzimmer und der Eingang zum Saale\nwaren besetzt. Es begann mit Mendelssohn's Ouvertüre\nund Musik zu Shakespeare's „Sommernachtstraum\". Von\ndem entsetzlich langen Programm sind theils curiositäts-\nhalber, theils als im Vortrage gelungen zu bemerken: So-\npran-Scene aus Gounod's „Mirella\", Tenor-Arie aus Gou-\nnod's „JNonne sanglante\", Rosine's Una voce poco fä in\nder Bearbeitung der Sherrington, Der Trompeter auf der\nRhone (Ballade mit obligater Trompete), „Rule Britannia\"\n(Solo Fräulein Tietjens Jubel!) und Spohr's „Gesang-\nscene\" für Violine, gespielt von Blagrove. Ausserdem\neine unendliche Reihe von Stücken für Gesang, Alles im\nRahmen der Tell-Ouverture zu Anfang und des „God save\nthe Queen\" zu Ende.\nAm vierten Tage füllte das Oratorium „Der Mes-\nsias\", wie immer, die Rirche mit dicht gedrängten Zu-\nhörern „das Oratorium der Oratorien, entsprossen dem\nGenius, geheiligt durch die Religion und verewigt durch\nden Glauben\", das allein den Besuch eines englischen Mu-\nsikfestes lohnt, wie die Engländer sagen. Und mit Recht:"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "315", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641001-01.1.3", "texte": "denn es ist, abgesehen von der herrlichen musicalischen\nSchöpfung, dasjenige, welches in England am besten aus-\ngeführt wird. An den Soli waren fast alle bereits ge-\nnannte Celebritäten betheiligt. Die Anwesenden hörten\ndieses Mal nicht nur das „Halleluja\", sondern auch den\nChor Nr. 32: „Hoch thut euch auf—dass der König der\nEhre einziehe!\" und den Schluss-Chor: „Würdig ist das\nLamm\", stehend an.\nAls etwas Neues kam am Abende des vierten Fest-\ntages zu dem Bisschen Musik, das man bereits genossen,\nnoch ein Kammermusik-Concert dazu. Es begann\num 8 Uhr in dem Collegiensaale, da die Grafschaftshalle\nzum Balle, welcher Nachts das Fest beschloss, eingerichtet\nwerden musste. Die Herren Biagrove und Genossen trugen\ndas G-moll-Quartett von Mozart, A-dur von Beethoven\nund ein Quintett von Onslow vor. Dazwischen wurden ein\npaar Lieder gesungen.\nBekanntlich wird der ganze Betrag der Collecten an\nden Kirchthüren und der Ueberschuss der Eintrittsgelder\nnach Abzug der Kosten bei den englischen Musikfesten\nWohllhätigkeits-Anstalten überwiesen in Hereford dem\nWitwen- und W7aisenhause. Die Collecten betrugen an\nden vier Tagen 950 Pf. St. (über 6300 Tblr.!). An Ein-\ntrittskarten für die vier Kirchen-Concerte wurden 4878,\nfür die Abend-Concerte 1623 verkauft. Am stärksten be-\nsucht—1996 Karten war die Aufführung des Messias.\nWas will das aber sagen im Vergleiche zu dem Mu-\nsikfeste in Birmingham, wo Alles noch weit kolossalere\nVerhältnisse annahm!\nDieses Fest wurde an den vier Tagen vom 6. bis 9.\nSeptember gefeiert in der prächtigen Tonhalle dieser\nersten Fabrikstadt der Welt, und die Concerte waren von\n14,202 Zuhörern besucht und brachten die Summe von\n13,075 Pf. St. (über 87,000 Thlr.) ein!\nSeit der Gründung des Birmingham'schen Musikfestes\nim Jahre 1768 war das diesjährige das neunundzwan-\nzigste. Das zweite fand erst zehn Jahre nach dem ersten\nStatt (1778), das dritte sechs Jahre nach dem zweiten\n; 1784), und von da an wurde es alle drei Jahre mit einer\neinzigen Ausnahme (von 1829 —1834) gefeiert. Die\nUeberschüsse der Einnahme wurden von Anfang an dem\nGeneral Hospital zugewiesen, und diese Anstalt erhielt da-\ndurch bis zum Jahre 1861 einschliesslich 79,333 Pf. St.\n(weit über eine halbe Million Thaler)! Die diesjährige Ein-\nnahme wird nur von 1834 übertroffen, in welchem Jahre\n13,527 Pf. St. einkamen; alle übrigen übersteigt sie, die\ngrössten wenigstens noch um einige Hundert Pfund. Der\nErtrag ist von 800 Pf. St. (mit einem Ueberschuss über\ndie Kosten von 300 Pf. St.), welche das erste Fest ein-\nbrachte, bis auf die diesjährige Summe von 13,075 Pf. St.\ngestiegen. Den höchsten Ueberschuss lieferte bis jetzt das\nJahr 1823 mit 5806 Pf. St., demnächst 1846 mit 5508\nPf. St. Das Verhältniss der Ueberschüsse zu den Einnah-\nmen ist aber keineswegs dasselbe geblieben, sondern es\nhat sich verringert, indem die Kosten der Feste in neueren\nZeiten immer bedeutender geworden sind. Der eben er-\nwähnte höchste Ueberschuss von 5806 Pf. St. für das\nHospital (1823) erwuchs aus einer Einnahme von 11,115\nPf. St.; dagegen ergab 1855 von 12,745 nur 3108,\n1858 von 11,141 nur 2731, 1861 von 11,453 nur\n3043 Pf. St. Ueberschuss. Während also das erste Musik-\nfest (1768) nur 500 Pf. St. kostete (freilich schon über\n30,000 Thlr.), nahmen die Feste von 1861 8410 Pf.,\nvon 1858 ebenfalls 8410 Pf. und das von 1855 gar\n9637 Pf. St. (über 63,000 Thaler) für die Kosten in\nAnspruch!\nBei dem diesjährigen Feste waren vor Beginn dessel-\nben schon für 6090 Pf. St. Karten verkauft.\nVon allen Musikfesten in England und wohl auf der\nganzen Welt ist das zu Birmingham das grösste. Es hat\naber zugleich in Bezug auf seine künstlerische Bedeutung\nden Vorrang vor allen übrigen in England, weil es viele\nneue Werke zuerst aufführt und in den Abend-Concerten\nebenfalls grössere Vocal-Musikstücke zur Aulführung\nbringt und nicht bloss den gewöhnlichen Sangmischmasch\nallein.\nSo wurde hier Mendelssohn's „Paulus\" 1837 zum\nersten Male in England gegeben, 1840 dessen Sinfonie-\nCantate „Lobgesang\", 1846 der „Elias\" —alle drei\nWerke dirigirte Mendelssohn selbst, und der „Elias\" wurde\nseitdem auf jedem Musikfeste, eben so wie der „Messias\",\nwiederholt. Auch das Fragment „Christus\" und das Finale\nder „Lorelei\" aus Mendelssohn's Nachlass brachte Bir-\nmingham. Ferner schrieb Neu komm für das Fest zwei\nOratorien: „David\" und „Die Himmelfahrt\", 1834 und\n1837. Im Jahre 1855 kam Costa's „Eli\", 1858 Henry\nLeslie's „Judith\", ferner mehrere Cantaten von engli-\nschen Componisten zur Aufführung.\nDas Orchester zählte dieses Mal 28 erste und 26\nzweite Violinen, 18 Violen, 17 Violoncelle und 17 Con-\ntrabässe, je 4 Flöten, Oboen, Clarinetten, Fagotte, Hör-\nner, 2 Trompeten, 3 Posaunen und 1 Ophikleid, 2 Ser-\npents, eine Harfe und die Schlag-Instrumente, im Ganzen\n137 Instrumentalisten. Der Chor bestand aus 94 So-\npranisten, 87 Altisten (Frauen-, Knaben- und Männer-\nstimmen), 87 Tenoristen und 88 Bassisten, zusammen\n356 Personen.\nAls Solisten waren thätig die Fräulein Tietjens und\nAdelina Patti (die zum ersten Male in Oratorien sang),\ndie Frauen Rudersdorf, Sherrington-Lemmens,\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "316", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641001-01.1.4", "texte": "Sainton-Doiby und Frl. Palm er, die Tenoristen Sims\nReeves und Cummings (Mario war engagirt, hatte\naber aus Florenz abgeschrieben), die Bassisten Weiss\nund Santley. Solo-Instrumentalisten waren Madame\nArabella Goddard (Pianoforte) und Herr Sainton\n(Violine). Fest-Dirigent des Ganzen Costa.\nDas Programm war folgendes:\nDinstag den 6, Sept. Morgens: Mendelssohn's\n„Paulus\". Abends: „Die Braut von Dunkerron\", Can-\ntate von Smart; Mendelssohn's Pianoforte-Concert in\nmoll; Rossini's Ouvertüre zu la Gazsa ladra und Solo-\nGesangstücke.\nMittwoch den 7. Sept. Morgens: „Naaman\",\nneues Oratorium von Costa. Abends: Mendelssohn's\n„Lobgesang\" (zum ersten Male seit 1840); Ouvertüren\nvon Weber („Beherrscher der Geister\") und Cheru-\nbini (Anakreon); Sologesänge; Sonate von Beethoven\nfür Pianoforte und Violine.\nDonnerstag den 8. Sept. Morgens: Händel's\n„Messias\". Abends: „Kenilworth\", Cantate von Sul-\nlivan; Rossini's Ouvertüre zu Wilhelm Teil; Weber's\nConcertstück für Pianoforte; Sologesänge.\nFreitag den 9. Sept. Morgens: Beethoven's „Chri-\nstus am Oelberge\"; Guglielmi's Offertorium (für Ade-\nlina Patti und obligate Clarinette); Auswahl aus Händel's\n„Salomon\". Abends: Mendelssohn's „Elias\".\nDie Aufführung des „Paulus\" war sehr befriedigend;\ndie Chöre gingen präcis und kräftig, die Orgel griff maje-\nstätisch ein und die Soli wurden grösstentheils recht schön\nvorgetragen. Da in England die Unsitte des Dacaporufens\nüberhand genommen, so ist nach einem Beschlüsse des\nComite's dem Publicum in den Musikfest-Concerten zu\nBirmingham untersagt, irgend ein Zeichen des Beifalls\noder Missfallens laut werden zu lassen. Dagegen hat der\nPräsident des Festes das Recht, die Wiederholung dessen,\nwas ihm und seiner Gesellschaft am meisten gefällt, zu\nverlangen. Ländlich, sittlich! Die Zuhörerschaft von vielen\nHunderten bleibt stumm auch geklatscht wird nicht\nund verlässt sich auf den Geschmack eines Einzelnen. Der\ndiesmalige Präsident, Lord Lichfield, machte einen sehr\nweiten Gebrauch von seinem Vorrechte und liess die Arie\n„Jerusalem\" (Tietjens), das Alt-Arioso (Madame Sainton-\nDolby), das Duett der beiden Boten und den darauf fol-\ngenden Chor, die Tenor-Cavatine (Sims Reeves) mit obli-\ngatem Violoncell und den Chor: „Seht, welch' eine Liebe\"\n—also sechs Nummern—sich noch einmal vorsingen, was\nzwar gerade keinen schlechten Geschmack bewies, aber\ndas Concert doch gar sehr verlängerte. Die Einnahme be-\nlief sich auf 1582 Pf. St. 2 Sh.\nDas neue Oratorium „Naaman\" von Costa wurde\nam 7. September Morgens aufgeführt und mit einem un-\ngeheuren Enthusiasmus aufgenommen. Man wird sagen:\n„Woran war denn dieser Enthusiasmus zu erkennen, da\njede Aeusserung von Beifall untersagt war?\" Die Zu-\nhörerschaft von mehr als 2000 Personen zeigte am Mitt-\nwoch früh von Beginn der Aufführung an eine sehr ge-\nneigte Stimmung für Costa und sein Werk und eine sehr\ngereizte gegen das Verbot des Applauses und gegen das\nVorrecht des Präsidenten. Obwohl dieser zwölf Nummern\nwiederholen liess (!), so brachte dies das Publicum um so\nmehr auf, als es selbst zum Stillschweigen fortwährend\nverdammt blieb. Kundige Steuerleute auf dem leicht be-\nweglichen Meere der Volksmenge weissagten einen drohen-\nden Sturm, und in der That, es entstand plötzlich eine\nvollständige Rebellion. Nach dem Vortrage eines Solo-\nQuartetts: „jHonor and glory, Almighty, be thineu, durch\n„Adah\" —Adelina Patti, „Timna\"—Miss Palmer\n(Alt), „Naaman\" (Sims Reeves), Prophet „Elisha\"\n(Santley) fiel das Schloss von den Lippen und zerbrachen\ndie Fesseln an den Händen der Zuhörer, und ein tausend-\nstimmiges encore,von Cheers und Bravo's unterstützt, brach\nlos. Das Decorum war auf entsetzliche Weise verletzt, aber\ndie Ovation für Costa und die Sänger um so glänzender.\nAm Schlüsse des Oratoriums wiederholten sich, als er vom\nDirigenten-Pulte zurücktrat, die Hochs, dieses Mal auch\ndurch das Chor- und Orchester-Personal verstärkt.\nLondoner Blätter vergleichen die gegenwärtige Stel-\nlung Costa's und den Triumph, den er vor neun Jahren\nauf dem birminghamer Musikfeste mit seinem Oratorium\n„Eli\" und jetzt mit dem „Naaman\" in noch weit höherem\nGrade feierte, mit seinem ersten Auftreten in England.\n„Michael Costa, der vor fünfunddreissig Jahren eine ganz\nunbedeutende Figur als einer der untergeordneten italiäni-\nschen Sänger, welche für das Musikfest engagirt waren,\nspielte, war jetzt nichts Geringeres, als der Held desselben.\nIm Jahre 1829 war Signor Costa ein unbekannter Frem-\nder, jung von Jahren, kaum als eine Zahl unter seinen\nGenossen gerechnet; jetzt, ein Mann im reifen Alter und\nnoch dazu (!) in England naturalisirt, steht er als unum-\nschränkter Herrscher auf den Musikfesten da und hat von\nden Leitern des diesjährigen den Auftrag erhalten, ein\nWerk zu schreiben, das zwischen Mendelssohn's Paulus\nund Händel's Messias aufgeführt werden sollte!\"\nWenn die Notiz über Costa's erstes Erscheinen in\nEngland aus sicheren Nachrichten geschöpft ist, so wäre\ner schon 1829, im Alter von 23 Jahren (er ist 1806 in\nNeapel geboren), dort gewesen. Allein es scheint eine Na-\nmensverwechslung mit Andrea Costa aus Brescia, der sich\num 1825 in London als Gesanglehrer niederliess, hierbei"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "317", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641001-01.1.5", "texte": "obzuwalten, da man bisher annahm, dass Michael Costa\nerst 1835 nach London gekommen. Dies ist um so eher\nrichtig, als man weiss, dass gerade im Jahre 1829 die\nerste Oper Costa's, „Malwina\", in Neapel auf dem Thea-\nter San Carlo gegeben wurde. Der Componist verliess\nNeapel, da die Oper durchgefallen war, und bis zu seinem\nAuftreten in London im Jahre 1835 hat man keine sichere\nKunde von seinem Leben. In Mailand hat er einige Ge-\nsangstücke bei Bicordi herausgegeben; auch soll er eine\nZeit lang in Portugal gewesen und von dort aus nach Eng-\nland gegangen sein. In London gab er Anfangs ebenfalls\nGesang-Unterricht, bis man ihm die Orchester-Direction\nim Theater der Königin anvertraute. Da offenbarte sich\nzuerst sein ausgezeichnetes Directions-Talent. Im Jahre\n1837 versuchte er noch einmal, seine Oper Malwina zur\nGeltung zu bringen; sie ging unter dem Titel „Malek\nAdel\" auf dem italiänischen Operntheater in Paris in\nScene, allein die ausgezeichnetsten Sänger, Rubini, La-\nblache, Tamburini, die Grisi und Albertazzi, konnten ihr\nkeinen Erfolg verschaffen. Im Jahre 1844 liess er seine\nOper „Don Carlos\" in London aufführen, die einigen Er-\nfolg hatte. Er entzweite sich mit dem Director Lumley\nund trat einer Gesellschaft bei, die eine zweite italiänische\nOper im Coventgarden-Theater gründete. Seitdem hat er\ndie Stellung als Orchester-Director derselben nicht wieder\nverlassen, leitete auch mehrere Jahre lang die Concerte\nder philharmonischen Gesellschaft, was er aber wieder\naufgab, dirigirt dagegen vorzugsweise die grossen Ora-\ntorien-Aufführungen in London und die meisten Musikfeste\nin der Provinz. Im Jahre 1855 brachte er in Birmingham\nsein Oratorium „Eli\" zur Aufführung, das auch in Partitur\nund Clavier-Auszug gedruckt ist, jedoch den Weg über\ndas Meer nach dem Festlande noch nicht gefunden hat.\n(Schluss folgt.)\n\nAntonio Stradivari’s Violinen.\nEine kleine Schrift: „Die Geigenmacher der al-\nten itaüänischen Schule\", von dem Geigenmacher\nNie. Ludw. Die hl in Hamburg (Verlag von J. P. F. E.\nRichter), enthält Notizen über die Bauart der italiänischen\nViolinen, die Firmen der Geigenmacher u. s. w., welche\nvon einer genauen Kenntniss der alten Instrumente zeugen,\npraktisch brauchbar für die Unterscheidung der verschie-\ndenen Meister und desshalb den Violinisten und Liebha-\nbern zu empfehlen sind.\nUeber den Bau der Violine überhaupt heisst es in der\nEinleitung:\n„Die Construction der jetzigen Geige ist eine geist-\nreiche und vollkommene. Die Länge ihres Corpus misst\nungefähr 14 /8 Zoll, ihre grösste Breite ungefähr 6s/8\nZoll und ihre kleinste ungefähr 46/8 Zoll. Die Höhe des\nCorpus ist nur 25/ s Zoll, und seine Wände sind so dünn,\ndass das Gewicht desselben nur ungefähr 15 Loth beträgt.\nTrotzdem übt diese Maschine, so zerbrechlich im Aeussern,\neinen bewunderungswürdigen Widerstand gegen die un-\naufhörlichen Einwirkungen des Zuges der Saiten und des\nDruckes derselben aus; ersterer ist ungefähr 80 Pfund\nund letzterer ungefähr 24 Pfund auf dem schmälsten\nTheile der Decke. Ihre symmetrische Figur, ihre graziösen\nund proportionirten Umrisse, ihre in der Mitte angebrach-\nten Büge (Ausschnitte), die gewölbte Oberfläche der Decke\nund des Bodens, im Innern der Balken, die Stimme, die\nvier dreieckigen in den Ecken der Büge, so wie die zwei\nunten und oben angebrachten Klötze sind in so grosser\nHarmonie verbunden, dass der Widerstand und die Elasti-\ncität in vollkommenem Gleichgewicht stehen. Die Büge des\nInstrumentes dienen nicht allein dazu, den Bogen frei und\nbequem über die vier Saiten führen zu können, sondern\nüben einen sehr grossen Einfluss auf die Kraft und Fülle\ndes Tones aus, indem die oberen und unteren Theile des\nInstrumentes um so kräftigere Vibrationen entwickeln kön-\nnen, welche auf derselben Stelle sich ausscheiden, wo sie\nhervorgebracht werden.\n„Die Einrichtung der Geige entspricht nicht allein der\nBeförderung des Tones, sondern ist desshalb so, damit das\nInstrument dauerhaft sei, sich conservire und vor irgend\nunvorhergesehenen Einwirkungen geschützt sei. Es war\nz. B. nothwendig, sie öffnen zu können, um Reparaturen\ndaran vorzunehmen. Zu dem Zwecke hat man die sinn-\nreiche Idee gehabt, den Rand der Decke und des Bodens\netwa l 1 Linie über die Zargen vorstehen zu lassen, wo-\ndurch dem zum Oeffnen dienenden Werkzeuge ein besserer\nStützpunkt gegeben und dem Zerbrechen vorgebeugt wird.\nAusserdem sind die Ränder mit einer aus drei zusammen-\ngeleimten schwarzen und weissen Holzfasern bestehenden\nEinlage verziert, welche aber eigentlich den Dienst eines\ndas Zerbrechen der Decke und des Bodens verhütenden\n/\nSaumes verrichtet. Ebenfalls wäre die Meinung eine sehr\nunrichtige, dass die Gestalt des F-Loches, welches in der\nGeige, der Bratsche und dem Violoncello die Oefl'nungen\nder älteren Instrumente vertritt, so wie dass die Wahl der\nStelle desselben willkürlich sei; vielmehr ist Alles so noth-\nwendig und berechnet, dass man nichts daran verändern\nkann, ohne Gefahr zu laufen, dem Tone zu schaden.\n„Der Hals der Geige verdient nicht weniger Lob, als\ndie anderen Theile derselben, der Einfachheit seiner Ein-\nrichtung und seiner markirten, in einem so eleganten\nSchnörkel auslaufenden Contouren wegen. Eben so auch\nder Apparat, die Saiten zu befestigen und auszuspannen,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "318", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641001-01.1.6", "texte": "•welche alsdann, in Vibration gesetzt, den lon des Instru-\nmentes wecken. Alles kann nicht einfacher und besser ge-\ndacht werden.\n„Das Ahorn- und das Fichtenholz sind die wesent-\nlichen Elemente der Geige. Diese Hölzer hat man in so\nverschiedenen Arten, so verschieden das Land ist, woher\nsie kommen. Das Ahorn, welches die alten italiänischen\nGeigenmacher verwandten, kam aus Dalmatien, Croatien\nund selbst aus der Türkei. Man schickte es nach Venedig,\nfür Galeerenruder zubereitet, und man erzählt sich, dass\ndie mit den Venetiern beständig in Streit und Krieg leben-\nden Türken stets dafür das geflammteste Holz auswählten,\ndamit es leichter bräche. Aus diesen für die Ruderer be-\nstimmten Hölzern wählten die italiänischen Geigenmacher\ndas, was ihnen für die Verarbeitung passend schien. Das\nFichtenholz wurde an den nach Süden ablallenden Bergen\nder italiänischen Schweiz und Tyrols gehauen.\"\nUeber den verschiedenen Werth der Violinen von\nStradivari gibt das Schriftchen folgende Auskunft:\n„Die Instrumente von Gasparo di Salo und Maggini\nhaben einen grossen, dicken und durchdringenden, obgleich\netwas stumpfen und tiefen Ton, die von Nikolaus, des ge-\nschicktesten der Amati, einen reinen, weichen, metalligen\n(Silber-) Ton. Darauf war die Aufgabe zu lösen, einen Ton\nzu schaffen, der alle Eigenschaften verbände: die Lieblich-\nkeit mit der Kraft und die Klarheit mit der füile. Da er-\nschien ein Mann, welcher im beständigen Fortschreiten\ndas vollständige Geheimniss zu dieser Vollkommenheit er-\nfand, und dieser Mann war Stradivarius. Seine Arbeiten\nbeweisen, dass die Principien, welche die Frucht seiner\nStudien gewesen sind und welche er in seinen besseren\nWerken anwandte, die besten sind.\n„Antonio Stradiuari, in Cremona geboren,\nstammte aus einer sehr alten Patrizier- und Senators-Fa-\nmilie dieser Stadt. So grosse Mühe man sich auch gegeben\nhat, so ist es doch nicht möglich gewesen, genau aufzu-\nfinden, in welchem Jahre Stradivarius geboren ist. Ver-\nmutlich sind durch Aufhebung mehrerer Kirchen in Cre-\nmona deren Archive vernichtet. Zum Glück existirt ein\nanderer Nachweis darüber. Man hat nämlich eine Geige\nvon Stradivarius gefunden, welche einen von ihm selbst\ngeschriebenen Zettel hatte; auf demselben war sein Name,\nAlter (92 Jahre) und die Jahreszahl 1726 vermerkt.\nDemnach war Slradivarius im Jahre 1644 geboren.\n„Als Schüler von Nikolaus Amati verfertigte er von\n1667 an, im Alter von 23 Jahren, einige dem Formate\nseines Lehrers indess genau nachgebildete Geigen, in\nwelche er auch den Namen Nikolaus setzte. Im Jahre 1670\nfing er erst an, seinen eigenen Namen zu gebrauchen. Von\nhier an bis 1690, also in zwanzig Jahren, arbeitete er\nwenig. Man sollte glauben, dass dieser Künstler in dieser\nZeit mehr sich mit Versuchen und Forschungen beschäftigt\nhätte, als mit Verkaufs-Arbeit. Diese Geigen von Stradi-\nvarius sind sehr wenig von denen Nikolaus Amati's ver-\nschieden, der Boden ist nach der Schwarte genommen,\ndas Format, die Wölbung und der Lack eben so.\n„Im Jahre 1660 tritt eine sehr grosse Veränderung\nin der Arbeit des Anton Stradivarius ein. Um diese Zeit\nfängt er an, seine Violinen grösser zu bauen, denselben\neine schönere Wölbung zu geben, Decke und Boden in\nder Ausarbeitung dicker zu lassen, so wie sie etwas leb-\nhafter (röther) zu lackiren. Kurz, die Violinen haben ein\nanderes Ansehen als die früheren bekommen, welchen\nman noch die Schule Nikolaus Amati's ansieht, daher die\ngegenwärtigen Instrumentenmacher sie gewöhnlich mit dem\nNamen „ „amatisirte Stradi vari\"\" bezeichnen.\n„Im Jahre 1700 hat der Künstler sein sechsundfünf-\nzigstes Jahr erreicht; sein Talent hat sich ganz entfaltet,\nund von da an bis 1725 sind alle seine Instrumente wahre\nMeisterstücke. Er macht keine Versuche mehr, sondern\nist jetzt sicher in seiner Arbeit, welche er bis in die klein-\nsten Details kostbar vollendet ausführt. Sein Format hat\nganz die wünschenswerte Grösse und ist mit einem Ge-\nschmack und einer Reinheit gezeichnet, die seit anderthalb\nJahrhundert die Bewunderung der Kenner erregt hat. Das\nHolz, mit der grössten Sorgfalt und Sachkenntniss ausge-\nwählt, besitzt alle guten Bedingungen zur Bildung eines\nguten Tones. Den Boden, so wie die Zargen, nimmt er\njetzt nicht mehr nach der Schwarte, sondern nach dem\nSpiegel. Die Wölbung seiner Instrumente, ohne sehr hoch\nzu sein, verläuft sich (nach dem Rande zu) in eine ziemlich\nflache Hohlkehle, wodurch dem Holze mehr wie bei der\nden Amati's eigenen spitzen Wölbung mit breiter und tie-\nfer Hohlkehle die nöthige Befähigung zum Schwingen ge-\nlassen wird. Die mit Meisterhand geschnittenen F-Löcher\nwurden das Model aller seiner Nachfolger. Die Schnecke\nist in ihrer Form etwas plumper und nicht so tief, aber\nausserordentlich schön gestochen. Der feurige Farbenton\ndes Lacks, welcher fein und geschmeidig ist, datirt sich\naus dieser Zeit.\n„Das Innere des Instrumentes ist nicht minder voll-\nkommen gearbeitet. Die Ausarbeitung zeichnet sich durch\neine grosse Genauigkeit aus, welche nur durch lange Stu-\ndien erreicht werden kann. Die Decke, der Boden und\nalle Theile, welche das Instrument ausmachen, stehen im\ninnigen, harmonischen Zusammenhange. Wahrscheinlich\nhaben auch wiederholte Versuche und anhaltende Beobach-\ntungen Stradivarius dazu gebracht, zu den Klötzen und\nLeisten in den von ihm in seiner Glanz-Periode verfertig-\nten Geigen das Weidenholz zu wählen, dessen specifische"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "319", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641001-01.1.7", "texte": "Leichtigkeit alle anderen Hölzer übertrifft. Mit Einem\nWorte: Alles ist in diesen bewunderungswürdigen Instru-\nmenten berechnet, nur ist der Balken zu schwach, und\nzwar in Folge der seit dem Anfange des achtzehnten Jahr-\nhunderts nach und nach höher gewordenen Orchesterstim-\nmung, welche auch einen vermehrten Zug und Druck der\nSaiten auf die Decke mit sich brachte. Daher ist es nötbig\ngeworden, alle alten Geigen und Violoncelli mit stärkeren\nBalken zu versehen.\n„Um die Zeit, als Stradivarius mit der erwähnten\nVollkommenheit und Sicherheit arbeitete, hat er sich\nmanchmal auf Anregung von Künstlern oder Liebhabern\nvon seiner bestimmten Form und Bauart entfernt und Gei-\ngen gebaut, welche etwas länger waren. Ihr Aeusseres\nhat nicht so viel Schwung, jedoch dieselbe angewandte\nSorgfalt ist nicht zu verkennen, so wie, dass alle Verhält-\nnisse des übrigen Baues zu jener Veränderung in der Grösse\nproportionirt sind, damit dieselbe Vibration bliebe. Da-\ndurch haben diese Instrumente, eben so wie die anderen\nvon diesem Künstler gebauten, dieselbe edle Kraft und\nFülle, eine Auszeichnung, welche überall den grossen Ruf\nvon Stradivarius hervorgerufen hat.\n„Seine Instrumente, welche von 1725 —1730 ver-\nfertigt sind, haben noch einen schönen Ton, obgleich\nmanchmal dieselbe Vollkommenheit in der Arbeit nicht\nmehr vorherrscht. Solche haben etwas spitzere Wölbung\n(mit etwas mehr Hohlkehle), daher weniger klaren Ton.\nVon da ab verliert stufenweise die Arbeit an Gediegenheit.\nDer Lack wird brauner, und selbst scheint Stradivarius\nnicht mehr so viel zu arbeiten, denn man trifft verhältniss-\nmässig weniger Instrumente aus dieser Periode, als aus\nfrüherer an.\n„Im Jahre 1730 und selbst ein wenig vorher ver-\nschwindejt seine Meisterschaft fast gänzlich; ein geübtes\nAuge erkennt, dass die Instrumente von einer weniger ge-\nschickten Hand gemacht sind. Er selbst bezeichnet meh-\nrere davon, als einfach unter seiner Leitung gemacht, mit:\nsub diseiplina Stradivari.ln anderen erkennt man die\nHand Carlo Bergonzi's und seiner Söhne, Omobono und\nFrancesco.\n„Nach dem Tode dieses berühmten Meisters fanden\nsich viele nicht rein (nach Stradivarius' Art) gearbeitete\nInstrumente vor; dieselben wurden von seinen Söhnen ver-\nkauft. Die meisten haben seine Etiquette;. daher entstand\ndie Ungewissheit und die Confusion hinsichtlich der Mach-\nwerke seiner letzten Zeit.\n„Stradivarius hat nur eine kleine Anzahl Bratschen\ngemacht, alle aber von grossem Format die Qualität\ndes Tones ist ausgezeichnet durchdringend und nobel\nVioloncelli dagegen mehr, bei welchen man dieselbe Ab-\nstulung der vollkommenen Arbeit bemerkt. Dieselben sind\nvon zwei Formen, die eine gross, welcher man früher den\nNamen „ ,Bass\"\" gab, die andere kleiner, welche das\neigentliche Violoncello ist.\n„Die Violoncelli von Stradivarius haben ein hervor-\nragendes Uebergewicht gegen alle Instrumente derselben\nArt; ihrem mächtigen und brillanten Tone kommt nichts\ngleich. Diese Eigenschaft rührt einestheils von der Wahl\ndes Holzes, anderentheils von der Stärkevertheilung her\nund von dem genauen Verhältnisse, in welchem alle Theile\ndes Instrumentes zu einander stehen.\n„Stradivarius hat eine bedeutende Anzahl von Instru-\nmenten gemacht, was sich auch durch sein hohes Alter\nund durch die Beharrlichkeit zum Arbeiten bis zu seinen\nletzten Tagen erklären lässt (im Alter von 92 Jahren hat\ner noch eine Geige angefertigt). Er hatte sich viel erwor-\nben, denn die Einwohner von Cremona pflegten zu sagen:\nReich wie Stradivari. Für seine Instrumente erhielt\ner 4 Louisd'or. Unter diesen Bedingungen und in der Zeit,\nin der er lebte, konnte er sich wohl einigen Reichthum\nerwerben.\"\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nBerlin, 20. Sept. Am Sonntag wurde der ehemalige Ballet-\nDirigent Herr W. Gährich beerdigt. Der Verstorbene hat sich\ndurch mehrfache werthvolle Compositionen in der Musikwelt einen\ngeachteten Namen erworben. Die Vorstände des königlichen Ballets\nünd der Capelle gaben ihm das Geleit zur letzten Ruhestätte.\nAuf dem neuen Kirchhofe der Jerusalemer Gemeinde wurde vor-\ngestern das dem verstorbenen Musik-Director Franz Mücke ge-\nsetzte Grabmal eingeweiht. Die Weiherede hielt der Prediger Platz\nvon der St. Marienkirche. Viele Mitglieder hiesiger Gesangvereine\nwaren zugegen. Das Denkmal, von gegossenem Zinn und sandstein-\nähnlich überzogen, zeigt in einem Medaillon das Brustbild Muck es,\ndarunter eine Lyra und Inschrift.\nBerlin, 24. Sept. Auber's ~Fra Diavolo\" macht volle Häuser\nin der königlichen Oper. Fräulein P. Lucca gibt die Partie mit\nbezaubernder Naivetät und Natürlichkeit. Sie entwickelt dabei eine\nsolche Grazie und Schalkhaftigkeit, dass die Zuhörer in enthusiasti-\nsche Beifallszeichen ausbrechen. Ein Spiel voller Anmuth illustrirt\naufs reizendste das Ganze. Die Titelrolle vertrat Herr Woworski\naufs wirksamste; seine Stimme erklang weich und zeichnete sich\ndurch Wohlklang vornehmlich vortheilhaft aus.\nWeilliai*. Dem seit dem 7. Sept. hier weilenden Dr. Franz\nLiszt wurde am 23. Sept. Abends vor seiner Wohnung, der Alten-\nburg, vom Sängerkranze, dem grössten hiesigen Männer-Gesang-\nvereine, ein Ständchen gebracht, wobei unter Anderem das von\nHoffmann von Fallersleben gedichtete und von Liszt componirte\nVereinslied: „Frisch auf zu neuem Leben!\" gesungen wurde. Der\ngrosse Meister war über den kleinen Beweis von Aufmerksamkeit\nSeitens der Weimaraner sichtlich erfreut, und schien es um so mehr,\nals der Dirigent des genannten Gesangvereins, der als Componist\nbekannte Karl Götze, Liszfs Schüler ist."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "320", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641001-01.1.8", "texte": "Ijeipzig* Die Opern-Vorstellungen unter der neuen Direction\nwurden mit „Die Jüdin\" eröffnet. Die Titelrolle wurde\nvon Frau Palm-Spatzer gesungen, einer nicht mehr jungen Dame,\nwelche nach sechsjähriger Zurückgezogenheit von der Bühne als\nRecha sie zum ersten Male wieder betrat. Da ist es natürlich, dass\nsie Anfangs etwas unsicher war, allein bald zeigte sie sich als eine\ndramatische Sängerin der besten Schule, und die Kunst ihres Vor-\ntrages, das Seelenvolle desselben, so wie das ausgezeichnete, fein-\ndurchdachte und mit dem rechten Maasse sich steigernde Spiel liess\nes vergessen, dass ihre Stimme der jugendlichen Frische entbehrte.\nAls Helden-Tenor lernten wir in Herrn Grimminger (Eleazar)\neinen begabten Sänger kennen, der, obgleich auch wohl nicht mehr\nganz jugendlich, um so mehr Erfolg erzielen wird, wenn er es sich\nangelegen sein lässt, ein bei ihm, wie es scheint, Manier gewordenes\nTremoliren abzulegen.\nCJicmiiitz, 10. Sept. Gestern fand hier zum Besten zweier\nChorcassen-Stiftungen eine Musik-Aufführung Statt, in welcher Joh.\nChristoph Bach's Motette: „Ich lasse Dich nicht\", Arie und\nChor aus Mendelssohn's „Paulus\" und die Messe in D-moll Nr.\n14 von Friedr. Schneider für Soli, Chor, Orchester und Orgel\nzu Gehör kamen.\njflltnelieil* Von den musicalischen Vorstellungen der lau-\nfenden Woche nahm Weber s „Oberon\" eine Hauptstelle ein. Leider\nsind die Erwartungen des Publicums in Bezug auf die ausführenden\nKräfte nicht vollständig befriedigt worden, nur der instrumentale\nTheil und die schönen Decorationen thaten vollständig ihre Schul-\ndigkeit; der vocale Theil liess aber Vieles zu wünschen. Nur Frau\nFörster als Rezia befriedigte und wurde durch Beifall und Hervor-\nruf ausgezeichnet. Ihre klangvolle Sopranstimme von sympathischer\nWirkung ist extensiv genug, um in unserem grossen Hause drama-\ntische Effecte hervorzubringen. In der grossen Ocean-Arie offenbarte\nsich Schwung und Stimmkraft. Das Spiel genügt, obgleich es sich\nnicht über die gewöhnliche Routine der Opernsänger erhebt. Herr\nRichard repräsentirte den Hüon weder schön noch ritterlich. Fräu-\nlein Edelsberg wusste durch ihre Altstimme der Fatime musicali-\nsche Geltung zu verschaffen; aber ihre Auffassung und besonders\ndas Spiel entbehrten alles Bewusstseins der Aufgabe.\nMusik-Literatur in Oesterreich. Der musicalische Ab-\nschnitt des „Oesterreichischen Katalogs für 1863\" enthält in 29 Ab-\ntheilungen 1207 Nummern Musicalien, welche im Jahre 1863 in\nOesterreich veröffentlicht worden sind. Darunter für Pianoforte 285\nund 260 (Tänze und Märsche!), 29 für Orchester, 72 für Kirchen-\nmusik, 141 Lieder für eine, 111 Gesänge für mehrere Stimmen\nxx, 3. w. Am zahlreichsten sind, wie immer, Wien und Prag ver-\ntreten, wo die bekannten Firmen Haslinger, Spina, Wessely\nund Büsing, Christoph undKuhd, Hoffmann, Schalek und\nWetzler u. s. w. die meiste Thätigkeit entwickeln. In der Clavier-\nAbtheilung dominirt das Salonstück und die Tanzmusik; die Gebrü-\nder Strauss allein lieferten 63 neue Tänze und Märsche. Auf dem\nGebiete der Clavier-Auszüge und Opern-Arrangements finden wir\nVerdi1 s „Ballo in Mascher au (Spina), welcher neben dem voll-\nständigen Auszuge mit 29 Nummern vertreten ist, denen sich ausser-\ndem eine Auswahl der beliebtesten Gesänge aus derselben Oper (10\nNummern) anschliesst. Unter den 26 Nummern Compositionen für\nOrgel, Physharmonica und Harmonium figurirt C. G. Lickl mit\n13. Für Violine findet sich nur eine einzige Nummer. Das Quar-\ntett ist durch H. W. Ernst, Johann Herbeck und Franz\nSchubert (Op. 168) vertreten. Zu dem Contingent der Vocalmusik\ntrugen am zahlreichsten Esser mit 6, v. Hornstein mit 18 Lie-\nder-Nummern bei. Im mehrstimmigen Gesänge begegnen wir vorwie-\ngend den Namen Kittl, J. F. Kloss, Rubinstein, Storch,\nTauwitz und J. L. Zwonar (Prag). Robert Führer, L. Rot-\nter, A. Tuma, Cyrill und Joseph Wolf bringen kirchliche\nCompositionen, der Erstgenannte allein 26 Nummern.\nUeber die Millionen der Schwestern Patti hat eine pa-\nriser Zeitung ausgerechnet, dass Adelina Patti sich ein Vermögen\nvon 15 Millionen Francs ersungen haben wird, sollte sie zu ihrem\ngegenwärtigen Honorar, k 3000 Fr. per Abend, so lange wie die\nGrisi singen. Eine londoner Zeitung bemerkt dagegen, dass Carlotta\nPatti ihre Schwester noch um einige Millionen überflügeln wird,\nwenn ihre Concerte in der Zukunft eben solche ungeheure Einnah-\nmen erzielen sollten, wie im verflossenen Jahre. Es hat sich näm-\nlich herausgestellt, dass der monatliche Nutzen der Carlotta Patti'-\nschen Concerte einen Durchschnitt von über 40,000 Fr., also unge-\nfähr eine halbe Million per Jahr ausmacht, während Adelina, welche\nnur zehn Mal im Monate singt, eine monatliche Gage von bloss\n30,000 Fr. bezieht. Dagegen gibt Ulimann mit Carlotta nie weniger\nals fünfundzwanzig Concerte im Monate. Es ist aber nicht alles\nGold, was glänzt, denn von diesen grossen Summen fällt die Hälfte\nin die Taschen der Patti-Unternehmer Ullmann und Strakosch. Dann\nführen diese Schwestern einen separaten Haushalt, leben wie Prin-\nzessinnen und unterstützen reichlich ihre zahlreiche Familie. So hat\nvor Kurzem Carlotta ihren jüngeren Bruder Carlo von America\nkommen lassen, um ihn in das brüsseler Conservatorium zu bringen.\nDerselbe soll schon jetzt ein ausgezeichneter, aber sehr lustiger\nGeiger sein. Trotzdem, dass er erst 22 Jahre alt ist, war er schon\nzwei Mal, freilich auf americanische Art, verheirathet, lief seinen\nEltern davon und liess sich bei der Conföderirten-Armee anwerben,\nwo er es bis zum Capitän brachte, wurde bei Gettysburg gefangen\nund vertauschte dann das Schwert mit der Geige.\nDie deutsche Oper in Rotterdam ist wieder eröffnet worden,\nEngagirt sind die Damen Ellinger, Roll-Meyerhöfer, Weyringer, Mül-\nler und von Czerdakely, und die Herren Böhlken, Ellinger, Schnei-\nder und Zimmermann, Tenöre; Pohl, Visani und Brassin, Baritons;\nDalle-Aste und Behr, Bässe. Herr L. v. Saar ist Capellmeister."}]}