{"numero_id": "bm-bmtnabi-1864-10-08-01", "volume": "bmtnabi_1864-10-08_01", "ocr_sha256": "b5a4c668a6193f5d26e8672e55471ff9fec804d1651348c34e9faf15072a3388", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1864/10/08_01/bmtnabi_1864-10-08_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641008-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1864-10-08-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-10-08_01#c001", "volume": "bmtnabi_1864-10-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "321", "page_fin": "321", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641008-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "321", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641008-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 452, "texte": "Inhalt.\nDie musicalischen Instrumente. Aus Amsterdam (National-Concert Ernst Lübeck de Graan Deutsches\nTheater Populäre Concerte). Von X. X. Das Musikfest zu Iserlohn. Die Concerte des Herrn Ullman. Tages- und Unter-\nhaltungsblatt (Köln, Gürzenich-Concerte Soest, neues Orgelwerk Berlin, königliche Oper, Quartett-Abende Leipzig, Gewand-\nhauSj Euterpe Chemnitz, Musik-Aufführungen Deutscher Sängerbund Wien, Ander, Concert-Programme Componir-Maschine)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-10-08-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-10-08_01#c002", "volume": "bmtnabi_1864-10-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "321", "page_fin": "323", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641008-01.2.2", "titre_corps": "Die musicalischen Instrumente", "titre_sommaire": "Die musicalischen Instrumente", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "321", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641008-01.1.1", "debut_caractere": 454, "fin_caractere_exclue": 4190, "texte": "Die musicalischen Instrumente\n*).\nInstrument, Instrumentum, italiänisch Stromento\n(griechisch: Organon) ein Mechanismus zur Erzeugung\nmusicalischer Töne. Die Luft wird entweder unmittelbar,\ndurch Anblasen, oder mittels Erzitterung von Körpern,\nwelche durch eigene Steifigkeit oder durch Spannung ela-\nstisch sind, in Schwingungen gesetzt. Die verschiedene An-\nzahl dieser Schwingungen in einer Zeiteinheit für die ver-\nschiedenen Tonhöhen bestimmt das Instrument theils selbst,\ntheils überlässt es die Bestimmung derselben dem Spieler.\nI. Versuche, manchen Körpern durch Anblasen, Reis-\nsen oder Schlagen Schalle und Klänge zu entlocken, gehö-\nren unzweifelhaft zu den allerersten Bethätigungen des\nmenschlichen Geistes. Eine austragende Geschichte der\nmusicalischen Instrumente von ihrem ersten Ursprünge an\ndurch die verschiedenen Grade des Wachsthums und all-\nmählicher Vervollkommnung hindurch bis auf unsere Zeit\nfehlt bis jetzt noch, ungeachtet sie den Denker überhaupt\neben so interessiren müsste, als den speciellen Fachmann.\nDenn auch sie würde ein wichtiger Beitrag sein zur Ge-\nschichte der Entwicklung des menschlichen Geistes und\nseiner Vervollkommnungsfähigkeit auch auf Gebieten, die,\nausserhalb der physischen Bedürfnisse liegend, der Entfal-\ntung des inneren und namentlich des Gefühlslebens, so wie\ndem Streben nach mannigfachem Ausdruck für dasselbe\nangehören. Es kann hier nicht untersucht werden, wie\nweit und wie bald man bei dem Mangel so vieler noth-\nwendigen Nachrichten zu einer vollständigen Geschichte\nder Instrumente sich Hoffnung machen darf; doch bleibt\nder Versuch, zu zeigen, wie nach und nach einige zwischen\nzwei Stier- oder Widderhörner gespannte Fäden zur Harfe,\nMerkur's Schildkrötenschale mit trockenen Sehnen zur\nLaute, ein Stückchen Rohr, dem der Hirte mühselig einige\nTöne abnöthigte, zur Flöte und Oboe, die Panspfeife zur\nOrgel u. s. w. sich ausgebildet haben, immerhin eine sehr\ndankbare Aufgabe.\nDie in vorliegendem Werke gegebenen Nachrichten\nvon älteren und neueren Instrumenten gründen sich auf\nSeb. Wir dung,Musikageteutscht und ausgezogen u. s. w.,\nBasel, 1511 (welches sehr seltene Werk ich jedoch nicht\nselbst in Händen gehabt habe, sondern nur aus Nachrich-\nten von Prätorius und anderen Schriftstellern kenne).\nMart. Agricola, Musicei instramenialis, deudsch, Wit-\ntemberg, bei Rhaw, 1529; 2. verm. Ausg. ebend., 1545.\nPrätorius, Syntagma musicum,T. I. Wittemb., 1615,\nT. 11. und 111. WolfTenbüttel, 1619. Mersenne, Har-\nmonicorum libriXll, 1635, Th. 11. Athanasius Kir-\nch er, Musurgia universalis,Rom, 1650. W. C. Printz,\nHistor. Beschr. der edlen Sing- und Klingkunst, Dresden,\n1690. Bonanni,Gabinettoarmonico, Kom, 1722. Dom.\nMar. Manni, de Florentinis inventis, Ferrara, 1731.\nMaier, Museum musicum, theoNeueröff-\nneter Musiksaal u. s.w., 1732. Aug. Friedr. Pfeiffer,\nUeber die Musik der alten Hebräer, Erlangen, 1779. La\nBorde, Essai sur la Musique, Paris, 1780. Bd. I. For-\nkers Geschichte der Musik; die Lexika von Walther\nund Gerber; Allgem. Mus. Zeitung; Speier'sche Real-\nzeit ung; ein guter Aufsatz von G. Nottebohm in der\nWiener deutschen Musik-Zeitung (Red. S. Ba gge), 1861,\nNr. 34 ff.; eine Abhandlung von Kiesewetter, Cäci-\nlia, Bd. 22, über Instrumente und Instrumental-Musik\nu. s. w. u. A. m. Besondere Angaben sind stets bei den\nbetreffenden Instrumenten gemacht.\nEs ist keinem Zweifel unterworfen, dass die natürliche\nmenschliche Stimme vor allen künstlichen Instrumenten\nstets den Vorrang behaupten muss, besonders wo es we-\nniger auf schildernde Darstellung als auf unmittelbaren\nErguss der Gefühle in Melodie ankommt. Sie bleibt daher\n\n*) Aus der IY. Lieferung von H. Ch. Koch's Musicali-\nschem Lexicon, zweite Ausgabe von Arrey von Dommer\n(Glöcklein Lied)."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "322", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641008-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5526, "texte": "als der erste und ursprüngliche musicalische Ton-Apparat\nimmer eine natürliche Norm, nach welcher man die Voll-\nkommenheit künstlicher Klangwerkzeuge bemessen wird.\nInstrumente, welche hinsichtlich der Andauer, gefügigen\nBiegsamkeit und Gesangfülle des Klanges ihr am nächsten\nkommen, werden stets einen hohen Rang überhaupt ein-\nnehmen, und den höchsten Rang insbesondere da, wo es\nvorzugsweise eben um melodischen Ausdruck sich handelt.\nDoch wird der Vollkommenheitsgrad der Instrumente auch\nnoch durch einen anderen, für die Tonkunst nicht minder\nwichtigen Umstand bestimmt, durch die Fähigkeit, neben\nder Melodie auch zugleich die vollstimmige Harmonie dar-\nzustellen. Hinsichtlich ihrer specifischen Befähigung über-\nwiegend für Melodie oder für Harmonie, und ferner in\nBetreff ihrer Bestimmung zur rhythmischen Accentuation,\nzerfallen alle Instrumente in drei Haupt-Abtheilungen:\na) monodische, einstimmige, melodische; b) po-\nlyphone, mehrstimmige, harmonische, und c)\nrhythmische. Monodische Instrumente dienen aus-\nschliesslich oder doch im Wesentlichen zur Ausführung\neinstimmiger Tonfolgen oder Melodieen. So alle Blas-In-\nstrumente des Orchesters, die nicht mehr als einen Ton\nauf einmal hervorbringen können. Die Bogen-Instrumente\nebenfalls; wenngleich auf letzteren auch Doppelgriffe, Ac-\ncorde und mehrstimmige Sätze sich herausbringen lassen,\nso liegt ein vollständiges harmonisches Spiel doch nicht in\nihrer Art und Construction. Harmonische Instrumente hin-\ngegen haben die vollständige Harmonie, möge sie als blosse\nAccordfolge oder als wirkliche Polyphonie, als eine Anzahl\ngleichzeitiger, selbständig geführter Melodieen erscheinen.\nRhythmische Instrumente, welche zum Theil nur einen\nSchall ohne bestimmbare Tonhöhe geben, dienen zur Mar-\nkirung der Accente und Bhythmen. Unter den melodischen\nInstrumenten stehen wiederum diejenigen an sich am höch-\nsten, die eine vollständige chromatische Scala von mög-\nlichst grossem und einheitlich gefärbtem Umfange und da-\nbei sonore Fülle und charakteristische Schönheit des Klan-\nges besitzen, ausserdem den feinsten Nuancirungen im\nSeelen-Ausdrucke durch Gesang zugänglich, so wie hin-\nsichtlich der Technik wohl organisirt und entwickelt sind.\nSo unter den. Saiten-Instrumenten Violine, Viola, Violon-\ncell; unter den Blas-Instrumenten Clarinette, Oboe, Fagott.\nAndere werden wiederum durch ihre Individualität werth-\nvoll, ungeachtet sie jene Vollkommenheiten nicht alle be-\nsitzen, wie das edle romantische Horn, die prächtige Trom-\npete, feierliche Posaune u. s. w. Von den rhythmischen\nInstrumenten sind ebenfalls einzelne hieher zu rechnen,\nwie wir in manchen Tonstücken die markigen Accente der\nPauke keineswegs würden entbehren wollen. Unter den\nharmonischen Instrumenten steht zweifelsohne die Orgel\noben an, weil sie über die grösste Fülle nicht nur an\nHarmonie, sondern auch zugleich an Klangfärbungen und\nMischungen, ausserdem über eine Schallkraft von elemen-\ntarer Gewalt gebietet. Durch das beliebig lange andauernde\nFortklingen ihres Tones wird sie dem Ciavier auch hin-\nsichtlich des Vortrages polyphoner Sätze bei Weitem über-\nlegen; doch folgen die verschiedenen Grade ihrer Klang-\nstärke wiederum nicht den Nuancirungen eines leisen oder\nenergischen Anschlages der Tasten, wesshalb sie hinsicht-\nlich dessen, was man gefühlvollen Vortrag nennt, vom\nCiavier übertroffen wird. Letzteres aber leidet an einem\nsehr schnellen Verhallen seiner Klänge; um diesem Man-\ngel abzuhelfen, hat man im vorigen Jahrhundert und auch\nschon früher vielfach versucht, Bogenstrich und Tasten-\nMechanismus zu vereinigen, indem nicht Hammeranschlag,\nsondern Geigenbogen oder umlaufende Scheiben auf die\nSaiten wirkten, wie bei den mannigfachen Arten von Gei-\ngenwerken und Bogenflügeln. Doch stellten sich hierbei\nwiederum unüberwindliche Unvollkommenheiten anderer\nund noch nachtheiligerer Art ein.\nAlle harmonischen Saiten-Instrumente, deren Saiten\ngerissen oder geschnellt werden (Harfe, Laute, Theorbe,\nGuitarre, Zither), sind so viel sie auch als Solo-Instru-\nmente gedient haben oder noch dienen, und ungeachtet\nder grossen Vorzüge, über die manche unter ihnen (be-\nsonders die Harfe) gebieten im Wesentlichen doch nur\nBegleit- und Füll-Instrumente; denn der klimpernde Ton\nder meisten ist noch weniger fortklingend, als der des Cla-\nviers, und im Vergleiche zu dem der Bogen- und Blasin-\nstrumente gar nur dürftig, daher ihr ganzes Wesen zum\nTheil wenigstens trocken und kalt. Die Klangfülle der\nHarfe ist in neuester Zeit allerdings ziemlich mächtig und\nkommt der eines Flügels beinahe gleich, auch hat das\nKauschen ihrer mit keiner Dämpfung versehenen Saiten\nseinen eigenen Beiz. Uebrigens gewinnt durch den Ort,\ndie charakteristische Verwendung und andere Umstände\nbald dieses, bald jenes Instrument einen Vorzug. So sind\nfür eine Musik im Freien die mehr in die Ferne tragen-\nden Blas-Instrumente vor den Saiten-Instrumenten im Vor-\ntheil; im Felde wird die Trompete von keinem anderen\nInstrumente an Nützlichkeit übertroffen, während sie in\nengem, geschlossenem Räume unsere Gehörnerven bis zur\nUnerträglichkeit erschüttert; die Oboe wird in der Kirche\nstets ihren Vorrang vor der leidenschaftlich gefärbten Cla-\nrinette behaupten. Doch kann hier der Ort nicht sein, auf\neine specielle Charakteristik der Instrumente einzugehen;\nder Instrumental-Componist aber hat die Eigentümlich-\nkeiten und Wirkungen sowohl eines jeden Instrumentes\nfür sich allein, als auch in seinen Verbindungen mit ver-\nschiedenen anderen aufs sorgfältigste zu studiren, damit"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "323", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641008-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1076, "texte": "er den Vortheil, den es in jedem besonderen Falle ihm\ngewähren kann, völlig frei in die Hand bekomme, ausser-\ndem seine Leistungsfähigkeit genau kennen lerne, um ihm\nnicht etwas ausserhalb derselben Liegendes abzuverlangen.\n11. Schon die Alten theilten die Instrumente in drei\ndurch Construction, Klangmaterial und Art der Klang-\nerzeugung geschiedene Classen, nämlich in Blas-, Sai-\nten- und Schlag- oder Kling-Instrumente, und wir\nfolgen im Wesentlichen noch heutzutage dieser Einthei-\nlung, wenn auch sehr zahlreiche Arten von Instrumenten\nuntergegangen, andere vollständig umgebildet und viele\nneu erfunden sind. Auch haben wir in neuerer und neue-\nster Zeit durch Verwendung schwingender Metallzungen\n(Physharmonica), so wie Scheiben, Röhren und Glocken\nvon Glas (Harmonica, Euphon, Clavicylinder) noch einzelne\nGattungen hinzubekommen, von denen wenigstens die letz-\nteren in jene drei Classen nicht gut sich einreihen lassen;\ndiese werden dann für sich besonders genannt; im Uebri-\ngen reicht die alte Eintheilung für eine allgemeine LJeber-\nsicbt hin.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-10-08-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-10-08_01#c003", "volume": "bmtnabi_1864-10-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "323", "page_fin": "324", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641008-01.2.3", "titre_corps": "Aus Amsterdam.", "titre_sommaire": "Aus Amsterdam.", "signature_source": "X. X", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "323", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641008-01.1.3", "debut_caractere": 1078, "fin_caractere_exclue": 4993, "texte": "Aus Amsterdam.\n\n(National-Concert Ernst Lübeck de Graan Deut-\nsches Theater Populäre Concerte.)\nDen 2. October 1864.\nEin grosses National-Concert hat am 30. September\nin dem Parksaale unter der Direction von Verhülst Statt\ngefunden bei Gelegenheit des Congresses für die socialen\nWissenschaften, welcher in diesem Jahre in Amsterdam\ngehalten wurde.\nDieses Concert, in welchem man nur Werke von\nholländischen Künstlern aufführte, indem auch der\nText der Gesangstücke nur holländisch sein durfte, war\nkeine glückliche Idee bei einem Congresse von Frem-\nden, denen die holländische Sprache völlig unverständ-\nlich war und die dem übergrossen Nationalgefühle ein für\nsie ein wenig mehr verständliches Concert bei Weitem vor-\ngezogen haben würden, besonders da sie einer nationalen\nVorstellung im holländischen Theater bereits hatten bei-\nwohnen müssen, wovon sie ebenfalls kein Wort verstanden\nhatten! Das Comite, welches dieses Concert veranstaltet\nhatte, bestand nicht aus Musikern und Künstlern, sondern\naus Aerzten, Advocaten u. s. w.; nur die Professoren der\nTheologie fehlten dieses Mal, denn gewöhnlich bildet sich\nin Holland kein musicalisches Comite ohne Professoren\nder Theologie, aber auch nie ohne Aerzte. Die confessio-\nnelle Frage mischt sich stets darein, denn es ist von Wich-\ntigkeit, im voraus zu wissen, welcher Religion der Mann\nangehört, den man wählen wird, um an einem musicali-\nschen oder künstlerischen Comite Theil zu nehmen! Das\nCentral-Comite des Vereins zur Beförderung der Tonkunst\nzählt zwei Professoren der Theologie und einen Arzt zu\nseinen Mitgliedern, das besondere Comite in Amsterdam\nvon derselben Gesellschaft drei Aerzte; und was die reli-\ngiöse Frage anbetrifft, so enthält das Comite, wenn es sich\naus sechs Mitgliedern bildet, gewöhnlich drei Protestanten,\nzwei Katholiken und einen Juden; wenn es aus zwölf Mit-\ngliedern besteht, bleibt dasselbe Verhältniss, und so immer\nweiter! Die Künstler selbst werden am häufigsten zuletzt\ngewählt und nehmen nur eine untergeordnete Stellung in\nden Comite's ein, die sie doch gerade am meisten angehen.\nVerzeihen Sie mir, wenn ich mir erlaubt habe, mich einen\nAugenblick von der musicalischen Frage zu entfernen, aber\nes drängte mich, Ihnen mitzutheilen, wie der musicalische\nWagen, wenn auch nicht in ganz Holland, doch in Am-\nsterdam rollt; ich nehme die musicalische Seite des Na-\ntional-Concertes wieder auf.\nIn diesem Concerte, bei welchem man viele ausge-\nzeichnete holländische Künstler unbeachtet gelassen oder\nvergessen hatte (wie H. Lübeck, Nicolai, Thooft, Hartog,\nJ. M. Coenen und Andere), hatte sich Herr Verhülst den\nLöwenantheil vorbehalten: man zählte darin nicht weniger\nals drei sehr langathmige Werke von seiner Composition:\n„Rembrandt\", Cantate für Männerchor und Orchester,\nder „Fahnengesang\", eben so, und Concert-Arie mit Or-\nchester, gesungen von Madame Offermanns van Hove.\nAusserdem waren auch Lieder nicht vergessen! Alle diese\nWerke sind seit langer Zeit schon componirt und bei man-\nnigfachen Gelegenheiten aufgeführt worden. Man kennt\ndie Gründe nicht, warum Verhülst in den letzten Jahren\nkeine Note mehr geschrieben hat, indem er die besten Ge-\nlegenheiten vorübergehen liess, wo man ein Recht hatte,\nein neues Werk von ihm zu erwarten. Man bedauert von\nganzem Herzen diese längere Unthätigkeit.\nEin Chor von Richard Hol, ein anderer Chor von\nFranz Coenen, zwei Ouvertüren von Boers und von\nvan Eyken und Solo-Vorträge von Ernst Lübeck,\ndem bedeutenden Pianisten, und von dem Wunderkinde\nde Graan, dem Violinisten, ohne den Gesang von Ma-\ndame Offermanns van Hove zu vergessen —da haben\nSie den Rest des Programmes zu diesem Feste.\nDa ich viel zu kritisiren haben würde und keinem\nvon diesen National-Componisten zu nahe treten will, so\nziehe ich vor, nicht in das Einzelne der verschiedenen\nWerke einzugehen, welche übrigens alle ein gewisses Ver-\ndienst haben; ich führe nur den Chor von Hol und die\n\n[1"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "324", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641008-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1677, "texte": "Ouvertüre von Boers an, da sie am meisten die Theil-\nnahme des Publicums auf sich gezogen haben.\nWas Ernst Lübeck anbetrifft, so hat er das Con-\ncert von Mendelssohn als Meister gespielt, und der junge\nde Graan, dieser wirklich wunderbare Violinist, ist mit\nBravo's überschüttet worden nach den Variationen von\nPaganini und nach dem Adagio und Rondo von Vieux-\ntemps. Madame Offermanns vervollkommnet sich nicht\nmehr und ihre Stimme wird schwächer; sie hätte daher\ndie undankbare Aufgabe nicht annehmen sollen, die Arie\nvon Verhülst zu singen; glücklicher war sie im Vortrage\nvon drei Liedern, welche sie als gut musicalisch gebildete\nSängerin vorgetragen hat.\nDas Concert, welches um 8 Uhr begann, endigte erst\nnach Mitternacht, was die fremden Mitglieder des Con-\ngresses nicht zu begeistern schien, da sie sich fast alle vor\ndem Schlüsse entfernten.\nEine deutsche Truppe, welche den Vorsatz hat, deut-\nsche Opern aufzuführen, hat im Theater van Lier ihre\nVorstellungen begonnen, wo man gewöhnlich nur Lust-\nspiele und Vaudevilles aufführt; man hat angefangen mit\nFlotow's „Martha\". Die Künstler sind sehr mittelmässig;\nFräulein Holm allein hat einige wenige glückliche Mo-\nmente gehabt.\nDie Volks-Concerte, gegeben von dem Vereine\nzur Beförderung der Tonkunst, werden diesen Winter\nwieder beginnen, und ich Ireue mich darauf, denn man\nhört dort echte und gut ausgeführte Musik.\nMan sagt, dass die französische Oper vom Hoftheater\nim Haag Vorstellungen im National-Theater geben werde,\nund man spricht günstig davon; man spricht auch von\neiner italiänischen Truppe unter Merelli: aber von was\nallem spricht man nicht! Hoffen wir, dass der Berg nicht\neine Maus gebiert.\n\nX. X."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-10-08-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-10-08_01#c004", "volume": "bmtnabi_1864-10-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "324", "page_fin": "325", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641008-01.2.4", "titre_corps": "Das Musikfest zu Iserlohn.", "titre_sommaire": "Das Musikfest zu Iserlohn.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "324", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641008-01.1.4", "debut_caractere": 1679, "fin_caractere_exclue": 5086, "texte": "Das Musikfest zu Iserlohn.\nWir haben den Aufschwung der Tonkunst in den\nbergischen und märkischen Landen, wie er sich während\nder letzten Jahrzehende in dem Fortschritte der Concert-\nAnstalten und anderer öffentlichen Aufführungen offen-\nbart hat, schon öfter in diesem Blatte als einen Beweis\nfür die erfreuliche Thatsache begrüsst, dass die Bevölke-\nrung unserer Fabrik-Districte der edeln Erholung, welche\ndie Kunst von den Mühen des Geschäfts- und Arbeilsiebens\ngewährt, immer mehr zugethan wird, je Besseres ihr durch\ndie Bestrebungen kunstsinniger und durch gebildeten Ge-\nschmack ausgezeichneter Männer aus ihrer Mitte in dieser\nBeziehung dargeboten wird. Mit dem Erstehen neuer,\nschöner Locale, den Gründungen musicalischer Vereine\nund dem Herbeiziehen tüchtiger Künstler als Leiter der-\nselben wächst die Theilnahme des Publicums zusehends,\nund wenn diese auf geschickte Weise benutzt und genährt\nwird, so entwickelt sich in kurzer Zeit ein Musikleben,\ndas feste Wurzeln für die Zukunft treibt. Es ist noch nicht\nviele Jahre her, dass z. B. die Stadt Barmen regelmässige\nWinter-Concerte gründete, und jetzt sind dem Vernehmen\nnach binnen wenigen Tagen nach der Ankündigung durch\nden Concert-Vorstand bereits tausend Plätze abonnirt!\nWahrlich, daran kann sich manche grosse Stadt ein Bei-\nspiel nehmen !\nIn Bezug auf die Erbauung neuer, geräumiger Säle,\nderen Bestimmung auch der Tonkunst zu Gute kommt,\nhat sich nun auch Iserlohn den Städten am Niederrheine\nund im Wupperthale angeschlossen. Auf der Alexander-\nHöhe, dem Eigenthume des Bürger-Schützenvereins, welche\neine reizende Fernsicht gewährt, ist die prächtige Festhalle\nnach dem Plane des verewigten Baumeisters Max Nohl\nerbaut worden. Wiewohl sie ursprünglich den festlichen\nVereinigungen der Schützen-Gesellschaft gewidmet war,\nso rief doch die vortreffliche Akustik des grossen Saales\nden Wunsch hervor, ein Musikfest darin zu veranstalten,\nund durch die Thätigkeit des zu diesem Zwecke zusammen-\ngetretenen Comite's ist dieser Gedanke trotz aller Schwie-\nrigkeiten ins Leben gerufen worden, und ein schöner Er-\nfolg hat ihn vollkommen gerechtfertigt und den Eifer des\nComite's glänzend belohnt.\nDie Schwierigkeit lag zunächst darin, dass man von\nder fast zur Regel gewordenen Gewohnheit, bei Musik-\nfesten grosse Vocalwerke, Oratorien, Cantaten u. s. w.\naufzuführen, von vorn herein absehen musste, da die bis\njetzt bestehenden Gesangvereine in Iserlohn nicht zahlreich\ngenug sind, utn den Stamm eines Chors zu bilden, wie\nihn die Ausführung jener Werke erfordert. Man entschloss\nsich desshalb, den Gesang nur durch Solo-Vorträge ver-\ntreten zu lassen und der Instrumental-Musik die Haupt-\nrolle zuzuweisen. Für diese war es möglich, ein zahlreiches\nund tüchtiges Orchester mit Benutzung der besten Kräfte\naus Köln, Elberfeld, Barmen, Hagen und Iserlohn zu bil-\nden, und da auf die Einladung des Comite's Herr Capell-\nmeister Hi 11 e r die Direction mit freundlichster Bereitwillig-\nkeit übernommen hatte, so konnte man hoffen, etwas Gross-\nartiges ins Werk zu setzen. Diese Hoffnung ist vollständig\nin Erfüllung gegangen, und die Stadt Iserlohn hat am 11.\nund 12. September ein Musikfest gefeiert, welches durch\ndas Vorherrschen der Instrumental-Musik einen eigentüm-\nlichen Charakter erhielt und durch die ausserordentlich\nzahlreiche Theilnahme und die begeisterte Aufnahme der\nAufführungen bewies, dass unsere Zeit den Sinn für diese"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "325", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641008-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5008, "texte": "Musikgattung zu einer Reife und Verbreitung gebracht\nhat, welche man früher kaum ahnen konnte.\nDie Festhalle ist massiv und in schönem Styl mit\nhohen Rundbogen-Fenstern gebaut, und von der Anhöhe,\nauf der sie liegt, überschaut man Stadt und Umgegend in\neinem Kreise von 12—15 Meilen. Hierüber waren alle\nfremden Gäste entzückt, und bot der Aufenthalt in den\nGarten-Anlagen vor der Halle bei schönem Wetter am\nzweiten Tage eine höchst angenehme Erholung dar. Am\nersten Tage war das Wetter weniger freundlich, doch\nwährend des Nachmittags ziemlich, und brachte der von\nder Bergisch-Märkischen Eisenbahn aus Veranlassung des\nFestes veranstaltete Extrazug etwa 400 Kunstfreunde aus\nElberfeld, Barmen, Schwelm, Hagen u. s. w. Ueber die\nGrossartigkeit und Schönheit des Raumes herrschte nur\nEine Stimme freudiger Anerkennung. Der Saal hat eine\nLange von 187, eine Breite von circa 80 Fuss bei ent-\nsprechender Höhe. Ringsum, in der Höhe von etwa 16\nFuss, läuft eine etwa 18 Fuss breite Galerie. Im unteren\nRäume des Saales befanden sich circa 1200 Sitzplätze und\nauf der Galerie circa 5—600. Fast sämmtliche Plätze\nwaren an beiden Tagen von einem eleganten und andäch-\ntigen Publicum besetzt. In der Mitte der westlichen Lang-\nseite befindet sich ein halbrunder Ausbau, 4 Fuss über\ndem Niveau des Saales; er ist zum Thronsaale bei den\nSchützenfesten bestimmt. Hier hatte man das Orchester\naufgeschlagen. Gleichmässig brausten die Tonwellen von\ndiesem Mittelpunkte des Saales aus in alle Enden dessel-\nben; überall hörte man gleich vorzüglich, auch konnten\ndie Zuhörer die Mitwirkenden auf diese Weise in grösse-\nrer Nähe sehen.\nNach den von Herrn Capellmeister Hiller mit Uner-\nmüdlichkeit geleiteten Proben, bei welchen das Orchester\neine wahre Hingebung zeigte, konnte man der Aufführung\nzuversichtlich entgegensehen.\nUm 4'/2 Uhr war der Saal gefüllt und Weber's\nOuvertüre zur „Euryanthe\" eröffnete das Concert des er-\nsten Festtages. Die Glanzpunkte der Solo-Leistungen an\ndiesem Abende waren Beethoven's C-moll-Concert und\nMendelssohn's Violin-Concert, ersteres wunderbar schön\nvon Herrn Hill er vorgetragen, letzteres eben so ent-\nzückend von Herrn Kömpel gespielt. Beide rissen natür-\nlich zum täuschendsten Beifalle hin. Aehnliches kann man\nvon den Gesangstücken sagen. Herr Stägemann ärntete\nals schöner Bariton ausserordentlichen Beifall, eben so die\nheitere Naivetät im Vortrage von Fräulein Kirchner und\nder classische Vortrag des Fräuleins Rothenberger.\nHerr Ale-x. Schmit von Köln spielte im ersten Theile\ndie „Ballade\" von Hiller für Violoncell mit schönem\nAusdrucke und bewundernswerter Virtuosität. Zum\nSchlüsse machte die grosse Sinfonie in C-dtir von Mozart\neine prächtige Wirkung.\nDen zweiten Tag eröffnete die Concert-Ouverture in\nA-dur von Hiller, gewiss eines seiner schönsten Instru-\nmental werke, feurig, leidenschaftlich, und rhythmisch ge-\nwaltig wirkend. Auch die Gesang-Vorträge fanden wie-\nderum grossen Beifall. Indess so schön Alles gewesen war.\nes wurde doch verdunkelt durch die glanzvolle Aufführung\nder J.-cfer-Sinfonie von Beethoven. Einem sehr grossen\nTheile der Zuhörer war sie noch ganz neu, allein man\nhörte nichts mehr von Redensarten, als: „Es Ist Musik für\nKenner\", wie sonst wohl, sondern Alles war gefesselt und\nentzückt von den herrlichen Klängen. Die ganze Versamm-\nlung war bezaubert vom Geiste Beethoven's, den Hiller aus\ndem Werke heraufbeschwor. Die Aufführung war, einige\nKleinigkeiten abgerechnet, eine würdige. Das Orchester\nspielte mit Begeisterung, die Herren Kömpel und Kö-\nnigs low standen an der Spitze der tapferen Schar. Die\nOboen, Clarinetten waren besonders in den ersten Stim-\nmen vortrefflich, überhaupt alle Bläser sehr gut; in den\nStreich-Instrumenten hätten die Mittelstimmen etwas stär-\nker sein können.\nIch muss noch auf die Solo-Vorträge des zweiten\nAbends zurückkommen. Herr Kömpel trug die Gesangs-\nscene von Spohr unvergleichlich schön vor. Herr Loos\naus Iserlohn spielte ein Pianoforte-Concert von Hill er.\nHerr Loos besitzt als Pianist eine tüchtige Technik, welche\ndie grössten Schwierigkeiten mit Leichtigkeit überwindet,\nwie denn auch seine gründliche anderweite musicalische\nBildung, die sich auch durch Composition von Orchester-\nwerken bekundet, z. B. einer Sinfonie in D-moll, welche\nin der Erfindung Talent und in der Behandlung der Form\nund Instrumentirung Geschick und Kenntniss offenbart,\nalle Achtung verdient. Ausser den oben genannten Sän-\ngerinnen erfreute am zweiten Tage uns auch Fräulein\nElise Kempel noch durch den schönen Vortrag zweier\nLieder von Schubert und Mendelssohn.\nDie Vereinigung so vieler Künstler und Kunstfreunde\nerhöhte natürlich die Freuden der Geselligkeit mehr als\ngewöhnlich, zumal da durch den Erfolg des Ganzen die\nStimmung aller Mitwirkenden und Anwesenden eine wahr-\nhaft festliche geworden war und an beiden Tagen, beson-\nders bei dem Festmahle am ersten Abende, an welchem\nüber dreihundert Personen Theil nahmen, sich durch be-\nredte Toaste und Erwiederungen in heiterster Erregtheit\naussprach."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-10-08-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-10-08_01#c005", "volume": "bmtnabi_1864-10-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "326", "page_fin": "326", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641008-01.2.5", "titre_corps": "Die Concerte des Herrn Ullman.", "titre_sommaire": "Die Concerte des Herrn Ullman.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "326", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641008-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2044, "texte": "Die Concerte des Herrn Ullman.\nDie Concerte, welche dieser bekannte araericanische\nImpresario mit der berühmten Carlotta Patti und an-\nderen Celebritäten für Pianoforte, Violine u. s. w. im vo-\nrigen Winter in Europa einführte, hatten einen derart\ngrossartigen Erfolg, dass er volle drei Monate mit ihnen\nam Rheine, in Holland und Belgien blieb und in dieser\nkurzen Zeit die unerhörte Einnahme von beinahe 300,000\nFrancs erzielte. Jetzt hat Herr Ullman die umfassendsten\nVorbereitungen für ganz Deutschland getroffen, und wird\ner im Laufe des Winters in jeder bedeutenden Stadt Con-\ncerte geben, deren bereits 108 arrangirt sind.\nDie Virtuosen-Gesellschaft, welche uns den nächsten\nWinter vorgeführt wird, besteht aus Carlotta Patti, dem\nPianisten Alfred Jaell, abwechselnd mit Louis Brassin,\ndem Geiger Henri Vieuxtemps, dem Cellisten Jules\nStefens aus Petersburg und Signor F err anti, erstem Ba-\nriton der italiänischen Oper in New-York und London.\nAusserdem schweben noch Unterhandlungen mit einem\nder berühmtesten Sänger in Deutschland und Frankreich.\nHerr Ullman hat einen Capellraeister, seinen eigenen Cla-\nvierstimmer und drei Secretäre, welche alle Anordnungen\nunter seiner Anleitung treffen. Das Haus Erard in Paris\nhat nicht weniger als vier seiner besten Concertflügel zur\nVerfügung gestellt, indem Herr Ullman in der Regel sechs\nConcerte in sechs verschiedenen Städten per Woche gibt;\ndenn nur dadurch wird es ihm möglich, die ungeheuren\nKosten dieser grossartigen Unternehmung zu bestreiten.\nWas die Leistungen der Carlotta Patti anbetrifft, so\nist ihre Stimme nicht stark, jedoch sehr rein, und besitzt\ndie Künstlerin bekanntlich eine fabelhafte Höhe. Sie wird\nin mancher Eigenschaft vielleicht von vielen ihrer Collegin-\nnen übertroffen, doch macht sie Coloraturen, die keine\nandere Sängerin zu versuchen wagen darf. 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Z", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "326", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641008-01.1.6", "debut_caractere": 2046, "fin_caractere_exclue": 6361, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\n\nliölii. C oncert-Ges ellschaft. In der bevorstehenden Sai-\nson finden in dem grossen Saale des Gürzenich unter der Leitung\ndes städtischen Capellmeisters Herrn Ferdinand Hiller zehn\nAbonnements-Concerte an folgenden Tagen Statt: den 25.\nOctober, den 8. und 22. November, den 6. und 20. December 1864,\nden .17. Januar, den 7. und 21. Februar, den 14, März und Palm-\nsonntag den 9. April 1865.\n** Soest, 23. September. Gegenwärtig ist auf der Aula des\nhiesigen Gymnasiums ein neues Orgelwerk aufgestellt, welches in\nseiner Weise Vorzügliches leistet. Die Disposition desselben rührt\nvon Herrn Musik-Director und Dom-Organisten Baake in Halber-\nstadt her und ist von den Orgelbauern Voigt und Sohn in Hal-\nberstadt zu dem ungewöhnlich billigen Preise von 655 Thlrn.\nausgeführt worden. Das Hauptwerk hat 7 Stimmen (Principal 8 Fuss,\nBordun 16 Fuss u. s. w.); das zweite Manual 3 Stimmen (Principal\n8 Fuss, Gedackt 8 Fuss, Flauto Traverso 8 Fuss); das Pedal 2\nStimmen (Subbass 16 Fuss, Principal 8 Fuss) also im Ganzen 12\nklingende Register. Der Revisor der Orgel, der rühmlichst bekannte\nComponist und ausgezeichnete Orgelspieler van Eyken aus Elber-\nfeld, gab dem Werke eines ihm bisher unbekannten Meisters ein\nsehr lobendes Zeugniss und hatte die Freundlichkeit, durch meister-\nhafte Vorträge eigener und fremder Compositionen die Vorzüge der\nneuen Orgel vor einem zahlreichen Publicum von Kunstfreunden zu\nallgemeiner Anerkennung zu bringen.\nBerlin« Königliches Opernhaus. Gastspiel des Herrn Dr.\nGunz vom Hoftheater zu Hannover. Herr Dr. Gunz, von seinem\nGastspiele am Victoriatheater bestens accreditirt, erschien als Arnold\nin Rossini's „Teil\", nachdem er kurz zuvor sich in glänzendster\nWeise als Ottavio in Mozart's „Don Juan\" eingeführt hatte. Die\nprachtvolle, edelgebildete Stimme zeigte sich in jeder Hinsicht als\nausgiebig, und nie büsste dieselbe irgendwie des Wohlklanges ein.\nDie Schwierigkeiten, welche diese Partie aufweist, überwand der\ngeschätzte Sänger ohne jedwede Kraftanstrengung. Glockenrein ent-\nglitten die Töne seiner Kehle, und bleibt noch besonders die Weich-\nheit und Milde der Höhe zu loben, welche bei den meisten Sängern\nstets etwas Sprödes, Gezwungenes oder Scharfes erhält. Die schönsten\nMomente waren das allbekannte Duett: „O Mathilde!\" dann das\nDuett im zweiten Acte; ferner das Terzett in eben demselben Acte,\nso wie die gewöhnlich fortbleibende Auftritts-Arie im dritten Acte.\nDie Intonation war musterhaft rein, eben so die Aussprache. Im\nVortrage offenbarte sich Innigkeit des Gefühls und Leidenschaftlich-\nkeit. Beifall und Hervorruf gaben Herrn Dr. Gunz wohl das beste\nZeugniss, wie sehr er sich die Zufriedenheit der Zuhörer erworben.\nDie Rolle der Mathilde, eine herrliche Leistung unserer Frau Har-\nriers-Wippern, welche leider uns noch für lange Zeit wird entzogen\nbleiben, gab eine Kunst-Novize, Fräulein Metzdorff von St. Pe-\ntersburg. Wir hörten die genannte Dame, welche von blendender\nSchönheit ist, zum ersten Male. Fräulein Metzdorff besitzt zwar eine\nwohlklingende, von Fehlern freie Stimme, jedoch ist dieselbe zu\nschwach, um eine Räumlichkeit wie unser Opernhaus mit Erfolg\nauszufüllen. Die Art und Weise des Vortrages zeugt von einer ge-\nwissen Feinheit und Eleganz, die Intonation war tadellos. Sollte\nFräulein Motzdorff wirklich für die Hofoper engagirt werden (wovon\nwir der jungen Dame im eigenen Interesse abrathen, da es besser\nfür sie wäre, an einem guten Stadttheater sich erst Routine zu er-\nwerben), so wäre eine Unterweisung in der Kunst, auf der Bühne\ngehen und auch stehen zu lernen, recht sehr am Platze. Man ist\nin diesem Punkte gegen Novizen zu tolerant. Die prachtvolle Ouver-\ntüre wurde vom Orchester vorzüglich ausgeführt und leitete Herr\nMusik-Director Rob. Radecke die ganze Oper mit grosser Sorgfalt.\nHerr Julius Oertling, als Violinist und speciel als Quartett-\nspieler seit Jahren rühmlichst bekannt, hat im Vereine mit den\nHerren Döllen, Kahle und Zürn in Berlin seine Quartett-\nAbende eröffnet. Bei der fast gänzlich mangelnden (?) öffentlichen-Pflege\ndes Streich-Quartetts ist dieser Zuwachs für unser Musikleben um\nso freudiger zu begrüssen, als der sehr niedrig gestellte Eintrittspreis\nauch minder Bemittelten den Besuch dieser in Sommer's Salon Statt\nfindenden Quartett-Unterhaltungen gestattet."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "327", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641008-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7455, "texte": "Das Gewandhaus beginnt seine Concerte Anfangs,\ndie Euterpe ihren Cyklus wohl erst Ende October. Im Gewandhause\nist als Novität schon jetzt die Abert'sche Columbus-Sinfonie be-\nstimmt, von der Euterpe ist der jüngst in Karlsruhe mit Enthusias-\nmus aufgenommene Liszt'sche Psalm in Aussicht genommen. Als\nDirigent für letztere Gesellschaft ist v. Bermuth, zum Concertmei-\nster der begabte Componist und Violinspieler Joseph Huber,\ngegenwärtig mit einer Oper, „Die Rose vom Libanon\", beschäftigt,\ngewählt.\nDie Stadt Chemnitz gehört noch zu den wenigen Städten, in\nwelchen in den evangelischen Kirchen die Tonkunst nicht bloss\ndurch den Choralgesang der Gemeinde, sondern auch durch die Auf-\nführung von geistlicher Musik durch einen städtischen Kirchen-\nmusik-Sängerchor zur Erbauung beim Gottesdienste mitwirkt.\nDaselbst kommen während der drei letzten Monate des laufenden\nJahres in der St. Jakobi- und St. Johanniskirche folgende Werke\nzur Aufführung :\nDen 2. October. Der VI. Psalm von Th. Schneider. Chor\na capella von G. Nebling. Den 9. October. Chor von M.\nHauptmann. Chor von Händel. Den 16. October. Chor von\nM. Hauptmann. Chor von Händel. Den 23. October. Schluss-\nchor aus dem 42. Psalm von F. Mendelssohn. Chor von F.\nMöhring a capella. Den 30. October. Dasselbe (mit Wechsel\nder Kirchen). Den 31. October. Reformationsfest. Figurirter Cho-\nral mit Orchester: „Ein7 feste Burg\", von O. Nicolai. Chor von\nJ. S. Bach a capella. Den 6. November, Gloria aus der Messe\nvon Rob. Schumann. Motette von Joh. Brahms a capella: „Es\nist das Heil uns kommen her\". Den 13. November. Dasselbe.\nDen 20. November. Chor: „Selig sind die Todten\", von A. W. Bach.\nAm ersten Weihnachtstage. Der 24. Psalm nach Herder's Ueber-\n-0\nSetzung von F. Schneider (2 Soli mit Chor. Fuge: „Jehovah, der\nGötter Gott\"). Chor: „Vom Himmel hoch\", von C. F. Richter a\ncapella. Am zweiten Weihnachtstage. Dasselbe.\nAm 24. September trat der geschäftsführende Ausschuss des\ndeutschen Sängerbundes mit dem dresdener Local-Fest-Aus-\nschusse zu gemeinsamer Berathung der Grundzüge des im künftigen\nJahre in Dresden abzuhaltenden allgemeinen deutschen Sängerfestes\nzusammen. Die Vorschläge, welche der geschäftsführende Ausschuss\ndes deutschen Sängerbundes dem Fest-Ausschusse gemacht, fanden\nals Haupt-Grundzüge für das erste Bundesfest des deutschen Sänger-\nbundes allseitige Annahme. Danach wird das erste Bundesfest des\ndeutschen Sängerbundes am 22. Juli 1865 in Dresden gehalten und\n3—4 Tage dauern. Zur Theilnahme berufen sind die Mitglieder des\ndeutschen Sängerbundes, ausser denselben die österreichischen, am\nEintritte in den Bund noch verhinderten Sängerbünde; Einzelvereine\nnur, sofern ihnen der Eintritt in einen Bund unmöglich ist; unbe-\nschränkt: die deutschen Sängervereine im Auslande. Der eidgenös-\nsische Sängerverein wird zum Feste geladen. Die definitive Feststel-\nlung derjenigen Piecen, welche in das Programm der musicalischen\nAufführung aufzunehmen, ist der Musik-Commission zu überlassen.\nDie Preisrichter-Commission, welche die auf dem Wege der Concur-\nrenz einlaufenden Compositionen zu prüfen hat, besteht aus Musik-\nDirector Otto, Hof-Capellmeister Dr. Rietz und Hof-Capellmeister\nAbt. Wettgesang und Preisverteilung findet nicht Statt, Einzel-\ngesänge von Sängerbünden oder Einzelvereinen (mit der Minimalzahl\nvon 60 Sängern) sind zugelassen. Mit dem Feste ist ein Sängertag\ndes deutschen Sängerbundes (Abgeordneten-Versammlung) verbunden.\nW teil. Ander's Wiederauftreten als Arnold in „Teil\" ge-\nstaltete sich zu einem Feste, aber mit wechselndem Charakter. Man\nbegrüsste sein Erscheinen äusserlich mit langanhaltendem, rauschen-\ndem Beifall, innerlich mit der Hoffnung, den langentbehrten Liebling\nso gekräftigt zu finden, um des Genusses seiner Leistungen nunmehr\nhäufiger theilhaftig zu werden. Das Beglückwünschungsfest verwan-\ndelte sich indessen bald in eine Abschiedsfeier, denn nach wenig\nTacten seines Gesanges durfte man sich keiner Täuschung über die\nNotwendigkeit hingeben, sich in den Gedanken einer abermaligen\nzeitlichen Trennung zu fügen, um diesen trefflichen Künstler nicht\nfür immei zu veilieren. Es ist übrigens ein Irrthum, wenn man\nglaubt, Anderes Stimme sei geschädigt, und einem mit nur einiger\nMaassen psychologisch geschärftem Blicke begabten Beobachter\nkonnte es nicht entgehen, dass der Sitz des Uebels anderswo zu\nsuchen sei, als in der Kehle dieses Sängers. Seine Stimmmittel sind\nheute thatsächlich nicht um ein Jota anders, als sie vor drei bis\nvier Jahren gewesen sind. Er hat sein hohes A und B, wie er es\nvordem gehabt hat, ja, Ivenner des Gesanges werden gefunden haben,\ndass Ander die T. öne jetzt freier anschlägt, als früher, wo er sie\ngrösstenteils im Halse bildete. Aber wenn.Ander heute auch Wach-\ntel's Kiesenstimme besässe, so würden die Wirkungen seines Gesan-\nges nichts desto weniger problematisch bleiben, so lange er ein Raub\nnervöser Aufregungen ist, die, zeitweise bis an die Bewusstlosigkeit\ngränzend, ihm die Herrschaft über seine Mittel völlig entziehen.\nVollständiges Heraustreten aus der Atmosphäre des Theaters für\nlängere Zeit, Ort- und Luftveränderung können allein die sein Wir-\nken alterirenden Mächte beschwichtigen.\nDie U nverschämtheit, mit der einige hier erscheinende lithogra-\nphirte Correspondenzen Lügen verbreiten, ist sattsam bekannt. Am\nfrechsten aber treibt der hier erscheinende lithographirte „Bote aus\nder Theater weit\" das Handwerk. Derselbe hat in der letzten Zeit\nüber eine ganze Reihe von schauerlichen Unglücksfällen und ande-\nren \\ orfällen auf verschiedenen Bühnen berichtet, die durch wiener\nund später durch auswärtige Blätter veröffentlicht wurden und nun\nsämmtlich als kecke Erfindungen bezeichnet werden, die wir hier\nberichtigen. So ist die Geschichte von einer in der Nähe von Zürich\nauf dem See Statt gefundenen Yorstellnng eine Lüge die Nach-\nricht von einem schrecklichen Unglücke im Theater zu Magdeburg\nist erfunden und neuestens wird auch die umständliche Beschrei-\nbung einer „Keilerei im Orchester zu Karlsruhe\" vom Director\nEduard Devrient einfach als Lüge bezeichnet.\nDas vollständige Programm der diesjährigen „Philharmonischen\nConcerte\" umfasst nachstehende Compositionen: Suite in D, Violin-\nConcert von Bach; Ouvertüre, Op. 115, und Sinfonieen Nr. 1, 5, 8\nund 9 von Beethoven; Trauerspiel-Ouverture (neu) von Bargiel;\nOuvertüre „Jota aragonaiseu (neu) von Glinka; Sinfonie in D von\nHaydn ; Sinfonie in A-moll, Sommernachistraum, Walpurgisnacht,\nOuvertüre zu Athalia und Ouvertüre zu Meeresstille von Mendels-\nsohn ; Sinfonie Nr. 3, Ouvertüre zur Braut von Messina (neu), Ouver-\ntüre zu Manfred von Schumann; Suite (neu) von Esser; Sinfonie in\nC von Mozart; „Tasso\" (neu) von Liszt; „Die Nixen\" (neu) von\nRubinstein; Aufforderung zum Tanze von Carl Maria von Weber,\ninstrumentirt von Hector Berlioz ; Jagd-Ouverture von Mdhul; Con-\ncert-Ouverture von Louis Spohr.\nDie Firma C. A. Spina in WTien bereitet eine neue, kritisch\nrevidirte Ausgabe mehrerer Compositionen von F. Schubert vor.\nHerr Hof-Capellmeister J. Herbeck, dessen Verdienste um Schu-\nbert schon so vielfache Anerkennung gefunden haben, hat die Re-\ndaction derselben übernommen. Auch das Oratorium „Lazarus\" be-\nfindet sich bereits im Stiche.\nAm 15. September wurde zu Neapel der erste musicalische\nCongress von Italien eröffnet. Es hatten sich von auswärtigen\nStädten mehr als hundert Mitglieder musicalischer Akademieen und\nConservatorien eingefunden, darunter auch Mercadante, der erblin-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "328", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641008-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5197, "texte": "dete Nestor der italiänischen Musiker. Der provisorische Alters-Prä-\nsident Fioravanti eröffnete die Sitzung. Maestro Taglioni las hierauf\neine Abhandlung über die Zustände der gegenwärtigen italiänischen\nMusik und über die Mittel zur möglichsten Hebung der Kunst, und\nschlug dem Congresse folgende drei Gegenstände zur Erwägung\nvor: Aufmunterung talentvoller Componisten, Neuerrichtung und\nUmgestaltung der musicalischen Anstalten, Gründung einer allgemei-\nnen Gesellschaft zu gegenseitiger Unterstützung unter den Pflegern\nder musicalischen Wissenschaft und Kunst. Auf Taglioni's Vorschlag\nwurde Mercadante einstimmig und mit Beifall zum Ehren-Präsiden-\nten ernannt. Sodann sprach der Präfect von Neapel, d'Afflitto, und\nermahnte zu gemeinsamen Bestrebungen, um für Italien den musi-\ncalischen Primat wieder zu erringen, den es im vorigen Jahrhun-\ndert besass. Taglioni wurde zum wirklichen und Beretta zum Vice-\nPräsidenten erwählt. Während der Wahlen traf ein telegraphischer\nGruss vom Maestro Pacini ein, welcher mit gebührendem Danke\nerwiedert wurde. Am 16. Abends fand sodann die erste Sitzung\nStatt. Am 17. war Privat-Concert, wobei der Rossini-Chor Merca-\ndante's zur Aufführung kam; die grosse öffentliche Akademie sollte\nwahrscheinlich erst am 30. September Statt finden. Die Anregung\nzu diesem Congresse ging von Ferd. Buonamici, dem Gründer des\nmusicalischen Vereins gleichen Namens, aus.\nIn London fand kürzlich eine interessante Versteigerung Statt,\nbei welcher mehrere Sammlungen von Madrigalen, deren Ursprung,\nsowohl Gedichte als Musik, bis in die Zeit der Königin Elisabeth\nzurückfällt, dem Meistbietenden für die Summe von 200 Pf« Sterl.\n(2400 Fl.) zugeschlagen wurden. Bemerkenswerth ist, dass die näm-\nlichen so höchst interessanten Exemplare im Jahre 1777 für die\nSumme von 3 Pf. 10 Sh. (42 Fl.) ebenfalls öffentlich verkauft wurden.\nEine Componir-Maschine. Bekanntlich befassen sich die\nTechniker bereits seit längerer Zeit mit der Erfindung einer Com-\nponir-Maschine, d. b. einer Maschine, welche dem Componisten es\nermögliche, seine musicalischen Gedanken, denen er durch das Cia-\nvier Ausdruck verleiht, in sichtbaren Zeichen zu fixiren. Nachdem\nalle bisherigen Experimente dieser Art misslungen waren, soll es\ndem seit einigen Jahren in Paris ansässigen Pianisten und Compo-\nnisten J. F. Endres aus Mainz derselbe ist Musik-Director der\ndeutschen Liedertafel in Paris geglückt sein, eine Vorrichtung\nzu erfinden, welche dem angestrebten Zwecke nicht bloss entspräche,\nsondern so weit darüber hinausginge, dass die Tragweite ihrer Wir-\nkung noch gar nicht zu berechnen wäre. Die in Rede stehende\nComponir-Maschine, deren innere Organisation noch Geheimnissist,\nlässt sich an jedem alten und neuen Tasten-Instrumente, wie Orgel,\nCiavier u. s. w.? mit geringer Mühe und wenig Kosten anbringen,\nohne dem Instrumente selbst die geringste Beeinträchtigung zuzufü-\ngen, und ist, obgleich für beliebig viele Octaven berechnet, doch\nvon so geringem Umfange, dass man sie unter oder hinter dem In-\nstrumente ganz verbergen kann. [?] Vom innerlichen Mechanismus ab-\ngesehen, bestehen die äusserlich zur Erscheinung kommenden Vor-\nrichtungen der Maschine darin, dass ein etwa zwei Zoll breiter Strei-\nfen gewöhnlichen Papiers ohne Ende an der einen Seite sich in die\nMaschine hineinrollt und an der anderen Seite roth liniirt und mit\nNotenzeichen u. s. w. schwarz bedruckt wieder zum Vorscheine\nkommt. Die Maschine gibt jede Note auf oder zwischen den Linien\nan, welche auf der Taste angeschlagen wird, und zwar nicht bloss\nderen Benennung, c d e u. s. w., sondern auch deren Zeitwerth in\nden üblichen gewöhnlichen Schriftzeichen (Notenköpfeu), d. h. sie\ndruckt die Note in der Form einer 1/S2J !/16> VB> 7a> V 2 unc* ganzen\nNote, gibt an, ob dieselbe punktirt ist oder nicht, markirt die Pau-\nsen, die Forte und Piano, wo das Pedal wirkt und zu wirken auf-\nhört, zeichnet die Tactstriche, mit Einem Worte, schreibt die Mu-\nsikstücke nieder, so dass der Feder fast keine Nachhülfe übrig\nbleibt. Jeder Bewegung des Spielers willig wie die Finger seiner\nHand Folge leistend, bewegt sich der Mechanismus in 3/4- oder\nTacten (alle anderen Tactarten lassen sich auf diese zurückführen)\nund eilt oder zögert nach Belieben. Aber mehr noch, dieselbe trans-\nponirt auch augenblicklich jedes Musikstück aus der einen in die\nandere Tonart. [!] Ermöglicht so dieser Mechanismus dem Componisten,\nseine Phantasieen und musicalischen Gedanken sofort in den ge-\nwöhnlichen Zeichen zu Papier zu bringen, so gestattet derselbe aus-\nserdem, von jedem Musikstücke sofort Copie zu nehmen, für Instru-\nmental-Musik die einzelnen Stimmen aus der Partitur auszuschrei-\nben, die Schüler zu controliren, ob sie richtig spielen (denn sie\nmarkirt jeden Fehler) und ob sie gewisse Stellen so und so viel Mal\ngeübt haben, dem Tauben, zu sehen, was er gespielt, und dem Leh-\nrer, ohne dass er neben dem Schüler sässe (also par distance), Un-\nterricht zu geben u. dgl. mehr. Wenn die neue Erfindung sich in\nAllem bewähren sollte, woran man nach den gemachten Experimen-\nten kaum zweifeln kann, so wird durch dieselbe jedenfalls eine\nArt von Revolution in der musicalischen Welt hervorgerufen\nwerden. (??)\n\n(K. Z.)"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "321", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641008-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDie musicalischen Instrumente. Aus Amsterdam (National-Concert Ernst Lübeck de Graan Deutsches\nTheater Populäre Concerte). Von X. X. Das Musikfest zu Iserlohn. Die Concerte des Herrn Ullman. Tages- und Unter-\nhaltungsblatt (Köln, Gürzenich-Concerte Soest, neues Orgelwerk Berlin, königliche Oper, Quartett-Abende Leipzig, Gewand-\nhauSj Euterpe Chemnitz, Musik-Aufführungen Deutscher Sängerbund Wien, Ander, Concert-Programme Componir-Maschine).\n\nDie musicalischen Instrumente\n*).\nInstrument, Instrumentum, italiänisch Stromento\n(griechisch: Organon) ein Mechanismus zur Erzeugung\nmusicalischer Töne. Die Luft wird entweder unmittelbar,\ndurch Anblasen, oder mittels Erzitterung von Körpern,\nwelche durch eigene Steifigkeit oder durch Spannung ela-\nstisch sind, in Schwingungen gesetzt. Die verschiedene An-\nzahl dieser Schwingungen in einer Zeiteinheit für die ver-\nschiedenen Tonhöhen bestimmt das Instrument theils selbst,\ntheils überlässt es die Bestimmung derselben dem Spieler.\nI. Versuche, manchen Körpern durch Anblasen, Reis-\nsen oder Schlagen Schalle und Klänge zu entlocken, gehö-\nren unzweifelhaft zu den allerersten Bethätigungen des\nmenschlichen Geistes. Eine austragende Geschichte der\nmusicalischen Instrumente von ihrem ersten Ursprünge an\ndurch die verschiedenen Grade des Wachsthums und all-\nmählicher Vervollkommnung hindurch bis auf unsere Zeit\nfehlt bis jetzt noch, ungeachtet sie den Denker überhaupt\neben so interessiren müsste, als den speciellen Fachmann.\nDenn auch sie würde ein wichtiger Beitrag sein zur Ge-\nschichte der Entwicklung des menschlichen Geistes und\nseiner Vervollkommnungsfähigkeit auch auf Gebieten, die,\nausserhalb der physischen Bedürfnisse liegend, der Entfal-\ntung des inneren und namentlich des Gefühlslebens, so wie\ndem Streben nach mannigfachem Ausdruck für dasselbe\nangehören. Es kann hier nicht untersucht werden, wie\nweit und wie bald man bei dem Mangel so vieler noth-\nwendigen Nachrichten zu einer vollständigen Geschichte\nder Instrumente sich Hoffnung machen darf; doch bleibt\nder Versuch, zu zeigen, wie nach und nach einige zwischen\nzwei Stier- oder Widderhörner gespannte Fäden zur Harfe,\nMerkur's Schildkrötenschale mit trockenen Sehnen zur\nLaute, ein Stückchen Rohr, dem der Hirte mühselig einige\nTöne abnöthigte, zur Flöte und Oboe, die Panspfeife zur\nOrgel u. s. w. sich ausgebildet haben, immerhin eine sehr\ndankbare Aufgabe.\nDie in vorliegendem Werke gegebenen Nachrichten\nvon älteren und neueren Instrumenten gründen sich auf\nSeb. Wir dung,Musikageteutscht und ausgezogen u. s. w.,\nBasel, 1511 (welches sehr seltene Werk ich jedoch nicht\nselbst in Händen gehabt habe, sondern nur aus Nachrich-\nten von Prätorius und anderen Schriftstellern kenne).\nMart. Agricola, Musicei instramenialis, deudsch, Wit-\ntemberg, bei Rhaw, 1529; 2. verm. Ausg. ebend., 1545.\nPrätorius, Syntagma musicum,T. I. Wittemb., 1615,\nT. 11. und 111. WolfTenbüttel, 1619. Mersenne, Har-\nmonicorum libriXll, 1635, Th. 11. Athanasius Kir-\nch er, Musurgia universalis,Rom, 1650. W. C. Printz,\nHistor. Beschr. der edlen Sing- und Klingkunst, Dresden,\n1690. Bonanni,Gabinettoarmonico, Kom, 1722. Dom.\nMar. Manni, de Florentinis inventis, Ferrara, 1731.\nMaier, Museum musicum, theoNeueröff-\nneter Musiksaal u. s.w., 1732. Aug. Friedr. Pfeiffer,\nUeber die Musik der alten Hebräer, Erlangen, 1779. La\nBorde, Essai sur la Musique, Paris, 1780. Bd. I. For-\nkers Geschichte der Musik; die Lexika von Walther\nund Gerber; Allgem. Mus. Zeitung; Speier'sche Real-\nzeit ung; ein guter Aufsatz von G. Nottebohm in der\nWiener deutschen Musik-Zeitung (Red. S. Ba gge), 1861,\nNr. 34 ff.; eine Abhandlung von Kiesewetter, Cäci-\nlia, Bd. 22, über Instrumente und Instrumental-Musik\nu. s. w. u. A. m. Besondere Angaben sind stets bei den\nbetreffenden Instrumenten gemacht.\nEs ist keinem Zweifel unterworfen, dass die natürliche\nmenschliche Stimme vor allen künstlichen Instrumenten\nstets den Vorrang behaupten muss, besonders wo es we-\nniger auf schildernde Darstellung als auf unmittelbaren\nErguss der Gefühle in Melodie ankommt. Sie bleibt daher\n\n*) Aus der IY. Lieferung von H. Ch. Koch's Musicali-\nschem Lexicon, zweite Ausgabe von Arrey von Dommer\n(Glöcklein Lied)."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "322", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641008-01.1.2", "texte": "als der erste und ursprüngliche musicalische Ton-Apparat\nimmer eine natürliche Norm, nach welcher man die Voll-\nkommenheit künstlicher Klangwerkzeuge bemessen wird.\nInstrumente, welche hinsichtlich der Andauer, gefügigen\nBiegsamkeit und Gesangfülle des Klanges ihr am nächsten\nkommen, werden stets einen hohen Rang überhaupt ein-\nnehmen, und den höchsten Rang insbesondere da, wo es\nvorzugsweise eben um melodischen Ausdruck sich handelt.\nDoch wird der Vollkommenheitsgrad der Instrumente auch\nnoch durch einen anderen, für die Tonkunst nicht minder\nwichtigen Umstand bestimmt, durch die Fähigkeit, neben\nder Melodie auch zugleich die vollstimmige Harmonie dar-\nzustellen. Hinsichtlich ihrer specifischen Befähigung über-\nwiegend für Melodie oder für Harmonie, und ferner in\nBetreff ihrer Bestimmung zur rhythmischen Accentuation,\nzerfallen alle Instrumente in drei Haupt-Abtheilungen:\na) monodische, einstimmige, melodische; b) po-\nlyphone, mehrstimmige, harmonische, und c)\nrhythmische. Monodische Instrumente dienen aus-\nschliesslich oder doch im Wesentlichen zur Ausführung\neinstimmiger Tonfolgen oder Melodieen. So alle Blas-In-\nstrumente des Orchesters, die nicht mehr als einen Ton\nauf einmal hervorbringen können. Die Bogen-Instrumente\nebenfalls; wenngleich auf letzteren auch Doppelgriffe, Ac-\ncorde und mehrstimmige Sätze sich herausbringen lassen,\nso liegt ein vollständiges harmonisches Spiel doch nicht in\nihrer Art und Construction. Harmonische Instrumente hin-\ngegen haben die vollständige Harmonie, möge sie als blosse\nAccordfolge oder als wirkliche Polyphonie, als eine Anzahl\ngleichzeitiger, selbständig geführter Melodieen erscheinen.\nRhythmische Instrumente, welche zum Theil nur einen\nSchall ohne bestimmbare Tonhöhe geben, dienen zur Mar-\nkirung der Accente und Bhythmen. Unter den melodischen\nInstrumenten stehen wiederum diejenigen an sich am höch-\nsten, die eine vollständige chromatische Scala von mög-\nlichst grossem und einheitlich gefärbtem Umfange und da-\nbei sonore Fülle und charakteristische Schönheit des Klan-\nges besitzen, ausserdem den feinsten Nuancirungen im\nSeelen-Ausdrucke durch Gesang zugänglich, so wie hin-\nsichtlich der Technik wohl organisirt und entwickelt sind.\nSo unter den. Saiten-Instrumenten Violine, Viola, Violon-\ncell; unter den Blas-Instrumenten Clarinette, Oboe, Fagott.\nAndere werden wiederum durch ihre Individualität werth-\nvoll, ungeachtet sie jene Vollkommenheiten nicht alle be-\nsitzen, wie das edle romantische Horn, die prächtige Trom-\npete, feierliche Posaune u. s. w. Von den rhythmischen\nInstrumenten sind ebenfalls einzelne hieher zu rechnen,\nwie wir in manchen Tonstücken die markigen Accente der\nPauke keineswegs würden entbehren wollen. Unter den\nharmonischen Instrumenten steht zweifelsohne die Orgel\noben an, weil sie über die grösste Fülle nicht nur an\nHarmonie, sondern auch zugleich an Klangfärbungen und\nMischungen, ausserdem über eine Schallkraft von elemen-\ntarer Gewalt gebietet. Durch das beliebig lange andauernde\nFortklingen ihres Tones wird sie dem Ciavier auch hin-\nsichtlich des Vortrages polyphoner Sätze bei Weitem über-\nlegen; doch folgen die verschiedenen Grade ihrer Klang-\nstärke wiederum nicht den Nuancirungen eines leisen oder\nenergischen Anschlages der Tasten, wesshalb sie hinsicht-\nlich dessen, was man gefühlvollen Vortrag nennt, vom\nCiavier übertroffen wird. Letzteres aber leidet an einem\nsehr schnellen Verhallen seiner Klänge; um diesem Man-\ngel abzuhelfen, hat man im vorigen Jahrhundert und auch\nschon früher vielfach versucht, Bogenstrich und Tasten-\nMechanismus zu vereinigen, indem nicht Hammeranschlag,\nsondern Geigenbogen oder umlaufende Scheiben auf die\nSaiten wirkten, wie bei den mannigfachen Arten von Gei-\ngenwerken und Bogenflügeln. Doch stellten sich hierbei\nwiederum unüberwindliche Unvollkommenheiten anderer\nund noch nachtheiligerer Art ein.\nAlle harmonischen Saiten-Instrumente, deren Saiten\ngerissen oder geschnellt werden (Harfe, Laute, Theorbe,\nGuitarre, Zither), sind so viel sie auch als Solo-Instru-\nmente gedient haben oder noch dienen, und ungeachtet\nder grossen Vorzüge, über die manche unter ihnen (be-\nsonders die Harfe) gebieten im Wesentlichen doch nur\nBegleit- und Füll-Instrumente; denn der klimpernde Ton\nder meisten ist noch weniger fortklingend, als der des Cla-\nviers, und im Vergleiche zu dem der Bogen- und Blasin-\nstrumente gar nur dürftig, daher ihr ganzes Wesen zum\nTheil wenigstens trocken und kalt. Die Klangfülle der\nHarfe ist in neuester Zeit allerdings ziemlich mächtig und\nkommt der eines Flügels beinahe gleich, auch hat das\nKauschen ihrer mit keiner Dämpfung versehenen Saiten\nseinen eigenen Beiz. Uebrigens gewinnt durch den Ort,\ndie charakteristische Verwendung und andere Umstände\nbald dieses, bald jenes Instrument einen Vorzug. So sind\nfür eine Musik im Freien die mehr in die Ferne tragen-\nden Blas-Instrumente vor den Saiten-Instrumenten im Vor-\ntheil; im Felde wird die Trompete von keinem anderen\nInstrumente an Nützlichkeit übertroffen, während sie in\nengem, geschlossenem Räume unsere Gehörnerven bis zur\nUnerträglichkeit erschüttert; die Oboe wird in der Kirche\nstets ihren Vorrang vor der leidenschaftlich gefärbten Cla-\nrinette behaupten. Doch kann hier der Ort nicht sein, auf\neine specielle Charakteristik der Instrumente einzugehen;\nder Instrumental-Componist aber hat die Eigentümlich-\nkeiten und Wirkungen sowohl eines jeden Instrumentes\nfür sich allein, als auch in seinen Verbindungen mit ver-\nschiedenen anderen aufs sorgfältigste zu studiren, damit"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "323", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641008-01.1.3", "texte": "er den Vortheil, den es in jedem besonderen Falle ihm\ngewähren kann, völlig frei in die Hand bekomme, ausser-\ndem seine Leistungsfähigkeit genau kennen lerne, um ihm\nnicht etwas ausserhalb derselben Liegendes abzuverlangen.\n11. Schon die Alten theilten die Instrumente in drei\ndurch Construction, Klangmaterial und Art der Klang-\nerzeugung geschiedene Classen, nämlich in Blas-, Sai-\nten- und Schlag- oder Kling-Instrumente, und wir\nfolgen im Wesentlichen noch heutzutage dieser Einthei-\nlung, wenn auch sehr zahlreiche Arten von Instrumenten\nuntergegangen, andere vollständig umgebildet und viele\nneu erfunden sind. Auch haben wir in neuerer und neue-\nster Zeit durch Verwendung schwingender Metallzungen\n(Physharmonica), so wie Scheiben, Röhren und Glocken\nvon Glas (Harmonica, Euphon, Clavicylinder) noch einzelne\nGattungen hinzubekommen, von denen wenigstens die letz-\nteren in jene drei Classen nicht gut sich einreihen lassen;\ndiese werden dann für sich besonders genannt; im Uebri-\ngen reicht die alte Eintheilung für eine allgemeine LJeber-\nsicbt hin.\n(Schluss folgt.)\n\nAus Amsterdam.\n\n(National-Concert Ernst Lübeck de Graan Deut-\nsches Theater Populäre Concerte.)\nDen 2. October 1864.\nEin grosses National-Concert hat am 30. September\nin dem Parksaale unter der Direction von Verhülst Statt\ngefunden bei Gelegenheit des Congresses für die socialen\nWissenschaften, welcher in diesem Jahre in Amsterdam\ngehalten wurde.\nDieses Concert, in welchem man nur Werke von\nholländischen Künstlern aufführte, indem auch der\nText der Gesangstücke nur holländisch sein durfte, war\nkeine glückliche Idee bei einem Congresse von Frem-\nden, denen die holländische Sprache völlig unverständ-\nlich war und die dem übergrossen Nationalgefühle ein für\nsie ein wenig mehr verständliches Concert bei Weitem vor-\ngezogen haben würden, besonders da sie einer nationalen\nVorstellung im holländischen Theater bereits hatten bei-\nwohnen müssen, wovon sie ebenfalls kein Wort verstanden\nhatten! Das Comite, welches dieses Concert veranstaltet\nhatte, bestand nicht aus Musikern und Künstlern, sondern\naus Aerzten, Advocaten u. s. w.; nur die Professoren der\nTheologie fehlten dieses Mal, denn gewöhnlich bildet sich\nin Holland kein musicalisches Comite ohne Professoren\nder Theologie, aber auch nie ohne Aerzte. Die confessio-\nnelle Frage mischt sich stets darein, denn es ist von Wich-\ntigkeit, im voraus zu wissen, welcher Religion der Mann\nangehört, den man wählen wird, um an einem musicali-\nschen oder künstlerischen Comite Theil zu nehmen! Das\nCentral-Comite des Vereins zur Beförderung der Tonkunst\nzählt zwei Professoren der Theologie und einen Arzt zu\nseinen Mitgliedern, das besondere Comite in Amsterdam\nvon derselben Gesellschaft drei Aerzte; und was die reli-\ngiöse Frage anbetrifft, so enthält das Comite, wenn es sich\naus sechs Mitgliedern bildet, gewöhnlich drei Protestanten,\nzwei Katholiken und einen Juden; wenn es aus zwölf Mit-\ngliedern besteht, bleibt dasselbe Verhältniss, und so immer\nweiter! Die Künstler selbst werden am häufigsten zuletzt\ngewählt und nehmen nur eine untergeordnete Stellung in\nden Comite's ein, die sie doch gerade am meisten angehen.\nVerzeihen Sie mir, wenn ich mir erlaubt habe, mich einen\nAugenblick von der musicalischen Frage zu entfernen, aber\nes drängte mich, Ihnen mitzutheilen, wie der musicalische\nWagen, wenn auch nicht in ganz Holland, doch in Am-\nsterdam rollt; ich nehme die musicalische Seite des Na-\ntional-Concertes wieder auf.\nIn diesem Concerte, bei welchem man viele ausge-\nzeichnete holländische Künstler unbeachtet gelassen oder\nvergessen hatte (wie H. Lübeck, Nicolai, Thooft, Hartog,\nJ. M. Coenen und Andere), hatte sich Herr Verhülst den\nLöwenantheil vorbehalten: man zählte darin nicht weniger\nals drei sehr langathmige Werke von seiner Composition:\n„Rembrandt\", Cantate für Männerchor und Orchester,\nder „Fahnengesang\", eben so, und Concert-Arie mit Or-\nchester, gesungen von Madame Offermanns van Hove.\nAusserdem waren auch Lieder nicht vergessen! Alle diese\nWerke sind seit langer Zeit schon componirt und bei man-\nnigfachen Gelegenheiten aufgeführt worden. Man kennt\ndie Gründe nicht, warum Verhülst in den letzten Jahren\nkeine Note mehr geschrieben hat, indem er die besten Ge-\nlegenheiten vorübergehen liess, wo man ein Recht hatte,\nein neues Werk von ihm zu erwarten. Man bedauert von\nganzem Herzen diese längere Unthätigkeit.\nEin Chor von Richard Hol, ein anderer Chor von\nFranz Coenen, zwei Ouvertüren von Boers und von\nvan Eyken und Solo-Vorträge von Ernst Lübeck,\ndem bedeutenden Pianisten, und von dem Wunderkinde\nde Graan, dem Violinisten, ohne den Gesang von Ma-\ndame Offermanns van Hove zu vergessen —da haben\nSie den Rest des Programmes zu diesem Feste.\nDa ich viel zu kritisiren haben würde und keinem\nvon diesen National-Componisten zu nahe treten will, so\nziehe ich vor, nicht in das Einzelne der verschiedenen\nWerke einzugehen, welche übrigens alle ein gewisses Ver-\ndienst haben; ich führe nur den Chor von Hol und die\n\n[1"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "324", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641008-01.1.4", "texte": "Ouvertüre von Boers an, da sie am meisten die Theil-\nnahme des Publicums auf sich gezogen haben.\nWas Ernst Lübeck anbetrifft, so hat er das Con-\ncert von Mendelssohn als Meister gespielt, und der junge\nde Graan, dieser wirklich wunderbare Violinist, ist mit\nBravo's überschüttet worden nach den Variationen von\nPaganini und nach dem Adagio und Rondo von Vieux-\ntemps. Madame Offermanns vervollkommnet sich nicht\nmehr und ihre Stimme wird schwächer; sie hätte daher\ndie undankbare Aufgabe nicht annehmen sollen, die Arie\nvon Verhülst zu singen; glücklicher war sie im Vortrage\nvon drei Liedern, welche sie als gut musicalisch gebildete\nSängerin vorgetragen hat.\nDas Concert, welches um 8 Uhr begann, endigte erst\nnach Mitternacht, was die fremden Mitglieder des Con-\ngresses nicht zu begeistern schien, da sie sich fast alle vor\ndem Schlüsse entfernten.\nEine deutsche Truppe, welche den Vorsatz hat, deut-\nsche Opern aufzuführen, hat im Theater van Lier ihre\nVorstellungen begonnen, wo man gewöhnlich nur Lust-\nspiele und Vaudevilles aufführt; man hat angefangen mit\nFlotow's „Martha\". Die Künstler sind sehr mittelmässig;\nFräulein Holm allein hat einige wenige glückliche Mo-\nmente gehabt.\nDie Volks-Concerte, gegeben von dem Vereine\nzur Beförderung der Tonkunst, werden diesen Winter\nwieder beginnen, und ich Ireue mich darauf, denn man\nhört dort echte und gut ausgeführte Musik.\nMan sagt, dass die französische Oper vom Hoftheater\nim Haag Vorstellungen im National-Theater geben werde,\nund man spricht günstig davon; man spricht auch von\neiner italiänischen Truppe unter Merelli: aber von was\nallem spricht man nicht! Hoffen wir, dass der Berg nicht\neine Maus gebiert.\n\nX. X.\n\nDas Musikfest zu Iserlohn.\nWir haben den Aufschwung der Tonkunst in den\nbergischen und märkischen Landen, wie er sich während\nder letzten Jahrzehende in dem Fortschritte der Concert-\nAnstalten und anderer öffentlichen Aufführungen offen-\nbart hat, schon öfter in diesem Blatte als einen Beweis\nfür die erfreuliche Thatsache begrüsst, dass die Bevölke-\nrung unserer Fabrik-Districte der edeln Erholung, welche\ndie Kunst von den Mühen des Geschäfts- und Arbeilsiebens\ngewährt, immer mehr zugethan wird, je Besseres ihr durch\ndie Bestrebungen kunstsinniger und durch gebildeten Ge-\nschmack ausgezeichneter Männer aus ihrer Mitte in dieser\nBeziehung dargeboten wird. Mit dem Erstehen neuer,\nschöner Locale, den Gründungen musicalischer Vereine\nund dem Herbeiziehen tüchtiger Künstler als Leiter der-\nselben wächst die Theilnahme des Publicums zusehends,\nund wenn diese auf geschickte Weise benutzt und genährt\nwird, so entwickelt sich in kurzer Zeit ein Musikleben,\ndas feste Wurzeln für die Zukunft treibt. Es ist noch nicht\nviele Jahre her, dass z. B. die Stadt Barmen regelmässige\nWinter-Concerte gründete, und jetzt sind dem Vernehmen\nnach binnen wenigen Tagen nach der Ankündigung durch\nden Concert-Vorstand bereits tausend Plätze abonnirt!\nWahrlich, daran kann sich manche grosse Stadt ein Bei-\nspiel nehmen !\nIn Bezug auf die Erbauung neuer, geräumiger Säle,\nderen Bestimmung auch der Tonkunst zu Gute kommt,\nhat sich nun auch Iserlohn den Städten am Niederrheine\nund im Wupperthale angeschlossen. Auf der Alexander-\nHöhe, dem Eigenthume des Bürger-Schützenvereins, welche\neine reizende Fernsicht gewährt, ist die prächtige Festhalle\nnach dem Plane des verewigten Baumeisters Max Nohl\nerbaut worden. Wiewohl sie ursprünglich den festlichen\nVereinigungen der Schützen-Gesellschaft gewidmet war,\nso rief doch die vortreffliche Akustik des grossen Saales\nden Wunsch hervor, ein Musikfest darin zu veranstalten,\nund durch die Thätigkeit des zu diesem Zwecke zusammen-\ngetretenen Comite's ist dieser Gedanke trotz aller Schwie-\nrigkeiten ins Leben gerufen worden, und ein schöner Er-\nfolg hat ihn vollkommen gerechtfertigt und den Eifer des\nComite's glänzend belohnt.\nDie Schwierigkeit lag zunächst darin, dass man von\nder fast zur Regel gewordenen Gewohnheit, bei Musik-\nfesten grosse Vocalwerke, Oratorien, Cantaten u. s. w.\naufzuführen, von vorn herein absehen musste, da die bis\njetzt bestehenden Gesangvereine in Iserlohn nicht zahlreich\ngenug sind, utn den Stamm eines Chors zu bilden, wie\nihn die Ausführung jener Werke erfordert. Man entschloss\nsich desshalb, den Gesang nur durch Solo-Vorträge ver-\ntreten zu lassen und der Instrumental-Musik die Haupt-\nrolle zuzuweisen. Für diese war es möglich, ein zahlreiches\nund tüchtiges Orchester mit Benutzung der besten Kräfte\naus Köln, Elberfeld, Barmen, Hagen und Iserlohn zu bil-\nden, und da auf die Einladung des Comite's Herr Capell-\nmeister Hi 11 e r die Direction mit freundlichster Bereitwillig-\nkeit übernommen hatte, so konnte man hoffen, etwas Gross-\nartiges ins Werk zu setzen. Diese Hoffnung ist vollständig\nin Erfüllung gegangen, und die Stadt Iserlohn hat am 11.\nund 12. September ein Musikfest gefeiert, welches durch\ndas Vorherrschen der Instrumental-Musik einen eigentüm-\nlichen Charakter erhielt und durch die ausserordentlich\nzahlreiche Theilnahme und die begeisterte Aufnahme der\nAufführungen bewies, dass unsere Zeit den Sinn für diese"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "325", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641008-01.1.5", "texte": "Musikgattung zu einer Reife und Verbreitung gebracht\nhat, welche man früher kaum ahnen konnte.\nDie Festhalle ist massiv und in schönem Styl mit\nhohen Rundbogen-Fenstern gebaut, und von der Anhöhe,\nauf der sie liegt, überschaut man Stadt und Umgegend in\neinem Kreise von 12—15 Meilen. Hierüber waren alle\nfremden Gäste entzückt, und bot der Aufenthalt in den\nGarten-Anlagen vor der Halle bei schönem Wetter am\nzweiten Tage eine höchst angenehme Erholung dar. Am\nersten Tage war das Wetter weniger freundlich, doch\nwährend des Nachmittags ziemlich, und brachte der von\nder Bergisch-Märkischen Eisenbahn aus Veranlassung des\nFestes veranstaltete Extrazug etwa 400 Kunstfreunde aus\nElberfeld, Barmen, Schwelm, Hagen u. s. w. Ueber die\nGrossartigkeit und Schönheit des Raumes herrschte nur\nEine Stimme freudiger Anerkennung. Der Saal hat eine\nLange von 187, eine Breite von circa 80 Fuss bei ent-\nsprechender Höhe. Ringsum, in der Höhe von etwa 16\nFuss, läuft eine etwa 18 Fuss breite Galerie. Im unteren\nRäume des Saales befanden sich circa 1200 Sitzplätze und\nauf der Galerie circa 5—600. Fast sämmtliche Plätze\nwaren an beiden Tagen von einem eleganten und andäch-\ntigen Publicum besetzt. In der Mitte der westlichen Lang-\nseite befindet sich ein halbrunder Ausbau, 4 Fuss über\ndem Niveau des Saales; er ist zum Thronsaale bei den\nSchützenfesten bestimmt. Hier hatte man das Orchester\naufgeschlagen. Gleichmässig brausten die Tonwellen von\ndiesem Mittelpunkte des Saales aus in alle Enden dessel-\nben; überall hörte man gleich vorzüglich, auch konnten\ndie Zuhörer die Mitwirkenden auf diese Weise in grösse-\nrer Nähe sehen.\nNach den von Herrn Capellmeister Hiller mit Uner-\nmüdlichkeit geleiteten Proben, bei welchen das Orchester\neine wahre Hingebung zeigte, konnte man der Aufführung\nzuversichtlich entgegensehen.\nUm 4'/2 Uhr war der Saal gefüllt und Weber's\nOuvertüre zur „Euryanthe\" eröffnete das Concert des er-\nsten Festtages. Die Glanzpunkte der Solo-Leistungen an\ndiesem Abende waren Beethoven's C-moll-Concert und\nMendelssohn's Violin-Concert, ersteres wunderbar schön\nvon Herrn Hill er vorgetragen, letzteres eben so ent-\nzückend von Herrn Kömpel gespielt. Beide rissen natür-\nlich zum täuschendsten Beifalle hin. Aehnliches kann man\nvon den Gesangstücken sagen. Herr Stägemann ärntete\nals schöner Bariton ausserordentlichen Beifall, eben so die\nheitere Naivetät im Vortrage von Fräulein Kirchner und\nder classische Vortrag des Fräuleins Rothenberger.\nHerr Ale-x. Schmit von Köln spielte im ersten Theile\ndie „Ballade\" von Hiller für Violoncell mit schönem\nAusdrucke und bewundernswerter Virtuosität. Zum\nSchlüsse machte die grosse Sinfonie in C-dtir von Mozart\neine prächtige Wirkung.\nDen zweiten Tag eröffnete die Concert-Ouverture in\nA-dur von Hiller, gewiss eines seiner schönsten Instru-\nmental werke, feurig, leidenschaftlich, und rhythmisch ge-\nwaltig wirkend. Auch die Gesang-Vorträge fanden wie-\nderum grossen Beifall. Indess so schön Alles gewesen war.\nes wurde doch verdunkelt durch die glanzvolle Aufführung\nder J.-cfer-Sinfonie von Beethoven. Einem sehr grossen\nTheile der Zuhörer war sie noch ganz neu, allein man\nhörte nichts mehr von Redensarten, als: „Es Ist Musik für\nKenner\", wie sonst wohl, sondern Alles war gefesselt und\nentzückt von den herrlichen Klängen. Die ganze Versamm-\nlung war bezaubert vom Geiste Beethoven's, den Hiller aus\ndem Werke heraufbeschwor. Die Aufführung war, einige\nKleinigkeiten abgerechnet, eine würdige. Das Orchester\nspielte mit Begeisterung, die Herren Kömpel und Kö-\nnigs low standen an der Spitze der tapferen Schar. Die\nOboen, Clarinetten waren besonders in den ersten Stim-\nmen vortrefflich, überhaupt alle Bläser sehr gut; in den\nStreich-Instrumenten hätten die Mittelstimmen etwas stär-\nker sein können.\nIch muss noch auf die Solo-Vorträge des zweiten\nAbends zurückkommen. Herr Kömpel trug die Gesangs-\nscene von Spohr unvergleichlich schön vor. Herr Loos\naus Iserlohn spielte ein Pianoforte-Concert von Hill er.\nHerr Loos besitzt als Pianist eine tüchtige Technik, welche\ndie grössten Schwierigkeiten mit Leichtigkeit überwindet,\nwie denn auch seine gründliche anderweite musicalische\nBildung, die sich auch durch Composition von Orchester-\nwerken bekundet, z. B. einer Sinfonie in D-moll, welche\nin der Erfindung Talent und in der Behandlung der Form\nund Instrumentirung Geschick und Kenntniss offenbart,\nalle Achtung verdient. Ausser den oben genannten Sän-\ngerinnen erfreute am zweiten Tage uns auch Fräulein\nElise Kempel noch durch den schönen Vortrag zweier\nLieder von Schubert und Mendelssohn.\nDie Vereinigung so vieler Künstler und Kunstfreunde\nerhöhte natürlich die Freuden der Geselligkeit mehr als\ngewöhnlich, zumal da durch den Erfolg des Ganzen die\nStimmung aller Mitwirkenden und Anwesenden eine wahr-\nhaft festliche geworden war und an beiden Tagen, beson-\nders bei dem Festmahle am ersten Abende, an welchem\nüber dreihundert Personen Theil nahmen, sich durch be-\nredte Toaste und Erwiederungen in heiterster Erregtheit\naussprach."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "326", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641008-01.1.6", "texte": "Die Concerte des Herrn Ullman.\nDie Concerte, welche dieser bekannte araericanische\nImpresario mit der berühmten Carlotta Patti und an-\nderen Celebritäten für Pianoforte, Violine u. s. w. im vo-\nrigen Winter in Europa einführte, hatten einen derart\ngrossartigen Erfolg, dass er volle drei Monate mit ihnen\nam Rheine, in Holland und Belgien blieb und in dieser\nkurzen Zeit die unerhörte Einnahme von beinahe 300,000\nFrancs erzielte. Jetzt hat Herr Ullman die umfassendsten\nVorbereitungen für ganz Deutschland getroffen, und wird\ner im Laufe des Winters in jeder bedeutenden Stadt Con-\ncerte geben, deren bereits 108 arrangirt sind.\nDie Virtuosen-Gesellschaft, welche uns den nächsten\nWinter vorgeführt wird, besteht aus Carlotta Patti, dem\nPianisten Alfred Jaell, abwechselnd mit Louis Brassin,\ndem Geiger Henri Vieuxtemps, dem Cellisten Jules\nStefens aus Petersburg und Signor F err anti, erstem Ba-\nriton der italiänischen Oper in New-York und London.\nAusserdem schweben noch Unterhandlungen mit einem\nder berühmtesten Sänger in Deutschland und Frankreich.\nHerr Ullman hat einen Capellraeister, seinen eigenen Cla-\nvierstimmer und drei Secretäre, welche alle Anordnungen\nunter seiner Anleitung treffen. Das Haus Erard in Paris\nhat nicht weniger als vier seiner besten Concertflügel zur\nVerfügung gestellt, indem Herr Ullman in der Regel sechs\nConcerte in sechs verschiedenen Städten per Woche gibt;\ndenn nur dadurch wird es ihm möglich, die ungeheuren\nKosten dieser grossartigen Unternehmung zu bestreiten.\nWas die Leistungen der Carlotta Patti anbetrifft, so\nist ihre Stimme nicht stark, jedoch sehr rein, und besitzt\ndie Künstlerin bekanntlich eine fabelhafte Höhe. Sie wird\nin mancher Eigenschaft vielleicht von vielen ihrer Collegin-\nnen übertroffen, doch macht sie Coloraturen, die keine\nandere Sängerin zu versuchen wagen darf. Wenn man\nCarlotta Patti überhaupt mit anderen Sängerinnen ver-\ngleicht, so wird man finden, dass sie eine phänomenale\nSpecialität ist, deren natürliche Befähigung Bewunderung\ndurch ihre Originalität hervorruft.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\n\nliölii. C oncert-Ges ellschaft. In der bevorstehenden Sai-\nson finden in dem grossen Saale des Gürzenich unter der Leitung\ndes städtischen Capellmeisters Herrn Ferdinand Hiller zehn\nAbonnements-Concerte an folgenden Tagen Statt: den 25.\nOctober, den 8. und 22. November, den 6. und 20. December 1864,\nden .17. Januar, den 7. und 21. Februar, den 14, März und Palm-\nsonntag den 9. April 1865.\n** Soest, 23. September. Gegenwärtig ist auf der Aula des\nhiesigen Gymnasiums ein neues Orgelwerk aufgestellt, welches in\nseiner Weise Vorzügliches leistet. Die Disposition desselben rührt\nvon Herrn Musik-Director und Dom-Organisten Baake in Halber-\nstadt her und ist von den Orgelbauern Voigt und Sohn in Hal-\nberstadt zu dem ungewöhnlich billigen Preise von 655 Thlrn.\nausgeführt worden. Das Hauptwerk hat 7 Stimmen (Principal 8 Fuss,\nBordun 16 Fuss u. s. w.); das zweite Manual 3 Stimmen (Principal\n8 Fuss, Gedackt 8 Fuss, Flauto Traverso 8 Fuss); das Pedal 2\nStimmen (Subbass 16 Fuss, Principal 8 Fuss) also im Ganzen 12\nklingende Register. Der Revisor der Orgel, der rühmlichst bekannte\nComponist und ausgezeichnete Orgelspieler van Eyken aus Elber-\nfeld, gab dem Werke eines ihm bisher unbekannten Meisters ein\nsehr lobendes Zeugniss und hatte die Freundlichkeit, durch meister-\nhafte Vorträge eigener und fremder Compositionen die Vorzüge der\nneuen Orgel vor einem zahlreichen Publicum von Kunstfreunden zu\nallgemeiner Anerkennung zu bringen.\nBerlin« Königliches Opernhaus. Gastspiel des Herrn Dr.\nGunz vom Hoftheater zu Hannover. Herr Dr. Gunz, von seinem\nGastspiele am Victoriatheater bestens accreditirt, erschien als Arnold\nin Rossini's „Teil\", nachdem er kurz zuvor sich in glänzendster\nWeise als Ottavio in Mozart's „Don Juan\" eingeführt hatte. Die\nprachtvolle, edelgebildete Stimme zeigte sich in jeder Hinsicht als\nausgiebig, und nie büsste dieselbe irgendwie des Wohlklanges ein.\nDie Schwierigkeiten, welche diese Partie aufweist, überwand der\ngeschätzte Sänger ohne jedwede Kraftanstrengung. Glockenrein ent-\nglitten die Töne seiner Kehle, und bleibt noch besonders die Weich-\nheit und Milde der Höhe zu loben, welche bei den meisten Sängern\nstets etwas Sprödes, Gezwungenes oder Scharfes erhält. Die schönsten\nMomente waren das allbekannte Duett: „O Mathilde!\" dann das\nDuett im zweiten Acte; ferner das Terzett in eben demselben Acte,\nso wie die gewöhnlich fortbleibende Auftritts-Arie im dritten Acte.\nDie Intonation war musterhaft rein, eben so die Aussprache. Im\nVortrage offenbarte sich Innigkeit des Gefühls und Leidenschaftlich-\nkeit. Beifall und Hervorruf gaben Herrn Dr. Gunz wohl das beste\nZeugniss, wie sehr er sich die Zufriedenheit der Zuhörer erworben.\nDie Rolle der Mathilde, eine herrliche Leistung unserer Frau Har-\nriers-Wippern, welche leider uns noch für lange Zeit wird entzogen\nbleiben, gab eine Kunst-Novize, Fräulein Metzdorff von St. Pe-\ntersburg. Wir hörten die genannte Dame, welche von blendender\nSchönheit ist, zum ersten Male. Fräulein Metzdorff besitzt zwar eine\nwohlklingende, von Fehlern freie Stimme, jedoch ist dieselbe zu\nschwach, um eine Räumlichkeit wie unser Opernhaus mit Erfolg\nauszufüllen. Die Art und Weise des Vortrages zeugt von einer ge-\nwissen Feinheit und Eleganz, die Intonation war tadellos. Sollte\nFräulein Motzdorff wirklich für die Hofoper engagirt werden (wovon\nwir der jungen Dame im eigenen Interesse abrathen, da es besser\nfür sie wäre, an einem guten Stadttheater sich erst Routine zu er-\nwerben), so wäre eine Unterweisung in der Kunst, auf der Bühne\ngehen und auch stehen zu lernen, recht sehr am Platze. Man ist\nin diesem Punkte gegen Novizen zu tolerant. Die prachtvolle Ouver-\ntüre wurde vom Orchester vorzüglich ausgeführt und leitete Herr\nMusik-Director Rob. Radecke die ganze Oper mit grosser Sorgfalt.\nHerr Julius Oertling, als Violinist und speciel als Quartett-\nspieler seit Jahren rühmlichst bekannt, hat im Vereine mit den\nHerren Döllen, Kahle und Zürn in Berlin seine Quartett-\nAbende eröffnet. Bei der fast gänzlich mangelnden (?) öffentlichen-Pflege\ndes Streich-Quartetts ist dieser Zuwachs für unser Musikleben um\nso freudiger zu begrüssen, als der sehr niedrig gestellte Eintrittspreis\nauch minder Bemittelten den Besuch dieser in Sommer's Salon Statt\nfindenden Quartett-Unterhaltungen gestattet."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "327", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641008-01.1.7", "texte": "Das Gewandhaus beginnt seine Concerte Anfangs,\ndie Euterpe ihren Cyklus wohl erst Ende October. Im Gewandhause\nist als Novität schon jetzt die Abert'sche Columbus-Sinfonie be-\nstimmt, von der Euterpe ist der jüngst in Karlsruhe mit Enthusias-\nmus aufgenommene Liszt'sche Psalm in Aussicht genommen. Als\nDirigent für letztere Gesellschaft ist v. Bermuth, zum Concertmei-\nster der begabte Componist und Violinspieler Joseph Huber,\ngegenwärtig mit einer Oper, „Die Rose vom Libanon\", beschäftigt,\ngewählt.\nDie Stadt Chemnitz gehört noch zu den wenigen Städten, in\nwelchen in den evangelischen Kirchen die Tonkunst nicht bloss\ndurch den Choralgesang der Gemeinde, sondern auch durch die Auf-\nführung von geistlicher Musik durch einen städtischen Kirchen-\nmusik-Sängerchor zur Erbauung beim Gottesdienste mitwirkt.\nDaselbst kommen während der drei letzten Monate des laufenden\nJahres in der St. Jakobi- und St. Johanniskirche folgende Werke\nzur Aufführung :\nDen 2. October. Der VI. Psalm von Th. Schneider. Chor\na capella von G. Nebling. Den 9. October. Chor von M.\nHauptmann. Chor von Händel. Den 16. October. Chor von\nM. Hauptmann. Chor von Händel. Den 23. October. Schluss-\nchor aus dem 42. Psalm von F. Mendelssohn. Chor von F.\nMöhring a capella. Den 30. October. Dasselbe (mit Wechsel\nder Kirchen). Den 31. October. Reformationsfest. Figurirter Cho-\nral mit Orchester: „Ein7 feste Burg\", von O. Nicolai. Chor von\nJ. S. Bach a capella. Den 6. November, Gloria aus der Messe\nvon Rob. Schumann. Motette von Joh. Brahms a capella: „Es\nist das Heil uns kommen her\". Den 13. November. Dasselbe.\nDen 20. November. Chor: „Selig sind die Todten\", von A. W. Bach.\nAm ersten Weihnachtstage. Der 24. Psalm nach Herder's Ueber-\n-0\nSetzung von F. Schneider (2 Soli mit Chor. Fuge: „Jehovah, der\nGötter Gott\"). Chor: „Vom Himmel hoch\", von C. F. Richter a\ncapella. Am zweiten Weihnachtstage. Dasselbe.\nAm 24. September trat der geschäftsführende Ausschuss des\ndeutschen Sängerbundes mit dem dresdener Local-Fest-Aus-\nschusse zu gemeinsamer Berathung der Grundzüge des im künftigen\nJahre in Dresden abzuhaltenden allgemeinen deutschen Sängerfestes\nzusammen. Die Vorschläge, welche der geschäftsführende Ausschuss\ndes deutschen Sängerbundes dem Fest-Ausschusse gemacht, fanden\nals Haupt-Grundzüge für das erste Bundesfest des deutschen Sänger-\nbundes allseitige Annahme. Danach wird das erste Bundesfest des\ndeutschen Sängerbundes am 22. Juli 1865 in Dresden gehalten und\n3—4 Tage dauern. Zur Theilnahme berufen sind die Mitglieder des\ndeutschen Sängerbundes, ausser denselben die österreichischen, am\nEintritte in den Bund noch verhinderten Sängerbünde; Einzelvereine\nnur, sofern ihnen der Eintritt in einen Bund unmöglich ist; unbe-\nschränkt: die deutschen Sängervereine im Auslande. Der eidgenös-\nsische Sängerverein wird zum Feste geladen. Die definitive Feststel-\nlung derjenigen Piecen, welche in das Programm der musicalischen\nAufführung aufzunehmen, ist der Musik-Commission zu überlassen.\nDie Preisrichter-Commission, welche die auf dem Wege der Concur-\nrenz einlaufenden Compositionen zu prüfen hat, besteht aus Musik-\nDirector Otto, Hof-Capellmeister Dr. Rietz und Hof-Capellmeister\nAbt. Wettgesang und Preisverteilung findet nicht Statt, Einzel-\ngesänge von Sängerbünden oder Einzelvereinen (mit der Minimalzahl\nvon 60 Sängern) sind zugelassen. Mit dem Feste ist ein Sängertag\ndes deutschen Sängerbundes (Abgeordneten-Versammlung) verbunden.\nW teil. Ander's Wiederauftreten als Arnold in „Teil\" ge-\nstaltete sich zu einem Feste, aber mit wechselndem Charakter. Man\nbegrüsste sein Erscheinen äusserlich mit langanhaltendem, rauschen-\ndem Beifall, innerlich mit der Hoffnung, den langentbehrten Liebling\nso gekräftigt zu finden, um des Genusses seiner Leistungen nunmehr\nhäufiger theilhaftig zu werden. Das Beglückwünschungsfest verwan-\ndelte sich indessen bald in eine Abschiedsfeier, denn nach wenig\nTacten seines Gesanges durfte man sich keiner Täuschung über die\nNotwendigkeit hingeben, sich in den Gedanken einer abermaligen\nzeitlichen Trennung zu fügen, um diesen trefflichen Künstler nicht\nfür immei zu veilieren. Es ist übrigens ein Irrthum, wenn man\nglaubt, Anderes Stimme sei geschädigt, und einem mit nur einiger\nMaassen psychologisch geschärftem Blicke begabten Beobachter\nkonnte es nicht entgehen, dass der Sitz des Uebels anderswo zu\nsuchen sei, als in der Kehle dieses Sängers. Seine Stimmmittel sind\nheute thatsächlich nicht um ein Jota anders, als sie vor drei bis\nvier Jahren gewesen sind. Er hat sein hohes A und B, wie er es\nvordem gehabt hat, ja, Ivenner des Gesanges werden gefunden haben,\ndass Ander die T. öne jetzt freier anschlägt, als früher, wo er sie\ngrösstenteils im Halse bildete. Aber wenn.Ander heute auch Wach-\ntel's Kiesenstimme besässe, so würden die Wirkungen seines Gesan-\nges nichts desto weniger problematisch bleiben, so lange er ein Raub\nnervöser Aufregungen ist, die, zeitweise bis an die Bewusstlosigkeit\ngränzend, ihm die Herrschaft über seine Mittel völlig entziehen.\nVollständiges Heraustreten aus der Atmosphäre des Theaters für\nlängere Zeit, Ort- und Luftveränderung können allein die sein Wir-\nken alterirenden Mächte beschwichtigen.\nDie U nverschämtheit, mit der einige hier erscheinende lithogra-\nphirte Correspondenzen Lügen verbreiten, ist sattsam bekannt. Am\nfrechsten aber treibt der hier erscheinende lithographirte „Bote aus\nder Theater weit\" das Handwerk. Derselbe hat in der letzten Zeit\nüber eine ganze Reihe von schauerlichen Unglücksfällen und ande-\nren \\ orfällen auf verschiedenen Bühnen berichtet, die durch wiener\nund später durch auswärtige Blätter veröffentlicht wurden und nun\nsämmtlich als kecke Erfindungen bezeichnet werden, die wir hier\nberichtigen. So ist die Geschichte von einer in der Nähe von Zürich\nauf dem See Statt gefundenen Yorstellnng eine Lüge die Nach-\nricht von einem schrecklichen Unglücke im Theater zu Magdeburg\nist erfunden und neuestens wird auch die umständliche Beschrei-\nbung einer „Keilerei im Orchester zu Karlsruhe\" vom Director\nEduard Devrient einfach als Lüge bezeichnet.\nDas vollständige Programm der diesjährigen „Philharmonischen\nConcerte\" umfasst nachstehende Compositionen: Suite in D, Violin-\nConcert von Bach; Ouvertüre, Op. 115, und Sinfonieen Nr. 1, 5, 8\nund 9 von Beethoven; Trauerspiel-Ouverture (neu) von Bargiel;\nOuvertüre „Jota aragonaiseu (neu) von Glinka; Sinfonie in D von\nHaydn ; Sinfonie in A-moll, Sommernachistraum, Walpurgisnacht,\nOuvertüre zu Athalia und Ouvertüre zu Meeresstille von Mendels-\nsohn ; Sinfonie Nr. 3, Ouvertüre zur Braut von Messina (neu), Ouver-\ntüre zu Manfred von Schumann; Suite (neu) von Esser; Sinfonie in\nC von Mozart; „Tasso\" (neu) von Liszt; „Die Nixen\" (neu) von\nRubinstein; Aufforderung zum Tanze von Carl Maria von Weber,\ninstrumentirt von Hector Berlioz ; Jagd-Ouverture von Mdhul; Con-\ncert-Ouverture von Louis Spohr.\nDie Firma C. A. Spina in WTien bereitet eine neue, kritisch\nrevidirte Ausgabe mehrerer Compositionen von F. Schubert vor.\nHerr Hof-Capellmeister J. Herbeck, dessen Verdienste um Schu-\nbert schon so vielfache Anerkennung gefunden haben, hat die Re-\ndaction derselben übernommen. Auch das Oratorium „Lazarus\" be-\nfindet sich bereits im Stiche.\nAm 15. September wurde zu Neapel der erste musicalische\nCongress von Italien eröffnet. Es hatten sich von auswärtigen\nStädten mehr als hundert Mitglieder musicalischer Akademieen und\nConservatorien eingefunden, darunter auch Mercadante, der erblin-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "328", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641008-01.1.8", "texte": "dete Nestor der italiänischen Musiker. Der provisorische Alters-Prä-\nsident Fioravanti eröffnete die Sitzung. Maestro Taglioni las hierauf\neine Abhandlung über die Zustände der gegenwärtigen italiänischen\nMusik und über die Mittel zur möglichsten Hebung der Kunst, und\nschlug dem Congresse folgende drei Gegenstände zur Erwägung\nvor: Aufmunterung talentvoller Componisten, Neuerrichtung und\nUmgestaltung der musicalischen Anstalten, Gründung einer allgemei-\nnen Gesellschaft zu gegenseitiger Unterstützung unter den Pflegern\nder musicalischen Wissenschaft und Kunst. Auf Taglioni's Vorschlag\nwurde Mercadante einstimmig und mit Beifall zum Ehren-Präsiden-\nten ernannt. Sodann sprach der Präfect von Neapel, d'Afflitto, und\nermahnte zu gemeinsamen Bestrebungen, um für Italien den musi-\ncalischen Primat wieder zu erringen, den es im vorigen Jahrhun-\ndert besass. Taglioni wurde zum wirklichen und Beretta zum Vice-\nPräsidenten erwählt. Während der Wahlen traf ein telegraphischer\nGruss vom Maestro Pacini ein, welcher mit gebührendem Danke\nerwiedert wurde. Am 16. Abends fand sodann die erste Sitzung\nStatt. Am 17. war Privat-Concert, wobei der Rossini-Chor Merca-\ndante's zur Aufführung kam; die grosse öffentliche Akademie sollte\nwahrscheinlich erst am 30. September Statt finden. Die Anregung\nzu diesem Congresse ging von Ferd. Buonamici, dem Gründer des\nmusicalischen Vereins gleichen Namens, aus.\nIn London fand kürzlich eine interessante Versteigerung Statt,\nbei welcher mehrere Sammlungen von Madrigalen, deren Ursprung,\nsowohl Gedichte als Musik, bis in die Zeit der Königin Elisabeth\nzurückfällt, dem Meistbietenden für die Summe von 200 Pf« Sterl.\n(2400 Fl.) zugeschlagen wurden. Bemerkenswerth ist, dass die näm-\nlichen so höchst interessanten Exemplare im Jahre 1777 für die\nSumme von 3 Pf. 10 Sh. (42 Fl.) ebenfalls öffentlich verkauft wurden.\nEine Componir-Maschine. Bekanntlich befassen sich die\nTechniker bereits seit längerer Zeit mit der Erfindung einer Com-\nponir-Maschine, d. b. einer Maschine, welche dem Componisten es\nermögliche, seine musicalischen Gedanken, denen er durch das Cia-\nvier Ausdruck verleiht, in sichtbaren Zeichen zu fixiren. Nachdem\nalle bisherigen Experimente dieser Art misslungen waren, soll es\ndem seit einigen Jahren in Paris ansässigen Pianisten und Compo-\nnisten J. F. Endres aus Mainz derselbe ist Musik-Director der\ndeutschen Liedertafel in Paris geglückt sein, eine Vorrichtung\nzu erfinden, welche dem angestrebten Zwecke nicht bloss entspräche,\nsondern so weit darüber hinausginge, dass die Tragweite ihrer Wir-\nkung noch gar nicht zu berechnen wäre. Die in Rede stehende\nComponir-Maschine, deren innere Organisation noch Geheimnissist,\nlässt sich an jedem alten und neuen Tasten-Instrumente, wie Orgel,\nCiavier u. s. w.? mit geringer Mühe und wenig Kosten anbringen,\nohne dem Instrumente selbst die geringste Beeinträchtigung zuzufü-\ngen, und ist, obgleich für beliebig viele Octaven berechnet, doch\nvon so geringem Umfange, dass man sie unter oder hinter dem In-\nstrumente ganz verbergen kann. [?] Vom innerlichen Mechanismus ab-\ngesehen, bestehen die äusserlich zur Erscheinung kommenden Vor-\nrichtungen der Maschine darin, dass ein etwa zwei Zoll breiter Strei-\nfen gewöhnlichen Papiers ohne Ende an der einen Seite sich in die\nMaschine hineinrollt und an der anderen Seite roth liniirt und mit\nNotenzeichen u. s. w. schwarz bedruckt wieder zum Vorscheine\nkommt. Die Maschine gibt jede Note auf oder zwischen den Linien\nan, welche auf der Taste angeschlagen wird, und zwar nicht bloss\nderen Benennung, c d e u. s. w., sondern auch deren Zeitwerth in\nden üblichen gewöhnlichen Schriftzeichen (Notenköpfeu), d. h. sie\ndruckt die Note in der Form einer 1/S2J !/16> VB> 7a> V 2 unc* ganzen\nNote, gibt an, ob dieselbe punktirt ist oder nicht, markirt die Pau-\nsen, die Forte und Piano, wo das Pedal wirkt und zu wirken auf-\nhört, zeichnet die Tactstriche, mit Einem Worte, schreibt die Mu-\nsikstücke nieder, so dass der Feder fast keine Nachhülfe übrig\nbleibt. Jeder Bewegung des Spielers willig wie die Finger seiner\nHand Folge leistend, bewegt sich der Mechanismus in 3/4- oder\nTacten (alle anderen Tactarten lassen sich auf diese zurückführen)\nund eilt oder zögert nach Belieben. Aber mehr noch, dieselbe trans-\nponirt auch augenblicklich jedes Musikstück aus der einen in die\nandere Tonart. [!] Ermöglicht so dieser Mechanismus dem Componisten,\nseine Phantasieen und musicalischen Gedanken sofort in den ge-\nwöhnlichen Zeichen zu Papier zu bringen, so gestattet derselbe aus-\nserdem, von jedem Musikstücke sofort Copie zu nehmen, für Instru-\nmental-Musik die einzelnen Stimmen aus der Partitur auszuschrei-\nben, die Schüler zu controliren, ob sie richtig spielen (denn sie\nmarkirt jeden Fehler) und ob sie gewisse Stellen so und so viel Mal\ngeübt haben, dem Tauben, zu sehen, was er gespielt, und dem Leh-\nrer, ohne dass er neben dem Schüler sässe (also par distance), Un-\nterricht zu geben u. dgl. mehr. Wenn die neue Erfindung sich in\nAllem bewähren sollte, woran man nach den gemachten Experimen-\nten kaum zweifeln kann, so wird durch dieselbe jedenfalls eine\nArt von Revolution in der musicalischen Welt hervorgerufen\nwerden. (??)\n\n(K. Z.)"}]}