{"numero_id": "bm-bmtnabi-1864-10-22-01", "volume": "bmtnabi_1864-10-22_01", "ocr_sha256": "0323450200a878ec1b3f703a49f46d0bbb47be077151ca937b12afc0a85783bd", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1864/10/22_01/bmtnabi_1864-10-22_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641022-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1864-10-22-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-10-22_01#c001", "volume": "bmtnabi_1864-10-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "337", "page_fin": "337", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641022-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "337", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641022-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 465, "texte": "Inhalt.\nAus Carl Maria von Weber1 s Briefen. Das Orgelspiel in America. Bericht aus Boston. (Aus Dwight's Journal\nof Music in Boston.) Jahresbericht des Wiener Männer-Gesangvereins für das Vereinsjahr vom 4. October 1863 bis 7. October 18C>4.\nAus Dresden (Musik-Programme für die bevorstehende Winter-Saison Deutscher Sängerbund Professor Faisst). Tages- und\nUnterhaltungsblatt (Mannheim, neue Orchester-Stimmung München, Musik-Director F. Wüllner, Conservatorium)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-10-22-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-10-22_01#c002", "volume": "bmtnabi_1864-10-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "337", "page_fin": "340", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641022-01.2.2", "titre_corps": "Aus Carl Maria von Weber’s Briefen.", "titre_sommaire": "Aus Carl Maria von Weber’s Briefen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "337", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641022-01.1.1", "debut_caractere": 467, "fin_caractere_exclue": 3854, "texte": "Aus Carl Maria von Weber’s Briefen.\nAn Rochlitz.\nBerlin, 14. April 1812.»\nLange Zeit hat mir kein Brief so herzliche Freude\ngemacht, als der Ihrige vom 22. Februar, den ich den\n28. erhielt. Ein doppelter Vorwurf entspringt freilich dann\ndaraus, dass ich ihn so lange unbeantwortet liess; aber\nwenn man so zwei Concerte in einer weitläufigen Stadt\nwie Berlin zu veranstalten hat, und doch auch gern mit\neiner gewissen Seelenruhe sich einem solchen Briefe wid-\nmen möchte, so ist dies wohl eine kleine Entschuldigung.\nAch lieber Gott! Künstlerstolz soll es sein; ja, wenn es\nnoch das wäre! Künstler - Faulheit könnte es eher sein,\ndie ist es aber hier auch nicht. Eigentlich ist der verdammte\nFink daran schuld. Ich wollte so gern nicht mit leeren\nHänden erscheinen und die Anzeige seiner Lieder beilegen,\nund da ich denn dazu gar nicht kommen konnte, so floss\nein Tag nach dem anderen in den Strom der Zeiten da-\nhin und ich konnte so warm ich auch Ihr Andenken\nim Herzen trug, und so oft ich Ihren lieben Brief\ndurchlas, nicht den Augenblick erhaschen, es Ihnen auch\nzu sagen.\nErst nach Empfang Ihres Briefes konnte ich\neinmal der Musik-Zeitung habhaft werden, wo ich mit\ngrossem Vergnügen die ehrenvolle Erwähnung unseres\nleipziger Aufenthaltes von Ihrer Hand las. Leider stehe ich\nnun ganz allein. Bärmann hat mich seit dem 28. März\nverlassen ist in seine Heimat, zu seinen Lieben und\nFreunden geeilt, und ich treibe mich unter fremden See-\nlen und Gesichtern herum u. s. w.\nMit einem Opern-Gedichte geht es mir noch immer\nübel. Ihren Rath habe ich mir wohl hinter's Ohr geschrie-\nben, aber die verdammten Dichter (nichts für ungut) sind\nso schwer habhaft zu werden. Herr Julius von Voss hier\nhat Talent und Leichtigkeit, aber eben so viel Faulheit\nund zehn Mal so viel Eigensinn .\nAn Danzi.\nBerlin, am 14. Juli 1812.\nMein lieber, alter Freund!\nSie werden recht böse sein, dass ich Ihnen auf Ihren\nlieben Brief vom 3. Juni, den ich den 14. richtig erhielt,\nnicht eher geantwortet habe. Aber wenn ich Ihnen sage,\ndass ich mit dem Einstudiren meiner Sylvana beschäftigt\nwar und noch ein paar neue Arien dazu schreiben musste,\nweil mir die alten nicht mehr gefielen, so werden Sie mich\ngewiss entschuldigen. Ich ergreife den ersten freien Augen-\nblick, um Ihnen, mein lieber, gewiss Antheil nehmender\nFreund, die glänzende Aufnahme meiner Sylvana zu mel-\nden. Den 10. war sie zum ersten Male und wurde trotz\naller der hunderttausend Cabalen und Verleumdungen mit\neinstimmigem Beifalle aufgenommen. Nach jedem Acte er-\nscholl ein lautes: Bravo, Weber! Ich dirigirte sie selbst\nund sie ging vortrefflich. Ich habe sie nun zum ersten\nMale wahrhaft so gehört, wie ich sie mir dachte, und\neinige kleine Abänderungen sind ihr sehr zum Vortheile\nausgeschlagen. Heute ist sie wieder. Dass Sie so lleissig\nsind, freut mich unendlich. Sie zahlen der Welt den Tri-\nbut, den Sie ihr, durch Ihr herrliches Talent dazu verpach-\ntet, schuldig sind u. s. w. Der münchener Kecensent der\nMusik-Zeitung ist erstlich ein Rindvieh und übrigens ein\nEsel. Zum Glück kann man nur lachen über solches Zeug.\nVon Hiemer höre ich nichts. Ich brauche ein neues\nSujet so sehr nothwendig, da ich eine Oper für das pra-\nger Theater zu schreiben habe. Ende dieses Monats ver-\nlasse ich Berlin und gehe auf zwei Monate nach Gotha\nzum Herzoge, der sehr gütig gegen mich ist, und wo ich\nviele Müsse zum Arbeiten haben werde."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "338", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641022-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5266, "texte": "An Rochlitz.\nBerlin, 25. April 1812.\nWenn ich Ihnen heute sehr zerstreut und ab-\ngerissen schreibe, so rechnen Sie dies nicht mir, sondern\neinem traurigen Ereignisse zu, das mich niederbeugt. Mit\nIhrem Briefe zusammen erhielt ich die Nachricht von dem\nTode meines geliebten Vaters, und so sehr ich bei einem\n78jährigen Greise darauf vorbereitet war, so sehr hat es\nmich doch erschüttert. Ich stehe nun ganz allein. Und nur\nder Trost, hin und wieder in eines Freundes Brust zu le-\nben, hält mich aufrecht. Sie haben vollkommen Becht, dies\nlange Umherschweifen macht schlecht, und so lange ich\ndies noch fühle, ist es gut; aber leider gibt es erstlich nur\ndiesen Weg, sich schneller bekannt zu machen und viel-\nseitige Bildung zu erlangen, und zweitens ist es schwer\nfür mich, einen Wirkungskreis zu finden, wo ich wahrhaft\nder Kunst zum Nutzen leben kann, denn mich bloss füt-\ntern zu lassen ohne bedeutende Thätigkeit, wäre mir un-\nerträglich. Kommt Zeit, kommt Bath. Ich gehe ruhig mei-\nnen Weg, bin so fleissig, wie möglich, und suche wenig-\nstens, mir keine Vernachlässigung oder Versäumung zu\nSchulden kommen zu lassen. Alles Uebrige empfehle ich\nmeinem Stern. Mit meiner Sylvana geht es langsam, wie\nhier Alles geht. Doch wird es gehen u. s. w.\nAn Lichtenstein.\nWeimar, 1. November 1812.\nWenn ich Dir auf Deinen theuren Brief vom 5. B=,\nden ich d. 10. in Gotha erhielt, nicht früher antwortete,\nso lag es bloss daran, dass ich nie eine so recht freie Mi-\nnute finden konnte, wie ich sie gern habe, wenn ich recht\nruhig aus mir heraussprechen und mit dem Bruder kosen\nwill. Nimm mich also heute, wie ich bin: zerstreut\nund verdriesslich.\nOhne Ursache bin ich es auch nicht. Du weisst, dem\nthätigen, gern nach bestimmten Zwecken handelnden Manne\nist nichts unerträglicher, als im Ganzen durch kleinliche\nDinge gestört oder gedrängt zu werden. Ich habe so viele\nArbeiten vor mir, dass es mir immer ganz wehe ums Herz\nwird, wenn ich sie überschaue, und häufig erzeugt dies\neine gewisse peinliche Aufwallung, in der man am aller-\nwenigsten etwas zu leisten im Stande ist. Ich bin ohnedies\nimmer so gewissenhaft und auf der Folter, wenn ich ar-\nbeite; oft verzweifle ich an mir selbst und meinem Genius\nund glaube mich zu schwach, ein Werk nach der Grösse\nmeiner Ansicht, meines Wunsches vollenden zu können.\nNur der Gedanke, dass mir das schon oft so gegangen,\ndass ein glücklicher Erfolg immer noch die Pein belohnt\nhabe, hält mich aufrecht. Ich habe nun vor allen die zwei\ndrängendsten Arbeiten vorgenommen. Erstlich ein neues\nClavier-Concert, da ich nur eines besass, und dann eine\n11 y mne von Bochlitz, die den 1. Januar in Leipzig aufge-\nführt werden soll und daher spätestens im Laufe dieses\nMonats geboren sein muss. Eine Menge ekelhafter, zeit-\nraubender Arbeiten hielt mich bis jetzt auf. Das genaue\nDurchsehen der Abschriften der zum Stich bestimmten\nManuscripte. Das Aufschreiben von alten Variat. für die\nGrossfürstin. Eine grosse italiänische Scene mit Chören für\nden Prinzen Friedrich u. s. w.; alle diese Dinge fressen die\nZeit. Nun, da ich eben im Zuge war und das erste Allo.\ndes Concerto entworfen habe, bekomme ich einen schleu-\nnigen Buf von der Grossfürstin hieher. Da das eine Brodt\nSache ist, so muss ich folgen, dachte in 3 4 Tagen er-\nlöst zu sein —ja, gehorsamer Diener, da führt der Teufel\nden Fürsten Kurakin herbei, natürlich wird dem die Zeit\ngewidmet und ich muss um so länger bleiben. Es ist zum\nVerzweifeln. Hier kann ich nicht arbeiten, habe kein In-\nstrument u. s. w., werde überlaufen, und muss wieder Vi-\nsiten schneiden. Die Grossfürstin will gern die Sonate unter\nmeiner Leitung lernen, hat aber selbst schon öfter gesagt,\nsie glaube, sie lerne sie in ihrem Leben nicht ordentlich;\nund wenn sie keine Grossfürstin wäre, würde ich so frei\nsein, ihr vollkommen Becht zu geben, aber so muss\nman sehen, wie weit man es bringt.\nMit voller Seele unterschreibe ich, was Du über\nden Menschen sagst; Du hast sehr Becht, mich zu tadeln,\ndass die Betrachtungen der Jämmerlichkeit im Leben noch\nim Stande sind, mich zu verstimmen. Aber versetze Dich\nauch etwas in meine Lage: bedenke dies ewige Allein-\nstehen. Bechne dazu Legionen der traurigsten Erfahrun-\ngen, die mitten im höchsten Glauben an gute, treue We-\nsen mir ihren Zweifel gewaltsam aufdrängen.\nDeine Weigerung wegen des Abdruckes des Weber-\nspruches billige ich ganz. Doch scheinst Du mich nicht zu\nverstehen, wenn Du glaubst, ich habe ihm bloss desshalb\nPublicität gewünscht, weil es mir lieb sein müsste, etwas\nüber mich gedruckt zu sehen. Nein! Die Bedaction der\nEleg. Z. bat um die Mittheilung, nachdem sie ihn gelesen,\nehe ich daran dachte, ihn dazu anzubieten. Es ist allerdings\nein notwendiges Zeit-Uebel, dass man wünschen muss,\nsich oft in jenen literarischen Speisezetteln als currendes\nGericht, als Bagout und gar Braten mit aufgeführt zu\nsehen, aber glaube mir, dass ich sehr darin unterscheide,\nund es mir gar nicht lieb wäre, wenn Du Dich durch jenen\nleisen Wunsch veranlasst gefühlt hättest, wie Du mir\nschreibst, ein andermal etwas über mich zu sagen; ich\nhoffe und weiss, wir verstehen uns beide.\nIch bleibe bis Ende November in Gotha; ich glaube,\nunter uns gesagt, dass der Herzog nicht übel Lust hätte,\nmich bei sich zu behalten; auch in Dresden könnte ich"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "339", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641022-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4910, "texte": "vielleicht eine Anstellung haben. Ob ich aber Drang dazu\nfühle, das ist eine andere Sache. Doch ich glaube, es würde\nmir beinahe schwer werden, bei bedeutenden Anträgen\neinen Entschluss zu fassen.\nGoethe habe ich einmal recht angenehm genossen.\nHeute ist er nach Jena gereist, um den dritten Theil sei-\nner Biographie zu schreiben. Hier kommt er nicht dazu.\nEs ist eine sonderbare Sache mit der näheren Vertraulich-\nkeit Eines grossen Geistes. Man sollte diese Herren nur\nimmer aus der Ferne anstaunen.\nMad. Schopenhauer grüsst Dich und Ihren Sohn.\nSie macht ein angenehmes Haus und ist die Einzige, wo\nich öfters hingehe. Vorgestern war ich bei Falk, der mir\nviele seiner neuen Gedichte vorlas, ein Cvklus unter dem\n* «J\nNamen Seestücke. Er las nur vier Stunden hinter\neinander. Bei solchen Gelegenheiten wird es mir immer\nganz angst, und ich griff geschwind in meinen Busen, ob\nich es denn auch schon öfter so gemacht habe, und die\nLeute, weil ich zu viel gab, abspannte? Es kann mir wohl\npassirt sein; warum sollte ich besser und klüger sein, als\nAndere?\nNun lebe wohl, lieber Brüden Grüsse alle Bekannten\nund Freunde aufs herzlichste. Weber.\nAn Caroline Brandt.\nTon na, 14. September 1814.\nDas uralte Schloss, in dem ich hause und in\ndessen schauerlichen Gemächern, beim Klappern aller Fen-\nster und Thüren, ich diese Zeilen schreibe, umfasst mich\nrecht wohlthätig mit seiner Stille und gibt mir im geist-\nvollen Umgange des Herzogs eine gewisse gemüthliche\nRuhe, in der ich recht viel zu arbeiten und zu leisten im\nStande wäre, wenn ich lange genug da hausen könnte und\nnicht gewisse anderweitige Gefühle mich hinweg landein-\nwärts zögen und sich gar lieblich zudringlich in alles Den-\nken und Trachten einmischten.\nIch kutschirte heraus mit der gewissen ängstlichen\nEmpfindung, die ich immer habe, wenn ich Jemand la nge\nnicht gesehen habe, und vielleicht kälter, als ich erwarten\nzu können berechtigt zu sein glaube, empfangen würde.\nDies war nun aber hier ungegründete Furcht, denn der\nHerzog empfing mich so herzlich, als man nur empfangen\nwerden kann. Nach Tische fuhr ich gleich mit ihm nach\nLangensalze, wo ein Naturalien-Cabinet besehen und der\nThee bei einem Herrn von Seebach eingenommen wurde.\nDen 13. componirte ich zwei neue Lieder, ord-\nnete meine Papiere und brachte von 11 Uhr Morgens den\nganzen Tag bis 11 Uhr Nachts beim Herzoge zu, wo na-\ntürlich auch Gurgel und Finger herhalten mussten.\n(Mit den beiden hier so einfach erwähnten Liedern\nwar die Blüthe aufgegangen, die der Sonnenschein des\ngrossen National-Enthusiasmus in Berlin aus Weber's Seele\nhervorgelockt hatte, die neue Bahn eingeschlagen, die ihn\ngerader Richtung auf den Höhepunkt eines herrlichen\nSeitenpfades seines Talentes, an die Pforten des Böhmes\nund der echtesten, wohlbegründetsten Popularität führen\nsollte. Es waren keine anderen als „Lützow's wilde\nJagd\" und das „Sch wertlied\", die wie der tönende\nAthemzug der Begeisterung selbst aus dem dunkeln, wal-\ndesgrünen Arbeitszimmerchen im alten Schlosse Tonna in\ndie ideen- und thatenwogende Welt hinausbrausen sollten.)\nAn Rochlitz.\nPrag, 14. März 1815.\nLeier und Schwert sind meine letzten Kinder,\nmögen Sie Ihnen auch lieb werden. Die vierstimmigen\nhabe ich hier im Concerte mit 16 Stimmen gegeben, wo\nsie grossen Enthusiasmus erweckten. Die vier mit Clavier-\nßegleitung sprechen sich selbst aus; nur wünschte ich, dass\nSie in dem Gebete während der Schlacht in der\nClavier-Begleitung nicht etwa ein Schlachtgemälde sehen\nsollten, nein, das Malen liebe ich nicht, aber die wogende\nEmpfindung in der Seele des Betenden während der Schlacht,\nindem er in einzeln betenden, andächtigen, langen Accen-\nten zu Gott mit gepresster Seele ruft die wollte ich schil-\ndern. Verzeihung, wenn ich Ihnen so etwas bemerke.\nDie Gesänge des Herrn Wieck werden mir ein ange-\nnehmes Geschenk sein, denn ich halte es für einen schön-\nsten Lohn, wenn mein Streben und Wirken ein empor-\nstrebendes Gemüth erheben und zum Guten und Schönen\nzu leiten im Stande ist. Ich bitte Sie, ihm im voraus mei-\nnen besten Dank für diesen Beweis seiner Achtung zu be-\nzeigen.\nIhre unermüdliche Thätigkeit für die Kunst durch Ihre\nConcerte ist wirklich bewundernswert!), und mögen nur\nLeipzigs Bewohner es auch gehörig zu würdigen wissen.\nDass ich an meiner Symphonie Manches jetzt anders schrei-\nben würde, das weiss Gott; ich bin eigentlich mit nichts\ndarin ganz zufrieden, als mit der Menuette und allenfalls\ndem Adagio das erste Allegro ist ein toller Phantasie-\nsatz, im Ouverturen-Stile allenfalls, in abgerissenen Sätzen,\nund das Beste konnte ausgeführter noch sein. ich\nschrieb sie in meinem 16. Jahre.\nSie können Sich darauf verlassen, liebster Freund,\ndass Sie bald nach Ostern eine vollständige Relation über\ndas ichligste in den zwei Jahren, die ich in Prag hause,\nerhalten. Ich warte nirr lmc.li» da« Ende der zahllosen Con-\ncerte ab. Materialien habe ich liegen und Zeit ist es, dass\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "340", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641022-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1042, "texte": "die Welt endlich einmal erfährt, dass Prag auch noch in\nder Kunstwelt lebt und zu zählen weiss.\nIch habe jetzt ein Clavier-Concert in F-moll im Plane,\nda aber die it/b/Z-Concerte ohne bestimmte, erweckende\nIdee beim Publicum selten wirken, so hat sich so ganz selt-\nsam in mir unwillkürlich dem Ganzen eine Art Geschichte\nuntergeschoben, nach deren Faden die Stücke sich reihen\nund ihren Charakter erhalten, und zwar so detaillirt und\ngleichsam dramatisch, dass ich mich genöthigt sehen werde,\nihnen folgenden Titel zu geben: Allegro, Trennung;\nAdagio, Klage; Finale, höchster Schmerz,\nTrost, Wiedersehen, Jubel.\nDa ich alle betitelten Tonbilder sehr hasse, so wird\nes mir höllisch sauer, mich selbst an diese Idee zu gewöh-\nnen, und doch drängte sie sich mir unwiderstehlich immer\nwieder auf und will mich von ihrer Wirksamkeit überzeu-\ngen. Auf jeden Fall möchte ich an keinem Orte, wo man\nmich nicht schon kennt, damit zuerst auftreten, aus Furcht,\nverkannt und unter die musicalischen Charlatans gerechnet\nzu werden. Was halten Sie davon?"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-10-22-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-10-22_01#c003", "volume": "bmtnabi_1864-10-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "340", "page_fin": "342", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641022-01.2.3", "titre_corps": "Das Orgelspiel in America. Bericht aus Boston.", "titre_sommaire": "Das Orgelspiel in America. 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Denn die Menge von Fremden in Boston, welche nach\nder Saison strömen oder wieder nach Hause reisen, be-\nnutzt gern diese Mittwochs- und Samstags-Siesten, wo sie\nin der kühlen Musik-Halle dem majestätisch imposanten\nOrgelhause gegenüber sitzen und sich durch seine Hirten-\nund Querflöten und durch den Gesang der sentimentalen\nVox humanaangenehm einwiegen lassen, bald bei dem\nKlange seiner Trompeten und gewaltigen Bässe erschreckt\nauffahren, bald sich von der Erde und ihren Mängeln em-\nporgetragen fühlen kann durch die fugenartigen Fluten\nder Harmonie. Neugierde und Liebe zur Musik locken alle\nStände herbei und füllen die Halle und ihre Casse. In je-\ndem Concerte der Monate August und September waren\nim Durchschnitte fünfhundert Zuhörer anwesend, meist\nunbekannte Gesichter, indess immerhin ein wohlgekleide-\ntes, intelligentes und aufmerksames Publicum. Für das\nGeschäft ist das gut und wohl auch für die Kunst, obgleich\nes für diese besser sein könnte. Denn man ist freilich\nmanchmal versucht, zu fragen', ob das Geschäft sich an-\nroaassen darf, die Oberhand hier zu gewinnen. Wer gibt\nihm das Recht, bei Aufstellung der Programme mitzu-\nsprechen? Ist es nicht untergeordneter Natur und gehört\nin die Küche? Müssen nicht Idealität, Kunst, Poesie, Re-\nligion, Liebe, göttliche Begeisterung die Herren des Hau-\nses, wie die Seele Herrin des Körpers sein? Soll die Musik\ndem Geschäfte oder das Geschäft der Musik dienen? Willst\ndu in deinem Hause nur Küchen, in deiner Stadt nur Lä-\nden und Lagerräume haben, oder willst du im Hause eine\nbequeme Wohnung, in der Stadt schöne Strassen und\nPlätze haben und alles dasjenige, was den höheren Zwecken\ndes Lebens dient? Wenn wir Concerte haben, wenn wir\ndie Gegenwart der heiligen Cäcilia anrufen, sollen wir\ndann unsere Herzen in die Taschen stecken und nur be-\nzahlen, um dort zu sein? Ist es gut, ist es schön, ist es\nmusicalisch, ist es göttlich? würden Bach oder Mendels-\nsohn fragen, wenn sie hier sässen; aber: Wollt ihr bezah-\nlen? fragt der Impresario. Wir haben keine Bach und\nMendelssohn zu Zuhörern, sagt er, und so müssen wir\ndurch unsere Programme einen Compromiss mit der Menge\neingehen; manchmal sind sie geschickt zusammengestellt,\nmanchmal sinnloser Mischmasch. Man muss indessen be-\ndenken, dass diese Nachmittags-Concerte einestheils dazu\nbestimmt sind, die Neugierde, unsere grosse Orgel mit\nihren verschiedenen Registern zu sehen und zu hören, zu\nbefriedigen, und anderen-, vielleicht klemerentheils, um\nder wirklichen Liebe zur Musik förderlich zu sein. Doch\nkommen wir auf die acht Concerte der vergangenen Mo-\nnate zurück. In einigen waren wir nicht zugegen und\nkönnen nur die Stücke und ihre Spieler anführen.\nSamstag den 20. August. Herr B. J. Lang .spielte Sa-\nchen von Mendelssohn, die wir schon oft von ihm gehört:\ndie dritte Sonate (in A), die Ouvertüre aus dem Sommer-\nnachtstraum, in welcher die Violin-Principale und das tiefe\nFagott voll und schön klangen, eine Auswahl aus dem\n„Lobgesang\" und, nachdem er etwas phantasirt hatte,\nden „ Hochzeitsmarsch\".\nMittwoch den 24. August. Herr Eugen Thayer fing\ndieses Concert mit seinen Variationen über „Das strah-\nlende Sternenbanner\" an, und meiner Meinung nach wa-\nren die ersten die besten. Von wirklicher Orgelmusik\nbrachte er uns Bach's grosse Passacaglia, ein Werk, mit\ndem Orgel-Liebhaber nie bekannt genug werden können,\nund (zum ersten Male) die reizend frischen und genialen\nVariationen in Bvon Händel. Ich glaube nicht, dass ein\nEinziger unter den Zuhörern war, der letztere nicht bei\nWeitem anziehender fand, als die Ouvertüre von Gounod's\nMireille, welche unmittelbar vorherging und welche noch\nals besondere Lockspeise für dieses Concert angekündigt\nworden war. Es ist dies gar keine Ouvertüre, nur eine\nArt von Introduction, in welcher der dem nördlichen"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "341", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641022-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5360, "texte": "Frankreich eigentümliche sentimentale, pastorale, süssliche\nCharakter vorherrscht, meistens von Brummbässen unter-\nstützt, den wir in Meyerbeer's , aber\nglücklicher bearbeitet, hinlänglich kennen gelernt haben.\nDann kamen zwei französische OfFerlorien und zum Schlüsse\ndas Finale aus Beethoven's fünfter Sinfonie.\nDen 27. August. Herr Lang spielte zuerst eine von\nden achtundvierzig Präludien und Fugen aus Bach's wohl-\ntemperirtem Clavier (Nr. 33 in dann seine Trans-\nscription der Freischütz-Ouverture und hierauf Herrn Dre-\nsel's reizendes kleines „Schlummerlied\", welches wir, ob-\ngleich in manchem Hause gern gehört, nie würdig gehalten\nhätten, einen Platz in einem Orgel-Concerte einzunehmen;\nes klang indessen mit seinen Echo-Melodieen ganz hübsch\nund wurde, wie es solchen Compositionen oft ergeht, stür-\nmisch da capoverlangt. Rink's Flöten-Concert (erster Satz),\neine Improvisation und das Allegro assai vivace von Men-\ndelssohn's erster Orgel-Sonate lullten die übrige Zeit aus.\nHerr Lang trug sämmtliche Stücke mit musicalischem Ver-\nständnisse und Ausdruck vor.\nDen 31. August. Wieder Herr Thayer mit folgendem\nProgramm: Ouvertüre zu „Faust\" von Gounod; OfFerto-\nrium for Cornot bassetto von Battiste; Doppelfuge in G-moll\nvon Händel; OfFertorium für die Vox humana von Eugen\nThayer; Ouvertüre zu den „Hugenotten\" (zum ersten Male\ntransscribirt) von Meyerbeer; Fuge in von Bach;\nConcert-OfFertorium von Eugen Thayer; Passacaglia von\nHändel.\nDen 3. September. Fräulein L. J. Frohock wurde bei\nihrem Wiedererscheinen in ihrer alten Heimat im Westen\nbewillkommt; Wir theilen gern mit, dass sie die gewähl-\nteste Zuhörerschaft der Saison hatte, und bezeigen sowohl\nihren hohen künstlerischen Eigenschaften, wie der echt\nweiblichen Art und Ruhe, mit der sie dieselben zur Gel-\ntung brachte, alle Achtung. Ihr Programm war folgendes:\nPedal-Fuge in G-moll von Bach; Adagio aus der Sinfonie\nNr. 1 von Haydn; Phantasie Nr. 3 von Schellenberg; Alle-\ngretto aus der Sonate Nr. 4 von Mendelssohn; Ouvertüre\nzu Oberon (transscribirt) von Weber; Idylle (transscribirt\nfür Vox humana)von Lysberg; Marsch aus dem Prophe-\nten von Meyerbeer.\nDen 7. September. Ein neuer Bewerber um die Gunst\ndes Publicums machte seinen ersten Versuch auf unserer\nOrgel, H err Dr. P aine, Organist an der Kirche in Chaucey\nStreet. Er spielte Stücke verschiedenen Inhalts, doch war\nes gute Musik: a.Choral „Ein' feste Burg\" von Bach,\nChoral in A-moll von Bach; Menuett von Händel; Allegro\nvon Rinck; Pastorale von Corelli; Ouvertüre zu dem Occa-\nsional-Oratorium von Händel; a. Adagio von Bodenschatz,\nb. Arie von Beethoven; Con Spirito in E-moll von Rinck;\nArie für Vox humana, Allegro von Händel. Gleich der\nAnfang verrieth Kraft; die beiden Choräle waren gross-\nartig und erbaulich. Eine Ouvertüre von Händel war eine\ninteressante Zugabe zu dem Repertoire und wurde gut\ngespielt, eben so das hübsche Menuett aus Samson. Die\nPastorale des allen Corelli glich ganz der Pastoral-Sinfonie\nin dem Messias von Händel; die Familien-Aehnlichkeit war\nnicht zu verkennen: derselbe Rhythmus, dasselbe Tempo,\ndieselbe Behandlung. Die beiden Stücke von Rinck waren\nrecht für die Orgel gemacht und geistreich; die beiden\nArien gut gewählt und vorgetragen.\nDen 10. September. Vergangenen Samstag hörten wir\nden wirklichen Paine, Herrn J. K. Paine, dessen Concert\nin einer der Zeitungen aus Naivetät oder Ironie dadurch\nempfohlen wurde, dass es nur zwei Com positionen\nvon Bach enthalten werde! Diese zwei indessen waren\ngerade bewunderungswerthe Werke; aber auch die übri-\ngen waren von künstlerischem Werthe. Präludium in C~\ndur von Bach; Sonate in A-clur von Ritter; Andante aus\neiner Sonate in C-dur von Mozart; Phantasie aus der „Por-\ntugiesischen Hochzeit\" von J. K. Paine; a. Pastorale, b. In-\nterludium für das Piffaro, c. Atta Marcia, Canzone von\nBach; Arie und Chor von Gluck; Variationen über das\n„Sternenbanner\" von J. K. Paine. Das Präludium von\nBach, hier zum ersten Male gehört, ist ein kühn durchge-\nführtes, schönes und frisches Stück; das andere, die Can-\nzone, mit sanfteren Registern gespielt, ist eine der lieblich-\nsten und schönsten Melodieen von Bach, eine Weise, die\nrecht zum Herzen geht und doch auch wieder im Fugen-\nstil bearbeitet. Niemand spielt diese Sachen mit so viel\nVerstänaniss und Individualisirung der Stimmen, als Herr\nPaine. Die Sonate von Ritter ist ein sehr interessantes\nWerk; sie besteht aus zwei Theilen: zuerst aus einem\nschönen Andante in zuweilen Mendelssohn'schem, zuweilen\norchestralem Stil, dann aus einer Reihe von kunstvollen\nVariationen über die deutsche National-Hymne, mit schö-\nnen Contrasten, episodischen Passagen und angehängten\nCadenzen. Das Andante von Mozart war bezaubernd. Herrn\nPaine's Phantasie über die „Portugiesische Hochzeit\" ver-\nlor nichts durch die verlangte Wiederholung. Ueberhaupt\nwar dies Herrn Paine's schönstes und erfolgreichstes Con-\ncert, obgleich er zu Anfang nicht viel Kraft bekundete und\nman seine gewohnte Festigkeit im Tempo vermisste.\nDen 14. September. Vergangenen Mittwoch spielte\nwieder Herr Thayer. Programm : Ouvertüre zu Tancred\n(zum ersten Male) von Rossini (!); Variationen in B von\nHändel; Grosses Präludium in C-moll (zum ersten Male)\nvon Bach; OfFertorium für Voxhumana von Eugen Thayer;\nConcert-OfFertorium von E. Thayer; Larghetto aus der\nzweiten Sinfonie von Beethoven; Pastorale aus Wilhelm"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "342", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641022-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1312, "texte": "Teil von Rossini; Ouvertüre zu den Hugenotten von Meyer-\nbeer. In der That eine sonderbare Mischung! Rossini in\nseiner leichten und scherzhaften Manier (?), Theater und\nerleuchtete Rampe! Aber wie glänzend und strahlend! Was\nden auf die Sinne wirkenden Reiz des Klanges betritt, so\nhaben wir nie eine glänzendere Combination der verschie-\ndenen Register mit dem vollen Werke des Orchesters ge-\nhört, als die, in welche Herr l hayer die fröhlichen, lachen-\nden Töne Rossini's kleidete. Es hielt schwer, sich zu über-\nzeugen, dass man nicht im Theater sei, selbst als schon die\nschönen Händel'schen Variationen begonnen hatten. Das\nRach'sche Präludium ist eines der grössten, die wir gehört\nhaben; wer kann die Grösse und Tiefe solch eines Geistes\nermessen! Seine Werke scheinen unerschöpflich, wie die\nNatur! Wo blieb da Rossini?\nBetrachten wir noch den Schluss des Concertes und\nwas weiter gespielt wurde, um die Neugier der Kinder in\nBetreff der Orgel und ihrer verschiedenen Register zu be-\nfriedigen. Offertorium über Offertorium! Das erste ist im-\nmerhin auf eine gefällige Weise zusammengestellt, um die\nVox humanazu zeigen und die Menge zu gewinnen. Aber\nein Concert-Offertorium? Ist das nicht ein Widerspruch?\nEin Offertorium ist ein religiöses Opfer in der Kirche; wie\nwürde da ein Concert-Gebet klingen?"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-10-22-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-10-22_01#c004", "volume": "bmtnabi_1864-10-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "342", "page_fin": "343", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641022-01.2.4", "titre_corps": "Jahresbericht des Wiener Männer-Gesangvereins für das Vereinsjahr vom 4. October 1863 bis 7. 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October 1863 bis 7.\nOctober 1864\n*).\nAus der Chronik des Vereins dürften einige Mitthei-\nlungen auch für weitere Leserkreise Interesse haben.\nErst gegen Ende Octobers 1863 erhielt der nieder-\nösterreichische Sängerbund die Genehmigung seiner Satzun-\ngen von Seiten der niederösterreichischen Statthalterei, je-\ndoch mit Einschränkungen gerade in den wesentlichsten\nPunkten, da sie unter Anderem auch die organische Ver-\nbindung des niederösterreichischen mit dem allgemeinen\ndeutschen Sängerbunde nicht gestattete. Am 15. November\ntraten 97 Abgeordnete von 47 Gesangvereinen Nieder-\nösterreichs zur constituirenden ersten General-Versamm-\nlung des niederösterreichischen Sängerbundes in Wien un-\nter Vorsitz des Dr. Bauer zusammen und sprachen die\nConstituirung des niederösterreichischen Sängerbundes aus.\nIn der Liedertafel zum Besten der Hülfsbediii ftigen\nin Schleswig-Holstein am 19. December lauschte das nicht\neben sehr zahlreiche, aber äusserst empfängliche Publicum\nden in Oesterreich bisher nur wenig bekannten Weisen\ndes Schleswig-Holstein-Liedes, welches die Reihe der Chor-\nVorträge einleitete, und verlangte dasselbe stürmisch zur\nWiederholung.\nAm 17. Februar fand eine Liedertafel zum Vortheile\nder verwundeten Soldaten der österreichischen Armee\nStatt, welche in künstlerischer wie in materieller Beziehung\nglänzend ausfiel. Gegen 1400 Personen füllten den Diana-\nsaal in allen Räumen. Der Reinertrag dieses Unternehmens\nbetrug die namhafte Summe von 1006 Fl. 75 Kr. öst. W.\nEin grosser Schritt zur Kräftigung des Schubert-Mo-\nnument-Fonds geschah am 7. März. An diesem Tage er-\nhielt der Verein vom Gemeinderathe der Stadt Wien die\nMittheilung, dass die Commune dem Vereine zur Errich-\ntung des Schubert-Denkmals den von ihm in Vorschlag ge-\nbrachten PJatz im Stadtparke (den so genannten Zelinka-\nHügel) unentgeltlich überlasse, die Anordnung der Umge-\nbung des Platzes zur Bildung eines gehörig hebenden Hin-\ntergrundes für das Denkmal billige und dem Fonds «inen\nReitrag von 500 Fl. aus dem Communal-Vermögen widme.\nDer Schubert-Fonds hatte durch diese letzte Widmung die\nHöhe von 16,700 Fl. C.-M. in Werthpapieren und 526\nFl. 73 Kr. öst. W. in Baarem erreicht.\nDie Zusammenstellung der Beiträge des Vereins zu\nkünstlerischen und wohlthätigen Zwecken weist bis 1. April\n1864 eine Summe von 28,178 Fl. 7 Kr. öst. W. aus.\nDer Verein hatte beschlossen, die im Vorjahre begon-\nnene Reihe der von ihm in Wien eingeführten Volks-\nConcerte auch in diesem Jahre wieder aufzunehmen und\nveranstaltete das erste am 5. Juni auf derselben Wiese,\nunter Mitwirkung der Musik-Capelle des Herrn J. Kaulich.\nDer weite Wiesenplan vor der Sänger-Tribune war von\nnahezu 6000 Personen besetzt, die sich durch den kurzen\nRegen nicht abschrecken liessen. Das Programm bestand\naus 12 Nummern. Auch dieses Jahr hatte der Verein 300\nEintrittskarten dem löbl. k. k. Armee-Commando zur Ver-\ntheilung an die Mannschaft der Garnison vom Feldwebel\nabwärts, 60 Karten der Direction des Waisenhauses, 40\ndem Blinden-Institute und 25 dem Conservatorium zur\nVertheilung an die Schüler desselben unentgeltlich zur Ver-\nfügung gestellt, und hatte die Freude, zu sehen, dass von\ndenselben sehr zahlreich Gebrauch gemacht wurde.\nVom 26. 29. Juni wohnte der Verein dem Sänger-\nfeste in Klagenfurt, der Hauptstadt von Kärnthen, bei,\nwo von seinen Vorträgen besonders das Lied „An die\nEntfernte\" von F. Schubert stürmischen Beifall erhielt.\nHerrn Capellmeister Abt zu Ehren versammelte sich\nder rasch zusammenberufene Verein am 11. Juli zu einer\nLiedertafel im engeren Kreise beim „grünen Thor\", bei\nwelcher dem Gefeierten, der bei seinem Eintritte mit stür-\nmischem Zurufe begrüsst wurde, eine Blumenlese seiner\nCompositionen für Chor und Sologesang geboten wurde.\n\n*) Verfasst von Dr. Heinrich von Billing, Schriftfijjirer."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "343", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641022-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4460, "texte": "Am 26. August waren mit einem Vergnügungszuge\netwa 370 Nürnberger, Sänger und Nichtsänger, in Wien\neingetroffen, deren Obmann und Leiter Herr Friedrich\nSchultheiss war. Der Verein, welcher sich bisher von den\nvon mancher Seite bis zur Uebertreibung gepflogenen Em-\npfangsfeierlichkeiten der zahlreichen Vergnügungszüge fern\ngehalten hatte, fühlte sich den Bürgern jener Stadt gegen-\nüber, in deren Mauern er im Jahre 1861 die herzlichste,\ngastlichste, ehrenvollste Aufnahme erfahren halte, berufen\nund verpflichtet, den Ankömmlingen ein Willkommen zu\nbieten, und ihnen eben in der Weise, wie es Sänger kön-\nnen, einen Beweis jenes dankbaren Angedenkens zu geben,\nwelches sich an die altehrwürdige Noris und ihre wacke-\nren Bürger knüpft. Mit Freuden nahmen die Nürnberger\ndie Einladung zu einer Liedertafel im engeren Kreise an,\nwelche der Verein zu ihren Ehren am 29. August in den\nSaalräumen der Dreher'schen Bierhalle veranstaltete.\nAm 4. September zog der Verein zum ersten Sän-\ngerfeste des niederösterreichischen Sängerbun-\ndes. Das Concert fand in der Akademie-Winter-Beitschule\nStatt, die ausser der grossen Tribüne für die Sänger noch\nRaum für 1208 Sitzplätze und etwa für eine doppelt so\ngrosse Anzahl stehenden Publicums hatte, und begann um\nhalb 4 Uhr mit dem „Bundesspruche\", an welchen sich 6\nGesammtchöre und 19 Einzelvorträge verschiedener Ver-\neine anschlössen. Von den beim Feste vertretenen 45 Ge-\nsangvereinen hatten 21 Solovorträge angemeldet; zwei\ndavon, der Leopoldstädter und der Korneuburger Verein,\nhatten ihre Anmeldung zurückgezogen.\nDie Damen Klagenfurts spendeten dem Vereine\neinen künstlerisch schon gearbeiteten silbernen Lorberkranz\n„zur Erinnerung an die genussreichen Tage des 26.—29.\nJuni 1864\", wie die auf der silbernen Kranzschleife ein-\ngravirte Widmung besagt.\nDer Verein ist in diesem Jahre, die Stiftungs-Messe\nnicht mitgerechnet, 14 Mal mit öffentlichen Aufführungen\nvor das Publicum getreten. Liedertafeln im engeren Kreise\nfanden fünf Statt. Sängerfahrten wurden vier unternommen,\nauf den Kahlenberg, nach Klagenfurt, nach Brünn und\nnach Wiener-Neustadt. Nach Inhalt der diesem Berichte\nbeigefügten Programme der öffentlichen Aufführungen\nwurden in diesen vom Vereine allein 104, in Verbindung\nmit anderen Vereinen 15 Chöre gesungen, und schliessen\nsich daran 13 Solo-Quartette und 17 Einzelvorträge, letz-\ntere theils von Vereins-Mitgliedern, theils von geladenen\nGästen ausgeführt. Unter den gesungenen Chören waren\n27 Novitäten.\nDie namentlichen Verzeichnisse der Mitglieder weisen\neine Zahl von 238 ausübenden Mitgliedern nach,\nund zwar 50 erste Tenöre, 53 zweite Tenöre, 72 erste\nBässe und 63 zweite Bässe. Es schieden 24 Mitglieder aus.\nNeu- und Wiederaufnahmen, im Sinne des im Vorjahre\ngefassten Vereinsbeschlusses nur auf vorzüglich wün-\nschenswert he Kräfte eingeschränkt, fanden 7\nStatt. Zu Ehren-Mitgliedern wurden die Herren Ga-\nbriel Jessernigg, Bürgermeister, Dr. Victor Bitter von Bai-\nner, Vorstand des Gesangvereins in Klagenfurt, und A.\nMethfessel in Braunschweig ernannt. Unterstützende\nMitglieder hat der Verein 484, dabei 14 Damen, und\nunter diesen die Frau Gräfin Esterhazy und die Frau\nFürstin Palm-Gundelfingen.\nDer Jahres-Rechnungs-Abschluss weist einen blühen-\nden Stand des Vereins-Vermögens nach, ja, einen blühen-\nderen, als im Vorjahre; Cassarest für 1862 —63 2352\nFl. 82 Kr., für 1863-64 3378 Fl. 99'/2 Kr. Dabei\nhat der Verein ausser den gewöhnlichen Administrations-\nAuslagen, ausser dem Ehrensolde für Chormeister Her-\nbeck mit 600 Fl. öst. W. und der Pension für die Witwe\neines um den Männergesang hochverdienten Componisten,\nnoch über 2000 Fl. dem Schubert-Fonds zugewendet und\n200 FI. zur Aushülfe für die mittellosen Anverwandten\ndreier verstorbener Mitglieder angewiesen; ferner 364 Fl.\n10 Kr. an den Hülfs-Ausschuss für Schleswig-Holstein,\n500 Fl. an den Gablenz-Fonds und 506 Fl. an den wie-\nner patriotischen Hülfsverein. An Ehrensold für Erst-\nAufluhrungen versandte der Verein an 22 Componisten\nje 1 k. k. Ducaten in Gold und 4 Ducaten an A. Methfessel.\nDie Gesammt-Einnahme betrug 0557 Fl. 20 Kr., die\nAusgabe 6178 Fl. 21 Kr. Der vierte Nachweis vom\n10. September 1864 über den Stand des Fonds zu F.\nSchubert's Denk mal ergibt an Werthpapieren 18,600\nFl. und an Baar 1170 Fl.\nUnter den öffentlich vorgetragenen Novitäten wurden\nunter anderen F. Hiller's „Ostara\" und „Osterfeier*\nund F. Weber's „Gondolier\", Bariton-Solo mit Chor,\nmit besonderem Beifalle aufgenommen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-10-22-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-10-22_01#c005", "volume": "bmtnabi_1864-10-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "343", "page_fin": "344", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641022-01.2.5", "titre_corps": "Aus Dresden.", "titre_sommaire": "Aus Dresden.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "343", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641022-01.1.7", "debut_caractere": 4462, "fin_caractere_exclue": 5041, "texte": "Aus Dresden.\nFür die Winter-Saison rüsten sich hier schön sehr\ntüchtig die musicalischen Kräfte, indem die k. Capelle einen\nCyklus von sechs Sinfonie-Concerten angezeigt hat, in wel-\nchem nur Orchesterwerke vertreten sind; und zwar werden\nals neu darin zur Aufführung kommen: Suite Nr. 2 (JE-moll)\nvon F. Lachner; Serenade von Mozart für Orchester, 1779\nin Salzburg componirt; Sinfonie {D-moll) von B. Volkmann;\nConcert-Ouverture {Des-dur) von F. Hiller; Sinfonie (A-\n--dur) von Beinecke; Concert-Ouverture von F. Grützma-\ncher; Sinfonie von Th. Gouvy. Als zweites derartiges Un-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "344", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641022-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1961, "texte": "ternehraen beabsichtigt Hans v. Bronsart, vier grössere Con-\ncerte mit Solo-Vorträgen und Orchesterwerken, so wie\nzwei Soireen für Kammermusik zu geben, wobei aber die\nSolisten noch nicht mit angezeigt sind. Mittlerweile macht\nUllman aus America mit seinen Patti-Concerten vom Ende\ndieses Monats an Dresden und dessen Umgebung unsicher.\nAls Anfang der Concert-Saison stehen Productionen der\nhiesigen k. Concertmeister Lauterbach und der Mary Krebs\nin Aussicht, indem Herr Hof-Capellmeister Krebs doch\nauch diesen Winter möglichst zeitig die Fortschritte seines\ntalentvollen Töchterchens nicht ohne pecuniären Nutzen\nvorzuführen wünscht. Auch der Pianist Taussig beab-\nsichtigt, hier zu concertiren.\nAls echt künstlerische Unternehmungen und Bestre-\nbungen stehen im bescheidenen Hintergrunde die Produc-\ntions-Abende des Tonkünstler-Vereins, die Quartett-Soireen\nder Herren Lauterbach, Hüllweck, Görny und Grützmacher\nund die Trio-Soireen der Herren Rollfuss, Seelmann und\nSchlick, zu denen sich voraussichtlich noch manche andere\nmusicalische Unterhaltungen gesellen werden.\nIn den letzten Tagen des September waren hier die\nAbgeordneten des „Allgemeinen deutschen Männer-Gesang-\nbundes\" versammelt, welche den Bescbluss gefasst haben,\ndass das nächste grosse Männer-Gesangfest vom 25. Juli\n1865 an in Dresden abgehalten werden und demnächst\neine Aufforderung an deutsche Componisten zur Betheili-\ngung an Concurrenz-Compositionen ergehen soll. Alles Wei-\ntere ist dem Comite zur Ausführung überwiesen. (S. unten\ndie Anzeige.)\nProfessor Faisst aus Stuttgart spielte auf der Orgel der\nhiesigen Kreuzkirche vor den Mitgliedern des Tonkünstler-\nVereins mehrere eigene Compositionen, so wie die Sonate\nin B-durvon Mendelssohn und Passacaglia von J. S. Bach\nund bewährte sich sowohl als Componist wie auch als Or-\ngelspieler als einen der tüchtigsten Meister dieses Instru-\nmentes und rechtfertigte damit den guten Ruf, den er in\nSüddeutschland geniesst. (W. Ree,,)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-10-22-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-10-22_01#c006", "volume": "bmtnabi_1864-10-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "344", "page_fin": "344", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641022-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "344", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641022-01.1.8", "debut_caractere": 1963, "fin_caractere_exclue": 3010, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nAuch das manriheimer Orchester hat nun die neue pariser\nStimmung adoptirt und ist dieselbe bei der Wiedereröffnung des dor-\ntigen Theaters am 7. August mit „Dinorali\" zum ersten Male zur\nAnwendung gekommen.\nDie Bayerische Zeitung schreibt aus München, 13. October:\n„König Ludwig hat den königlich preussischen Musik-Director in\nAachen, Franz Wüllner, zum königlichen Capellmeister extra\nstatum ernannt, und wird derselbe am 1. März k. J. seine Function\ndahier antreten, welche hauptsächlich in der Direction der königl.\nVocal-Capelle (in der Hofkirche) neben General-Musik-Director von\nLachner und Capellmeister Aiblinger bestehen wird.'*\nDer bisherige Director des Conservatoriums in München hat\ndieser Tage ganz unerwartet sein Pensionirungs-Decret erhalten, und\nwurde an seine Stelle der Priester Nissl, bisher Director des Jo-\nhanneums, berufen. (Nach einer anderen Nachricht, die wir aber aus\näusseren und inneren Gründen nicht verbürgen können, wäre Ri-\nchard Wagner zum Director des Conservatoriums ernannt!)"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "337", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641022-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nAus Carl Maria von Weber1 s Briefen. Das Orgelspiel in America. Bericht aus Boston. (Aus Dwight's Journal\nof Music in Boston.) Jahresbericht des Wiener Männer-Gesangvereins für das Vereinsjahr vom 4. October 1863 bis 7. October 18C>4.\nAus Dresden (Musik-Programme für die bevorstehende Winter-Saison Deutscher Sängerbund Professor Faisst). Tages- und\nUnterhaltungsblatt (Mannheim, neue Orchester-Stimmung München, Musik-Director F. Wüllner, Conservatorium).\n\nAus Carl Maria von Weber’s Briefen.\nAn Rochlitz.\nBerlin, 14. April 1812.»\nLange Zeit hat mir kein Brief so herzliche Freude\ngemacht, als der Ihrige vom 22. Februar, den ich den\n28. erhielt. Ein doppelter Vorwurf entspringt freilich dann\ndaraus, dass ich ihn so lange unbeantwortet liess; aber\nwenn man so zwei Concerte in einer weitläufigen Stadt\nwie Berlin zu veranstalten hat, und doch auch gern mit\neiner gewissen Seelenruhe sich einem solchen Briefe wid-\nmen möchte, so ist dies wohl eine kleine Entschuldigung.\nAch lieber Gott! Künstlerstolz soll es sein; ja, wenn es\nnoch das wäre! Künstler - Faulheit könnte es eher sein,\ndie ist es aber hier auch nicht. Eigentlich ist der verdammte\nFink daran schuld. Ich wollte so gern nicht mit leeren\nHänden erscheinen und die Anzeige seiner Lieder beilegen,\nund da ich denn dazu gar nicht kommen konnte, so floss\nein Tag nach dem anderen in den Strom der Zeiten da-\nhin und ich konnte so warm ich auch Ihr Andenken\nim Herzen trug, und so oft ich Ihren lieben Brief\ndurchlas, nicht den Augenblick erhaschen, es Ihnen auch\nzu sagen.\nErst nach Empfang Ihres Briefes konnte ich\neinmal der Musik-Zeitung habhaft werden, wo ich mit\ngrossem Vergnügen die ehrenvolle Erwähnung unseres\nleipziger Aufenthaltes von Ihrer Hand las. Leider stehe ich\nnun ganz allein. Bärmann hat mich seit dem 28. März\nverlassen ist in seine Heimat, zu seinen Lieben und\nFreunden geeilt, und ich treibe mich unter fremden See-\nlen und Gesichtern herum u. s. w.\nMit einem Opern-Gedichte geht es mir noch immer\nübel. Ihren Rath habe ich mir wohl hinter's Ohr geschrie-\nben, aber die verdammten Dichter (nichts für ungut) sind\nso schwer habhaft zu werden. Herr Julius von Voss hier\nhat Talent und Leichtigkeit, aber eben so viel Faulheit\nund zehn Mal so viel Eigensinn .\nAn Danzi.\nBerlin, am 14. Juli 1812.\nMein lieber, alter Freund!\nSie werden recht böse sein, dass ich Ihnen auf Ihren\nlieben Brief vom 3. Juni, den ich den 14. richtig erhielt,\nnicht eher geantwortet habe. Aber wenn ich Ihnen sage,\ndass ich mit dem Einstudiren meiner Sylvana beschäftigt\nwar und noch ein paar neue Arien dazu schreiben musste,\nweil mir die alten nicht mehr gefielen, so werden Sie mich\ngewiss entschuldigen. Ich ergreife den ersten freien Augen-\nblick, um Ihnen, mein lieber, gewiss Antheil nehmender\nFreund, die glänzende Aufnahme meiner Sylvana zu mel-\nden. Den 10. war sie zum ersten Male und wurde trotz\naller der hunderttausend Cabalen und Verleumdungen mit\neinstimmigem Beifalle aufgenommen. Nach jedem Acte er-\nscholl ein lautes: Bravo, Weber! Ich dirigirte sie selbst\nund sie ging vortrefflich. Ich habe sie nun zum ersten\nMale wahrhaft so gehört, wie ich sie mir dachte, und\neinige kleine Abänderungen sind ihr sehr zum Vortheile\nausgeschlagen. Heute ist sie wieder. Dass Sie so lleissig\nsind, freut mich unendlich. Sie zahlen der Welt den Tri-\nbut, den Sie ihr, durch Ihr herrliches Talent dazu verpach-\ntet, schuldig sind u. s. w. Der münchener Kecensent der\nMusik-Zeitung ist erstlich ein Rindvieh und übrigens ein\nEsel. Zum Glück kann man nur lachen über solches Zeug.\nVon Hiemer höre ich nichts. Ich brauche ein neues\nSujet so sehr nothwendig, da ich eine Oper für das pra-\nger Theater zu schreiben habe. Ende dieses Monats ver-\nlasse ich Berlin und gehe auf zwei Monate nach Gotha\nzum Herzoge, der sehr gütig gegen mich ist, und wo ich\nviele Müsse zum Arbeiten haben werde."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "338", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641022-01.1.2", "texte": "An Rochlitz.\nBerlin, 25. April 1812.\nWenn ich Ihnen heute sehr zerstreut und ab-\ngerissen schreibe, so rechnen Sie dies nicht mir, sondern\neinem traurigen Ereignisse zu, das mich niederbeugt. Mit\nIhrem Briefe zusammen erhielt ich die Nachricht von dem\nTode meines geliebten Vaters, und so sehr ich bei einem\n78jährigen Greise darauf vorbereitet war, so sehr hat es\nmich doch erschüttert. Ich stehe nun ganz allein. Und nur\nder Trost, hin und wieder in eines Freundes Brust zu le-\nben, hält mich aufrecht. Sie haben vollkommen Becht, dies\nlange Umherschweifen macht schlecht, und so lange ich\ndies noch fühle, ist es gut; aber leider gibt es erstlich nur\ndiesen Weg, sich schneller bekannt zu machen und viel-\nseitige Bildung zu erlangen, und zweitens ist es schwer\nfür mich, einen Wirkungskreis zu finden, wo ich wahrhaft\nder Kunst zum Nutzen leben kann, denn mich bloss füt-\ntern zu lassen ohne bedeutende Thätigkeit, wäre mir un-\nerträglich. Kommt Zeit, kommt Bath. Ich gehe ruhig mei-\nnen Weg, bin so fleissig, wie möglich, und suche wenig-\nstens, mir keine Vernachlässigung oder Versäumung zu\nSchulden kommen zu lassen. Alles Uebrige empfehle ich\nmeinem Stern. Mit meiner Sylvana geht es langsam, wie\nhier Alles geht. Doch wird es gehen u. s. w.\nAn Lichtenstein.\nWeimar, 1. November 1812.\nWenn ich Dir auf Deinen theuren Brief vom 5. B=,\nden ich d. 10. in Gotha erhielt, nicht früher antwortete,\nso lag es bloss daran, dass ich nie eine so recht freie Mi-\nnute finden konnte, wie ich sie gern habe, wenn ich recht\nruhig aus mir heraussprechen und mit dem Bruder kosen\nwill. Nimm mich also heute, wie ich bin: zerstreut\nund verdriesslich.\nOhne Ursache bin ich es auch nicht. Du weisst, dem\nthätigen, gern nach bestimmten Zwecken handelnden Manne\nist nichts unerträglicher, als im Ganzen durch kleinliche\nDinge gestört oder gedrängt zu werden. Ich habe so viele\nArbeiten vor mir, dass es mir immer ganz wehe ums Herz\nwird, wenn ich sie überschaue, und häufig erzeugt dies\neine gewisse peinliche Aufwallung, in der man am aller-\nwenigsten etwas zu leisten im Stande ist. Ich bin ohnedies\nimmer so gewissenhaft und auf der Folter, wenn ich ar-\nbeite; oft verzweifle ich an mir selbst und meinem Genius\nund glaube mich zu schwach, ein Werk nach der Grösse\nmeiner Ansicht, meines Wunsches vollenden zu können.\nNur der Gedanke, dass mir das schon oft so gegangen,\ndass ein glücklicher Erfolg immer noch die Pein belohnt\nhabe, hält mich aufrecht. Ich habe nun vor allen die zwei\ndrängendsten Arbeiten vorgenommen. Erstlich ein neues\nClavier-Concert, da ich nur eines besass, und dann eine\n11 y mne von Bochlitz, die den 1. Januar in Leipzig aufge-\nführt werden soll und daher spätestens im Laufe dieses\nMonats geboren sein muss. Eine Menge ekelhafter, zeit-\nraubender Arbeiten hielt mich bis jetzt auf. Das genaue\nDurchsehen der Abschriften der zum Stich bestimmten\nManuscripte. Das Aufschreiben von alten Variat. für die\nGrossfürstin. Eine grosse italiänische Scene mit Chören für\nden Prinzen Friedrich u. s. w.; alle diese Dinge fressen die\nZeit. Nun, da ich eben im Zuge war und das erste Allo.\ndes Concerto entworfen habe, bekomme ich einen schleu-\nnigen Buf von der Grossfürstin hieher. Da das eine Brodt\nSache ist, so muss ich folgen, dachte in 3 4 Tagen er-\nlöst zu sein —ja, gehorsamer Diener, da führt der Teufel\nden Fürsten Kurakin herbei, natürlich wird dem die Zeit\ngewidmet und ich muss um so länger bleiben. Es ist zum\nVerzweifeln. Hier kann ich nicht arbeiten, habe kein In-\nstrument u. s. w., werde überlaufen, und muss wieder Vi-\nsiten schneiden. Die Grossfürstin will gern die Sonate unter\nmeiner Leitung lernen, hat aber selbst schon öfter gesagt,\nsie glaube, sie lerne sie in ihrem Leben nicht ordentlich;\nund wenn sie keine Grossfürstin wäre, würde ich so frei\nsein, ihr vollkommen Becht zu geben, aber so muss\nman sehen, wie weit man es bringt.\nMit voller Seele unterschreibe ich, was Du über\nden Menschen sagst; Du hast sehr Becht, mich zu tadeln,\ndass die Betrachtungen der Jämmerlichkeit im Leben noch\nim Stande sind, mich zu verstimmen. Aber versetze Dich\nauch etwas in meine Lage: bedenke dies ewige Allein-\nstehen. Bechne dazu Legionen der traurigsten Erfahrun-\ngen, die mitten im höchsten Glauben an gute, treue We-\nsen mir ihren Zweifel gewaltsam aufdrängen.\nDeine Weigerung wegen des Abdruckes des Weber-\nspruches billige ich ganz. Doch scheinst Du mich nicht zu\nverstehen, wenn Du glaubst, ich habe ihm bloss desshalb\nPublicität gewünscht, weil es mir lieb sein müsste, etwas\nüber mich gedruckt zu sehen. Nein! Die Bedaction der\nEleg. Z. bat um die Mittheilung, nachdem sie ihn gelesen,\nehe ich daran dachte, ihn dazu anzubieten. Es ist allerdings\nein notwendiges Zeit-Uebel, dass man wünschen muss,\nsich oft in jenen literarischen Speisezetteln als currendes\nGericht, als Bagout und gar Braten mit aufgeführt zu\nsehen, aber glaube mir, dass ich sehr darin unterscheide,\nund es mir gar nicht lieb wäre, wenn Du Dich durch jenen\nleisen Wunsch veranlasst gefühlt hättest, wie Du mir\nschreibst, ein andermal etwas über mich zu sagen; ich\nhoffe und weiss, wir verstehen uns beide.\nIch bleibe bis Ende November in Gotha; ich glaube,\nunter uns gesagt, dass der Herzog nicht übel Lust hätte,\nmich bei sich zu behalten; auch in Dresden könnte ich"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "339", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641022-01.1.3", "texte": "vielleicht eine Anstellung haben. Ob ich aber Drang dazu\nfühle, das ist eine andere Sache. Doch ich glaube, es würde\nmir beinahe schwer werden, bei bedeutenden Anträgen\neinen Entschluss zu fassen.\nGoethe habe ich einmal recht angenehm genossen.\nHeute ist er nach Jena gereist, um den dritten Theil sei-\nner Biographie zu schreiben. Hier kommt er nicht dazu.\nEs ist eine sonderbare Sache mit der näheren Vertraulich-\nkeit Eines grossen Geistes. Man sollte diese Herren nur\nimmer aus der Ferne anstaunen.\nMad. Schopenhauer grüsst Dich und Ihren Sohn.\nSie macht ein angenehmes Haus und ist die Einzige, wo\nich öfters hingehe. Vorgestern war ich bei Falk, der mir\nviele seiner neuen Gedichte vorlas, ein Cvklus unter dem\n* «J\nNamen Seestücke. Er las nur vier Stunden hinter\neinander. Bei solchen Gelegenheiten wird es mir immer\nganz angst, und ich griff geschwind in meinen Busen, ob\nich es denn auch schon öfter so gemacht habe, und die\nLeute, weil ich zu viel gab, abspannte? Es kann mir wohl\npassirt sein; warum sollte ich besser und klüger sein, als\nAndere?\nNun lebe wohl, lieber Brüden Grüsse alle Bekannten\nund Freunde aufs herzlichste. Weber.\nAn Caroline Brandt.\nTon na, 14. September 1814.\nDas uralte Schloss, in dem ich hause und in\ndessen schauerlichen Gemächern, beim Klappern aller Fen-\nster und Thüren, ich diese Zeilen schreibe, umfasst mich\nrecht wohlthätig mit seiner Stille und gibt mir im geist-\nvollen Umgange des Herzogs eine gewisse gemüthliche\nRuhe, in der ich recht viel zu arbeiten und zu leisten im\nStande wäre, wenn ich lange genug da hausen könnte und\nnicht gewisse anderweitige Gefühle mich hinweg landein-\nwärts zögen und sich gar lieblich zudringlich in alles Den-\nken und Trachten einmischten.\nIch kutschirte heraus mit der gewissen ängstlichen\nEmpfindung, die ich immer habe, wenn ich Jemand la nge\nnicht gesehen habe, und vielleicht kälter, als ich erwarten\nzu können berechtigt zu sein glaube, empfangen würde.\nDies war nun aber hier ungegründete Furcht, denn der\nHerzog empfing mich so herzlich, als man nur empfangen\nwerden kann. Nach Tische fuhr ich gleich mit ihm nach\nLangensalze, wo ein Naturalien-Cabinet besehen und der\nThee bei einem Herrn von Seebach eingenommen wurde.\nDen 13. componirte ich zwei neue Lieder, ord-\nnete meine Papiere und brachte von 11 Uhr Morgens den\nganzen Tag bis 11 Uhr Nachts beim Herzoge zu, wo na-\ntürlich auch Gurgel und Finger herhalten mussten.\n(Mit den beiden hier so einfach erwähnten Liedern\nwar die Blüthe aufgegangen, die der Sonnenschein des\ngrossen National-Enthusiasmus in Berlin aus Weber's Seele\nhervorgelockt hatte, die neue Bahn eingeschlagen, die ihn\ngerader Richtung auf den Höhepunkt eines herrlichen\nSeitenpfades seines Talentes, an die Pforten des Böhmes\nund der echtesten, wohlbegründetsten Popularität führen\nsollte. Es waren keine anderen als „Lützow's wilde\nJagd\" und das „Sch wertlied\", die wie der tönende\nAthemzug der Begeisterung selbst aus dem dunkeln, wal-\ndesgrünen Arbeitszimmerchen im alten Schlosse Tonna in\ndie ideen- und thatenwogende Welt hinausbrausen sollten.)\nAn Rochlitz.\nPrag, 14. März 1815.\nLeier und Schwert sind meine letzten Kinder,\nmögen Sie Ihnen auch lieb werden. Die vierstimmigen\nhabe ich hier im Concerte mit 16 Stimmen gegeben, wo\nsie grossen Enthusiasmus erweckten. Die vier mit Clavier-\nßegleitung sprechen sich selbst aus; nur wünschte ich, dass\nSie in dem Gebete während der Schlacht in der\nClavier-Begleitung nicht etwa ein Schlachtgemälde sehen\nsollten, nein, das Malen liebe ich nicht, aber die wogende\nEmpfindung in der Seele des Betenden während der Schlacht,\nindem er in einzeln betenden, andächtigen, langen Accen-\nten zu Gott mit gepresster Seele ruft die wollte ich schil-\ndern. Verzeihung, wenn ich Ihnen so etwas bemerke.\nDie Gesänge des Herrn Wieck werden mir ein ange-\nnehmes Geschenk sein, denn ich halte es für einen schön-\nsten Lohn, wenn mein Streben und Wirken ein empor-\nstrebendes Gemüth erheben und zum Guten und Schönen\nzu leiten im Stande ist. Ich bitte Sie, ihm im voraus mei-\nnen besten Dank für diesen Beweis seiner Achtung zu be-\nzeigen.\nIhre unermüdliche Thätigkeit für die Kunst durch Ihre\nConcerte ist wirklich bewundernswert!), und mögen nur\nLeipzigs Bewohner es auch gehörig zu würdigen wissen.\nDass ich an meiner Symphonie Manches jetzt anders schrei-\nben würde, das weiss Gott; ich bin eigentlich mit nichts\ndarin ganz zufrieden, als mit der Menuette und allenfalls\ndem Adagio das erste Allegro ist ein toller Phantasie-\nsatz, im Ouverturen-Stile allenfalls, in abgerissenen Sätzen,\nund das Beste konnte ausgeführter noch sein. ich\nschrieb sie in meinem 16. Jahre.\nSie können Sich darauf verlassen, liebster Freund,\ndass Sie bald nach Ostern eine vollständige Relation über\ndas ichligste in den zwei Jahren, die ich in Prag hause,\nerhalten. Ich warte nirr lmc.li» da« Ende der zahllosen Con-\ncerte ab. Materialien habe ich liegen und Zeit ist es, dass\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "340", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641022-01.1.4", "texte": "die Welt endlich einmal erfährt, dass Prag auch noch in\nder Kunstwelt lebt und zu zählen weiss.\nIch habe jetzt ein Clavier-Concert in F-moll im Plane,\nda aber die it/b/Z-Concerte ohne bestimmte, erweckende\nIdee beim Publicum selten wirken, so hat sich so ganz selt-\nsam in mir unwillkürlich dem Ganzen eine Art Geschichte\nuntergeschoben, nach deren Faden die Stücke sich reihen\nund ihren Charakter erhalten, und zwar so detaillirt und\ngleichsam dramatisch, dass ich mich genöthigt sehen werde,\nihnen folgenden Titel zu geben: Allegro, Trennung;\nAdagio, Klage; Finale, höchster Schmerz,\nTrost, Wiedersehen, Jubel.\nDa ich alle betitelten Tonbilder sehr hasse, so wird\nes mir höllisch sauer, mich selbst an diese Idee zu gewöh-\nnen, und doch drängte sie sich mir unwiderstehlich immer\nwieder auf und will mich von ihrer Wirksamkeit überzeu-\ngen. Auf jeden Fall möchte ich an keinem Orte, wo man\nmich nicht schon kennt, damit zuerst auftreten, aus Furcht,\nverkannt und unter die musicalischen Charlatans gerechnet\nzu werden. Was halten Sie davon?\n\nDas Orgelspiel in America. Bericht aus Boston.\n(Aus Dwight's Journal of Music in Boston.)\nWir haben, wie die Theater-Kritiker sagen, das Ge-\nschäft, über die Orgel-Concerte eines ganzen Monats zu\nberichten. Und in der That, vom geschäftlichen Gesichts-\npunkte aus können wir behaupten, dass unsere grosse Or-\ngel in der letzten Zeit immer vorlheilhafter gespielt worden\nist. Denn die Menge von Fremden in Boston, welche nach\nder Saison strömen oder wieder nach Hause reisen, be-\nnutzt gern diese Mittwochs- und Samstags-Siesten, wo sie\nin der kühlen Musik-Halle dem majestätisch imposanten\nOrgelhause gegenüber sitzen und sich durch seine Hirten-\nund Querflöten und durch den Gesang der sentimentalen\nVox humanaangenehm einwiegen lassen, bald bei dem\nKlange seiner Trompeten und gewaltigen Bässe erschreckt\nauffahren, bald sich von der Erde und ihren Mängeln em-\nporgetragen fühlen kann durch die fugenartigen Fluten\nder Harmonie. Neugierde und Liebe zur Musik locken alle\nStände herbei und füllen die Halle und ihre Casse. In je-\ndem Concerte der Monate August und September waren\nim Durchschnitte fünfhundert Zuhörer anwesend, meist\nunbekannte Gesichter, indess immerhin ein wohlgekleide-\ntes, intelligentes und aufmerksames Publicum. Für das\nGeschäft ist das gut und wohl auch für die Kunst, obgleich\nes für diese besser sein könnte. Denn man ist freilich\nmanchmal versucht, zu fragen', ob das Geschäft sich an-\nroaassen darf, die Oberhand hier zu gewinnen. Wer gibt\nihm das Recht, bei Aufstellung der Programme mitzu-\nsprechen? Ist es nicht untergeordneter Natur und gehört\nin die Küche? Müssen nicht Idealität, Kunst, Poesie, Re-\nligion, Liebe, göttliche Begeisterung die Herren des Hau-\nses, wie die Seele Herrin des Körpers sein? Soll die Musik\ndem Geschäfte oder das Geschäft der Musik dienen? Willst\ndu in deinem Hause nur Küchen, in deiner Stadt nur Lä-\nden und Lagerräume haben, oder willst du im Hause eine\nbequeme Wohnung, in der Stadt schöne Strassen und\nPlätze haben und alles dasjenige, was den höheren Zwecken\ndes Lebens dient? Wenn wir Concerte haben, wenn wir\ndie Gegenwart der heiligen Cäcilia anrufen, sollen wir\ndann unsere Herzen in die Taschen stecken und nur be-\nzahlen, um dort zu sein? Ist es gut, ist es schön, ist es\nmusicalisch, ist es göttlich? würden Bach oder Mendels-\nsohn fragen, wenn sie hier sässen; aber: Wollt ihr bezah-\nlen? fragt der Impresario. Wir haben keine Bach und\nMendelssohn zu Zuhörern, sagt er, und so müssen wir\ndurch unsere Programme einen Compromiss mit der Menge\neingehen; manchmal sind sie geschickt zusammengestellt,\nmanchmal sinnloser Mischmasch. Man muss indessen be-\ndenken, dass diese Nachmittags-Concerte einestheils dazu\nbestimmt sind, die Neugierde, unsere grosse Orgel mit\nihren verschiedenen Registern zu sehen und zu hören, zu\nbefriedigen, und anderen-, vielleicht klemerentheils, um\nder wirklichen Liebe zur Musik förderlich zu sein. Doch\nkommen wir auf die acht Concerte der vergangenen Mo-\nnate zurück. In einigen waren wir nicht zugegen und\nkönnen nur die Stücke und ihre Spieler anführen.\nSamstag den 20. August. Herr B. J. Lang .spielte Sa-\nchen von Mendelssohn, die wir schon oft von ihm gehört:\ndie dritte Sonate (in A), die Ouvertüre aus dem Sommer-\nnachtstraum, in welcher die Violin-Principale und das tiefe\nFagott voll und schön klangen, eine Auswahl aus dem\n„Lobgesang\" und, nachdem er etwas phantasirt hatte,\nden „ Hochzeitsmarsch\".\nMittwoch den 24. August. Herr Eugen Thayer fing\ndieses Concert mit seinen Variationen über „Das strah-\nlende Sternenbanner\" an, und meiner Meinung nach wa-\nren die ersten die besten. Von wirklicher Orgelmusik\nbrachte er uns Bach's grosse Passacaglia, ein Werk, mit\ndem Orgel-Liebhaber nie bekannt genug werden können,\nund (zum ersten Male) die reizend frischen und genialen\nVariationen in Bvon Händel. Ich glaube nicht, dass ein\nEinziger unter den Zuhörern war, der letztere nicht bei\nWeitem anziehender fand, als die Ouvertüre von Gounod's\nMireille, welche unmittelbar vorherging und welche noch\nals besondere Lockspeise für dieses Concert angekündigt\nworden war. Es ist dies gar keine Ouvertüre, nur eine\nArt von Introduction, in welcher der dem nördlichen"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "341", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641022-01.1.5", "texte": "Frankreich eigentümliche sentimentale, pastorale, süssliche\nCharakter vorherrscht, meistens von Brummbässen unter-\nstützt, den wir in Meyerbeer's , aber\nglücklicher bearbeitet, hinlänglich kennen gelernt haben.\nDann kamen zwei französische OfFerlorien und zum Schlüsse\ndas Finale aus Beethoven's fünfter Sinfonie.\nDen 27. August. Herr Lang spielte zuerst eine von\nden achtundvierzig Präludien und Fugen aus Bach's wohl-\ntemperirtem Clavier (Nr. 33 in dann seine Trans-\nscription der Freischütz-Ouverture und hierauf Herrn Dre-\nsel's reizendes kleines „Schlummerlied\", welches wir, ob-\ngleich in manchem Hause gern gehört, nie würdig gehalten\nhätten, einen Platz in einem Orgel-Concerte einzunehmen;\nes klang indessen mit seinen Echo-Melodieen ganz hübsch\nund wurde, wie es solchen Compositionen oft ergeht, stür-\nmisch da capoverlangt. Rink's Flöten-Concert (erster Satz),\neine Improvisation und das Allegro assai vivace von Men-\ndelssohn's erster Orgel-Sonate lullten die übrige Zeit aus.\nHerr Lang trug sämmtliche Stücke mit musicalischem Ver-\nständnisse und Ausdruck vor.\nDen 31. August. Wieder Herr Thayer mit folgendem\nProgramm: Ouvertüre zu „Faust\" von Gounod; OfFerto-\nrium for Cornot bassetto von Battiste; Doppelfuge in G-moll\nvon Händel; OfFertorium für die Vox humana von Eugen\nThayer; Ouvertüre zu den „Hugenotten\" (zum ersten Male\ntransscribirt) von Meyerbeer; Fuge in von Bach;\nConcert-OfFertorium von Eugen Thayer; Passacaglia von\nHändel.\nDen 3. September. Fräulein L. J. Frohock wurde bei\nihrem Wiedererscheinen in ihrer alten Heimat im Westen\nbewillkommt; Wir theilen gern mit, dass sie die gewähl-\nteste Zuhörerschaft der Saison hatte, und bezeigen sowohl\nihren hohen künstlerischen Eigenschaften, wie der echt\nweiblichen Art und Ruhe, mit der sie dieselben zur Gel-\ntung brachte, alle Achtung. Ihr Programm war folgendes:\nPedal-Fuge in G-moll von Bach; Adagio aus der Sinfonie\nNr. 1 von Haydn; Phantasie Nr. 3 von Schellenberg; Alle-\ngretto aus der Sonate Nr. 4 von Mendelssohn; Ouvertüre\nzu Oberon (transscribirt) von Weber; Idylle (transscribirt\nfür Vox humana)von Lysberg; Marsch aus dem Prophe-\nten von Meyerbeer.\nDen 7. September. Ein neuer Bewerber um die Gunst\ndes Publicums machte seinen ersten Versuch auf unserer\nOrgel, H err Dr. P aine, Organist an der Kirche in Chaucey\nStreet. Er spielte Stücke verschiedenen Inhalts, doch war\nes gute Musik: a.Choral „Ein' feste Burg\" von Bach,\nChoral in A-moll von Bach; Menuett von Händel; Allegro\nvon Rinck; Pastorale von Corelli; Ouvertüre zu dem Occa-\nsional-Oratorium von Händel; a. Adagio von Bodenschatz,\nb. Arie von Beethoven; Con Spirito in E-moll von Rinck;\nArie für Vox humana, Allegro von Händel. Gleich der\nAnfang verrieth Kraft; die beiden Choräle waren gross-\nartig und erbaulich. Eine Ouvertüre von Händel war eine\ninteressante Zugabe zu dem Repertoire und wurde gut\ngespielt, eben so das hübsche Menuett aus Samson. Die\nPastorale des allen Corelli glich ganz der Pastoral-Sinfonie\nin dem Messias von Händel; die Familien-Aehnlichkeit war\nnicht zu verkennen: derselbe Rhythmus, dasselbe Tempo,\ndieselbe Behandlung. Die beiden Stücke von Rinck waren\nrecht für die Orgel gemacht und geistreich; die beiden\nArien gut gewählt und vorgetragen.\nDen 10. September. Vergangenen Samstag hörten wir\nden wirklichen Paine, Herrn J. K. Paine, dessen Concert\nin einer der Zeitungen aus Naivetät oder Ironie dadurch\nempfohlen wurde, dass es nur zwei Com positionen\nvon Bach enthalten werde! Diese zwei indessen waren\ngerade bewunderungswerthe Werke; aber auch die übri-\ngen waren von künstlerischem Werthe. Präludium in C~\ndur von Bach; Sonate in A-clur von Ritter; Andante aus\neiner Sonate in C-dur von Mozart; Phantasie aus der „Por-\ntugiesischen Hochzeit\" von J. K. Paine; a. Pastorale, b. In-\nterludium für das Piffaro, c. Atta Marcia, Canzone von\nBach; Arie und Chor von Gluck; Variationen über das\n„Sternenbanner\" von J. K. Paine. Das Präludium von\nBach, hier zum ersten Male gehört, ist ein kühn durchge-\nführtes, schönes und frisches Stück; das andere, die Can-\nzone, mit sanfteren Registern gespielt, ist eine der lieblich-\nsten und schönsten Melodieen von Bach, eine Weise, die\nrecht zum Herzen geht und doch auch wieder im Fugen-\nstil bearbeitet. Niemand spielt diese Sachen mit so viel\nVerstänaniss und Individualisirung der Stimmen, als Herr\nPaine. Die Sonate von Ritter ist ein sehr interessantes\nWerk; sie besteht aus zwei Theilen: zuerst aus einem\nschönen Andante in zuweilen Mendelssohn'schem, zuweilen\norchestralem Stil, dann aus einer Reihe von kunstvollen\nVariationen über die deutsche National-Hymne, mit schö-\nnen Contrasten, episodischen Passagen und angehängten\nCadenzen. Das Andante von Mozart war bezaubernd. Herrn\nPaine's Phantasie über die „Portugiesische Hochzeit\" ver-\nlor nichts durch die verlangte Wiederholung. Ueberhaupt\nwar dies Herrn Paine's schönstes und erfolgreichstes Con-\ncert, obgleich er zu Anfang nicht viel Kraft bekundete und\nman seine gewohnte Festigkeit im Tempo vermisste.\nDen 14. September. Vergangenen Mittwoch spielte\nwieder Herr Thayer. Programm : Ouvertüre zu Tancred\n(zum ersten Male) von Rossini (!); Variationen in B von\nHändel; Grosses Präludium in C-moll (zum ersten Male)\nvon Bach; OfFertorium für Voxhumana von Eugen Thayer;\nConcert-OfFertorium von E. Thayer; Larghetto aus der\nzweiten Sinfonie von Beethoven; Pastorale aus Wilhelm"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "342", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641022-01.1.6", "texte": "Teil von Rossini; Ouvertüre zu den Hugenotten von Meyer-\nbeer. In der That eine sonderbare Mischung! Rossini in\nseiner leichten und scherzhaften Manier (?), Theater und\nerleuchtete Rampe! Aber wie glänzend und strahlend! Was\nden auf die Sinne wirkenden Reiz des Klanges betritt, so\nhaben wir nie eine glänzendere Combination der verschie-\ndenen Register mit dem vollen Werke des Orchesters ge-\nhört, als die, in welche Herr l hayer die fröhlichen, lachen-\nden Töne Rossini's kleidete. Es hielt schwer, sich zu über-\nzeugen, dass man nicht im Theater sei, selbst als schon die\nschönen Händel'schen Variationen begonnen hatten. Das\nRach'sche Präludium ist eines der grössten, die wir gehört\nhaben; wer kann die Grösse und Tiefe solch eines Geistes\nermessen! Seine Werke scheinen unerschöpflich, wie die\nNatur! Wo blieb da Rossini?\nBetrachten wir noch den Schluss des Concertes und\nwas weiter gespielt wurde, um die Neugier der Kinder in\nBetreff der Orgel und ihrer verschiedenen Register zu be-\nfriedigen. Offertorium über Offertorium! Das erste ist im-\nmerhin auf eine gefällige Weise zusammengestellt, um die\nVox humanazu zeigen und die Menge zu gewinnen. Aber\nein Concert-Offertorium? Ist das nicht ein Widerspruch?\nEin Offertorium ist ein religiöses Opfer in der Kirche; wie\nwürde da ein Concert-Gebet klingen?\n\nJahresbericht des Wiener Männer-Gesangvereins für\ndas Vereinsjahr vom 4. October 1863 bis 7.\nOctober 1864\n*).\nAus der Chronik des Vereins dürften einige Mitthei-\nlungen auch für weitere Leserkreise Interesse haben.\nErst gegen Ende Octobers 1863 erhielt der nieder-\nösterreichische Sängerbund die Genehmigung seiner Satzun-\ngen von Seiten der niederösterreichischen Statthalterei, je-\ndoch mit Einschränkungen gerade in den wesentlichsten\nPunkten, da sie unter Anderem auch die organische Ver-\nbindung des niederösterreichischen mit dem allgemeinen\ndeutschen Sängerbunde nicht gestattete. Am 15. November\ntraten 97 Abgeordnete von 47 Gesangvereinen Nieder-\nösterreichs zur constituirenden ersten General-Versamm-\nlung des niederösterreichischen Sängerbundes in Wien un-\nter Vorsitz des Dr. Bauer zusammen und sprachen die\nConstituirung des niederösterreichischen Sängerbundes aus.\nIn der Liedertafel zum Besten der Hülfsbediii ftigen\nin Schleswig-Holstein am 19. December lauschte das nicht\neben sehr zahlreiche, aber äusserst empfängliche Publicum\nden in Oesterreich bisher nur wenig bekannten Weisen\ndes Schleswig-Holstein-Liedes, welches die Reihe der Chor-\nVorträge einleitete, und verlangte dasselbe stürmisch zur\nWiederholung.\nAm 17. Februar fand eine Liedertafel zum Vortheile\nder verwundeten Soldaten der österreichischen Armee\nStatt, welche in künstlerischer wie in materieller Beziehung\nglänzend ausfiel. Gegen 1400 Personen füllten den Diana-\nsaal in allen Räumen. Der Reinertrag dieses Unternehmens\nbetrug die namhafte Summe von 1006 Fl. 75 Kr. öst. W.\nEin grosser Schritt zur Kräftigung des Schubert-Mo-\nnument-Fonds geschah am 7. März. An diesem Tage er-\nhielt der Verein vom Gemeinderathe der Stadt Wien die\nMittheilung, dass die Commune dem Vereine zur Errich-\ntung des Schubert-Denkmals den von ihm in Vorschlag ge-\nbrachten PJatz im Stadtparke (den so genannten Zelinka-\nHügel) unentgeltlich überlasse, die Anordnung der Umge-\nbung des Platzes zur Bildung eines gehörig hebenden Hin-\ntergrundes für das Denkmal billige und dem Fonds «inen\nReitrag von 500 Fl. aus dem Communal-Vermögen widme.\nDer Schubert-Fonds hatte durch diese letzte Widmung die\nHöhe von 16,700 Fl. C.-M. in Werthpapieren und 526\nFl. 73 Kr. öst. W. in Baarem erreicht.\nDie Zusammenstellung der Beiträge des Vereins zu\nkünstlerischen und wohlthätigen Zwecken weist bis 1. April\n1864 eine Summe von 28,178 Fl. 7 Kr. öst. W. aus.\nDer Verein hatte beschlossen, die im Vorjahre begon-\nnene Reihe der von ihm in Wien eingeführten Volks-\nConcerte auch in diesem Jahre wieder aufzunehmen und\nveranstaltete das erste am 5. Juni auf derselben Wiese,\nunter Mitwirkung der Musik-Capelle des Herrn J. Kaulich.\nDer weite Wiesenplan vor der Sänger-Tribune war von\nnahezu 6000 Personen besetzt, die sich durch den kurzen\nRegen nicht abschrecken liessen. Das Programm bestand\naus 12 Nummern. Auch dieses Jahr hatte der Verein 300\nEintrittskarten dem löbl. k. k. Armee-Commando zur Ver-\ntheilung an die Mannschaft der Garnison vom Feldwebel\nabwärts, 60 Karten der Direction des Waisenhauses, 40\ndem Blinden-Institute und 25 dem Conservatorium zur\nVertheilung an die Schüler desselben unentgeltlich zur Ver-\nfügung gestellt, und hatte die Freude, zu sehen, dass von\ndenselben sehr zahlreich Gebrauch gemacht wurde.\nVom 26. 29. Juni wohnte der Verein dem Sänger-\nfeste in Klagenfurt, der Hauptstadt von Kärnthen, bei,\nwo von seinen Vorträgen besonders das Lied „An die\nEntfernte\" von F. Schubert stürmischen Beifall erhielt.\nHerrn Capellmeister Abt zu Ehren versammelte sich\nder rasch zusammenberufene Verein am 11. Juli zu einer\nLiedertafel im engeren Kreise beim „grünen Thor\", bei\nwelcher dem Gefeierten, der bei seinem Eintritte mit stür-\nmischem Zurufe begrüsst wurde, eine Blumenlese seiner\nCompositionen für Chor und Sologesang geboten wurde.\n\n*) Verfasst von Dr. Heinrich von Billing, Schriftfijjirer."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "343", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641022-01.1.7", "texte": "Am 26. August waren mit einem Vergnügungszuge\netwa 370 Nürnberger, Sänger und Nichtsänger, in Wien\neingetroffen, deren Obmann und Leiter Herr Friedrich\nSchultheiss war. Der Verein, welcher sich bisher von den\nvon mancher Seite bis zur Uebertreibung gepflogenen Em-\npfangsfeierlichkeiten der zahlreichen Vergnügungszüge fern\ngehalten hatte, fühlte sich den Bürgern jener Stadt gegen-\nüber, in deren Mauern er im Jahre 1861 die herzlichste,\ngastlichste, ehrenvollste Aufnahme erfahren halte, berufen\nund verpflichtet, den Ankömmlingen ein Willkommen zu\nbieten, und ihnen eben in der Weise, wie es Sänger kön-\nnen, einen Beweis jenes dankbaren Angedenkens zu geben,\nwelches sich an die altehrwürdige Noris und ihre wacke-\nren Bürger knüpft. Mit Freuden nahmen die Nürnberger\ndie Einladung zu einer Liedertafel im engeren Kreise an,\nwelche der Verein zu ihren Ehren am 29. August in den\nSaalräumen der Dreher'schen Bierhalle veranstaltete.\nAm 4. September zog der Verein zum ersten Sän-\ngerfeste des niederösterreichischen Sängerbun-\ndes. Das Concert fand in der Akademie-Winter-Beitschule\nStatt, die ausser der grossen Tribüne für die Sänger noch\nRaum für 1208 Sitzplätze und etwa für eine doppelt so\ngrosse Anzahl stehenden Publicums hatte, und begann um\nhalb 4 Uhr mit dem „Bundesspruche\", an welchen sich 6\nGesammtchöre und 19 Einzelvorträge verschiedener Ver-\neine anschlössen. Von den beim Feste vertretenen 45 Ge-\nsangvereinen hatten 21 Solovorträge angemeldet; zwei\ndavon, der Leopoldstädter und der Korneuburger Verein,\nhatten ihre Anmeldung zurückgezogen.\nDie Damen Klagenfurts spendeten dem Vereine\neinen künstlerisch schon gearbeiteten silbernen Lorberkranz\n„zur Erinnerung an die genussreichen Tage des 26.—29.\nJuni 1864\", wie die auf der silbernen Kranzschleife ein-\ngravirte Widmung besagt.\nDer Verein ist in diesem Jahre, die Stiftungs-Messe\nnicht mitgerechnet, 14 Mal mit öffentlichen Aufführungen\nvor das Publicum getreten. Liedertafeln im engeren Kreise\nfanden fünf Statt. Sängerfahrten wurden vier unternommen,\nauf den Kahlenberg, nach Klagenfurt, nach Brünn und\nnach Wiener-Neustadt. Nach Inhalt der diesem Berichte\nbeigefügten Programme der öffentlichen Aufführungen\nwurden in diesen vom Vereine allein 104, in Verbindung\nmit anderen Vereinen 15 Chöre gesungen, und schliessen\nsich daran 13 Solo-Quartette und 17 Einzelvorträge, letz-\ntere theils von Vereins-Mitgliedern, theils von geladenen\nGästen ausgeführt. Unter den gesungenen Chören waren\n27 Novitäten.\nDie namentlichen Verzeichnisse der Mitglieder weisen\neine Zahl von 238 ausübenden Mitgliedern nach,\nund zwar 50 erste Tenöre, 53 zweite Tenöre, 72 erste\nBässe und 63 zweite Bässe. Es schieden 24 Mitglieder aus.\nNeu- und Wiederaufnahmen, im Sinne des im Vorjahre\ngefassten Vereinsbeschlusses nur auf vorzüglich wün-\nschenswert he Kräfte eingeschränkt, fanden 7\nStatt. Zu Ehren-Mitgliedern wurden die Herren Ga-\nbriel Jessernigg, Bürgermeister, Dr. Victor Bitter von Bai-\nner, Vorstand des Gesangvereins in Klagenfurt, und A.\nMethfessel in Braunschweig ernannt. Unterstützende\nMitglieder hat der Verein 484, dabei 14 Damen, und\nunter diesen die Frau Gräfin Esterhazy und die Frau\nFürstin Palm-Gundelfingen.\nDer Jahres-Rechnungs-Abschluss weist einen blühen-\nden Stand des Vereins-Vermögens nach, ja, einen blühen-\nderen, als im Vorjahre; Cassarest für 1862 —63 2352\nFl. 82 Kr., für 1863-64 3378 Fl. 99'/2 Kr. Dabei\nhat der Verein ausser den gewöhnlichen Administrations-\nAuslagen, ausser dem Ehrensolde für Chormeister Her-\nbeck mit 600 Fl. öst. W. und der Pension für die Witwe\neines um den Männergesang hochverdienten Componisten,\nnoch über 2000 Fl. dem Schubert-Fonds zugewendet und\n200 FI. zur Aushülfe für die mittellosen Anverwandten\ndreier verstorbener Mitglieder angewiesen; ferner 364 Fl.\n10 Kr. an den Hülfs-Ausschuss für Schleswig-Holstein,\n500 Fl. an den Gablenz-Fonds und 506 Fl. an den wie-\nner patriotischen Hülfsverein. An Ehrensold für Erst-\nAufluhrungen versandte der Verein an 22 Componisten\nje 1 k. k. Ducaten in Gold und 4 Ducaten an A. Methfessel.\nDie Gesammt-Einnahme betrug 0557 Fl. 20 Kr., die\nAusgabe 6178 Fl. 21 Kr. Der vierte Nachweis vom\n10. September 1864 über den Stand des Fonds zu F.\nSchubert's Denk mal ergibt an Werthpapieren 18,600\nFl. und an Baar 1170 Fl.\nUnter den öffentlich vorgetragenen Novitäten wurden\nunter anderen F. Hiller's „Ostara\" und „Osterfeier*\nund F. Weber's „Gondolier\", Bariton-Solo mit Chor,\nmit besonderem Beifalle aufgenommen.\n\nAus Dresden.\nFür die Winter-Saison rüsten sich hier schön sehr\ntüchtig die musicalischen Kräfte, indem die k. Capelle einen\nCyklus von sechs Sinfonie-Concerten angezeigt hat, in wel-\nchem nur Orchesterwerke vertreten sind; und zwar werden\nals neu darin zur Aufführung kommen: Suite Nr. 2 (JE-moll)\nvon F. Lachner; Serenade von Mozart für Orchester, 1779\nin Salzburg componirt; Sinfonie {D-moll) von B. Volkmann;\nConcert-Ouverture {Des-dur) von F. Hiller; Sinfonie (A-\n--dur) von Beinecke; Concert-Ouverture von F. Grützma-\ncher; Sinfonie von Th. Gouvy. Als zweites derartiges Un-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "344", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641022-01.1.8", "texte": "ternehraen beabsichtigt Hans v. Bronsart, vier grössere Con-\ncerte mit Solo-Vorträgen und Orchesterwerken, so wie\nzwei Soireen für Kammermusik zu geben, wobei aber die\nSolisten noch nicht mit angezeigt sind. Mittlerweile macht\nUllman aus America mit seinen Patti-Concerten vom Ende\ndieses Monats an Dresden und dessen Umgebung unsicher.\nAls Anfang der Concert-Saison stehen Productionen der\nhiesigen k. Concertmeister Lauterbach und der Mary Krebs\nin Aussicht, indem Herr Hof-Capellmeister Krebs doch\nauch diesen Winter möglichst zeitig die Fortschritte seines\ntalentvollen Töchterchens nicht ohne pecuniären Nutzen\nvorzuführen wünscht. Auch der Pianist Taussig beab-\nsichtigt, hier zu concertiren.\nAls echt künstlerische Unternehmungen und Bestre-\nbungen stehen im bescheidenen Hintergrunde die Produc-\ntions-Abende des Tonkünstler-Vereins, die Quartett-Soireen\nder Herren Lauterbach, Hüllweck, Görny und Grützmacher\nund die Trio-Soireen der Herren Rollfuss, Seelmann und\nSchlick, zu denen sich voraussichtlich noch manche andere\nmusicalische Unterhaltungen gesellen werden.\nIn den letzten Tagen des September waren hier die\nAbgeordneten des „Allgemeinen deutschen Männer-Gesang-\nbundes\" versammelt, welche den Bescbluss gefasst haben,\ndass das nächste grosse Männer-Gesangfest vom 25. Juli\n1865 an in Dresden abgehalten werden und demnächst\neine Aufforderung an deutsche Componisten zur Betheili-\ngung an Concurrenz-Compositionen ergehen soll. Alles Wei-\ntere ist dem Comite zur Ausführung überwiesen. (S. unten\ndie Anzeige.)\nProfessor Faisst aus Stuttgart spielte auf der Orgel der\nhiesigen Kreuzkirche vor den Mitgliedern des Tonkünstler-\nVereins mehrere eigene Compositionen, so wie die Sonate\nin B-durvon Mendelssohn und Passacaglia von J. S. Bach\nund bewährte sich sowohl als Componist wie auch als Or-\ngelspieler als einen der tüchtigsten Meister dieses Instru-\nmentes und rechtfertigte damit den guten Ruf, den er in\nSüddeutschland geniesst. (W. Ree,,)\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nAuch das manriheimer Orchester hat nun die neue pariser\nStimmung adoptirt und ist dieselbe bei der Wiedereröffnung des dor-\ntigen Theaters am 7. August mit „Dinorali\" zum ersten Male zur\nAnwendung gekommen.\nDie Bayerische Zeitung schreibt aus München, 13. October:\n„König Ludwig hat den königlich preussischen Musik-Director in\nAachen, Franz Wüllner, zum königlichen Capellmeister extra\nstatum ernannt, und wird derselbe am 1. März k. J. seine Function\ndahier antreten, welche hauptsächlich in der Direction der königl.\nVocal-Capelle (in der Hofkirche) neben General-Musik-Director von\nLachner und Capellmeister Aiblinger bestehen wird.'*\nDer bisherige Director des Conservatoriums in München hat\ndieser Tage ganz unerwartet sein Pensionirungs-Decret erhalten, und\nwurde an seine Stelle der Priester Nissl, bisher Director des Jo-\nhanneums, berufen. (Nach einer anderen Nachricht, die wir aber aus\näusseren und inneren Gründen nicht verbürgen können, wäre Ri-\nchard Wagner zum Director des Conservatoriums ernannt!)"}]}