{"numero_id": "bm-bmtnabi-1864-10-29-01", "volume": "bmtnabi_1864-10-29_01", "ocr_sha256": "c04d723a058da1e40257fa3973fcf5a6fcd571341d9106f416fb10586a46eaac", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1864/10/29_01/bmtnabi_1864-10-29_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641029-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1864-10-29-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-10-29_01#c001", "volume": "bmtnabi_1864-10-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "345", "page_fin": "345", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641029-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "345", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641029-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 482, "texte": "Inhalt.\nAmelie Bido (Lebensskizze). Musikbericht aus Leipzig für den Monat September (Männergesang Dr. H. Langer\nDie Lilse sehe Capelle aus Liegnitz Die Oper und deren Personal). Von Dr. Oscar Paul. Lieder für eine Singstimme. Norbert\nBurgmüller, Fünf Lieder, Op. 12. Reinhold Stöckhardt, Sechs Lieder, Op. 8. Clara von Gossler, Sechs Lieder. Erstes Gesellschafts-Con-\ncert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Concert von C. Halle Dortmund, Concerte u. s. w.:"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-10-29-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-10-29_01#c002", "volume": "bmtnabi_1864-10-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "345", "page_fin": "346", "image_debut": 1, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641029-01.2.2", "titre_corps": "Amelie Bidó.", "titre_sommaire": "Amelie Bidó.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "345", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641029-01.1.1", "debut_caractere": 484, "fin_caractere_exclue": 4114, "texte": "Amelie Bidó.\nDiese junge Künstlerin aus Ungarn, dem Vaterlande\nJoachim's und anderer ausgezeichneter Violinspieler, wie\nAuer, Remenyi, Singer u. s. w., hat sich nicht nur in\nDeutschland, sondern auch in Italien, Frankreich und Eng-\nland den Ruf einer glücklichen Nachfolgerin von Therese\nMilanollo erworben.\nNachdem sie im Winter des Jahres 1863 in mehre-\nren Städten von Norddeutschland, namentlich in Hannover\nund Oldenburg, mit grossem Beifalle wiederholt gespielt\nund in Holland binnen zehn Wochen zweiunddreissig Con-\ncerte gegeben hatte, wurde ihr in Karlsbad und Kissin-\ngen die hohe Ehre zu Theil, sich vor den Majestäten von\nOesterreich und Preussen hören zu lassen und die schmei-\nchelhaftesten Beweise der Allerhöchsten Huld zu erhalten.\nDen Rest des Sommers brachte sie in der Schweiz auf\nRigi-Schaltbad zu und gab dann in der ersten Hälfte der\nSaison Concerte in Bern, Zürich, Genf und anderen\nStädten Helvetiens. Der rauhe Winter griff jedoch ihre\nGesundheit an, so dass sie beschloss, den lange gehegten\nWunsch, Italien zu sehen, jetzt auszuführen, wozu denn\nauch ihr Arzt angelegentlich rieth.\nEnde Januar 1864 machte sie die Reise über die\nAlpen, und der Aulenthalt in Como, der Vaterstadt der\nGeschwister Milanollo und Ferni, wirkte auf erfreuliche\nWeise belebend und erfrischend auf ihre Gesundheit, so\ndass sie mit erneuter Kraft ihre künstlerischen Zwecke\nwieder verfolgen konnte.\nVon ih ren Concerten in Italien erwähnen wir vorzugs-\nweise, dass sie an drei auf einander folgenden Abenden,\nden 11., 12. und 13. März, in Mailand auf dem Thea-\nter Carcano und am 25. März im Theater der Scala mit\nglänzendem Erfolge concertirte und durch rauschenden\nApplaus und alle jene enthusiastischen Ovationen, welche\ndas italiänische Publicum zu spenden pflegt, wenn es ent-\nzückt ist, auf das ehrenvollste gefeiert wurde.\nWiewohl ihr nun diese Erfolge in Mailand eine glän-\nzende Aussicht auf eine weitere Kunstreise durch Italien\neröffneten, so musste sie sich doch auf die zunächst liegen-\nden Städte beschränken, da bereits früher getroffene Be-\nstimmungen sie nach London riefen, um dort noch zu\nrechter Zeit in der Saison einzutreffen. Sie trat desshalb\nAnfangs April die Rückreise an, auf welcher sie in Turin\nnoch drei Concerte (den 15., 21. und 28. April) im Saale\nMarchisio mit demselben Beifalle, wie in Mailand, gab und\ndann den Mont Cenis passirte, um über Lyon und Paris\nnach London zu gehen.\nIn Paris gab sie am 15. Mai unter Patronage der\nFrau Baronin Sina eine glänzende Soiree im\nLouvreund reiste darauf nach London.\nIn London erfreute sie sich der freundlichsten Zu-\nvorkommenheit der Herren Benedict und Ernst Pauer,\nwurde durch sie sehr bald in die höheren musicalischen\nKreise der Weltstadt eingeführt und trat schon am 18.\nund 24. Mai in Manöver Square Booms in zwei Concer-\nten auf, in denen Madame Lemmens-Sherrington sang, so-\ndann in zwei Matineen bei der Marquise von Downshire\n(mit Benedict, Madarne Grisi und Dr. Gunz), wo die Her-\nzogin von Cambridge und die Auswahl der hohen Aristo-\nkratie gegenwärtig war. Durch ihre trefflichen Leistungen\nhatte sie einen solchen Erfolg, dass sie eine eigene Matinee\nveranstaltete, wozu ihr die Frau Marquise von Downshire\nden Concertsaal in ihrem Palais bewilligte. Noch mehr:\ndie Matinee fand unter the immediate Patronage of their\nRoyal Highness the Prince and II ferner\ndes Prinzen und der Prinzessin Edward von Sachsen-Wei-\nmar, der Gräfinnen Bernstorffund Apponyi, der Baronesse\nRothschild u. s. w. am 28. Juni .Entree eine Guinee) Statt.\nDie öffentlichen Blätter sprachen sich sehr günstig\nüber die Künstlerin aus. „Fräulein B'.do\", sagten z. B."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "346", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641029-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2408, "texte": "Daily Neivsvom 29. Juni, „erinnerte uns lebhaft an das\nreizende Schwesternpaar Milanollo. Sie ist zum ersten Male\nin London während der jetzigen Season aufgetreten und\ngab gestern im Palais der hohen und freigebigen Be-\nschützerin der Künste, der Frau Marquise von Downshire,\nein Morgen-Concert. Sie spielte mehrere Stücke von ver-\nschiedenem Stil, zuerst Beethoven's Sonate für Piano und\nVioline, Op. 30 Nr. 2, mit Herrn Wilhelm Ganz, wo-\nbei wir die anspruchslose Ruhe und den classischen Tact,\nwomit sie ihre Partie der Ciavierstimme mit Ausnahme\nder Stellen, in denen die Violine vorherrscht, unterordnete,\nals ein Zeichen echt musicalischer Bildung mit grosser Be-\nfriedigung bemerkten. Darauf entwickelte sie in Ernst's\nOthello-Phantasie die höheren Eigenschaften und Vorzüge\nihres Spiels, welches reiche Tonfülle und Kraft mit An-\nmuth und Lieblichkeit und tadelloser Reinheit verbindet.\nSie trug die Romanze mit ergreifendem Eindruck vor und\nführte die schwierigen Virtuosen-Passagen mit Correct-\nheit, Klarheit und glänzender Bravour aus. Ein Duett für\nVioline und Violoncell von Sivori und Seligmann über\nRossini's Mira la bianca luna,das sie mit Herrn Paque\nspielte, machte einen herrlichen Eindruck. Alle Vorträge\nder jungen Künstlerin, welche zugleich eine sehr anmu-\nthige Erscheinung ist, wurden mit warmem und lebhaftem\nBeifalle aufgenommen. Zu angenehmer Abwechselung tru-\ngen eine deutsche Sängerin, Fräulein Elvira Behrens,\ndurch den Vortrag deutscher Lieder, Herr W. Ganz\ndurch eine Pianoforte-Phantasie über Motive aus Nicolai's\n„Lustigen Weibern'' und Herr Chatter ton durch ein\nbrillantes Solostück für die Harfe bei.\"\nAm 30. Juni spielte Fräulein Bidö noch einmal in\nHanover Square Rooms zugleich mit Halle, und am 13.\nJuli hatte sie die seltene Ehre, in den Palast der Prin-\nzessin von Wales eingeladen zu werden, wo die hohe Frau\nselbst die Künstlerin am Piano begleitete und sie mit den\nhuldreichsten Lobsprüchen beglückte.\nAmelie Bidö hat sich in London mit Herrn Dr. jur.\nOtto Sch m i t aus Breslau, den sie in Turin kennen\nlernte, verheirathet, wird aber unter ihrem bisherigen\nKünstlernamen ihre künstlerische Laufbahn fortsetzen.\nDie Neuvermählten gehen nach einem kurzen Aufenthalte\nin Holland demnächst nach Nizza und nach Marseille, um\nsich dort nach Java und Australien einzuschiffen. Nach\nihrer Rückkehr werden sie wahrscheinlich ihren festen\nAufenthalt in London nehmen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-10-29-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-10-29_01#c003", "volume": "bmtnabi_1864-10-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "346", "page_fin": "349", "image_debut": 2, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641029-01.2.3", "titre_corps": "Musikbericht aus Leipzig für den Monat September.", "titre_sommaire": "Musikbericht aus Leipzig für den Monat September.", "signature_source": "Oscar Paul", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "346", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641029-01.1.2", "debut_caractere": 2410, "fin_caractere_exclue": 4992, "texte": "Musikbericht aus Leipzig für den Monat September.\nVon Dr. Oscar Paul.\n(Männergesang Dr. 11. Langer Die Bilse1 sehe Capelle aus\nLiegnitz Die Oper und deren Personal.)\nDie Musentöchter sind aus den stärkenden Bädern zu-\nrückgekehrt, um sich in bevorstehender Saison voll Grazie\nund Jugendfrische in den wiedergeöffneten Concertsälen\nzeigen zu können. Wünschen wir vor allen Dingen, dass\nsie die beinahe verloren gegangenen Stimmen wieder-\nerlangt und dieselben gehörig mit Bach'schen und Händel'-\nschen Bildungsmitteln präparirt haben. Anders steht es mit\nden Musensöhnen; dieselben haben sich an Ort und Stelle,\ngetrennt von ihren zarten Schwestern, conservirt. Sie ha-\nben sich so recht als freie Männer gefühlt und daher auch\nnur Männergesang getrieben. Ihr tüchtiger Leiter,\nHerr Dr. Hermann Langer, hat ihnen gute Bildungs-\nkost gereicht, so dass wir von wirklich erstaunlichen Fort-\nschritten berichten können. Früher waren wir nur im\nStande, den Pauliner-Verein mit seinen virtuosen Männer-\ngesang-Leistungen in den Bereich unserer Musikberichte zu\nziehen; Herr Dr. Langer hat aber durch sein Talent und\nseine liebenswürdige Energie mit ungefähr 600 Sängern,\nwelche die leipziger Sängergenossenschaft bilden, solche\nResultate erzielt, dass wir mit Freuden die Erziehung des\nVolkes zur Kunst öffentlich bemerken. Gesangfeste, wie\nin Würzen bei Leipzig, und andere Sänger-Zusammen-\nkünfte bestätigten uns immer wieder das schöne Wort\nMoriz Hauptmanns: „Die Musik ist nicht für den Künst-\nler und Kunstkenner ausschliesslich da, sondern für den\nMenschen.\" Da Herr Dr. Langer bereits so weit gekom-\nmen ist, mit seiner Sängerschar die Meister des sechszehn-\nten Jahrhunderts, wie Orlandus, Palestrina, Jakob Handel\nu. s. w., und unsere modernen Coinponisten, wie Weber,\nMendelssohn, Hiller, Hauptmann u. s. w., ohne merkliche\nSchwankungen und mit Erfassung des Geistes eines jeden\nTonstückes vor einer Zuhörerschaft aus allen Ständen zur\nGeltung bringen zu können, so ist es die Pflicht eines\nFachblattes, davon Notiz zu nehmen, welcher Pflicht wir\nhiermit nachgekommen sein wollen. Weitere Fortschritte\nunserer Sänger-Corporation werden uns gewiss zu ein-\ngehenderer Besprechung Gelegenheit darbieten.\nIn Bezug auf Orchestermusik sind namentlich die Lei-\nstungen des Bilse'schen Orchesters aus Liegnitz in dem\nSaale des Hotel de Pobgne während der Messe hervorzu-\nheben. Herr Capellmeister Bilse, königlicher Musik-Di-\nrector, hat ebenfalls das Bestreben, die gute classische\nMusik ins Volk einzubürgern, wie seine Vorführungen\nvon Tonwerken unserer grössten Meister beweisen. Die"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "347", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641029-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5512, "texte": "trefflich geschulte Capelle, welche fast zu Vergleichen mit\nden Orchestern grösserer Concert-Institute auffordert, ist\nauch ganz dazu angethan, jenes beachtenswerthe Ziel zu\nerreichen. Der immer volle Saal und die ruhige, würdige\nHaltung des gemischten Publicums kennzeichneten hier\nden Eindruck, welchen die prächtigen Productionen in den\nHerzen der Zuhörerschaft, worunter sich zuweilen die\nnamhaftesten Künstler befanden, zurückliessen. Möge es\nHerrn Bilse auch in Paris vermöge seiner hohen Empfeh-\nlungen gelingen, für unsere gute deutsche Musik in wei-\nteren Kreisen zu wirken.\nEin besonderes Interesse erregt jetzt das seit dem 1.\nSeptember wieder eröffnete Theater. Das im Innern re-\nstaurirte Haus zeigt uns ein freundlicheres Gesicht, und\nauch die Leistungen der Oper sind bis jetzt im Ganzen\nweit befriedigender gewesen, als es unter Herrn Wirsing's\nDirection in letzterer Zeit der Fall war. Leider vermögen\nwir kein abschliessendes Urtheil zu fällen, weil die Enga-\ngements der einzelnen Mitglieder noch nicht festgestellt\nund früher öffentlich genannte Persönlichkeiten noch gar\nnicht zum Auftreten gelangt sind. Indem wir uns also zu\neiner summarischen Uebersicht genöthigt sehen, erwähnen\nwir, dass uns im Monat September sechs Opern: Jüdin,\nFreischütz, Martha, Nachtlager, Robert der Teufel und\nDon Juan, in neun Vorstellungen geboten wurden. In die-\nsen Vorstellungen zeigte sich Herr Capellmeister Gustav\nSchmidt, Componist mehrerer mit Beifall gegebener\nOpern, als einen vortrefflichen Dirigenten, dessen Talent\nund Kenntnisse unsere Capelle, bestehend aus dem Kern\ndes Gewandhaus-Orchesters, vollständig zu beherrschen\nvermögen. Daher kommt es denn auch, dass die einzelnen\ntrefflichen Orchester-Mitglieder gern unter seiner Leitung\nspielen und durch Aufmerksamkeit zur Herstellung eines\nschönen Ensembles eifrig beitragen. Eben so bemerkbar\nsind die recht frischen und anständigen Leistungen des\nChors, welche früher kaum zu ertragen waren. Herr Chor-\nDirector Friedrich, ein tüchtig gebildeter Musiker, er-\nwirbt sich durch fleissiges Einstudiren seines Sänger-Per-\nsonals jedenfalls ein grosses Verdienst, welches von der\nKritik uneingeschränkt anerkannt werden muss. Die wei-\ntere Thätigkeit des genannten Künstlers wird gewiss noch\nschöne Resultate in Bezug auf feinere Nuancirung und\nbessere Text-Aussprache erzielen, wobei wir uns erlauben,\nauf das allzu bemerkbare Hervorstossen der Stimm-\nEinsätze aufmerksam zu machen, ohne etwa die Präci-\nsion der Einsätze beeinträchtigen zu wollen.\nWas nun das uns bekannte Personal der Solisten be-\ntrifft, so nennen wir zuerst Frau Palm-Spatzer als\nRecha und Donna Anna. Genannte Dame ist über ihre\nBlüthezeit längst hinaus, wirkt aber durch ihre tüchtige\nGesanges-Technik und durch maassvollen dramatischen\nVortrag noch so, dass ihr die Anerkennung des Publicums\nselten fehlt. Leider vernehmen wir, dass die jedenfalls her-\nvorragende Künstlerin im Hinblicke auf das Abendrolh\nihrer Künstler-Laufbahn nicht engagirt worden ist. Ein\nGleiches widerfuhr Frau Sicora-Pelli, deren Alice in\nuns die besten Hoffnungen erweckte, da sie diese Partie\nmit dramatischem Feuer, gepaart mit richtigem musicali-\nschem Ausdruck, zur vollsten Geltung brachte. Im Gegen-\nsätze zu dieser Leistung stand aber ihre Elvira, die uns\nnoch niemals so verfehlt vorgeführt wurde. Nicht einmal\ndie einfachsten Tonleiter-Passagen gingen correct, ohne des\ngeradezu trostlosen Spiels zu gedenken, so dass von ir-\ngend welchem Beifalle natürlich gar keine Rede sein konnte.\nAuch über Frau Leinauer, die wir in der letzten Vor-\nstellung der Jüdin als Recha hörten, können wir nichts\nbesonders Gutes berichten. So weit wir nach einmaligem\nHören zu urtheilen vermögen, dürfte diese Dame nicht im\nStande sein, die Ansprüche unseres Publicums zu befrie-\ndigen, denn sie tremulirt fortwährend, singt die Scala nicht\ncorrect und besitzt auch keine besonders ausgiebige\nc» O\nStimme, welche bei einigem Kraftaufwande im hohen Re-\ngister noch dazu unangenehm klingt. Die Coloratursängerin\nFräulein Kropp hat bereits einen anständigen Grad von\nGesanges-Technik erlangt, durch welchen ihre sehr dünne\nund in der Höhe vom zweigestrichenen bis zum dreige-\nstrichenen clscharf und oboenartig klingende Stimme eini-\nger Maassen gehoben wird. Correctes Ansetzen und Ver-\nbinden der Töne, gut musicalische Nuancirung sind als zu\nlobende Eigenschaften hervorzuheben, wobei jedoch zu-\nweilen einiges Detoniren nach der Höhe, Kälte im Aus-\ndruck und lahme Action nicht verschwiegen werden dür-\nfen, wie es sich in der Partie der Eudoxia und der Isa-\nbelle wiederholt herausstellte. Als jugendliche dramati-\nsche Sängerin zeigte sich wiederholt Frau Theten, und\nzwar errang dieselbe als Agathe und Alice recht bemer-\nkenswerte Erfolge. Noch im Werden begriffen, dürfte\ndiese junge, hübsche Frau mit guten Anlagen zu einer ge-\nwissen Höhe gelangen können, wenn sie beim Sludiren\nihrer Partieen mehr Aufmerksamkeit auf Tonverbindung\nund reine Intonation im Piano verwendet. Das allerdings\nseltener vorkommende Detoniren ist bei dieser Künst-\nlerin nicht Gehörfehler, wie sich sofort erkennen lässt, son-\ndern einfach Nachlässigkeit; eben so ist bei Cadenzen die\nübertriebene Anwendung des Portamento, wie auch im\nGanzen die noch etwas steife Action zu tadeln. Frau Thelen\nkann bei kräftigem Willen diese Fehler beseitigen und so-\nmit auch weiter emporsteigen. In ihrer Gesangsbildung ist\nsozusagen „noch nichts verdorben\", wesshalb wir ihr\nden schönen Spruch Schiller's zur Beherzigung empfehlen:\n\n□"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "348", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641029-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5335, "texte": "„Suchst du das Höchste, das Grösste? Die Pflanze kann es dich\nlehren:\nWas sie willenlos ist, sei du es wollend das ist's !u\nFräulein Karg, schon früher unter Herrn Wirsing's Di-\nrection Mitglied unserer Bühne, ist hier sehr beliebt. Ihr\nAennchen im Freischütz und ihre Zerline im Don Juan\ntragen der Künstlerin immer reiche Beifallsspenden ein.\nGern gestehen wir auch zu, dass genannte Dame eine vor-\nzügliche Bühnen-Routine besitzt und durch ausdauernden\nFleiss auch einen gewissen Grad musicalischer Ausbildung\nerlangt hat. Alles Musicalische hat sie aber wohl durch\nsich selbst errungen, da sie nie von einem wirklichen Ge-\nsanglehrer unterrichtet wurde. So sehr auch diese Selbst-\nbildung anzuerkennen ist, so lässt sich dabei aber doch\nnicht verkennen, dass sich so manche Verkehrtheiten und\nIncorrectheiten eingeschlichen haben, die sich bei dem\nrespectablen Talente unserer Künstlerin durch eingehende\nUnterweisung von einem tüchtigen Gesanglehrer in kürze-\nster Zeit ausmerzen lassen würden. Freilich ist auch die\nPersönlichkeit mehr zur feineren Posse, worin Fräulein\nKarg ausserordentlich Tüchtiges leistet, geeignet, als zum\nSoubrettenfach in der Oper. Künstlerisch-musicalische Aus-\nbildung hilft aber über Aeusserlichkeiten hinweg, auch\nwenn sich die etwas starke Figur ein wenig widerspänstig\nzeigen sollte.\nDer Heldentenor Herr Gr im ming er, dessen Spiel als\nEleazar in der „Jüdin\" hoch anerkannt werden muss, ist\nin Gefahr, sich durch sein Tremolo die früher gewiss recht\nschöne Stimme zu verderben, so dass es ihm oft schwer wird,\nden Ton mit Sicherheit zu halten. Indessen ist Herr Grim-\nminger jedenfalls ein gebildeter Sänger» welcher einen er-\nfreulichen Gegensatz gegen die Lungenhelden unserer Tage\nbildet. Ob die Direction durch dessen Engagement Vor-\ntheile erringen dürfte, ist zweifelhaft; denn unser Publi-\ncum, welches bei Wiedereröffnung des Theaters nach lan-\nger Pause Alles ohne Ausnahme beklatschte, hat seinen frü-\nheren kritischen Verstand wieder erlangt und zeigt bei jeder\nOpern-Vorstellung ein strengeres Urtheil: wir müssen in-\ndess spätere Vorstellungen abwarten. Uebrigens könnte\nHerr Grimminger recht gut die Sänger-Laufbahn mit der\neines Schauspielers vertauschen, indem Darstellungs-Talent\nund sehr achtungswerthe Geistesbildung in vollem Maasse\nbei ihm vorhanden sind.\nAuch die beiden lyrischen Tenoristen, Herr Henrion\nund Herr Winterberger, sind stimmlich nicht brauch-\nbar genug. Ersterer besitzt zwar eine bessere Gesangsbil-\ndung, als letzterer, die Stimme an sich ist aber so schwach,\ndass sie höchstens einen kleinen Saal zur Noth ausfüllen\nkann. Wenn nun hierzu noch unbeholfene Action tritt, so\nbleibt lür die Bühne nichts übrig. Herr Winterberger ge-\nbietet bei mangelhafter Gesanges-Technik ebenfalls über\nkeine grosse Stimme und ist desshalb, obgleich sein Spiel\nanmuthend wirkt, auch nicht für unsere Bühne passend.\nDen besten Tenor lernten wir in Herrn Konewka ken-\nnen; sein Baimbaut und Ottavio zeigten uns eine hübsche,\nwenn auch nicht sehr starke Stimme, ferner anständige\nmusicalische Bildung und entschiedenes Darstellungs-Ta-\nlent. Dass Herr Konewka durch fleissiges Streben an un-\nserer Bühne eine recht bemerkenswerthe Stellung errin-\ngen kann, dürfte kaum zu bezweifeln sein. Genannten\nHerrn erlauben wir uns aber auf die Bildung seines hohen\nBegisters aufmerksam zu machen. Die Töne vom einge-\nstrichenen fbis zum eingestrichenen klingen etwas gau-\nmig, eben so scheint uns beim Singen der Vocale das Nie-\nderhalten der Zunge und leise Anlegen derselben an die\nWurzel der Unterzähne nicht hinreichend beobachtet zu\nwerden. Bei genauerer Beobachtung dieser Sängerregel\ndürfte Herr Konewka seiner Stimme eine grössere Fülle\nund Anmuth entlocken.\nVon Bassisten heben wir namentlich Herrn Hertzsch\n(Caspar, Bertram, Leporello) hervor. Anfangs erschien\nuns zwar die Stimme hübsch, aber seine Gesangesbildung\nnoch nicht recht entwickelt. Herr Hertzsch hatte jedoch\nlängere Zeit pausirt und fühlte sich beim Wiederauftreten\nnicht so ganz sicher; die letzten Ergebnisse waren nun\nvon der Art, dass wir in genanntem Künstler eine tüch-\ntige musicalische Bühnenkraft begriissen können, bei der\nwir Sicherheit im Ansetzen und Verbinden der Töne, deut-\nliche Text-Aussprache und musicalisches Verständniss in\nEnsemblesätzen wahrzunehmen Gelegenheit hatten. Die\nStimme ist zwar nicht übermässig stark, klingt aber sehr\nangenehm und kommt frei von Manieren zu richtiger Gel-\ntung. Dass Herr Hertzsch ein früherer Schüler des Herrn\nProfessors Böhme in Köln ist, wollen wir hier beiläufig\nbemerkt haben. Indem wir die Herren Hirsch und Gitt\nals zu kleineren Bass-Partieen recht verwendbar erwäh-\nnen, führen wir zum Schlüsse noch den mit schöner Per-\nsönlichkeit ausgestatteten Baritonisten Herrn Thelen vor.\nDie Stimme besitzt angenehmen Klang mit Tenorfärbung\nund hinreichende Stärke, wenn auch hin und wieder einige\nGaumentöne und ein wenig Tremolo die Leistungen be-\neinträchtigen, wie wir es z. B. in der Partie des Don Juan\nzu bemerken Gelegenheit hatten. In genannter Rolle hat\nsich auch Herr Thelen ein noch cavaliermässigeres Beneh-\nmen anzueignen, was ihm bei seiner äusseren Schönheit\ndoch leicht gelingen muss. Im Allgemeinen können wir mit\neinem solchen Baritonisten recht zufrieden sein, wenn ihm,\nwie vorauszusetzen, ein weiteres künstlerisches .Streben\ninnewohnt."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "349", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641029-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 692, "texte": "Dass wir bis zu der Zeit, wo der Bau des neuen Thea-\nters vollendet und die Stadt Leipzig für höhere künstle-\nrische Errungenschaften bemüht sein wird, an unserem\nStadttheater nicht Grössen ersten Ranges besitzen können,\ndürfte leicht eingesehen werden. Daher wollen wir denn\nauch in Rücksicht darauf der Direction für ihr umsichti-\nges Bemühen, ein gutes Ensemble herzustellen, unsere volle\nAnerkennung nicht vorenthalten, und wünschen nur, dass\ndie einzelnen Bühnen-Mitglieder dieses Bemühen der Di-\nrection kräftig unterstützen und den schönen Spruch recht\nbeherzigen:\n„Immer strebe zum Ganzen, und kannst du selber kein Ganzes\nWerden, als dienendes Glied schliess' an ein Ganzes dich an!\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-10-29-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-10-29_01#c004", "volume": "bmtnabi_1864-10-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "349", "page_fin": "349", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641029-01.2.4", "titre_corps": "Lieder für eine Singstimme.", "titre_sommaire": "Lieder für eine Singstimme.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "349", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641029-01.1.5", "debut_caractere": 694, "fin_caractere_exclue": 4260, "texte": "Lieder für eine Singstimme.\nNorbert Burgmüller, Fünf Lieder für eine Sing-\nstimme mit Begleitung des Pianoforte. Op. 12.\nNr. 5 der nachgelassenen Werke. Verlag von\nFriedrich Kistner in Leipzig.\nAuch in der Composition dieser Lieder hat sich der\nzu früh dahingeschiedene Tonsetzer als ein tüchtiges Ta-\nlent gezeigt, dem eine Fülle edler Melodieen zu Gebote\nstand. Einfachheit und Klarheit in der Form, gesunde\nHarmonik und richtige Declamation sind die glücklichen\nEigenschaften der melodiösen und dabei nicht schwer zu\nsingenden Lieder, welche Sängern und Sängerinnen, die\nnoch ausserhalb neudeutscher Errungenschaften ihr Glück\nin einfacher Diatonik finden, eine willkommene Gabe sein\nwerden. Während Nr. 1, 3 und 5 mehr zum Vortrage in\neinem kleineren Kreise von Kunstfreunden geeignet sind,\ndürften Nr. 2 und 4 zum Öffentlichen Vortrage für grös-\nsere Stimmen sehr zu empfehlen sein, wobei wir uns die\nBemerkung erlauben, dass. in Nr. 2 das aus fünf Tacten\nbestehende Nachspiel nicht in zu schnellem Tempo, son-\ndern eher etwas breit ausgeführt werden möge, obgleich\nAllegro vorgeschrieben ist. Die Triolenfiguren klingen aber\nhier in gemässigterem Zeitmaasse, wie es auch der ganzen\nAnlage des Liedes angemessener ist, nobler und schliessen\ndas Lied in dieser Weise mit grösserer- Würde ab. Die\nAusstattung des Heftes ist brillant, wie man es stets von\nder genannten renommirten Verlagshandlung gewohnt ist.\nReinhold Stöckhardt, Sechs Lieder für Tenor\noder Sopran mit Begleitung des Pianoforte. Op. 3.\nLeipzig, bei Alfred Dörffel.\nWenn wir uns nicht ganz täuschen, so wird der junge\nComponist dieser Gesänge der Welt noch manche\nschöne Melodie überliefern. Obwohl in der Form genann-\nter Lieder der Einfluss Mendelssohn'scher Lyrik nicht zu\nverkennen ist und einzelne Wendungen auch die Nach-\nahmung Schumann scher Eigentümlichkeiten verrathen.\nso sind doch auch in dem durchweg gesunden Tonsatze\nso viel selbständige Ausdrucksweisen, dass die natürliche\nUrsprünglichkeit des Componisten ausser allem Zweifel\nsteht. Die Lieder sind bei allem melodischen Reize und bei\naller harmonischen Fülle in der Clavier-Begleitung doch\nleicht auszuführen und somit einem grösseren Publicum\nzugänglich. Die junge, strebsame Verlagshandlung von Al-\nfred Dörftel, deren trelTliches musicalisch-wissenschalt-\nliches Leih-Institut in diesen Blättern wiederholt erwähnt\nwurde, hat es an einer splendiden Ausstattung nicht fehlen\nlassen, was wir im Interesse der Abnehmer noch erwähnt\nhaben wollen.\nClara von Gossler, Sechs Lieder für eine Sine-\nstimme mit Begleitung des Pianoforte. Leipzig,\nGustav Heinze.\nEs ist für uns eine erfreuliche Thatsache, wenn uns\nbei einer strebsamen Componistin technische Fertigkeit im\nSatze und Gewandtheit in Handhabung der Form entge-\ngentreten. Dass dies bei genannter Dame, Schülerin von\nRobert Franz in Halle, wirklich der Fall ist, zeigen die\nstimmungsvollen Gesänge, deren leicht fassliche und perio-\ndisch wohl gegliederte Melodieen die trefflichen Gedichte\nvon Platen, Lenau u. s. w. dem Herzen näher zu führen\nrecht geeignet sind. Obwohl das weibliche Herz von den\nStürmen der Welt, in denen sich der männliche Charakter\nbildet, gewöhnlich weniger berührt wird, und somit auch\nder Gedänkenflug nur eine geringere Höhe erreichen kann,\nso berühren doch die zarteren Schwingungen einer edel\nempfindenden Seele wohlthuend das Gemüth anderer, und\nsind im Stande, auch in weiteren Kreisen Sympathieen zu\nerwecken. Das erwähnte Liederheft genannter Dame ist\nvon der Verlagshandlung in recht angenehmer Form der\nOeffentlichkeit übergeben worden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-10-29-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-10-29_01#c005", "volume": "bmtnabi_1864-10-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "349", "page_fin": "350", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641029-01.2.5", "titre_corps": "Grstes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller, Dinstag, den 25. October 1864.", "titre_sommaire": "Grstes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller, Dinstag, den 25. 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Vor\nvierzehn Jahren haben wir es hier zum letzten Male gehört, und so\nwar es einem grossen Theile des jetzigen Concert-Publicums voll-\nkommen neu, während es auch für die älteren Kunstfreunde, wie\nfür alle Musiker die unschätzbare Eigenschaft besitzt, beständig neu\nzu bleiben, im Gegensatze so vieler Neuigkeiten, deneu die Lebens-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "350", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641029-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6886, "texte": "kraft fehlt, alt zu werden und doch jung zu bleiben. Eine halbe\nGeneration ist vergangen seit jenem Sommer von 1850, wo die letzte\nAufführung der „Zerstörung von Jerusalem\" in Köln Statt fand, und\nvierundzwanzig Jahre lang hat das Werk seit seiner ersten Aufführung\nim Winter von 1839 bis 1840 in Leipzig seine glänzende Laufbahn\ndurch die Welt gemacht, nicht wie ein Meteor, das blendend über\ndie Erde hinfährt und so schnell, wie es gekommen, wieder ver-\nschwindet, sondern wie ein neu entdeckter Planet, der seine Bahn\nden anderen anreiht, welche die Welt vor der Zeit, als er sichtbar\nwurde, bewundert hat. Dieses Oratorium war erst das vierundzwan-\nzigste Werk, mit welchem Hiller in die OefFentlichkeit trat; wäh-\nrend er durch Instrumental-Compositionen und als Virtuose bereits\ndie Aufmerksamkeit der musicalischen Welt auf sich gezogen, er-\nschien das Oratorium im Vergleiche zu den früheren Vocalsachen\nkleineren Umfangs wie eine Minerva, die vollkommen gerüstet aus\ndem Haupte Jupiter's aufstieg, und die Zueignung des Werkes an\nMendelssohn, den grössten Componisten seiner Zeit, wurde durch\nden tiefen Gehalt der musicalischen Gedanken und die geniale Be-\nhandlung und Durchführung derselben . in vollem Maasse gerechtfer-\ntigt. Hiller hatte schon im Jahre 1888 in Italien am Corner See, wo\ner mit seiner Mutter lebte, die den grössten Antheil gerade an die-\nsem Werke ihres Sohnes nahm, die bedeutendsten Partieen desselben\nskizzirt. Er war damals erst siebenundzwanzig Jahre alt. Das Jahr\n1811, das den Kometen brachte und den feurigen Wein, hatte ihm\ndas Leben gegeben, und zufällig traf der Vorabend der jetzigen Auf-\nführung, der 24. October, mit seinem Geburtstage zusammen, so dass\ner am Concertabende, da auch dieses sein erstes Oratorium das fünf-\nundzwanzigjährige Jubeljahr antrat, das Directionspult von den Da-\nmen des Chors bekränzt fand und durch den Applaus aller Anwe-\nsenden auf der Tonbühne und im Saale unter Fanfarenklang be-\ngrüsst wurde.\nDie Aufführung war eine glänzende Eröffnung der diesjährigen\nSaison. Der Chor bewährte gleich im Anfange seine vorzüglichen\nEigenschaften wieder durch Frische und Fülle des Gesammttones\nund schwungvollen Vortrag, doch hätten die Bässe mehr Klangstärke\nentwickeln können. Die Leistung des Orchesters war vortrefflich; die\nherrliche Instrumentirung des Werkes, die wesentlich zu dessen\nSchönheiten gehört, wurde so klar und ausdrucksvoll wiedergegeben,\ndass man sie bei solcher Ausführung von Neuem wieder recht be-\nwundern konnte.\nDas Publicum zeichnete viele Chöre durch lebhaften Beifall aus\nund bewies dabei unserer Meinung nach einen sehr richtigen Tact;\nz. B. den Chor in E-moll: „Eine Seele tief gebeuget\", in C-moll:\n„Wir zittern ob des Sehers Dräu'n\", den lebhaften, feurig prächti-\ngen in D-dur: „Israel bleibt seinem Gotte angetraut\", und den breit\nausgeführten Schluss-Chor des ersten Theiles: „Wer unter dem Schirm\ndes Höchsten sitzt\" (F-dur), nach welchem der Componist unter\nstürmischem Applaus gerufen wurde. Eben so wurden im zweiten\nTheile der Chor der babylonischen Krieger, der. Chor in G-moll:\n„Wir zieh'n gebeugt\", und der Schluss-Chor des Ganzen applaudirt.\nEs ist eine schöne und für die musicalische Bildung des hiesigen\nC onc ert-Publicums zeugende Sitte, die Composition und gelungene\nAusführung der Chöre mit lautem Beifalle zu begrÜ6sen, während\nsich der Applaus anderswo meist nur den Solo-Vorträgen zuwendet.\nAber auch die Solisten hatten sich der lebhaftesten Anerkennung\nzu erfreuen. Es machte einen angenehmen Eindruck, die Partieen\nfür weibliche Stimmen durch drei jugendliche Sängerinnen besetzt\nzu sehen, welche sämmtlich auf dem hiesigen Conservatorium theils\nausgebildet wurden, theils noch in der Vollendung ihrer Studien be-\ngriffen sind. Fräulein Adele Asm an n aus Barmen sang die Alt-\nPartie der Hannah, die der Componist mit besonderer Liebe behan-\ndelt hat, mit einer zwar nicht grossen, aber doch, seit sie das Con-\nservatorium verlassen hat, weit ergiebiger gewordenen Stimme, deren\nwohllautender Klang zum Herzen geht, und durch einen einfachen,\nwir möchten sagen, unschuldsvollen Vortrag, welcher ganz der ele-\ngischen Lyrik ihrer Partie angemessen war, ungemein fesselte, und\nganz besonders in dem Arioso in B-dur: „Der Herr erhält, die da\nfallen\", und in dem Duette mit Achicam (Herr A. Pütz): „0, war1\nmein Haupt eine Wasserquelle\", ansprach, in welchem beide Stim-\nmen sich gar lieblich vermählten und die Schönheit der Composition\ndoppelt fühlen Hessen. Fräulein Elise Rempel trug die Arie aus\nC-dur: „Der Herr verlässt nicht ewiglich\", und das Recitativ der\n„israelitischen Jungfrau\" mit grossem Beifalle vor, den ihre weiche,\nsympathische Stimme und ein ausdrucksvoller Vortrag ihr mit Recht\nerwarben. Dem Fräulein Elisabeth Klaproth war die Partie der\nChamital zugefallen, eine überhaupt, namentlich aber für das erste\nAuftreten einer angehenden Sängerin schwierige Aufgabe, da die\nRolle dieses energischen Weibes dem schwachen Könige gegenüber\nund der Charakter ihrer Gesänge für eine junge Kunst-Novize durch-\naus nicht günstig sind. Um so mehr verdient die Leistung von Fräu-\nlein Klaproth Anerkennung, denn sie sang die Partie durchweg mit\nmusicalischer Sicherheit und verrieth in den leidenschaftlichen Stellen\neine offenbare Anlage zu dramatischem Vortrage; da sie eine echte,\nreine Sopranstimme von hellem, weittragendem Timbre besitzt, so\nsteht ihr bei fortgesetzten Studien gewiss eine künstlerische Zukunft\nbevor.\nWie die Partie des Jeremias die anderen Solostücke überragt,\nso war auch die Ausführung derselben durch Herrn Karl Hill aus\nFrankfurt bei Weitem die glänzendste von allen. Herr Hill besitzt\neine von den seltenen, glücklichen Bassstimmen, welche in der Höhe\nmit den schönsten Baritonen wetteifern können und in allen Ton-\nRegionen auch bei der höchsten Kraft ihren ursprünglichen, runden,\nvollen Klang behalten, der schon durch seine Natur allein stets einen\ngewissen Zauber auf die Zuhörer übt. Nun hat aber Herr Hill nicht,\nwie die meisten stimmbegabten Sänger unserer Tage, sein Vertrauen\nallein auf das sonore Organ gesetzt, sondern sich durch ernste und\nfleissige Studien, wozu er die Zeit seinen Berufsgeschäften abgewin-\nnen musste, aus der Sphäre der Dilettanten in die. Reihe der Künstler\nerhoben, in welcher er jetzt zweifelsohne einen bedeutenden Rang\neinnimmt; denn es gibt sehr wenige Sänger, deren Organ so biegsam\nund weich für lyrischen Gesang und zugleich *so kraftvoll und im-\nposant für leidenschaftlichen und heroischen Ausdruck ist. Und wie\ntrefflich Herr Hill diese seine herrlichen Mittel zu behandeln weiss,\nhat er wieder durch den Ausdruck der Klagen des Jeremias und\ndurch die erschütternde Kraft der prophetischen Weissagungen an\ndie „Völker und Fürsten\" in der Ausführung der Hauptpartie des\nHiller'schen Oratoriums bewiesen. In der That, Frankfurt kann stolz\ndarauf sein, einen solchen Sänger zu besitzen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-10-29-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-10-29_01#c006", "volume": "bmtnabi_1864-10-29_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "351", "page_fin": "352", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641029-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "351", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641029-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7424, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolll, 21. October. Unser Landsmann, Herr C. Halle, hat\nnach langer Abwesenheit von seinem Vaterlande eine kleine Kunst-\nreise über Hannover, Leipzig, Frankfurt am Main u. s. w. gemacht\nund zum Schlüsse uns auch einen Abend in Köln geschenkt. Seine\ngestrige Soiree im Hotel Disch hatte ein eben so kunstliebendes wie\nelegantes Publicum herangelockt, welches in sichtlich gehobener\nStimmung den Saal verliess. Und doch waren gar Manche mit einem\nstarken Vorurtheile hingegangen und hatten gefürchtet, es mochte\nihre Kräfte übersteigen, einen ganzen Abend Ciaviermusik, nichts\nals Ciaviermusik ohne alle Begleitung zu hören. Mit den Schätzen,\nwelche das Repertorium der Ciaviermusik birgt, von Domenico Scar-\nlatti bis zu Chopin und St. Heller, lässt sich kaum ein anderes mu-\nsicalisches vergleichen. Die grössten musicalischen Genies haben\nihre tiefsten, unmittelbarsten Ergüsse diesem schwachen und doch\nso reichen Instrumente anvertraut. Aber diese Schätze zu heben,\ndazu bedarf es tüchtiger Bergleute. Von den unzähligen Menschen,\ndie eine Reihe von Jahren hindurch sich am Ciavier mehr oder we-\nniger quälen oder amusiren, kommen die wenigsten auch nur zu\neiner Ahnung davon. Um so dankbarer inuss man Künstlern wie\nHalle sein, welche, statt in einigen grossen Effectstücken zu zeigen,\nwas ihre Finger alles leisten können, sich in die Werke der grossen\nMeister vertiefen und deren Verständniss dem grösseren Publicum\nvermitteln. Dass gerade hierzu, wo man es mit den verschiedenartig-\nsten Spielweisen einander fern liegender Epochen zu thun hat, die\nTechnik des Künstlers eine ganz besonders ausgebildete und vielsei-\ntige sein muss, versteht sich von selbst. Herr Halle führte uns Beet-\nhoven in zwei weit aus einander liegenden Sonaten, J. S. Bach,\nMendelssohn, Chopin, St. Heller vor, und wir wüssten kaum, wel-\nchem seiner Vorträge wir unbedingt den Vorzug schenken möchten.\nJede der vorgetragenen Compositionen stand in ihrer charakteristi-\nschen Eigentümlichkeit klar und lebendig vor dem Zuhörer, und\nman vergass den Virtuosen fast, um sich ganz der Musik hinzuge-\n• ben. Nach diesem höchsten Lobe, welches ausübenden Künstlern ge-\nspendet werden kann, wollen wir uns nicht auf Einzelheiten einlas-\nsen und von Halle's Anschlag oder Triller oder pianissimo berichten.\nWir dürfen uns freuen, in einem in England so gefeierten Repräsen-\ntanten deutscher Kunst einen solchen Künstler zu finden, und wollen\nnur hoffen, dass derselbe in Zukunft seinem Vaterlande nicht länger\nso fern bleiben wird. Wenn nicht unvorhergesehene Umstände ein-\ntreten, werden wir Herrn Halle im vorletzten Concerte dieser Saison\nauf dem Gürzenich hören.\nA Dortmund« Das Abonnement auf acht Concerte unter\nder Direction des Musik-Directors Herrn Breidenstein hat ein\nsehr erfreuliches Resultat gehabt. Das erste (am 20. October) war\nso voll, wie wir es noch nie gesehen haben. Der Glanzpunkt des\nAbends war F. Hiller's „Lorelei\", trefflich einstudirt und die\nHauptpartie von Fräulein Auguste Brenken.mit hinreissendem\nAusdrucke gesungen. Ausserdem erregte die treffliche Sängerin noch\ndurch den classischen Vortrag der Concert-Arie von Mendelssohn\nund im Gegensatze dazu durch die Bravour, die sie in Meyer-\nbeer' s Schattenwalzer der Dinorah entwickelte, wahren Enthusias-\nmus, so dass sie dieses letzte Stück wiederholen musste.\n*** 2l. October. Im gestrigen dritten Gewandhaus-\nConcerte spielte Herr Alfred Jaell das von Schu-\nmann und Solostücke von Kirnberger, Chopin und von seiner Com-\nposition. Der berühmte Künstler wurde bei seinem Auftreten mit\nApplaus empfangen, was hier sehr selten der Fall ist, und nach\nseinen Vorträgen jedes Mal stürmisch gerufen. In einer Soiree des\nConservatoriums spielte er unter Anderem das J.-cZwr-Quartett von\nBrahms. Herr Jaell hatte die letzte Sommerzeit in seiner Vater-\nstadt Tliest zugebracht, dort ein Concert für die Witwe des sehr\ngeachteten Capellmeisters F. C. Lickl gegeben und auf seiner\nDurchreise hieher zwei Mal im Theater zu Graz gespielt. [Dem\nVernehmen nach werden wir Herrn Jaell hier in Köln im Februar\nim Gürzenich hören. D. Re d.]\nBei Gelegenheit des in AI teil bürg abgehaltenen Kirchentages\nfanden daselbst zwei geistliche Concerte Statt. Das erste brachte:\nChoral: „Lobe den Herrn, den mächtigen König der Ehren\"; Fuge\n(.D-moll) für die Orgel von J. S. Bach; „Et in Spiritum sanctum\nDominum et vivificantem\", Bass-Arie aus dem Credo der U-moll-\nMesse von J. S.Bach; „Misericordias Domini in aeternum cantabo\",\nachtstimmiger Chor von Durante; „Ehre sei Gott in der Höhe!\"\nChor von Bortnyanski; Ciaconne für die Violine von J. S. Bach;\nSonate für die Orgel von Mendelssohn. Die Gesang-, Violin- und\nOrgel-Soli wurden vorgetragen von den Herren Oberlehrer Dähne,\nHofmusicus Wünsch und Hof-Capellmeister Dr. Stade, die Chöre\nvon der Sing-Akademie. Das zweite, von der Sing-Akademie ge-\ngebene, hatte folgendes Programm: „Ein feste Burg ist unser Gott\",\nChoral von Luther, bearbeitet von Eccard (mit hinzugefügter Orche-\nster-Begleitung); „Ich hatte viel Bekümmerniss\", Cantate von J. S.\nBach; „O Lamm Gottes, unschuldig\", Choral, bearbeitet von Eccard;\nder 100. Psalm von G. F. Händel.\nAbert in Stuttgart, der Componist der Oper „König Enzio\",\nist im Begriffe, eine neue Oper: „Astorga\", zu schreiben, wozu\nden Text geliefert hat.\nAus Oberammergau bringt die „A. Z.\" folgende Erklärung:\n„In mehreren Blättern lesen wir zu unserem grössten Erstaunen,\ndass die Haupt-Darsteller des letzten Passionsspiels in Ober-\nammergau unter der Direction eines gewissen Schneider auf einer\nReise durch Deutschland begriffen seien. Unterzeichnete erklären\nnun obige Behauptung als eine gemeine, lügenhafte Erfindung des\noben genannten Akrobaten-Directors, indem es keinem der Mitwir-\nkenden je in den Sinn gekommen, gleichsam als Komödianten in\nder Welt herumzureisen und das von unseren Vorfahren auf uns\nvererbte heilige Passionsspiel zu einer gewöhnlichen Geld-Specula-\ntion zu erniedrigen. Alle verehrlichen Zeitungs-Redactionen des In-\nund Auslandes werden gebeten, im Interesse der Wahrheit diese Er-\nklärung gefälligst in ihre Blätter aufzunehmen. Oberammergau, 2.\nSeptember.\" (Folgen die Unterschriften von 14 Haupt-Darstellern\naus dem Passionsspiel von 1860, im Namen aller übrigen Mitwir-\nkenden.)\nWien« Am 5. October neu: „Die schönen Weiber von\nGeorgien\", Musik von Jakob Offenbach. Dsis Libretto ist\nnichts weiter als eine höchst alberne Posse, die nicht recht weiss,\nwie sie zu ihrem hochtrabenden Titel kommt*). Je ärmer und dürf-\ntiger aber die Handlung ist, desto reicher ist dafür die Offenbach-\nsche Musik, welche, was wir vor allem Anderen constatiren müssen,\nrauschenden Beifall ärntete. Eine nicht geringe Zahl von Piecen,\nbesonders von Chören, sind auch wieder so effectvoll gemacht, dass\nsie ihre Wirkung nicht verfehlen können. Besonders einschmeichelnd\naber ist das Terzett: „Ich bin der Pascha Rhododendron\", womit\nOffenbach eine neue Volks-Melodie geschaffen hat. Am schwächsten\nvielleicht war das Trinklied. Bei der regelmässigen Wiederkehr eines\nsolchen in ziemlich allen Bouffes erklärt sich dies vielleicht auf\nganz natürliche Weise. Nebenbei war die Oper ein Ausstattungsstück\nim vollen Sinne des Wortes, Mehr als ein halbes Hundert Damen\nmarschirten trommelnd und exercierend in reichen und schmuckesteu\nCostumen auf der Bühne hin und her und führten dabei die präci-\n\n*) Vgl. Pariser Briefe in unserer Zeitung, 1864, Nr. 16."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "352", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641029-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2360, "texte": "sesten Evolutionen aus. Der gewichtigste Theil der Darstellung war\nFräulein Kraft zugefallen, deren Partie viel mehr anstrengend als\neigentlich lohnend ist. Das Fräulein führte sie trotzdem mit leiden-\nschaftlichem Feuer durch, und darf sich in der Ueberzeugung wie-\ngen, dass ohne sie die Oper für das Carltheater nicht existirte. Herr\nOffenbach, der bei der Aufführung dirigirte, wurde nach jedem Acte\nmehrmals gerufen. Aehnliche Hervorrufe wurden dem Fräulein Kraft\nzu Theil. (W. Ree.)\nKarl Krottenthal er, ein tüchtiger, in Wien sehr bekannter\nMusiker, ist am 3. October gestorben. Er war während nahezu drei\nDecennien Orchester-Director im alten Leopoldstädter- und jetzigen\nCarltheater. Eine ganze Reihe von Theater-Directoren ist gekommen\nund gegangen Krottenthaler ist an seinem Pulte geblieben Und\nhat sich daselbst stets durch Eifey, Aufmerksamkeit, Pünktlichkeit\nund Ausdauer hervorgethan. Er wirkte auch bei grösseren Concert-\nAufführungen im verstärkten Opern-Orchester mit und betheiligte\nsich als zweiter Orchester-Director und Hauptstütze an dem von\nHerbeck neu zusammengestellten Concert-Orchester. Krottenthaler\nwar auch als Solospieler und als Componist thätig.\nHier haben am 22. und 23. October die miman\" -\nsehen Concerte bei ausverkauftem Hause Statt gefunden, und die\nLeistungen sämmtlicher Künstler Fräulein Carlotta Patti, die\nHerren Jaell, Vieuxtemps u. s. w. wurden enthusiastisch\naufgenommen.\n* Dsisel« Wir werden diesen Winter zehn Abonnements-\nConcerte unter Leitung des Herrn Musik-Directors Reiter haben,\nvon denen schon zwei von dem zahlreichen Publicum mit grossem\nBeifalle aufgenommen worden sind. In dem zweiten (den 23. October)\nsang Fräulein Auguste Brenken die erste Arie aus der Nacht-\nwandlerin und die Arie der Anne aus Hans Heiling. Sie mit\nlebhaftem Applaus empfangen und ärntete stürmischen Beifall.\nDie jFrance musicale meldet, dass die komische Oper die Auf-\nführungen der Oper „Lara\" von Maillart wieder aufgenommen habe,\nwelche nach der 64. Vorstellung durch den Beginn der Theater-Fe-\nrien unterbrochen worden waren. Die Aufführungen werden mit dem-\nselben Enthusiasmus aufgenommen, der die Oper bei ihrem ersten\nErscheinen begleitet hatte. Uebrigens werden wTir bald selbst Gele-\ngenheit haben, diese Erscheinung in der Opern weit kennen zu ler-\nnen, indem „Lara\" hier in Köln zur Aufführung vorbereitet wird."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "345", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641029-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nAmelie Bido (Lebensskizze). Musikbericht aus Leipzig für den Monat September (Männergesang Dr. H. Langer\nDie Lilse sehe Capelle aus Liegnitz Die Oper und deren Personal). Von Dr. Oscar Paul. Lieder für eine Singstimme. Norbert\nBurgmüller, Fünf Lieder, Op. 12. Reinhold Stöckhardt, Sechs Lieder, Op. 8. Clara von Gossler, Sechs Lieder. Erstes Gesellschafts-Con-\ncert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Concert von C. Halle Dortmund, Concerte u. s. w.:\n\nAmelie Bidó.\nDiese junge Künstlerin aus Ungarn, dem Vaterlande\nJoachim's und anderer ausgezeichneter Violinspieler, wie\nAuer, Remenyi, Singer u. s. w., hat sich nicht nur in\nDeutschland, sondern auch in Italien, Frankreich und Eng-\nland den Ruf einer glücklichen Nachfolgerin von Therese\nMilanollo erworben.\nNachdem sie im Winter des Jahres 1863 in mehre-\nren Städten von Norddeutschland, namentlich in Hannover\nund Oldenburg, mit grossem Beifalle wiederholt gespielt\nund in Holland binnen zehn Wochen zweiunddreissig Con-\ncerte gegeben hatte, wurde ihr in Karlsbad und Kissin-\ngen die hohe Ehre zu Theil, sich vor den Majestäten von\nOesterreich und Preussen hören zu lassen und die schmei-\nchelhaftesten Beweise der Allerhöchsten Huld zu erhalten.\nDen Rest des Sommers brachte sie in der Schweiz auf\nRigi-Schaltbad zu und gab dann in der ersten Hälfte der\nSaison Concerte in Bern, Zürich, Genf und anderen\nStädten Helvetiens. Der rauhe Winter griff jedoch ihre\nGesundheit an, so dass sie beschloss, den lange gehegten\nWunsch, Italien zu sehen, jetzt auszuführen, wozu denn\nauch ihr Arzt angelegentlich rieth.\nEnde Januar 1864 machte sie die Reise über die\nAlpen, und der Aulenthalt in Como, der Vaterstadt der\nGeschwister Milanollo und Ferni, wirkte auf erfreuliche\nWeise belebend und erfrischend auf ihre Gesundheit, so\ndass sie mit erneuter Kraft ihre künstlerischen Zwecke\nwieder verfolgen konnte.\nVon ih ren Concerten in Italien erwähnen wir vorzugs-\nweise, dass sie an drei auf einander folgenden Abenden,\nden 11., 12. und 13. März, in Mailand auf dem Thea-\nter Carcano und am 25. März im Theater der Scala mit\nglänzendem Erfolge concertirte und durch rauschenden\nApplaus und alle jene enthusiastischen Ovationen, welche\ndas italiänische Publicum zu spenden pflegt, wenn es ent-\nzückt ist, auf das ehrenvollste gefeiert wurde.\nWiewohl ihr nun diese Erfolge in Mailand eine glän-\nzende Aussicht auf eine weitere Kunstreise durch Italien\neröffneten, so musste sie sich doch auf die zunächst liegen-\nden Städte beschränken, da bereits früher getroffene Be-\nstimmungen sie nach London riefen, um dort noch zu\nrechter Zeit in der Saison einzutreffen. Sie trat desshalb\nAnfangs April die Rückreise an, auf welcher sie in Turin\nnoch drei Concerte (den 15., 21. und 28. April) im Saale\nMarchisio mit demselben Beifalle, wie in Mailand, gab und\ndann den Mont Cenis passirte, um über Lyon und Paris\nnach London zu gehen.\nIn Paris gab sie am 15. Mai unter Patronage der\nFrau Baronin Sina eine glänzende Soiree im\nLouvreund reiste darauf nach London.\nIn London erfreute sie sich der freundlichsten Zu-\nvorkommenheit der Herren Benedict und Ernst Pauer,\nwurde durch sie sehr bald in die höheren musicalischen\nKreise der Weltstadt eingeführt und trat schon am 18.\nund 24. Mai in Manöver Square Booms in zwei Concer-\nten auf, in denen Madame Lemmens-Sherrington sang, so-\ndann in zwei Matineen bei der Marquise von Downshire\n(mit Benedict, Madarne Grisi und Dr. Gunz), wo die Her-\nzogin von Cambridge und die Auswahl der hohen Aristo-\nkratie gegenwärtig war. Durch ihre trefflichen Leistungen\nhatte sie einen solchen Erfolg, dass sie eine eigene Matinee\nveranstaltete, wozu ihr die Frau Marquise von Downshire\nden Concertsaal in ihrem Palais bewilligte. Noch mehr:\ndie Matinee fand unter the immediate Patronage of their\nRoyal Highness the Prince and II ferner\ndes Prinzen und der Prinzessin Edward von Sachsen-Wei-\nmar, der Gräfinnen Bernstorffund Apponyi, der Baronesse\nRothschild u. s. w. am 28. Juni .Entree eine Guinee) Statt.\nDie öffentlichen Blätter sprachen sich sehr günstig\nüber die Künstlerin aus. „Fräulein B'.do\", sagten z. B."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "346", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641029-01.1.2", "texte": "Daily Neivsvom 29. Juni, „erinnerte uns lebhaft an das\nreizende Schwesternpaar Milanollo. Sie ist zum ersten Male\nin London während der jetzigen Season aufgetreten und\ngab gestern im Palais der hohen und freigebigen Be-\nschützerin der Künste, der Frau Marquise von Downshire,\nein Morgen-Concert. Sie spielte mehrere Stücke von ver-\nschiedenem Stil, zuerst Beethoven's Sonate für Piano und\nVioline, Op. 30 Nr. 2, mit Herrn Wilhelm Ganz, wo-\nbei wir die anspruchslose Ruhe und den classischen Tact,\nwomit sie ihre Partie der Ciavierstimme mit Ausnahme\nder Stellen, in denen die Violine vorherrscht, unterordnete,\nals ein Zeichen echt musicalischer Bildung mit grosser Be-\nfriedigung bemerkten. Darauf entwickelte sie in Ernst's\nOthello-Phantasie die höheren Eigenschaften und Vorzüge\nihres Spiels, welches reiche Tonfülle und Kraft mit An-\nmuth und Lieblichkeit und tadelloser Reinheit verbindet.\nSie trug die Romanze mit ergreifendem Eindruck vor und\nführte die schwierigen Virtuosen-Passagen mit Correct-\nheit, Klarheit und glänzender Bravour aus. Ein Duett für\nVioline und Violoncell von Sivori und Seligmann über\nRossini's Mira la bianca luna,das sie mit Herrn Paque\nspielte, machte einen herrlichen Eindruck. Alle Vorträge\nder jungen Künstlerin, welche zugleich eine sehr anmu-\nthige Erscheinung ist, wurden mit warmem und lebhaftem\nBeifalle aufgenommen. Zu angenehmer Abwechselung tru-\ngen eine deutsche Sängerin, Fräulein Elvira Behrens,\ndurch den Vortrag deutscher Lieder, Herr W. Ganz\ndurch eine Pianoforte-Phantasie über Motive aus Nicolai's\n„Lustigen Weibern'' und Herr Chatter ton durch ein\nbrillantes Solostück für die Harfe bei.\"\nAm 30. Juni spielte Fräulein Bidö noch einmal in\nHanover Square Rooms zugleich mit Halle, und am 13.\nJuli hatte sie die seltene Ehre, in den Palast der Prin-\nzessin von Wales eingeladen zu werden, wo die hohe Frau\nselbst die Künstlerin am Piano begleitete und sie mit den\nhuldreichsten Lobsprüchen beglückte.\nAmelie Bidö hat sich in London mit Herrn Dr. jur.\nOtto Sch m i t aus Breslau, den sie in Turin kennen\nlernte, verheirathet, wird aber unter ihrem bisherigen\nKünstlernamen ihre künstlerische Laufbahn fortsetzen.\nDie Neuvermählten gehen nach einem kurzen Aufenthalte\nin Holland demnächst nach Nizza und nach Marseille, um\nsich dort nach Java und Australien einzuschiffen. Nach\nihrer Rückkehr werden sie wahrscheinlich ihren festen\nAufenthalt in London nehmen.\n\nMusikbericht aus Leipzig für den Monat September.\nVon Dr. Oscar Paul.\n(Männergesang Dr. 11. Langer Die Bilse1 sehe Capelle aus\nLiegnitz Die Oper und deren Personal.)\nDie Musentöchter sind aus den stärkenden Bädern zu-\nrückgekehrt, um sich in bevorstehender Saison voll Grazie\nund Jugendfrische in den wiedergeöffneten Concertsälen\nzeigen zu können. Wünschen wir vor allen Dingen, dass\nsie die beinahe verloren gegangenen Stimmen wieder-\nerlangt und dieselben gehörig mit Bach'schen und Händel'-\nschen Bildungsmitteln präparirt haben. Anders steht es mit\nden Musensöhnen; dieselben haben sich an Ort und Stelle,\ngetrennt von ihren zarten Schwestern, conservirt. Sie ha-\nben sich so recht als freie Männer gefühlt und daher auch\nnur Männergesang getrieben. Ihr tüchtiger Leiter,\nHerr Dr. Hermann Langer, hat ihnen gute Bildungs-\nkost gereicht, so dass wir von wirklich erstaunlichen Fort-\nschritten berichten können. Früher waren wir nur im\nStande, den Pauliner-Verein mit seinen virtuosen Männer-\ngesang-Leistungen in den Bereich unserer Musikberichte zu\nziehen; Herr Dr. Langer hat aber durch sein Talent und\nseine liebenswürdige Energie mit ungefähr 600 Sängern,\nwelche die leipziger Sängergenossenschaft bilden, solche\nResultate erzielt, dass wir mit Freuden die Erziehung des\nVolkes zur Kunst öffentlich bemerken. Gesangfeste, wie\nin Würzen bei Leipzig, und andere Sänger-Zusammen-\nkünfte bestätigten uns immer wieder das schöne Wort\nMoriz Hauptmanns: „Die Musik ist nicht für den Künst-\nler und Kunstkenner ausschliesslich da, sondern für den\nMenschen.\" Da Herr Dr. Langer bereits so weit gekom-\nmen ist, mit seiner Sängerschar die Meister des sechszehn-\nten Jahrhunderts, wie Orlandus, Palestrina, Jakob Handel\nu. s. w., und unsere modernen Coinponisten, wie Weber,\nMendelssohn, Hiller, Hauptmann u. s. w., ohne merkliche\nSchwankungen und mit Erfassung des Geistes eines jeden\nTonstückes vor einer Zuhörerschaft aus allen Ständen zur\nGeltung bringen zu können, so ist es die Pflicht eines\nFachblattes, davon Notiz zu nehmen, welcher Pflicht wir\nhiermit nachgekommen sein wollen. Weitere Fortschritte\nunserer Sänger-Corporation werden uns gewiss zu ein-\ngehenderer Besprechung Gelegenheit darbieten.\nIn Bezug auf Orchestermusik sind namentlich die Lei-\nstungen des Bilse'schen Orchesters aus Liegnitz in dem\nSaale des Hotel de Pobgne während der Messe hervorzu-\nheben. Herr Capellmeister Bilse, königlicher Musik-Di-\nrector, hat ebenfalls das Bestreben, die gute classische\nMusik ins Volk einzubürgern, wie seine Vorführungen\nvon Tonwerken unserer grössten Meister beweisen. Die"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "347", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641029-01.1.3", "texte": "trefflich geschulte Capelle, welche fast zu Vergleichen mit\nden Orchestern grösserer Concert-Institute auffordert, ist\nauch ganz dazu angethan, jenes beachtenswerthe Ziel zu\nerreichen. Der immer volle Saal und die ruhige, würdige\nHaltung des gemischten Publicums kennzeichneten hier\nden Eindruck, welchen die prächtigen Productionen in den\nHerzen der Zuhörerschaft, worunter sich zuweilen die\nnamhaftesten Künstler befanden, zurückliessen. Möge es\nHerrn Bilse auch in Paris vermöge seiner hohen Empfeh-\nlungen gelingen, für unsere gute deutsche Musik in wei-\nteren Kreisen zu wirken.\nEin besonderes Interesse erregt jetzt das seit dem 1.\nSeptember wieder eröffnete Theater. Das im Innern re-\nstaurirte Haus zeigt uns ein freundlicheres Gesicht, und\nauch die Leistungen der Oper sind bis jetzt im Ganzen\nweit befriedigender gewesen, als es unter Herrn Wirsing's\nDirection in letzterer Zeit der Fall war. Leider vermögen\nwir kein abschliessendes Urtheil zu fällen, weil die Enga-\ngements der einzelnen Mitglieder noch nicht festgestellt\nund früher öffentlich genannte Persönlichkeiten noch gar\nnicht zum Auftreten gelangt sind. Indem wir uns also zu\neiner summarischen Uebersicht genöthigt sehen, erwähnen\nwir, dass uns im Monat September sechs Opern: Jüdin,\nFreischütz, Martha, Nachtlager, Robert der Teufel und\nDon Juan, in neun Vorstellungen geboten wurden. In die-\nsen Vorstellungen zeigte sich Herr Capellmeister Gustav\nSchmidt, Componist mehrerer mit Beifall gegebener\nOpern, als einen vortrefflichen Dirigenten, dessen Talent\nund Kenntnisse unsere Capelle, bestehend aus dem Kern\ndes Gewandhaus-Orchesters, vollständig zu beherrschen\nvermögen. Daher kommt es denn auch, dass die einzelnen\ntrefflichen Orchester-Mitglieder gern unter seiner Leitung\nspielen und durch Aufmerksamkeit zur Herstellung eines\nschönen Ensembles eifrig beitragen. Eben so bemerkbar\nsind die recht frischen und anständigen Leistungen des\nChors, welche früher kaum zu ertragen waren. Herr Chor-\nDirector Friedrich, ein tüchtig gebildeter Musiker, er-\nwirbt sich durch fleissiges Einstudiren seines Sänger-Per-\nsonals jedenfalls ein grosses Verdienst, welches von der\nKritik uneingeschränkt anerkannt werden muss. Die wei-\ntere Thätigkeit des genannten Künstlers wird gewiss noch\nschöne Resultate in Bezug auf feinere Nuancirung und\nbessere Text-Aussprache erzielen, wobei wir uns erlauben,\nauf das allzu bemerkbare Hervorstossen der Stimm-\nEinsätze aufmerksam zu machen, ohne etwa die Präci-\nsion der Einsätze beeinträchtigen zu wollen.\nWas nun das uns bekannte Personal der Solisten be-\ntrifft, so nennen wir zuerst Frau Palm-Spatzer als\nRecha und Donna Anna. Genannte Dame ist über ihre\nBlüthezeit längst hinaus, wirkt aber durch ihre tüchtige\nGesanges-Technik und durch maassvollen dramatischen\nVortrag noch so, dass ihr die Anerkennung des Publicums\nselten fehlt. Leider vernehmen wir, dass die jedenfalls her-\nvorragende Künstlerin im Hinblicke auf das Abendrolh\nihrer Künstler-Laufbahn nicht engagirt worden ist. Ein\nGleiches widerfuhr Frau Sicora-Pelli, deren Alice in\nuns die besten Hoffnungen erweckte, da sie diese Partie\nmit dramatischem Feuer, gepaart mit richtigem musicali-\nschem Ausdruck, zur vollsten Geltung brachte. Im Gegen-\nsätze zu dieser Leistung stand aber ihre Elvira, die uns\nnoch niemals so verfehlt vorgeführt wurde. Nicht einmal\ndie einfachsten Tonleiter-Passagen gingen correct, ohne des\ngeradezu trostlosen Spiels zu gedenken, so dass von ir-\ngend welchem Beifalle natürlich gar keine Rede sein konnte.\nAuch über Frau Leinauer, die wir in der letzten Vor-\nstellung der Jüdin als Recha hörten, können wir nichts\nbesonders Gutes berichten. So weit wir nach einmaligem\nHören zu urtheilen vermögen, dürfte diese Dame nicht im\nStande sein, die Ansprüche unseres Publicums zu befrie-\ndigen, denn sie tremulirt fortwährend, singt die Scala nicht\ncorrect und besitzt auch keine besonders ausgiebige\nc» O\nStimme, welche bei einigem Kraftaufwande im hohen Re-\ngister noch dazu unangenehm klingt. Die Coloratursängerin\nFräulein Kropp hat bereits einen anständigen Grad von\nGesanges-Technik erlangt, durch welchen ihre sehr dünne\nund in der Höhe vom zweigestrichenen bis zum dreige-\nstrichenen clscharf und oboenartig klingende Stimme eini-\nger Maassen gehoben wird. Correctes Ansetzen und Ver-\nbinden der Töne, gut musicalische Nuancirung sind als zu\nlobende Eigenschaften hervorzuheben, wobei jedoch zu-\nweilen einiges Detoniren nach der Höhe, Kälte im Aus-\ndruck und lahme Action nicht verschwiegen werden dür-\nfen, wie es sich in der Partie der Eudoxia und der Isa-\nbelle wiederholt herausstellte. Als jugendliche dramati-\nsche Sängerin zeigte sich wiederholt Frau Theten, und\nzwar errang dieselbe als Agathe und Alice recht bemer-\nkenswerte Erfolge. Noch im Werden begriffen, dürfte\ndiese junge, hübsche Frau mit guten Anlagen zu einer ge-\nwissen Höhe gelangen können, wenn sie beim Sludiren\nihrer Partieen mehr Aufmerksamkeit auf Tonverbindung\nund reine Intonation im Piano verwendet. Das allerdings\nseltener vorkommende Detoniren ist bei dieser Künst-\nlerin nicht Gehörfehler, wie sich sofort erkennen lässt, son-\ndern einfach Nachlässigkeit; eben so ist bei Cadenzen die\nübertriebene Anwendung des Portamento, wie auch im\nGanzen die noch etwas steife Action zu tadeln. Frau Thelen\nkann bei kräftigem Willen diese Fehler beseitigen und so-\nmit auch weiter emporsteigen. In ihrer Gesangsbildung ist\nsozusagen „noch nichts verdorben\", wesshalb wir ihr\nden schönen Spruch Schiller's zur Beherzigung empfehlen:\n\n□"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "348", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641029-01.1.4", "texte": "„Suchst du das Höchste, das Grösste? Die Pflanze kann es dich\nlehren:\nWas sie willenlos ist, sei du es wollend das ist's !u\nFräulein Karg, schon früher unter Herrn Wirsing's Di-\nrection Mitglied unserer Bühne, ist hier sehr beliebt. Ihr\nAennchen im Freischütz und ihre Zerline im Don Juan\ntragen der Künstlerin immer reiche Beifallsspenden ein.\nGern gestehen wir auch zu, dass genannte Dame eine vor-\nzügliche Bühnen-Routine besitzt und durch ausdauernden\nFleiss auch einen gewissen Grad musicalischer Ausbildung\nerlangt hat. Alles Musicalische hat sie aber wohl durch\nsich selbst errungen, da sie nie von einem wirklichen Ge-\nsanglehrer unterrichtet wurde. So sehr auch diese Selbst-\nbildung anzuerkennen ist, so lässt sich dabei aber doch\nnicht verkennen, dass sich so manche Verkehrtheiten und\nIncorrectheiten eingeschlichen haben, die sich bei dem\nrespectablen Talente unserer Künstlerin durch eingehende\nUnterweisung von einem tüchtigen Gesanglehrer in kürze-\nster Zeit ausmerzen lassen würden. Freilich ist auch die\nPersönlichkeit mehr zur feineren Posse, worin Fräulein\nKarg ausserordentlich Tüchtiges leistet, geeignet, als zum\nSoubrettenfach in der Oper. Künstlerisch-musicalische Aus-\nbildung hilft aber über Aeusserlichkeiten hinweg, auch\nwenn sich die etwas starke Figur ein wenig widerspänstig\nzeigen sollte.\nDer Heldentenor Herr Gr im ming er, dessen Spiel als\nEleazar in der „Jüdin\" hoch anerkannt werden muss, ist\nin Gefahr, sich durch sein Tremolo die früher gewiss recht\nschöne Stimme zu verderben, so dass es ihm oft schwer wird,\nden Ton mit Sicherheit zu halten. Indessen ist Herr Grim-\nminger jedenfalls ein gebildeter Sänger» welcher einen er-\nfreulichen Gegensatz gegen die Lungenhelden unserer Tage\nbildet. Ob die Direction durch dessen Engagement Vor-\ntheile erringen dürfte, ist zweifelhaft; denn unser Publi-\ncum, welches bei Wiedereröffnung des Theaters nach lan-\nger Pause Alles ohne Ausnahme beklatschte, hat seinen frü-\nheren kritischen Verstand wieder erlangt und zeigt bei jeder\nOpern-Vorstellung ein strengeres Urtheil: wir müssen in-\ndess spätere Vorstellungen abwarten. Uebrigens könnte\nHerr Grimminger recht gut die Sänger-Laufbahn mit der\neines Schauspielers vertauschen, indem Darstellungs-Talent\nund sehr achtungswerthe Geistesbildung in vollem Maasse\nbei ihm vorhanden sind.\nAuch die beiden lyrischen Tenoristen, Herr Henrion\nund Herr Winterberger, sind stimmlich nicht brauch-\nbar genug. Ersterer besitzt zwar eine bessere Gesangsbil-\ndung, als letzterer, die Stimme an sich ist aber so schwach,\ndass sie höchstens einen kleinen Saal zur Noth ausfüllen\nkann. Wenn nun hierzu noch unbeholfene Action tritt, so\nbleibt lür die Bühne nichts übrig. Herr Winterberger ge-\nbietet bei mangelhafter Gesanges-Technik ebenfalls über\nkeine grosse Stimme und ist desshalb, obgleich sein Spiel\nanmuthend wirkt, auch nicht für unsere Bühne passend.\nDen besten Tenor lernten wir in Herrn Konewka ken-\nnen; sein Baimbaut und Ottavio zeigten uns eine hübsche,\nwenn auch nicht sehr starke Stimme, ferner anständige\nmusicalische Bildung und entschiedenes Darstellungs-Ta-\nlent. Dass Herr Konewka durch fleissiges Streben an un-\nserer Bühne eine recht bemerkenswerthe Stellung errin-\ngen kann, dürfte kaum zu bezweifeln sein. Genannten\nHerrn erlauben wir uns aber auf die Bildung seines hohen\nBegisters aufmerksam zu machen. Die Töne vom einge-\nstrichenen fbis zum eingestrichenen klingen etwas gau-\nmig, eben so scheint uns beim Singen der Vocale das Nie-\nderhalten der Zunge und leise Anlegen derselben an die\nWurzel der Unterzähne nicht hinreichend beobachtet zu\nwerden. Bei genauerer Beobachtung dieser Sängerregel\ndürfte Herr Konewka seiner Stimme eine grössere Fülle\nund Anmuth entlocken.\nVon Bassisten heben wir namentlich Herrn Hertzsch\n(Caspar, Bertram, Leporello) hervor. Anfangs erschien\nuns zwar die Stimme hübsch, aber seine Gesangesbildung\nnoch nicht recht entwickelt. Herr Hertzsch hatte jedoch\nlängere Zeit pausirt und fühlte sich beim Wiederauftreten\nnicht so ganz sicher; die letzten Ergebnisse waren nun\nvon der Art, dass wir in genanntem Künstler eine tüch-\ntige musicalische Bühnenkraft begriissen können, bei der\nwir Sicherheit im Ansetzen und Verbinden der Töne, deut-\nliche Text-Aussprache und musicalisches Verständniss in\nEnsemblesätzen wahrzunehmen Gelegenheit hatten. Die\nStimme ist zwar nicht übermässig stark, klingt aber sehr\nangenehm und kommt frei von Manieren zu richtiger Gel-\ntung. Dass Herr Hertzsch ein früherer Schüler des Herrn\nProfessors Böhme in Köln ist, wollen wir hier beiläufig\nbemerkt haben. Indem wir die Herren Hirsch und Gitt\nals zu kleineren Bass-Partieen recht verwendbar erwäh-\nnen, führen wir zum Schlüsse noch den mit schöner Per-\nsönlichkeit ausgestatteten Baritonisten Herrn Thelen vor.\nDie Stimme besitzt angenehmen Klang mit Tenorfärbung\nund hinreichende Stärke, wenn auch hin und wieder einige\nGaumentöne und ein wenig Tremolo die Leistungen be-\neinträchtigen, wie wir es z. B. in der Partie des Don Juan\nzu bemerken Gelegenheit hatten. In genannter Rolle hat\nsich auch Herr Thelen ein noch cavaliermässigeres Beneh-\nmen anzueignen, was ihm bei seiner äusseren Schönheit\ndoch leicht gelingen muss. Im Allgemeinen können wir mit\neinem solchen Baritonisten recht zufrieden sein, wenn ihm,\nwie vorauszusetzen, ein weiteres künstlerisches .Streben\ninnewohnt."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "349", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641029-01.1.5", "texte": "Dass wir bis zu der Zeit, wo der Bau des neuen Thea-\nters vollendet und die Stadt Leipzig für höhere künstle-\nrische Errungenschaften bemüht sein wird, an unserem\nStadttheater nicht Grössen ersten Ranges besitzen können,\ndürfte leicht eingesehen werden. Daher wollen wir denn\nauch in Rücksicht darauf der Direction für ihr umsichti-\nges Bemühen, ein gutes Ensemble herzustellen, unsere volle\nAnerkennung nicht vorenthalten, und wünschen nur, dass\ndie einzelnen Bühnen-Mitglieder dieses Bemühen der Di-\nrection kräftig unterstützen und den schönen Spruch recht\nbeherzigen:\n„Immer strebe zum Ganzen, und kannst du selber kein Ganzes\nWerden, als dienendes Glied schliess' an ein Ganzes dich an!\"\n\nLieder für eine Singstimme.\nNorbert Burgmüller, Fünf Lieder für eine Sing-\nstimme mit Begleitung des Pianoforte. Op. 12.\nNr. 5 der nachgelassenen Werke. Verlag von\nFriedrich Kistner in Leipzig.\nAuch in der Composition dieser Lieder hat sich der\nzu früh dahingeschiedene Tonsetzer als ein tüchtiges Ta-\nlent gezeigt, dem eine Fülle edler Melodieen zu Gebote\nstand. Einfachheit und Klarheit in der Form, gesunde\nHarmonik und richtige Declamation sind die glücklichen\nEigenschaften der melodiösen und dabei nicht schwer zu\nsingenden Lieder, welche Sängern und Sängerinnen, die\nnoch ausserhalb neudeutscher Errungenschaften ihr Glück\nin einfacher Diatonik finden, eine willkommene Gabe sein\nwerden. Während Nr. 1, 3 und 5 mehr zum Vortrage in\neinem kleineren Kreise von Kunstfreunden geeignet sind,\ndürften Nr. 2 und 4 zum Öffentlichen Vortrage für grös-\nsere Stimmen sehr zu empfehlen sein, wobei wir uns die\nBemerkung erlauben, dass. in Nr. 2 das aus fünf Tacten\nbestehende Nachspiel nicht in zu schnellem Tempo, son-\ndern eher etwas breit ausgeführt werden möge, obgleich\nAllegro vorgeschrieben ist. Die Triolenfiguren klingen aber\nhier in gemässigterem Zeitmaasse, wie es auch der ganzen\nAnlage des Liedes angemessener ist, nobler und schliessen\ndas Lied in dieser Weise mit grösserer- Würde ab. Die\nAusstattung des Heftes ist brillant, wie man es stets von\nder genannten renommirten Verlagshandlung gewohnt ist.\nReinhold Stöckhardt, Sechs Lieder für Tenor\noder Sopran mit Begleitung des Pianoforte. Op. 3.\nLeipzig, bei Alfred Dörffel.\nWenn wir uns nicht ganz täuschen, so wird der junge\nComponist dieser Gesänge der Welt noch manche\nschöne Melodie überliefern. Obwohl in der Form genann-\nter Lieder der Einfluss Mendelssohn'scher Lyrik nicht zu\nverkennen ist und einzelne Wendungen auch die Nach-\nahmung Schumann scher Eigentümlichkeiten verrathen.\nso sind doch auch in dem durchweg gesunden Tonsatze\nso viel selbständige Ausdrucksweisen, dass die natürliche\nUrsprünglichkeit des Componisten ausser allem Zweifel\nsteht. Die Lieder sind bei allem melodischen Reize und bei\naller harmonischen Fülle in der Clavier-Begleitung doch\nleicht auszuführen und somit einem grösseren Publicum\nzugänglich. Die junge, strebsame Verlagshandlung von Al-\nfred Dörftel, deren trelTliches musicalisch-wissenschalt-\nliches Leih-Institut in diesen Blättern wiederholt erwähnt\nwurde, hat es an einer splendiden Ausstattung nicht fehlen\nlassen, was wir im Interesse der Abnehmer noch erwähnt\nhaben wollen.\nClara von Gossler, Sechs Lieder für eine Sine-\nstimme mit Begleitung des Pianoforte. Leipzig,\nGustav Heinze.\nEs ist für uns eine erfreuliche Thatsache, wenn uns\nbei einer strebsamen Componistin technische Fertigkeit im\nSatze und Gewandtheit in Handhabung der Form entge-\ngentreten. Dass dies bei genannter Dame, Schülerin von\nRobert Franz in Halle, wirklich der Fall ist, zeigen die\nstimmungsvollen Gesänge, deren leicht fassliche und perio-\ndisch wohl gegliederte Melodieen die trefflichen Gedichte\nvon Platen, Lenau u. s. w. dem Herzen näher zu führen\nrecht geeignet sind. Obwohl das weibliche Herz von den\nStürmen der Welt, in denen sich der männliche Charakter\nbildet, gewöhnlich weniger berührt wird, und somit auch\nder Gedänkenflug nur eine geringere Höhe erreichen kann,\nso berühren doch die zarteren Schwingungen einer edel\nempfindenden Seele wohlthuend das Gemüth anderer, und\nsind im Stande, auch in weiteren Kreisen Sympathieen zu\nerwecken. Das erwähnte Liederheft genannter Dame ist\nvon der Verlagshandlung in recht angenehmer Form der\nOeffentlichkeit übergeben worden.\n\nGrstes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller,\nDinstag, den 25. October 1864.\nZur Eröffnung der Concertzeit von 18G4 —1865 hatte die Direc-\ntion der Gesellschafts-Concerte die Aufführung des Oratoriums „Die\nZerstörung von Jerusalem\" gewählt, jenes herrlichen Werkes,\ndas überall hin, wo man der edelsten Gattung der Werke der Ton-\nkunst huldigt, den Ruhm Ferdinand Hiller's getragen hat. Vor\nvierzehn Jahren haben wir es hier zum letzten Male gehört, und so\nwar es einem grossen Theile des jetzigen Concert-Publicums voll-\nkommen neu, während es auch für die älteren Kunstfreunde, wie\nfür alle Musiker die unschätzbare Eigenschaft besitzt, beständig neu\nzu bleiben, im Gegensatze so vieler Neuigkeiten, deneu die Lebens-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "350", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641029-01.1.6", "texte": "kraft fehlt, alt zu werden und doch jung zu bleiben. Eine halbe\nGeneration ist vergangen seit jenem Sommer von 1850, wo die letzte\nAufführung der „Zerstörung von Jerusalem\" in Köln Statt fand, und\nvierundzwanzig Jahre lang hat das Werk seit seiner ersten Aufführung\nim Winter von 1839 bis 1840 in Leipzig seine glänzende Laufbahn\ndurch die Welt gemacht, nicht wie ein Meteor, das blendend über\ndie Erde hinfährt und so schnell, wie es gekommen, wieder ver-\nschwindet, sondern wie ein neu entdeckter Planet, der seine Bahn\nden anderen anreiht, welche die Welt vor der Zeit, als er sichtbar\nwurde, bewundert hat. Dieses Oratorium war erst das vierundzwan-\nzigste Werk, mit welchem Hiller in die OefFentlichkeit trat; wäh-\nrend er durch Instrumental-Compositionen und als Virtuose bereits\ndie Aufmerksamkeit der musicalischen Welt auf sich gezogen, er-\nschien das Oratorium im Vergleiche zu den früheren Vocalsachen\nkleineren Umfangs wie eine Minerva, die vollkommen gerüstet aus\ndem Haupte Jupiter's aufstieg, und die Zueignung des Werkes an\nMendelssohn, den grössten Componisten seiner Zeit, wurde durch\nden tiefen Gehalt der musicalischen Gedanken und die geniale Be-\nhandlung und Durchführung derselben . in vollem Maasse gerechtfer-\ntigt. Hiller hatte schon im Jahre 1888 in Italien am Corner See, wo\ner mit seiner Mutter lebte, die den grössten Antheil gerade an die-\nsem Werke ihres Sohnes nahm, die bedeutendsten Partieen desselben\nskizzirt. Er war damals erst siebenundzwanzig Jahre alt. Das Jahr\n1811, das den Kometen brachte und den feurigen Wein, hatte ihm\ndas Leben gegeben, und zufällig traf der Vorabend der jetzigen Auf-\nführung, der 24. October, mit seinem Geburtstage zusammen, so dass\ner am Concertabende, da auch dieses sein erstes Oratorium das fünf-\nundzwanzigjährige Jubeljahr antrat, das Directionspult von den Da-\nmen des Chors bekränzt fand und durch den Applaus aller Anwe-\nsenden auf der Tonbühne und im Saale unter Fanfarenklang be-\ngrüsst wurde.\nDie Aufführung war eine glänzende Eröffnung der diesjährigen\nSaison. Der Chor bewährte gleich im Anfange seine vorzüglichen\nEigenschaften wieder durch Frische und Fülle des Gesammttones\nund schwungvollen Vortrag, doch hätten die Bässe mehr Klangstärke\nentwickeln können. Die Leistung des Orchesters war vortrefflich; die\nherrliche Instrumentirung des Werkes, die wesentlich zu dessen\nSchönheiten gehört, wurde so klar und ausdrucksvoll wiedergegeben,\ndass man sie bei solcher Ausführung von Neuem wieder recht be-\nwundern konnte.\nDas Publicum zeichnete viele Chöre durch lebhaften Beifall aus\nund bewies dabei unserer Meinung nach einen sehr richtigen Tact;\nz. B. den Chor in E-moll: „Eine Seele tief gebeuget\", in C-moll:\n„Wir zittern ob des Sehers Dräu'n\", den lebhaften, feurig prächti-\ngen in D-dur: „Israel bleibt seinem Gotte angetraut\", und den breit\nausgeführten Schluss-Chor des ersten Theiles: „Wer unter dem Schirm\ndes Höchsten sitzt\" (F-dur), nach welchem der Componist unter\nstürmischem Applaus gerufen wurde. Eben so wurden im zweiten\nTheile der Chor der babylonischen Krieger, der. Chor in G-moll:\n„Wir zieh'n gebeugt\", und der Schluss-Chor des Ganzen applaudirt.\nEs ist eine schöne und für die musicalische Bildung des hiesigen\nC onc ert-Publicums zeugende Sitte, die Composition und gelungene\nAusführung der Chöre mit lautem Beifalle zu begrÜ6sen, während\nsich der Applaus anderswo meist nur den Solo-Vorträgen zuwendet.\nAber auch die Solisten hatten sich der lebhaftesten Anerkennung\nzu erfreuen. Es machte einen angenehmen Eindruck, die Partieen\nfür weibliche Stimmen durch drei jugendliche Sängerinnen besetzt\nzu sehen, welche sämmtlich auf dem hiesigen Conservatorium theils\nausgebildet wurden, theils noch in der Vollendung ihrer Studien be-\ngriffen sind. Fräulein Adele Asm an n aus Barmen sang die Alt-\nPartie der Hannah, die der Componist mit besonderer Liebe behan-\ndelt hat, mit einer zwar nicht grossen, aber doch, seit sie das Con-\nservatorium verlassen hat, weit ergiebiger gewordenen Stimme, deren\nwohllautender Klang zum Herzen geht, und durch einen einfachen,\nwir möchten sagen, unschuldsvollen Vortrag, welcher ganz der ele-\ngischen Lyrik ihrer Partie angemessen war, ungemein fesselte, und\nganz besonders in dem Arioso in B-dur: „Der Herr erhält, die da\nfallen\", und in dem Duette mit Achicam (Herr A. Pütz): „0, war1\nmein Haupt eine Wasserquelle\", ansprach, in welchem beide Stim-\nmen sich gar lieblich vermählten und die Schönheit der Composition\ndoppelt fühlen Hessen. Fräulein Elise Rempel trug die Arie aus\nC-dur: „Der Herr verlässt nicht ewiglich\", und das Recitativ der\n„israelitischen Jungfrau\" mit grossem Beifalle vor, den ihre weiche,\nsympathische Stimme und ein ausdrucksvoller Vortrag ihr mit Recht\nerwarben. Dem Fräulein Elisabeth Klaproth war die Partie der\nChamital zugefallen, eine überhaupt, namentlich aber für das erste\nAuftreten einer angehenden Sängerin schwierige Aufgabe, da die\nRolle dieses energischen Weibes dem schwachen Könige gegenüber\nund der Charakter ihrer Gesänge für eine junge Kunst-Novize durch-\naus nicht günstig sind. Um so mehr verdient die Leistung von Fräu-\nlein Klaproth Anerkennung, denn sie sang die Partie durchweg mit\nmusicalischer Sicherheit und verrieth in den leidenschaftlichen Stellen\neine offenbare Anlage zu dramatischem Vortrage; da sie eine echte,\nreine Sopranstimme von hellem, weittragendem Timbre besitzt, so\nsteht ihr bei fortgesetzten Studien gewiss eine künstlerische Zukunft\nbevor.\nWie die Partie des Jeremias die anderen Solostücke überragt,\nso war auch die Ausführung derselben durch Herrn Karl Hill aus\nFrankfurt bei Weitem die glänzendste von allen. Herr Hill besitzt\neine von den seltenen, glücklichen Bassstimmen, welche in der Höhe\nmit den schönsten Baritonen wetteifern können und in allen Ton-\nRegionen auch bei der höchsten Kraft ihren ursprünglichen, runden,\nvollen Klang behalten, der schon durch seine Natur allein stets einen\ngewissen Zauber auf die Zuhörer übt. Nun hat aber Herr Hill nicht,\nwie die meisten stimmbegabten Sänger unserer Tage, sein Vertrauen\nallein auf das sonore Organ gesetzt, sondern sich durch ernste und\nfleissige Studien, wozu er die Zeit seinen Berufsgeschäften abgewin-\nnen musste, aus der Sphäre der Dilettanten in die. Reihe der Künstler\nerhoben, in welcher er jetzt zweifelsohne einen bedeutenden Rang\neinnimmt; denn es gibt sehr wenige Sänger, deren Organ so biegsam\nund weich für lyrischen Gesang und zugleich *so kraftvoll und im-\nposant für leidenschaftlichen und heroischen Ausdruck ist. Und wie\ntrefflich Herr Hill diese seine herrlichen Mittel zu behandeln weiss,\nhat er wieder durch den Ausdruck der Klagen des Jeremias und\ndurch die erschütternde Kraft der prophetischen Weissagungen an\ndie „Völker und Fürsten\" in der Ausführung der Hauptpartie des\nHiller'schen Oratoriums bewiesen. In der That, Frankfurt kann stolz\ndarauf sein, einen solchen Sänger zu besitzen."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "351", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641029-01.1.7", "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolll, 21. October. Unser Landsmann, Herr C. Halle, hat\nnach langer Abwesenheit von seinem Vaterlande eine kleine Kunst-\nreise über Hannover, Leipzig, Frankfurt am Main u. s. w. gemacht\nund zum Schlüsse uns auch einen Abend in Köln geschenkt. Seine\ngestrige Soiree im Hotel Disch hatte ein eben so kunstliebendes wie\nelegantes Publicum herangelockt, welches in sichtlich gehobener\nStimmung den Saal verliess. Und doch waren gar Manche mit einem\nstarken Vorurtheile hingegangen und hatten gefürchtet, es mochte\nihre Kräfte übersteigen, einen ganzen Abend Ciaviermusik, nichts\nals Ciaviermusik ohne alle Begleitung zu hören. Mit den Schätzen,\nwelche das Repertorium der Ciaviermusik birgt, von Domenico Scar-\nlatti bis zu Chopin und St. Heller, lässt sich kaum ein anderes mu-\nsicalisches vergleichen. Die grössten musicalischen Genies haben\nihre tiefsten, unmittelbarsten Ergüsse diesem schwachen und doch\nso reichen Instrumente anvertraut. Aber diese Schätze zu heben,\ndazu bedarf es tüchtiger Bergleute. Von den unzähligen Menschen,\ndie eine Reihe von Jahren hindurch sich am Ciavier mehr oder we-\nniger quälen oder amusiren, kommen die wenigsten auch nur zu\neiner Ahnung davon. Um so dankbarer inuss man Künstlern wie\nHalle sein, welche, statt in einigen grossen Effectstücken zu zeigen,\nwas ihre Finger alles leisten können, sich in die Werke der grossen\nMeister vertiefen und deren Verständniss dem grösseren Publicum\nvermitteln. Dass gerade hierzu, wo man es mit den verschiedenartig-\nsten Spielweisen einander fern liegender Epochen zu thun hat, die\nTechnik des Künstlers eine ganz besonders ausgebildete und vielsei-\ntige sein muss, versteht sich von selbst. Herr Halle führte uns Beet-\nhoven in zwei weit aus einander liegenden Sonaten, J. S. Bach,\nMendelssohn, Chopin, St. Heller vor, und wir wüssten kaum, wel-\nchem seiner Vorträge wir unbedingt den Vorzug schenken möchten.\nJede der vorgetragenen Compositionen stand in ihrer charakteristi-\nschen Eigentümlichkeit klar und lebendig vor dem Zuhörer, und\nman vergass den Virtuosen fast, um sich ganz der Musik hinzuge-\n• ben. Nach diesem höchsten Lobe, welches ausübenden Künstlern ge-\nspendet werden kann, wollen wir uns nicht auf Einzelheiten einlas-\nsen und von Halle's Anschlag oder Triller oder pianissimo berichten.\nWir dürfen uns freuen, in einem in England so gefeierten Repräsen-\ntanten deutscher Kunst einen solchen Künstler zu finden, und wollen\nnur hoffen, dass derselbe in Zukunft seinem Vaterlande nicht länger\nso fern bleiben wird. Wenn nicht unvorhergesehene Umstände ein-\ntreten, werden wir Herrn Halle im vorletzten Concerte dieser Saison\nauf dem Gürzenich hören.\nA Dortmund« Das Abonnement auf acht Concerte unter\nder Direction des Musik-Directors Herrn Breidenstein hat ein\nsehr erfreuliches Resultat gehabt. Das erste (am 20. October) war\nso voll, wie wir es noch nie gesehen haben. Der Glanzpunkt des\nAbends war F. Hiller's „Lorelei\", trefflich einstudirt und die\nHauptpartie von Fräulein Auguste Brenken.mit hinreissendem\nAusdrucke gesungen. Ausserdem erregte die treffliche Sängerin noch\ndurch den classischen Vortrag der Concert-Arie von Mendelssohn\nund im Gegensatze dazu durch die Bravour, die sie in Meyer-\nbeer' s Schattenwalzer der Dinorah entwickelte, wahren Enthusias-\nmus, so dass sie dieses letzte Stück wiederholen musste.\n*** 2l. October. Im gestrigen dritten Gewandhaus-\nConcerte spielte Herr Alfred Jaell das von Schu-\nmann und Solostücke von Kirnberger, Chopin und von seiner Com-\nposition. Der berühmte Künstler wurde bei seinem Auftreten mit\nApplaus empfangen, was hier sehr selten der Fall ist, und nach\nseinen Vorträgen jedes Mal stürmisch gerufen. In einer Soiree des\nConservatoriums spielte er unter Anderem das J.-cZwr-Quartett von\nBrahms. Herr Jaell hatte die letzte Sommerzeit in seiner Vater-\nstadt Tliest zugebracht, dort ein Concert für die Witwe des sehr\ngeachteten Capellmeisters F. C. Lickl gegeben und auf seiner\nDurchreise hieher zwei Mal im Theater zu Graz gespielt. [Dem\nVernehmen nach werden wir Herrn Jaell hier in Köln im Februar\nim Gürzenich hören. D. Re d.]\nBei Gelegenheit des in AI teil bürg abgehaltenen Kirchentages\nfanden daselbst zwei geistliche Concerte Statt. Das erste brachte:\nChoral: „Lobe den Herrn, den mächtigen König der Ehren\"; Fuge\n(.D-moll) für die Orgel von J. S. Bach; „Et in Spiritum sanctum\nDominum et vivificantem\", Bass-Arie aus dem Credo der U-moll-\nMesse von J. S.Bach; „Misericordias Domini in aeternum cantabo\",\nachtstimmiger Chor von Durante; „Ehre sei Gott in der Höhe!\"\nChor von Bortnyanski; Ciaconne für die Violine von J. S. Bach;\nSonate für die Orgel von Mendelssohn. Die Gesang-, Violin- und\nOrgel-Soli wurden vorgetragen von den Herren Oberlehrer Dähne,\nHofmusicus Wünsch und Hof-Capellmeister Dr. Stade, die Chöre\nvon der Sing-Akademie. Das zweite, von der Sing-Akademie ge-\ngebene, hatte folgendes Programm: „Ein feste Burg ist unser Gott\",\nChoral von Luther, bearbeitet von Eccard (mit hinzugefügter Orche-\nster-Begleitung); „Ich hatte viel Bekümmerniss\", Cantate von J. S.\nBach; „O Lamm Gottes, unschuldig\", Choral, bearbeitet von Eccard;\nder 100. Psalm von G. F. Händel.\nAbert in Stuttgart, der Componist der Oper „König Enzio\",\nist im Begriffe, eine neue Oper: „Astorga\", zu schreiben, wozu\nden Text geliefert hat.\nAus Oberammergau bringt die „A. Z.\" folgende Erklärung:\n„In mehreren Blättern lesen wir zu unserem grössten Erstaunen,\ndass die Haupt-Darsteller des letzten Passionsspiels in Ober-\nammergau unter der Direction eines gewissen Schneider auf einer\nReise durch Deutschland begriffen seien. Unterzeichnete erklären\nnun obige Behauptung als eine gemeine, lügenhafte Erfindung des\noben genannten Akrobaten-Directors, indem es keinem der Mitwir-\nkenden je in den Sinn gekommen, gleichsam als Komödianten in\nder Welt herumzureisen und das von unseren Vorfahren auf uns\nvererbte heilige Passionsspiel zu einer gewöhnlichen Geld-Specula-\ntion zu erniedrigen. Alle verehrlichen Zeitungs-Redactionen des In-\nund Auslandes werden gebeten, im Interesse der Wahrheit diese Er-\nklärung gefälligst in ihre Blätter aufzunehmen. Oberammergau, 2.\nSeptember.\" (Folgen die Unterschriften von 14 Haupt-Darstellern\naus dem Passionsspiel von 1860, im Namen aller übrigen Mitwir-\nkenden.)\nWien« Am 5. October neu: „Die schönen Weiber von\nGeorgien\", Musik von Jakob Offenbach. Dsis Libretto ist\nnichts weiter als eine höchst alberne Posse, die nicht recht weiss,\nwie sie zu ihrem hochtrabenden Titel kommt*). Je ärmer und dürf-\ntiger aber die Handlung ist, desto reicher ist dafür die Offenbach-\nsche Musik, welche, was wir vor allem Anderen constatiren müssen,\nrauschenden Beifall ärntete. Eine nicht geringe Zahl von Piecen,\nbesonders von Chören, sind auch wieder so effectvoll gemacht, dass\nsie ihre Wirkung nicht verfehlen können. Besonders einschmeichelnd\naber ist das Terzett: „Ich bin der Pascha Rhododendron\", womit\nOffenbach eine neue Volks-Melodie geschaffen hat. Am schwächsten\nvielleicht war das Trinklied. Bei der regelmässigen Wiederkehr eines\nsolchen in ziemlich allen Bouffes erklärt sich dies vielleicht auf\nganz natürliche Weise. Nebenbei war die Oper ein Ausstattungsstück\nim vollen Sinne des Wortes, Mehr als ein halbes Hundert Damen\nmarschirten trommelnd und exercierend in reichen und schmuckesteu\nCostumen auf der Bühne hin und her und führten dabei die präci-\n\n*) Vgl. Pariser Briefe in unserer Zeitung, 1864, Nr. 16."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "352", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641029-01.1.8", "texte": "sesten Evolutionen aus. Der gewichtigste Theil der Darstellung war\nFräulein Kraft zugefallen, deren Partie viel mehr anstrengend als\neigentlich lohnend ist. Das Fräulein führte sie trotzdem mit leiden-\nschaftlichem Feuer durch, und darf sich in der Ueberzeugung wie-\ngen, dass ohne sie die Oper für das Carltheater nicht existirte. Herr\nOffenbach, der bei der Aufführung dirigirte, wurde nach jedem Acte\nmehrmals gerufen. Aehnliche Hervorrufe wurden dem Fräulein Kraft\nzu Theil. (W. Ree.)\nKarl Krottenthal er, ein tüchtiger, in Wien sehr bekannter\nMusiker, ist am 3. October gestorben. Er war während nahezu drei\nDecennien Orchester-Director im alten Leopoldstädter- und jetzigen\nCarltheater. Eine ganze Reihe von Theater-Directoren ist gekommen\nund gegangen Krottenthaler ist an seinem Pulte geblieben Und\nhat sich daselbst stets durch Eifey, Aufmerksamkeit, Pünktlichkeit\nund Ausdauer hervorgethan. Er wirkte auch bei grösseren Concert-\nAufführungen im verstärkten Opern-Orchester mit und betheiligte\nsich als zweiter Orchester-Director und Hauptstütze an dem von\nHerbeck neu zusammengestellten Concert-Orchester. Krottenthaler\nwar auch als Solospieler und als Componist thätig.\nHier haben am 22. und 23. October die miman\" -\nsehen Concerte bei ausverkauftem Hause Statt gefunden, und die\nLeistungen sämmtlicher Künstler Fräulein Carlotta Patti, die\nHerren Jaell, Vieuxtemps u. s. w. wurden enthusiastisch\naufgenommen.\n* Dsisel« Wir werden diesen Winter zehn Abonnements-\nConcerte unter Leitung des Herrn Musik-Directors Reiter haben,\nvon denen schon zwei von dem zahlreichen Publicum mit grossem\nBeifalle aufgenommen worden sind. In dem zweiten (den 23. October)\nsang Fräulein Auguste Brenken die erste Arie aus der Nacht-\nwandlerin und die Arie der Anne aus Hans Heiling. Sie mit\nlebhaftem Applaus empfangen und ärntete stürmischen Beifall.\nDie jFrance musicale meldet, dass die komische Oper die Auf-\nführungen der Oper „Lara\" von Maillart wieder aufgenommen habe,\nwelche nach der 64. Vorstellung durch den Beginn der Theater-Fe-\nrien unterbrochen worden waren. Die Aufführungen werden mit dem-\nselben Enthusiasmus aufgenommen, der die Oper bei ihrem ersten\nErscheinen begleitet hatte. Uebrigens werden wTir bald selbst Gele-\ngenheit haben, diese Erscheinung in der Opern weit kennen zu ler-\nnen, indem „Lara\" hier in Köln zur Aufführung vorbereitet wird."}]}