{"numero_id": "bm-bmtnabi-1864-11-05-01", "volume": "bmtnabi_1864-11-05_01", "ocr_sha256": "d64d41e81482ca081cd7653b5a3913133230fdc5a89ed75ad759eb1556211cc8", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1864/11/05_01/bmtnabi_1864-11-05_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641105-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1864-11-05-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-11-05_01#c001", "volume": "bmtnabi_1864-11-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "353", "page_fin": "353", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641105-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "353", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641105-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 420, "texte": "Inhalt.\nZur Geschichte der Musik. Pierre Scudo (Nekrolog). Von L. B. Aus Breslau (Concert von Fräulein Carlotta\nPatti). Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, erste Aufführung der Oper „Lara\" von Maillart im Stadttheater Düssel-\ndorf, erstes Abonnements-Concert Berlin, „Lucrezia Borgia, Herr Niemann, „Stern von Turan\", Desire Artöt Frankfurt a. 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Wenn wir den Leser vor unseren musikgeschicht-\nlichen Büchertisch stellen könnten, so würde er erstaunen\nüber das, was nur die letzten zwei Jahre auf ihm aufge-\nstapelt haben. Und wie Manches ist noch vorhanden, das\nuns nicht zu Gesicht gekommen ist!\nDa liegen neben dem VII. Bande (1864) von Fetis'\nBiographie des Musiciens(bis die\nAllgemeine Geschichte der Musik von August\nReissmann. München, bei Friedr. Bruckmann. 11. Band.\n1864. 310 S. Gr. 8. nebst 118 S. Noten-Beilagen\nenthält das dritte Buch in fünf Capiteln: „Das Volks-\nlied\"— „Der Choral\" „Das Kunstlied\" „Erste Ver-\nsuche der dramatischen Musik\" „Die selbständige Aus-\nbildung der Instrumental-Musik\" und geht bis auf Corelli\num 1700*).—111. Band. Leipzig, in Fuess' Verlag (L. W.\nReisland), 1864, 373 S. Gr. 8 und 63 S. Noten-Beilagen.\nUeber den Wechsel des Verlegers erfahren wir nichts. Der\nBand enthält das vierte und letzte Buch in sieben Capi-\nteln: „Die dramatische Musik\" „Die Musik tritt in\nnächste Beziehung |um Leben, was entscheidenden Einfluss\nauf ihre Entwicklung gewinnt\" „Das subjective Empfin-\nden gibt dem Kunstwerke Form und Klang\" „Die neue\nBichtung verliert sich in subjectiver GeTühlsschwelgerei\"\n„Die sinnliche Klangwirkung tritt in den Vordergrund\nund das Bedürfniss der künstlerischen Gestaltung geht ver-\nloren\" (Oho!)—„Das Virtuosenthum und der Dilettantis-\nmus\" „Die Reaction dagegen\". Damit ist das Werk\nabgeschlossen. Wir gedenken darauf zurückzukommen.\nVergl. Niederrh. Musik-Ztg., 1863, Nr. 40 und 43.\nGeschichte der Musik von Aug. Wilh. Am-\nbros. 11. Band. Breslau (Const. Sander), 1864. XXVI. S.\nVorrede und 538 S. Gr. Fol., einschliesslich sechs Musik-\nBeilagen.— Der I. Band enthielt, wie wir früher angezeigt\n(Niederrh. Musik-Ztg., 1861, Nr. 51), in drei Büchern\nauf 530 S. die Geschichte der Musik der antiken Welt.\nDer gegenwärtige zweite Band bringt im ersten Buche\ndie Darstellung der „ersten Zeiten der christlichen Welt\n\n*) Daneben kündigt derselbe Verleger von demselben Verfasser\nan als unter der Presse: „Grundriss der Geschichte der Mu-\nsik\", 10 Bogen und Ferd. Schneider in Berlin: „Allge-\nmeine Musiklehre\", 21 Bogen, 1 Thlr. 20 Sgr. Lieber den In-\nhalt lässt sich Herr Reissmann also vernehmen:\n„Ich versuchte\", heisst es in der Vorrede, zunächst eine Dar-\nstellung des Verhältnisses der Tonkunst zu den übrigen Künsten\nund ihrer Stellung zum Leben innerhalb der Gesellschaft. Als dem-\nnächstige Aufgabe galt mir: das gesammte musicalische Darstellungs-\nMaterial unter möglichst allgemeinen Gesichtspunkten, wie sie sich\naus seiner eigenen Natur ergeben, zu betrachten, um ihm so die\neigenen Gesetze, nach denen es sich formen und bilden lässt, abzu-\nlauschen. Die Untersuchung des Tones und der Ton-Systeme\nbildet so den ersten Abschnitt, dem sieb dann die Lehre von der\nHarmonik, der Rhythmik, der Melodik und vom Klange\nanschliesst.\n„Der zweite Haupt-Abschnitt umfasst dann die Lehre von\nden Kunstformen. Er hat nachzuweisen, wie sich jene allgemei-\nnen Anschauungen mit der Idee des Kunstwerkes vereinigen.\n„Als dritter und letzter Theil ergibt sich dann von selbst die\nDynamik: die Lehre vom Vortrage, und als eine übersicht-\nliche Recapitulation des ganzen Ganges dieser Darstellung die An-\nweisung zur Kunstübung und Kunstbildung und eine Abhandlung\nüber Aesthetik und Kritik.\"\nDas sind grosse Verheissungen für 21 Rogen! Wir wollen hof-\nfen, dass die Allg» Musik-Lehre deutlicher sein werde, als die obige\nStelle, die davon spricht, dass sich „das ganze musicalische Dar-\nstellungs - M ate rial (?) nach Gesetzen formen und bilden lasseu (?)>\ndie Herr Reissmann ihm (dem Material) erst „ablauschen\" will."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "354", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641105-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5253, "texte": "und Kunst\" „des Gregorianischen Gesanges der Zeit\nder Karolinger Hucbald Guido von Arezzo die Trou-\nbadours und Minstreis die Minnesinger das Volkslied.\"\nIm zweiten Buche: „Die Entwicklung des mehrstim-\nmigen Gesanges—Discantus und Fauxbourdon Mensu-\nralmusik und Contrapunkt die erste niederländische\nSchule\" (bis auf Johann Okeghem, der an der Spitze\nder zweiten den folgenden Band eröffnen wird). Der\nVerfasser, dessen Fleiss, Selbstforschung und Selbststudium\nder Werke, die er bespricht, alle Anerkennung verdienen,\nerklärt uns in der Vorrede, dass er sein Werk jetzt auf\nvier Bände berechnet hat. Da wir nun in den beiden er-\nsten Bänden schon an 1100 Seiten zu lesen haben und\nerst bei den Niederländern (von Okeghem an) angelangt\nsind, so haben wir doch zum wenigsten noch einmal eben\nso viele Seiten zu erwarten! Der dritte Band (ursprüng-\nlich eine zweite Abtheilung des zweiten) „soll die grosse\nZeit umfassen, wo der aus dem Gregorianischen Gesänge\naufgesprosste kunstvolle polyphone Tonsatz herrschte, die\nclassische Zeit der kirchlichen Musik: die Epoche, die man\nmit Okeghem zu beginnen pflegt und als deren Vollendung\nund Abschluss Palestrina erscheint, in runden Zahlen von\n1450 —1600\". Der Verfasser ist von Bewunderung für\ndie Erzeugnisse dieser Periode durchdrungen und meint\nwas wir, so viel wir davon kennen, gewiss nicht in Ab-\nrede stellen wollen, sobald es nur nicht dazu benutzt wer-\nden soll, die Musik des XVIII. und XIX. Jahrhunderts zu\nverkleinern —, „dass das XV. und XVI. Jahrhundert auch\nseine reiche und herrliche Musik gehabt habe. Commer\nund Proske hätten viel gethan, aber es wären noch reiche\nSchätze zu heben; die älteren Meister vor Palestrina harr-\nten noch ihres Erlösers, und Baini, der den enthusiasti-\nschen Windmühlenflügelstil in Bewegung setzt, um seinen\ngöttlichen Palestrina zum blauen Meerwunder zu machen,\nhabe viel auf dem Gewissen\" u. s. w. u. s. w. Am Ende\nräth der Verfasser doch, bei den Zuständen des jetzigen\nMusiktreibens, unter welchem man die Sprache jener Gei-\nster nicht verstände, noch verstehen lernen wollte, ihre\nWerke nur in Bibliotheken ruhen zu lassen! „Da geräth\nzuweilen Einer hinein, wie der Wanderer in Uhland's Ge-\ndicht: „„Die verlorene Kirche\" \" , mitten im wildverwach-\nsenen Walde, staunt und sieht „ „geöffnet des Himmels\nTho re und jede Hülle weggezogen\"\". Gern möchte er\n„im dritten Bande den Weg zu jener verlorenen Kirche\nwenigstens einzelnen Wallern bahnen helfen\". Nun, wir\nwünschen ihm Rüstigkeit und Ausdauer dazu! Der\nvierte Band soll dann die neuere Musik von 1600 bis\naul die heutige Zeit behandeln. Wir befürchten sehr,\ndass auch dieser letzte Band wieder in zwei auswachsen\nwerde!\nAllgemeine Geschichte der Musik in übersicht-\nlicher Darstellung von Dr. Joseph Schlüter. Leipzig,\nbei Wilh. Engelmann. 1863. 208 S. Gr. 8. Dieses\nBuch, an welchem Plan und Darstellung und vor Allem\ndie Gesinnung zu loben ist, in welcher es geschrieben, da\nes mit wahrer Kunstliebe und mit Kunstverständniss ein\nauf Ueberzeugung beruhendes Urtheil sowohl der einsei-\ntigen Vorliebe des Alten, als der unverständigen und un-\nverschämten Reclame für das Neue und Neueste entge-\ngenstellt, ist besonders den Musik-Conservatorien und deren\nSchülern und demjenigen weiten Kreise von Dilettanten\nzu empfehlen, welche den Entwicklungsgang einer Kunst,\ndie sie nicht bloss zum Zeitvertreib üben, gern zu ihrer\nBelehrung verfolgen möchten und, um nicht in dem Laby-\nrinthe der verschiedensten Meinungen sich zu verirren,\neinen sicher leitenden Faden suchen. Vergl. Niederrh. Mu-\nsik-Ztg. 1863, Nr. 25 (wo der verdruckte Name des Ver-\nlegers in der Anmerkung „Engelmann\" zu lesen ist).\nUeber „Das musicalische Lied in geschichtlicher\nEntwicklung\" von Dr. K. E. Schneider. Leipzig, 1863,\n8., siehe Niederrh. Musik-Ztg. 1863, Nr. 13 und 14.\nHierzu kommen die mehr oder weniger verdienstlichen\nMonographieen: von Moriz Fürstenau „Zur Geschichte\nder Musik und des Theaters in Dresden\". 11. Theil.\n1862, bei Rud. Kuntze. 384 S. 8.;—von über\ndie Capelle in Darmstadt; von H. M. Sc hl eue-\nrer: „Das deutsche Singspiel\", Augsburg, 1863,\neine ziemlich reiche Stoff- und Notizen-Sammlung, aber\nin unbequemer Form von 164 Seiten Text, 68 S. An-\nmerkungen und 106 S. Textbuch, welches letztere einige\nund zwanzig Singspiele, die aus der Zeit vor 1750 her-\nrühren, theils ganz, theils in Auszügen enthält, eine interes-\nsante Zusammenstellung aus älteren Drucken; von Dr.\nHermann Oesterley: Handbuch der musicalischen\nLiturgik. Göttingen, bei Vandenhoeck und Ruprecht,\n1863, 272 S. Gr. 8., eine sehr beachtenswerthe Schrift,\nderen zweiter und dritter Theil („Die geschichtliche Ent-\nwicklung der gottesdienstlichen Musik\" „Die Umgestal-\ntung des gottesdienstlichen Gesanges\") besonders hieher\ngehören.\nVon Tonkünsller-Biogr aph i een lässt Chry-\nsander's dritter Theil von „Händel\" noch immer auf\nsich warten. Von „C. M. von Weber's Leben\" wird\nder zweite Band nächstens erscheinen. —L. Nohl's „Mo-\nzart\", Stuttgart, 1863, 592 S. 8., und desselben „Beet-\nhoven's Leben\", I. Theil, Wien, 1864, bei H. Mark-\ngraf, 442 S. 8., können kaum Anspruch machen, neben\nsolchen Werken genannt zu werden.\nAls die neueste, auch wieder sehr dicke und volle Blüthe\nan diesem Zweige der Musikgeschichte liegt uns vor:"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "355", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641105-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5323, "texte": "'Johann Friedrich Reichardt.\nSein Leben und seine Werke. Dargestellt von J. M.\nSchletterer. Band. I. Reichardt, der Musiker.\nAugsburg, J. A. Schlosser's Verlag. 1865. 662 Seiten\ngr. 8. (!)\nDieser erste Band erzählt Reichardt's Leben von dessen\nGeburtsjahr 1752 an bis zum Jahre 1794, und da dieser\nZeitraum neben dem interessantesten Theile von dessen\nwechselvollen Lebensereignissen auch die vorzüglichsten\nMomente seiner musicalischen Thätigkeit enthält, so ist\nder besondere Titel: „J. F. Reichardt. Sein Leben\nund seine musicalische Thätigkeit\" —in etwa da-\ndurch gerechtfertigt, dass die folgende Periode bis zu sei-\nnem Tode, den 27. Juni 1814, mehr durch Reichardt's\nliterarische Thätigkeit erfüllt wurde. Ungenau und unhisto-\nrisch bleibt indess eine solche Trennung und obiger Titel\nimmer: denn erstens hörte Reichardt's musicalische Thä-\ntigkeit keineswegs mit 1794 auf, und zweitens kann man\nnicht das „Leben\" eines Mannes als biographisches Werk\nankündigen, wenn die letzten zwanzig Jahre dieses Le-\nbens gar nicht darin geschildert werden.\nDen musicalisch-kritischen Standpunkt, von welchem\naus der Verfasser Reichardt betrachtet, ergibt der Schluss\nder Einleitung (S. 11):\n„Beachtenswerther noch als seine Kirchen-Compo-\nsitionen erscheinen seine Werke für die grosse Oper. Sein\nTalent für das Pathetische ist unverkennbar. Das Streben\nnach Würde, Erhabenheit und wirkungsvoller Einfachheit\nist in seinen dramatischen Compositionen ein viel glück-\nlicheres und gelungeneres, als in seinen kirchlichen. Er\nschrieb seine ersten Opern unter dem Einflüsse der Schule\nHasse's und Graun's, wandte sich aber dann der seinem\nganzen Wesen mehr zusagenden Richtung Gluck's zu, für\ndessen Werke er stets begeistert und für deren Verbrei-\ntung und Bekanntwerdung er immer thätig blieb. Rei-\nchardt war neben Gluck unter allen deutschen Tonsetzern\nderjenige, der zuerst auf einen einfachen, würdigen Ge-\nsangstil hinwies und drang, der die deutsche Musik von\nden Banden der italiänischen loszumachen strebte, der für\ndie Sänger Cantilenen ohne Coloratur schrieb und mit Be-\nwusstsein wirklich dramatischem Ausdrucke und erschüt-\nternden Wirkungen nachstrebte. Die Ausführung all seiner\nReform-Plane wurde ihm aber äusserst erschwert. Eine\neinfache dramatische Musik war in Berlin gegen den Ge-\nschmack des Königs und des Hofes, gegen die Anschauun-\ngen und Interessen der Sänger, gegen die festen Traditio-\nnen, welche das grosse Publicum mit in die\nbrachte.\n„An innerem Gehalte, an gelungener Ausführung\nweit über seinen grossen Opern stehend, frisch, anmuthig,\nrührend und herzlich zugleich sind seine Singspiele, na-\nmentlich die Compositionen der Goethe'schen Texte: Erwin\nund Elmire, Jery und Bätely, Claudine von Villa Bella\nu. s. w. Es ist als ein wirklicher Verlust für unsere Opern-\nbühne zu beklagen, dass diese Werke so unbenutzt und\nunerweckt liegen bleiben. Es heimelt uns, wenn wir diese\nOperetten spielen und an uns vorüberziehen lassen, an,\nwie wenn alle seligen Erinnerungen der Kindheit in uns\nwach werden wollten. Da steht jeder Ton an der rechten\nStelle, trifft jede Melodie mitten ins Herz, ist für jede Re-\ngung des Innern der entsprechendste Ausdruck gefunden.\nUnd das alles ist so einfach, klar, ungezwungen und na-\ntürlich, dass der sonst allenthalben rellectirende Meister\nganz verschwindet.\n„Am hervorragendsten und bis zur Stunde unerreicht\nund unübertroffen ist unser Meister in der Composition\ndes einfachen deutschen Liedes. Hätte er nichts geschrie-\nben als seine Lieder, so würde er doch auf eine bleibende\nStelle unter den bedeutenden Tonsetzern Deutschlands\nsich gültige Ansprüche erworben haben. Leider werden\nauch seine Lieder nicht mehr gesungen. Der Markt ist\ngerade mit dieser Compositions-Gattung, die man irrthüm-\nlich für die leichteste hält und mit der heute jeder junge\nComponist sein Debüt vor der Oeffentlichkeit macht, über-\nschwemmt. Täglich brechen neue Fluten von Liederheften\nüber uns herein. Aber man mag nun diese unaufhaltsam\nherandrängende Gesanges-Literatur mit den Augen des\nMusikers oder mit denen des praktischen Gesanglehrers\ndurchmustern, stets wird man das undankbare Geschäft mit\nder niederdrückenden Ueberzeugung wieder fallen lassen,\ndass Deutschland nie ärmer an guten, empfundenen und\nsangbaren Liedern war, als jetzt, wo der Ueberlluss ein\nunerschöpflicher zu sein scheint. Wir haben nur die Wahl\nzwischen Ciavierstücken mit Begleitung einer Singstimme\noder dem allernichtsnutzigsten Tongeklingel. Es ist ein\nwahres Unglück, dass fast alle Componisten unserer Zeit\ngute Ciavierspieler, ja, vorwiegend Ciavierspieler sind. So\ngeht ihnen meist nicht nur das klare Bewusstsein einer\nsangbaren Melodie völlig ab, und das Wenige, was ihrem\nGeiste noch in der Ferne an melodischen Tonverbindungen\nvordämmert, ist unter einem Wüste von Accorden, Disso-\nnanzen und Begleitungs-Figuren so begraben, dass wir\nhinter all den Hecken und Gesträuchen, hinter denen eine\nMelodie wie Dornröschen im Märchen vielleicht zu finden\nsein könnte, den Kern der Sache, wenn wirklich einer da\nist, nicht zu entdecken vermögen. Solche Lieder existiren\nbloss in zahllosen Liederheften. Niemand singt sie, und es\nist einzig die zähe Ausdauer der Tonsetzer und Verleger\nzu bewundern, die dem Publicum täglich neue Beweise\nzu dieser Thatsache liefern. Der singende Theil des deut-\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "356", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641105-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5527, "texte": "sehen Volkes und es ist dies kein kleiner Theil dessel-\nben stürzt sich nun, um ein Genügen zu finden, auf die\nso genannten melodiösen Lieder. Ohne zu fragen, ob der\nComponist den Geist des Dichters erfasst, ob er mit ihm\nin die Tiefen der Seele hinabgestiegen ist, ob er Leid und\nKlage, Jubel und Freude des Menschenherzens je selbst\nerfahren und empfunden hat, singt man gedankenlos nach,\nwas man von Anderen singen und leiern hört. Wir könn-\nten Lieder nennen, die in Aller Munde sind, und die doch\nso nichtssagend, ja, so nichtsnutzig und demoralisirend\nsind, dass ein reiner Geist sich mit mehr als Widerwillen\ndavon abkehren muss.\n„Wenn wir hier so den Stab über die Lieder-Com-\nposition unserer Tage zu brechen scheinen, so sei es doch\nfern von uns, das Gute zu verkennen, welches wir auch in\nden letzten Jahrzehenden unter Dornen und Disteln immer\nwieder gefunden haben. Wir brauchen hier nicht die Na-\nmen Schubert, Weber, Spohr, Taubert, Reissiger, Marsch-\nner, Mendelssohn, Lachner, Schumann zu nennen, um eine\nFülle guter und schöner Lieder uns ins Gedächtniss zu-\nrückzurufen. Es gibt noch viele Tonsetzer, die gerade auf\ndem Gebiete der Lieder-Composition wirklich Vortreff-\nlich es und theilweise Ausgezeichnetes geleistet haben, z. ß.\nLöwe, Methfessel, Curschmann, Bank, Hiller, Franz, Vier-\nling, Reinecke. Aber das Bestreben, neu und originel zu\nerscheinen, noch nie Dagewesenes zu geben, verleitet gar\noft dazu, Bahnen einzuschlagen, die nie zum Ziele führen\nkönnen. Den Begriff dessen, was man zu Reichardt's Zeit\nLied nannte, haben wir überhaupt verloren. Der Schwer-\npunkt lag ganz allein in der Melodie, die Wirkung war\nganz dem Sänger anheimgestellt. Diese Melodie war aber\nnicht bloss eine oberflächliche und ansprechende Tonfolge,\nsondern sie erschien als eine vergeistigte Wiedergeburt\nder Dichtung, sie sollte gleichsam den Extract der ge-\nsammten in ihr niedergelegten Empfindungen enthalten.\nDesshalb schmiegte sie sich auch den Worten so einfach\nund innig an, und die Begleitung, fern davon, dieses zarte\nund innige Zusammenwirken von Wrort und Ton stören\nzu wollen, gab nur den mit wenigen charakteristischen\nStrichen ausgeführten durchsichtigen Hintergrund, auf dem\njene sich dann um so klarer hervorhob. Noch einen un-\nschätzbaren Vortheil hatte die Lieder-Composition jener\nTage: der Singende vermochte sich selbst zu accompagni-\nren. Wen Drang oder Lust zum Gesänge veranlasste, der\nkonnte sofort seiner Freude oder Klage Ausdruck geben,\nder konnte durch ein Lied sich trösten oder aufrichten, er\nkonnte für seine innere Stimmung den rechten Ton, für\ndas übervolle Herz einen Auslluss finden. Wie anders ist\ndas geworden! Muss man heute, ehe man den Trost, den\nman ja doch nur im Gesänge zu finden, die Beruhigung,\ndie uns nur das Lied zu geben vermag, gemessen kann,\nnicht erst nach Jemandem sich umsehen, der uns die Cia-\nvier- Begleitung spielt, und ist dann vor Zeugen es noch\nmöglich, den innersten, heimlichsten und heiligsten Gefüh-\nlen Ausdruck zu geben, im Gesänge das zu finden, wonach\nunsere Seele ringt, was wir in ihm und durch ihn suchen?\nWer kennt noch die Stunden seligster Träumerei, schön-\nsten Glückes, die das einfache, vom Componisten wahr\nempfundene, vom Ausführenden tief aufgefasste Lied allein\nzu geben vermag? Es ist kaum anzunehmen, dass der\nGeschmack unserer Zeit sich so rasch ändern und eine\nRückkehr zum Einfachen, Klaren und Ungezwungenen so\nbald schon kommen wird. Für alle die unscheinbaren\nMerkmale und Eigenschaften, welche gerade das echte\ndeutsche Lied so wunderbar charakterisiren, für alle die\nunbedeutenden Mittel, durch welche die grössten Wirkun-\ngen und überraschendsten Eindrücke auf die natürlichste\nWeise ermöglicht werden, fehlt uns der feine, keusche,\nunverdorbene Sinn. Unsere arienmässigen, krankhaft sen-\ntimentalen Gesänge mit ihrer überladenen, coquettirenden\nund geckenhaften Begleitung werden sobald nicht von den\nNotenpulten unserer Pianofortes verschwinden. Aber ein\nBedürfniss zur Umkehr offenbart sich in bedeutungsvollen\nZeichen doch allenthalben. Die Fadigkeit und Trostlosig-\nkeit unserer Gesanges-Literatur wird allmählich selbst den\ngrossen Massen klar, und wenn nun die Zeit kommt, in\nder man Besseres suchen, in der die dürstende Seele nach\nden Quellen reinen Wassers verlangen wird, dann wird\nauch der Staub von Reichardt's Liedern hinweggewischt\nund er in die ihm gebührenden Ehren wieder eingesetzt\nwerden. Was auch ein mäkelnder Verstand oder eine se-\ncirende Kritik dagegen einwenden mag, wie Grosses und\nHerrliches auch Andere nach ihm geleistet haben, auf dem\nGebiete der Lieder-Composition hat ihn keiner seiner Zeit-\ngenossen erreicht oder überlroffen. Hier weiss er einen\nReichthum von Melodie, eine Mannigfaltigkeit in den ein-\nfachsten Wendungen, ein Anschmiegen an die Worte, eine\nso glückliche Auffassung des Textes zu entfalten, dass man\nvielfach glauben möchte, Worte und Töne wären gleich-\nzeitig entstanden. Wie günstig fällt aber auch die Lebens-\nzeit des Mannes! Alle unsere grossen Dichter leben gleich-\nzeitig mit ihm, mit allen ist er eng befreundet, die von\nihnen den Lüften Preis gegebenen Lieder flattern zuerst\nzu ihm hinüber, und er, nachdem er ihnen das duftige Ge-\nwand seiner lieblichen Tonweisen übergeworfen, schickt\nsie umgehend mit den Melodieen an den Dichter zurück.\nWenige Jahrzehende früher erst hatte Hiller in Leipzig\nbegonnen, dem deutschen Volke eine weltliche, volkstüm-\nliche Kunstweise zu geben. In Reichardt erreicht diese\nHiller'sche Schule den Gipfelpunkt. Aber wie reich hat"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "357", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641105-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1602, "texte": "sich der Keim, welchen der ernste Cantor der Thomas-\nschule in die Erde gelegt hatte, dass er wachse, blühe\nund gedeihe, entwickelt! Schulz, Kunzen, Hurka, Seidel,\nZumsteg, Zelter und Andere entfalten nach dieser Richtung\nhin gleichmässig eine staunenswerthe Gestaltungskraft. Ein\nunübersehbarer Blumenflor der reizendsten Melodieen ent-\nkeimt unter ihren pflegenden Händen. Das unaufhaltsam\nHinausstrebende und Drängende beschränkt sich nicht mehr\nauf einzelne Liederhefte: jeder, auch der kleinste Raum\nwird benutzt, überall zwängt sich zwischen alle poetischen\nGaben auch die Melodie gleich hinein, jeder Leser soll auch\nsofort die passende Weise finden. Man wird zum Gesänge\nverführt, aufgefordert, angeregt, sobald man nur die Hand\nnach einer Gabe der Musen ausstreckt. Das war die wahre\nund echte Liederzeit unseres Volkes, die so vielleicht nicht\nmehr wiederkommt. Man hatte glücklich das französische\nund italiänische Getändel über Bord geworfen, die Brust\nbegann sich frei zu fühlen und loszumachen von der frem-\nden Herrschaft auf dem Kunstgebiete. Man begann, mit\nSelbstbewusstsein deutsche Lieder zu singen, und jeder Al-\nmanach, jede poetische Blumenlese, jeder Roman, jede\nAusgabe eines Dichters, ja, selbst Weisse's Kinderfreund,\nCampe's Jugendschriften und Ziegenhagen's Lehre vom\nrichtigen Verhältnisse in den Schöpfungswerken halten\nneben den zierlichen und geschmackvollen Küpferchen von\nChodowiecki, Meil, Berger, Penzel, Küffner und Anderen\nals willkommenste und schönste Beigabe immer auch\neinen kleinen Liederschatz, wir möchten ihn Liedersegen\nnennen, bei sich.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-11-05-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-11-05_01#c003", "volume": "bmtnabi_1864-11-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "357", "page_fin": "358", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641105-01.2.3", "titre_corps": "Pierre Scudo.", "titre_sommaire": "Pierre Scudo.", "signature_source": "L. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "357", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641105-01.1.5", "debut_caractere": 1604, "fin_caractere_exclue": 5126, "texte": "Pierre Scudo.\n(Nekrolog.)\n\nDie musicalische Kritik von Paris hat kurz nach dem\nTode von Fiorentino wiederum einen grossen Verlust er-\nlitten: Pierre Scudo, der musicalische Referent der\n„Revue des deux Mondes\" und einiger anderen pariser\nBlätter, ist am 21. October zu Blois den Anfällen von\nWahnsinn, die ihn seit einigen Monaten bereits seiner Thä-\ntigkeit und dem öffentlichen Leben entrissen hatten, er-\nlegen.\nScudo war zu Venedig den 8. Juni 1806 .geboren,\nkam aber früh nach Paris und wurde, etwa achtzehn\nJahre alt, in das musicalische Institut von Choron aufge-\nnommen. Wie er nach Frankreich gekommen und was\nihn nach Paris geführt, ist nicht bekannt. Seine excentri-\nschen Manieren machten ihn bei seinen Mitschülern, zu\ndenen auch der nachmals so berühmte Sänger Duprez ge-\nhörte, beliebt, Choron nannte ihn gewöhnlich seinen Hof-\nnarren. Seine Stimme war unbedeutend und sein musica-\nlisches Wissen noch geringer; aber er hatte Verstand und\nGeist, dazu den Trieb und die Natur des Italiäners und\nviel Zuversicht auf sich selbst. Andauernd mit Musik in\ndem Institute beschäftigt, entwickelte sich seine praktische\nBildung durch das Studium der classischen Werke, welche\nChoron fast ausschliesslich seine Schüler singen liess. Da-\ngegen wurde der eigentlich technische Gesang-Unterricht\nnur mangelhaft in seiner Anstalt betrieben, so dass auch\nScudo die Gesangkunst nicht normalmässig erlernte.\nTrotzdem wurde er, was er vorzüglich seiner Natio-\nnalität verdankte, gewählt, um eine zweite Rolle in der\nOper „II Viaggio a Heims\",einer Gelegenheits-Oper,\ndie Rossini für die Krönungsfeier Karl's X. im Jahre 1824\ngeschrieben hatte, zu singen.\nIn Folge der Revolution von 1830 ging Choron's\nKirchenmusik-Schule ein und Scudo musste sich ein Unter-\nkommen suchen. Von diesem Zeitpunkte an hat ihn\n[Bibliographie universelle, Bd. VII.), wie er sagt, aus den\nAugen verloren, hat aber erfahren, dass er Clarinettist in\neiner Regimentsmusik geworden sei und 1832 zu Nantes\nin Garnison gestanden habe. Um dieselbe Zeit soll er eine\nZeit lang sich in die Schriften der Theosophen Jakob\nBöhme, van Helmont, St. Martin und Anderer vertieft ha-\nben, ein Umstand, den Felis als Gerücht angibt, der\naber, wenn das Gerücht wahr ist, jetzt, wo der Unglück-\nliche dem Irrsinne verfallen war, der ihn ins Grab führte,\nschwerer in die Wage fällt, da er eine frühere excentri-\nsche Richtung des Denkens bekundet. Dass er jene Zeit\nüberhaupt zu wissenschaftlichen Beschäftigungen verwandt\nhat, um das, was ihm fehlte, nachzuholen, scheint sehr\nwahrscheinlich und lässt sich mit ziemlicher Sicherheit aus\nseinem späteren Auftreten als Schriftsteller schliessen.\nNach seiner Rückkehr nach Paris gab er Gesang-\nUnterricht, schrieb auch eine Menge von Liedern oder Ro-\nmanzen, von denen viele gedruckt wurden und eine Zeit\nlang in der Dilettantenwelt lebten. Felis gibt die Titel von\neinem paar Dutzend an, beurtheilt sie aber sehr streng.\nWas wir davon gesehen zu haben uns erinnern, beweist\nfreilich, dass die Composition nicht das Feld war, auf wel-\nchem Scudo sich auszeichnen sollte; auch tritt in dem Ac-\ncompagnement dieser Romanzen ein auffallender Mangel\nan Kenntniss der Elemente der Harmonie oder eine unver-\nzeihliche Flüchtigkeit hervor.\nBei Weitem mehr leistete er als Schriftsteller im Fache\nder musicalischen Kritik, oder vielleicht richtiger gesagt:\nder musicalischen Berichterstattung, denn zu gründlicher\nKritik, die sich auf theoretische Analyse des Kunstwerkes\nstützt, fehlte es ihm an hinreichenden Fachkenntnissen."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "358", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641105-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2312, "texte": "Man würde ihm aber Unrecht thun, wenn man ihm selbst\ndasjenige musicalische Wissen abspräche, welches zu einem\nselbständigen ästhetischen Urtheil über Musik gehört, und\nso richtig F&is' Urtheil sich über ihn als Coraponisten\nausspricht, so gereizt und desshalb ungerecht sind seine\nAeusserungen über ihn als musicalischen Schriftsteller.\nAusser der Parteilichkeit für die Italiäner, seine Lands-\nleute, die allerdings zuweilen starken Einlluss auf ihn übte,\nwar Scudo vor allen Dingen einer der wenigen pariser\nKritiker, der seine Ueberzeugung aussprach und sich nicht\ndurch äussere Rücksichten irgend einer Art bestimmen\nliess. Dabei hatte er einen gebildeten und anziehenden Stil,\nder sich besonders dadurch vortheilhaft auszeichnete, dass\ner frei von jener immerwährenden Jagd nach war,\ndie so viele Feuilletonisten treiben, und niemals in Ver-\nsuchung kam, einem witzigen Einfalle zu Liebe sein Urtheil\nso oder so zu färben oder gar persönlich zu verletzen,\ntrotzdem, dass er allerdings, zumal in den letzten Jahren,\nmitunter Manches sehr kurz abfertigte und oft hart und\nabsprechend war. Er hatte es freilich besonders als lang-\njähriger Mitarbeiter an der zu\neiner gewissen Autorität in musicalischen Dingen gebracht\nund wusste sich den tüchtigen Redactoren dieser Zeitschrift\nebenbürtig zu erhalten.\nSeine in die genannte und einige andere Zeitschriften\ngelieferten Artikel hat er unter verschiedenen Gesammt-\nTiteln in den Jahren 1850, 1854, 1859 und 1860 bis\n1863 zusammen drucken lassen. Ausserdem hat er eine\nArt von Kunst-Roman: Le C geschrieben,\nder auch ins Deutsche übersetzt worden ist. Auch unsere\nZeitung hat in früheren Jahrgängen mehrere Aufsätze von\nihm gebracht, musste ihm aber auch öfter, zumal in sei-\nnen Urtheilen über deutsche Kunst, entgegentreten. Dage-\ngen war seine Anerkennung der Leistungen der deutschen\nund besonders der rheinischen Concert-Aufführungen, die\ner vor einigen Jahren erst kennen lernte, unbegränzt, und\ndie Oratorienchöre versetzten ihn nach seiner eigenen Aeus-\nserung in eine ganz neue Sphäre des Kunstgenusses.\nIm Anfange dieses Jahres begannen die Störungen\nseiner Verstandeskräfte, und endlich artete sein Wahnsirin\nsogar in Tobsucht aus, so dass sein Tod—am 21.0ctober\n—als eine Wohlthat von allen, die an ihm Theil nahmen,\nbetrachtet werden musste.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-11-05-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-11-05_01#c004", "volume": "bmtnabi_1864-11-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "358", "page_fin": "359", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641105-01.2.4", "titre_corps": "Aus Breslau.", "titre_sommaire": "Aus Breslau.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "358", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641105-01.1.6", "debut_caractere": 2314, "fin_caractere_exclue": 6573, "texte": "Aus Breslau.\nDen 4. octo b e r 1864.\nDer unbegrenzte Enthusiasmus, den Carlotta Patti bei ihrem\nersten Auftreten auch in unserer Staclt hervorgerufen, hat die bren-\nnende Frage, welche unser Publicum schon seit Wochen in eine\ngewisse Aufregung versetzte, entschieden. Wir selbst haben mit zwei-\nfelhaften Gefühlen unseren namentlich Virtuosenleistungen gegenüber\nimmer streng gewahrten Standpunkt aufgegeben, um den Gesichts-\npunkt zu gewinnen, von dem dieses Phänomen unserer Ansicht nach\neinzig und allein beurtheilt werden muss. Der gewöhnliche Maass-\nstab der Beurtheilung reicht hier nicht aus; wir würden Manches\nungerechter Weise herabsetzen, Mehreres aber, was geradezu neu\nerscheint, ganz übersehen. Wenn wir also z. B. keine Opposition\ngegen die zum Vortrage gekommenen Compositionen erheben, so un-\nterbleibt dies, weil wir eben nur solche Tonstücke für geeignet hal-\nten, dem Publicum das Naturwunder nach allen Richtungen hin vor-\nzuführen. Im Gegentheil freuen wir uns, wenn von Zeit zu Zeit\nitaliänische Compositionen von Italiänern gesungen werden, damit\ndas Publicum endlich einmal lerne, wie solche Sachen gesungen\nwerden müssen.\nGewiss war ein grosser Theil der Zuhörer überrascht, als Fräu-\nlein Patti in ihrer ersten Arie aus „Linda von Chamouny\" von\nDonizetti nur eine mittelstarke Stimme hören liess; doch wich\n* • _\ndiese kleine Enttäuschung sehr bald einem immer wachsenden Stau-\nnen, als die Sängerin in raffinirter Weise die Schleusen ihrer Kunst-\nfertigkeit öffnete. Zuvörderst ist es die seltsam blendende Klangfarbe\nder Stimme in der zwei- und dreigestrichenen Octave, welche wir\nbis jetzt an der menschlichen Stimme noch niemals zu beobachten\nGelegenheit hatten und die einen eigentümlichen Reiz ausübt. So-\ndann überwältigt die Unfehlbarkeit, mit der die Sängerin geradezu\nunglaubliche Kunststückchen ausführt, wie z. B. anhaltende Triller\nauf dem dreigestrichenen d und e, Staccati bis zum f in der glei-\nchen Octave, und zwar mit ausserordentlicher Reinheit, u. s. w.\nMehr aber als alle diese Kunststückchen fesselt die Seele ihres Ge-\nsanges, und gewinnt wohl selbst denjenigen, der sich weder dem\nhohen /, noch der merkwürdigen Virtuosität gefangen gab. Ausser\nder genannten Arie hörten wir von Fräulein Patti noch die bekannte\nSchatten-Arie aus Meyerbeer1 s „Dinorah\", ferner ein speciel für\nFräulein Patti angefertigtes Arrangement, bestehend aus einer Intro-\nduction für Ciavier von Schulhof und dem „Carneval von Venedig\"\nvon Paganini, und eine Lach-Arie von Auber, welche die liebens-\nwürdige Sängerin auf den nicht enden wollenden Beifall der Hörer\nzugab und wiederholte und durch die Fülle natürlichen Humors und\nLiebreizes bezauberte.\nDen Abend eröffnete die Kreutzer-Sonate von Beethoven,\nvorgetragen von den Herren \"A lfr e d Jaell und Henri Vieux-\ntemps. Wir gestehen, dass wir der Ausführung mit einer wahren\nBegierde entgegensahen, dass wir Grosses erwarteten und endlich\nüber Alles hinaus befriedigt wurden. Der Name Jaell ist in Folge\ndes vorzüglichen Spiels des Meisters, wie überall, auch in unserer\nStadt hochverehrt, und sein Partner V ieuxtem p s hat sich gleichen\nWeltruf erworben. Das Spiel beider Meister liess die herrliche\nComposition wie aus Einem Gusse hervorgehen, und zwar in rein-\nster, in ihrer eigensten Gestalt. Stürmischer Beifall ward jedem ein-\nzelnen Theile gespendet, gleichwie die späteren Solo-Vorträge der\nMeister mit unglaublichem Enthusiasmus aufgenommen wurden.\nHerr Jaell, vom Publicum mit Applaus empfangen, spielte die\nbekannten „Variationen\" von Händel und seine Transscription über\n..Home, siveet Homeuy und auf den Beifallssturm, den die Hörer der\nausgezeichneten Leistung spendeten, noch die Liszt'sche Paraphrase\ndes Marsches aus Tannhäuser. Mit der unfehlbaren. Ueberwindung\nder letzteren Composition bewies er, gleich Herrn Vieuxtemps, dass\nSchwierigkeiten für ihn in keiner Weise mehr vorhanden sind, und\nsetzte seinen Leistungen die Krone auf.\nEndlich haben wir noch über einen Violoncellisten ersten Ran-\nges zu berichten. Der russische Kammer-Virtuose Herr Steffens\nrechtfertigte im Vortrage des zweiten Goltermann'schen Concertes\nden grossen Ruf, der ihm voranging. Auch hier dürfen wir die So-\nlidität des Spiels ganz besonders hervorheben, das sich durch vollen,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "359", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641105-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 724, "texte": "schönen Ton und eine Behandlung des Instrumentes, welche von\nvortrefflicher Schule zeugt, auszeichnet. Ausserordentlicher Beifall\nund Hervorruf ward dem tüchtigen Künstler in reichem Maasse zu\nTheil. Die Leistungen der Künstler zeichneten sich durch seltene\nFrische aus, und recht ersichtlich war es, wie jeder der Künstler\nmit schönem Erfolge bemüht war, sein Bestes zu geben. Der Saal\nwar bis auf den letzten Platz gefüllt. E. v. Blum.\nNachschrift. Am 3. November fand das zweite Concert\ndes Herrn Ullman Statt und am 5. d. Mts. gibt derselbe ein Ab-\nschieds-Concert im Springer'schen Saale, welcher 4000 Menschen\nfasst. In diesem letzten Concerte wird auch Frau Niemann-See-\nbach durch declamatorische Vorträge mitwirken."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-11-05-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-11-05_01#c005", "volume": "bmtnabi_1864-11-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "359", "page_fin": "360", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641105-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "359", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641105-01.1.7", "debut_caractere": 726, "fin_caractere_exclue": 7512, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMolsi, 4. November. Gestern ging hier die Oper „Lara\",\nMusik von Maillart, zum ersten Male in Scene. Die Thea-\nter-Direction gehört mit zu denen, welche diese in Paris mit fort-\nwährendem Erfolg gegebene Oper zuerst nach Deutschland verpflanzt\nhaben, indem die ersten Aufführungen derselben in Prag, Leipzig\nund Köln in dieselbe Woche fallen. Das anwesende Publicum\ndas Haus war, wie das sonderbarer Weise hier fast immer der Fall\nist, nur massig besetzt nahm das Werk, das im ersten Acte\nziemlich kalt liess, in ■ den folgenden Acten mit steigender Theil-\nnahme auf und spendete reichlichen Beifall. Die Ausstattung war,\nwie wir es bei Herrn Ernst's Direction nicht anders gewohnt sind,\nin Decoration, Costüms und Scenirung vorzüglich, die Ausführung\ngut studirt und den Verhältnissen nach befriedigend. Der Mangel\neiner Coloratursängerin tritt natürlich besonders bei einer französi-\nschen Oper sehr hervor, wenn die Triller in gehaltene Noten ver-\nwandelt und die Passagen gewischt, statt gesungen werden. Die\nHauptrolle die ganze Oper liegt eigentlich nur in ihr wurde\nvon Herrn Hagen mit sichtbarer Liebe zur Sache und gelungener\nAnstrengung gegeben» Heute wird die Oper wiederholt.\nBruch's „Lorelei\" füllt nach wie vor das Haus in allen\nRäumen. iVm Dinstag war die 10. Vorstellung derselben.\nDüsseldorf, 28. October. Gestern Abend wurde die Serie\nder diesjährigen Abonnements-Concerte mit den Haydn'schen „Jah-\nreszeiten\" eröffnet. Die Ausführung ist im Ganzen als eine sehr ge-\nlungene zu bezeichnen. Orchester und Chöre waren vortrefflich ein-\nstudirt und liessen bis auf einige Incorrectheiten des Horns (Anfang\ndes Sommers), die möglicher Weise durch die tropische Hitze im\nSaale veranlasst sein mochten, und einen vocalen Fehlgriff des\nFrauenchors, welcher die Angst vor dem einbrechenden Ungewitter\nmit einer so streng realistischen Wahrheitsliebe wiedergeben wollte,\ndass er beim Wehgeschrei mit einer in der Harmonielehre bis jetzt\nnoch unbekannten Dissonanz einsetzte, kaum etwas zu wünschen\nübrig. Für diese störenden Einzelheiten entschädigte uns aber die\ndurchaus befriedigende Gesammtheit. Einzelne Nummern wir\nnennen nur die Jagdscene waren in instrumentaler wie vocaler\nBeziehung sogar vollendet abgerundete Kunstleistungen. Die Soli\nhatten Fräulein Rothenberger und die Herren Bietzacher und\nWolters übernommen. Fräulein Rothenberger besitzt eine wunder-\nvolle, umfangreiche, in allen Registern wohlklingende und vortreff-\nlich ausgebildete Stimme. Ihr Vortrag ist innig und warm und be-\nkundet einen vorzüglichen Geschmack, ein richtiges Verständniss. In\njeder Beziehung können wir uns auf das günstigste über diese Künst-\nlerin aussprechen, die wir hoffentlich nicht zum letzten Male hier\ngehört haben. Herr Bietzacher ist uns ein alter, lieber Bekannter.\nfSein volltönendes, kräftiges Organ, das eine seltene Geschmeidigkeit\nbesitzt, seine musterhafte Aussprache, seine streng künstlerische, ge-\nschmackvolle Auffassung, alle diese vorzüglichen Eigenschaften des\nhannoverschen Sängers sind schon bei früheren Gelegenheiten in\nanerkennender Weise hier hervorgehoben. Herr Wolters aus Köln\nkonnte als Lucas nicht in demselben Maasse unser Interesse fesseln.\nHerr Wolters ist, wie wir hören, hauptsächlich dramatischer Künst-\nler. Offen gesagt, es nimmt uns dies Wunder, denn gerade das dra-\nmatische Leben ist es, was wir an dem Vortrage dieses Sängers am\nmeisten vermissen mussten. Nur im Duette mit Hanne: „Ihr Schö-\nnen aus der Stadt, kommt her\", ermunterte sich Herr Wolters und\nschien uns andeuten zu wollen, dass seine Disposition mehr einer\nmomentan ungünstigen Stimmung, als einem dauernd anhaftenden\nFehler zuzuschreiben sei. Die Betheiligung war eine sehr erfreuliche.\nEs wäre wünschenswerth, wenn die leidige Gewohnheit, vor Schluss\ndes Concertes aufzubrechen, allgemein verpönt würde.\nißerlin, 15. October. Seit langer Zeit vom Repertoire ent-\nschwunden, erschien Donizetti's „Lucrezia Borgia\" einmal wieder,\nund zwar gab die Anwesenheit eines Gastes hierzu die Veranlassung,\nDoria vom Stadttheater zu Frankfurt am Main trat in der\nTitelrolle auf. Die älteren Theaterbesucher, namentlich die Stamm-\nhalter der alten Königsstadt, werden sich mit Vergnügen noch der\nSängerin erinnern, welche unter dem Namen Lasslo-Doria einst\ndie Zierde der italiänischeu Oper war. Von allen diesen glänzenden\nErinnerungen sind leider nur spärliche Ueberrreste verblieben, die\ndurchblicken lassen, dass die Sängerin Besseres, Vollendeteres gebo-\nten. Frau Doria hat durch das häufige Wechseln und Engagirtsein\nbei mittleren Stadttheatern sich Vieles angeeignet, das man auf einer\nHofbühne [auch anderswo!] nicht gestattet. Hierzu gehört vornehm-\nlich ein häufiges Tremuliren, eine nicht immer reine Intonation,\nein Hinneigen, den Ton bald zu hoch, bald zu tief zu fassen; ferner\nlässt die Coloratur sehr häufig die nöthige Klarheit und Sauberkeit\nvermissen. Fassen wir dies alles zusammen, so bleibt in der That\nkaum etwas Vortheilhaftes zurück: höchstens haben wir das Spiel\nder Sängerin und die Art und Weise des Vortrages rühmlich hervor-\nzuheben. Der Beifall erscholl nur sehr spärlich und war zumeist\nerkünstelt und gemacht. Die Claque hatte sich dieses Amt vorbe-\nhalten. Leider war das Haus zum Erschrecken leer; freilich, es haf-\nten zu schöne Erinnerungen an dieser Oper, die Lucrezia einer Jo-\nhanna Wagner bleibt Jedem unvergesslich im Gedächtnisse. Ein\nbesonderes Interesse bot die ganze Aufführung nicht, die Darstellen-\nden zeigten mehr oder minder eine gewisse Lauheit. Der meisten\nTheilnahme hatte sich Fräulein de Alma als Orsino zu erfreuen.\nDie* treffliche Sängerin entwickelte im Spiel wie Gesang eine Leiden-\nschaft und Begeisterung, welche grossen Enthusiasmus hervorrief.\nDas feurig vorgetragene Trinklied musste wiederholt werden. Herr\nWoworsky sang den Gennaro mit frischer Stimme, entsprechen-\ndem Vortrage und Spiel; xeben so Herr Betz den Herzog.\nBerlin, 22. October. Im Opernhause begann Herr Niemann\nvom Hoftheater zu Hannover sein leider dieses Mal nur kurz aus-\nfallendes Gastspiel als Tannhäuser. Die Theilnahme und der Beifall\nwaren enthusiastischer Art. Neben dem Gaste verdienen noch Fräulein\nde Ahna und Herr Betz lobende Erwähnung. Die weiteren Rollen\nwerden Raoul und Johann von Leyden sein. Im Frühjahre werden\nwir den Künstler länger in unseren Mauern haben. Die Proben\nzum „Stern von Turan\", Oper von Richard Wuerst, haben bereits\nbegonnen und steht die Aufführung im November bevor. Die Titel-\nrolle singt Fräulein P. Lucca. Dr. Gunz aus Hannover wird\ndann zur Zeit wieder eintreffen, um sein gestörtes Gastspiel weiter\nfortzusetzen. Zum Beginne des neuen Jahres trifft Fräulein De-\nsiree Ar tot hier ein; in ihrem Repertoire befinden sich unter An-\nderem „La Traviata\" und „Die Krondiamauten\"."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "360", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641105-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2197, "texte": "I'raiikfiii't a. M., 1. November. Gestern wohnten wir\neinem Concerte des Rührschen Gesangvereins im neuen Saalbau bei,\nwelches unter der Leitung des Vereins-Dirigenten Herrn Friedrich\neine recht schöne Aufführung von Haydn's „Schöpfung*' brachte.\nDie Chöre klangen und gingen vortrefflich, und die Solisten, Fräu-\nlein Rothenberger aus Köln, Herr Borgers (Tenor) vom Hof-\ntheater zu Wiesbaden und Herr Hill von hier, bildeten ein so\nklangvolles Ensemble, wie man es nur selten hört, während ihre\neinzelnen Leistungen durch echt künstlerischen Vortrag zu dem leb-\nhaftesten Beifalle hinrissen. Besondere Auszeichnung erwarb sich das\nDuett im dritten Theile.\nIWfen« Nebst der Burgtheater-Krisis macht die Wachtel-Frage\nnoch immer von sich sprechen. Es handelt sich nicht allein um die\nBewilligung eines vierten Urlaubsmonates, Herr Wachtel hat noch\nAnderes auf dem Herzen. Die M. P. schreibt hierüber: „Herr Wach-\ntel soll den Adolar in der Euryanthe singen, die Probe fällt nicht\nsehr befriedigend aus, und Herr Wachtel erklärt: „»Ich singe die\nPartie nicht, ich kann nichts mit ihr machen.\"\" Herr Wachtel soll\nden Pylades in der Gluck'schen Iphigenie singen, er weigert sich,\nden griechischen Jüngling zu interpretiren, denn er kann nichts\n„„aus ihm machen\"\". [Herr Wachtel ist nicht der einzige Sänger,\nder so spricht j jene Redensart ist sehr beliebt bei den jetzigen Be-\nrühmtheiten, und leider lassen die Intendanzen und Directionen sie\nnur allzu oft als ein Kunsturtheil gelten und legen die betreffenden\nOpern darauf zurück. Ein grosser Sänger, dem wir die zwar sehr\nernste, aber vortreffliche Partie einer neuen Oper rühmten, gab uns\nwörtlich dieselbe Wachtersche Antwort und die Oper verschwand\nnach einmaliger Aufführung vom Repertoire.] Wir wissen wohl, dass\nHerr Wachtel ein abgesagter Feind classischer Musik ist, sein heu-\ntiger Gesang, sein heutiger musicalischer Bildungsgrad spricht ganz\ndeutlich dafür; aber endlich muss er sich denn doch dazu bequemen,\nden Schwerpunkt seiner künstlerischen Leistung irgendwo anders zu\nsuchen, als ausschliesslich im hohen c.\"\nLissa. Am 16. October feierte der rühmlichst bekannte Di-\nrector Herr H. W. Gehrmann sein 25jähriges Künstler-Jubiläum."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "353", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641105-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nZur Geschichte der Musik. Pierre Scudo (Nekrolog). Von L. B. Aus Breslau (Concert von Fräulein Carlotta\nPatti). Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, erste Aufführung der Oper „Lara\" von Maillart im Stadttheater Düssel-\ndorf, erstes Abonnements-Concert Berlin, „Lucrezia Borgia, Herr Niemann, „Stern von Turan\", Desire Artöt Frankfurt a. M., Con-\ncert des Rührschen Gesangvereins Wien, Herr Wachtel und die Oper).\n\nZur Geschichte der Musik.\nDie schriftstellerische Thätigkeit unserer Zeit auf dem\nGebiete der Geschichte der Musik ist so gross und erzeugt\neine solche Menge von theils allgemein historischen Schrif-\nten, theils Schilderungen einzelner Kunst-Perioden, endlich\nvon Monographieen und Biographieen, dass es, um von\nallen eine nur einiger Maassen genauere Einsicht zu neh-\nmen, einer Zeit und Müsse bedarf, welche unter dem\nDrange des heutigen Lebens nur Wenigen vergönnt sein\ndürfte. Wenn wir den Leser vor unseren musikgeschicht-\nlichen Büchertisch stellen könnten, so würde er erstaunen\nüber das, was nur die letzten zwei Jahre auf ihm aufge-\nstapelt haben. Und wie Manches ist noch vorhanden, das\nuns nicht zu Gesicht gekommen ist!\nDa liegen neben dem VII. Bande (1864) von Fetis'\nBiographie des Musiciens(bis die\nAllgemeine Geschichte der Musik von August\nReissmann. München, bei Friedr. Bruckmann. 11. Band.\n1864. 310 S. Gr. 8. nebst 118 S. Noten-Beilagen\nenthält das dritte Buch in fünf Capiteln: „Das Volks-\nlied\"— „Der Choral\" „Das Kunstlied\" „Erste Ver-\nsuche der dramatischen Musik\" „Die selbständige Aus-\nbildung der Instrumental-Musik\" und geht bis auf Corelli\num 1700*).—111. Band. Leipzig, in Fuess' Verlag (L. W.\nReisland), 1864, 373 S. Gr. 8 und 63 S. Noten-Beilagen.\nUeber den Wechsel des Verlegers erfahren wir nichts. Der\nBand enthält das vierte und letzte Buch in sieben Capi-\nteln: „Die dramatische Musik\" „Die Musik tritt in\nnächste Beziehung |um Leben, was entscheidenden Einfluss\nauf ihre Entwicklung gewinnt\" „Das subjective Empfin-\nden gibt dem Kunstwerke Form und Klang\" „Die neue\nBichtung verliert sich in subjectiver GeTühlsschwelgerei\"\n„Die sinnliche Klangwirkung tritt in den Vordergrund\nund das Bedürfniss der künstlerischen Gestaltung geht ver-\nloren\" (Oho!)—„Das Virtuosenthum und der Dilettantis-\nmus\" „Die Reaction dagegen\". Damit ist das Werk\nabgeschlossen. Wir gedenken darauf zurückzukommen.\nVergl. Niederrh. Musik-Ztg., 1863, Nr. 40 und 43.\nGeschichte der Musik von Aug. Wilh. Am-\nbros. 11. Band. Breslau (Const. Sander), 1864. XXVI. S.\nVorrede und 538 S. Gr. Fol., einschliesslich sechs Musik-\nBeilagen.— Der I. Band enthielt, wie wir früher angezeigt\n(Niederrh. Musik-Ztg., 1861, Nr. 51), in drei Büchern\nauf 530 S. die Geschichte der Musik der antiken Welt.\nDer gegenwärtige zweite Band bringt im ersten Buche\ndie Darstellung der „ersten Zeiten der christlichen Welt\n\n*) Daneben kündigt derselbe Verleger von demselben Verfasser\nan als unter der Presse: „Grundriss der Geschichte der Mu-\nsik\", 10 Bogen und Ferd. Schneider in Berlin: „Allge-\nmeine Musiklehre\", 21 Bogen, 1 Thlr. 20 Sgr. Lieber den In-\nhalt lässt sich Herr Reissmann also vernehmen:\n„Ich versuchte\", heisst es in der Vorrede, zunächst eine Dar-\nstellung des Verhältnisses der Tonkunst zu den übrigen Künsten\nund ihrer Stellung zum Leben innerhalb der Gesellschaft. Als dem-\nnächstige Aufgabe galt mir: das gesammte musicalische Darstellungs-\nMaterial unter möglichst allgemeinen Gesichtspunkten, wie sie sich\naus seiner eigenen Natur ergeben, zu betrachten, um ihm so die\neigenen Gesetze, nach denen es sich formen und bilden lässt, abzu-\nlauschen. Die Untersuchung des Tones und der Ton-Systeme\nbildet so den ersten Abschnitt, dem sieb dann die Lehre von der\nHarmonik, der Rhythmik, der Melodik und vom Klange\nanschliesst.\n„Der zweite Haupt-Abschnitt umfasst dann die Lehre von\nden Kunstformen. Er hat nachzuweisen, wie sich jene allgemei-\nnen Anschauungen mit der Idee des Kunstwerkes vereinigen.\n„Als dritter und letzter Theil ergibt sich dann von selbst die\nDynamik: die Lehre vom Vortrage, und als eine übersicht-\nliche Recapitulation des ganzen Ganges dieser Darstellung die An-\nweisung zur Kunstübung und Kunstbildung und eine Abhandlung\nüber Aesthetik und Kritik.\"\nDas sind grosse Verheissungen für 21 Rogen! Wir wollen hof-\nfen, dass die Allg» Musik-Lehre deutlicher sein werde, als die obige\nStelle, die davon spricht, dass sich „das ganze musicalische Dar-\nstellungs - M ate rial (?) nach Gesetzen formen und bilden lasseu (?)>\ndie Herr Reissmann ihm (dem Material) erst „ablauschen\" will."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "354", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641105-01.1.2", "texte": "und Kunst\" „des Gregorianischen Gesanges der Zeit\nder Karolinger Hucbald Guido von Arezzo die Trou-\nbadours und Minstreis die Minnesinger das Volkslied.\"\nIm zweiten Buche: „Die Entwicklung des mehrstim-\nmigen Gesanges—Discantus und Fauxbourdon Mensu-\nralmusik und Contrapunkt die erste niederländische\nSchule\" (bis auf Johann Okeghem, der an der Spitze\nder zweiten den folgenden Band eröffnen wird). Der\nVerfasser, dessen Fleiss, Selbstforschung und Selbststudium\nder Werke, die er bespricht, alle Anerkennung verdienen,\nerklärt uns in der Vorrede, dass er sein Werk jetzt auf\nvier Bände berechnet hat. Da wir nun in den beiden er-\nsten Bänden schon an 1100 Seiten zu lesen haben und\nerst bei den Niederländern (von Okeghem an) angelangt\nsind, so haben wir doch zum wenigsten noch einmal eben\nso viele Seiten zu erwarten! Der dritte Band (ursprüng-\nlich eine zweite Abtheilung des zweiten) „soll die grosse\nZeit umfassen, wo der aus dem Gregorianischen Gesänge\naufgesprosste kunstvolle polyphone Tonsatz herrschte, die\nclassische Zeit der kirchlichen Musik: die Epoche, die man\nmit Okeghem zu beginnen pflegt und als deren Vollendung\nund Abschluss Palestrina erscheint, in runden Zahlen von\n1450 —1600\". Der Verfasser ist von Bewunderung für\ndie Erzeugnisse dieser Periode durchdrungen und meint\nwas wir, so viel wir davon kennen, gewiss nicht in Ab-\nrede stellen wollen, sobald es nur nicht dazu benutzt wer-\nden soll, die Musik des XVIII. und XIX. Jahrhunderts zu\nverkleinern —, „dass das XV. und XVI. Jahrhundert auch\nseine reiche und herrliche Musik gehabt habe. Commer\nund Proske hätten viel gethan, aber es wären noch reiche\nSchätze zu heben; die älteren Meister vor Palestrina harr-\nten noch ihres Erlösers, und Baini, der den enthusiasti-\nschen Windmühlenflügelstil in Bewegung setzt, um seinen\ngöttlichen Palestrina zum blauen Meerwunder zu machen,\nhabe viel auf dem Gewissen\" u. s. w. u. s. w. Am Ende\nräth der Verfasser doch, bei den Zuständen des jetzigen\nMusiktreibens, unter welchem man die Sprache jener Gei-\nster nicht verstände, noch verstehen lernen wollte, ihre\nWerke nur in Bibliotheken ruhen zu lassen! „Da geräth\nzuweilen Einer hinein, wie der Wanderer in Uhland's Ge-\ndicht: „„Die verlorene Kirche\" \" , mitten im wildverwach-\nsenen Walde, staunt und sieht „ „geöffnet des Himmels\nTho re und jede Hülle weggezogen\"\". Gern möchte er\n„im dritten Bande den Weg zu jener verlorenen Kirche\nwenigstens einzelnen Wallern bahnen helfen\". Nun, wir\nwünschen ihm Rüstigkeit und Ausdauer dazu! Der\nvierte Band soll dann die neuere Musik von 1600 bis\naul die heutige Zeit behandeln. Wir befürchten sehr,\ndass auch dieser letzte Band wieder in zwei auswachsen\nwerde!\nAllgemeine Geschichte der Musik in übersicht-\nlicher Darstellung von Dr. Joseph Schlüter. Leipzig,\nbei Wilh. Engelmann. 1863. 208 S. Gr. 8. Dieses\nBuch, an welchem Plan und Darstellung und vor Allem\ndie Gesinnung zu loben ist, in welcher es geschrieben, da\nes mit wahrer Kunstliebe und mit Kunstverständniss ein\nauf Ueberzeugung beruhendes Urtheil sowohl der einsei-\ntigen Vorliebe des Alten, als der unverständigen und un-\nverschämten Reclame für das Neue und Neueste entge-\ngenstellt, ist besonders den Musik-Conservatorien und deren\nSchülern und demjenigen weiten Kreise von Dilettanten\nzu empfehlen, welche den Entwicklungsgang einer Kunst,\ndie sie nicht bloss zum Zeitvertreib üben, gern zu ihrer\nBelehrung verfolgen möchten und, um nicht in dem Laby-\nrinthe der verschiedensten Meinungen sich zu verirren,\neinen sicher leitenden Faden suchen. Vergl. Niederrh. Mu-\nsik-Ztg. 1863, Nr. 25 (wo der verdruckte Name des Ver-\nlegers in der Anmerkung „Engelmann\" zu lesen ist).\nUeber „Das musicalische Lied in geschichtlicher\nEntwicklung\" von Dr. K. E. Schneider. Leipzig, 1863,\n8., siehe Niederrh. Musik-Ztg. 1863, Nr. 13 und 14.\nHierzu kommen die mehr oder weniger verdienstlichen\nMonographieen: von Moriz Fürstenau „Zur Geschichte\nder Musik und des Theaters in Dresden\". 11. Theil.\n1862, bei Rud. Kuntze. 384 S. 8.;—von über\ndie Capelle in Darmstadt; von H. M. Sc hl eue-\nrer: „Das deutsche Singspiel\", Augsburg, 1863,\neine ziemlich reiche Stoff- und Notizen-Sammlung, aber\nin unbequemer Form von 164 Seiten Text, 68 S. An-\nmerkungen und 106 S. Textbuch, welches letztere einige\nund zwanzig Singspiele, die aus der Zeit vor 1750 her-\nrühren, theils ganz, theils in Auszügen enthält, eine interes-\nsante Zusammenstellung aus älteren Drucken; von Dr.\nHermann Oesterley: Handbuch der musicalischen\nLiturgik. Göttingen, bei Vandenhoeck und Ruprecht,\n1863, 272 S. Gr. 8., eine sehr beachtenswerthe Schrift,\nderen zweiter und dritter Theil („Die geschichtliche Ent-\nwicklung der gottesdienstlichen Musik\" „Die Umgestal-\ntung des gottesdienstlichen Gesanges\") besonders hieher\ngehören.\nVon Tonkünsller-Biogr aph i een lässt Chry-\nsander's dritter Theil von „Händel\" noch immer auf\nsich warten. Von „C. M. von Weber's Leben\" wird\nder zweite Band nächstens erscheinen. —L. Nohl's „Mo-\nzart\", Stuttgart, 1863, 592 S. 8., und desselben „Beet-\nhoven's Leben\", I. Theil, Wien, 1864, bei H. Mark-\ngraf, 442 S. 8., können kaum Anspruch machen, neben\nsolchen Werken genannt zu werden.\nAls die neueste, auch wieder sehr dicke und volle Blüthe\nan diesem Zweige der Musikgeschichte liegt uns vor:"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "355", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641105-01.1.3", "texte": "'Johann Friedrich Reichardt.\nSein Leben und seine Werke. Dargestellt von J. M.\nSchletterer. Band. I. Reichardt, der Musiker.\nAugsburg, J. A. Schlosser's Verlag. 1865. 662 Seiten\ngr. 8. (!)\nDieser erste Band erzählt Reichardt's Leben von dessen\nGeburtsjahr 1752 an bis zum Jahre 1794, und da dieser\nZeitraum neben dem interessantesten Theile von dessen\nwechselvollen Lebensereignissen auch die vorzüglichsten\nMomente seiner musicalischen Thätigkeit enthält, so ist\nder besondere Titel: „J. F. Reichardt. Sein Leben\nund seine musicalische Thätigkeit\" —in etwa da-\ndurch gerechtfertigt, dass die folgende Periode bis zu sei-\nnem Tode, den 27. Juni 1814, mehr durch Reichardt's\nliterarische Thätigkeit erfüllt wurde. Ungenau und unhisto-\nrisch bleibt indess eine solche Trennung und obiger Titel\nimmer: denn erstens hörte Reichardt's musicalische Thä-\ntigkeit keineswegs mit 1794 auf, und zweitens kann man\nnicht das „Leben\" eines Mannes als biographisches Werk\nankündigen, wenn die letzten zwanzig Jahre dieses Le-\nbens gar nicht darin geschildert werden.\nDen musicalisch-kritischen Standpunkt, von welchem\naus der Verfasser Reichardt betrachtet, ergibt der Schluss\nder Einleitung (S. 11):\n„Beachtenswerther noch als seine Kirchen-Compo-\nsitionen erscheinen seine Werke für die grosse Oper. Sein\nTalent für das Pathetische ist unverkennbar. Das Streben\nnach Würde, Erhabenheit und wirkungsvoller Einfachheit\nist in seinen dramatischen Compositionen ein viel glück-\nlicheres und gelungeneres, als in seinen kirchlichen. Er\nschrieb seine ersten Opern unter dem Einflüsse der Schule\nHasse's und Graun's, wandte sich aber dann der seinem\nganzen Wesen mehr zusagenden Richtung Gluck's zu, für\ndessen Werke er stets begeistert und für deren Verbrei-\ntung und Bekanntwerdung er immer thätig blieb. Rei-\nchardt war neben Gluck unter allen deutschen Tonsetzern\nderjenige, der zuerst auf einen einfachen, würdigen Ge-\nsangstil hinwies und drang, der die deutsche Musik von\nden Banden der italiänischen loszumachen strebte, der für\ndie Sänger Cantilenen ohne Coloratur schrieb und mit Be-\nwusstsein wirklich dramatischem Ausdrucke und erschüt-\nternden Wirkungen nachstrebte. Die Ausführung all seiner\nReform-Plane wurde ihm aber äusserst erschwert. Eine\neinfache dramatische Musik war in Berlin gegen den Ge-\nschmack des Königs und des Hofes, gegen die Anschauun-\ngen und Interessen der Sänger, gegen die festen Traditio-\nnen, welche das grosse Publicum mit in die\nbrachte.\n„An innerem Gehalte, an gelungener Ausführung\nweit über seinen grossen Opern stehend, frisch, anmuthig,\nrührend und herzlich zugleich sind seine Singspiele, na-\nmentlich die Compositionen der Goethe'schen Texte: Erwin\nund Elmire, Jery und Bätely, Claudine von Villa Bella\nu. s. w. Es ist als ein wirklicher Verlust für unsere Opern-\nbühne zu beklagen, dass diese Werke so unbenutzt und\nunerweckt liegen bleiben. Es heimelt uns, wenn wir diese\nOperetten spielen und an uns vorüberziehen lassen, an,\nwie wenn alle seligen Erinnerungen der Kindheit in uns\nwach werden wollten. Da steht jeder Ton an der rechten\nStelle, trifft jede Melodie mitten ins Herz, ist für jede Re-\ngung des Innern der entsprechendste Ausdruck gefunden.\nUnd das alles ist so einfach, klar, ungezwungen und na-\ntürlich, dass der sonst allenthalben rellectirende Meister\nganz verschwindet.\n„Am hervorragendsten und bis zur Stunde unerreicht\nund unübertroffen ist unser Meister in der Composition\ndes einfachen deutschen Liedes. Hätte er nichts geschrie-\nben als seine Lieder, so würde er doch auf eine bleibende\nStelle unter den bedeutenden Tonsetzern Deutschlands\nsich gültige Ansprüche erworben haben. Leider werden\nauch seine Lieder nicht mehr gesungen. Der Markt ist\ngerade mit dieser Compositions-Gattung, die man irrthüm-\nlich für die leichteste hält und mit der heute jeder junge\nComponist sein Debüt vor der Oeffentlichkeit macht, über-\nschwemmt. Täglich brechen neue Fluten von Liederheften\nüber uns herein. Aber man mag nun diese unaufhaltsam\nherandrängende Gesanges-Literatur mit den Augen des\nMusikers oder mit denen des praktischen Gesanglehrers\ndurchmustern, stets wird man das undankbare Geschäft mit\nder niederdrückenden Ueberzeugung wieder fallen lassen,\ndass Deutschland nie ärmer an guten, empfundenen und\nsangbaren Liedern war, als jetzt, wo der Ueberlluss ein\nunerschöpflicher zu sein scheint. Wir haben nur die Wahl\nzwischen Ciavierstücken mit Begleitung einer Singstimme\noder dem allernichtsnutzigsten Tongeklingel. Es ist ein\nwahres Unglück, dass fast alle Componisten unserer Zeit\ngute Ciavierspieler, ja, vorwiegend Ciavierspieler sind. So\ngeht ihnen meist nicht nur das klare Bewusstsein einer\nsangbaren Melodie völlig ab, und das Wenige, was ihrem\nGeiste noch in der Ferne an melodischen Tonverbindungen\nvordämmert, ist unter einem Wüste von Accorden, Disso-\nnanzen und Begleitungs-Figuren so begraben, dass wir\nhinter all den Hecken und Gesträuchen, hinter denen eine\nMelodie wie Dornröschen im Märchen vielleicht zu finden\nsein könnte, den Kern der Sache, wenn wirklich einer da\nist, nicht zu entdecken vermögen. Solche Lieder existiren\nbloss in zahllosen Liederheften. Niemand singt sie, und es\nist einzig die zähe Ausdauer der Tonsetzer und Verleger\nzu bewundern, die dem Publicum täglich neue Beweise\nzu dieser Thatsache liefern. Der singende Theil des deut-\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "356", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641105-01.1.4", "texte": "sehen Volkes und es ist dies kein kleiner Theil dessel-\nben stürzt sich nun, um ein Genügen zu finden, auf die\nso genannten melodiösen Lieder. Ohne zu fragen, ob der\nComponist den Geist des Dichters erfasst, ob er mit ihm\nin die Tiefen der Seele hinabgestiegen ist, ob er Leid und\nKlage, Jubel und Freude des Menschenherzens je selbst\nerfahren und empfunden hat, singt man gedankenlos nach,\nwas man von Anderen singen und leiern hört. Wir könn-\nten Lieder nennen, die in Aller Munde sind, und die doch\nso nichtssagend, ja, so nichtsnutzig und demoralisirend\nsind, dass ein reiner Geist sich mit mehr als Widerwillen\ndavon abkehren muss.\n„Wenn wir hier so den Stab über die Lieder-Com-\nposition unserer Tage zu brechen scheinen, so sei es doch\nfern von uns, das Gute zu verkennen, welches wir auch in\nden letzten Jahrzehenden unter Dornen und Disteln immer\nwieder gefunden haben. Wir brauchen hier nicht die Na-\nmen Schubert, Weber, Spohr, Taubert, Reissiger, Marsch-\nner, Mendelssohn, Lachner, Schumann zu nennen, um eine\nFülle guter und schöner Lieder uns ins Gedächtniss zu-\nrückzurufen. Es gibt noch viele Tonsetzer, die gerade auf\ndem Gebiete der Lieder-Composition wirklich Vortreff-\nlich es und theilweise Ausgezeichnetes geleistet haben, z. ß.\nLöwe, Methfessel, Curschmann, Bank, Hiller, Franz, Vier-\nling, Reinecke. Aber das Bestreben, neu und originel zu\nerscheinen, noch nie Dagewesenes zu geben, verleitet gar\noft dazu, Bahnen einzuschlagen, die nie zum Ziele führen\nkönnen. Den Begriff dessen, was man zu Reichardt's Zeit\nLied nannte, haben wir überhaupt verloren. Der Schwer-\npunkt lag ganz allein in der Melodie, die Wirkung war\nganz dem Sänger anheimgestellt. Diese Melodie war aber\nnicht bloss eine oberflächliche und ansprechende Tonfolge,\nsondern sie erschien als eine vergeistigte Wiedergeburt\nder Dichtung, sie sollte gleichsam den Extract der ge-\nsammten in ihr niedergelegten Empfindungen enthalten.\nDesshalb schmiegte sie sich auch den Worten so einfach\nund innig an, und die Begleitung, fern davon, dieses zarte\nund innige Zusammenwirken von Wrort und Ton stören\nzu wollen, gab nur den mit wenigen charakteristischen\nStrichen ausgeführten durchsichtigen Hintergrund, auf dem\njene sich dann um so klarer hervorhob. Noch einen un-\nschätzbaren Vortheil hatte die Lieder-Composition jener\nTage: der Singende vermochte sich selbst zu accompagni-\nren. Wen Drang oder Lust zum Gesänge veranlasste, der\nkonnte sofort seiner Freude oder Klage Ausdruck geben,\nder konnte durch ein Lied sich trösten oder aufrichten, er\nkonnte für seine innere Stimmung den rechten Ton, für\ndas übervolle Herz einen Auslluss finden. Wie anders ist\ndas geworden! Muss man heute, ehe man den Trost, den\nman ja doch nur im Gesänge zu finden, die Beruhigung,\ndie uns nur das Lied zu geben vermag, gemessen kann,\nnicht erst nach Jemandem sich umsehen, der uns die Cia-\nvier- Begleitung spielt, und ist dann vor Zeugen es noch\nmöglich, den innersten, heimlichsten und heiligsten Gefüh-\nlen Ausdruck zu geben, im Gesänge das zu finden, wonach\nunsere Seele ringt, was wir in ihm und durch ihn suchen?\nWer kennt noch die Stunden seligster Träumerei, schön-\nsten Glückes, die das einfache, vom Componisten wahr\nempfundene, vom Ausführenden tief aufgefasste Lied allein\nzu geben vermag? Es ist kaum anzunehmen, dass der\nGeschmack unserer Zeit sich so rasch ändern und eine\nRückkehr zum Einfachen, Klaren und Ungezwungenen so\nbald schon kommen wird. Für alle die unscheinbaren\nMerkmale und Eigenschaften, welche gerade das echte\ndeutsche Lied so wunderbar charakterisiren, für alle die\nunbedeutenden Mittel, durch welche die grössten Wirkun-\ngen und überraschendsten Eindrücke auf die natürlichste\nWeise ermöglicht werden, fehlt uns der feine, keusche,\nunverdorbene Sinn. Unsere arienmässigen, krankhaft sen-\ntimentalen Gesänge mit ihrer überladenen, coquettirenden\nund geckenhaften Begleitung werden sobald nicht von den\nNotenpulten unserer Pianofortes verschwinden. Aber ein\nBedürfniss zur Umkehr offenbart sich in bedeutungsvollen\nZeichen doch allenthalben. Die Fadigkeit und Trostlosig-\nkeit unserer Gesanges-Literatur wird allmählich selbst den\ngrossen Massen klar, und wenn nun die Zeit kommt, in\nder man Besseres suchen, in der die dürstende Seele nach\nden Quellen reinen Wassers verlangen wird, dann wird\nauch der Staub von Reichardt's Liedern hinweggewischt\nund er in die ihm gebührenden Ehren wieder eingesetzt\nwerden. Was auch ein mäkelnder Verstand oder eine se-\ncirende Kritik dagegen einwenden mag, wie Grosses und\nHerrliches auch Andere nach ihm geleistet haben, auf dem\nGebiete der Lieder-Composition hat ihn keiner seiner Zeit-\ngenossen erreicht oder überlroffen. Hier weiss er einen\nReichthum von Melodie, eine Mannigfaltigkeit in den ein-\nfachsten Wendungen, ein Anschmiegen an die Worte, eine\nso glückliche Auffassung des Textes zu entfalten, dass man\nvielfach glauben möchte, Worte und Töne wären gleich-\nzeitig entstanden. Wie günstig fällt aber auch die Lebens-\nzeit des Mannes! Alle unsere grossen Dichter leben gleich-\nzeitig mit ihm, mit allen ist er eng befreundet, die von\nihnen den Lüften Preis gegebenen Lieder flattern zuerst\nzu ihm hinüber, und er, nachdem er ihnen das duftige Ge-\nwand seiner lieblichen Tonweisen übergeworfen, schickt\nsie umgehend mit den Melodieen an den Dichter zurück.\nWenige Jahrzehende früher erst hatte Hiller in Leipzig\nbegonnen, dem deutschen Volke eine weltliche, volkstüm-\nliche Kunstweise zu geben. In Reichardt erreicht diese\nHiller'sche Schule den Gipfelpunkt. Aber wie reich hat"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "357", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641105-01.1.5", "texte": "sich der Keim, welchen der ernste Cantor der Thomas-\nschule in die Erde gelegt hatte, dass er wachse, blühe\nund gedeihe, entwickelt! Schulz, Kunzen, Hurka, Seidel,\nZumsteg, Zelter und Andere entfalten nach dieser Richtung\nhin gleichmässig eine staunenswerthe Gestaltungskraft. Ein\nunübersehbarer Blumenflor der reizendsten Melodieen ent-\nkeimt unter ihren pflegenden Händen. Das unaufhaltsam\nHinausstrebende und Drängende beschränkt sich nicht mehr\nauf einzelne Liederhefte: jeder, auch der kleinste Raum\nwird benutzt, überall zwängt sich zwischen alle poetischen\nGaben auch die Melodie gleich hinein, jeder Leser soll auch\nsofort die passende Weise finden. Man wird zum Gesänge\nverführt, aufgefordert, angeregt, sobald man nur die Hand\nnach einer Gabe der Musen ausstreckt. Das war die wahre\nund echte Liederzeit unseres Volkes, die so vielleicht nicht\nmehr wiederkommt. Man hatte glücklich das französische\nund italiänische Getändel über Bord geworfen, die Brust\nbegann sich frei zu fühlen und loszumachen von der frem-\nden Herrschaft auf dem Kunstgebiete. Man begann, mit\nSelbstbewusstsein deutsche Lieder zu singen, und jeder Al-\nmanach, jede poetische Blumenlese, jeder Roman, jede\nAusgabe eines Dichters, ja, selbst Weisse's Kinderfreund,\nCampe's Jugendschriften und Ziegenhagen's Lehre vom\nrichtigen Verhältnisse in den Schöpfungswerken halten\nneben den zierlichen und geschmackvollen Küpferchen von\nChodowiecki, Meil, Berger, Penzel, Küffner und Anderen\nals willkommenste und schönste Beigabe immer auch\neinen kleinen Liederschatz, wir möchten ihn Liedersegen\nnennen, bei sich.\n(Schluss folgt.)\n\nPierre Scudo.\n(Nekrolog.)\n\nDie musicalische Kritik von Paris hat kurz nach dem\nTode von Fiorentino wiederum einen grossen Verlust er-\nlitten: Pierre Scudo, der musicalische Referent der\n„Revue des deux Mondes\" und einiger anderen pariser\nBlätter, ist am 21. October zu Blois den Anfällen von\nWahnsinn, die ihn seit einigen Monaten bereits seiner Thä-\ntigkeit und dem öffentlichen Leben entrissen hatten, er-\nlegen.\nScudo war zu Venedig den 8. Juni 1806 .geboren,\nkam aber früh nach Paris und wurde, etwa achtzehn\nJahre alt, in das musicalische Institut von Choron aufge-\nnommen. Wie er nach Frankreich gekommen und was\nihn nach Paris geführt, ist nicht bekannt. Seine excentri-\nschen Manieren machten ihn bei seinen Mitschülern, zu\ndenen auch der nachmals so berühmte Sänger Duprez ge-\nhörte, beliebt, Choron nannte ihn gewöhnlich seinen Hof-\nnarren. Seine Stimme war unbedeutend und sein musica-\nlisches Wissen noch geringer; aber er hatte Verstand und\nGeist, dazu den Trieb und die Natur des Italiäners und\nviel Zuversicht auf sich selbst. Andauernd mit Musik in\ndem Institute beschäftigt, entwickelte sich seine praktische\nBildung durch das Studium der classischen Werke, welche\nChoron fast ausschliesslich seine Schüler singen liess. Da-\ngegen wurde der eigentlich technische Gesang-Unterricht\nnur mangelhaft in seiner Anstalt betrieben, so dass auch\nScudo die Gesangkunst nicht normalmässig erlernte.\nTrotzdem wurde er, was er vorzüglich seiner Natio-\nnalität verdankte, gewählt, um eine zweite Rolle in der\nOper „II Viaggio a Heims\",einer Gelegenheits-Oper,\ndie Rossini für die Krönungsfeier Karl's X. im Jahre 1824\ngeschrieben hatte, zu singen.\nIn Folge der Revolution von 1830 ging Choron's\nKirchenmusik-Schule ein und Scudo musste sich ein Unter-\nkommen suchen. Von diesem Zeitpunkte an hat ihn\n[Bibliographie universelle, Bd. VII.), wie er sagt, aus den\nAugen verloren, hat aber erfahren, dass er Clarinettist in\neiner Regimentsmusik geworden sei und 1832 zu Nantes\nin Garnison gestanden habe. Um dieselbe Zeit soll er eine\nZeit lang sich in die Schriften der Theosophen Jakob\nBöhme, van Helmont, St. Martin und Anderer vertieft ha-\nben, ein Umstand, den Felis als Gerücht angibt, der\naber, wenn das Gerücht wahr ist, jetzt, wo der Unglück-\nliche dem Irrsinne verfallen war, der ihn ins Grab führte,\nschwerer in die Wage fällt, da er eine frühere excentri-\nsche Richtung des Denkens bekundet. Dass er jene Zeit\nüberhaupt zu wissenschaftlichen Beschäftigungen verwandt\nhat, um das, was ihm fehlte, nachzuholen, scheint sehr\nwahrscheinlich und lässt sich mit ziemlicher Sicherheit aus\nseinem späteren Auftreten als Schriftsteller schliessen.\nNach seiner Rückkehr nach Paris gab er Gesang-\nUnterricht, schrieb auch eine Menge von Liedern oder Ro-\nmanzen, von denen viele gedruckt wurden und eine Zeit\nlang in der Dilettantenwelt lebten. Felis gibt die Titel von\neinem paar Dutzend an, beurtheilt sie aber sehr streng.\nWas wir davon gesehen zu haben uns erinnern, beweist\nfreilich, dass die Composition nicht das Feld war, auf wel-\nchem Scudo sich auszeichnen sollte; auch tritt in dem Ac-\ncompagnement dieser Romanzen ein auffallender Mangel\nan Kenntniss der Elemente der Harmonie oder eine unver-\nzeihliche Flüchtigkeit hervor.\nBei Weitem mehr leistete er als Schriftsteller im Fache\nder musicalischen Kritik, oder vielleicht richtiger gesagt:\nder musicalischen Berichterstattung, denn zu gründlicher\nKritik, die sich auf theoretische Analyse des Kunstwerkes\nstützt, fehlte es ihm an hinreichenden Fachkenntnissen."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "358", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641105-01.1.6", "texte": "Man würde ihm aber Unrecht thun, wenn man ihm selbst\ndasjenige musicalische Wissen abspräche, welches zu einem\nselbständigen ästhetischen Urtheil über Musik gehört, und\nso richtig F&is' Urtheil sich über ihn als Coraponisten\nausspricht, so gereizt und desshalb ungerecht sind seine\nAeusserungen über ihn als musicalischen Schriftsteller.\nAusser der Parteilichkeit für die Italiäner, seine Lands-\nleute, die allerdings zuweilen starken Einlluss auf ihn übte,\nwar Scudo vor allen Dingen einer der wenigen pariser\nKritiker, der seine Ueberzeugung aussprach und sich nicht\ndurch äussere Rücksichten irgend einer Art bestimmen\nliess. Dabei hatte er einen gebildeten und anziehenden Stil,\nder sich besonders dadurch vortheilhaft auszeichnete, dass\ner frei von jener immerwährenden Jagd nach war,\ndie so viele Feuilletonisten treiben, und niemals in Ver-\nsuchung kam, einem witzigen Einfalle zu Liebe sein Urtheil\nso oder so zu färben oder gar persönlich zu verletzen,\ntrotzdem, dass er allerdings, zumal in den letzten Jahren,\nmitunter Manches sehr kurz abfertigte und oft hart und\nabsprechend war. Er hatte es freilich besonders als lang-\njähriger Mitarbeiter an der zu\neiner gewissen Autorität in musicalischen Dingen gebracht\nund wusste sich den tüchtigen Redactoren dieser Zeitschrift\nebenbürtig zu erhalten.\nSeine in die genannte und einige andere Zeitschriften\ngelieferten Artikel hat er unter verschiedenen Gesammt-\nTiteln in den Jahren 1850, 1854, 1859 und 1860 bis\n1863 zusammen drucken lassen. Ausserdem hat er eine\nArt von Kunst-Roman: Le C geschrieben,\nder auch ins Deutsche übersetzt worden ist. Auch unsere\nZeitung hat in früheren Jahrgängen mehrere Aufsätze von\nihm gebracht, musste ihm aber auch öfter, zumal in sei-\nnen Urtheilen über deutsche Kunst, entgegentreten. Dage-\ngen war seine Anerkennung der Leistungen der deutschen\nund besonders der rheinischen Concert-Aufführungen, die\ner vor einigen Jahren erst kennen lernte, unbegränzt, und\ndie Oratorienchöre versetzten ihn nach seiner eigenen Aeus-\nserung in eine ganz neue Sphäre des Kunstgenusses.\nIm Anfange dieses Jahres begannen die Störungen\nseiner Verstandeskräfte, und endlich artete sein Wahnsirin\nsogar in Tobsucht aus, so dass sein Tod—am 21.0ctober\n—als eine Wohlthat von allen, die an ihm Theil nahmen,\nbetrachtet werden musste.\n\nL. B.\n\nAus Breslau.\nDen 4. octo b e r 1864.\nDer unbegrenzte Enthusiasmus, den Carlotta Patti bei ihrem\nersten Auftreten auch in unserer Staclt hervorgerufen, hat die bren-\nnende Frage, welche unser Publicum schon seit Wochen in eine\ngewisse Aufregung versetzte, entschieden. Wir selbst haben mit zwei-\nfelhaften Gefühlen unseren namentlich Virtuosenleistungen gegenüber\nimmer streng gewahrten Standpunkt aufgegeben, um den Gesichts-\npunkt zu gewinnen, von dem dieses Phänomen unserer Ansicht nach\neinzig und allein beurtheilt werden muss. Der gewöhnliche Maass-\nstab der Beurtheilung reicht hier nicht aus; wir würden Manches\nungerechter Weise herabsetzen, Mehreres aber, was geradezu neu\nerscheint, ganz übersehen. Wenn wir also z. B. keine Opposition\ngegen die zum Vortrage gekommenen Compositionen erheben, so un-\nterbleibt dies, weil wir eben nur solche Tonstücke für geeignet hal-\nten, dem Publicum das Naturwunder nach allen Richtungen hin vor-\nzuführen. Im Gegentheil freuen wir uns, wenn von Zeit zu Zeit\nitaliänische Compositionen von Italiänern gesungen werden, damit\ndas Publicum endlich einmal lerne, wie solche Sachen gesungen\nwerden müssen.\nGewiss war ein grosser Theil der Zuhörer überrascht, als Fräu-\nlein Patti in ihrer ersten Arie aus „Linda von Chamouny\" von\nDonizetti nur eine mittelstarke Stimme hören liess; doch wich\n* • _\ndiese kleine Enttäuschung sehr bald einem immer wachsenden Stau-\nnen, als die Sängerin in raffinirter Weise die Schleusen ihrer Kunst-\nfertigkeit öffnete. Zuvörderst ist es die seltsam blendende Klangfarbe\nder Stimme in der zwei- und dreigestrichenen Octave, welche wir\nbis jetzt an der menschlichen Stimme noch niemals zu beobachten\nGelegenheit hatten und die einen eigentümlichen Reiz ausübt. So-\ndann überwältigt die Unfehlbarkeit, mit der die Sängerin geradezu\nunglaubliche Kunststückchen ausführt, wie z. B. anhaltende Triller\nauf dem dreigestrichenen d und e, Staccati bis zum f in der glei-\nchen Octave, und zwar mit ausserordentlicher Reinheit, u. s. w.\nMehr aber als alle diese Kunststückchen fesselt die Seele ihres Ge-\nsanges, und gewinnt wohl selbst denjenigen, der sich weder dem\nhohen /, noch der merkwürdigen Virtuosität gefangen gab. Ausser\nder genannten Arie hörten wir von Fräulein Patti noch die bekannte\nSchatten-Arie aus Meyerbeer1 s „Dinorah\", ferner ein speciel für\nFräulein Patti angefertigtes Arrangement, bestehend aus einer Intro-\nduction für Ciavier von Schulhof und dem „Carneval von Venedig\"\nvon Paganini, und eine Lach-Arie von Auber, welche die liebens-\nwürdige Sängerin auf den nicht enden wollenden Beifall der Hörer\nzugab und wiederholte und durch die Fülle natürlichen Humors und\nLiebreizes bezauberte.\nDen Abend eröffnete die Kreutzer-Sonate von Beethoven,\nvorgetragen von den Herren \"A lfr e d Jaell und Henri Vieux-\ntemps. Wir gestehen, dass wir der Ausführung mit einer wahren\nBegierde entgegensahen, dass wir Grosses erwarteten und endlich\nüber Alles hinaus befriedigt wurden. Der Name Jaell ist in Folge\ndes vorzüglichen Spiels des Meisters, wie überall, auch in unserer\nStadt hochverehrt, und sein Partner V ieuxtem p s hat sich gleichen\nWeltruf erworben. Das Spiel beider Meister liess die herrliche\nComposition wie aus Einem Gusse hervorgehen, und zwar in rein-\nster, in ihrer eigensten Gestalt. Stürmischer Beifall ward jedem ein-\nzelnen Theile gespendet, gleichwie die späteren Solo-Vorträge der\nMeister mit unglaublichem Enthusiasmus aufgenommen wurden.\nHerr Jaell, vom Publicum mit Applaus empfangen, spielte die\nbekannten „Variationen\" von Händel und seine Transscription über\n..Home, siveet Homeuy und auf den Beifallssturm, den die Hörer der\nausgezeichneten Leistung spendeten, noch die Liszt'sche Paraphrase\ndes Marsches aus Tannhäuser. Mit der unfehlbaren. Ueberwindung\nder letzteren Composition bewies er, gleich Herrn Vieuxtemps, dass\nSchwierigkeiten für ihn in keiner Weise mehr vorhanden sind, und\nsetzte seinen Leistungen die Krone auf.\nEndlich haben wir noch über einen Violoncellisten ersten Ran-\nges zu berichten. Der russische Kammer-Virtuose Herr Steffens\nrechtfertigte im Vortrage des zweiten Goltermann'schen Concertes\nden grossen Ruf, der ihm voranging. Auch hier dürfen wir die So-\nlidität des Spiels ganz besonders hervorheben, das sich durch vollen,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "359", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641105-01.1.7", "texte": "schönen Ton und eine Behandlung des Instrumentes, welche von\nvortrefflicher Schule zeugt, auszeichnet. Ausserordentlicher Beifall\nund Hervorruf ward dem tüchtigen Künstler in reichem Maasse zu\nTheil. Die Leistungen der Künstler zeichneten sich durch seltene\nFrische aus, und recht ersichtlich war es, wie jeder der Künstler\nmit schönem Erfolge bemüht war, sein Bestes zu geben. Der Saal\nwar bis auf den letzten Platz gefüllt. E. v. Blum.\nNachschrift. Am 3. November fand das zweite Concert\ndes Herrn Ullman Statt und am 5. d. Mts. gibt derselbe ein Ab-\nschieds-Concert im Springer'schen Saale, welcher 4000 Menschen\nfasst. In diesem letzten Concerte wird auch Frau Niemann-See-\nbach durch declamatorische Vorträge mitwirken.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMolsi, 4. November. Gestern ging hier die Oper „Lara\",\nMusik von Maillart, zum ersten Male in Scene. Die Thea-\nter-Direction gehört mit zu denen, welche diese in Paris mit fort-\nwährendem Erfolg gegebene Oper zuerst nach Deutschland verpflanzt\nhaben, indem die ersten Aufführungen derselben in Prag, Leipzig\nund Köln in dieselbe Woche fallen. Das anwesende Publicum\ndas Haus war, wie das sonderbarer Weise hier fast immer der Fall\nist, nur massig besetzt nahm das Werk, das im ersten Acte\nziemlich kalt liess, in ■ den folgenden Acten mit steigender Theil-\nnahme auf und spendete reichlichen Beifall. Die Ausstattung war,\nwie wir es bei Herrn Ernst's Direction nicht anders gewohnt sind,\nin Decoration, Costüms und Scenirung vorzüglich, die Ausführung\ngut studirt und den Verhältnissen nach befriedigend. Der Mangel\neiner Coloratursängerin tritt natürlich besonders bei einer französi-\nschen Oper sehr hervor, wenn die Triller in gehaltene Noten ver-\nwandelt und die Passagen gewischt, statt gesungen werden. Die\nHauptrolle die ganze Oper liegt eigentlich nur in ihr wurde\nvon Herrn Hagen mit sichtbarer Liebe zur Sache und gelungener\nAnstrengung gegeben» Heute wird die Oper wiederholt.\nBruch's „Lorelei\" füllt nach wie vor das Haus in allen\nRäumen. iVm Dinstag war die 10. Vorstellung derselben.\nDüsseldorf, 28. October. Gestern Abend wurde die Serie\nder diesjährigen Abonnements-Concerte mit den Haydn'schen „Jah-\nreszeiten\" eröffnet. Die Ausführung ist im Ganzen als eine sehr ge-\nlungene zu bezeichnen. Orchester und Chöre waren vortrefflich ein-\nstudirt und liessen bis auf einige Incorrectheiten des Horns (Anfang\ndes Sommers), die möglicher Weise durch die tropische Hitze im\nSaale veranlasst sein mochten, und einen vocalen Fehlgriff des\nFrauenchors, welcher die Angst vor dem einbrechenden Ungewitter\nmit einer so streng realistischen Wahrheitsliebe wiedergeben wollte,\ndass er beim Wehgeschrei mit einer in der Harmonielehre bis jetzt\nnoch unbekannten Dissonanz einsetzte, kaum etwas zu wünschen\nübrig. Für diese störenden Einzelheiten entschädigte uns aber die\ndurchaus befriedigende Gesammtheit. Einzelne Nummern wir\nnennen nur die Jagdscene waren in instrumentaler wie vocaler\nBeziehung sogar vollendet abgerundete Kunstleistungen. Die Soli\nhatten Fräulein Rothenberger und die Herren Bietzacher und\nWolters übernommen. Fräulein Rothenberger besitzt eine wunder-\nvolle, umfangreiche, in allen Registern wohlklingende und vortreff-\nlich ausgebildete Stimme. Ihr Vortrag ist innig und warm und be-\nkundet einen vorzüglichen Geschmack, ein richtiges Verständniss. In\njeder Beziehung können wir uns auf das günstigste über diese Künst-\nlerin aussprechen, die wir hoffentlich nicht zum letzten Male hier\ngehört haben. Herr Bietzacher ist uns ein alter, lieber Bekannter.\nfSein volltönendes, kräftiges Organ, das eine seltene Geschmeidigkeit\nbesitzt, seine musterhafte Aussprache, seine streng künstlerische, ge-\nschmackvolle Auffassung, alle diese vorzüglichen Eigenschaften des\nhannoverschen Sängers sind schon bei früheren Gelegenheiten in\nanerkennender Weise hier hervorgehoben. Herr Wolters aus Köln\nkonnte als Lucas nicht in demselben Maasse unser Interesse fesseln.\nHerr Wolters ist, wie wir hören, hauptsächlich dramatischer Künst-\nler. Offen gesagt, es nimmt uns dies Wunder, denn gerade das dra-\nmatische Leben ist es, was wir an dem Vortrage dieses Sängers am\nmeisten vermissen mussten. Nur im Duette mit Hanne: „Ihr Schö-\nnen aus der Stadt, kommt her\", ermunterte sich Herr Wolters und\nschien uns andeuten zu wollen, dass seine Disposition mehr einer\nmomentan ungünstigen Stimmung, als einem dauernd anhaftenden\nFehler zuzuschreiben sei. Die Betheiligung war eine sehr erfreuliche.\nEs wäre wünschenswerth, wenn die leidige Gewohnheit, vor Schluss\ndes Concertes aufzubrechen, allgemein verpönt würde.\nißerlin, 15. October. Seit langer Zeit vom Repertoire ent-\nschwunden, erschien Donizetti's „Lucrezia Borgia\" einmal wieder,\nund zwar gab die Anwesenheit eines Gastes hierzu die Veranlassung,\nDoria vom Stadttheater zu Frankfurt am Main trat in der\nTitelrolle auf. Die älteren Theaterbesucher, namentlich die Stamm-\nhalter der alten Königsstadt, werden sich mit Vergnügen noch der\nSängerin erinnern, welche unter dem Namen Lasslo-Doria einst\ndie Zierde der italiänischeu Oper war. Von allen diesen glänzenden\nErinnerungen sind leider nur spärliche Ueberrreste verblieben, die\ndurchblicken lassen, dass die Sängerin Besseres, Vollendeteres gebo-\nten. Frau Doria hat durch das häufige Wechseln und Engagirtsein\nbei mittleren Stadttheatern sich Vieles angeeignet, das man auf einer\nHofbühne [auch anderswo!] nicht gestattet. Hierzu gehört vornehm-\nlich ein häufiges Tremuliren, eine nicht immer reine Intonation,\nein Hinneigen, den Ton bald zu hoch, bald zu tief zu fassen; ferner\nlässt die Coloratur sehr häufig die nöthige Klarheit und Sauberkeit\nvermissen. Fassen wir dies alles zusammen, so bleibt in der That\nkaum etwas Vortheilhaftes zurück: höchstens haben wir das Spiel\nder Sängerin und die Art und Weise des Vortrages rühmlich hervor-\nzuheben. Der Beifall erscholl nur sehr spärlich und war zumeist\nerkünstelt und gemacht. Die Claque hatte sich dieses Amt vorbe-\nhalten. Leider war das Haus zum Erschrecken leer; freilich, es haf-\nten zu schöne Erinnerungen an dieser Oper, die Lucrezia einer Jo-\nhanna Wagner bleibt Jedem unvergesslich im Gedächtnisse. Ein\nbesonderes Interesse bot die ganze Aufführung nicht, die Darstellen-\nden zeigten mehr oder minder eine gewisse Lauheit. Der meisten\nTheilnahme hatte sich Fräulein de Alma als Orsino zu erfreuen.\nDie* treffliche Sängerin entwickelte im Spiel wie Gesang eine Leiden-\nschaft und Begeisterung, welche grossen Enthusiasmus hervorrief.\nDas feurig vorgetragene Trinklied musste wiederholt werden. Herr\nWoworsky sang den Gennaro mit frischer Stimme, entsprechen-\ndem Vortrage und Spiel; xeben so Herr Betz den Herzog.\nBerlin, 22. October. Im Opernhause begann Herr Niemann\nvom Hoftheater zu Hannover sein leider dieses Mal nur kurz aus-\nfallendes Gastspiel als Tannhäuser. Die Theilnahme und der Beifall\nwaren enthusiastischer Art. Neben dem Gaste verdienen noch Fräulein\nde Ahna und Herr Betz lobende Erwähnung. Die weiteren Rollen\nwerden Raoul und Johann von Leyden sein. Im Frühjahre werden\nwir den Künstler länger in unseren Mauern haben. Die Proben\nzum „Stern von Turan\", Oper von Richard Wuerst, haben bereits\nbegonnen und steht die Aufführung im November bevor. Die Titel-\nrolle singt Fräulein P. Lucca. Dr. Gunz aus Hannover wird\ndann zur Zeit wieder eintreffen, um sein gestörtes Gastspiel weiter\nfortzusetzen. Zum Beginne des neuen Jahres trifft Fräulein De-\nsiree Ar tot hier ein; in ihrem Repertoire befinden sich unter An-\nderem „La Traviata\" und „Die Krondiamauten\"."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "360", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641105-01.1.8", "texte": "I'raiikfiii't a. M., 1. November. Gestern wohnten wir\neinem Concerte des Rührschen Gesangvereins im neuen Saalbau bei,\nwelches unter der Leitung des Vereins-Dirigenten Herrn Friedrich\neine recht schöne Aufführung von Haydn's „Schöpfung*' brachte.\nDie Chöre klangen und gingen vortrefflich, und die Solisten, Fräu-\nlein Rothenberger aus Köln, Herr Borgers (Tenor) vom Hof-\ntheater zu Wiesbaden und Herr Hill von hier, bildeten ein so\nklangvolles Ensemble, wie man es nur selten hört, während ihre\neinzelnen Leistungen durch echt künstlerischen Vortrag zu dem leb-\nhaftesten Beifalle hinrissen. Besondere Auszeichnung erwarb sich das\nDuett im dritten Theile.\nIWfen« Nebst der Burgtheater-Krisis macht die Wachtel-Frage\nnoch immer von sich sprechen. Es handelt sich nicht allein um die\nBewilligung eines vierten Urlaubsmonates, Herr Wachtel hat noch\nAnderes auf dem Herzen. Die M. P. schreibt hierüber: „Herr Wach-\ntel soll den Adolar in der Euryanthe singen, die Probe fällt nicht\nsehr befriedigend aus, und Herr Wachtel erklärt: „»Ich singe die\nPartie nicht, ich kann nichts mit ihr machen.\"\" Herr Wachtel soll\nden Pylades in der Gluck'schen Iphigenie singen, er weigert sich,\nden griechischen Jüngling zu interpretiren, denn er kann nichts\n„„aus ihm machen\"\". [Herr Wachtel ist nicht der einzige Sänger,\nder so spricht j jene Redensart ist sehr beliebt bei den jetzigen Be-\nrühmtheiten, und leider lassen die Intendanzen und Directionen sie\nnur allzu oft als ein Kunsturtheil gelten und legen die betreffenden\nOpern darauf zurück. Ein grosser Sänger, dem wir die zwar sehr\nernste, aber vortreffliche Partie einer neuen Oper rühmten, gab uns\nwörtlich dieselbe Wachtersche Antwort und die Oper verschwand\nnach einmaliger Aufführung vom Repertoire.] Wir wissen wohl, dass\nHerr Wachtel ein abgesagter Feind classischer Musik ist, sein heu-\ntiger Gesang, sein heutiger musicalischer Bildungsgrad spricht ganz\ndeutlich dafür; aber endlich muss er sich denn doch dazu bequemen,\nden Schwerpunkt seiner künstlerischen Leistung irgendwo anders zu\nsuchen, als ausschliesslich im hohen c.\"\nLissa. Am 16. October feierte der rühmlichst bekannte Di-\nrector Herr H. W. Gehrmann sein 25jähriges Künstler-Jubiläum."}]}