{"numero_id": "bm-bmtnabi-1864-11-12-01", "volume": "bmtnabi_1864-11-12_01", "ocr_sha256": "6fe7d7ca5f9105452df085ae12b49fe848bd03a8e5e095f69a438b644697cb58", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1864/11/12_01/bmtnabi_1864-11-12_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641112-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1864-11-12-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-11-12_01#c001", "volume": "bmtnabi_1864-11-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "361", "page_fin": "361", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641112-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "361", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641112-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 450, "texte": "Inhalt.\nJohann Friedrich Reichardt (Fortsetzung, statt Schluss). Die deutsche Oper in Rotterdam. Von X. Der An-\nhaltische Musikverein. Yon L. Kind scher. Das fünfundzwanzigjährige Jubelfest des Vereins Concordia in Aachen. Tages- und\nUnterhaltungsblatt (Köln, Sinfonie von J. Brambach, Programm-Musik Barmen, erstes Abonnements-Concert Leipzig, Feier\nfür Herrn L. Plaidy Dresden, Jubiläum der Liedertafel Torgau, Concert Hamburg, Fräulein v. 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S. Nr. 45.)\nWenn wir nun auch mit dem Urtheile des Herrn\nJ. M. Schletterer über Reichardt's Compositionen nicht\nüberall übereinstimmen, z. B. bei den Kirchen-Composi-\ntionen, denen er offenbar einen zu hohen Werth zuschreibt,\nwenn er von ihnen, ungeachtet der Anerkennung ihrer\ngrossen Mängel, S. 11 sagt: „Nichts desto weniger sind\nseine in den zwei letzten Decennien des vorigen Jahrhun-\nderts componirten geistlichen Werke unstreitig (?) die be-\ndeutendsten und würdevollsten dieser Periode\", was sich,\num nur Haydn und Mozart zu nennen, auf keine Weise\nrechtfertigen lässt: so theilen wir doch in gewissem Grade\nseine Ansichten über das Verhältniss der Lieder-Compo-\nsition jener Zeit zu der jetzt vorherrschenden; das dama-\nlige musicalische Lied verhält sich zu dem jetzigen unge-\nfähr eben so, wie das Goethe'sche Lied zu der heutigen\nLyrik.\nEin günstiger Umstand gibt dem Buche ein beson-\nderes Interesse. Reichardt hatte eine Selbstbiographie\nbegonnen, aber nicht vollendet. Bruchstücke derselben hat\ner zu Anfang unseres Jahrhunderts in Zeitschriften, die\nselten geworden sind, drucken lassen. Schletterer hat nun\nnicht nur diese Bruchstücke aufgesucht und zusammen-\ngestellt, sondern auch das, was Reichardt im Manuscripte\nvon seiner Selbstbiographie hinterlassen, von der Familie\ndesselben, namentlich der Tochter Reichardt's, der Frau\nHofräthin von Räumer in Erlangen, zur Benutzung er-\nhalten. Er hat alles, was das Manuscript und jene Zeit-\nschriften enthalten, abdrucken lassen. Das ist sehr dan-\nkenswerth, nur ist leider die Flüchtigkeit zu bedauern,\nmit welcher der Verfasser, was Reichardt und was er\nselbst schreibt, in einem solchen Durcheinander gibt, dass\nman sehr häufig Beides nicht unterscheiden kann. Ueber-\nHaupt fehlt es Hrn. Schletterer an Aufmerksamkeit oder an\nFleiss für die Form seiner Bücher, was wir schon bei seiner\n„Geschichte des deutschen Singspiels\" gerügt haben, und\ndaher machen sie mehr den Eindruck von eiligen Compi-\nlationen, als von wohl überlegten und sorgfältig gearbei-\nteten Werken. So hat denn auch das „Leben Reichardt's\"\neine wahrhaft ungeschlachte Gestalt, von der man sich\nleicht eine Vorstellung machen kann, wenn man erfährt,\ndass die 662 Seiten nur einen einzigen Abtheilungs-Ab-\nschnitt haben! Das erste Buch, die Jahre 1752 bis\n1775 umfassend, füllt 234 S. (S. 18—252), und das\nzweite, das sich auf den Zeitraum von 1776 bis 1794\nerstreckt, enthält 389 S. (S. 253 641), wozu dann\nnoch 20 Seiten „Anmerkungen und Berichtigungen\" kom-\nmen. Von Unter-Abtheilungen oder Abschnitten nach den\nverschiedenen Lebens-Perioden oder zur Unterscheidung\nder Erzählung der äusseren Ereignisse und Verhältnisse,\nvon der Analyse und Beurtheilung der musicalischen\nWerke u. s. W.ist gar nicht die Rede; Alles geht in Einem\nfort, hier und da ist ein Strichlein vorhanden, welches die\ngar zu heterogenen Abschnitte trennt, aber nach einer Ueber-\nsicht des Inhalts oder gar nach einem Register sucht man\nvergebens. Ohne Beides ist aber ein solches Buch nur halb\nbrauchbar. Hätte der Verleger wenigstens vor dem zwei-\nten Buche ein zweites Titelblatt (11. Theil) beigegeben,\nso liesse sich das dickleibige Buch, das übrigens recht\nhübsch gedruckt ist, wenigstens leichter handhaben. Wenn\naber der Verfasser zu bequem war, durch den dichten\nWald Wegweiser zur Orientirung aufzustellen und Ruhe-\nplätze für den Wanderer zu bereiten, kann er sich dann\nbeschweren, wenn der Leser mit noch mehr Recht eben\nso bequem die Lust verliert, sich ohne seine Hülfe durch-\nzuarbeiten? Indessen lässt sich das Mangelnde beim\nzweiten Bande nachholen, und nicht nur das Publicum\nhat die volle Berechtigung, das zu verlangen, sondern auch\ndas Interesse des Verlegers erfordert es. Da lesen wir aber"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "362", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641112-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5481, "texte": "am Schlüsse (S. 641): „Ob und wann es uns vergönnt\nist, diesem Werke, an dem wir lange Zeit (?) mit Liebe\nund Interesse gearbeitet haben, seinen völligen Abschluss\nfolgen zu lassen, vermögen wir heute noch nicht mit Be-\nstimmtheit zu sagen, doch wollen wir hoffen, dass es bald\ngeschehen kann.\" Sollen diese Worte des Verfassers, in\nVerlegerdeutsch übersetzt, heissen: „Wir wollen erst ein-\nmal sehen, wie das Buch „„geht\"\", ehe wir uns zur\nFortsetzung entschliessen\"—so müssen wir diese Art von\nSchriltstellerei und Verlegerei als dem Standpunkte der\ndeutschen Literatur unwürdig bezeichnen. Der Schrift-\nsteller muss von Hause aus wissen, was er zu geben hat,\nund soll nichts unfertig in die Welt schicken, und der Ver-\nleger befasse sich nicht mit Theilen eines Ganzen, sondern\nnur mit dem Ganzen selbst. Wenn Herr Schletterer jedes\nJahr einen dicken ersten Band eines Werkes schreibt und\nimmer auf den zweiten des vorigen Jahres warten lässt, so\nist das zu missbilligen, und die Entschuldigung, die er bei der\nHerausgabe der Geschichte des „deutschen Singspiels\" (im\nvorigen Jahre 1863 und in demselben Verlage) in der Vor-\nrede ausspricht, dass „das zum Abschlüsse gedrängte Werk\"\n(von wem gedrängt?) die Vollständigkeit u. s. w. „nicht zu-\nlasse\", ist weiter nichts, als ein Geständniss, dass die Auf-\ngabe, die er vorher sich nicht klar hingestellt und dispo-\nnirt hat, ihm während der Arbeit über den Kopf ge-\nwachsen sei. Wir können daher Herrn Schletterer nur\nratlieii, erst nach vollständiger Feststellung eines detaillir-\nten Planes an ähnliche Arbeiten zu gehen, wonach ihm\ndann auch nicht entgehen wird, dass sich bei historischem\nZusammentragen eine Menge von Ballast häuft, der die\nFahrt eines Buches auf dem Meere der Oeffentlichkeit\nmehr hemmt, als fördert.\nDiese Ausstellungen sollen uns aber nicht blind ma-\nchen gegen den Werth des Buches über Joh. Friedrich\nReichardt; wir wünschen nur den Herrn Verfasser zu\ngrösserer Selbstkritik anzuregen, verkennen aber weder\ndas viele Interessante, das er aus dem so bewegten Leben\nReichardt's beibringt, noch das Verdienstliche seiner Be-\nsprechungen der Reichardt'schen Compositionen und über-\nhaupt alles dessen, was auf eigenem Urtheile und eigenen\nAnsichten beruht. Das Buch ist mithin allen Freunden\nder Musik und ihrer Geschichte zu empfehlen, und wer\nsich durch das Volumen nicht abschrecken lässt, wird einen\nmeist fesselnden Inhalt finden, der sowohl durch die Dar-\nstellung des Lebens und Wirkens des Helden der Biogra-\nphie (besonders auch da, wo dieser selbst erzählt oder\ndessen Briete abgedruckt sind), als durch die Schilderungen\nund Einzelheiten aus dem Gesellschafts- und Kunstleben in\nDeutschland, namentlich in Preussen und dessen Haupt-\nstädten Königsberg und Berlin, aus der Zeit der zweiten\nHälfte des vorigen Jahrhunderts etwas sehr Anziehendes\nund durch Vergleich mit der Gegenwart Belehrendes hat.\n„Johann Friedrich Reichardt, Virtuose und\nComponist, zugleich ein Ireimüthiger, gewandter und kennt-\nnissreicher Schriftsteller, ein Mann von vielseitigster Bil-\ndung und mit feinem Sinne für alles begabt, was Kunst\nund Wissenschaft, Natur und geselliges Leben Förderndes\nzu bieten vermögen, bat nach einer an Resultaten und\nAuszeichnungen reichen Laufbahn in Folge einer Verket-\ntung eigentümlicher Verhältnisse das Geschick gehabt,\nnicht nur rasch vergessen, sondern auch schmählich ver-\nkannt zu werden.\n„Seit seinem Tode ist kaum ein halbes Jahrhundert\nverflossen, und doch wird seiner selbst in der musicali-\nschen Welt, für die er doch vorzugsweise thätig war,\nkaum noch gedacht. Aber sollten wirklich bei einem\nManne, der in allen gebildeten Kreisen seiner Zeit bekannt\nund gern gesehen, mit allen seinen hervorragenden Zeit-\ngenossen, auf welchem Gebiete geistiger, künstlerischer\noder politischer Thätigkeit sie sich auch auszeichnen moch-\nten, befreundet war, dessen scharfem, beobachtendem\nBlicke nichts entging, dessen Theilnahme sich jeder auf-\nstrebenden Erscheinung aufmunternd zuwandte, dessen\nKreis von Bekanntschaften fast unübersehbar war, dessen\ngrossartige Gastfreundschaft in allen Ländern gerühmt\nwurde und dessen Gedächtniss in Tausenden von Herzen\nunvertilgbar eingegraben schien, ein so rasches Vergessen\nund die absprechenden, lieblosen Urtheile, welche man\nnur noch über ihn aussprechen hört, gerechtfertigt sein?\nGewiss nicht!\n„Reichardt als praktischer Tonkünstler erscheint, abge-\nsehen von seiner Wirksamkeit als Dirigent und von dem\nEinflüsse, den ihm seine bedeutende Stellung verlieh, nach\nzwei Seiten hin beachtenswert!). Er war in seiner Jugend\neiner der hervorragendsten Virtuosen auf der Violine, da-\nbei tüchtig geübt auf vielen anderen Instrumenten, so na-\nmentlich auf der nun ganz vergessenen Laute, und oben-\ndrein im Besitze einer schönen und weichen Tenorstimme,\ndie ihm selbst im späten Alter den Dienst noch nicht ver-\nsagte. Ferner aber gesellte er sich in reiferen Jahren zu\nden besten und fruchtbarsten Componisten seiner Zeit. Er\nhat sich mit Glück in allen Formen und auf allen Gebie-\nten des Tonsatzes versucht und als Opern-Componist Aus-\ngezeichnetes geleistet; als Liedersänger und Componist\ndeutscher Singspiele aber ist er nur von Wenigen über-\ntroffen worden. Wie in seiner musicalischen, so auch in\nseiner schriftstellerischen Thätigkeit tritt er uns als ein viel-\nseitig gebildeter und unermüdlich regsamer Geist entgegen.\nSeine musicalischen Schriften gehören zu dem Gründlich-\nsten und Besten, was diese Branche der Literatur aufzu-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "363", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641112-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5512, "texte": "weisen hat, seine politischen zu den freisinnigsten, muthig-\nsten und wirksamsten, die in einer Zeit tiefer Schmach\nund Erniedrigung, in Tagen voll demüthigender Erinnerun-\ngen geschrieben wurden. Dagegen wieder bieten seine\nReisebriefe aus Paris (1802 und 1803) und Wien (1808\nund 1809) für die politische und Sittengeschichte des er-\nsten Decenniums unseres Jahrhunderts ein reiches und\nhöchst interessantes Material; und wie er eben so in be-\nredter und furchtloser Weise, als in Worten der höchsten\nAnerkennung für seine Freunde aufzutreten vermochte,\ndavon zeugt seine energische und wackere Vertheidigung\nLavater's gegen den Grafen Mirabeau und die biogra-\nphischen Denkmale, die er seinen Freunden Wolf, Bach,\nBenda, Fasch und Schulz gesetzt hat.\n„Leider hat diese reiche schriftstellerische Thätigkeit\ndem Musiker Reichardt wenig Glück und Vortheil ge-\nbracht. Indem er sich freimüthig über alle beachtenswer-\nthen Erscheinungen auf musicalischem Gebiete äusserte,\nmusste er nothwendig, sobald er nicht nur lobend, son-\ndern auch kritisirend und tadelnd auftrat, sich Feinde und\nGegner machen, und da er nun zugleich der Versuchung\nnicht widerstehen konnte, in die von ihm selbst herausge-\ngebenen musicalischen Zeitschriften anerkennende Bespre-\nchungen eigener Werke, jedoch weder von ihm veranlasst\nnoch verfasst, aufzunehmen, so lag der Vorwurf von An-\nmaassung und Parteilichkeit zu nahe, um nicht in schlimm-\nster Weise ausgebeutet zu werden und die Anzahl seiner\nGegner und das Gewicht übler Nachrede zu verzehnfachen.\nMehr aber haben ihm in seinen amtlichen Stellungen seine\npolitischen Schrillen und seine oft unbesonnenen Aeusse-\nrungen geschadet. Zuerst, wie alle seine leicht entzündba-\nren Zeitgenossen, für die americanische, dann für die fran-\nzösische Revolution begeistert, war er unvorsichtig genug,\nseine Ansichten laut auszusprechen, und da er letztere\ntheilweise selbst in Paris mit durchlebt hatte, den mitge-\nbrachten frischen Eindrücken in der Heimat, ja, selbst am\nHofe des Königs von Preussen, der mit Abscheu gegen\ndie neuen Ideen erfüllt und in offenen Kampf gegen die\nSt&atsumwälzer getreten war, Worte zu geben. Bald hat-\nten ihn seine Neider und Feinde, welche die übermüthig\nhingeworfenen Worte zu seinem Verderben zu benutzen\nwussten, um das Vertrauen und die Gunst seines Fürsten\ngebracht. Zuletzt verlor er auch seine Anstellung und\nhatte noch die betrübende Erfahrung zu machen, dass\nmancher seiner bisherigen Freunde, der ängstlicher, vor-\nsichtiger, vielleicht auch weilerblickend als er war, sich\nnun von ihm, der die königliche Huld und Gnade ver-\nscherzt hatte, abkehrte. Dann, als er sich von der Umge-\nstaltung der Dinge in Frankreich enttäuscht, als er sein\nVaterland unterdrückt, geknechtet, vernichtet sah, hat ihn\nmanchmal wieder die rücksichtslose Kundgebung seines\nHasses gegen den mächtigen Unterdrücker in die gefahr-\nvollsten und ängstlichsten Lagen gebracht. So gesellten\nsich zu seinen musicalischen Feinden und Gegnern und\npolitischen Denuncianten noch Schmähungen. Neid und\nMissgunst vereinigten sich in gleicher Weise, seinen Na-\nmen zu beflecken und sein Andenken zu trüben. Leider\nstanden zuletzt auf Seiten seiner Gegner die grössten und\nberühmtesten Namen unserer Literatur, und ohne zu un-\ntersuchen, ob diese auch gerecht und menschlich gegen\nihn verfahren waren, hat man bis in die neueste Zeit, in-\ndem man gewisse Dinge, ohne ihnen näher auf den Grund\nzu gehen, immer wieder aufgetischt hat, die irrigen Mei-\nnungen über ihn unterhalten, ja, vermehrt. Wenn er nun\nauch vielfach zu dem über ihn hinstürmenden Missge-\nschicke unvorsichtiger Weise die Veranlassung selbst ge-\ngeben hat und von den Vorwürfen, die ihm gemacht wer-\nden, nicht immer ganz frei zu sprechen ist, so treffen wir\ndoch, sobald wir ihm näher treten, so viele edle, grosse\nund verehrungswürdige Eigenschaften an ihm, lernen in\nihm einen so wackeren Menschen und Künstler kennen,\ndass wir nur Gerechtigkeit zu üben vermeinen, wenn wir\ndem Manne Anerkennung und Würdigung zu Theil wer-\nden lassen und ihn, wenn auch mit seinen Fehlern, doch\nauch mit seinen Tugenden, Vorzügen und rühmlichen Be-\nstrebungen der Gegenwart darzustellen suchen.\n„Reichardt's Vater war ein geschickter, aber in sehr\nbeschränkten Verhältnissen in Königsberg lebender Musi-\nker. Seine Mutter, an welcher der Knabe mit innigster\nLiebe hing und von der der Mann stets mit rührender\nZärtlichkeit und Verehrung spricht, war eine einfache\nFrau, die nach besten Kräften durch Handarbeiten, in de-\nnen sie viel Geschick und Geschmack besass, die oft\ndrückende Lage der Familie zu erleichtern suchte. Der\nlebendige, regsame Knabe offenbarte schon in frühester\nJugend eine so seltene musicalische Begabung, dass sie\nlaute Bewunderung hervorrief. Das schöne, talentvolle\nKind wurde bald ein Liebling Aller und leider auch das\nverzärtelte Schoosskind mancher hochgebildeten und an-\ngesehenen Familien seiner Vaterstadt, und die gute Gesell-\nschaft, an die er so von Jugend auf gewöhnt wurde, die\nreichen, von ihm heisshungrig ergriffenen und gewissen-\nhaft benutzten Bildungsmittel, die unter so günstigen äus-\nseren Verhältnissen sich ihm boten, förderten in überra-\nschend schneller Weise den geistreichen, feurigen Jüngling\nund machten ihn fähig, die glänzende und denkwürdige\nLaufbahn zu durchwandeln, die ihm vom Schicksale vor-\ngezeichnet war. Begünstigt vom Glücke, das während der\nersten Hälfte seines Lebens an seine Schritte gefesselt\nschien, wurde er nach Vollendung seiner juristischen Stu-\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "364", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641112-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1301, "texte": "dien, neben welchen er aber die möglichste Ausbildung\nseiner musicalischen Talente nie aus den Augen verlor,\nja, die er häufig sogar durch langdauernde weitere Kunst-\nreisen unterbrochen hatte, Capellmeister Friedrich's des\nGrossen. Neben Wien und Dresden hatte Berlin damals\ndie bedeutendsten musicalischen Mittel und Kräfte. Die\nStellung, die ihm hier wurde, gehörte zu den angesehen-\nsten, die ein Musiker in jenen Tagen sich überhaupt zu\nerringen vermochte, sie sicherte dem Inhaber Ehre und\nweithin reichenden Einfluss. Von hier aus begann nun\nReichardt seine weiten Reisen zu unternehmen, auf denen\ner Gelegenheit fand, mit allen bedeutenden Personen sei-\nner Zeit bekannt zu werden, mit vielen von ihnen in die\nintimsten und freundschaftlichsten Verbindungen zu treten\nund, indem er Europa nach allen Richtungen hin durch-\nzog, Land und Leute gründlich kennen zu lernen. Zuletzt\nnun, nachdem er die verschiedensten Wechselfälle des\nGlückes und alle Wrandelbarkeit irdischer Verhältnisse\nund besonders menschlischer Neigungen erfahren hatte,\nwar es ihm doch noch vergönnt, auf seinem schönen Land-\nsitze zu Giebichenstein bei Halle im Kreise seiner ihn hoch-\nverehrenden Familie in zwar erzwungener, aber nicht\ndrückender Zurückgezogenheit den Rest seines Lebens zu\nverbringen.\"\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-11-12-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-11-12_01#c003", "volume": "bmtnabi_1864-11-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "364", "page_fin": "365", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641112-01.2.3", "titre_corps": "Die deutsche Oper in Rotterdam.", "titre_sommaire": "Die deutsche Oper in Rotterdam.", "signature_source": "X", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "364", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641112-01.1.4", "debut_caractere": 1303, "fin_caractere_exclue": 5258, "texte": "Die deutsche Oper in Rotterdam.\n\nDen 30. October 1864.\nUnsere Oper ist seit Anfang September wieder eröff-\nnet und liefert im Ganzen ein günstiges Resultat. Das Per-\nsonal bilden: Sopran: Fräul. Weiringer, Frau Ellin-\nger, Frau Roll-Meyerhöfer und Fräul. Müller; Alt:\nFräul. Szerdahely (letzlere drei Damen neu); Tenor:\ndie Herren Ellinger, Schneider, Böhlken (neu) und\nZimmermann; Bariton: die Herren Pohl (neu) und\nB r assin; Bass: die Herren Dalle Aste und Behr(neu);\nCapellmeister: Herr Saar (neu); Regisseur: Herr Behr;\nConcertmeister: Herr Rappoldi.\nDie hiesigen Opernverhältnisse sind von denen Deutsch-\nlands ganz verschieden; Rotterdam dürfte wohl die einzige\nStadt der Welt sein, in welcher eine deutsche Oper nur\nvon einem verhältnissmässig kleinen Theile der Einwohner\nmit ungeheuren Kosten erhalten wird. Wir hatten bisher\nnur am Mittwoch und Samstag Oper, es wird dieses Jahr\nein Versuch gemacht, alle vierzehn Tage auch den Sonntag\nzu benutzen. Wie gewagt dieses Project ist, kann nur der\nermessen, welcher mit den hiesigen Verhältnissen bekannt\nist. Das Theater hat sich hier nur an einem Tage eines\ngut besetzten Hauses zu erfreuen, am Mittwoch. Der Be-\nsuch am Samstag ist durchgehends ein sehr kärglicher. Das\nPublicum, welches sich besonders für Musik interessirt und\ndieselbe unterstützt, ist- im Ganzen ein kleines, in Opern,\nCpncerten u. s. w. bemerkt man stets dieselben Personen.\nDie Meisten abonniren für den Mittwoch als den noblen\nTag, Samstags und Sonntags finden in vielen Häusern Fa-\nmiliencirkel Statt, und nicht wenige Familien halten den.\nBesuch der Samstags-Oper für unerlaubt, weil Sonntags\nKirche ist. Am Sonntag gehen selbst diejenigen, die am\nSamstag sich über das Vorurtheil hinwegsetzen, nicht in\ndie Oper. Balcon, Sperrsitz und Logen sind dann sehr leer,\nnur Parterre und Galerie voll. Mit diesen unerfreulichen\nVerhältnissen wird eine jede Direction noch Jahre lang zu\nkämpfen haben. Die Preise sind hoch und müssen hoch sein,\naber für die Galerie sind 50 Cents = Sgr. zu hoch;\nder Erfolg beweist es, da kaum die erste Reihe allabend-\nlich besetzt ist. Gute Musik soll auch ins Volk dringen, aber\nleider besteht hier für die unbemittelte Classe keine Gele-\ngenheit, gute Musik zu hören; es sollte also die Oper diese\nGelegenheit für billige Preise bieten.\nVon den Damen unseres Opern-Personals dürfte in\nBetreff des Gesanges wohl Fräul. Weiringer den ersten\nPlatz einnehmen. Wie in den vorigen Jahren, ist sie auch\nim gegenwärtigen wieder der auserkorene Liebling des\nPublicums. Ihr Organ bleibt immer lieblich, ihr Vortrag\nzum Herzen sprechend, ihre Schule gut; nie macht sie sich\neiner Uebertreibung schuldig, ihre Aussprache ist rein und\ndeutlich. Nur ist zu beklagen, dass sie nicht mehr Schau-\nspieler-Talent besitzt. Mit Frau Ellinger verhält es sich an-\nders; die Stimme ist voll, verliert aber bedeutend durch\ndie schlechte Aussprache. Dagegen besitzt Frau Ellinger\nviel dramatisches Talent, was sie aber leicht zu Uebertrei-\nbungen verleitet. Bei alledem ist diese Künstlerin ein schätz-\nbares Mitglied unserer Oper. Frau Roll-Meyerhöferist eine\nroutinirte Künstlerin, aber ihre Stimme ist abgenutzt, die\nHöh e scharf, das Organ beginnt einen belegten Klang an-\nzunehmen; ihr fortwährendes Tremoliren ist für den Hörer\nauf die Dauer ermüdend. Frau Ellinger spricht die Worte\nschlecht aus, aber man versteht sie; bei Frau Roll-Meyer-\nhöfer versteht man buchstäblich nicht ein Wort. Ihre beste\nPartie war wider alles Erwarten Elsa in Lohengrin. Fräul.\nSzerdahely besitzt einen schönen, klangvollen Alt. Diese\njunge Künstlerin ist bei (leissigen Studien berechtigt, einer\nschönen Zukunft entgegen sehen zu dürfen.—Die Herren\nEllinger und Schneider sind Ihnen hinlänglich bekannt.\nHerr Böhlken, neues Mitglied, übernahm vom 1. Septem-\nber bis 1. October (mit welchem Herr Ellinger erst eintrat)\ndie Helden-Partieen mit wenigem oder gar keinem Erfolg.\nEin lyrischer Tenor muss seineStimme nicht aus Gefällig-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "365", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641112-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5201, "texte": "keit opfern, und eben so wenig sind Partieen wie Masa-\nniello, Raoul, Troubadour u. s. w. von heute auf morgen\nzu studiren. Als George Brown hatte er sich grösseren Bei-\nfalls zu erfreuen. Mit Ausnahme der mangelhaften Colora-\nturen, wodurch einige Nummern litten, können wir die\nRolle als eine wohlgelungene bezeichnen. Herr Zimmer-\nmann ist mehr für Spiel-Partieen engagirt. Da Opern die-\nses Genres hier wenig zur Aufführung kommen, kann der-\nselbe wohlgemuth singen: „Ein freies Leben führen wir!\"\nDie Bariton-Partieen sind dieses Jahr in guten Händen.\nHerr Pohl h at sich mit seinem Auftreten als Hans Heiling\nvon einer vortheilhaften Seite einzuführen gewusst. Diese\nOper nebst „Figaro's Hochzeit\" und „Weisse Dame\" wa-\nren unstreitig bis jetzt die gelungensten, wozu Herr Pohl,\nnamentlich in der ersteren, wesentlich beigetragen. Leider\nist uns Herr Pohl bis jetzt erst als Heiling und Graf in Fi-\ngaro vorgeführt, wesshalb wir uns ein näheres Eingehen\nauf die Leistungen desselben vorbehalten. Bei Herrn Dalle\nAste haben die vier Monate Ferien Wunder gethan: er ist\nbeinahe wieder im vollen Besitz seiner früher so klangvol-\nlen Stimme. Wir wünschen ihm von Herzen Glück dazu.\nLieber die unschönen wie unmusicalischen Verzierungen,\nnamentlich in Mozart'schen Opern, vor Allem als Sarastro,\nwollen wir fortan schweigen; sie scheinen diesem Sänger\nzur anderen Natur geworden zu sein. Wir können das\nnur beklagen.\nVon allen neu engagirten Mitgliedern steht Herr Behr\nin erster Reihe. Er ist in der Sängerwelt von Leipzig und\nBremen aus genugsam als gediegener Sänger bekannt. Herr\nBehr stand hier als Concertsänger noch in gutem Andenken\nund wurde beim ersten Auftreten herzlich bewillkommt.\nWiewohl derselbe sich den zweiten Partieen unterzieht,\nwird er doch stets vom Publicum mit Applaus empfangen.\nDie kleinsten Rollen werden durch ihn gehoben. Seine\nStimme hat einen vollen, schönen Klang in allen Tönen\nihres Umfangs, wir stossen nie auf einen Misston, auf kein\nForciren, Affectiren. Zwar haben wir keinen schweren,\ntiefen Bass vor uns, welcher freilich hier sehr nöthig ist,\nwir werden aber durch stets künstlerische Darstellungen\nentschädigt. Durch diesen Künstler ist Dr. Bartolo zum er-\nsten Male hier zur Geltung gekommen, wie auch sein St. Bris\neine vortreffliche Leistung war. Herr Behr ist zugleich Re-\ngisseur, was sehr guten Einüuss auf das Ganze zu haben\nscheint.\nChor und Orchester sind im .Ganzen genommen gut.\nHerr Saar ist ein thätiger Capellmeister, und wir wollen in\nseinem Interesse wünschen, dass er sich die Richtung seines\nVorgängers, Herrn Levi, jetzt in Karlsruhe, aneignet. Das\nEnsemble lässt mitunter zu wünschen übrig. Wir wollen\naber keineswegs die Schuld dem Capellmeister allein zur\nLast legen. Bei einer Oper, die nur von einem Jahre zum\nanderen mit mehr oder weniger neuen Mitgliedern enga-\ngirt wird, ist solches gleich im Anfange schwer zu errei-\nchen. Was aber das Einsludiren der Chöre betrifft, so\nwünschten wir in diesen weniger affectirte Nuancen. In\ndem bekannten (lebete in der Stummen von Portici steht\nin den zwei Phrasen nur ein\nauf der markirten Note,\nkeineswegs aber ein\nauf dem\nersten und ein pp aul dem zweiten Tacte*). Für die Thä-\ntigkeit des Herrn Saar kann als Beweis dienen, dass in die-\nsen sechs Wochen drei Opern neu einstudirt sind und die-\nser Tage ganz neu „Templer und Jüdin\" zur Aufführung\nkommt, wie denn auch im Laufe der Saison noch verschie-\ndene andere neue Opern in Aussicht stehen.\nWir sind der Ueberzeugung, dass mit der Zeit, auf\ndie eine oder die andere Weise, unsere Oper zu einer ste-\nhenden sich erheben werde. Rotterdam kann ohne Oper\nnicht gut mehr existiren. Durch ein dauerndes Engagement\nwürden sich nicht allein mehr Künstler bedeutenderen Ran-\nges gewinnen lassen, auch das Ensemble würde gehoben\nwerden.—Zu unserer Freude vernehmen wir, dass die ver-\nehrliche Commission sich entschlossen, die Concerte der\nGesellschaft JEruditiodes verstorbenen Herrn Tours die-\nsen Winter zu übernehmen. Wir müssen leider bekennen,\ndass dieselben in den letzteren Jahren bedeutend im Ab-\nnehmen waren und ihre Erhaltung nur ein Act der\nPietät blieb. Sie werden, wie verlautet, im Opernhause\nabgehalten werden, was den Besuch derselben sehr beför-\ndern dürfte.\nDie Quartett-Soireen unseres Concertmeisters\nHerrn Rappoldi werden im nächsten Monate wieder ihren\nAnfang nehmen und, wie zu erwarten ist, von einem zahl-\nreichen Auditorium besucht werden. Herr Rappoldi hat\nsich sowohl hier als in ganz Holland einen bedeutenden\nNamen erworben, was viel sagen will, da dieses Land von\nallen Violin-Virtuosen ersten Ranges besucht wird. Wir\nkönnen uns Glück wünschen, diesen gediegenen Künstler\nin unserer Mitte zu haben. Wir fühlen uns gedrungen, die\nConcert-Directionen auf Herrn Rappoldi, welcher auch in\nDeutschland bereits mit grossem Erfolg aufgetreten, auf-\nmerksam zu machen.\n*) Der Herr Correspondent rügt dergleichen raffinirte Effecte,\ndie durch den gezierten Vortrag der Chöre in manchen Männer-Ge-\nsangvereinen auch aufs Theater übergegangen sind, mit vollem Rechte.\nEinen anderen Beleg dazu liefert die Wiederholung des Jägerchors\nim Freischütz im pp, ein Widersinn, an den Weber nicht gedacht\nhat. Die Redaction.\n\nX."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-11-12-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-11-12_01#c007", "volume": "bmtnabi_1864-11-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "366", "page_fin": "367", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641112-01.2.4", "titre_corps": "Der Anhaltische Musikverein.", "titre_sommaire": "Der Anhaltische Musikverein.", "signature_source": "L. 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Gewiss nicht darum,\nweil es nicht mehr so wie bisher singt; vielmehr zeugen\ndavon, dass ihm der Gesang keineswegs fremd geworden,\nbesonders die letzten Jahrzehende, wo der Männergesang\neinen so bedeutenden Aufschwung genommen, während\nwiederum das Volk den Sängern so gern lauscht und ihnen\nzu Ehren seine Häuser mit grünem Laube und wehenden\nFahnen schmückt. Schiller spricht:\n~Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit,\nUnd neues Leben blüht aus den Ruinen.\"\nAn die Stelle des melodischen Volksliedes ist gegenwärtig\nvielmehr das harmonische Volkslied getreten. Die Zeit hat\nübrigens auch gelehrt, dass der kräftige, deutsche Männer-\ngesang in andere ausserdeutsche Länder, ja, selbst in an-\ndere Welttheile gedrungen ist. Aber auch die Frauen\nwollen und dürfen nun vom Gesänge nicht zurückbleiben,\nund durch ihren Zutritt erhält 1) das bisherige (männliche)\nTonmaterial einen Zuwachs von 1 */2 Octave, 2) wird da-\ndurch noch, und erst recht im Gesänge, die starke, oft\nrohe Manneskraft in Folge der weiblichen Anmuth und\nGrazie gemildert und verschönt. „Wo Starkes sich und\nMildes paarten, da gibt es einen guten Klang.\" Endlich\nnoch wird durch die Vereinigung dieser beiden Elemente\nzum so genannten „Chorgesange\" die monotone Wirkung\naufgehoben, die das Ohr bei der Vereinzelung beider oft\nempfinden muss. Man trifft jetzt fast in jeder kleinen Stadt\neinen Gesangverein für solch einen gemischten Chor, oder\nfür Männerstimmen, oder auch für Beides zugleich.\nIn unserem Anhalt, das recht viele derartige Gesang-\nvereine aufweisen kann, ereignete sich nun im vorigen\nJahre 1863 der besonders denkwürdige Fall, dass durch\ndas Ableben Sr. Hoheit des Herzogs von Anhalt-Bernburg\ndieses Land an Anhalt-Dessau zurückfiel, wodurch, was\nseit 260 Jahren nicht gewesen, das gesammte Anhalt wie-\nder unter Ein Oberhaupt gelangte.' Ausserdem nahte auch\ndie Vollendung einer neuen, nach Zerbst geführten Eisen-\nbahn, deren Einweihung auf den 1. October, den Geburts-\ntag unseres allverehrten Herzogs, festgesetzt war. Da aber\nnun einmal eine würdige, erhebende Feier ohne Beihülfe\nder hehren Tonkunst nicht gedacht werden kann, so wurde\nzugleich für diesen Tag die Aufführung von Haydn's\n„Schöpfung\" beschlossen, an der sich nun leichtdie sämmt-\nlichen Singvereine der Städte Zerbst, Dessau, Cöthen und\nBernburg betheiligen konnten, indem Ein Weg der Eisen-\nbahn, Eine und dieselbe Linie sie alle verbindet. Die Auf-\nführung geschah in der prachtvollen zerbster Nicolaikirche,\neinem der grössten kirchlichen Räume Anhalts, unter sorg-\nfältiger, umsichtiger Leitung des Herrn Capellmeisters\nThiele, und war eine ausgezeichnete zu nennen. Was\nlag nun wohl wieder näher, als der Wunsch, alljähr-\nlich die Aufführung eines Oratoriums bewirkt zu sehen?\nUnd dieser Wunsch hat sich bereits in diesem Jahre er-\nfüllt. Unter dem Schutze Sr. Hoheit des Herzogs, eines\nFreundes aller wahren Kunst (er ist selbst gewandter Land-\nschaftsmaler), hat sich nun ein „Anhaltischer Musikverein\"\ngebildet, der den Zweck hat, die vaterländischen Gesanges-\nkräfte aller genannten vier Städte alljährlich in einer der\nletzteren zu einer Zusammenwirkung zu vereinen. Das\ndiesmalige Zusammenwirken galt dem grossen Oratorium\nvon Händel: „Judas Maccabäus\", welches in der cöthen'-\nschen Kathedralkirche am 5. October aufgeführt wurde.\nObschon Herr Capellmeister Thiele sich sehr bekümmert\nfühlte wegen einer durch Krankheit in Gefahr schweben-\nden geliebten Tochter, so war er doch von Dessau herüber-\ngekommen und leitete die Aufführung mit gewohnter Um-\nsicht und treuer Hingabe. Der dessauer Capelle, die nach\nwie vor ihren alten, guten Ruf behauptet, war die Aufgabe\nder Instrumental-Begleitung zuertheilt, welche auch dies-\nmal künstlerisch von ihr gelöst wurde. Die Solostimmen\nwaren sämmtlich aus Anhalt, mit alleiniger Ausnahme des\nSoprans, eines Fräuleins Scheuerlein, die mit wohllau-\ntender, geschulter Stimme einen passenden, gemüthvollen\nVortrag verband. Zur grösseren Entfaltung des sonoren\nAlts von Fräulein Grunow hat freilich Händel in seinem\n„Samson\" (Aufführung in Dessau im Juni d. J.) mehr Ge-\nlegenheit als hier gegeben. Die Tenor-Partie des Judas, des\nHelden, hatte Herr Opernsänger Hacker, der mit Kraft und\nAusdruck seine schöne Stimme zur Geltung brachte. Auch\nder Tenor des Herrn Lehrers Kühnas aus Bernburg ge-\nnügte seiner Partie und ward gern gehört. Den Beschluss\nmachte Herr Kammersänger Krüger (Bass), der ähnlich\nwie der Tenor Tichatschek in Dresden seit einer langen\nReihe von Jahren singt, ohne dass man eine Aenderung an\nder kräftigen, klangvollen Stimme gewahrt. Die Chöre wa-\nren in ihren Einsätzen rein und sicher und beobachteten zu-\ngleich die geeigneten Nuancirungen. Einen besonders gross-\nartigen Effect machten zwei Chöre, unstreitig die schwierig-\nsten des ganzen Oratoriums, am Schlüsse des ersten Theiles:"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "367", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641112-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 493, "texte": "„Hör' uns, o Herr!\" und der zu Anfang des zweiten: „Fall\nwar sein Loos.\" Der Personalbestand War ausschliesslich\ndes Orchesters etwa 300 Personen; wenn alle Vereine\nvollzählig vertreten sind, kommen an 400 Personen zu-\nsammen.— So möge denn der junge „Anhaltische Musik-\nverein\", zu dessen fernerem Gedeihen die beste Zukunft\nin Aussicht steht, kräftig emporblühen und sich zugleich\nunter diesem vaterländischen Namen auch einen festen\nAnhalt an die edle Kunst bewahren.\nCöthen.\n\nL. Kindscher."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-11-12-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-11-12_01#c008", "volume": "bmtnabi_1864-11-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "367", "page_fin": "367", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641112-01.2.5", "titre_corps": "Das fünfundzwanzigjährige Jubelfest des Vereins Concordia in Aachen.", "titre_sommaire": "Das fünfundzwanzigjährige Jubelfest des Vereins Concordia in Aachen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "367", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641112-01.1.7", "debut_caractere": 495, "fin_caractere_exclue": 4434, "texte": "Das fünfundzwanzigjährige Jubelfest des Vereins\nConcordia in Aachen.\nAachen, den 29. 0 et ob er.\nAls am 18. November 1839 zwanzig junge Leute hier den Män-\nnergesang-Verein Concordia gründeten und ihn durch ein Concert\nauf der Ketschenburg einweihten, prophezeite Niemand dem schwa-\nchen Kinde ein langes Leben; man betrachtete die Concordia mehr\nals eines jener ephemeren Gebilde der Jugend, die entstehen und\nbald wieder vergehen. Allein das Kind wuchs nach und nach zum\nstämmigen Manne heran, stieg von Stufe zu Stufe, von Erfolg zu\nErfolg, und ist jetzt zu dem Alter von 25 Jahren gelangt. Aus\nden zwanzig Sängern, die an seiner Wiege Lieder der Freude und\nder Begeisterung sangen, sind deren weit über hundert geworden,\nund ein zahlreicher, hochansehnlicher Theil der Bürgerschaft hat sich\nals inactive Mitglieder dem Bunde angeschlossen, so dass die Con-\ncordia nach allen Seiten hin feste Wurzel gefasst hat, in der musi-\ncalischen Welt hochgeachtet dasteht und in bürgerlicher, gesellschaft-\nlicher Beziehung eine Quelle der reinsten, ungetrübten Genüsse bietet.\nBei einem so erfreulichen Stande der Gesellschaft tritt die Auf-\nforderung von selbst an uns heran, das Fest ihres fünfundzwanzig-\njährigen Bestehens in glänzender, freudiger Weise zu begehen und\nunsererseits alles aufzubieten, was den äusseren Glanz, so wie die\ninnere Bedeutung des Festes erhöhen kann. Demzufolge hat sich\nder Vorstand und das Comite der inactiven Mitglieder mit einer wei-\nteren Anzahl activer und inactiver Mitglieder zu einem Fest-Comite\nverbunden, und es ist aus den Berathungen und Beschlüssen dessel-\nben folgende vorläufige Festordnung hervorgegangen:\nSamstag den 19. November, Abends 6 Uhr: Hauptprobe\nzum ersten Fest-Concerte im neuen Curhaussaale. Nach der Probe:\nVereinigung aller Mitwirkenden mit den Mitgliedern der Concordia\nim Theatersaale, dem Gesellschaftslocale.\nSonntag den 20. November, Morgens 10 Uhr: Feierliches\nHochamt nebst Te Deum im Münster, bei welcher Gelegenheit die\nConcordia die Messe für Männerstimmen von ihrem Dirigenten C. F.\nAckens und das Te Deum nach der Bearbeitung von H. Bohlen\nsingen wird. Nach dem Hochamte versammeln sich die Mitglie-\nder, active und inactive, im Theatersaale und begeben sich von dort\nim feierlichen Zuge und in Begleitung der am Feste Theil nehmen-\nden Vereine zum Rathhause, um eine Adresse, welche die Stadt Aachen\nder Concordia votirt hat, in Empfang zu nehmen. Abends 6 Uhr:\nErstes Fest-Concert im neuen Curhaussaale nach später bekannt\nzu machendem Programm. Für die .beiden Fest-Concerte haben die\nSchwestergesellschaften Liedertafel, Orphea, Sängerverein\nund Harmonia von Aachen, David-Verein und Cäcilien-\nV er ein von Burtscheid, Concordia von Düren, Liederkranz\nvon Esch weiler und Liederkranz von Gladbach ihre Mitwirkung\nIreundlichst zugesagt; der Vorstand war ausserdem bemüht, vorzüg-\nliche Künstler für die Concerte zu gewinnen, und besitzt bereits die\nZusage der geschätzten Sängerin Fräulein Louise Lichtmay, des\nViolin-Heros Joachim, eo wie des ausgezeichneten Bassisten\nBietzacher von der hannoverschen Hofbühne, während weitere\nZusagen zu erwarten stehen. Unter anderen hervorragenden Werken\nwerden in den Concerten mehrere Compositionen aufgeführt, die der\nConcordia auf Veranlassung ihres Jubelfestes von den Tonmeistern\nFerd. Hiller, Franz Wülln er, Max Bruch, Ferd. Möhring\nu. a. m. eingesandt und gewidmet worden sind.\nMontag den 21. November, Morgens 9 Uhr: Hauptprobe\nzum zweiten Fest-Concerte, und Abends 6 Uhr: Zweites Fest-\nConcert im neuen Curhaussaale.\nVon grösseren Vocalwerken werden aufgeführt: Scenen aus der\nFrithjofssage für Soli, Männerchor und Orchester von Max Bruch\nund Psalm 98 für Chor, Solo und Orchester von Franz Wüll-\nner. Herr Joachim wird Beethoven's Violiu-Concert spielen.\nDer Subscriptions-Preis für beide Concerte beträgt 2 Thlr. Sich\nzu wenden an Herrn Theodor Naus, Theaterplatz 9.\nDer Vorstand und das Fest-Comite der Concordia."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-11-12-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-11-12_01#c009", "volume": "bmtnabi_1864-11-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "367", "page_fin": "368", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641112-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "367", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641112-01.1.7", "debut_caractere": 4436, "fin_caractere_exclue": 6800, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolli* In der letzten Sitzung der musicalischen Gesellschaft\nhörten wir eine Sinfonie von Herrn J. Brambach, städtischem\nMusik-Director in Bonn, welche viel Beifall erhielt; namentlich\nzeugten das Scherzo und das Finale durch hübsche Motive und de-\nren lebendige, im letzten Satze besonders frische und brillante Aus-\nführung von dem Talente des Componisten. Die Sinfonie ist übri-\ngens dem Vernehmen nach grösstenteils schon vor einigen Jahren\ngeschrieben; hiernach ist es erfreulich, dass Herr Brambach durch\nsein letztes Werk, das Gesangstück „Velleda\", einen bedeutenden\nFortschritt bekundet hat.\nEine sehr köstliche Programm-Musik liefert das Tongemälde\nvon Menzel (das neulich hier im ersten Abonnements-Concerte des\nDom-Hotels durch die Capelle des Herrn Manns gegeben wurde):\n„Ein leipziger Ostermess-Sonntag\". Darin werden unter\nAnderem musicalisch ausgedrückt: „Anbruch des Tages: es schlägt\n4 Uhr (dass dies 4 Uhr Morgens ist, macht die Musik klar). Ab-\ngang der Dampfwagen. Ruf zur Kirche und Kirchenmusik\naus Beethoven's Eroica-Sinfonie (!!). Besuch des Museums.\nWachparade. Geschäftstreiben. Mittagsschläfchen. Messtru-\nbel. ln der Hercules-Bude sicilianische Musik. Es schlägt 10\nUhr, Einige laufen ohne Hausschlüssel. Gemüthliches Leben in\nden Bierstuben und Restaurationen. Träume eines musikliebenden\nMessfremden\" u. s. w. Welche Ironie des Schicksals, dass dieses\nProgramm gerade in Leipzig spielt, wahrscheinlich zur Erläuterung\ndes Grundsatzes, dass es Musik gibt, „die man nicht mit dem Ohr\nanhören müsse\" !\nHärmen. Das erste Abonnements-Concert unter Leitung des\nMusik-Directors Herrn Anton Krause brachte eine gelungene\nAufführung von Händel's „Israel in Aegypten im Ganzen nach\nder Original-Partitur; die später zugefügten, nicht von Händel her-\nrührenden Recitative blieben weg, dagegen wurde nach dem Chor:\n„Aber mit seinem Volke\", eine Alt-Arie von Händel: „Heilig, Gott,\nHerr der Welten!\" eingelegt, um die unmittelbare Folge von vier\nChören zu unterbrechen. Die Orgelb egleitun g von F. Mendels-\nsohn führte Herr G. Ewald aus. Die Soli sangen die Damen\nHermine Mann von hier und Francisca Schreck von Bonn,\nHerr Joseph Schild aus Leipzig, der durch eine frische, jugend-\nliche Tenorstimme und hübschen Vortrag ehrenvollen, lebhaften Bei-\nfall erhielt, und die Herren Jansen und Egli aus Düsseldorf. Der"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "368", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641112-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3774, "texte": "Chor loste seine Aufgabe recht befriedigend, das Publicum zeigte\nsich jedoch gegen das herrliche Werk kälter, als man erwartet hätte.\nLeipzig« Einer der verdientesten und beliebtesten Lehrer am\nConservatorium für Musik, Herr L. Plaidy, hat nach mehr als\nzwanzigjähriger Thätigkeit zum grossen Bedauern besonders seiner\nSchüler sein Amt niedergelegt. Diese Gelegenheit benutzte eine An-\nzahl seiner Schüler, welche aus entfernten Ländern hieher kamen,\num ihm als Zeichen ihrer Anhänglichkeit'und Anerkennung bei sei-\nnem Abgange noch eine kleine Freude zu bereiten. Die Engländer\nund Americaner vereinigten sich zu einem feierlichen Zuge früh\nhalb 11 Uhr und überbrachten ihm werthvolle Geschenke. Einer\nderselben ging voran mit einer Dank-Adresse und einem Lorber-\nkranze auf seidenem Kissen und gab durch Worte die Gefühle zu\nerkennen, welche Alle beseelten. Dann überreichten Andere eine\ngeschmackvolle Uhr und einen Stock mit goldenem Griffe, worauf\neine passende Inschrift gravirt ist. Der bescheidene Lehrer konnte\nvor Rührung kaum seinen Gefühlen Worte geben, und man sah es\nbeiden Theilen an, welch ein schönes, inniges Verhältniss zwischen\nLehrer und Schülern geherrscht hat. Letztere werden, selbst wenn\nsie wieder in ihre ferne Heimat zurückgekehrt sind, eine bleibende\nErinnerung an ihn und seinen trefflichen Unterricht bewahren.\nDresden. Die hiesige Liedertafel hat am 9. und 10. d.\nMts. ihr 2 sjähriges Jubiläum durch zwei Concerte und andere\nFestlichkeiten gefeiert. Die Programme enthielten nur Compositionen\nvon den Liedermeistern des Vereins, deren stattliche Reihe fol-\ngende ist: C. G. Reissiger 1839. Julius Otto 1840—1843;\n.1849—1851; 1856—1858. F. Adam 1842. C. G. Naumann\n1843—1860. Richard Wagner 1843 1845. Ferdinand\nH-iller 1846—1847. Robert Schumann 1849. C. Krebs\n1852—1856; 1860—1864. Robert Pfretzschner 1859.\nFriedrich Reichel 1860—1864. Das zweite Concert brachte\nauch ein Festspiel von Dr. Bösigk, componirt von Julius\nOtto. Unter den Compositionen finden wir u. A.: Schumann,\n„Verzweifle nicht!\" achtstimmige Motette mit Orchester; F. Hiller,\n„Reiterlied\" von Herwegh; R. Wagner, Matrosenchor (aus dem\nfliegenden Holländer); Krebs „Mein Vaterland\" u. s. w.\nTornau. In dem Concerte des Dr. Taub ert1 sehen Gesang-\nvereins am 27. October kamen u. A. zu Gehör: Beethoven's\nOuvertüre Op. 117 zu König Stephan, F. Hiller's „O weint um\nsie\", Op. 49, der erste Satz aus einem Concerte für die Oboe von\nJul. Rietz, Op. 33, einige Sologesänge und Mendelssohn's Fi-\nnale: die Lorelei.\nIlailiVilii'g, 15. October. Durch ein plötzliches Hinderniss\nmusste neulich die Vorstellung von „Lucia von Lammerraoor\" durch\ndie „Weisse Frau\" ersetzt werden. In Folge einer von Pesth hier\nangelangten Todesnachricht, die Fräulein v. Murska nicht länger\nvorenthalten werden konnte, wurde die Sängerin nämlich dermaassen\nin ihrem Gemüthe erschüttert, dass sie nicht nur ihr Auftreten an\ndemselben Abende verweigerte, sondern auch auf der Erlaubniss zur\nsofortigen Abreise nach Pesth bestand. Mit der Wiederholung der\n„Lucia\" ist uns sonach die Wirksamkeit des Fräuleins v. Murska\nan der hiesigen Oper überhaupt wieder in die Ferne gerückt. Denn\nes verlautet, die Direction des Stadttheaters habe dem heftigen Ver-\nlangen nachgeben und Fräulein v. Murska abreisen lassen müssen.\nDass dies in Begleitung eines Theater-Mitgliedes geschehen sein\nsoll, welches den Auftrag hat, die Künstlerin so bald als möglich\naus deren ungarischer Heimat zurückzubringen, ist ein schwacher\nTrost, wenn die Dinge so zusammenhangen, wie sie erzählt werden.\nFräulein v. Murska hätte dann in einem vor ein paar Tagen in\nPesth im Duell erschossenen Mitarbeiter der magyarischen Presse\nihren Verlobten verloren und ihr Schmerz darüber sei bis zu den\nverzweifeltsten Todesgedanken gegangen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "361", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641112-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nJohann Friedrich Reichardt (Fortsetzung, statt Schluss). Die deutsche Oper in Rotterdam. Von X. Der An-\nhaltische Musikverein. Yon L. Kind scher. Das fünfundzwanzigjährige Jubelfest des Vereins Concordia in Aachen. Tages- und\nUnterhaltungsblatt (Köln, Sinfonie von J. Brambach, Programm-Musik Barmen, erstes Abonnements-Concert Leipzig, Feier\nfür Herrn L. Plaidy Dresden, Jubiläum der Liedertafel Torgau, Concert Hamburg, Fräulein v. Murska).\n\nJohann Friedrich Reichardt.\n(Fortsetzung, statt Schluss. S. Nr. 45.)\nWenn wir nun auch mit dem Urtheile des Herrn\nJ. M. Schletterer über Reichardt's Compositionen nicht\nüberall übereinstimmen, z. B. bei den Kirchen-Composi-\ntionen, denen er offenbar einen zu hohen Werth zuschreibt,\nwenn er von ihnen, ungeachtet der Anerkennung ihrer\ngrossen Mängel, S. 11 sagt: „Nichts desto weniger sind\nseine in den zwei letzten Decennien des vorigen Jahrhun-\nderts componirten geistlichen Werke unstreitig (?) die be-\ndeutendsten und würdevollsten dieser Periode\", was sich,\num nur Haydn und Mozart zu nennen, auf keine Weise\nrechtfertigen lässt: so theilen wir doch in gewissem Grade\nseine Ansichten über das Verhältniss der Lieder-Compo-\nsition jener Zeit zu der jetzt vorherrschenden; das dama-\nlige musicalische Lied verhält sich zu dem jetzigen unge-\nfähr eben so, wie das Goethe'sche Lied zu der heutigen\nLyrik.\nEin günstiger Umstand gibt dem Buche ein beson-\nderes Interesse. Reichardt hatte eine Selbstbiographie\nbegonnen, aber nicht vollendet. Bruchstücke derselben hat\ner zu Anfang unseres Jahrhunderts in Zeitschriften, die\nselten geworden sind, drucken lassen. Schletterer hat nun\nnicht nur diese Bruchstücke aufgesucht und zusammen-\ngestellt, sondern auch das, was Reichardt im Manuscripte\nvon seiner Selbstbiographie hinterlassen, von der Familie\ndesselben, namentlich der Tochter Reichardt's, der Frau\nHofräthin von Räumer in Erlangen, zur Benutzung er-\nhalten. Er hat alles, was das Manuscript und jene Zeit-\nschriften enthalten, abdrucken lassen. Das ist sehr dan-\nkenswerth, nur ist leider die Flüchtigkeit zu bedauern,\nmit welcher der Verfasser, was Reichardt und was er\nselbst schreibt, in einem solchen Durcheinander gibt, dass\nman sehr häufig Beides nicht unterscheiden kann. Ueber-\nHaupt fehlt es Hrn. Schletterer an Aufmerksamkeit oder an\nFleiss für die Form seiner Bücher, was wir schon bei seiner\n„Geschichte des deutschen Singspiels\" gerügt haben, und\ndaher machen sie mehr den Eindruck von eiligen Compi-\nlationen, als von wohl überlegten und sorgfältig gearbei-\nteten Werken. So hat denn auch das „Leben Reichardt's\"\neine wahrhaft ungeschlachte Gestalt, von der man sich\nleicht eine Vorstellung machen kann, wenn man erfährt,\ndass die 662 Seiten nur einen einzigen Abtheilungs-Ab-\nschnitt haben! Das erste Buch, die Jahre 1752 bis\n1775 umfassend, füllt 234 S. (S. 18—252), und das\nzweite, das sich auf den Zeitraum von 1776 bis 1794\nerstreckt, enthält 389 S. (S. 253 641), wozu dann\nnoch 20 Seiten „Anmerkungen und Berichtigungen\" kom-\nmen. Von Unter-Abtheilungen oder Abschnitten nach den\nverschiedenen Lebens-Perioden oder zur Unterscheidung\nder Erzählung der äusseren Ereignisse und Verhältnisse,\nvon der Analyse und Beurtheilung der musicalischen\nWerke u. s. W.ist gar nicht die Rede; Alles geht in Einem\nfort, hier und da ist ein Strichlein vorhanden, welches die\ngar zu heterogenen Abschnitte trennt, aber nach einer Ueber-\nsicht des Inhalts oder gar nach einem Register sucht man\nvergebens. Ohne Beides ist aber ein solches Buch nur halb\nbrauchbar. Hätte der Verleger wenigstens vor dem zwei-\nten Buche ein zweites Titelblatt (11. Theil) beigegeben,\nso liesse sich das dickleibige Buch, das übrigens recht\nhübsch gedruckt ist, wenigstens leichter handhaben. Wenn\naber der Verfasser zu bequem war, durch den dichten\nWald Wegweiser zur Orientirung aufzustellen und Ruhe-\nplätze für den Wanderer zu bereiten, kann er sich dann\nbeschweren, wenn der Leser mit noch mehr Recht eben\nso bequem die Lust verliert, sich ohne seine Hülfe durch-\nzuarbeiten? Indessen lässt sich das Mangelnde beim\nzweiten Bande nachholen, und nicht nur das Publicum\nhat die volle Berechtigung, das zu verlangen, sondern auch\ndas Interesse des Verlegers erfordert es. Da lesen wir aber"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "362", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641112-01.1.2", "texte": "am Schlüsse (S. 641): „Ob und wann es uns vergönnt\nist, diesem Werke, an dem wir lange Zeit (?) mit Liebe\nund Interesse gearbeitet haben, seinen völligen Abschluss\nfolgen zu lassen, vermögen wir heute noch nicht mit Be-\nstimmtheit zu sagen, doch wollen wir hoffen, dass es bald\ngeschehen kann.\" Sollen diese Worte des Verfassers, in\nVerlegerdeutsch übersetzt, heissen: „Wir wollen erst ein-\nmal sehen, wie das Buch „„geht\"\", ehe wir uns zur\nFortsetzung entschliessen\"—so müssen wir diese Art von\nSchriltstellerei und Verlegerei als dem Standpunkte der\ndeutschen Literatur unwürdig bezeichnen. Der Schrift-\nsteller muss von Hause aus wissen, was er zu geben hat,\nund soll nichts unfertig in die Welt schicken, und der Ver-\nleger befasse sich nicht mit Theilen eines Ganzen, sondern\nnur mit dem Ganzen selbst. Wenn Herr Schletterer jedes\nJahr einen dicken ersten Band eines Werkes schreibt und\nimmer auf den zweiten des vorigen Jahres warten lässt, so\nist das zu missbilligen, und die Entschuldigung, die er bei der\nHerausgabe der Geschichte des „deutschen Singspiels\" (im\nvorigen Jahre 1863 und in demselben Verlage) in der Vor-\nrede ausspricht, dass „das zum Abschlüsse gedrängte Werk\"\n(von wem gedrängt?) die Vollständigkeit u. s. w. „nicht zu-\nlasse\", ist weiter nichts, als ein Geständniss, dass die Auf-\ngabe, die er vorher sich nicht klar hingestellt und dispo-\nnirt hat, ihm während der Arbeit über den Kopf ge-\nwachsen sei. Wir können daher Herrn Schletterer nur\nratlieii, erst nach vollständiger Feststellung eines detaillir-\nten Planes an ähnliche Arbeiten zu gehen, wonach ihm\ndann auch nicht entgehen wird, dass sich bei historischem\nZusammentragen eine Menge von Ballast häuft, der die\nFahrt eines Buches auf dem Meere der Oeffentlichkeit\nmehr hemmt, als fördert.\nDiese Ausstellungen sollen uns aber nicht blind ma-\nchen gegen den Werth des Buches über Joh. Friedrich\nReichardt; wir wünschen nur den Herrn Verfasser zu\ngrösserer Selbstkritik anzuregen, verkennen aber weder\ndas viele Interessante, das er aus dem so bewegten Leben\nReichardt's beibringt, noch das Verdienstliche seiner Be-\nsprechungen der Reichardt'schen Compositionen und über-\nhaupt alles dessen, was auf eigenem Urtheile und eigenen\nAnsichten beruht. Das Buch ist mithin allen Freunden\nder Musik und ihrer Geschichte zu empfehlen, und wer\nsich durch das Volumen nicht abschrecken lässt, wird einen\nmeist fesselnden Inhalt finden, der sowohl durch die Dar-\nstellung des Lebens und Wirkens des Helden der Biogra-\nphie (besonders auch da, wo dieser selbst erzählt oder\ndessen Briete abgedruckt sind), als durch die Schilderungen\nund Einzelheiten aus dem Gesellschafts- und Kunstleben in\nDeutschland, namentlich in Preussen und dessen Haupt-\nstädten Königsberg und Berlin, aus der Zeit der zweiten\nHälfte des vorigen Jahrhunderts etwas sehr Anziehendes\nund durch Vergleich mit der Gegenwart Belehrendes hat.\n„Johann Friedrich Reichardt, Virtuose und\nComponist, zugleich ein Ireimüthiger, gewandter und kennt-\nnissreicher Schriftsteller, ein Mann von vielseitigster Bil-\ndung und mit feinem Sinne für alles begabt, was Kunst\nund Wissenschaft, Natur und geselliges Leben Förderndes\nzu bieten vermögen, bat nach einer an Resultaten und\nAuszeichnungen reichen Laufbahn in Folge einer Verket-\ntung eigentümlicher Verhältnisse das Geschick gehabt,\nnicht nur rasch vergessen, sondern auch schmählich ver-\nkannt zu werden.\n„Seit seinem Tode ist kaum ein halbes Jahrhundert\nverflossen, und doch wird seiner selbst in der musicali-\nschen Welt, für die er doch vorzugsweise thätig war,\nkaum noch gedacht. Aber sollten wirklich bei einem\nManne, der in allen gebildeten Kreisen seiner Zeit bekannt\nund gern gesehen, mit allen seinen hervorragenden Zeit-\ngenossen, auf welchem Gebiete geistiger, künstlerischer\noder politischer Thätigkeit sie sich auch auszeichnen moch-\nten, befreundet war, dessen scharfem, beobachtendem\nBlicke nichts entging, dessen Theilnahme sich jeder auf-\nstrebenden Erscheinung aufmunternd zuwandte, dessen\nKreis von Bekanntschaften fast unübersehbar war, dessen\ngrossartige Gastfreundschaft in allen Ländern gerühmt\nwurde und dessen Gedächtniss in Tausenden von Herzen\nunvertilgbar eingegraben schien, ein so rasches Vergessen\nund die absprechenden, lieblosen Urtheile, welche man\nnur noch über ihn aussprechen hört, gerechtfertigt sein?\nGewiss nicht!\n„Reichardt als praktischer Tonkünstler erscheint, abge-\nsehen von seiner Wirksamkeit als Dirigent und von dem\nEinflüsse, den ihm seine bedeutende Stellung verlieh, nach\nzwei Seiten hin beachtenswert!). Er war in seiner Jugend\neiner der hervorragendsten Virtuosen auf der Violine, da-\nbei tüchtig geübt auf vielen anderen Instrumenten, so na-\nmentlich auf der nun ganz vergessenen Laute, und oben-\ndrein im Besitze einer schönen und weichen Tenorstimme,\ndie ihm selbst im späten Alter den Dienst noch nicht ver-\nsagte. Ferner aber gesellte er sich in reiferen Jahren zu\nden besten und fruchtbarsten Componisten seiner Zeit. Er\nhat sich mit Glück in allen Formen und auf allen Gebie-\nten des Tonsatzes versucht und als Opern-Componist Aus-\ngezeichnetes geleistet; als Liedersänger und Componist\ndeutscher Singspiele aber ist er nur von Wenigen über-\ntroffen worden. Wie in seiner musicalischen, so auch in\nseiner schriftstellerischen Thätigkeit tritt er uns als ein viel-\nseitig gebildeter und unermüdlich regsamer Geist entgegen.\nSeine musicalischen Schriften gehören zu dem Gründlich-\nsten und Besten, was diese Branche der Literatur aufzu-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "363", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641112-01.1.3", "texte": "weisen hat, seine politischen zu den freisinnigsten, muthig-\nsten und wirksamsten, die in einer Zeit tiefer Schmach\nund Erniedrigung, in Tagen voll demüthigender Erinnerun-\ngen geschrieben wurden. Dagegen wieder bieten seine\nReisebriefe aus Paris (1802 und 1803) und Wien (1808\nund 1809) für die politische und Sittengeschichte des er-\nsten Decenniums unseres Jahrhunderts ein reiches und\nhöchst interessantes Material; und wie er eben so in be-\nredter und furchtloser Weise, als in Worten der höchsten\nAnerkennung für seine Freunde aufzutreten vermochte,\ndavon zeugt seine energische und wackere Vertheidigung\nLavater's gegen den Grafen Mirabeau und die biogra-\nphischen Denkmale, die er seinen Freunden Wolf, Bach,\nBenda, Fasch und Schulz gesetzt hat.\n„Leider hat diese reiche schriftstellerische Thätigkeit\ndem Musiker Reichardt wenig Glück und Vortheil ge-\nbracht. Indem er sich freimüthig über alle beachtenswer-\nthen Erscheinungen auf musicalischem Gebiete äusserte,\nmusste er nothwendig, sobald er nicht nur lobend, son-\ndern auch kritisirend und tadelnd auftrat, sich Feinde und\nGegner machen, und da er nun zugleich der Versuchung\nnicht widerstehen konnte, in die von ihm selbst herausge-\ngebenen musicalischen Zeitschriften anerkennende Bespre-\nchungen eigener Werke, jedoch weder von ihm veranlasst\nnoch verfasst, aufzunehmen, so lag der Vorwurf von An-\nmaassung und Parteilichkeit zu nahe, um nicht in schlimm-\nster Weise ausgebeutet zu werden und die Anzahl seiner\nGegner und das Gewicht übler Nachrede zu verzehnfachen.\nMehr aber haben ihm in seinen amtlichen Stellungen seine\npolitischen Schrillen und seine oft unbesonnenen Aeusse-\nrungen geschadet. Zuerst, wie alle seine leicht entzündba-\nren Zeitgenossen, für die americanische, dann für die fran-\nzösische Revolution begeistert, war er unvorsichtig genug,\nseine Ansichten laut auszusprechen, und da er letztere\ntheilweise selbst in Paris mit durchlebt hatte, den mitge-\nbrachten frischen Eindrücken in der Heimat, ja, selbst am\nHofe des Königs von Preussen, der mit Abscheu gegen\ndie neuen Ideen erfüllt und in offenen Kampf gegen die\nSt&atsumwälzer getreten war, Worte zu geben. Bald hat-\nten ihn seine Neider und Feinde, welche die übermüthig\nhingeworfenen Worte zu seinem Verderben zu benutzen\nwussten, um das Vertrauen und die Gunst seines Fürsten\ngebracht. Zuletzt verlor er auch seine Anstellung und\nhatte noch die betrübende Erfahrung zu machen, dass\nmancher seiner bisherigen Freunde, der ängstlicher, vor-\nsichtiger, vielleicht auch weilerblickend als er war, sich\nnun von ihm, der die königliche Huld und Gnade ver-\nscherzt hatte, abkehrte. Dann, als er sich von der Umge-\nstaltung der Dinge in Frankreich enttäuscht, als er sein\nVaterland unterdrückt, geknechtet, vernichtet sah, hat ihn\nmanchmal wieder die rücksichtslose Kundgebung seines\nHasses gegen den mächtigen Unterdrücker in die gefahr-\nvollsten und ängstlichsten Lagen gebracht. So gesellten\nsich zu seinen musicalischen Feinden und Gegnern und\npolitischen Denuncianten noch Schmähungen. Neid und\nMissgunst vereinigten sich in gleicher Weise, seinen Na-\nmen zu beflecken und sein Andenken zu trüben. Leider\nstanden zuletzt auf Seiten seiner Gegner die grössten und\nberühmtesten Namen unserer Literatur, und ohne zu un-\ntersuchen, ob diese auch gerecht und menschlich gegen\nihn verfahren waren, hat man bis in die neueste Zeit, in-\ndem man gewisse Dinge, ohne ihnen näher auf den Grund\nzu gehen, immer wieder aufgetischt hat, die irrigen Mei-\nnungen über ihn unterhalten, ja, vermehrt. Wenn er nun\nauch vielfach zu dem über ihn hinstürmenden Missge-\nschicke unvorsichtiger Weise die Veranlassung selbst ge-\ngeben hat und von den Vorwürfen, die ihm gemacht wer-\nden, nicht immer ganz frei zu sprechen ist, so treffen wir\ndoch, sobald wir ihm näher treten, so viele edle, grosse\nund verehrungswürdige Eigenschaften an ihm, lernen in\nihm einen so wackeren Menschen und Künstler kennen,\ndass wir nur Gerechtigkeit zu üben vermeinen, wenn wir\ndem Manne Anerkennung und Würdigung zu Theil wer-\nden lassen und ihn, wenn auch mit seinen Fehlern, doch\nauch mit seinen Tugenden, Vorzügen und rühmlichen Be-\nstrebungen der Gegenwart darzustellen suchen.\n„Reichardt's Vater war ein geschickter, aber in sehr\nbeschränkten Verhältnissen in Königsberg lebender Musi-\nker. Seine Mutter, an welcher der Knabe mit innigster\nLiebe hing und von der der Mann stets mit rührender\nZärtlichkeit und Verehrung spricht, war eine einfache\nFrau, die nach besten Kräften durch Handarbeiten, in de-\nnen sie viel Geschick und Geschmack besass, die oft\ndrückende Lage der Familie zu erleichtern suchte. Der\nlebendige, regsame Knabe offenbarte schon in frühester\nJugend eine so seltene musicalische Begabung, dass sie\nlaute Bewunderung hervorrief. Das schöne, talentvolle\nKind wurde bald ein Liebling Aller und leider auch das\nverzärtelte Schoosskind mancher hochgebildeten und an-\ngesehenen Familien seiner Vaterstadt, und die gute Gesell-\nschaft, an die er so von Jugend auf gewöhnt wurde, die\nreichen, von ihm heisshungrig ergriffenen und gewissen-\nhaft benutzten Bildungsmittel, die unter so günstigen äus-\nseren Verhältnissen sich ihm boten, förderten in überra-\nschend schneller Weise den geistreichen, feurigen Jüngling\nund machten ihn fähig, die glänzende und denkwürdige\nLaufbahn zu durchwandeln, die ihm vom Schicksale vor-\ngezeichnet war. Begünstigt vom Glücke, das während der\nersten Hälfte seines Lebens an seine Schritte gefesselt\nschien, wurde er nach Vollendung seiner juristischen Stu-\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "364", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641112-01.1.4", "texte": "dien, neben welchen er aber die möglichste Ausbildung\nseiner musicalischen Talente nie aus den Augen verlor,\nja, die er häufig sogar durch langdauernde weitere Kunst-\nreisen unterbrochen hatte, Capellmeister Friedrich's des\nGrossen. Neben Wien und Dresden hatte Berlin damals\ndie bedeutendsten musicalischen Mittel und Kräfte. Die\nStellung, die ihm hier wurde, gehörte zu den angesehen-\nsten, die ein Musiker in jenen Tagen sich überhaupt zu\nerringen vermochte, sie sicherte dem Inhaber Ehre und\nweithin reichenden Einfluss. Von hier aus begann nun\nReichardt seine weiten Reisen zu unternehmen, auf denen\ner Gelegenheit fand, mit allen bedeutenden Personen sei-\nner Zeit bekannt zu werden, mit vielen von ihnen in die\nintimsten und freundschaftlichsten Verbindungen zu treten\nund, indem er Europa nach allen Richtungen hin durch-\nzog, Land und Leute gründlich kennen zu lernen. Zuletzt\nnun, nachdem er die verschiedensten Wechselfälle des\nGlückes und alle Wrandelbarkeit irdischer Verhältnisse\nund besonders menschlischer Neigungen erfahren hatte,\nwar es ihm doch noch vergönnt, auf seinem schönen Land-\nsitze zu Giebichenstein bei Halle im Kreise seiner ihn hoch-\nverehrenden Familie in zwar erzwungener, aber nicht\ndrückender Zurückgezogenheit den Rest seines Lebens zu\nverbringen.\"\n(Schluss folgt.)\n\nDie deutsche Oper in Rotterdam.\n\nDen 30. October 1864.\nUnsere Oper ist seit Anfang September wieder eröff-\nnet und liefert im Ganzen ein günstiges Resultat. Das Per-\nsonal bilden: Sopran: Fräul. Weiringer, Frau Ellin-\nger, Frau Roll-Meyerhöfer und Fräul. Müller; Alt:\nFräul. Szerdahely (letzlere drei Damen neu); Tenor:\ndie Herren Ellinger, Schneider, Böhlken (neu) und\nZimmermann; Bariton: die Herren Pohl (neu) und\nB r assin; Bass: die Herren Dalle Aste und Behr(neu);\nCapellmeister: Herr Saar (neu); Regisseur: Herr Behr;\nConcertmeister: Herr Rappoldi.\nDie hiesigen Opernverhältnisse sind von denen Deutsch-\nlands ganz verschieden; Rotterdam dürfte wohl die einzige\nStadt der Welt sein, in welcher eine deutsche Oper nur\nvon einem verhältnissmässig kleinen Theile der Einwohner\nmit ungeheuren Kosten erhalten wird. Wir hatten bisher\nnur am Mittwoch und Samstag Oper, es wird dieses Jahr\nein Versuch gemacht, alle vierzehn Tage auch den Sonntag\nzu benutzen. Wie gewagt dieses Project ist, kann nur der\nermessen, welcher mit den hiesigen Verhältnissen bekannt\nist. Das Theater hat sich hier nur an einem Tage eines\ngut besetzten Hauses zu erfreuen, am Mittwoch. Der Be-\nsuch am Samstag ist durchgehends ein sehr kärglicher. Das\nPublicum, welches sich besonders für Musik interessirt und\ndieselbe unterstützt, ist- im Ganzen ein kleines, in Opern,\nCpncerten u. s. w. bemerkt man stets dieselben Personen.\nDie Meisten abonniren für den Mittwoch als den noblen\nTag, Samstags und Sonntags finden in vielen Häusern Fa-\nmiliencirkel Statt, und nicht wenige Familien halten den.\nBesuch der Samstags-Oper für unerlaubt, weil Sonntags\nKirche ist. Am Sonntag gehen selbst diejenigen, die am\nSamstag sich über das Vorurtheil hinwegsetzen, nicht in\ndie Oper. Balcon, Sperrsitz und Logen sind dann sehr leer,\nnur Parterre und Galerie voll. Mit diesen unerfreulichen\nVerhältnissen wird eine jede Direction noch Jahre lang zu\nkämpfen haben. Die Preise sind hoch und müssen hoch sein,\naber für die Galerie sind 50 Cents = Sgr. zu hoch;\nder Erfolg beweist es, da kaum die erste Reihe allabend-\nlich besetzt ist. Gute Musik soll auch ins Volk dringen, aber\nleider besteht hier für die unbemittelte Classe keine Gele-\ngenheit, gute Musik zu hören; es sollte also die Oper diese\nGelegenheit für billige Preise bieten.\nVon den Damen unseres Opern-Personals dürfte in\nBetreff des Gesanges wohl Fräul. Weiringer den ersten\nPlatz einnehmen. Wie in den vorigen Jahren, ist sie auch\nim gegenwärtigen wieder der auserkorene Liebling des\nPublicums. Ihr Organ bleibt immer lieblich, ihr Vortrag\nzum Herzen sprechend, ihre Schule gut; nie macht sie sich\neiner Uebertreibung schuldig, ihre Aussprache ist rein und\ndeutlich. Nur ist zu beklagen, dass sie nicht mehr Schau-\nspieler-Talent besitzt. Mit Frau Ellinger verhält es sich an-\nders; die Stimme ist voll, verliert aber bedeutend durch\ndie schlechte Aussprache. Dagegen besitzt Frau Ellinger\nviel dramatisches Talent, was sie aber leicht zu Uebertrei-\nbungen verleitet. Bei alledem ist diese Künstlerin ein schätz-\nbares Mitglied unserer Oper. Frau Roll-Meyerhöferist eine\nroutinirte Künstlerin, aber ihre Stimme ist abgenutzt, die\nHöh e scharf, das Organ beginnt einen belegten Klang an-\nzunehmen; ihr fortwährendes Tremoliren ist für den Hörer\nauf die Dauer ermüdend. Frau Ellinger spricht die Worte\nschlecht aus, aber man versteht sie; bei Frau Roll-Meyer-\nhöfer versteht man buchstäblich nicht ein Wort. Ihre beste\nPartie war wider alles Erwarten Elsa in Lohengrin. Fräul.\nSzerdahely besitzt einen schönen, klangvollen Alt. Diese\njunge Künstlerin ist bei (leissigen Studien berechtigt, einer\nschönen Zukunft entgegen sehen zu dürfen.—Die Herren\nEllinger und Schneider sind Ihnen hinlänglich bekannt.\nHerr Böhlken, neues Mitglied, übernahm vom 1. Septem-\nber bis 1. October (mit welchem Herr Ellinger erst eintrat)\ndie Helden-Partieen mit wenigem oder gar keinem Erfolg.\nEin lyrischer Tenor muss seineStimme nicht aus Gefällig-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "365", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641112-01.1.5", "texte": "keit opfern, und eben so wenig sind Partieen wie Masa-\nniello, Raoul, Troubadour u. s. w. von heute auf morgen\nzu studiren. Als George Brown hatte er sich grösseren Bei-\nfalls zu erfreuen. Mit Ausnahme der mangelhaften Colora-\nturen, wodurch einige Nummern litten, können wir die\nRolle als eine wohlgelungene bezeichnen. Herr Zimmer-\nmann ist mehr für Spiel-Partieen engagirt. Da Opern die-\nses Genres hier wenig zur Aufführung kommen, kann der-\nselbe wohlgemuth singen: „Ein freies Leben führen wir!\"\nDie Bariton-Partieen sind dieses Jahr in guten Händen.\nHerr Pohl h at sich mit seinem Auftreten als Hans Heiling\nvon einer vortheilhaften Seite einzuführen gewusst. Diese\nOper nebst „Figaro's Hochzeit\" und „Weisse Dame\" wa-\nren unstreitig bis jetzt die gelungensten, wozu Herr Pohl,\nnamentlich in der ersteren, wesentlich beigetragen. Leider\nist uns Herr Pohl bis jetzt erst als Heiling und Graf in Fi-\ngaro vorgeführt, wesshalb wir uns ein näheres Eingehen\nauf die Leistungen desselben vorbehalten. Bei Herrn Dalle\nAste haben die vier Monate Ferien Wunder gethan: er ist\nbeinahe wieder im vollen Besitz seiner früher so klangvol-\nlen Stimme. Wir wünschen ihm von Herzen Glück dazu.\nLieber die unschönen wie unmusicalischen Verzierungen,\nnamentlich in Mozart'schen Opern, vor Allem als Sarastro,\nwollen wir fortan schweigen; sie scheinen diesem Sänger\nzur anderen Natur geworden zu sein. Wir können das\nnur beklagen.\nVon allen neu engagirten Mitgliedern steht Herr Behr\nin erster Reihe. Er ist in der Sängerwelt von Leipzig und\nBremen aus genugsam als gediegener Sänger bekannt. Herr\nBehr stand hier als Concertsänger noch in gutem Andenken\nund wurde beim ersten Auftreten herzlich bewillkommt.\nWiewohl derselbe sich den zweiten Partieen unterzieht,\nwird er doch stets vom Publicum mit Applaus empfangen.\nDie kleinsten Rollen werden durch ihn gehoben. Seine\nStimme hat einen vollen, schönen Klang in allen Tönen\nihres Umfangs, wir stossen nie auf einen Misston, auf kein\nForciren, Affectiren. Zwar haben wir keinen schweren,\ntiefen Bass vor uns, welcher freilich hier sehr nöthig ist,\nwir werden aber durch stets künstlerische Darstellungen\nentschädigt. Durch diesen Künstler ist Dr. Bartolo zum er-\nsten Male hier zur Geltung gekommen, wie auch sein St. Bris\neine vortreffliche Leistung war. Herr Behr ist zugleich Re-\ngisseur, was sehr guten Einüuss auf das Ganze zu haben\nscheint.\nChor und Orchester sind im .Ganzen genommen gut.\nHerr Saar ist ein thätiger Capellmeister, und wir wollen in\nseinem Interesse wünschen, dass er sich die Richtung seines\nVorgängers, Herrn Levi, jetzt in Karlsruhe, aneignet. Das\nEnsemble lässt mitunter zu wünschen übrig. Wir wollen\naber keineswegs die Schuld dem Capellmeister allein zur\nLast legen. Bei einer Oper, die nur von einem Jahre zum\nanderen mit mehr oder weniger neuen Mitgliedern enga-\ngirt wird, ist solches gleich im Anfange schwer zu errei-\nchen. Was aber das Einsludiren der Chöre betrifft, so\nwünschten wir in diesen weniger affectirte Nuancen. In\ndem bekannten (lebete in der Stummen von Portici steht\nin den zwei Phrasen nur ein\nauf der markirten Note,\nkeineswegs aber ein\nauf dem\nersten und ein pp aul dem zweiten Tacte*). Für die Thä-\ntigkeit des Herrn Saar kann als Beweis dienen, dass in die-\nsen sechs Wochen drei Opern neu einstudirt sind und die-\nser Tage ganz neu „Templer und Jüdin\" zur Aufführung\nkommt, wie denn auch im Laufe der Saison noch verschie-\ndene andere neue Opern in Aussicht stehen.\nWir sind der Ueberzeugung, dass mit der Zeit, auf\ndie eine oder die andere Weise, unsere Oper zu einer ste-\nhenden sich erheben werde. Rotterdam kann ohne Oper\nnicht gut mehr existiren. Durch ein dauerndes Engagement\nwürden sich nicht allein mehr Künstler bedeutenderen Ran-\nges gewinnen lassen, auch das Ensemble würde gehoben\nwerden.—Zu unserer Freude vernehmen wir, dass die ver-\nehrliche Commission sich entschlossen, die Concerte der\nGesellschaft JEruditiodes verstorbenen Herrn Tours die-\nsen Winter zu übernehmen. Wir müssen leider bekennen,\ndass dieselben in den letzteren Jahren bedeutend im Ab-\nnehmen waren und ihre Erhaltung nur ein Act der\nPietät blieb. Sie werden, wie verlautet, im Opernhause\nabgehalten werden, was den Besuch derselben sehr beför-\ndern dürfte.\nDie Quartett-Soireen unseres Concertmeisters\nHerrn Rappoldi werden im nächsten Monate wieder ihren\nAnfang nehmen und, wie zu erwarten ist, von einem zahl-\nreichen Auditorium besucht werden. Herr Rappoldi hat\nsich sowohl hier als in ganz Holland einen bedeutenden\nNamen erworben, was viel sagen will, da dieses Land von\nallen Violin-Virtuosen ersten Ranges besucht wird. Wir\nkönnen uns Glück wünschen, diesen gediegenen Künstler\nin unserer Mitte zu haben. Wir fühlen uns gedrungen, die\nConcert-Directionen auf Herrn Rappoldi, welcher auch in\nDeutschland bereits mit grossem Erfolg aufgetreten, auf-\nmerksam zu machen.\n*) Der Herr Correspondent rügt dergleichen raffinirte Effecte,\ndie durch den gezierten Vortrag der Chöre in manchen Männer-Ge-\nsangvereinen auch aufs Theater übergegangen sind, mit vollem Rechte.\nEinen anderen Beleg dazu liefert die Wiederholung des Jägerchors\nim Freischütz im pp, ein Widersinn, an den Weber nicht gedacht\nhat. Die Redaction.\n\nX."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "366", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641112-01.1.6", "texte": "Der Anhaltische Musikverein.\n\nEs gab früher eine Zeit, da hörte man in Deutsch-\nland in Häusern und Strassen, in Feld und Wald lustige\nund fröhliche Melodieen erschallen. Die Zeit ist vorüber,\nwo bei abendlichen Spazirgängen Ohr und Schritt von dem\nso süssen als einfachen Klange des Volksliedes gefesselt\nwerden konnte. Das deutsche Volk singt so nicht mehr,\nwährend noch heutzutage in Italien, z. ß. in Horn, der\nunter freiem Himmel arbeitende Handwerker sein Lied er-\nklingen lässt. Wäre nun hiernach im deutschen Volke der\nSinn und die Lust zum Gesänge wie man zuweilen hat\nsagen hören wirklich erstorben? Gewiss nicht darum,\nweil es nicht mehr so wie bisher singt; vielmehr zeugen\ndavon, dass ihm der Gesang keineswegs fremd geworden,\nbesonders die letzten Jahrzehende, wo der Männergesang\neinen so bedeutenden Aufschwung genommen, während\nwiederum das Volk den Sängern so gern lauscht und ihnen\nzu Ehren seine Häuser mit grünem Laube und wehenden\nFahnen schmückt. Schiller spricht:\n~Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit,\nUnd neues Leben blüht aus den Ruinen.\"\nAn die Stelle des melodischen Volksliedes ist gegenwärtig\nvielmehr das harmonische Volkslied getreten. Die Zeit hat\nübrigens auch gelehrt, dass der kräftige, deutsche Männer-\ngesang in andere ausserdeutsche Länder, ja, selbst in an-\ndere Welttheile gedrungen ist. Aber auch die Frauen\nwollen und dürfen nun vom Gesänge nicht zurückbleiben,\nund durch ihren Zutritt erhält 1) das bisherige (männliche)\nTonmaterial einen Zuwachs von 1 */2 Octave, 2) wird da-\ndurch noch, und erst recht im Gesänge, die starke, oft\nrohe Manneskraft in Folge der weiblichen Anmuth und\nGrazie gemildert und verschönt. „Wo Starkes sich und\nMildes paarten, da gibt es einen guten Klang.\" Endlich\nnoch wird durch die Vereinigung dieser beiden Elemente\nzum so genannten „Chorgesange\" die monotone Wirkung\naufgehoben, die das Ohr bei der Vereinzelung beider oft\nempfinden muss. Man trifft jetzt fast in jeder kleinen Stadt\neinen Gesangverein für solch einen gemischten Chor, oder\nfür Männerstimmen, oder auch für Beides zugleich.\nIn unserem Anhalt, das recht viele derartige Gesang-\nvereine aufweisen kann, ereignete sich nun im vorigen\nJahre 1863 der besonders denkwürdige Fall, dass durch\ndas Ableben Sr. Hoheit des Herzogs von Anhalt-Bernburg\ndieses Land an Anhalt-Dessau zurückfiel, wodurch, was\nseit 260 Jahren nicht gewesen, das gesammte Anhalt wie-\nder unter Ein Oberhaupt gelangte.' Ausserdem nahte auch\ndie Vollendung einer neuen, nach Zerbst geführten Eisen-\nbahn, deren Einweihung auf den 1. October, den Geburts-\ntag unseres allverehrten Herzogs, festgesetzt war. Da aber\nnun einmal eine würdige, erhebende Feier ohne Beihülfe\nder hehren Tonkunst nicht gedacht werden kann, so wurde\nzugleich für diesen Tag die Aufführung von Haydn's\n„Schöpfung\" beschlossen, an der sich nun leichtdie sämmt-\nlichen Singvereine der Städte Zerbst, Dessau, Cöthen und\nBernburg betheiligen konnten, indem Ein Weg der Eisen-\nbahn, Eine und dieselbe Linie sie alle verbindet. Die Auf-\nführung geschah in der prachtvollen zerbster Nicolaikirche,\neinem der grössten kirchlichen Räume Anhalts, unter sorg-\nfältiger, umsichtiger Leitung des Herrn Capellmeisters\nThiele, und war eine ausgezeichnete zu nennen. Was\nlag nun wohl wieder näher, als der Wunsch, alljähr-\nlich die Aufführung eines Oratoriums bewirkt zu sehen?\nUnd dieser Wunsch hat sich bereits in diesem Jahre er-\nfüllt. Unter dem Schutze Sr. Hoheit des Herzogs, eines\nFreundes aller wahren Kunst (er ist selbst gewandter Land-\nschaftsmaler), hat sich nun ein „Anhaltischer Musikverein\"\ngebildet, der den Zweck hat, die vaterländischen Gesanges-\nkräfte aller genannten vier Städte alljährlich in einer der\nletzteren zu einer Zusammenwirkung zu vereinen. Das\ndiesmalige Zusammenwirken galt dem grossen Oratorium\nvon Händel: „Judas Maccabäus\", welches in der cöthen'-\nschen Kathedralkirche am 5. October aufgeführt wurde.\nObschon Herr Capellmeister Thiele sich sehr bekümmert\nfühlte wegen einer durch Krankheit in Gefahr schweben-\nden geliebten Tochter, so war er doch von Dessau herüber-\ngekommen und leitete die Aufführung mit gewohnter Um-\nsicht und treuer Hingabe. Der dessauer Capelle, die nach\nwie vor ihren alten, guten Ruf behauptet, war die Aufgabe\nder Instrumental-Begleitung zuertheilt, welche auch dies-\nmal künstlerisch von ihr gelöst wurde. Die Solostimmen\nwaren sämmtlich aus Anhalt, mit alleiniger Ausnahme des\nSoprans, eines Fräuleins Scheuerlein, die mit wohllau-\ntender, geschulter Stimme einen passenden, gemüthvollen\nVortrag verband. Zur grösseren Entfaltung des sonoren\nAlts von Fräulein Grunow hat freilich Händel in seinem\n„Samson\" (Aufführung in Dessau im Juni d. J.) mehr Ge-\nlegenheit als hier gegeben. Die Tenor-Partie des Judas, des\nHelden, hatte Herr Opernsänger Hacker, der mit Kraft und\nAusdruck seine schöne Stimme zur Geltung brachte. Auch\nder Tenor des Herrn Lehrers Kühnas aus Bernburg ge-\nnügte seiner Partie und ward gern gehört. Den Beschluss\nmachte Herr Kammersänger Krüger (Bass), der ähnlich\nwie der Tenor Tichatschek in Dresden seit einer langen\nReihe von Jahren singt, ohne dass man eine Aenderung an\nder kräftigen, klangvollen Stimme gewahrt. Die Chöre wa-\nren in ihren Einsätzen rein und sicher und beobachteten zu-\ngleich die geeigneten Nuancirungen. Einen besonders gross-\nartigen Effect machten zwei Chöre, unstreitig die schwierig-\nsten des ganzen Oratoriums, am Schlüsse des ersten Theiles:"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "367", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641112-01.1.7", "texte": "„Hör' uns, o Herr!\" und der zu Anfang des zweiten: „Fall\nwar sein Loos.\" Der Personalbestand War ausschliesslich\ndes Orchesters etwa 300 Personen; wenn alle Vereine\nvollzählig vertreten sind, kommen an 400 Personen zu-\nsammen.— So möge denn der junge „Anhaltische Musik-\nverein\", zu dessen fernerem Gedeihen die beste Zukunft\nin Aussicht steht, kräftig emporblühen und sich zugleich\nunter diesem vaterländischen Namen auch einen festen\nAnhalt an die edle Kunst bewahren.\nCöthen.\n\nL. Kindscher.\n\nDas fünfundzwanzigjährige Jubelfest des Vereins\nConcordia in Aachen.\nAachen, den 29. 0 et ob er.\nAls am 18. November 1839 zwanzig junge Leute hier den Män-\nnergesang-Verein Concordia gründeten und ihn durch ein Concert\nauf der Ketschenburg einweihten, prophezeite Niemand dem schwa-\nchen Kinde ein langes Leben; man betrachtete die Concordia mehr\nals eines jener ephemeren Gebilde der Jugend, die entstehen und\nbald wieder vergehen. Allein das Kind wuchs nach und nach zum\nstämmigen Manne heran, stieg von Stufe zu Stufe, von Erfolg zu\nErfolg, und ist jetzt zu dem Alter von 25 Jahren gelangt. Aus\nden zwanzig Sängern, die an seiner Wiege Lieder der Freude und\nder Begeisterung sangen, sind deren weit über hundert geworden,\nund ein zahlreicher, hochansehnlicher Theil der Bürgerschaft hat sich\nals inactive Mitglieder dem Bunde angeschlossen, so dass die Con-\ncordia nach allen Seiten hin feste Wurzel gefasst hat, in der musi-\ncalischen Welt hochgeachtet dasteht und in bürgerlicher, gesellschaft-\nlicher Beziehung eine Quelle der reinsten, ungetrübten Genüsse bietet.\nBei einem so erfreulichen Stande der Gesellschaft tritt die Auf-\nforderung von selbst an uns heran, das Fest ihres fünfundzwanzig-\njährigen Bestehens in glänzender, freudiger Weise zu begehen und\nunsererseits alles aufzubieten, was den äusseren Glanz, so wie die\ninnere Bedeutung des Festes erhöhen kann. Demzufolge hat sich\nder Vorstand und das Comite der inactiven Mitglieder mit einer wei-\nteren Anzahl activer und inactiver Mitglieder zu einem Fest-Comite\nverbunden, und es ist aus den Berathungen und Beschlüssen dessel-\nben folgende vorläufige Festordnung hervorgegangen:\nSamstag den 19. November, Abends 6 Uhr: Hauptprobe\nzum ersten Fest-Concerte im neuen Curhaussaale. Nach der Probe:\nVereinigung aller Mitwirkenden mit den Mitgliedern der Concordia\nim Theatersaale, dem Gesellschaftslocale.\nSonntag den 20. November, Morgens 10 Uhr: Feierliches\nHochamt nebst Te Deum im Münster, bei welcher Gelegenheit die\nConcordia die Messe für Männerstimmen von ihrem Dirigenten C. F.\nAckens und das Te Deum nach der Bearbeitung von H. Bohlen\nsingen wird. Nach dem Hochamte versammeln sich die Mitglie-\nder, active und inactive, im Theatersaale und begeben sich von dort\nim feierlichen Zuge und in Begleitung der am Feste Theil nehmen-\nden Vereine zum Rathhause, um eine Adresse, welche die Stadt Aachen\nder Concordia votirt hat, in Empfang zu nehmen. Abends 6 Uhr:\nErstes Fest-Concert im neuen Curhaussaale nach später bekannt\nzu machendem Programm. Für die .beiden Fest-Concerte haben die\nSchwestergesellschaften Liedertafel, Orphea, Sängerverein\nund Harmonia von Aachen, David-Verein und Cäcilien-\nV er ein von Burtscheid, Concordia von Düren, Liederkranz\nvon Esch weiler und Liederkranz von Gladbach ihre Mitwirkung\nIreundlichst zugesagt; der Vorstand war ausserdem bemüht, vorzüg-\nliche Künstler für die Concerte zu gewinnen, und besitzt bereits die\nZusage der geschätzten Sängerin Fräulein Louise Lichtmay, des\nViolin-Heros Joachim, eo wie des ausgezeichneten Bassisten\nBietzacher von der hannoverschen Hofbühne, während weitere\nZusagen zu erwarten stehen. Unter anderen hervorragenden Werken\nwerden in den Concerten mehrere Compositionen aufgeführt, die der\nConcordia auf Veranlassung ihres Jubelfestes von den Tonmeistern\nFerd. Hiller, Franz Wülln er, Max Bruch, Ferd. Möhring\nu. a. m. eingesandt und gewidmet worden sind.\nMontag den 21. November, Morgens 9 Uhr: Hauptprobe\nzum zweiten Fest-Concerte, und Abends 6 Uhr: Zweites Fest-\nConcert im neuen Curhaussaale.\nVon grösseren Vocalwerken werden aufgeführt: Scenen aus der\nFrithjofssage für Soli, Männerchor und Orchester von Max Bruch\nund Psalm 98 für Chor, Solo und Orchester von Franz Wüll-\nner. Herr Joachim wird Beethoven's Violiu-Concert spielen.\nDer Subscriptions-Preis für beide Concerte beträgt 2 Thlr. Sich\nzu wenden an Herrn Theodor Naus, Theaterplatz 9.\nDer Vorstand und das Fest-Comite der Concordia.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolli* In der letzten Sitzung der musicalischen Gesellschaft\nhörten wir eine Sinfonie von Herrn J. Brambach, städtischem\nMusik-Director in Bonn, welche viel Beifall erhielt; namentlich\nzeugten das Scherzo und das Finale durch hübsche Motive und de-\nren lebendige, im letzten Satze besonders frische und brillante Aus-\nführung von dem Talente des Componisten. Die Sinfonie ist übri-\ngens dem Vernehmen nach grösstenteils schon vor einigen Jahren\ngeschrieben; hiernach ist es erfreulich, dass Herr Brambach durch\nsein letztes Werk, das Gesangstück „Velleda\", einen bedeutenden\nFortschritt bekundet hat.\nEine sehr köstliche Programm-Musik liefert das Tongemälde\nvon Menzel (das neulich hier im ersten Abonnements-Concerte des\nDom-Hotels durch die Capelle des Herrn Manns gegeben wurde):\n„Ein leipziger Ostermess-Sonntag\". Darin werden unter\nAnderem musicalisch ausgedrückt: „Anbruch des Tages: es schlägt\n4 Uhr (dass dies 4 Uhr Morgens ist, macht die Musik klar). Ab-\ngang der Dampfwagen. Ruf zur Kirche und Kirchenmusik\naus Beethoven's Eroica-Sinfonie (!!). Besuch des Museums.\nWachparade. Geschäftstreiben. Mittagsschläfchen. Messtru-\nbel. ln der Hercules-Bude sicilianische Musik. Es schlägt 10\nUhr, Einige laufen ohne Hausschlüssel. Gemüthliches Leben in\nden Bierstuben und Restaurationen. Träume eines musikliebenden\nMessfremden\" u. s. w. Welche Ironie des Schicksals, dass dieses\nProgramm gerade in Leipzig spielt, wahrscheinlich zur Erläuterung\ndes Grundsatzes, dass es Musik gibt, „die man nicht mit dem Ohr\nanhören müsse\" !\nHärmen. Das erste Abonnements-Concert unter Leitung des\nMusik-Directors Herrn Anton Krause brachte eine gelungene\nAufführung von Händel's „Israel in Aegypten im Ganzen nach\nder Original-Partitur; die später zugefügten, nicht von Händel her-\nrührenden Recitative blieben weg, dagegen wurde nach dem Chor:\n„Aber mit seinem Volke\", eine Alt-Arie von Händel: „Heilig, Gott,\nHerr der Welten!\" eingelegt, um die unmittelbare Folge von vier\nChören zu unterbrechen. Die Orgelb egleitun g von F. Mendels-\nsohn führte Herr G. Ewald aus. Die Soli sangen die Damen\nHermine Mann von hier und Francisca Schreck von Bonn,\nHerr Joseph Schild aus Leipzig, der durch eine frische, jugend-\nliche Tenorstimme und hübschen Vortrag ehrenvollen, lebhaften Bei-\nfall erhielt, und die Herren Jansen und Egli aus Düsseldorf. Der"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "368", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641112-01.1.8", "texte": "Chor loste seine Aufgabe recht befriedigend, das Publicum zeigte\nsich jedoch gegen das herrliche Werk kälter, als man erwartet hätte.\nLeipzig« Einer der verdientesten und beliebtesten Lehrer am\nConservatorium für Musik, Herr L. Plaidy, hat nach mehr als\nzwanzigjähriger Thätigkeit zum grossen Bedauern besonders seiner\nSchüler sein Amt niedergelegt. Diese Gelegenheit benutzte eine An-\nzahl seiner Schüler, welche aus entfernten Ländern hieher kamen,\num ihm als Zeichen ihrer Anhänglichkeit'und Anerkennung bei sei-\nnem Abgange noch eine kleine Freude zu bereiten. Die Engländer\nund Americaner vereinigten sich zu einem feierlichen Zuge früh\nhalb 11 Uhr und überbrachten ihm werthvolle Geschenke. Einer\nderselben ging voran mit einer Dank-Adresse und einem Lorber-\nkranze auf seidenem Kissen und gab durch Worte die Gefühle zu\nerkennen, welche Alle beseelten. Dann überreichten Andere eine\ngeschmackvolle Uhr und einen Stock mit goldenem Griffe, worauf\neine passende Inschrift gravirt ist. Der bescheidene Lehrer konnte\nvor Rührung kaum seinen Gefühlen Worte geben, und man sah es\nbeiden Theilen an, welch ein schönes, inniges Verhältniss zwischen\nLehrer und Schülern geherrscht hat. Letztere werden, selbst wenn\nsie wieder in ihre ferne Heimat zurückgekehrt sind, eine bleibende\nErinnerung an ihn und seinen trefflichen Unterricht bewahren.\nDresden. Die hiesige Liedertafel hat am 9. und 10. d.\nMts. ihr 2 sjähriges Jubiläum durch zwei Concerte und andere\nFestlichkeiten gefeiert. Die Programme enthielten nur Compositionen\nvon den Liedermeistern des Vereins, deren stattliche Reihe fol-\ngende ist: C. G. Reissiger 1839. Julius Otto 1840—1843;\n.1849—1851; 1856—1858. F. Adam 1842. C. G. Naumann\n1843—1860. Richard Wagner 1843 1845. Ferdinand\nH-iller 1846—1847. Robert Schumann 1849. C. Krebs\n1852—1856; 1860—1864. Robert Pfretzschner 1859.\nFriedrich Reichel 1860—1864. Das zweite Concert brachte\nauch ein Festspiel von Dr. Bösigk, componirt von Julius\nOtto. Unter den Compositionen finden wir u. A.: Schumann,\n„Verzweifle nicht!\" achtstimmige Motette mit Orchester; F. Hiller,\n„Reiterlied\" von Herwegh; R. Wagner, Matrosenchor (aus dem\nfliegenden Holländer); Krebs „Mein Vaterland\" u. s. w.\nTornau. In dem Concerte des Dr. Taub ert1 sehen Gesang-\nvereins am 27. October kamen u. A. zu Gehör: Beethoven's\nOuvertüre Op. 117 zu König Stephan, F. Hiller's „O weint um\nsie\", Op. 49, der erste Satz aus einem Concerte für die Oboe von\nJul. Rietz, Op. 33, einige Sologesänge und Mendelssohn's Fi-\nnale: die Lorelei.\nIlailiVilii'g, 15. October. Durch ein plötzliches Hinderniss\nmusste neulich die Vorstellung von „Lucia von Lammerraoor\" durch\ndie „Weisse Frau\" ersetzt werden. In Folge einer von Pesth hier\nangelangten Todesnachricht, die Fräulein v. Murska nicht länger\nvorenthalten werden konnte, wurde die Sängerin nämlich dermaassen\nin ihrem Gemüthe erschüttert, dass sie nicht nur ihr Auftreten an\ndemselben Abende verweigerte, sondern auch auf der Erlaubniss zur\nsofortigen Abreise nach Pesth bestand. Mit der Wiederholung der\n„Lucia\" ist uns sonach die Wirksamkeit des Fräuleins v. Murska\nan der hiesigen Oper überhaupt wieder in die Ferne gerückt. Denn\nes verlautet, die Direction des Stadttheaters habe dem heftigen Ver-\nlangen nachgeben und Fräulein v. Murska abreisen lassen müssen.\nDass dies in Begleitung eines Theater-Mitgliedes geschehen sein\nsoll, welches den Auftrag hat, die Künstlerin so bald als möglich\naus deren ungarischer Heimat zurückzubringen, ist ein schwacher\nTrost, wenn die Dinge so zusammenhangen, wie sie erzählt werden.\nFräulein v. Murska hätte dann in einem vor ein paar Tagen in\nPesth im Duell erschossenen Mitarbeiter der magyarischen Presse\nihren Verlobten verloren und ihr Schmerz darüber sei bis zu den\nverzweifeltsten Todesgedanken gegangen."}]}