{"numero_id": "bm-bmtnabi-1864-11-19-01", "volume": "bmtnabi_1864-11-19_01", "ocr_sha256": "50c64666ed7ef0f67b85a2f117bb5c56d03c998485dc430d13c15f4bfb02f581", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1864/11/19_01/bmtnabi_1864-11-19_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641119-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1864-11-19-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-11-19_01#c001", "volume": "bmtnabi_1864-11-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "369", "page_fin": "369", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641119-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "369", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641119-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 384, "texte": "Inhalt.\nJohann Friedrich Reichardt (Schluss). Aus Regensburg (Musik-Zustände Oper und Opern-Personal\nIseue Musikwerke). Zweites Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Erste Soiree für Kammermusik. Tages- und Unter-\nhaltung b latt (Düsseldorf, zweites Abonnements-Concert - Barmen, Liedertafel - Coblenz, erstes Winter-Concerfc des Musik-Instituts\nLeipzig, Soiree von Karl Halld)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-11-19-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-11-19_01#c002", "volume": "bmtnabi_1864-11-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "369", "page_fin": "374", "image_debut": 1, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641119-01.2.2", "titre_corps": "Johann Friedrich Reichardt", "titre_sommaire": "Johann Friedrich Reichardt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "369", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641119-01.1.1", "debut_caractere": 386, "fin_caractere_exclue": 4468, "texte": "Johann Friedrich Reichardt\n*).\n(Schluss. —■ S. Nr. 45 und 46.)\nUnter den Tonkünstlern Berlins war Kirnberger die\nmerkwürdigste Erscheinung. Sein grosser Eifer, sich jun-\nger Talente anzunehmen, den er damals eben an Schulz\nund Yierling so rühmlich bewies, liess ihn auch gleich\nAnfangs sehr freundlich gegen mich sein. Er spielte mir\ngern die Meisterwerke J. Seb. Bach's auf seinem überaus\nrein gestimmten Ciavier und trug sie mit einer seltenen\nDeutlichkeit und Präcision vor, unerachtet er an der rech-\nten Hand einen steifen Finger hatte. Er nahm meine Bitte,\nvon ihm den ersten Unterricht in der Composition zu er-\nhalten, freundlich auf und sprach mir im Vertrauen von\nder Notwendigkeit, beim Unterricht fleissig zu schreiben\nund jede Aufgabe vielfach mit der Feder zu üben. Seine\nLehre vom Grund-Accorde, aus dem die übrigen alle ab-\ngeleitet werden, und vom Grund-Bass war jedoch so ver-\nworren, dass die grösste Aufmerksamkeit dazu gehörte,\nEines vom Anderen zu scheiden, und der lernende Zuhö-\nrer nur immer darauf bedacht sein musste, sich das Ge-\nhörte deutlich zu machen und besser zu ordnen, als es\nvorgetragen wurde. Da Kirnberger in seinem neuen Schü-\nler diese Fähigkeit und das eifrige Bestreben, sie anzu-\nwenden, bemerkte, fasste er ungerechten Verdacht, der\nbald darauf durch eine Clavier-Sonate bestärkt wurde, die\njener in Danzig gemacht, und die er nun Kirnberger als\neine Probe seiner bisherigen naturalistischen Compositio-\nnen hören lassen musste. Diese Sonate war überhaupt\ndas erste Stück, welches Reichardt vor Kirnberger spielte.\nAls er sie geendigt hatte, sagte dieser in dem hämischen\nTone, den er immer hatte, wenn er übler Laune war:\n„Als ein junger, lustiger Kerl, der damals mehr Lust hatte,\nals ich jetzt habe, sich mit Narren herum zu necken, hörte\nich aul einem Dorle einen alten Organisten ganz curiose,\nverworrene Sachen spielen. Mich gelüstete danach, zu\nwissen, wie der Mann darauf käme und wie er das an-\nfinge, so etwas hervor- und herauszubringen. Ich ging\ndaraul ganz demüthig zu ihm, stellte mich unwissend und\nunerfahren, und bat ihn um seinen vortrefflichen Unter-\nricht. Der alte Geck war dumm genug, in die Falle zu\ngehen, und ich hatte den Spass, eine Zeit lang den tollsten\nUnterricht zu erhalten, den wohl je ein Mensch erhalten\nhat, und lür die Zukunft den Gewinn, aus jener ganz ver-\nkehrten Lehrart, der doch oft viel Wahres zu Grunde lag,\nmanche gute Lehre zu ziehen. Unter Anderem auch diese,\ndass, wenn mich jetzt ein lustiger, feiner Kauz eben so\nanführen will, ich's eher merke, als es sonst vielleicht ge-\nschehen wäre.u Damit wandte er sich von seinem bestürz-\nten, lernbegierigen Schüler ab und liess ihn stehen. Da\nsich nun Reichardt auch schon halte zu Schulden kommen\nlassen, von lliller's Operetten, die in Kirnberger's Augen\nleeres Machwerk waren, in dessen Gegenwart Gutes\nzu sagen, so hatte dies schon zu viel böses Blut bei ihm\ngemacht, als dass der Unschuldige mit all seinem geraden\nWesen etwas bei ihm hätte ausrichten können, um den\nVerdacht, als hätte er ihn anführen wollen, zu heben und\nihn wieder für sich zu gewinnen.\nKirnberger war ein sehr leidenschaftlicher Mann, wel-\nches sich auch in seinem höchst bedeutenden Gesichte, in\nwelchem Leiden und Kämpfe tiefe Spuren zurückgelassen\n\n*) Aus Reich ardt's zweitem Abschnitte des noch nicht ge-\ndruckten Manuscriptes seiner Selbstbiographie, welches bei\nSchlott6rer S. 90 beginnt. Leider dient obiger Auszug zugleich\nauch als Beweis für unser in dem früheren Artikel ausgesprochenes\nBedauern, dass Herr Schletterer seine Erzählung und Reichardt's\neigene Darstellung ohne alle Unterscheidungszeichen (ja, oft selbst\nmit einem Durcheinander der ersten und dritten Person) in einem\nZuge fortlaufen lässt. Man sehe z. B. S. 97: „Die Witze und das\nlebhafte Gespräch der Freundinnen des Hauses, die er da trat, ver-\nmehrten nur seine Befangenheit. Erst lange nachher habe ich er-\nfahren, dass mir mein jungfräuliches Gesicht einen Streich gespielt,\ndass mich Herr F. für ein Mädchen gehalten.\" Man weiss kaum,\nwie man solche Nachlässigkeiten bezeichnen soll!"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "370", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641119-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5348, "texte": "hatten, stark ausdrückte. Sein grosser, krallig gebauter\nKörper war dadurch so angegriffen, dass er selten zu einer\nruhigen, sicheren Haltung kam. In seinem Urtheile konnte\nO 1 c\ner nur vergöttern oder verteufeln. Seine Götter hörten mit\nD\nJohann Sebastian Bach auf; ausser den Arbeiten der bei-\nden Söhne desselben, Friedemann und Karl Ph. Emanuel,\nund allenfalls noch denen von Fasch, war alles Uebrige in\nder musicalischen Welt Schund und elendes Zeug.\nDie neueste und auffallendste Kunsterscheinung war\nfür Reichardt damals das französische Theater in Berlin.\nWenn es auch im Grunde nur mittelmässig sein mochte,\nhalte es doch mehr bestimmten Kunst-Charakter, als das\ndeutsche, dem es zwar nicht an einzelnen braven Schau-\nspielern fehlte, bei denen aber keine Idee von Ensemble\nund kunstmässiger Darstellung des Ganzen zu finden war.\nIn den französischen Vorstellungen sah er die erste Kunst-\nAufführung, welche einen unverkennbar bestimmten Zweck\nund Charakter halte. Das französische Thealer fesselte ihn\naber auch noch durch einen anderen Zauber. Er sah da\neinige reizende Damen, deren eine ihn durch ihre Schön-\nheit und Anmuth ganz entzückte. Er suchte ihren Namen\nzu erfahren, fing es aber zu ungeschickt an. Wie geschah\nihm, als er einige Wochen später einen Brief an seinen\nLandsmann Friedländer abzugeben halle, dieser ihn zu\nseinen wirklich sehr anmuthigen Schwägerinnen führte\nund er unter ihnen die Schönheit erblickte, die ihn im\nTheater so geblendet! Von dem Tage an verdankte er dem\nin vieler Beziehung wahrhaft grossartigen Itzig'schen\nHause viele frohe Stunden. Musik wurde da im reinsten,\nedelsten Sinne getrieben, Sebastian und Emanuel Bach mit\neinem Verständnisse vorgetragen, wie sonst nirgends.\nZu einer interessanten Aufführung von Hasse's\nramo e Tisbeuauf dem kleinen potsdamer Schlosstheater\nkam ich leider zu spät. Die Schmähling, nachmalige\nMara, und Concialini sollen darin ganz meisterhaft ge-\nsungen haben. Ich musste mich begnügen, neben den Lo-\nbeserhebungen über das ausgezeichnete Talent der Schmäh-\nling die Geschichte ihres königlichen Engagements zu hö-\nren. Einen Freund begleitend, kam sie mit ihrem Vater,\neinem kassel'schen Musiker, der schon früh mit ihr Beisen\nbis nach England gemacht und die letzten Jahre in Leipzig\nverlebt hatte, nach Potsdam. Sehr natürlich wünschte sie,\nvor dem Könige, dem grossen Beschützer der Tonkunst,\nsingen zu können. Die beiden Künstler Benda und Quanz\nthaten alles Mögliche, ihren König auf das grosse Talent\nder jungen Sängerin aufmerksam zu machen; sein Vor-\nurtheil gegen deutsche Stimmen und deutschen Gesang\nmachte es ihnen aber schwer, mit ihren Vorstellungen\ndurchzudringen. Endlich willigte der König doch darein,\nsie zu hören. Sie ward zum täglichen Concerte desselben\neingeladen. Als sie die ersle Arie zu singen anfing, setzte\nsich der König in einiger Entfernung von dem Instrumente\nnieder und spielte ziemlich laut mit seinen Windspielen,\nvon welchen er stets umgeben war. Bald aber ward er\naufmerksamer, trat näher zu ihr hin, lobte ihre Stimme\nund fragte sie, ob sie die Graun'sche Bravour-Arie\nspavenii\" kenne. Die Arie ward herbeigeholt und zur\ngrössten Zufriedenheit des Königs vorgetragen. Bald darauf\ngab der König seinem Lehrer und Liebling Quanz den\nAuftrag, mit der Sängerin des Engagements wegen zu\nunterhandeln. In der ersten Unterredung darüber glaubte\nsie oder vielmehr ihr Vater im Verhältnisse zu ihrem bis-\nherigen Gehalte von 500 Thalern vom leipziger Concerte\nrecht viel zu fordern, wenn er das Dreifache verlangte.\nEr hatte aber die Summe von 1500 Thalern kaum aus-\ngesprochen, so fiel ihm der für die grosse Gesangskünst-\nlerin väterlich besorgte Quanz in die Rede und sagte:\n„Sie meinen doch 1500 Thlr. für die Oper und eben so\nviel für's Concertdes Königs, in welchem Ihre Tochter ge-\nwiss auch oft singen wird?\" und so wurde sie mit 3000\nThlrn. jährlichen Gehalts sogleich angestellt.\nAn dem Hause des trefflichen alten Concertmeisters\nBenda in Potsdam machte der Reisende eine höchst er-\nfreuliche Bekanntschaft. Die ganze Familie nahm ihn sehr\nliebevoll auf und liess ihn so Manches hören, was seine\nLiebe und Achtung für die grosse Benda'sche Schule noch\nverstärkte. Franz Benda spielte damals nur selten noch\nVioline; er wirkte regelmässig nur in den Kammer-Con-\ncerlen des Königs und zuweilen noch in der grossen ita-\nliänischen Op er mit. Beichardt hatte indessen das Glück,\nihn einige Male auf der Violine phantasiren und einige\nseiner Capriccios spielen zu hören. Nie wird der Eindruck,\nden der volle Ton, die vollkommen reine Intonation, die\nüberaus deutliche Pronunciation jedes Ausdrucks, jedes\nVorschlags und der seelenvolle, rührende Vortrag äuf ihn\nmachte, aus seiner Seele verschwinden.\nDer jüngste Sohn, Karl Benda, halte viel von dem\nTone und Vortrage seines Vaters, wie er ihm auch an\nGesichtsbildung und im Charakter am ähnlichsten war.\nDie jüngste Tochter, Juliane, sang mit schöner, reiner\nStimme und echt altitaliänischer, ausdrucksvoller Manier.\nDie Eindrücke, die ich aus diesem Hause schon damals\nmitnahm, haben hernach auf mein ganzes Leben entschei-\ndenden Einfluss geübt.\nDie an Kirnberger's Launen gescheiterte Hoffnung\nund die alte Neigung, die Universität Leipzig besuchen zu\nkönnen, wo viele ehemalige curländische Freunde studir-\nten, bestimmten den unruhigen Reisenden, bald nach\nLeipzig zu gehen."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "371", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641119-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5424, "texte": "Von dem alten, braven Hiller wurde ich mit aus-\nnehmender Liebe und Güte empfangen, und nach wenig\nTagen schon war ich ein geliebtes Mitglied dieser herzens-\nguten Familie. Doch war dieses nicht das einzige und\nstärkste Band, das mich an Leipzig fesselte. Ich sah die\nschöne, herrliche Künstlerin Corona Schröder und ward\nzum ersten Male im Leben von heisser, inniger, tief be-\ngeisterter Liebe erfüllt und ganz durchdrungen. Sie ward\nmir die Sonne, die Tag und Nacht, Freude und Leid mir\nbestimmte, Alles erhellte oder verdunkelte. Das Jahr, wel-\nches ich in Leipzig zubrachte, habe ich eigentlich nur für\nsie gelebt, so mannigfach ich mich auch nach vielen Seiten\nhin daneben zu beschäftigen suchte. Jeder Morgen und\njeder Nachmittag ward fast ganz mit ihr, in ihrer Garten-\nwohnung vor der Stadt, an ihrem Flügel bei Hasse'schen\nPartituren verlebt. Und wie verlebt! Sie sang, wenngleich\nmit bedeckter Stimme denn diese war durch unvernünf-\ntige Anstrengung beim Unterrichte, um den höchst mög-\nlichen Umfang zu erzwingen, früh geschwächt worden —,\nmit ganzer Seele und grossem Ausdruck. Besonders decla-\nmirte sie das Recitativ meisterhaft. Ihre schöne Gestalt,\nihre edle, hohe Haltung, ihr bewegliches, ausdrucksvolles\nGesicht gab diesem recitativischen Vortrage eine Kraft,\neinen Zauber, den ich nie gekannt, vorher nie empfunden\nhatte. Für sie componirte ich die ersten italiänischen Arien\nnach Poesieen von Metastasio, fühlte aber sehr wohl, wie\nsie für eine solche Sängerin noch nicht gut genug waren,\nund kam gern immer wieder mit ihr zu den Hasse'schen\nMeisterscenen zurück, die sie so unübertrefflich vortrug.\nBesonders eine grosse Scene aus Hasse's „ Artemisia\", die\nmit der Arie schliesst: „Rendeiemi il mio ben, numi ti-\nranniu, konnte man gar nicht oft genug von ihr hören,\nund es verging selten ein Tag, wo ich sie nicht von ihr\nmir erbat; aber auch nie habe ich ihr ohne die tiefste\nHerzensbewegung gelauscht. Dieser hohe Genuss hat mich\nvielleicht allein zu dem Künstler gemacht, der ich gewor-\nden bin.\nCorona's Freude an Reichardt's Violinspiel trieb ihn\nan, von Neuem allen Fleiss darauf zu wenden. Auch Hil-\nlern gefiel sein kräftiger, ausdrucksvoller Vortrag, und er\nveranstaltete daher öfter, als es sonst üblich gewesen,\nConcerte in seinem Hause, um ihn zu hören und Andere\nihn hören zu lassen. Doch hatte der empfindliche Geiger\ndie Grille gefasst, in dem öffentlichen Concerte, welches\nHiller dirigirte und in welchem Corona sang, nicht spielen\nzu wollen, wohl weil es ihn verdross, dass sie gegen ihre\nNeigung vor einem Publicum zum Singen genöthigl war,\ndas ihnen beiden nicht anfeuernd und belohnend genug\nerschien; sie lebte allein von den 400 Thalern, die das\nConcert ihr jährlich gab.\nGleich am Anfange meines Aufenthaltes hatte ich Hil-\nler's Rath, ein eigenes Concert im Schauspielhause zu ge-\nben, befolgt, um mir so auf die kürzeste Weise etwas Geld\nzu verschaffen, denn ich war in Leipzig wieder ganz da-\nvon entblösst angelangt. Das Concert fiel nicht sehr ergie-\nbig aus, gab aber Veranlassung, dass Curländer und Liv-\nländer, die in Leipzig studirten und mich schon in Königs-\nberg gekannt hatten, ein Concert im Richter'schen Gar-\ntensaale veranstalteten, welches meine Existenz für eine\nZeitlang sicherte und den Credit begründen half, an wel-\nchem ich lange Jahre nachher noch zu zahlen haben sollte.\nVon dem Augenblicke an habe ich mich weiter in keinem\nöffentlichen Qoncerte mehr hören lassen. Desto lieber und\neifriger spielte ich aber in den Liebhaber-Concerlen, die\nwährend des Herbstes in demselben Garten gehalten wur-\nden, den die schöne Corona bewohnte.\nDie öffentlichen Concerte waren übrigens damals ziem-\nlich gut organisirt und man hörte die besten Sachen jener\nZeit genügend darin aufführen. Haydn'sche und die ihnen\nnachgeahmten Vanhall'schen Symphonieen wurden ziem-\nlich glücklich vorgetragen. Ich selbst schrieb auch einige\nSymphonieen für dieses Concert und dachte mit einer aus\nF-moll meinen alten Gönner und Freund hintergehen zu\nkönnen, indem ich sie für eine Vanhall'sche, die Hiller\nbesonders liebte, ausgab. Aber an dem Minore des Me-\nnuets erkannte dieser den Betrug, und so verrieth sich\nder Spass zu bald.\nMan fand diese Symphonieen damals feurig und gut\ndurchgeführt. Der väterlich gesinnte Hiller setzte wohl zu\nviel Werth auf solche Jugendarbeiten und hätte ohne des\nComponisten bestimmtes Erkennen der eigenen Mängel\nleicht eine gefährliche Selbstzufriedenheit und frühzeitige\nSicherheit bewirken können. Die weisere Corona war ge-\nrechter und strenger in ihrem Urtheile; sie sang ihm seine\nArien gern in ihrem Zimmer, aber keine davon in einem\nöffentlichen Concerte. So bekam er seine ersten Sing-Com-\npositionen nie mit Instrumental-Begleitung, die wahrschein-\nlich noch mangelhaft genug war, zu hören. Sie später von\nanderen Sängerinnen vortragen zu lassen, erschien ihm\nwie eine Entheiligung derselben.\nGrosse Abwechslung fand in den damaligen leipziger\nConcerten nicht Statt. Hiller, der sie anordnete und diri-\ngirte, hatte sich an Hasse's und Graun's Werken vorzüg-\nlich gebildet und hing mit Liebe, ja, mit grosser Partei-\nlichkeit daran. Telemann, Händel und die grossen, alten\nItaliäner waren ihm und in Leipzig überhaupt ziemlich\nunbekannt. Selbst die herrlichen Werke Seb. Bach's wur-\nden dort sehr wenig aufgeführt. Unter den grösseren\nSingesachen, welche ich dort zu hören bekam, fand ich\nHasse's Oratorium „Elenaal von ganz beson-\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "372", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641119-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5499, "texte": "derer Wirkung. Das Grosse, etwas Breite, überall edel\nGehaltene in den Melodieen der Arien und in den La-\ngen der Harmonieen, das, wie ich später erfahren, der\nComposition desselben Oratoriums von Leonardo Leo\nso glucklich nachgebildet war, sagte meinem Gefühle ganz\nbesonders zu.\nNeefe, der damals bei Hiller die Composition übte\nund sich eben mit einer deutschen Operette beschäftigte,\ngab die Veranlassung, dass jener seinen jungen Freund,\nden er gern in allen Fächern der Tonkunst eingeübt sehen\nwollte, auch zu einer ähnlichen Arbeit aufmunterte. Er\nwählte ihm selbst eine kleine Operette von Michaelis:\n„Amor's Guckkasten\", dazu aus; diese Composition ward\nindessen mit nur geringem Eifer gefördert, wie sehr er\nsich sonst auch für Hiller's Singspiele interessirte. Er\ncomponirte eben lieber für seine edle Freundin italiänische\nVerse, da er wusste, dass diese Derartiges lieber sang.\nGesellschaften besuchte ich sehr wenig; die einzigen,\nin denen Künstler noch eine ziemlich willige Aufnahme\nfänden, waren die von der französischen Colonie. Der Ton\nderselben war aber zu steif, als dass ein junger Deutscher\ndaran hätte Vergnügen finden können. Noch seltener be-\nsuchte ich die öffentlichen Vergnügungsorte, die damals\nauch meist noch schlecht eingerichtet waren und unter\ndenen mir die so genannten Kuchengärten besonders ver-\nhasst waren. Dorthin pflegten die leipziger Bürger jedes\nStandes und die studirende Jugend gleich nach Tische zu\ngehen, um sich in todten, hölzernen Gitterlauben an ganz\ngemeinen, heissen Kuchen Magen und Zähne zu verderben.\nSelten sah man in Leipzig gute, gesunde Zähne, bei der\nJugend so wenig, wie beim Alter. Ein einsames Dorf, wenn\ndas Gedächtniss nicht trügt, Schönefeld genannt, war desto\nöfter das angenehme Ziel der Spazirgänge, die ich unter\nsinnigen Gesprächen mit der schönen Corona und ihrer\ntreuen Hausfreundin, der Tochter ihres Hauswirthes, des\nKunstgärtners Probst, die ihr auch bis zu ihrem Tode eine\ntreue Lebensgefährtin blieb, machte. Dort wurden in einem\neinsamen, am fruchtbaren Felde gelegenen Gartenhause\nsehr feine Biscuits gegessen, welche die zarte Corona eben\nso vorzüglich fand, als ihr an Süssigkeiten gewohnter preus-\nsischer Anbeter. Nicht selten gaben sie Veranlassung zu\nnaiven Kinderscenen, die die geborene Künstlerin mit un-\nnachahmlicher Grazie und Wahrheit durchzuführen wusste.\nDie letzte Zeit in Leipzig ward noch besonders mit\nBeendigung zweier Operetten zugebracht, deren eine schon\nin Königsberg grossenlheils entworfen war: „Hänschen\nund Gretchen\" und „Amor's Guckkasten\". Beide sind zu-\nsammen im Clavier-Auszuge erschienen. Derselbe brave\nHartknoch, der als Student mir den ersten besseren\nClavier-Unterricht gegeben hatte und jetzt die leipziger\nMesse als Buchhändler aus Riga besuchte, wollte nun mein\nVerleger sein und diese Operetten, so wie eine Sammlung\nvermischter Violin-, Ciavier- und Singsachen drucken las-\nsen. Die unglückliche Eifersucht eines Mannes, der auf die\nHand der schönen Corona Anspruch zu haben glaubte,\nstörte endlich unser, reines, ideales Verhältniss, und der\nunglückliche, schwärmerisch liebende, junge Tonkünstler\nsah sich in die traurige Notwendigkeit versetzt, den letz-\nten Theil seiner leipziger Studienzeit fast ganz entfernt von\nihr leben zu müssen. Dies gab ihm denn auch Zeit, jene\nArbeiten zu vollenden, die sich vorzüglich auf Autor-Spe-\nculation gründeten. Sie allein hätten ihn indess doch nicht\naus der Verlegenheit gezogen, in welche ihn ein sorglos\nverlebtes Jahr gebracht, wenn nicht sein vortrefflicher\nFreund J. G. J. Breitkopf dazu getreten wäre und mit\nseinem geachteten Namen den schwachen Credit des Frem-\nden gestützt hätte. Ehe ich noch in den Stand kam, diese\nalle Schuld ihm wieder abzutragen, hatte er Alles über-\nnommen und so treulich erfüllt, wie seine eigenen Ver-\npflichtungen, der gute, edle Mann! Zu meinem glücklichen\nKunstleben in Leipzig trug die innige Freundschaft mit\ndem jungen B. Th. Breitkopf von allem Anfange an viel\nbei. Er war der älteste Sohn des berühmten Buchdruckers\nund Musicalienhändlers, ein passionirter und geschickter\nDilettant, wie es nur je einen geben kann. Er sang, spielte\nLaute, Ciavier, Violine, Violoncell und componirte mit\nEinsicht und Geschmack*).\nOft belebten durchreisende Virtuosen die leipziger\nConcerte. Unter diesen war der grosse Oboist Besozzi\naus Dresden eine besonders erfreuliche, wohlthätige Er-\nscheinung. Der volle, reine Ton, die unglaubliche Dauer\nim Aushalten desselben und die ungeheure Fertigkeit und\nPräcisiön in den grössten Schwierigkeiten setzten in Er-\nstaunen, ja, in Entzücken. Besozzi versicherte oft mit Ge-\nnugtuung, in Deutschland nie einen so empfänglichen,\nenthusiastischen, echt italiänischen Zuhörer gehabt zu ha-\nben, als unseren Künstler. In vier bis sechs Wochen, welche\ndieser grosse Meister in Leipzig zubrachte, blies er kein\nSolo, kein Concert, dem ich nicht eifrig nachging.\nIm Frühjahre 1772 reiste Reichardt nach Dresden.\nEr ward von den Schönheiten Dresdens und seiner Um-\ngebung so hingerissen, dass er in den ersten Wochen fast\nan nichts Anderes dachte, als sie froh und ganz zu ge-\nmessen. Der junge Künstler wurde bald dem Herzoge von\nCurland bekannt und von ihm mit ausserordentlicher\nFreundlichkeit aufgenommen. Dieser königlich gestaltete\n\n*) Dieser durchaus rechtliche, liebenswürdige Mann hat seit\n3780 in Petersburg zuerst als Collegienrath, dann als Staatsrath und\nDirector der grossen Senatsdruckerei sein wohlverdientes Glück ge-\nfunden. (Anin. Reich ar dt1 s.)"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "373", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641119-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5408, "texte": "Herr, der in allen Leibesübungen Meister war, war auch\nein enthusiastischer Freund der Musik und spielte selbst\ndie Höte sehr gut. Er schien von seinem Violinspiel ganz\neingenommen zu sein und sprach oft laut davon, dass er\nihm besser gelalle, als Lolli, der kurz vorher in Dresden\ngewesen war. Die schöne Jahreszeit machte aber den Con-\ncerten des Herzogs bald ein Ende; er ging aufs Land, wo\nder kurfürstliche Hof schon seit Wochen war. Hei diesem\nbot sich für reisende Virtuosen nur selten eine Gelegen-\nheit, vorzukommen.\nConcertmusik hörte der Hof gewöhnlich nur bei gros-\nsen Festlichkeiten während der Tafel, was für den leicht\nverletzbaren Künstler ein solcher Gräuel war, dass er sie\nnicht mit anhören mochte, wenn ihm die Gelegenheit dazu\nauch angeboten worden wäre, obgleich die grössten Vir-\ntuosen und selbst sein Liebling Besozzi ihre hohe Virtuo-\nsität da im Geräusch von Tellern und Gläsern Preis gaben.\nDesto eifriger wohnte er der Kirchenmusik in der\nSchlosscapelle bei, wo auch noch Meisterwerke von Hasse\nzu hören waren und wo eigentlich jede andere, oft\nschwache Composition durch die präcise Aufführung in\nder heiligen Stille eine erfreuliche Wirkung ihun konnte.\nZur Erhaltung dieser Stille gingen zwei kurfürstliche Die-\nner, lange Stäbe mit dicken, silbernen Knöpfen in den Hän-\nden, zu beiden Seilen des Schiffes der Kirche während der\nMesse auf und ab.\nIn der Stadt war das gesellige Leben sehr beschränkt\nund das Musiktreiben noch mehr. So war der Fremdling\nbald auf einen kleinen Kreis angewiesen, in welchem er\nsich aber so einwohnte und täglich ein so frohes, häus-\nliches Leben mitverleben durfte, als wäre für ihn nur das\nEine hier zu suchen' und zu leisten, wie jede schöne Stelle\ndes reizenden Landes und jeder Kunstreichthum der herr-\nlichen Stadt immer wieder und wieder genossen werden\nkönnte.\nDiese Sorglosigkeit brachte ihn aber in eine sehr üble\nLage, und da alle Versuche, sich aus ihr herauszuarbeiten,\nmissglückten, gerieth er durch seinen Leichtsinn im Winter\nin die grösste Noth, in welcher er sich je in seinem Leben\nbefunden hat.\nDer Verkauf der entbehrlichsten Kleidungsstücke und\nWäsche, ja, sogar der Bücher nnd Noten, half eine Weile\nzu den kleinen täglichen Ausgaben. Aber zu Anfang des\nWinters kam er so weit herunter, dass er alle die Häuser,\nin denen ein anständiges, ja, zierliches Aeussere notwen-\ndige Bedingung des Umgangs war, meiden musste, ja, dass\ner endlich nur noch ein einziges jüdisches Banquierhaus\nwenn das Gedächtniss nicht ganz trügt, Levj genannt\nbesuchen konnte, weil die sehr wohlwollenden, gastfreien\nLeute es nicht genau mit dem Anzüge nahmen. Doch fand\ner selbst seine Kleidung auch für diese so nachsichtige Fa-\nmilie bald zu schlecht und ward endlich ganz auf die Hin-\nlerstube der beiden ältesten Söhne des Hauses beschränkt,\nderen einer sich für sein musicalisches Talent, der andere\nfür seine literarischen Kenntnisse recht herzlich interessirle.\nHieher ging er aus seinem Gasthofe, an den er durch eine\nuntilgbare Bechnung gefesselt war, täglich früh Morgens,\nehe es in dem Hotel recht lebendig wurde, um in dem so\ngastfreundlichen jüdischen Hause sein grosses, kaltes Zim-\nmer mit dem angenehm erwärmten seiner beiden jungen\nFreunde zu vertauschen. Da brachte er den grössten Theil\ndes Tages am Schreibtische zu und copirte zu seiner Be-\nlehrung Partituren seines hochverehrten Lehrers Homi-\nlius und anderer gründlicher Componisten.\nMegelin, ein Violoncellist der Hofcapelle, rieth mir\nendlich, nach Böhmen zu gehen, und erbot sich, mir einen\nEmpfehlungsbrief an einen grossen Musikfreund, den Gra-\nfen Thun auf Tetschen, zu geben, der eine eigene Capelle\nhielt und gern fremde Virtuosen hörte.\nEin jüdischer Baron, den der bedrängte Virtuose frü-\nher oft in dem Hause gesehen, das ihn jetzt so freundlich\nbeherbergte, bei dem er auch mehrmals mit derselben\nbraven Judenfamilie sehr glänzend soupirt hatte, halte sich\nöfters verlauten lassen, er wolle den jungen, interessanten\nMann gern mil Beisegeld unterstützen, wenn er wünsche,\nsich aus seiner schlimmen Lage herauszureissen. Auf diese\nbeiden Versprechungen hin wurde nun ein heimlicher\nHeiseplan gebaut. Ich liess mir von Megelin den Empfeh-\nlungsbrief geben und ging dann früh Morgens mit demsel-\nben in der Tasche, die übrigens mit etwas weniger Wäsche\nund mil einigen Musicalien angefüllt war, zu dem gross-\nmüthigen Baron, um mit ihm, im Vertrauen auf sein gege-\nbenes Versprechen, die Heise zu berathen. Die Summe, die\njener an den jungen Künstler würde wenden wollen, sollte\ndie Art und Ausdehnung derselben bestimmen. Der Herr\nBaron schlief noch, und ich setzte mich, um sein Erwachen\nzu erwarten. Das Frühstück ward endlich in zierlichem\nSilbergeschirr hineingetragen, und ich liess mich melden.\n„Was ich begehre?\" frug der Kammerdiener von innen\nzurück.— „Mit dem Herrn Baron über die Reise zu spre-\nchen. zu der er mich aufgemuntert'', war meine Antwort.\nNun sass der arme Hoffende lange Zeit in dem kalten,\nhöchst eleganten Saale mit Marmorwänden, in welchem er\nvor Monaten so behaglich gespeist hatte, eine Einladung\nzum Frühstück vergeblich erwartend. Endlich erschien der\nKammerdiener wieder. „Es thäte dem Herrn Baron sehr\nleid, ihn nicht selbst sprechen zu können, indess schicke\ner hier das versprochene Reisegeld.\" Mit den Worten gab\ner ihm eine kleine Geldrolle in die Hand, die wohl zwölf\nLouisd'or enthalten konnte. Im Vorhause ward das Geschenk"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "374", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641119-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1695, "texte": "untersucht, und es bestand aus zwölf sächsischen Vierero-\nschenslikken, gerade zwei Thalern. Mein erster Gedanke\nwar natürlich, umzukehren und das Geschenk, welches\ndurch die vorhergegangenen öfteren mündlichen Aeusse-\nrungen doppelt und zehnfach armselig wurde, zurückzuge-\nben. Ich zog an der Klingel, es kam aber Niemand; das\ngab Zeit zur Ueberlegung. „Was ist es denn nun auch?\"\nsagte ich zu mir selbst: „Auf zwei gesunden Füssen kommst\ndu mit zwei 1 haiern eben so gut nach dem böhmischen\nGebirge, als mit zwanzig im bequemen Wagen.\" Die Sonne\nschien herrlich, die Luft war frisch, so einladend zur lusti-\ngen Fussreise. So ging ich denn geraden Weges ohne wei-\nteres Besinnen zum Thore hinaus und schlug den schönen\nWeg durch den kurfürstlichen Garten, dessen Schalten\nmich so oft gelabt hatte, ein. Das Frühstück ward beim\nUofgärtner, den ich im Sommer schon manches Mal be-\nsucht hatte, eingenommen, dann die reizende Strasse weiter\nverfolgt nach Pirna, dem hübschen Städtchen, wo ich auf\nder Tour nach dem Königsstein einst so rasch auf muthi-\ngem Pferde vorbeigeeilt war. Wie wurde das alles jetzt so\nviel besser genossen! Wie herrlich schmeckte das.Mittags-\nmahl, welches im reinlichen Gasthofe zu Pirna nicht viel\nmehr kostete, als der Kaffee im Grossen Garten! Alles so\ngut und so wohlfeil für den bescheidenen Wanderer!\nAuf diesem heiteren Morgenwege genoss ich, dem zu\nMuthe war, wie es einem dem Winterkäfige entflohenen\nVogel sein mag, einer Heiterkeit, Ruhe und Fröhlichkeit,\ndie fast jede bis dahin erlebte Frühlingslust übertraf. Ich\nsang und jubelte durch die grünen Saatfelder und Auen,\nso dass die Vorübergehenden mich lür ganz besonders\nglücklich und froh halten mussten."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-11-19-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-11-19_01#c003", "volume": "bmtnabi_1864-11-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "374", "page_fin": "375", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641119-01.2.3", "titre_corps": "Aus Regensburg.", "titre_sommaire": "Aus Regensburg.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "374", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641119-01.1.6", "debut_caractere": 1697, "fin_caractere_exclue": 7089, "texte": "Aus Regensburg.\nMitte November 1864.\nGönnen Sie mir wieder einmal einen kleinen Raum zur Bespre-\nchung der hiesigen Musik-Verhältnisse! Sie haben sich seit meinem\nletzten Berichte nicht gebessert, eher verschlechtert. Das Einzige,\nwas uns von den herrlichen Erinnerungen an eine frühere, viel schö-\nnere Zeit noch übrig geblieben war, die drei grossen Instrumental-\nund Vocal-Concerte, welche der Orchester-Verein jährlich hielt, auch\nsie sind auf Eines zu Grabe getragen worden Dank der Verfla-\nchung des Geschmacks und Dank der Einbürgerung der mit Tabaks-\nqualm, Bier und Käse, Kaffee und Thee, gemüthlicher Conversation\nund derartigen Dingen reich besetzten so genannten musicalischen\nTjnterhaltungen. Nun ist nichts dagegen zu sagen, wenn einem Ver-\neine solcher Hautgout beliebt; es ist solches Vorgehen eben nur ein\nGradmesser seiner musicalischen Bildung, und es bedarf für Auswär-\ntige zui Orientirung über seine Tendenzen weiter keines Fingerzei-\nges. Gerechten i adel verdient es aber, wenn selbst Musiker von Fach,\nConcertisten in solche Niederungen hinuntersteigen, wie das wieder-\nholt der Fall war. Man sage nicht, diese Art der Concerte füllt doch\nden Saal, während wir sonst vor fast leeren Bänken spielen und\nsingen. Die solches vorgeben, verwechseln Kunst mit Geldge-\nwinn und drücken dieselbe zu einer ordinären Speculation herab.\nEs ist desshalb mit ihnen auch nicht weiter zu rechten. Der Bier-\nhausfiedler und Wirthshaussänger wird von dem Idealen der Kunst\newig nichts begreifen; von Musikern, die den Künstlernamen an-\nsprechen, sollte man aber solches nicht sagen können. Ich gebe gern\nzu, dass auch der Künstler von dem jeweiligen Geiste der Zeit pro-\nfitiren soll: aber ich kann unmöglich einräumen, dass die Kunst,\nwelche, wenn auch in der Zeit, doch über aller Zeit steht, zur Magd\nund Buhlerin irgend einer Zeitrichtung herabgedrückt werde. Man\nnehme nur alles Ideale aus der Welt weg: wahrlich, der erbärm-\nlichen, nackten Greil barkeiten wegen allein ist's nicht werth, zu le-\nben. Der Materialismus, der Indüstrialismus, diese zwei Götzen des\nneunzehnten Jahrhunderts, verbannen das rein Geistige, Seelische\nmehr und mehr aus dem Leben und verthieren die Menschheit; wenn\nihr, nachdem ihr die Religion vom Throne gestürzt, [Oho!] auch noch die\nKunst aus der Welt verjagt, was soll das Leben noch schön, wün-\nschenswerth, ja, selbst erträglich machen? Das Erhabenste ist ein©\nschöne Seele: sie ist eine Unmöglichkeit ohne Religion; das Lie-\nbenswürdigste ist ein gebildeter Geist: die Materie aber treibt allen\nGeist aus; das Herrlichste sind die Eingebungen einer schönen Seele\nund eines gebildeten Geistes die Schöpfungen der Literatur und\nKunst: ihr macht es unmöglich, an ihnen sich zu erfreuen, weil ihr\nder Kunst den Göttermantel des Idealen abstreift und sie mit dem\nBettleigewande des haltlosen Sensualismus umkleidet. Man verzeihe\nmir diese Digression; ich hofie sogar, meine Worte werden hier und\nda Wiederhall finden ; denn ist es auch nicht überall so traurig be-\nstellt, wie hier, so greift doch der verderbliche Nihilismus in die\nmusicalischen Verhältnisse auch anderwärts tief genug ein.\nLinter solchen Umständen nun ist die Oper das einzige musi-\ncalische Labsal, und ob auch die schönsten Werke der Dramatik\nnur halbwegs Ersatz geben für die classischen Genüsse der polypho-\nnen Meisterwerke in Wort und Ton, so muss man doch doppelt\nDank sagen, dass die Direction so anerkennungswerthe Anstrengun-\ngen macht, Gutes und Schönes, und was mehr ist dieses alles\nmöglichst gelungen vorzuführen. Dieses Lob verdienen aber, wenige\nVorstellungen, namentlich im Beginne der Saison, abgerechnet, die\nAufführungen des Freischütz, des Troubadours, der Norma, des Nacht-\nlagers, Romeo und Julie, Waffenschmied, Faust, Schauspiel-Director\nvon Mozart, Jeufels Antheil, Teil u. s. w. Die erste Sängerin,\nFiäulein Michalesi, leistete namentlich als Norma, Carlo Broschi,\nRomeo Vortreffliches in Spiel und Gesang; weniger gut ist die Co-\nloratursängerin, Fräulein Feld haus, wiewohl ihre Darstellung der\nLeonore und der Gabriele Talent nicht verkennen liess. Als Soubrette\nist Fräulein K. Leon off thätig und wird stets gern gehört; als\nMarie im Waffenschmied übertraf sie sich selbst; ihr Spiel war so\nnaiv, so reizend, so ganz dem verschämten, unschuldvollen Charakter\nangepasst, dass das Publicum den reichsten Beifall zollte; ihr Ge-\nsang stand dem nicht im mindesten nach; ihre reine und helle\nStimme, getragen von der besten Schule und tief gefühltem Vortrage,\nentzückte und fesselte unbezwinglich die Herzen. Der erste Tenor,\nHerr Andriol, hatte Anfangs mit heftigem Widerspruche zu käm-\npfen, seinem 1 alente und Fleisse wird aber jetzt mehr und\nmehr die verdiente Anerkennung. Herr Fränkl, der zweite Tenor,\nmit einer höchst frischen Stimme begabt, hatte als Faust und Gomez\nbesonderen Erfolg. Der Baritonist, Herr Kreutner, ist Anfänger,\naber voll guten Willens; diese Tugend und die Bescheidenheit, die\nihm innewohnt, sind sichere Bürgen einstigen Erfolges. Der Bass,\nHerr Kögel, muss sich im Spiel bedeutend bessern; seine Stimme\nist vorzüglich. Der Bass-Buffo, Herr Scharf, ist ein routinirter\nKünstler.\nIch schliesse meinen Bericht mit der warmen Empfehlung\nzweier bei Pustet jüngst erschienener Werke: 1. Magister cho-\nrali*, Anweisung zum Gregorianischen Gesänge. Von Haber. Mit\nVorzug praktisch angelegt, mit Winken für den Vortrag für Sänger"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "375", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641119-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 475, "texte": "und Organisten reichlich versehen, durch kurze Vor- und Nachspiele\nin den alten Kirchen-Tonarten vermehrt. 2. Cant. sacr. für\n2 8 voces aequales. Von Witt. Im Geiste der Alten, aber mit Hin-\nzuziehung der neuen Errungenschaften componirt, contrapunktisch\nangelegt und durchgeführt, melodiös und harmonisch gleich vorzüg-\nlich, nicht zu schwer für die Ausführung eine der besten Arbei-\nten auf kiichlichem Gebiete in der Neuzeit, allen Kirchenchören\naufs wärmste zu empfehlen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-11-19-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-11-19_01#c004", "volume": "bmtnabi_1864-11-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "375", "page_fin": "375", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641119-01.2.4", "titre_corps": "Zweites Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller, Dinstag, den 8. November 1864.", "titre_sommaire": "Zweites Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller, Dinstag, den 8. November 1864.", "signature_source": "L. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "375", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641119-01.1.7", "debut_caractere": 477, "fin_caractere_exclue": 6929, "texte": "Zweites Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller,\nDinstag, den 8. November 1864.\nL. B.\nDas Concert wurde durch die feine Ausführung der hier neuen\nOuvertüre „Tausend und Eine Nacht\" von W. Taubert eröffnet.\nTaubert ist ein so talentvoller und in Benutzung aller Vortheile der\nmodernen Formen und Instrumentations-Mittel so gewandter Musiker,\ndass er nichts Uninteressantes schreiben kann; allein diese Ouver-\ntüre ist eben auch nichts mehr als interessant. Man kann sie als\neine geistreiche Intentions-Arbeit bezeichnen, aber auch wieder als\neinen Beleg zu unserer oft ausgesprochenen Meinung, dass die Ab-\nsichtlichkeit eines gar zu bestimmten Eindrucks der musicalischen\nWirkung eines Instrumentalwerkes schadet, sie müsste denn durch\ndas Genie des Componisten eine Composition erzeugen, die zugleich\nein rein musicalisches Kunstwerk ist, wie z. B. Mendelssohn's Ouver-\ntüre zum Sommernachtstraum. Die Erwartung dieser letzteren, welche\ndurch die Ankündigung schon der Phantasie der meisten Zuhörer\nvorschwebte, mag vielleicht auch beim Publicum den Eindruck der\nebenfalls auf die Märchenwelt anspielenden und anklingenden Tau-\nbert'schen Ouvertüre geschwächt haben.\nEs waren nämlich in Erinnerung an F. Mendelssohn's Todestag\nden 4. November (1847) vorzugsweise zwei von seinen Werken als\nHauptnummern des Programms gewählt worden: das Finale aus\nGeibel's Lorelei und die vollständige Musik zu Shakespeare's\nSommernachtstraum.\nMendelssohn's Lorelei-Finale ist ein schönes Concertstück, aber\ndramatisch wirksam ist es nicht, wie so manche Versuche, die man\ndamit auf der Bühne gemacht hat, auch denen gezeigt haben, die\nnicht schon aus inneren Gründen davon überzeugt waren. Die erste\nHälfte desselben, die Chöre der Kbeingeister, ist vortrefflich, aber\nMendelssohn hat schon dabei eine Ausführung gewählt, die ihm zwar\nzum Vortheil gereicht, indess das Maass eines Bühnen-Chors über-\nschreitet. Die Solo-Partie aber, namentlich das Allegro derselben,\nder Schwur und die Brautweihe Lenorens, stehen an leidenschaft-\nlichem und melodiösem Ausdrucke gegen die Chöre zurück und ma-\nchen offenbar in Bruch's Lorelei eine grössere dramatische Wirkung.\nWir sind immer der Meinung gewesen, dass Mendelssohn, der das\nBuch Geibel's drei Jahre lang liegen liess und nur das eine Stück\ndaraus componirte, welches an und für sich eine verständliche Scene,\neine Art von romantischer Cantate bildet, recht gut wusste, in wel-\ncher Gattung er gross war, und sich lieber wieder mit dem Orato-\nrium „Christus\" beschäftigte, als mit einer Oper. Auch die zu Berlin\nin voriger Woche Statt gefundene Aufführung der neu in Scene\ngesetzten Operette: „Die Heimkehr aus der Fremde\", einer Jugend-\narbeit des Meisters, hat keinen nachhaltigen Eindruck gemacht.\nFräulein Henriette Röhn, Hof-Opernsängerin aus Mannheim, sang\ndie Lorelei mit der wohllautenden, prächtigen Sopranstimme, die ihr\neigen ist, und ärntete auch vorher schon durch den Vortrag der\nCantiline und die höchst correcte und fein nuancirte Coloratur in\nder Arie der Kunigunde aus Spohr's „Faust\": „Die stille Nacht ent-\nweicht\", lebhaftesten Beifall und Hervorruf.\nZwischen den genannten Nummern spielte Herr Isidor Seiss\ndas Concertstück für Piano in F-moll von C. M. v. Weber mit\n\\erständniss und Ausdruck, und namentlich den letzten Satz in dem\nschnellsten Tempo, das derselbe vertragen kann, mit grosser Bravour,\nwas um so mehr Eindruck machte, je mehr äussere Ruhe Herr Seiss\nsich angeeignet hat, was wir mit Vergnügen bemerkten.\nHerr Alexander Schmit bewährte sich durch den Vortrag\neines Concertstückes von F. Hill er für Violoncell und Orchester\nvon Neuem als den ausgezeichneten Virtuosen, den wir schon längst\nin ihm schätzen. Leber die Composition haben wir uns schon früher\n(Nr. 17) ausgesprochen. Die meisterhafte Ausführung, welcher leb-\nhafter Beifall und Hervorruf folgte, liess nichts als einen kräftigeren\nlon zu wünschen übrig, da der Klang des Instrumentes des Herrn\nSchmie den weiten Raum des Saales besonders bei den Passagen\nnicht ausfüllt.\nDen zweiten Theil des Concertes füllte, wie schon oben erwähnt,\nMendelssohn's geniale Musik zum „S orn me rn ach ts t rau m\",'\nderen Ausführung trefflich gelang, was bei den Feinheiten und Schat-\ntirungen, die ihr Vortrag verlangt, keineswegs leicht ist. Der Ein-\ndruck derselben ist jedoch im Concertsaale schwächer, als bei der\nVorstellung, da ein verbindendes Gedicht den phantastischen Zauber\ndes Bülmenspiels unmöglich ersetzen kann. Herrn G. v. Vincke's\nGedicht hat im Verhältnisse der Schwierigkeit, der Aufgabe gerade\nbei diesem Lustspiele zu genügen, manches Gelungene; es leidet\nnur an dem gewöhnlichen Fehler ähnlicher Arbeiten: es will zu viel\n• sagen und wird dadurch zu lang. Namentlich scheint der „Prolog\"\nnicht an der Stelle, indem die Ouvertüre selbst der schönste Prolog\nzu dem Stücke ist.\n*\nDie Soireen für Kammermusik haben ebenfalls wieder be-\ngonnen, und zwar in dem eleganten und akustisch befriedigenden\nSaale des Hotel Disch, welcher für die Vereinigung eines mehr oder\nweniger intimen Cirkels, wie ihn die Kammermusik zu versammeln\npflegt, am besten geeignet ist. Die erste Sitzung am Dinstag den\n15. d. Mts. erhielt ausser dem kunstgerechten Vortrage der Violin-\nQuartette von Schumann, Op. 41 Nr. 2, F-dur, und von Beet-\nhoven, Op. 95, jF-moll, durch die Herren von Königslöw\nDerckum, Japha und Schmit noch einen ganz besonderen Reiz*\ndurch die Mitwirkung der Frau Clara Schumann, welche bei\nihrer Durchreise die grosse Freundlichkeit gegen die kölner Künstler\nhatte, in ihren Kreis zu treten und mit den Herren von Königslöw\nund Schmit Beethoven's grosses Trio in Es (Op. 70 Nr. 2) zu\nspielen. Die grosse Künstlerin vereinigte eine so treffliche Auffassung\nmit einer so meisterhaften Ausführung, einen in cl assisch er Ruhe\nso ausdrucksvollen und anmuthigen Stil, wie ihn die drei ersten\nSätze meistens verlangen, mit so klarem, aus lebendigem Quell bald\nüppig sprudelnden), bald lieblich perlendem Flusse der köstlichen\nPassagen des Finale's, dass wir vermeinten, noch nie einen so vollen-\ndeten Vortrag gehört zu haben. Das sehr zahlreich erschienene Pu-\nblicum war entzückt und drückte durch den lebhaftesten Applaus\nnach jedem Satze der Künstlerin seinen Dank aus, die im Vereine\nmit ihren beiden trefflichen Partnern den Geist Beethoven's in der\neigentümlichen Weise, wie er sich in diesem Werke abspiegelt, so\nwahr hervorgezaubert hatte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-11-19-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-11-19_01#c005", "volume": "bmtnabi_1864-11-19_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "375", "page_fin": "376", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641119-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "375", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641119-01.1.7", "debut_caractere": 6931, "fin_caractere_exclue": 7391, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nflllisseltlori** Das Programm des zweiten Abonnements-\nConcertes den 17. d. Mts. unter Leitung des Musik-Directors\nHerrn Julius rausch brachte eine Concert-Ouverture in C-moll\nvon J. Tausch, F. Lachnor1 s Suite in E-moll (Nr. 2), Hiller's\n„O weint um sie\" (Sopran-Solo Fräulein Elise Rempel aus Köln ,\neinen Chor aus Händel's „Salomonu, Sopran-Arie (Fräulein R em-\npel) aus Hill er'B „Saul\", Concert für Violoncell Nr. 2 von Ch."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "376", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641119-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2202, "texte": "Schubert und Souvenir de Stockholm von de Swert, vorgetragen\nvon Herrn Jules de Swert aus Brüssel.\n** Hannen, 13. November. Gestern hatten wir einen vor-\nzugsweise classischen Genuss, indem die hiesige Liedertafel unter\nHerrn Anton Krause's Direction Mendel ssohn's Musik zu\nSophokles1 Antigone zum ersten Male hier aufführte und ihr im\nersten Theile des Concertes Beethoven's Pastoral-Sinfonie\nvorausgehen liess. Die Ausführung machte den Mitwirkenden, unter\ndenen das Solo-Quartett der Gebrüder Steinhaus in immer noch\nfrischer Kraft auszuzeichnen ist, so wie dem Herrn Dirigenten alle\nEhre. Die schwierigen Chöre- zur Antigone waren vortrefflich ein-\nstudirt und riefen den lebhaften Beifall des Publicums hervor, das\nindess sich zahlreicher hatte einfinden können. Herrn Siebel, der\nein schönes Gedicht zur Verbindung der einzelnen Musiksätze gemacht\nhatte und es selbst vortrug, gebührt besonders auch der Dank aller\nMusikfreunde.\nCotllenz, 13. November. Das erste Winter-Concert des hie-\nsigen Musik-Instituts am 11. d. Mts. war das sechszigste, welches\nIhre Majestät die Königin durch Allerhöchstihre Gegenwart verherr-\nlichte. In Veranlassung dessen erhielt Herr Musik-Director Lenz\nnebst einem Allergnädigsten Handschreiben eine kostbare Brillant-\nnadel ; auch geruhte Ihre Majestät an den Kammersänger Herrn\nKoch aus Köln, dessen Schülerin, Fräulein Bähr, in dem Concerte\ngesungen, huldreiche Worte der Anerkennung zu richten.\nIjeipzig* Herr Karl dessen geschmackvolle und\ndurchgebildete Behandlung des Pianoforte schon früher in einem\nAbonnements-Concerte des Gewandhauses die Aufmerksamkeit der\nKenner erregt hatte, gab neulich eine Soiree für Ciaviermusik und\nerwies sich darin als Künstler im echten Sinne des Wortes. Die\nTechnik mit seltener Vollendung beherrschend, ist sie ihm doch nicht\nZweck, sondern nur Mittel, um Geist und Seele der Composition,\nsei es eine Beethoven'sche Sonate, eine Bach'sche Fuge oder ein\nSalonstück von Chopin, Heller, Mendelssohn, mit Verständniss und\nEmpfindung zum Ausdruck zu bringen. Das Auditorium fand sich\nvon der Art seines Vortrages dermaassen angesprochen, dass es\nnach jeder einzelnen Nummer des Programms in laute Beifallsbezei-\ngungen ausbrach."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "369", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641119-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nJohann Friedrich Reichardt (Schluss). Aus Regensburg (Musik-Zustände Oper und Opern-Personal\nIseue Musikwerke). Zweites Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Erste Soiree für Kammermusik. Tages- und Unter-\nhaltung b latt (Düsseldorf, zweites Abonnements-Concert - Barmen, Liedertafel - Coblenz, erstes Winter-Concerfc des Musik-Instituts\nLeipzig, Soiree von Karl Halld).\n\nJohann Friedrich Reichardt\n*).\n(Schluss. —■ S. Nr. 45 und 46.)\nUnter den Tonkünstlern Berlins war Kirnberger die\nmerkwürdigste Erscheinung. Sein grosser Eifer, sich jun-\nger Talente anzunehmen, den er damals eben an Schulz\nund Yierling so rühmlich bewies, liess ihn auch gleich\nAnfangs sehr freundlich gegen mich sein. Er spielte mir\ngern die Meisterwerke J. Seb. Bach's auf seinem überaus\nrein gestimmten Ciavier und trug sie mit einer seltenen\nDeutlichkeit und Präcision vor, unerachtet er an der rech-\nten Hand einen steifen Finger hatte. Er nahm meine Bitte,\nvon ihm den ersten Unterricht in der Composition zu er-\nhalten, freundlich auf und sprach mir im Vertrauen von\nder Notwendigkeit, beim Unterricht fleissig zu schreiben\nund jede Aufgabe vielfach mit der Feder zu üben. Seine\nLehre vom Grund-Accorde, aus dem die übrigen alle ab-\ngeleitet werden, und vom Grund-Bass war jedoch so ver-\nworren, dass die grösste Aufmerksamkeit dazu gehörte,\nEines vom Anderen zu scheiden, und der lernende Zuhö-\nrer nur immer darauf bedacht sein musste, sich das Ge-\nhörte deutlich zu machen und besser zu ordnen, als es\nvorgetragen wurde. Da Kirnberger in seinem neuen Schü-\nler diese Fähigkeit und das eifrige Bestreben, sie anzu-\nwenden, bemerkte, fasste er ungerechten Verdacht, der\nbald darauf durch eine Clavier-Sonate bestärkt wurde, die\njener in Danzig gemacht, und die er nun Kirnberger als\neine Probe seiner bisherigen naturalistischen Compositio-\nnen hören lassen musste. Diese Sonate war überhaupt\ndas erste Stück, welches Reichardt vor Kirnberger spielte.\nAls er sie geendigt hatte, sagte dieser in dem hämischen\nTone, den er immer hatte, wenn er übler Laune war:\n„Als ein junger, lustiger Kerl, der damals mehr Lust hatte,\nals ich jetzt habe, sich mit Narren herum zu necken, hörte\nich aul einem Dorle einen alten Organisten ganz curiose,\nverworrene Sachen spielen. Mich gelüstete danach, zu\nwissen, wie der Mann darauf käme und wie er das an-\nfinge, so etwas hervor- und herauszubringen. Ich ging\ndaraul ganz demüthig zu ihm, stellte mich unwissend und\nunerfahren, und bat ihn um seinen vortrefflichen Unter-\nricht. Der alte Geck war dumm genug, in die Falle zu\ngehen, und ich hatte den Spass, eine Zeit lang den tollsten\nUnterricht zu erhalten, den wohl je ein Mensch erhalten\nhat, und lür die Zukunft den Gewinn, aus jener ganz ver-\nkehrten Lehrart, der doch oft viel Wahres zu Grunde lag,\nmanche gute Lehre zu ziehen. Unter Anderem auch diese,\ndass, wenn mich jetzt ein lustiger, feiner Kauz eben so\nanführen will, ich's eher merke, als es sonst vielleicht ge-\nschehen wäre.u Damit wandte er sich von seinem bestürz-\nten, lernbegierigen Schüler ab und liess ihn stehen. Da\nsich nun Reichardt auch schon halte zu Schulden kommen\nlassen, von lliller's Operetten, die in Kirnberger's Augen\nleeres Machwerk waren, in dessen Gegenwart Gutes\nzu sagen, so hatte dies schon zu viel böses Blut bei ihm\ngemacht, als dass der Unschuldige mit all seinem geraden\nWesen etwas bei ihm hätte ausrichten können, um den\nVerdacht, als hätte er ihn anführen wollen, zu heben und\nihn wieder für sich zu gewinnen.\nKirnberger war ein sehr leidenschaftlicher Mann, wel-\nches sich auch in seinem höchst bedeutenden Gesichte, in\nwelchem Leiden und Kämpfe tiefe Spuren zurückgelassen\n\n*) Aus Reich ardt's zweitem Abschnitte des noch nicht ge-\ndruckten Manuscriptes seiner Selbstbiographie, welches bei\nSchlott6rer S. 90 beginnt. Leider dient obiger Auszug zugleich\nauch als Beweis für unser in dem früheren Artikel ausgesprochenes\nBedauern, dass Herr Schletterer seine Erzählung und Reichardt's\neigene Darstellung ohne alle Unterscheidungszeichen (ja, oft selbst\nmit einem Durcheinander der ersten und dritten Person) in einem\nZuge fortlaufen lässt. Man sehe z. B. S. 97: „Die Witze und das\nlebhafte Gespräch der Freundinnen des Hauses, die er da trat, ver-\nmehrten nur seine Befangenheit. Erst lange nachher habe ich er-\nfahren, dass mir mein jungfräuliches Gesicht einen Streich gespielt,\ndass mich Herr F. für ein Mädchen gehalten.\" Man weiss kaum,\nwie man solche Nachlässigkeiten bezeichnen soll!"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "370", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641119-01.1.2", "texte": "hatten, stark ausdrückte. Sein grosser, krallig gebauter\nKörper war dadurch so angegriffen, dass er selten zu einer\nruhigen, sicheren Haltung kam. In seinem Urtheile konnte\nO 1 c\ner nur vergöttern oder verteufeln. Seine Götter hörten mit\nD\nJohann Sebastian Bach auf; ausser den Arbeiten der bei-\nden Söhne desselben, Friedemann und Karl Ph. Emanuel,\nund allenfalls noch denen von Fasch, war alles Uebrige in\nder musicalischen Welt Schund und elendes Zeug.\nDie neueste und auffallendste Kunsterscheinung war\nfür Reichardt damals das französische Theater in Berlin.\nWenn es auch im Grunde nur mittelmässig sein mochte,\nhalte es doch mehr bestimmten Kunst-Charakter, als das\ndeutsche, dem es zwar nicht an einzelnen braven Schau-\nspielern fehlte, bei denen aber keine Idee von Ensemble\nund kunstmässiger Darstellung des Ganzen zu finden war.\nIn den französischen Vorstellungen sah er die erste Kunst-\nAufführung, welche einen unverkennbar bestimmten Zweck\nund Charakter halte. Das französische Thealer fesselte ihn\naber auch noch durch einen anderen Zauber. Er sah da\neinige reizende Damen, deren eine ihn durch ihre Schön-\nheit und Anmuth ganz entzückte. Er suchte ihren Namen\nzu erfahren, fing es aber zu ungeschickt an. Wie geschah\nihm, als er einige Wochen später einen Brief an seinen\nLandsmann Friedländer abzugeben halle, dieser ihn zu\nseinen wirklich sehr anmuthigen Schwägerinnen führte\nund er unter ihnen die Schönheit erblickte, die ihn im\nTheater so geblendet! Von dem Tage an verdankte er dem\nin vieler Beziehung wahrhaft grossartigen Itzig'schen\nHause viele frohe Stunden. Musik wurde da im reinsten,\nedelsten Sinne getrieben, Sebastian und Emanuel Bach mit\neinem Verständnisse vorgetragen, wie sonst nirgends.\nZu einer interessanten Aufführung von Hasse's\nramo e Tisbeuauf dem kleinen potsdamer Schlosstheater\nkam ich leider zu spät. Die Schmähling, nachmalige\nMara, und Concialini sollen darin ganz meisterhaft ge-\nsungen haben. Ich musste mich begnügen, neben den Lo-\nbeserhebungen über das ausgezeichnete Talent der Schmäh-\nling die Geschichte ihres königlichen Engagements zu hö-\nren. Einen Freund begleitend, kam sie mit ihrem Vater,\neinem kassel'schen Musiker, der schon früh mit ihr Beisen\nbis nach England gemacht und die letzten Jahre in Leipzig\nverlebt hatte, nach Potsdam. Sehr natürlich wünschte sie,\nvor dem Könige, dem grossen Beschützer der Tonkunst,\nsingen zu können. Die beiden Künstler Benda und Quanz\nthaten alles Mögliche, ihren König auf das grosse Talent\nder jungen Sängerin aufmerksam zu machen; sein Vor-\nurtheil gegen deutsche Stimmen und deutschen Gesang\nmachte es ihnen aber schwer, mit ihren Vorstellungen\ndurchzudringen. Endlich willigte der König doch darein,\nsie zu hören. Sie ward zum täglichen Concerte desselben\neingeladen. Als sie die ersle Arie zu singen anfing, setzte\nsich der König in einiger Entfernung von dem Instrumente\nnieder und spielte ziemlich laut mit seinen Windspielen,\nvon welchen er stets umgeben war. Bald aber ward er\naufmerksamer, trat näher zu ihr hin, lobte ihre Stimme\nund fragte sie, ob sie die Graun'sche Bravour-Arie\nspavenii\" kenne. Die Arie ward herbeigeholt und zur\ngrössten Zufriedenheit des Königs vorgetragen. Bald darauf\ngab der König seinem Lehrer und Liebling Quanz den\nAuftrag, mit der Sängerin des Engagements wegen zu\nunterhandeln. In der ersten Unterredung darüber glaubte\nsie oder vielmehr ihr Vater im Verhältnisse zu ihrem bis-\nherigen Gehalte von 500 Thalern vom leipziger Concerte\nrecht viel zu fordern, wenn er das Dreifache verlangte.\nEr hatte aber die Summe von 1500 Thalern kaum aus-\ngesprochen, so fiel ihm der für die grosse Gesangskünst-\nlerin väterlich besorgte Quanz in die Rede und sagte:\n„Sie meinen doch 1500 Thlr. für die Oper und eben so\nviel für's Concertdes Königs, in welchem Ihre Tochter ge-\nwiss auch oft singen wird?\" und so wurde sie mit 3000\nThlrn. jährlichen Gehalts sogleich angestellt.\nAn dem Hause des trefflichen alten Concertmeisters\nBenda in Potsdam machte der Reisende eine höchst er-\nfreuliche Bekanntschaft. Die ganze Familie nahm ihn sehr\nliebevoll auf und liess ihn so Manches hören, was seine\nLiebe und Achtung für die grosse Benda'sche Schule noch\nverstärkte. Franz Benda spielte damals nur selten noch\nVioline; er wirkte regelmässig nur in den Kammer-Con-\ncerlen des Königs und zuweilen noch in der grossen ita-\nliänischen Op er mit. Beichardt hatte indessen das Glück,\nihn einige Male auf der Violine phantasiren und einige\nseiner Capriccios spielen zu hören. Nie wird der Eindruck,\nden der volle Ton, die vollkommen reine Intonation, die\nüberaus deutliche Pronunciation jedes Ausdrucks, jedes\nVorschlags und der seelenvolle, rührende Vortrag äuf ihn\nmachte, aus seiner Seele verschwinden.\nDer jüngste Sohn, Karl Benda, halte viel von dem\nTone und Vortrage seines Vaters, wie er ihm auch an\nGesichtsbildung und im Charakter am ähnlichsten war.\nDie jüngste Tochter, Juliane, sang mit schöner, reiner\nStimme und echt altitaliänischer, ausdrucksvoller Manier.\nDie Eindrücke, die ich aus diesem Hause schon damals\nmitnahm, haben hernach auf mein ganzes Leben entschei-\ndenden Einfluss geübt.\nDie an Kirnberger's Launen gescheiterte Hoffnung\nund die alte Neigung, die Universität Leipzig besuchen zu\nkönnen, wo viele ehemalige curländische Freunde studir-\nten, bestimmten den unruhigen Reisenden, bald nach\nLeipzig zu gehen."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "371", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641119-01.1.3", "texte": "Von dem alten, braven Hiller wurde ich mit aus-\nnehmender Liebe und Güte empfangen, und nach wenig\nTagen schon war ich ein geliebtes Mitglied dieser herzens-\nguten Familie. Doch war dieses nicht das einzige und\nstärkste Band, das mich an Leipzig fesselte. Ich sah die\nschöne, herrliche Künstlerin Corona Schröder und ward\nzum ersten Male im Leben von heisser, inniger, tief be-\ngeisterter Liebe erfüllt und ganz durchdrungen. Sie ward\nmir die Sonne, die Tag und Nacht, Freude und Leid mir\nbestimmte, Alles erhellte oder verdunkelte. Das Jahr, wel-\nches ich in Leipzig zubrachte, habe ich eigentlich nur für\nsie gelebt, so mannigfach ich mich auch nach vielen Seiten\nhin daneben zu beschäftigen suchte. Jeder Morgen und\njeder Nachmittag ward fast ganz mit ihr, in ihrer Garten-\nwohnung vor der Stadt, an ihrem Flügel bei Hasse'schen\nPartituren verlebt. Und wie verlebt! Sie sang, wenngleich\nmit bedeckter Stimme denn diese war durch unvernünf-\ntige Anstrengung beim Unterrichte, um den höchst mög-\nlichen Umfang zu erzwingen, früh geschwächt worden —,\nmit ganzer Seele und grossem Ausdruck. Besonders decla-\nmirte sie das Recitativ meisterhaft. Ihre schöne Gestalt,\nihre edle, hohe Haltung, ihr bewegliches, ausdrucksvolles\nGesicht gab diesem recitativischen Vortrage eine Kraft,\neinen Zauber, den ich nie gekannt, vorher nie empfunden\nhatte. Für sie componirte ich die ersten italiänischen Arien\nnach Poesieen von Metastasio, fühlte aber sehr wohl, wie\nsie für eine solche Sängerin noch nicht gut genug waren,\nund kam gern immer wieder mit ihr zu den Hasse'schen\nMeisterscenen zurück, die sie so unübertrefflich vortrug.\nBesonders eine grosse Scene aus Hasse's „ Artemisia\", die\nmit der Arie schliesst: „Rendeiemi il mio ben, numi ti-\nranniu, konnte man gar nicht oft genug von ihr hören,\nund es verging selten ein Tag, wo ich sie nicht von ihr\nmir erbat; aber auch nie habe ich ihr ohne die tiefste\nHerzensbewegung gelauscht. Dieser hohe Genuss hat mich\nvielleicht allein zu dem Künstler gemacht, der ich gewor-\nden bin.\nCorona's Freude an Reichardt's Violinspiel trieb ihn\nan, von Neuem allen Fleiss darauf zu wenden. Auch Hil-\nlern gefiel sein kräftiger, ausdrucksvoller Vortrag, und er\nveranstaltete daher öfter, als es sonst üblich gewesen,\nConcerte in seinem Hause, um ihn zu hören und Andere\nihn hören zu lassen. Doch hatte der empfindliche Geiger\ndie Grille gefasst, in dem öffentlichen Concerte, welches\nHiller dirigirte und in welchem Corona sang, nicht spielen\nzu wollen, wohl weil es ihn verdross, dass sie gegen ihre\nNeigung vor einem Publicum zum Singen genöthigl war,\ndas ihnen beiden nicht anfeuernd und belohnend genug\nerschien; sie lebte allein von den 400 Thalern, die das\nConcert ihr jährlich gab.\nGleich am Anfange meines Aufenthaltes hatte ich Hil-\nler's Rath, ein eigenes Concert im Schauspielhause zu ge-\nben, befolgt, um mir so auf die kürzeste Weise etwas Geld\nzu verschaffen, denn ich war in Leipzig wieder ganz da-\nvon entblösst angelangt. Das Concert fiel nicht sehr ergie-\nbig aus, gab aber Veranlassung, dass Curländer und Liv-\nländer, die in Leipzig studirten und mich schon in Königs-\nberg gekannt hatten, ein Concert im Richter'schen Gar-\ntensaale veranstalteten, welches meine Existenz für eine\nZeitlang sicherte und den Credit begründen half, an wel-\nchem ich lange Jahre nachher noch zu zahlen haben sollte.\nVon dem Augenblicke an habe ich mich weiter in keinem\nöffentlichen Qoncerte mehr hören lassen. Desto lieber und\neifriger spielte ich aber in den Liebhaber-Concerlen, die\nwährend des Herbstes in demselben Garten gehalten wur-\nden, den die schöne Corona bewohnte.\nDie öffentlichen Concerte waren übrigens damals ziem-\nlich gut organisirt und man hörte die besten Sachen jener\nZeit genügend darin aufführen. Haydn'sche und die ihnen\nnachgeahmten Vanhall'schen Symphonieen wurden ziem-\nlich glücklich vorgetragen. Ich selbst schrieb auch einige\nSymphonieen für dieses Concert und dachte mit einer aus\nF-moll meinen alten Gönner und Freund hintergehen zu\nkönnen, indem ich sie für eine Vanhall'sche, die Hiller\nbesonders liebte, ausgab. Aber an dem Minore des Me-\nnuets erkannte dieser den Betrug, und so verrieth sich\nder Spass zu bald.\nMan fand diese Symphonieen damals feurig und gut\ndurchgeführt. Der väterlich gesinnte Hiller setzte wohl zu\nviel Werth auf solche Jugendarbeiten und hätte ohne des\nComponisten bestimmtes Erkennen der eigenen Mängel\nleicht eine gefährliche Selbstzufriedenheit und frühzeitige\nSicherheit bewirken können. Die weisere Corona war ge-\nrechter und strenger in ihrem Urtheile; sie sang ihm seine\nArien gern in ihrem Zimmer, aber keine davon in einem\nöffentlichen Concerte. So bekam er seine ersten Sing-Com-\npositionen nie mit Instrumental-Begleitung, die wahrschein-\nlich noch mangelhaft genug war, zu hören. Sie später von\nanderen Sängerinnen vortragen zu lassen, erschien ihm\nwie eine Entheiligung derselben.\nGrosse Abwechslung fand in den damaligen leipziger\nConcerten nicht Statt. Hiller, der sie anordnete und diri-\ngirte, hatte sich an Hasse's und Graun's Werken vorzüg-\nlich gebildet und hing mit Liebe, ja, mit grosser Partei-\nlichkeit daran. Telemann, Händel und die grossen, alten\nItaliäner waren ihm und in Leipzig überhaupt ziemlich\nunbekannt. Selbst die herrlichen Werke Seb. Bach's wur-\nden dort sehr wenig aufgeführt. Unter den grösseren\nSingesachen, welche ich dort zu hören bekam, fand ich\nHasse's Oratorium „Elenaal von ganz beson-\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "372", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641119-01.1.4", "texte": "derer Wirkung. Das Grosse, etwas Breite, überall edel\nGehaltene in den Melodieen der Arien und in den La-\ngen der Harmonieen, das, wie ich später erfahren, der\nComposition desselben Oratoriums von Leonardo Leo\nso glucklich nachgebildet war, sagte meinem Gefühle ganz\nbesonders zu.\nNeefe, der damals bei Hiller die Composition übte\nund sich eben mit einer deutschen Operette beschäftigte,\ngab die Veranlassung, dass jener seinen jungen Freund,\nden er gern in allen Fächern der Tonkunst eingeübt sehen\nwollte, auch zu einer ähnlichen Arbeit aufmunterte. Er\nwählte ihm selbst eine kleine Operette von Michaelis:\n„Amor's Guckkasten\", dazu aus; diese Composition ward\nindessen mit nur geringem Eifer gefördert, wie sehr er\nsich sonst auch für Hiller's Singspiele interessirte. Er\ncomponirte eben lieber für seine edle Freundin italiänische\nVerse, da er wusste, dass diese Derartiges lieber sang.\nGesellschaften besuchte ich sehr wenig; die einzigen,\nin denen Künstler noch eine ziemlich willige Aufnahme\nfänden, waren die von der französischen Colonie. Der Ton\nderselben war aber zu steif, als dass ein junger Deutscher\ndaran hätte Vergnügen finden können. Noch seltener be-\nsuchte ich die öffentlichen Vergnügungsorte, die damals\nauch meist noch schlecht eingerichtet waren und unter\ndenen mir die so genannten Kuchengärten besonders ver-\nhasst waren. Dorthin pflegten die leipziger Bürger jedes\nStandes und die studirende Jugend gleich nach Tische zu\ngehen, um sich in todten, hölzernen Gitterlauben an ganz\ngemeinen, heissen Kuchen Magen und Zähne zu verderben.\nSelten sah man in Leipzig gute, gesunde Zähne, bei der\nJugend so wenig, wie beim Alter. Ein einsames Dorf, wenn\ndas Gedächtniss nicht trügt, Schönefeld genannt, war desto\nöfter das angenehme Ziel der Spazirgänge, die ich unter\nsinnigen Gesprächen mit der schönen Corona und ihrer\ntreuen Hausfreundin, der Tochter ihres Hauswirthes, des\nKunstgärtners Probst, die ihr auch bis zu ihrem Tode eine\ntreue Lebensgefährtin blieb, machte. Dort wurden in einem\neinsamen, am fruchtbaren Felde gelegenen Gartenhause\nsehr feine Biscuits gegessen, welche die zarte Corona eben\nso vorzüglich fand, als ihr an Süssigkeiten gewohnter preus-\nsischer Anbeter. Nicht selten gaben sie Veranlassung zu\nnaiven Kinderscenen, die die geborene Künstlerin mit un-\nnachahmlicher Grazie und Wahrheit durchzuführen wusste.\nDie letzte Zeit in Leipzig ward noch besonders mit\nBeendigung zweier Operetten zugebracht, deren eine schon\nin Königsberg grossenlheils entworfen war: „Hänschen\nund Gretchen\" und „Amor's Guckkasten\". Beide sind zu-\nsammen im Clavier-Auszuge erschienen. Derselbe brave\nHartknoch, der als Student mir den ersten besseren\nClavier-Unterricht gegeben hatte und jetzt die leipziger\nMesse als Buchhändler aus Riga besuchte, wollte nun mein\nVerleger sein und diese Operetten, so wie eine Sammlung\nvermischter Violin-, Ciavier- und Singsachen drucken las-\nsen. Die unglückliche Eifersucht eines Mannes, der auf die\nHand der schönen Corona Anspruch zu haben glaubte,\nstörte endlich unser, reines, ideales Verhältniss, und der\nunglückliche, schwärmerisch liebende, junge Tonkünstler\nsah sich in die traurige Notwendigkeit versetzt, den letz-\nten Theil seiner leipziger Studienzeit fast ganz entfernt von\nihr leben zu müssen. Dies gab ihm denn auch Zeit, jene\nArbeiten zu vollenden, die sich vorzüglich auf Autor-Spe-\nculation gründeten. Sie allein hätten ihn indess doch nicht\naus der Verlegenheit gezogen, in welche ihn ein sorglos\nverlebtes Jahr gebracht, wenn nicht sein vortrefflicher\nFreund J. G. J. Breitkopf dazu getreten wäre und mit\nseinem geachteten Namen den schwachen Credit des Frem-\nden gestützt hätte. Ehe ich noch in den Stand kam, diese\nalle Schuld ihm wieder abzutragen, hatte er Alles über-\nnommen und so treulich erfüllt, wie seine eigenen Ver-\npflichtungen, der gute, edle Mann! Zu meinem glücklichen\nKunstleben in Leipzig trug die innige Freundschaft mit\ndem jungen B. Th. Breitkopf von allem Anfange an viel\nbei. Er war der älteste Sohn des berühmten Buchdruckers\nund Musicalienhändlers, ein passionirter und geschickter\nDilettant, wie es nur je einen geben kann. Er sang, spielte\nLaute, Ciavier, Violine, Violoncell und componirte mit\nEinsicht und Geschmack*).\nOft belebten durchreisende Virtuosen die leipziger\nConcerte. Unter diesen war der grosse Oboist Besozzi\naus Dresden eine besonders erfreuliche, wohlthätige Er-\nscheinung. Der volle, reine Ton, die unglaubliche Dauer\nim Aushalten desselben und die ungeheure Fertigkeit und\nPräcisiön in den grössten Schwierigkeiten setzten in Er-\nstaunen, ja, in Entzücken. Besozzi versicherte oft mit Ge-\nnugtuung, in Deutschland nie einen so empfänglichen,\nenthusiastischen, echt italiänischen Zuhörer gehabt zu ha-\nben, als unseren Künstler. In vier bis sechs Wochen, welche\ndieser grosse Meister in Leipzig zubrachte, blies er kein\nSolo, kein Concert, dem ich nicht eifrig nachging.\nIm Frühjahre 1772 reiste Reichardt nach Dresden.\nEr ward von den Schönheiten Dresdens und seiner Um-\ngebung so hingerissen, dass er in den ersten Wochen fast\nan nichts Anderes dachte, als sie froh und ganz zu ge-\nmessen. Der junge Künstler wurde bald dem Herzoge von\nCurland bekannt und von ihm mit ausserordentlicher\nFreundlichkeit aufgenommen. Dieser königlich gestaltete\n\n*) Dieser durchaus rechtliche, liebenswürdige Mann hat seit\n3780 in Petersburg zuerst als Collegienrath, dann als Staatsrath und\nDirector der grossen Senatsdruckerei sein wohlverdientes Glück ge-\nfunden. (Anin. Reich ar dt1 s.)"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "373", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641119-01.1.5", "texte": "Herr, der in allen Leibesübungen Meister war, war auch\nein enthusiastischer Freund der Musik und spielte selbst\ndie Höte sehr gut. Er schien von seinem Violinspiel ganz\neingenommen zu sein und sprach oft laut davon, dass er\nihm besser gelalle, als Lolli, der kurz vorher in Dresden\ngewesen war. Die schöne Jahreszeit machte aber den Con-\ncerten des Herzogs bald ein Ende; er ging aufs Land, wo\nder kurfürstliche Hof schon seit Wochen war. Hei diesem\nbot sich für reisende Virtuosen nur selten eine Gelegen-\nheit, vorzukommen.\nConcertmusik hörte der Hof gewöhnlich nur bei gros-\nsen Festlichkeiten während der Tafel, was für den leicht\nverletzbaren Künstler ein solcher Gräuel war, dass er sie\nnicht mit anhören mochte, wenn ihm die Gelegenheit dazu\nauch angeboten worden wäre, obgleich die grössten Vir-\ntuosen und selbst sein Liebling Besozzi ihre hohe Virtuo-\nsität da im Geräusch von Tellern und Gläsern Preis gaben.\nDesto eifriger wohnte er der Kirchenmusik in der\nSchlosscapelle bei, wo auch noch Meisterwerke von Hasse\nzu hören waren und wo eigentlich jede andere, oft\nschwache Composition durch die präcise Aufführung in\nder heiligen Stille eine erfreuliche Wirkung ihun konnte.\nZur Erhaltung dieser Stille gingen zwei kurfürstliche Die-\nner, lange Stäbe mit dicken, silbernen Knöpfen in den Hän-\nden, zu beiden Seilen des Schiffes der Kirche während der\nMesse auf und ab.\nIn der Stadt war das gesellige Leben sehr beschränkt\nund das Musiktreiben noch mehr. So war der Fremdling\nbald auf einen kleinen Kreis angewiesen, in welchem er\nsich aber so einwohnte und täglich ein so frohes, häus-\nliches Leben mitverleben durfte, als wäre für ihn nur das\nEine hier zu suchen' und zu leisten, wie jede schöne Stelle\ndes reizenden Landes und jeder Kunstreichthum der herr-\nlichen Stadt immer wieder und wieder genossen werden\nkönnte.\nDiese Sorglosigkeit brachte ihn aber in eine sehr üble\nLage, und da alle Versuche, sich aus ihr herauszuarbeiten,\nmissglückten, gerieth er durch seinen Leichtsinn im Winter\nin die grösste Noth, in welcher er sich je in seinem Leben\nbefunden hat.\nDer Verkauf der entbehrlichsten Kleidungsstücke und\nWäsche, ja, sogar der Bücher nnd Noten, half eine Weile\nzu den kleinen täglichen Ausgaben. Aber zu Anfang des\nWinters kam er so weit herunter, dass er alle die Häuser,\nin denen ein anständiges, ja, zierliches Aeussere notwen-\ndige Bedingung des Umgangs war, meiden musste, ja, dass\ner endlich nur noch ein einziges jüdisches Banquierhaus\nwenn das Gedächtniss nicht ganz trügt, Levj genannt\nbesuchen konnte, weil die sehr wohlwollenden, gastfreien\nLeute es nicht genau mit dem Anzüge nahmen. Doch fand\ner selbst seine Kleidung auch für diese so nachsichtige Fa-\nmilie bald zu schlecht und ward endlich ganz auf die Hin-\nlerstube der beiden ältesten Söhne des Hauses beschränkt,\nderen einer sich für sein musicalisches Talent, der andere\nfür seine literarischen Kenntnisse recht herzlich interessirle.\nHieher ging er aus seinem Gasthofe, an den er durch eine\nuntilgbare Bechnung gefesselt war, täglich früh Morgens,\nehe es in dem Hotel recht lebendig wurde, um in dem so\ngastfreundlichen jüdischen Hause sein grosses, kaltes Zim-\nmer mit dem angenehm erwärmten seiner beiden jungen\nFreunde zu vertauschen. Da brachte er den grössten Theil\ndes Tages am Schreibtische zu und copirte zu seiner Be-\nlehrung Partituren seines hochverehrten Lehrers Homi-\nlius und anderer gründlicher Componisten.\nMegelin, ein Violoncellist der Hofcapelle, rieth mir\nendlich, nach Böhmen zu gehen, und erbot sich, mir einen\nEmpfehlungsbrief an einen grossen Musikfreund, den Gra-\nfen Thun auf Tetschen, zu geben, der eine eigene Capelle\nhielt und gern fremde Virtuosen hörte.\nEin jüdischer Baron, den der bedrängte Virtuose frü-\nher oft in dem Hause gesehen, das ihn jetzt so freundlich\nbeherbergte, bei dem er auch mehrmals mit derselben\nbraven Judenfamilie sehr glänzend soupirt hatte, halte sich\nöfters verlauten lassen, er wolle den jungen, interessanten\nMann gern mil Beisegeld unterstützen, wenn er wünsche,\nsich aus seiner schlimmen Lage herauszureissen. Auf diese\nbeiden Versprechungen hin wurde nun ein heimlicher\nHeiseplan gebaut. Ich liess mir von Megelin den Empfeh-\nlungsbrief geben und ging dann früh Morgens mit demsel-\nben in der Tasche, die übrigens mit etwas weniger Wäsche\nund mil einigen Musicalien angefüllt war, zu dem gross-\nmüthigen Baron, um mit ihm, im Vertrauen auf sein gege-\nbenes Versprechen, die Heise zu berathen. Die Summe, die\njener an den jungen Künstler würde wenden wollen, sollte\ndie Art und Ausdehnung derselben bestimmen. Der Herr\nBaron schlief noch, und ich setzte mich, um sein Erwachen\nzu erwarten. Das Frühstück ward endlich in zierlichem\nSilbergeschirr hineingetragen, und ich liess mich melden.\n„Was ich begehre?\" frug der Kammerdiener von innen\nzurück.— „Mit dem Herrn Baron über die Reise zu spre-\nchen. zu der er mich aufgemuntert'', war meine Antwort.\nNun sass der arme Hoffende lange Zeit in dem kalten,\nhöchst eleganten Saale mit Marmorwänden, in welchem er\nvor Monaten so behaglich gespeist hatte, eine Einladung\nzum Frühstück vergeblich erwartend. Endlich erschien der\nKammerdiener wieder. „Es thäte dem Herrn Baron sehr\nleid, ihn nicht selbst sprechen zu können, indess schicke\ner hier das versprochene Reisegeld.\" Mit den Worten gab\ner ihm eine kleine Geldrolle in die Hand, die wohl zwölf\nLouisd'or enthalten konnte. Im Vorhause ward das Geschenk"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "374", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641119-01.1.6", "texte": "untersucht, und es bestand aus zwölf sächsischen Vierero-\nschenslikken, gerade zwei Thalern. Mein erster Gedanke\nwar natürlich, umzukehren und das Geschenk, welches\ndurch die vorhergegangenen öfteren mündlichen Aeusse-\nrungen doppelt und zehnfach armselig wurde, zurückzuge-\nben. Ich zog an der Klingel, es kam aber Niemand; das\ngab Zeit zur Ueberlegung. „Was ist es denn nun auch?\"\nsagte ich zu mir selbst: „Auf zwei gesunden Füssen kommst\ndu mit zwei 1 haiern eben so gut nach dem böhmischen\nGebirge, als mit zwanzig im bequemen Wagen.\" Die Sonne\nschien herrlich, die Luft war frisch, so einladend zur lusti-\ngen Fussreise. So ging ich denn geraden Weges ohne wei-\nteres Besinnen zum Thore hinaus und schlug den schönen\nWeg durch den kurfürstlichen Garten, dessen Schalten\nmich so oft gelabt hatte, ein. Das Frühstück ward beim\nUofgärtner, den ich im Sommer schon manches Mal be-\nsucht hatte, eingenommen, dann die reizende Strasse weiter\nverfolgt nach Pirna, dem hübschen Städtchen, wo ich auf\nder Tour nach dem Königsstein einst so rasch auf muthi-\ngem Pferde vorbeigeeilt war. Wie wurde das alles jetzt so\nviel besser genossen! Wie herrlich schmeckte das.Mittags-\nmahl, welches im reinlichen Gasthofe zu Pirna nicht viel\nmehr kostete, als der Kaffee im Grossen Garten! Alles so\ngut und so wohlfeil für den bescheidenen Wanderer!\nAuf diesem heiteren Morgenwege genoss ich, dem zu\nMuthe war, wie es einem dem Winterkäfige entflohenen\nVogel sein mag, einer Heiterkeit, Ruhe und Fröhlichkeit,\ndie fast jede bis dahin erlebte Frühlingslust übertraf. Ich\nsang und jubelte durch die grünen Saatfelder und Auen,\nso dass die Vorübergehenden mich lür ganz besonders\nglücklich und froh halten mussten.\n\nAus Regensburg.\nMitte November 1864.\nGönnen Sie mir wieder einmal einen kleinen Raum zur Bespre-\nchung der hiesigen Musik-Verhältnisse! Sie haben sich seit meinem\nletzten Berichte nicht gebessert, eher verschlechtert. Das Einzige,\nwas uns von den herrlichen Erinnerungen an eine frühere, viel schö-\nnere Zeit noch übrig geblieben war, die drei grossen Instrumental-\nund Vocal-Concerte, welche der Orchester-Verein jährlich hielt, auch\nsie sind auf Eines zu Grabe getragen worden Dank der Verfla-\nchung des Geschmacks und Dank der Einbürgerung der mit Tabaks-\nqualm, Bier und Käse, Kaffee und Thee, gemüthlicher Conversation\nund derartigen Dingen reich besetzten so genannten musicalischen\nTjnterhaltungen. Nun ist nichts dagegen zu sagen, wenn einem Ver-\neine solcher Hautgout beliebt; es ist solches Vorgehen eben nur ein\nGradmesser seiner musicalischen Bildung, und es bedarf für Auswär-\ntige zui Orientirung über seine Tendenzen weiter keines Fingerzei-\nges. Gerechten i adel verdient es aber, wenn selbst Musiker von Fach,\nConcertisten in solche Niederungen hinuntersteigen, wie das wieder-\nholt der Fall war. Man sage nicht, diese Art der Concerte füllt doch\nden Saal, während wir sonst vor fast leeren Bänken spielen und\nsingen. Die solches vorgeben, verwechseln Kunst mit Geldge-\nwinn und drücken dieselbe zu einer ordinären Speculation herab.\nEs ist desshalb mit ihnen auch nicht weiter zu rechten. Der Bier-\nhausfiedler und Wirthshaussänger wird von dem Idealen der Kunst\newig nichts begreifen; von Musikern, die den Künstlernamen an-\nsprechen, sollte man aber solches nicht sagen können. Ich gebe gern\nzu, dass auch der Künstler von dem jeweiligen Geiste der Zeit pro-\nfitiren soll: aber ich kann unmöglich einräumen, dass die Kunst,\nwelche, wenn auch in der Zeit, doch über aller Zeit steht, zur Magd\nund Buhlerin irgend einer Zeitrichtung herabgedrückt werde. Man\nnehme nur alles Ideale aus der Welt weg: wahrlich, der erbärm-\nlichen, nackten Greil barkeiten wegen allein ist's nicht werth, zu le-\nben. Der Materialismus, der Indüstrialismus, diese zwei Götzen des\nneunzehnten Jahrhunderts, verbannen das rein Geistige, Seelische\nmehr und mehr aus dem Leben und verthieren die Menschheit; wenn\nihr, nachdem ihr die Religion vom Throne gestürzt, [Oho!] auch noch die\nKunst aus der Welt verjagt, was soll das Leben noch schön, wün-\nschenswerth, ja, selbst erträglich machen? Das Erhabenste ist ein©\nschöne Seele: sie ist eine Unmöglichkeit ohne Religion; das Lie-\nbenswürdigste ist ein gebildeter Geist: die Materie aber treibt allen\nGeist aus; das Herrlichste sind die Eingebungen einer schönen Seele\nund eines gebildeten Geistes die Schöpfungen der Literatur und\nKunst: ihr macht es unmöglich, an ihnen sich zu erfreuen, weil ihr\nder Kunst den Göttermantel des Idealen abstreift und sie mit dem\nBettleigewande des haltlosen Sensualismus umkleidet. Man verzeihe\nmir diese Digression; ich hofie sogar, meine Worte werden hier und\nda Wiederhall finden ; denn ist es auch nicht überall so traurig be-\nstellt, wie hier, so greift doch der verderbliche Nihilismus in die\nmusicalischen Verhältnisse auch anderwärts tief genug ein.\nLinter solchen Umständen nun ist die Oper das einzige musi-\ncalische Labsal, und ob auch die schönsten Werke der Dramatik\nnur halbwegs Ersatz geben für die classischen Genüsse der polypho-\nnen Meisterwerke in Wort und Ton, so muss man doch doppelt\nDank sagen, dass die Direction so anerkennungswerthe Anstrengun-\ngen macht, Gutes und Schönes, und was mehr ist dieses alles\nmöglichst gelungen vorzuführen. Dieses Lob verdienen aber, wenige\nVorstellungen, namentlich im Beginne der Saison, abgerechnet, die\nAufführungen des Freischütz, des Troubadours, der Norma, des Nacht-\nlagers, Romeo und Julie, Waffenschmied, Faust, Schauspiel-Director\nvon Mozart, Jeufels Antheil, Teil u. s. w. Die erste Sängerin,\nFiäulein Michalesi, leistete namentlich als Norma, Carlo Broschi,\nRomeo Vortreffliches in Spiel und Gesang; weniger gut ist die Co-\nloratursängerin, Fräulein Feld haus, wiewohl ihre Darstellung der\nLeonore und der Gabriele Talent nicht verkennen liess. Als Soubrette\nist Fräulein K. Leon off thätig und wird stets gern gehört; als\nMarie im Waffenschmied übertraf sie sich selbst; ihr Spiel war so\nnaiv, so reizend, so ganz dem verschämten, unschuldvollen Charakter\nangepasst, dass das Publicum den reichsten Beifall zollte; ihr Ge-\nsang stand dem nicht im mindesten nach; ihre reine und helle\nStimme, getragen von der besten Schule und tief gefühltem Vortrage,\nentzückte und fesselte unbezwinglich die Herzen. Der erste Tenor,\nHerr Andriol, hatte Anfangs mit heftigem Widerspruche zu käm-\npfen, seinem 1 alente und Fleisse wird aber jetzt mehr und\nmehr die verdiente Anerkennung. Herr Fränkl, der zweite Tenor,\nmit einer höchst frischen Stimme begabt, hatte als Faust und Gomez\nbesonderen Erfolg. Der Baritonist, Herr Kreutner, ist Anfänger,\naber voll guten Willens; diese Tugend und die Bescheidenheit, die\nihm innewohnt, sind sichere Bürgen einstigen Erfolges. Der Bass,\nHerr Kögel, muss sich im Spiel bedeutend bessern; seine Stimme\nist vorzüglich. Der Bass-Buffo, Herr Scharf, ist ein routinirter\nKünstler.\nIch schliesse meinen Bericht mit der warmen Empfehlung\nzweier bei Pustet jüngst erschienener Werke: 1. Magister cho-\nrali*, Anweisung zum Gregorianischen Gesänge. Von Haber. Mit\nVorzug praktisch angelegt, mit Winken für den Vortrag für Sänger"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "375", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641119-01.1.7", "texte": "und Organisten reichlich versehen, durch kurze Vor- und Nachspiele\nin den alten Kirchen-Tonarten vermehrt. 2. Cant. sacr. für\n2 8 voces aequales. Von Witt. Im Geiste der Alten, aber mit Hin-\nzuziehung der neuen Errungenschaften componirt, contrapunktisch\nangelegt und durchgeführt, melodiös und harmonisch gleich vorzüg-\nlich, nicht zu schwer für die Ausführung eine der besten Arbei-\nten auf kiichlichem Gebiete in der Neuzeit, allen Kirchenchören\naufs wärmste zu empfehlen.\n\nZweites Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller,\nDinstag, den 8. November 1864.\nL. B.\nDas Concert wurde durch die feine Ausführung der hier neuen\nOuvertüre „Tausend und Eine Nacht\" von W. Taubert eröffnet.\nTaubert ist ein so talentvoller und in Benutzung aller Vortheile der\nmodernen Formen und Instrumentations-Mittel so gewandter Musiker,\ndass er nichts Uninteressantes schreiben kann; allein diese Ouver-\ntüre ist eben auch nichts mehr als interessant. Man kann sie als\neine geistreiche Intentions-Arbeit bezeichnen, aber auch wieder als\neinen Beleg zu unserer oft ausgesprochenen Meinung, dass die Ab-\nsichtlichkeit eines gar zu bestimmten Eindrucks der musicalischen\nWirkung eines Instrumentalwerkes schadet, sie müsste denn durch\ndas Genie des Componisten eine Composition erzeugen, die zugleich\nein rein musicalisches Kunstwerk ist, wie z. B. Mendelssohn's Ouver-\ntüre zum Sommernachtstraum. Die Erwartung dieser letzteren, welche\ndurch die Ankündigung schon der Phantasie der meisten Zuhörer\nvorschwebte, mag vielleicht auch beim Publicum den Eindruck der\nebenfalls auf die Märchenwelt anspielenden und anklingenden Tau-\nbert'schen Ouvertüre geschwächt haben.\nEs waren nämlich in Erinnerung an F. Mendelssohn's Todestag\nden 4. November (1847) vorzugsweise zwei von seinen Werken als\nHauptnummern des Programms gewählt worden: das Finale aus\nGeibel's Lorelei und die vollständige Musik zu Shakespeare's\nSommernachtstraum.\nMendelssohn's Lorelei-Finale ist ein schönes Concertstück, aber\ndramatisch wirksam ist es nicht, wie so manche Versuche, die man\ndamit auf der Bühne gemacht hat, auch denen gezeigt haben, die\nnicht schon aus inneren Gründen davon überzeugt waren. Die erste\nHälfte desselben, die Chöre der Kbeingeister, ist vortrefflich, aber\nMendelssohn hat schon dabei eine Ausführung gewählt, die ihm zwar\nzum Vortheil gereicht, indess das Maass eines Bühnen-Chors über-\nschreitet. Die Solo-Partie aber, namentlich das Allegro derselben,\nder Schwur und die Brautweihe Lenorens, stehen an leidenschaft-\nlichem und melodiösem Ausdrucke gegen die Chöre zurück und ma-\nchen offenbar in Bruch's Lorelei eine grössere dramatische Wirkung.\nWir sind immer der Meinung gewesen, dass Mendelssohn, der das\nBuch Geibel's drei Jahre lang liegen liess und nur das eine Stück\ndaraus componirte, welches an und für sich eine verständliche Scene,\neine Art von romantischer Cantate bildet, recht gut wusste, in wel-\ncher Gattung er gross war, und sich lieber wieder mit dem Orato-\nrium „Christus\" beschäftigte, als mit einer Oper. Auch die zu Berlin\nin voriger Woche Statt gefundene Aufführung der neu in Scene\ngesetzten Operette: „Die Heimkehr aus der Fremde\", einer Jugend-\narbeit des Meisters, hat keinen nachhaltigen Eindruck gemacht.\nFräulein Henriette Röhn, Hof-Opernsängerin aus Mannheim, sang\ndie Lorelei mit der wohllautenden, prächtigen Sopranstimme, die ihr\neigen ist, und ärntete auch vorher schon durch den Vortrag der\nCantiline und die höchst correcte und fein nuancirte Coloratur in\nder Arie der Kunigunde aus Spohr's „Faust\": „Die stille Nacht ent-\nweicht\", lebhaftesten Beifall und Hervorruf.\nZwischen den genannten Nummern spielte Herr Isidor Seiss\ndas Concertstück für Piano in F-moll von C. M. v. Weber mit\n\\erständniss und Ausdruck, und namentlich den letzten Satz in dem\nschnellsten Tempo, das derselbe vertragen kann, mit grosser Bravour,\nwas um so mehr Eindruck machte, je mehr äussere Ruhe Herr Seiss\nsich angeeignet hat, was wir mit Vergnügen bemerkten.\nHerr Alexander Schmit bewährte sich durch den Vortrag\neines Concertstückes von F. Hill er für Violoncell und Orchester\nvon Neuem als den ausgezeichneten Virtuosen, den wir schon längst\nin ihm schätzen. Leber die Composition haben wir uns schon früher\n(Nr. 17) ausgesprochen. Die meisterhafte Ausführung, welcher leb-\nhafter Beifall und Hervorruf folgte, liess nichts als einen kräftigeren\nlon zu wünschen übrig, da der Klang des Instrumentes des Herrn\nSchmie den weiten Raum des Saales besonders bei den Passagen\nnicht ausfüllt.\nDen zweiten Theil des Concertes füllte, wie schon oben erwähnt,\nMendelssohn's geniale Musik zum „S orn me rn ach ts t rau m\",'\nderen Ausführung trefflich gelang, was bei den Feinheiten und Schat-\ntirungen, die ihr Vortrag verlangt, keineswegs leicht ist. Der Ein-\ndruck derselben ist jedoch im Concertsaale schwächer, als bei der\nVorstellung, da ein verbindendes Gedicht den phantastischen Zauber\ndes Bülmenspiels unmöglich ersetzen kann. Herrn G. v. Vincke's\nGedicht hat im Verhältnisse der Schwierigkeit, der Aufgabe gerade\nbei diesem Lustspiele zu genügen, manches Gelungene; es leidet\nnur an dem gewöhnlichen Fehler ähnlicher Arbeiten: es will zu viel\n• sagen und wird dadurch zu lang. Namentlich scheint der „Prolog\"\nnicht an der Stelle, indem die Ouvertüre selbst der schönste Prolog\nzu dem Stücke ist.\n*\nDie Soireen für Kammermusik haben ebenfalls wieder be-\ngonnen, und zwar in dem eleganten und akustisch befriedigenden\nSaale des Hotel Disch, welcher für die Vereinigung eines mehr oder\nweniger intimen Cirkels, wie ihn die Kammermusik zu versammeln\npflegt, am besten geeignet ist. Die erste Sitzung am Dinstag den\n15. d. Mts. erhielt ausser dem kunstgerechten Vortrage der Violin-\nQuartette von Schumann, Op. 41 Nr. 2, F-dur, und von Beet-\nhoven, Op. 95, jF-moll, durch die Herren von Königslöw\nDerckum, Japha und Schmit noch einen ganz besonderen Reiz*\ndurch die Mitwirkung der Frau Clara Schumann, welche bei\nihrer Durchreise die grosse Freundlichkeit gegen die kölner Künstler\nhatte, in ihren Kreis zu treten und mit den Herren von Königslöw\nund Schmit Beethoven's grosses Trio in Es (Op. 70 Nr. 2) zu\nspielen. Die grosse Künstlerin vereinigte eine so treffliche Auffassung\nmit einer so meisterhaften Ausführung, einen in cl assisch er Ruhe\nso ausdrucksvollen und anmuthigen Stil, wie ihn die drei ersten\nSätze meistens verlangen, mit so klarem, aus lebendigem Quell bald\nüppig sprudelnden), bald lieblich perlendem Flusse der köstlichen\nPassagen des Finale's, dass wir vermeinten, noch nie einen so vollen-\ndeten Vortrag gehört zu haben. Das sehr zahlreich erschienene Pu-\nblicum war entzückt und drückte durch den lebhaftesten Applaus\nnach jedem Satze der Künstlerin seinen Dank aus, die im Vereine\nmit ihren beiden trefflichen Partnern den Geist Beethoven's in der\neigentümlichen Weise, wie er sich in diesem Werke abspiegelt, so\nwahr hervorgezaubert hatte.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nflllisseltlori** Das Programm des zweiten Abonnements-\nConcertes den 17. d. Mts. unter Leitung des Musik-Directors\nHerrn Julius rausch brachte eine Concert-Ouverture in C-moll\nvon J. Tausch, F. Lachnor1 s Suite in E-moll (Nr. 2), Hiller's\n„O weint um sie\" (Sopran-Solo Fräulein Elise Rempel aus Köln ,\neinen Chor aus Händel's „Salomonu, Sopran-Arie (Fräulein R em-\npel) aus Hill er'B „Saul\", Concert für Violoncell Nr. 2 von Ch."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "376", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641119-01.1.8", "texte": "Schubert und Souvenir de Stockholm von de Swert, vorgetragen\nvon Herrn Jules de Swert aus Brüssel.\n** Hannen, 13. November. Gestern hatten wir einen vor-\nzugsweise classischen Genuss, indem die hiesige Liedertafel unter\nHerrn Anton Krause's Direction Mendel ssohn's Musik zu\nSophokles1 Antigone zum ersten Male hier aufführte und ihr im\nersten Theile des Concertes Beethoven's Pastoral-Sinfonie\nvorausgehen liess. Die Ausführung machte den Mitwirkenden, unter\ndenen das Solo-Quartett der Gebrüder Steinhaus in immer noch\nfrischer Kraft auszuzeichnen ist, so wie dem Herrn Dirigenten alle\nEhre. Die schwierigen Chöre- zur Antigone waren vortrefflich ein-\nstudirt und riefen den lebhaften Beifall des Publicums hervor, das\nindess sich zahlreicher hatte einfinden können. Herrn Siebel, der\nein schönes Gedicht zur Verbindung der einzelnen Musiksätze gemacht\nhatte und es selbst vortrug, gebührt besonders auch der Dank aller\nMusikfreunde.\nCotllenz, 13. November. Das erste Winter-Concert des hie-\nsigen Musik-Instituts am 11. d. Mts. war das sechszigste, welches\nIhre Majestät die Königin durch Allerhöchstihre Gegenwart verherr-\nlichte. In Veranlassung dessen erhielt Herr Musik-Director Lenz\nnebst einem Allergnädigsten Handschreiben eine kostbare Brillant-\nnadel ; auch geruhte Ihre Majestät an den Kammersänger Herrn\nKoch aus Köln, dessen Schülerin, Fräulein Bähr, in dem Concerte\ngesungen, huldreiche Worte der Anerkennung zu richten.\nIjeipzig* Herr Karl dessen geschmackvolle und\ndurchgebildete Behandlung des Pianoforte schon früher in einem\nAbonnements-Concerte des Gewandhauses die Aufmerksamkeit der\nKenner erregt hatte, gab neulich eine Soiree für Ciaviermusik und\nerwies sich darin als Künstler im echten Sinne des Wortes. Die\nTechnik mit seltener Vollendung beherrschend, ist sie ihm doch nicht\nZweck, sondern nur Mittel, um Geist und Seele der Composition,\nsei es eine Beethoven'sche Sonate, eine Bach'sche Fuge oder ein\nSalonstück von Chopin, Heller, Mendelssohn, mit Verständniss und\nEmpfindung zum Ausdruck zu bringen. Das Auditorium fand sich\nvon der Art seines Vortrages dermaassen angesprochen, dass es\nnach jeder einzelnen Nummer des Programms in laute Beifallsbezei-\ngungen ausbrach."}]}