{"numero_id": "bm-bmtnabi-1864-12-10-01", "volume": "bmtnabi_1864-12-10_01", "ocr_sha256": "215458c4c4c4a68ad153e738927f7f4b59d3cf120c06a0912deef07ca11f98ca", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1864/12/10_01/bmtnabi_1864-12-10_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641210-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1864-12-10-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-12-10_01#c001", "volume": "bmtnabi_1864-12-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "393", "page_fin": "393", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641210-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "393", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641210-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 474, "texte": "Inhalt.\nScenen ans der Frithiofs-Sage. Für Solostimmen, Männerchor und Orchester in Musik gesetzt von Max Bruch. Orgel\nund Orgel-Concert in Remscheid. Von L. B. K. Th. von Küstner f. Aus Mai DZ (Aufführung des „Elia9u. Der rheinische\nSängerverein (Preis-Ausschreiben). Aus Münster (Händel's „Josua\"). Viertes Gesellschafis-Concert in Köln im Gürzenich. 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Trotz der schönen lyrischen Ergüsse, die das Ge-\ndicht enthält, ist es doch im Ganzen so episch, dass es sich\ngegen eine dramatische Bearbeitung als Schauspiel oder\nals Operntext sträubt, zumal wenn diese den ganzen In-\nhalt des Gedichtes und den ganzen Zeitraum, welchen die\nErzählung umfasst, in dramatische Handlung verwandeln\nwollen. Dieses Bestreben hat zu einigen Versuchen geführt,\ndie hauptsächlich eben dadurch erfolglos geblieben sind,\ndass sie den ganzen Stoff in den Rahmen eines Drama's\noder einer Cantate zwängen wollten. Eine Vermischung\ndes Epischen mit dem Lyrischen durch das Auftreten eines\nErzählers hielt der. Componist mit Recht ebenfalls für\ndurchaus ungeeignet für musicalische Darstellung.\nUm d iese Abwege zu vermeiden, wählte er eine Zu-\nsammenstellung der Hauptmomente der ersten Hälfte der\nSage, genommen aus den ersten vierzehn von den vier-\nundzwanzig Gesängen, welche sie bei Tegner umfasst.\nDaraus bildete sich eine Cantate, welche in dramatisch-\nlyrischer Form ein Ganzes bildet, in welchem zwei Perso-\nnen: Ingeborg (Sopran), Schwester König Helge's und\nGattin des alten Königs King, und Frithiof (Bariton),\nFührer eines Wikinger-Schiffes und Held der Sage —auf-\ntreten und die Chöre der Gefährten Frithiof's, der\nPriester des Gottes Baidur und des Volkes den Hin-\ntergrund bilden. Natürlich mussten Alle mehr oder weni-\nGer handelnd erscheinen, was Umbildungen einzelner\nStellen und einige Zusätze zum Original-Texte nöthig\nmachte.\nDie Vorhandlung bis zu dem Zeitpunkte, wo Bruch's\nGesangstück beginnt, geht zwar in den Hauptsachen aus\ndem Texte hervor, ist aber zu besserem Verständnisse des\nGanzen durch ein kurzes Vorwort angedeutet.\n„König Helge bewahrt seine schöne Schwester In-\ngeborg in Baldur's Tempel und Hain vor fremdem Blicke.\nFrithiof, der sie liebt und Gegenliebe findet, weiss sie\ndennoch dort in stiller Nacht zu sprechen. Er begehrt sie\nvom Könige zum Weibe. Der aber hasst ihn, weist ihn\nstolz zurück, und weil er den Hain Baldur's, wo er Inge-\nborg bei Nacht gesprochen, was Frithiof frei gesteht, ent-\nweiht habe, verbannt er ihn, bis er vom mächtigen Jarl\nArgantyr den verweigerten Tribut herbeischaffe. Frithiof\nbesteigt mit seinen Wikingern sein Schiff Ellida, und Helge\nhofft ihn auf dieser Fahrt durch Stürme und herbeigezau-\nberte Meerunholde zu vernichten.\n„Während dessen wirbt König Ring bei Helge um\nIngeborg. Helge verhöhnt ihn, worauf Ring ihm mit Hee-\nresmacht ins Land fällt. Helge wird geschlagen, flieht und\nverwüstet auf der Flucht in seinem Grimm Frithiof's Haus\nund Hof; dann erkauft er sich den Frieden durch die Zu-\nsage von Ingeborg an Ring, entreisst ihr Frithiof's Ge-\nschenk, den Armring, den er dem Gölte Baidur weiht,\nund sendet sie, die sich dem Bruder als Opfer für den\nFrieden fügt, dem alten Könige Ring zu.\"\nHier beginnt das Gedicht, welches Bruch bei seiner\nComposition zum Text genommen. Es umfasst in sechs\nScenen die Rückkehr Frithiof's von Argantyr, seine\nRache an Helge und den Priestern und seine zweite Ver-\nbannung.\nDie erste Scene spielt auf dem Meere. Frithiof und\nseine Gefährten auf dem Schilfe Ellida nahen sich dem\nHeimatslande. (Bariton-Solo und Chor.)"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "394", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641210-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4359, "texte": "Die zweite schildert Ingeborg's Brautzug zu König\nRing. Das Volk beklagt die Arme, die dem Geliebten und\nder Heimat entsagt. (Marsch, Chor des Volkes und So-\npran-Solo.)\nDie dritte Scene Frithiof's Rache eröffnet eine\nnächtliche Versammlung der Priester in Baldur's Tempel.\nSie erwarten den König. Aber Frithiof dringt in den Tem-\npel ein, in Zorn und Wuth über Helge's Verrath bedroht\ner die Priester, reisst den Armring Ingeborg's vom Arm\ndes Götterbildes Baidur; dieses stürzt in die Gluth des\nOpferheerdes, die Flammen ergreifen Tempel und Hain;\nFrithiof, von den Folgen der That vernichtet, weicht dem\nBannfluche der Priester und des Volkes. (Bariton-Solo, Chöre\nder Priester und des Volkes, welche den Brand schildern.)\nDie vierte Scene ist rein lyrisch: Frithiof's und sei-\nner Gefährten Abschied von Nordland. (Bariton-Solo und\nChor.) Eben so die fünfte: Ingeborg's Klage (So-\npran-Solo).\nDie sechste und letzte Scene zeigt uns Frithiof wie-\nder auf dem Meere. Er gibt den Wikingern Satzung und\nRecht, das diese beschwören als kühne Schiffer und Käm-\npfer. Er entfaltet die Fahne des Sieges, und die Gefährten\nstimmen begeistert in den Normannssang ein, mit dem sie\nnach südlichen Zonen segeln. (Bariton-Solo und Chor.)\nDieser Text ist geschickt zusammengestellt, denn er\nenthält, wie man sieht, Situationen, die zu lyrisch- und\ndramatisch-musicalischer Darstellung geeignet sind. Herr\nBruch hat sie vortrefflich benutzt: zwischen den zwei breit\nausgeführten Hauptscenen—Tempelbrand und Meerfahrt\nnach Süden vertreten die anderen Nummern lyrische\nStimmungen, so dass durch einen Wechsel des „Strengen\nmit dem Zarten\" die Monotonie vermieden wird, ohne\ndass dadurch die Einheit des Charakters der Musik des\nGanzen gestört würde.\nVielleicht könnte Mancher Manches aus Ge-\ndicht vermissen, das ihm geeignet zur Composition scheint,\nvielleicht kommen sogar einige Literaten, die, wie man das\njetzt olt namentlich in den Feuilletons politischer Zeitun-\ngen lesen kann, ohne musicalische Kenntnisse über mu-\nsicalische Werke schreiben, mit dem Vorwurf verletzter\nPietät gegen den schwedischen Dichter herangerückt, als\nwenn Tegndr seine treffliche Dichtung zum Zwecke einer\nmusicalischen Composition geschrieben hätte! Diese lei-\ndige Pedanterie, verbunden mit dem egoistischen Eigen-\nsinne unserer Dichter und Libretto-Verfasser wiewohl\nwir der letzteren eigentlich gar keine besitzen —, welche\njeden ihrer Verse für unsterblich und ohne Frevel an\nihrem Genie für unverletzlich halten, hat in Deutschland\nschon manchen guten Componisten um die Frucht seiner\nArbeit und den Erfolg seines Werkes gebracht, da unsere\nDichter von der Notwendigkeit des Zusammengehens des\nDichters und Componisten, besonders für Opern und ähn-\nliche Gesangwerke, keinen Begriff haben. Es bedarf also\njener etwaige Vorwurf der Impietät keiner Widerlegung,\nwenn man den Text des Bruch'schen Frithiof als Grund-\nlage musicalischer Composition betrachtet. Man wird fin-\nden, dass die Abschnitte des Tegner'schen Gedichtes,\nwelche an Handlung, an dramatischen Situationen am\nreichsten sind, zugleich mit denen, in welchen • sich die\nEmpfindung rein menschlicher Gefühle und Leidenschaf-\nten ausspricht, gewählt worden sind. Die ersten Gesänge\nder Frithiofs-Sage sind eben so wenig wie die letzten zu\neiner Benutzung für musicalische Zwecke geeignet. Die\nSchilderung von Frithiof's und Ingeborg's in zarter Jugend\nkeimender Liebe, von König Bele's Tod und von seinen\nErben, die Werbung Frithiof's, seine Fahrt zu Argantyr\nund die Erzählung von seinem Aufenthalte bei ihm bieten\neben so wenig geeigneten Stoff für die Musik, als die letz-\nten, die von Frithiof's Erscheinen an König Bing's Hofe,\nvom Tode Bing's und der Versöhnung des Helden mit\nIngeborg's Bruder Halfdan u. s. w. erzählen und am\nSchlüsse christliche Ideen in die alte Sage hineinspielen\nlassen.\nWir halten mithin dafür, dass Herr Bruch mit rich-\ntigem Tacte seinen Text aus den mittleren Gesängen des\nTegner'schen Gedichtes geschöpft hat. Gleich die erste\nScene reisst uns mitten in die Handlung hinein, die fol-\ngenden enthalten die tragischen und entscheidenden Mo-\nmente in der Geschichte von Frithiof's und Ingeborg's\nLiebe, und die letzten Scenen schliessen diese durch die\nKatastrophe des Brandes und die Meerfahrt ab, so dass\nder Titel des Werkes auch „Frithiof und Ingeborg\" heis-\nsen könnte.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-12-10-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-12-10_01#c003", "volume": "bmtnabi_1864-12-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "394", "page_fin": "396", "image_debut": 2, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641210-01.2.3", "titre_corps": "Orgel und Orgel-Concert in Remscheid.", "titre_sommaire": "Orgel und Orgel-Concert in Remscheid.", "signature_source": "L. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "394", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641210-01.1.2", "debut_caractere": 4361, "fin_caractere_exclue": 5058, "texte": "Orgel und Orgel-Concert in Remscheid.\n\nWir lasen neulich in einer dem Orgelbau und der\nOrgelmusik vorzüglich gewidmeten Zeitschrift, dass es\nzwar viele Orgelbauer, aber wenige Künstler ,in diesem\nFache gebe. Das ist allerdings wahr, allein die neuere\nZeit hat denn doch im Orgelbau so viele Verbesserungen\nins Leben gerufen, dass man eher Ursache haben dürfte,\nauch für den Bau der Orgel, eben so wie für das Piano-\nl'orte, den Fortschritt anzuerkennen. Der Instrumentenbau\nüberhaupt ist ein Kunsthandwerk, d. h. eine Fabrikthätig-\nkeit, die zwischen Kunst und Handwerk in der Mitte steht;\neben desswegen hängt das günstige Resultat derselben\nweder bloss von der wissenschaftlichen Lehre, noch von"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "395", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641210-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5335, "texte": "der Erfahrung und Uebung, ja, sogar nicht einmal von\nder Verbindung beider mit einander ab, sondern es gehört\ndazu, wie zu der reinen Kunstthätigkeit, auch ein gewisses\nEtwas, welches die Natur dem Ausübenden gegeben ha-\nben muss, und das wir praktisches Genie nennen können.\nDie Räthsel der Akustik, dieser eigensinnigen und wider-\nspänstigen Sphinx, vollständig zu lösen, ist der Wissen-\nschaft noch nicht gelungen; so ausgezeichnete Fortschritte\nauch in Ergründung ihrer Gesetze gemacht worden sind,\nnoch immer spottet ihr eigentümliches Wesen beim Bau\nvon Instrumenten, wie von Concert- und Theatersälen,\nder Zuversicht der Theoretiker. Trotz aller theoretischen\nKenntnisse und ausdauernder Versuche der neueren Zeit\nbleiben dennoch die Cremoneser- und die alten Tyroler-Gei-\ngen unerreicht, und ungeachtet des ungeheuren Fortschrit-\ntes im Ciavierbau kann trotz der sorgfältigsten und gleich-\nförmigsten Ausarbeitung aller einzelnen Stücke auch die\nberühmteste Fabrik nicht darauf schwören, dass jedes In-\nstrument aus ihrer erkstätte ganz dieselben Eigenschaf-\nten an Fülle, Schönheit und Egalität des Tones habe, wie\ndie übrigen.\nBei der Orgel kommt nun, abgesehen von dem guten\nMaterial und der genauen, sorgfältigen und eleganten Ar-\nbeit, noch ein Erforderniss hinzu, das für die Wirkung\nunentbehrlich ist, aber am meisten auf dem, was wir oben\n„praktisches Genie\" nannten, beruht, das ist das so ge-\nnannte Intoniren der verschiedenen Orgelstimmen. „Into-\nniren\" heisst in der Orgelbauersprache (denn sie haben\nso gut eine besondere, wie die anderen Gewerke) lj die\nPfeifen zur richtigen Ansprache der verlangten Stufe der\nTonleiter bringen; 2) in jeder Stimme (oder Register) die\nerforderliche Klangfarbe und deren Gleichheit in allen\nOctaven, welche das Register umfasst (z. B. den Violin-\nklang im Principal, den Klang der gestrichenen Bässe, der\nverschiedenen Holz-Blasinstrumente, dann der Trompete,\nPosaune u. s. w.), erzeugen; 3) allen diesen Klängen\neinen schönen, wohllautenden Ton geben. Die Into-\nnation betrifft demnach bei der Orgel nicht bloss, wie\nbeim Sänger, die Reinheit und Richtigkeit des Tonansatzes,\nsondern sie ist für die Orgel dasselbe, was für den Sän-\nger die Tonbildung ist. Durch diese Andeutungen des\nWesens der Orgel-Intonation dürfte auch bei dem Laien\n(und k ein Instrument zählt in Bezug auf seine innere Ein-\nrichtung selbst unter den Musikern mehr Laien, als die\nOrgel) eine Vorstellung von der Schwierigkeit dieses Thei-\nles der Kunst des Orgelbauers entstehen.\nZu diesen Bemerkungen hat uns die Revision einer\nneuen Orgel in der evangelischen Kirche zu Remscheid\nim Bergischen, die aus der Kunst-Werkstätte der Gebrü-\nder C. Rud. und Rieh. Ibach in Barmen hervorge-\ngangen ist, veranlasst.\nIn unseren Tagen kommt man, wenigstens in Deutsch-\nland und grösstentheils auch in Belgien und Frankreich,\nimmer mehr von dem Luxus zurück, der früher mit der\nMenge von Registern getrieben wurde; man hat einge-\nsehen, dass fünfzig, sechszig, siebenzig Stimmen im Grunde\nnur eine Prahlerei mit Registern war, die ungefähr den-\nselben Werth hatte, wie eine Masse von Titeln bei hohen\nHäuptern oder Staatsbeamten, die das wahre Verdienst\nund die wahre Macht der Betreffenden nicht im Gering-\nO\nsten vergrössern. j\\ur England, in allen Dingen und auch\nin Kunstgegenständen mehr kolossal als schön, erfreut sich\nnoch an 32füssigen Orgeln von unendlich vielen Stimmen,\nin denen die meckernde Vox und andere Abson-\nderlichkeiten, wie Tremulant und Genossen, nicht fehlen\ndürfen. Die Frage, ob durch die Orgel die Erschütterung\nder Mauern oder der Herzen zu beabsichtigen sei, kann\nheutzutage nicht mehr vorkommen: die Gewitter und\nStürme hat man der Atmosphäre überlassen und zieht\nes vor, sich von der Orgel durch den Wohllaut der ein-\nzelnen Stimmen rühren und durch diejenige Kraft des\nganzen Werkes ergreifen zu lassen, welche nur so viel\nMacht ehtwickelt, als bei wirklicher Fülle und Rundung\ndes Tones ohne Kreischen und Schmettern zu erreichen ist.\nSo hat denn auch das genannte Werk von Ibach\nnicht mehr als fünfundzwanzig klingende Stimmen für\nzwei Manuale und Pedal, darunter sechszehnfüssi g :\nBordun im Hauptmanual, Subbass, Violonbass und Po-\nsaune im Pedal, achtfüssig: Principal, Gamba, Salicional,\nLieblich Gedackt, Gemshorn, Principal- und Gedacktbass\n(beide letzteren im Pedal), Flötenwerke\nRohr-, und Vvm\\['ö\\.z,Flauto dolce), Fagott und Oboe, Trom-\npete; dazu die übrigen Füllstimmen in richtigem Verhält-\nnisse. Mit diesen wenigen Mitteln hat der Erbauer eine\nWirkung erreicht, welche sowohl in dem vollen Werke\neine harmonische, klangreiche und imponirende zu nennen\nist, als in den einzelnen Stimmen und deren verschiedenen\nCombinationen einen sehr lieblichen Wohllaut und eine\nvortreffliche Mischung der sanfteren Klangfarben offen-\nbart. Von den Rohrwerken sind die Oboe (und Fagott)\nund die Trompete ganz besonders auszuzeichnen, und für\nalle Stimmen, namentlich auch jene des zweiten Manuals\n(des Positivs), ist die Intonation so gut gelungen, dass\nIbach in dieser Beziehung jetzt wohl kaum seines Gleichen\nunter den deutschen Orgelbauern hat. Was das volle\nWerk betrifft, so müssen wir noch bemerken, dass wir\nes für einen grossen Vorzug halten (den wir schon bei\nvielen der letzten Orgeln Ibach's bemerkt haben), dass\nauch bei Ausziehung aller Register der runde und vor-\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "396", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641210-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3616, "texte": "herrschend weiche Ton in voller Kraft wohllautend bleibt\nund durch keinerlei Art von Härte und Schärfe einzelner\nStimmen sein harmonischer Klang gestört wird. Endlich\ndürfen wir nicht vergessen, dass diese Orgel auch den\nSchönheitssinn des Auges durch einen Prospect befriedigt,\nder zu den schönsten gehört, die wir gesehen haben, und\nder dem Zeichner desselben, Herrn Bau-lnspector Laur\nin Lennep, grosse Ehre macht. Die darin stehenden Front-\npfeifen tragen durch Qualität des Materials und der Arbeit\nzu dem schönen Anblicke das Ihrige bei.\nSchliesslich müssen wir aber hinzusetzen, dass auch\nnicht jedem Orgelbauer der glückliche Umstand zu Stat-\nten kommt, sein Instrument auf so trefl liehe Weise vor-\ngeführt zu hören, wie dies in Remscheid nach der Revi-\nsion durch Herrn J. A. van Eyken aus Elberfeld ge-\nschah. Der berühmte Organist trug auf der neuen Orgel\nvor: Toccata und Fuge in D-moll von J. S. Räch und\ndessen Choral-Vorspiel: „Schmücke dich, o liebe Seele\";\nferner Hesse's Variationen in A-dur, das Largo aus\nBeethoven's Sonate Op. 10 Nr. 3, Mendelssohn's\nSonate über den Choral „Vater unser im Hiifimelreich\",\nSchumann's Abendlied, Mozart's grosse Phantasie in\nF-moll und Toccata und Fuge über von seiner\neigenen Composition. Das letztgenannte Werk ist eine\nwahrhaft bewundernswerthe Composition, die den streng-\nsten contrapunktischen Stil, bis zu den künstlichsten Com-\nbinationen getrieben, mit einer Phantasie und einer Wir-\nkung des Ganzen vereinigt, wie wir sie nur bei den älte-\nren Meistern der Orgelmusik finden. Die Ausführung er-\nfordert freilich auch einen Spieler wie van Eyken, den wir\nallerdings seit vielen Jahren kennen und hochschätzen,\naber dessen meisterhafte Behandlung des riesigen Instru-\nmentes uns noch nie in so glänzendem Lichte erschienen\nist, als in allen den Vorträgen an jenem Nachmittage und\nbesonders in der Ausführung der grossen Toccata und\nFuge von Dach und seiner eigenen über den Namen des\nunsterblichen Meisters*).\n\nL. B.\n\n<:) dieser Gelegenheit empfehlen wir allen Organisten an\nKirchen und denjenigen, deren Aufsicht die Orgeln in Conservatorien\nund Concertsälen anvertraut sind, das Heft von A. G. Ritter: Die\nErhaltung und Stimmung der Orgel durch den Orga-\nnisten. Erfurt und Leipzig, bei G. W. Körner. 1861. 38 S. 8 mit\n4 Taleln Abbildungen. Pr. 8 Sgr. (in Dutzend-Exemplaren 6 Sgr.).\nDa sich nicht ein Jeder und am wenigsten die leider immer noch\nschlecht gestellten Lehrer und Organisten die grösseren Werke von\nTöpfer, Schiimbach, Seidel und das „Lexicalische Handbuch\nfür musicalische Kirchenbeamte\" von A. G. Ritter anschaffen kön-\nnen, so sollten die Gemeinden und Schulbehörden das genannte\nSchriftchen an die Betreffenden vertheilen. Es enthält in Kürze und\nin fasslicher Sprache alles, was dem Organisten, der es mit seinem\nInstrumente gut meint, zu wissen nöthig ist, und verdeutlicht es\ndurch Abbildungen. Nach einer kurzen Beschreibung der Orgel, die\nnichts Wesentliches übergeht (S. 1—17), handeln die folgenden Ab-\nschnitte von der Aufsicht über die Orgel und Verhütung der\nSchäden; von der Nachhülfe bei Verstimmung der Pfeifen,\nbei der Mechanik, bei Fehlern an den Bälgen und C analen\nAlles mit leicht zu befolgender praktischer Anleitung. Wie\nmanche schöne Orgel würde vor Verwahrlosung geschützt, wie\nmanche Ausgabe für Reparaturen u. s. w. den Kirchencas-\nsen erspart werden, wenn die Gemeinden die ganz unbedeu-\ntende Ausgabe für Kitter's Schriftchen nicht scheuten und dasselbe\njedem Organisten in Stadt und Land einhändigten und seine Ge-\nwissenhaftigkeit in Befolgung der darin gegebenen Vorschriften\nernstlich in Anspruch nähmen!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-12-10-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-12-10_01#c004", "volume": "bmtnabi_1864-12-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "396", "page_fin": "396", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641210-01.2.4", "titre_corps": "K. Th. von Küstner †.", "titre_sommaire": "K. Th. von Küstner †.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "396", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641210-01.1.4", "debut_caractere": 3618, "fin_caractere_exclue": 5288, "texte": "K. Th. von Küstner †.\nKarl Theodor von Küstner, Doctor der Rechte,\nGeneral-Intendant der königlichen Schaupiele in Berlin\na. D., wurde den 26. November 1784 in Leipzig gebo-\nren, studirte daselbst und in Göttingen, erwarb die juristi-\nsche Doctorwürde (1810) und machte den Feldzug von\n1814 als Olficier der freiwilligen Husaren mit dem Ban-\nner freiwilliger Sachsen mit. Für die Widmung seiner\ndramatischen Kleinigkeiten verlieh ihm der Herzog von\nSachsen-Coburg 1815 den Hofraths-Titel, und 1817\nübernahm er aus Liebe zur Kunst, als erster Director des\nstehenden Theaters in Leipzig, die Direction des Stadt-\ntheaters. Dieses erreichte unter seiner Leitung eine Blüthe-\nzeit, welche noch heute im besten Andenken steht; freilich\naber machte er selbst keinen Vortheil dabei und legte\nendlich, durch stete Verluste gezwungen, im Jahre 1828\nseine Direction nieder. Im Jahre 1830 wurde Küstner\nIndentant des Hoftheaters in Darmstadt, bis dasselbe 1831\naufhörte; in gleicher Eigenschaft nach München berufen,\nging er 1833 dahin, wo er an der Hofbühne sehr segens-\nreich wirkte, bis er 1842 einem Rufe als General-Inten-\ndant der königlichen Schauspiele in Berlin folgte. 1851\nnahm er daselbst seine Entlassung und lebte theils in Ber-\nlin, theils in Leipzig, wo er am 27. October beinahe acht-\nzigjährig verschied. Die Organisation der deutschen Bühne\nist ihm grossen Dank schuldig. Er war es, der mit Hol-\nbein in Wien die Tantieme für die Bühnendichter auch\nin Deutschland einführte; er gründete mit grosser Mühe\nden Bühnenverein, welcher Directoren und Künstlern die\nRechte ihrer Contracte sichert, und hat sich so Denkmale\ngestiftet, welche ihn lange überdauern werden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-12-10-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-12-10_01#c005", "volume": "bmtnabi_1864-12-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "397", "page_fin": "397", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641210-01.2.5", "titre_corps": "Aus Mainz.", "titre_sommaire": "Aus Mainz.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "397", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641210-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3170, "texte": "Aus Mainz.\nDen 3 0. November 1864.\nGestern kam das Oratorium „Elias\" von Mendels-\nsohn durch den Damen-Gesangverein und die Liedertafel\nim Theater zum Vortheil der Armen zur Aufführung.\nZwei Wahrnehmungen waren es, die uns gleich zu An-\nfang des Concertes angenehm überraschten: einmal das in\nallen Räumen gefüllte Haus, durch welches den Armen\nhoffentlich kein unbeträchtlicher Ueberschuss zu Theil\nwerden.wird, und dann die ziemlich ansehnlichen Kräfte,\nwelche der Capellmeister der Liedertafel, Herr Lux. ins\nTreffen führte. Wir waren seither stets genöthigt, über\ndie grosse Theilnahmlosigkeit zu klagen, welche die acti-\nven Mitglieder bei den Vereins-Concerten an den Tag leg-\nten; gestern jedoch war die Anzahl der Mitwirkenden be-\ndeutend grösser, wie bisher. Wir zählten im Sopran 27,\nim Alt 16 Sängerinnen, im Tenor 25 und im Bass wohl\n35 Sänger. Wenn diese Zahl auch bei Weitem noch nicht\ndiejenige ist, welche den Kräften des Vereins entsprechen\nwürde, so war sie doch hinreichend, die schönen Chöre\ndes Oratoriums „Elias* zur Geltung zu bringen. Wir ha-\nben bei mehreren Gelegenheiten früher behauptet, es fehle\nnur Eines, um die Apathie der activen Mitglieder zu.ban-\nnen, nämlich wieder einmal ein entschieden durchschla-\ngender Erfolg. Haben wir mit dieser Ansicht Recht\ngehabt, dann muss es sich nun wohl zeigen: die Bedin-\ngung ist erfüllt, und wir wollen hoffen, die Folge werde\nauch nicht ausbleiben.\nIn der That, der Erfolg der gestrigen Aufführung war\nein grosser, die Befriedigung der Zuhörer eine allgemeine,\nund die Freude derselben über den gebotenen Genuss\ndrückte sich nach beiden Abtheilungen des Oratoriums\ndurch einen lauten Beifallssturm aus. Die Chöre waren mit\neiner Sorgfalt einstudirt, die das rückhaltloseste Lob ver-\ndient; namentlich diejenigen der ersten Abtheilung wurden\ntadellos correct und mit feiner Schattirung gesungen, die\nEinsätze waren immer präcis und fest, und auch den höhe-\nren Anforderungen, die man an den Chorgesang stellen\nmuss, wurde in mancher Beziehung genügt; es traten nicht,\nwie früher, einzelne Stimmen ungebührlich hervor; man\nwar sichtlich bestrebt gewesen, eine möglichst vollendete\nZusammenwirkung zu erreichen, und auch die Text-Aus-\nsprache war, wenigstens von Seiten des Männerchors, eine\nsehr deutliche. Die Solo-Partieen hatte man aus Sparsam-\nkeits-Rücksichten mit einer einzigen Ausnahme (Fräulein\nMolnar von Darmstadt sang mit bekannter Trefflichkeit\ndie erste Sopran-Partie) durch Vereins-Mitglieder besetzt,\nderen Leistungen natürlich sich der öffentlichen Besprechung\nentziehen. Doch kann gesagt werden, dass sie Alle ihrer\nAufgabe mehr oder weniger genügten und einzelne Solo-\nnummern sich sogar lebhaften und verdienten Beifalls zu\nerfreuen hatten. iVlit dem Orchester hatte Herr Lux in den\nProben seine liebe Notb, bis es ihm gelang, auch den in-\nstrumentalen I heil des Werkes einiger Maassen\nhinzustellen. Wann endlich wird etwas zur Hebung dieses\nfür alle unsere musicalischen Aufführungen, seien sie im\nTheater oder im Concertsaale, so wichtigen Körpers ge-\nschehen!— Wir glauben, wenn die Liedertafel den „Elias\"\ndemnächst wiederholt, wird man ihr allseitig sehr dankbar\ndafür sein."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-12-10-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-12-10_01#c006", "volume": "bmtnabi_1864-12-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "397", "page_fin": "398", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641210-01.2.6", "titre_corps": "Der rheinische Sängerverein.", "titre_sommaire": "Der rheinische Sängerverein.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "397", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641210-01.1.5", "debut_caractere": 3172, "fin_caractere_exclue": 5065, "texte": "Der rheinische Sängerverein.\nDer „rheinische Sängerverein\", über dessen Grün-\ndung und bisherige Leistungen in seinen Gesammt-Con-\ncerten in Köln und Aachen unsere Zeitschrift früher be-\nrichtete (vergl. Jahrgang 186-'}, Nr. 38 und 41, 1864,\nNr. 38 und 39), hat durch den ge genwärtigen Vorort\nCrefeld (Liedertafel) dem Paragraphen des Statuts ge-\nmäss, welcher die Hälfte des Reinertrags der jährlichen\nConcerte zu Preis-Honoraren bestimmt, folgendes Preis-\nAusschreiben erlassen:\n„Der rheinische Sängerverein, bestehend aus den\nVereinen: aachener Liedertafel, bonner Concordia, kölner\nMänner-Gesangverein, crefelder und elberfelder Lieder-\ntafel und neusser Männer-Gesangverein, eröffnet hiermit\nseinen Statuten gemäss einen Concurs auf die beste\nConcert-Composition für Männergesang und\nOrchester. Für dieselbe hat der Verein einen Preis von\nzweihundert Thalern ausgesetzt, der fürten Fall\nzur Auszahlung gelangt, wenn die s. Z. zu ernennenden\nPreisrichter dieselbe als wirklich preiswürdig erklä-\nren. Die näheren Bedingungen sind folgende:\n„Die Aufführung des Werkes soll nicht unter zwan-\nzig und nicht über vierzig Minuten Zeit in Anspruch neh-\nmen. Die Wahl des Textes, welcher selbstredend in deut-\nscher Sprache sein muss, wird den Concurrenten anheim-\ngegeben. Indessen ist die Parodie, die Burleske, überhaupt\ndas Gebiet des Niedrigkomischen ausgeschlossen, eben so\njede Composition, deren Aufführung eine Darstellung auf\nder Bühne bedingt.\n„In Betreff der in dem Werke vorkommenden Soli\nsind Frauenstimmen statthaft.\n„Das preisgekrönte Tonstück bleibt Eigenthum des\nComponisten ; der rheinische Sängerverein behält sich je-\ndoch ein Jahr lang nach Zuerkennung des Preises das\nausschliessliche Aufführungsrecht vor.\n„ Die concurrirenden Tonstücke müssen spätestens am\n1. März 1865 beim zeitigen Vororte des Vereins, der\ncrefelder Liedertafel, eingelaufen sein. Dieselben sollen mit"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "398", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641210-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 530, "texte": "einem Motto versehen und von einem versiegelten Couvert\nbegleitet sein, welches äusserlich dasselbe Motto trägt und\nim Innern den Namen des Concurrenten enthält.\n„Gleich nach dem 1. März werden die Gesammt-Vor-\nstände der verbundenen Vereine zur Wahl der Preisrich-\nter zusammentreten.\n„Zusendungen werden an den Vorstand der crefelder\nLiedertafel, zu Händen des Herrn Wilh. van Kempen,\nerbeten.\n„Crefeld, den 1. November 1864. Namens des rhei-\nnischen Sängervereins: Der Vorstand der Liedertafel von\nCrefeld als zeitiger Vorort.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-12-10-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-12-10_01#c007", "volume": "bmtnabi_1864-12-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "398", "page_fin": "398", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641210-01.2.7", "titre_corps": "Aus Münster.", "titre_sommaire": "Aus Münster.", "signature_source": "X", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "398", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641210-01.1.6", "debut_caractere": 532, "fin_caractere_exclue": 3226, "texte": "Aus Münster.\nX.\nDen 1. December 1864.\nNach alter Sitte ist das Cäcilienfest hier am 22. und 23. No-\nvember durch Concert-Aufführungen gefeiert worden. Der erste\nAbend brachte uns eine vortreffliche Aufführung von HändeTs\n„ Jos ua\" unter Leitung des Herrn Musik-Directors Grimm vor\neinem zahlreichen Auditorium, da auch viele Fremde aus der Um-\ngegend anwesend waren. Das Personal in Chor und Orchester zählte\n130 Mitwirkende. Das Publicum war sehr theiinehmend; die Solisten\nFräulein Auguste Brenken und Francisca Schreck, die\nHerren Schneider aus Rotterdam und Stägemann aus Hanno-\nver wurden gleich bei ihrem Auftreten mit Applaus empfangen und\närnteten fast nach jeder Nummer reichlichen Beifall. Fräulein Bren-\nken wurde nach der letzten Arie: „O, hätt' ich Jubal's Harfe!\"\ngerufen und fand auch in dem Vortrage der früheren Arien, na-\nmentlich der reizenden Frühlingsschilderung, grossen Beifall. Fräu-\nlein Schreck hat den Charakter des Othniel vortrefflich aufgefasst,\nihr Vortrag des Recitativs bei Erscheinung des Engels war wunder-\nbar schön, und die Herren Solisten blieben in ihren Leistungen\nnicht gegen die Damen zurück. Die ganze Aufführung war eine\nsehr gelungene; es herrschte dabei von Anfang bis Ende bei Mit-\nwirkenden und Zuhörern eine musikfestliche Stimmung. Herr Grimm\nhatte die von Chrysander aufgefundene Schlachtmusik zum Josua,\ndie in der neuen Händel-Ausgabe veröffentlicht ist, für volles Or-\nchester instrumentirt, und so kam sie zum ersten Male hier in Mün-\nster zur Aufführung. Der Chor war sehr brav, wie auch das Orche-\nster, was wiederholt durch Beifall anerkannt wurde.\nUeber das Kün stler-Concert am 23. November waltete\nebenfalls ein sehr guter Stern. Die Weber'sche Oberon-Ouverture\nund die Mendelssohn'sche zu Ruy Blas gingen sehr gut. Nach der\nersteren sang Fräulein Brenken die Arie: „Ocean!\" mit vortreff-\nlicher und bis in die kräftigste Höhe glockenreiner Stimme mit gros-\nsem Beifalle, der bei ihrem Auftreten im zweiten Theile ihr eine\nwahre Ovation zum Empfange bereitete. Sie sang Mendelssohn's:\n„Ach, um deine feuchten Schwingen\", und Taubert's: „Ich muss nun\neinmal singen\", was sie auf stürmischen Applaus und Dacaporuf\nwiederholen musste. Nächst ihr entzückten die Herren Stägemann\nund Schneider das Publicum durch den herrlichen Vortrag von\nLiedern .und Balladen von Schumann und J. 0. Grimm, und\nFrau Philippine Grimm erfreute uns im Vereine mit ihrem Gat-\nten durch die vierhändige Clavier-Production von F. Schubert's\nungarischem Rondo, so wie Herr Concertmeister A. Barg he er\ndurch den Vortrag von Beethoven's Romanze in G für die Vio-\nline und von David's „Lied\" und „Am Springquell\". Der Saal\nwar bis in die fernsten Winkel gefüllt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-12-10-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-12-10_01#c008", "volume": "bmtnabi_1864-12-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "398", "page_fin": "399", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641210-01.2.8", "titre_corps": "Viertes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller.", "titre_sommaire": "Viertes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "398", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641210-01.1.6", "debut_caractere": 3228, "fin_caractere_exclue": 6524, "texte": "Viertes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller.\nDinstag, den 6. December 1864.\nDer Instrumentalmusik gebührte an dem Abende des vierten\nAbonnements-Concertes in Bezug auf die sorgfältig studirte und dem-\ngemäss genaue und schwungvolle Ausführung der gewählten Stücke\nder entschiedene Vorrang vor der Gesangmusik. Weber's Ouvertüre\nzur Euryanthe, Spontini's prachtvolle Olympia-Ouverture und\nBargiel's Sinfonie bewährten zur grossen Befriedigung* des Pu-\nblicums diesae Mal wieder dieselbe Vortrefflichkeit des Orchesters,\ndie wir sonst stets an ihm gewohnt waren. Ferner entzückte der\nausgezeichnete Vortrag des G-moll-Concertes für Pianoforte und Or-\nchester von Mendelssohn durch Herrn Ernst Lübeck die Zu-\nhörer und erwarb dem berühmten Pianisten und tüchtigen Musiker,\nder sich eine der ersten Stellungen unter den Pianisten in Paris er-\nrungen hat, rauschenden Applaus und Hervorruf. Herr Lübeck, von\ndeutschen Eltern im Haag, wo sein Vater, Heinrich Lübeck, königl.\nCapellmeister und Director der Musikschule ist, geboren, hat sich\nals Musiker in Bezug auf Verstandniss und Auffassung classischer\nWerke und auf Compositum eigener Concertstücke (von denen wir\nim Concerte eine gar liebliche Berceuse und vortrefflich gearbeitete\nVariationen im Polonaisen-Tacte hörten) ganz und gar die deutsche\nKünstlernatur bewahrt, und bei eminenter technischer Beherrschung\ndes Instrumentes sich einen Vortrag gebildet, der das Gediegene\ndeutscher Ausführung mit der Feinheit und Eleganz der französi-\nschen Schule verbindet. Nachdem er einen Theil von Nordamerica,\nauch Mexico und Brasilien durchreist, erlangte er in Holland, in\nParis und London seinen grossen Ruf, den sein Auftreten in Deutsch-\nland bestätigen und vergrössern wird. Es ist nur zu bedauern, dass\nihm seine Stellung in Paris nicht erlaubt, eine grössere Kunstreise\ndurch Deutschland zu machen ; er ist zwar von hier nach Leipzig\ngegangen und wird dort im Gewandhaus-Concerte spielen, dann aber\nsogleich über Frankfurt am Main nach seiner zweiten Heimat zurück-\nkehren. Mit seinem hervorragenden Talente vereinigt dieser Künst-\nler eine Anspruchslosigkeit, wie man sie nicht immer bei grossen\nKünstlern, die von Westen kommen, findet.\nDas grösste Orchesterstück des Abends war Woldemar Bar-\ngiel's Sinfonie, welche eine nicht gerade günstige Stellung im\nProgramm hatte, was immer der Fall ist, wenn eine Sinfonie mitten\nzwischen anderen Concertstücken steht; aber trotzdem wurde sie\ndurch ihren Inhalt und die gelungene Aufführung unter der Leitung\ndes Componisten selbst sehr beifällig vom Publicum aufgenommen,\nwelches jeden Satz mit lebhaftem Applaus begleitete. Diese erste\nSinfonie des begabten und nach hohen Zielen mit Ernst, Fleiss und\nkünstlerisch edler Gesinnung strebenden Musikers ist, wie wir schon\nnach ihrer ersten Aufführung im geschlossenen Kreise der musicali-\nschen Gesellschaft in dieser Zeitung bemerkt haben, ein schöner\nBeweis von dem Erfolge dieses Strebens, und es will uns bedünken,\nals wenn sich mit diesem Werke, im Vergleiche zu den früheren\nOuvertüren, ein bedeutender Abschnitt in der Entwicklung des Com-\nponisten, und zwar ganz zu seinem Vortheile, kund gäbe. Dass er\nhier mehr wie sonst Beethoven zum Muster genommen, können wir"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "399", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641210-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3315, "texte": "nur als ein günstiges Zeichen für seine Zukunft betrachten, und\nwenn auch Einzelheiten, wie z. B. in der Durchführung im zweiten\nTheile des ersten Allegro's (C-dur: 3/4-Tact), die Arbeit mit dem\nhalben Motive des Thema's, welches trotz der Umkehrung doch am\nEnde nichts weiter als Rhythmus ist und sich zu oft wiederholt,\nuns weniger gelungen scheinen, so offenbaren doch sowohl der erste\nSatz als die drei folgenden ein trauermarschartiges Andante, ein\nernstes und gravitätisch einherschreitendes Menuetto und das Finale,\ndas sich aus einem einfachen Thema zu regem Tonleben und einem\nwirkungsvollen, glänzenden Schlüsse entwickelt eine muiscalische\nNatur, welche die Keime zu lebensfähigen Schöpfungen in sich trägt\nund uns immer kräftigere Früchte verheisst.\nWenn uns nun der orchestrale Theil des Concertes sehr befrie-\ndigt hat, so können wir dasselbe von dem gesanglichen Theile nur\nmit Einschränkung sagen. Ohne dem Chor, dessen Willigkeit und\nFähigkeit wir gewiss gern anerkennen, zu nahe treten zu wollen,\nwar die Ausführung des 98. Psalms von Mendelssohn und des\nJubilate Amen von Bruch im Ganzen lahm und, gerade heraus ge-\nsagt: unfertig, ja, in dem kurzen Solo-Quartett des Psalms hörte\nman nur den Sopran und ein paar Töne vom Bass, allein Alt und\nTenor waren gar nicht vorhanden!\nIn Fräulein Aglaya Orgeni lernten wir eine Sängerin ken-\nnen, bei welcher glänzende Vorzüge das, was noch zu wünschen\nbleibt, bedeutend überwiegen. Die Stimme der jungen Dame, die\neine noble Erscheinung ist, hat eine schöne, klangvolle Höhe, wäh-\nrend die Mitteltöne weniger Wohllaut und Intensität haben. Wenn\ndie Höhe zwar bei natürlicher Ansprache im mezzoforte am schön-\nsten ist, indess doch auch einen stärkeren Nachdruck vertragen\nkann, müssen wir der jungen Künstlerin ratlien, die Mitteltöne nur\nso zu nehmen, wie sie einmal sind, da jedes Forciren derselben sie\nkeineswegs verschönert. Wir erwähnen dies ausdrücklich, da wir\nauch bei der grossen Künstlerin, deren Schülerin Fräulein Orgeni\nist, bei Madame Viardot-Garcia, in denselben Tönen eine ähnliche\nArt der Ton-Emission bemerkt haben, die zuweilen die schöne Wir-\nkung, wenigstens für deutsche Ohren, stört. Dagegen können wir\nnicht lobend genug hervorheben, was Fräulein Orgeni ihrer Meisterin\nin jeder anderen Hinsicht der Behandlung der Stimme und des Vor-\ntrages verdankt. Fräulein Orgeni ist eine Deutsche, aber ihre Vir-\ntuosität besteht nicht so sehr in dem seelenvollen dramatischen Aus-\ndrucke, als in der eleganten und reizenden Vortragsweise der guten\nfranzösischen Schule, welche keine grosse Stimme erfordert, aber\neine sehr liebliche, höchst biegsame und bei halber Stärke dennoch\ndurch Reinheit und Correctheit der Töne und Tonfiguren hinläng-\nlich ausgiebige, um auch in grösseren Räumen selbst in den fein-\nsten Nuancen vernommen zu werden. Alle diese Eigenschaften des\nOrgans, verbunden mit einer richtigen Behandlung desselben beim\nTonansatze, An- und Abschwellen, Athemholen, und mit den Vor-\nzügen einer sehr gebildeten Technik in Trillern, Gruppetti, Passagen\naller Art, hat Fräulein Orgeni durch den Vortrag der zwei Mazur-\nka's von Chopin (mit französischem Text für Gesang eingerichtet\nvon Frau Viardot-Garcia) auf brillante Weise entwickelt und\ndadurch das Publicum entzückt und zu lebhaftestem Applaus und\nHervorruf begeistert."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-12-10-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-12-10_01#c009", "volume": "bmtnabi_1864-12-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "399", "page_fin": "400", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641210-01.2.9", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "399", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641210-01.1.7", "debut_caractere": 3317, "fin_caractere_exclue": 7084, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nS&olll, 9. December. In der gestrigen Soiree des Sänger-\nbunde s\" im kleinen Gürzenichsaale spielte Fräulein Agnes Zim-\nmermann, eine Kölnerin von Geburt, gegenwärtig in London, eine\nFantasia und Luge von J. S. Bach, zwei Compositionen von sich\n(ein Andante! „Auf dem Wasser\" überschrieben und ein sehr hüb-\nsches Scherzo), die Sonate in A-clur von Gade für Pianofort© und\nVioline mit Herrn von König slow und Paganini's La Cam-\npanella, von Liszt für Pianoforte übertragen. Wir hatten schon in\nPrivatkreisen das bedeutende Talent dieser noch sehr jungen Künst-\nlerin kennen lernen, welche ihre Studien in London (für Piano bei\nErnst Pauer) gemacht, dort zwei Mal den Preis in Composition\nund Clavierspiel, der mit einem Stipendium der König-Georgs-Stif-\ntung verbunden ist, davongetragen hat und gegenwärtig Lehrerin an\nder königlichen Akademie der Musik in London ist. Augenblicklich\nverweilt sie einige Tage hier in ihrer Vaterstadt auf der Rückkehr\nvon Hannover, wo sie in einem Ilofconcerte sich der ehrenvollsten\nAuszeichnung durch den königlichen Hof zu erfreuen hatte. Ihr\nClavierspiel vereinigt eine vollendete Technik, die sich besonders in\nder Reinlichkeit und Egalität offenbart und auch keineswegs der\nKraft ermangelt, mit einem vorzüglichen Anschlage, den sie vor-\ntieillich zu nuanciren versteht, und mit einem Vortrage, der nament-\nlich in den Passagenstellen der Sonate und der Campanella und in\nihrem eigenen Scherzo eine reizende Anmuth entfaltete. So viel sich\naus den wenigen Proben, die sie davon gab, schliessen lässt, ist\nauch ihr Compositions-Talent nicht unbedeutend. Der Sänger-\nbund trug Zöllners „Müllerlieder\", Hiller's „Die Gränzen der\nMenschheit\" und einige andere Gesänge mit verdientem Beifalle vor,\nund das anwesende Publicum muss ihm seinen Dank aussprechen,\ndass er es mit einer so trefflichen und interessanten jungen Künst-\nlerin bekannt gemacht hat.\nBielefeld. Die durch Uebersiedelung des Herrn Musik-Di-\nrectors Hoffmann erledigte Stelle eines Dirigenten unseres Musik-\nvereins wurde im September d. J. durch Herrn Albert Hahn aus\nBerlin wieder besetzt. ln den beiden bis jetzt Statt gehabten\nConcerten kamen u. A. zur Aufführung: „Der Tages Weihe\" für\nChor mit Begleitung von Pianoforte, Violine und Cello von Franz\nSchubert, „Der Glaube\" von Rossini\", Hymne für Frauenchor von\nSchubert, Ave Maria von Reinecke, Zigeunerleben von R. Schu-\nmann, Quartette von Reichardt und Mendelssohn. Fremde Künstler\ntraten auf: Fräulein Schön heim, eine volle Sopranstimme, Fräu-\nlein von Jansard, liebliche Coloratursängerin, und Professor Gul-\nsing, der bekannte Violinist. ln Vorbereitung zur Aufführung\nam 13. December: Hiller's „Zerstörung Jerusalems\" unter Mitwir-\nkung der Solisten: Frau van Ising, Schwester der Cruwelli, Fräu-\nlein Schönheim, Fräulein Gindele aus Braunschweig, Herrn\nPirk aus Hannover. Wir hegen die freudige Hoffnung, bei die-\nser Gelegenheit den berühmten Componisten hierselbst festlich be-\ngriissen zu können.\nIjeifizig, 24. November. Der Dilettanten-Orchesterverein un-\nter Leitung des Musik-Directors Herrn von Bernuth gab am 20.\nNovember vor einem eingeladenen Publicum, resp. inactiven Mit-\ngliedern und Gästen ein recht beifällig aufgenommenes Concert, in\nwelchem sich der genannte Dirigent wiederum als einen vortreffli-\nchen Leiter und Bildner seiner aus verschiedenen Berufszweigen\nzusammengestellten Kräfte erwies. Aus dem Juristen- und Kauf-\nmannsstande namentlich haben sich eine Menge Dilettanten zu einem\nvollständigen Orchester vereinigt, für dessen Regelung und recht\nwackeres Zusammenspiel Herrn von Bernuth die uneingeschränkteste\nAnerkennung gebührt. Wenn ein aus Männern von musicalischem\nBerufe zusammengestelltes Orchester für gute Leistungen öffentliches"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "400", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641210-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6690, "texte": "Lob verdient, wie viel mehr muss sich die Anerkennung steigern,\nwenn von solchen Männern Tüchtiges geleistet wird, welche die\nMusik nur in ihren Erholungsstunden betreiben können! Und so\nsei denn hiermit der wackeren Ausführung von CherubinTs Ana-\nkreon-Ouverture und der 6r-dwr-Sinfonie von Haydn lobend gedacht.\nAusserdem wollen wir der in bezeichnetem Concerte aufgetretenen\nSängerin Fräulein Schmidt für den belebten und richtig gefühlten\nVortrag mehrerer Lieder von Witt, Mendelssohn und Schumann eine\nAufmunterung nicht versagen; Intonation und schulgerechte Technik\nmüssen noch sicherer bei späteren Leistungen hervortreten. Die\nClavierspielerin Fräulein Hedwig Hultzsch bewährte sich in\nihrer noch jugendlich frischen Erscheinung als ein vielversprechen-\ndes Talent. Eine Serenade von Mendelssohn mit Orchester-Beglei-\ntung und zwei Solostücke: „Am Abend\" von Schumann und „Im-\npromptu\" von Chopin, Hessen guten, vollen Ton und richtige Nuan-\ncirung wahrnehmen. Wenn sich die Technik noch vollkommener\nentfalten und eine grössere Uebung im öffentlichen Vortrage\nvorhanden sein wird, dann glauben wir von der jungen, talentvollen\nDame noch recht Erhebliches erwarten zu dürfen. P.\nPhil. Emanuel Bach hat ein Concert für Ciavier und Streich-\nInstrumente hinterlassen, das bisher nur im Manuscripte vorhanden\nwar. Frau Wilhelm ine Szarvady-Clauss, die in den Besitz\ndieser Noten gelangte, hat sich jetzt das Verdienst erworben, die\nschöne Composition in einer Bearbeitung für Ciavier allein zu ver-\nöffentlichen. In dieser erneuten Gestalt ist Emanuel Bach's F-moll-\nConcert bei Barth. Senff in Leipzig in einem eleganten Hefte\nerschienen, das sich der Beachtung der Musikfreunde durch die\nNamen des Componisten und der Herausgeberin von selbst empfiehlt.\nDresden. Der Professor Dr. H. Th. Rötscher in Berlin\nwird von Neujahr 1865 an dramaturgische Blätter in vier-\nteljährlich erscheinenden Heften herausgeben. Dieselben werden\nbei C. C. Meinhold & Söhne hier in Dresden, welche auch das\nShakespeare-Buch von demselben Verfasser herausgegeben und so\ngeschmackvoll ausgestattet haben, erscheinen. Der Zweck dieser\nBlätter ist, durch ein würdiges wissenschaftliches Organ, gleich ent-\nfernt von Theater-Klatsch und Coterie-WTinhschaft und Geschwätz,\nzur Förderung und Hebung der dramatischen Poesie und ihrer Dar-\nstellung durch die Schauspielkunst mitzuwirken. Sie werden den\nganzen Kreis aller auf die dramatische Poesie bezüglichen Probleme\nund Lebensfragen erörtern und entwickeln und dadurch sowohl dem\njungen, aufstrebenden Dichter-Talente als dem Schauspieler Leiter\nund Führer Werden. Das Bediirfniss eines solchen Organs ist allge-\nmein. Herr Dr. Rötscher spricht sich über sein Vorhaben selbst\nin den Worten aus: „Meine Leistungen auf dem Gebiete der Dra-\nmaturgie und die Anerkennung, welche dieselben bei der Nation\ngefunden haben, geben mir den Muth und das Vertrauen zu diesem\nUnternehmen. Möge das Publicum diese dramaturgischen Blät-\nter unterstützen und durch seine thätige Theilnahme dazu mitwir-\nken, ein Organ zu schaffen und zu erhalten, welches auf unsere ge-\nsammte Cultur belebend und fördernd einzuwirken bestimmt ist.\"\nStuttgart« Die Aufführung des Vereins für classische Kir-\nchenmusik, Mittwoch den 30. November, Abends 6£ Uhr, in der\nLeonhardskirche, brachte: 1. Stabat mater für acht Stimmen in zwei\nChören von Palestrina; 2. Motette, sechsstimmig, von Orlando di\nLasso, 1573: Agimus tibi gratias; 3. Zwei „Symphoniae sacraeu von\nHeinrich Schütz : a. für eine Bassstimme mit Orgelbegleitung, 1629:\nFili mi, Absalon, und b. für 14 Stimmen in drei Chören mit sechs\nSolostimmen und Orgelbegleitung, 1650: „Saul, was verfolgst du\nmich?\" 4. Recitativ und sechsstimmige Chöre mit Orgelbegleitung\naus dem Oratorium „Jephtha*' mit lateinischem Text von Giacomo\nCarissimi (geb. um 1582 zu Padua, gest. um 1673 zu Rom); 5. Prä-\nludium und Fuge (C-dur) für die Orgel von Joh. Sebastian Bach;\n6. Aus dem 30. (31.) Psalm für drei Solostimmen mit Orgelbeglei-\ntung von Benedetto Marcello (gest. 1739 zu Brescia); 7. Krönungs-\nHymne für vier- bis sechsstimmigen Chor und Soli mit Orgelbeglei-\ntung, 1727, von Georg Friedrich Händel. Nr. 5, so wie die Be-\ngleitungen zu Nr. 3&, 4 und 7 wurden von Herrn Ed. Tod aus-\ngeführt.\nSe. Königl. Majestät haben Sich bewogen gefunden, dem Prof.\nDr. Faisst in Anerkennung seiner ausgezeichneten Leistungen im\nGebiete der Kirchenmusik, so wie der Verdienste um den musicali-\nschen Unterricht, welche derselbe sich durch die vorzügliche Leitung\nder hiesigen Musikschule erworben hat, die grosse goldene Medaille\nfür Kunst und Wissenschaft zu verleihen.\nKönigsberg« Franz Herther's komische Oper in drei\nActen: „Der Abt von St. Gallen\", ist, nachdem sie in Leipzig und\nBerlin gegeben wurde, auch hier zur Aufführung gelangt. Das\nTbeater-Publicum, welches für neuere Werke stets nur ein massiges\nVerständniss mitbringt, zeigte leider auch bei beiden Aufführungen\nder oben genannten Oper wenig Theilnahme; es mag sein, dass die\nMusik dieser Oper für ein ungeübtes Ohr etwas zu getiftelt ist,\nausserdem für eine komische Oper durchweg ein zu ernstes Gepräge\nhat: doch bietet sie dem Kenner viel Originelles und Interessantes,\nund namentlich ist im ersten Acte das Lied der Gudula, ferner das\nreizende Terzett: „Er schläft, er schloss die Augenlider\", und im\ndritten Acie die Arie des Abtes von ausserordentlicher Wirkung\nund als besonders gelungen zu bezeichnen. Der Text, dem bekann-\nten Bürger'schen Gedichte entnommen, ist unterhaltend genug, um\nselbst solche, die an der Musik weniger Genuss finden, zu ent-\nschädigen.\nWien, 26. November. K. M. v. Bocklet führte in seinem\nConcerte, mit welchem er von der OefFentlichkeit Abschied nahm,\nseinen Sohn Heinrich und seine Schülerin Fanny Stauffer vor.\nDas Publicum spendete Beiden ermunternden Beifall. Der Meister\nselbst spielte die grosse Sonate von Franz Schubert (Allegro vivace,\nCon moto: Scherzo und Trio, Rondo), welches der Tondichter ihm\ngewidmet hat. Und in der That, er hätte sie keinem Würdigeren\nwidmen können! Kaum wird unsere Zeit, die sich so grosser Fort-\nschritte in der Entfaltung der Tonsprache des Claviers rühmt, einen\nzweiten Spieler aufzuweisen haben, der wie Bocklet in den Geist\neiner solchen Tondichtung einzudringen, der jeden Zug einer so\ninteressanten und poesievollen Tondichtung so treu und prägnant\nwiederzugeben vermöchte! Die feine und reiche Scbattirung war\neine durchaus geistige, aus dem innersten Wesen des Tonwerkes\ngeschöpfte, charakteristische keine bloss moderne Vortragsschatti-\nrung, die nur auf die Effecte greller Licht- und Schatten-Abstufun-\ngen speculirt. Die Grazie im Vortrage des reizenden Rondo war\ngeradezu unnachahmlich. (W. Recens.J"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "393", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641210-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nScenen ans der Frithiofs-Sage. Für Solostimmen, Männerchor und Orchester in Musik gesetzt von Max Bruch. Orgel\nund Orgel-Concert in Remscheid. Von L. B. K. Th. von Küstner f. Aus Mai DZ (Aufführung des „Elia9u. Der rheinische\nSängerverein (Preis-Ausschreiben). Aus Münster (Händel's „Josua\"). Viertes Gesellschafis-Concert in Köln im Gürzenich. Ta-\nges- und Unterhaltungsblatt (Köln, Soiree des Sängerbundes Bielefeld, Concerte Leipzig, Dilettanten-Verein u. s. w.).\n\nScenen aus der Frithiofs-Sage.\nFür Solostimmen, Männerchor und Orchester in Musik gesetzt\nvon Max Bruch.\nZunächst dürfte es nöthig seirf, die Leser über den\nText, welcher der oben genannten neuesten Composition\nvon Max Bruch zum Grunde liegt, zu verständigen.\nDie Frithiofs-Sage von Esaias Tegner ist in\nDeutschland durch fünf bis sechs Uebersetzungen bekannt\nund als eigentümlich schöne Dichtung, die der Geist nor-\ndischer Götter- und Heldensage durchzieht, geschätzt und\ngeliebt. Trotz der schönen lyrischen Ergüsse, die das Ge-\ndicht enthält, ist es doch im Ganzen so episch, dass es sich\ngegen eine dramatische Bearbeitung als Schauspiel oder\nals Operntext sträubt, zumal wenn diese den ganzen In-\nhalt des Gedichtes und den ganzen Zeitraum, welchen die\nErzählung umfasst, in dramatische Handlung verwandeln\nwollen. Dieses Bestreben hat zu einigen Versuchen geführt,\ndie hauptsächlich eben dadurch erfolglos geblieben sind,\ndass sie den ganzen Stoff in den Rahmen eines Drama's\noder einer Cantate zwängen wollten. Eine Vermischung\ndes Epischen mit dem Lyrischen durch das Auftreten eines\nErzählers hielt der. Componist mit Recht ebenfalls für\ndurchaus ungeeignet für musicalische Darstellung.\nUm d iese Abwege zu vermeiden, wählte er eine Zu-\nsammenstellung der Hauptmomente der ersten Hälfte der\nSage, genommen aus den ersten vierzehn von den vier-\nundzwanzig Gesängen, welche sie bei Tegner umfasst.\nDaraus bildete sich eine Cantate, welche in dramatisch-\nlyrischer Form ein Ganzes bildet, in welchem zwei Perso-\nnen: Ingeborg (Sopran), Schwester König Helge's und\nGattin des alten Königs King, und Frithiof (Bariton),\nFührer eines Wikinger-Schiffes und Held der Sage —auf-\ntreten und die Chöre der Gefährten Frithiof's, der\nPriester des Gottes Baidur und des Volkes den Hin-\ntergrund bilden. Natürlich mussten Alle mehr oder weni-\nGer handelnd erscheinen, was Umbildungen einzelner\nStellen und einige Zusätze zum Original-Texte nöthig\nmachte.\nDie Vorhandlung bis zu dem Zeitpunkte, wo Bruch's\nGesangstück beginnt, geht zwar in den Hauptsachen aus\ndem Texte hervor, ist aber zu besserem Verständnisse des\nGanzen durch ein kurzes Vorwort angedeutet.\n„König Helge bewahrt seine schöne Schwester In-\ngeborg in Baldur's Tempel und Hain vor fremdem Blicke.\nFrithiof, der sie liebt und Gegenliebe findet, weiss sie\ndennoch dort in stiller Nacht zu sprechen. Er begehrt sie\nvom Könige zum Weibe. Der aber hasst ihn, weist ihn\nstolz zurück, und weil er den Hain Baldur's, wo er Inge-\nborg bei Nacht gesprochen, was Frithiof frei gesteht, ent-\nweiht habe, verbannt er ihn, bis er vom mächtigen Jarl\nArgantyr den verweigerten Tribut herbeischaffe. Frithiof\nbesteigt mit seinen Wikingern sein Schiff Ellida, und Helge\nhofft ihn auf dieser Fahrt durch Stürme und herbeigezau-\nberte Meerunholde zu vernichten.\n„Während dessen wirbt König Ring bei Helge um\nIngeborg. Helge verhöhnt ihn, worauf Ring ihm mit Hee-\nresmacht ins Land fällt. Helge wird geschlagen, flieht und\nverwüstet auf der Flucht in seinem Grimm Frithiof's Haus\nund Hof; dann erkauft er sich den Frieden durch die Zu-\nsage von Ingeborg an Ring, entreisst ihr Frithiof's Ge-\nschenk, den Armring, den er dem Gölte Baidur weiht,\nund sendet sie, die sich dem Bruder als Opfer für den\nFrieden fügt, dem alten Könige Ring zu.\"\nHier beginnt das Gedicht, welches Bruch bei seiner\nComposition zum Text genommen. Es umfasst in sechs\nScenen die Rückkehr Frithiof's von Argantyr, seine\nRache an Helge und den Priestern und seine zweite Ver-\nbannung.\nDie erste Scene spielt auf dem Meere. Frithiof und\nseine Gefährten auf dem Schilfe Ellida nahen sich dem\nHeimatslande. (Bariton-Solo und Chor.)"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "394", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641210-01.1.2", "texte": "Die zweite schildert Ingeborg's Brautzug zu König\nRing. Das Volk beklagt die Arme, die dem Geliebten und\nder Heimat entsagt. (Marsch, Chor des Volkes und So-\npran-Solo.)\nDie dritte Scene Frithiof's Rache eröffnet eine\nnächtliche Versammlung der Priester in Baldur's Tempel.\nSie erwarten den König. Aber Frithiof dringt in den Tem-\npel ein, in Zorn und Wuth über Helge's Verrath bedroht\ner die Priester, reisst den Armring Ingeborg's vom Arm\ndes Götterbildes Baidur; dieses stürzt in die Gluth des\nOpferheerdes, die Flammen ergreifen Tempel und Hain;\nFrithiof, von den Folgen der That vernichtet, weicht dem\nBannfluche der Priester und des Volkes. (Bariton-Solo, Chöre\nder Priester und des Volkes, welche den Brand schildern.)\nDie vierte Scene ist rein lyrisch: Frithiof's und sei-\nner Gefährten Abschied von Nordland. (Bariton-Solo und\nChor.) Eben so die fünfte: Ingeborg's Klage (So-\npran-Solo).\nDie sechste und letzte Scene zeigt uns Frithiof wie-\nder auf dem Meere. Er gibt den Wikingern Satzung und\nRecht, das diese beschwören als kühne Schiffer und Käm-\npfer. Er entfaltet die Fahne des Sieges, und die Gefährten\nstimmen begeistert in den Normannssang ein, mit dem sie\nnach südlichen Zonen segeln. (Bariton-Solo und Chor.)\nDieser Text ist geschickt zusammengestellt, denn er\nenthält, wie man sieht, Situationen, die zu lyrisch- und\ndramatisch-musicalischer Darstellung geeignet sind. Herr\nBruch hat sie vortrefflich benutzt: zwischen den zwei breit\nausgeführten Hauptscenen—Tempelbrand und Meerfahrt\nnach Süden vertreten die anderen Nummern lyrische\nStimmungen, so dass durch einen Wechsel des „Strengen\nmit dem Zarten\" die Monotonie vermieden wird, ohne\ndass dadurch die Einheit des Charakters der Musik des\nGanzen gestört würde.\nVielleicht könnte Mancher Manches aus Ge-\ndicht vermissen, das ihm geeignet zur Composition scheint,\nvielleicht kommen sogar einige Literaten, die, wie man das\njetzt olt namentlich in den Feuilletons politischer Zeitun-\ngen lesen kann, ohne musicalische Kenntnisse über mu-\nsicalische Werke schreiben, mit dem Vorwurf verletzter\nPietät gegen den schwedischen Dichter herangerückt, als\nwenn Tegndr seine treffliche Dichtung zum Zwecke einer\nmusicalischen Composition geschrieben hätte! Diese lei-\ndige Pedanterie, verbunden mit dem egoistischen Eigen-\nsinne unserer Dichter und Libretto-Verfasser wiewohl\nwir der letzteren eigentlich gar keine besitzen —, welche\njeden ihrer Verse für unsterblich und ohne Frevel an\nihrem Genie für unverletzlich halten, hat in Deutschland\nschon manchen guten Componisten um die Frucht seiner\nArbeit und den Erfolg seines Werkes gebracht, da unsere\nDichter von der Notwendigkeit des Zusammengehens des\nDichters und Componisten, besonders für Opern und ähn-\nliche Gesangwerke, keinen Begriff haben. Es bedarf also\njener etwaige Vorwurf der Impietät keiner Widerlegung,\nwenn man den Text des Bruch'schen Frithiof als Grund-\nlage musicalischer Composition betrachtet. Man wird fin-\nden, dass die Abschnitte des Tegner'schen Gedichtes,\nwelche an Handlung, an dramatischen Situationen am\nreichsten sind, zugleich mit denen, in welchen • sich die\nEmpfindung rein menschlicher Gefühle und Leidenschaf-\nten ausspricht, gewählt worden sind. Die ersten Gesänge\nder Frithiofs-Sage sind eben so wenig wie die letzten zu\neiner Benutzung für musicalische Zwecke geeignet. Die\nSchilderung von Frithiof's und Ingeborg's in zarter Jugend\nkeimender Liebe, von König Bele's Tod und von seinen\nErben, die Werbung Frithiof's, seine Fahrt zu Argantyr\nund die Erzählung von seinem Aufenthalte bei ihm bieten\neben so wenig geeigneten Stoff für die Musik, als die letz-\nten, die von Frithiof's Erscheinen an König Bing's Hofe,\nvom Tode Bing's und der Versöhnung des Helden mit\nIngeborg's Bruder Halfdan u. s. w. erzählen und am\nSchlüsse christliche Ideen in die alte Sage hineinspielen\nlassen.\nWir halten mithin dafür, dass Herr Bruch mit rich-\ntigem Tacte seinen Text aus den mittleren Gesängen des\nTegner'schen Gedichtes geschöpft hat. Gleich die erste\nScene reisst uns mitten in die Handlung hinein, die fol-\ngenden enthalten die tragischen und entscheidenden Mo-\nmente in der Geschichte von Frithiof's und Ingeborg's\nLiebe, und die letzten Scenen schliessen diese durch die\nKatastrophe des Brandes und die Meerfahrt ab, so dass\nder Titel des Werkes auch „Frithiof und Ingeborg\" heis-\nsen könnte.\n(Schluss folgt.)\n\nOrgel und Orgel-Concert in Remscheid.\n\nWir lasen neulich in einer dem Orgelbau und der\nOrgelmusik vorzüglich gewidmeten Zeitschrift, dass es\nzwar viele Orgelbauer, aber wenige Künstler ,in diesem\nFache gebe. Das ist allerdings wahr, allein die neuere\nZeit hat denn doch im Orgelbau so viele Verbesserungen\nins Leben gerufen, dass man eher Ursache haben dürfte,\nauch für den Bau der Orgel, eben so wie für das Piano-\nl'orte, den Fortschritt anzuerkennen. Der Instrumentenbau\nüberhaupt ist ein Kunsthandwerk, d. h. eine Fabrikthätig-\nkeit, die zwischen Kunst und Handwerk in der Mitte steht;\neben desswegen hängt das günstige Resultat derselben\nweder bloss von der wissenschaftlichen Lehre, noch von"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "395", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641210-01.1.3", "texte": "der Erfahrung und Uebung, ja, sogar nicht einmal von\nder Verbindung beider mit einander ab, sondern es gehört\ndazu, wie zu der reinen Kunstthätigkeit, auch ein gewisses\nEtwas, welches die Natur dem Ausübenden gegeben ha-\nben muss, und das wir praktisches Genie nennen können.\nDie Räthsel der Akustik, dieser eigensinnigen und wider-\nspänstigen Sphinx, vollständig zu lösen, ist der Wissen-\nschaft noch nicht gelungen; so ausgezeichnete Fortschritte\nauch in Ergründung ihrer Gesetze gemacht worden sind,\nnoch immer spottet ihr eigentümliches Wesen beim Bau\nvon Instrumenten, wie von Concert- und Theatersälen,\nder Zuversicht der Theoretiker. Trotz aller theoretischen\nKenntnisse und ausdauernder Versuche der neueren Zeit\nbleiben dennoch die Cremoneser- und die alten Tyroler-Gei-\ngen unerreicht, und ungeachtet des ungeheuren Fortschrit-\ntes im Ciavierbau kann trotz der sorgfältigsten und gleich-\nförmigsten Ausarbeitung aller einzelnen Stücke auch die\nberühmteste Fabrik nicht darauf schwören, dass jedes In-\nstrument aus ihrer erkstätte ganz dieselben Eigenschaf-\nten an Fülle, Schönheit und Egalität des Tones habe, wie\ndie übrigen.\nBei der Orgel kommt nun, abgesehen von dem guten\nMaterial und der genauen, sorgfältigen und eleganten Ar-\nbeit, noch ein Erforderniss hinzu, das für die Wirkung\nunentbehrlich ist, aber am meisten auf dem, was wir oben\n„praktisches Genie\" nannten, beruht, das ist das so ge-\nnannte Intoniren der verschiedenen Orgelstimmen. „Into-\nniren\" heisst in der Orgelbauersprache (denn sie haben\nso gut eine besondere, wie die anderen Gewerke) lj die\nPfeifen zur richtigen Ansprache der verlangten Stufe der\nTonleiter bringen; 2) in jeder Stimme (oder Register) die\nerforderliche Klangfarbe und deren Gleichheit in allen\nOctaven, welche das Register umfasst (z. B. den Violin-\nklang im Principal, den Klang der gestrichenen Bässe, der\nverschiedenen Holz-Blasinstrumente, dann der Trompete,\nPosaune u. s. w.), erzeugen; 3) allen diesen Klängen\neinen schönen, wohllautenden Ton geben. Die Into-\nnation betrifft demnach bei der Orgel nicht bloss, wie\nbeim Sänger, die Reinheit und Richtigkeit des Tonansatzes,\nsondern sie ist für die Orgel dasselbe, was für den Sän-\nger die Tonbildung ist. Durch diese Andeutungen des\nWesens der Orgel-Intonation dürfte auch bei dem Laien\n(und k ein Instrument zählt in Bezug auf seine innere Ein-\nrichtung selbst unter den Musikern mehr Laien, als die\nOrgel) eine Vorstellung von der Schwierigkeit dieses Thei-\nles der Kunst des Orgelbauers entstehen.\nZu diesen Bemerkungen hat uns die Revision einer\nneuen Orgel in der evangelischen Kirche zu Remscheid\nim Bergischen, die aus der Kunst-Werkstätte der Gebrü-\nder C. Rud. und Rieh. Ibach in Barmen hervorge-\ngangen ist, veranlasst.\nIn unseren Tagen kommt man, wenigstens in Deutsch-\nland und grösstentheils auch in Belgien und Frankreich,\nimmer mehr von dem Luxus zurück, der früher mit der\nMenge von Registern getrieben wurde; man hat einge-\nsehen, dass fünfzig, sechszig, siebenzig Stimmen im Grunde\nnur eine Prahlerei mit Registern war, die ungefähr den-\nselben Werth hatte, wie eine Masse von Titeln bei hohen\nHäuptern oder Staatsbeamten, die das wahre Verdienst\nund die wahre Macht der Betreffenden nicht im Gering-\nO\nsten vergrössern. j\\ur England, in allen Dingen und auch\nin Kunstgegenständen mehr kolossal als schön, erfreut sich\nnoch an 32füssigen Orgeln von unendlich vielen Stimmen,\nin denen die meckernde Vox und andere Abson-\nderlichkeiten, wie Tremulant und Genossen, nicht fehlen\ndürfen. Die Frage, ob durch die Orgel die Erschütterung\nder Mauern oder der Herzen zu beabsichtigen sei, kann\nheutzutage nicht mehr vorkommen: die Gewitter und\nStürme hat man der Atmosphäre überlassen und zieht\nes vor, sich von der Orgel durch den Wohllaut der ein-\nzelnen Stimmen rühren und durch diejenige Kraft des\nganzen Werkes ergreifen zu lassen, welche nur so viel\nMacht ehtwickelt, als bei wirklicher Fülle und Rundung\ndes Tones ohne Kreischen und Schmettern zu erreichen ist.\nSo hat denn auch das genannte Werk von Ibach\nnicht mehr als fünfundzwanzig klingende Stimmen für\nzwei Manuale und Pedal, darunter sechszehnfüssi g :\nBordun im Hauptmanual, Subbass, Violonbass und Po-\nsaune im Pedal, achtfüssig: Principal, Gamba, Salicional,\nLieblich Gedackt, Gemshorn, Principal- und Gedacktbass\n(beide letzteren im Pedal), Flötenwerke\nRohr-, und Vvm\\['ö\\.z,Flauto dolce), Fagott und Oboe, Trom-\npete; dazu die übrigen Füllstimmen in richtigem Verhält-\nnisse. Mit diesen wenigen Mitteln hat der Erbauer eine\nWirkung erreicht, welche sowohl in dem vollen Werke\neine harmonische, klangreiche und imponirende zu nennen\nist, als in den einzelnen Stimmen und deren verschiedenen\nCombinationen einen sehr lieblichen Wohllaut und eine\nvortreffliche Mischung der sanfteren Klangfarben offen-\nbart. Von den Rohrwerken sind die Oboe (und Fagott)\nund die Trompete ganz besonders auszuzeichnen, und für\nalle Stimmen, namentlich auch jene des zweiten Manuals\n(des Positivs), ist die Intonation so gut gelungen, dass\nIbach in dieser Beziehung jetzt wohl kaum seines Gleichen\nunter den deutschen Orgelbauern hat. Was das volle\nWerk betrifft, so müssen wir noch bemerken, dass wir\nes für einen grossen Vorzug halten (den wir schon bei\nvielen der letzten Orgeln Ibach's bemerkt haben), dass\nauch bei Ausziehung aller Register der runde und vor-\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "396", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641210-01.1.4", "texte": "herrschend weiche Ton in voller Kraft wohllautend bleibt\nund durch keinerlei Art von Härte und Schärfe einzelner\nStimmen sein harmonischer Klang gestört wird. Endlich\ndürfen wir nicht vergessen, dass diese Orgel auch den\nSchönheitssinn des Auges durch einen Prospect befriedigt,\nder zu den schönsten gehört, die wir gesehen haben, und\nder dem Zeichner desselben, Herrn Bau-lnspector Laur\nin Lennep, grosse Ehre macht. Die darin stehenden Front-\npfeifen tragen durch Qualität des Materials und der Arbeit\nzu dem schönen Anblicke das Ihrige bei.\nSchliesslich müssen wir aber hinzusetzen, dass auch\nnicht jedem Orgelbauer der glückliche Umstand zu Stat-\nten kommt, sein Instrument auf so trefl liehe Weise vor-\ngeführt zu hören, wie dies in Remscheid nach der Revi-\nsion durch Herrn J. A. van Eyken aus Elberfeld ge-\nschah. Der berühmte Organist trug auf der neuen Orgel\nvor: Toccata und Fuge in D-moll von J. S. Räch und\ndessen Choral-Vorspiel: „Schmücke dich, o liebe Seele\";\nferner Hesse's Variationen in A-dur, das Largo aus\nBeethoven's Sonate Op. 10 Nr. 3, Mendelssohn's\nSonate über den Choral „Vater unser im Hiifimelreich\",\nSchumann's Abendlied, Mozart's grosse Phantasie in\nF-moll und Toccata und Fuge über von seiner\neigenen Composition. Das letztgenannte Werk ist eine\nwahrhaft bewundernswerthe Composition, die den streng-\nsten contrapunktischen Stil, bis zu den künstlichsten Com-\nbinationen getrieben, mit einer Phantasie und einer Wir-\nkung des Ganzen vereinigt, wie wir sie nur bei den älte-\nren Meistern der Orgelmusik finden. Die Ausführung er-\nfordert freilich auch einen Spieler wie van Eyken, den wir\nallerdings seit vielen Jahren kennen und hochschätzen,\naber dessen meisterhafte Behandlung des riesigen Instru-\nmentes uns noch nie in so glänzendem Lichte erschienen\nist, als in allen den Vorträgen an jenem Nachmittage und\nbesonders in der Ausführung der grossen Toccata und\nFuge von Dach und seiner eigenen über den Namen des\nunsterblichen Meisters*).\n\nL. B.\n\n<:) dieser Gelegenheit empfehlen wir allen Organisten an\nKirchen und denjenigen, deren Aufsicht die Orgeln in Conservatorien\nund Concertsälen anvertraut sind, das Heft von A. G. Ritter: Die\nErhaltung und Stimmung der Orgel durch den Orga-\nnisten. Erfurt und Leipzig, bei G. W. Körner. 1861. 38 S. 8 mit\n4 Taleln Abbildungen. Pr. 8 Sgr. (in Dutzend-Exemplaren 6 Sgr.).\nDa sich nicht ein Jeder und am wenigsten die leider immer noch\nschlecht gestellten Lehrer und Organisten die grösseren Werke von\nTöpfer, Schiimbach, Seidel und das „Lexicalische Handbuch\nfür musicalische Kirchenbeamte\" von A. G. Ritter anschaffen kön-\nnen, so sollten die Gemeinden und Schulbehörden das genannte\nSchriftchen an die Betreffenden vertheilen. Es enthält in Kürze und\nin fasslicher Sprache alles, was dem Organisten, der es mit seinem\nInstrumente gut meint, zu wissen nöthig ist, und verdeutlicht es\ndurch Abbildungen. Nach einer kurzen Beschreibung der Orgel, die\nnichts Wesentliches übergeht (S. 1—17), handeln die folgenden Ab-\nschnitte von der Aufsicht über die Orgel und Verhütung der\nSchäden; von der Nachhülfe bei Verstimmung der Pfeifen,\nbei der Mechanik, bei Fehlern an den Bälgen und C analen\nAlles mit leicht zu befolgender praktischer Anleitung. Wie\nmanche schöne Orgel würde vor Verwahrlosung geschützt, wie\nmanche Ausgabe für Reparaturen u. s. w. den Kirchencas-\nsen erspart werden, wenn die Gemeinden die ganz unbedeu-\ntende Ausgabe für Kitter's Schriftchen nicht scheuten und dasselbe\njedem Organisten in Stadt und Land einhändigten und seine Ge-\nwissenhaftigkeit in Befolgung der darin gegebenen Vorschriften\nernstlich in Anspruch nähmen!\n\nK. Th. von Küstner †.\nKarl Theodor von Küstner, Doctor der Rechte,\nGeneral-Intendant der königlichen Schaupiele in Berlin\na. D., wurde den 26. November 1784 in Leipzig gebo-\nren, studirte daselbst und in Göttingen, erwarb die juristi-\nsche Doctorwürde (1810) und machte den Feldzug von\n1814 als Olficier der freiwilligen Husaren mit dem Ban-\nner freiwilliger Sachsen mit. Für die Widmung seiner\ndramatischen Kleinigkeiten verlieh ihm der Herzog von\nSachsen-Coburg 1815 den Hofraths-Titel, und 1817\nübernahm er aus Liebe zur Kunst, als erster Director des\nstehenden Theaters in Leipzig, die Direction des Stadt-\ntheaters. Dieses erreichte unter seiner Leitung eine Blüthe-\nzeit, welche noch heute im besten Andenken steht; freilich\naber machte er selbst keinen Vortheil dabei und legte\nendlich, durch stete Verluste gezwungen, im Jahre 1828\nseine Direction nieder. Im Jahre 1830 wurde Küstner\nIndentant des Hoftheaters in Darmstadt, bis dasselbe 1831\naufhörte; in gleicher Eigenschaft nach München berufen,\nging er 1833 dahin, wo er an der Hofbühne sehr segens-\nreich wirkte, bis er 1842 einem Rufe als General-Inten-\ndant der königlichen Schauspiele in Berlin folgte. 1851\nnahm er daselbst seine Entlassung und lebte theils in Ber-\nlin, theils in Leipzig, wo er am 27. October beinahe acht-\nzigjährig verschied. Die Organisation der deutschen Bühne\nist ihm grossen Dank schuldig. Er war es, der mit Hol-\nbein in Wien die Tantieme für die Bühnendichter auch\nin Deutschland einführte; er gründete mit grosser Mühe\nden Bühnenverein, welcher Directoren und Künstlern die\nRechte ihrer Contracte sichert, und hat sich so Denkmale\ngestiftet, welche ihn lange überdauern werden."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "397", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641210-01.1.5", "texte": "Aus Mainz.\nDen 3 0. November 1864.\nGestern kam das Oratorium „Elias\" von Mendels-\nsohn durch den Damen-Gesangverein und die Liedertafel\nim Theater zum Vortheil der Armen zur Aufführung.\nZwei Wahrnehmungen waren es, die uns gleich zu An-\nfang des Concertes angenehm überraschten: einmal das in\nallen Räumen gefüllte Haus, durch welches den Armen\nhoffentlich kein unbeträchtlicher Ueberschuss zu Theil\nwerden.wird, und dann die ziemlich ansehnlichen Kräfte,\nwelche der Capellmeister der Liedertafel, Herr Lux. ins\nTreffen führte. Wir waren seither stets genöthigt, über\ndie grosse Theilnahmlosigkeit zu klagen, welche die acti-\nven Mitglieder bei den Vereins-Concerten an den Tag leg-\nten; gestern jedoch war die Anzahl der Mitwirkenden be-\ndeutend grösser, wie bisher. Wir zählten im Sopran 27,\nim Alt 16 Sängerinnen, im Tenor 25 und im Bass wohl\n35 Sänger. Wenn diese Zahl auch bei Weitem noch nicht\ndiejenige ist, welche den Kräften des Vereins entsprechen\nwürde, so war sie doch hinreichend, die schönen Chöre\ndes Oratoriums „Elias* zur Geltung zu bringen. Wir ha-\nben bei mehreren Gelegenheiten früher behauptet, es fehle\nnur Eines, um die Apathie der activen Mitglieder zu.ban-\nnen, nämlich wieder einmal ein entschieden durchschla-\ngender Erfolg. Haben wir mit dieser Ansicht Recht\ngehabt, dann muss es sich nun wohl zeigen: die Bedin-\ngung ist erfüllt, und wir wollen hoffen, die Folge werde\nauch nicht ausbleiben.\nIn der That, der Erfolg der gestrigen Aufführung war\nein grosser, die Befriedigung der Zuhörer eine allgemeine,\nund die Freude derselben über den gebotenen Genuss\ndrückte sich nach beiden Abtheilungen des Oratoriums\ndurch einen lauten Beifallssturm aus. Die Chöre waren mit\neiner Sorgfalt einstudirt, die das rückhaltloseste Lob ver-\ndient; namentlich diejenigen der ersten Abtheilung wurden\ntadellos correct und mit feiner Schattirung gesungen, die\nEinsätze waren immer präcis und fest, und auch den höhe-\nren Anforderungen, die man an den Chorgesang stellen\nmuss, wurde in mancher Beziehung genügt; es traten nicht,\nwie früher, einzelne Stimmen ungebührlich hervor; man\nwar sichtlich bestrebt gewesen, eine möglichst vollendete\nZusammenwirkung zu erreichen, und auch die Text-Aus-\nsprache war, wenigstens von Seiten des Männerchors, eine\nsehr deutliche. Die Solo-Partieen hatte man aus Sparsam-\nkeits-Rücksichten mit einer einzigen Ausnahme (Fräulein\nMolnar von Darmstadt sang mit bekannter Trefflichkeit\ndie erste Sopran-Partie) durch Vereins-Mitglieder besetzt,\nderen Leistungen natürlich sich der öffentlichen Besprechung\nentziehen. Doch kann gesagt werden, dass sie Alle ihrer\nAufgabe mehr oder weniger genügten und einzelne Solo-\nnummern sich sogar lebhaften und verdienten Beifalls zu\nerfreuen hatten. iVlit dem Orchester hatte Herr Lux in den\nProben seine liebe Notb, bis es ihm gelang, auch den in-\nstrumentalen I heil des Werkes einiger Maassen\nhinzustellen. Wann endlich wird etwas zur Hebung dieses\nfür alle unsere musicalischen Aufführungen, seien sie im\nTheater oder im Concertsaale, so wichtigen Körpers ge-\nschehen!— Wir glauben, wenn die Liedertafel den „Elias\"\ndemnächst wiederholt, wird man ihr allseitig sehr dankbar\ndafür sein.\n\nDer rheinische Sängerverein.\nDer „rheinische Sängerverein\", über dessen Grün-\ndung und bisherige Leistungen in seinen Gesammt-Con-\ncerten in Köln und Aachen unsere Zeitschrift früher be-\nrichtete (vergl. Jahrgang 186-'}, Nr. 38 und 41, 1864,\nNr. 38 und 39), hat durch den ge genwärtigen Vorort\nCrefeld (Liedertafel) dem Paragraphen des Statuts ge-\nmäss, welcher die Hälfte des Reinertrags der jährlichen\nConcerte zu Preis-Honoraren bestimmt, folgendes Preis-\nAusschreiben erlassen:\n„Der rheinische Sängerverein, bestehend aus den\nVereinen: aachener Liedertafel, bonner Concordia, kölner\nMänner-Gesangverein, crefelder und elberfelder Lieder-\ntafel und neusser Männer-Gesangverein, eröffnet hiermit\nseinen Statuten gemäss einen Concurs auf die beste\nConcert-Composition für Männergesang und\nOrchester. Für dieselbe hat der Verein einen Preis von\nzweihundert Thalern ausgesetzt, der fürten Fall\nzur Auszahlung gelangt, wenn die s. Z. zu ernennenden\nPreisrichter dieselbe als wirklich preiswürdig erklä-\nren. Die näheren Bedingungen sind folgende:\n„Die Aufführung des Werkes soll nicht unter zwan-\nzig und nicht über vierzig Minuten Zeit in Anspruch neh-\nmen. Die Wahl des Textes, welcher selbstredend in deut-\nscher Sprache sein muss, wird den Concurrenten anheim-\ngegeben. Indessen ist die Parodie, die Burleske, überhaupt\ndas Gebiet des Niedrigkomischen ausgeschlossen, eben so\njede Composition, deren Aufführung eine Darstellung auf\nder Bühne bedingt.\n„In Betreff der in dem Werke vorkommenden Soli\nsind Frauenstimmen statthaft.\n„Das preisgekrönte Tonstück bleibt Eigenthum des\nComponisten ; der rheinische Sängerverein behält sich je-\ndoch ein Jahr lang nach Zuerkennung des Preises das\nausschliessliche Aufführungsrecht vor.\n„ Die concurrirenden Tonstücke müssen spätestens am\n1. März 1865 beim zeitigen Vororte des Vereins, der\ncrefelder Liedertafel, eingelaufen sein. Dieselben sollen mit"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "398", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641210-01.1.6", "texte": "einem Motto versehen und von einem versiegelten Couvert\nbegleitet sein, welches äusserlich dasselbe Motto trägt und\nim Innern den Namen des Concurrenten enthält.\n„Gleich nach dem 1. März werden die Gesammt-Vor-\nstände der verbundenen Vereine zur Wahl der Preisrich-\nter zusammentreten.\n„Zusendungen werden an den Vorstand der crefelder\nLiedertafel, zu Händen des Herrn Wilh. van Kempen,\nerbeten.\n„Crefeld, den 1. November 1864. Namens des rhei-\nnischen Sängervereins: Der Vorstand der Liedertafel von\nCrefeld als zeitiger Vorort.\"\n\nAus Münster.\nX.\nDen 1. December 1864.\nNach alter Sitte ist das Cäcilienfest hier am 22. und 23. No-\nvember durch Concert-Aufführungen gefeiert worden. Der erste\nAbend brachte uns eine vortreffliche Aufführung von HändeTs\n„ Jos ua\" unter Leitung des Herrn Musik-Directors Grimm vor\neinem zahlreichen Auditorium, da auch viele Fremde aus der Um-\ngegend anwesend waren. Das Personal in Chor und Orchester zählte\n130 Mitwirkende. Das Publicum war sehr theiinehmend; die Solisten\nFräulein Auguste Brenken und Francisca Schreck, die\nHerren Schneider aus Rotterdam und Stägemann aus Hanno-\nver wurden gleich bei ihrem Auftreten mit Applaus empfangen und\närnteten fast nach jeder Nummer reichlichen Beifall. Fräulein Bren-\nken wurde nach der letzten Arie: „O, hätt' ich Jubal's Harfe!\"\ngerufen und fand auch in dem Vortrage der früheren Arien, na-\nmentlich der reizenden Frühlingsschilderung, grossen Beifall. Fräu-\nlein Schreck hat den Charakter des Othniel vortrefflich aufgefasst,\nihr Vortrag des Recitativs bei Erscheinung des Engels war wunder-\nbar schön, und die Herren Solisten blieben in ihren Leistungen\nnicht gegen die Damen zurück. Die ganze Aufführung war eine\nsehr gelungene; es herrschte dabei von Anfang bis Ende bei Mit-\nwirkenden und Zuhörern eine musikfestliche Stimmung. Herr Grimm\nhatte die von Chrysander aufgefundene Schlachtmusik zum Josua,\ndie in der neuen Händel-Ausgabe veröffentlicht ist, für volles Or-\nchester instrumentirt, und so kam sie zum ersten Male hier in Mün-\nster zur Aufführung. Der Chor war sehr brav, wie auch das Orche-\nster, was wiederholt durch Beifall anerkannt wurde.\nUeber das Kün stler-Concert am 23. November waltete\nebenfalls ein sehr guter Stern. Die Weber'sche Oberon-Ouverture\nund die Mendelssohn'sche zu Ruy Blas gingen sehr gut. Nach der\nersteren sang Fräulein Brenken die Arie: „Ocean!\" mit vortreff-\nlicher und bis in die kräftigste Höhe glockenreiner Stimme mit gros-\nsem Beifalle, der bei ihrem Auftreten im zweiten Theile ihr eine\nwahre Ovation zum Empfange bereitete. Sie sang Mendelssohn's:\n„Ach, um deine feuchten Schwingen\", und Taubert's: „Ich muss nun\neinmal singen\", was sie auf stürmischen Applaus und Dacaporuf\nwiederholen musste. Nächst ihr entzückten die Herren Stägemann\nund Schneider das Publicum durch den herrlichen Vortrag von\nLiedern .und Balladen von Schumann und J. 0. Grimm, und\nFrau Philippine Grimm erfreute uns im Vereine mit ihrem Gat-\nten durch die vierhändige Clavier-Production von F. Schubert's\nungarischem Rondo, so wie Herr Concertmeister A. Barg he er\ndurch den Vortrag von Beethoven's Romanze in G für die Vio-\nline und von David's „Lied\" und „Am Springquell\". Der Saal\nwar bis in die fernsten Winkel gefüllt.\n\nViertes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller.\nDinstag, den 6. December 1864.\nDer Instrumentalmusik gebührte an dem Abende des vierten\nAbonnements-Concertes in Bezug auf die sorgfältig studirte und dem-\ngemäss genaue und schwungvolle Ausführung der gewählten Stücke\nder entschiedene Vorrang vor der Gesangmusik. Weber's Ouvertüre\nzur Euryanthe, Spontini's prachtvolle Olympia-Ouverture und\nBargiel's Sinfonie bewährten zur grossen Befriedigung* des Pu-\nblicums diesae Mal wieder dieselbe Vortrefflichkeit des Orchesters,\ndie wir sonst stets an ihm gewohnt waren. Ferner entzückte der\nausgezeichnete Vortrag des G-moll-Concertes für Pianoforte und Or-\nchester von Mendelssohn durch Herrn Ernst Lübeck die Zu-\nhörer und erwarb dem berühmten Pianisten und tüchtigen Musiker,\nder sich eine der ersten Stellungen unter den Pianisten in Paris er-\nrungen hat, rauschenden Applaus und Hervorruf. Herr Lübeck, von\ndeutschen Eltern im Haag, wo sein Vater, Heinrich Lübeck, königl.\nCapellmeister und Director der Musikschule ist, geboren, hat sich\nals Musiker in Bezug auf Verstandniss und Auffassung classischer\nWerke und auf Compositum eigener Concertstücke (von denen wir\nim Concerte eine gar liebliche Berceuse und vortrefflich gearbeitete\nVariationen im Polonaisen-Tacte hörten) ganz und gar die deutsche\nKünstlernatur bewahrt, und bei eminenter technischer Beherrschung\ndes Instrumentes sich einen Vortrag gebildet, der das Gediegene\ndeutscher Ausführung mit der Feinheit und Eleganz der französi-\nschen Schule verbindet. Nachdem er einen Theil von Nordamerica,\nauch Mexico und Brasilien durchreist, erlangte er in Holland, in\nParis und London seinen grossen Ruf, den sein Auftreten in Deutsch-\nland bestätigen und vergrössern wird. Es ist nur zu bedauern, dass\nihm seine Stellung in Paris nicht erlaubt, eine grössere Kunstreise\ndurch Deutschland zu machen ; er ist zwar von hier nach Leipzig\ngegangen und wird dort im Gewandhaus-Concerte spielen, dann aber\nsogleich über Frankfurt am Main nach seiner zweiten Heimat zurück-\nkehren. Mit seinem hervorragenden Talente vereinigt dieser Künst-\nler eine Anspruchslosigkeit, wie man sie nicht immer bei grossen\nKünstlern, die von Westen kommen, findet.\nDas grösste Orchesterstück des Abends war Woldemar Bar-\ngiel's Sinfonie, welche eine nicht gerade günstige Stellung im\nProgramm hatte, was immer der Fall ist, wenn eine Sinfonie mitten\nzwischen anderen Concertstücken steht; aber trotzdem wurde sie\ndurch ihren Inhalt und die gelungene Aufführung unter der Leitung\ndes Componisten selbst sehr beifällig vom Publicum aufgenommen,\nwelches jeden Satz mit lebhaftem Applaus begleitete. Diese erste\nSinfonie des begabten und nach hohen Zielen mit Ernst, Fleiss und\nkünstlerisch edler Gesinnung strebenden Musikers ist, wie wir schon\nnach ihrer ersten Aufführung im geschlossenen Kreise der musicali-\nschen Gesellschaft in dieser Zeitung bemerkt haben, ein schöner\nBeweis von dem Erfolge dieses Strebens, und es will uns bedünken,\nals wenn sich mit diesem Werke, im Vergleiche zu den früheren\nOuvertüren, ein bedeutender Abschnitt in der Entwicklung des Com-\nponisten, und zwar ganz zu seinem Vortheile, kund gäbe. Dass er\nhier mehr wie sonst Beethoven zum Muster genommen, können wir"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "399", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641210-01.1.7", "texte": "nur als ein günstiges Zeichen für seine Zukunft betrachten, und\nwenn auch Einzelheiten, wie z. B. in der Durchführung im zweiten\nTheile des ersten Allegro's (C-dur: 3/4-Tact), die Arbeit mit dem\nhalben Motive des Thema's, welches trotz der Umkehrung doch am\nEnde nichts weiter als Rhythmus ist und sich zu oft wiederholt,\nuns weniger gelungen scheinen, so offenbaren doch sowohl der erste\nSatz als die drei folgenden ein trauermarschartiges Andante, ein\nernstes und gravitätisch einherschreitendes Menuetto und das Finale,\ndas sich aus einem einfachen Thema zu regem Tonleben und einem\nwirkungsvollen, glänzenden Schlüsse entwickelt eine muiscalische\nNatur, welche die Keime zu lebensfähigen Schöpfungen in sich trägt\nund uns immer kräftigere Früchte verheisst.\nWenn uns nun der orchestrale Theil des Concertes sehr befrie-\ndigt hat, so können wir dasselbe von dem gesanglichen Theile nur\nmit Einschränkung sagen. Ohne dem Chor, dessen Willigkeit und\nFähigkeit wir gewiss gern anerkennen, zu nahe treten zu wollen,\nwar die Ausführung des 98. Psalms von Mendelssohn und des\nJubilate Amen von Bruch im Ganzen lahm und, gerade heraus ge-\nsagt: unfertig, ja, in dem kurzen Solo-Quartett des Psalms hörte\nman nur den Sopran und ein paar Töne vom Bass, allein Alt und\nTenor waren gar nicht vorhanden!\nIn Fräulein Aglaya Orgeni lernten wir eine Sängerin ken-\nnen, bei welcher glänzende Vorzüge das, was noch zu wünschen\nbleibt, bedeutend überwiegen. Die Stimme der jungen Dame, die\neine noble Erscheinung ist, hat eine schöne, klangvolle Höhe, wäh-\nrend die Mitteltöne weniger Wohllaut und Intensität haben. Wenn\ndie Höhe zwar bei natürlicher Ansprache im mezzoforte am schön-\nsten ist, indess doch auch einen stärkeren Nachdruck vertragen\nkann, müssen wir der jungen Künstlerin ratlien, die Mitteltöne nur\nso zu nehmen, wie sie einmal sind, da jedes Forciren derselben sie\nkeineswegs verschönert. Wir erwähnen dies ausdrücklich, da wir\nauch bei der grossen Künstlerin, deren Schülerin Fräulein Orgeni\nist, bei Madame Viardot-Garcia, in denselben Tönen eine ähnliche\nArt der Ton-Emission bemerkt haben, die zuweilen die schöne Wir-\nkung, wenigstens für deutsche Ohren, stört. Dagegen können wir\nnicht lobend genug hervorheben, was Fräulein Orgeni ihrer Meisterin\nin jeder anderen Hinsicht der Behandlung der Stimme und des Vor-\ntrages verdankt. Fräulein Orgeni ist eine Deutsche, aber ihre Vir-\ntuosität besteht nicht so sehr in dem seelenvollen dramatischen Aus-\ndrucke, als in der eleganten und reizenden Vortragsweise der guten\nfranzösischen Schule, welche keine grosse Stimme erfordert, aber\neine sehr liebliche, höchst biegsame und bei halber Stärke dennoch\ndurch Reinheit und Correctheit der Töne und Tonfiguren hinläng-\nlich ausgiebige, um auch in grösseren Räumen selbst in den fein-\nsten Nuancen vernommen zu werden. Alle diese Eigenschaften des\nOrgans, verbunden mit einer richtigen Behandlung desselben beim\nTonansatze, An- und Abschwellen, Athemholen, und mit den Vor-\nzügen einer sehr gebildeten Technik in Trillern, Gruppetti, Passagen\naller Art, hat Fräulein Orgeni durch den Vortrag der zwei Mazur-\nka's von Chopin (mit französischem Text für Gesang eingerichtet\nvon Frau Viardot-Garcia) auf brillante Weise entwickelt und\ndadurch das Publicum entzückt und zu lebhaftestem Applaus und\nHervorruf begeistert.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nS&olll, 9. December. In der gestrigen Soiree des Sänger-\nbunde s\" im kleinen Gürzenichsaale spielte Fräulein Agnes Zim-\nmermann, eine Kölnerin von Geburt, gegenwärtig in London, eine\nFantasia und Luge von J. S. Bach, zwei Compositionen von sich\n(ein Andante! „Auf dem Wasser\" überschrieben und ein sehr hüb-\nsches Scherzo), die Sonate in A-clur von Gade für Pianofort© und\nVioline mit Herrn von König slow und Paganini's La Cam-\npanella, von Liszt für Pianoforte übertragen. Wir hatten schon in\nPrivatkreisen das bedeutende Talent dieser noch sehr jungen Künst-\nlerin kennen lernen, welche ihre Studien in London (für Piano bei\nErnst Pauer) gemacht, dort zwei Mal den Preis in Composition\nund Clavierspiel, der mit einem Stipendium der König-Georgs-Stif-\ntung verbunden ist, davongetragen hat und gegenwärtig Lehrerin an\nder königlichen Akademie der Musik in London ist. Augenblicklich\nverweilt sie einige Tage hier in ihrer Vaterstadt auf der Rückkehr\nvon Hannover, wo sie in einem Ilofconcerte sich der ehrenvollsten\nAuszeichnung durch den königlichen Hof zu erfreuen hatte. Ihr\nClavierspiel vereinigt eine vollendete Technik, die sich besonders in\nder Reinlichkeit und Egalität offenbart und auch keineswegs der\nKraft ermangelt, mit einem vorzüglichen Anschlage, den sie vor-\ntieillich zu nuanciren versteht, und mit einem Vortrage, der nament-\nlich in den Passagenstellen der Sonate und der Campanella und in\nihrem eigenen Scherzo eine reizende Anmuth entfaltete. So viel sich\naus den wenigen Proben, die sie davon gab, schliessen lässt, ist\nauch ihr Compositions-Talent nicht unbedeutend. Der Sänger-\nbund trug Zöllners „Müllerlieder\", Hiller's „Die Gränzen der\nMenschheit\" und einige andere Gesänge mit verdientem Beifalle vor,\nund das anwesende Publicum muss ihm seinen Dank aussprechen,\ndass er es mit einer so trefflichen und interessanten jungen Künst-\nlerin bekannt gemacht hat.\nBielefeld. Die durch Uebersiedelung des Herrn Musik-Di-\nrectors Hoffmann erledigte Stelle eines Dirigenten unseres Musik-\nvereins wurde im September d. J. durch Herrn Albert Hahn aus\nBerlin wieder besetzt. ln den beiden bis jetzt Statt gehabten\nConcerten kamen u. A. zur Aufführung: „Der Tages Weihe\" für\nChor mit Begleitung von Pianoforte, Violine und Cello von Franz\nSchubert, „Der Glaube\" von Rossini\", Hymne für Frauenchor von\nSchubert, Ave Maria von Reinecke, Zigeunerleben von R. Schu-\nmann, Quartette von Reichardt und Mendelssohn. Fremde Künstler\ntraten auf: Fräulein Schön heim, eine volle Sopranstimme, Fräu-\nlein von Jansard, liebliche Coloratursängerin, und Professor Gul-\nsing, der bekannte Violinist. ln Vorbereitung zur Aufführung\nam 13. December: Hiller's „Zerstörung Jerusalems\" unter Mitwir-\nkung der Solisten: Frau van Ising, Schwester der Cruwelli, Fräu-\nlein Schönheim, Fräulein Gindele aus Braunschweig, Herrn\nPirk aus Hannover. Wir hegen die freudige Hoffnung, bei die-\nser Gelegenheit den berühmten Componisten hierselbst festlich be-\ngriissen zu können.\nIjeifizig, 24. November. Der Dilettanten-Orchesterverein un-\nter Leitung des Musik-Directors Herrn von Bernuth gab am 20.\nNovember vor einem eingeladenen Publicum, resp. inactiven Mit-\ngliedern und Gästen ein recht beifällig aufgenommenes Concert, in\nwelchem sich der genannte Dirigent wiederum als einen vortreffli-\nchen Leiter und Bildner seiner aus verschiedenen Berufszweigen\nzusammengestellten Kräfte erwies. Aus dem Juristen- und Kauf-\nmannsstande namentlich haben sich eine Menge Dilettanten zu einem\nvollständigen Orchester vereinigt, für dessen Regelung und recht\nwackeres Zusammenspiel Herrn von Bernuth die uneingeschränkteste\nAnerkennung gebührt. Wenn ein aus Männern von musicalischem\nBerufe zusammengestelltes Orchester für gute Leistungen öffentliches"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "400", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641210-01.1.8", "texte": "Lob verdient, wie viel mehr muss sich die Anerkennung steigern,\nwenn von solchen Männern Tüchtiges geleistet wird, welche die\nMusik nur in ihren Erholungsstunden betreiben können! Und so\nsei denn hiermit der wackeren Ausführung von CherubinTs Ana-\nkreon-Ouverture und der 6r-dwr-Sinfonie von Haydn lobend gedacht.\nAusserdem wollen wir der in bezeichnetem Concerte aufgetretenen\nSängerin Fräulein Schmidt für den belebten und richtig gefühlten\nVortrag mehrerer Lieder von Witt, Mendelssohn und Schumann eine\nAufmunterung nicht versagen; Intonation und schulgerechte Technik\nmüssen noch sicherer bei späteren Leistungen hervortreten. Die\nClavierspielerin Fräulein Hedwig Hultzsch bewährte sich in\nihrer noch jugendlich frischen Erscheinung als ein vielversprechen-\ndes Talent. Eine Serenade von Mendelssohn mit Orchester-Beglei-\ntung und zwei Solostücke: „Am Abend\" von Schumann und „Im-\npromptu\" von Chopin, Hessen guten, vollen Ton und richtige Nuan-\ncirung wahrnehmen. Wenn sich die Technik noch vollkommener\nentfalten und eine grössere Uebung im öffentlichen Vortrage\nvorhanden sein wird, dann glauben wir von der jungen, talentvollen\nDame noch recht Erhebliches erwarten zu dürfen. P.\nPhil. Emanuel Bach hat ein Concert für Ciavier und Streich-\nInstrumente hinterlassen, das bisher nur im Manuscripte vorhanden\nwar. Frau Wilhelm ine Szarvady-Clauss, die in den Besitz\ndieser Noten gelangte, hat sich jetzt das Verdienst erworben, die\nschöne Composition in einer Bearbeitung für Ciavier allein zu ver-\nöffentlichen. In dieser erneuten Gestalt ist Emanuel Bach's F-moll-\nConcert bei Barth. Senff in Leipzig in einem eleganten Hefte\nerschienen, das sich der Beachtung der Musikfreunde durch die\nNamen des Componisten und der Herausgeberin von selbst empfiehlt.\nDresden. Der Professor Dr. H. Th. Rötscher in Berlin\nwird von Neujahr 1865 an dramaturgische Blätter in vier-\nteljährlich erscheinenden Heften herausgeben. Dieselben werden\nbei C. C. Meinhold & Söhne hier in Dresden, welche auch das\nShakespeare-Buch von demselben Verfasser herausgegeben und so\ngeschmackvoll ausgestattet haben, erscheinen. Der Zweck dieser\nBlätter ist, durch ein würdiges wissenschaftliches Organ, gleich ent-\nfernt von Theater-Klatsch und Coterie-WTinhschaft und Geschwätz,\nzur Förderung und Hebung der dramatischen Poesie und ihrer Dar-\nstellung durch die Schauspielkunst mitzuwirken. Sie werden den\nganzen Kreis aller auf die dramatische Poesie bezüglichen Probleme\nund Lebensfragen erörtern und entwickeln und dadurch sowohl dem\njungen, aufstrebenden Dichter-Talente als dem Schauspieler Leiter\nund Führer Werden. Das Bediirfniss eines solchen Organs ist allge-\nmein. Herr Dr. Rötscher spricht sich über sein Vorhaben selbst\nin den Worten aus: „Meine Leistungen auf dem Gebiete der Dra-\nmaturgie und die Anerkennung, welche dieselben bei der Nation\ngefunden haben, geben mir den Muth und das Vertrauen zu diesem\nUnternehmen. Möge das Publicum diese dramaturgischen Blät-\nter unterstützen und durch seine thätige Theilnahme dazu mitwir-\nken, ein Organ zu schaffen und zu erhalten, welches auf unsere ge-\nsammte Cultur belebend und fördernd einzuwirken bestimmt ist.\"\nStuttgart« Die Aufführung des Vereins für classische Kir-\nchenmusik, Mittwoch den 30. November, Abends 6£ Uhr, in der\nLeonhardskirche, brachte: 1. Stabat mater für acht Stimmen in zwei\nChören von Palestrina; 2. Motette, sechsstimmig, von Orlando di\nLasso, 1573: Agimus tibi gratias; 3. Zwei „Symphoniae sacraeu von\nHeinrich Schütz : a. für eine Bassstimme mit Orgelbegleitung, 1629:\nFili mi, Absalon, und b. für 14 Stimmen in drei Chören mit sechs\nSolostimmen und Orgelbegleitung, 1650: „Saul, was verfolgst du\nmich?\" 4. Recitativ und sechsstimmige Chöre mit Orgelbegleitung\naus dem Oratorium „Jephtha*' mit lateinischem Text von Giacomo\nCarissimi (geb. um 1582 zu Padua, gest. um 1673 zu Rom); 5. Prä-\nludium und Fuge (C-dur) für die Orgel von Joh. Sebastian Bach;\n6. Aus dem 30. (31.) Psalm für drei Solostimmen mit Orgelbeglei-\ntung von Benedetto Marcello (gest. 1739 zu Brescia); 7. Krönungs-\nHymne für vier- bis sechsstimmigen Chor und Soli mit Orgelbeglei-\ntung, 1727, von Georg Friedrich Händel. Nr. 5, so wie die Be-\ngleitungen zu Nr. 3&, 4 und 7 wurden von Herrn Ed. Tod aus-\ngeführt.\nSe. Königl. Majestät haben Sich bewogen gefunden, dem Prof.\nDr. Faisst in Anerkennung seiner ausgezeichneten Leistungen im\nGebiete der Kirchenmusik, so wie der Verdienste um den musicali-\nschen Unterricht, welche derselbe sich durch die vorzügliche Leitung\nder hiesigen Musikschule erworben hat, die grosse goldene Medaille\nfür Kunst und Wissenschaft zu verleihen.\nKönigsberg« Franz Herther's komische Oper in drei\nActen: „Der Abt von St. Gallen\", ist, nachdem sie in Leipzig und\nBerlin gegeben wurde, auch hier zur Aufführung gelangt. Das\nTbeater-Publicum, welches für neuere Werke stets nur ein massiges\nVerständniss mitbringt, zeigte leider auch bei beiden Aufführungen\nder oben genannten Oper wenig Theilnahme; es mag sein, dass die\nMusik dieser Oper für ein ungeübtes Ohr etwas zu getiftelt ist,\nausserdem für eine komische Oper durchweg ein zu ernstes Gepräge\nhat: doch bietet sie dem Kenner viel Originelles und Interessantes,\nund namentlich ist im ersten Acte das Lied der Gudula, ferner das\nreizende Terzett: „Er schläft, er schloss die Augenlider\", und im\ndritten Acie die Arie des Abtes von ausserordentlicher Wirkung\nund als besonders gelungen zu bezeichnen. Der Text, dem bekann-\nten Bürger'schen Gedichte entnommen, ist unterhaltend genug, um\nselbst solche, die an der Musik weniger Genuss finden, zu ent-\nschädigen.\nWien, 26. November. K. M. v. Bocklet führte in seinem\nConcerte, mit welchem er von der OefFentlichkeit Abschied nahm,\nseinen Sohn Heinrich und seine Schülerin Fanny Stauffer vor.\nDas Publicum spendete Beiden ermunternden Beifall. Der Meister\nselbst spielte die grosse Sonate von Franz Schubert (Allegro vivace,\nCon moto: Scherzo und Trio, Rondo), welches der Tondichter ihm\ngewidmet hat. Und in der That, er hätte sie keinem Würdigeren\nwidmen können! Kaum wird unsere Zeit, die sich so grosser Fort-\nschritte in der Entfaltung der Tonsprache des Claviers rühmt, einen\nzweiten Spieler aufzuweisen haben, der wie Bocklet in den Geist\neiner solchen Tondichtung einzudringen, der jeden Zug einer so\ninteressanten und poesievollen Tondichtung so treu und prägnant\nwiederzugeben vermöchte! Die feine und reiche Scbattirung war\neine durchaus geistige, aus dem innersten Wesen des Tonwerkes\ngeschöpfte, charakteristische keine bloss moderne Vortragsschatti-\nrung, die nur auf die Effecte greller Licht- und Schatten-Abstufun-\ngen speculirt. Die Grazie im Vortrage des reizenden Rondo war\ngeradezu unnachahmlich. (W. Recens.J"}]}