{"numero_id": "bm-bmtnabi-1864-12-17-01", "volume": "bmtnabi_1864-12-17_01", "ocr_sha256": "a0b0146cad8ab9363d941cd9e1538e39811d1d5dce7e77d96b17cfbc6c0111de", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1864/12/17_01/bmtnabi_1864-12-17_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641217-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1864-12-17-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-12-17_01#c001", "volume": "bmtnabi_1864-12-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "401", "page_fin": "401", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641217-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "401", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641217-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 437, "texte": "Inhalt.\nScenen aus der Frithiofs-Sage. Für Solostimmen, Männerchor und Orchester in Musik gesetzt von Max Bruch (Schluss).\nVon L. B. Aus Berlin (Gastspiel des Herrn Dr. Gunz). G. F. Händel's Werke (Ausgabe der deutschen Händel-Gesellschaft. Lie-\nferung 16—18). Von E. Krüger. Mozart-Stiftung in Frankfurt am Main (Sechsundzwanzigster Jahresbericht). 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Obwohl sie mu-\nsicalisch nicht bedeutend ist, so hat der Componist doch\ndadurch, dass er sich durch den ersten Chor nicht verlei-\nten liess, eine speciel nur zu diesem passende Einleitung\nzu schreiben, sondern uns gleich auf Thaten hinweist, die\nuns vorgeführt werden sollen, einen sehr richtigen Tact\nbewiesen, um so mehr, als unmittelbar darauf Frithiof\nin einem Recitativ der Gefahren, die er muthig bestanden,\ngedenkt. Erst mit der Wendung seiner Empfindung:\n„Schon grüss1 ich dich, o Baldur's Hain !\"\nund mit dem Gedanken an Ingeborg tritt die mildere\nStimmung ein, die nun in einem Arioso (Andante con moto,\nE-dur, 6/s) :\n„Ich folge der Winde, der himmlischen, Zug,\nEllida, beflüg'le den schäumenden Flug!\"\nin welches der Chor:\n„Es ist so schön, wenn vom fernen Lande\nDie Segel kehren zum Heimatstrande!\"\neintritt, ihren Ausdruck findet. Diese Nummer spricht\ndurch den Fluss der lieblichen Melodie, die einfache Har-\nmonie und die sanft wogende Begleitung ungemein an\nund rief bei der Aufführung in Aachen sogleich lauten\nApplaus hervor. Es ist, als sähen wir Frithiof und die Nor-\nmannen auf dem Verdeck stehen, und gewahrten, wie vom\nAnblicke des Heimatlandes und den Erinnerungen an alles\nLiebe darin das Eis um die rauhen Herzen der kühnen\nSeefahrer zusammenschmelze.\nIn der folgenden Scene veranschaulicht uns den Zug\nIngeborg's und ihres Geleites zu König Ring ein Marsch\n(.D-dur und Moll) und der Chor des Volkes, welches den\nSchmerz der Scheidenden kennt: „Bleich sitzt die Braut auf\ndem schwarzen Rosse.\" Marsch und Chor bilden gegen\nden Ausdruck beseligender Hoffnung im vorhergehenden\neinen Contrast, der durch Ingeborg's Solostimme, die in\nrührender Weise ihre Entsagung ausspricht, noch ergrei-\nfender wird, als er an und für sich schon ist. Besonders\nschön ist der Ausdruck der Solostimme von der Wendung\nan: „Doch Frithiof grüsset von Ingeborg! Viel trägt das\nHerz, bevor es bricht: Allvater richtet ich klage nicht!\"\nDamit die Wirkung aber vollkommen sei, muss der\nChor am Schlüsse pianissimo gehalten werden.\nNachdem dieses Bild vorüber gezogen, beginnt die\ngrosse Scene des Tempelbrandes, welche drei breit aus-\ngeführte Nummern füllt.\nDie Priester Baldur's sind in Baldur's Tempel ver-\nsammelt und erwarten am Opferheerde ihren König Helge.\nIhr Chor: „Mittnachtsonn' auf den Bergen liegt\", ist\nein schauerliches Grave', das sechs Tacte lang ausgehaltene\nhohe b der Violinen lässt eine ungewöhnliche Erscheinung\nahnen, die dann auch mit dem siebenten Tacte im Unisono\nder Basssänger auf es,in der tiefen Tonregion vom Or-\nchester in Es-mollpianissimo begleitet, eintritt. Die Te-\nnöre setzen später ebenfalls einstimmig eine Imitation ein,\nso dass der ganze Chor bis zu den vier letzten Tacten nur\nzweistimmig ertönt, während in der zweiten Hälfte der\nNummer die Saiten-Instrumente eine auch in den Bässen\nselbständige Figural-Begleitung in gebundenen Vierteln\nmit harmonischer Füllung durchführen,sodass der Sänger-\nund Instrumental-Chor zusammen die Textesworte: „Es\nist nicht Nacht, es ist nicht Tag, es ist ein seltsam Grauen\",\nganz täuschend zum Ausdrucke bringen und zugleich den"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "402", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641217-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4517, "texte": "Beweis liefern, dass solche Stimmungen auch ohne disso-\nnirende Vorhalte und ewige Synkopen durch schöne har-\nmonische Combinationen charakterisirt werden können.\nMittlerweile ist Frithiof gelandet und dringt in den\nTempel ein. Für die dramatische Gestaltung und das Ver-\nständniss der zwischen dieser und der vorigen Scene lie-\ngenden Handlung war es hier nothwendig, Frithiof und\ndie Chöre der Priester, der Gefährten Frithiof's und des\nVolkes redend und handelnd einzuführen. Frithiof unter-\nbricht die Priester:\n„Nur in Hela's Nebelreich\nMögt ihr nach dem König fragen!\nSeine Sterne wurden bleich\nHelge liegt erschlagen.\"\nDie P riester:\nWeh! o Frevelthat!\nFrithiof:\n„Still! Priester mit dem Opferstahl,\nBleiche Mondscheinfürsten!\nSonst bleibt euch nur Todeswahl,\nUnsre Klingen dürsten.\nWo mein Vater ruht, meine Wiege stand,\nFand ich nur Trümmer am öden Strand\nVerkauft an den Feind meine holde Braut,\nDen Armring, der Liebe Pfand, o, schaut!\nEuer Gott trägt geduldig ihr Eigenthum.\nHa, Baidur! ist das dein Heldenruhm?\nWirf ab von dir die gestohlene Zier,\nDer Armring, Baidur, gehört nicht dir!\nNicht für dich geschmiedet sind die Spangen,\nAn denen Ingeborg's Tbränen hangen :\nVernichten konntest du mein Glück,\nDen frechen Raub fordr1 ich zurück!\" - ;•\nDie Priester:\nWeh! er zerrt in Frevelmuth\nAn dem Ring o Graus!\nHa! der Gott weicht seiner Wuth,\nStürzt sich in die Flammen,\nUnd des Opferheerdes Gluth\nBricht mit ihm zusammen!\nAllgemeiner Chor:\nTempelbrand! Giesst Wasser aus!\nGiesst das Meer darüber u. s. w.\nNach einigen Orchester-Tacten in die das\nEindringen Frithiof's in den Tempel kennzeichnen, schleu-\ndert der Held in einem energischen Recitativ den Priestern\ndie obigen Worte entgegen; dann geht die Musik zu einem\nleidenschaftlichen, arienmässigen Sologesänge (B-dur) über,\nin welchem sich in schwungvoller Melodie die Wuth\nFrithiof's bis zum Frevel an dem Götterbilde steigert. Mit\ndem Ausrufe des Chors: „Tempelbrand!\" stürzt das Volk\nherein, und nun entwickelt sich ein Tongemälde, in wel-\nchem allerdings dem Orchester eine grosse Rolle zugetheilt\nist (Allegro agitato ma non troppo, Haupt-Tonart Es-\nmott),der Chor aber theils durch Unisono's, theils durch Imi-\ntationen in kräftigen Einsätzen einzelner Stimmen, dann wie-\nder durch plötzliches Hereinbrechen vollstimmiger Accorde\nso mächtig und doch immer klar eingreift, dass man der\nBehandlung desselben grosses Lob spenden muss und der\nGesammt-Eindruck des Ganzen ein gewaltiger ist. Gegen\nEnde trifft der Fluch und Bannspruch der Priester und\ndes Volkes den durch die Folgen seiner That vernichteten\nFrithiof.\nNur seine Gefährten bleiben ihm treu. Nach einer\nFermate leitet das Orchester zu einem Andante (9/8, in\nFis-dur) über, das auf die Worte:\n„Sonne so schön,\nSteigt über Höb'n,\nDie Winde säuseln\nf\nVom Land und kräuseln\nDie See zum Tanz\nIm Morgen glänz\"\neinen vierstimmigen Sologesang enthält, in welchem an-\nfänglich der erste Tenor allein die Melodie führt, zu wel-\ncher dann nach und nach die drei anderen Stimmen treten.\nDieser Satz bildet in Tönen einen so schönen, milden Ge-\ngensatz gegen den vorigen, wie ihn nur ein ruhiger Son-\nnenaufgang nach einer Nacht voll Sturm und Brand in\nder Natur bilden kann; er gehört zu den gelungensten des\nWerkes an melodischem Reiz, der durch den Gesang einer\nSolo-Violine, die sich wie eine Lerche erhebt, um die\nSonne zu begrüssen, noch erhöht wird.\nAm Schlüsse gewahren die Gefährten Frithiof am\nStrande: „Seht, wie traurig Frithiof wallt!\" Hieran\nschliesst sich Frithiof's Abschiedsgesang von der Heimat, wie-\nderum eine schöne Melodie (Adagio, 4/b, B-dur) mit Har-\nfenbegleitung, welche der Chor der Gelahrten durch:\n„Fahr' wohl, hochhehrer Nord!\" (im 3/4-Tacte) unterbricht\nund später auch schliesst eine Nummer, welche durch\nanhaltenden Beifall bei der Aufführung ebenfalls beson-\nders ausgezeichnet wurde, und das mit Recht.\nWährend wir uns die Einschiffung der Wikinger den-\nken, versetzt uns der Componist nach Ingeborg's Gemach\nin König Ring's Palast am Meeresufer. Wir hören „Inge-\nborg's Klage\" (ganz nach dem Texte von wie\nsie, Frithiof's Falken auf der Schulter, an dem Teppich\nwirkt und über die See schaut. Die beiden ersten Strophen\nhaben romanzenartig gleiche Melodie {Andante, 2jti.,G-moll)\nmit der eigentümlichen Begleitung von sämmtlichen Holz-\nBlasinstrumenten, 2 Hörnern, Bratsche und Violoncell; die\nBratsche windet in der zweiten Strophe Arabesken um die\nSingstimme. Mit der Anrede Ingeborg's an den „Falken\"\nbeginnt ein bewegteres Arioso (3U in G-dur) und zugleich"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "403", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641217-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4659, "texte": "treten die Violinen con sordini und die Bässe mit ein.\nAuch diese Nummer bewährt wieder in hohem Grade das\nmelodische Talent des Componisten und macht die Partie\nder Ingeborg zu einer sehr dankbaren, wie denn auch\nFräul. Lichtmay damit in Aachen grossen Beifall ärntete.\nAber trotz des reichen Lobes, welches wir den bisher\nbeurtheilten Nummern spenden mussten, fühlen wir uns\ndoch gedrungen, der nun folgenden Schlussscene, welche\nuns Frithiof mit seinen Gefährten auf der neuen Meerfahrt\nzu normannischen Abenteuern darstellt, die Palme zuzu-\nerkennen und sie als Krone des Werkes zu bezeichnen.\nDieser Schlusschor nach einem 4/4\nin C-moll von 20 Tacten ein AUegro energico in C-dur, 3/2-\nTact, der an zwei Stellen in 9/4 übergeht, im Ganzen 152\nTacte erreicht durch einfache Mittel in der Vocal-Par-\ntie, d. h. durch schwungvolle Motive und deren gesteigerte\nein-, zwei- und dreistimmige breite Entwicklung eine\nWirkung, der sich Niemand entziehen kann, weil sie\nwahrhaft hinreissend ist.\nEs sind drei melodische Reihen, welche diesem gedie-\ngenen Allegro zu Grunde liegen; die Worte dazu sind\nzweien Strophen des „ Wikingerbalk\" (Kriegsgesetz) über-\nschriebenen Abschnittes aus Tegner entlehnt. Die erste\n(von 18 Tacten), auch durch den Rhythmus energisch und\ndurch eine schlagende Modulation nach A-dur überra-\nschend, stimmt Frithiof an und der Chor wiederholt sie,\nzunächst die Bässe unisono, dann mit den Tenören drei-\nstimmig; beim Schlüsse in C tritt die Harfe ein, leitet in\nrauschenden Accorden nach der Dominante und begleitet\nallein neben einzelnen pizzicato's der Geigen, aber durch-\nweg fortissimo, die zweite Melodie Frithiof's:\n„Wir ziehen nach südlichen Zonen!\" (16 Tacte.) Hierzu\nkommt dann noch ein kürzeres Motiv im 9/4-Tact auf die\nWorte: „Wenn es stürmet mit Macht, hiss' die Segel em-\npor!\"— Das Haupt-Thema bleibt die Fahnen-Melodie, in\nwelche das charakteristische Motiv der ersten:\nzuweilen mit einem Unisono der Tenöre oder der Bässe\nwieder hineintönt, während das dritte Motiv mit prächtigen\nModulationen nach Eund nach zu einem stür-\nmenden Mittelsatze benutzt wird, nach welchem dann das\ntriumphirende C-dur wieder einfällt und zum glänzenden\nSchlüsse führt. Das Orchester wirkt dabei vortrefflich, na-\nmentlich bei der Sturmschilderung im Mittelsatze, wo der\nComponist die gewöhnlichen Wogenfiguren verschmäht\nund weniger das Rollen, als die Stösse der Wellen auf\nhöchst gelungene Weise durch absteigende Bässe mit dem\nRhythmus:\nund durch mächtige Schläge aller\nSaiten-Instrumente :\nmalt. Eine über-\nraschende, wir möchten sagen, ermuthigende Wirkung\nmacht ferner die mitten im Sturme auf einmal neben dem\nChor, der ganz andere Töne singt, in allen Instrumenten\nwieder erklingende Fahnen-Melodie.\nPrägen wir uns nun, wodurch Max Bruch in dieser\nComposition, welche zwar zum Theil schon vor einigen\nJahren angelegt, in ihrer Ausführung und jetzigen Gestalt\naber erst in dem laufenden Jahre vollendet worden ist und\nselbst gegen die Oper „Lorelei\" einen grossen Fortschritt\nbekundet fragen wir, wodurch er die grosse Wirkung\nauf Alle, d. h. auf Musiker und Laien, erreicht hat, die\nsich ganz zweifellos bei jeder folgenden Aufführung wie-\nderholen wird, so liesse sich darüber eine ganze Abhand-\nlung schreiben, welche sich über die Grund-Eigenschaften,\ndie ein musicalisches Kunstwerk besitzen muss, um allge-\nmeinen Eindruck zu machen, verbreiten und dabei in\nscharfen Gegensatz nicht bloss gegen die Programm-Musik,\nt\nsondern noch mehr gegen die Verstandes- und Augen-\nMusik treten müsste. Es klingt fast lächerlich, wenn wir\nbehaupten, dass die erste Grund-Eigenschaft Wohlklang\nsein müsse, als wenn sich das bei der Musik nicht von\nselbst verstände! Leider ist dem nicht also, denn wir ha-\nben jetzt Theorieen, welche den Miss klang nicht nur für\nerträglich, sondern sogar für nothwendig und folglich schön\nerklären! Doch es fehlt uns für heute der Raum, dieses\nThema weiter durchzuführen, und wir fügen nur noch\nhinzu, dass in der Frithiofs-Sage das oberste Gesetz der\nMusik, das ist der Wohlklang, nirgends verletzt ist, dass fer-\nner bei echt deutscher Melodie nicht bloss in der Erfin-\ndung langer Motive, sondern auch in deren Entwicklung\nund Entfaltung zu grösserem Ganzen ein natürlicher, we-\nder durch Künstelei gehemmter, noch durch scharfe, ge-\nsuchte Accorde absichtlich rauh gemachter Guss jeden\nSatz gebildet bat, und dass Alles in regelmässiger\nKunst form sich durch die mit grossem Talente ge-\nbrauchten Mittel der Wiederholung, Verbreiterung und\nharmonischen Verstärkung zu einer Steigerung gipfelt, die\nsowohl in den einzelnen Nummern, als namentlich im\nGanzen ihren Eindruck nicht verfehlen kann.\nn\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-12-17-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-12-17_01#c007", "volume": "bmtnabi_1864-12-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "404", "page_fin": "405", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641217-01.2.3", "titre_corps": "Aus Berlin.", "titre_sommaire": "Aus Berlin.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "404", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641217-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5179, "texte": "Aus Berlin.\nDen ]4. December 1864.\nIm königlichen Opernhause setzte in der verflossenen\nWoche Herr Dr. Gunz sein Gastspiel als Nadori in „Jes-\nsonda\" von Spohr fort; es ist nur zu bedauern, dass die-\nser ausgezeichnete Sänger uns immer nur auf kurze Zeit\nseine Gegenwart zu Theil werden lässt. Die Titelrolle\nwurde von Fräulein Santer mit grossem Fleisse und Ver-\nständniss gegeben; die junge Sängerin tritt immer mehr\naus dem gewöhnlichen Babmen heraus, dass sie den be-\ndeutendsten Kräften unserer Oper in kurzer Zeit bald\nebenbürtig zur Seite stehen wird, was unsere verehr-\nliche Intendanz bereits in genügender Weise zu wür-\ndigen gewusst hat. Herr Dr. Gunz sang den Nadori in\nvorzüglicher Weise; an einer solchen Vorführung ist nichts\nmehr zu loben, denn dieselbe steht in allen Theilen voll-\nkommen da. Herr Betz gab den Tristan sowohl im Ge-\nsänge wie im Spiel wie immer in genügender Weise; ein\nGleiches können wir von Fräulein Schmid sagen, welche\ndie Amazili vertrat. Ein wenig mehr Rundung im Spiel\nund feinere Nuancirung im Gesänge werden ihre Leistung\nbedeutend erhöhen. Schliesslich bemerken wir noch, dass\ndie Chöre sehr präcis und gut waren und dass auch die\nganze Ausstattung der Oper gar nichts zu wünschen übrig\nliess.\nAm 3. December schritt bei vollem Hause „Fidelio\"\nüber unsere Hofbühne. Die Aufführung war eine sehr\ngute und musste wahrhaft erfreuen, indem man die Ueber-\nzeugung gewann, dass auf unserer Hofbühne besonders\nAusgezeichnetes geleistet werden kann, wenn man nur\nwill, und dass man hier wollte, bewies die königliche\nHof-Intendanz. Herr Dr. Gunz, der als Florestan in die-\nser Rolle zum letzten Male auftrat, erfreute das Publicum\ndurch seinen musterhaften Vortrag. Der geschätzte Gast\nsang mit Empfindung, Wärme und Ausdruck und bewies\naufs Neue sein bedeutendes Talent. Wie Herrn Dr. Gunz,\nmüssen wir auch Fräulein Santer lobend erwähnen,\nwelche durch Gesang und Spiel Ueberraschendes leistete,\nund man kann mit Recht dieser Dame das Zeugniss ge-\nben, dass sie sich bedeutend vervollkommnet hat. Herrn\nDr. G unz, so wie Fräulein Santer zollte das theilnehmende\nPublicum das gebührende Lob. In dem Arrangement trat\nein gewisser Geschmack hervor, der sich besonders auch\nin der letzten Schlussscene vortheilhaft geltend machte.\nIm „Orpheus\" von Gluck wurde uns der Genuss zu\nTheil, in der Titelrolle Frau Jachmann -Wagner nach\nlanger Zeit wieder bewundern zu dürfen. Der reichste\nBeifall lohnte die Künstlerin für ihre ausgezeichnete, un-\nerreicht dastehende Leistung. Fräulein Santer löste\nihre Aufgabe als Eurydice ebenfalls auf die beste Weise.\nFräulein Gericke als Amor traf in Gesang und Spiel\nim Allgemeinen wenig den Charakter, antike Charak-\ntere liegen ihrer Anschauung etwas fern fürs Erste. Die\nChöre Hessen Manches zu wünschen übrig, namentlich\ntrifft der Tadel die Männerstimmen, welche öfters bei den\nEinsätzen schwankten.\nWie stimmen Ihre Angaben, werden Sie fragen, mit\nden Anklagen des berliner Publicums in C. Kossak's\n„Federzeichnung Nr. 106\" im Feuilleton der Kölni-\nschen Zeitung Nr. 344 vom 11. December? Herr Kos-\nsak sagt, wie ich so eben sehe: „Es ist eine traurige, aber\nnicht zu verschweigende Thatsache, dass Opern wie die\nZauberflöte, Jessonda und selbst Fidelio selbst bei\nausgezeichneter Besetzung nur noch von Kennern und\nDilettanten besucht werden. Der erste Rang bleibt eine\nEinöde, die Logen der Aristokratie gleichen sogar Ein-\nsiedeleien, in denen irgend ein versprengter vornehmer\nReisender die Abendstunden zubringt.\"\nDas klingt recht hübsch, aber ist es auch wahr? Im\nFidelio ist, was Sie auch in allen berliner Blättern lesen\nkönnen, in voriger Woche das Opernhaus voll gewesen.\nUeber die Aufführung der Zauberflöte kurz vorher\nheisst es in der „Fackel\" einem Blatte, an welchem\nRötscher und andere tüchtige Männer thätigen Antheil\nnehmen: „—Um so angenehmer bleibt es für uns, die\ndiesmalige Vorstellung als eine recht gute hinzustellen.\nDer Hauptmangel war bisher die genügende Vertretung\ndes Tamino. Herrn Krüger, dem Inhaber dieser Rolle,\ngebricht es wahrlich an Stimmmaterial und Schule nicht,\nallein Empfindung, Ausdruck sind vorläufig für diesen Sän-\nger noch Probleme. An seiner Statt sang Herr Dr. Gunz\ndie Rolle, und zwar mit einer Hingebung und Seele, dass\ndie Zuhörer ganz davon ergriffen wurden. Das schöne,\nwohllautende Organ des Künstlers, die geschmackvolle\nArt seines Vortrages, ein schlichtes Spiel gestalteten die\nBolle zu einer wahrhaft trefflichen, und geizte das sehr\nzahlreich anwesende Publicum wahrlich mit Beifall\nnicht. Am meisten empfing Herr Dr. Gunz Applause nach\nder Arie: „„Dies Bildnissist bezaubernd schön\"\", welche\ner wahrhaft schön und empfindungsreich sang. Wir haben\nes erlebt, dass sich vordem keine Hand rührte, während\nheute Aller Hände jubelnd in einander schlugen.\" ln\nSpohr's Jessonda war das Haus wenigstens gut besetzt.\nWenn nun Berlin so viele „Kenner und Di lettanten\"\nbesitzt, dass sie das Opernhaus füllen, so möchten wir\nwissen, welches Publicum eigentlich HerrKossak vermisst?\nEtwa das so genannte Volk? Das muss er freilich hier in\nder Posse suchen und nicht im Fidelio. Oder die Aristo-\nkratie? Vielleicht findet er die am zahlreichsten im Ballet."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "405", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641217-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2962, "texte": "Wir sind jedoch mit einem zahlreichen Auditorium von\n„Kennern und Dilettanten\" sehr zufrieden, und wir glau-\nben, auch die Kunst könne damit zufrieden sein. Sehr auf-\nfallend ist es aber, dass die oben angezogene „Federzeich-\nnung\" gerade diejenigen drei Opern-Vorstellungen als leer\nbezeichnet, in welchen der treffliche Tenorist Dr. Gunz\naus Hannover gesungen hat (den Tamino, Nadori und Flo-\nrestan), und dabei das ausgezeichnete Gastspiel des\nDr. Gunz gar nicht erwähnt! Das gibt allerdings zu\ndenken, besonders Bühnenkünstlern! G.\nNachschrift. Auch wir müssen gegen eine andere\nund wichtigere Behauptung Kossak's in gedachter „Fe-\nderzeichnung\", zumal wenn sie die Meinung des berliner\nPublicums vertreten soll, im Namen der Opern-Compo-\nnisten protestiren. Er sagt: „Die Oper musste sich bei\ndem Mangel an der Darstellung werthen neue-\nren Werken auf Wiederholungen beschränken.\"\n„Musste\"? Und alle neueren Opernwerke „der Dar-\nstellung nicht werth\"? Uns scheint, dass das „Müs-\nsen\" eines der ersten Opern-Institute in Europa sich auf\netwas ganz Anderes erstrecke, als auf das Nichtbeachten\nder neueren Werke und auf die Voraussetzung ihrer\nWerthlosigkeit ohne Prüfung. Oder was heisst Herrn\nKossak „der Darstellung nicht werth\"? Ist dieser Aus-\nspruch vielleicht eine Verteidigung des Satzes: „Die\nKunst geht nach Brod!\" und heisst dies für die Bühnen-\nVerwaltung eben so viel als: „Wir dürfen nur auf die\nEinträglichkeit eines Werkes für die Casse sehen\"?\nWenn dem also wäre, so müsste sie dem Anspruch auf\nden Namen einer Kunstanstalt entsagen und sich selbst\nzugleich tief unter viele Privat-Unternehmungen von Thea-\ntern in der Provinz stellen. Man kann also nur der Unbe-\nkanntschaft der Intendanz mit den neueren Werken die\nSchuld der Nichtaufführung derselben geben. Freilich ist\nauch dies keine ganz gültige Entschuldigung; denn wo so\nreichliche Staats-Unterstützung liiesst, sollten auch wohl\ndie Kosten zu erübrigen sein, bewährte Kunstverständige\nnach den deutschen Städten, wo neue Opern gegeben\nwerden, oder auch selbst nach Paris, wenn dort eine be-\ndeutendere Neuigkeit auftaucht, zu senden. Denn, wenn\nwir nicht irren, so sind auch z. B. die französischen Opern\n„Lallaßookh\" von David, „Lara\" vonMaillart, „Ro-\nland in Ronceval\" von Mermet in Berlin noch unbe-\nkannt. Bei den Aufführungen von Hiller's „Katakomben\"\nin Karlsruhe, Hannover, Weimar, Wiesbaden, von Bruch's\n„Lorelei\" in Mannheim, in Köln (11 Mal bei vollem Hause)\nund bei manchen anderen sind schwerlich Abgesandte von\nSeiten des berliner Opern-Instituts auch nur bei einer ein-\nzigen Vorstellung anwesend gewesen. Warum auch? Man\nrichtet sich nach den absprechenden Urtheilen irgend eines\nberliner Literaten: „Die und die Oper ist, wie alle neue-\nren, der Darstellung nicht werth.\" Warum fällt Einem\ndoch so oft Lessing ein:\n„.Wenn Meister emsig sind und sich in Tbaten zeigen,\nWer hat so müss'ge Zeit und sitzet mühsam still,\nDass er erst alles lern', wovon er reden will?\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-12-17-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-12-17_01#c008", "volume": "bmtnabi_1864-12-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "405", "page_fin": "406", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641217-01.2.4", "titre_corps": "G. F. Händel’s Werke", "titre_sommaire": "G. F. Händel’s Werke", "signature_source": "E. Krüger", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "405", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641217-01.1.5", "debut_caractere": 2964, "fin_caractere_exclue": 5203, "texte": "G. F. Händel’s Werke\n\n*).\nIm Verfolg der vorigjährigen Anzeige (1863, Nr. 30)\ndürfen wir nicht unterlassen, die Freunde deutscher Ton-\nkunst auf den rüstigen Fortschritt des kühn begonnenen\nWerkes aufmerksam zu machen. Dieser fünfte Jahrgang\nbringt in Lieferung 16, 17, 18 die Oratorien „Israel\"\nund „Josua\", nebst dem musicalischen Zwischenspiele\n[Musical interlude) „Die Wahl des Herakles\". Von die-\nsen dreien sind jene, die herrlichen Standbilder aus der\nHeroenzeit des Bundesvolkes, seit länger auch den Deut-\nschen zugänglich gewesen: „Israel\" durch Breiden-\nsteins Clavier-Auszug, den nicht, wie viele andere, der\nVorwurf leichtsinniger Entstellung trifft, „Jusua\" durch\nden Freiherrn von Mosel, wenigstens sauberer gehalten\nals andere von demselben wunderlichen Manne entstellte\nWerke, unter denen „Samson\" sogar stellenweise unver-\nständlich geworden ist, weil man dem damaligen Publicum\nnoch nicht wagte, die stolze Grösse unseres Tondichters\nungeschminkt vorzustellen. Jene beiden Oratorien, aus\nder reifsten Zeit des Meisters, sind an Klarheit, Bildkräf-\ntigkeit und kühner Idealiät selbst unter Händel's Werken\nhervorragend und haben, wo sie neuerdings wieder ver-\nnommen sind, Erbauung und Erhebung gewirkt. Beide\nsind verwandt nach dem biblischen Stoffe, doch „Israel\"\naus den ursprünglichen Worten allein (2. Mose, C. 1 —l5)\nzusammengestellt, gleichwie „Messias\", „Josua\" dagegen\nmit moderner Rhetorik umkleidet, nicht ohne unnatür-\nlichen Zierath, aber doch in hoch dramatischem Sinne ge-\nhalten. Händel's Darstellungsweise ist wohl eine episch-\ndramatische genannt worden, in dem Sinne, dass er mehr\nden objectiven Strom der Thatsachen malerisch vor die\nSeele stelle, während die Bach'sche Art, mehr innerlich\nbewegt darstellend, lyrisch-dramatisch sei. Die Kategorie\nmit Sicherheit auszumitteln, mag eben so schwierig sein,\nwie andere ästhetische Streitfragen zum Austrag zu brin-\ngen, unter denen z. B. die nach der Tonmalerei eine\nder quälenden ist. Wir untersuchen hier nicht, wie weit\ndiese möglich oder berechtigt sei, und führen lieber dem\nKenner und Liebhaber zu Gemüthe, wie eindringlich in\n\n*) Ausgabe der deutschen Händel-Gesellschaft. Lief. IC—18.\nLeipzig, Stich und Druck von Breitkopf und Härtel. 1864. Fol."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "406", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641217-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4944, "texte": "dem Oratorium „Josua\" die so genannte Malerei verwandt\nist an drei Stellen. Erstlich in dem Chor: „Der Jordan\nstand gleich Wassermauern still, und rückwärts auf zur\nQuelle rann der Strom\" (nach Josua, C. 3, V. wo\nder erste Satztheil in wiederholten Accorden, der andere\nin mildwogenden Melismen so bildhaft wirken, dass einst\nein entzückter Hörer rief: „Das ist ja alles wirklich und\ndoch mehr als wirklich!\" Zweitens in der grossen Scene\nvon Jericho's Fall, wo eine prächtige Posaunen-Melodie\nund Josua's Gesang einander contrapunktiren und danach\ndas Beben der Völker in einer unnachahmlichen, nur der\nTonkunst möglichen Figur abgebildet wird. Drittens\n(Jos. 10, 13): das wunderbare „Sonne, stehe still über\nGibeon,\" wird dargestellt in einem Orgelpunkte (Halte-\nton), den sämmtliche Posaunen, Schalmeien und Flöten\nim Räume von A—a2 vollziehen, während über und unter\ndem Orgelpunkte eine Reihe kämpfender Accorde und\nMelodieen dahinziehen—fast 32 Tacte hindurch: ein sen-\ngender Schein über der kämpfenden Bewegung, der in\nsolcher Wirkung keiner plastischen Malerei erreichbar\nwäre, weil man den Stillstand der Sonne mit Augen nie-\nmals wahrnehmen würde, da man auch ihr Fortschreiten\nmit Augen nicht wahrnehmen kann; hier hat die dunkele\nKunst der Töne grössere Evidenz, als die helle Kunst des\nLichtes*).\nDie „Wahl des Herakles\", das dritte Stück dieses\nJahrgangs, ist ein Stück von unbestimmter Kategorie;\nHändel selbst nennt es interludeund hat es einmal als zu-\ngefügten Act zum Alexanderfeste aufgeführt. Der Text\nist nicht eben hoch dramatisch gehalten, die Musik einem\nanderen gleichzeitigen Schauspiele früher unterlegt gewe-\nsen (s. Vorwort). Der Inhalt, den bekannten Herc. Pro-\ndicius leidlich dramatisirend, ist schon an sich nicht eben\npoetischen Schwunges; die musicalische Charakteristik zu\nbeweisen, wäre eine Aufgabe für Liszt und Wagner, in\nsymphonistischen Programmen zu lösen; denn man ver-\nnimmt zwar wohl die Hoheit der yi()£tr], aber die Hdovrj\nist wenigstens keine zauberische Venus des Venusberges.\nDiese Parteilichkeit der Schilderung wird zwar Händel's\nGenius minder zum Vorwurfe gereichen, da die Darstel-\nlung des Helden und der Tugend desto edler gehalten ist;\naber das dramatische Ringen vom Grunde bis zum\nGipfel ist nicht darin, dergleichen uns im Maccabäus und\nSamson so mächtig ergreift. Auch der Schluss-Chor, ob-\nzwar von durchdringender ethischer Kraft, hat doch zu-\ngleich etwas Befremdendes, indem zum Siege der Tugend\nein trüber Ton hineinklingt, der sogar den ungewöhnlichen\nil/o/Z-Schluss des Ganzen nach sich zieht. Sollte hier viel-\nleicht der ursprünglich andere Text Auskunft geben?\nWir bescheiden uns des Endurtheils, weil die tiefer lie-\ngende Frage nach Uebertragung der Tonbilder in ver-\nschiedene Texte eine noch schwebende ist, zumal das ge-\nsammte Gebiet der Musikwissenschaft jetzt im Göhren und\nUmwälzen begriffen, daher ausser den Grundbegriffen\nVieles wankend geworden ist, was früher ausgemacht\nschien. Aeusserlich fest steht aber, dass die Wirkung der\ngrossen Lebenswerke unserer Meister sich trotz aller\nTheoreme immer unwiderstehlicher verbreitet, ja, wie\naufmerksame Kenner versichern, heute noch siegreicher,\nals in der Zeit ihrer Lebensblüthe. Dafür zeugt nicht so\nsehr die wachsende Lust an Aufführungen, als das Ein-\ndringen in die Häuser zu Genuss und Belehrung, ein\nDamm gegen die gegenläufigen Ströme ephemerer Kunst-\nwerke.\nSo geht denn das grosse Händel-Werk einen ener-\ngisch raschen Gang, wodurch es sowohl der vierzehn Jahre\nälteren englischen Händel-Ausgabe, als der acht Jahre zu-\nvor gegründeten Bach-Ausgabe schon jetzt voraus gekom-\nmen ist, und zugleich eine Bürgschaft des zu erreichenden\nZieles zu tragen scheint, so lange den Gründern und Lei-\ntern, Chrysander und Gervinus, ihre Kraft nicht ver-\nsagt. Freilich gehört dazu auch eine wachsende Theil-\nnahme der Abnehmer, besonders im deutschen Volke;\ndenn die heutige ist, obwohl bisher stetig wachsend, doch\nnoch nicht so stark, dass man ohne Sorge in die Zukunft\nblicken darf. Die bisherigen achtzehn Lieferungen enthal-\nten kaum die Hälfte der Gesammtwerke Händel's, unter\ndenen dreissig Opern und dreissig Oratorien den Kern bil-\nden, die wir wo möglich ganz und alle besitzen müssen,\num des herrlichen Meisters gründlich gewiss zu werden\nund eine grosse Periode unseres besten Kunstlebens leben-\ndig zu erkennen. Sicherlich sind solche Werke, selbst wenn\nsie gleich anderen grossen Bauten der Deutschen unvollen-\ndet bleiben, dennoch trotz aller persönlichen Opfer und\nscheinbar mit Undank gelohnter Mühen nicht vergeblich,\nda von ihnen das ganze Kunstleben, sowohl nach der\nwissenschaftlichen Seite hin als durch praktische Wieder-\nbelebung, gesunde und unvergängliche Nahrung gewinnt.\n\n*) Vergl. über ähnliche Wirkungen eines ausgehaltenen Tones\nbei Mozart, Beethoven u. s. w. unsere Bemerkungen über das\nScherzo der von Beethoven, Rhein. Musik-Ztg.,\n1851, Nr. 1, S. 235. Die Redaction.\n\nE. Krüger."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-12-17-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-12-17_01#c009", "volume": "bmtnabi_1864-12-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "406", "page_fin": "407", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641217-01.2.5", "titre_corps": "Mozart-Stiftung.", "titre_sommaire": "Mozart-Stiftung.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "406", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641217-01.1.6", "debut_caractere": 4946, "fin_caractere_exclue": 5121, "texte": "Mozart-Stiftung.\nAus dem sechsundzwanzigsten Jahresberichte der Ver-\nwaltung der Mozart-Stiftung in Frankfurt a. M. über\ndas Geschäftsjahr 1863 —64 heben wir Folgendes hervor:"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "407", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641217-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5013, "texte": "Die im vergangenen Jahre aus der Verwaltung aus-\ntretenden Herren C. Enders und Dr. med. Ponfick\nwurden durch das Vertrauen des Liederkranzes wieder\nin die Verwaltung gewählt.\nDer V e r m öge n s b es tan d der Stiftung war am\nSchlüsse des vergangenen Jahres auf 43,502 Fl. 37 Kr.\ngestiegen. Wenngleich wir bei der heutigen Aufstellung\nden Ertrag des von Seiten des Liederkranzes statutenmäs-\nsig zu gebenden Concertes noch nicht verzeichnen können,\nso hat sich doch unser Capitalbestand durch andere belang-\nreiche Zuweisungen in erfreulichster Weise vermehrt. In\nerster Linie haben wir wieder unseren unermüdlich wohl-\nwollenden Geber Herrn K. S. mit einem Geschenke von\n100 Frcs. zu verzeichnen. Wenn wir in unserem vorjäh-\nrigen Berichte Veranlassung hatten, hervorzuheben, wie\ndie bei der fünfundzwanzigjährigen Jubelfeier der Stiftung\nvon hochachtbaren Persönlichkeiten gegebenen Zusagen\nuns genügende Bürgschaft boten, so hat vor Allen Herr\nErnst Pauer von London sein Wort in der glänzendsten\nWeise eingelöst und bei seinem Besuche auf dem Conti-\nnente am 24. Januar hier ein Concert gegeben, welches\nschon durch seine feine Wahl in chronologischer Reihen-\nfolge die Kenner und Verehrer der Kunst fesselte und bei\nder Trefflichkeit der Ausführung allgemein entzückte. Die\nausgezeichnete Unterstützung durch Fräulein Orgeni,\nHerrn Concertmeister Strauss und Herrn Director Gel-\niert erwähnen wir mit Dank. Der Stiftung floss ein Netto-\nErtreg von 276 FI. 10 Kr. zu.\nDer k. k. Hof-Opernsänger von Wien, Herr Gustav\nWalter, erklärte, dass er in der Mozart'schen „Zauber-\nflöte\" auftreten und seinen Honorar-Antheil an die Stiftung\nüberweisen wolle. Ein gedrängt volles Haus gab Zeugniss,\nwie das Publicum den Künstler und dessen Absicht ehrte.\nAuch übernahm der Ausschuss der Theater-Actien-Gesell-\nschaft den festgesetzten Kosten-Abzug auf eigene Rechnung,\nso dass die Summe von 463 Fl. in die Casse der Stiftung\nkam. Auch der Organe der öffentlichen Presse\nmüssen wir dankende Erwähnung thun u. s. w.\nDurch die Geschenke und den Zuwachs an Zinsen ist\ndas Vermögen der Stiftung mit dem Ablaufe dieses Ge-\nschäftsjahres auf die Summe von 45,511 Fl. 57 Kr. an-\ngewachsen. Noch haben wir den oben verzeichneten\nbaaren Beiträgen eine andere Gabe anzureihen, eine aus\ndem Nachlasse des Lehrers Herrn Dahl hoff in Dinker\nbei Soest in Westfalen an die Stiftung vermachte Geige.\nDieselbe ist von Kennern auf einen Werth von 100 Tha-\nlern taxirt und soll dem tüchtigsten Stipendiaten über-\ngeben werden, der noch keine gute Geige hat.\nWenn wir nach diesen Darlegungen auf unsere Sti-\npendiaten selber übergehen, so können wir die erfreu-\nliehe Mittheilung machen, dass Max Bruch's romantische\nOper „Lorelei\", die im Sommer des vorigen Jahres auf\nder mannheimer Bühne mit grossem Erfolg in die Oeffent-\nlichkett trat, inzwischen auch in Köln zu oft wiederholter,\nglänzender Aufführung gekommen ist und nun auf den\nBühnen von Kassel, Lübeck, Rotterdam, Hamburg zur\n* o\nAufführung vorbereitet wird. Von uns&rem nachfolgenden\nStipendiaten Brambach, jetzt städtischem Musik-Director\nin Bonn, ist eine preisgekrönte Composition, „Velleda\",\nbei dem in diesem Nachsommer in Aachen abgehaltenen\nzweiten Feste des rheinischen Sängervereins zur Aufführung\ngebracht worden und hat, wie sie schon von den Preisrich-\ntern ehrend gewürdigt wurde, auch bei der Aufführung\nlebhafte Anerkennung gefunden.\nAuch über unseren jüngsten, noch im Genüsse des Sti-\npendiums stehenden Stipendiaten Ernst Deurer können\nwir nur Erfreuliches berichten. Auf den V orschlag seines\nbisherigen Lehrers, Herrn Vincenz Lachner in Mannheim,\nhat der Ausschuss Frankfurt zu dessen Aufenthalte ge-\nwählt. Hier hat Herr Capellmeister Ignaz Lachner sich be-\nreit erklärt, Deurer's Arbeiten nachzusehen und ihm Rath\nund Belehrung zu ertheilen. Der Director des Cäcilien-\nVereins, Herr Karl Müller, hat ihm seine reichhaltige mu-\nsicalische Bibliothek zu freier Benutzung angeboten; ferner\nist ihm der Zutritt zu den Opern-Vorstellungen, zu den\nProben sowohl, wie zu den Aufführungen der Vereine\neröffnet.\nNachdem das im vorigen Jahre erlassene Ausschreiben\neiner Bewerbung um das Stipendium der Stiftung ohne\ndas erzielte Resultat geblieben war, da die Preisrichter\nkeinen der Bewerber für würdig erklären konnten, haben\nwir Ende August d. J. wieder eine Bewerbung ausgeschrie-\nben*). Zu dieser ist eine reichere Zahl von Bewerbungen,\nals jemals früher, und bis aus den fernsten Landen deut-\nscher Zunge bei uns eingegangen. Allein nicht nur quan-\ntitativ, sondern auch qualitativ glauben wir mit voller Be-\nfriedigung auf die Anmeldungen hinweisen zu können, die\nnach den beigefügten Zeugnissen und eingeholten Er-\nkundigungen zu urtheilen uns zu der Erwartung berech-\ntigen, dass aus der diesmaligen Bewerbung ein Ergebniss\nzu Tage treten werde, welches uns volle Genugthuung bietet.\nDer Verwaltungs- Ausschuss der Mozart-Stiftung:\nDr. Ponfick, Präsident. Dr. Eckhard, Secretär. Frank-\nfurt a. M., 30. September 1864.\n*) S. Niederrh. Musik-Zeitung, Nr. 37."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1864-12-17-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabi_1864-12-17_01#c010", "volume": "bmtnabi_1864-12-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "408", "page_fin": "408", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641217-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "408", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641217-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2352, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHamburg, 30. November. Die philharmonischen Concerte\nwurden den 18. November mit dem einhundert fünfundvierzigsten\nim Wörmer'schen Saale wieder eröffnet. Cherubini's schwierige\nOuvertüre zu „Ali Baba\", mit grosser Sicherheit und Frische ge-\nspielt, leitete den Abend mit einem Humor ein, welcher dem Audi-\ntorium nicht recht zugänglich zu werden schien. Der feierliche\nName des Meisters aber\" dürfte uns nicht gegen die Anerkenntniss\nverschliessen, dass Cherubini mit derselben Kraft, wie er die höch-\nsten Empfindungen erfasst, auch einer anakreontischen Heiterkeit\nAusdruck zu geben weiss, die in „Ali Baba\" sogar den komischen\nTon nicht verschmäht. Das Orchesterwerk, welches die zweite\nHälfte des Programms ausfüllte, war Beethoven's -4-dur-Sinfonie,\nvon deren Sätzen der vorletzte in F und dann der letzte wieder in\nA besonders gelungen zum Vortrag gelangten. Die neue, tiefere\nStimmung der Instrumente aber ward den Zuhörern am deutlichsten\nin der von Herrn Julius Stockhausen gesungenen Arie des\nSeneschall aus Boieldieu's „Johann von Paris\" zur Wahrnehmung\ngebracht, die dem Künstler in dieser Lage die schönste Entfaltung\nseiner Mittel gestattete, während diese Nummer von den Baritonen\nder Theater sonst um eine Note niedriger gesungen werden muss.\näcliumann's reizendes Scheidelied: „Es ist bestimmt in Gottes Rath\",\ndas auch Mendelssohn zu einer Volksweise gesetzt hat, bildete die\nChor-Aufgabe, die auch von den Mitgliedern der Akademie tadellos\ngelöst ward. Die Instrumeutal-Virtuosität ward durch Herrn Louis\nLübeck (jüngeren Bruder des eminenten Pianisten Ernst Lübeck\nin Paris), Professor am leipziger Conservatorium, vertreten, dessen\nCello von einer schmelzenden Tenorstimme bewohnt scheint, wie\ndenn eben das Cantabile die Stärke des Herrn Lübeck und seine\nelegante Bravour gerade durch den warmen Gefühlshauch und durch\neine Süsse des Klanges ausgezeichnet ist, worin er schwerlich seines\nGleichen hat. Leider hat sich die neuere Composition vom Cello ab-\ngewandt und die Sorge für ConcertstofF den Cellisten selbst über-\nlassen, unter denen Servais ein besserer Spieler als Tonsetzer ist.\nDie Nummer von dem letzteren wirkte daher nur mangelhaft; desto\nklarer zeigte sich dagegen das Gesangs-Talent des Herrn Lübeck in\nder Cello-Nummer „Recitativ und Adagio\", die er dem Concert-\nstücke hinzufügte."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "401", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641217-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nScenen aus der Frithiofs-Sage. Für Solostimmen, Männerchor und Orchester in Musik gesetzt von Max Bruch (Schluss).\nVon L. B. Aus Berlin (Gastspiel des Herrn Dr. Gunz). G. F. Händel's Werke (Ausgabe der deutschen Händel-Gesellschaft. Lie-\nferung 16—18). Von E. Krüger. Mozart-Stiftung in Frankfurt am Main (Sechsundzwanzigster Jahresbericht). Tages- und\nUnterhaltungsblatt (Hamburg, Wiedereröffnung der philharmonischen Concerte).\n\nScenen aus der Frithiofs-Sage.\nFür Solostimmen, Männerchor und Orchester in Musik gesetzt\nvon Max Bruch.\n\n(Schluss. S. Nr. 50.)\nDie Instrumental-Einleitung, ein Ällegro molto, 4/4,\nC-dur, etwa 100 Tacte lang, kündigt in durchweg leb-\nhafter und kräftiger Bewegung, die sich wenig von der\nGrund-Tonart entfernt, mehr durch Rhythmus und Klang-\nfarben, als durch Modulation den heroischen Charakter\ndes Ganzen an und ist, zwar nicht der Form, aber in so weit\nwohl dem Inhalte nach ouverturenarlig. Obwohl sie mu-\nsicalisch nicht bedeutend ist, so hat der Componist doch\ndadurch, dass er sich durch den ersten Chor nicht verlei-\nten liess, eine speciel nur zu diesem passende Einleitung\nzu schreiben, sondern uns gleich auf Thaten hinweist, die\nuns vorgeführt werden sollen, einen sehr richtigen Tact\nbewiesen, um so mehr, als unmittelbar darauf Frithiof\nin einem Recitativ der Gefahren, die er muthig bestanden,\ngedenkt. Erst mit der Wendung seiner Empfindung:\n„Schon grüss1 ich dich, o Baldur's Hain !\"\nund mit dem Gedanken an Ingeborg tritt die mildere\nStimmung ein, die nun in einem Arioso (Andante con moto,\nE-dur, 6/s) :\n„Ich folge der Winde, der himmlischen, Zug,\nEllida, beflüg'le den schäumenden Flug!\"\nin welches der Chor:\n„Es ist so schön, wenn vom fernen Lande\nDie Segel kehren zum Heimatstrande!\"\neintritt, ihren Ausdruck findet. Diese Nummer spricht\ndurch den Fluss der lieblichen Melodie, die einfache Har-\nmonie und die sanft wogende Begleitung ungemein an\nund rief bei der Aufführung in Aachen sogleich lauten\nApplaus hervor. Es ist, als sähen wir Frithiof und die Nor-\nmannen auf dem Verdeck stehen, und gewahrten, wie vom\nAnblicke des Heimatlandes und den Erinnerungen an alles\nLiebe darin das Eis um die rauhen Herzen der kühnen\nSeefahrer zusammenschmelze.\nIn der folgenden Scene veranschaulicht uns den Zug\nIngeborg's und ihres Geleites zu König Ring ein Marsch\n(.D-dur und Moll) und der Chor des Volkes, welches den\nSchmerz der Scheidenden kennt: „Bleich sitzt die Braut auf\ndem schwarzen Rosse.\" Marsch und Chor bilden gegen\nden Ausdruck beseligender Hoffnung im vorhergehenden\neinen Contrast, der durch Ingeborg's Solostimme, die in\nrührender Weise ihre Entsagung ausspricht, noch ergrei-\nfender wird, als er an und für sich schon ist. Besonders\nschön ist der Ausdruck der Solostimme von der Wendung\nan: „Doch Frithiof grüsset von Ingeborg! Viel trägt das\nHerz, bevor es bricht: Allvater richtet ich klage nicht!\"\nDamit die Wirkung aber vollkommen sei, muss der\nChor am Schlüsse pianissimo gehalten werden.\nNachdem dieses Bild vorüber gezogen, beginnt die\ngrosse Scene des Tempelbrandes, welche drei breit aus-\ngeführte Nummern füllt.\nDie Priester Baldur's sind in Baldur's Tempel ver-\nsammelt und erwarten am Opferheerde ihren König Helge.\nIhr Chor: „Mittnachtsonn' auf den Bergen liegt\", ist\nein schauerliches Grave', das sechs Tacte lang ausgehaltene\nhohe b der Violinen lässt eine ungewöhnliche Erscheinung\nahnen, die dann auch mit dem siebenten Tacte im Unisono\nder Basssänger auf es,in der tiefen Tonregion vom Or-\nchester in Es-mollpianissimo begleitet, eintritt. Die Te-\nnöre setzen später ebenfalls einstimmig eine Imitation ein,\nso dass der ganze Chor bis zu den vier letzten Tacten nur\nzweistimmig ertönt, während in der zweiten Hälfte der\nNummer die Saiten-Instrumente eine auch in den Bässen\nselbständige Figural-Begleitung in gebundenen Vierteln\nmit harmonischer Füllung durchführen,sodass der Sänger-\nund Instrumental-Chor zusammen die Textesworte: „Es\nist nicht Nacht, es ist nicht Tag, es ist ein seltsam Grauen\",\nganz täuschend zum Ausdrucke bringen und zugleich den"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "402", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641217-01.1.2", "texte": "Beweis liefern, dass solche Stimmungen auch ohne disso-\nnirende Vorhalte und ewige Synkopen durch schöne har-\nmonische Combinationen charakterisirt werden können.\nMittlerweile ist Frithiof gelandet und dringt in den\nTempel ein. Für die dramatische Gestaltung und das Ver-\nständniss der zwischen dieser und der vorigen Scene lie-\ngenden Handlung war es hier nothwendig, Frithiof und\ndie Chöre der Priester, der Gefährten Frithiof's und des\nVolkes redend und handelnd einzuführen. Frithiof unter-\nbricht die Priester:\n„Nur in Hela's Nebelreich\nMögt ihr nach dem König fragen!\nSeine Sterne wurden bleich\nHelge liegt erschlagen.\"\nDie P riester:\nWeh! o Frevelthat!\nFrithiof:\n„Still! Priester mit dem Opferstahl,\nBleiche Mondscheinfürsten!\nSonst bleibt euch nur Todeswahl,\nUnsre Klingen dürsten.\nWo mein Vater ruht, meine Wiege stand,\nFand ich nur Trümmer am öden Strand\nVerkauft an den Feind meine holde Braut,\nDen Armring, der Liebe Pfand, o, schaut!\nEuer Gott trägt geduldig ihr Eigenthum.\nHa, Baidur! ist das dein Heldenruhm?\nWirf ab von dir die gestohlene Zier,\nDer Armring, Baidur, gehört nicht dir!\nNicht für dich geschmiedet sind die Spangen,\nAn denen Ingeborg's Tbränen hangen :\nVernichten konntest du mein Glück,\nDen frechen Raub fordr1 ich zurück!\" - ;•\nDie Priester:\nWeh! er zerrt in Frevelmuth\nAn dem Ring o Graus!\nHa! der Gott weicht seiner Wuth,\nStürzt sich in die Flammen,\nUnd des Opferheerdes Gluth\nBricht mit ihm zusammen!\nAllgemeiner Chor:\nTempelbrand! Giesst Wasser aus!\nGiesst das Meer darüber u. s. w.\nNach einigen Orchester-Tacten in die das\nEindringen Frithiof's in den Tempel kennzeichnen, schleu-\ndert der Held in einem energischen Recitativ den Priestern\ndie obigen Worte entgegen; dann geht die Musik zu einem\nleidenschaftlichen, arienmässigen Sologesänge (B-dur) über,\nin welchem sich in schwungvoller Melodie die Wuth\nFrithiof's bis zum Frevel an dem Götterbilde steigert. Mit\ndem Ausrufe des Chors: „Tempelbrand!\" stürzt das Volk\nherein, und nun entwickelt sich ein Tongemälde, in wel-\nchem allerdings dem Orchester eine grosse Rolle zugetheilt\nist (Allegro agitato ma non troppo, Haupt-Tonart Es-\nmott),der Chor aber theils durch Unisono's, theils durch Imi-\ntationen in kräftigen Einsätzen einzelner Stimmen, dann wie-\nder durch plötzliches Hereinbrechen vollstimmiger Accorde\nso mächtig und doch immer klar eingreift, dass man der\nBehandlung desselben grosses Lob spenden muss und der\nGesammt-Eindruck des Ganzen ein gewaltiger ist. Gegen\nEnde trifft der Fluch und Bannspruch der Priester und\ndes Volkes den durch die Folgen seiner That vernichteten\nFrithiof.\nNur seine Gefährten bleiben ihm treu. Nach einer\nFermate leitet das Orchester zu einem Andante (9/8, in\nFis-dur) über, das auf die Worte:\n„Sonne so schön,\nSteigt über Höb'n,\nDie Winde säuseln\nf\nVom Land und kräuseln\nDie See zum Tanz\nIm Morgen glänz\"\neinen vierstimmigen Sologesang enthält, in welchem an-\nfänglich der erste Tenor allein die Melodie führt, zu wel-\ncher dann nach und nach die drei anderen Stimmen treten.\nDieser Satz bildet in Tönen einen so schönen, milden Ge-\ngensatz gegen den vorigen, wie ihn nur ein ruhiger Son-\nnenaufgang nach einer Nacht voll Sturm und Brand in\nder Natur bilden kann; er gehört zu den gelungensten des\nWerkes an melodischem Reiz, der durch den Gesang einer\nSolo-Violine, die sich wie eine Lerche erhebt, um die\nSonne zu begrüssen, noch erhöht wird.\nAm Schlüsse gewahren die Gefährten Frithiof am\nStrande: „Seht, wie traurig Frithiof wallt!\" Hieran\nschliesst sich Frithiof's Abschiedsgesang von der Heimat, wie-\nderum eine schöne Melodie (Adagio, 4/b, B-dur) mit Har-\nfenbegleitung, welche der Chor der Gelahrten durch:\n„Fahr' wohl, hochhehrer Nord!\" (im 3/4-Tacte) unterbricht\nund später auch schliesst eine Nummer, welche durch\nanhaltenden Beifall bei der Aufführung ebenfalls beson-\nders ausgezeichnet wurde, und das mit Recht.\nWährend wir uns die Einschiffung der Wikinger den-\nken, versetzt uns der Componist nach Ingeborg's Gemach\nin König Ring's Palast am Meeresufer. Wir hören „Inge-\nborg's Klage\" (ganz nach dem Texte von wie\nsie, Frithiof's Falken auf der Schulter, an dem Teppich\nwirkt und über die See schaut. Die beiden ersten Strophen\nhaben romanzenartig gleiche Melodie {Andante, 2jti.,G-moll)\nmit der eigentümlichen Begleitung von sämmtlichen Holz-\nBlasinstrumenten, 2 Hörnern, Bratsche und Violoncell; die\nBratsche windet in der zweiten Strophe Arabesken um die\nSingstimme. Mit der Anrede Ingeborg's an den „Falken\"\nbeginnt ein bewegteres Arioso (3U in G-dur) und zugleich"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "403", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641217-01.1.3", "texte": "treten die Violinen con sordini und die Bässe mit ein.\nAuch diese Nummer bewährt wieder in hohem Grade das\nmelodische Talent des Componisten und macht die Partie\nder Ingeborg zu einer sehr dankbaren, wie denn auch\nFräul. Lichtmay damit in Aachen grossen Beifall ärntete.\nAber trotz des reichen Lobes, welches wir den bisher\nbeurtheilten Nummern spenden mussten, fühlen wir uns\ndoch gedrungen, der nun folgenden Schlussscene, welche\nuns Frithiof mit seinen Gefährten auf der neuen Meerfahrt\nzu normannischen Abenteuern darstellt, die Palme zuzu-\nerkennen und sie als Krone des Werkes zu bezeichnen.\nDieser Schlusschor nach einem 4/4\nin C-moll von 20 Tacten ein AUegro energico in C-dur, 3/2-\nTact, der an zwei Stellen in 9/4 übergeht, im Ganzen 152\nTacte erreicht durch einfache Mittel in der Vocal-Par-\ntie, d. h. durch schwungvolle Motive und deren gesteigerte\nein-, zwei- und dreistimmige breite Entwicklung eine\nWirkung, der sich Niemand entziehen kann, weil sie\nwahrhaft hinreissend ist.\nEs sind drei melodische Reihen, welche diesem gedie-\ngenen Allegro zu Grunde liegen; die Worte dazu sind\nzweien Strophen des „ Wikingerbalk\" (Kriegsgesetz) über-\nschriebenen Abschnittes aus Tegner entlehnt. Die erste\n(von 18 Tacten), auch durch den Rhythmus energisch und\ndurch eine schlagende Modulation nach A-dur überra-\nschend, stimmt Frithiof an und der Chor wiederholt sie,\nzunächst die Bässe unisono, dann mit den Tenören drei-\nstimmig; beim Schlüsse in C tritt die Harfe ein, leitet in\nrauschenden Accorden nach der Dominante und begleitet\nallein neben einzelnen pizzicato's der Geigen, aber durch-\nweg fortissimo, die zweite Melodie Frithiof's:\n„Wir ziehen nach südlichen Zonen!\" (16 Tacte.) Hierzu\nkommt dann noch ein kürzeres Motiv im 9/4-Tact auf die\nWorte: „Wenn es stürmet mit Macht, hiss' die Segel em-\npor!\"— Das Haupt-Thema bleibt die Fahnen-Melodie, in\nwelche das charakteristische Motiv der ersten:\nzuweilen mit einem Unisono der Tenöre oder der Bässe\nwieder hineintönt, während das dritte Motiv mit prächtigen\nModulationen nach Eund nach zu einem stür-\nmenden Mittelsatze benutzt wird, nach welchem dann das\ntriumphirende C-dur wieder einfällt und zum glänzenden\nSchlüsse führt. Das Orchester wirkt dabei vortrefflich, na-\nmentlich bei der Sturmschilderung im Mittelsatze, wo der\nComponist die gewöhnlichen Wogenfiguren verschmäht\nund weniger das Rollen, als die Stösse der Wellen auf\nhöchst gelungene Weise durch absteigende Bässe mit dem\nRhythmus:\nund durch mächtige Schläge aller\nSaiten-Instrumente :\nmalt. Eine über-\nraschende, wir möchten sagen, ermuthigende Wirkung\nmacht ferner die mitten im Sturme auf einmal neben dem\nChor, der ganz andere Töne singt, in allen Instrumenten\nwieder erklingende Fahnen-Melodie.\nPrägen wir uns nun, wodurch Max Bruch in dieser\nComposition, welche zwar zum Theil schon vor einigen\nJahren angelegt, in ihrer Ausführung und jetzigen Gestalt\naber erst in dem laufenden Jahre vollendet worden ist und\nselbst gegen die Oper „Lorelei\" einen grossen Fortschritt\nbekundet fragen wir, wodurch er die grosse Wirkung\nauf Alle, d. h. auf Musiker und Laien, erreicht hat, die\nsich ganz zweifellos bei jeder folgenden Aufführung wie-\nderholen wird, so liesse sich darüber eine ganze Abhand-\nlung schreiben, welche sich über die Grund-Eigenschaften,\ndie ein musicalisches Kunstwerk besitzen muss, um allge-\nmeinen Eindruck zu machen, verbreiten und dabei in\nscharfen Gegensatz nicht bloss gegen die Programm-Musik,\nt\nsondern noch mehr gegen die Verstandes- und Augen-\nMusik treten müsste. Es klingt fast lächerlich, wenn wir\nbehaupten, dass die erste Grund-Eigenschaft Wohlklang\nsein müsse, als wenn sich das bei der Musik nicht von\nselbst verstände! Leider ist dem nicht also, denn wir ha-\nben jetzt Theorieen, welche den Miss klang nicht nur für\nerträglich, sondern sogar für nothwendig und folglich schön\nerklären! Doch es fehlt uns für heute der Raum, dieses\nThema weiter durchzuführen, und wir fügen nur noch\nhinzu, dass in der Frithiofs-Sage das oberste Gesetz der\nMusik, das ist der Wohlklang, nirgends verletzt ist, dass fer-\nner bei echt deutscher Melodie nicht bloss in der Erfin-\ndung langer Motive, sondern auch in deren Entwicklung\nund Entfaltung zu grösserem Ganzen ein natürlicher, we-\nder durch Künstelei gehemmter, noch durch scharfe, ge-\nsuchte Accorde absichtlich rauh gemachter Guss jeden\nSatz gebildet bat, und dass Alles in regelmässiger\nKunst form sich durch die mit grossem Talente ge-\nbrauchten Mittel der Wiederholung, Verbreiterung und\nharmonischen Verstärkung zu einer Steigerung gipfelt, die\nsowohl in den einzelnen Nummern, als namentlich im\nGanzen ihren Eindruck nicht verfehlen kann.\nn\n\nL. B."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "404", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641217-01.1.4", "texte": "Aus Berlin.\nDen ]4. December 1864.\nIm königlichen Opernhause setzte in der verflossenen\nWoche Herr Dr. Gunz sein Gastspiel als Nadori in „Jes-\nsonda\" von Spohr fort; es ist nur zu bedauern, dass die-\nser ausgezeichnete Sänger uns immer nur auf kurze Zeit\nseine Gegenwart zu Theil werden lässt. Die Titelrolle\nwurde von Fräulein Santer mit grossem Fleisse und Ver-\nständniss gegeben; die junge Sängerin tritt immer mehr\naus dem gewöhnlichen Babmen heraus, dass sie den be-\ndeutendsten Kräften unserer Oper in kurzer Zeit bald\nebenbürtig zur Seite stehen wird, was unsere verehr-\nliche Intendanz bereits in genügender Weise zu wür-\ndigen gewusst hat. Herr Dr. Gunz sang den Nadori in\nvorzüglicher Weise; an einer solchen Vorführung ist nichts\nmehr zu loben, denn dieselbe steht in allen Theilen voll-\nkommen da. Herr Betz gab den Tristan sowohl im Ge-\nsänge wie im Spiel wie immer in genügender Weise; ein\nGleiches können wir von Fräulein Schmid sagen, welche\ndie Amazili vertrat. Ein wenig mehr Rundung im Spiel\nund feinere Nuancirung im Gesänge werden ihre Leistung\nbedeutend erhöhen. Schliesslich bemerken wir noch, dass\ndie Chöre sehr präcis und gut waren und dass auch die\nganze Ausstattung der Oper gar nichts zu wünschen übrig\nliess.\nAm 3. December schritt bei vollem Hause „Fidelio\"\nüber unsere Hofbühne. Die Aufführung war eine sehr\ngute und musste wahrhaft erfreuen, indem man die Ueber-\nzeugung gewann, dass auf unserer Hofbühne besonders\nAusgezeichnetes geleistet werden kann, wenn man nur\nwill, und dass man hier wollte, bewies die königliche\nHof-Intendanz. Herr Dr. Gunz, der als Florestan in die-\nser Rolle zum letzten Male auftrat, erfreute das Publicum\ndurch seinen musterhaften Vortrag. Der geschätzte Gast\nsang mit Empfindung, Wärme und Ausdruck und bewies\naufs Neue sein bedeutendes Talent. Wie Herrn Dr. Gunz,\nmüssen wir auch Fräulein Santer lobend erwähnen,\nwelche durch Gesang und Spiel Ueberraschendes leistete,\nund man kann mit Recht dieser Dame das Zeugniss ge-\nben, dass sie sich bedeutend vervollkommnet hat. Herrn\nDr. G unz, so wie Fräulein Santer zollte das theilnehmende\nPublicum das gebührende Lob. In dem Arrangement trat\nein gewisser Geschmack hervor, der sich besonders auch\nin der letzten Schlussscene vortheilhaft geltend machte.\nIm „Orpheus\" von Gluck wurde uns der Genuss zu\nTheil, in der Titelrolle Frau Jachmann -Wagner nach\nlanger Zeit wieder bewundern zu dürfen. Der reichste\nBeifall lohnte die Künstlerin für ihre ausgezeichnete, un-\nerreicht dastehende Leistung. Fräulein Santer löste\nihre Aufgabe als Eurydice ebenfalls auf die beste Weise.\nFräulein Gericke als Amor traf in Gesang und Spiel\nim Allgemeinen wenig den Charakter, antike Charak-\ntere liegen ihrer Anschauung etwas fern fürs Erste. Die\nChöre Hessen Manches zu wünschen übrig, namentlich\ntrifft der Tadel die Männerstimmen, welche öfters bei den\nEinsätzen schwankten.\nWie stimmen Ihre Angaben, werden Sie fragen, mit\nden Anklagen des berliner Publicums in C. Kossak's\n„Federzeichnung Nr. 106\" im Feuilleton der Kölni-\nschen Zeitung Nr. 344 vom 11. December? Herr Kos-\nsak sagt, wie ich so eben sehe: „Es ist eine traurige, aber\nnicht zu verschweigende Thatsache, dass Opern wie die\nZauberflöte, Jessonda und selbst Fidelio selbst bei\nausgezeichneter Besetzung nur noch von Kennern und\nDilettanten besucht werden. Der erste Rang bleibt eine\nEinöde, die Logen der Aristokratie gleichen sogar Ein-\nsiedeleien, in denen irgend ein versprengter vornehmer\nReisender die Abendstunden zubringt.\"\nDas klingt recht hübsch, aber ist es auch wahr? Im\nFidelio ist, was Sie auch in allen berliner Blättern lesen\nkönnen, in voriger Woche das Opernhaus voll gewesen.\nUeber die Aufführung der Zauberflöte kurz vorher\nheisst es in der „Fackel\" einem Blatte, an welchem\nRötscher und andere tüchtige Männer thätigen Antheil\nnehmen: „—Um so angenehmer bleibt es für uns, die\ndiesmalige Vorstellung als eine recht gute hinzustellen.\nDer Hauptmangel war bisher die genügende Vertretung\ndes Tamino. Herrn Krüger, dem Inhaber dieser Rolle,\ngebricht es wahrlich an Stimmmaterial und Schule nicht,\nallein Empfindung, Ausdruck sind vorläufig für diesen Sän-\nger noch Probleme. An seiner Statt sang Herr Dr. Gunz\ndie Rolle, und zwar mit einer Hingebung und Seele, dass\ndie Zuhörer ganz davon ergriffen wurden. Das schöne,\nwohllautende Organ des Künstlers, die geschmackvolle\nArt seines Vortrages, ein schlichtes Spiel gestalteten die\nBolle zu einer wahrhaft trefflichen, und geizte das sehr\nzahlreich anwesende Publicum wahrlich mit Beifall\nnicht. Am meisten empfing Herr Dr. Gunz Applause nach\nder Arie: „„Dies Bildnissist bezaubernd schön\"\", welche\ner wahrhaft schön und empfindungsreich sang. Wir haben\nes erlebt, dass sich vordem keine Hand rührte, während\nheute Aller Hände jubelnd in einander schlugen.\" ln\nSpohr's Jessonda war das Haus wenigstens gut besetzt.\nWenn nun Berlin so viele „Kenner und Di lettanten\"\nbesitzt, dass sie das Opernhaus füllen, so möchten wir\nwissen, welches Publicum eigentlich HerrKossak vermisst?\nEtwa das so genannte Volk? Das muss er freilich hier in\nder Posse suchen und nicht im Fidelio. Oder die Aristo-\nkratie? Vielleicht findet er die am zahlreichsten im Ballet."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "405", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641217-01.1.5", "texte": "Wir sind jedoch mit einem zahlreichen Auditorium von\n„Kennern und Dilettanten\" sehr zufrieden, und wir glau-\nben, auch die Kunst könne damit zufrieden sein. Sehr auf-\nfallend ist es aber, dass die oben angezogene „Federzeich-\nnung\" gerade diejenigen drei Opern-Vorstellungen als leer\nbezeichnet, in welchen der treffliche Tenorist Dr. Gunz\naus Hannover gesungen hat (den Tamino, Nadori und Flo-\nrestan), und dabei das ausgezeichnete Gastspiel des\nDr. Gunz gar nicht erwähnt! Das gibt allerdings zu\ndenken, besonders Bühnenkünstlern! G.\nNachschrift. Auch wir müssen gegen eine andere\nund wichtigere Behauptung Kossak's in gedachter „Fe-\nderzeichnung\", zumal wenn sie die Meinung des berliner\nPublicums vertreten soll, im Namen der Opern-Compo-\nnisten protestiren. Er sagt: „Die Oper musste sich bei\ndem Mangel an der Darstellung werthen neue-\nren Werken auf Wiederholungen beschränken.\"\n„Musste\"? Und alle neueren Opernwerke „der Dar-\nstellung nicht werth\"? Uns scheint, dass das „Müs-\nsen\" eines der ersten Opern-Institute in Europa sich auf\netwas ganz Anderes erstrecke, als auf das Nichtbeachten\nder neueren Werke und auf die Voraussetzung ihrer\nWerthlosigkeit ohne Prüfung. Oder was heisst Herrn\nKossak „der Darstellung nicht werth\"? Ist dieser Aus-\nspruch vielleicht eine Verteidigung des Satzes: „Die\nKunst geht nach Brod!\" und heisst dies für die Bühnen-\nVerwaltung eben so viel als: „Wir dürfen nur auf die\nEinträglichkeit eines Werkes für die Casse sehen\"?\nWenn dem also wäre, so müsste sie dem Anspruch auf\nden Namen einer Kunstanstalt entsagen und sich selbst\nzugleich tief unter viele Privat-Unternehmungen von Thea-\ntern in der Provinz stellen. Man kann also nur der Unbe-\nkanntschaft der Intendanz mit den neueren Werken die\nSchuld der Nichtaufführung derselben geben. Freilich ist\nauch dies keine ganz gültige Entschuldigung; denn wo so\nreichliche Staats-Unterstützung liiesst, sollten auch wohl\ndie Kosten zu erübrigen sein, bewährte Kunstverständige\nnach den deutschen Städten, wo neue Opern gegeben\nwerden, oder auch selbst nach Paris, wenn dort eine be-\ndeutendere Neuigkeit auftaucht, zu senden. Denn, wenn\nwir nicht irren, so sind auch z. B. die französischen Opern\n„Lallaßookh\" von David, „Lara\" vonMaillart, „Ro-\nland in Ronceval\" von Mermet in Berlin noch unbe-\nkannt. Bei den Aufführungen von Hiller's „Katakomben\"\nin Karlsruhe, Hannover, Weimar, Wiesbaden, von Bruch's\n„Lorelei\" in Mannheim, in Köln (11 Mal bei vollem Hause)\nund bei manchen anderen sind schwerlich Abgesandte von\nSeiten des berliner Opern-Instituts auch nur bei einer ein-\nzigen Vorstellung anwesend gewesen. Warum auch? Man\nrichtet sich nach den absprechenden Urtheilen irgend eines\nberliner Literaten: „Die und die Oper ist, wie alle neue-\nren, der Darstellung nicht werth.\" Warum fällt Einem\ndoch so oft Lessing ein:\n„.Wenn Meister emsig sind und sich in Tbaten zeigen,\nWer hat so müss'ge Zeit und sitzet mühsam still,\nDass er erst alles lern', wovon er reden will?\"\n\nG. F. Händel’s Werke\n\n*).\nIm Verfolg der vorigjährigen Anzeige (1863, Nr. 30)\ndürfen wir nicht unterlassen, die Freunde deutscher Ton-\nkunst auf den rüstigen Fortschritt des kühn begonnenen\nWerkes aufmerksam zu machen. Dieser fünfte Jahrgang\nbringt in Lieferung 16, 17, 18 die Oratorien „Israel\"\nund „Josua\", nebst dem musicalischen Zwischenspiele\n[Musical interlude) „Die Wahl des Herakles\". Von die-\nsen dreien sind jene, die herrlichen Standbilder aus der\nHeroenzeit des Bundesvolkes, seit länger auch den Deut-\nschen zugänglich gewesen: „Israel\" durch Breiden-\nsteins Clavier-Auszug, den nicht, wie viele andere, der\nVorwurf leichtsinniger Entstellung trifft, „Jusua\" durch\nden Freiherrn von Mosel, wenigstens sauberer gehalten\nals andere von demselben wunderlichen Manne entstellte\nWerke, unter denen „Samson\" sogar stellenweise unver-\nständlich geworden ist, weil man dem damaligen Publicum\nnoch nicht wagte, die stolze Grösse unseres Tondichters\nungeschminkt vorzustellen. Jene beiden Oratorien, aus\nder reifsten Zeit des Meisters, sind an Klarheit, Bildkräf-\ntigkeit und kühner Idealiät selbst unter Händel's Werken\nhervorragend und haben, wo sie neuerdings wieder ver-\nnommen sind, Erbauung und Erhebung gewirkt. Beide\nsind verwandt nach dem biblischen Stoffe, doch „Israel\"\naus den ursprünglichen Worten allein (2. Mose, C. 1 —l5)\nzusammengestellt, gleichwie „Messias\", „Josua\" dagegen\nmit moderner Rhetorik umkleidet, nicht ohne unnatür-\nlichen Zierath, aber doch in hoch dramatischem Sinne ge-\nhalten. Händel's Darstellungsweise ist wohl eine episch-\ndramatische genannt worden, in dem Sinne, dass er mehr\nden objectiven Strom der Thatsachen malerisch vor die\nSeele stelle, während die Bach'sche Art, mehr innerlich\nbewegt darstellend, lyrisch-dramatisch sei. Die Kategorie\nmit Sicherheit auszumitteln, mag eben so schwierig sein,\nwie andere ästhetische Streitfragen zum Austrag zu brin-\ngen, unter denen z. B. die nach der Tonmalerei eine\nder quälenden ist. Wir untersuchen hier nicht, wie weit\ndiese möglich oder berechtigt sei, und führen lieber dem\nKenner und Liebhaber zu Gemüthe, wie eindringlich in\n\n*) Ausgabe der deutschen Händel-Gesellschaft. Lief. IC—18.\nLeipzig, Stich und Druck von Breitkopf und Härtel. 1864. Fol."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "406", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641217-01.1.6", "texte": "dem Oratorium „Josua\" die so genannte Malerei verwandt\nist an drei Stellen. Erstlich in dem Chor: „Der Jordan\nstand gleich Wassermauern still, und rückwärts auf zur\nQuelle rann der Strom\" (nach Josua, C. 3, V. wo\nder erste Satztheil in wiederholten Accorden, der andere\nin mildwogenden Melismen so bildhaft wirken, dass einst\nein entzückter Hörer rief: „Das ist ja alles wirklich und\ndoch mehr als wirklich!\" Zweitens in der grossen Scene\nvon Jericho's Fall, wo eine prächtige Posaunen-Melodie\nund Josua's Gesang einander contrapunktiren und danach\ndas Beben der Völker in einer unnachahmlichen, nur der\nTonkunst möglichen Figur abgebildet wird. Drittens\n(Jos. 10, 13): das wunderbare „Sonne, stehe still über\nGibeon,\" wird dargestellt in einem Orgelpunkte (Halte-\nton), den sämmtliche Posaunen, Schalmeien und Flöten\nim Räume von A—a2 vollziehen, während über und unter\ndem Orgelpunkte eine Reihe kämpfender Accorde und\nMelodieen dahinziehen—fast 32 Tacte hindurch: ein sen-\ngender Schein über der kämpfenden Bewegung, der in\nsolcher Wirkung keiner plastischen Malerei erreichbar\nwäre, weil man den Stillstand der Sonne mit Augen nie-\nmals wahrnehmen würde, da man auch ihr Fortschreiten\nmit Augen nicht wahrnehmen kann; hier hat die dunkele\nKunst der Töne grössere Evidenz, als die helle Kunst des\nLichtes*).\nDie „Wahl des Herakles\", das dritte Stück dieses\nJahrgangs, ist ein Stück von unbestimmter Kategorie;\nHändel selbst nennt es interludeund hat es einmal als zu-\ngefügten Act zum Alexanderfeste aufgeführt. Der Text\nist nicht eben hoch dramatisch gehalten, die Musik einem\nanderen gleichzeitigen Schauspiele früher unterlegt gewe-\nsen (s. Vorwort). Der Inhalt, den bekannten Herc. Pro-\ndicius leidlich dramatisirend, ist schon an sich nicht eben\npoetischen Schwunges; die musicalische Charakteristik zu\nbeweisen, wäre eine Aufgabe für Liszt und Wagner, in\nsymphonistischen Programmen zu lösen; denn man ver-\nnimmt zwar wohl die Hoheit der yi()£tr], aber die Hdovrj\nist wenigstens keine zauberische Venus des Venusberges.\nDiese Parteilichkeit der Schilderung wird zwar Händel's\nGenius minder zum Vorwurfe gereichen, da die Darstel-\nlung des Helden und der Tugend desto edler gehalten ist;\naber das dramatische Ringen vom Grunde bis zum\nGipfel ist nicht darin, dergleichen uns im Maccabäus und\nSamson so mächtig ergreift. Auch der Schluss-Chor, ob-\nzwar von durchdringender ethischer Kraft, hat doch zu-\ngleich etwas Befremdendes, indem zum Siege der Tugend\nein trüber Ton hineinklingt, der sogar den ungewöhnlichen\nil/o/Z-Schluss des Ganzen nach sich zieht. Sollte hier viel-\nleicht der ursprünglich andere Text Auskunft geben?\nWir bescheiden uns des Endurtheils, weil die tiefer lie-\ngende Frage nach Uebertragung der Tonbilder in ver-\nschiedene Texte eine noch schwebende ist, zumal das ge-\nsammte Gebiet der Musikwissenschaft jetzt im Göhren und\nUmwälzen begriffen, daher ausser den Grundbegriffen\nVieles wankend geworden ist, was früher ausgemacht\nschien. Aeusserlich fest steht aber, dass die Wirkung der\ngrossen Lebenswerke unserer Meister sich trotz aller\nTheoreme immer unwiderstehlicher verbreitet, ja, wie\naufmerksame Kenner versichern, heute noch siegreicher,\nals in der Zeit ihrer Lebensblüthe. Dafür zeugt nicht so\nsehr die wachsende Lust an Aufführungen, als das Ein-\ndringen in die Häuser zu Genuss und Belehrung, ein\nDamm gegen die gegenläufigen Ströme ephemerer Kunst-\nwerke.\nSo geht denn das grosse Händel-Werk einen ener-\ngisch raschen Gang, wodurch es sowohl der vierzehn Jahre\nälteren englischen Händel-Ausgabe, als der acht Jahre zu-\nvor gegründeten Bach-Ausgabe schon jetzt voraus gekom-\nmen ist, und zugleich eine Bürgschaft des zu erreichenden\nZieles zu tragen scheint, so lange den Gründern und Lei-\ntern, Chrysander und Gervinus, ihre Kraft nicht ver-\nsagt. Freilich gehört dazu auch eine wachsende Theil-\nnahme der Abnehmer, besonders im deutschen Volke;\ndenn die heutige ist, obwohl bisher stetig wachsend, doch\nnoch nicht so stark, dass man ohne Sorge in die Zukunft\nblicken darf. Die bisherigen achtzehn Lieferungen enthal-\nten kaum die Hälfte der Gesammtwerke Händel's, unter\ndenen dreissig Opern und dreissig Oratorien den Kern bil-\nden, die wir wo möglich ganz und alle besitzen müssen,\num des herrlichen Meisters gründlich gewiss zu werden\nund eine grosse Periode unseres besten Kunstlebens leben-\ndig zu erkennen. Sicherlich sind solche Werke, selbst wenn\nsie gleich anderen grossen Bauten der Deutschen unvollen-\ndet bleiben, dennoch trotz aller persönlichen Opfer und\nscheinbar mit Undank gelohnter Mühen nicht vergeblich,\nda von ihnen das ganze Kunstleben, sowohl nach der\nwissenschaftlichen Seite hin als durch praktische Wieder-\nbelebung, gesunde und unvergängliche Nahrung gewinnt.\n\n*) Vergl. über ähnliche Wirkungen eines ausgehaltenen Tones\nbei Mozart, Beethoven u. s. w. unsere Bemerkungen über das\nScherzo der von Beethoven, Rhein. Musik-Ztg.,\n1851, Nr. 1, S. 235. Die Redaction.\n\nE. Krüger.\n\nMozart-Stiftung.\nAus dem sechsundzwanzigsten Jahresberichte der Ver-\nwaltung der Mozart-Stiftung in Frankfurt a. M. über\ndas Geschäftsjahr 1863 —64 heben wir Folgendes hervor:"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "407", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641217-01.1.7", "texte": "Die im vergangenen Jahre aus der Verwaltung aus-\ntretenden Herren C. Enders und Dr. med. Ponfick\nwurden durch das Vertrauen des Liederkranzes wieder\nin die Verwaltung gewählt.\nDer V e r m öge n s b es tan d der Stiftung war am\nSchlüsse des vergangenen Jahres auf 43,502 Fl. 37 Kr.\ngestiegen. Wenngleich wir bei der heutigen Aufstellung\nden Ertrag des von Seiten des Liederkranzes statutenmäs-\nsig zu gebenden Concertes noch nicht verzeichnen können,\nso hat sich doch unser Capitalbestand durch andere belang-\nreiche Zuweisungen in erfreulichster Weise vermehrt. In\nerster Linie haben wir wieder unseren unermüdlich wohl-\nwollenden Geber Herrn K. S. mit einem Geschenke von\n100 Frcs. zu verzeichnen. Wenn wir in unserem vorjäh-\nrigen Berichte Veranlassung hatten, hervorzuheben, wie\ndie bei der fünfundzwanzigjährigen Jubelfeier der Stiftung\nvon hochachtbaren Persönlichkeiten gegebenen Zusagen\nuns genügende Bürgschaft boten, so hat vor Allen Herr\nErnst Pauer von London sein Wort in der glänzendsten\nWeise eingelöst und bei seinem Besuche auf dem Conti-\nnente am 24. Januar hier ein Concert gegeben, welches\nschon durch seine feine Wahl in chronologischer Reihen-\nfolge die Kenner und Verehrer der Kunst fesselte und bei\nder Trefflichkeit der Ausführung allgemein entzückte. Die\nausgezeichnete Unterstützung durch Fräulein Orgeni,\nHerrn Concertmeister Strauss und Herrn Director Gel-\niert erwähnen wir mit Dank. Der Stiftung floss ein Netto-\nErtreg von 276 FI. 10 Kr. zu.\nDer k. k. Hof-Opernsänger von Wien, Herr Gustav\nWalter, erklärte, dass er in der Mozart'schen „Zauber-\nflöte\" auftreten und seinen Honorar-Antheil an die Stiftung\nüberweisen wolle. Ein gedrängt volles Haus gab Zeugniss,\nwie das Publicum den Künstler und dessen Absicht ehrte.\nAuch übernahm der Ausschuss der Theater-Actien-Gesell-\nschaft den festgesetzten Kosten-Abzug auf eigene Rechnung,\nso dass die Summe von 463 Fl. in die Casse der Stiftung\nkam. Auch der Organe der öffentlichen Presse\nmüssen wir dankende Erwähnung thun u. s. w.\nDurch die Geschenke und den Zuwachs an Zinsen ist\ndas Vermögen der Stiftung mit dem Ablaufe dieses Ge-\nschäftsjahres auf die Summe von 45,511 Fl. 57 Kr. an-\ngewachsen. Noch haben wir den oben verzeichneten\nbaaren Beiträgen eine andere Gabe anzureihen, eine aus\ndem Nachlasse des Lehrers Herrn Dahl hoff in Dinker\nbei Soest in Westfalen an die Stiftung vermachte Geige.\nDieselbe ist von Kennern auf einen Werth von 100 Tha-\nlern taxirt und soll dem tüchtigsten Stipendiaten über-\ngeben werden, der noch keine gute Geige hat.\nWenn wir nach diesen Darlegungen auf unsere Sti-\npendiaten selber übergehen, so können wir die erfreu-\nliehe Mittheilung machen, dass Max Bruch's romantische\nOper „Lorelei\", die im Sommer des vorigen Jahres auf\nder mannheimer Bühne mit grossem Erfolg in die Oeffent-\nlichkett trat, inzwischen auch in Köln zu oft wiederholter,\nglänzender Aufführung gekommen ist und nun auf den\nBühnen von Kassel, Lübeck, Rotterdam, Hamburg zur\n* o\nAufführung vorbereitet wird. Von uns&rem nachfolgenden\nStipendiaten Brambach, jetzt städtischem Musik-Director\nin Bonn, ist eine preisgekrönte Composition, „Velleda\",\nbei dem in diesem Nachsommer in Aachen abgehaltenen\nzweiten Feste des rheinischen Sängervereins zur Aufführung\ngebracht worden und hat, wie sie schon von den Preisrich-\ntern ehrend gewürdigt wurde, auch bei der Aufführung\nlebhafte Anerkennung gefunden.\nAuch über unseren jüngsten, noch im Genüsse des Sti-\npendiums stehenden Stipendiaten Ernst Deurer können\nwir nur Erfreuliches berichten. Auf den V orschlag seines\nbisherigen Lehrers, Herrn Vincenz Lachner in Mannheim,\nhat der Ausschuss Frankfurt zu dessen Aufenthalte ge-\nwählt. Hier hat Herr Capellmeister Ignaz Lachner sich be-\nreit erklärt, Deurer's Arbeiten nachzusehen und ihm Rath\nund Belehrung zu ertheilen. Der Director des Cäcilien-\nVereins, Herr Karl Müller, hat ihm seine reichhaltige mu-\nsicalische Bibliothek zu freier Benutzung angeboten; ferner\nist ihm der Zutritt zu den Opern-Vorstellungen, zu den\nProben sowohl, wie zu den Aufführungen der Vereine\neröffnet.\nNachdem das im vorigen Jahre erlassene Ausschreiben\neiner Bewerbung um das Stipendium der Stiftung ohne\ndas erzielte Resultat geblieben war, da die Preisrichter\nkeinen der Bewerber für würdig erklären konnten, haben\nwir Ende August d. J. wieder eine Bewerbung ausgeschrie-\nben*). Zu dieser ist eine reichere Zahl von Bewerbungen,\nals jemals früher, und bis aus den fernsten Landen deut-\nscher Zunge bei uns eingegangen. Allein nicht nur quan-\ntitativ, sondern auch qualitativ glauben wir mit voller Be-\nfriedigung auf die Anmeldungen hinweisen zu können, die\nnach den beigefügten Zeugnissen und eingeholten Er-\nkundigungen zu urtheilen uns zu der Erwartung berech-\ntigen, dass aus der diesmaligen Bewerbung ein Ergebniss\nzu Tage treten werde, welches uns volle Genugthuung bietet.\nDer Verwaltungs- Ausschuss der Mozart-Stiftung:\nDr. Ponfick, Präsident. Dr. Eckhard, Secretär. Frank-\nfurt a. M., 30. September 1864.\n*) S. Niederrh. Musik-Zeitung, Nr. 37."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "408", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18641217-01.1.8", "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHamburg, 30. November. Die philharmonischen Concerte\nwurden den 18. November mit dem einhundert fünfundvierzigsten\nim Wörmer'schen Saale wieder eröffnet. Cherubini's schwierige\nOuvertüre zu „Ali Baba\", mit grosser Sicherheit und Frische ge-\nspielt, leitete den Abend mit einem Humor ein, welcher dem Audi-\ntorium nicht recht zugänglich zu werden schien. Der feierliche\nName des Meisters aber\" dürfte uns nicht gegen die Anerkenntniss\nverschliessen, dass Cherubini mit derselben Kraft, wie er die höch-\nsten Empfindungen erfasst, auch einer anakreontischen Heiterkeit\nAusdruck zu geben weiss, die in „Ali Baba\" sogar den komischen\nTon nicht verschmäht. Das Orchesterwerk, welches die zweite\nHälfte des Programms ausfüllte, war Beethoven's -4-dur-Sinfonie,\nvon deren Sätzen der vorletzte in F und dann der letzte wieder in\nA besonders gelungen zum Vortrag gelangten. Die neue, tiefere\nStimmung der Instrumente aber ward den Zuhörern am deutlichsten\nin der von Herrn Julius Stockhausen gesungenen Arie des\nSeneschall aus Boieldieu's „Johann von Paris\" zur Wahrnehmung\ngebracht, die dem Künstler in dieser Lage die schönste Entfaltung\nseiner Mittel gestattete, während diese Nummer von den Baritonen\nder Theater sonst um eine Note niedriger gesungen werden muss.\näcliumann's reizendes Scheidelied: „Es ist bestimmt in Gottes Rath\",\ndas auch Mendelssohn zu einer Volksweise gesetzt hat, bildete die\nChor-Aufgabe, die auch von den Mitgliedern der Akademie tadellos\ngelöst ward. Die Instrumeutal-Virtuosität ward durch Herrn Louis\nLübeck (jüngeren Bruder des eminenten Pianisten Ernst Lübeck\nin Paris), Professor am leipziger Conservatorium, vertreten, dessen\nCello von einer schmelzenden Tenorstimme bewohnt scheint, wie\ndenn eben das Cantabile die Stärke des Herrn Lübeck und seine\nelegante Bravour gerade durch den warmen Gefühlshauch und durch\neine Süsse des Klanges ausgezeichnet ist, worin er schwerlich seines\nGleichen hat. Leider hat sich die neuere Composition vom Cello ab-\ngewandt und die Sorge für ConcertstofF den Cellisten selbst über-\nlassen, unter denen Servais ein besserer Spieler als Tonsetzer ist.\nDie Nummer von dem letzteren wirkte daher nur mangelhaft; desto\nklarer zeigte sich dagegen das Gesangs-Talent des Herrn Lübeck in\nder Cello-Nummer „Recitativ und Adagio\", die er dem Concert-\nstücke hinzufügte."}]}