{"numero_id": "bm-bmtnabi-1865-01-07-01", "volume": "bmtnabi_1865-01-07_01", "ocr_sha256": "9fafaa0f565f30041470e6708b3f1f87f5d8d426306d6662d4922c37065b3545", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1865/01/07_01/bmtnabi_1865-01-07_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650107-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1865-01-07-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-01-07_01#c001", "volume": "bmtnabi_1865-01-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "1", "page_fin": "1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650107-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650107-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 418, "texte": "Inhalt.\nCarl Maria von Weber. Ein Lebensbild. Von Max Maria von Weber. Zweiter Theil. I. Aus Würzburg (Con-\nSoiree für Kammermusik). Von L. B. Das Conservatorium in Köln. 1 ages- und Unterhaltungsblatt (Beilin, Theater\nNeueste musicalische Aesthetik Leipzig, Vermächtniss Karlsruhe, Concerte Stuttgart, Abonnements-Concerte München,\nClarinettschule Wien, Orchester-Verein Paris, Gounod Haag, Capellmeister F. 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Von Max Maria von Weber.\nZweiter Theil\nI.\n*)•\nWir haben den ersten Theil dieser Biographie C. M.\nvon Weber's, welche dessen Sohn geschrieben* hat, vor\neinem Jahre in diesen Blättern angezeigt (vgl. Jahrgang\n1863, Nr. 51 und 52, und Jahrg. 1864, Nr. 1 und 3)\nund als eine Bereicherung der Literatur der Geschichte\nder Musik begrüsst, und so heissen wir denn auch den\nzweiten, welcher dem ersten rasch gefolgt ist, als Fort-\nsetzung der Lebensbeschreibung des grossen Tonmeisters\nund besonders auch als Beitrag zu einem der wichtigsten\nAbschnitte der Geschichte der deutschen Oper will-«\nkommen.\nDer erste Theil enthielt von C. M. von Weber's\nLeben seine Entwicklung zum Künstler und Compo-\nnisten, die Entstehung seiner ersten Werke, seine Reisen\nund verschiedene Wirksamkeit in mehr oder weniger be-\nschränkten Kreisen bis zu seiner Anstellung als Capellmei-\nster in Dresden. Der zweite Theil umlasst das ganze übrige,\nleider so bald vollendete Leben des Meisters von seinem\nEintritte in Dresden am 13. Januar 1817 bis zu seinem\nTode in der Nacht vom 4. zum 5. Juni 1826 in London\nmithin jene zehn Jahre, in denen „Der Freischütz\",\n„Euryanthe\" und „Oberon\" von ihm geschaffen wurden,\ndie neben Mozart s Opern und Beethoven s „lidelio\" un-\nvergänglich wie die Sterne am Himmel im Tempel der\nTonkunst leuchten werden, nicht erreicht, geschweige denn\nüberragt von anderen Schöpfungen.\nEs liegt mithin in der Natur der Sache und in der\nBedeutung der Epoche, dass der zweite Theil von We-\nber's Biogra'phie noch weit anziehender ist, als der erste,\nund wer, wie Schreiber dieses, jene Epoche nicht nur er-\nlebt, sondern bei einigen der wichtigsten Momente dersel-\nben, wie z. B. den ersten Aufführungen des „ Freischützu\nin Berlin, als Augenzeuge und bescheidener Mitspieler im\nPublicum zugegen war, der wird dem Verfasser das Zeug-\nniss geben, dass er ein wahres und lebendiges Bild jener\nZeit zu entwerfen strebt und dass ihm dieses Streben im\nGanzen auch gelungen sei, wobei, die eingellochtenen\nBriefe C. M. von Weber's nicht bloss die historische Wahr-\n\n*) Leipzig, bei Ernst Keil. 1864. 741 S'. 8."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650107-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5455, "texte": "heil fördern, sondern auch dein Coiorit des Gemäldes\ngünstig sind.\nWir haben bereits in der letzten Nummer des vorigen\nJahrgangs einen Auszug aus dem Abschnitte, der über\ndie Erscheinung des „Freischütz\" au! der deutschen, zu-\nnächst der berliner Bühne bandelt, gegeben. Wiewohl\nderselbe zu dem oben Gesagten einen Beleg liefert, so\ndürfen wir dennoch die Bemerkung nicht unterdrücken,\ndass gerade in diesem Abschnitte seines Buches der Herr\nVerfasser in Einem Punkte nicht objectiv genug verfährt,\nsich nicht ganz über die Ereignisse stellt, sondern mit\nseinem Unheil und seiner Anschauungsweise der damali-\ngen Verhältnisse in Berlin sich mehr in die Stimmung\neiner Partei versetzt, als dem Historiker über einen Zeit-\nraum, der jetzt bereits über vierzig Jahre hinter uns liegt,\nangemessen ist. Es betrifft dies die Darstellung des Er-\nfolgs von Weber's „Freischütz\" als eines Sieges der deut-\nschen Oper über die italiänisch e, im Besonderen des\n„Freischütz\" über die „Olympia\" von Spontini. Selbst\ndieses letztere ist nicht genau, denn beide Opern gingen\nlange Zeit neben einander und füllten beide Häuser, die\n„Olympia\" das Opernhaus, der „Freischütz\" das Schau-\nspielhaus in Berlin, und es beruht geradezu auf falschen\nBerichten, wenn, wie auch hier geschieht, der Beifall, den\ndie „Olympia\" fand, als ein „gemachter\" bezeichnet wird.\nSpontim's Persönlichkeit, seine vielfältigen Anmaassungen\nu. s. w. dürfen, wenn von seinen Werken die Bede ist,\ngar nicht in Betracht kommen. Am wenigsten aber darf\nman von einem Kampfe der deutschen und italiänischen\nOper in damaliger Zeit sprechen, denn ein solcher würde\nnur dann eine Wahrheit gewesen sein, wenn von einem\nGegensatze zwischen Weber und Bossini die Bede wäre.\nRossini's „Tancred\" mit der trefflichen Altistin Borgondio\nhatte im Anfange des Jahres 1821 allerdings dem Hofe\nund einem grossen Theile des Publicums gefallen, aber\nauch eine eben so grosse Partei gegen diese italiänische\nGattung hervorgerufen. Allein man darf keinesfalls Rossini\nund Spontini, wie der Verfasser thut, in Einen Topf wer-\nfen, denn „Die Vestalin\" und „Olympia\" zogen ganz das-\nselbe Publicum an, das bei Gluck's „Alceste\", „Ar-\nmide\", „Iphigenia\", Mozart's „Don Juan\", „Figaro\" und\nBeethoven's „Fidelio\" das Theater füllte, auch Hofmann's\n„Undine\" nicht zu vergessen, die bis zum Brande des\nSchauspielhauses, wo Partitur, Decorationen und alles,\nwas zu dieser Oper gehörte, in Flammen aufging, mit\nausserordentlichem Erfolge gegeben wurde; namentlich\nwar Johanna Eunicke (später das Aennchen im Freischütz)\nals Undine bezaubernd. Spontini's Opern: „Vestalin\",\n„Cortez\", „Olympia\" kann man durchaus nicht als „ita-\nliänische Opern\" in dem Sinne,- den man gewöhnlich da-\nmit verknüpft, bezeichnen, obschon Spontini ein Italiäner\nwar und seine in Italien geschriebenen Opern in jene Ka-\ntegorie fallen. Dasselbe gilt von Cherubini's Opern; wer\nwird den „Wasserträger\" und gar die „Medea\" und „Fa-\nnisca\" zu den Opern italiänischen Stils rechnen? Die tra-\ngische Kraft und die Charakteristik der Leidenschaften\nund Personen hebt Spontini's Musik hoch über die Com-\nponisten der rein italiänischen Schule empor, und darüber\nwar auch schon damals selbst bei den echten Vertretern\nder deutschen Oper keine Frage. Was namentlich die\nOlympia betrifft, so ist sie in demselben grossen Stile ge-\narbeitet, wie die Vestalin und Cortez, und die Rolle der\nStatira (in Berlin damals Frau Milder-Hauptmann) ist\neine dramatisch-musicalische Schöpfung, die dem Grössten,\nwas in dieser Gattung vorhanden ist, an die Seite gesetzt\nwerden muss. Den derben Zelter wird kein Mensch einer\nVorliebe für italiänische Musik zeihen wollen, und wie\nurtheiite er noch im Jahre 1825, als Spontini's Produc-\ntiohs-Vermögen von seinen Feinden als ohnmächtig dar-\ngestellt wurde, über die Oper „Alcidor\", die im Sommer\njenes Jahres zur Aufführung kam? Er schreibt unter dem\n4. Juni 1825 an Goethe: „Unsere neue centnerschwere\nZauberoper, die vier Stunden spielt, habe nun zwei Mal\nbestanden; zwei gegen einander in Streit liegende Zauber-\nfürsten, von denen einer eine Goldinsel beherrscht, mit\nihren Besidenzen geben Maschinisten und Decorateuren\nvolle Arbeit. Chöre von Gnomen und Sylphen machen das\nZauberwerk u. s. w. Die Musik ist eine ganz erstaun-\nliche Arbeit; man müsste schon ein rechter Musi-\ncus sein, um es bewundernd genug zu schätzen.\nEs ist ein Chaos von den rarsten Effecten, die sich unter\neinander aufreiben wollen, wie die singenden Fürsten, und\nunmässigen Fleiss des Componisten voraussetzen. Es steckt\neine zehnjährige Arbeit in dem Werke, und ich könnte\nmich zerreissen und würde dergleichen nicht hervorbrin-\ngen. Die umgehende Kritik in gedruckter und ungedruck-\nter Gestalt thut dem Componisten gleiches Unrecht, indem\ndie eine wegwerfend und die andere mit kalter Erhebung\nverfährt.\" (Also die lobende war dem ehrlichen Zelter\nnicht einmal warm genug!) „Er hat Verwunderung erre-\ngen, erschrecken wollen, und mit mir hat er seinen Zweck\nvöllig erreicht. Er kommt mir vor wie sein Goldkönig, der\nmit seinem Golde den Leuten Löcher in den Kopf\nschmeisst.\" —lst das ein Urtheil über eine süssliche, fade,\nschmeichlerische, durch Sängerkünste bestechende italiä-\nnische Op er? Hat Spontini jemals dem Publicum zu Ge-\nfallen eine Bravour- oder Coloratur-Partie geschrieben?\nWie kann man seine Opern in die Ciasse der gemeinen\nitaliänischen werfen und von einem Kampfe gegen die\nitaliänische Oper sprechen, wenn deren Repräsentant"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650107-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5071, "texte": "Spontini sein soll? Selbst Rossini's „Wilhelm Teil\" ist\nkeine italiänische Oper. Weber ist gross und unsterblich,\nweil sein „Freischütz\" neben einem solchen Heros, wie\nSpontini, durch den überquellenden Reichthum seiner\ndeutschen Melodieen durchschlug, was ihm weit mehr zum\nRuhme gereicht, als wenn man ihn als Sieger über die\nitaliänische Oper darstellt, die damals gar nicht in Berlin\nexistirte und erst später ihre Bühne im Königstädter\nTheater aufschlug.\nWie wenig Weber selbst gesonnen war, die glän-\nzende Aufnahme seines „Freischütz\" als einen Triumph\nüber Spontini zu betrachten, beweist die Art, wie er ge-\ngen ein veröffentlichtes Lobgedicht auf ihn, in welchem\neine ungeschickte Anspielung auf den Elephanten vorkam,\naul dem in der „Olympia\" Antigonus an der Spitze sei-\nner Krieger einzieht, auftrat. Er liess nämlich am Schlüsse\neines Dankes an das berliner Publicum in der Vossischen\nZeitung drucken: „Ich würde den Beifall eines solchen\nPublicums nicht verdienen, wenn ich nicht hoch zu ehren\nwüsste, was hoch zu ehren ist. Ein Witzspiel, das einem\nberühmten Manne kaum ein Nadelstich sein kann, muss\nin dieser Weise für mich gesprochen, mehr verwunden,\nals ein Dolchstich. Und wahrlich, bei einer Vergleichung\nmit dem Elephanten könnten meine armen Eulen und an-\ndere harmlose Geschöpfe sehr zu kurz kommen. Den 19.\nJuni 1821.\"*)\nMit mehr Fug und Recht und, wie es uns scheint,\nauch mit genauerer Renntniss der Verhältnisse schildert\nHerr Max von Weber die Zustände in Wien im Jahre\n1823, als sein Vater die „Euryanthe\" dorthin brachte.\nDort galt es in der That einen wirklichen Kampf der\ndeutschen Oper gegen die italiänische.\nUeber die Entstehung der „Euryanthe\" erfahren\nwir interessante Einzelheiten, aus denen wir nur hervor-\nheben wollen—zur.Erwägung für die deutschen Compo-\nnisten unserer Zeit —, dass Weber den Text selbst ge-\nwählt und die offenbaren Schwächen desselben „nie im\nganzen Umfange hat erkennen wollen\"; ja, er ist sogar\nan dem oft verzwickten Versbau der einzelnen Stücke zum\nTheil mitschuldig, da er an Helmine von Chezy schrieb:\n„Wenn es an das Ausarbeiten geht, machen Sie mir in\nGottes Namen das Leben recht sauer mit schwierigen\nVersmaassen, unerwarteten Rhythmen u. s. w, das zwingt\ndie Gedanken auf neue Wege und lockt sie aus ihren\nSchluplwinkeln heraus.\" (S. 363.) Nun, diesen Wunsch\nhat die Dichterin buchstäblich genug erfüllt!\nGehen wir zu der ersten Aufführung der Euryanthe\nin Wien über.\nKein Zeilpunkt sagt der Verlasser —, ein Viertel-\nJahrhundert vor- und nachher gerechnet, war für die\nEmplängniss dieses Werkes in Wien ungeeigneter, als der\nHerbst 1823. So wie in Berlin nationale Stimmung, per-\nsönliche Beziehungen, musicalische Richtung sich vereinigt\nhatten, seinem „Freischütz\" eine gute Statt zu bereiten\nund ihn wie einen Funken in eine mit Enthusiasmus ge-\nfüllte Mine fallen zu lassen, so einte sich 1823 in Wien\nAlles, um seinem Werke die Bahn zu Herz und Ohr des\nVolkes schwer zu machen.\nSchärler als je zuvor hatte sich in jenem Jahre die\nMasse derjenigen, die mit Musik verkehrten, in die beiden\nParteien gespalten, die sich feindlicher als jemals gegen-\nüber standen, so dass der Runstgeist in die gehässigsten\npersönlichen Streitigkeiten ausartete.\nZwar hatte die Partei den grössten Theil der\nIntelligenz, die Journale und die historische Tradition der\ngrossen Meister für sich, Ranne, Schickh, Bäuerle, Castelli\nschwangen ihre Banner, und als Streiter mit dem feurigen\nSchwerte der Töne standen, ausser dem über den Parteien\nwandelnden Beethoven, Franz Schubert, Conradin Rreutzer,\nWeigl, Schuppanzigh, Seyfried, Mayseder, Carl Maria\nv. Bocklet und Andere geharnischt in Reihe und Glied.\nAber die deutsche Oper hatte so eben erst im Durchfallen\nvon Weigl's „ Eiserner Pforte\" und durch den schwachen\nErfolg von Kreutzer's „Libussa\" eine empfindliche Nieder-\nlage erlitten.\nDiese war ohne Zweifel um so unheilvoller für We-\nber, als beide Meister (besonders aber Weigl) in diesen\nOpern offenbar bestrebt gewesen waren, mit den Formen\nund durch den Stil zu wirken, die im „Freischütz\" so\nenergische Effecte erzielt hatten. Die Moll-Tonarten, Horn-\nEffecte, langen Vorhalte u. s. w. waren bis zur Ueberhäu-\nfung in diesen Opern angebracht. Magie, geheimnissvolle\nSchicksals-Verkettungen, Hereinragen der Geisterwelt,\nWaldesdüster durchwebten ihre Fabeln bis zum Ueber-\ndrusse, und die genielose Verwendung des Weber'schen\nedeln Gewürzes durch die Nachahmer hatte den Gaumen\ndes Publicums gegen den Hautgout der Richtung über-\nhaupt verstimmt.\nHierzu kam die materielle Beschränkung der deutschen\nOper, welche die Italiäner fast ganz vom Rärnthnerthor-\nTheater verdrängten, wo ihr nur der Donnerstag jeder\nWoche gelassen wurde, so dass sie sich auf das Theater\nan der Wien zurückziehen musste.\nFür dieses hatte Graf Palffy, dem am Gewinne eines\nguten, deutschen Musikwerkes gelegen war, eben die Mu-\nsik zu dem romantischen Schauspiele der Frau von Chezy,\n„Rosamunde\", bei Franz Schubert bestellt. Der Versuch,\nden grossen Liedersänger auf die Bühne zu führen, miss-\n\n*) C. M. V. Weber. 11. S. 320\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650107-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5192, "texte": "rieth; das Werk, im folgenden Jahre aufgeführt, gefiel\nnicht, wie Weber dem genialen Componisten, der es ihm\nvorlegte, vorausgesagt hatte.\nSo hatte die deutsche Partei den Kampf auf der Schau-\nbühne fast ganz aufgegeben, sich stolz in ihr Bewusstsein,\ndas Echte und Wahre allein zu haben und zu verstehen,\ndrapirt und, faute de mieux,den Gegner verachtend, den\nsie zur Zeit nicht besiegen konnte, mit ihrer Hauptmacht\nin den Concertsaal, hinter die unbesiegbaren Schwadronen\nX•• 4 •\nHaydn'scher, Beethoven'scher und Cherubinischer Meister-\nwerke, zurückgezogen, während die alten wiener Meister,\nSalieri, Umlauf, Gyrowetz und Seyfried, die in Mozart's,\nGluck's und Haydn's Schule erwachsen, dem himmelstür-\nmenden Tonwerke des neuen deutschen Instrumental-Ti-\ntanen und der Leichtfertigkeit des Machwerks der neuen\nItaliener gleich abhold, von den ersten an Tiefe, von den\nletzten an Glanz und Lieblichkeit übertroffen, finster und\nabgeschlossen in der Mitte zwischen den Parteien standen.\nSo lagen die Sachen für die deutsche Oper schon sehr\nmisslich, als im ersten Vierteljahre 1823 Barbaja seine\ncompletirte italiänische Opern-Gesellschaft, unter der sieg-\ngewohnten Generale Caraffa und Rossini Leitung, in das\nTreffen führte. Ein Jubelruf durchtönte ganz Wien, als\nman diese Leute singen gehört hatte. Das Triumphgeschrei\nder Italianissimi nahm kein Ende; auf dreissig Abende ver-\nkaufte sich das ganze Haus nach den ersten Vorstellun-\ngen voraus.\nIn der That war die Barbaja'sche Gesellschaft von\n1823 in Wien wahrscheinlich die vollkommenste Vereini-\ngung von Sängern, die jemals auf der Bühne zusammen-\ngewirkt hat. Wer hat jemals, vor- und nachher, Opern\ndurchaus bis in die kleinsten Nebenrollen hinein, so wie\nBarbaja damals, mit Sängern allerersten Ranges besetzen\nkönnen?\nDa war vor Allen die grosse Fodor-Mainvielle mit\nihrem ans Herz dringenden, musterhaft geschulten Tone,\nals Sängerin und Schauspielerin gleich bedeutend. Da san-\ngen ferner die Comelli-Kubini, eine Altistin vollendeter\nBildung, dann Rossini's schöne Gattin Colbran, die ihrer\nZeit Italien zu ihren Füssen gesehen hatte, und auch jetzt\nnoch, mit etwas ausgesungener Stimme, was Fertigkeit,\nfeinen Sinn, Zierlichkeit und tadellose Reinheit anlangte,\nAusserordentliches leistete.\nLablache war ein Bassisten-Juwel erster Grösse in je-\nder Beziehung. Bei mächtiger Erscheinung war seine voll-\ntönende und bis zur höchsten Vollendung durchgebildete\nStimme an Kraft seiner athletischen Gestalt ebenbürtig.\nSeine echte Künstlerseele durchleuchtete jede ihm anver-\ntraute Rolle mit echtester Poesie. Die vollkommene Herr-\nschaft über seine Mittel gestattete ihm, seine Ideen in rein\nabgerundeten Schöpfungen zu verlebendigen, so dass es\nnicht zu viel gesagt ist, wenn man ihn als den ersten\nBassisten aller Zeiten bezeichnet.\nAn ihn schloss sich, fast ebenbürtig, jedoch in ganz\nanderer Weise glänzend, der andere Bassist Ambrogi.\nNichts glich der Noblesse in dessen Vortrage! Ohne Ver-\nzierungen, rein, edel rollten die prächtigen, sammtigen\nTöne von seinen Lippen. Ais Schauspieler weniger bedeu-\ntend, sprach der Genius des Gesanges selbst aus ihm.\nUnvergleichlichen Genuss gewährten seine Duo's mit\nseinem treuen Gelahrten, dem herrlichen Tenor Donzelli,\ndessen sentimentaler, rührender Tenor unwiderstehlich zu\nallen Herzen sprach. Sein Gegenstück war der berühmte\nTenorist David, dem nie ein Kunststück misslang, zu dem\ner seine etwas ausgesungene, scharfe Stimme leitete.\nDer Schöpfer und Meister der musicalischen Zauber-\ngärten aber war nicht der steife, abstossende Spontini,\ndessen Auftreten schon Parteien gegen ihn organisirte,\nsondern der liebenswürdige, alle Herzen im Sturme er-\nobernde, geniale Rossini.\nDas war die furchtbare Gegnerschaft, mit der Weber\nhierj, nur „auf Gott und seine „ „Euryanthe\"\" vertrauend\",\nringen sollte und stolzen Muthes wollte.\nWeber empfing gleich den vollen Eindruck dieser\nMacht, als er kaum in Wien angekommen war. Er schreibt\nan Caroline:\n„Wien, 20. September 1823.\n„ Der junge Barbaja und Andere überfiel mich\ngleich und schleppte mich zu seinem Vater, der noch im-\nmer krank ist. Dieser wollte mich sogleich bereden, von\nhier aus nach Neapel zu gehen und eine Oper zu schrei-\nben, was ich natürlich vor der Hand von mir wies. Von\nda ging's in die italiänische Oper: Matrimonio segreto.\nJa, meine geliebte Mukkin, ein Paar Künstler, wie die\nFodor und Lablache, sind mir noch nicht vorgekommen.\nHier ist die höchste, reinste Vollendung, das Herrlichste\nund Grandioseste, was die Natur an Stimme geben kann,\nund Alles, was nur als Künstler verlangt werden kann.\nIch war unendlich ergriffen, und eine eingelegte Arie sang\ndie Fodor so herrlich, dass ich überzeugt bin, wenn sie\ndie Euryanthe sänge, man könnte toll werden. Dieses\ntiefe, leidenschaftliche Gefühl und dabei die nie vergessene\nHerrschaft und Besonnenheit über alle Mittel. Was hätte\nich darum gegeben, Dich herzaubern zu können! Du hät-\ntest Dich in Thränen aufgelöst.\"\n„Den 26. September 1823.\n„ Vorgestern Abend hörte ich denn also die Se-\nmiramis. Von der Musik kann ich weiter nichts sagen,\nals dass sie von Rossini ist. Aber nun die Aufführung!!!\nJa, wenn so gesungen und gespielt wird, da muss Alles"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650107-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1331, "texte": "wirken; die Fodor und Lablache waren unübertreff-\nlich. Du weisst, wenn einem so die gewisse Gänsehaut\nüber den Rücken läuft, da ist es das Wahre. Ein Duett\nbesonders, was die Beiden hatten, so in der Art (nur etwas\nanders), als Dein schwarzes Herz durchwühle —, war\nganz herrlich und musste auch wiederholt werden. Ich\nmusste ihr noch versprechen, nach Neapel zu kommen, um\nfür sie zu schreiben, was ich bedingungsweise that, und\ngestern früh ist sie mit Barbaja abgereist\" u. s. w.\n„1. October.\nn Dass diese italiänische Op er Enthusiasmus er-\nregen musste, ist gewiss! Ich ärgere mich hinfort mehr\nüber die Deutschen, als die Italieneru u. s. w.\n„4. October.\n» Ich hörte den ersten Act des Trancred, wo\ndie Grünbaum sehr schön sang und das Publicum es auch\nanerkannte. Freilich ist sie keine Fodor!! u. s. w. u. s. w.\nEs ist in jedem Falle sehr gut, dass sich meine Oper\nhinausschiebt, damit die italiänische aus den Ohren kommt\"\nu. s. w.\nIn der „Cenerentola\" verliess er plötzlich seine Loge.\nAls ihn Castelli s Frau am anderen Morgen fragte, warum\ner gestern so plötzlich aufgebrochen, und ob er unwohl\ngewesen sei, antwortete er: „Nein, ich wollte nicht länger\nbleiben. Denn wenn es diese verfluchten Kerls schon so\nweit bringen, dass solches nichtswürdiges Zeug mir zu ge-\nfallen anfängt, da mag der Teufel dabei aushalten.'"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-01-07-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-01-07_01#c003", "volume": "bmtnabi_1865-01-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "5", "page_fin": "6", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650107-01.2.3", "titre_corps": "Aus Würzburg.", "titre_sommaire": "Aus Würzburg.", "signature_source": "L. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650107-01.1.5", "debut_caractere": 1333, "fin_caractere_exclue": 5129, "texte": "Aus Würzburg.\n\nIn der letzten Festwoche des vergangenen Jahres, die\nwir in Würzburg bei einer befreundeten Familie, in wel-\ncher die Runst zu Hause ist, sehr angenehm verlebten,\ntrafen wir es auch in so fern gut, als in derselben Woche\nzwei musicalische Productiorien Statt fanden, was uns als\nein glücklicher Zufall bezeichnet wurde, da sonst, ausser\nden Uebungen im akademischen Musik-Institute, welches\nzum Theil auch grössere Aufführungen veranstaltet, Con-\ncerte hier eine Seltenheit sind, während das Theater ziem-\nlich besucht sein soll. Ich hatte wohl von dem Lese-Cabi-\nnette der Harmonie-Gesellschaft gehört, das seines Glei-\nchen in Deutschland nicht und kaum im britischen Museum\nzu London hat, denn in sieben bis acht Salons findet man\nhier mehrere Hunderte von Tagesblättern, Zeitungen aller\nArt, Wochen- und Monatsschriften für alle Rünste und\nWissenschaften, deren Benutzung durch treffliche Ordnung\nund Classificirung erleichtert ist. Ich wusste aber nicht,\ndass diese Gesellschaft auch dadurch ihren Namen bewahr-\nheitet, dass sie im Winter ein oder zwei Concerte veran-\nstaket. In diesem Jahre ist der Graf Ludwig von Stain-\n'ein, alsComponist von gediegenen Werken Cur Kammer-\nmusik und durch seine pariser Quartett'-Cirkel mit Sivori\nin der musicalischen Welt bekannt, die Seele dieser ton-\nkünstlerischen Unterhaltungen, zu denen der prächtige\nBallsaal der Gesellschaft schöne Räume bietet. Erhöht\nwurde der Genuss durch die Anwesenheit des Herrn\nJacques Dupuis, Professors am Conservatorium zu\nLüttich, eines der ersten belgischen Violinisten unserer\nZeit und wohl unbestritten des ersten jener Schule, der\nden Geist deutscher Meister wie Beethoven und Mendels-\nsohn so richtig aufzufassen und wiederzugeben versteht;\nferner des Herrn Heinrich Schönchen, Professors\nam Conservatorium zu München und Dirigenten der dor-\ntigen Liedertafel, in welchem wir einen recht gebildeten\nund soliden Clavierspieler kennen lernten.\nIn dem Concerte am ersten Weihnachtstage füllte\neine glänzende Gesellschaft den Saal und die Galerieen.\nDas Orchester war zahlreich in den Saiten-Instrumenten\nund hatte auch gute, zum Theil ausgezeichnete Bläser.\nWiewohl es keine- regelmässigen Hebungen hat, was bei\nso guten Kräften sehr zu bedauern ist, und mithin nur für\neinen jedesmaligen besonderen Zweck vereinigt wird, so\nspielte es doch die beiden Ouvertüren (zu Anakreon von\nCherubini und von F. Lachner zu einer Cantate: ..Die\nvier Menschenalter\") unter Leitung des Concertmeisters\nHerrn V. Hamm recht gut und, was noch mehr ist, be-\ngleitete die concertirenden Vorträge genau und geschickt.\nVon diesen gebührte dem Vortrage des Violin-Concertes\nvon Mendelssohn durch Herrn Dupuis die Palme: ein\nschöner, voller Ton auf einem herrlichen Instrumente,\nvollendete Technik, Reinheit auch in den schwierigsten\nGriffen, edle Auffassung und ausdrucksvoller Vortrag, der\ndurch keine AfFectation oder unpassende Zierathen entstellt\nwird, zeichnen diesen Violinisten aus, der auch in den\nCompositionen für sein Instrument einer echt künstleri-\nschen Richtung folgt und sich in der Soiree für Kammer-\nmusik, die in derselben Woche Statt fand, auch als einen\nvortrefflichen Quartettspieler bewährte. Graf Stainlein\ntrug seine Concert-Phantasie für Violoncell über ungari-\nsche Thema's, Op. 4, Servais gewidmet, ein brillantes\nConcertstück, mit Virtuosität vor; ausserdem wurden von\nseiner Composition zwei „Frühlingslieder\" von Geibel\nfür zwei Soprane Frau Cäcilia Säman de Paez,\nherzogliche Hof-Opernsängerin aus Coburg, und einer\nmusicalisch gebildeten Dilettantin, Fräulein Leiblein\nvorgetragen, die durch schöne Melodieen ausserordentlich\nansprachen. Frau de Paez sang ausserdem noch die Arie\naus Händel's „Rinaldo\", welche Meyerbeer instrumentirt\nhat, mit vielem Ausdrucke; der Vortrag einer Arie von"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650107-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3373, "texte": "Verdi gelang ihr weniger gut, woran theils die fade Com-\nposition, theils ein Unwohlsein der geschätzten Sängerin,\nwelche am folgenden Tage ernstlich krank wurde, die\nSchuld trug.\nWenngleich das Publicum in dem Concerte sehr dank-\nbar war, so zeigte es sich doch in der Kammermusik-\nSitzung am 29. December noch enthusiastischer, was\ndem Geschmacke desselben Ehre macht und unserer Mei-\nnung nach die Künstler anregen sollte, einen regelmässi-\ngen Quartett-Cirkel zu gründen, der gewiss viel zur He-\nbung der musicalischen Zustände in Würzburg beitragen\nwürde. Es wurden drei Compositionen vom Grafen Stain-\nlein ganz vorzüglich gut ausgeführt durch die Herren\nDupuis (I.Violine), A. Hussla (k. russischen Capell-\nmeister, 11. Violine), V. Hamm (Bratsche), Graf Stain-\nlein (Violoncell): im Quintette wirkte auch Herr K. Rö-\nder (11. Bratsche), Lehrer am k. Musik-Institute, mit: ein\nQuintett für Streich-Instrumente in D-moll, Op. 16,\nneu (wird bei Breitkopf und Härtel nächstens erscheinen),\ndas grosse Trio für Piano (Herr Prof. Schönchen aus\nMünchen), Violine und Violoncell in C-moll, Op. 4, und\ndas Violin-Quartett in C-dur, Op. 11. Wenn irgend\nWerke geeignet sind, das Vorurtheil der Künstlerzünfte\ngegen hochgeborene Dilettanten zu brechen, so sind es\ndiese Compositionen; denn Graf Stainlein hat nicht nur\nErfindungs-Talent, sondern er versteht auch, seine Gedan-\nken zu „souteniren\", wie Haydn sagte, und kunstgemäss\nzu entwickeln, denn er ist zugleich Meister im Handwerk,\nund ein so guter, wie nur ein tüchtiger Musiker vom Fach\nes sein kann. Dabei ist sein Stil rein, weil nach den clas-\nsischen Mustern gebildet, die ihn vor den Abirrungen und\nUeberladungen der neuesten Schule bewahren, so wie sein\nGeschmack ihn vor Trivialitäten schützt. Es weht uns aus\ndiesen Werken, namentlich dem ersten Satze des Quin-\ntetts, dem ganzen und besonders aus des-\nsen Adagio und Finale ein Geist entgegen, der an den Stil\nin Mozart's Quintetten und Haydn's Quartetten erinnert.\nDieses C-dur-Quartett Op. 11 würde in jedem Kammer-\nmusik-Cirkel beim Publicum grossen Erfolg haben; aber\nviele unserer Künstler glauben mehr das Trübe und Dü-\nstere, als das Klare und Lichte vorführen zu müssen, und\n• 7\nspielen lieber nur den allerletzten Beethoven, Schumann\nu. s. w., auf dass ihre Programme in den Zeitungen damit\nprangen, wenn auch ihre Zuhörerschaft nichts davon mit\nnach Hause nimmt, als ebenfalls das Programm.\nSchliesslich wollen wir noch das königliche Musik-\nInstitut erwähnen, um welches der gegenwärtige Di-\nrector desselben, Herr Bratsch, Nachfolger von Fröhlich,\ngrosse Verdienste hat. Das Institut ertheilt Schülern bei-\nderlei Geschlechts unentgeltlichen Unterricht, besitzt dazu\ndie nöthigen Räumlichkeiten, Instrumente, Bibliothek\nu. s. w., und hält wöchentliche Uebungen mit Gesammt-\nAusführung von Sinfonieen, Ouvertüren, Kammer- und\nVocalmusik, wozu Jedermann Zutritt hat. Selbst Cantaten\nund Oratorien lührt Herr Bratsch mit den Kräften des\nInstituts aus, wie z. ß. im letzten Sommer sogar Händel's\n„Messias\", wobei sich die Chöre und das Orchester ganz\nwacker gezeigt haben sollen. Ob aber die Stadt Würz-\nburg diese Anstalt so zu würdigen weiss, wie sie es ver-\ndient, und ob der Staat die Mittel zur Vervollkommnung\nderselben nach den Forderungen der Zeit erhöht das\nwissen wir nicht zu sagen und können nur wünschen, dass\nes der Fall sein möge.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-01-07-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-01-07_01#c004", "volume": "bmtnabi_1865-01-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "6", "page_fin": "7", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650107-01.2.4", "titre_corps": "Das Conservatorium in Köln.", "titre_sommaire": "Das Conservatorium in Köln.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650107-01.1.6", "debut_caractere": 3375, "fin_caractere_exclue": 5226, "texte": "Das Conservatorium in Köln.\nEnde December vorigen Jahres fand die General-Ver-\nsammlung der Mitglieder unseres Conservatoriums\nfür Musik Statt. Aus dem vom Vorstande mitgetheilten\nRechenschafts-Berichte dürften die nachstehenden Einzel-\nheiten von allgemeinerem Interesse sein. Die Schule, die\nbekanntlich für ein Specialfach keine Schüler aufnimmt,\nsondern jedem neben seinem besonderen Studium die Mit-\ntel zur Erlangung einer allgemeinen musicalischen Ausbil-\ndung bietet und vorschreibt, hat in den beinahe fünfzehn\nJahren ihres Bestehens eines fast stets wachsenden Zu-\nflusses von Zöglingen sich zu erfreuen gehabt und kann\nmit Stolz auf die Resultate ihres Unterrichts zurücksehen.\nNicht nur, dass Schüler des Conservatoriums ehrenvoll in\nTheater und Concertsälen, in Orchestern und als Lehrer\nwirken, auch eine ganze Reihe von Musik-Directorenstel-\nlen sind durch sie besetzt, und aus den Concursen zu Paris\nund dem Mozarteum in Frankfurt sind sie als Sieger her-\nvorgegangen. Von ihrer Thätigkeit am kölner Conserva-\ntorium aus haben sich Lehrer desselben zu den ehrenvoll-\nsten Capellmeister-Stellungen emporgeschwungen, so Rei-\nnecke in Leipzig, Reinthaler in Bremen, Franck in Bern.\nNoch in jüngster Zeit hat das Conservatorium im Testa-\nmente Meyerbeer's eine ehrende Anerkennung erfahren,\nder, indem er bei der Akademie der Künste zu Berlin eine\n„Meyerbeer-Stiftung\" gründet, bei derselben nur die\nSchüler der berliner Musik-Institute und des Conservato-\nriums zu Köln concurriren lässt. Und wie im Allgemeinen,\nso sind auch bezüglich unserer Stadt die Wirkungen des\nConservatoriums als durchaus erfreuliche zu bezeichnen.\nVerdankt doch ihm zum grossen Theile Köln den Rang,\nwelchen es in musicalischer Beziehung gegenwärtig ein-\nnimmt, da ihn die Herbeiziehung tüchtiger auswärtiger\nKräfte und ihr coilegiaiisches Zusammenwirken mit den"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650107-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1480, "texte": "hiesigen Künstlern bedeutend förderte. Hat doch auch das\nConservatorium allerdings von einzelnen grossmüthigen\nMännern unterstützt unserem Gürzenichsaale den letzten\nSchmuck einer prächtigen Orgel gegeben. Wie gross die\nThätigkeit des Conservatoriums ist, geht am klarsten daraus\nhervor, dass seine Lehrer in den beiden letzten Semestern\ncirca 5800 Stunden Unterricht ertheilt haben, darunter\n2376 auf dem Piano, 1232 auf Streich-Instrumenten.\nNach allem diesem darf der Wunsch als gerechtfertigt er-\nscheinen, den die General-Versammlung aussprach, dass\nStadt und Bürgerschaft, die so Anerkennenswerthes für\ndas Conservatorium bereits gethan, in erhöhtem Maasse\nfortfahren mögen, einem Institute ihre Gunst und Unter-\nstützung zuzuwenden, dessen Erhaltung eben so ehrenvoll\nwie nutzbringend für Köln ist, das aber nur durch eine\nthatkräftige Unterstützung erhalten werden kann.\nAls Lehrer an dem hiesigen Conservatorium wirken\ngegenwärtig: Ferdinand Hiller, städtischer Capellmei-\nster, Ritter des k. preuss. Rothen Adler-Ordens und des\nk. baierischen Maximilians-Ordens pour lemerite, Director\nder Anstalt, Composition. Die Herren: Böhme, Gesang\nund Declamation Breunung, Piano und Partiturspiel\nDerckum, Harmonielehre Hompesch, Piano\nHülle, Piano Japha, Violine von Königs low,\nVioline, Zusammenspiel in Quartett und Orchester\nSchmit, Violoncell Seiss, Piano —Musik-Director\n-Weber, Ritter des Rothen Adler-Ordens, Orgel\nDr. Weyden, deutsche Literatur und italiäniscbe Sprache."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-01-07-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-01-07_01#c005", "volume": "bmtnabi_1865-01-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "7", "page_fin": "8", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650107-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650107-01.1.7", "debut_caractere": 1482, "fin_caractere_exclue": 6632, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMerlin. Eine ungewöhnliche Theilnahme fand die Vorstel-\nlung des „Troubadours\" in einer der letzten Wochen des vorigen\nJahres. Das Haus war vollständig gefüllt« Als Gast figurirte ein\nHerr Severini aus Paris als Manrico. Die Reclame hatte ihren\nPosaunenton mächtig erschallen lassen, und alle Journale wimmel-\nten von ISotizen über die Vorzüglichkeit und Trefflichkeit des An-\nkömmlings, Line solche Niederlage, wie sie aber Herr Severini er-\nlebte, wird wohl in den Annalen der königlichen Oper noch nicht\nVerzeichnet zu lesen sein. Die höchst mangelhaft gebildete Stimme,\neine äusserst gewöhnliche Vortragsweise, überaus komisches Spiel\nverursachten ein Gelächter und eine Opposition, dass man es für\nräthlich hielt, ihn abtreten zu lassen. Herr W oworsky, welcher\nsich als Zuschauer in der Künstler-Loge befand, wurde stürmisch\nbegehrt und führte die angefangene Partie zur allgemeinsten Befrie-\ndigung, oft unterbrochen von Beifallsbezeigungen, durch.\nNeueste musicalische Aesthetik. In einem der letzten\nGewandhaus-Concerte in Leipzig wurde unter Anderem aufge-\nführt: „Faust, musicalisches Charakterbild für Orchester von An-\nton Rubinstein, Director des kaiserlichen Conservatoriums in\nPetersburg.\" Lin leipziger Blatt sagte darüber: „Alle uns bekannten\nZüge der künstlerischen Natur Rubinstein's finden sich hier bei\neinander, ein in unserer Zeit nicht eben alltägliches Productions-\nVermögen, das aber in hastiger Vielgeschäftigkeit seinen Inhalt ver-\nstieut, die Neigung zum Lebertriebenen, Forcirten und Formenloscn,\nden jähen Wechsel zwischen wilden Anläufen und ohnmächtigem\nInsichzurücksinken, mit Einem Worte: eine Gefühls-und Ausdrucks-\nweise, die des Maasses und der Harmonie überdrüssig, nach Nerven-\nleiz um jeden Preis trachtet und den Genuss nur noch in der Auf«\nregung sucht\" u. s. w. Ein anderes Blatt sagt dagegen: ..Es liegt\nhierin arge Uebertreibung; denn Rubinstein's Composition enthält\nunläugbar geistreiche Gedanken, die durch angemessene, wenn auch\noft gewagte Instrumentation zu charakteristischem Ausdrucke kom-\nmen. Woran es ihr freilich gebricht, das ist Wärme der Auffassung;\nsie hinterlässt ein, übrigens von dem Compo nisten, wie es\nscheint, beabsichtigtes Gefühl des Unbefriedigtseins.\"\n[Ah! mit dieser Rechtfertigung ist die neue ästhetische Lehre von\ndem Inhalte und den Intentionen eines Musikstückes endlich völlig\nabgerundet. Bisher hielt man es für eine Anerkennung des Werthes\neiner Composition und deren Ausführung, wenn sie bei den Zuhö-\nrern das Gefühl einer innern Befriedigung weckte. Man war im\nIrrthuine: eben so gut, wie es nach neueren Musik-Philosophen\nMusik gibt, die man „nicht mit dem Ohr\" hören muss. so ist es ein\nTriumph des Componisten, wenn sein Werk „das Gefühl des,\nUnbefriedigtseins\" bei dem Publicum hinterlässt, wenn er\nnämlich dasselbe beabsichtigt hat!! Nun, Consequenz\nist wenigstens in diesem Lehrsatze, und es sollte uns sehr wun-\ndern, wenn er nicht in allem Ernste vertheidigt würde!]\nDer am 27. October vorigen Jahres in Leipzig verstorbene,\num die dramatische Kunst hochverdiente Karl Theodor von\nKüstner hat seine gesammte dramatische und dramaturgische Bi-\nbliothek dem leipziger Stadttheater als Grundlage einer Theater-\nBibliothek vermacht.\n14arlsrillte. Die zwei ersten Concerte des Cäcilien-Ver-\neins fanden am 14. November und 15. December Statt. Sie brach-\nten unter Anderem (das erste): Quartett von Beethoven Nr. 8,\ndurch die Herren Pechatschek, Mittermeyr, Hartnagel und Segisser,\nden 111. Psalm, Conßtebor tibi, für Sopran-Solo und Chor von Mo-\nzart, den 11. Theil von Spohr's „Die letzten Dinge\", zwei Chöre\naus F. Schubert's „Rosamunde\" (das zweite): Quartett in Es-\ndur von Mozart, „Die heilige Nacht\", für Alt-Solo und Doppel-\nchor von Niels W. Gade, den 42. Psalm von F. Mendelssohn.\nDie Abonnements-Concerte der Hofcapelle unter\nEckert1 s Leitung finden wieder im Theater Statt, wo sich wenig-\nstens bei Orchestersätzen die einzelnen Stimmen deutlicher abheben,\nals im Saale des Königsbaues der Fall war. Die erste Quartett-\nSoiree der Herren Singer, Bernbeck, Debuysere und Krumb -\nholz brachte Schubert's D-mollßeethoven's F-moll- und Mozarts\nD-moll-Quartett in gelungener Ausführung. Herr Willi. Spei-\ndel gab in seiner ersten Soiree, worin Frau Leisinger und Herr\nSchüttky mitwirkten, Mendelssolin's (7-moW-Trio, Beethoven's So-\nnate Op. 96 (mit Herrn Singer) und dessen 83 Veränderungen über\nSen Diabelli'schen Walzer, welche besonders das Interesse der Ken-\nner anzogen. Bald darauf gab Frau Viardot-Garcia ein Con-\ncert im Hoftheater, wo sie einen Marcello'schen Psalm mit hinreis-\nsender Anmuth, dann die zweite Stimme in Pergolese s Stabat mater\nnach Lwoff's Verarbeitung sang. Treffliches leistete Fräulein Eder\nals erster Sopran. Die erste Soiree Dr. Pr uckner's fand unter\nMitwirkung Lauterbach's (Gesangscene von Spohr) und Gol-\ntermann' s Statt, so dass das Es-dar-Trio von Beethoven und das\nQuintett von Schumann in einer Vollendung zu Gehör kamen,\nwelche noch lange im Gedächtnisse bleiben wird. Beifall und Her-\nvorruf gewann Pruckner mit der G-rao£/-Ballade von Chopin und\nder Rhapsodie Nr. 12 von Liszt."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650107-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3820, "texte": "]?!« III eil eil« Karl Bar man n, erster Clarinettist der könig-\nlich baierischen Hofcapelle, der würdige Sohn und Nachfolger des\nberühmten Clarinett-Virtuosen Heinrich Bärmann, des Freundes und\nReisegenossen C. M. v. Weber's, hat eine umfassende, in jeder Hin-\nsicht vorzügliche Clarinettschule herausgegeben und dem Herzoge\nvon Coburg dedicirt, der ihm dafür die Verdienst-Medaille für Kunst\nund Wissenschaft, begleitet von einem schmeichelhaften Handschrei-\nben, zustellen liess.\nWien. Der Orchester-Verein, welcher aus den vorzüglichsten\nund eifrigsten Musik-Dilettanten besteht, ist unter der künstlerischen\nLeitung des Herrn Professors Heissler zu einem alle Achtung\nfordernden Grade von Tüchtigkeit emporgelangt. Am ersten Gesell-\nschafts-Abende, den 15. December v. J., bildete den Glanzpunkt\nHellmesberger's Spiel, der Beethoven's O-dur-Romanze unver-\ngleichlich schön vortrug. Einen gleichfalls anmuthigen Genuss hat\ndas Ciavierspiel des Fräuleins Skiva gewährt, welche Beethoven's\nmit eingelegten Rubinstein'schen Cadenzen zum Vor-\ntrage gewählt hatte. Ihre Leistung war nach jeder Richtung erfreu-\nlich. Zu einer bedeutend ausgebildeten Technik, die sich durch einen\nfeinfühligen Anschlag, wie durchsichtiges, geschmeidiges Passagen-\nspiel auszeichnet, tritt ein Vortrag, der eben so streng musicalisch,\nals intelligent und geschmackvoll ist. In ihrem Aeussern bewahrt\nFräulein Skiva eine Ruhe, die manchem Ciavierspieler zu wünschen\nwäre. Ihr Erfolg war glänzend; sie wurde vier Mal gerufen. Wir\nzweifeln keinen Augenblick, dass diese liebliche Kunst-Novize, die\nihr schönes Können ausschliesslich der gründlichen Lehre ihres Va-\nters verdankt, vor jedem Publicum die beste Anerkennung finden\nwird. Das Orchester hatte ausserdem in Haydn's (7-moZZ-Sinfonie,\nim Schubert'schen, von Liszt instrumentirten H-moll-Marsche und We-\nber's Ouvertüre zum „Beherrscher der Geisteru Gelegenheit, seine\nKräfte und ansehnliche Leistungsfähigkeit auf das beste zu entfalten.\nDer k. k. Hof-Pianofortefabricant Herr Bösendorfer in Wien\nist vom Sultan durch die Verleihung des Medschidie-Ordens vierter\nClasse ausgezeichnet worden.\nParis. G ounod, der Componist des „Faust\", schreibt an\nder Partitur einer neuen Oper „Romeo und Julie\". Den Text haben\ndie Lieferanten Michel Carre und nachgeshakespeart.\nDer Violin-Virtuose Strauss aus Frankfurt a. M. befindet sich\nin London, um in Halle's Concerten mitzuwirken.\nMan schreibt aus dem Haag vom 30. December: „Vorgestern\nhatten wir die Freude, den grossen Tonmeister Ferdinand Hil-\nler aus Köln bei uns zu sehen und eine seiner neuesten Compo-\nsitionen, Aubade für Orchester in fünf Sätzen, Op. 108, unter sei-\nner eigenen Leitung im zweiten Diligentia-Concerte zu hören. Jeder\nSatz wurde mit dem lebhaftesten Beifalle aufgenommen und der\nComponist und treffliche Dirigent mit begeisterten Ovationen gefeiert.\nAusserdem erfreute sein classischer Vortrag des (7-raoZZ-Concertes\nvon Beethoven und einiger reizender Salonstücke für Piano allein\ndie gespannt lauschende Zuhörerschaft. Eben so enthusiastisch wa-\nren der Applaus und die Ehrenbezeigungen, womit Herr F. Hiller\ngestern von dem Publicum zu Rotterdam im zweiten Concerte\nder Eruditio Musica am Schlüsse der höchst gelungenen Aufführung\nseiner Lorelei überschüttet wurde, eines Werkes voll echter musi-\noalischer Romantik, welches er selbst dirigirte und in welchem Frau\nOffermans und Herr Karl Schneider die Solo-Partieen gar\nschön zur Geltung brachten. Während wir auf diese Weise hier und\nin Rotterdam den grossen deutschen Componisten feierten, vertritt\nseit dem 27. December in Amsterdam eine deutsche Künstlerin,\nFräulein Auguste Brenken, die Kunst des Gesanges in der deut-\nschen Oper und feiert bei vollem Hause Triumphe, welche den\nUnternehmer bewogen haben, sie für ein Gastspiel von vier Wochen\nzu gewinnen.u"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650107-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nCarl Maria von Weber. Ein Lebensbild. Von Max Maria von Weber. Zweiter Theil. I. Aus Würzburg (Con-\nSoiree für Kammermusik). Von L. B. Das Conservatorium in Köln. 1 ages- und Unterhaltungsblatt (Beilin, Theater\nNeueste musicalische Aesthetik Leipzig, Vermächtniss Karlsruhe, Concerte Stuttgart, Abonnements-Concerte München,\nClarinettschule Wien, Orchester-Verein Paris, Gounod Haag, Capellmeister F. Ililler).\n\nCarl Maria von Weber.\nEin Lebensbild. Von Max Maria von Weber.\nZweiter Theil\nI.\n*)•\nWir haben den ersten Theil dieser Biographie C. M.\nvon Weber's, welche dessen Sohn geschrieben* hat, vor\neinem Jahre in diesen Blättern angezeigt (vgl. Jahrgang\n1863, Nr. 51 und 52, und Jahrg. 1864, Nr. 1 und 3)\nund als eine Bereicherung der Literatur der Geschichte\nder Musik begrüsst, und so heissen wir denn auch den\nzweiten, welcher dem ersten rasch gefolgt ist, als Fort-\nsetzung der Lebensbeschreibung des grossen Tonmeisters\nund besonders auch als Beitrag zu einem der wichtigsten\nAbschnitte der Geschichte der deutschen Oper will-«\nkommen.\nDer erste Theil enthielt von C. M. von Weber's\nLeben seine Entwicklung zum Künstler und Compo-\nnisten, die Entstehung seiner ersten Werke, seine Reisen\nund verschiedene Wirksamkeit in mehr oder weniger be-\nschränkten Kreisen bis zu seiner Anstellung als Capellmei-\nster in Dresden. Der zweite Theil umlasst das ganze übrige,\nleider so bald vollendete Leben des Meisters von seinem\nEintritte in Dresden am 13. Januar 1817 bis zu seinem\nTode in der Nacht vom 4. zum 5. Juni 1826 in London\nmithin jene zehn Jahre, in denen „Der Freischütz\",\n„Euryanthe\" und „Oberon\" von ihm geschaffen wurden,\ndie neben Mozart s Opern und Beethoven s „lidelio\" un-\nvergänglich wie die Sterne am Himmel im Tempel der\nTonkunst leuchten werden, nicht erreicht, geschweige denn\nüberragt von anderen Schöpfungen.\nEs liegt mithin in der Natur der Sache und in der\nBedeutung der Epoche, dass der zweite Theil von We-\nber's Biogra'phie noch weit anziehender ist, als der erste,\nund wer, wie Schreiber dieses, jene Epoche nicht nur er-\nlebt, sondern bei einigen der wichtigsten Momente dersel-\nben, wie z. B. den ersten Aufführungen des „ Freischützu\nin Berlin, als Augenzeuge und bescheidener Mitspieler im\nPublicum zugegen war, der wird dem Verfasser das Zeug-\nniss geben, dass er ein wahres und lebendiges Bild jener\nZeit zu entwerfen strebt und dass ihm dieses Streben im\nGanzen auch gelungen sei, wobei, die eingellochtenen\nBriefe C. M. von Weber's nicht bloss die historische Wahr-\n\n*) Leipzig, bei Ernst Keil. 1864. 741 S'. 8."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650107-01.1.2", "texte": "heil fördern, sondern auch dein Coiorit des Gemäldes\ngünstig sind.\nWir haben bereits in der letzten Nummer des vorigen\nJahrgangs einen Auszug aus dem Abschnitte, der über\ndie Erscheinung des „Freischütz\" au! der deutschen, zu-\nnächst der berliner Bühne bandelt, gegeben. Wiewohl\nderselbe zu dem oben Gesagten einen Beleg liefert, so\ndürfen wir dennoch die Bemerkung nicht unterdrücken,\ndass gerade in diesem Abschnitte seines Buches der Herr\nVerfasser in Einem Punkte nicht objectiv genug verfährt,\nsich nicht ganz über die Ereignisse stellt, sondern mit\nseinem Unheil und seiner Anschauungsweise der damali-\ngen Verhältnisse in Berlin sich mehr in die Stimmung\neiner Partei versetzt, als dem Historiker über einen Zeit-\nraum, der jetzt bereits über vierzig Jahre hinter uns liegt,\nangemessen ist. Es betrifft dies die Darstellung des Er-\nfolgs von Weber's „Freischütz\" als eines Sieges der deut-\nschen Oper über die italiänisch e, im Besonderen des\n„Freischütz\" über die „Olympia\" von Spontini. Selbst\ndieses letztere ist nicht genau, denn beide Opern gingen\nlange Zeit neben einander und füllten beide Häuser, die\n„Olympia\" das Opernhaus, der „Freischütz\" das Schau-\nspielhaus in Berlin, und es beruht geradezu auf falschen\nBerichten, wenn, wie auch hier geschieht, der Beifall, den\ndie „Olympia\" fand, als ein „gemachter\" bezeichnet wird.\nSpontim's Persönlichkeit, seine vielfältigen Anmaassungen\nu. s. w. dürfen, wenn von seinen Werken die Bede ist,\ngar nicht in Betracht kommen. Am wenigsten aber darf\nman von einem Kampfe der deutschen und italiänischen\nOper in damaliger Zeit sprechen, denn ein solcher würde\nnur dann eine Wahrheit gewesen sein, wenn von einem\nGegensatze zwischen Weber und Bossini die Bede wäre.\nRossini's „Tancred\" mit der trefflichen Altistin Borgondio\nhatte im Anfange des Jahres 1821 allerdings dem Hofe\nund einem grossen Theile des Publicums gefallen, aber\nauch eine eben so grosse Partei gegen diese italiänische\nGattung hervorgerufen. Allein man darf keinesfalls Rossini\nund Spontini, wie der Verfasser thut, in Einen Topf wer-\nfen, denn „Die Vestalin\" und „Olympia\" zogen ganz das-\nselbe Publicum an, das bei Gluck's „Alceste\", „Ar-\nmide\", „Iphigenia\", Mozart's „Don Juan\", „Figaro\" und\nBeethoven's „Fidelio\" das Theater füllte, auch Hofmann's\n„Undine\" nicht zu vergessen, die bis zum Brande des\nSchauspielhauses, wo Partitur, Decorationen und alles,\nwas zu dieser Oper gehörte, in Flammen aufging, mit\nausserordentlichem Erfolge gegeben wurde; namentlich\nwar Johanna Eunicke (später das Aennchen im Freischütz)\nals Undine bezaubernd. Spontini's Opern: „Vestalin\",\n„Cortez\", „Olympia\" kann man durchaus nicht als „ita-\nliänische Opern\" in dem Sinne,- den man gewöhnlich da-\nmit verknüpft, bezeichnen, obschon Spontini ein Italiäner\nwar und seine in Italien geschriebenen Opern in jene Ka-\ntegorie fallen. Dasselbe gilt von Cherubini's Opern; wer\nwird den „Wasserträger\" und gar die „Medea\" und „Fa-\nnisca\" zu den Opern italiänischen Stils rechnen? Die tra-\ngische Kraft und die Charakteristik der Leidenschaften\nund Personen hebt Spontini's Musik hoch über die Com-\nponisten der rein italiänischen Schule empor, und darüber\nwar auch schon damals selbst bei den echten Vertretern\nder deutschen Oper keine Frage. Was namentlich die\nOlympia betrifft, so ist sie in demselben grossen Stile ge-\narbeitet, wie die Vestalin und Cortez, und die Rolle der\nStatira (in Berlin damals Frau Milder-Hauptmann) ist\neine dramatisch-musicalische Schöpfung, die dem Grössten,\nwas in dieser Gattung vorhanden ist, an die Seite gesetzt\nwerden muss. Den derben Zelter wird kein Mensch einer\nVorliebe für italiänische Musik zeihen wollen, und wie\nurtheiite er noch im Jahre 1825, als Spontini's Produc-\ntiohs-Vermögen von seinen Feinden als ohnmächtig dar-\ngestellt wurde, über die Oper „Alcidor\", die im Sommer\njenes Jahres zur Aufführung kam? Er schreibt unter dem\n4. Juni 1825 an Goethe: „Unsere neue centnerschwere\nZauberoper, die vier Stunden spielt, habe nun zwei Mal\nbestanden; zwei gegen einander in Streit liegende Zauber-\nfürsten, von denen einer eine Goldinsel beherrscht, mit\nihren Besidenzen geben Maschinisten und Decorateuren\nvolle Arbeit. Chöre von Gnomen und Sylphen machen das\nZauberwerk u. s. w. Die Musik ist eine ganz erstaun-\nliche Arbeit; man müsste schon ein rechter Musi-\ncus sein, um es bewundernd genug zu schätzen.\nEs ist ein Chaos von den rarsten Effecten, die sich unter\neinander aufreiben wollen, wie die singenden Fürsten, und\nunmässigen Fleiss des Componisten voraussetzen. Es steckt\neine zehnjährige Arbeit in dem Werke, und ich könnte\nmich zerreissen und würde dergleichen nicht hervorbrin-\ngen. Die umgehende Kritik in gedruckter und ungedruck-\nter Gestalt thut dem Componisten gleiches Unrecht, indem\ndie eine wegwerfend und die andere mit kalter Erhebung\nverfährt.\" (Also die lobende war dem ehrlichen Zelter\nnicht einmal warm genug!) „Er hat Verwunderung erre-\ngen, erschrecken wollen, und mit mir hat er seinen Zweck\nvöllig erreicht. Er kommt mir vor wie sein Goldkönig, der\nmit seinem Golde den Leuten Löcher in den Kopf\nschmeisst.\" —lst das ein Urtheil über eine süssliche, fade,\nschmeichlerische, durch Sängerkünste bestechende italiä-\nnische Op er? Hat Spontini jemals dem Publicum zu Ge-\nfallen eine Bravour- oder Coloratur-Partie geschrieben?\nWie kann man seine Opern in die Ciasse der gemeinen\nitaliänischen werfen und von einem Kampfe gegen die\nitaliänische Oper sprechen, wenn deren Repräsentant"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650107-01.1.3", "texte": "Spontini sein soll? Selbst Rossini's „Wilhelm Teil\" ist\nkeine italiänische Oper. Weber ist gross und unsterblich,\nweil sein „Freischütz\" neben einem solchen Heros, wie\nSpontini, durch den überquellenden Reichthum seiner\ndeutschen Melodieen durchschlug, was ihm weit mehr zum\nRuhme gereicht, als wenn man ihn als Sieger über die\nitaliänische Oper darstellt, die damals gar nicht in Berlin\nexistirte und erst später ihre Bühne im Königstädter\nTheater aufschlug.\nWie wenig Weber selbst gesonnen war, die glän-\nzende Aufnahme seines „Freischütz\" als einen Triumph\nüber Spontini zu betrachten, beweist die Art, wie er ge-\ngen ein veröffentlichtes Lobgedicht auf ihn, in welchem\neine ungeschickte Anspielung auf den Elephanten vorkam,\naul dem in der „Olympia\" Antigonus an der Spitze sei-\nner Krieger einzieht, auftrat. Er liess nämlich am Schlüsse\neines Dankes an das berliner Publicum in der Vossischen\nZeitung drucken: „Ich würde den Beifall eines solchen\nPublicums nicht verdienen, wenn ich nicht hoch zu ehren\nwüsste, was hoch zu ehren ist. Ein Witzspiel, das einem\nberühmten Manne kaum ein Nadelstich sein kann, muss\nin dieser Weise für mich gesprochen, mehr verwunden,\nals ein Dolchstich. Und wahrlich, bei einer Vergleichung\nmit dem Elephanten könnten meine armen Eulen und an-\ndere harmlose Geschöpfe sehr zu kurz kommen. Den 19.\nJuni 1821.\"*)\nMit mehr Fug und Recht und, wie es uns scheint,\nauch mit genauerer Renntniss der Verhältnisse schildert\nHerr Max von Weber die Zustände in Wien im Jahre\n1823, als sein Vater die „Euryanthe\" dorthin brachte.\nDort galt es in der That einen wirklichen Kampf der\ndeutschen Oper gegen die italiänische.\nUeber die Entstehung der „Euryanthe\" erfahren\nwir interessante Einzelheiten, aus denen wir nur hervor-\nheben wollen—zur.Erwägung für die deutschen Compo-\nnisten unserer Zeit —, dass Weber den Text selbst ge-\nwählt und die offenbaren Schwächen desselben „nie im\nganzen Umfange hat erkennen wollen\"; ja, er ist sogar\nan dem oft verzwickten Versbau der einzelnen Stücke zum\nTheil mitschuldig, da er an Helmine von Chezy schrieb:\n„Wenn es an das Ausarbeiten geht, machen Sie mir in\nGottes Namen das Leben recht sauer mit schwierigen\nVersmaassen, unerwarteten Rhythmen u. s. w, das zwingt\ndie Gedanken auf neue Wege und lockt sie aus ihren\nSchluplwinkeln heraus.\" (S. 363.) Nun, diesen Wunsch\nhat die Dichterin buchstäblich genug erfüllt!\nGehen wir zu der ersten Aufführung der Euryanthe\nin Wien über.\nKein Zeilpunkt sagt der Verlasser —, ein Viertel-\nJahrhundert vor- und nachher gerechnet, war für die\nEmplängniss dieses Werkes in Wien ungeeigneter, als der\nHerbst 1823. So wie in Berlin nationale Stimmung, per-\nsönliche Beziehungen, musicalische Richtung sich vereinigt\nhatten, seinem „Freischütz\" eine gute Statt zu bereiten\nund ihn wie einen Funken in eine mit Enthusiasmus ge-\nfüllte Mine fallen zu lassen, so einte sich 1823 in Wien\nAlles, um seinem Werke die Bahn zu Herz und Ohr des\nVolkes schwer zu machen.\nSchärler als je zuvor hatte sich in jenem Jahre die\nMasse derjenigen, die mit Musik verkehrten, in die beiden\nParteien gespalten, die sich feindlicher als jemals gegen-\nüber standen, so dass der Runstgeist in die gehässigsten\npersönlichen Streitigkeiten ausartete.\nZwar hatte die Partei den grössten Theil der\nIntelligenz, die Journale und die historische Tradition der\ngrossen Meister für sich, Ranne, Schickh, Bäuerle, Castelli\nschwangen ihre Banner, und als Streiter mit dem feurigen\nSchwerte der Töne standen, ausser dem über den Parteien\nwandelnden Beethoven, Franz Schubert, Conradin Rreutzer,\nWeigl, Schuppanzigh, Seyfried, Mayseder, Carl Maria\nv. Bocklet und Andere geharnischt in Reihe und Glied.\nAber die deutsche Oper hatte so eben erst im Durchfallen\nvon Weigl's „ Eiserner Pforte\" und durch den schwachen\nErfolg von Kreutzer's „Libussa\" eine empfindliche Nieder-\nlage erlitten.\nDiese war ohne Zweifel um so unheilvoller für We-\nber, als beide Meister (besonders aber Weigl) in diesen\nOpern offenbar bestrebt gewesen waren, mit den Formen\nund durch den Stil zu wirken, die im „Freischütz\" so\nenergische Effecte erzielt hatten. Die Moll-Tonarten, Horn-\nEffecte, langen Vorhalte u. s. w. waren bis zur Ueberhäu-\nfung in diesen Opern angebracht. Magie, geheimnissvolle\nSchicksals-Verkettungen, Hereinragen der Geisterwelt,\nWaldesdüster durchwebten ihre Fabeln bis zum Ueber-\ndrusse, und die genielose Verwendung des Weber'schen\nedeln Gewürzes durch die Nachahmer hatte den Gaumen\ndes Publicums gegen den Hautgout der Richtung über-\nhaupt verstimmt.\nHierzu kam die materielle Beschränkung der deutschen\nOper, welche die Italiäner fast ganz vom Rärnthnerthor-\nTheater verdrängten, wo ihr nur der Donnerstag jeder\nWoche gelassen wurde, so dass sie sich auf das Theater\nan der Wien zurückziehen musste.\nFür dieses hatte Graf Palffy, dem am Gewinne eines\nguten, deutschen Musikwerkes gelegen war, eben die Mu-\nsik zu dem romantischen Schauspiele der Frau von Chezy,\n„Rosamunde\", bei Franz Schubert bestellt. Der Versuch,\nden grossen Liedersänger auf die Bühne zu führen, miss-\n\n*) C. M. V. Weber. 11. S. 320\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650107-01.1.4", "texte": "rieth; das Werk, im folgenden Jahre aufgeführt, gefiel\nnicht, wie Weber dem genialen Componisten, der es ihm\nvorlegte, vorausgesagt hatte.\nSo hatte die deutsche Partei den Kampf auf der Schau-\nbühne fast ganz aufgegeben, sich stolz in ihr Bewusstsein,\ndas Echte und Wahre allein zu haben und zu verstehen,\ndrapirt und, faute de mieux,den Gegner verachtend, den\nsie zur Zeit nicht besiegen konnte, mit ihrer Hauptmacht\nin den Concertsaal, hinter die unbesiegbaren Schwadronen\nX•• 4 •\nHaydn'scher, Beethoven'scher und Cherubinischer Meister-\nwerke, zurückgezogen, während die alten wiener Meister,\nSalieri, Umlauf, Gyrowetz und Seyfried, die in Mozart's,\nGluck's und Haydn's Schule erwachsen, dem himmelstür-\nmenden Tonwerke des neuen deutschen Instrumental-Ti-\ntanen und der Leichtfertigkeit des Machwerks der neuen\nItaliener gleich abhold, von den ersten an Tiefe, von den\nletzten an Glanz und Lieblichkeit übertroffen, finster und\nabgeschlossen in der Mitte zwischen den Parteien standen.\nSo lagen die Sachen für die deutsche Oper schon sehr\nmisslich, als im ersten Vierteljahre 1823 Barbaja seine\ncompletirte italiänische Opern-Gesellschaft, unter der sieg-\ngewohnten Generale Caraffa und Rossini Leitung, in das\nTreffen führte. Ein Jubelruf durchtönte ganz Wien, als\nman diese Leute singen gehört hatte. Das Triumphgeschrei\nder Italianissimi nahm kein Ende; auf dreissig Abende ver-\nkaufte sich das ganze Haus nach den ersten Vorstellun-\ngen voraus.\nIn der That war die Barbaja'sche Gesellschaft von\n1823 in Wien wahrscheinlich die vollkommenste Vereini-\ngung von Sängern, die jemals auf der Bühne zusammen-\ngewirkt hat. Wer hat jemals, vor- und nachher, Opern\ndurchaus bis in die kleinsten Nebenrollen hinein, so wie\nBarbaja damals, mit Sängern allerersten Ranges besetzen\nkönnen?\nDa war vor Allen die grosse Fodor-Mainvielle mit\nihrem ans Herz dringenden, musterhaft geschulten Tone,\nals Sängerin und Schauspielerin gleich bedeutend. Da san-\ngen ferner die Comelli-Kubini, eine Altistin vollendeter\nBildung, dann Rossini's schöne Gattin Colbran, die ihrer\nZeit Italien zu ihren Füssen gesehen hatte, und auch jetzt\nnoch, mit etwas ausgesungener Stimme, was Fertigkeit,\nfeinen Sinn, Zierlichkeit und tadellose Reinheit anlangte,\nAusserordentliches leistete.\nLablache war ein Bassisten-Juwel erster Grösse in je-\nder Beziehung. Bei mächtiger Erscheinung war seine voll-\ntönende und bis zur höchsten Vollendung durchgebildete\nStimme an Kraft seiner athletischen Gestalt ebenbürtig.\nSeine echte Künstlerseele durchleuchtete jede ihm anver-\ntraute Rolle mit echtester Poesie. Die vollkommene Herr-\nschaft über seine Mittel gestattete ihm, seine Ideen in rein\nabgerundeten Schöpfungen zu verlebendigen, so dass es\nnicht zu viel gesagt ist, wenn man ihn als den ersten\nBassisten aller Zeiten bezeichnet.\nAn ihn schloss sich, fast ebenbürtig, jedoch in ganz\nanderer Weise glänzend, der andere Bassist Ambrogi.\nNichts glich der Noblesse in dessen Vortrage! Ohne Ver-\nzierungen, rein, edel rollten die prächtigen, sammtigen\nTöne von seinen Lippen. Ais Schauspieler weniger bedeu-\ntend, sprach der Genius des Gesanges selbst aus ihm.\nUnvergleichlichen Genuss gewährten seine Duo's mit\nseinem treuen Gelahrten, dem herrlichen Tenor Donzelli,\ndessen sentimentaler, rührender Tenor unwiderstehlich zu\nallen Herzen sprach. Sein Gegenstück war der berühmte\nTenorist David, dem nie ein Kunststück misslang, zu dem\ner seine etwas ausgesungene, scharfe Stimme leitete.\nDer Schöpfer und Meister der musicalischen Zauber-\ngärten aber war nicht der steife, abstossende Spontini,\ndessen Auftreten schon Parteien gegen ihn organisirte,\nsondern der liebenswürdige, alle Herzen im Sturme er-\nobernde, geniale Rossini.\nDas war die furchtbare Gegnerschaft, mit der Weber\nhierj, nur „auf Gott und seine „ „Euryanthe\"\" vertrauend\",\nringen sollte und stolzen Muthes wollte.\nWeber empfing gleich den vollen Eindruck dieser\nMacht, als er kaum in Wien angekommen war. Er schreibt\nan Caroline:\n„Wien, 20. September 1823.\n„ Der junge Barbaja und Andere überfiel mich\ngleich und schleppte mich zu seinem Vater, der noch im-\nmer krank ist. Dieser wollte mich sogleich bereden, von\nhier aus nach Neapel zu gehen und eine Oper zu schrei-\nben, was ich natürlich vor der Hand von mir wies. Von\nda ging's in die italiänische Oper: Matrimonio segreto.\nJa, meine geliebte Mukkin, ein Paar Künstler, wie die\nFodor und Lablache, sind mir noch nicht vorgekommen.\nHier ist die höchste, reinste Vollendung, das Herrlichste\nund Grandioseste, was die Natur an Stimme geben kann,\nund Alles, was nur als Künstler verlangt werden kann.\nIch war unendlich ergriffen, und eine eingelegte Arie sang\ndie Fodor so herrlich, dass ich überzeugt bin, wenn sie\ndie Euryanthe sänge, man könnte toll werden. Dieses\ntiefe, leidenschaftliche Gefühl und dabei die nie vergessene\nHerrschaft und Besonnenheit über alle Mittel. Was hätte\nich darum gegeben, Dich herzaubern zu können! Du hät-\ntest Dich in Thränen aufgelöst.\"\n„Den 26. September 1823.\n„ Vorgestern Abend hörte ich denn also die Se-\nmiramis. Von der Musik kann ich weiter nichts sagen,\nals dass sie von Rossini ist. Aber nun die Aufführung!!!\nJa, wenn so gesungen und gespielt wird, da muss Alles"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650107-01.1.5", "texte": "wirken; die Fodor und Lablache waren unübertreff-\nlich. Du weisst, wenn einem so die gewisse Gänsehaut\nüber den Rücken läuft, da ist es das Wahre. Ein Duett\nbesonders, was die Beiden hatten, so in der Art (nur etwas\nanders), als Dein schwarzes Herz durchwühle —, war\nganz herrlich und musste auch wiederholt werden. Ich\nmusste ihr noch versprechen, nach Neapel zu kommen, um\nfür sie zu schreiben, was ich bedingungsweise that, und\ngestern früh ist sie mit Barbaja abgereist\" u. s. w.\n„1. October.\nn Dass diese italiänische Op er Enthusiasmus er-\nregen musste, ist gewiss! Ich ärgere mich hinfort mehr\nüber die Deutschen, als die Italieneru u. s. w.\n„4. October.\n» Ich hörte den ersten Act des Trancred, wo\ndie Grünbaum sehr schön sang und das Publicum es auch\nanerkannte. Freilich ist sie keine Fodor!! u. s. w. u. s. w.\nEs ist in jedem Falle sehr gut, dass sich meine Oper\nhinausschiebt, damit die italiänische aus den Ohren kommt\"\nu. s. w.\nIn der „Cenerentola\" verliess er plötzlich seine Loge.\nAls ihn Castelli s Frau am anderen Morgen fragte, warum\ner gestern so plötzlich aufgebrochen, und ob er unwohl\ngewesen sei, antwortete er: „Nein, ich wollte nicht länger\nbleiben. Denn wenn es diese verfluchten Kerls schon so\nweit bringen, dass solches nichtswürdiges Zeug mir zu ge-\nfallen anfängt, da mag der Teufel dabei aushalten.'\n\nAus Würzburg.\n\nIn der letzten Festwoche des vergangenen Jahres, die\nwir in Würzburg bei einer befreundeten Familie, in wel-\ncher die Runst zu Hause ist, sehr angenehm verlebten,\ntrafen wir es auch in so fern gut, als in derselben Woche\nzwei musicalische Productiorien Statt fanden, was uns als\nein glücklicher Zufall bezeichnet wurde, da sonst, ausser\nden Uebungen im akademischen Musik-Institute, welches\nzum Theil auch grössere Aufführungen veranstaltet, Con-\ncerte hier eine Seltenheit sind, während das Theater ziem-\nlich besucht sein soll. Ich hatte wohl von dem Lese-Cabi-\nnette der Harmonie-Gesellschaft gehört, das seines Glei-\nchen in Deutschland nicht und kaum im britischen Museum\nzu London hat, denn in sieben bis acht Salons findet man\nhier mehrere Hunderte von Tagesblättern, Zeitungen aller\nArt, Wochen- und Monatsschriften für alle Rünste und\nWissenschaften, deren Benutzung durch treffliche Ordnung\nund Classificirung erleichtert ist. Ich wusste aber nicht,\ndass diese Gesellschaft auch dadurch ihren Namen bewahr-\nheitet, dass sie im Winter ein oder zwei Concerte veran-\nstaket. In diesem Jahre ist der Graf Ludwig von Stain-\n'ein, alsComponist von gediegenen Werken Cur Kammer-\nmusik und durch seine pariser Quartett'-Cirkel mit Sivori\nin der musicalischen Welt bekannt, die Seele dieser ton-\nkünstlerischen Unterhaltungen, zu denen der prächtige\nBallsaal der Gesellschaft schöne Räume bietet. Erhöht\nwurde der Genuss durch die Anwesenheit des Herrn\nJacques Dupuis, Professors am Conservatorium zu\nLüttich, eines der ersten belgischen Violinisten unserer\nZeit und wohl unbestritten des ersten jener Schule, der\nden Geist deutscher Meister wie Beethoven und Mendels-\nsohn so richtig aufzufassen und wiederzugeben versteht;\nferner des Herrn Heinrich Schönchen, Professors\nam Conservatorium zu München und Dirigenten der dor-\ntigen Liedertafel, in welchem wir einen recht gebildeten\nund soliden Clavierspieler kennen lernten.\nIn dem Concerte am ersten Weihnachtstage füllte\neine glänzende Gesellschaft den Saal und die Galerieen.\nDas Orchester war zahlreich in den Saiten-Instrumenten\nund hatte auch gute, zum Theil ausgezeichnete Bläser.\nWiewohl es keine- regelmässigen Hebungen hat, was bei\nso guten Kräften sehr zu bedauern ist, und mithin nur für\neinen jedesmaligen besonderen Zweck vereinigt wird, so\nspielte es doch die beiden Ouvertüren (zu Anakreon von\nCherubini und von F. Lachner zu einer Cantate: ..Die\nvier Menschenalter\") unter Leitung des Concertmeisters\nHerrn V. Hamm recht gut und, was noch mehr ist, be-\ngleitete die concertirenden Vorträge genau und geschickt.\nVon diesen gebührte dem Vortrage des Violin-Concertes\nvon Mendelssohn durch Herrn Dupuis die Palme: ein\nschöner, voller Ton auf einem herrlichen Instrumente,\nvollendete Technik, Reinheit auch in den schwierigsten\nGriffen, edle Auffassung und ausdrucksvoller Vortrag, der\ndurch keine AfFectation oder unpassende Zierathen entstellt\nwird, zeichnen diesen Violinisten aus, der auch in den\nCompositionen für sein Instrument einer echt künstleri-\nschen Richtung folgt und sich in der Soiree für Kammer-\nmusik, die in derselben Woche Statt fand, auch als einen\nvortrefflichen Quartettspieler bewährte. Graf Stainlein\ntrug seine Concert-Phantasie für Violoncell über ungari-\nsche Thema's, Op. 4, Servais gewidmet, ein brillantes\nConcertstück, mit Virtuosität vor; ausserdem wurden von\nseiner Composition zwei „Frühlingslieder\" von Geibel\nfür zwei Soprane Frau Cäcilia Säman de Paez,\nherzogliche Hof-Opernsängerin aus Coburg, und einer\nmusicalisch gebildeten Dilettantin, Fräulein Leiblein\nvorgetragen, die durch schöne Melodieen ausserordentlich\nansprachen. Frau de Paez sang ausserdem noch die Arie\naus Händel's „Rinaldo\", welche Meyerbeer instrumentirt\nhat, mit vielem Ausdrucke; der Vortrag einer Arie von"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650107-01.1.6", "texte": "Verdi gelang ihr weniger gut, woran theils die fade Com-\nposition, theils ein Unwohlsein der geschätzten Sängerin,\nwelche am folgenden Tage ernstlich krank wurde, die\nSchuld trug.\nWenngleich das Publicum in dem Concerte sehr dank-\nbar war, so zeigte es sich doch in der Kammermusik-\nSitzung am 29. December noch enthusiastischer, was\ndem Geschmacke desselben Ehre macht und unserer Mei-\nnung nach die Künstler anregen sollte, einen regelmässi-\ngen Quartett-Cirkel zu gründen, der gewiss viel zur He-\nbung der musicalischen Zustände in Würzburg beitragen\nwürde. Es wurden drei Compositionen vom Grafen Stain-\nlein ganz vorzüglich gut ausgeführt durch die Herren\nDupuis (I.Violine), A. Hussla (k. russischen Capell-\nmeister, 11. Violine), V. Hamm (Bratsche), Graf Stain-\nlein (Violoncell): im Quintette wirkte auch Herr K. Rö-\nder (11. Bratsche), Lehrer am k. Musik-Institute, mit: ein\nQuintett für Streich-Instrumente in D-moll, Op. 16,\nneu (wird bei Breitkopf und Härtel nächstens erscheinen),\ndas grosse Trio für Piano (Herr Prof. Schönchen aus\nMünchen), Violine und Violoncell in C-moll, Op. 4, und\ndas Violin-Quartett in C-dur, Op. 11. Wenn irgend\nWerke geeignet sind, das Vorurtheil der Künstlerzünfte\ngegen hochgeborene Dilettanten zu brechen, so sind es\ndiese Compositionen; denn Graf Stainlein hat nicht nur\nErfindungs-Talent, sondern er versteht auch, seine Gedan-\nken zu „souteniren\", wie Haydn sagte, und kunstgemäss\nzu entwickeln, denn er ist zugleich Meister im Handwerk,\nund ein so guter, wie nur ein tüchtiger Musiker vom Fach\nes sein kann. Dabei ist sein Stil rein, weil nach den clas-\nsischen Mustern gebildet, die ihn vor den Abirrungen und\nUeberladungen der neuesten Schule bewahren, so wie sein\nGeschmack ihn vor Trivialitäten schützt. Es weht uns aus\ndiesen Werken, namentlich dem ersten Satze des Quin-\ntetts, dem ganzen und besonders aus des-\nsen Adagio und Finale ein Geist entgegen, der an den Stil\nin Mozart's Quintetten und Haydn's Quartetten erinnert.\nDieses C-dur-Quartett Op. 11 würde in jedem Kammer-\nmusik-Cirkel beim Publicum grossen Erfolg haben; aber\nviele unserer Künstler glauben mehr das Trübe und Dü-\nstere, als das Klare und Lichte vorführen zu müssen, und\n• 7\nspielen lieber nur den allerletzten Beethoven, Schumann\nu. s. w., auf dass ihre Programme in den Zeitungen damit\nprangen, wenn auch ihre Zuhörerschaft nichts davon mit\nnach Hause nimmt, als ebenfalls das Programm.\nSchliesslich wollen wir noch das königliche Musik-\nInstitut erwähnen, um welches der gegenwärtige Di-\nrector desselben, Herr Bratsch, Nachfolger von Fröhlich,\ngrosse Verdienste hat. Das Institut ertheilt Schülern bei-\nderlei Geschlechts unentgeltlichen Unterricht, besitzt dazu\ndie nöthigen Räumlichkeiten, Instrumente, Bibliothek\nu. s. w., und hält wöchentliche Uebungen mit Gesammt-\nAusführung von Sinfonieen, Ouvertüren, Kammer- und\nVocalmusik, wozu Jedermann Zutritt hat. Selbst Cantaten\nund Oratorien lührt Herr Bratsch mit den Kräften des\nInstituts aus, wie z. ß. im letzten Sommer sogar Händel's\n„Messias\", wobei sich die Chöre und das Orchester ganz\nwacker gezeigt haben sollen. Ob aber die Stadt Würz-\nburg diese Anstalt so zu würdigen weiss, wie sie es ver-\ndient, und ob der Staat die Mittel zur Vervollkommnung\nderselben nach den Forderungen der Zeit erhöht das\nwissen wir nicht zu sagen und können nur wünschen, dass\nes der Fall sein möge.\n\nL. B.\n\nDas Conservatorium in Köln.\nEnde December vorigen Jahres fand die General-Ver-\nsammlung der Mitglieder unseres Conservatoriums\nfür Musik Statt. Aus dem vom Vorstande mitgetheilten\nRechenschafts-Berichte dürften die nachstehenden Einzel-\nheiten von allgemeinerem Interesse sein. Die Schule, die\nbekanntlich für ein Specialfach keine Schüler aufnimmt,\nsondern jedem neben seinem besonderen Studium die Mit-\ntel zur Erlangung einer allgemeinen musicalischen Ausbil-\ndung bietet und vorschreibt, hat in den beinahe fünfzehn\nJahren ihres Bestehens eines fast stets wachsenden Zu-\nflusses von Zöglingen sich zu erfreuen gehabt und kann\nmit Stolz auf die Resultate ihres Unterrichts zurücksehen.\nNicht nur, dass Schüler des Conservatoriums ehrenvoll in\nTheater und Concertsälen, in Orchestern und als Lehrer\nwirken, auch eine ganze Reihe von Musik-Directorenstel-\nlen sind durch sie besetzt, und aus den Concursen zu Paris\nund dem Mozarteum in Frankfurt sind sie als Sieger her-\nvorgegangen. Von ihrer Thätigkeit am kölner Conserva-\ntorium aus haben sich Lehrer desselben zu den ehrenvoll-\nsten Capellmeister-Stellungen emporgeschwungen, so Rei-\nnecke in Leipzig, Reinthaler in Bremen, Franck in Bern.\nNoch in jüngster Zeit hat das Conservatorium im Testa-\nmente Meyerbeer's eine ehrende Anerkennung erfahren,\nder, indem er bei der Akademie der Künste zu Berlin eine\n„Meyerbeer-Stiftung\" gründet, bei derselben nur die\nSchüler der berliner Musik-Institute und des Conservato-\nriums zu Köln concurriren lässt. Und wie im Allgemeinen,\nso sind auch bezüglich unserer Stadt die Wirkungen des\nConservatoriums als durchaus erfreuliche zu bezeichnen.\nVerdankt doch ihm zum grossen Theile Köln den Rang,\nwelchen es in musicalischer Beziehung gegenwärtig ein-\nnimmt, da ihn die Herbeiziehung tüchtiger auswärtiger\nKräfte und ihr coilegiaiisches Zusammenwirken mit den"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650107-01.1.7", "texte": "hiesigen Künstlern bedeutend förderte. Hat doch auch das\nConservatorium allerdings von einzelnen grossmüthigen\nMännern unterstützt unserem Gürzenichsaale den letzten\nSchmuck einer prächtigen Orgel gegeben. Wie gross die\nThätigkeit des Conservatoriums ist, geht am klarsten daraus\nhervor, dass seine Lehrer in den beiden letzten Semestern\ncirca 5800 Stunden Unterricht ertheilt haben, darunter\n2376 auf dem Piano, 1232 auf Streich-Instrumenten.\nNach allem diesem darf der Wunsch als gerechtfertigt er-\nscheinen, den die General-Versammlung aussprach, dass\nStadt und Bürgerschaft, die so Anerkennenswerthes für\ndas Conservatorium bereits gethan, in erhöhtem Maasse\nfortfahren mögen, einem Institute ihre Gunst und Unter-\nstützung zuzuwenden, dessen Erhaltung eben so ehrenvoll\nwie nutzbringend für Köln ist, das aber nur durch eine\nthatkräftige Unterstützung erhalten werden kann.\nAls Lehrer an dem hiesigen Conservatorium wirken\ngegenwärtig: Ferdinand Hiller, städtischer Capellmei-\nster, Ritter des k. preuss. Rothen Adler-Ordens und des\nk. baierischen Maximilians-Ordens pour lemerite, Director\nder Anstalt, Composition. Die Herren: Böhme, Gesang\nund Declamation Breunung, Piano und Partiturspiel\nDerckum, Harmonielehre Hompesch, Piano\nHülle, Piano Japha, Violine von Königs low,\nVioline, Zusammenspiel in Quartett und Orchester\nSchmit, Violoncell Seiss, Piano —Musik-Director\n-Weber, Ritter des Rothen Adler-Ordens, Orgel\nDr. Weyden, deutsche Literatur und italiäniscbe Sprache.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMerlin. Eine ungewöhnliche Theilnahme fand die Vorstel-\nlung des „Troubadours\" in einer der letzten Wochen des vorigen\nJahres. Das Haus war vollständig gefüllt« Als Gast figurirte ein\nHerr Severini aus Paris als Manrico. Die Reclame hatte ihren\nPosaunenton mächtig erschallen lassen, und alle Journale wimmel-\nten von ISotizen über die Vorzüglichkeit und Trefflichkeit des An-\nkömmlings, Line solche Niederlage, wie sie aber Herr Severini er-\nlebte, wird wohl in den Annalen der königlichen Oper noch nicht\nVerzeichnet zu lesen sein. Die höchst mangelhaft gebildete Stimme,\neine äusserst gewöhnliche Vortragsweise, überaus komisches Spiel\nverursachten ein Gelächter und eine Opposition, dass man es für\nräthlich hielt, ihn abtreten zu lassen. Herr W oworsky, welcher\nsich als Zuschauer in der Künstler-Loge befand, wurde stürmisch\nbegehrt und führte die angefangene Partie zur allgemeinsten Befrie-\ndigung, oft unterbrochen von Beifallsbezeigungen, durch.\nNeueste musicalische Aesthetik. In einem der letzten\nGewandhaus-Concerte in Leipzig wurde unter Anderem aufge-\nführt: „Faust, musicalisches Charakterbild für Orchester von An-\nton Rubinstein, Director des kaiserlichen Conservatoriums in\nPetersburg.\" Lin leipziger Blatt sagte darüber: „Alle uns bekannten\nZüge der künstlerischen Natur Rubinstein's finden sich hier bei\neinander, ein in unserer Zeit nicht eben alltägliches Productions-\nVermögen, das aber in hastiger Vielgeschäftigkeit seinen Inhalt ver-\nstieut, die Neigung zum Lebertriebenen, Forcirten und Formenloscn,\nden jähen Wechsel zwischen wilden Anläufen und ohnmächtigem\nInsichzurücksinken, mit Einem Worte: eine Gefühls-und Ausdrucks-\nweise, die des Maasses und der Harmonie überdrüssig, nach Nerven-\nleiz um jeden Preis trachtet und den Genuss nur noch in der Auf«\nregung sucht\" u. s. w. Ein anderes Blatt sagt dagegen: ..Es liegt\nhierin arge Uebertreibung; denn Rubinstein's Composition enthält\nunläugbar geistreiche Gedanken, die durch angemessene, wenn auch\noft gewagte Instrumentation zu charakteristischem Ausdrucke kom-\nmen. Woran es ihr freilich gebricht, das ist Wärme der Auffassung;\nsie hinterlässt ein, übrigens von dem Compo nisten, wie es\nscheint, beabsichtigtes Gefühl des Unbefriedigtseins.\"\n[Ah! mit dieser Rechtfertigung ist die neue ästhetische Lehre von\ndem Inhalte und den Intentionen eines Musikstückes endlich völlig\nabgerundet. Bisher hielt man es für eine Anerkennung des Werthes\neiner Composition und deren Ausführung, wenn sie bei den Zuhö-\nrern das Gefühl einer innern Befriedigung weckte. Man war im\nIrrthuine: eben so gut, wie es nach neueren Musik-Philosophen\nMusik gibt, die man „nicht mit dem Ohr\" hören muss. so ist es ein\nTriumph des Componisten, wenn sein Werk „das Gefühl des,\nUnbefriedigtseins\" bei dem Publicum hinterlässt, wenn er\nnämlich dasselbe beabsichtigt hat!! Nun, Consequenz\nist wenigstens in diesem Lehrsatze, und es sollte uns sehr wun-\ndern, wenn er nicht in allem Ernste vertheidigt würde!]\nDer am 27. October vorigen Jahres in Leipzig verstorbene,\num die dramatische Kunst hochverdiente Karl Theodor von\nKüstner hat seine gesammte dramatische und dramaturgische Bi-\nbliothek dem leipziger Stadttheater als Grundlage einer Theater-\nBibliothek vermacht.\n14arlsrillte. Die zwei ersten Concerte des Cäcilien-Ver-\neins fanden am 14. November und 15. December Statt. Sie brach-\nten unter Anderem (das erste): Quartett von Beethoven Nr. 8,\ndurch die Herren Pechatschek, Mittermeyr, Hartnagel und Segisser,\nden 111. Psalm, Conßtebor tibi, für Sopran-Solo und Chor von Mo-\nzart, den 11. Theil von Spohr's „Die letzten Dinge\", zwei Chöre\naus F. Schubert's „Rosamunde\" (das zweite): Quartett in Es-\ndur von Mozart, „Die heilige Nacht\", für Alt-Solo und Doppel-\nchor von Niels W. Gade, den 42. Psalm von F. Mendelssohn.\nDie Abonnements-Concerte der Hofcapelle unter\nEckert1 s Leitung finden wieder im Theater Statt, wo sich wenig-\nstens bei Orchestersätzen die einzelnen Stimmen deutlicher abheben,\nals im Saale des Königsbaues der Fall war. Die erste Quartett-\nSoiree der Herren Singer, Bernbeck, Debuysere und Krumb -\nholz brachte Schubert's D-mollßeethoven's F-moll- und Mozarts\nD-moll-Quartett in gelungener Ausführung. Herr Willi. Spei-\ndel gab in seiner ersten Soiree, worin Frau Leisinger und Herr\nSchüttky mitwirkten, Mendelssolin's (7-moW-Trio, Beethoven's So-\nnate Op. 96 (mit Herrn Singer) und dessen 83 Veränderungen über\nSen Diabelli'schen Walzer, welche besonders das Interesse der Ken-\nner anzogen. Bald darauf gab Frau Viardot-Garcia ein Con-\ncert im Hoftheater, wo sie einen Marcello'schen Psalm mit hinreis-\nsender Anmuth, dann die zweite Stimme in Pergolese s Stabat mater\nnach Lwoff's Verarbeitung sang. Treffliches leistete Fräulein Eder\nals erster Sopran. Die erste Soiree Dr. Pr uckner's fand unter\nMitwirkung Lauterbach's (Gesangscene von Spohr) und Gol-\ntermann' s Statt, so dass das Es-dar-Trio von Beethoven und das\nQuintett von Schumann in einer Vollendung zu Gehör kamen,\nwelche noch lange im Gedächtnisse bleiben wird. Beifall und Her-\nvorruf gewann Pruckner mit der G-rao£/-Ballade von Chopin und\nder Rhapsodie Nr. 12 von Liszt."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650107-01.1.8", "texte": "]?!« III eil eil« Karl Bar man n, erster Clarinettist der könig-\nlich baierischen Hofcapelle, der würdige Sohn und Nachfolger des\nberühmten Clarinett-Virtuosen Heinrich Bärmann, des Freundes und\nReisegenossen C. M. v. Weber's, hat eine umfassende, in jeder Hin-\nsicht vorzügliche Clarinettschule herausgegeben und dem Herzoge\nvon Coburg dedicirt, der ihm dafür die Verdienst-Medaille für Kunst\nund Wissenschaft, begleitet von einem schmeichelhaften Handschrei-\nben, zustellen liess.\nWien. Der Orchester-Verein, welcher aus den vorzüglichsten\nund eifrigsten Musik-Dilettanten besteht, ist unter der künstlerischen\nLeitung des Herrn Professors Heissler zu einem alle Achtung\nfordernden Grade von Tüchtigkeit emporgelangt. Am ersten Gesell-\nschafts-Abende, den 15. December v. J., bildete den Glanzpunkt\nHellmesberger's Spiel, der Beethoven's O-dur-Romanze unver-\ngleichlich schön vortrug. Einen gleichfalls anmuthigen Genuss hat\ndas Ciavierspiel des Fräuleins Skiva gewährt, welche Beethoven's\nmit eingelegten Rubinstein'schen Cadenzen zum Vor-\ntrage gewählt hatte. Ihre Leistung war nach jeder Richtung erfreu-\nlich. Zu einer bedeutend ausgebildeten Technik, die sich durch einen\nfeinfühligen Anschlag, wie durchsichtiges, geschmeidiges Passagen-\nspiel auszeichnet, tritt ein Vortrag, der eben so streng musicalisch,\nals intelligent und geschmackvoll ist. In ihrem Aeussern bewahrt\nFräulein Skiva eine Ruhe, die manchem Ciavierspieler zu wünschen\nwäre. Ihr Erfolg war glänzend; sie wurde vier Mal gerufen. Wir\nzweifeln keinen Augenblick, dass diese liebliche Kunst-Novize, die\nihr schönes Können ausschliesslich der gründlichen Lehre ihres Va-\nters verdankt, vor jedem Publicum die beste Anerkennung finden\nwird. Das Orchester hatte ausserdem in Haydn's (7-moZZ-Sinfonie,\nim Schubert'schen, von Liszt instrumentirten H-moll-Marsche und We-\nber's Ouvertüre zum „Beherrscher der Geisteru Gelegenheit, seine\nKräfte und ansehnliche Leistungsfähigkeit auf das beste zu entfalten.\nDer k. k. Hof-Pianofortefabricant Herr Bösendorfer in Wien\nist vom Sultan durch die Verleihung des Medschidie-Ordens vierter\nClasse ausgezeichnet worden.\nParis. G ounod, der Componist des „Faust\", schreibt an\nder Partitur einer neuen Oper „Romeo und Julie\". Den Text haben\ndie Lieferanten Michel Carre und nachgeshakespeart.\nDer Violin-Virtuose Strauss aus Frankfurt a. M. befindet sich\nin London, um in Halle's Concerten mitzuwirken.\nMan schreibt aus dem Haag vom 30. December: „Vorgestern\nhatten wir die Freude, den grossen Tonmeister Ferdinand Hil-\nler aus Köln bei uns zu sehen und eine seiner neuesten Compo-\nsitionen, Aubade für Orchester in fünf Sätzen, Op. 108, unter sei-\nner eigenen Leitung im zweiten Diligentia-Concerte zu hören. Jeder\nSatz wurde mit dem lebhaftesten Beifalle aufgenommen und der\nComponist und treffliche Dirigent mit begeisterten Ovationen gefeiert.\nAusserdem erfreute sein classischer Vortrag des (7-raoZZ-Concertes\nvon Beethoven und einiger reizender Salonstücke für Piano allein\ndie gespannt lauschende Zuhörerschaft. Eben so enthusiastisch wa-\nren der Applaus und die Ehrenbezeigungen, womit Herr F. Hiller\ngestern von dem Publicum zu Rotterdam im zweiten Concerte\nder Eruditio Musica am Schlüsse der höchst gelungenen Aufführung\nseiner Lorelei überschüttet wurde, eines Werkes voll echter musi-\noalischer Romantik, welches er selbst dirigirte und in welchem Frau\nOffermans und Herr Karl Schneider die Solo-Partieen gar\nschön zur Geltung brachten. Während wir auf diese Weise hier und\nin Rotterdam den grossen deutschen Componisten feierten, vertritt\nseit dem 27. December in Amsterdam eine deutsche Künstlerin,\nFräulein Auguste Brenken, die Kunst des Gesanges in der deut-\nschen Oper und feiert bei vollem Hause Triumphe, welche den\nUnternehmer bewogen haben, sie für ein Gastspiel von vier Wochen\nzu gewinnen.u"}]}