{"numero_id": "bm-bmtnabi-1865-01-21-01", "volume": "bmtnabi_1865-01-21_01", "ocr_sha256": "1fb1260f1574f7d0c21fb06fab8ddda6e1fed95f995f55e45db94634636189f3", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1865/01/21_01/bmtnabi_1865-01-21_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650121-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1865-01-21-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-01-21_01#c001", "volume": "bmtnabi_1865-01-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "17", "page_fin": "17", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650121-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650121-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 463, "texte": "Inhalt.\nPersönliche Verhältnisse grosser Meister zu einander. 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Tages- und Unterhaltungsblatt (Potsdam, Abonnements-Concerte Mainz, Herr Franz Schott\nLeipzig, Gewandhaus-Concert München, „Tristan und Isolde\", Ullman's Concerte, Theater Wien, Hof-Operntheater)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-01-21-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-01-21_01#c002", "volume": "bmtnabi_1865-01-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "17", "page_fin": "19", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650121-01.2.2", "titre_corps": "Persönliche Verhältnisse grosser Meister zu einander.", "titre_sommaire": "Persönliche Verhältnisse grosser Meister zu einander.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650121-01.1.1", "debut_caractere": 465, "fin_caractere_exclue": 4141, "texte": "Persönliche Verhältnisse grosser Meister zu\neinander.\nDie Künstler gelten im Allgemeinen für Egoisten. In\ngewisser Hinsicht müssen sie es sein, wenn nämlich von\neinem Festhalten und rücksichtslosen Verfolgen ihrer\nkünstlerischen Richtung die Rede ist. Das Selbstgefühl des\ninneren Berufes kann sich aber allerdings auch täuschen,\nes kann, wie das bei mittelmässigen Talenten oft der Fall\nist, sich überschätzen; wo es aber durch Prüfung und Ar-\nbeit zu einer Ueberzeugung geführt hat, ist die Treue für\ndiese Ueberzeugung, selbst wenn sie irrt, nicht bloss ach-\ntungswerth, sondern nolhwendig, weil ohne sie nichts Ur-\nsprüngliches, nichts Grosses in der Kunst erzeugt werden\nkann. So spielen denn Ueberzeugungstreue und Egoismus\nder Künstler häufig in einander und treten bei ihnen in\nden Verhältnissen zu ihren Zeit- und Berufsgenossen\nin mehr oder weniger schroffen Formen zu Tage. Die\nWelt ist leider nur zu sehr geneigt, die daraus entsprin-\ngenden Erscheinungen unedlen Beweggründen, wie Neid\nund Eifersucht, zuzuschreiben, und weil der Klatsch stets\nder Menge willkommen ist und die Mittelmässigkeit sich\nimmer freut, wenn sie den Ausgezeichneten etwas anhän-\ngen kann, so pflanzen sich dahin einschlagende Erzählun-\ngen und Anekdoten von Geschlecht zu Geschlecht fort, und\nViele, welche die Schöpfungen eines grossen Künstlers oft\ngar nicht kennen, geschweige denn sich über den Geist,\nder darin lebt, zu unterrichten streben, behalten dennoch,\nwenn sie irgendwo gehört oder gelesen haben, dass er die-\nsen oder jenen von seinen Zeitgenossen nicht habe leiden\nkönnen, was ihnen dann als eine genügende Charakteristik\ndes Mannes gilt!\nDass am meisten unter allen Künstler-Geschlechtern\nder Vorwurf des unduldsamen und missgünstigen Egois-\nmus den Zunftgenossen der Tonkunst (Componisten und\nVirtuosen) und der Schauspielkunst (Opernsängern und\nDarstellern des recitirenden Drama's) gemacht wird, ist\nThatsache, und der Vorwurf ist freilich im Allgemeinen\nnicht unbegründet. Man hat nicht viele Beispiele von Com-\nponisten, die über einen Nebenbuhler ihres Ruhmes sich\nso aussprechen, wie Haydn über Mozart, als ihn die\nprager Landstände aufforderten, eine Oper für ihr Theater\nzu schreiben. Er lehnte das Anerbieten ab und schrieb:\n„Sie haben ja dort den grossen Mozart. Könnte ich jedem\nMusikfreunde, besonders aber den Grossen, die unnach-\nahmlichen Arbeiten Mozart's so tief und mit einem solchen\nmusicalischen Verstände, mit einer so grossen Empfindung\nin die Seele prägen, als ich sie begreife und empfinde, so\nwürden die Nationen wetteifern, ein solches\nKleinod zu besitzen. Prag soll den theuren Mann fest-\nhalten, aber auch belohnen; denn ohne dieses ist die Ge-\nschichte grosser Genie's traurig, wesswegen leider so viele\nhoffnungsvolle Geister danieder liegen. Mich zürnt es,\ndass dieser einzige Mozart noch nicht bei einem kaiser-\nlichen odei königlichen Hofe engagirt ist!\"*) Wie oft\ndürfte der Zorn im umgekehrten Falle schon wach gewor-\nden sein und noch jetzt wach werden, wo in der Regel\nJeder sich selbst für den würdigsten hält, jedwede Stel-\nlung auszufüllen!\nUm so mehr ist es Pflicht, den traditionel gewordenen\nVerleumdungen grosser Tonkünstler in ihren persönlichen\nVerhältnissen zu einander entgegen zu treten. Zu den ohne\nWeiteres geglaubten Dingen gehört z. B. auch das Miss-\nverhältniss zwischen Carl Maria von Weber und\nBeethoven.\nAllerdings ist Weber nicht ganz ohne Schuld an dem\nEntstehen dieser Sage, indem er eine Jugendsünde gegen\ndie Sinfonia eroica begangen, die er in einer Art von\nhumoristischem Reiseberichte arg mitnahm. So unbegreif-\nlich dies auch bei einem so begabten, wenn auch jungen\n\n*) Gerber, Neues Lexikon, 11., S. 555."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650121-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5096, "texte": "Musiker ist, den wohl nur die Lust, pikant zu sein,\nstachelte, so hat Weber doch bald seine hohe Verehrung\nfür Beethoven so deutlich an den Tag gelegt, dass man\nsieht, wie sehr er jene jugendliche Unbedachtsamkeit be-\nreut hat. Aber, wie wir oben gesagt haben, das Schlimme\nwucherte fort und das Gute erfuhr Niemand, oder es\nwurde überhört und vergessen.\nDas Gute war aber Folgendes:\nKaum war Wilhelmine Schröder auf Weber's Ver-\nanlassung in Dresden angestellt, so betrieb dieser die Auf-\nführung von Beethoven's „Fidelio\", die er übrigens auch\nschon in Prag ins Werk gesetzt hatte. Er setzte sich dess-\nhalb mit Beethoven in Correspondenz, und seine Tages-\nNotizen weisen nach, dass er in Betreff des „Fidelio\" am\n28. Januar, 18. Februar, 7. April und 5. Juni 1823 an\nBeethoven schrieb und von ihm am 16. Februar, 10. April\nund 9. Juni Briefe empfing. Zum grossen Verluste für\nd e Kunst ist diese Correspondenz zwischen zwei Meistern\nersten Banges über ein Werk von höchster Bedeutung bei\nder sorglosen Behandlung des schriftlichen Nachlasses\nWeber's durch die Curatoren der Familie spurlos ver-\nschwunden. Nur ein Bruchstück, der Anfang des ersten\nBriefes von Weber an Beethoven (vom 28. Januar), ist\nim Concepte vorhanden geblieben. Diese wenigen Zeilen\nsind aber genug, einen der edelsten Züge von Weber's\nHerzen, die kindliche, neidlose Bewunderung des Grossen\nund seine hohe Verehrung vor dem Genius des grössten\ndeutschen Componisten in liebenswürdigster Weise zu\nverkünden. Er schreibt:\n„Die Aufführung dieses mächtig für deutsche Grösse\nund Tiefe des Gefühls zeugenden Werkes unter meiner\nDirection in Prag hat mir die eben so begeisternde als\nbelehrende Vertrautheit mit seiner inneren Wesenheit er-\nschlossen, durch die ich hoffen darf, es auch hier, mit al-\nlen Hülfsmitteln möglichst versehen, dem Publicum in sei-\nner vollen Wirksamkeit vorführen zu können. Jede Vor-\nstellung wird ein Festtag sein, an dem es mir erlaubt ist,\nIhrem erhabenen Geiste die Huldigung darzubringen, die\nim Innersten meines Herzens für Sie lebt, und wo Ver-\nehrung und Liebe sich den Vorrang streitig machen.\"\nDer grosse Meister, nicht unempfindlich für die ihm\nentgegengebrachte so echte Bewunderung, scheint Weber\nin so freundlicher Weise, als es ihm thunlich war, geant-\nwortet zu haben, denn es entspannen sich aus dieser Cor-\nrespondenz zwischen Beiden so freundschaftliche Beziehun-\ngen, dass der rauhe und jeder Heuchelei unfähige Alt-\nmeister in einem Briefe an Könneritz vom 17. Juli 1823,\nmit dem er ihm die Quittung über das für „Fidelio\" em-\npfangene Honorar von 40 Ducaten sendet, sich der Worte\nbedienen durfte: „ nach der Schilderung meines lie-\nben Freundes Maria Weber's\" u. s. w.\nDieses freundliche Verhältniss erhielt noch mehr\nWeihe und Festigung durch das persönliche Bekanntwer-\nden der beiden Tonkünstler. Alles, was Schindler und\nAndere über Antipalhieen, ja, Differenzen zwischen Beet-\nhoven und Weber erzählt haben, sind hiernach zu berich-\ntigende, böswillig oder unwissend erfundene Fabeln.\nWeber erhielt die Partitur des „Fidelio\" von Beet-\nhoven selbst am 10. April und brachte die Oper am 29.,\nmit Wilhelmine Schröder in der Titelrolle, nach vierzehn,\nmit besonderer Sorgfalt geleiteten Proben zur Aulführung.\nDie junge Sängerin übertraf die von der Tochter der\nSchröder gehegten Erwartungen. Obgleich sie damals weit\ndavon entfernt war, das grossartige, so rein künstlerisch\nabgerundete Bild des heroischen Weibes zu geben, das\nwir alle an ihr bewundert haben, so trug sie doch wesent-\nlich zum mächtigen Erfolg der Oper bei*).\nAls darauf Weber im Spätsommer 1823 zur Auffüh-\nrung seiner Euryanthe nach Wien kam, hörte er, dass\nBeethoven zu dem Musik-Verleger Steiner gesagt hatte:\n„Es freut mich, dass Sie wieder ein deutsches Werk ver-\nlegen. Ich habe viel Gutes von Weber's Oper gehört. Ich\nhoffe, sie wird ihm und Ihnen viel Geld und Ehre ein-\nbringen.\"\nBeethoven hatte früher, als Weber's Freischütz so\nviel Aufsehen erregte, die Partitur durchgelesen und in\nGegenwart von Freunden geäussert: „Das sonst weiche\nMännel, ich hätt's ihm nimmermehr zugetraut! Nun muss\nder Weber Opern schreiben: gerade Opern; eine über\ndie andere und ohne viel daran zu knaupeln! Der Caspar,\ndas Unthier, steht da wie ein Haus. Ueberall, wo der Teu-\nfel die Tatzen reinstreckt, da fühlt man sie auch!\"\nUnd als ihn Jemand an das zweite Finale und das\nmusicafisch Unerhörte darin erinnerte, sagte er:\n„Ja, damit ist's freilich auch so; aber mir geht es\ndumm damit. Ich sehe freilich, was Weber will, aber er\nhat auch verteufeltes Zeug hinein gemacht! Wenn ich's\nlese wie da bei der wilden Jagd —so muss ich lachen\nund es wird doch das Bechte sein —\".\nDurch Haslinger angemeldet, fuhr Weber mit diesem\nund Benedikt am 5. October nach Baden hinaus, wo\nBeethoven wohnte.\nDie drei Männer waren erregt, als sie in das öde, fast\närmliche Zimmer traten, das der grosse Ludwig bewohnte.\nDer Baum war in der grössten Unordnung. Musik, Geld,\nKleidungsstücke auf dem Fussboden, auf dem unsauberen\nBette Wäsche gehäuft, der offenstehende Flügel mit\n\n*) C. M. von Weber. Ein Lebensbild. 11. S. 465 ff."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "19", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650121-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3805, "texte": "i\ndickem Staube bedeckt, zerbrochenes Kaffeegeschirr auf\ndem Tische.\nBeethoven trat ihnen entgegen.\nBenedikt sagt: So muss Lear oder die ossianischen\nBarden ausgesehen haben. Das Haar dick, grau, in die\nHöhe stehend, hier und da ganz weiss, Stirn und Schädel\nwunderbar breit gewölbt und hoch, wie ein Tempel, die\nNase viereckig, wie die eines Löwen, der Mund edel ge-\nformt und weich, das Kinn breit, mit jenen wunderbaren\nMuschelfalten, die alle seine Portraits zeigen, und aus zwei\nKinnbackenknochen gebildet, die dafür geschaffen schie-\nnen, die härtesten Nüsse knacken zu können. Ueber das\nbreite, blatternarbige Gesicht war dunkele Rothe verbrei-\ntet, unter den finster zusammengezogenen, buschigen\nBrauen blickten kleine, leuchtende Augen mild auf die\nEintretenden, die cyklopisch viereckige Gestalt, welche die\nWeber's nur wenig überragte, war in einen schäbigen,\nan den Aermeln zerrissenen Hausrock gekleidet.\nBeethoven erkannte Weber, ehe er ihm genannt war,\nschloss ihn in die Arme und rief: „Da bist du ja, du Kerl,\ndu bist ein Teufelskerl! Grüss' dich Gott!\" und nun reichte\ner ihm gleich jene berühmte Schreibtäfel, und es entspann\nsich ein Gespräch, während dessen Beethoven zunächst die\nMusicalien vom Sopha warf und dann sich ungenirt in\nGegenwart seiner Gäste zum Ausgehen ankleidete.\nBeethoven klagte bitter über seine Lage, schimpfte\nauf die Theater-.Verwaltung, die Concert-Unternehmer,\ndas Publicum, die Italiäner, den Geschmack, besonders\naber über die Undankbarkeit seines Neffen. Weber, der\nsehr bewegt war, rieth ihm, sich diesen widerlichen, ent-\nmutigenden Verhältnissen zu entreissen und eine Kunst-\nreise durch Deutschland zu machen, wo er sehen werde,\nwas die Welt von ihm halte. „Zu spät!\" rief Beetho-\nven, machte die Pantomime des Clavierspielens und schüt-\ntelte den Kopf. „So gehen Sie nach England, das Sie be-\nwundert!\" schrieb Weber. „Zu spät!\" schrie Beethoven,\nnahm Weber demonstrirend unter die Arme und zog ihn\nmit nach dem Sauerhofe, wo er speiste.\nHier war Beethoven ganz Herzlichkeit und Wärme\ngegen Weber. Dieser schreibt:\n„ Wir brachten den Mittag miteinander zu,\nsehr fröhlich und vergnügt. Dieser rauhe, zurückstossende\nMensch machte mir ordentlich die Cour, bediente mich\nbei Tische mit einer Sorgfalt, wie seine Dame. Kurz, die-\nser Tag wird mir immer denkwürdig bleiben, so wie allen,\ndie dabei waren. Es gewährte mir eine eigene Erhebung,\nmich von diesem grossen Geiste mit so liebevoller Achtung\nüberschüttet zu sehen\" u. s. w.\nBeethoven lenkte das Gespräch auf „Euryanthe\", was\nWeber indess ablehnte. Da fragte Beethoven Haslinger\nüber den Tisch: „Wie ist das Buch?\" und während We-\nber aufschrieb: „Ganz erträglich, voll schöner Stellen\",\nhalte Beelhoven Haslinger's Kopfschütteln gesehen, lachte\nlaut auf und rief: „Immer die alte Geschichte! die deut-\nschen Dichter können keinen guten Text zusammenbrin-\ngen!\" „Und Fidelio?\" schrieb Weber. „Das ist ein fran-\nzösisches Original.\" sagte Beethoven, „ins Italiänische und\ndann erst ins Deutsche übersetzt.\" „Und welche Texte\nhalten Sie für die besten?\" fragte Weber. „Vestalin und\nWasserträger!\" rief Beethoven ohne Besinnen.\nBeim Abschiede umarmte und küsste Beethoven We-\nber mehrere Male, behielt lange seine schmale Hand in\nseiner Faust und riel: „Glück auf zur neuen Oper! Wenn\nich kann, komme ich zur ersten Aufführung!\"\nTief bewegt und erhoben kehrte Weber nach Wien\nzurück *).\nLeider wurde dieses Verhältniss der beiden grossen\nMänner zu einander nachher durch Zwischenträgereien.\no \"\nwobei besonders die oben erwähnte Jugendsünde Weber's\ngegen die Eroica, von der Beethoven nichts gewusst zu\nhaben scheint, gegen Weber benutzt wurde, in so fern\nwieder gestört, dass beide brieflich nicht mehr mit ein-\nander verkehrten. Niemals sind sie sich jedoch irgendwie\nhindernd in den Weg getreten.\n•"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-01-21-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-01-21_01#c003", "volume": "bmtnabi_1865-01-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "19", "page_fin": "22", "image_debut": 3, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650121-01.2.3", "titre_corps": "Ist die Gesangkunst wirklich in Verfall! Welches sind die Ursachen desselben und welches sind die Mittel, ihm entgegenzuarbeiten!", "titre_sommaire": "Ist die Gesangkunst wirklich in Verfall! 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S. 509 ff.\n**) Seit Jahren ist über diesen Gegenstand so viel geschrieben\nworden, nie hat es mehr instructive Werke und Bildungs-Anstalten\ngegeben, als heutzutage, und nie ist der Mangel an guten Sängern\nfühlbarer gewesen, als in gegenwärtiger Zeit. Diese Thatsache steht\nfest, und die Frage: Woher kommt das? drängt sich unwillkürlich\nauf. Ob ich diese Frage erschöpfend und zu eines Jeden Zufrieden-\nheit beantworten werde, möchte ich bezweifeln, zumal, da die An-\nsichten über diesen Punkt so verschieden sind. Was ich hier nie-\nderschreibe, ist meine Ueberzeugung, die ich in den sechszehn Jah-\nren, in welchen ich als Gesanglehrer thätig gewesen bin, gewonnen\nhabe. Ich schreibe sie nieder in einer Zeit, wo man vielfach und\nernstlich bemüht ist, dem Uebel eine Wendung zum Besseren zu\ngeben. Ich schreibe sie nieder in der Absicht, dass ich eine gute\nSache fördern helfen möchte.\nKöln, im December 1864. E» K.\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650121-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5360, "texte": "Ueber den Mangel an guten Stimmen hört man häu-\nfig klagen, und trotz der enormen Gagen, welche die In-\nstitute ersten Ranges zahlen, können selbst diese nicht hin-\nreichende Kräfte gewinnen, um ein Kunstwerk in den er-\nsten, noch weniger in den zweiten und dritten Partieen so\nzu besetzen, dass es in allen seinen Theilen würdig zur\nAusführung komme.\nWas den Mangel an Stimmen betrilTt, so widerspreche\nich dem ganz entschieden, wage sogar, zu behaupten, dass\nkein Land mehr und schönere Stimmen hat. als Deutsch-\nland. Was uns mangelt, sind eben Sänger, d. h. vollkom-\nmen ausgebildete, trefflich geschulte Sänger. Mit dieser\nBehauptung nun, dass es uns nicht an Stimmen, wohl aber\nan Sängern fehlt, muss ich gleich eine andere Frage in\nVerbindung bringen, weil sie als Ursache obiger Behaup-\ntung aufgestellt wird, die nämlich: Fehlt es uns in\nDeutschland an guten Gesanglehrern?\nÜass die Zahl der guten, d. h. im Gesänge gründlich\nund vollständig ausgebildeten, durch die Erfahrung be-\nwährten Gesanglehrer nicht eben gross sein mag, will ich\ngern zugestehen. Was ich von einem Gesanglehrer ver-\nlange, ist, dass er selbst tüchtiger, durch die öffentliche\nMeinung anerkannter Sänger sei, dass er hinlängliche mu-\nsicalische und ästhetische Bildung besitze, um im Stande\nzu sein, den Schüler gleich von Anfang so zu leiten, dass\nbei den technischen (mechanischen) Studien zugleich der\nGrund zu einem guten Gescbmacke gelegt werde.\nDass ich mit dieser Behauptung, namentlich was die\nerste Hälfte derselben betrifft, auf ein Heer von Gegnern\nstosse, unterliegt keinem Zweifel; man braucht eben nur\nzu beobachten, von wem und wie unterrichtet wird, um\nauch zugleich zu wissen, wie Ignoranz und Charlatanismus\nsich breit machen. Wer Kücken's „Kleinen Recruten\"\nauf dem Piano spielen kann, hält sich für fähig, Unter-\nricht in der Kunst des Gesanges zu ertheilen! Diesen\nUnwissenden und Unfähigen, deren Zahl Legion ist, stehen\ndie Charlatane, die ihre Weisheit bloss aus Büchern ge-\nschöpft und ihre Systeme darauf aufbauen, gegenüber.\nWelche Zeit hat dieser Classe von Lehrern mehr Vor-\nschub geleistet, als die heutige? Haben wir nicht Metho-\nden zum Selbstunterrichte? Haben wir nicht physiologi-\nsche Schriften, die man ja nur zu lesen braucht, um die\ninnersten Geheimnisse der Gesangkunst zu verstehen! Man\nkennt dann ja den Organismus, wozu braucht man\nnoch Sänger zu sein? Lächerlich! Physiologische Kennt-\nnisse, ein hinreichender Schatz von Kunst-Ausdrücken, die\ndazu gehörigen Maschinen, und der Lehrer von Unüber-\ntrefflichkeit und ausserordentlichem Rufe ist gemacht; er\nhat alle Mittel in Händen, um sich wie Caspar zu Max\nsagt „bei den Bauern in Respect zu setzen\".\nMan braucht nicht am Zopfe fest zu halten, denn so\ngut wie die Wissenschaft, ist auch die Kunst und ihre\nLehre des Fortschrittes fähig; allein es gibt in der Kunst\nAufgaben, welche die Theorie allein niemals lösen kann,\nund so wie „Wissenschaft* auf „Wissen\" beruht, so\nberuht „Kunst\" auf „Können\". In der Gesangkunst gilt\ndies ganz besonders von der Tonbildung und deren\nverschiedenartigsten Nuancen nicht bloss in Stärke und\nSchwäche, sondern auch in Bezug auf die Kunst, den\nKlang (timbre)der Stimme dem Charakter der vorzutra-\ngenden Musik gemäss zu modificiren. Dazu gehört mehr,\nals blosse Kenntniss des Stimmorgans und aus Büchern\ngeschöpfte Weisheit; wenn dieses nicht der Fall wäre,\ndann müssten die Aerzte die besten Gesanglehrer, die\nAesthetiker die trefflichsten Maler und die grössten Nach-\nbildner der Antike sein. Dazu stelle ich noch die einfache\nFrage: Was haben wir bis jetzt durch die neuen Metho-\nden erreicht? Wie kommt es, dass unsere Zeit nicht\nmehr und bessere Sänger bildet, als die alten Italiäner,\ndie von all dem Weisheitskram keine Ahnung hatten, und\ndie man uns noch immer und mit Recht als Muster.auf-\nstellt? Damals unterrichteten durch vorherige Studien und\neigene Ausbildung des Gesanges erfahrene und erprobte\nLehrer, durch sie bildete sich der Schüler zum Meister,\nder dann seine Kunst auf gleiche Weise Anderen über-\nmachte. Die Schule war also traditionel. Dazu freilich\nbrauchte man die physiologischen Abhandlungen nicht.\nAllein das waren armselige Empiriker und gehören zu\ndem beliebten „überwundenen Standpunkte\"!\nWenn es nun gute Stimmen und doch auch noch gute\nGesanglehrer, wenn vielleicht auch nur wenige, in Deutsch-\nland gibt, wie kommt es, dass diese keine besseren Re-\nsultate erzielen? Diese Frage ist nicht schwer und ohne\nErröthen zu beantworten. Ich brauche bloss die Gegen-\nfrage zu stellen: Wie viel Zeit braucht ein Schüler, um\nsich so weit auszubilden, dass er seine Kunst selbständig\nüben kann? Wenn man weiss, dass die alten Italiäner\nsechs Jahre dazu nöthig erachteten, wird man mir die\nAntwort gern schuldig bleiben. Nun, wir leben aber im\nZeitalter der Industrie, des Dampfes.. Ganz richtig, dem\nmuss auch die Kunst Rechnung tragen, besonders was\ndie Vorbereitung dazu betrifft.\nGeld muss verdient werden, desshalb nur keine lan-\ngen Studien, die kosten Geld; und werden nicht viele\nSänger ganz enorm bezahlt, die auch keine Studien ge-\nmacht? Righini würde seinen Ausspruch jetzt so fassen\nmüssen: „Zum Singen gehört erstens grosse Persönlichkeit\nund gute Lungen; zweitens schöne Persönlichkeit und vor-\ntreffliche Lungen; drittens ausgezeichnete Persönlichkeit\nund unverwüstliche Lungen.\" Dies sind die ersten Eigen-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650121-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5141, "texte": "Schäften, die einen Sänger zieren müssen, und die Inten-\ndanzen vor allen anderen Directionen gehen in Forderung\ndieser Eigenschaften voran, sie stehen an der Spitze de-\nrer, welche die Kunst nach der Elle und nach dem Um-\nfange messen. Wer wagt nun noch, von übermässigen\nForderungen der Sänger zu reden, da die Intendanzen\nnicht weniger übermässige Forderungen machen? (Und\ndie Componisten leider nicht geringere!)\nWenn nun die ersten Eigenschaften, Persönlichkeit\nund gute Lungen, vorhanden sind, wie werden dann die\nStudien gemacht? Etwa bei einem guten Gesanglehrer?\nBewahre! derselbe würde zu viel Zeit auf Ausbildung der\nStimme verwenden: das geht nicht! „Zeit ist Geld!\" also\ngleich zu einem Capellmeister oder Chor-Director, und\nPartieeri studirt, denn das ist die vierte Eigenschaft: Re-\npertoire muss vorhanden sein dann ist der Sänger\nfertig, dann beginnt er seine Künstler-Laufbahn. An klei-\nnen Theatern verschafft er sich Routine in der Darstel-\nlung, vermehrt sein Repertoire, und als Repertoire-Sänger\nist er nun eine willkommene Erscheinung selbst bei grös-\nseren Bühnen, erhält daselbst Engagement, ist somit ein\nKünstler ersten Ranges der Stellung nach. Aber die\nLeistungen??\nHat nun ein solcher Parvenu-Sänger, wie ich ihn\nnennen möchte, einige Jahre darauf losgeschrieen\ndurch die übermässig grossen, oft unsinnig hohen Partieen\nnoch mehr dazu verleitet so lässt mit Einem Male sein\nStimm-Organ ihn im Stich, und derselbe ist nie mehr im\nStande, seine Laufbahn weiter zu verfolgen. Daher kommt\nes auch, dass so viele „hellleuchtende Meteore\" eben so\nschnell verschwinden, als sie gekommen, und darin liegt\nder Unterschied zwischen einem vollkommen geschulten\nund einem nichtgeschulten Sänger. Ersterer zählt seine\nWirksamkeit gar oft nach mehr Decennien, als Letzterer\nnach Jahren.\nDer Vorwurf, dass es uns an wirklichen Sängern fehle,\ntrifft also hier weniger den Lehrer, als den Schüler, weil\nsich derselbe nicht die gehörige Zeit zur Ausbil-\ndung lässt und seine wenigen Studien nicht einmal an\ngehöriger Stelle macht, was man doch von jedem\nHandwerker verlangt.\nEin weiterer Grund des Verfalls der Gesangkunst\nliegt in der grossen Anzahl von Theatern. Ehemals\nfand man die Oper, mit wenigen Ausnahmen, nur in Re-\nsidenzen, jetzt will jedes Städtchen seine Oper haben; wo\nsollen da alle geschulten Sänger herkommen? Diese stehen\nzu der Unmasse von Theatern in gar keinem Verhältnisse\nmehr.\nHierin liegt hauptsächlich die unaufhaltsame Verwil-\nderung des Gesanges und die Ursache, wesshalb das Künst-\nler-Pioletariat v\\ie Unkraut wuchert. Höchstens sieben\nMonate Verdienst (Engagement) und fünf Monate Brodlo-\nsigkeit! hin wunder Heck, der wahrlich grössere Beach-\ntung verdient, als er bisher gefunden, und Veranlassung\nzu ernsten Maassregeln werden müsste, um dem Uebel zu\nsteuern. Vielleicht, dass die Concession nur solchen Di-\nrectoren grtheilt würde, die mehrere Städte vereinigen\nund auf diese Weise im Stande sind, Jahres-Contracte\nzu bieten.\nMeine eigene künstlerische Laufbahn, welche ich im\nDecember 1840 bei der Bühne begonnen, dann meine\nThätigkeit als Concertsänger und Gesanglehrer vom Herbste\n1845 an, wie auch meine Stellung als Lehrer des Solo-\ngesanges am Conservatorium in Köln von Ostern 1850\nbis Michaelis 1855, wo ich diese Stelle aufgab, alles die-\nses hat mich durch die reichlich gesammelte Erfahrung zu\nder Ueberzeugung gebracht, dass es nur ein Mittel gibt,\ndem Mangel an guten Sängern abzuhelfen, nämlich: dass\nder Staat die Errichtung einer Opernschule in die\nHand nehme.\nDie Wirksamkeit der Privatlehrer wird meistens durch\ndie Mittellosigkeit der Schüler beschränkt, welche ihnen\nnicht gestattet, einen vollständigen, jahrelangen Cursus\ndurchzumachen. Da ich, selbst ohne Vermögen, nur durch\ndie Hochherzigkeit eines edlen Fürsten z,u einer künstleri-\nschen Ausbildung gelangte, so habe ich mich gern daran\nerinnert und dahin gearbeitet, Talente auszubilden, unter\nder Bedingung, dass dieselben, sobald sie ein Engagement\nerhalten würden, mir meine gehabte Mühe vergüten soll-\nten. Aber welch eine Menge von traurigen Erfahrungen\nhabe ich in dieser Hinsicht gemacht bei einer Reihe von\nachtzehn Schülern und Schülerinnen, deren Gesangbilduno*\n•i i ®\nich unter dieser Bedingung geleitet!\nNach Niederlegung meiner Stelle am Conservatorium\nhabe ich Pensionärinnen aufgenommen, welche sich im\nGesänge bei mir ausbilden. Mit seltenen Ausnahmen aber\nbleiben dieselben länger als ein Jahr, weil die Mittel zu\neiner weiteren Ausbildung fehlen, so dass ich auch hier\nwieder einige Talente, die sonst verkommen wären, auf\nmeine Kosten länger behalten und unterrichtet habe. Diese\nRücksichten haben aber natürlich bei jedem Gesanglehrer\nihre Gränze.\nWas leisten nun die Conservatorien? Diese Institute\nsind in Deutschland mehrentheils auf sich selbst angewie-\nsen, müssen durch sich selbst bestehen und sind in Folge\ndessen gezwungen, aufzunehmen, was eben kommt. Ob\nnun ein Schüler Talent hat oder nicht, der Lehrer muss\njedem gerecht werden, jedem gleiche Zeit, gleiche Aufmerk-\nsamkeit widmen. Thut nun eine Anstalt das Möglichste\nund lässt den betreffenden Schülern alle Tage Sologesang-\nO Do"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650121-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3597, "texte": "Unterricht ertheilen, so hat der Lehrer dennoch wenigstens\ndrei, wo nicht vier Schüler in der Stunde. Was kann er\nda leisten? Dabei kommt der Talentlose nicht vorwärts,\nder Talentvolle wird aufgehalten. Hier kann nicht der\nEinzelne, auch nicht eine Corporation helfen; die einzige\nHülfe kann nur der Staat gewähren. Aber wie?\nIch habe schon erwähnt, dass ein Hauptgrund des\nMangels an vollständig ausgebildeten Sängern darin zu su-\nchen ist, dass diejenigen, welche sich ausbilden wollen, in\nden meisten Fällen keine hinlänglichen pecuniären Mittel\nbesitzen, somit auch die Zeit zur Ausbildung nicht inne-\nhalten können, die selbst das bedeutende Talent zur ge-\nhörigen Keife nöthig hat. Der Staat hat also bei Grün-\ndung eines Instituts Bedacht darauf zu nehmen, dass der\nUnterricht unentgeltlich ertheilt werde.\nDie Mittel, welche der Lebensunterhalt ausserhalb des\nHeimatsortes während der Studienzeit verlangt, sind oft\nschon schwer aufzubringen, und werden unerschwinglich,\nwenn die Unterrichtskosten noch hinzutreten. Man nimmt\ndas Talent nicht immer aus der goldenen Wiege, und\ngerade Stimmen und dramatisches Talent findet man häu-\nfig in den weniger durch äussere Lage begünstigten Gas-\nsen des Volkes. Das Material und das Talent sind aller-\ndings die Ilauptfactoren und nächstdem der gründliche\ntechnische Unterricht. Allein der Beruf des Künstlers er-\nfordert auch denjenigen aussermusicalischen Unterricht,\nwelcher ihm die allgemeine Bildung verschafft, ohne wel-\nche er sein Ziel nicht erreichen kann. Bekanntlich ist die\nSorge lür diese allgemeine Bildung auf den meisten Con-\nservatorien gleich Null. Die Staats-Anstalt hätte also auch\nSorge zu tragen, dass dem Schüler neben der musicali-\nschen Ausbildung auch wissenschaftliche, so weit sie in sein\nFach schlägt, zu Theil werde. Denn wenn der Geist das\nBessere kennen lernt, das Herz für edlere Gefühle em-\npfänglich gemacht wird, so wird sich auch bald der ästhe-\ntische Sinn herausbilden, der alles Gemeine verschmäht,\nwie es jeder echte und wahre Künstler soll. Die Kosten\neines solchen Instituts sind nicht in Anschlag zu bringen\nund werden immer noch in sehr untergeordnetem Verhält-\nnisse stehen, wenn auch die Unterstützung der Kunst\neben so eine Wahrheit wird, wie die Unterstützung der\n©\nWissenschaft. Alsdann wird die Hauptsorge sein, be-\nwährte Gesanglehrer anzustellen.\nWill man wahrhaft tüchtige Kräfte gewinnen, und\nsollen diese der Anstalt wirklich von Nutzen sein, so ist dies\nnur in dem Falle möglich, wenn der Lehrer so ge-\nstellt wird, dass er seine ganze Thätigkeit ein-\nzig und allein der Anstalt widmet.\nIn diesem Punkte haben noch alle Anstalten gefehlt.\nDas Publicum setzt natürlich voraus, und mit Recht, dass\nein Institut die besten Lehrer habe. Der Reiche nun wird\nzuerst nach diesen Lehrern zum Privat-Unterrichte für\nseine Angehörigen greifen, und die Lehrer werden diesen\nUnterricht, der ihnen am meisten einbringt, mit Freuden\nertheilen. So wird der Lehrer bei Zunahme der Privat-\nstunden die Anstalt bald als Nebensache betrachten, ja,\nihr vielleicht ganz entsagen. Das Institut darf also bei An-\nstellung der Gesanglehrer keine Kosten scheuen, es mus;i\ndenselben eine ganz sorgenfreie und anständige Existenz\nbieten. Nur dann werden wirklich gute Lehrer zu gewin-\nnen sein, die auch mit Freuden ihre ganze Kraft und\nThätigkeit dem Institute widmen. Die Mehr-Ausgabe wird\nsich bald ausgleichen, wenn durch Heranbildung und Ver-\nmehrung tüchtiger Gesangkünstler die auf eine so enorme\nHöhe gestiegenen Gagen bei den Theatern, welche der\nStaat unterstützt, wieder auf einen niedrigeren Stand\nkommen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-01-21-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-01-21_01#c004", "volume": "bmtnabi_1865-01-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "22", "page_fin": "24", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650121-01.2.4", "titre_corps": "Aus Schwerin.", "titre_sommaire": "Aus Schwerin.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650121-01.1.6", "debut_caractere": 3599, "fin_caractere_exclue": 5185, "texte": "Aus Schwerin.\nDen 12. Januar 1865.\nIn der Mitte des Winters angelangt, gestatten Sie\nmir, Ihnen eine kurze Uebersicht unserer bisherigen mu-\nsicalischen Erlebnisse zu geben. Unser musicalisches Le-\nben ist zum weitaus grössten Theile von dem Hoftheater\nabhängig und beeinflusst. Seit der Berufung des Hof-Ca-\npellmeisters Schmitt ward unter dessen Einfluss und we-\nsentlicher Mitwirkung die Hoftheater-Capelle reorganisirt\noder eigentlich überhaupt erst organisirt. Nachdem Jahre\nhindurch in musicalischer Beziehung, abgesehen von der\nOper, eine völlige Oede bei uns geherrscht hatte, wurden\nseitdem jährlich vier Abonnements-Concerte von der gross-\nherzoglichen Intendantur veranstaltet; dazu sind regel-\nmässig von dem Hof-Capellmeister Schmitt im Vereine\nmit den ersten Künstlern der Capelle vier Soireen für\nKammermusik unternommen, und es scheint allmählich\nzu gelingen, musicalisches Interesse und Verständniss bei\nunserem Publicum hervorzurufen. Seit 1863 sind zu die-\nsen Concert-Instituten noch die Aufführungen eines Ge-\nsangvereins hinzugetreten, der sich nach längeren Vorbe-\nreitungen, z.B. Mitwirkung von Dilettanten in den Abon-\nnements-Concerten und bei den drei seit 1840 veranstal-\nteten mecklenburgischen Musikfesten, endlich vor zwei\nJahren unter der Direction des Hof-Capellmeisters Schmitt\nselbständig constituirt hat, und dem wir bereits eine An-\nzahl genussreicher Abende verdanken. Zu diesen Concer-\nten kommt dann im Laufe des Winters gewöhnlich noch\nein Kirchen-Concert des grossherzoglichen Schlosskirchen-\nChors (Musik-Director Kade), wie es auch an fremden"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650121-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5359, "texte": "Künstlern gewöhnlich nicht ganz fehlt, so dass wir eine im\nVerhältnisse zur Grösse unserer Stadt recht ansehnliche\nZahl von Concert-Aufführungen aufweisen können.\nIn den beiden vor Weihnachten Statt gehabten Abon-\nnements-Concerten kamen nun zur Aufführung: zwei Sin-\nfonieen (Schumann B-dur, N. Burgmüller D-dur, neu),\nzwei Ouvertüren (Schumann Genofeva, Reinecke Dame\nKobold, beide zum ersten Male), Beethoven s Tripel-Con-\ncert (Hol-Capellmeister Schmitt, Hof-Concertmeister\nZahn, Hof-Capellist Bellmann), Clavier-Concert in\nmoll von Mendelssohn (Schmitt), Concert in von\nBeethoven und Solostücke für Ciavier von Schumann und\nMendelssohn (Frau Clara Schumann). An Vocalmusik\nhörten wir von Frau Dr. Küster die Sextus-Arie aus\nMozart's Titus (Feurig u. s. w.) und Lieder von Schubert\nund Taubert, so wie von Fräulein Reiss die Scene und\nArie aus Lucio Veno von Gluck: „Berenice, ach, wo bist\ndu?\" (neu). Den Schluss des zweiten Concertes bildete\neine Composition unseres Hof-CapellmeistersSchmitt: Fest-\nmarsch und Scene für Sopran und Chor aus einem bei\nGelegenheit der Vermählungsfeier unseres Landesherrn\nim Mai vorigen Jahres aufgeführten, von Putlitz gedichte-\nten Festspiele: „Maienzauber\". In dem ersten Kammer-\nmusik-Concerte ward das B-dur-Quartett aus Beethoven's\nOp. 18 (Zahn, Musik-D irector Härtel, Hof-Capellisten\nKupfer und Bellmann) und Schumann's Clavier-Quartett\n(Schmitt, Zahn, Kupfer, Bellmann) geboten ; daneben lern-\nten wir eine junge Pianistin, Fräulein Ali de Tapp, in\nSolo-Vorträgen von Liszt und Tausig kennen. Endlich\nhörten wir in einer Soiree der Gebrüder Müller drei Quar-\ntette: Haydn D-dur,Mendelssohn Op. 12, und\nBeethoven C-dur, Op. 59.\nIn Bezug auf die Ausführung dieser Compositionen\nbrauchen wir über unsere berühmten und allbekannten\nGäste kein Wort zu verlieren. Fräulein Tapp erwies sich\nals ein ungewöhnliches Talent, im Besitze hervorragender\nTechnik, dem wir bei richtiger Leitung der weiteren\nStudien eine bedeutende Zukunft prophezeien möchten.\nVon unseren einheimischen Kräften sind zunächst die Lei-\nstungen des Orchesters auszuzeichnen. Unter der Führung\nseines trefflichen Dirigenten ist das Ensemblespiel unseres\nOrchesters zu einem hohen Grade von Vortrefflichkeit\nherausgebildet; das künstlerische Leben, die geistige Auf-\nlassung, die in allen Productionen desselben herrscht,\nbraucht keinen Vergleich mit den anerkanntesten Concert-\nInstituten zu scheuen. Auch als Clavier-Virtuose verläugnet\nSchmitt den geistreichen Musiker nie; er ist aber, wie uns\nscheinen will, dies immer in erster Linie und erst in zwei-\nter Virtuose. Unser Quartett, dessen Zusammensetzung\noben genannt ist, besteht aus tüchtigen Musikern, die in\ntechnischer wie geistiger Beziehung den schwierigsten\nAufgaben gerecht werden. Der Hof-Concertmeister Zahn,\nals Führer der Geigen im Orchester durch seinen marki-\ngen, Alles beherrschenden Ton unübertrefflich, zeichnet\nsich auch als Solospieler durch tadellose Intonation und\nvollendete Technik aus; zu wünschen bliebe vielleicht ein\nwenig mehr Idealität. Musik-Director Härtel's Geige ist\nkleiner im Tone, sein Vortrag vielleicht eleganter, salon-\nmässiger zu nennen. Einen trefflichen Violoncellisten be-\nsitzen wir seit dem vorigen Winter in Herrn Richard\nBellmann, vorzüglich im Quartett durch den vollen\nKlang des Instrumentes; ohne sich hervorzudrängen, stets\nden sicheren Grund des ganzen Gebäudes legend, zeigt er\nauch als Solospieler sich allen Anforderungen gewachsen.\nIn eben so guten Händen befindet sich seit Jahren schon\ndie Viola bei dem Herrn Kupfer.\nDer Gesangverein veranstaltete kurz vor Weihnachten\neine wohlgelungene Aufführung von Mendelssohn's Elias.\nBei seinem jedesmaligen öffentlichen Auftreten zu grösse-\nrer Tüchtigkeit fortschreitend, ist der Verein jetzt so weit\ngelangt, dass die Mendelssohn'schen Chöre von ihm mit\nvoller Wirkung und in einer Weise gesungen werden\nkonnten, dass auch strengeren Anforderungen genügt\nwurde. Die Leistung des Herrn Sabbath aus Berlin als\nEl ias hat in diesem Blatte erst im vorigen Monate gerechte\nWürdigung gefunden; die übrigen grösseren Solo-Partieen\nwurden von Mitgliedern unserer Oper, dem Herrn Schül-\nler und den Damen Fräulein Barn und Fräulein Reiss,\nvorgetragen. Alle drei bewegten sich auf dem ihnen ihrem\nganzen Berufe nach ferner liegenden Gebiete mit entschie-\ndenem Glücke, so dass die Aufführung einen durchaus\nbefriedigenden harmonischen Eindruck hinterliess. Herr\nSchüller, ein talentvoller, mit metallreicher Stimme be-\ngabter lyrischer Tenor, liess Neigung zu einer gewissen\nempfindsamen Vortragsweise merken, vor deren Ueber-\nhandnehmen ich ihn im eigenen Interesse warnen möchte.\nSie werden bei Durchlesung dieses Berichtes ohne\nZweifel ausrufen: Nun, das sind ja bei Ihnen paradiesische\nZustände, Alles vortrefflich bestellt und nirgend etwas\nbesser zu wünschen! Das wäre nun gerade meine Mei-\nnung nicht. Allein zu tadeln ist leicht, und die Wünsche\nnach Besserem schienen mir in einem kurzen Berichte für\nein auswärtiges Blatt, wie der vorstehende, nicht gerade\nam passendsten Platze. Hier kam es mir vor Allem darauf\nan, einen Abriss unseres musicalischen Lebens in den ver-\nflossenen Monaten zu geben, und dass in dem, was bei\nuns geschieht, des Lobenswerthen sehr viel sich findet,\ndas würde auch der Uebelwollende anerkennen müssen.\nUnd dass alles dies durch die Energie und rastlose Thä-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650121-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 144, "texte": "tigkeit des Ilof-Capellmeisters Schmitt ins Leben gerufen\nund geschaffen ist, halte ich mich zum Schlüsse noch ver-\npflichtet, hervorzuheben. —4"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-01-21-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-01-21_01#c005", "volume": "bmtnabi_1865-01-21_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "24", "page_fin": "24", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650121-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650121-01.1.8", "debut_caractere": 146, "fin_caractere_exclue": 5849, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\n*** Potsdam, im December 1864. Am 3. November eröff-\nnete Herr Musik-Director F. W. Voigt die Reihe seiner auch für\ndiesen Winter angekündigten Abonnements-Concerte. Aus dem dicht\ngefüllten Saale Barberini gab sich die wachsende Theilnahme unse-\nrer Musikfreunde für diese Concerte aufs Neue kund. Im ersten der-\nselben begrüssten wir freudig Fräulein Rosa Schweitzer in dem\nVortrage einer Arie aus „Titus\" und zweier Lieder von Eckert und\nSieber, womit sie uns, obgleich Anfangs etwas befangen, dennoch\naber mit vortrefflicher Intonation und geschmackvollem Vortrage er-\nfreute. Herr Zürn wusste sich durch sein gewandtes, graziöses Cello-\nspiel in dem Vortrage von Compositionen von Servais und Fran-\nchomme sehr in Gunst zu setzen. Hierzu traten nun Herr Voigt und\nseine von ihm trefflich organisirte und mit eben so bekannter Um-\nsicht geleitete Capelle, und ergriff uns mächtig mit der F-dur-Sin-\nfonie von Beethoven, der Athalia-Ouverture von Mendelssohn, so\nc\nwie der „Najaden\" von Sterndale Bennet. Das zweite Concert\nlehrte uns einen Schüler des rühmlich bekannten Teschner, Herrn\nLewinsky aus Berlin, kennen, der mit lieblich weicher Stimme\nRecitativ und Arie aus Iphigenia, ferner Lied von Abt und endlich\nMendelssohn's tief inniges „Sei getreu bis in den Tod\" vortrug.\nFräulein Erikka Lie aus Christiania, Schülerin von Prof. Kullak,\nfolgte ihm und spielte den zweiten und dritten Satz des C-moll-\nConcertes von Chopin in wahrhaft bewundernswerter Weise; die\njugendliche, anspruchslose Künstlerin spielte dann zum Schlüsse noch\nzwei Compositionen von Liszt, welche wir lieber mit einer geistrei-\nchen Chopin'schen Composition vertauscht gesehen hätten. Die Sin-\nfonie in F-dur von Wuerst und die Oberon-Ouverture wurden exaet\nund feurig ausgeführt. Das dritte Concert brachte uns Mozart's\nimmer wunderbar ergreifende das Scherzo aus Men-\ndelssohn's Sommernachtstraum und die stets gern gehörte Tell-Ouver-\nture von Rossini. Fräulein v. Facius gewann durch den Liebreiz\nihrer Stimme und vortrefflichen Vortrag einiger Gesänge von Ros-\nsini, Reinecke, Schumann und eines spanischen Volksliedes (Die Po-\nstillons-Braut) sich die Herzen der anwesenden Hörer; und der vier-\nzehnjährige Harfenist Franz Poenitz aus Berlin (Schüler des Kam-\nmermusikers Grimm) bereicherte das an sich schon werthvolle Pro-\ngramm durch das Spiel einer von ihm componirten Phantasie und\ndes Feentanzes von Parish Alvars auf der Pedalharfe. Die jugend-\nliche Unbefangenheit des Spielers und seine ungewöhnlichen Leistun-\ngen auf diesem den Concerten fast ganz entzogenen Instrumente\nriefen ungewöhnlichen Beifall hervor, und sowohl Fräulein v. Facius\nals der Harfen-Virtuose dankten beide für den stürmischen Beifalle\nin liebenswürdiger Weise durch Zugaben. Wir sehen den folgenden\nConcerten mit gespannten Erwartungen entgegen.\nMainz« Herr Commercienrath Franz Schott, der Chef der\nMusik-Verlagshandlung B. Schott's Söhne, ist vom Grossherzog\nzum Bürgermeister der Stadt Mainz ernannt worden.\nProgramm des zwölften GewandhausrConcertes in Leipzig:\nOuvertüre Nr. 3 zu „Leonore\" von Beethoven; Arie aus „Semele\"\nvon Händel, gesungen von Fräulein Gastoldi aus Paris; Clavier-\nConcert in G-dur von Beethoven, vorgetragen von Herrn Satter;\nSinfonie in drei Sätzen von W. St. Bennett (neu, Manuscript),\nunter Direction des Componisten; Arie aus „Mitrane\" von Rossi,\ngesungen von Fräulein Gastoldi, und Solostücke für Pianoforte,\nvorgetragen von Herrn Satter.\nHüliclteil. R. Wagner's „Tristan und Isolde\" soll von\nder Hoftheater-Intendanz wirklich angekauft und für die Partie der\nIsolde die Gattin des Tenoristen Schnorr von Carolsfeld, geb.\nGarigues, welche schon seit einigen Jahren die Bühne verlassen\nhat, in Aussicht genommen sein.\nDie beiden Concerte der Uli man'sehen Künstler-Gesellschaft\nhaben am 9. und 11. d. Mts. im grossen Odeonsaale in München,\nder bis in alle Winkel gefüllt war, Statt gefunden. Fräulein Car-\nlotta Patti's Leistungen erregten ungeheuren Enthusiasmus, so\nwie auch die ausserordentlichen Verdienste der Herren Jae\nVieuxtemps und Steffens die vollste Würdigung fanden. In\nBerücksichtigung dieses ausserordentlichen Erfolges gab Herr Ull-\nman am Freitag den 13. d. Mts. noch ein drittes und letztes\nConcert.\nZu München sind im abgelaufenen Jahre im k. Hof- und\nNational-Theater 243 und im k. Residenz-Theater 60 Vorstellungen\ngegeben worden. Es wurden 232 Schauspiele, 126 Opern, 21 Ballets\nund ein Concert gegeben. Zum ersten Male aufgeführt wurden zwei\nOpern („Sonntagsfeier\" und der „Fliegende Holländer\"), 16 Schau-\nspiele und ein Ballet, und neu einstudirt und in Scene gesetzt wur-\nden 28 Stücke. Unter den Opern-Wiederholungen sind: Adam 1\nMal, Rossini 2 Mal, Auber 4 Mal, Wagner 5 Mal, Weber 6 Mal,\nGounod 7 Mal; und unter den Schauspiel-Wiederholungen finden\nsich: Gutzkow, Kobell, Laube, Redwitz je 1 Mal, Lessing 4 Mal,\nSchleich 7 Mal, Birch-Pfeiffer 8 Mal, Scribe 8 Mal, Goethe 10 Mal,\nShakespeare 12 Mal und Schiller 13 Mal.\nWien. Wir hören, dass die Direction des Hof-Operntheaters\nnoch vor Beginn der italiänischen Saison mehrere dramatische und\nColoratursängerinnen dem Suffrage universel des Publicums unter-\nziehen werde, um möglicher Weise den lückenhaften Primadonnen-\nStatus zu completiren. Fräulein Bettelheim soll noch im Laufe\ndieses Monats die Fides singen; auch der „Fidelio\" mit Herrn Wal-\nter als Florestan soll schon auf das nächstwöchentliche Repertoire\ngesetzt werden. Noch wird vor Ablauf der Saison die Wiederauf-\nnahme der „Vestalin\" beabsichtigt.\nSeit Laube1 s Direction, also seit vierzehn Jahren, sollen im\nBurgtheater zu Wien 3166 Stücke eingereicht worden sein. Wie\nviel, oder besser, wie wenig davon waren wohl aufführbar?"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650121-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nPersönliche Verhältnisse grosser Meister zu einander. Ist die Gesangkunst wirklich in Verfall? Welches sind die Ur-\nSachen desselben und welches sind die Mittel, ihm entgegenzuarbeiten? Aphorismen von Ernst Koch. Aus Schwerin (Musik-Auf-\nführungen). Von —4—. Tages- und Unterhaltungsblatt (Potsdam, Abonnements-Concerte Mainz, Herr Franz Schott\nLeipzig, Gewandhaus-Concert München, „Tristan und Isolde\", Ullman's Concerte, Theater Wien, Hof-Operntheater).\n\nPersönliche Verhältnisse grosser Meister zu\neinander.\nDie Künstler gelten im Allgemeinen für Egoisten. In\ngewisser Hinsicht müssen sie es sein, wenn nämlich von\neinem Festhalten und rücksichtslosen Verfolgen ihrer\nkünstlerischen Richtung die Rede ist. Das Selbstgefühl des\ninneren Berufes kann sich aber allerdings auch täuschen,\nes kann, wie das bei mittelmässigen Talenten oft der Fall\nist, sich überschätzen; wo es aber durch Prüfung und Ar-\nbeit zu einer Ueberzeugung geführt hat, ist die Treue für\ndiese Ueberzeugung, selbst wenn sie irrt, nicht bloss ach-\ntungswerth, sondern nolhwendig, weil ohne sie nichts Ur-\nsprüngliches, nichts Grosses in der Kunst erzeugt werden\nkann. So spielen denn Ueberzeugungstreue und Egoismus\nder Künstler häufig in einander und treten bei ihnen in\nden Verhältnissen zu ihren Zeit- und Berufsgenossen\nin mehr oder weniger schroffen Formen zu Tage. Die\nWelt ist leider nur zu sehr geneigt, die daraus entsprin-\ngenden Erscheinungen unedlen Beweggründen, wie Neid\nund Eifersucht, zuzuschreiben, und weil der Klatsch stets\nder Menge willkommen ist und die Mittelmässigkeit sich\nimmer freut, wenn sie den Ausgezeichneten etwas anhän-\ngen kann, so pflanzen sich dahin einschlagende Erzählun-\ngen und Anekdoten von Geschlecht zu Geschlecht fort, und\nViele, welche die Schöpfungen eines grossen Künstlers oft\ngar nicht kennen, geschweige denn sich über den Geist,\nder darin lebt, zu unterrichten streben, behalten dennoch,\nwenn sie irgendwo gehört oder gelesen haben, dass er die-\nsen oder jenen von seinen Zeitgenossen nicht habe leiden\nkönnen, was ihnen dann als eine genügende Charakteristik\ndes Mannes gilt!\nDass am meisten unter allen Künstler-Geschlechtern\nder Vorwurf des unduldsamen und missgünstigen Egois-\nmus den Zunftgenossen der Tonkunst (Componisten und\nVirtuosen) und der Schauspielkunst (Opernsängern und\nDarstellern des recitirenden Drama's) gemacht wird, ist\nThatsache, und der Vorwurf ist freilich im Allgemeinen\nnicht unbegründet. Man hat nicht viele Beispiele von Com-\nponisten, die über einen Nebenbuhler ihres Ruhmes sich\nso aussprechen, wie Haydn über Mozart, als ihn die\nprager Landstände aufforderten, eine Oper für ihr Theater\nzu schreiben. Er lehnte das Anerbieten ab und schrieb:\n„Sie haben ja dort den grossen Mozart. Könnte ich jedem\nMusikfreunde, besonders aber den Grossen, die unnach-\nahmlichen Arbeiten Mozart's so tief und mit einem solchen\nmusicalischen Verstände, mit einer so grossen Empfindung\nin die Seele prägen, als ich sie begreife und empfinde, so\nwürden die Nationen wetteifern, ein solches\nKleinod zu besitzen. Prag soll den theuren Mann fest-\nhalten, aber auch belohnen; denn ohne dieses ist die Ge-\nschichte grosser Genie's traurig, wesswegen leider so viele\nhoffnungsvolle Geister danieder liegen. Mich zürnt es,\ndass dieser einzige Mozart noch nicht bei einem kaiser-\nlichen odei königlichen Hofe engagirt ist!\"*) Wie oft\ndürfte der Zorn im umgekehrten Falle schon wach gewor-\nden sein und noch jetzt wach werden, wo in der Regel\nJeder sich selbst für den würdigsten hält, jedwede Stel-\nlung auszufüllen!\nUm so mehr ist es Pflicht, den traditionel gewordenen\nVerleumdungen grosser Tonkünstler in ihren persönlichen\nVerhältnissen zu einander entgegen zu treten. Zu den ohne\nWeiteres geglaubten Dingen gehört z. B. auch das Miss-\nverhältniss zwischen Carl Maria von Weber und\nBeethoven.\nAllerdings ist Weber nicht ganz ohne Schuld an dem\nEntstehen dieser Sage, indem er eine Jugendsünde gegen\ndie Sinfonia eroica begangen, die er in einer Art von\nhumoristischem Reiseberichte arg mitnahm. So unbegreif-\nlich dies auch bei einem so begabten, wenn auch jungen\n\n*) Gerber, Neues Lexikon, 11., S. 555."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650121-01.1.2", "texte": "Musiker ist, den wohl nur die Lust, pikant zu sein,\nstachelte, so hat Weber doch bald seine hohe Verehrung\nfür Beethoven so deutlich an den Tag gelegt, dass man\nsieht, wie sehr er jene jugendliche Unbedachtsamkeit be-\nreut hat. Aber, wie wir oben gesagt haben, das Schlimme\nwucherte fort und das Gute erfuhr Niemand, oder es\nwurde überhört und vergessen.\nDas Gute war aber Folgendes:\nKaum war Wilhelmine Schröder auf Weber's Ver-\nanlassung in Dresden angestellt, so betrieb dieser die Auf-\nführung von Beethoven's „Fidelio\", die er übrigens auch\nschon in Prag ins Werk gesetzt hatte. Er setzte sich dess-\nhalb mit Beethoven in Correspondenz, und seine Tages-\nNotizen weisen nach, dass er in Betreff des „Fidelio\" am\n28. Januar, 18. Februar, 7. April und 5. Juni 1823 an\nBeethoven schrieb und von ihm am 16. Februar, 10. April\nund 9. Juni Briefe empfing. Zum grossen Verluste für\nd e Kunst ist diese Correspondenz zwischen zwei Meistern\nersten Banges über ein Werk von höchster Bedeutung bei\nder sorglosen Behandlung des schriftlichen Nachlasses\nWeber's durch die Curatoren der Familie spurlos ver-\nschwunden. Nur ein Bruchstück, der Anfang des ersten\nBriefes von Weber an Beethoven (vom 28. Januar), ist\nim Concepte vorhanden geblieben. Diese wenigen Zeilen\nsind aber genug, einen der edelsten Züge von Weber's\nHerzen, die kindliche, neidlose Bewunderung des Grossen\nund seine hohe Verehrung vor dem Genius des grössten\ndeutschen Componisten in liebenswürdigster Weise zu\nverkünden. Er schreibt:\n„Die Aufführung dieses mächtig für deutsche Grösse\nund Tiefe des Gefühls zeugenden Werkes unter meiner\nDirection in Prag hat mir die eben so begeisternde als\nbelehrende Vertrautheit mit seiner inneren Wesenheit er-\nschlossen, durch die ich hoffen darf, es auch hier, mit al-\nlen Hülfsmitteln möglichst versehen, dem Publicum in sei-\nner vollen Wirksamkeit vorführen zu können. Jede Vor-\nstellung wird ein Festtag sein, an dem es mir erlaubt ist,\nIhrem erhabenen Geiste die Huldigung darzubringen, die\nim Innersten meines Herzens für Sie lebt, und wo Ver-\nehrung und Liebe sich den Vorrang streitig machen.\"\nDer grosse Meister, nicht unempfindlich für die ihm\nentgegengebrachte so echte Bewunderung, scheint Weber\nin so freundlicher Weise, als es ihm thunlich war, geant-\nwortet zu haben, denn es entspannen sich aus dieser Cor-\nrespondenz zwischen Beiden so freundschaftliche Beziehun-\ngen, dass der rauhe und jeder Heuchelei unfähige Alt-\nmeister in einem Briefe an Könneritz vom 17. Juli 1823,\nmit dem er ihm die Quittung über das für „Fidelio\" em-\npfangene Honorar von 40 Ducaten sendet, sich der Worte\nbedienen durfte: „ nach der Schilderung meines lie-\nben Freundes Maria Weber's\" u. s. w.\nDieses freundliche Verhältniss erhielt noch mehr\nWeihe und Festigung durch das persönliche Bekanntwer-\nden der beiden Tonkünstler. Alles, was Schindler und\nAndere über Antipalhieen, ja, Differenzen zwischen Beet-\nhoven und Weber erzählt haben, sind hiernach zu berich-\ntigende, böswillig oder unwissend erfundene Fabeln.\nWeber erhielt die Partitur des „Fidelio\" von Beet-\nhoven selbst am 10. April und brachte die Oper am 29.,\nmit Wilhelmine Schröder in der Titelrolle, nach vierzehn,\nmit besonderer Sorgfalt geleiteten Proben zur Aulführung.\nDie junge Sängerin übertraf die von der Tochter der\nSchröder gehegten Erwartungen. Obgleich sie damals weit\ndavon entfernt war, das grossartige, so rein künstlerisch\nabgerundete Bild des heroischen Weibes zu geben, das\nwir alle an ihr bewundert haben, so trug sie doch wesent-\nlich zum mächtigen Erfolg der Oper bei*).\nAls darauf Weber im Spätsommer 1823 zur Auffüh-\nrung seiner Euryanthe nach Wien kam, hörte er, dass\nBeethoven zu dem Musik-Verleger Steiner gesagt hatte:\n„Es freut mich, dass Sie wieder ein deutsches Werk ver-\nlegen. Ich habe viel Gutes von Weber's Oper gehört. Ich\nhoffe, sie wird ihm und Ihnen viel Geld und Ehre ein-\nbringen.\"\nBeethoven hatte früher, als Weber's Freischütz so\nviel Aufsehen erregte, die Partitur durchgelesen und in\nGegenwart von Freunden geäussert: „Das sonst weiche\nMännel, ich hätt's ihm nimmermehr zugetraut! Nun muss\nder Weber Opern schreiben: gerade Opern; eine über\ndie andere und ohne viel daran zu knaupeln! Der Caspar,\ndas Unthier, steht da wie ein Haus. Ueberall, wo der Teu-\nfel die Tatzen reinstreckt, da fühlt man sie auch!\"\nUnd als ihn Jemand an das zweite Finale und das\nmusicafisch Unerhörte darin erinnerte, sagte er:\n„Ja, damit ist's freilich auch so; aber mir geht es\ndumm damit. Ich sehe freilich, was Weber will, aber er\nhat auch verteufeltes Zeug hinein gemacht! Wenn ich's\nlese wie da bei der wilden Jagd —so muss ich lachen\nund es wird doch das Bechte sein —\".\nDurch Haslinger angemeldet, fuhr Weber mit diesem\nund Benedikt am 5. October nach Baden hinaus, wo\nBeethoven wohnte.\nDie drei Männer waren erregt, als sie in das öde, fast\närmliche Zimmer traten, das der grosse Ludwig bewohnte.\nDer Baum war in der grössten Unordnung. Musik, Geld,\nKleidungsstücke auf dem Fussboden, auf dem unsauberen\nBette Wäsche gehäuft, der offenstehende Flügel mit\n\n*) C. M. von Weber. Ein Lebensbild. 11. S. 465 ff."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "19", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650121-01.1.3", "texte": "i\ndickem Staube bedeckt, zerbrochenes Kaffeegeschirr auf\ndem Tische.\nBeethoven trat ihnen entgegen.\nBenedikt sagt: So muss Lear oder die ossianischen\nBarden ausgesehen haben. Das Haar dick, grau, in die\nHöhe stehend, hier und da ganz weiss, Stirn und Schädel\nwunderbar breit gewölbt und hoch, wie ein Tempel, die\nNase viereckig, wie die eines Löwen, der Mund edel ge-\nformt und weich, das Kinn breit, mit jenen wunderbaren\nMuschelfalten, die alle seine Portraits zeigen, und aus zwei\nKinnbackenknochen gebildet, die dafür geschaffen schie-\nnen, die härtesten Nüsse knacken zu können. Ueber das\nbreite, blatternarbige Gesicht war dunkele Rothe verbrei-\ntet, unter den finster zusammengezogenen, buschigen\nBrauen blickten kleine, leuchtende Augen mild auf die\nEintretenden, die cyklopisch viereckige Gestalt, welche die\nWeber's nur wenig überragte, war in einen schäbigen,\nan den Aermeln zerrissenen Hausrock gekleidet.\nBeethoven erkannte Weber, ehe er ihm genannt war,\nschloss ihn in die Arme und rief: „Da bist du ja, du Kerl,\ndu bist ein Teufelskerl! Grüss' dich Gott!\" und nun reichte\ner ihm gleich jene berühmte Schreibtäfel, und es entspann\nsich ein Gespräch, während dessen Beethoven zunächst die\nMusicalien vom Sopha warf und dann sich ungenirt in\nGegenwart seiner Gäste zum Ausgehen ankleidete.\nBeethoven klagte bitter über seine Lage, schimpfte\nauf die Theater-.Verwaltung, die Concert-Unternehmer,\ndas Publicum, die Italiäner, den Geschmack, besonders\naber über die Undankbarkeit seines Neffen. Weber, der\nsehr bewegt war, rieth ihm, sich diesen widerlichen, ent-\nmutigenden Verhältnissen zu entreissen und eine Kunst-\nreise durch Deutschland zu machen, wo er sehen werde,\nwas die Welt von ihm halte. „Zu spät!\" rief Beetho-\nven, machte die Pantomime des Clavierspielens und schüt-\ntelte den Kopf. „So gehen Sie nach England, das Sie be-\nwundert!\" schrieb Weber. „Zu spät!\" schrie Beethoven,\nnahm Weber demonstrirend unter die Arme und zog ihn\nmit nach dem Sauerhofe, wo er speiste.\nHier war Beethoven ganz Herzlichkeit und Wärme\ngegen Weber. Dieser schreibt:\n„ Wir brachten den Mittag miteinander zu,\nsehr fröhlich und vergnügt. Dieser rauhe, zurückstossende\nMensch machte mir ordentlich die Cour, bediente mich\nbei Tische mit einer Sorgfalt, wie seine Dame. Kurz, die-\nser Tag wird mir immer denkwürdig bleiben, so wie allen,\ndie dabei waren. Es gewährte mir eine eigene Erhebung,\nmich von diesem grossen Geiste mit so liebevoller Achtung\nüberschüttet zu sehen\" u. s. w.\nBeethoven lenkte das Gespräch auf „Euryanthe\", was\nWeber indess ablehnte. Da fragte Beethoven Haslinger\nüber den Tisch: „Wie ist das Buch?\" und während We-\nber aufschrieb: „Ganz erträglich, voll schöner Stellen\",\nhalte Beelhoven Haslinger's Kopfschütteln gesehen, lachte\nlaut auf und rief: „Immer die alte Geschichte! die deut-\nschen Dichter können keinen guten Text zusammenbrin-\ngen!\" „Und Fidelio?\" schrieb Weber. „Das ist ein fran-\nzösisches Original.\" sagte Beethoven, „ins Italiänische und\ndann erst ins Deutsche übersetzt.\" „Und welche Texte\nhalten Sie für die besten?\" fragte Weber. „Vestalin und\nWasserträger!\" rief Beethoven ohne Besinnen.\nBeim Abschiede umarmte und küsste Beethoven We-\nber mehrere Male, behielt lange seine schmale Hand in\nseiner Faust und riel: „Glück auf zur neuen Oper! Wenn\nich kann, komme ich zur ersten Aufführung!\"\nTief bewegt und erhoben kehrte Weber nach Wien\nzurück *).\nLeider wurde dieses Verhältniss der beiden grossen\nMänner zu einander nachher durch Zwischenträgereien.\no \"\nwobei besonders die oben erwähnte Jugendsünde Weber's\ngegen die Eroica, von der Beethoven nichts gewusst zu\nhaben scheint, gegen Weber benutzt wurde, in so fern\nwieder gestört, dass beide brieflich nicht mehr mit ein-\nander verkehrten. Niemals sind sie sich jedoch irgendwie\nhindernd in den Weg getreten.\n•\n\nIst die Gesangkunst wirklich in Verfall! Welches\nsind die Ursachen desselben und welches sind die\nMittel, ihm entgegenzuarbeiten!\nAphorismen von Ernst Koch\n**).\nIch erinnere mich, gelesen zu haben, dass Righini\neinst geäussert, zum Singen gehöre dreierlei: erstens\nStimme, zweitens Stimme, drittens Stimme. Will man die-\nsen Ausspruch gellen lassen, so wird man zu fragen ha-\nben : Fehlt es an Stimmen?\n\n*) C. M. v. Weber von Max M. v. Weber. 11. S. 509 ff.\n**) Seit Jahren ist über diesen Gegenstand so viel geschrieben\nworden, nie hat es mehr instructive Werke und Bildungs-Anstalten\ngegeben, als heutzutage, und nie ist der Mangel an guten Sängern\nfühlbarer gewesen, als in gegenwärtiger Zeit. Diese Thatsache steht\nfest, und die Frage: Woher kommt das? drängt sich unwillkürlich\nauf. Ob ich diese Frage erschöpfend und zu eines Jeden Zufrieden-\nheit beantworten werde, möchte ich bezweifeln, zumal, da die An-\nsichten über diesen Punkt so verschieden sind. Was ich hier nie-\nderschreibe, ist meine Ueberzeugung, die ich in den sechszehn Jah-\nren, in welchen ich als Gesanglehrer thätig gewesen bin, gewonnen\nhabe. Ich schreibe sie nieder in einer Zeit, wo man vielfach und\nernstlich bemüht ist, dem Uebel eine Wendung zum Besseren zu\ngeben. Ich schreibe sie nieder in der Absicht, dass ich eine gute\nSache fördern helfen möchte.\nKöln, im December 1864. E» K.\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650121-01.1.4", "texte": "Ueber den Mangel an guten Stimmen hört man häu-\nfig klagen, und trotz der enormen Gagen, welche die In-\nstitute ersten Ranges zahlen, können selbst diese nicht hin-\nreichende Kräfte gewinnen, um ein Kunstwerk in den er-\nsten, noch weniger in den zweiten und dritten Partieen so\nzu besetzen, dass es in allen seinen Theilen würdig zur\nAusführung komme.\nWas den Mangel an Stimmen betrilTt, so widerspreche\nich dem ganz entschieden, wage sogar, zu behaupten, dass\nkein Land mehr und schönere Stimmen hat. als Deutsch-\nland. Was uns mangelt, sind eben Sänger, d. h. vollkom-\nmen ausgebildete, trefflich geschulte Sänger. Mit dieser\nBehauptung nun, dass es uns nicht an Stimmen, wohl aber\nan Sängern fehlt, muss ich gleich eine andere Frage in\nVerbindung bringen, weil sie als Ursache obiger Behaup-\ntung aufgestellt wird, die nämlich: Fehlt es uns in\nDeutschland an guten Gesanglehrern?\nÜass die Zahl der guten, d. h. im Gesänge gründlich\nund vollständig ausgebildeten, durch die Erfahrung be-\nwährten Gesanglehrer nicht eben gross sein mag, will ich\ngern zugestehen. Was ich von einem Gesanglehrer ver-\nlange, ist, dass er selbst tüchtiger, durch die öffentliche\nMeinung anerkannter Sänger sei, dass er hinlängliche mu-\nsicalische und ästhetische Bildung besitze, um im Stande\nzu sein, den Schüler gleich von Anfang so zu leiten, dass\nbei den technischen (mechanischen) Studien zugleich der\nGrund zu einem guten Gescbmacke gelegt werde.\nDass ich mit dieser Behauptung, namentlich was die\nerste Hälfte derselben betrifft, auf ein Heer von Gegnern\nstosse, unterliegt keinem Zweifel; man braucht eben nur\nzu beobachten, von wem und wie unterrichtet wird, um\nauch zugleich zu wissen, wie Ignoranz und Charlatanismus\nsich breit machen. Wer Kücken's „Kleinen Recruten\"\nauf dem Piano spielen kann, hält sich für fähig, Unter-\nricht in der Kunst des Gesanges zu ertheilen! Diesen\nUnwissenden und Unfähigen, deren Zahl Legion ist, stehen\ndie Charlatane, die ihre Weisheit bloss aus Büchern ge-\nschöpft und ihre Systeme darauf aufbauen, gegenüber.\nWelche Zeit hat dieser Classe von Lehrern mehr Vor-\nschub geleistet, als die heutige? Haben wir nicht Metho-\nden zum Selbstunterrichte? Haben wir nicht physiologi-\nsche Schriften, die man ja nur zu lesen braucht, um die\ninnersten Geheimnisse der Gesangkunst zu verstehen! Man\nkennt dann ja den Organismus, wozu braucht man\nnoch Sänger zu sein? Lächerlich! Physiologische Kennt-\nnisse, ein hinreichender Schatz von Kunst-Ausdrücken, die\ndazu gehörigen Maschinen, und der Lehrer von Unüber-\ntrefflichkeit und ausserordentlichem Rufe ist gemacht; er\nhat alle Mittel in Händen, um sich wie Caspar zu Max\nsagt „bei den Bauern in Respect zu setzen\".\nMan braucht nicht am Zopfe fest zu halten, denn so\ngut wie die Wissenschaft, ist auch die Kunst und ihre\nLehre des Fortschrittes fähig; allein es gibt in der Kunst\nAufgaben, welche die Theorie allein niemals lösen kann,\nund so wie „Wissenschaft* auf „Wissen\" beruht, so\nberuht „Kunst\" auf „Können\". In der Gesangkunst gilt\ndies ganz besonders von der Tonbildung und deren\nverschiedenartigsten Nuancen nicht bloss in Stärke und\nSchwäche, sondern auch in Bezug auf die Kunst, den\nKlang (timbre)der Stimme dem Charakter der vorzutra-\ngenden Musik gemäss zu modificiren. Dazu gehört mehr,\nals blosse Kenntniss des Stimmorgans und aus Büchern\ngeschöpfte Weisheit; wenn dieses nicht der Fall wäre,\ndann müssten die Aerzte die besten Gesanglehrer, die\nAesthetiker die trefflichsten Maler und die grössten Nach-\nbildner der Antike sein. Dazu stelle ich noch die einfache\nFrage: Was haben wir bis jetzt durch die neuen Metho-\nden erreicht? Wie kommt es, dass unsere Zeit nicht\nmehr und bessere Sänger bildet, als die alten Italiäner,\ndie von all dem Weisheitskram keine Ahnung hatten, und\ndie man uns noch immer und mit Recht als Muster.auf-\nstellt? Damals unterrichteten durch vorherige Studien und\neigene Ausbildung des Gesanges erfahrene und erprobte\nLehrer, durch sie bildete sich der Schüler zum Meister,\nder dann seine Kunst auf gleiche Weise Anderen über-\nmachte. Die Schule war also traditionel. Dazu freilich\nbrauchte man die physiologischen Abhandlungen nicht.\nAllein das waren armselige Empiriker und gehören zu\ndem beliebten „überwundenen Standpunkte\"!\nWenn es nun gute Stimmen und doch auch noch gute\nGesanglehrer, wenn vielleicht auch nur wenige, in Deutsch-\nland gibt, wie kommt es, dass diese keine besseren Re-\nsultate erzielen? Diese Frage ist nicht schwer und ohne\nErröthen zu beantworten. Ich brauche bloss die Gegen-\nfrage zu stellen: Wie viel Zeit braucht ein Schüler, um\nsich so weit auszubilden, dass er seine Kunst selbständig\nüben kann? Wenn man weiss, dass die alten Italiäner\nsechs Jahre dazu nöthig erachteten, wird man mir die\nAntwort gern schuldig bleiben. Nun, wir leben aber im\nZeitalter der Industrie, des Dampfes.. Ganz richtig, dem\nmuss auch die Kunst Rechnung tragen, besonders was\ndie Vorbereitung dazu betrifft.\nGeld muss verdient werden, desshalb nur keine lan-\ngen Studien, die kosten Geld; und werden nicht viele\nSänger ganz enorm bezahlt, die auch keine Studien ge-\nmacht? Righini würde seinen Ausspruch jetzt so fassen\nmüssen: „Zum Singen gehört erstens grosse Persönlichkeit\nund gute Lungen; zweitens schöne Persönlichkeit und vor-\ntreffliche Lungen; drittens ausgezeichnete Persönlichkeit\nund unverwüstliche Lungen.\" Dies sind die ersten Eigen-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650121-01.1.5", "texte": "Schäften, die einen Sänger zieren müssen, und die Inten-\ndanzen vor allen anderen Directionen gehen in Forderung\ndieser Eigenschaften voran, sie stehen an der Spitze de-\nrer, welche die Kunst nach der Elle und nach dem Um-\nfange messen. Wer wagt nun noch, von übermässigen\nForderungen der Sänger zu reden, da die Intendanzen\nnicht weniger übermässige Forderungen machen? (Und\ndie Componisten leider nicht geringere!)\nWenn nun die ersten Eigenschaften, Persönlichkeit\nund gute Lungen, vorhanden sind, wie werden dann die\nStudien gemacht? Etwa bei einem guten Gesanglehrer?\nBewahre! derselbe würde zu viel Zeit auf Ausbildung der\nStimme verwenden: das geht nicht! „Zeit ist Geld!\" also\ngleich zu einem Capellmeister oder Chor-Director, und\nPartieeri studirt, denn das ist die vierte Eigenschaft: Re-\npertoire muss vorhanden sein dann ist der Sänger\nfertig, dann beginnt er seine Künstler-Laufbahn. An klei-\nnen Theatern verschafft er sich Routine in der Darstel-\nlung, vermehrt sein Repertoire, und als Repertoire-Sänger\nist er nun eine willkommene Erscheinung selbst bei grös-\nseren Bühnen, erhält daselbst Engagement, ist somit ein\nKünstler ersten Ranges der Stellung nach. Aber die\nLeistungen??\nHat nun ein solcher Parvenu-Sänger, wie ich ihn\nnennen möchte, einige Jahre darauf losgeschrieen\ndurch die übermässig grossen, oft unsinnig hohen Partieen\nnoch mehr dazu verleitet so lässt mit Einem Male sein\nStimm-Organ ihn im Stich, und derselbe ist nie mehr im\nStande, seine Laufbahn weiter zu verfolgen. Daher kommt\nes auch, dass so viele „hellleuchtende Meteore\" eben so\nschnell verschwinden, als sie gekommen, und darin liegt\nder Unterschied zwischen einem vollkommen geschulten\nund einem nichtgeschulten Sänger. Ersterer zählt seine\nWirksamkeit gar oft nach mehr Decennien, als Letzterer\nnach Jahren.\nDer Vorwurf, dass es uns an wirklichen Sängern fehle,\ntrifft also hier weniger den Lehrer, als den Schüler, weil\nsich derselbe nicht die gehörige Zeit zur Ausbil-\ndung lässt und seine wenigen Studien nicht einmal an\ngehöriger Stelle macht, was man doch von jedem\nHandwerker verlangt.\nEin weiterer Grund des Verfalls der Gesangkunst\nliegt in der grossen Anzahl von Theatern. Ehemals\nfand man die Oper, mit wenigen Ausnahmen, nur in Re-\nsidenzen, jetzt will jedes Städtchen seine Oper haben; wo\nsollen da alle geschulten Sänger herkommen? Diese stehen\nzu der Unmasse von Theatern in gar keinem Verhältnisse\nmehr.\nHierin liegt hauptsächlich die unaufhaltsame Verwil-\nderung des Gesanges und die Ursache, wesshalb das Künst-\nler-Pioletariat v\\ie Unkraut wuchert. Höchstens sieben\nMonate Verdienst (Engagement) und fünf Monate Brodlo-\nsigkeit! hin wunder Heck, der wahrlich grössere Beach-\ntung verdient, als er bisher gefunden, und Veranlassung\nzu ernsten Maassregeln werden müsste, um dem Uebel zu\nsteuern. Vielleicht, dass die Concession nur solchen Di-\nrectoren grtheilt würde, die mehrere Städte vereinigen\nund auf diese Weise im Stande sind, Jahres-Contracte\nzu bieten.\nMeine eigene künstlerische Laufbahn, welche ich im\nDecember 1840 bei der Bühne begonnen, dann meine\nThätigkeit als Concertsänger und Gesanglehrer vom Herbste\n1845 an, wie auch meine Stellung als Lehrer des Solo-\ngesanges am Conservatorium in Köln von Ostern 1850\nbis Michaelis 1855, wo ich diese Stelle aufgab, alles die-\nses hat mich durch die reichlich gesammelte Erfahrung zu\nder Ueberzeugung gebracht, dass es nur ein Mittel gibt,\ndem Mangel an guten Sängern abzuhelfen, nämlich: dass\nder Staat die Errichtung einer Opernschule in die\nHand nehme.\nDie Wirksamkeit der Privatlehrer wird meistens durch\ndie Mittellosigkeit der Schüler beschränkt, welche ihnen\nnicht gestattet, einen vollständigen, jahrelangen Cursus\ndurchzumachen. Da ich, selbst ohne Vermögen, nur durch\ndie Hochherzigkeit eines edlen Fürsten z,u einer künstleri-\nschen Ausbildung gelangte, so habe ich mich gern daran\nerinnert und dahin gearbeitet, Talente auszubilden, unter\nder Bedingung, dass dieselben, sobald sie ein Engagement\nerhalten würden, mir meine gehabte Mühe vergüten soll-\nten. Aber welch eine Menge von traurigen Erfahrungen\nhabe ich in dieser Hinsicht gemacht bei einer Reihe von\nachtzehn Schülern und Schülerinnen, deren Gesangbilduno*\n•i i ®\nich unter dieser Bedingung geleitet!\nNach Niederlegung meiner Stelle am Conservatorium\nhabe ich Pensionärinnen aufgenommen, welche sich im\nGesänge bei mir ausbilden. Mit seltenen Ausnahmen aber\nbleiben dieselben länger als ein Jahr, weil die Mittel zu\neiner weiteren Ausbildung fehlen, so dass ich auch hier\nwieder einige Talente, die sonst verkommen wären, auf\nmeine Kosten länger behalten und unterrichtet habe. Diese\nRücksichten haben aber natürlich bei jedem Gesanglehrer\nihre Gränze.\nWas leisten nun die Conservatorien? Diese Institute\nsind in Deutschland mehrentheils auf sich selbst angewie-\nsen, müssen durch sich selbst bestehen und sind in Folge\ndessen gezwungen, aufzunehmen, was eben kommt. Ob\nnun ein Schüler Talent hat oder nicht, der Lehrer muss\njedem gerecht werden, jedem gleiche Zeit, gleiche Aufmerk-\nsamkeit widmen. Thut nun eine Anstalt das Möglichste\nund lässt den betreffenden Schülern alle Tage Sologesang-\nO Do"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650121-01.1.6", "texte": "Unterricht ertheilen, so hat der Lehrer dennoch wenigstens\ndrei, wo nicht vier Schüler in der Stunde. Was kann er\nda leisten? Dabei kommt der Talentlose nicht vorwärts,\nder Talentvolle wird aufgehalten. Hier kann nicht der\nEinzelne, auch nicht eine Corporation helfen; die einzige\nHülfe kann nur der Staat gewähren. Aber wie?\nIch habe schon erwähnt, dass ein Hauptgrund des\nMangels an vollständig ausgebildeten Sängern darin zu su-\nchen ist, dass diejenigen, welche sich ausbilden wollen, in\nden meisten Fällen keine hinlänglichen pecuniären Mittel\nbesitzen, somit auch die Zeit zur Ausbildung nicht inne-\nhalten können, die selbst das bedeutende Talent zur ge-\nhörigen Keife nöthig hat. Der Staat hat also bei Grün-\ndung eines Instituts Bedacht darauf zu nehmen, dass der\nUnterricht unentgeltlich ertheilt werde.\nDie Mittel, welche der Lebensunterhalt ausserhalb des\nHeimatsortes während der Studienzeit verlangt, sind oft\nschon schwer aufzubringen, und werden unerschwinglich,\nwenn die Unterrichtskosten noch hinzutreten. Man nimmt\ndas Talent nicht immer aus der goldenen Wiege, und\ngerade Stimmen und dramatisches Talent findet man häu-\nfig in den weniger durch äussere Lage begünstigten Gas-\nsen des Volkes. Das Material und das Talent sind aller-\ndings die Ilauptfactoren und nächstdem der gründliche\ntechnische Unterricht. Allein der Beruf des Künstlers er-\nfordert auch denjenigen aussermusicalischen Unterricht,\nwelcher ihm die allgemeine Bildung verschafft, ohne wel-\nche er sein Ziel nicht erreichen kann. Bekanntlich ist die\nSorge lür diese allgemeine Bildung auf den meisten Con-\nservatorien gleich Null. Die Staats-Anstalt hätte also auch\nSorge zu tragen, dass dem Schüler neben der musicali-\nschen Ausbildung auch wissenschaftliche, so weit sie in sein\nFach schlägt, zu Theil werde. Denn wenn der Geist das\nBessere kennen lernt, das Herz für edlere Gefühle em-\npfänglich gemacht wird, so wird sich auch bald der ästhe-\ntische Sinn herausbilden, der alles Gemeine verschmäht,\nwie es jeder echte und wahre Künstler soll. Die Kosten\neines solchen Instituts sind nicht in Anschlag zu bringen\nund werden immer noch in sehr untergeordnetem Verhält-\nnisse stehen, wenn auch die Unterstützung der Kunst\neben so eine Wahrheit wird, wie die Unterstützung der\n©\nWissenschaft. Alsdann wird die Hauptsorge sein, be-\nwährte Gesanglehrer anzustellen.\nWill man wahrhaft tüchtige Kräfte gewinnen, und\nsollen diese der Anstalt wirklich von Nutzen sein, so ist dies\nnur in dem Falle möglich, wenn der Lehrer so ge-\nstellt wird, dass er seine ganze Thätigkeit ein-\nzig und allein der Anstalt widmet.\nIn diesem Punkte haben noch alle Anstalten gefehlt.\nDas Publicum setzt natürlich voraus, und mit Recht, dass\nein Institut die besten Lehrer habe. Der Reiche nun wird\nzuerst nach diesen Lehrern zum Privat-Unterrichte für\nseine Angehörigen greifen, und die Lehrer werden diesen\nUnterricht, der ihnen am meisten einbringt, mit Freuden\nertheilen. So wird der Lehrer bei Zunahme der Privat-\nstunden die Anstalt bald als Nebensache betrachten, ja,\nihr vielleicht ganz entsagen. Das Institut darf also bei An-\nstellung der Gesanglehrer keine Kosten scheuen, es mus;i\ndenselben eine ganz sorgenfreie und anständige Existenz\nbieten. Nur dann werden wirklich gute Lehrer zu gewin-\nnen sein, die auch mit Freuden ihre ganze Kraft und\nThätigkeit dem Institute widmen. Die Mehr-Ausgabe wird\nsich bald ausgleichen, wenn durch Heranbildung und Ver-\nmehrung tüchtiger Gesangkünstler die auf eine so enorme\nHöhe gestiegenen Gagen bei den Theatern, welche der\nStaat unterstützt, wieder auf einen niedrigeren Stand\nkommen.\n\nAus Schwerin.\nDen 12. Januar 1865.\nIn der Mitte des Winters angelangt, gestatten Sie\nmir, Ihnen eine kurze Uebersicht unserer bisherigen mu-\nsicalischen Erlebnisse zu geben. Unser musicalisches Le-\nben ist zum weitaus grössten Theile von dem Hoftheater\nabhängig und beeinflusst. Seit der Berufung des Hof-Ca-\npellmeisters Schmitt ward unter dessen Einfluss und we-\nsentlicher Mitwirkung die Hoftheater-Capelle reorganisirt\noder eigentlich überhaupt erst organisirt. Nachdem Jahre\nhindurch in musicalischer Beziehung, abgesehen von der\nOper, eine völlige Oede bei uns geherrscht hatte, wurden\nseitdem jährlich vier Abonnements-Concerte von der gross-\nherzoglichen Intendantur veranstaltet; dazu sind regel-\nmässig von dem Hof-Capellmeister Schmitt im Vereine\nmit den ersten Künstlern der Capelle vier Soireen für\nKammermusik unternommen, und es scheint allmählich\nzu gelingen, musicalisches Interesse und Verständniss bei\nunserem Publicum hervorzurufen. Seit 1863 sind zu die-\nsen Concert-Instituten noch die Aufführungen eines Ge-\nsangvereins hinzugetreten, der sich nach längeren Vorbe-\nreitungen, z.B. Mitwirkung von Dilettanten in den Abon-\nnements-Concerten und bei den drei seit 1840 veranstal-\nteten mecklenburgischen Musikfesten, endlich vor zwei\nJahren unter der Direction des Hof-Capellmeisters Schmitt\nselbständig constituirt hat, und dem wir bereits eine An-\nzahl genussreicher Abende verdanken. Zu diesen Concer-\nten kommt dann im Laufe des Winters gewöhnlich noch\nein Kirchen-Concert des grossherzoglichen Schlosskirchen-\nChors (Musik-Director Kade), wie es auch an fremden"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650121-01.1.7", "texte": "Künstlern gewöhnlich nicht ganz fehlt, so dass wir eine im\nVerhältnisse zur Grösse unserer Stadt recht ansehnliche\nZahl von Concert-Aufführungen aufweisen können.\nIn den beiden vor Weihnachten Statt gehabten Abon-\nnements-Concerten kamen nun zur Aufführung: zwei Sin-\nfonieen (Schumann B-dur, N. Burgmüller D-dur, neu),\nzwei Ouvertüren (Schumann Genofeva, Reinecke Dame\nKobold, beide zum ersten Male), Beethoven s Tripel-Con-\ncert (Hol-Capellmeister Schmitt, Hof-Concertmeister\nZahn, Hof-Capellist Bellmann), Clavier-Concert in\nmoll von Mendelssohn (Schmitt), Concert in von\nBeethoven und Solostücke für Ciavier von Schumann und\nMendelssohn (Frau Clara Schumann). An Vocalmusik\nhörten wir von Frau Dr. Küster die Sextus-Arie aus\nMozart's Titus (Feurig u. s. w.) und Lieder von Schubert\nund Taubert, so wie von Fräulein Reiss die Scene und\nArie aus Lucio Veno von Gluck: „Berenice, ach, wo bist\ndu?\" (neu). Den Schluss des zweiten Concertes bildete\neine Composition unseres Hof-CapellmeistersSchmitt: Fest-\nmarsch und Scene für Sopran und Chor aus einem bei\nGelegenheit der Vermählungsfeier unseres Landesherrn\nim Mai vorigen Jahres aufgeführten, von Putlitz gedichte-\nten Festspiele: „Maienzauber\". In dem ersten Kammer-\nmusik-Concerte ward das B-dur-Quartett aus Beethoven's\nOp. 18 (Zahn, Musik-D irector Härtel, Hof-Capellisten\nKupfer und Bellmann) und Schumann's Clavier-Quartett\n(Schmitt, Zahn, Kupfer, Bellmann) geboten ; daneben lern-\nten wir eine junge Pianistin, Fräulein Ali de Tapp, in\nSolo-Vorträgen von Liszt und Tausig kennen. Endlich\nhörten wir in einer Soiree der Gebrüder Müller drei Quar-\ntette: Haydn D-dur,Mendelssohn Op. 12, und\nBeethoven C-dur, Op. 59.\nIn Bezug auf die Ausführung dieser Compositionen\nbrauchen wir über unsere berühmten und allbekannten\nGäste kein Wort zu verlieren. Fräulein Tapp erwies sich\nals ein ungewöhnliches Talent, im Besitze hervorragender\nTechnik, dem wir bei richtiger Leitung der weiteren\nStudien eine bedeutende Zukunft prophezeien möchten.\nVon unseren einheimischen Kräften sind zunächst die Lei-\nstungen des Orchesters auszuzeichnen. Unter der Führung\nseines trefflichen Dirigenten ist das Ensemblespiel unseres\nOrchesters zu einem hohen Grade von Vortrefflichkeit\nherausgebildet; das künstlerische Leben, die geistige Auf-\nlassung, die in allen Productionen desselben herrscht,\nbraucht keinen Vergleich mit den anerkanntesten Concert-\nInstituten zu scheuen. Auch als Clavier-Virtuose verläugnet\nSchmitt den geistreichen Musiker nie; er ist aber, wie uns\nscheinen will, dies immer in erster Linie und erst in zwei-\nter Virtuose. Unser Quartett, dessen Zusammensetzung\noben genannt ist, besteht aus tüchtigen Musikern, die in\ntechnischer wie geistiger Beziehung den schwierigsten\nAufgaben gerecht werden. Der Hof-Concertmeister Zahn,\nals Führer der Geigen im Orchester durch seinen marki-\ngen, Alles beherrschenden Ton unübertrefflich, zeichnet\nsich auch als Solospieler durch tadellose Intonation und\nvollendete Technik aus; zu wünschen bliebe vielleicht ein\nwenig mehr Idealität. Musik-Director Härtel's Geige ist\nkleiner im Tone, sein Vortrag vielleicht eleganter, salon-\nmässiger zu nennen. Einen trefflichen Violoncellisten be-\nsitzen wir seit dem vorigen Winter in Herrn Richard\nBellmann, vorzüglich im Quartett durch den vollen\nKlang des Instrumentes; ohne sich hervorzudrängen, stets\nden sicheren Grund des ganzen Gebäudes legend, zeigt er\nauch als Solospieler sich allen Anforderungen gewachsen.\nIn eben so guten Händen befindet sich seit Jahren schon\ndie Viola bei dem Herrn Kupfer.\nDer Gesangverein veranstaltete kurz vor Weihnachten\neine wohlgelungene Aufführung von Mendelssohn's Elias.\nBei seinem jedesmaligen öffentlichen Auftreten zu grösse-\nrer Tüchtigkeit fortschreitend, ist der Verein jetzt so weit\ngelangt, dass die Mendelssohn'schen Chöre von ihm mit\nvoller Wirkung und in einer Weise gesungen werden\nkonnten, dass auch strengeren Anforderungen genügt\nwurde. Die Leistung des Herrn Sabbath aus Berlin als\nEl ias hat in diesem Blatte erst im vorigen Monate gerechte\nWürdigung gefunden; die übrigen grösseren Solo-Partieen\nwurden von Mitgliedern unserer Oper, dem Herrn Schül-\nler und den Damen Fräulein Barn und Fräulein Reiss,\nvorgetragen. Alle drei bewegten sich auf dem ihnen ihrem\nganzen Berufe nach ferner liegenden Gebiete mit entschie-\ndenem Glücke, so dass die Aufführung einen durchaus\nbefriedigenden harmonischen Eindruck hinterliess. Herr\nSchüller, ein talentvoller, mit metallreicher Stimme be-\ngabter lyrischer Tenor, liess Neigung zu einer gewissen\nempfindsamen Vortragsweise merken, vor deren Ueber-\nhandnehmen ich ihn im eigenen Interesse warnen möchte.\nSie werden bei Durchlesung dieses Berichtes ohne\nZweifel ausrufen: Nun, das sind ja bei Ihnen paradiesische\nZustände, Alles vortrefflich bestellt und nirgend etwas\nbesser zu wünschen! Das wäre nun gerade meine Mei-\nnung nicht. Allein zu tadeln ist leicht, und die Wünsche\nnach Besserem schienen mir in einem kurzen Berichte für\nein auswärtiges Blatt, wie der vorstehende, nicht gerade\nam passendsten Platze. Hier kam es mir vor Allem darauf\nan, einen Abriss unseres musicalischen Lebens in den ver-\nflossenen Monaten zu geben, und dass in dem, was bei\nuns geschieht, des Lobenswerthen sehr viel sich findet,\ndas würde auch der Uebelwollende anerkennen müssen.\nUnd dass alles dies durch die Energie und rastlose Thä-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650121-01.1.8", "texte": "tigkeit des Ilof-Capellmeisters Schmitt ins Leben gerufen\nund geschaffen ist, halte ich mich zum Schlüsse noch ver-\npflichtet, hervorzuheben. —4\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\n*** Potsdam, im December 1864. Am 3. November eröff-\nnete Herr Musik-Director F. W. Voigt die Reihe seiner auch für\ndiesen Winter angekündigten Abonnements-Concerte. Aus dem dicht\ngefüllten Saale Barberini gab sich die wachsende Theilnahme unse-\nrer Musikfreunde für diese Concerte aufs Neue kund. Im ersten der-\nselben begrüssten wir freudig Fräulein Rosa Schweitzer in dem\nVortrage einer Arie aus „Titus\" und zweier Lieder von Eckert und\nSieber, womit sie uns, obgleich Anfangs etwas befangen, dennoch\naber mit vortrefflicher Intonation und geschmackvollem Vortrage er-\nfreute. Herr Zürn wusste sich durch sein gewandtes, graziöses Cello-\nspiel in dem Vortrage von Compositionen von Servais und Fran-\nchomme sehr in Gunst zu setzen. Hierzu traten nun Herr Voigt und\nseine von ihm trefflich organisirte und mit eben so bekannter Um-\nsicht geleitete Capelle, und ergriff uns mächtig mit der F-dur-Sin-\nfonie von Beethoven, der Athalia-Ouverture von Mendelssohn, so\nc\nwie der „Najaden\" von Sterndale Bennet. Das zweite Concert\nlehrte uns einen Schüler des rühmlich bekannten Teschner, Herrn\nLewinsky aus Berlin, kennen, der mit lieblich weicher Stimme\nRecitativ und Arie aus Iphigenia, ferner Lied von Abt und endlich\nMendelssohn's tief inniges „Sei getreu bis in den Tod\" vortrug.\nFräulein Erikka Lie aus Christiania, Schülerin von Prof. Kullak,\nfolgte ihm und spielte den zweiten und dritten Satz des C-moll-\nConcertes von Chopin in wahrhaft bewundernswerter Weise; die\njugendliche, anspruchslose Künstlerin spielte dann zum Schlüsse noch\nzwei Compositionen von Liszt, welche wir lieber mit einer geistrei-\nchen Chopin'schen Composition vertauscht gesehen hätten. Die Sin-\nfonie in F-dur von Wuerst und die Oberon-Ouverture wurden exaet\nund feurig ausgeführt. Das dritte Concert brachte uns Mozart's\nimmer wunderbar ergreifende das Scherzo aus Men-\ndelssohn's Sommernachtstraum und die stets gern gehörte Tell-Ouver-\nture von Rossini. Fräulein v. Facius gewann durch den Liebreiz\nihrer Stimme und vortrefflichen Vortrag einiger Gesänge von Ros-\nsini, Reinecke, Schumann und eines spanischen Volksliedes (Die Po-\nstillons-Braut) sich die Herzen der anwesenden Hörer; und der vier-\nzehnjährige Harfenist Franz Poenitz aus Berlin (Schüler des Kam-\nmermusikers Grimm) bereicherte das an sich schon werthvolle Pro-\ngramm durch das Spiel einer von ihm componirten Phantasie und\ndes Feentanzes von Parish Alvars auf der Pedalharfe. Die jugend-\nliche Unbefangenheit des Spielers und seine ungewöhnlichen Leistun-\ngen auf diesem den Concerten fast ganz entzogenen Instrumente\nriefen ungewöhnlichen Beifall hervor, und sowohl Fräulein v. Facius\nals der Harfen-Virtuose dankten beide für den stürmischen Beifalle\nin liebenswürdiger Weise durch Zugaben. Wir sehen den folgenden\nConcerten mit gespannten Erwartungen entgegen.\nMainz« Herr Commercienrath Franz Schott, der Chef der\nMusik-Verlagshandlung B. Schott's Söhne, ist vom Grossherzog\nzum Bürgermeister der Stadt Mainz ernannt worden.\nProgramm des zwölften GewandhausrConcertes in Leipzig:\nOuvertüre Nr. 3 zu „Leonore\" von Beethoven; Arie aus „Semele\"\nvon Händel, gesungen von Fräulein Gastoldi aus Paris; Clavier-\nConcert in G-dur von Beethoven, vorgetragen von Herrn Satter;\nSinfonie in drei Sätzen von W. St. Bennett (neu, Manuscript),\nunter Direction des Componisten; Arie aus „Mitrane\" von Rossi,\ngesungen von Fräulein Gastoldi, und Solostücke für Pianoforte,\nvorgetragen von Herrn Satter.\nHüliclteil. R. Wagner's „Tristan und Isolde\" soll von\nder Hoftheater-Intendanz wirklich angekauft und für die Partie der\nIsolde die Gattin des Tenoristen Schnorr von Carolsfeld, geb.\nGarigues, welche schon seit einigen Jahren die Bühne verlassen\nhat, in Aussicht genommen sein.\nDie beiden Concerte der Uli man'sehen Künstler-Gesellschaft\nhaben am 9. und 11. d. Mts. im grossen Odeonsaale in München,\nder bis in alle Winkel gefüllt war, Statt gefunden. Fräulein Car-\nlotta Patti's Leistungen erregten ungeheuren Enthusiasmus, so\nwie auch die ausserordentlichen Verdienste der Herren Jae\nVieuxtemps und Steffens die vollste Würdigung fanden. In\nBerücksichtigung dieses ausserordentlichen Erfolges gab Herr Ull-\nman am Freitag den 13. d. Mts. noch ein drittes und letztes\nConcert.\nZu München sind im abgelaufenen Jahre im k. Hof- und\nNational-Theater 243 und im k. Residenz-Theater 60 Vorstellungen\ngegeben worden. Es wurden 232 Schauspiele, 126 Opern, 21 Ballets\nund ein Concert gegeben. Zum ersten Male aufgeführt wurden zwei\nOpern („Sonntagsfeier\" und der „Fliegende Holländer\"), 16 Schau-\nspiele und ein Ballet, und neu einstudirt und in Scene gesetzt wur-\nden 28 Stücke. Unter den Opern-Wiederholungen sind: Adam 1\nMal, Rossini 2 Mal, Auber 4 Mal, Wagner 5 Mal, Weber 6 Mal,\nGounod 7 Mal; und unter den Schauspiel-Wiederholungen finden\nsich: Gutzkow, Kobell, Laube, Redwitz je 1 Mal, Lessing 4 Mal,\nSchleich 7 Mal, Birch-Pfeiffer 8 Mal, Scribe 8 Mal, Goethe 10 Mal,\nShakespeare 12 Mal und Schiller 13 Mal.\nWien. Wir hören, dass die Direction des Hof-Operntheaters\nnoch vor Beginn der italiänischen Saison mehrere dramatische und\nColoratursängerinnen dem Suffrage universel des Publicums unter-\nziehen werde, um möglicher Weise den lückenhaften Primadonnen-\nStatus zu completiren. Fräulein Bettelheim soll noch im Laufe\ndieses Monats die Fides singen; auch der „Fidelio\" mit Herrn Wal-\nter als Florestan soll schon auf das nächstwöchentliche Repertoire\ngesetzt werden. Noch wird vor Ablauf der Saison die Wiederauf-\nnahme der „Vestalin\" beabsichtigt.\nSeit Laube1 s Direction, also seit vierzehn Jahren, sollen im\nBurgtheater zu Wien 3166 Stücke eingereicht worden sein. Wie\nviel, oder besser, wie wenig davon waren wohl aufführbar?"}]}