{"numero_id": "bm-bmtnabi-1865-02-04-01", "volume": "bmtnabi_1865-02-04_01", "ocr_sha256": "ee5ec91f58839cf22cd4f6ff43461d61fb6bd1c8d2f6a68858f7ca0e8237ad0f", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1865/02/04_01/bmtnabi_1865-02-04_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650204-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1865-02-04-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-02-04_01#c001", "volume": "bmtnabi_1865-02-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "33", "page_fin": "33", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650204-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "33", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650204-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 452, "texte": "Inhalt.\nAus einem Briefwechsel. Pariser Briefe. 11. {La belle von J. Offenbach Noch einmal die\nConcerte). Yen B. P. Beurtheilungen. F. L. Schubert, Partituren-Kenntniss und Partituren-Spiel. Tages- und Unterhal-\ntungsblatt (Köln, Capellmeister F. Hiller, Gastspiel der Frau Bürde-Ney, Vierte Soiree für Kammermusik Erfurt, G. W. Körner \"j*\nBerlin, Auszeichnungen, Königliche Oper Leipzig, Theater Frankfurt a. 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Du klagst und fühlest die Be-\nschwerden Deines residenzstädtischen Lebens, wünschest\nihrer ledig zu sein und bei mir einzukehren, um im klein-\nstädtischen Gebimmel des grossstädtischen Gewimmels zu\nvergessen. Les beaux esprits Denn sieh,\nich dachte ein Gleiches, nur umgekehrt. Dich beneidete\nich um die Weitsicht Deines Blickes, die der künstleri-\nschen Seele Raum gibt, die vollkommenen Werke häufi-\nger zu vernehmen, als mir mein patriarchalischer Bezirk\nhier erlaubt. Und hätten wir getauscht, hätten Haus und\nBeruf dahinten gelassen, um unserem Kunstgelüste ganz\nnach eigenem Willen zu leben, wir würden am eigenen\nLeibe erfahren, was wir närrische Alten längst wissen\nmussten, dass es eben sowohl mitten in der Residenz Un-\nschuld und Einfalt gibt, als blasirte Narren in Krähwinkel.\nWeil ich Dich nun hier in meiner Hütte nicht früher als\nin der Fastenzeit, wo Dich Dein Babylon erst recht an-\nekelt, erwarten darf, so sende ich Dir heute, Deinen histo-\nrischen Reminiscenzen antwortend, meinen Neujahrsgruss,\nerstlich mit der Bitte, dass es unter uns beim Alten bleibe,\nzweitens mit einem Sylvester-Rückblick in die Vergangen-\nheit, drittens mit den landesüblichen Hoffnungen und\nWünschen, die wir allzeit Fortschritts-Beflissene für die\nZukunft hegen, damit die bekannten drei Tempi der Welt-\nweisen sich erfüllen und nichts, was zur Wahrheit gehört,\nunterschlagen werde.\nEs war eine Stadt am Meeresstrande, gar gemüthlich\nzu leben, noch nicht an den Welt-Schienenstrang geknüpft,\nwo wir unsere Jugend gemeinsam lebten unter Leuten\nvon wenig Kunst und vielem guten Willen, deren Wohl-\nwollen und Bildungs-Bedürfniss uns den Boden ebnete.\nViel Zeitungen las man nicht; als wir zehn Jahre vor dem\nVölker-Frühling die Schumann'sche im Casino auflegten,\nerregte sie Erstaunen, und der sehr musicalische Herr\nBürgermeister verwunderte sieb, dass es auch solche Zei-\ntungen gebe. Dafür kannten wir auch die Beclame nicht\nmit ihrem orientalischen Zauber und occidentalischer\nFrechheit. Grosse Kunst-Meteore, Unholde und Ehren-\nholde verirrten sich selten zu uns; wir beide aber arbei-\nteten in ruhigem Geleise und fanden ein dankbares Publi-\ncum für unseren bescheidenen Mozart und Haydn. Nur\nzuweilen fuhr ein am Orte unentbehrlicher Stabs-Trom-\npeter drein mit unvermeidlichem Solo-Vortrage von zwei-\nfelhaftem Inhalte, womit man den Mann glaubte warm zu\nhalten. An ihm aber ward die Bedeutung derartiger\nLückenbüsser auch dem bescheidenen Publicum klar, und\nman begab sich ruckweise vorwärts in andere Bahnen:\nden Haydn'schen „Jahreszeiten\" folgte „Messias\" und\nseitdem eine Jahre lang ununterbrochene Reihe von Hän-\ndel'schen Oratorien, die nach manchem Ach und Weh\nder Besserwissenwoller doch den Sieg behielt und nicht\nallein den kleinen Kreis inniger verband, sondern auswär-\ntigen Humbug abwehrte, da die kleine hörende Gemeinde\nallmählich hören lernte und bei allem Geklimper etwai-\nger Meister-Hämmerlinge die sich mit herandringenden\nEisenwegen jeweilig einfanden stocktaub und wasser-\nkalt blieb. Diese Wirkung erschien uns damals als eine\nobjective, aus dem inneren Werthe jener herrlichen\nWerke geborene, und wir setzten den Canon fest, dass\nalles classisch Werthvolle durch einfältigen Vortrag voll-\ngültig zur Erscheinung komme, ohne subjective Künstlich-\nkeit der Tempi und Dynamik. Nur damals? Glaubst Du\njetzt nicht mehr so? Deine letzten Briefe gaben mir einen\nStich, als wäre meine zopfige Ansicht auf dem Wege,\nüberwundener Standpunkt zu werden. Doch nein, Alter,\nich kenne Dich besser! Hast Du nicht selbst jene Objecti-\nvität auch darin anerkannt, dass wir keinen Applaus\ngestatteten und doch immer gleiche Theilnahme und wach-\nsende Zuhörerschaft gewannen aus der ganzen Provinz\nvon 200,000 Seelen? und auch daran, dass ein Weitge-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "34", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650204-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5373, "texte": "reister sagte, solch von Herzen Singen, das zu Herzen\ngehe, habe er noch selten gehört? Aber wir waren frech\nund kümmerten uns wenig um das Urlheil der Kritiker\nvom Fach, desto mehr um die stillschweigende Hingebung\nund stumme Andacht unseres Hörerkreises.\nde ma jeunesse!riefst Du voriges Jahr, da Du im Seebade\ndie staubige Atmosphäre Deiner Metropole abzuspülen\nlechztest;—o, warum können wir nicht mehr singen, wie\ndamals, wo Du den Stab schwangst, ich sang und geigte,\nund Alles froh war, Niemand zu rechter Stunde dicht vor\nder Aufführung krank ward, und unser Sängervölklein\nMann und Weib unermüdlich war, wo sogar die\nSolisien, diese allzeit gefährliche Nation, im Uebermaasse\nder Liebe sich vermaassen, im Händel'schen Oratorium\nSolo und Chor redlich durchzusingen, ohne eine Note zu\nunterschlagen! denn sie hatten noch nichts gehört von der\nneuen hektischen Sangmethode, die sich von der altitaliä-\nnischen bloss dadurch unterscheidet, dass jene krank\nmacht, diese gesund, weil jene trachtet nach\nAusdruck eines Gefühls, „das nicht ist\", diese aber zuerst\nrein singt und präcis, nachher alles Uebrige.\nSo sagtest Du, sehnsüchtig rückblickend, als wäre\nunsere Jugend nur auf Hosen gebettet gewesen; ein Wahr-\nzeichen des Alters, das des gewesenen Leides vergisst!\noder als wäre damals alles, was gleisst, Gold gewesen.\nNun, Dein Pensieroso-Gemüth hat Dir allzeit Streiche ge-\nspielt. Hatten wir keinen Ueberfluss an zwanzigfingerigen\nVirtuosen, so war dafür das Zurechtmachen auch des\nkleinsten Kunstvergnügens eine Hercules-Arbeit, ja, für\ndie Dauer hätten wir es selbst nicht durchgehalten, so\nwüthig zu arbeiten, wie wir damals thaten, um unsere\nHäiyiel- und Bach-Partituren mit Orchester zu versehen\n„Thaten des Genius\", die damals noch nicht in Feuille-\ntons erglänzten, wie ein Jahrzehend danach, wo die Welt\ndurchaus wissen musste, wenn Peter Meyer zum Bürger-\nCasino einen alten Marsch richtig für vier Trompeten „in-\nstrumentirt\" hatte. Ja, schön war es, wie wir damals\nlediglich in Händel, Bach und Beethoven arbeiteten und\nwirkten mit vierzig Sängern, zwanzig Geigern und Pfeifern\nund einem allezeit willigen Publicum von einigen Hundert\ndankbaren Seelen. Wir rühmten uns, Achtung vor dem\nPublicum zu haben, indem wir nicht seinen Launen\nschmeichelten, sondern die Sache selbst reden Hessen, da\nwir entweder nur Ganze aufführten, oder in den Theil-\nConcerten nicht mehr als 5 6 Sätze in wohlerwogenem\nVerhältnisse der Ideen und Tonarten brachten. In solchen\nStück-Concerten waltete Beethoven vor; er und Bach hat-\nten uns so gefangen, dass wir Mozart daneben klein fan-\nden, Haydn gar verachteten. Vorboten der Neuzeit! Aber\ndas merkten wir nicht; jene ewigen Werke waren unsere\nLust und Arbeit, des Publicums Genuss und Schule.\nStandpunkte hatten wir nicht: wir wollten nur leben und\nwirken.\nAber das war eben der Fehler, dass wir keinen Stand-\npunkt hallen. Bald wurden wir's gewahr an dem neuen\nStrome zwischen der Juli-Revolution und den Märztagen.\nJene Insel der Seligen versank, alte Freunde starben da-\nhin, wir beide wurden, sobald die neue Aera eingeläutet\nwar, getrennt. Eine Weile zeigten unsere Briefe völlige\nEinstimmigkeit in allem, was wir gut und schön fanden.\nNicht allzu lange! Bald traten auch unsere Personen in\ndie Schumann'sche Dialektik ein, um als Florestan und\nEusebius einander liebreich zu bekämpfen, und wie bei\nSchumann schlugen die Pole in ihr Gegentheil um, je\nnachdem Du oder ich mehr rechts oder links abbogen.\nSiehe, da sassen wir mitten in der Neuzeit und musslen\nFleiss thun, uns rechtzeitig mit einem guten Standpunkte\nzu versehen, gleichwie Schumann's Davidsbündler. Denn\nsobald Florestan den gräulichen Philistern eine Wette in\nden Bart warf, da riefst Du grimmig: Wir sind gemeint!\ngerirtest Dich jedoch bald als Eusebius, und ein Viertel-\njahr später fand ich Dich unter den Mitarbeitern!\nSignore Pensieroso? Auch Du, Brutus! rief ich aus. Aber\nich merkte schon, wie weit die Zeitungen ein Wörtlein\nmit zu reden hatten, seitdem die „Thaten\" des genialen\nVolks-Orientalen Jakob Meier Beer die Welt bewegten.\nGegen ihn waren ja die Geschosse der Schumann'schen\nNeuen Zeitschrift gerichtet: was es geholfen, weisst Du\nbesser, als ich, aus Deiner residentialischen Atmosphäre.\nUebrigens traten auch positive, nicht bloss polemische\nKräfte dem jüdischen Getreibe entgegen; es gingen neue\nSterne auf mit Schumann's und Mendelssohn's Blüthezeit\nund nun fingen wir beide wirklich an, Standpunkte zu\nhaben, bald streitend um Felix' oder Robert's Vorzug,\ndann wieder an Schubert und Chopin unser kritisches Ge-\nlüste wetzend, endlich um die ewigen und zeitlichen Prin-\ncipien der Kunst ernstlich entzweit, als man anfing, die\nSchönheit nach Jahreszahlen zu messen, und das Alt und\nNeu, oder zeitgemässer gesagt: Zopfzeit, Neuzeit Fort-\nschritt, Zukunft und dergleichen die Köpfe erhitzten.\nUnd wiederum kamen die Gegensätze ins Radschlagen\nnach der dialektischen Regel, indem heute ich der Zopf\nsein sollte und morgen Du. Das fand sich namentlich bei\nErwägung Schumann's ehe die „Wagner-Frage\" er-\nfunden war und Napoleon die deutsche Frage studirte.\nWenn ich unter Schumann's WTerken die älteren vorzog,\nflugs standest Du auf Seiten der jüngeren; kurz nachher\nwolltest Du Mendelssohn's Oratorien einen alternden Zug\nabmerken; consequenter Weise schmissest Du den ge-\nsammten Nachwuchs, nämlich die kleinen Mendelssöhnchen"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "35", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650204-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5387, "texte": "und Schumännlein, die nach 48 emporschössen wie grüne\nPetersilie, alle in einen Kasten unehrerbietig genug mit\n„brauchbarem Papier\" zusammen.\nDa musste ich ein Einsehen thun. Nachdem das Ge-\nbot christlicher Milde, andere Leute nicht geringer zu\nschätzen, als sich selbst, bei Dir nichts gefruchtet, da re-\ndete ich Dir ins Gewissen, ob wir beide denn weniger als\ndie Anderen zum epigonischen Völklein zählten oh un-\nsere Compositions-Abenteuer vor dem letzten Gerichte\nbesser bestehen würden Du aber, eben so zornig\nals schlau, retorquirtest die Gewissensfrage und ludest mir\nauf, zu sagen, was denn zu thun sei, um den verwunsche-\nnen Zuständen aufzuhelfen? Ehe ich die Antwort wusste,\nerbarmte sich unser ein gütiges Schicksal. Eben damals,\nunweit 1848, waren wir mit neu-alten Schätzen bekannt\ngeworden, die uns überfielen wie ein gewappneter Held;\nund da Dir die altkirchliche Kunst zu Herzen ging, riefst\nDu Schwärmer: Mir ist, ich wäre nun erst in meines Va-\nters Haus! und wolltest nichts weiter wissen, als Eccard,\nOrlando und Palestrina. Nun erst, sprachst Du, verstehe\nich Sebastian Bach; hier ist mehr, denn Sebastian!\nGut das, sagte ich; nun aber, wohlan: lasset uns Hütten\nbauen unter dem Himmel jener Sternennacht; nicht lange\ngefeiert, frisch! Und siehe, wir erprobten es, überboten\nuns jeder seines Ortes in Restaurations-Versuchen; ein\nJahr lang musste sogar Händel schweigen, kaum Bach'-\nsche Orgelsachen liessest Du noch gelten: alles Uebrige\nging unter in dem priesterlichen Canon Deiner neu errun-\ngenen Heiligen. Leider wurdest Du früher satt, als ich;\nDu schobst es auf die Residenzluft, ich hatte meine eige-\nnen Gedanken darüber.\nAls nun die Gewitterschläge von 48 erschollen, da\ngalt es wiederum Partei nehmen wider Willen. Zwar in\npoliticis sind wir noch so leidlich um die Barricaden weg-\ngekommen; aber dem Parteigetriebe sind wir nicht ent-\nronnen, das nun einmal von der Politik hinübersiedeln\nsollte in alle Regionen. Müssen wir uns nicht seitdem\nReactionäre schelten lassen, weil wir nicht allzeit fertig\nsind, in die zeitgemässe Posaune zu stossen, weil wir keine\nschöne Kunst ohne Schönheit wollen, weil wir den\nTriumphzug der Gaukelina Zatti ruhig an uns vorüber-\nziehen lassen, weil wir noch immer an dem alten Sym-\nbolum festhalten, dass es bei allem Kunsttreiben zu-\nerst ankomme auf Werk und Inhalt, in zweiter Linie\nerst auf Person, Kehle, Finger und Aufführung? Aber\nuns beiden war der 48er-Lärm zum Gewinne, weil wir\nnun endlich aus dem Bruderzwiste zu besserem Einver-\nständnisse wiederkehrten, nur Du in Deinem Pensieroso-\nCostume verharrend und mir gelegentlich die Folgen mei-\nnes Leichtsinnes vorhaltend, wo ich mich auch nur zur\nkleinsten Concession herabliess. Und wenn wir fürderhin\netwas zu streiten hatten, z. B. über Vischer's Aesthetik,\nHanslick's musicalische Schönheit, Hauptmanns Har-\nmonik, da ging's gelinder her, als vordem in den heissen\nKämpfen der Jugend, und im Kerne blieben wir einig,\nobwohl unser Verhältniss zur Kritik und Geschichte,\nwelche beide in unserer Gegenwart eine andere Stellung\nbehaupten, als bei den lieben Ahnen, nicht ganz dasselbe\nwar.\nIn d em, dass diese beiden Zeitmächte jetzt anders be-\nstellt seien, als vordem, dass die Kritik geistvoller, die Ge-\nschichtsforschungen gründlicher und inhaltreicher gewor-\nden, stimmten wir freilich zusammen, nicht aber in deren\nunbedingter Verehrung. Du wolltest der Geschichte nicht\neinräumen, was ihre Träger in Anspruch nahmen, und\nhattest das ewige Glockengeläute der reinen Dreiklänge\nsammt deren theoretischem Zubehör allmählich satt; ich\nwiederum mochte nicht mehr auf die Heilsamkeit der Kri-\ntik schwören, seitdem sie drohte, eine selbständige Macht\nzu werden; denn siehe, es verlautbarte aus dem doctrinä-\nren Lager, die Kritik müsse productiv werden, schaf-\nfen helfen! Nachdem sie tausend Jahre lang die demü-\nthige Magd der Kunst gewesen, sollte von nun an die\nKunst auch einmal gehorchen lernen; und was fortan die\nRitter vom Geiste Scheussliches und Unsinniges zu Tage\nbrachten, das sollte nun einmal genial heissen, weil das\nGegentheil nicht logisch zu beweisen war.\nDas wenigstens brachte die kritische Strömung zuwege,\ndass wir Sonderlinge erkannten: es ist nicht gut, dass der\nMensch allein sei; Jeder muss vom Ganzen wissen; auf,\nlasset uns am grossen Ganzen Theil nehmen als Herren\noder Knechte, Meister oder Lehrlinge! Wir mussten beide\ngar Manches von Grund auf neu lernen, wurden demü-\nthig, beharrten aber zugleich in dem stolzen Muthe, unser\nSonderliches zu wahren, und was wir wahr und wirklich\nim Herzen erlebt hatten, nicht um des Phrasenthums der\nKritik willen hinzuwerfen. „Störe mir nicht meine Cirkel!\"\nriefst Du dem Abgeordneten der heiligen Vehme entge-\ngen, als Dir freundlich zugewinkt ward. Dich etwas mehr\nzeitgemäss zu gebahren: es sei doch „unberechtigt\", hiess\nes, wenn ein solches Kunst-Institut wie das Deine den\njüngeren, aufstrebenden Talenten keinen Raum böte, und\nwenn einflussreiche Leute wie Du einseitig seien und ihr\nclassisches Programm nicht den „tiefgefühlten Bedürfnis-\nsen der Jetztzeit\" opfern wollten. Statt aller Antwort stif-\ntetest Du ein Neues: zwischen den Haupt- und Staats-\nActionen Deiner Oratorien fugtest Du das heitere Som-\nmervergnügen ein, im Volksgarten billige Volksmusik zu\nmachen, das heisst mehrstimmige Volkslieder und allerlei\nSinfonieen; das Volk kam und freute sich: aber recht\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650204-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1189, "texte": "hattest Du's jenen Herren doch nicht gemacht, denn die\nVolkslieder waren wirklich echte Volkslieder vollen Chors,\ndie Instrumentalien beharrten bei Haydn, Mozart und\nBeethoven. Und dazu begnügtest Du Dich mit dem massi-\ngen Tonkörper Deines alten Personals, als wären wir nicht\nunterdess zwanzig Jahre fortgeschritten in das Zeitalter\nder kolossalen Unternehmungen, die uns auf donnernden\nFeuerwagen dargebracht, auf den Flügeln der Telegraphie\naller Welt verkündet wurden. Die Monster Exhibitions\nwaren nicht Deine Sache: mehr als hundert Unterthanen\nwolltest Du nicht, weil Du—eben der alte Trotzkopf wä-\nrest, und bedauertest John Bull mit seinen Tausenden un-\nter Costa's Direction. Ei, sagtest Du, es fehlt uns ja viel\nund Mancherlei, aber den Alt im Oratorium brauchen wir\ndoch nicht von Männerstimmen singen zu lassen! „So\nlange meine Ancient Music Society an ihrer erzväterlichen\nGeschlossenheit Wohlgefallen hat und ihr Hörerkreis der-\nselbe bleibt, so lange bleibe ich auch derselbe!\" das war\nDein letztes Wort; man meinte zwar, das passe etwa in\neine kleine Landstadt, aber nicht für die Stadt der In-\ntelligenz, aber es blieb dabei: item, es wurde fortgegeigt.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-02-04-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-02-04_01#c003", "volume": "bmtnabi_1865-02-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "36", "page_fin": "37", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650204-01.2.3", "titre_corps": "Pariser Briefe.", "titre_sommaire": "Pariser Briefe.", "signature_source": "B. 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Es liegt aber darin eine Ironie des Schicksals,\ndass die Franzosen der Gegenwart über ihre ältere steife\nHeroen-Tragödie und Götter-Oper durch diese Bouffon-\nnerieen das Urtheil sprechen und auf die Burlesken Scar-\nron's, des Ahnherrn der komischen Parodie in seiner „Gi-\ngantomachie\" und travestirten „Aeneide\", zurückkommen.\nAllein wo bleibt bei den heutigen Dichtern (?) dieses\nGenre's die satirische Würze, die Scarron aus den dama-\nligen politischen und socialen Zuständen schöpfte?\nEgo, !würde die Polizei ihnen zurufen. Die neueren Tra-\nvestirer greifen dafür zu plumpen Spässen und geben nur\nallzu oft das Gemeine statt des Witzigen und Komischen.\nMit Erfindung einer komischen Verwicklung zerbrechen\nsie sich den Kopf nicht: die Fabel ihres Stückes ist da,\nund ihre ganze dramatische Kunst besteht darin, die my-\nthischen Personen wie pariser Bummler sprechen und han-\ndeln zu lassen; Helena wird eine Lorette, Achill ein soldati-\nscher Benomroist, Paris ein tyroler Jodler, Agamemnon und\ndie beiden Ajax tanzen, der Seher Kalchas nimmt es beim\nKartenspiel eben nicht genau u. s. w. Dazu einige Calem-\nbourgs, von deren Geist man einen kleinen Begriff aus\nFolgendem bekommen kann: die Griechen veranstalten\ngeistige Wettspiele, d. h. sie unterhalten sich mit Chara-\nden und Bäthseln; die Aullösung einer Charade z. B. ist:\n„Locomotive\", und eines der geistreichsten Räthsel gibt\nParis auf: „Was ist für ein Unterschied zwischen Kalchas\nund einer sauren Gurke?\" Antwort:\nnichon est confit dans du que\nconfident du roi.T\nOffenbach findet nun einmal sein Vergnügen daran,\ndergleichen zu componiren, um das ich ihn zwar keines-\nwegs beneide, aber allerdings das eminente Talent aner-\nkenne, das er in dieser Sphäre der Musik offenbart. Die\nPartitur dieser „belle Helene'1 ist vielleicht die beste, die\ner geschrieben hat, denn ausser vielen allerliebsten Cou-\nplets enthält sie auch hübsche Ensembles, die zum Theil\ndurch musicalische Travestie von Motiven berühmter gros-\nsen Opern noch interessanter sind. Die neue Posse, die\nam 17. December zuerst erschien, wird auf dem\ndes Varietes gegeben eine Errungenschaft der Theater-\nfreiheit!\nFelicien David's neue Oper wurde im Theater der\nkomischen Oper bereits studirt, die Proben mussten aber\nwegen der Krankheit des Componisten, die gefährlich\nauftrat, unterbrochen werden; er ist jetzt aber auf der\nBesserung.\nMermet steht in der musicalisch-fashionablen Gesell-\nschaft auf der Höhe der Woge der Gunst. Der kriegeri-\nsche Chant du departaus seinem „Roland\" ist als\nseillaise der Paladine Karl's des Grossen besonders ge-\ndruckt! Dabei fällt mir ein, dass der Streit um die Autor-\nschaft der Marseillaise von 1792 durch die Auffindung\neines Original-Drucks zu Gunsten Rouget de l'lsle's\nendgültig entschieden ist. Dieses Exemplar ist ein halber\nBogen in Quarto, Text und Noten mit beweglichen Typen\ngedruckt mit dem Titel: Chant de guerre pour l'armee du\nRhin dedie au marechal Luhier. A Strasbourg de l'lm-\nprimerie de Ph. de Dannebach, imprimeur de la munici-\npalite. Das Blatt trägt zwar keine Jahreszahl, es ist aber\njedenfalls aus 1792, da der Marschall Lukner nach dem\n10. August 1792 sein Commando verlor wodurch die"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "37", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650204-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4986, "texte": "Priorität vor dem Abdruck von 1793, welcher den Namen\nNavoigille trägt, erwiesen ist. Da Fetis diesen späteren\nAbdruck als einen Fund des Originals betrachtete, so er-\nklärte er jetzt in einem Schreiben an Georges Kastner\n(Gazette et Revue, Nr. 44, 1864) seine Behauptung für\neinen Irrthum und wird für den VII. Band der Biogra-\nphie des Musiciens einen Carton drucken lassen, der Rou-\nget de Tlsle wieder in seine Rechte der Autorschaft von\nText und Musik des berühmten Marschliedes einsetzt.\nHiernach sind also auch meine früheren Notizen über\ndiese Angelegenheit zu berichtigen.\nUnter den Concerten stehen die\nim Cirque Napoleon unter Pasdeloup's Leitung wieder\noben an, zumal in der ersten Hälfte der Saison, wo die\nConcert-Gesellschaft des Conservatoires noch pausirt; doch\nhatte sie diesen Winter gegen ihre Gewohnheit vor Neu-\njahr ein ausserordentliches Concert zum Ehren-Andenken\nan Meyerbeer gegeben.\nDie erste Reihe der Popular-Concerte, die gewöhn-\nlich 3500 4000 Zuhörer versammeln, schloss mit dem\n11. December und die zweite begann gleich am nächsten\nSonntage darauf (den 18.) mit demselben zahlreichen\nAbonnement. Von den acht Concerten der ersten Reihe\nbrachte das erste Weber's Jubel-Ouverture, eine Sinfonie\nvon Haydn Nr. 14 in E-moll(zum ersten Male), Meyer-\nbeer's Polonaise aus Struensee, ein Andante von Mozart\nund Beethoven's O-moll-Sinfonie. Im zweiten erregte neben\nHaydn's Sinfonie Nr. 2 und Beethoven's Pastorale die\nOuvertüre zu den „Lustigen Weibern von Windsor\" von\nNicolai (zum ersten Male) einen Sturm von Beifall und\nmusste wiederholt werden. Die Kritik nannte Otto Nicolai\nun Allemand rechauffe au soleil d'ltalie, verglich seinen\nStil mit Auber und machte ihm das bescheidene Compli-\nment: il ya lä desphrases f rancaises\nl'elegance et la gräce. Im dritten Concerte erschien\nLachner's Suite in Dneben Mozart's\nim fünften Schumann's Sinfonie und Beethoven's\nC-cfer-Sinfonie. Pasdeloup hatte die Schumann'sche Sin-\nfonie früher schon einmal in den Concerten des jeunes\nArtistes in der Rue de la Victoaufgeführt. Der zweite\nVersuch, Schumann in Paris zu popularisiren, glückte noch\nweniger, als der erste: doch gaben die Blätter Pasdeloup\nRecht, dass er auch den zweiten gewagt, damit man nicht\nsagen könne, die Pariser hätten Schumann verurtheilt,\nohne ihn zu hören. „Vielleicht\" —sagte ein Bericht über\ndieses Concert „kommt seine Stunde auch noch, nach\nder Ansicht jener, die da behaupten, dass es für eine ge-\nwisse Classe von Musikern nur eine Frage der Zeit sei,\nclassisch zu werden. Für jetzt ist Schumann es für uns\nwenigstens noch nicht\" u. s. w.\nIn den folgenden Concerten kamen'von Haydn die\nSinfonieen Nr. 51 und Nr. 53 (in Es) vor*), von Mozart\ndie in D-dur(in fünf Sätzen) zum ersten Male, von Beet-\nhoven die A-dur-Sinfonie und die grosse Leonoren-Ouver-\nture Nr. 3. von Mendelssohn die Sinfonie und die\nOuvertüre zur „Fingalshöhle\" u. s. w.— Die neue Reihe\nbegann mit der Sinfonie in JEs von Haydn, der Ouvertüre\nzur englischen Oper „Lorelei\" von Wallace, welche\nstark nach Weber und Oberon schmeckt, einem Sinfonie-\nAndante von Mozart und Beethoven's Musik zu Goethe's\nEgmont.\nMan muss solchen Programmen eben so sehr wie der\nvorzüglichen Ausführung grosse Anerkennung zollen. Diese\nConcerte bekunden einen wahren Fortschritt, ja, eine Re-\nvolution in dem Geschmacke der Franzosen an Instrumen-\ntalmusik, welcher dadurch einen Aufschwung bekommen\nhat, an den vor zwanzig, ja, noch vor zehn Jahren nicht\nzu denken war.\nIm zweiten Concerte der zweiten Reihe versuchte\nPasdeloup es mit der Ouvertüre zu Wagner's „Fliegen-\ndem Holländer\" [Le Vaisseau Fantöme). Ich war nicht\nzugegen. Die Gazette et Revue schreibt darüber: „Diese\nOuvertüre ist keine Ouvertüre, sondern höchstens eine In-\ntroduction, die sich keine andere Aufgabe gestellt hat,\nals einen heftigen Sturm zu malen; selten blicken einige\nlichte Stellen hindurch, und das Ganze schliesst hart und\nroh, ohne irgend das Ohr zu befriedigen. Eine allgemeine\nMissstimmung des Publicums wurde durch tiefes Schwei-\ngen bestätigt. Das war sprechend genug, und wir be-\ndauern, dass zwei Mal gepfiffen wurde, was jedenfalls sehr\nüberflüssig war, da dergleichen Productionen keiner, wenn\nauch nur scheinbaren Partei-Aeusserungen bedürfen, um\ndurchzufallen, was ihre Aufführung allein, und zwar tief\ngenug, bewirkt.\"\nDas Conservatoire-Concert zum Andenken\nMeyerbeer's fand im December v. J. Statt und brachte\nneben Beethoven's 2?-(/wr-Sinfonie u. s. w. drei Compo-\nsitionen Meyerbeer's: einen Chor aus Margareta von Anjou\n(in Italien geschrieben), die Ouvertüre zum Pardon de\nPloermel mit dem Chor hinter dem Orchesterverschlag,\nund „Die Weihe der Dolche\" aus den Hugenotten.\n*) Sind doch die Franzosen glücklich, dass man ihnen in den\nConcerten noch Haydn'sche Sinfonieen und in den Kammermusik-\nSoireen Haydn'sche Quartette vorführt! Wir Deutsche haben es\nschon so weit gebracht („ja, bis an die Sterne weit!u), dass derglei-\nchen bei uns zu den Seltenheiten gehört!\nDie Redaction.\n\nB. P."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-02-04-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-02-04_01#c004", "volume": "bmtnabi_1865-02-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "38", "page_fin": "39", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650204-01.2.4", "titre_corps": "Beurtheilungen.", "titre_sommaire": "Beurtheilungen.", "signature_source": "Louis Kindscher", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "38", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650204-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5392, "texte": "Beurtheilungen.\n\nF. L. Schubert, Partituren-Kenntniss und Partitu-\nren-Spiel. Ein Handbüchlein für Musikstudirende\nund Musikfreunde. Leipzig, Verlag von N. Matthes.\n1864. Preis 10 Ngr.\nEs ist gewiss von so unbestreitbarem als hohem In-\nteresse, eine Partitur lesen und auch spielen zu können.\nWas kann auch wohl interessanter sein, als sich selbst\nund zu jeder beliebigen Zeit irgend ein schönes Tonwerk\nentweder im Geiste klingend zu vergegenwärtigen oder\nauch auf dem Pianoforte zur klingenden Erscheinung zu\nbringen, welches Tonwerk sonst durch eine wirkliche Mu-\nsik-Aulführung dem Ohre entweder nur selten oder auch\ngar nicht dargeboten wird. Freilich gibt es jetzt von fast\nallen guten, resp. classischen Sachen Clavier-Auszüge (ins-\nbesondere zu vier Händen) genug, wodurch sich zwar\nschon ein beabsichtigter Genuss oder auch Nachgenuss\neines solchen Werkes herbeiführen und ve»mitteln lässt;\naber diese Arrangements verhalten sich doch immer zu\ndem wirklichen Original, wie ein schwarzer Kupferstich\noder Steindruck zu einem Oelgemälde. Auch in jenen Ar-\nrangements geht das Leben, die Tonfarbe der verschiede-\nnen Orchester-Instrumente, gänzlich unter, und ist es denn\nfreilich hier am allerbesten, wenn man sich an die Quelle\ndes Originals halten kann. Und eine solche Quelle ist nun\neben die Partitur, ein Buch, worin die Geister der Instru-\nmente in schwarzer Tonschrift zwar festgebannt stehen,\ndie aber der kundige Leser nun als ein Zauberer nach\nGefallen citiren kann, dass sie ihm dienstbar sind, sofort\nzu erscheinen. Wohl tritt manchmal auch der oberste\nGeist des Componisten dazwischen und nickt ihm freund-\nlich zu, falls ihn dieser wirklich erkannt hat. Freilich\nist noch die Partitur, in diesem Sinne zumal, für die Mei-\nsten ein mit sieben Siegeln verschlossenes Buch, das seit-\nher sich nur den Fachmusikern, resp. Dirigenten, öffnete.\nAllein mit der Verbreitung des Ciavierspiels ist überhaupt\nauch die edle Tonkunst schon mehr Allgemeingut gewor-\nden, und es finden sich gegenwärtig sowohl Musikstudi-\nrende als Musikfreunde genug vom Streben beseelt, in die\nzwar unbekannten, aber doch geahnten Tiefen dieser herr-\nlichen Kunst weiter und immer weiter einzudringen. Für\nsolche ist das vorliegende Werkchen ein freundlicher, ge-\ntreuer Führer, überhaupt ist dem Referenten bis jetzt keine\nderartige Schrift bekannt, wo dieser Gegenstand so speciel\nund ausführlich behandelt wäre, wenn auch ältere Lehr-\nbücher die Kenntniss und Uebersicht der sämmtlichen Or-\nchester-Instrumente bringen.\nDem Inhalte nach gibt nun der Verfasser zunächst\ndie örtliche Uebersicht einer Partitur oder die bloss äus-\nserliche Einrichtung derselben nach ihren verschiedenen\nStimmen (S, 3—20). Nun folgt die vorläufige Kenntniss\ndes sämmtlichen Orchester-Materials, zuerst die verschie-\ndenen Streich-Instrumente, dann die Blas-Istrumente (Holz-\noder Rohr-Instrumente, Blech- oder Messing-Instrumente),\nendlich die Schlag-Instrumente (S. 20 44). Das Le-\nsen der Clarinetten-, Horn- und Trompetenstimmen, die\nzu häufig in ganz anderen Tonarten verzeichnet stehen,\nvermittelt hauptsächlich die Kenntniss der verschiedenen\nSchlüssel. Dann würde aber, ehe noch von dem hier\nnoth wendigen Combinations-Vermögen oder von\nder Fertigkeit, verschiedene Stimmen der Partitur zugleich\nzu lesen, die Rede sein kann, nach der Fähigkeit gefragt\nwerden müssen, sich eine und mehr Stimmen unter dem\nLesen wirklich klingend zu denken, bis man es endlich\nhierin bis zur Quartett-Uebersicht gebracht hat. Mit dieser\nVorstellung des allgemeinen Klanges wird sich dann auch\nnoch die der Ton färbe irgend eines Orchester-Instru-\nmentes in der Phantasie leicht vereinen. Dieses ist nun\naber eben im Ganzen betrachtet die oben erwähnte wirk-\nliche, geistige Vorstellung einer Partitur dem Klange nach,\nwelches Partitür lesen unstreitig schwieriger ist und auch\nhöher steht, als das Partiturspiel, d. h. das Wiedergeben,\ndie Uebertragung der Partitur auf dem Ciavier (also Cla-\nvier-Auszug bei Instrumentalsachen). Es werden im vor-\nliegenden Werke dem Spieler in letztgenannter Beziehung\nviele nützliche Winke geboten, die den letzten Theil (S.\n49 9l) füllen. Ausserdem bedingt dieser Gegenstand:\n1) Kenntniss der Harmonielehre, 2) aller Instrumente, 3)\nFertigkeit im Pianofortespiel (vom Blatt insbesondere), 4)\nFesthaltung der Hauptstimme und Ausscheidung der we-\nniger bedeutungsvollen Nebenstimmen. Auch hat der Ver-\nfasser eine Stufenfolge im Partiturspiel vom Leichten zum\nSchweren vorgezeichnet. Mit einer Bemerkung über die\n(S. 27) muss jedoch Referent der des Verfassers\nentgegentreten: „dass sie eigentlich Flöte heissen\nmüsste\". Wenngleich die Note c auf ihr wie des klingt, so\nkönnte der Name nun auch eben so gut durch irgend einen\nanderen Ton bestimmt werden. Dies geschieht aber hier\neinzig und allein vom tiefsten Flötentone überhaupt, der\nbeim Schlüsse sämmtlicher Tonlöcher entweder die Ton-\nhöhe dselbst oder doch relativ nach der Note gibt. Eben\ndaher hat auch die grosse Flöte den Namen D-Flöte, dess-\ngleichen die mit ihr in gleichem Tonverhältnisse stehende\nOctav- oder Piccolo-Flöte. Wird nun letztgenannte etwas\nkürzer, so wird auch nothwendig das etwas höher,\nwird also zum wirklichen es. Wenn also nun die Violinen\nin Es-dur spielen, so stimmt die mit der Es-Flöte ange-\nblasene Note dgleichfalls es.Und eben so ähnlich verhält\nes sich wieder mit der Terz-Flöte der grossen Flöte gegen-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650204-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 542, "texte": "über. Während letztere ihr d bläst, klingt das d von er-\nsterer (die um ein Bedeutendes verkürzt erscheint) eine\nkleine Terz höher, also dem wirklichen Klange nach als\nf. Davon hat sie auch wiederum ihren Namen Flöte.\nS. 44 ist noch aus Versehen der Klang der un-d«\n£-Pauke auf dem unteren System eine Oclave zu tief be-\nzeichnet. S. 56 oben im zweiten Tacte der Clarinettstimme\nmuss das letzte Tactviertel des eis in eis b verändert werden.\nEs wird hiermit das Werkchen besonders für Dilet-\ntanten bestens empfohlen.\nKothen.\n\nLouis Kindscher"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-02-04-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-02-04_01#c005", "volume": "bmtnabi_1865-02-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "39", "page_fin": "40", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650204-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650204-01.1.7", "debut_caractere": 544, "fin_caractere_exclue": 6896, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolli« Herr Capellmeister Ferdinand Hill er ist von der\nSociete des Compositeurs in Paris zum Ehren-Mitgliede ernannt\nworden.\nAm 30. vorigen Monats begann Frau Bürde-Ney ihr Gast-\nspiel im Stadttheater mit der Rolle der Valentine in Meyerbeer's\n„Hugenotten\". Das Haus war vollständig gefüllt und die Auffüh-\nrung war überhaupt recht befriedigend. Die gefeierte Sängerin hat\nuns, da zehn Jahre verflossen sind, dass wir sie hier zum letzten\nMale hörten, auf das erfreulichste durch ihre Leistung überrascht.\nWenn wir auch überzeugt waren, dass die grossen Eigenschaften\nder dramatischen Künstlerin, die richtige Auffassung jeder Aufgabe,\ndie volle Hingebung an den Charakter der Rolle, in Verbindung\nmit dem maassvollen Ausdrucke auch der leidenschaftlichen Begei-\nsterung oder des tiefsten Schmerzes in den Schranken des Schönen,\ndas 1 esthalten am Idealen im Gegensatze des Realismus, der die\nMuse in die Sphäre des Gewöhnlichen und auf den Marktplatz des\nAlltäglichen herabzieht wenn wir das alles bei Jenny Ney, weil\nes geistig und desshalb unvergänglich ist, auch jetzt noch so zu\nfinden erwarteten, wie wir es gefunden haben, so lag doch die Be-\nfürchtung nahe, dass nach dem Loose der menschlichen Dinge die\nherrlichen Mittel, welche die Natur ihr gegeben, dem künstlerischen\nStreben sich nicht mehr so gehorsam fügen dürften, wie früher.\nUnd in dieser Beziehung sprechen wir das Wort „überrascht\" aus;\ndenn die Stimme der Künstlerin erklingt in ihrer ganzen Tonleiter,*\nvon der sie nur jene höchsten Töne vermeidet, mit deren concen-\ntrirtem Strahl sie früher versengend zündete, noch in der ganzen\nrunden, vollen Schönheit des überall gleichen Wohllauts, den die\nNatur ihr gegeben und künstlerische Pflege zu hoher Vollendung\nausgebildet hat. Dazu kommt, dass diesen edlen Klang der Stimme\nein Vortrag beseelt, den keusche Reinheit von allen unkünstleri-\nschen Manieren, die heutzutage den Gesang durch falsches Porta-\nmento, Tremuliren, Contrastiren mit schreiendem Forte und unhör-\nbarem Piano, und was der Unarten mehr sind, verunstalten, voll-\nkommen frei hält, weil in der Seele der Künstlerin der Cultus des\nwahren Schönen ruht, der das Gemeine hasst und sich niemals er-\nniedrigt, dem Staunen der Menge zu fröhnen. Desshalb thut es\nEinem so wohl, wieder einmal eine Sängerin zu hören, die den\nedlen Stil der deutschen dramatisch-musicalischen Schule mit der für\nTonbildung und jegliche Technik vollendeten älteren italiänischen\nverbindet, was jetzt selbst bei grossen Talenten immer seltener wird,\nda der Applaus des grossen Haufens und die befreundete Reclame\ndafür sorgen, dass sie verdorben werden, ehe sie zur Reife kommen,\nDie vierte Soiree für Kammermusik im Hotel Disch\nbrachte uns das Violin-Quartett in A-moll, Op. 41, von Robert\nSchumann und das Op. 18 Nr. 1 in F-dur von Beethoven\n(dui ch die Herren Jap ha, Derckum, von Königs löw,\nSch mit). Die Ausführung des Schumann1 sehen Quartettes verdiente\nalle Anerkennung, die Composition liess im Ganzen kalt; die Sätze,\nbesonders der erste, beginnen vielversprechend, aber im weiteren\nVei laufe tritt die L actur an die Stelle der Inspiration, und das Ge-\nnie, die schönen Motive zu „souteniren\", wie Haydn sagt, fehlt.\nIlaydn! Wie kommt es denn, dass wir von ihm, der sonst fast re-\ngelmässig jede Sitzung mit einem seiner heiteren, frischen und ewig\nursprünglichen Quartette eröffnete, jetzt so selten etwas hören? Was\nnimmt denn der bei Weitern grösste 1 heil des Auditoriums aus\neinem Schumann sehen Quartett mit nach Hause, mag dasselbe auch\nfür die Musiker noch so interessant (denn weiter ist es am Ende\ndoch nichts) sein ? Dankbar müssen wir dafür sein, dass einmal\nwieder eines von den ersten Beethoven'schen vorkam; der rau-\nschende Beifall am Schlüsse jedes Satzes war ein bedeutender Wink\nfür die Zukunft. Was den Vortrag betrifft, so war er besonders im\nAdagio und auch im ersten Allegro recht schön bis auf die Anwen-\ndung des springenden Bogens in den Sechszehntel-Passagen, eine\nVortragsart, welche Beethoven nicht verträgt und gegen die er auch\npersönlich sehr eingenommen war. Zwischen den beiden Quartetten\nspielten die Herren Isidor Seiss, Japha und Schmit Men-\ndelssohn's Clavier-Trio in D-moll, in welchem Herr Seiss eine\nausserordentliche Bravour entwickelte, welche jedoch, obwohl Alles\ncorrect und glänzend herauskam, die theilweise Uebereilung des\nTempo's nicht rechtfertigen dürfte.\nDer in der musicalischen Welt rühmlichst bekannte Musicalien-\nVerleger Georg Wilhelm Körner in Erfurt ist am 4. Januar\nin hohem Alter gestorben. Er war als Verleger eine Specialität,\ndenn er edirte fast ausschliesslich Orgelmusik und entwickelte in\ndiesem Zweige eine Thätigkeit, in der ihm wohl alle Verleger\nDeutschlands zusammengenommen nicht gleichkamen. Es gibt kaum\neinen bedeutenden Orgel-Componisten von der ältesten bis zur\nneuesten Zeit, von welchem seine zahlreichen Sammelwerke und\nAnthologieen nicht ein oder mehrere Stücke enthalten. Körner war\nein thätiger, unternehmender, rastlos arbeitender, streng rechtlicher\nund sehr liebenswürdiger Mann.\nIIei*lill« Dem Professor und Musik-Director Julius Stern\nist von dem Grossherzog von Mecklenburg-Schwerin die goldene\nVerdienst-Medaille ertheilt worden.\nDem Herrn Commissionsrathe Wallner ist von Sr. Majestät\ndem Kaiser von Oesterreich das Ritterkreuz des Franz-Joseph-Or-\ndens verliehen worden.\nDie königliche Oper brachte Rössings „Barbier von Sevilla\"\nmit Fräulein Desiree Artöt als Rosine, jener Rolle, welche ihren\nkünstlerischen Ruf begründen half. Die Leistung war, wie immer,\neine brillante. Als Einlagen kamen diesmal zwei Chopin'sche Ma-\nzurkas, von Frau Viardot-Garcia für unseren Gast componirt, und\nein spanisches Duett mit Herrn Adams vor. An musicalischem\nWerthe stehen die Mazurkas dem Duette weit voran, und hatte\nFräulein Artot darin volle Gelegenheit, als Coloratursängerin ersten\nRanges zu glänzen. Der Almaviva des Herrn Adams war eine wohl-\ngelungene Leistung. Verdi's „Traviata\" wird in nächster Woche\nmit Fräulein Artöt in der Titelrolle in Scene gehen. Die weite-\nren Aufführungen der Offenbach'schen Oper „Die schönen Geor-\ngierinnen\" haben sich des lebhaftesten Beifalles und Besuches im\nFriedrich-Wilhelmstädter Theater zu erfreuen.\nIjelpzig, Ende Januar. In der „Norma\" sang Frau Palm-\nSpatzer die Titelrolle und zeigte sich hier in ihrer eigensten"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "40", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650204-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5224, "texte": "Sphäre; hoheitvoll, hochdramatisch und von fast überwältigendem\nAusdruck war das Spiel, welches den wirksamen Gesang unterstützte.\nWir besitzen in Frau Palm-Spatzer eine Sängerin von künstlerischer\nBedeutung, die unserer Bühne jahrelang gefehlt hat, und es ist\nein schlechtes Zeugniss für den gerühmten leipziger Kunstgeschmack,\ndass diese Künstlerin unsere Bühne wieder verlassen will, weil sie,\nfreilich nicht mehr in der Jugendblüthe stehend, desshalb nicht die\nTheilnahme findet, an welche sie gewöhnt ist und die hier jede\nSängerin findet, wenn sie nur eine frische Stimme hat und jung\nund hübsch ist, mag sie künstlerisch noch so unbedeutend sein.\nWir könnten hierüber ein ganzes Capitel schreiben, bescheiden uns\njedoch mit der Bemerkung, dass die leipziger Kunst-Enthusiasten\ndie Materie lieben, Materie um jeden Preis. Eine junge üppige Sän-\ngerin wird über die erhabenste Meisterin im dramatischen Gesänge\nden Preis erringen, und ein tenoristischer Schreihals wird über den\ngebildetsten Künstler voll Adel in Vortrag und Spiel triumphiren,\nstände er auch stockartig auf der Bühne, wenn er ihn nur über-\nschreit. J. M.\nFrankfurt a. M# Frau Haase-Capitain, welche nach\neinem Cyklus günstiger Gastspiele sich augenblicklich in Heidel-\nberg aufhält, soll voraussichtlich wieder hier engagirt werden.\n* Hamburg, 2. Februar. Die Oper „Lorelei\" von Gei-\nbel und Max Bruch hat (mit der gestrigen) sechs Vorstellungen\nbinnen zwölf Tagen hier erlebt (den 18., 22., 24., 26., 29. Januar\nund den 1. Februar); das Haus war stets gefüllt und bei der fünf-\nten und sechsten (Benefiz für Fräulein Spohr, Darstellerin der\nLeonore) gänzlich ausverkauft. Der Beifall steigerte sich von Act\nzu Act: in der fünften Vorstellung wurde nach jedem Act-\nschlusse das sämmtliche Personal gerufen, ausserdem\nnoch besonders Fräulein Spohr und Herr Brunn er (Pfalzgraf\nOtto) zwei Mal bei offener Scene. Wir haben lange nicht einen so\nglänzenden Erfolg erlebt, wozu man dem Componisten und dem\nDichter, der einen solchen Tonsetzer für sein verwaistes Buch ge-\nfunden hat, aufrichtig Glück wünschen kann.\nBremen. Vor einem zahlreichen Publicum fand am 21. vo-\nrigen Monats das Concert des geschätzten Pianisten und Musikleh-\nrers Herrn Biermann im Saale der Union Statt. Sowohl die Wahl\ndes Programms wie auch die Ausführung der einzelnen Piecen liess\nnichts zu wünschen übrig. Den Eingang des Concertes bildete eine\nvom Concertgeber und Herrn Cabisius trefflich ausgeführte (neue)\nSerenade von Ferdinand Hiller. Herr Concertmeister Bött-\njer bewies in einem Adagio und Rondo von David neuerdings\nseine Meisterschaft. Herr Riese leistete als Liedersänger Vorzüg-\nliches. Ganz besonderes Interesse nehmen die Productionen des\nHerrn Biermann mit seinen Schülern in Anspruch. Sowohl der\nMendelssohn'sche Hochzeitsmarsch aus dem „Sommernachtstraum\",\nvon vier Damen und vier Herren vorgetragen, wie auch die Semi-\nramis-Ouverture, auf acht Pianofortes von 16 Damen vorgetragen,\nüberraschten nicht nur durch die Neuheit, sondern auch durch die\nseltene Präcision und Fertigkeit, welche alle Mitwirkenden ent-\nwickelten.\nIfliilielieil« Im Laufe der letzten Woche hörten wir „Die\nRegimentstochter\", worin Fräulein Stehle wieder mit glänzendem\nErfolge wirkte. In der Vorstellung des „Propheten\" sind die Erwar-\ntungen des Publicums nicht vollständig befriedigt worden. Nur der\ninstrumentale Theil war sehr gut, der vocale Theil liess Vieles zu\nwünschen. Herr Richard als Johann von Leyden litt an merklicher\nIndisposition der Stimme; die Intonation war nicht immer sicher\nund schwankte mitunter sehr bedeutend, was mit der hörbaren Er-\nmüdung des Organs der Vermuthung Raum gewährt, dass die Stimme\nnicht ohne Anstrengung der Halsmuskeln dienstbar wird, also keine\nAusdauer mehr haben dürfte. Zudem war der Vortrag geschmacklos\nund ohne Seele, das Spiel ohne Gewandtheit und Eleganz. Besser\ngelang die Fides des Fräuleins v. Edelsberg. Die Schlittschuh-\nTänze fanden den meisten Anklang; die Sonne erschien glänzender,\nals je.\nMan schreibt uns aus London, 28. Januar: „In einem der\ngrossen von Halld zu Manchester veranstalteten Concerte ist vor-\ngestern eine Schülerin des kölner Conservatoriums, Fräulein Mar-\ntin, zum ersten Male aufgetreten. Sie spielte das Clavier-Concert\nvon Ferdinand Hiller und erzielte einen überaus glänzenden\nErfolg. Hiller's Concert, das in England bisher bloss von Gelehrten\nder Musik gekannt und geschätzt worden war, wurde von dem sehr\nkunstsinnigen Publicum Manchesters mit ungetheilter Anerkennung\naufgenommen und wird demnächst seinen Weg in die londoner Con-\ncertsäle finden. Fräulein Martin, deren Vortrag von der Kritik als\nmeisterhaft gelobt wird und die sich eines dreifachen Hervorrufs\nerfreute, wird in der nahe bevorstehenden Concert-Saison Gelegen-\nheit haben, ihrer kölner Schule und ihrem pariser Lehrer, dem treff-\nlichen Stephen Heller, Ehre zu machen.\"\nPetersburg« Im dritten Concerte der „russischen Musik-\nGesellschaft\" kam die „Walküre\" von R. Wagner, die neunte Sin-\nfonie von Beethoven, Theile aus Bach's Matthäus-Passion und Meyer-\nbeer's Struensee-Ouverture [merkwürdige Zusammenstellung!], im\nfünften dagegen der erste Theil von Schumann's „Paradies und Periu\nmit Frau Nissen-Saloman zur Aufführung."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "33", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650204-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nAus einem Briefwechsel. Pariser Briefe. 11. {La belle von J. Offenbach Noch einmal die\nConcerte). Yen B. P. Beurtheilungen. F. L. Schubert, Partituren-Kenntniss und Partituren-Spiel. Tages- und Unterhal-\ntungsblatt (Köln, Capellmeister F. Hiller, Gastspiel der Frau Bürde-Ney, Vierte Soiree für Kammermusik Erfurt, G. W. Körner \"j*\nBerlin, Auszeichnungen, Königliche Oper Leipzig, Theater Frankfurt a. M., Frau Haase-Capitain Hamburg u. s. w.).\n\nAus einem Briefwechsel.\nLieber alter Freund! Du klagst und fühlest die Be-\nschwerden Deines residenzstädtischen Lebens, wünschest\nihrer ledig zu sein und bei mir einzukehren, um im klein-\nstädtischen Gebimmel des grossstädtischen Gewimmels zu\nvergessen. Les beaux esprits Denn sieh,\nich dachte ein Gleiches, nur umgekehrt. Dich beneidete\nich um die Weitsicht Deines Blickes, die der künstleri-\nschen Seele Raum gibt, die vollkommenen Werke häufi-\nger zu vernehmen, als mir mein patriarchalischer Bezirk\nhier erlaubt. Und hätten wir getauscht, hätten Haus und\nBeruf dahinten gelassen, um unserem Kunstgelüste ganz\nnach eigenem Willen zu leben, wir würden am eigenen\nLeibe erfahren, was wir närrische Alten längst wissen\nmussten, dass es eben sowohl mitten in der Residenz Un-\nschuld und Einfalt gibt, als blasirte Narren in Krähwinkel.\nWeil ich Dich nun hier in meiner Hütte nicht früher als\nin der Fastenzeit, wo Dich Dein Babylon erst recht an-\nekelt, erwarten darf, so sende ich Dir heute, Deinen histo-\nrischen Reminiscenzen antwortend, meinen Neujahrsgruss,\nerstlich mit der Bitte, dass es unter uns beim Alten bleibe,\nzweitens mit einem Sylvester-Rückblick in die Vergangen-\nheit, drittens mit den landesüblichen Hoffnungen und\nWünschen, die wir allzeit Fortschritts-Beflissene für die\nZukunft hegen, damit die bekannten drei Tempi der Welt-\nweisen sich erfüllen und nichts, was zur Wahrheit gehört,\nunterschlagen werde.\nEs war eine Stadt am Meeresstrande, gar gemüthlich\nzu leben, noch nicht an den Welt-Schienenstrang geknüpft,\nwo wir unsere Jugend gemeinsam lebten unter Leuten\nvon wenig Kunst und vielem guten Willen, deren Wohl-\nwollen und Bildungs-Bedürfniss uns den Boden ebnete.\nViel Zeitungen las man nicht; als wir zehn Jahre vor dem\nVölker-Frühling die Schumann'sche im Casino auflegten,\nerregte sie Erstaunen, und der sehr musicalische Herr\nBürgermeister verwunderte sieb, dass es auch solche Zei-\ntungen gebe. Dafür kannten wir auch die Beclame nicht\nmit ihrem orientalischen Zauber und occidentalischer\nFrechheit. Grosse Kunst-Meteore, Unholde und Ehren-\nholde verirrten sich selten zu uns; wir beide aber arbei-\nteten in ruhigem Geleise und fanden ein dankbares Publi-\ncum für unseren bescheidenen Mozart und Haydn. Nur\nzuweilen fuhr ein am Orte unentbehrlicher Stabs-Trom-\npeter drein mit unvermeidlichem Solo-Vortrage von zwei-\nfelhaftem Inhalte, womit man den Mann glaubte warm zu\nhalten. An ihm aber ward die Bedeutung derartiger\nLückenbüsser auch dem bescheidenen Publicum klar, und\nman begab sich ruckweise vorwärts in andere Bahnen:\nden Haydn'schen „Jahreszeiten\" folgte „Messias\" und\nseitdem eine Jahre lang ununterbrochene Reihe von Hän-\ndel'schen Oratorien, die nach manchem Ach und Weh\nder Besserwissenwoller doch den Sieg behielt und nicht\nallein den kleinen Kreis inniger verband, sondern auswär-\ntigen Humbug abwehrte, da die kleine hörende Gemeinde\nallmählich hören lernte und bei allem Geklimper etwai-\nger Meister-Hämmerlinge die sich mit herandringenden\nEisenwegen jeweilig einfanden stocktaub und wasser-\nkalt blieb. Diese Wirkung erschien uns damals als eine\nobjective, aus dem inneren Werthe jener herrlichen\nWerke geborene, und wir setzten den Canon fest, dass\nalles classisch Werthvolle durch einfältigen Vortrag voll-\ngültig zur Erscheinung komme, ohne subjective Künstlich-\nkeit der Tempi und Dynamik. Nur damals? Glaubst Du\njetzt nicht mehr so? Deine letzten Briefe gaben mir einen\nStich, als wäre meine zopfige Ansicht auf dem Wege,\nüberwundener Standpunkt zu werden. Doch nein, Alter,\nich kenne Dich besser! Hast Du nicht selbst jene Objecti-\nvität auch darin anerkannt, dass wir keinen Applaus\ngestatteten und doch immer gleiche Theilnahme und wach-\nsende Zuhörerschaft gewannen aus der ganzen Provinz\nvon 200,000 Seelen? und auch daran, dass ein Weitge-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "34", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650204-01.1.2", "texte": "reister sagte, solch von Herzen Singen, das zu Herzen\ngehe, habe er noch selten gehört? Aber wir waren frech\nund kümmerten uns wenig um das Urlheil der Kritiker\nvom Fach, desto mehr um die stillschweigende Hingebung\nund stumme Andacht unseres Hörerkreises.\nde ma jeunesse!riefst Du voriges Jahr, da Du im Seebade\ndie staubige Atmosphäre Deiner Metropole abzuspülen\nlechztest;—o, warum können wir nicht mehr singen, wie\ndamals, wo Du den Stab schwangst, ich sang und geigte,\nund Alles froh war, Niemand zu rechter Stunde dicht vor\nder Aufführung krank ward, und unser Sängervölklein\nMann und Weib unermüdlich war, wo sogar die\nSolisien, diese allzeit gefährliche Nation, im Uebermaasse\nder Liebe sich vermaassen, im Händel'schen Oratorium\nSolo und Chor redlich durchzusingen, ohne eine Note zu\nunterschlagen! denn sie hatten noch nichts gehört von der\nneuen hektischen Sangmethode, die sich von der altitaliä-\nnischen bloss dadurch unterscheidet, dass jene krank\nmacht, diese gesund, weil jene trachtet nach\nAusdruck eines Gefühls, „das nicht ist\", diese aber zuerst\nrein singt und präcis, nachher alles Uebrige.\nSo sagtest Du, sehnsüchtig rückblickend, als wäre\nunsere Jugend nur auf Hosen gebettet gewesen; ein Wahr-\nzeichen des Alters, das des gewesenen Leides vergisst!\noder als wäre damals alles, was gleisst, Gold gewesen.\nNun, Dein Pensieroso-Gemüth hat Dir allzeit Streiche ge-\nspielt. Hatten wir keinen Ueberfluss an zwanzigfingerigen\nVirtuosen, so war dafür das Zurechtmachen auch des\nkleinsten Kunstvergnügens eine Hercules-Arbeit, ja, für\ndie Dauer hätten wir es selbst nicht durchgehalten, so\nwüthig zu arbeiten, wie wir damals thaten, um unsere\nHäiyiel- und Bach-Partituren mit Orchester zu versehen\n„Thaten des Genius\", die damals noch nicht in Feuille-\ntons erglänzten, wie ein Jahrzehend danach, wo die Welt\ndurchaus wissen musste, wenn Peter Meyer zum Bürger-\nCasino einen alten Marsch richtig für vier Trompeten „in-\nstrumentirt\" hatte. Ja, schön war es, wie wir damals\nlediglich in Händel, Bach und Beethoven arbeiteten und\nwirkten mit vierzig Sängern, zwanzig Geigern und Pfeifern\nund einem allezeit willigen Publicum von einigen Hundert\ndankbaren Seelen. Wir rühmten uns, Achtung vor dem\nPublicum zu haben, indem wir nicht seinen Launen\nschmeichelten, sondern die Sache selbst reden Hessen, da\nwir entweder nur Ganze aufführten, oder in den Theil-\nConcerten nicht mehr als 5 6 Sätze in wohlerwogenem\nVerhältnisse der Ideen und Tonarten brachten. In solchen\nStück-Concerten waltete Beethoven vor; er und Bach hat-\nten uns so gefangen, dass wir Mozart daneben klein fan-\nden, Haydn gar verachteten. Vorboten der Neuzeit! Aber\ndas merkten wir nicht; jene ewigen Werke waren unsere\nLust und Arbeit, des Publicums Genuss und Schule.\nStandpunkte hatten wir nicht: wir wollten nur leben und\nwirken.\nAber das war eben der Fehler, dass wir keinen Stand-\npunkt hallen. Bald wurden wir's gewahr an dem neuen\nStrome zwischen der Juli-Revolution und den Märztagen.\nJene Insel der Seligen versank, alte Freunde starben da-\nhin, wir beide wurden, sobald die neue Aera eingeläutet\nwar, getrennt. Eine Weile zeigten unsere Briefe völlige\nEinstimmigkeit in allem, was wir gut und schön fanden.\nNicht allzu lange! Bald traten auch unsere Personen in\ndie Schumann'sche Dialektik ein, um als Florestan und\nEusebius einander liebreich zu bekämpfen, und wie bei\nSchumann schlugen die Pole in ihr Gegentheil um, je\nnachdem Du oder ich mehr rechts oder links abbogen.\nSiehe, da sassen wir mitten in der Neuzeit und musslen\nFleiss thun, uns rechtzeitig mit einem guten Standpunkte\nzu versehen, gleichwie Schumann's Davidsbündler. Denn\nsobald Florestan den gräulichen Philistern eine Wette in\nden Bart warf, da riefst Du grimmig: Wir sind gemeint!\ngerirtest Dich jedoch bald als Eusebius, und ein Viertel-\njahr später fand ich Dich unter den Mitarbeitern!\nSignore Pensieroso? Auch Du, Brutus! rief ich aus. Aber\nich merkte schon, wie weit die Zeitungen ein Wörtlein\nmit zu reden hatten, seitdem die „Thaten\" des genialen\nVolks-Orientalen Jakob Meier Beer die Welt bewegten.\nGegen ihn waren ja die Geschosse der Schumann'schen\nNeuen Zeitschrift gerichtet: was es geholfen, weisst Du\nbesser, als ich, aus Deiner residentialischen Atmosphäre.\nUebrigens traten auch positive, nicht bloss polemische\nKräfte dem jüdischen Getreibe entgegen; es gingen neue\nSterne auf mit Schumann's und Mendelssohn's Blüthezeit\nund nun fingen wir beide wirklich an, Standpunkte zu\nhaben, bald streitend um Felix' oder Robert's Vorzug,\ndann wieder an Schubert und Chopin unser kritisches Ge-\nlüste wetzend, endlich um die ewigen und zeitlichen Prin-\ncipien der Kunst ernstlich entzweit, als man anfing, die\nSchönheit nach Jahreszahlen zu messen, und das Alt und\nNeu, oder zeitgemässer gesagt: Zopfzeit, Neuzeit Fort-\nschritt, Zukunft und dergleichen die Köpfe erhitzten.\nUnd wiederum kamen die Gegensätze ins Radschlagen\nnach der dialektischen Regel, indem heute ich der Zopf\nsein sollte und morgen Du. Das fand sich namentlich bei\nErwägung Schumann's ehe die „Wagner-Frage\" er-\nfunden war und Napoleon die deutsche Frage studirte.\nWenn ich unter Schumann's WTerken die älteren vorzog,\nflugs standest Du auf Seiten der jüngeren; kurz nachher\nwolltest Du Mendelssohn's Oratorien einen alternden Zug\nabmerken; consequenter Weise schmissest Du den ge-\nsammten Nachwuchs, nämlich die kleinen Mendelssöhnchen"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "35", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650204-01.1.3", "texte": "und Schumännlein, die nach 48 emporschössen wie grüne\nPetersilie, alle in einen Kasten unehrerbietig genug mit\n„brauchbarem Papier\" zusammen.\nDa musste ich ein Einsehen thun. Nachdem das Ge-\nbot christlicher Milde, andere Leute nicht geringer zu\nschätzen, als sich selbst, bei Dir nichts gefruchtet, da re-\ndete ich Dir ins Gewissen, ob wir beide denn weniger als\ndie Anderen zum epigonischen Völklein zählten oh un-\nsere Compositions-Abenteuer vor dem letzten Gerichte\nbesser bestehen würden Du aber, eben so zornig\nals schlau, retorquirtest die Gewissensfrage und ludest mir\nauf, zu sagen, was denn zu thun sei, um den verwunsche-\nnen Zuständen aufzuhelfen? Ehe ich die Antwort wusste,\nerbarmte sich unser ein gütiges Schicksal. Eben damals,\nunweit 1848, waren wir mit neu-alten Schätzen bekannt\ngeworden, die uns überfielen wie ein gewappneter Held;\nund da Dir die altkirchliche Kunst zu Herzen ging, riefst\nDu Schwärmer: Mir ist, ich wäre nun erst in meines Va-\nters Haus! und wolltest nichts weiter wissen, als Eccard,\nOrlando und Palestrina. Nun erst, sprachst Du, verstehe\nich Sebastian Bach; hier ist mehr, denn Sebastian!\nGut das, sagte ich; nun aber, wohlan: lasset uns Hütten\nbauen unter dem Himmel jener Sternennacht; nicht lange\ngefeiert, frisch! Und siehe, wir erprobten es, überboten\nuns jeder seines Ortes in Restaurations-Versuchen; ein\nJahr lang musste sogar Händel schweigen, kaum Bach'-\nsche Orgelsachen liessest Du noch gelten: alles Uebrige\nging unter in dem priesterlichen Canon Deiner neu errun-\ngenen Heiligen. Leider wurdest Du früher satt, als ich;\nDu schobst es auf die Residenzluft, ich hatte meine eige-\nnen Gedanken darüber.\nAls nun die Gewitterschläge von 48 erschollen, da\ngalt es wiederum Partei nehmen wider Willen. Zwar in\npoliticis sind wir noch so leidlich um die Barricaden weg-\ngekommen; aber dem Parteigetriebe sind wir nicht ent-\nronnen, das nun einmal von der Politik hinübersiedeln\nsollte in alle Regionen. Müssen wir uns nicht seitdem\nReactionäre schelten lassen, weil wir nicht allzeit fertig\nsind, in die zeitgemässe Posaune zu stossen, weil wir keine\nschöne Kunst ohne Schönheit wollen, weil wir den\nTriumphzug der Gaukelina Zatti ruhig an uns vorüber-\nziehen lassen, weil wir noch immer an dem alten Sym-\nbolum festhalten, dass es bei allem Kunsttreiben zu-\nerst ankomme auf Werk und Inhalt, in zweiter Linie\nerst auf Person, Kehle, Finger und Aufführung? Aber\nuns beiden war der 48er-Lärm zum Gewinne, weil wir\nnun endlich aus dem Bruderzwiste zu besserem Einver-\nständnisse wiederkehrten, nur Du in Deinem Pensieroso-\nCostume verharrend und mir gelegentlich die Folgen mei-\nnes Leichtsinnes vorhaltend, wo ich mich auch nur zur\nkleinsten Concession herabliess. Und wenn wir fürderhin\netwas zu streiten hatten, z. B. über Vischer's Aesthetik,\nHanslick's musicalische Schönheit, Hauptmanns Har-\nmonik, da ging's gelinder her, als vordem in den heissen\nKämpfen der Jugend, und im Kerne blieben wir einig,\nobwohl unser Verhältniss zur Kritik und Geschichte,\nwelche beide in unserer Gegenwart eine andere Stellung\nbehaupten, als bei den lieben Ahnen, nicht ganz dasselbe\nwar.\nIn d em, dass diese beiden Zeitmächte jetzt anders be-\nstellt seien, als vordem, dass die Kritik geistvoller, die Ge-\nschichtsforschungen gründlicher und inhaltreicher gewor-\nden, stimmten wir freilich zusammen, nicht aber in deren\nunbedingter Verehrung. Du wolltest der Geschichte nicht\neinräumen, was ihre Träger in Anspruch nahmen, und\nhattest das ewige Glockengeläute der reinen Dreiklänge\nsammt deren theoretischem Zubehör allmählich satt; ich\nwiederum mochte nicht mehr auf die Heilsamkeit der Kri-\ntik schwören, seitdem sie drohte, eine selbständige Macht\nzu werden; denn siehe, es verlautbarte aus dem doctrinä-\nren Lager, die Kritik müsse productiv werden, schaf-\nfen helfen! Nachdem sie tausend Jahre lang die demü-\nthige Magd der Kunst gewesen, sollte von nun an die\nKunst auch einmal gehorchen lernen; und was fortan die\nRitter vom Geiste Scheussliches und Unsinniges zu Tage\nbrachten, das sollte nun einmal genial heissen, weil das\nGegentheil nicht logisch zu beweisen war.\nDas wenigstens brachte die kritische Strömung zuwege,\ndass wir Sonderlinge erkannten: es ist nicht gut, dass der\nMensch allein sei; Jeder muss vom Ganzen wissen; auf,\nlasset uns am grossen Ganzen Theil nehmen als Herren\noder Knechte, Meister oder Lehrlinge! Wir mussten beide\ngar Manches von Grund auf neu lernen, wurden demü-\nthig, beharrten aber zugleich in dem stolzen Muthe, unser\nSonderliches zu wahren, und was wir wahr und wirklich\nim Herzen erlebt hatten, nicht um des Phrasenthums der\nKritik willen hinzuwerfen. „Störe mir nicht meine Cirkel!\"\nriefst Du dem Abgeordneten der heiligen Vehme entge-\ngen, als Dir freundlich zugewinkt ward. Dich etwas mehr\nzeitgemäss zu gebahren: es sei doch „unberechtigt\", hiess\nes, wenn ein solches Kunst-Institut wie das Deine den\njüngeren, aufstrebenden Talenten keinen Raum böte, und\nwenn einflussreiche Leute wie Du einseitig seien und ihr\nclassisches Programm nicht den „tiefgefühlten Bedürfnis-\nsen der Jetztzeit\" opfern wollten. Statt aller Antwort stif-\ntetest Du ein Neues: zwischen den Haupt- und Staats-\nActionen Deiner Oratorien fugtest Du das heitere Som-\nmervergnügen ein, im Volksgarten billige Volksmusik zu\nmachen, das heisst mehrstimmige Volkslieder und allerlei\nSinfonieen; das Volk kam und freute sich: aber recht\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650204-01.1.4", "texte": "hattest Du's jenen Herren doch nicht gemacht, denn die\nVolkslieder waren wirklich echte Volkslieder vollen Chors,\ndie Instrumentalien beharrten bei Haydn, Mozart und\nBeethoven. Und dazu begnügtest Du Dich mit dem massi-\ngen Tonkörper Deines alten Personals, als wären wir nicht\nunterdess zwanzig Jahre fortgeschritten in das Zeitalter\nder kolossalen Unternehmungen, die uns auf donnernden\nFeuerwagen dargebracht, auf den Flügeln der Telegraphie\naller Welt verkündet wurden. Die Monster Exhibitions\nwaren nicht Deine Sache: mehr als hundert Unterthanen\nwolltest Du nicht, weil Du—eben der alte Trotzkopf wä-\nrest, und bedauertest John Bull mit seinen Tausenden un-\nter Costa's Direction. Ei, sagtest Du, es fehlt uns ja viel\nund Mancherlei, aber den Alt im Oratorium brauchen wir\ndoch nicht von Männerstimmen singen zu lassen! „So\nlange meine Ancient Music Society an ihrer erzväterlichen\nGeschlossenheit Wohlgefallen hat und ihr Hörerkreis der-\nselbe bleibt, so lange bleibe ich auch derselbe!\" das war\nDein letztes Wort; man meinte zwar, das passe etwa in\neine kleine Landstadt, aber nicht für die Stadt der In-\ntelligenz, aber es blieb dabei: item, es wurde fortgegeigt.\n(Schluss folgt.)\n\nPariser Briefe.\n\n11.\n(I. S. Nr. 4.)\n{La belle Helene von J. Offenbach Noch einmal die\nMarseillaise Concerte.)\nSeitdem Offenbach's „Orpheus in der Unterwelt\" ein\nso unerhörtes Glück gemacht hat, ist die Caricatur des\nAntiken an die Stelle der Travestie des Modernen getreten.\nDer französische Witz, der sich sonst im Verkehren des\nHochpoetischen ins Lächerliche auszeichnete, ist kaum\nnoch in den letzten Versuchen ähnlicher Art, den Paro-\ndieen des „Tannhäuser\" und neuerlich des „Roland\" von\nMermet, wieder zu erkennen; er macht es sich bequemer,\ndie Travestirung des Olymps und der alten Heroen ist\nwohlfeiler. Es liegt aber darin eine Ironie des Schicksals,\ndass die Franzosen der Gegenwart über ihre ältere steife\nHeroen-Tragödie und Götter-Oper durch diese Bouffon-\nnerieen das Urtheil sprechen und auf die Burlesken Scar-\nron's, des Ahnherrn der komischen Parodie in seiner „Gi-\ngantomachie\" und travestirten „Aeneide\", zurückkommen.\nAllein wo bleibt bei den heutigen Dichtern (?) dieses\nGenre's die satirische Würze, die Scarron aus den dama-\nligen politischen und socialen Zuständen schöpfte?\nEgo, !würde die Polizei ihnen zurufen. Die neueren Tra-\nvestirer greifen dafür zu plumpen Spässen und geben nur\nallzu oft das Gemeine statt des Witzigen und Komischen.\nMit Erfindung einer komischen Verwicklung zerbrechen\nsie sich den Kopf nicht: die Fabel ihres Stückes ist da,\nund ihre ganze dramatische Kunst besteht darin, die my-\nthischen Personen wie pariser Bummler sprechen und han-\ndeln zu lassen; Helena wird eine Lorette, Achill ein soldati-\nscher Benomroist, Paris ein tyroler Jodler, Agamemnon und\ndie beiden Ajax tanzen, der Seher Kalchas nimmt es beim\nKartenspiel eben nicht genau u. s. w. Dazu einige Calem-\nbourgs, von deren Geist man einen kleinen Begriff aus\nFolgendem bekommen kann: die Griechen veranstalten\ngeistige Wettspiele, d. h. sie unterhalten sich mit Chara-\nden und Bäthseln; die Aullösung einer Charade z. B. ist:\n„Locomotive\", und eines der geistreichsten Räthsel gibt\nParis auf: „Was ist für ein Unterschied zwischen Kalchas\nund einer sauren Gurke?\" Antwort:\nnichon est confit dans du que\nconfident du roi.T\nOffenbach findet nun einmal sein Vergnügen daran,\ndergleichen zu componiren, um das ich ihn zwar keines-\nwegs beneide, aber allerdings das eminente Talent aner-\nkenne, das er in dieser Sphäre der Musik offenbart. Die\nPartitur dieser „belle Helene'1 ist vielleicht die beste, die\ner geschrieben hat, denn ausser vielen allerliebsten Cou-\nplets enthält sie auch hübsche Ensembles, die zum Theil\ndurch musicalische Travestie von Motiven berühmter gros-\nsen Opern noch interessanter sind. Die neue Posse, die\nam 17. December zuerst erschien, wird auf dem\ndes Varietes gegeben eine Errungenschaft der Theater-\nfreiheit!\nFelicien David's neue Oper wurde im Theater der\nkomischen Oper bereits studirt, die Proben mussten aber\nwegen der Krankheit des Componisten, die gefährlich\nauftrat, unterbrochen werden; er ist jetzt aber auf der\nBesserung.\nMermet steht in der musicalisch-fashionablen Gesell-\nschaft auf der Höhe der Woge der Gunst. Der kriegeri-\nsche Chant du departaus seinem „Roland\" ist als\nseillaise der Paladine Karl's des Grossen besonders ge-\ndruckt! Dabei fällt mir ein, dass der Streit um die Autor-\nschaft der Marseillaise von 1792 durch die Auffindung\neines Original-Drucks zu Gunsten Rouget de l'lsle's\nendgültig entschieden ist. Dieses Exemplar ist ein halber\nBogen in Quarto, Text und Noten mit beweglichen Typen\ngedruckt mit dem Titel: Chant de guerre pour l'armee du\nRhin dedie au marechal Luhier. A Strasbourg de l'lm-\nprimerie de Ph. de Dannebach, imprimeur de la munici-\npalite. Das Blatt trägt zwar keine Jahreszahl, es ist aber\njedenfalls aus 1792, da der Marschall Lukner nach dem\n10. August 1792 sein Commando verlor wodurch die"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "37", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650204-01.1.5", "texte": "Priorität vor dem Abdruck von 1793, welcher den Namen\nNavoigille trägt, erwiesen ist. Da Fetis diesen späteren\nAbdruck als einen Fund des Originals betrachtete, so er-\nklärte er jetzt in einem Schreiben an Georges Kastner\n(Gazette et Revue, Nr. 44, 1864) seine Behauptung für\neinen Irrthum und wird für den VII. Band der Biogra-\nphie des Musiciens einen Carton drucken lassen, der Rou-\nget de Tlsle wieder in seine Rechte der Autorschaft von\nText und Musik des berühmten Marschliedes einsetzt.\nHiernach sind also auch meine früheren Notizen über\ndiese Angelegenheit zu berichtigen.\nUnter den Concerten stehen die\nim Cirque Napoleon unter Pasdeloup's Leitung wieder\noben an, zumal in der ersten Hälfte der Saison, wo die\nConcert-Gesellschaft des Conservatoires noch pausirt; doch\nhatte sie diesen Winter gegen ihre Gewohnheit vor Neu-\njahr ein ausserordentliches Concert zum Ehren-Andenken\nan Meyerbeer gegeben.\nDie erste Reihe der Popular-Concerte, die gewöhn-\nlich 3500 4000 Zuhörer versammeln, schloss mit dem\n11. December und die zweite begann gleich am nächsten\nSonntage darauf (den 18.) mit demselben zahlreichen\nAbonnement. Von den acht Concerten der ersten Reihe\nbrachte das erste Weber's Jubel-Ouverture, eine Sinfonie\nvon Haydn Nr. 14 in E-moll(zum ersten Male), Meyer-\nbeer's Polonaise aus Struensee, ein Andante von Mozart\nund Beethoven's O-moll-Sinfonie. Im zweiten erregte neben\nHaydn's Sinfonie Nr. 2 und Beethoven's Pastorale die\nOuvertüre zu den „Lustigen Weibern von Windsor\" von\nNicolai (zum ersten Male) einen Sturm von Beifall und\nmusste wiederholt werden. Die Kritik nannte Otto Nicolai\nun Allemand rechauffe au soleil d'ltalie, verglich seinen\nStil mit Auber und machte ihm das bescheidene Compli-\nment: il ya lä desphrases f rancaises\nl'elegance et la gräce. Im dritten Concerte erschien\nLachner's Suite in Dneben Mozart's\nim fünften Schumann's Sinfonie und Beethoven's\nC-cfer-Sinfonie. Pasdeloup hatte die Schumann'sche Sin-\nfonie früher schon einmal in den Concerten des jeunes\nArtistes in der Rue de la Victoaufgeführt. Der zweite\nVersuch, Schumann in Paris zu popularisiren, glückte noch\nweniger, als der erste: doch gaben die Blätter Pasdeloup\nRecht, dass er auch den zweiten gewagt, damit man nicht\nsagen könne, die Pariser hätten Schumann verurtheilt,\nohne ihn zu hören. „Vielleicht\" —sagte ein Bericht über\ndieses Concert „kommt seine Stunde auch noch, nach\nder Ansicht jener, die da behaupten, dass es für eine ge-\nwisse Classe von Musikern nur eine Frage der Zeit sei,\nclassisch zu werden. Für jetzt ist Schumann es für uns\nwenigstens noch nicht\" u. s. w.\nIn den folgenden Concerten kamen'von Haydn die\nSinfonieen Nr. 51 und Nr. 53 (in Es) vor*), von Mozart\ndie in D-dur(in fünf Sätzen) zum ersten Male, von Beet-\nhoven die A-dur-Sinfonie und die grosse Leonoren-Ouver-\nture Nr. 3. von Mendelssohn die Sinfonie und die\nOuvertüre zur „Fingalshöhle\" u. s. w.— Die neue Reihe\nbegann mit der Sinfonie in JEs von Haydn, der Ouvertüre\nzur englischen Oper „Lorelei\" von Wallace, welche\nstark nach Weber und Oberon schmeckt, einem Sinfonie-\nAndante von Mozart und Beethoven's Musik zu Goethe's\nEgmont.\nMan muss solchen Programmen eben so sehr wie der\nvorzüglichen Ausführung grosse Anerkennung zollen. Diese\nConcerte bekunden einen wahren Fortschritt, ja, eine Re-\nvolution in dem Geschmacke der Franzosen an Instrumen-\ntalmusik, welcher dadurch einen Aufschwung bekommen\nhat, an den vor zwanzig, ja, noch vor zehn Jahren nicht\nzu denken war.\nIm zweiten Concerte der zweiten Reihe versuchte\nPasdeloup es mit der Ouvertüre zu Wagner's „Fliegen-\ndem Holländer\" [Le Vaisseau Fantöme). Ich war nicht\nzugegen. Die Gazette et Revue schreibt darüber: „Diese\nOuvertüre ist keine Ouvertüre, sondern höchstens eine In-\ntroduction, die sich keine andere Aufgabe gestellt hat,\nals einen heftigen Sturm zu malen; selten blicken einige\nlichte Stellen hindurch, und das Ganze schliesst hart und\nroh, ohne irgend das Ohr zu befriedigen. Eine allgemeine\nMissstimmung des Publicums wurde durch tiefes Schwei-\ngen bestätigt. Das war sprechend genug, und wir be-\ndauern, dass zwei Mal gepfiffen wurde, was jedenfalls sehr\nüberflüssig war, da dergleichen Productionen keiner, wenn\nauch nur scheinbaren Partei-Aeusserungen bedürfen, um\ndurchzufallen, was ihre Aufführung allein, und zwar tief\ngenug, bewirkt.\"\nDas Conservatoire-Concert zum Andenken\nMeyerbeer's fand im December v. J. Statt und brachte\nneben Beethoven's 2?-(/wr-Sinfonie u. s. w. drei Compo-\nsitionen Meyerbeer's: einen Chor aus Margareta von Anjou\n(in Italien geschrieben), die Ouvertüre zum Pardon de\nPloermel mit dem Chor hinter dem Orchesterverschlag,\nund „Die Weihe der Dolche\" aus den Hugenotten.\n*) Sind doch die Franzosen glücklich, dass man ihnen in den\nConcerten noch Haydn'sche Sinfonieen und in den Kammermusik-\nSoireen Haydn'sche Quartette vorführt! Wir Deutsche haben es\nschon so weit gebracht („ja, bis an die Sterne weit!u), dass derglei-\nchen bei uns zu den Seltenheiten gehört!\nDie Redaction.\n\nB. P."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "38", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650204-01.1.6", "texte": "Beurtheilungen.\n\nF. L. Schubert, Partituren-Kenntniss und Partitu-\nren-Spiel. Ein Handbüchlein für Musikstudirende\nund Musikfreunde. Leipzig, Verlag von N. Matthes.\n1864. Preis 10 Ngr.\nEs ist gewiss von so unbestreitbarem als hohem In-\nteresse, eine Partitur lesen und auch spielen zu können.\nWas kann auch wohl interessanter sein, als sich selbst\nund zu jeder beliebigen Zeit irgend ein schönes Tonwerk\nentweder im Geiste klingend zu vergegenwärtigen oder\nauch auf dem Pianoforte zur klingenden Erscheinung zu\nbringen, welches Tonwerk sonst durch eine wirkliche Mu-\nsik-Aulführung dem Ohre entweder nur selten oder auch\ngar nicht dargeboten wird. Freilich gibt es jetzt von fast\nallen guten, resp. classischen Sachen Clavier-Auszüge (ins-\nbesondere zu vier Händen) genug, wodurch sich zwar\nschon ein beabsichtigter Genuss oder auch Nachgenuss\neines solchen Werkes herbeiführen und ve»mitteln lässt;\naber diese Arrangements verhalten sich doch immer zu\ndem wirklichen Original, wie ein schwarzer Kupferstich\noder Steindruck zu einem Oelgemälde. Auch in jenen Ar-\nrangements geht das Leben, die Tonfarbe der verschiede-\nnen Orchester-Instrumente, gänzlich unter, und ist es denn\nfreilich hier am allerbesten, wenn man sich an die Quelle\ndes Originals halten kann. Und eine solche Quelle ist nun\neben die Partitur, ein Buch, worin die Geister der Instru-\nmente in schwarzer Tonschrift zwar festgebannt stehen,\ndie aber der kundige Leser nun als ein Zauberer nach\nGefallen citiren kann, dass sie ihm dienstbar sind, sofort\nzu erscheinen. Wohl tritt manchmal auch der oberste\nGeist des Componisten dazwischen und nickt ihm freund-\nlich zu, falls ihn dieser wirklich erkannt hat. Freilich\nist noch die Partitur, in diesem Sinne zumal, für die Mei-\nsten ein mit sieben Siegeln verschlossenes Buch, das seit-\nher sich nur den Fachmusikern, resp. Dirigenten, öffnete.\nAllein mit der Verbreitung des Ciavierspiels ist überhaupt\nauch die edle Tonkunst schon mehr Allgemeingut gewor-\nden, und es finden sich gegenwärtig sowohl Musikstudi-\nrende als Musikfreunde genug vom Streben beseelt, in die\nzwar unbekannten, aber doch geahnten Tiefen dieser herr-\nlichen Kunst weiter und immer weiter einzudringen. Für\nsolche ist das vorliegende Werkchen ein freundlicher, ge-\ntreuer Führer, überhaupt ist dem Referenten bis jetzt keine\nderartige Schrift bekannt, wo dieser Gegenstand so speciel\nund ausführlich behandelt wäre, wenn auch ältere Lehr-\nbücher die Kenntniss und Uebersicht der sämmtlichen Or-\nchester-Instrumente bringen.\nDem Inhalte nach gibt nun der Verfasser zunächst\ndie örtliche Uebersicht einer Partitur oder die bloss äus-\nserliche Einrichtung derselben nach ihren verschiedenen\nStimmen (S, 3—20). Nun folgt die vorläufige Kenntniss\ndes sämmtlichen Orchester-Materials, zuerst die verschie-\ndenen Streich-Instrumente, dann die Blas-Istrumente (Holz-\noder Rohr-Instrumente, Blech- oder Messing-Instrumente),\nendlich die Schlag-Instrumente (S. 20 44). Das Le-\nsen der Clarinetten-, Horn- und Trompetenstimmen, die\nzu häufig in ganz anderen Tonarten verzeichnet stehen,\nvermittelt hauptsächlich die Kenntniss der verschiedenen\nSchlüssel. Dann würde aber, ehe noch von dem hier\nnoth wendigen Combinations-Vermögen oder von\nder Fertigkeit, verschiedene Stimmen der Partitur zugleich\nzu lesen, die Rede sein kann, nach der Fähigkeit gefragt\nwerden müssen, sich eine und mehr Stimmen unter dem\nLesen wirklich klingend zu denken, bis man es endlich\nhierin bis zur Quartett-Uebersicht gebracht hat. Mit dieser\nVorstellung des allgemeinen Klanges wird sich dann auch\nnoch die der Ton färbe irgend eines Orchester-Instru-\nmentes in der Phantasie leicht vereinen. Dieses ist nun\naber eben im Ganzen betrachtet die oben erwähnte wirk-\nliche, geistige Vorstellung einer Partitur dem Klange nach,\nwelches Partitür lesen unstreitig schwieriger ist und auch\nhöher steht, als das Partiturspiel, d. h. das Wiedergeben,\ndie Uebertragung der Partitur auf dem Ciavier (also Cla-\nvier-Auszug bei Instrumentalsachen). Es werden im vor-\nliegenden Werke dem Spieler in letztgenannter Beziehung\nviele nützliche Winke geboten, die den letzten Theil (S.\n49 9l) füllen. Ausserdem bedingt dieser Gegenstand:\n1) Kenntniss der Harmonielehre, 2) aller Instrumente, 3)\nFertigkeit im Pianofortespiel (vom Blatt insbesondere), 4)\nFesthaltung der Hauptstimme und Ausscheidung der we-\nniger bedeutungsvollen Nebenstimmen. Auch hat der Ver-\nfasser eine Stufenfolge im Partiturspiel vom Leichten zum\nSchweren vorgezeichnet. Mit einer Bemerkung über die\n(S. 27) muss jedoch Referent der des Verfassers\nentgegentreten: „dass sie eigentlich Flöte heissen\nmüsste\". Wenngleich die Note c auf ihr wie des klingt, so\nkönnte der Name nun auch eben so gut durch irgend einen\nanderen Ton bestimmt werden. Dies geschieht aber hier\neinzig und allein vom tiefsten Flötentone überhaupt, der\nbeim Schlüsse sämmtlicher Tonlöcher entweder die Ton-\nhöhe dselbst oder doch relativ nach der Note gibt. Eben\ndaher hat auch die grosse Flöte den Namen D-Flöte, dess-\ngleichen die mit ihr in gleichem Tonverhältnisse stehende\nOctav- oder Piccolo-Flöte. Wird nun letztgenannte etwas\nkürzer, so wird auch nothwendig das etwas höher,\nwird also zum wirklichen es. Wenn also nun die Violinen\nin Es-dur spielen, so stimmt die mit der Es-Flöte ange-\nblasene Note dgleichfalls es.Und eben so ähnlich verhält\nes sich wieder mit der Terz-Flöte der grossen Flöte gegen-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650204-01.1.7", "texte": "über. Während letztere ihr d bläst, klingt das d von er-\nsterer (die um ein Bedeutendes verkürzt erscheint) eine\nkleine Terz höher, also dem wirklichen Klange nach als\nf. Davon hat sie auch wiederum ihren Namen Flöte.\nS. 44 ist noch aus Versehen der Klang der un-d«\n£-Pauke auf dem unteren System eine Oclave zu tief be-\nzeichnet. S. 56 oben im zweiten Tacte der Clarinettstimme\nmuss das letzte Tactviertel des eis in eis b verändert werden.\nEs wird hiermit das Werkchen besonders für Dilet-\ntanten bestens empfohlen.\nKothen.\n\nLouis Kindscher\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolli« Herr Capellmeister Ferdinand Hill er ist von der\nSociete des Compositeurs in Paris zum Ehren-Mitgliede ernannt\nworden.\nAm 30. vorigen Monats begann Frau Bürde-Ney ihr Gast-\nspiel im Stadttheater mit der Rolle der Valentine in Meyerbeer's\n„Hugenotten\". Das Haus war vollständig gefüllt und die Auffüh-\nrung war überhaupt recht befriedigend. Die gefeierte Sängerin hat\nuns, da zehn Jahre verflossen sind, dass wir sie hier zum letzten\nMale hörten, auf das erfreulichste durch ihre Leistung überrascht.\nWenn wir auch überzeugt waren, dass die grossen Eigenschaften\nder dramatischen Künstlerin, die richtige Auffassung jeder Aufgabe,\ndie volle Hingebung an den Charakter der Rolle, in Verbindung\nmit dem maassvollen Ausdrucke auch der leidenschaftlichen Begei-\nsterung oder des tiefsten Schmerzes in den Schranken des Schönen,\ndas 1 esthalten am Idealen im Gegensatze des Realismus, der die\nMuse in die Sphäre des Gewöhnlichen und auf den Marktplatz des\nAlltäglichen herabzieht wenn wir das alles bei Jenny Ney, weil\nes geistig und desshalb unvergänglich ist, auch jetzt noch so zu\nfinden erwarteten, wie wir es gefunden haben, so lag doch die Be-\nfürchtung nahe, dass nach dem Loose der menschlichen Dinge die\nherrlichen Mittel, welche die Natur ihr gegeben, dem künstlerischen\nStreben sich nicht mehr so gehorsam fügen dürften, wie früher.\nUnd in dieser Beziehung sprechen wir das Wort „überrascht\" aus;\ndenn die Stimme der Künstlerin erklingt in ihrer ganzen Tonleiter,*\nvon der sie nur jene höchsten Töne vermeidet, mit deren concen-\ntrirtem Strahl sie früher versengend zündete, noch in der ganzen\nrunden, vollen Schönheit des überall gleichen Wohllauts, den die\nNatur ihr gegeben und künstlerische Pflege zu hoher Vollendung\nausgebildet hat. Dazu kommt, dass diesen edlen Klang der Stimme\nein Vortrag beseelt, den keusche Reinheit von allen unkünstleri-\nschen Manieren, die heutzutage den Gesang durch falsches Porta-\nmento, Tremuliren, Contrastiren mit schreiendem Forte und unhör-\nbarem Piano, und was der Unarten mehr sind, verunstalten, voll-\nkommen frei hält, weil in der Seele der Künstlerin der Cultus des\nwahren Schönen ruht, der das Gemeine hasst und sich niemals er-\nniedrigt, dem Staunen der Menge zu fröhnen. Desshalb thut es\nEinem so wohl, wieder einmal eine Sängerin zu hören, die den\nedlen Stil der deutschen dramatisch-musicalischen Schule mit der für\nTonbildung und jegliche Technik vollendeten älteren italiänischen\nverbindet, was jetzt selbst bei grossen Talenten immer seltener wird,\nda der Applaus des grossen Haufens und die befreundete Reclame\ndafür sorgen, dass sie verdorben werden, ehe sie zur Reife kommen,\nDie vierte Soiree für Kammermusik im Hotel Disch\nbrachte uns das Violin-Quartett in A-moll, Op. 41, von Robert\nSchumann und das Op. 18 Nr. 1 in F-dur von Beethoven\n(dui ch die Herren Jap ha, Derckum, von Königs löw,\nSch mit). Die Ausführung des Schumann1 sehen Quartettes verdiente\nalle Anerkennung, die Composition liess im Ganzen kalt; die Sätze,\nbesonders der erste, beginnen vielversprechend, aber im weiteren\nVei laufe tritt die L actur an die Stelle der Inspiration, und das Ge-\nnie, die schönen Motive zu „souteniren\", wie Haydn sagt, fehlt.\nIlaydn! Wie kommt es denn, dass wir von ihm, der sonst fast re-\ngelmässig jede Sitzung mit einem seiner heiteren, frischen und ewig\nursprünglichen Quartette eröffnete, jetzt so selten etwas hören? Was\nnimmt denn der bei Weitern grösste 1 heil des Auditoriums aus\neinem Schumann sehen Quartett mit nach Hause, mag dasselbe auch\nfür die Musiker noch so interessant (denn weiter ist es am Ende\ndoch nichts) sein ? Dankbar müssen wir dafür sein, dass einmal\nwieder eines von den ersten Beethoven'schen vorkam; der rau-\nschende Beifall am Schlüsse jedes Satzes war ein bedeutender Wink\nfür die Zukunft. Was den Vortrag betrifft, so war er besonders im\nAdagio und auch im ersten Allegro recht schön bis auf die Anwen-\ndung des springenden Bogens in den Sechszehntel-Passagen, eine\nVortragsart, welche Beethoven nicht verträgt und gegen die er auch\npersönlich sehr eingenommen war. Zwischen den beiden Quartetten\nspielten die Herren Isidor Seiss, Japha und Schmit Men-\ndelssohn's Clavier-Trio in D-moll, in welchem Herr Seiss eine\nausserordentliche Bravour entwickelte, welche jedoch, obwohl Alles\ncorrect und glänzend herauskam, die theilweise Uebereilung des\nTempo's nicht rechtfertigen dürfte.\nDer in der musicalischen Welt rühmlichst bekannte Musicalien-\nVerleger Georg Wilhelm Körner in Erfurt ist am 4. Januar\nin hohem Alter gestorben. Er war als Verleger eine Specialität,\ndenn er edirte fast ausschliesslich Orgelmusik und entwickelte in\ndiesem Zweige eine Thätigkeit, in der ihm wohl alle Verleger\nDeutschlands zusammengenommen nicht gleichkamen. Es gibt kaum\neinen bedeutenden Orgel-Componisten von der ältesten bis zur\nneuesten Zeit, von welchem seine zahlreichen Sammelwerke und\nAnthologieen nicht ein oder mehrere Stücke enthalten. Körner war\nein thätiger, unternehmender, rastlos arbeitender, streng rechtlicher\nund sehr liebenswürdiger Mann.\nIIei*lill« Dem Professor und Musik-Director Julius Stern\nist von dem Grossherzog von Mecklenburg-Schwerin die goldene\nVerdienst-Medaille ertheilt worden.\nDem Herrn Commissionsrathe Wallner ist von Sr. Majestät\ndem Kaiser von Oesterreich das Ritterkreuz des Franz-Joseph-Or-\ndens verliehen worden.\nDie königliche Oper brachte Rössings „Barbier von Sevilla\"\nmit Fräulein Desiree Artöt als Rosine, jener Rolle, welche ihren\nkünstlerischen Ruf begründen half. Die Leistung war, wie immer,\neine brillante. Als Einlagen kamen diesmal zwei Chopin'sche Ma-\nzurkas, von Frau Viardot-Garcia für unseren Gast componirt, und\nein spanisches Duett mit Herrn Adams vor. An musicalischem\nWerthe stehen die Mazurkas dem Duette weit voran, und hatte\nFräulein Artot darin volle Gelegenheit, als Coloratursängerin ersten\nRanges zu glänzen. Der Almaviva des Herrn Adams war eine wohl-\ngelungene Leistung. Verdi's „Traviata\" wird in nächster Woche\nmit Fräulein Artöt in der Titelrolle in Scene gehen. Die weite-\nren Aufführungen der Offenbach'schen Oper „Die schönen Geor-\ngierinnen\" haben sich des lebhaftesten Beifalles und Besuches im\nFriedrich-Wilhelmstädter Theater zu erfreuen.\nIjelpzig, Ende Januar. In der „Norma\" sang Frau Palm-\nSpatzer die Titelrolle und zeigte sich hier in ihrer eigensten"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "40", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650204-01.1.8", "texte": "Sphäre; hoheitvoll, hochdramatisch und von fast überwältigendem\nAusdruck war das Spiel, welches den wirksamen Gesang unterstützte.\nWir besitzen in Frau Palm-Spatzer eine Sängerin von künstlerischer\nBedeutung, die unserer Bühne jahrelang gefehlt hat, und es ist\nein schlechtes Zeugniss für den gerühmten leipziger Kunstgeschmack,\ndass diese Künstlerin unsere Bühne wieder verlassen will, weil sie,\nfreilich nicht mehr in der Jugendblüthe stehend, desshalb nicht die\nTheilnahme findet, an welche sie gewöhnt ist und die hier jede\nSängerin findet, wenn sie nur eine frische Stimme hat und jung\nund hübsch ist, mag sie künstlerisch noch so unbedeutend sein.\nWir könnten hierüber ein ganzes Capitel schreiben, bescheiden uns\njedoch mit der Bemerkung, dass die leipziger Kunst-Enthusiasten\ndie Materie lieben, Materie um jeden Preis. Eine junge üppige Sän-\ngerin wird über die erhabenste Meisterin im dramatischen Gesänge\nden Preis erringen, und ein tenoristischer Schreihals wird über den\ngebildetsten Künstler voll Adel in Vortrag und Spiel triumphiren,\nstände er auch stockartig auf der Bühne, wenn er ihn nur über-\nschreit. J. M.\nFrankfurt a. M# Frau Haase-Capitain, welche nach\neinem Cyklus günstiger Gastspiele sich augenblicklich in Heidel-\nberg aufhält, soll voraussichtlich wieder hier engagirt werden.\n* Hamburg, 2. Februar. Die Oper „Lorelei\" von Gei-\nbel und Max Bruch hat (mit der gestrigen) sechs Vorstellungen\nbinnen zwölf Tagen hier erlebt (den 18., 22., 24., 26., 29. Januar\nund den 1. Februar); das Haus war stets gefüllt und bei der fünf-\nten und sechsten (Benefiz für Fräulein Spohr, Darstellerin der\nLeonore) gänzlich ausverkauft. Der Beifall steigerte sich von Act\nzu Act: in der fünften Vorstellung wurde nach jedem Act-\nschlusse das sämmtliche Personal gerufen, ausserdem\nnoch besonders Fräulein Spohr und Herr Brunn er (Pfalzgraf\nOtto) zwei Mal bei offener Scene. Wir haben lange nicht einen so\nglänzenden Erfolg erlebt, wozu man dem Componisten und dem\nDichter, der einen solchen Tonsetzer für sein verwaistes Buch ge-\nfunden hat, aufrichtig Glück wünschen kann.\nBremen. Vor einem zahlreichen Publicum fand am 21. vo-\nrigen Monats das Concert des geschätzten Pianisten und Musikleh-\nrers Herrn Biermann im Saale der Union Statt. Sowohl die Wahl\ndes Programms wie auch die Ausführung der einzelnen Piecen liess\nnichts zu wünschen übrig. Den Eingang des Concertes bildete eine\nvom Concertgeber und Herrn Cabisius trefflich ausgeführte (neue)\nSerenade von Ferdinand Hiller. Herr Concertmeister Bött-\njer bewies in einem Adagio und Rondo von David neuerdings\nseine Meisterschaft. Herr Riese leistete als Liedersänger Vorzüg-\nliches. Ganz besonderes Interesse nehmen die Productionen des\nHerrn Biermann mit seinen Schülern in Anspruch. Sowohl der\nMendelssohn'sche Hochzeitsmarsch aus dem „Sommernachtstraum\",\nvon vier Damen und vier Herren vorgetragen, wie auch die Semi-\nramis-Ouverture, auf acht Pianofortes von 16 Damen vorgetragen,\nüberraschten nicht nur durch die Neuheit, sondern auch durch die\nseltene Präcision und Fertigkeit, welche alle Mitwirkenden ent-\nwickelten.\nIfliilielieil« Im Laufe der letzten Woche hörten wir „Die\nRegimentstochter\", worin Fräulein Stehle wieder mit glänzendem\nErfolge wirkte. In der Vorstellung des „Propheten\" sind die Erwar-\ntungen des Publicums nicht vollständig befriedigt worden. Nur der\ninstrumentale Theil war sehr gut, der vocale Theil liess Vieles zu\nwünschen. Herr Richard als Johann von Leyden litt an merklicher\nIndisposition der Stimme; die Intonation war nicht immer sicher\nund schwankte mitunter sehr bedeutend, was mit der hörbaren Er-\nmüdung des Organs der Vermuthung Raum gewährt, dass die Stimme\nnicht ohne Anstrengung der Halsmuskeln dienstbar wird, also keine\nAusdauer mehr haben dürfte. Zudem war der Vortrag geschmacklos\nund ohne Seele, das Spiel ohne Gewandtheit und Eleganz. Besser\ngelang die Fides des Fräuleins v. Edelsberg. Die Schlittschuh-\nTänze fanden den meisten Anklang; die Sonne erschien glänzender,\nals je.\nMan schreibt uns aus London, 28. Januar: „In einem der\ngrossen von Halld zu Manchester veranstalteten Concerte ist vor-\ngestern eine Schülerin des kölner Conservatoriums, Fräulein Mar-\ntin, zum ersten Male aufgetreten. Sie spielte das Clavier-Concert\nvon Ferdinand Hiller und erzielte einen überaus glänzenden\nErfolg. Hiller's Concert, das in England bisher bloss von Gelehrten\nder Musik gekannt und geschätzt worden war, wurde von dem sehr\nkunstsinnigen Publicum Manchesters mit ungetheilter Anerkennung\naufgenommen und wird demnächst seinen Weg in die londoner Con-\ncertsäle finden. Fräulein Martin, deren Vortrag von der Kritik als\nmeisterhaft gelobt wird und die sich eines dreifachen Hervorrufs\nerfreute, wird in der nahe bevorstehenden Concert-Saison Gelegen-\nheit haben, ihrer kölner Schule und ihrem pariser Lehrer, dem treff-\nlichen Stephen Heller, Ehre zu machen.\"\nPetersburg« Im dritten Concerte der „russischen Musik-\nGesellschaft\" kam die „Walküre\" von R. Wagner, die neunte Sin-\nfonie von Beethoven, Theile aus Bach's Matthäus-Passion und Meyer-\nbeer's Struensee-Ouverture [merkwürdige Zusammenstellung!], im\nfünften dagegen der erste Theil von Schumann's „Paradies und Periu\nmit Frau Nissen-Saloman zur Aufführung."}]}