{"numero_id": "bm-bmtnabi-1865-02-11-01", "volume": "bmtnabi_1865-02-11_01", "ocr_sha256": "46012a7b394cdfbb68c5b0339693683689627f7198f2bf632f6b9ec08f768c70", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1865/02/11_01/bmtnabi_1865-02-11_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650211-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1865-02-11-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-02-11_01#c001", "volume": "bmtnabi_1865-02-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "41", "page_fin": "41", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650211-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "41", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650211-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 463, "texte": "Inhalt.\nAus einem Briefwechsel. (Schluss.) Beurtheilungeji. I. Musica divina von Dr. C. Proske. 11. Wohlfeiler katholi-\nscher Kirchenschatz. 111. Magister choralis von Dr. Haberl. Von Dr. D. M. Wilhelm von Beckerath f. Joseph Proksch\n(Nekrolog). Curiosum. Ullman's Concert in Köln. Siebentes Gesellscliafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Un-\nterhaltungsblatt (Köln, Charles Oberthür Braunschweig, Abonnements-Concert Hannover, Joachim Leipzig u. s. w.)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-02-11-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-02-11_01#c002", "volume": "bmtnabi_1865-02-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "41", "page_fin": "43", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650211-01.2.2", "titre_corps": "Aus einem Briefwechsel.", "titre_sommaire": "Aus einem Briefwechsel.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "41", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650211-01.1.1", "debut_caractere": 465, "fin_caractere_exclue": 4267, "texte": "Aus einem Briefwechsel.\n(Schluss, S. Nr. 5.)\nDer Zorn über die liederfahrenden Freischaren, die\nDu unhöflich genug titulirtest als Mönchs-Chor mit obli-\ngatem Eunuchen-Register, trug Dir den Schimpfnamen\ndes Kreuzzeitungsritters ein, den man in guter Gesellschaft\nnicht gern sieht; der Ingrimm gegen die transatlanti-\nsche Virtuosen-Compagnie mit ihrem unermüdlich wie-\nderholten Programm war unvorsichtig, zumal der ge-\nbildete Philister nach vorher eingezahltem Champagner-\nThaler ein schmerzliches Entzücken verrieth, das wenig-\nstens Beachtung verdiente. Billig hättest Du ansehen sollen,\nwas sie leisteten, nicht, was ihnen fehlte. Ist denn nicht\nmindestens Eine Leistung, nämlich die unbarmherzige Auf-\nopferung alles Eigenwillens um der willen, eine\nlöbliche Sache? Ein wenig Ruhm verschmäht ja selbst\nSignor Eusebius nicht! Und ist es denn nicht aller Ehren\nwerth, seine Vernunft gefangen nehmen unter den Gehor-\nsam des Glaubens an die allmächtige Voxpopuli, die nun\neinmal von ihren Schulmeistern gelernt hat, den Anschlag\nhöher achten, als das Angeschlagene? Und ist nicht die\nvorgeschrittene Technik auch Ursache, dass manche treff-\nliche Werke leichter und häufiger vielleicht auch voll-\nkommener zu Gehör kommen, als jemals früher? Hat\nnicht Beelhoven die heutige Virtuosität der Orchester mit\nveranlasst, welche nun auch ihrerseits dankbar ist, ihn zu\nfeiern? Also: ich haue nicht in mein eigen Fleisch, wenn\nich, was gut an der Virtuosität ist, erkenne, den bösen\nVirtuosen aber insgesammt Einen Hals wünsche, wie Do-\nmitian dem römischen Volke.\nGenug von unseren Privat-Interessen. Lass uns das\nöffentliche Kunsttreiben nun auch von einer anderen Seite\nansehen, der tröstlichen zukunftschwangeren, Dir zum\nTröste, der Du im letzten Briefe untröstlich jammertest\nüber die Zustände unserer verwunschenen Race. Es sind\ndie in der Tiefe grabenden historischen Studien, deren\naufgehender Stern Dich mit Begeisterung erfüllte. Zwar\nbist Du nach heissem Anlaufe müde geworden, aber\nkannst Dich doch nicht dess erwehren, was Du dem\nWachsthume jener Studien dankst. Selbst Dein Trübsinn,\nalles Heutige schwarz anzusehen, stammt mit aus Deinen\nso redlich begonnenen Studien, die Du nur nicht zu dem\nZiele geführt hast, wo ein Trost der dunkelen Zeit liegt.\nDenn die Geschichte lehrt auch unter Anderem: Alles hat\nseine Zeit, Bauen und Zerstören, Anfangen und Aufhören,\nSammeln und Zerstreuen. Bist Du nun so überzeugt, wie\nich es einiger Maassen bin, dass unsere Generation nicht\nganz so starke Lenden und Waden besitzt, als das Helden-\nvolk jener Sternenstunde, so tröste Dich auch, wenn wir\nheute nicht die Genien dutzendweise besitzen, wie zußach's\noder Palestrina's Zeit. Oder waren sie auch damals dünn\ngesäet? Darüber kann uns Niemand belehren, als wie-\nderum die Geschichte ja, hätten wir erst eine! Zwar\nkriegen wir jetzt alljährlich auf zwei Messen ein paar neue\nMusikgeschichten, und was für welche! Aber ehe eine\nrichtige, tüchtige, complete vorhanden sein wird, muss\nnoch manche Welle ins Meer fliessen. Unterdess nehmen\nwir bescheidene Zuschauer das Unsere aus dem Vorhan-\ndenen, was uns die Biographieen, die erneuten Editionen,\ndie Gesammt-Ausgaben wirklich gebracht haben.\nDie gediegenen Biographieen des letzten Jahr-\nzehends, die Du ja auch trotz Deines Zwischen-Raisonni-\nrens mit einiger Begeisterung durchgearbeitet, sind doch,\nwie mir scheint, nicht bloss Denkmäler der Pietät oder\ndoctrinäre Decrete über die Gränzen der Classicität, son-\ndern sie sind Blätter aus dem Lagerbuche der Zeiten, der\nWahrheits-Prophetin Historia, die uns einführt in die\nWissenschaft, Geister zu unterscheiden. Denn wir sehen\nmit lebenden Augen hinein in die Reim-, Blüthen- und\nFruchtzeit jener einsamen Genien, die nicht, auf den Schild\nder Partei erhoben, erst zu etwas gemacht werden, son-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "42", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650211-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5499, "texte": "dern alles, was Partei ist, verstummen machen: ein ziem-\nlich deutlicher Gottesfinger, der mindestens jener Frage\nnach Progonen und Epigonen, welche kürzlich ein\nlaureatus in Scene setzte, die Spitze abbricht. Auch die\ngeistreiche Erfindung des nationalökonomischen Polyhistors,\ndass sich der moderne Ruhm nach Stromgebieten scheide,\nfällt zu Boden vor dem ernsten Blicke der Geschichte. Es\nist nicht Zeit und Ort, auch nicht irgend eine dialektische\nNotwendigkeit, was die Seelen und Genien ins Leben\nführt, sondern Gottes Wille; dass Voltaire, obwohl er er-\nkannte, keine Ilias schreiben zu können, dennoch es mit\nder Henriade versuchte, stand unter der höheren Leitung,\ndie den eitlen Franzosen zu Falle brachte. Und wenn wir\nin der heutigen Wellströmung ein Ueberwalten des sitt-\nlichen Strebens nach politischer und religiöser Herstellung\nwahrnehmen, eine ethische Bewegung von solcher Aus-\nschliesslichkeit, dass dem tieferen Gemüthe die Stelle un-\nfindbar wird, wo ewige Schönheit ein Recht hat, zu sein,\nso gibt uns ernste Betrachtung der Geschichte sowohl\nAufschluss als Trost über die „Weltstellung der Kunst\"\nin unserer und aller Zeit. Wir sehen, dass nicht jeder Zeit\nAlles gegeben ist, weil zwei Leidenschaften von gleicher\nStärke weder einen Menschen noch ein Zeitalter inne ha-\nben können; denn wenn auch jedes Zeitalter alle Keime\nder Menschheit in sich trägt und hegt, so bedürfen diese\nKeime viel Gunst und Gnade von oben und unten; und\n«um richtigen Zusammentreffen aller Factoren auf Einen\nPunkt ist nöthig, was Du einmal nanntest das tragische\nPathos der Geschichte—in der amphigurischen Rede-\nweise, die nur uns beiden verständlich. Wenn wir also in\ndem Einen gänzlich übereinstimmen, dass heute keine\nweltbewegenden Genien und Kunstwerke von ewigem Ge-\nhalte geschaffen werden, so lassen wir den Anderen ihre\nMeinung, die da „Thaten\" und „Ereignisse\" träumen und\nfrenetisch zucken bei einer Lachtaube oder einem Tasten-\npauker; wir gehen unterdess ruhig unseren Gang, aus den\nneu-alten Schätzen ohne Maass>zu schöpfen. Ist es nicht\neine Lust, unsere drei Heroen in sauberem Kleide ver-\njüngt zu sehen, prächtig und wohlfeiler, als die geringste\nder Zukunfts-Partituren? Und das temperirte Ciavier in\nvierzehn Ausgaben und viele gute Opern und Oratorien\ndazu? Die Sache hat freilich ihre zwei Seiten, wenig-\nstens was den alten leipziger Cantor angeht. Wer sollte\nsich nicht freuen, hundert Jahre nach seinem Tode den\nHeros auferstehen zu sehen, der seiner Zeit das Gepräge\ngab und sogar die unsere umzuprägen Anstalt macht? Seit\nder grossen Renaissance durch Mendelssohn sind über\ndreissig Jahre verflossen; Bach's Name wird gefeiert, ge-\nehrt, seine Werke finden wachsende Anerkennung, auch\nLiebhaber wagen sich daran, schulen Finger und Geist\nnach seiner Kunst, nicht bloss in öffentlichen Soireen, nein,\nsogar im Salon und Boudoir hat man keine Ruhe bei\nTag und Nacht vor dem Wohltemperirten, und was das\nBedenklichste: Reactionäre und Radicale, Zöpflinge und\nZukünftlinge haben sich verschworen, den alten Cantor\nliebwerth zu finden. Er selber würde lächeln dazu, viel-\nleicht in der gemischten Gesellschaft sich ein wenig un-\nheimlich fühlen, falls ihn nicht ein Furor poeticus ergriffe,\nchromatisch zu phantasiren und nichts mehr zu merken\nan Köpfen und Zöpfen, die da Zuschauer spielen. Was\nist's aber, was diese ingrimmige Gegnerschaft in dem Ein-\nzigen versöhnt, ihn als den Ihrigen zu preisen, da er we-\nder griechische Schönheit malt im Sinne des classischen\nFormalismus, noch romantische Gespenster im Sinne der\ntollgewordenen Gedankenfabrik? Das Räthsel zu lösen,\nerfandest Du einst die mehr mystische als philosophische\nAuskunft: es sei bei Sebastian alles das innig centralisirt,\nwas die Anderen stück- und splitterhaft besitzen: Ho-\nheit und Schönheit, charakteristische Tiefe und formelle\nRundung, so dass in ihm jedes Einzelne nur aus dem Gan-\nzen verständlich, jede Totalität wiederum durch die kleinste\nAder hineinströme, blitze und spiegele; die heroische\nSüsse, die demüthige Kraft und dergleichen Bonmots lu-\ndest Du uns auf, und das nanntest Du Verständniss! Es\nwar wenig besser, als jenes berliner Erkenntniss: Bach's\nNatur sei vorzugsweise die „weltverneinende\"! Nein,\ndafür ist er mir doch zu derb und gesund, und scheint\nnur ein Bisschen festeres Fleisch und Blut zu haben, als\nalle seine Interpreten. Lass uns ein Einfacheres setzen für\nden Hausgebrauch: Sebastian ist von allen der reinste\nKünstler, tout bonnement,der Erzmusicant\nnentiam, darauf schwören die Einen, die das erkennen,\nund die Anderen, weil sie es nicht merken. Er ist nicht\neinfältig fromm, wie Eccard, nicht einseitig dramatisch,\nwie Gluck, nicht gedankenmalend, wie nun, ich will\nkeinen Blutsverwandten nennen: sondern er ist ganzer und\nvoller Künstler, freilich die Kunst auch im Dienste des\nHöchsten, was die Seele fassen mag, verwendend. Und\ndarum ist er hier kindlich begreiflich, dort dem Gelehrten\nunerschöpflich; und darum zwingt er alle Geister, die noch\nein wenig aus der ewigen Heimat gerettet haben wo\ndann allerdings auch manch Einer so mitläuft, um sich\nnicht zu blamiren: Transeat —Und ärgere\nDich nicht an dem „Erzmusicanten\"! Haben wir nicht,\nals wir in jenem Pathmos einstmals seine Chöre vierstim-\nmig a vistasangen, diese zauberische Gewalt an uns und\nunseren Genossen vornehm und gering wahrgenom-\nmen? Und danach, wo wir ans Analysiren gingen, da ging\nuns oft Wunder über Wunder auf, wenn wir entdeckten,\ndass der Alte in seinen harmonischen Wagnissen weit"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650211-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4075, "texte": "kühnere Abenteuer bestanden hat, als alle Epigonen zu-\nsammengenommen, und dass die gefährlichsten unter den\ngelungenen Errungenschaften der Neuzeit— alle schon\nda gewesen sind!\nNeben Händel, Bach und Beethoven möchte wohl\nEiner auch Mozart's Opera, auf Einem Flecke\nbeisammen sehen: aber das ist nicht nöthig bei den hun-\ndert Ausgaben, vielleicht unmöglich bei dem Reichthum\nseiner Werke, und die alte Breitkopf'sche Sammlung ist\nauch noch da. Wenn Du neulich die Gier nach solchen\nGesammt-Ausgaben den faulen Krebs der Zeit nanntest,\nso widersprachst Du Dir selbst, der Du kurz vorher den\nC. P h. E. Bach nebst Scarlatti ebenfalls\nrestituiren wolltest, und.schaltest sehr auf einen gewissen\nvornehmen Mäcenas, der „die Opfer\", die er für Händel\nund Sebastian gebracht, vorschützte, um Emanuel und\nScarlatti zu weigern; unterdess thun sich von Seiten der\nNeu-Deutsch-Meister ähnliche Schritte kund, und lachende\nErben ziehen mit der Beute davon. Das ist der Lauf der\nWelt. Lass auch hiedurch nicht Deine Cirkel stören! Hast\nDu nicht selber, als wir noch eifrigst um die modernen\nRichtungen uns bekämpften, mich belehrt, dass die histo-\nrische Wiederbelebung des Ewig-Neuen vorzüglich dem\nKünstler zu Gewinn falle, die vordringende Kritik aber\nwohl oder übel der Wissenschaft neue Bahnen öffne?\nIn diesem Punkte sind wir besser daran, als damals,\nwo Du alle Kritiker, insonderheit die Journalisten, Teu-\nfelskinder schaltest. Seitdem Du aber in Schumann's Zeit-\nschrift angesiedelt wärest und schrittweise auf der ab-\nschüssigen Bahn des Journalismus fortrutschtest, da merkte\nich, dass Dir die Neuzeit wirklich einen Standpunkt gege-\nben hatte seit Kurzem fürchte ich sogar, Dich ir-\ngendwo anders unter Deiner Chiffre errathen zu haben.\nWenn aber ein Redacteur, wie Dein heutiger, kundig und\ntapfer ist, auch nicht mehr, als im Kriege eben nöthig,\nPartei nimmt: nun, so ist solcher Mann viel werth in die-\nser theuren Zeit; den halte fest, und strafe mich nicht mit\nHeimlichkeit. Deinem alten Freunde darfst Du's wohl\nvertrauen, wo Du alte Grundsätze verfichtst oder auch\nihnen nach Umständen aber ohne jesuitische Schliche\nuntreu wirst. Meine Episteln jedoch Anderen mitzutheilen,\nist nicht billig, und gar sie öffentlich prostituiren, wie vor-\ndem, darfst Du nicht wieder: sonst müsste ich ja meine\nWorte auf die Wage legen und mich hüten, zu sagen,\nwas dereinst im Blaubuche zu Tage käme, z. B. Dass ich\nVischer's Aesthetik nicht vergöttere, dagegen Sechter's\nHarmonielehre und Bellermann's Contrapunkt allen ande-\nren Theorieen vorziehe, und dergleichen Mehreres.\nNun nimm meinen besten Gruss zum neuen Jahre.\nArbeite fleissig und nicht zu viel. Grüsse mir den Bargiel\nund Deine jungen Künstler oder Jünger, wie man bei\nEuch lieber sagt. Sage ihnen, dass wir den Glauben an\ndie deutsche Kunst nicht aufgeben, auch wenn es toller\nhergeht, als uns lieb ist; die trüben Wasser scheinen\nschon über die Höhe geschwollen, so werden sie ja wohl\nbald ablaufen. Sehe ich hier—der dem\ngegenüber —zu sanguinisch? Wenn jetzt auch das liebe\nSchwabenland dem Hegelthum soll erobert werden: lass\nsehen, ob ihr frisches Leben der Verzweillungs-Poesie zum\nOpfer falle, ob sie sich berücken lassen von jenem Pro-\nmetheus, dessen Programmatist offenherzig bekennt, was\nfür Ideale in jener Hexenküche zugerichtet werden, wo\nnur grosse Septimen-Accorde nebst übergrossen Dreiklän-\ngen die Motive der Melodieen ausmachen! Lassen sich\nauch die Schwaben fangen, z. B. durch die neueste Fau-\nstiade von Henry im Selbstverlage des Autors, wo dann\nFreund Hans am Pulte stehen wird und, wie einstens\ndas Pfeifen verbieten—nun, dann wollen wir weiter sehen.\nUnterdess lass Du uns festhalten an der Hoffnung, dass\nunsere herrliche Kunst nicht untergehe, diese wunderbare,\ndie schon mehr als einmal nicht bloss Abbild, sondern\nVorbild neuer Zeitschwünge gewesen und bei mehrma-\nligem Fallen und Aufstehen nicht untergegangen, sondern\ndurch innere Einkehr in. Geschichte und Wissenschaft\nwieder ins gesunde Geleise zurückgebracht ist. Lebe wohl!\nGlaube an die Sterne Deiner Jugend! Behalte mich lieb!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-02-11-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-02-11_01#c003", "volume": "bmtnabi_1865-02-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "43", "page_fin": "44", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650211-01.2.3", "titre_corps": "Beurtheilungen.", "titre_sommaire": "Beurtheilungen.", "signature_source": "D. 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Band) folgen sollen, „wenn anders\nsich jene wenigstens genügende Zahl von Abonnenten fin-\ndet, welche nothwendig ist zur Deckung der Kosten eines\nFortsetzungswerkes, dessen Zweck so erhaben ist, nämlich\nden Verehrern des reinen katholischen Kirchengesanges\ndas nöthige, praktisch brauchbare Material für die liturgi-\nschen Bedürfnisse des Kirchenjahres rechtzeitig und um\nmöglichst geringe Kosten zu bieten\".\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "44", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650211-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4562, "texte": "Die drei rubricirten vorliegenden Messen selbst anlan-\ngend, sind sie sämmtlich aus der erstaunlich reichhaltigen,\nan die bischöfliche Stelle zu Regensburg von Dr. Proske\nÜbermächten Bibliothek gezogen. Die\nloni\" 4 vocum parium,ist von Joh. Math. Asola, über\ndessen Lebens-Umstände u. s. w. der verstorbene Dr.\nProske im I. Bande des ersten Jahrgangs berichtet hat.\nSie ist für Männerstimmen leicht auszuführen und dess-\nhalb den Priester- und Schullehrer-Seminarien, so wie\nauch Männer-Gesangvereinen sehr zu empfehlen. Die\nzweite: Missapro defunctis, 4 vocibus, ist von Franz Ane-\nrio, Romanus.(um 1567 zu Rom geboren, Priester, erst\nCapellmeister bei Sigismund 111. von Polen, dann am Dome\nzu Verona, später Musikmeister am römischen Seminar,\nendlich Capellmeister bei La Madonna dei monti und zu-\nletzt bei St. Johann vom Lateran, gestorben nach 1603).\nDie Partitur ist nach einigen im deutschen Collegium zu\nRom gemachten Abschriften gefertigt, die Ausführung we-\nnig schwierig, die Composition selbst aber eines der schön-\nsten und ergreifendsten Meisterwerke aus der Blüthezeit\nkirchlicher Kunst. „Da in den genannten und vorliegenden\nManuscripten der Gregorianische Choral bei den Intona-\ntionen und in den wechselnden Versen des etwas\nfehlerhaft geschrieben war/ bemerkt der Herausgeber,\n„so wurde derselbe nach Mettenleiter's\nrale (Regensburg, Pustet, 1853), welches die Approbation\nder bischöflichen Stelle von Regensburg und den Beifall\nder Kenner für sich hat, corrigirt und gehörigen Orts\neingestellt.\" Die dritte: M ist von Joh.\nLeo Hasler, dessen biographische Skizze Proske bereits im\nersten Jahrgange, I. Bd., gegeben hat. Sie hat der selige\nCanonicus Proske (j- 1861) selbst noch in Partitur ge-\nbracht und sie dürfte sich, da sie sich grösstentheils in gleich-\nzeitigem Rhythmus bewegt, auch für minder geübte Sän-\ngerchöre zur Ausführung eignen. Es wird auch gewiss,\n„wenn bei sehr mässigem Tempo rhythmische Sicherheit\nbeachtet wird\", die grossartige Wirkung nicht ausbleiben,\nda diese echt deutsche Composition voll tiefen Ernstes\nund heiligen Adels ist.\nII. Wohlfeiler katholischer Kirchenschatz.\nVerlag von Leuckart in Breslau. 1865.\nDiese dem musicalischen Publicum bereits von früher\nwohlbekannte Sammlung von instrumentalen und vocalen\nMessen, Vespern, Requiem, Gradualien, Offertorien,\nDeum, Tantum ergo u. s. w. von H. Schnabel, Hahn, Bro-\nsig, llorak, Gottwald, Bröer und Anderen erscheint hier\nin noch bedeutend wohlfeilerer und dem praktischen\nZwecke (z. B. durch Beifügung einer ausgesetzten, mit der\nersten Singstimme versehenen Orgelbegleitung) angepass-\nter Ausgabe. Die Piecen, aus welchen die zunächst ver-\nsuchsweise ausgegebene erste Serie besteht, biete» eine\nmit besonderem Geschicke und Tacte getroffene Auswahl\naus dem Besten, was früher bereits erschienen ist; dazu\ngekommen ist noch ein Requiem, ganz neu und speciel\nfür den „wohlfeilen Kirchenschatz\" componirt. So lange die\nInstrumentalmusik beim Gottesdienste in Uebung ist (und\nes hat allen Anschein, dass das wohl noch sehr lange der\nFall sein wird), muss ein Unternehmen, das es sich zur\nAufgabe macht, würdige Kirchenmusicalien der Art zu\nbieten, stets willkommen geheissen werden.\nIII. Magister choralis. Von Dr. Haberl. Regensburg,\nPustet. 1864.\nDer alte Salz: „Musica e\nlis cultus ecclesiastici\", bewog Herrn Fr. H. Haberl, Mu-\nsik-Präfect der bischöflichen Seminare in Passau, unter\nobigem Titel ein theoretisch-praktisches Lehrbuch des Gre-\ngorianischen Kirchengesanges nach den Grundsätzen des\nEnchiridion choraleund Organu von J. G. Mettenleiter\nzu bearbeiten und sich demnach als einen strengen Dia-\ntoniker, „der an den überlieferten, durch die ältesten,\nmeisten und angesehensten Gewährsmänner garantirten\nGesangsweisen und an den aus ihren Werken sich erge-\nbenden Regeln festhält\", zu bekennen. Der auf 181 Sei-\nten (Preis 36 Kr.) für Geistliche, Organisten, Seminarien\nund Cantoren bearbeitete Stoff ist in drei Theile geschie-\nden : A.Vorkenntnisse. B.Kenntniss (Theoretischer\nTheil: Lehre der alten Tonarten, S. 23—47. Praktischer\nTheil: Zeichnung des ganzen Gebietes der katholischen\nChoral-Kirchenmusik beim heiligen Opfer, bei den kirch-\nlichen Tagzeiten und den ausserordentlichen Feierlichkei-\nten des Kirchenjahres). C. Erkenntniss, tiefere geistige\nAuffassung, Vortrag u. s. w. Für Organisten ist ein Ap-\npendix zum praktischen Theile gegeben, der über Beglei-\ntung, Harmonisirung u. s. w. des Gregorianischen Chorals\nhandelt. Für Cleriker erleichtert ein eigener\n(S. 179) das Auffinden der gewöhnlichen liturgischen\nGesänge.\n\nDr. D. M."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-02-11-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-02-11_01#c004", "volume": "bmtnabi_1865-02-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "44", "page_fin": "45", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650211-01.2.4", "titre_corps": "Wilhelm von Beckerath", "titre_sommaire": "Wilhelm von Beckerath", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "44", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650211-01.1.4", "debut_caractere": 4564, "fin_caractere_exclue": 5070, "texte": "Wilhelm von Beckerath\nf.\nIn voriger Woche starb hier in Crefeld Wilhelm\nvon Beckerath, ein Mann, der auch in weiteren Krei-\nsen ein ehrendes Andenken hinterlässt. Seinem Berufe\nnach dem Kaufmannsstande angehörig, hat er durch Ta-\nlent und Persönlichkeit eine Stellung im Leben eingenom-\nmen, die ihm Liebe und Hochschätzung in vielen Herzen\ngewann. Insbesondere war es die Musik, die er als Ver-\nehrer und Kenner mit Sinn und Geschmack als Dilettant\nübte und so mit vielen namhaften Künstlern, als Mendels-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650211-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1379, "texte": "söhn, Zöllner, Burgmüller, Liszt, Hauptmann, den älteren\nGebrüdern Müller, Reinecke und Anderen, in näherem\nVerkehr stand, wobei seine Gattin, geborene Wolff,\ndurch ihre seltene Altstimme einst eine Hauptzierde un-\nserer niederrheinischen Musikfeste, ihm würdig zur Seite\nstand, wie sich gar manche Verehrer der Kunst aus frü-\nherer Zeit erinnern werden*). So war die Tonkunst die\nWelt, in der er lebte, und was ihm an Müsse von seinen\nGeschäften blieb, war dieser Kunst gewidmet, die er in\nseinem Hause mit verwandten Seelen, im Vereine mit sei-\nnen talentvollen Kindern, übte, wobei es vor Allem die\nWerke unserer deutschen Classiker waren, die hier vor-\nzugsweise ihre Pflege fanden. Es bildete dieses Haus eine\nkünstlerische Welt im Kleinen, wie wir sie mit so idealen\nZwecken selten finden, denn es galt hier nur den reinen\nGenuss der Musik mit Beseitigung alles gesellschaftlichen\nGepränges und aller dilettantischen Eitelkeit. Die Seele des\nschönen Vereins zu einer Hausmusik, wie sie jetzt nur\nnoch selten existirt, war von Beckerath selbst, der mit dem\ngebildeten Sinne für die Tonkunst und einem bedeutenden\nGrade technischer Tüchtigkeit eine Humanität und Lie-\nbenswürdigkeit des Charakters verband, die ihm in den\nverschiedensten Kreisen, mit denen er im Leben verkehrte,\nnoch lange ein freundliches und dankbares Andenken be-\nwahren werden.\nCrefeld, 4. Februar 1865."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-02-11-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-02-11_01#c005", "volume": "bmtnabi_1865-02-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "45", "page_fin": "46", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650211-01.2.5", "titre_corps": "Joseph Proksch.", "titre_sommaire": "Joseph Proksch.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650211-01.1.5", "debut_caractere": 1381, "fin_caractere_exclue": 5420, "texte": "Joseph Proksch.\n(Nekrolog\n**]•)\nIn der Nacht vom 19. auf den 20. December v. J.\nhat ein Schlaganfall Prags ältesten und trefflichsten Musik-\nlehrer, Joseph Proksch, dem Kreise der Lebenden\nentrissen. Ein zahlreiches Geleite, darunter allein über\ndreihundert Frauen und Mädchen, die seine Schülerinnen\ngewesen waren, folgte dem Sarge des Verewigten und\nzeigte, dass seine zweite Vaterstadl den erlittenen Verlust\nzu würdigen und die Verdienste und den Werth eines\nMannes zu schätzen wisse, der, was er geworden, durch\nden eisernsten Willen und Fleiss der Natur hatte ab-\ntrotzen müssen.\nGeboren am 4. August 1794 in Reichenberg in Böh-\nmen, hatte er durch sein ungewöhnliches musicalisches\nTalent seine Eltern mit den schönsten Hoffnungen erfüllt.\nAber den kaum dreizehnjährigen Knaben befiel eine un-\nheilbare Erblindung. Doch zu seinem Heile fand er im\nprager Blinden-Institute, dem er übergeben wurde, Leh-\nrer, welche seine Begabung erkannten und mit regem\nEiler förderten, so dass er binnen kurzer Zeit ihrem Un-\nterrichte entwachsen war und sich in die Welt wagen\nC 7\nkonnte. Gerade um jene Zeit erregte in Berlin J. B. Lo-\ngier durch seinen gemeinschaftlichen Unterricht im Ciavier\nund in der musicalischen Theorie allgemeine Aufmerksam-\nkeit. Proksch machte sich durch einen Aufenthalt von einem\nJahre in der Anstalt Logier's mit dessen Theorieen so ver-\ntraut, dass er in seiner Vaterstadt ein ähnliches Institut\nerrichten und in Gemeinschaft mit seinem Bruder Anton,\neinem vorzüglichen Organisten, leiten konnte. Die glück-\nlichsten Erfolge, von denen er sein Unternehmen gekrönt\nsah, hatten seinen Buf bald über die Gränzen seiner Va-\nterstadt hinaus verbreitet, und bereits im Jahre 1830 sie-\ndelte er, einer Einladung des Grafen Clam-Gallas folgend,\nnach Prag über und errichtete dort sein Institut für Cla-\nvier-Unterricht, welches trotz der ähnlichen, die später\nvon mehreren seiner Schüler gegründet wurden, sich bis\nzu des Meisters Tode des ausgezeichnetsten, weit verbrei-\nteten Rufes im In- und Auslande erfreute.\nWeit entfernt, jene Methode, der man mechanische\nAbricbtung vorwarf, zu blosser Vervollkommnung der Fer-\ntigkeit zu benutzen, veröffentlichte Proksch im Jahre\n1849 die Grundsätze, die ihn bei seinem Unierrichte lei-\nteten. nl)er Clavier-Unterricht,\" heisst es dort, „wie er\nvon manchen Lehrern gewöhnlich ertheilt wird, hat nicht\nzum nächsten Ziele, den Lernenden zum Verständnisse der\nMusik und zu innerlicher Theilnahme zu bringen, sondern\nnur, ihm das Verständniss gewisser Musterzeichen beizu-\nbringen, und wie er diese Zeichen mechanisch von dem\nPapier auf das Ciavier übertragen soll. Aehnlich, wie wenn\nEiner Italiänisch lesen lernte, nicht damit er es versteht,\nsondern bloss, damit er den angenehmen Klang der Sprache\nhervorbringe. Eben desshalb überwiegt in dieser W eise\ndes Ciavier-Unterrichts die Hebung der mechanischen Fer-\ntigkeit; sie verdient daher mit Recht den Namen einer me-\nchanischen Unterrichtsweise.. . . Ihr höchstes Ziel istKunst-\nstückchenmacherei und Beifall der Menge. Man muss aber\n\n*) Es war dies diejenige Periode der nieder rheinischen\nMusik feste, in welcher man noch einen Werth darauf legte, die\nFest-Concerte nicht nur im Chor und Orchester mit heimischen\nKräften, sondern auch mit rheinischen Solisten und rheini-\nschen Dirigenten auszuführen. Freilich war jene Periode auch\nreich an musicalischen Talenten; ausser der oben genannten Frau\nvon Beckerath waren als Sopranistinnen ihre Schwester Johanna\nWolff (später Gattin des Musik-Directors Schmidt in Halle und\nBremen), Fräulein Reintjes (vermählte Kufferath) aus Elberfeld,\nals Altistin Sophie Schloss aus Köln, die Tenoristen Wolff aus\nCrefeld, von Worringen aus Düsseldorf, welcher die Händel'-\nschen Recitative besser sang, als manche heutige Bühnen-Berühmt-\nheiten, der Bassist Michel DuMont aus Köln und andere Dilet-\ntanten vollkommen im Stande, die Solo-Partieen in den Oratorien\nkunstgemäss vorzutragen. Anmerkung der Red actio n.\n**] Auszugsweise aus den wiener „Recensionen\" und nach\nböhmischen Blättern."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650211-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4122, "texte": "die lieben Kleinen nach Geist und Herz bilden, nicht zu\nparadirenden Puppen, zu rousicalischen Coquetten herab-\nwürdigen. Die musicalische Bildung muss als ein wesent-\nlicher Bestandteil der allgemeinen menschlichen Bildung\nund der humanen Bildung betrachtet werden. Die Päda-\ngogik will, dass die edleren Gefühle frühzeitig geweckt\nwerden, damit sie nach und nach zu Neigungen im Gemüthe\nheranwachsen und zu guten Triebfedern des Willens dienen\nkönnen. Die Musik soll dasGemüth erwärmen, die Neigun-\ngen veredeln und so das geistige Leben verschönern.\"\nZu einer Zeit, wo der Virtuosenflitter, die fast aus-\nschliessliche Pflege einer inhaltsleeren Technik zur Allein-\nherrschaft gelangt war, war sein Institut der fast einzige\nZufluchtsort für classiscbe Musik. Dort wurden seit langer\nZeit zum ersten Male wieder die grossen Clavier-Concerte\nvon J. S. Bach, die Motetten Palestrina's und vieles Andere\ngehört, im Jahre 1840 nahmen dort die historischen Con-\ncerte ihren Anfang und die Palestrina-Abende wurden\neine reiche Quelle der schönsten Genüsse. Proksch' Schü-\nler lernten die besseren und besten Werke ihrer Kunst\nkennen und lieben, erhielten eine gründliche Einsicht in\nderen Wesen und dadurch ein klares, sicheres Urtheil\nüber neuere und neueste Productionen.\nDabei war er nicht bloss ein gründlicher Kenner des\nLiteraturschatzes seiner Kunst, sondern auch der Literatur\nüber diese. Keine bedeutendere Erscheinung trat davon\nans Licht, die er sich nicht hätte vorlesen und daraus Ex-\ncerpte, meist mit eigenen treffenden Bemerkungen verse-\nhen, in sorgfältig geführten Memorabilienbüchern nieder-\nlegen lassen. Ambros musste ihm seine „Geschichte der\nMusik\" noch in den Aushängebogen vorlesen, und er stu-\ndirte die darin enthaltenen mittelalterlichen Theorieen von\nder Solmisation, der Mensural-Notirung u. s. w. mit dem\nemsigsten Fleisse, weil er darin die Grundlagen der heu-\ntigen Kunst fand. Neue Partituren liess er sich nach ihren\nmusicalischen Einzelheiten aus einander setzen, Stimme für\nStimme, dann gruppenweise, und vermochte es so endlich,\ndas ganze Tongebäude klar und vollständig zu überschauen.\nAuf d iese Weise legte er sich selbst die Partituren Ber-\nlioz'scher Sinfonieen zurecht, zum grössten Erstaunen von\nBerlioz selbst. Ausserdem benutzte er jede Gelegenheit,\nein tieferes Verständniss seiner Kunst zu gewinnen. So war\ner zwei Jahre lang eifriger Besucher der Vorlesungen des\nProfessors Müller über Aesthetik und studirte Herbart's\nSchriften mit einem Freunde gründlich durch.\nObgleich Proksch in seinen früheren Jahren als\nComponist nicht ohne Glück vor die Oeffentlichkeit ge-\ntreten war, so dienten doch die Productionen der spä-\nteren Zeit ausschliesslich den Unterrichtszwecken seines\nInstituts.\nEs war nicht leicht möglich, den würdigen Greis\nausserhalb der Mauern seiner Anstalt kennen zu lernen.\nEr verliess dieselben fast nur, um eine interessante Musik-\nAufführung zu besuchen. Dann betrat er an der Hand\nseines Führers den Saal, setzte sich in eine halbversteckte\nEcke und hörte mit dem Ausdrucke vollkommenster Buhe\nin Miene und Haltung der Musik zu. Fragte ihn dann ein\nFreund um sein Urtheil, so gab er es ganz unbefangen,\nfast mit epigrammatischer Kürze und doch anspruchslos\nund gleichsam in selbstverständlich hingeworfenen Sätzen,\naber es traf immer den Kern der Sache. Es schien mild\nund streng zugleich; die letzte Eigenschaft bezog sich je-\ndoch immer mehr auf die Sache, während gegen die Per-\nson immer eine wohlthuende Milde durchblickte. In Bezug\nauf seine Person hasste er alles, was nach Beclame aus-\nsah. Die Freude an dem schönen Erfolge seines Mühens\nmachte ihm alle öffentlichen Anerkennungen und Aus-\nzeichnungen vollkommen entbehrlich.\nNichts desto weniger wird sein Name fortleben, nicht\nbloss in der pietätsvollen Erinnerung seiner Schüler und\nFreunde, nicht bloss innerhalb der engen Gränzen seines\nVaterlandes: denn die Saat, die er hier gestreut, ist be-\nreits üppig emporgeschossen und trägt reiche Früchte in\nden Metropolen Europa's, wohin so ausgezeichnete Schü-\nler wie Frau Szarvady-Clauss und Herr Bendel seine\nSchule und seinen Namen getragen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-02-11-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-02-11_01#c006", "volume": "bmtnabi_1865-02-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "46", "page_fin": "47", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650211-01.2.6", "titre_corps": "Curiosum.", "titre_sommaire": "Curiosum.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650211-01.1.6", "debut_caractere": 4124, "fin_caractere_exclue": 5185, "texte": "Curiosum.\nWenn man glaubt, Pater Singer (der allen Besuchern\nSalzburgs durch seine wundersame Panharmonica bekannte\nFranciscaner) sei der Erste gewesen, welcher die Musik\nmit der Mystik in Verbindung gebracht habe (conf. dessen\nSystem einer Harmonielehre), so täuscht man sich. Schon\n1701 hat dasselbe versucht Böddecker (Phil. Friedrich),\nStifts-Organist in Stuttgart, in einem Werke:\nnova methodico-practica ad (gedruckt\nvon dessen Sohne und Nachfolger Philipp Jakob). Das\nWerk enthält 11 Bogen. Die Zueignungsschrift ist gerich-\ntet an Gott den Vater, als die Prime oder Grundslimme,\nan Gott den Sohn, als die Quinte oder vollkommenste\nConcordanz, an den heiligen Geist, als die Tertie, so\nvon der Prime ausgeht im Aufsteigen und von der Quinte\nim Absteigen. M. Adelung in seiner Musicalischen Gelahrt-\nheit sagt darüber Pag. 760: Wer wird\ndoch nun Recht haben, da Herr Bukstedt in seinem\ndie Terz auf die andere Person deutet, und durch die\ngrosse und kleine die zwo Naturen Christi vorstellt. Eben\nso tröstlich beweist Böddecker Pag. 4 im ersten Satze nach"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650211-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 401, "texte": "Art der Messkünstler, dass Gott schnfttnässig und dem\nGlauben ähnlich könne Basis ge\nhuius universiheissen, welches in der rechten Auslegung\nseine Richtigkeit hat. Aber wozu dienen solche Dinge in\nsolchen Büchern? Liebhabern solcher mystischer Deduc-\ntionen nenne ich noch die Predigt, welche der berühmte\nKanzelredner Dr. Veit in Wien herausgegeben hat unter\ndem Titel: „Die Mystik der Kirchenmusik\"."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-02-11-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-02-11_01#c007", "volume": "bmtnabi_1865-02-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "47", "page_fin": "47", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650211-01.2.7", "titre_corps": "Ullman’s Concert in Köln.", "titre_sommaire": "Ullman’s Concert in Köln.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650211-01.1.7", "debut_caractere": 403, "fin_caractere_exclue": 5582, "texte": "Ullman’s Concert in Köln.\nSamstag den 4. Februar 1865.\nNach alledem, was wir über die phänomenale Künstlernatur\nvon Fräulein Carlotta Pattl in diesen Blättern bereits gesagt ha-\nben, worüber uns die ungetheilten Zustimmungen berechtigter Beur-\ntheiler von den verschiedensten Seiten zugegangen sind, wollen wir\nnur hinzufügen, dass die gefeierte Sängerin in der Anwendung ihrer\nexceptionellen Naturgaben seit einem Jahre bedeutende Fortschritte\ngemacht hat: sie ist offenbar mehr zum Bewusstsein dessen gekom-\nmen, was sie mit ihrer Stimme machen kann, und diese Wahrneh-\nmung gibt uns die Ueberzeugung, dass sie, trotz der Bewunderung\nder überall, wo sie in Deutschland Concert gegeben, überfüllten\nSäle, keineswegs sich bei dem hohen Standpunkte, den sie bereits\nerreicht hat, beruhigt, sondern von dem künstlerischen Streben, den\nhöchsten zu erreichen, beseelt ist. Wer übrigens nicht bloss die Lei-\nstungen, sondern auch die Persönlichkeit dieser Künstlerin kennen\nzu lernen Gelegenheit hat, wird aus der Bescheiderheit, welche bei\nso aussergewöhnlichen Erfolgen ihr um so mehr zur Zierde gereicht,\nje seltener sie in solchen Fällen zu finden ist, leicht auf die Wahr-\nheit und den Ernst jenes Strebens schliessen. Von ihren diesmaligen\nVorträgen, denen selbstverständlich allen enthusiastischer Applaus\nund Hervorruf folgten, hat uns die Polacca von Bellini, bei welcher\nsie die Ausschmückungen, die ihre wunderbare Höhe und technische\nVirtuosität ihr eingaben, mit Geschmack ausführte, und die Schatten-\nArie der Dinorah am meisten überrascht; im Vortrage der letzteren\nbrachte sie die wunderliche Fiction Meyerbeer's durch eine überaus\ncorrecte und im Pianissimo bis in die letzten Räume des »Saales\ngleich klingende Ausführung zu täuschender Wahrheit und erinnerte\nuns durch Töne an das Bild des Engländers Head, auf dem die\nNymphe Echo in duftigen Schleiern, welche die schönen Formen\ndurchscheinen lassen, über dem Felsenthal sich träumerisch in den\nLüften wiegt.\nFräulein v. Edelsberg aus München, deren Leistungen auf\ndem Musikfeste zu Düsseldorf im Jahre 1863 am Niederrheine noch\nin schöner Erinnerung sind, erwarb sich durch ihre volle, sehr\nwohllautende Altstimme und einfach würdigen Vortrag einer Arie\nvon Mozart und besonders des lieblichen Liedes „Waldvögelein\"\nvon Lachner grossen Beifall, während Frau Niemann-Stebach\ndie Musik der Sprache durch die schwung- und seelenvolle Decla-\nmation von Schiller's „Glocke\" auch neben dem Gesänge zu voller\nGeltung brachte und noch durch den köstlichen Vortrag der Selbst-\ngespräche einer zwanzig-, dreissig- und „kaum vierzigjährigen\"\nJungfrau erfreute.\nSignor Pietro Ferranti sang die erst* Arie des Rossini'schen\n„higaio und eine komische Tarantella desselben Meisters mit wohl-\nklingender Baritonstimme und der Volubilität eines echten Italiäners,\nder von seiner Aufgabe so hingerissen wird, dass er der Erinnerung\nan die Buhne auch im-Concertsaale nicht widerstehen kann. Dage-\ngen liesse sich mancherlei einwenden; allein die Gemütblichkeit,\nmit welcher der wackere Sänger, dessen Technik wir zufällig vor\ndem Concerte als eine ganz vorzügliche kennen lernten, seine Inter-\nmezzi im nationalen Genre gab, erwarb ihm rauschenden Applaus\nund Dacaporuf der Tarantella - ein Erfolg, den wir ihm denn auch\nnicht verkürzen wollen.\nGehen wir nun zu den Instrumental-Vorträgen über, so können\nwir kaum Worte finden, um den herrlichen Eindruck entsprechend\nzu schildern, den die Leistungen von Henri Vieuxtemps und\nLouis Brassin auf das ganze Publicum und auf uns selbst mach-\nten. Die Krone derselben war der Vortrag der grossen Sonate in A\nvon Beethoven. Hier müssen wir unumwunden erklären, dass wir\ndie Ausführung derselben noch niemals in so künstlerisch vollende-\nter Weise gehört haben, als in diesem Concerte. Vor Allem war es\ndie Auffassung der ganzen Composition und zunächst die Würde\ndei 1 einpi des ersten und zweiten Satzes, welche der gegenwärtigen\nGeneration, die schon lange die Tradition des Vortrages Beethoven'-\nscher Sonaten nicht mehr kennt, einmal wieder ein wahres Bild der-\nselben voi führte. Dazu kam die Achtung der beiden Künstler vor\ndei gegenseitigen Berechtigung, nirgends ein Vordrängen des einen\nInstrumentes vor dem anderen und überall die vollkommenste Ueber-\neinstimmung in allen Vortrags-Nuancen. Und nun das alles gehoben\nduicli den wunderschönen. lon des Geigers und den Anschlag und\ndie conecte Technik des Glavierspielers kurz, wenn irgend etwas\nheutzutage die Bezeichnung „classiscli\" verdient, so war es diese\nKeproduction der berühmten Beethoven'schen Sonate. Aber auch\ndas Publicum zeigte sich deren würdig: es lauschte mit der ge-\nspanntesten Aufmerksamkeit dem Spiele der beiden Meister und\nbiach nach jedem batze in stürmischen Beifall aus. Dass sich der-\nselbe Applaus auch bei den anderen, mehr auf Glanz der Virtuosität\nberechneten Vorträgen wiederholte, versteht sich von selbst; Vieux-\ntemps rechtfertigte aufs vollkommenste seinen europäischen Ruf,\nund Biassin bekundete das eminente Talent eines Pianisten ersten\nRanges, das ihm in Belgien und Paris die Bahn des Ruhmes geöff-\nnet hat und ihn jetzt auch in Deutschland, seinem Vaterlande, auf\nihr weiter führen wird."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-02-11-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-02-11_01#c008", "volume": "bmtnabi_1865-02-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "47", "page_fin": "48", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650211-01.2.8", "titre_corps": "Siebentes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller.", "titre_sommaire": "Siebentes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650211-01.1.7", "debut_caractere": 5584, "fin_caractere_exclue": 6166, "texte": "Siebentes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller.\nDinstag, den 7. Februar 1865.\nProgramm» Erster Theil. 1. Ouvertüre zu der Oper „Die\nAbenceragen\" von Cherubini. 2. Arie für Sopran mit obligater\nVioline von F. Herold aus der Oper „Der Zweikampf\" (Fräulein\nAnna Eggeling, herzoglich braunschweigische Hof-Opernsängerin).\n3» Concert für Pianoforte und Orchester in Fis-moll von F. Hiller\n(Herr Alfred Jaell, königlich hannoverscher Hofpianist). 4. Ave\nverum für Chor und Orchester von W. A. Mozart. 5. Clavier-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650211-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 301, "texte": "stücke: a. Aux bords de V Arno von A. Ja eil; b. Der Tannhäuser-\nMarsch, Transscription von F. Liszt (A. Jaell). 6. Erstes Finale\naus „Euryanthe\" von C. M. von Weber (Fräulein Eggeling —\nHerr S c h e 1 p e r).\nZweiter Theil. JSinfonia eroica von L# van Beethoven.\n(Der Bericht in der nächsten Nummer.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-02-11-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-02-11_01#c009", "volume": "bmtnabi_1865-02-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "48", "page_fin": "48", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650211-01.2.9", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650211-01.1.8", "debut_caractere": 303, "fin_caractere_exclue": 5673, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolli. 10. Februar. Gestern hatten wir das Vergnügen, in\neinem Privatkreise Herrn Charles Oberthür zu hören, der, wenn\nnicht der grösste, doch einer der grössten Harfenspieler unserer Zeit\nist. Er hatte auf Einladung des grossherzoglichen Hofes in Weimar,\nferner in Dresden, Erfurt u. s. w. gespielt und war auf der Rück-\nreise nach London, wo er sich eine zweite Heimat gegründet hat,\nbegriffen. Er trug ein Concertino für Harfe und Orchester oder\nPiano von seiner Composition (Op. 175) und zwei hübsche Salon-\nstücke für Harfe allein mit bewundernswerter Fertigkeit vor.\nX Brmiltscliwefg« In dem sechsten Abonnements-Concerte\nkam Lachner's Suite in D-moll in vorzüglicher Weise zur Auf-\nführung und fand eine sehr beifällige Aufnahme. Schumann s\nMusik zu Manfred, mit verbindendem Gedichte von Pohl, ist im\nGanzen zu düster, als dass sie nach dem frischen Werke Lachner's\neinen grossen Eindruck machen konnte, und wäre vielleicht die\numgekehrte Aufeinanderfolge beider Werke rathsamer gewesen.\nIn der Oper war eine Aufführung des „Faust\" von grossem In-\nteresse, in welcher Herr Niemann als Gast die Titelrolle und\nFräulein Eggeling von hier das Gretchen mit ausserordentlichem\nErfolge sangen. Der Tenor Wolters von Köln ist nach bei-\nfällig aufgenommenem Gastspiele als Faust und George Brown für\ndie herzogliche Hofoper engagirt worden.\nHannover. Die hiesigen Zeitungen brachten dieser Tage\ndie Nachricht, dass Herr Concert-Director Joachim seine Entlas-\nsung bei Sr. Majestät dem Könige erbeten und Hannover zu ver-\nlassen definitiv beschlossen habe. Ueber die Veranlassung gehen\nGerüchte umher, welche behaupten, dass der Entschluss des grossen\nKünstlers, dessen Verlust kaum ersetzbar sein dürfte, auf einem\nehrenwerthen Proteste desselben gegen confessionelle Vorurtheile\nberuhe.\nLeipzig« Lebenslänglich sind zur Zeit Pensionäre der\ndeutschen Schiller-Stiftung: Julius Mosen, Eduard Mörike, Willibald\nAlexis, Otto Ludwig, Karl v. Holtei; ferner zwei Männer aus der\nalten Theatergarde: Töpfer und v. Zahlhaas, der verdienstvolle Dra-\nmaturg Rötscher, der Popular-llistoriker Burkhardt in Leipzig, un-\nheilbar erblindet, und endlich ein Witwen-Kleeblatt: de la Motte\nWilhelm HaufFs, Ludwig Bechstein's. Periodische Gewäh-\nrungen auf ein oder mehrere Jahre beziehen: Karl Beck, Hermann\nKurtz, Hermann Lingg, R. E. Prutz, Leopold Feldmann, Elise\nSchmidt, Ludwig Storch, Hermann Schiff, Julius Bacher, Alexander\nJung, Melchior Meyr, Adolph Zeising, Braun v. Braunthal, Frau\nPfannenschmidt (Burow), Frau Louise Otto; ausserdem die nach-\nstehende ansehnliche Reihe Hinterlassener: eine Enkelin Herders,\nLeopold Schefer's Töchter, Musäus' Schwiegertochter, die Tochter\nMethusalem Müllers, die Witwen, resp. Waisen Eduard Duller's,\nKarl Haltaus', Karl Heintze's, Ludwig KÖhler's, Reinhold Köstlin's,\nFranz Kottenkamp's, Gustav Liebert's, Hermann Marggraff's, Theodor\nMügge's, Otto Ruppius1, Ludwig Seeger's, 0. L. B. Wolffs.\nDas leipziger Tageblatt enthält folgende Bekanntmachung:\n„Herr Paul Mendelssohn-Bartholdy in Berlin hat im Vereine\nmit seinem Neffen, Herrn Dr. Karl Mendelssohn-Bartholdy, Und des-\nsen drei Geschwistern ausser der unterm 12. September v. J. von\nuns veröffentlichten Felix Mendelssohn-Bartholdy-Stiftung aus dem\nErtrage der Reisebriefe seines Bruders, des verewigten Dr. Felix\nMendelssohn-Bartholdy, 1500 Thlr. mit der Bestimmung in unsere\nHände gelegt, dass deren Zinsen alljährlich am 3. Februar, als dem\nGeburtstage des Verewigten, an einen Schüler oder eine Schülerin\ndes hiesigen Conservatoriums der Musik als Prämie vertheilt werden\nsollen. Mit dieser Stiftung haben die Begründer derselben den un-\nschätzbaren Verdiensten, welche der verewigte Felix Mendelssohn-\nBartholdy sich um das hiesige Conservatorium der Musik erworben\nhat, eine dauernde Fortsetzung verliehen und damit sich den auf-\nrichtigsten Dank aller Kunstfreunde gesichert.\n„Leipzig, 21. December 1864.\n„Der Rath der Stadt Leipzig: Dr. Koch.\"\nUeber die endliche Aufführung der Oper „Conciniu von Tho-\nmas Löwe in Wien sagen die „Recensionen\" : „Nach dem Gesag-\nten (über die neunmonatliche Verzögerung) ist es begreiflich, dass\nbei Concini von einem dauernden Erfolge nicht die Rede sein\nkann. Hätten wir die neuen Opern von Hiller, Max Bruch, Wüerst,\nAbert und Anderen zu hören bekommen, so dürfte sich Löwe die-\nsen anschliessen; um aber als Unicum aufgetischt zu werden, dazu\nfehlt ihm jede Berechtigung. Wir können natürlich heute nur von\ndem flüchtigen Eindrucke, welchen die eine Vorstellung auf uns\ngemacht hat, sprechen, und müssen bekennen, dass wir sehr fürch-\nten, hier einer ursprünglichen Talentlosigkeit gegenüber zu stehen,\nwelche durch Studium, Geschick und Fleiss doch nie verdeckt wer-\nden kann. Wir wünschen aufrichtig, durch wiederholtes Anhören\nder Oper eines Besseren belehrt zn werden.\"\nllaa^9 8. Februar. Gestern verschied hier nach längeren Lei-\nden Johann Heinrich Lübeck, königlich niederländischer Hof-\nCapellmeister, Director der Musikschule, Ritter des Löwen-Ordens,\nVerdienst-Mitglied der Gesellschaft zur Beförderung der Tonkunst\nu. s. w., in seinem noch nicht vollendeten 66. Lebensjahre. Die\nmusicalische Welt und Holland insbesondere verlieren an ihm einen\ndurch reiches Talent hegabten, von der edelsten Gesinnung für die\nWürde der Tonkunst beseelten und durch rastlose Thätigkeit aus-\ngezeichneten Musiker."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "41", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650211-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nAus einem Briefwechsel. (Schluss.) Beurtheilungeji. I. Musica divina von Dr. C. Proske. 11. Wohlfeiler katholi-\nscher Kirchenschatz. 111. Magister choralis von Dr. Haberl. Von Dr. D. M. Wilhelm von Beckerath f. Joseph Proksch\n(Nekrolog). Curiosum. Ullman's Concert in Köln. Siebentes Gesellscliafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Un-\nterhaltungsblatt (Köln, Charles Oberthür Braunschweig, Abonnements-Concert Hannover, Joachim Leipzig u. s. w.).\n\nAus einem Briefwechsel.\n(Schluss, S. Nr. 5.)\nDer Zorn über die liederfahrenden Freischaren, die\nDu unhöflich genug titulirtest als Mönchs-Chor mit obli-\ngatem Eunuchen-Register, trug Dir den Schimpfnamen\ndes Kreuzzeitungsritters ein, den man in guter Gesellschaft\nnicht gern sieht; der Ingrimm gegen die transatlanti-\nsche Virtuosen-Compagnie mit ihrem unermüdlich wie-\nderholten Programm war unvorsichtig, zumal der ge-\nbildete Philister nach vorher eingezahltem Champagner-\nThaler ein schmerzliches Entzücken verrieth, das wenig-\nstens Beachtung verdiente. Billig hättest Du ansehen sollen,\nwas sie leisteten, nicht, was ihnen fehlte. Ist denn nicht\nmindestens Eine Leistung, nämlich die unbarmherzige Auf-\nopferung alles Eigenwillens um der willen, eine\nlöbliche Sache? Ein wenig Ruhm verschmäht ja selbst\nSignor Eusebius nicht! Und ist es denn nicht aller Ehren\nwerth, seine Vernunft gefangen nehmen unter den Gehor-\nsam des Glaubens an die allmächtige Voxpopuli, die nun\neinmal von ihren Schulmeistern gelernt hat, den Anschlag\nhöher achten, als das Angeschlagene? Und ist nicht die\nvorgeschrittene Technik auch Ursache, dass manche treff-\nliche Werke leichter und häufiger vielleicht auch voll-\nkommener zu Gehör kommen, als jemals früher? Hat\nnicht Beelhoven die heutige Virtuosität der Orchester mit\nveranlasst, welche nun auch ihrerseits dankbar ist, ihn zu\nfeiern? Also: ich haue nicht in mein eigen Fleisch, wenn\nich, was gut an der Virtuosität ist, erkenne, den bösen\nVirtuosen aber insgesammt Einen Hals wünsche, wie Do-\nmitian dem römischen Volke.\nGenug von unseren Privat-Interessen. Lass uns das\nöffentliche Kunsttreiben nun auch von einer anderen Seite\nansehen, der tröstlichen zukunftschwangeren, Dir zum\nTröste, der Du im letzten Briefe untröstlich jammertest\nüber die Zustände unserer verwunschenen Race. Es sind\ndie in der Tiefe grabenden historischen Studien, deren\naufgehender Stern Dich mit Begeisterung erfüllte. Zwar\nbist Du nach heissem Anlaufe müde geworden, aber\nkannst Dich doch nicht dess erwehren, was Du dem\nWachsthume jener Studien dankst. Selbst Dein Trübsinn,\nalles Heutige schwarz anzusehen, stammt mit aus Deinen\nso redlich begonnenen Studien, die Du nur nicht zu dem\nZiele geführt hast, wo ein Trost der dunkelen Zeit liegt.\nDenn die Geschichte lehrt auch unter Anderem: Alles hat\nseine Zeit, Bauen und Zerstören, Anfangen und Aufhören,\nSammeln und Zerstreuen. Bist Du nun so überzeugt, wie\nich es einiger Maassen bin, dass unsere Generation nicht\nganz so starke Lenden und Waden besitzt, als das Helden-\nvolk jener Sternenstunde, so tröste Dich auch, wenn wir\nheute nicht die Genien dutzendweise besitzen, wie zußach's\noder Palestrina's Zeit. Oder waren sie auch damals dünn\ngesäet? Darüber kann uns Niemand belehren, als wie-\nderum die Geschichte ja, hätten wir erst eine! Zwar\nkriegen wir jetzt alljährlich auf zwei Messen ein paar neue\nMusikgeschichten, und was für welche! Aber ehe eine\nrichtige, tüchtige, complete vorhanden sein wird, muss\nnoch manche Welle ins Meer fliessen. Unterdess nehmen\nwir bescheidene Zuschauer das Unsere aus dem Vorhan-\ndenen, was uns die Biographieen, die erneuten Editionen,\ndie Gesammt-Ausgaben wirklich gebracht haben.\nDie gediegenen Biographieen des letzten Jahr-\nzehends, die Du ja auch trotz Deines Zwischen-Raisonni-\nrens mit einiger Begeisterung durchgearbeitet, sind doch,\nwie mir scheint, nicht bloss Denkmäler der Pietät oder\ndoctrinäre Decrete über die Gränzen der Classicität, son-\ndern sie sind Blätter aus dem Lagerbuche der Zeiten, der\nWahrheits-Prophetin Historia, die uns einführt in die\nWissenschaft, Geister zu unterscheiden. Denn wir sehen\nmit lebenden Augen hinein in die Reim-, Blüthen- und\nFruchtzeit jener einsamen Genien, die nicht, auf den Schild\nder Partei erhoben, erst zu etwas gemacht werden, son-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "42", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650211-01.1.2", "texte": "dern alles, was Partei ist, verstummen machen: ein ziem-\nlich deutlicher Gottesfinger, der mindestens jener Frage\nnach Progonen und Epigonen, welche kürzlich ein\nlaureatus in Scene setzte, die Spitze abbricht. Auch die\ngeistreiche Erfindung des nationalökonomischen Polyhistors,\ndass sich der moderne Ruhm nach Stromgebieten scheide,\nfällt zu Boden vor dem ernsten Blicke der Geschichte. Es\nist nicht Zeit und Ort, auch nicht irgend eine dialektische\nNotwendigkeit, was die Seelen und Genien ins Leben\nführt, sondern Gottes Wille; dass Voltaire, obwohl er er-\nkannte, keine Ilias schreiben zu können, dennoch es mit\nder Henriade versuchte, stand unter der höheren Leitung,\ndie den eitlen Franzosen zu Falle brachte. Und wenn wir\nin der heutigen Wellströmung ein Ueberwalten des sitt-\nlichen Strebens nach politischer und religiöser Herstellung\nwahrnehmen, eine ethische Bewegung von solcher Aus-\nschliesslichkeit, dass dem tieferen Gemüthe die Stelle un-\nfindbar wird, wo ewige Schönheit ein Recht hat, zu sein,\nso gibt uns ernste Betrachtung der Geschichte sowohl\nAufschluss als Trost über die „Weltstellung der Kunst\"\nin unserer und aller Zeit. Wir sehen, dass nicht jeder Zeit\nAlles gegeben ist, weil zwei Leidenschaften von gleicher\nStärke weder einen Menschen noch ein Zeitalter inne ha-\nben können; denn wenn auch jedes Zeitalter alle Keime\nder Menschheit in sich trägt und hegt, so bedürfen diese\nKeime viel Gunst und Gnade von oben und unten; und\n«um richtigen Zusammentreffen aller Factoren auf Einen\nPunkt ist nöthig, was Du einmal nanntest das tragische\nPathos der Geschichte—in der amphigurischen Rede-\nweise, die nur uns beiden verständlich. Wenn wir also in\ndem Einen gänzlich übereinstimmen, dass heute keine\nweltbewegenden Genien und Kunstwerke von ewigem Ge-\nhalte geschaffen werden, so lassen wir den Anderen ihre\nMeinung, die da „Thaten\" und „Ereignisse\" träumen und\nfrenetisch zucken bei einer Lachtaube oder einem Tasten-\npauker; wir gehen unterdess ruhig unseren Gang, aus den\nneu-alten Schätzen ohne Maass>zu schöpfen. Ist es nicht\neine Lust, unsere drei Heroen in sauberem Kleide ver-\njüngt zu sehen, prächtig und wohlfeiler, als die geringste\nder Zukunfts-Partituren? Und das temperirte Ciavier in\nvierzehn Ausgaben und viele gute Opern und Oratorien\ndazu? Die Sache hat freilich ihre zwei Seiten, wenig-\nstens was den alten leipziger Cantor angeht. Wer sollte\nsich nicht freuen, hundert Jahre nach seinem Tode den\nHeros auferstehen zu sehen, der seiner Zeit das Gepräge\ngab und sogar die unsere umzuprägen Anstalt macht? Seit\nder grossen Renaissance durch Mendelssohn sind über\ndreissig Jahre verflossen; Bach's Name wird gefeiert, ge-\nehrt, seine Werke finden wachsende Anerkennung, auch\nLiebhaber wagen sich daran, schulen Finger und Geist\nnach seiner Kunst, nicht bloss in öffentlichen Soireen, nein,\nsogar im Salon und Boudoir hat man keine Ruhe bei\nTag und Nacht vor dem Wohltemperirten, und was das\nBedenklichste: Reactionäre und Radicale, Zöpflinge und\nZukünftlinge haben sich verschworen, den alten Cantor\nliebwerth zu finden. Er selber würde lächeln dazu, viel-\nleicht in der gemischten Gesellschaft sich ein wenig un-\nheimlich fühlen, falls ihn nicht ein Furor poeticus ergriffe,\nchromatisch zu phantasiren und nichts mehr zu merken\nan Köpfen und Zöpfen, die da Zuschauer spielen. Was\nist's aber, was diese ingrimmige Gegnerschaft in dem Ein-\nzigen versöhnt, ihn als den Ihrigen zu preisen, da er we-\nder griechische Schönheit malt im Sinne des classischen\nFormalismus, noch romantische Gespenster im Sinne der\ntollgewordenen Gedankenfabrik? Das Räthsel zu lösen,\nerfandest Du einst die mehr mystische als philosophische\nAuskunft: es sei bei Sebastian alles das innig centralisirt,\nwas die Anderen stück- und splitterhaft besitzen: Ho-\nheit und Schönheit, charakteristische Tiefe und formelle\nRundung, so dass in ihm jedes Einzelne nur aus dem Gan-\nzen verständlich, jede Totalität wiederum durch die kleinste\nAder hineinströme, blitze und spiegele; die heroische\nSüsse, die demüthige Kraft und dergleichen Bonmots lu-\ndest Du uns auf, und das nanntest Du Verständniss! Es\nwar wenig besser, als jenes berliner Erkenntniss: Bach's\nNatur sei vorzugsweise die „weltverneinende\"! Nein,\ndafür ist er mir doch zu derb und gesund, und scheint\nnur ein Bisschen festeres Fleisch und Blut zu haben, als\nalle seine Interpreten. Lass uns ein Einfacheres setzen für\nden Hausgebrauch: Sebastian ist von allen der reinste\nKünstler, tout bonnement,der Erzmusicant\nnentiam, darauf schwören die Einen, die das erkennen,\nund die Anderen, weil sie es nicht merken. Er ist nicht\neinfältig fromm, wie Eccard, nicht einseitig dramatisch,\nwie Gluck, nicht gedankenmalend, wie nun, ich will\nkeinen Blutsverwandten nennen: sondern er ist ganzer und\nvoller Künstler, freilich die Kunst auch im Dienste des\nHöchsten, was die Seele fassen mag, verwendend. Und\ndarum ist er hier kindlich begreiflich, dort dem Gelehrten\nunerschöpflich; und darum zwingt er alle Geister, die noch\nein wenig aus der ewigen Heimat gerettet haben wo\ndann allerdings auch manch Einer so mitläuft, um sich\nnicht zu blamiren: Transeat —Und ärgere\nDich nicht an dem „Erzmusicanten\"! Haben wir nicht,\nals wir in jenem Pathmos einstmals seine Chöre vierstim-\nmig a vistasangen, diese zauberische Gewalt an uns und\nunseren Genossen vornehm und gering wahrgenom-\nmen? Und danach, wo wir ans Analysiren gingen, da ging\nuns oft Wunder über Wunder auf, wenn wir entdeckten,\ndass der Alte in seinen harmonischen Wagnissen weit"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650211-01.1.3", "texte": "kühnere Abenteuer bestanden hat, als alle Epigonen zu-\nsammengenommen, und dass die gefährlichsten unter den\ngelungenen Errungenschaften der Neuzeit— alle schon\nda gewesen sind!\nNeben Händel, Bach und Beethoven möchte wohl\nEiner auch Mozart's Opera, auf Einem Flecke\nbeisammen sehen: aber das ist nicht nöthig bei den hun-\ndert Ausgaben, vielleicht unmöglich bei dem Reichthum\nseiner Werke, und die alte Breitkopf'sche Sammlung ist\nauch noch da. Wenn Du neulich die Gier nach solchen\nGesammt-Ausgaben den faulen Krebs der Zeit nanntest,\nso widersprachst Du Dir selbst, der Du kurz vorher den\nC. P h. E. Bach nebst Scarlatti ebenfalls\nrestituiren wolltest, und.schaltest sehr auf einen gewissen\nvornehmen Mäcenas, der „die Opfer\", die er für Händel\nund Sebastian gebracht, vorschützte, um Emanuel und\nScarlatti zu weigern; unterdess thun sich von Seiten der\nNeu-Deutsch-Meister ähnliche Schritte kund, und lachende\nErben ziehen mit der Beute davon. Das ist der Lauf der\nWelt. Lass auch hiedurch nicht Deine Cirkel stören! Hast\nDu nicht selber, als wir noch eifrigst um die modernen\nRichtungen uns bekämpften, mich belehrt, dass die histo-\nrische Wiederbelebung des Ewig-Neuen vorzüglich dem\nKünstler zu Gewinn falle, die vordringende Kritik aber\nwohl oder übel der Wissenschaft neue Bahnen öffne?\nIn diesem Punkte sind wir besser daran, als damals,\nwo Du alle Kritiker, insonderheit die Journalisten, Teu-\nfelskinder schaltest. Seitdem Du aber in Schumann's Zeit-\nschrift angesiedelt wärest und schrittweise auf der ab-\nschüssigen Bahn des Journalismus fortrutschtest, da merkte\nich, dass Dir die Neuzeit wirklich einen Standpunkt gege-\nben hatte seit Kurzem fürchte ich sogar, Dich ir-\ngendwo anders unter Deiner Chiffre errathen zu haben.\nWenn aber ein Redacteur, wie Dein heutiger, kundig und\ntapfer ist, auch nicht mehr, als im Kriege eben nöthig,\nPartei nimmt: nun, so ist solcher Mann viel werth in die-\nser theuren Zeit; den halte fest, und strafe mich nicht mit\nHeimlichkeit. Deinem alten Freunde darfst Du's wohl\nvertrauen, wo Du alte Grundsätze verfichtst oder auch\nihnen nach Umständen aber ohne jesuitische Schliche\nuntreu wirst. Meine Episteln jedoch Anderen mitzutheilen,\nist nicht billig, und gar sie öffentlich prostituiren, wie vor-\ndem, darfst Du nicht wieder: sonst müsste ich ja meine\nWorte auf die Wage legen und mich hüten, zu sagen,\nwas dereinst im Blaubuche zu Tage käme, z. B. Dass ich\nVischer's Aesthetik nicht vergöttere, dagegen Sechter's\nHarmonielehre und Bellermann's Contrapunkt allen ande-\nren Theorieen vorziehe, und dergleichen Mehreres.\nNun nimm meinen besten Gruss zum neuen Jahre.\nArbeite fleissig und nicht zu viel. Grüsse mir den Bargiel\nund Deine jungen Künstler oder Jünger, wie man bei\nEuch lieber sagt. Sage ihnen, dass wir den Glauben an\ndie deutsche Kunst nicht aufgeben, auch wenn es toller\nhergeht, als uns lieb ist; die trüben Wasser scheinen\nschon über die Höhe geschwollen, so werden sie ja wohl\nbald ablaufen. Sehe ich hier—der dem\ngegenüber —zu sanguinisch? Wenn jetzt auch das liebe\nSchwabenland dem Hegelthum soll erobert werden: lass\nsehen, ob ihr frisches Leben der Verzweillungs-Poesie zum\nOpfer falle, ob sie sich berücken lassen von jenem Pro-\nmetheus, dessen Programmatist offenherzig bekennt, was\nfür Ideale in jener Hexenküche zugerichtet werden, wo\nnur grosse Septimen-Accorde nebst übergrossen Dreiklän-\ngen die Motive der Melodieen ausmachen! Lassen sich\nauch die Schwaben fangen, z. B. durch die neueste Fau-\nstiade von Henry im Selbstverlage des Autors, wo dann\nFreund Hans am Pulte stehen wird und, wie einstens\ndas Pfeifen verbieten—nun, dann wollen wir weiter sehen.\nUnterdess lass Du uns festhalten an der Hoffnung, dass\nunsere herrliche Kunst nicht untergehe, diese wunderbare,\ndie schon mehr als einmal nicht bloss Abbild, sondern\nVorbild neuer Zeitschwünge gewesen und bei mehrma-\nligem Fallen und Aufstehen nicht untergegangen, sondern\ndurch innere Einkehr in. Geschichte und Wissenschaft\nwieder ins gesunde Geleise zurückgebracht ist. Lebe wohl!\nGlaube an die Sterne Deiner Jugend! Behalte mich lieb!\n\nBeurtheilungen.\n\nI. Musica divina von Dr. C. Proske. Regensburg,\nPustet. 1864. II. Jahrgang. 3 Missae.\nHerr Dom-Capellmeister Schrems, welcher von dem\nHochwürdigsten Bischöfe Ignatius von Regensburg mit der\nHerausgabe des zweiten Jahrgangs des berühmten Proske'-\nschen Sammelwerkes mittelalterlicher Kirchenmusik be-\ntraut worden ist, veröffentlicht hiermit die ersten Früchte\nseiner Arbeit. Analog dem von Proske im ersten Jahrgange\neingehaltenen Plane, liess er zuerst Messen erscheinen mit\ndem ausdrücklichen Versprechen, dass ihnen Motetten,\nVespern und Litaneien, Responsorien, Hymnen und Anti-\nphonen (1., 11., 111., IV. Band) folgen sollen, „wenn anders\nsich jene wenigstens genügende Zahl von Abonnenten fin-\ndet, welche nothwendig ist zur Deckung der Kosten eines\nFortsetzungswerkes, dessen Zweck so erhaben ist, nämlich\nden Verehrern des reinen katholischen Kirchengesanges\ndas nöthige, praktisch brauchbare Material für die liturgi-\nschen Bedürfnisse des Kirchenjahres rechtzeitig und um\nmöglichst geringe Kosten zu bieten\".\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "44", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650211-01.1.4", "texte": "Die drei rubricirten vorliegenden Messen selbst anlan-\ngend, sind sie sämmtlich aus der erstaunlich reichhaltigen,\nan die bischöfliche Stelle zu Regensburg von Dr. Proske\nÜbermächten Bibliothek gezogen. Die\nloni\" 4 vocum parium,ist von Joh. Math. Asola, über\ndessen Lebens-Umstände u. s. w. der verstorbene Dr.\nProske im I. Bande des ersten Jahrgangs berichtet hat.\nSie ist für Männerstimmen leicht auszuführen und dess-\nhalb den Priester- und Schullehrer-Seminarien, so wie\nauch Männer-Gesangvereinen sehr zu empfehlen. Die\nzweite: Missapro defunctis, 4 vocibus, ist von Franz Ane-\nrio, Romanus.(um 1567 zu Rom geboren, Priester, erst\nCapellmeister bei Sigismund 111. von Polen, dann am Dome\nzu Verona, später Musikmeister am römischen Seminar,\nendlich Capellmeister bei La Madonna dei monti und zu-\nletzt bei St. Johann vom Lateran, gestorben nach 1603).\nDie Partitur ist nach einigen im deutschen Collegium zu\nRom gemachten Abschriften gefertigt, die Ausführung we-\nnig schwierig, die Composition selbst aber eines der schön-\nsten und ergreifendsten Meisterwerke aus der Blüthezeit\nkirchlicher Kunst. „Da in den genannten und vorliegenden\nManuscripten der Gregorianische Choral bei den Intona-\ntionen und in den wechselnden Versen des etwas\nfehlerhaft geschrieben war/ bemerkt der Herausgeber,\n„so wurde derselbe nach Mettenleiter's\nrale (Regensburg, Pustet, 1853), welches die Approbation\nder bischöflichen Stelle von Regensburg und den Beifall\nder Kenner für sich hat, corrigirt und gehörigen Orts\neingestellt.\" Die dritte: M ist von Joh.\nLeo Hasler, dessen biographische Skizze Proske bereits im\nersten Jahrgange, I. Bd., gegeben hat. Sie hat der selige\nCanonicus Proske (j- 1861) selbst noch in Partitur ge-\nbracht und sie dürfte sich, da sie sich grösstentheils in gleich-\nzeitigem Rhythmus bewegt, auch für minder geübte Sän-\ngerchöre zur Ausführung eignen. Es wird auch gewiss,\n„wenn bei sehr mässigem Tempo rhythmische Sicherheit\nbeachtet wird\", die grossartige Wirkung nicht ausbleiben,\nda diese echt deutsche Composition voll tiefen Ernstes\nund heiligen Adels ist.\nII. Wohlfeiler katholischer Kirchenschatz.\nVerlag von Leuckart in Breslau. 1865.\nDiese dem musicalischen Publicum bereits von früher\nwohlbekannte Sammlung von instrumentalen und vocalen\nMessen, Vespern, Requiem, Gradualien, Offertorien,\nDeum, Tantum ergo u. s. w. von H. Schnabel, Hahn, Bro-\nsig, llorak, Gottwald, Bröer und Anderen erscheint hier\nin noch bedeutend wohlfeilerer und dem praktischen\nZwecke (z. B. durch Beifügung einer ausgesetzten, mit der\nersten Singstimme versehenen Orgelbegleitung) angepass-\nter Ausgabe. Die Piecen, aus welchen die zunächst ver-\nsuchsweise ausgegebene erste Serie besteht, biete» eine\nmit besonderem Geschicke und Tacte getroffene Auswahl\naus dem Besten, was früher bereits erschienen ist; dazu\ngekommen ist noch ein Requiem, ganz neu und speciel\nfür den „wohlfeilen Kirchenschatz\" componirt. So lange die\nInstrumentalmusik beim Gottesdienste in Uebung ist (und\nes hat allen Anschein, dass das wohl noch sehr lange der\nFall sein wird), muss ein Unternehmen, das es sich zur\nAufgabe macht, würdige Kirchenmusicalien der Art zu\nbieten, stets willkommen geheissen werden.\nIII. Magister choralis. Von Dr. Haberl. Regensburg,\nPustet. 1864.\nDer alte Salz: „Musica e\nlis cultus ecclesiastici\", bewog Herrn Fr. H. Haberl, Mu-\nsik-Präfect der bischöflichen Seminare in Passau, unter\nobigem Titel ein theoretisch-praktisches Lehrbuch des Gre-\ngorianischen Kirchengesanges nach den Grundsätzen des\nEnchiridion choraleund Organu von J. G. Mettenleiter\nzu bearbeiten und sich demnach als einen strengen Dia-\ntoniker, „der an den überlieferten, durch die ältesten,\nmeisten und angesehensten Gewährsmänner garantirten\nGesangsweisen und an den aus ihren Werken sich erge-\nbenden Regeln festhält\", zu bekennen. Der auf 181 Sei-\nten (Preis 36 Kr.) für Geistliche, Organisten, Seminarien\nund Cantoren bearbeitete Stoff ist in drei Theile geschie-\nden : A.Vorkenntnisse. B.Kenntniss (Theoretischer\nTheil: Lehre der alten Tonarten, S. 23—47. Praktischer\nTheil: Zeichnung des ganzen Gebietes der katholischen\nChoral-Kirchenmusik beim heiligen Opfer, bei den kirch-\nlichen Tagzeiten und den ausserordentlichen Feierlichkei-\nten des Kirchenjahres). C. Erkenntniss, tiefere geistige\nAuffassung, Vortrag u. s. w. Für Organisten ist ein Ap-\npendix zum praktischen Theile gegeben, der über Beglei-\ntung, Harmonisirung u. s. w. des Gregorianischen Chorals\nhandelt. Für Cleriker erleichtert ein eigener\n(S. 179) das Auffinden der gewöhnlichen liturgischen\nGesänge.\n\nDr. D. M.\n\nWilhelm von Beckerath\nf.\nIn voriger Woche starb hier in Crefeld Wilhelm\nvon Beckerath, ein Mann, der auch in weiteren Krei-\nsen ein ehrendes Andenken hinterlässt. Seinem Berufe\nnach dem Kaufmannsstande angehörig, hat er durch Ta-\nlent und Persönlichkeit eine Stellung im Leben eingenom-\nmen, die ihm Liebe und Hochschätzung in vielen Herzen\ngewann. Insbesondere war es die Musik, die er als Ver-\nehrer und Kenner mit Sinn und Geschmack als Dilettant\nübte und so mit vielen namhaften Künstlern, als Mendels-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650211-01.1.5", "texte": "söhn, Zöllner, Burgmüller, Liszt, Hauptmann, den älteren\nGebrüdern Müller, Reinecke und Anderen, in näherem\nVerkehr stand, wobei seine Gattin, geborene Wolff,\ndurch ihre seltene Altstimme einst eine Hauptzierde un-\nserer niederrheinischen Musikfeste, ihm würdig zur Seite\nstand, wie sich gar manche Verehrer der Kunst aus frü-\nherer Zeit erinnern werden*). So war die Tonkunst die\nWelt, in der er lebte, und was ihm an Müsse von seinen\nGeschäften blieb, war dieser Kunst gewidmet, die er in\nseinem Hause mit verwandten Seelen, im Vereine mit sei-\nnen talentvollen Kindern, übte, wobei es vor Allem die\nWerke unserer deutschen Classiker waren, die hier vor-\nzugsweise ihre Pflege fanden. Es bildete dieses Haus eine\nkünstlerische Welt im Kleinen, wie wir sie mit so idealen\nZwecken selten finden, denn es galt hier nur den reinen\nGenuss der Musik mit Beseitigung alles gesellschaftlichen\nGepränges und aller dilettantischen Eitelkeit. Die Seele des\nschönen Vereins zu einer Hausmusik, wie sie jetzt nur\nnoch selten existirt, war von Beckerath selbst, der mit dem\ngebildeten Sinne für die Tonkunst und einem bedeutenden\nGrade technischer Tüchtigkeit eine Humanität und Lie-\nbenswürdigkeit des Charakters verband, die ihm in den\nverschiedensten Kreisen, mit denen er im Leben verkehrte,\nnoch lange ein freundliches und dankbares Andenken be-\nwahren werden.\nCrefeld, 4. Februar 1865.\n\nJoseph Proksch.\n(Nekrolog\n**]•)\nIn der Nacht vom 19. auf den 20. December v. J.\nhat ein Schlaganfall Prags ältesten und trefflichsten Musik-\nlehrer, Joseph Proksch, dem Kreise der Lebenden\nentrissen. Ein zahlreiches Geleite, darunter allein über\ndreihundert Frauen und Mädchen, die seine Schülerinnen\ngewesen waren, folgte dem Sarge des Verewigten und\nzeigte, dass seine zweite Vaterstadl den erlittenen Verlust\nzu würdigen und die Verdienste und den Werth eines\nMannes zu schätzen wisse, der, was er geworden, durch\nden eisernsten Willen und Fleiss der Natur hatte ab-\ntrotzen müssen.\nGeboren am 4. August 1794 in Reichenberg in Böh-\nmen, hatte er durch sein ungewöhnliches musicalisches\nTalent seine Eltern mit den schönsten Hoffnungen erfüllt.\nAber den kaum dreizehnjährigen Knaben befiel eine un-\nheilbare Erblindung. Doch zu seinem Heile fand er im\nprager Blinden-Institute, dem er übergeben wurde, Leh-\nrer, welche seine Begabung erkannten und mit regem\nEiler förderten, so dass er binnen kurzer Zeit ihrem Un-\nterrichte entwachsen war und sich in die Welt wagen\nC 7\nkonnte. Gerade um jene Zeit erregte in Berlin J. B. Lo-\ngier durch seinen gemeinschaftlichen Unterricht im Ciavier\nund in der musicalischen Theorie allgemeine Aufmerksam-\nkeit. Proksch machte sich durch einen Aufenthalt von einem\nJahre in der Anstalt Logier's mit dessen Theorieen so ver-\ntraut, dass er in seiner Vaterstadt ein ähnliches Institut\nerrichten und in Gemeinschaft mit seinem Bruder Anton,\neinem vorzüglichen Organisten, leiten konnte. Die glück-\nlichsten Erfolge, von denen er sein Unternehmen gekrönt\nsah, hatten seinen Buf bald über die Gränzen seiner Va-\nterstadt hinaus verbreitet, und bereits im Jahre 1830 sie-\ndelte er, einer Einladung des Grafen Clam-Gallas folgend,\nnach Prag über und errichtete dort sein Institut für Cla-\nvier-Unterricht, welches trotz der ähnlichen, die später\nvon mehreren seiner Schüler gegründet wurden, sich bis\nzu des Meisters Tode des ausgezeichnetsten, weit verbrei-\nteten Rufes im In- und Auslande erfreute.\nWeit entfernt, jene Methode, der man mechanische\nAbricbtung vorwarf, zu blosser Vervollkommnung der Fer-\ntigkeit zu benutzen, veröffentlichte Proksch im Jahre\n1849 die Grundsätze, die ihn bei seinem Unierrichte lei-\nteten. nl)er Clavier-Unterricht,\" heisst es dort, „wie er\nvon manchen Lehrern gewöhnlich ertheilt wird, hat nicht\nzum nächsten Ziele, den Lernenden zum Verständnisse der\nMusik und zu innerlicher Theilnahme zu bringen, sondern\nnur, ihm das Verständniss gewisser Musterzeichen beizu-\nbringen, und wie er diese Zeichen mechanisch von dem\nPapier auf das Ciavier übertragen soll. Aehnlich, wie wenn\nEiner Italiänisch lesen lernte, nicht damit er es versteht,\nsondern bloss, damit er den angenehmen Klang der Sprache\nhervorbringe. Eben desshalb überwiegt in dieser W eise\ndes Ciavier-Unterrichts die Hebung der mechanischen Fer-\ntigkeit; sie verdient daher mit Recht den Namen einer me-\nchanischen Unterrichtsweise.. . . Ihr höchstes Ziel istKunst-\nstückchenmacherei und Beifall der Menge. Man muss aber\n\n*) Es war dies diejenige Periode der nieder rheinischen\nMusik feste, in welcher man noch einen Werth darauf legte, die\nFest-Concerte nicht nur im Chor und Orchester mit heimischen\nKräften, sondern auch mit rheinischen Solisten und rheini-\nschen Dirigenten auszuführen. Freilich war jene Periode auch\nreich an musicalischen Talenten; ausser der oben genannten Frau\nvon Beckerath waren als Sopranistinnen ihre Schwester Johanna\nWolff (später Gattin des Musik-Directors Schmidt in Halle und\nBremen), Fräulein Reintjes (vermählte Kufferath) aus Elberfeld,\nals Altistin Sophie Schloss aus Köln, die Tenoristen Wolff aus\nCrefeld, von Worringen aus Düsseldorf, welcher die Händel'-\nschen Recitative besser sang, als manche heutige Bühnen-Berühmt-\nheiten, der Bassist Michel DuMont aus Köln und andere Dilet-\ntanten vollkommen im Stande, die Solo-Partieen in den Oratorien\nkunstgemäss vorzutragen. Anmerkung der Red actio n.\n**] Auszugsweise aus den wiener „Recensionen\" und nach\nböhmischen Blättern."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650211-01.1.6", "texte": "die lieben Kleinen nach Geist und Herz bilden, nicht zu\nparadirenden Puppen, zu rousicalischen Coquetten herab-\nwürdigen. Die musicalische Bildung muss als ein wesent-\nlicher Bestandteil der allgemeinen menschlichen Bildung\nund der humanen Bildung betrachtet werden. Die Päda-\ngogik will, dass die edleren Gefühle frühzeitig geweckt\nwerden, damit sie nach und nach zu Neigungen im Gemüthe\nheranwachsen und zu guten Triebfedern des Willens dienen\nkönnen. Die Musik soll dasGemüth erwärmen, die Neigun-\ngen veredeln und so das geistige Leben verschönern.\"\nZu einer Zeit, wo der Virtuosenflitter, die fast aus-\nschliessliche Pflege einer inhaltsleeren Technik zur Allein-\nherrschaft gelangt war, war sein Institut der fast einzige\nZufluchtsort für classiscbe Musik. Dort wurden seit langer\nZeit zum ersten Male wieder die grossen Clavier-Concerte\nvon J. S. Bach, die Motetten Palestrina's und vieles Andere\ngehört, im Jahre 1840 nahmen dort die historischen Con-\ncerte ihren Anfang und die Palestrina-Abende wurden\neine reiche Quelle der schönsten Genüsse. Proksch' Schü-\nler lernten die besseren und besten Werke ihrer Kunst\nkennen und lieben, erhielten eine gründliche Einsicht in\nderen Wesen und dadurch ein klares, sicheres Urtheil\nüber neuere und neueste Productionen.\nDabei war er nicht bloss ein gründlicher Kenner des\nLiteraturschatzes seiner Kunst, sondern auch der Literatur\nüber diese. Keine bedeutendere Erscheinung trat davon\nans Licht, die er sich nicht hätte vorlesen und daraus Ex-\ncerpte, meist mit eigenen treffenden Bemerkungen verse-\nhen, in sorgfältig geführten Memorabilienbüchern nieder-\nlegen lassen. Ambros musste ihm seine „Geschichte der\nMusik\" noch in den Aushängebogen vorlesen, und er stu-\ndirte die darin enthaltenen mittelalterlichen Theorieen von\nder Solmisation, der Mensural-Notirung u. s. w. mit dem\nemsigsten Fleisse, weil er darin die Grundlagen der heu-\ntigen Kunst fand. Neue Partituren liess er sich nach ihren\nmusicalischen Einzelheiten aus einander setzen, Stimme für\nStimme, dann gruppenweise, und vermochte es so endlich,\ndas ganze Tongebäude klar und vollständig zu überschauen.\nAuf d iese Weise legte er sich selbst die Partituren Ber-\nlioz'scher Sinfonieen zurecht, zum grössten Erstaunen von\nBerlioz selbst. Ausserdem benutzte er jede Gelegenheit,\nein tieferes Verständniss seiner Kunst zu gewinnen. So war\ner zwei Jahre lang eifriger Besucher der Vorlesungen des\nProfessors Müller über Aesthetik und studirte Herbart's\nSchriften mit einem Freunde gründlich durch.\nObgleich Proksch in seinen früheren Jahren als\nComponist nicht ohne Glück vor die Oeffentlichkeit ge-\ntreten war, so dienten doch die Productionen der spä-\nteren Zeit ausschliesslich den Unterrichtszwecken seines\nInstituts.\nEs war nicht leicht möglich, den würdigen Greis\nausserhalb der Mauern seiner Anstalt kennen zu lernen.\nEr verliess dieselben fast nur, um eine interessante Musik-\nAufführung zu besuchen. Dann betrat er an der Hand\nseines Führers den Saal, setzte sich in eine halbversteckte\nEcke und hörte mit dem Ausdrucke vollkommenster Buhe\nin Miene und Haltung der Musik zu. Fragte ihn dann ein\nFreund um sein Urtheil, so gab er es ganz unbefangen,\nfast mit epigrammatischer Kürze und doch anspruchslos\nund gleichsam in selbstverständlich hingeworfenen Sätzen,\naber es traf immer den Kern der Sache. Es schien mild\nund streng zugleich; die letzte Eigenschaft bezog sich je-\ndoch immer mehr auf die Sache, während gegen die Per-\nson immer eine wohlthuende Milde durchblickte. In Bezug\nauf seine Person hasste er alles, was nach Beclame aus-\nsah. Die Freude an dem schönen Erfolge seines Mühens\nmachte ihm alle öffentlichen Anerkennungen und Aus-\nzeichnungen vollkommen entbehrlich.\nNichts desto weniger wird sein Name fortleben, nicht\nbloss in der pietätsvollen Erinnerung seiner Schüler und\nFreunde, nicht bloss innerhalb der engen Gränzen seines\nVaterlandes: denn die Saat, die er hier gestreut, ist be-\nreits üppig emporgeschossen und trägt reiche Früchte in\nden Metropolen Europa's, wohin so ausgezeichnete Schü-\nler wie Frau Szarvady-Clauss und Herr Bendel seine\nSchule und seinen Namen getragen.\n\nCuriosum.\nWenn man glaubt, Pater Singer (der allen Besuchern\nSalzburgs durch seine wundersame Panharmonica bekannte\nFranciscaner) sei der Erste gewesen, welcher die Musik\nmit der Mystik in Verbindung gebracht habe (conf. dessen\nSystem einer Harmonielehre), so täuscht man sich. Schon\n1701 hat dasselbe versucht Böddecker (Phil. Friedrich),\nStifts-Organist in Stuttgart, in einem Werke:\nnova methodico-practica ad (gedruckt\nvon dessen Sohne und Nachfolger Philipp Jakob). Das\nWerk enthält 11 Bogen. Die Zueignungsschrift ist gerich-\ntet an Gott den Vater, als die Prime oder Grundslimme,\nan Gott den Sohn, als die Quinte oder vollkommenste\nConcordanz, an den heiligen Geist, als die Tertie, so\nvon der Prime ausgeht im Aufsteigen und von der Quinte\nim Absteigen. M. Adelung in seiner Musicalischen Gelahrt-\nheit sagt darüber Pag. 760: Wer wird\ndoch nun Recht haben, da Herr Bukstedt in seinem\ndie Terz auf die andere Person deutet, und durch die\ngrosse und kleine die zwo Naturen Christi vorstellt. Eben\nso tröstlich beweist Böddecker Pag. 4 im ersten Satze nach"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650211-01.1.7", "texte": "Art der Messkünstler, dass Gott schnfttnässig und dem\nGlauben ähnlich könne Basis ge\nhuius universiheissen, welches in der rechten Auslegung\nseine Richtigkeit hat. Aber wozu dienen solche Dinge in\nsolchen Büchern? Liebhabern solcher mystischer Deduc-\ntionen nenne ich noch die Predigt, welche der berühmte\nKanzelredner Dr. Veit in Wien herausgegeben hat unter\ndem Titel: „Die Mystik der Kirchenmusik\".\n\nUllman’s Concert in Köln.\nSamstag den 4. Februar 1865.\nNach alledem, was wir über die phänomenale Künstlernatur\nvon Fräulein Carlotta Pattl in diesen Blättern bereits gesagt ha-\nben, worüber uns die ungetheilten Zustimmungen berechtigter Beur-\ntheiler von den verschiedensten Seiten zugegangen sind, wollen wir\nnur hinzufügen, dass die gefeierte Sängerin in der Anwendung ihrer\nexceptionellen Naturgaben seit einem Jahre bedeutende Fortschritte\ngemacht hat: sie ist offenbar mehr zum Bewusstsein dessen gekom-\nmen, was sie mit ihrer Stimme machen kann, und diese Wahrneh-\nmung gibt uns die Ueberzeugung, dass sie, trotz der Bewunderung\nder überall, wo sie in Deutschland Concert gegeben, überfüllten\nSäle, keineswegs sich bei dem hohen Standpunkte, den sie bereits\nerreicht hat, beruhigt, sondern von dem künstlerischen Streben, den\nhöchsten zu erreichen, beseelt ist. Wer übrigens nicht bloss die Lei-\nstungen, sondern auch die Persönlichkeit dieser Künstlerin kennen\nzu lernen Gelegenheit hat, wird aus der Bescheiderheit, welche bei\nso aussergewöhnlichen Erfolgen ihr um so mehr zur Zierde gereicht,\nje seltener sie in solchen Fällen zu finden ist, leicht auf die Wahr-\nheit und den Ernst jenes Strebens schliessen. Von ihren diesmaligen\nVorträgen, denen selbstverständlich allen enthusiastischer Applaus\nund Hervorruf folgten, hat uns die Polacca von Bellini, bei welcher\nsie die Ausschmückungen, die ihre wunderbare Höhe und technische\nVirtuosität ihr eingaben, mit Geschmack ausführte, und die Schatten-\nArie der Dinorah am meisten überrascht; im Vortrage der letzteren\nbrachte sie die wunderliche Fiction Meyerbeer's durch eine überaus\ncorrecte und im Pianissimo bis in die letzten Räume des »Saales\ngleich klingende Ausführung zu täuschender Wahrheit und erinnerte\nuns durch Töne an das Bild des Engländers Head, auf dem die\nNymphe Echo in duftigen Schleiern, welche die schönen Formen\ndurchscheinen lassen, über dem Felsenthal sich träumerisch in den\nLüften wiegt.\nFräulein v. Edelsberg aus München, deren Leistungen auf\ndem Musikfeste zu Düsseldorf im Jahre 1863 am Niederrheine noch\nin schöner Erinnerung sind, erwarb sich durch ihre volle, sehr\nwohllautende Altstimme und einfach würdigen Vortrag einer Arie\nvon Mozart und besonders des lieblichen Liedes „Waldvögelein\"\nvon Lachner grossen Beifall, während Frau Niemann-Stebach\ndie Musik der Sprache durch die schwung- und seelenvolle Decla-\nmation von Schiller's „Glocke\" auch neben dem Gesänge zu voller\nGeltung brachte und noch durch den köstlichen Vortrag der Selbst-\ngespräche einer zwanzig-, dreissig- und „kaum vierzigjährigen\"\nJungfrau erfreute.\nSignor Pietro Ferranti sang die erst* Arie des Rossini'schen\n„higaio und eine komische Tarantella desselben Meisters mit wohl-\nklingender Baritonstimme und der Volubilität eines echten Italiäners,\nder von seiner Aufgabe so hingerissen wird, dass er der Erinnerung\nan die Buhne auch im-Concertsaale nicht widerstehen kann. Dage-\ngen liesse sich mancherlei einwenden; allein die Gemütblichkeit,\nmit welcher der wackere Sänger, dessen Technik wir zufällig vor\ndem Concerte als eine ganz vorzügliche kennen lernten, seine Inter-\nmezzi im nationalen Genre gab, erwarb ihm rauschenden Applaus\nund Dacaporuf der Tarantella - ein Erfolg, den wir ihm denn auch\nnicht verkürzen wollen.\nGehen wir nun zu den Instrumental-Vorträgen über, so können\nwir kaum Worte finden, um den herrlichen Eindruck entsprechend\nzu schildern, den die Leistungen von Henri Vieuxtemps und\nLouis Brassin auf das ganze Publicum und auf uns selbst mach-\nten. Die Krone derselben war der Vortrag der grossen Sonate in A\nvon Beethoven. Hier müssen wir unumwunden erklären, dass wir\ndie Ausführung derselben noch niemals in so künstlerisch vollende-\nter Weise gehört haben, als in diesem Concerte. Vor Allem war es\ndie Auffassung der ganzen Composition und zunächst die Würde\ndei 1 einpi des ersten und zweiten Satzes, welche der gegenwärtigen\nGeneration, die schon lange die Tradition des Vortrages Beethoven'-\nscher Sonaten nicht mehr kennt, einmal wieder ein wahres Bild der-\nselben voi führte. Dazu kam die Achtung der beiden Künstler vor\ndei gegenseitigen Berechtigung, nirgends ein Vordrängen des einen\nInstrumentes vor dem anderen und überall die vollkommenste Ueber-\neinstimmung in allen Vortrags-Nuancen. Und nun das alles gehoben\nduicli den wunderschönen. lon des Geigers und den Anschlag und\ndie conecte Technik des Glavierspielers kurz, wenn irgend etwas\nheutzutage die Bezeichnung „classiscli\" verdient, so war es diese\nKeproduction der berühmten Beethoven'schen Sonate. Aber auch\ndas Publicum zeigte sich deren würdig: es lauschte mit der ge-\nspanntesten Aufmerksamkeit dem Spiele der beiden Meister und\nbiach nach jedem batze in stürmischen Beifall aus. Dass sich der-\nselbe Applaus auch bei den anderen, mehr auf Glanz der Virtuosität\nberechneten Vorträgen wiederholte, versteht sich von selbst; Vieux-\ntemps rechtfertigte aufs vollkommenste seinen europäischen Ruf,\nund Biassin bekundete das eminente Talent eines Pianisten ersten\nRanges, das ihm in Belgien und Paris die Bahn des Ruhmes geöff-\nnet hat und ihn jetzt auch in Deutschland, seinem Vaterlande, auf\nihr weiter führen wird.\n\nSiebentes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller.\nDinstag, den 7. Februar 1865.\nProgramm» Erster Theil. 1. Ouvertüre zu der Oper „Die\nAbenceragen\" von Cherubini. 2. Arie für Sopran mit obligater\nVioline von F. Herold aus der Oper „Der Zweikampf\" (Fräulein\nAnna Eggeling, herzoglich braunschweigische Hof-Opernsängerin).\n3» Concert für Pianoforte und Orchester in Fis-moll von F. Hiller\n(Herr Alfred Jaell, königlich hannoverscher Hofpianist). 4. Ave\nverum für Chor und Orchester von W. A. Mozart. 5. Clavier-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650211-01.1.8", "texte": "stücke: a. Aux bords de V Arno von A. Ja eil; b. Der Tannhäuser-\nMarsch, Transscription von F. Liszt (A. Jaell). 6. Erstes Finale\naus „Euryanthe\" von C. M. von Weber (Fräulein Eggeling —\nHerr S c h e 1 p e r).\nZweiter Theil. JSinfonia eroica von L# van Beethoven.\n(Der Bericht in der nächsten Nummer.)\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolli. 10. Februar. Gestern hatten wir das Vergnügen, in\neinem Privatkreise Herrn Charles Oberthür zu hören, der, wenn\nnicht der grösste, doch einer der grössten Harfenspieler unserer Zeit\nist. Er hatte auf Einladung des grossherzoglichen Hofes in Weimar,\nferner in Dresden, Erfurt u. s. w. gespielt und war auf der Rück-\nreise nach London, wo er sich eine zweite Heimat gegründet hat,\nbegriffen. Er trug ein Concertino für Harfe und Orchester oder\nPiano von seiner Composition (Op. 175) und zwei hübsche Salon-\nstücke für Harfe allein mit bewundernswerter Fertigkeit vor.\nX Brmiltscliwefg« In dem sechsten Abonnements-Concerte\nkam Lachner's Suite in D-moll in vorzüglicher Weise zur Auf-\nführung und fand eine sehr beifällige Aufnahme. Schumann s\nMusik zu Manfred, mit verbindendem Gedichte von Pohl, ist im\nGanzen zu düster, als dass sie nach dem frischen Werke Lachner's\neinen grossen Eindruck machen konnte, und wäre vielleicht die\numgekehrte Aufeinanderfolge beider Werke rathsamer gewesen.\nIn der Oper war eine Aufführung des „Faust\" von grossem In-\nteresse, in welcher Herr Niemann als Gast die Titelrolle und\nFräulein Eggeling von hier das Gretchen mit ausserordentlichem\nErfolge sangen. Der Tenor Wolters von Köln ist nach bei-\nfällig aufgenommenem Gastspiele als Faust und George Brown für\ndie herzogliche Hofoper engagirt worden.\nHannover. Die hiesigen Zeitungen brachten dieser Tage\ndie Nachricht, dass Herr Concert-Director Joachim seine Entlas-\nsung bei Sr. Majestät dem Könige erbeten und Hannover zu ver-\nlassen definitiv beschlossen habe. Ueber die Veranlassung gehen\nGerüchte umher, welche behaupten, dass der Entschluss des grossen\nKünstlers, dessen Verlust kaum ersetzbar sein dürfte, auf einem\nehrenwerthen Proteste desselben gegen confessionelle Vorurtheile\nberuhe.\nLeipzig« Lebenslänglich sind zur Zeit Pensionäre der\ndeutschen Schiller-Stiftung: Julius Mosen, Eduard Mörike, Willibald\nAlexis, Otto Ludwig, Karl v. Holtei; ferner zwei Männer aus der\nalten Theatergarde: Töpfer und v. Zahlhaas, der verdienstvolle Dra-\nmaturg Rötscher, der Popular-llistoriker Burkhardt in Leipzig, un-\nheilbar erblindet, und endlich ein Witwen-Kleeblatt: de la Motte\nWilhelm HaufFs, Ludwig Bechstein's. Periodische Gewäh-\nrungen auf ein oder mehrere Jahre beziehen: Karl Beck, Hermann\nKurtz, Hermann Lingg, R. E. Prutz, Leopold Feldmann, Elise\nSchmidt, Ludwig Storch, Hermann Schiff, Julius Bacher, Alexander\nJung, Melchior Meyr, Adolph Zeising, Braun v. Braunthal, Frau\nPfannenschmidt (Burow), Frau Louise Otto; ausserdem die nach-\nstehende ansehnliche Reihe Hinterlassener: eine Enkelin Herders,\nLeopold Schefer's Töchter, Musäus' Schwiegertochter, die Tochter\nMethusalem Müllers, die Witwen, resp. Waisen Eduard Duller's,\nKarl Haltaus', Karl Heintze's, Ludwig KÖhler's, Reinhold Köstlin's,\nFranz Kottenkamp's, Gustav Liebert's, Hermann Marggraff's, Theodor\nMügge's, Otto Ruppius1, Ludwig Seeger's, 0. L. B. Wolffs.\nDas leipziger Tageblatt enthält folgende Bekanntmachung:\n„Herr Paul Mendelssohn-Bartholdy in Berlin hat im Vereine\nmit seinem Neffen, Herrn Dr. Karl Mendelssohn-Bartholdy, Und des-\nsen drei Geschwistern ausser der unterm 12. September v. J. von\nuns veröffentlichten Felix Mendelssohn-Bartholdy-Stiftung aus dem\nErtrage der Reisebriefe seines Bruders, des verewigten Dr. Felix\nMendelssohn-Bartholdy, 1500 Thlr. mit der Bestimmung in unsere\nHände gelegt, dass deren Zinsen alljährlich am 3. Februar, als dem\nGeburtstage des Verewigten, an einen Schüler oder eine Schülerin\ndes hiesigen Conservatoriums der Musik als Prämie vertheilt werden\nsollen. Mit dieser Stiftung haben die Begründer derselben den un-\nschätzbaren Verdiensten, welche der verewigte Felix Mendelssohn-\nBartholdy sich um das hiesige Conservatorium der Musik erworben\nhat, eine dauernde Fortsetzung verliehen und damit sich den auf-\nrichtigsten Dank aller Kunstfreunde gesichert.\n„Leipzig, 21. December 1864.\n„Der Rath der Stadt Leipzig: Dr. Koch.\"\nUeber die endliche Aufführung der Oper „Conciniu von Tho-\nmas Löwe in Wien sagen die „Recensionen\" : „Nach dem Gesag-\nten (über die neunmonatliche Verzögerung) ist es begreiflich, dass\nbei Concini von einem dauernden Erfolge nicht die Rede sein\nkann. Hätten wir die neuen Opern von Hiller, Max Bruch, Wüerst,\nAbert und Anderen zu hören bekommen, so dürfte sich Löwe die-\nsen anschliessen; um aber als Unicum aufgetischt zu werden, dazu\nfehlt ihm jede Berechtigung. Wir können natürlich heute nur von\ndem flüchtigen Eindrucke, welchen die eine Vorstellung auf uns\ngemacht hat, sprechen, und müssen bekennen, dass wir sehr fürch-\nten, hier einer ursprünglichen Talentlosigkeit gegenüber zu stehen,\nwelche durch Studium, Geschick und Fleiss doch nie verdeckt wer-\nden kann. Wir wünschen aufrichtig, durch wiederholtes Anhören\nder Oper eines Besseren belehrt zn werden.\"\nllaa^9 8. Februar. Gestern verschied hier nach längeren Lei-\nden Johann Heinrich Lübeck, königlich niederländischer Hof-\nCapellmeister, Director der Musikschule, Ritter des Löwen-Ordens,\nVerdienst-Mitglied der Gesellschaft zur Beförderung der Tonkunst\nu. s. w., in seinem noch nicht vollendeten 66. Lebensjahre. Die\nmusicalische Welt und Holland insbesondere verlieren an ihm einen\ndurch reiches Talent hegabten, von der edelsten Gesinnung für die\nWürde der Tonkunst beseelten und durch rastlose Thätigkeit aus-\ngezeichneten Musiker."}]}