{"numero_id": "bm-bmtnabi-1865-02-18-01", "volume": "bmtnabi_1865-02-18_01", "ocr_sha256": "a8bcfdff77fb63d820927c22b8a2b59bb73ff79a4fd23b1e0342cffd927d1a9d", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1865/02/18_01/bmtnabi_1865-02-18_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650218-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1865-02-18-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-02-18_01#c001", "volume": "bmtnabi_1865-02-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "49", "page_fin": "49", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650218-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650218-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 498, "texte": "Inhalt.\nPersönliche Verhältnisse grosser Meister zu einander. C. M. von Weber und Meyer Beer. Eine Stimme aus Nordame-\nrica über die deutsche Oper. — Aus Bremen (Hiller's Ver sacrum und „Die Zerstörung Jerusalems\"). Von x. und P. — Siebentes Ge-\nsellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. — Tages- und Unterhaltungsblatt (Mainz, die mittelrheinischen Musikfeste — Weimar,\n„Der Cid\" — Dresden, Musik-Aufführungen — Wien, Ordens-Verleihung, Sing-Akademie — A. Hennes' Clavier-Unterricht durch Briefe)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-02-18-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-02-18_01#c002", "volume": "bmtnabi_1865-02-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "49", "page_fin": "52", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650218-01.2.2", "titre_corps": "Persönliche Verhältnisse grosser Meister zu einander.", "titre_sommaire": "Persönliche Verhältnisse grosser Meister zu einander.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650218-01.1.1", "debut_caractere": 500, "fin_caractere_exclue": 4122, "texte": "Persönliche Verhältnisse grosser Meister zu\neinander.\nC. M. von Weber und Meyer Beer.\n(Vergl. Nr. 3.)\nBekanntlich waren Weber und Meyerbeer die beiden\nMusiker, an deren Ausbildung der Abt Vogler die letzte\nHand gelegt hatte und mit Recht nicht wenig stolz darauf\nwar.\nBei Vogler in Darmstadt lernte Weber den jungen,\ndamals erst sechszehnjährigen Beer kennen. Dieser war\nin Vogler's Hause und erregte durch sein wunderbares\nTalent und seine unglaubliche Auffassungsgabe Aufsehen.\nEr war damals schon nicht nur ein ausgezeichneter Vir-\ntuose aui dem Ciavier, sondern auch einer der ersten Par-\ntiturspieler, die es je gegeben hat. Seine vierstimmigen\n„Geistliche Lieder von Klopstock\" waren auch schon er-\nschienen. Wenn sich nun auch Weber, acht Jahre älter\nals Beer, nicht so eng und innerlichst an diesen anschloss,\nwie an Gottfried Weber und Gänsbacher, so begründete\ndoch jene Studienzeit ein freundschaftliches persönliches\nVerhältniss zwischen Beiden, dass sich niemals verläugnet\nhat, auch als Beider Richtungen weit aus einander gingen.\nSchon als Musik-Director in Prag hatte Weber die\nerste Oper Meyerbeer's: „Alimelek\", aufs sorgfältigste zur\nAufführung gebracht, vorbereitende Aufsätze darüber ge-\nschrieben, achtzehn Proben davon gehalten und Alles ge-\ntban, um ihr einen Erfolg zu verschaffen, den sie in Stutt-\ngart, Wien und an einigen anderen Orten nicht hatte er-\nlangen können. Auch in Prag gefiel die Oper bei der er-\nsten Aufführung nicht, errang sich aber, da Weber meh-\nrere Wiederholungen beharrlich durchsetzte, durch diese\ndie Gunst des Publicums, Wie aufrichtig er es dabei\nmeinte, geht auch ausser der Betrachtung der Mühe, die\ner darauf wandte, aus einem Briefe an F. Rochlitz her-\nvor, dem er (7. November 1815) schrieb: „Der glück-\nliehe Erfolg der Oper Meyerbeer's hat mir unendliche\nFreude gemacht, und ich ersuche Sie, diesem kleinen\nAufsatze darüber so bald als möglich ein Plätzchen in der\nMusik-Zeitung zu gönnen.\"\nAls Capellmeister in Dresden bewährte er dieselbe\nGesinnung gegen den Freund und Kunstgenossen.\nMeyerbeer war bekanntlich nach Italien gegangen und\ngegen Ende des Jahres 1819 hatte seine Oper Emma\ndi Resburgoin Venedig grosses Aufsehen erregt.\nWeber war aber Willens, Meyerbeer dem dresdener\nPublicum in einem Werke vorzuführen, dessen Musik\nnoch den deutschen Grund-Charakter trage, und hatte\nmit Einstudiren des „Alimelek\" begonnen.\nSo schmerzlich ihn nun auch die neue Richtung des\nFreundes berührte, so stand er doch, in der Besorgniss,\ndass ihm der Vorwurf zu einseitiger Bevorzugung der rein\ndeutschen Kunstbestrebungen gemacht werden könne,\nnicht an, sofort, gleichzeitig mit „Alimelek\", mit Einstu-\ndiren von „Emma di Resburgo\"vorzugehen, als er hörte,\ndass es höheren Ortes der Wunsch sei, diese so viel Auf-\nsehen erregende Oper in Dresden aufgeführt zu sehen.\nEr trieb die Selbstüberwindung so weit, die Oper, eben-\nfalls vernommenem Wunsche nach, sogar mit italiänischem\nTexte einzustudiren, und brachte sie unter Mitwirkung\nder besten Kräfte der italiänischen Oper, Cantu's, Benin-\ncasa's, Decavanti's, der Miksch und der Funk, nach vier-\nzehn sorgsam geleiteten Proben am 26. Januar zur Auf-\nführung. „Alimelek\" folgte ihr am 22. Februar. Beide\nOpern wurden glänzend, die italiänische\nburgo\" sogar mit enthusiastischem Beifalle aufgenommen.\nWeber wusste nicht, ob er darüber sich freuen oder be-\ntrüben sollte. Er schreibt am 27. Januar an Lichtenstein:\n„ Gestern habe ich Meyerbeer's neueste Oper,\nEmma di Resburgo,italiänisch gegeben. Sie wurde mit\nEnthusiasmus aufgenommen. Ich fürchte, dass dies in\nBerlin nicht so der Fall sein wird. Wir sind hier ganz"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650218-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5189, "texte": "italiänisirt. Mir blutet das Herz, zu sehen, wie ein deut-\nscher Künstler, mit eigener Schöpfungskraft begabt, um\ndes leidigen Beifalles der Menge willen, zum Nachahmer\nsich herabwürdigt. Ist das denn gar so schwer, den Bei-\nfall des Augenblicks, ich sage nicht zu verachten,\naber doch nicht als Höchstes anzusehen\" u. s. w.\nJe mehr Mühe Weber sich auch um die Aufführung\ngegeben, um so weniger verhehlte er der Welt und dem\nFreunde seine Meinung über das Wesen der Sache selbst.\nEr halte der „Emma\" und dem „Alimelek\" einen in\nNr. 17 und 18 der Abendzeitung abgedruckten, einfüh-\nrenden Aufsatz vorausgeschickt, in dem er die von Meyer-\nbeer bei Composition der „Emma\" eingeschlagene Rich-\ntung beklagt und missliebige Seitenblicke auf den Kunst-\nStandpunkt Italiens im Allgemeinen wirft. Unter Anderem\nsagt er darin:\n„Es muss recht tief hinein böse sein mit dem Ver-\ndauungs-Vermögen der italiänischen Kunstmägen, dass\nder gewiss aus eigener selbständiger Kraft schaffen kön-\nnende Genius Meyerbeer's es für nothwendig erkannte,\nnicht nur süsse, üppig schwellende Früchte auf die Tafel\nsetzen, sondern sie auch gerade mit diesen Modeformen\nverzuckern zu müssen.\"\nGegen diesen Aufsatz liessen die Italiäner, und Mor-\nlacchi an ihrer Spitze, nicht nur eine Abfertigung im „Li-\nterarischen Merkur\" veröffentlichen, sondern sie beklagten\nsich sogar, „als in ihrer künstlerischen Ehre gekränkt\",\nbeim Grafen Einsiedel! Die Abfertigung enthielt hämische\nVerdächtigungen von Weber's Kunststreben in Dresden\nund den Motiven seines Lebens und Treibens, scharfe\nRüge seiner Tendenz, den Kunstgeschmack nach seinem\nSinne leiten zu wollen, u. s. w.\nDie Sache machte das grösste Aufsehen, das ganze\nTheater-Personal war in Bewegung. In allen geselligen\nCirkeln der Stadt gruppirte sich die italiänische und die\ndeutsche Theater-Partei schärfer, als je zuvor.\nIn unserer durch praktischere Ideenströme, Industrie,\nPolitik, Handel und Technik bewegten Zeit kann man sich\nkaum mehr ein Bild davon machen, welche Bedeutung\nein öffentlicher Kampf um Theater-Angelegenheiten in je-\nner von grossen Bewegungen und Erschütterungen aus-\nruhenden Zeit erhalten, wie er die Gemüther eben so tief\nund stürmisch aufregen konnte, wie jetzt eine Wahlschlacht\noder eine wichtige Kammer-Debatte.\nWeber, kränkelnd und reizbar, liess sich durch die\nVorgänge weit über ihren wirklichen Werth hinaus auf-\nregen und in fieberischer Hitze verleiten, einen Aufsatz zu\nschreiben, der, kaum gemässigteren Tones als die Angriffe\nseiner Gegner gehalten, nicht allenthalben das Recht und\ndie öffentliche Meinung auf seine Seite brachte.\nGraf Einsiedel hatte die Klage der Italiäner richtig\ngewürdigt; er beruhigte Weber und bat ihn, die Sache\ntodt zu schweigen.\nDie treffliche Familie Beer hatte kaum von den Ver-\ndriesslichkeiten gehört, in die Weber zulolge seiner Wirk-\nsamkeit bei Aufführung von Meyerbeer's Opern\ndl Resburgo\"und „Alimelek\" verwickelt worden war, als\nsie beschloss, ihm einen freundlichen Augenblick durch\nErfüllung eines zufällig durch den von Weber an sie em-\npfohlenen Violoncellisten Kraft in Erfahrung gebrachten\nLieblingswunsches Weber's zu bereiten. Der heitere\nPrachtliebende hatte geäussert, dass ihm nur silberne\nArmleuchter noch zur Vollendung der Decoration seiner\nTafel fehlten. Eine Kiste mit solchen, von der fürstlich\nreichen Familie gesendet, ging am 28. Februar mit einem\nliebevollen, dankbaren und die Motive der Sendung in das\nanmuthendste Licht stellenden Schreiben ein.\nWeber fühlte sich dadurch in peinlichste Verlegenheit\ngesetzt, besonders da ihm schon öffentlich seine Vorliebe\nfür Meyerbeer's Werke zum Vorwurf gemacht worden\nund es vorauszusehen war, dass der Empfang des kostba-\nren Geschenkes nicht unbekannt bleiben und dann wahr-\nscheinlicher Weise die lieblosesten Auslegungen erfahren\nwürde. Um sich und vor allen Dingen Carolinen das Herz\ndurch den Anblick der gesandten Herrlichkeiten nicht\nschwer zu machen, zog er es vor, die Kiste gar nicht zu\nöffnen und dieselbe mit nachfolgendem Briefe, aus dem\nWeber's feiner Tact, die Redlichkeit seiner Kunstansicht,\nverbunden mit dem herzlichsten Wunsche, dem hochver-\nehrten Paare in keiner Weise eine Missstimmung zu be-\nreiten, in liebenswürdigster Form hervorleuchtet.\n„Dresden, den 2. März 1820.\n„An meine lieben, hochverehrten Vater und Mutter\nBeer.\n„Mit recht schwerem Herzen ergreife ich die Feder,\nIhr liebes Schreiben vom 26. Februar zu beantworten,\ndenn ich muss das befürchten, was dem Freunde stets das\nSchmerzlichste ist Sie zu kränken und Ihnen wehe zu\nthun. Aber ich folge meinem Gefühle und meiner Pflicht,\nund bin überzeugt, dass Sie selbst zu gerecht und feinfüh-\nlend sind, als dass Sie einmal meine Gründe kennend\nlange auf mich zürnen sollten. Erlauben Sie mir also,\ntheure Freunde, das gewiss schöne Geschenk, das mir Ihre\nGüte zugedacht hat, nicht annehmen zu dürfen. Ich bin es\nfest überzeugt, und kenne Sie Beide lange genug dazu,\ndass die reinste Absicht, mir und meiner Frau Freude zu\nmachen, Sie zu diesem wiederholten Beweise Ihrer Liebe\nveranlasste. Aber Zeit und Umstände wechseln oft wun-\nderbar in der Welt. Könnte nicht auch einst ein Zweifel\ngegen die Reinheit meiner Theilnahme an Ihrem Hause"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650218-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4921, "texte": "und der Kunst in Ihnen keimen? Können Sie mir den\nberuhigenden Gedanken rauben wollen, Ihnen in einer\nZeit, wo wahre, ohne Nebenabsicht handelnde Freunde\nso selten sind, mich als diesen beweisen zu dürfen? Ach.\nich bin so uneigennützig gar nicht; ich will ja Ihrer er-\nprobten Freundschaft nur dadurch näher stehen. Ich\nmöchte Sie ja gar zu gern meine Schuldner nennen. Aber\ndem ist nicht so; ich wiederhole, was ich in meinem vor-\nletzten Briele an Mutter schrieb, die Theilnahme, die Sie\nmir von je her bewiesen, ist es, die ich nie genug verdan-\nken kann. Und wenn diese Dankbarkeit mir meine Kunst-\npflicht, für die Verbreitung und Anerkennung eines Ta-\nlentes wie Meyer's zu sorgen, doppelt lieb machte, so war\nja das reiner Gewinn für mich, u. s. w.\n„ Verzeihen Sie, liebste Beers, aber ich will mich\nja nur vertheidigen und Ihnen zu beweisen suchen, dass\nich meiner Ruhe es schuldig bin, den erneuten Beweis\nIhrer Güte abzulehnen. Mein Dank dafür bleibt Ihnen\ndoch eben so innig geweiht. Glauben Sie übrigens ja nicht,\ndass mein Eiler für Meyer's Werke desshalb erkalten\nwerde, weil er eine andere Strasse eingeschlagen. Schrei-\nben Sie ihm auch nicht darüber, auch über diesen Brief\nnicht. Ich weiss aus Erfahrung, welchen erbitternden Ein-\ndruck dergleichen auf ihn macht. Ja, könnte ich ihn spre-\nchen, Aug' in Auge, er sollte in dem meinen die treueste\nFreundesliebe lesen, während vielleicht mein Mund ihm\nernste, bittere Wahrheit reichte. Aber so auf dem Papier\nsieht es gar kalt und meistern wollend aus. Ihnen habe\nich mein Herz und meine Gefühle dargelegt. Können\nSie mir zürnen? Werden Sie Ihre Liebe desshalb zu mir\ngemindert fühlen? Das verhüte Gott! Ich glaube zu thun,\nwas ich thun muss.\n„Auch die zweite Vorstellung von „ „Alimelek\"\" ging\nsehr gut und war voll und gefiel. „„Emma\"\" ist nach\nFrankfurt und München verlangt worden.\n„Im Juli denke ich Sie zu umarmen, wenn Sie nicht\netwa auch ein Bad besuchen müssen. Doch da ist noch\nlange hin.\n„Meine Frau gri'isst herzlichst, und ich bin, wie im-\nmer, Ihr Sie wahrhaft mit Sohnes Liebe ehrender treuer\nFreund\n„C. M. von Weber.\"\nDieser Brief gelangte nicht in die Hände des verehr-\nten Paares; die Söhne. Heinrich, Wolf und Michael Beer,\nsandten die Kiste nochmals nebst einem Schreiben zurück,\nin welchem sie ihn zur Annahme des Geschenkes zu über-\nreden suchten.\nOhne einen Augenblick zu zaudern, sandte Weber\ndie wieder uneröffnet gelassene Kiste an die Herren aufs\nNeue zurück und schrieb:\n„Dresden, am 9. März 18*20.\n„Meine lieben Freunde!\n„Ich weiss Ihre kindliche Liebe, die den verehrten\nEltern Unangenehmes ersparen will, Ihre brüderliche\nTreue, die den Bruder vertritt, und die freundschaftliche\nHitze, die dem Freunde die Reinheit Ihrer Zuneigung dar-\nlegen will, gewiss zu schätzen. Aber die erste Pllicht des\nFreundes ist, die Verhältnisse des Freundes zu berücksich-\ntigen und ihn nicht seinen Feinden durch irgend etwas,\nnoch so liebevoll Gemeintes, so gegenüber zu stellen, das\ndiesen anscheinenden Stoff, seine Ehre beflecken zu kön-\nnen, darbiete.\n„Und so stehen die Sachen in diesem Augenblicke\nhier. Sie haben gesehen, welchen Verdruss, welche Krän-\nkung ich wegen dieser Opern erlitten habe, die so weit\ngingen, dass ich darauf gefasst war, meinen Abschied zu\nnehmen.\n„Habe ich denn bei früheren Beweisen der Liebe\nIhrer Eltern mich geweigert, sie anzunehmen? Wäre das\nnicht lächerlicher Stolz gewesen, der bloss geben, aber\nnicht wieder empfangen vom Freunde will? Ein Stolz, der\nalle wahre Freundschaft vernichten müsste\" Wir sind Beide\nreich: ich an Kunstmitteln, Ihnen Freude machen zu kön-\nnen, Sie an Glücksgütern, mit denen Sie dasselbe mir zu\nmachen suchen. Wäre dies Geschenk ein Jahr später oder\nzu irgend einer häuslichen Veranlassung gekommen, ich\nhätte es wahrlich nicht wagen dürfen, es auszuschlagen\naber jetzt, unmittelbar nach allen diesen Vorgängen,\nwar ich es meiner Ehre, der Stellung hier, auch Ihrer\nFreundschaft gegenüber schuldig, und es wäre sehr\ntraurig, wenn ich nicht so viel von der Liebe meiner\nFreunde hdffen dürfte, dass sie dies einsehen und ehren\nwürden.\n„Von Klatscherei oder Argwohn kann zwischen uns\nnie die Rede sein, und ich glaube aufs herzlichste in mei-\nnem ersten Schreiben mich ausgesprochen zu haben. Es\nversteht sich von selbst, dass ich von Ihnen erwarte, dass\nSie meinen Brief Vätern einhändigen.\n„Auch Sie werden unterdess ruhiger geworden sein\nund hoffentlich klarer in der Sache sehen, als es Ihnen Ihr\nerstes gekränktes Gefühl erlaubte.\n„Mit der herzlichsten Liebe umarme ich Euch alle\nund bin unveränderlich\n„Ihr treuester Freund C. M. von Weber.\"\nAls hierauf nun keine Antwort erfolgte, wohl aber\nein Brief der Eltern Meyerbeer's einging, die in Erstaunen\nüber das Schweigen Weber's und im Zweifel über das\nSchicksal ihres werthvollen Geschenkes sich in besorgten\nAusdrücken an ihn wandten, so konnte er nun nicht um-\nhin, die Söhne dringend zu mahnen, die Sache ihren Fl-\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "52", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650218-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 441, "texte": "tern vorzulegen, indem er auf diese Weise von der Intel-\nligenz und Liebe derselben die reinste Lösung dieser pein-\nlichen Differenz hoffte.\nDer Erfolg bekundete die Richtigkeit seiner Ansich-\nten, indem das Reer'sche Paar zwar mit herzlichem Leid-\nwesen, aber seine Gesinnungen und Motive ehrend, das\nGeschenk zurücknahm, ohne dass eine Dissonanz im Accord\ndieser Freundschaft zurückgeblieben wäre, die sich später\nnoch oft bewähren sollte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-02-18-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-02-18_01#c003", "volume": "bmtnabi_1865-02-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "52", "page_fin": "53", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650218-01.2.3", "titre_corps": "Eine Stimme aus Nordamerica über die deutsche Oper.", "titre_sommaire": "Eine Stimme aus Nordamerica über die deutsche Oper.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "52", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650218-01.1.4", "debut_caractere": 443, "fin_caractere_exclue": 5469, "texte": "Eine Stimme aus Nordamerica über die deutsche\nOper.\nLouisville*), Januar 1865.\nMit Meyerbeer begann eine neue Epoche der deut-\nschen Oper. Die von Weber begründete romantische Oper\nverklang zuletzt in kleinen Liederspielen. Es lag hier so\nnahe, noch einen Schritt weiter zu gehen und das Lied,\nda es nun doch einmal in die Oper eingeführt war, in der-\nselben Weise, wie die Franzosen ihre Romanzen, zu einer\nhöheren Gattung des Liederspiels auszubeuten. Allein diese\nsinnige, harmlose Richtung widersprach dem Zuge, wel-\nchen rasch die grosse Mehrzahl der Nachfolger Weber's\nzu nehmen begann. Schon Lindpaintner und Andere hat-\nten es versucht, die Erfolge der Italiäner und Auber's\nauch für die deutsche romantische Oper zu gewinnen,\nund näherten so den Stil derselben mehr und mehr je-\nner französischen Neu-Romantik, die sich in Paris zu ent-\nwickeln begann. Der reine, keusche deutsche Charakter\nward dem Interesse des möglichst stark gewürzten Effectes\ngeopfert. Ein Eklekticismus, der fast ganz Weber's natio-\nnalen Ton aus der Oper zu verbannen drohte, begann\nübermächtig zu werden, und das schwankende Wesen der\nmoderoen deutschen Oper in ihren äusseren Formen wurde\nsolchergestalt erst recht eingebürgert. Allein diese Uebel\nwaren im Verhältnisse klein gegen den Gewinn, welcher\nder deutschen Oper aus ihrem Hindrängen zur französi-\nschen Neu-Romantik erwuchs. Das hat Meyerbeer glän-\nzend bekundet. Seine Opern „Robert der Teufel\", „Die\nHugenotten\" und „Der Prophet\" sind Phänomene von der\nArt, dass die Kunstgeschichte kaum etwas Verwandtes\naufzuweisen hat. Was Weber, was Rossini, Auber und\nHalevy erstrebt, was die revolutionären Künstler-Tenden-\nzen einer ganzen Epoche ausgesprochen in den Formen\ndreier grundverschiedenen Nationalitäten: das fasste Meyer-\nbeer mit bewundernswerthem combinatorischem Talente\nzu einem kolossalen Ganzen zusammen. Greift man einzelne\nRruchstücke aus seinen grossen Opern, dann kann man\nihn hiernach kaum einen deutschen Meister nennen, denn\ner huldigt jenem musicalischen Kosmopolitismus, wie ihn\ndie Opernbühne der Weltstadt Paris erzeugte. Betrachtet\nman aber die kühne Architektur des Ganzen, dann muss\nman gestehen, dass nur der deutsche Geist solche Werke\naus den fremdartigsten Bruchstücken aufzubauen ver-\nmochte. Berlioz hat Meyerbeer's Opern mit Recht eine\nmusicalische Encyklopädie genannt, und mit ihnen beginnt\nin der That für die moderne Oper eine Periode des äus-\nserten Encyklopädismus. Aber wie viel Widersprechendes\nund Feindseliges auch in diesem Betracht sich in seinen\nWerken sammelt, wie wenig Neues im Einzelnen zu Tage\nkommt, so ist doch die wahrhaft grossartige Massenwir-\nkung, welche sich darin offenbart, etwas Neues, etwas\nZukunftverheissendes. Meyerbeer hat nicht verschmäht, die\ninnere Verderbtheit und Liederlichkeit der französischen\nNeu-Romantik in seinen Opern zu copiren; aber er hat\nauch die tiefe, kunstgeschichtliche Berechtigung aus Au-\nber's „Stummen von Portici\" und aus Rossini's „Teil\"\nherauszufinden gewusst; er hat die einzige grosse Wahr-\nheit, welche diesen Wrerken zu Grunde liegt, geahnt und\nin möglichster Erweiterung sich angeeignet: die künstleri-\nsche Emancipation der Massen und die Wirkung durch\ndie Massen. Und in diesem Sinne gelang ihm ein unge-\nheurer kunstgeschichtlicher Fortschritt, der Fortschritt der\nromantischen zur historischen Oper. Mag sein „Robert\"\nimmerhin noch auf der ersteren Stufe stehen, die „Huge-\nnotten\" und der „Prophet\" sind in der That mehr als\nblosse romantische Opern. Weltgeschichtliche Gegensätze\nwerden uns hier entgegengeführt in musicalischer Drama-\ntisirung. Die ganze Aufgabe der Oper ist durch Meyerbeer\nverrückt worden. Nicht mehr aus dem Conflicte der Lei-\ndenschaften bei Individuen—und prangten dieselben auch\nmit historischen Namen, oder sei die ganze Oper charak-\nteristisch in den Localtinten, wie wir es bei Weber finden\n—, nicht mehr hieraus kann die Oper der Gegenwart\n\n*) Louisville, die grösste Stadt in Kentucky. Leonard\nGrrover aus New-York, ein Concurrent von Uli man, hat für die\nWinterzeit eine deutsche Oper engagirt. und den Versuch gemacht,\ndie italienische, wenn auch nicht in New-York, doch wenigstens\nin den anderen Hauptstädten der Vereinigten Staaten zu verdrän-\ngen, was ihm zum Theil gelungen ist. Sein Capellmeister ist Karl\nAn schütz, ein Rheinländer aus der durch musicalische Talente\nrühmlich bekannten coblenzer Familie, deren Wirken für die Ton-\nkunst am Rheine schon im Anfange des vorigen Jahrhunderts mit\ndem kurtrier'schen Capell-Director, Hoforganisten Anschütz begann.\nDessen Enkel, Joh. Andreas Anschütz, Staats-Procurator in\nCoblenz, Gründer und langjähriger Dirigent des Musik-Instituts zu\nCoblenz (geboren .1772), starb den 2(5. Dec. 1855 (vergl. dessen Ne-\nkrolog im Jahrgang 1856, Nr. 3). Karl Anschütz ist sein Sohn.\nDie americanischen Blätter nennen ihn „den grössten Orchester-\nDirigenten unserer Zeit\". Die Eintrittspreise des Theaters in Louis-\nville sind 2 Dollars für den ersten Rang, 1£ Doli., 1 Doli., £ Doli,\nfür die übrigen Plätze."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "53", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650218-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4269, "texte": "ihre Vorwürfe nehmen, wenn sie ihre höchste Aufgabe\nlösen will: ihr musicalisches Thema ist bis zum Conflicte\nder Völker, bis zum Conflicte ewiger Ideen in den Indi-\nviduen erweitert worden. (?)\nLeider war es bei Meyerbeer doch nicht das Durch-\ndrungensein von der künstlerischen Idee, die er ausgespro-\nchen, es war nicht die glaubensstarke Ueberzeugung des\nGenius, welche ihn in die bezeichnete Bahn getrieben, son-\ndern die meisterhafte Berechnung des Effectes. So nur er-\nklären sich die inneren Widersprüche in Meyerbeer's\nOpern, die oft kleinlich reflectirte, unselbständige Ausfüh-\nrung im Einzelnen bei der grossartigen Neuheit der zu\nGrunde liegenden Idee des Ganzen; so nur erklärt es sich,\ndass er die grosse Wahrheit, welche in den Werken der\nNeu-Romantiker verhüllt lag, so klar herausgefunden und\ndoch die ganze ästhetische Frivolität derselben bereitwillig\nmit in Rauf genommen hat; so nur erklärt es sich, wie\nderselbe Tonsetzer in allem Einzelwerke, in allem\nschmückenden Zierathe der deutschen Nationalität untreu\nwerden und doch zugleich die deutscheste Tendenz der\nOper als Grund-Idee aussprechen konnte.\nDeutschland besitzt einen Meister, der wohl begriffen\nhat, welche grosse Zukunft der Oper durch Meyerbeer's\nWerke verheissen ist: dies ist Richard Wagner. Den in-\nneren Widerspruch der Stilmengerei Meyerbeer's, die\nBuhlerei mit der frivolen Genusssucht des pariser Publi-\ncums hat Wagner wohl erkannt, und aus seinen grossen\nTondichtungen leuchtet die Erkenntniss hervor, dass er in\nBeethoven einen viel grösseren Meister der Neu-Romantik\ngefunden, als Meyerbeer, Auber und Rossini. Das ist ein\nbedeutender Fortschritt; denn es war in der That eine\nmerkwürdige Verblendung, dass unsere Opern-Compo-\nnisten so lange übersehen konnten, wie es ja eigentlich\nnicht die Franzosen, sondern Beethoven gewesen, der zu-\nerst die musicalische Emancipation der Massen, wenn auch\nnur in der Sinfonie, ausgesprochen. Richard Wagner hat\ndie grosse Errungenschaft Meyerbeer's in ihrer ganzen\nAusdehnung dem deutschen Geiste anzueignen gesucht.\nAllein noch ist sein Genius nicht in sich abgeklärt; noch\nist auch er in inneren Widersprüchen befangen, wenn\nschon in Widersprüchen ganz anderer Art, als wir sie bei\nMeyerbeer finden; noch fehlt ihm jene klare Architekto-\nnik, in welcher Meyerbeer auch die gewaltigsten Massen\nzu gliedern und zu beherrschen weiss. Darum haben sich\nseine Opern noch nicht zum Gemeingute machen können;\nsie konnten nicht das grosse Publicum elektrisiren, weil\nsie ihm nicht jene Concessionen zugestehen, wie Meyerbeer\nes gethan. Aber für den Runst-Historiker bleiben sie da-\nrum höchst merkwürdige Erscheinungen, Versuche, die,\nwenn auch in sich unvollendet, dennoch den Weg andeu-\nten, auf welchem die deutsche Oper ihrer grössten Zu-\nkunft entgegengehen kann. (?)\nDie gestrige Aufführung von „Robert der Teufel\"\nwar mit Ausnahme des völlig vernachlässigten scenischen\nTheiles, der auf dem kleinsten Theater Deutschlands un-\ngleich besser besorgt wird, eine durchaus gerundete. Ma-\ndame Johannsen als Prinzessin, Fräulein Friderici als\nAlice, Herr Habel mann als Reimbaud, Herr Him-\nmer als Robert sangen und spielten tadellos. Das Ereig-\nniss der Woche war das Auftreten von Rarl Formes\nals Bertram. Herr Formes hatte eine Zeit lang, gleichviel,\naus welchen Gründen, seine Stimme nicht ganz in seiner\nGewalt, dennoch war er stets ein Rünstler, dessen Dar-\nstellungen vollständig ästhetisch schöne, abgerundete,\ndurchdachte und ergreifende Bilder waren; er hatte mit\nder Stimme nicht die Kunst verloren, und jetzt, wo er den\ngrössten Theil der alten Kraft wiedererlangt hat, welche\nbis in das innerste Mark beben machte, steht er wieder\nan der Spitze der Bassisten, ist er wieder der vollendete\nSänger, welcher er je gewesen ist. Wer die Darstellung\ndes Bertram gesehen hat, dem muss sich der Gedanke\nunwiderstehlich aufgedrängt haben, dass so und nur so\nsich der Dichter und Componist den Charakter gedacht\nhaben konnten; der musste fühlen, dass er ein von Leben\ndurchwärmtes, charakteristisches, einheitliches und interes-\nsantes Bild vor sich hatte, statt des gewöhnlichen Auto-\nmaten, welcher aufgezogen wird, sobald es nöthig ist, zu\nsingen, und sich wie eine Marionette in die Ecke stellt,\nsobald seine Partie abgesungen ist."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-02-18-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-02-18_01#c004", "volume": "bmtnabi_1865-02-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "53", "page_fin": "54", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650218-01.2.4", "titre_corps": "Aus Bremen.", "titre_sommaire": "Aus Bremen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "53", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650218-01.1.5", "debut_caractere": 4271, "fin_caractere_exclue": 5125, "texte": "Aus Bremen.\n1.\nDen 15. Februar 1865.\nIm gestrigen achten Privat-Concerte kam Hiller's\nsacrum zum ersten Maie in Bremen zur Aufführung. Das\nWerk hatte durchaus nicht einen eine so\ngenannte ehrenvolle Aufnahme, sondern einen durchschla-\ngenden Erfolg. Die Erwartungen hatten sich ziemlich hoch\ngespannt, dennoch war man erstaunt und überrascht von\nder frischen und prachtvollen Wirkung des Ganzen. In der\nThat baut sich ein anmuthiger, welchselreicher und kraft-\nvoller Stoff in schneller Entwicklung seines Gehaltes vor\nuns auf, den die Hiller'sche Musik in glänzenden Farben\nund in edler, warmer Stimmung ausführt. Das Publicum\nfolgte sichtbar ergriffen, und obwohl von Natur zurück-\nhaltend, liess es sich zu lautem Beifalle mehrfach hinreis-\nsen. Es wurde lebhaft bedauert, dass Herr Hiller verhin-\ndert war, einer Einladung hieher Folge zu leisten, er"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650218-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5054, "texte": "würde an der Ausführung Freude gehabt haben. Chor\nund Orchester lösten unter Reinthaler's Leitung ihre Auf-\ngabe mit Sicherheit und Feinheit; die allerdings kurz ein-\nschlagenden, mit wenigen, aber charakteristischen Linien\ngezeichneten Chöre haben vielleicht gerade darum einen\ngrossen Eindruck gemacht. Man fühlt sich nie ermüdet,\nsondern, der raschen Handlung folgend, in schöner Anre-\ngung weiter geführt. Die hervortretende Figur des Ober-\npriesters wusste Herr Bielzacher aus Hannover zu\neinem lebensvollen und noblen Bilde zu gestalten. Sein\nimposantes Organ, das sich von der Tiefe bis in die hohe\nBariton-Lage gleich wohlklingend ausdehnt, unterstützt\nihn hierin sehr vortheilhaft. Auch die Sopran-Partie fand\nin Fräulein Eicke eine vortreffliche und poetische Dar-\nstellerin. Die Tenor-Partie sang Herr Wild vom hiesigen\nStadttheater. Dem Orchester fällt im ein be-\ndeutender Antheil zu; die volle und gesättigte Farbe der\nneueren Hiller'schen Orchestration, die manriiglachen\ngeistvollen, bis ins Detail schildernden Züge, die blendende,\nfast überreiche Pracht mancher Partieen bedürfen der\nsorgfältigsten und abgerundetsten Wiedergabe, um har-\nmonisch zu wirken. Das bremer Concert-Orchester zeigte\nsich dieser Aufgabe vollständig gewachsen; so kamen die\ninteressanten Details, z. B. die Vision des Priesters, die\nSchilderung des Sonnenaufgangs, die Erscheinung der\nAdler u. s. w., zu einer wahrhaft poetischen Wirkung.\nDass der erste Theil des Concertes Op. 127 von Beet-\nhoven, Sopran-Arie aus Idomeneo, Larghetto aus der C-\nTWöS-Sinfonie von Spobr und die bekannte Bass-Arie aus\nHaydn's „Schöpfung\" kurz war, war sehr verständig\nund nachahmenswerth; denn das Publicum war noch frisch\nfür den Genuss des neuen und grösseren Werkes.\nAm Samstag hatte der Gesangverein des Herrn En-\ngel, der sich um die Pflege von Hiller's Musik besonders\nverdient gemacht hat, eine Aufführung des Oratoriums\n„Die Zerstörung Jerusalems\" veranstaltet. Also in einer\nWoche zwei grosse Werke desselben Meisters. Obschon\nder Verein nicht über reiche Chorkräfte gebietet, wie sie\nfür eine Aufführung eines Oratoriums im Allgemeinen\nwünschenswerth sind, so ist doch alles, was derselbe\nsingt, sehr gut einstudirt, correct und wohllautend. Da dem\nAnscheine nach die Mitwirkung des Theater-Orchesters,\nwelches von der Oper und dem regelmässigen Abonne-\nments-Concerte absorbirt wurde, nicht möglich war, so\nblieb von dieser Seite Einiges zu wünschen übrig. Dafür\nwaren die dankbaren Solo-Partieen, namentlich Jeremias\nHerr Stegemann, Hanna Fräulein Gindele aus\nBraunschweig, Sopran Fräulein Muri an aus Bremen,\nnamentlich aber der Tenor, Herr Pirk aus Hannover, in\nvortrefflichen Händen. Herr Pirk, an C. Schneider erin-\nnernd, ist ein jugendlicher lyrischer Tenor, der eine schöne\nZukunft hat. Das Werk, von früher her hier schon ge-\nkannt und gewürdigt, fand die wärmste Aufnahme.\nx.\n2\n*)•\nDen 15. Februar 1865.\nGestern machte unser musicalisches Publicum im ach-\nten Privat-Concerte dieses Winters durch Reinthaler\ndie Bekanntschaft des Ver sacrvon Ferdinand Hil-\nler, welches durch die Sing-Akademie aufgeführt und\nmit Auszeichnung aufgenommen wurde. Die Zuhörer folg-\nten dem vortrefflich gedachten und kraftvoll durchgeführ-\nten Werke mit der lebendigsten Theilnahme und äusser-\nten dieselbe an allen Stellen, wo der rasche Fluss der\nTondichtung es gestattete. Die hervorragenden dramati-\nschen und lyrischen Abschnitte, besonders der Schluss-\nChor des ersten Theiles („Verherrlichet vom Meer zum\nMeere\"), das Terzett und Quartett des zweiten, machten\nneben der glänzenden Instrumentation vorzüglich einen\ntiefen Eindruck. Die Hauptfigur des Priesters war glück-\nlich und glänzend vertreten durch Herrn Bietzacher\nvom Hoftheater in Hannover; ihm schlössen sich Fräulein\nEicke und Herr Wild von hier mit Erfolg an. Das\nWerk selbst ist bei Gelegenheit früherer Aufführungen\nan verschiedenen Orten in der Niederrheinischen Musik-\nZeitung so ausführlich besprochen worden, dass wir uns\neines weiteren Eingehens enthalten.\nWenige Tage zuvor, am 11. Februar, führte der Ge-\nsangverein des Herrn Engel „Die Zerstörung Jerusalems\"\nauf, so dass die Musikfreunde Gelegenheit hatten, zwei\nder bedeutendsten Werke Hiller's dicht neben einander\nzu hören. Das Oratorium, mit welchem vor fünfundzwan-\nzig Jahren der Componist sich seine Stellung in der musi-\ncalischen Welt errang, war dem grössten Theile unseres\nPublicums bereits bekannt; es wurde vor acht Jahren\ndurch den verstorbenen Concertmeister Georg Schmidt\nzur Aufführung gebracht. Die Erwartung, dass Hiller\nselbst dem Ver sacrum und der „Zerstörung Jerusalems\"\nbeiwohnen werde, ist nicht in Erfüllung gegangen, da die\nVerhältnisse dem Componisten nicht gestatteten, den bei-\nden früheren Besuchen, die er uns bei Gelegenheit des\n„Saul\" und der „Katakomben\" abstattete, jetzt einen\ndritten hinzuzufügen. Wir bedauern, dass er nicht Gele-\ngenheit hatte, sich abermals an der lebhaften Theilnahme\nzu erfreuen, die seinem künstlerischen Schaffen bei uns\nentgegengebracht wird. P.\n*) Von einem anderen Correspondenten."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-02-18-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-02-18_01#c005", "volume": "bmtnabi_1865-02-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "55", "page_fin": "55", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650218-01.2.5", "titre_corps": "Siebentes Gesellschafts-Concert im Gürzenich.", "titre_sommaire": "Siebentes Gesellschafts-Concert im Gürzenich.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "55", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650218-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6796, "texte": "Siebentes Gesellschafts-Concert im Gürzenich.\nDinstag den 7. Februar.\nDas Programm des siebenten Concertes haben wir in der vori-\ngen Nummer bereits mitgetheilt; es enthielt die Namen Cherubini,\nMo zart, 'Hill er, Weber, Beethoven.\nDie Ouvertüren CherubinTs gehören nach Inhalt und Form zu\nden besten Orchesterwerken in der musicalischen Literatur : sie ha-\nben alle, trotz ihrem verschiedenen dramatischen Charakter, ein in-\ndividuelles Gepräge, das sich durch eine seltene Vereinigung des\nPathetischen mit dem Anmuthigen kennzeichnet; sowohl ihre Motive\nund Melodieen, als die vortreffliche Arbeit und wirkungsvolle und\ndoch keineswegs raffinirte Instrumentirung strafen gewisser Maassen\nden italienischen Namen des Meisters Lügen, eben so wie seine\nKirchen-Compositionen eine Tiefe der Gedanken und Erhabenheit\ndes Ausdruckes zeigen, die ihn den grössten deutschen Tonsetzern\ngleichstellt. Die Ouvertüre zu den „Abencerragen\", die wir in dem\nConcerte sehr gut ausgeführt hörten, ist denen zum Wasserträger,\nzur Medea und Faniska ebenbürtig. Die Oper, deren Text nach\nChateaubriand's Le dernier des Abencerrages gemacht war, kam im\nJahre 1813 in Paris zur Aufführung. Sie hatte geringen Erfolg, was\nman zum Theil dem allzu düsteren Stoffe, der den Untergang jenes\nmaurischen Rittergeschlechtes in der Alhambra zu Granada behan-\ndelt, zuschrieb, anderenteils den Zeitverhältnissen, die freilich den\nParisern den Gefallen an der Kunst verleideten. Nur die Ouvertüre\nhat sich aus dem Schiffbruche der Oper gerettet und sich, wie so\nmanches andere treffliche Werk der älteren französischen Schule,\nnach Deutschland geflüchtet, wo sie grössere und längere Anerken-\nnung gefunden haben, als in ihrer Heimat.\nDas Finale aus Weber's „Euryanthe\" beschloss den ersten\nTheil des Concertes. Wir möchten behaupten, dass vielleicht Gluck's\nOpern allein im Concertsaale am wenigsten verlieren; Fragmente\nmoderner Opern werden stets die scenische Aufführung stark ver-\nmissen lassen und behalten im Concerte auch bei guter Ausführung\nimmer etwas Dilettantisches. Wie Weber selbst darüber dachte,\nspricht er in einem Schreiben vom 20. December 1824 an den aka-\ndemischen Musikverein zu Breslau aus, welcher in einem Concerte\nNummern der Euryanthe oder gar die ganze Oper geben wollte:\n„Euryanthe ist ein rein dramatischer Versuch, seine Wirkung\nnur von dem vereinigten Zusammenwirken aller Schwesterkünste\nhoffend, sicher wirkungslos, ihrer Hülfe beraubt. Diese Ueberzeu-\ngung hatte ich, ehe vielfältige Wünsche, wie die Ihrigen, an mich\ngelangten, die ich zum Theil befriedigte, oder willkürliche Lust,\nEinzelheiten oder das Ganze ohne Anfrage dem Publicum vorführte.\nDie Erfahrung bestätigte meine Ueberzeugung. Das Werk liess nicht\nnur kalt, ja, es erregte Missfallen, denn nicht geringe Erwartungen\nbrachte das mir gewogene Publicum mit. Vergleichungsweise erlau-\nben Sie mir nur als Beispiel anzuführen, ob Sie Sich irgend welche\nWirkung auch von der gelungensten Aufführung einer Iphigenie von\nGluck im Concertsaale versprächen? Und dies ist ein anerkanntes\nMeisterwerk und allgemein gekannt, wodurch die Phantasie des\nHörers ergänzend und hinzufügend wirken kann. Sie, meine Herren,\nin hrem Ireinen Eifer für die Kunst würden es Sich selbst nicht\nvergeben können, wenn Sie meine Worte bestätigt fänden und Sich\nden Vorwurf machen müssten, durch diese Concert-Aufführung den\nGlauben an deutsche Kunst bedeutend erschüttert zu haben.u\nWii sehen, dass W eher selbst gegen die Concert-Aufluhrungen\nvon Glucks Opern war; aber welch eine schöne Theaterzeit war\nes, in welcher er Glucks Iphigenia ein „allgemein gekanntes\nMeisteiwerk nennen konnte! Jetzt kennen viele Directionen und\nIntendanzen der Iheater nicht einmal jenes Meisterwerk, geschweige\ndenn das Publicum!\n1< ldulein Anna Egge lin g vom Hoftheater zu Braunschweig\nsang die Partie der Euryanthe und vertrat ausserdem auch noch den\nSologesang durch den Vortrag der Arie von Herold (aus dem „Zwei-\nkampf ) mit obligater Violine. Wir hatten Fräulein Eggeling, eine\nSchülerin der I rau Cornet, zuerst bei dem dritten westfälischen\nMusikfeste in Dortmund im Jahre 1861 kennen gelernt und uns da-\nmals besonders an ihrem Liedergesange erfreut. Sie hat im grösse-\nren Musikgenre bedeutende Fortschritte gemacht, doch ist ihre Co-\nloiatui nicht immer correct uud in allen Tonregionen klangvoll,\nwährend die Stimme in der Höhe recht schön ist; auch verlangt\nder I riller noch sorgfältigere Ausbildung. Das Publicum nahm ihre\nLeistungen mit freundlichem Beilalle auf, der gewiss noch allgemei-\nner gewesen wäre, wenn 1 räulein Eggeling Gelegenheit gehabt hätte,\neinige Lieder vorzutragen. Die Wahl der Herold'schen Arie war\nkeine glückliche: die Composition gehört mit ihrem veralteten Stile\nnicht zu den besten Gesangstücken des sonst schätzenswerthen Mei-\nsters. Herr Sehelper vom hiesigen Theater sang die Partie des\nLysiart in dem Finale aus „Euryanthe\" mit der wohllautenden Ba-\nritonstimme, welche wir im Theater stets mit Vergnügen hören.\nWas könnten nicht ernste und andauernde Studien aus dieser Stimme\nmachen!\nDer Stern des Abends war Alfred J.aell, dessen Namen man\nnur zu nennen braucht, um alle Leser zu überzeugen, dass das Pu-\nblicum am Dinstag Abend wieder den Inbegriff dessen gehört hat,\nwas die Virtuosität jeder Art, sei ihre Aufgabe Schwung und Kraft,\noder vollendete Correctheit und perlende Rundung, oder wechselnde\nNuancirung des Tonanschlags, oder Zierde und Eleganz des Vor-\ntrags, auf dem Pianoforte zu vollkommenem Ausdruck bringen kann.\nDie eminenteste Leistung desselben war dieses Mal die meisterhafte\nVorführung einer der schönsten Clavier-Compositionen F. Hille r's,\ndes Concertes in Fis-moll} bei welcher Jaell nicht nur die genann-\nten Vorzüge seines Spiels entfaltete, sondern auch durch seine Auf-\nfassung des Ganzen den echten Musiker bekundete, der in den Geist\nder Composition eines anderen Meisters eindringt und überall zeigt,\nda3S er sich mit Liebe darein versenkt hat und sich selbst vergisst,\num nur das Werk in dessen eigenstem Charakter wiederzugeben.\nBegeisterter Applaus an den Stellen, wo der Fluss des Ganzen es\nerlaubte, am Ende des sehr schön geschriebenen und eben so schön\nvorgetragenen Adagio's und am Schlüsse des lebensvollen Finale s,\nehrte den Componisten und den Spieler. Ausserdem gab uns Jaell\nnoch eiue kleine, recht artige Bluette von sich: Aux öords de\nVArno, und Liszt's Bearbeitung des Tannhäuser-Marsches, statt\nderen wir lieber die weit effectvollere Transscription des Pilger-Chors\n(mit der glänzenden Schluss-Passage der Ouvertüre) von Jaell selbst\ngehört hätten.\nDer Concert-Clior wirkte durch den ausdrucksvollen Gesang des\nAve verum von Mozart und im Finale der Euryanthe mit, und das\nOrchester krönte das Programm durch eine vortreffliche Ausführung\nvon Beethoven's Sinfonia eroica."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-02-18-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-02-18_01#c006", "volume": "bmtnabi_1865-02-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "56", "page_fin": "56", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650218-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "L. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650218-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5961, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nL. B.\nTlainz. Die seit einigen Jahren in Folge verschiedener un-\ngünstiger, hauptsächlich localer Verhältnisse unterbrochenen mittel -\nrheinischen Musikfeste sollen nun in diesem Jahre wieder\naufgegriffen werden und das erste derselben unter Zustimmung der\nverbündeten Städte im Laufe des kommenden Sommers in Mainz\nStatt finden. Eine Besprechung in diesem Sinne hat am 4. d. Mts.\nin Darmstadt von den Delegirten der betheiligten Vereine Statt ge-\nfunden, und es darf an dem Zustandekommen des erfreulichen Un-\nternehmens kaum mehr gezweifelt werden.\nPeter Cornelius hat seine Oper „Der Cid\" vollendet und\nsoll dieselbe am 8. April, dem Geburtstage der Grossherzogin, be-\nstimmt in Weimar zur Aufführung kommen.\nDresden, 15. Februar. Der Winter 1864—65 hat für Dres-\nden wieder viel gute Musik gebracht, sowohl durch Vorträge aus-\nwärtiger Künstler, als besonders durch einheimische auserwählte\nKräfte. Die Pflege der Kammermusik ist jetzt hier auf einen Höhe-\npunkt gelangt und das Interesse des Publicums dafür so gesteigert,\nwie wir es fast noch nie vorgefunden haben. Die Concerte der Ca-\npelle, von Kietz und Krebs abwechselnd dirigirt, und die Pro-\nduetions-Abende des Tonkünstler-Vereins üben schon seit Jahren\nunveränderte Anziehungskraft aus. Die Gesammtleistungen der Ca-\npelle bilden überhaupt den strahlenden Mittelpunkt unserer Musik,\nund alles, was in seiner Peripherie liegt, gehört dem Geläuterten\nund Besten an. Davon geben z. B. die Quartett-Soireen der Herren\nLauterbach (Concertmeister), Hüllweck, Göhring und Grütz-\nmac h er (Kammermusiker) glänzendes Zeugniss, und sie haben der-\nmaassen angesprochen, dass, nachdem zu Weihnachten 1864 der\nCyklus von je drei Abenden abgelaufen war, das Arrangement eines\nzweiten nöthig wurde. Vom Violoncellisten Grützmacher, welcher\nVirtuose auf seinem Instrumente ist, kam übrigens auch eine Ouver-\ntüre in einem der Capell-Concerte zur Aufführung, welche ihm den\nungetheiltesten Beifall aller Kenner erwarb. Die Trio-Soireen der\nKammermusiker Seelmann (Violinist), Schlick (Cellist) und des\nPianisten Rollfuss boten ebenfalls höchst Interessantes. Herr Seel-\nmann (gebürtig aus Dessau, wie auch die Herren Hüllweck und\nGrützmacher) ist ein ausserordentlich strebsamer Künstler, der sich\nseit längerer Zeit als Solist bekannt gemacht hat. Während sein\nKunstgenosse Hüllweck sich stets eines gerundeten, noblen Tones\nund einer gewissenhaften, klaren Wiedergabe der Ideen befleissigte,\nworin er an Lauterbach die grösste Uebereinstimmung und Meister-\nschaft findet, ist Seelmann vorzugsweise Charakterzeichner und Ge-\nfühlsmaler. In brillanter Technik offenbart sich eine belebende Auf-\nfassung, die oft selbstgestaltend auftritt. Liess er sich früher bis-\nweilen von der Begeisterung zu sehr hinreissen, so ist er jetzt bei\nWeitem mehr auch der formellen Schönheit gerecht geworden, ohne\ndie Inspiration zu beeinträchtigen. Wir irren wohl nicht in der An-\nnahme, dass sein unvergesslicher Lehrer Lipinski ihm Vorbild ist,\ndessen Compositionen überhaupt durch ihn einen höchst geeigneten\nRepräsentanten finden. An der Oper sind die Kräfte und Leistun-\ngen fast dieselben geblieben, wie sie unlängst erst in diesem Blatte\nbesprochen wurden; jedoch soll unsere allverehrte Primadonna, die\nKammersängerin Bürde-Ney, dem Vernehmen nach sich von\nOstern ab in dasselbe Verhältniss zur Bühne begeben wollen, wie\nder Kammersänger Tichatschek, und künftig nur in einem be-\nstimmten Rollen-Cyklus hier auftreten. L. N., geb. K.\nDer Kammer-Virtuose Ferd. Laub in Wien hat den preussi-\nschen Kronen-Orden vierter Classe erhalten.\n.Wien« Die Sing-Akademie scheint jetzt ihrer vollständigen\nAuflösung entgegenzugehen. Wenigstens meldet die „Neue Freie\nPresse\", dass Herr Dessoff die Chormeister-Stelle niedergelegt hat.\nSchade um dieses Anfangs so vielversprechende Institut! Doch hof-\nfen wir, dass es gleich dem Phönix aus seiner Asche wieder neu\naufleben wird, und dass es dann, gestützt auf die gemachten trauri-\ngen Erfahrungen, in seiner neuen Organisation jenem Zwiespalte,\nan dem es zu Grunde gegangen ist, aus dem Wege zu gehen wis-\nsen wird.\nAloys Hennes' Cla vier-Unterricht durch Briefe.\nDiese Unterrichtsbriefe, mit zahlreichen Noten-Beispielen und stufen-\nweise fortschreitenden Uebungsstücken versehen, sind bei der allge-\nmeinen Verbreitung des Ciavierspiels allen denen zu empfehlen,\nwelche nach einer rationellen Methode des Clavier-Unterrichts ver-\nlangen und doch weder Gelegenheit noch Mittel haben, eine solche\ndurch mündliche Ueberlieferung eines tüchtigen Lehrers sich anzu-\neignen, oder grössere Clavierschulen sich anzuschaffen. Ja, wenn\nManche auch die Ausgaben für dergleichen Werke nicht zu scheuen\nbrauchen, so fehlt ihnen doch oft die nöthige musicalische Vorbil-\ndung, um ihren Inhalt völlig zu verstehen, und noch öfter der\npraktische Tact, um aus dem reichen Material die systematische\nReihenfolge der Lehren und Uebungen sich für den Unterricht zu-\nrecht zu legen, damit dieser methodisch werde. Alle diese werden\nin Hennes' Briefen einen sicheren Führer finden, wenn sie sich ihm\nmit verständigem Willen anvertrauen. Wiewohl nun diese Briefe\nhauptsächlich für angehende Musiklehrer und Lehrerinnen und für\nsolche Dilettanten bestimmt sind, die sich auch ohne Lehrer weiter\nfördern wollen, so schliessen sie doch keineswegs die Beabsichti-\ngung höherer künstlerischer Ausbildung von ihrer Tendenz aus; sie\nenthalten im Gegentheil auch dafür die theoretischen und prakti-\nschen Grundlagen und sind mithin für Alle, mögen sie sich der\nTonkunst widmen, oder die Musik nur als ein edles Mittel zur\nallgemein menschlichen Bildung betrachten wollen, empfehlungs-\nwerth*).\n*) Cursus I und II vollständig, Cursus 111 in vierzehntägigen\nLieferungen zu beziehen durch alle Buch- und Musikhandlungen\n(in Leipzig bei C. A. Haendel), so wie namentlich für Lehrer (Probe-\nbrief und Prospect gratis) durch die Expedition der Clavier-Unter-\nrichts-Briefe in Wiesbaden."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650218-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nPersönliche Verhältnisse grosser Meister zu einander. C. M. von Weber und Meyer Beer. Eine Stimme aus Nordame-\nrica über die deutsche Oper. — Aus Bremen (Hiller's Ver sacrum und „Die Zerstörung Jerusalems\"). Von x. und P. — Siebentes Ge-\nsellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. — Tages- und Unterhaltungsblatt (Mainz, die mittelrheinischen Musikfeste — Weimar,\n„Der Cid\" — Dresden, Musik-Aufführungen — Wien, Ordens-Verleihung, Sing-Akademie — A. Hennes' Clavier-Unterricht durch Briefe).\n\nPersönliche Verhältnisse grosser Meister zu\neinander.\nC. M. von Weber und Meyer Beer.\n(Vergl. Nr. 3.)\nBekanntlich waren Weber und Meyerbeer die beiden\nMusiker, an deren Ausbildung der Abt Vogler die letzte\nHand gelegt hatte und mit Recht nicht wenig stolz darauf\nwar.\nBei Vogler in Darmstadt lernte Weber den jungen,\ndamals erst sechszehnjährigen Beer kennen. Dieser war\nin Vogler's Hause und erregte durch sein wunderbares\nTalent und seine unglaubliche Auffassungsgabe Aufsehen.\nEr war damals schon nicht nur ein ausgezeichneter Vir-\ntuose aui dem Ciavier, sondern auch einer der ersten Par-\ntiturspieler, die es je gegeben hat. Seine vierstimmigen\n„Geistliche Lieder von Klopstock\" waren auch schon er-\nschienen. Wenn sich nun auch Weber, acht Jahre älter\nals Beer, nicht so eng und innerlichst an diesen anschloss,\nwie an Gottfried Weber und Gänsbacher, so begründete\ndoch jene Studienzeit ein freundschaftliches persönliches\nVerhältniss zwischen Beiden, dass sich niemals verläugnet\nhat, auch als Beider Richtungen weit aus einander gingen.\nSchon als Musik-Director in Prag hatte Weber die\nerste Oper Meyerbeer's: „Alimelek\", aufs sorgfältigste zur\nAufführung gebracht, vorbereitende Aufsätze darüber ge-\nschrieben, achtzehn Proben davon gehalten und Alles ge-\ntban, um ihr einen Erfolg zu verschaffen, den sie in Stutt-\ngart, Wien und an einigen anderen Orten nicht hatte er-\nlangen können. Auch in Prag gefiel die Oper bei der er-\nsten Aufführung nicht, errang sich aber, da Weber meh-\nrere Wiederholungen beharrlich durchsetzte, durch diese\ndie Gunst des Publicums, Wie aufrichtig er es dabei\nmeinte, geht auch ausser der Betrachtung der Mühe, die\ner darauf wandte, aus einem Briefe an F. Rochlitz her-\nvor, dem er (7. November 1815) schrieb: „Der glück-\nliehe Erfolg der Oper Meyerbeer's hat mir unendliche\nFreude gemacht, und ich ersuche Sie, diesem kleinen\nAufsatze darüber so bald als möglich ein Plätzchen in der\nMusik-Zeitung zu gönnen.\"\nAls Capellmeister in Dresden bewährte er dieselbe\nGesinnung gegen den Freund und Kunstgenossen.\nMeyerbeer war bekanntlich nach Italien gegangen und\ngegen Ende des Jahres 1819 hatte seine Oper Emma\ndi Resburgoin Venedig grosses Aufsehen erregt.\nWeber war aber Willens, Meyerbeer dem dresdener\nPublicum in einem Werke vorzuführen, dessen Musik\nnoch den deutschen Grund-Charakter trage, und hatte\nmit Einstudiren des „Alimelek\" begonnen.\nSo schmerzlich ihn nun auch die neue Richtung des\nFreundes berührte, so stand er doch, in der Besorgniss,\ndass ihm der Vorwurf zu einseitiger Bevorzugung der rein\ndeutschen Kunstbestrebungen gemacht werden könne,\nnicht an, sofort, gleichzeitig mit „Alimelek\", mit Einstu-\ndiren von „Emma di Resburgo\"vorzugehen, als er hörte,\ndass es höheren Ortes der Wunsch sei, diese so viel Auf-\nsehen erregende Oper in Dresden aufgeführt zu sehen.\nEr trieb die Selbstüberwindung so weit, die Oper, eben-\nfalls vernommenem Wunsche nach, sogar mit italiänischem\nTexte einzustudiren, und brachte sie unter Mitwirkung\nder besten Kräfte der italiänischen Oper, Cantu's, Benin-\ncasa's, Decavanti's, der Miksch und der Funk, nach vier-\nzehn sorgsam geleiteten Proben am 26. Januar zur Auf-\nführung. „Alimelek\" folgte ihr am 22. Februar. Beide\nOpern wurden glänzend, die italiänische\nburgo\" sogar mit enthusiastischem Beifalle aufgenommen.\nWeber wusste nicht, ob er darüber sich freuen oder be-\ntrüben sollte. Er schreibt am 27. Januar an Lichtenstein:\n„ Gestern habe ich Meyerbeer's neueste Oper,\nEmma di Resburgo,italiänisch gegeben. Sie wurde mit\nEnthusiasmus aufgenommen. Ich fürchte, dass dies in\nBerlin nicht so der Fall sein wird. Wir sind hier ganz"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650218-01.1.2", "texte": "italiänisirt. Mir blutet das Herz, zu sehen, wie ein deut-\nscher Künstler, mit eigener Schöpfungskraft begabt, um\ndes leidigen Beifalles der Menge willen, zum Nachahmer\nsich herabwürdigt. Ist das denn gar so schwer, den Bei-\nfall des Augenblicks, ich sage nicht zu verachten,\naber doch nicht als Höchstes anzusehen\" u. s. w.\nJe mehr Mühe Weber sich auch um die Aufführung\ngegeben, um so weniger verhehlte er der Welt und dem\nFreunde seine Meinung über das Wesen der Sache selbst.\nEr halte der „Emma\" und dem „Alimelek\" einen in\nNr. 17 und 18 der Abendzeitung abgedruckten, einfüh-\nrenden Aufsatz vorausgeschickt, in dem er die von Meyer-\nbeer bei Composition der „Emma\" eingeschlagene Rich-\ntung beklagt und missliebige Seitenblicke auf den Kunst-\nStandpunkt Italiens im Allgemeinen wirft. Unter Anderem\nsagt er darin:\n„Es muss recht tief hinein böse sein mit dem Ver-\ndauungs-Vermögen der italiänischen Kunstmägen, dass\nder gewiss aus eigener selbständiger Kraft schaffen kön-\nnende Genius Meyerbeer's es für nothwendig erkannte,\nnicht nur süsse, üppig schwellende Früchte auf die Tafel\nsetzen, sondern sie auch gerade mit diesen Modeformen\nverzuckern zu müssen.\"\nGegen diesen Aufsatz liessen die Italiäner, und Mor-\nlacchi an ihrer Spitze, nicht nur eine Abfertigung im „Li-\nterarischen Merkur\" veröffentlichen, sondern sie beklagten\nsich sogar, „als in ihrer künstlerischen Ehre gekränkt\",\nbeim Grafen Einsiedel! Die Abfertigung enthielt hämische\nVerdächtigungen von Weber's Kunststreben in Dresden\nund den Motiven seines Lebens und Treibens, scharfe\nRüge seiner Tendenz, den Kunstgeschmack nach seinem\nSinne leiten zu wollen, u. s. w.\nDie Sache machte das grösste Aufsehen, das ganze\nTheater-Personal war in Bewegung. In allen geselligen\nCirkeln der Stadt gruppirte sich die italiänische und die\ndeutsche Theater-Partei schärfer, als je zuvor.\nIn unserer durch praktischere Ideenströme, Industrie,\nPolitik, Handel und Technik bewegten Zeit kann man sich\nkaum mehr ein Bild davon machen, welche Bedeutung\nein öffentlicher Kampf um Theater-Angelegenheiten in je-\nner von grossen Bewegungen und Erschütterungen aus-\nruhenden Zeit erhalten, wie er die Gemüther eben so tief\nund stürmisch aufregen konnte, wie jetzt eine Wahlschlacht\noder eine wichtige Kammer-Debatte.\nWeber, kränkelnd und reizbar, liess sich durch die\nVorgänge weit über ihren wirklichen Werth hinaus auf-\nregen und in fieberischer Hitze verleiten, einen Aufsatz zu\nschreiben, der, kaum gemässigteren Tones als die Angriffe\nseiner Gegner gehalten, nicht allenthalben das Recht und\ndie öffentliche Meinung auf seine Seite brachte.\nGraf Einsiedel hatte die Klage der Italiäner richtig\ngewürdigt; er beruhigte Weber und bat ihn, die Sache\ntodt zu schweigen.\nDie treffliche Familie Beer hatte kaum von den Ver-\ndriesslichkeiten gehört, in die Weber zulolge seiner Wirk-\nsamkeit bei Aufführung von Meyerbeer's Opern\ndl Resburgo\"und „Alimelek\" verwickelt worden war, als\nsie beschloss, ihm einen freundlichen Augenblick durch\nErfüllung eines zufällig durch den von Weber an sie em-\npfohlenen Violoncellisten Kraft in Erfahrung gebrachten\nLieblingswunsches Weber's zu bereiten. Der heitere\nPrachtliebende hatte geäussert, dass ihm nur silberne\nArmleuchter noch zur Vollendung der Decoration seiner\nTafel fehlten. Eine Kiste mit solchen, von der fürstlich\nreichen Familie gesendet, ging am 28. Februar mit einem\nliebevollen, dankbaren und die Motive der Sendung in das\nanmuthendste Licht stellenden Schreiben ein.\nWeber fühlte sich dadurch in peinlichste Verlegenheit\ngesetzt, besonders da ihm schon öffentlich seine Vorliebe\nfür Meyerbeer's Werke zum Vorwurf gemacht worden\nund es vorauszusehen war, dass der Empfang des kostba-\nren Geschenkes nicht unbekannt bleiben und dann wahr-\nscheinlicher Weise die lieblosesten Auslegungen erfahren\nwürde. Um sich und vor allen Dingen Carolinen das Herz\ndurch den Anblick der gesandten Herrlichkeiten nicht\nschwer zu machen, zog er es vor, die Kiste gar nicht zu\nöffnen und dieselbe mit nachfolgendem Briefe, aus dem\nWeber's feiner Tact, die Redlichkeit seiner Kunstansicht,\nverbunden mit dem herzlichsten Wunsche, dem hochver-\nehrten Paare in keiner Weise eine Missstimmung zu be-\nreiten, in liebenswürdigster Form hervorleuchtet.\n„Dresden, den 2. März 1820.\n„An meine lieben, hochverehrten Vater und Mutter\nBeer.\n„Mit recht schwerem Herzen ergreife ich die Feder,\nIhr liebes Schreiben vom 26. Februar zu beantworten,\ndenn ich muss das befürchten, was dem Freunde stets das\nSchmerzlichste ist Sie zu kränken und Ihnen wehe zu\nthun. Aber ich folge meinem Gefühle und meiner Pflicht,\nund bin überzeugt, dass Sie selbst zu gerecht und feinfüh-\nlend sind, als dass Sie einmal meine Gründe kennend\nlange auf mich zürnen sollten. Erlauben Sie mir also,\ntheure Freunde, das gewiss schöne Geschenk, das mir Ihre\nGüte zugedacht hat, nicht annehmen zu dürfen. Ich bin es\nfest überzeugt, und kenne Sie Beide lange genug dazu,\ndass die reinste Absicht, mir und meiner Frau Freude zu\nmachen, Sie zu diesem wiederholten Beweise Ihrer Liebe\nveranlasste. Aber Zeit und Umstände wechseln oft wun-\nderbar in der Welt. Könnte nicht auch einst ein Zweifel\ngegen die Reinheit meiner Theilnahme an Ihrem Hause"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650218-01.1.3", "texte": "und der Kunst in Ihnen keimen? Können Sie mir den\nberuhigenden Gedanken rauben wollen, Ihnen in einer\nZeit, wo wahre, ohne Nebenabsicht handelnde Freunde\nso selten sind, mich als diesen beweisen zu dürfen? Ach.\nich bin so uneigennützig gar nicht; ich will ja Ihrer er-\nprobten Freundschaft nur dadurch näher stehen. Ich\nmöchte Sie ja gar zu gern meine Schuldner nennen. Aber\ndem ist nicht so; ich wiederhole, was ich in meinem vor-\nletzten Briele an Mutter schrieb, die Theilnahme, die Sie\nmir von je her bewiesen, ist es, die ich nie genug verdan-\nken kann. Und wenn diese Dankbarkeit mir meine Kunst-\npflicht, für die Verbreitung und Anerkennung eines Ta-\nlentes wie Meyer's zu sorgen, doppelt lieb machte, so war\nja das reiner Gewinn für mich, u. s. w.\n„ Verzeihen Sie, liebste Beers, aber ich will mich\nja nur vertheidigen und Ihnen zu beweisen suchen, dass\nich meiner Ruhe es schuldig bin, den erneuten Beweis\nIhrer Güte abzulehnen. Mein Dank dafür bleibt Ihnen\ndoch eben so innig geweiht. Glauben Sie übrigens ja nicht,\ndass mein Eiler für Meyer's Werke desshalb erkalten\nwerde, weil er eine andere Strasse eingeschlagen. Schrei-\nben Sie ihm auch nicht darüber, auch über diesen Brief\nnicht. Ich weiss aus Erfahrung, welchen erbitternden Ein-\ndruck dergleichen auf ihn macht. Ja, könnte ich ihn spre-\nchen, Aug' in Auge, er sollte in dem meinen die treueste\nFreundesliebe lesen, während vielleicht mein Mund ihm\nernste, bittere Wahrheit reichte. Aber so auf dem Papier\nsieht es gar kalt und meistern wollend aus. Ihnen habe\nich mein Herz und meine Gefühle dargelegt. Können\nSie mir zürnen? Werden Sie Ihre Liebe desshalb zu mir\ngemindert fühlen? Das verhüte Gott! Ich glaube zu thun,\nwas ich thun muss.\n„Auch die zweite Vorstellung von „ „Alimelek\"\" ging\nsehr gut und war voll und gefiel. „„Emma\"\" ist nach\nFrankfurt und München verlangt worden.\n„Im Juli denke ich Sie zu umarmen, wenn Sie nicht\netwa auch ein Bad besuchen müssen. Doch da ist noch\nlange hin.\n„Meine Frau gri'isst herzlichst, und ich bin, wie im-\nmer, Ihr Sie wahrhaft mit Sohnes Liebe ehrender treuer\nFreund\n„C. M. von Weber.\"\nDieser Brief gelangte nicht in die Hände des verehr-\nten Paares; die Söhne. Heinrich, Wolf und Michael Beer,\nsandten die Kiste nochmals nebst einem Schreiben zurück,\nin welchem sie ihn zur Annahme des Geschenkes zu über-\nreden suchten.\nOhne einen Augenblick zu zaudern, sandte Weber\ndie wieder uneröffnet gelassene Kiste an die Herren aufs\nNeue zurück und schrieb:\n„Dresden, am 9. März 18*20.\n„Meine lieben Freunde!\n„Ich weiss Ihre kindliche Liebe, die den verehrten\nEltern Unangenehmes ersparen will, Ihre brüderliche\nTreue, die den Bruder vertritt, und die freundschaftliche\nHitze, die dem Freunde die Reinheit Ihrer Zuneigung dar-\nlegen will, gewiss zu schätzen. Aber die erste Pllicht des\nFreundes ist, die Verhältnisse des Freundes zu berücksich-\ntigen und ihn nicht seinen Feinden durch irgend etwas,\nnoch so liebevoll Gemeintes, so gegenüber zu stellen, das\ndiesen anscheinenden Stoff, seine Ehre beflecken zu kön-\nnen, darbiete.\n„Und so stehen die Sachen in diesem Augenblicke\nhier. Sie haben gesehen, welchen Verdruss, welche Krän-\nkung ich wegen dieser Opern erlitten habe, die so weit\ngingen, dass ich darauf gefasst war, meinen Abschied zu\nnehmen.\n„Habe ich denn bei früheren Beweisen der Liebe\nIhrer Eltern mich geweigert, sie anzunehmen? Wäre das\nnicht lächerlicher Stolz gewesen, der bloss geben, aber\nnicht wieder empfangen vom Freunde will? Ein Stolz, der\nalle wahre Freundschaft vernichten müsste\" Wir sind Beide\nreich: ich an Kunstmitteln, Ihnen Freude machen zu kön-\nnen, Sie an Glücksgütern, mit denen Sie dasselbe mir zu\nmachen suchen. Wäre dies Geschenk ein Jahr später oder\nzu irgend einer häuslichen Veranlassung gekommen, ich\nhätte es wahrlich nicht wagen dürfen, es auszuschlagen\naber jetzt, unmittelbar nach allen diesen Vorgängen,\nwar ich es meiner Ehre, der Stellung hier, auch Ihrer\nFreundschaft gegenüber schuldig, und es wäre sehr\ntraurig, wenn ich nicht so viel von der Liebe meiner\nFreunde hdffen dürfte, dass sie dies einsehen und ehren\nwürden.\n„Von Klatscherei oder Argwohn kann zwischen uns\nnie die Rede sein, und ich glaube aufs herzlichste in mei-\nnem ersten Schreiben mich ausgesprochen zu haben. Es\nversteht sich von selbst, dass ich von Ihnen erwarte, dass\nSie meinen Brief Vätern einhändigen.\n„Auch Sie werden unterdess ruhiger geworden sein\nund hoffentlich klarer in der Sache sehen, als es Ihnen Ihr\nerstes gekränktes Gefühl erlaubte.\n„Mit der herzlichsten Liebe umarme ich Euch alle\nund bin unveränderlich\n„Ihr treuester Freund C. M. von Weber.\"\nAls hierauf nun keine Antwort erfolgte, wohl aber\nein Brief der Eltern Meyerbeer's einging, die in Erstaunen\nüber das Schweigen Weber's und im Zweifel über das\nSchicksal ihres werthvollen Geschenkes sich in besorgten\nAusdrücken an ihn wandten, so konnte er nun nicht um-\nhin, die Söhne dringend zu mahnen, die Sache ihren Fl-\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "52", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650218-01.1.4", "texte": "tern vorzulegen, indem er auf diese Weise von der Intel-\nligenz und Liebe derselben die reinste Lösung dieser pein-\nlichen Differenz hoffte.\nDer Erfolg bekundete die Richtigkeit seiner Ansich-\nten, indem das Reer'sche Paar zwar mit herzlichem Leid-\nwesen, aber seine Gesinnungen und Motive ehrend, das\nGeschenk zurücknahm, ohne dass eine Dissonanz im Accord\ndieser Freundschaft zurückgeblieben wäre, die sich später\nnoch oft bewähren sollte.\n\nEine Stimme aus Nordamerica über die deutsche\nOper.\nLouisville*), Januar 1865.\nMit Meyerbeer begann eine neue Epoche der deut-\nschen Oper. Die von Weber begründete romantische Oper\nverklang zuletzt in kleinen Liederspielen. Es lag hier so\nnahe, noch einen Schritt weiter zu gehen und das Lied,\nda es nun doch einmal in die Oper eingeführt war, in der-\nselben Weise, wie die Franzosen ihre Romanzen, zu einer\nhöheren Gattung des Liederspiels auszubeuten. Allein diese\nsinnige, harmlose Richtung widersprach dem Zuge, wel-\nchen rasch die grosse Mehrzahl der Nachfolger Weber's\nzu nehmen begann. Schon Lindpaintner und Andere hat-\nten es versucht, die Erfolge der Italiäner und Auber's\nauch für die deutsche romantische Oper zu gewinnen,\nund näherten so den Stil derselben mehr und mehr je-\nner französischen Neu-Romantik, die sich in Paris zu ent-\nwickeln begann. Der reine, keusche deutsche Charakter\nward dem Interesse des möglichst stark gewürzten Effectes\ngeopfert. Ein Eklekticismus, der fast ganz Weber's natio-\nnalen Ton aus der Oper zu verbannen drohte, begann\nübermächtig zu werden, und das schwankende Wesen der\nmoderoen deutschen Oper in ihren äusseren Formen wurde\nsolchergestalt erst recht eingebürgert. Allein diese Uebel\nwaren im Verhältnisse klein gegen den Gewinn, welcher\nder deutschen Oper aus ihrem Hindrängen zur französi-\nschen Neu-Romantik erwuchs. Das hat Meyerbeer glän-\nzend bekundet. Seine Opern „Robert der Teufel\", „Die\nHugenotten\" und „Der Prophet\" sind Phänomene von der\nArt, dass die Kunstgeschichte kaum etwas Verwandtes\naufzuweisen hat. Was Weber, was Rossini, Auber und\nHalevy erstrebt, was die revolutionären Künstler-Tenden-\nzen einer ganzen Epoche ausgesprochen in den Formen\ndreier grundverschiedenen Nationalitäten: das fasste Meyer-\nbeer mit bewundernswerthem combinatorischem Talente\nzu einem kolossalen Ganzen zusammen. Greift man einzelne\nRruchstücke aus seinen grossen Opern, dann kann man\nihn hiernach kaum einen deutschen Meister nennen, denn\ner huldigt jenem musicalischen Kosmopolitismus, wie ihn\ndie Opernbühne der Weltstadt Paris erzeugte. Betrachtet\nman aber die kühne Architektur des Ganzen, dann muss\nman gestehen, dass nur der deutsche Geist solche Werke\naus den fremdartigsten Bruchstücken aufzubauen ver-\nmochte. Berlioz hat Meyerbeer's Opern mit Recht eine\nmusicalische Encyklopädie genannt, und mit ihnen beginnt\nin der That für die moderne Oper eine Periode des äus-\nserten Encyklopädismus. Aber wie viel Widersprechendes\nund Feindseliges auch in diesem Betracht sich in seinen\nWerken sammelt, wie wenig Neues im Einzelnen zu Tage\nkommt, so ist doch die wahrhaft grossartige Massenwir-\nkung, welche sich darin offenbart, etwas Neues, etwas\nZukunftverheissendes. Meyerbeer hat nicht verschmäht, die\ninnere Verderbtheit und Liederlichkeit der französischen\nNeu-Romantik in seinen Opern zu copiren; aber er hat\nauch die tiefe, kunstgeschichtliche Berechtigung aus Au-\nber's „Stummen von Portici\" und aus Rossini's „Teil\"\nherauszufinden gewusst; er hat die einzige grosse Wahr-\nheit, welche diesen Wrerken zu Grunde liegt, geahnt und\nin möglichster Erweiterung sich angeeignet: die künstleri-\nsche Emancipation der Massen und die Wirkung durch\ndie Massen. Und in diesem Sinne gelang ihm ein unge-\nheurer kunstgeschichtlicher Fortschritt, der Fortschritt der\nromantischen zur historischen Oper. Mag sein „Robert\"\nimmerhin noch auf der ersteren Stufe stehen, die „Huge-\nnotten\" und der „Prophet\" sind in der That mehr als\nblosse romantische Opern. Weltgeschichtliche Gegensätze\nwerden uns hier entgegengeführt in musicalischer Drama-\ntisirung. Die ganze Aufgabe der Oper ist durch Meyerbeer\nverrückt worden. Nicht mehr aus dem Conflicte der Lei-\ndenschaften bei Individuen—und prangten dieselben auch\nmit historischen Namen, oder sei die ganze Oper charak-\nteristisch in den Localtinten, wie wir es bei Weber finden\n—, nicht mehr hieraus kann die Oper der Gegenwart\n\n*) Louisville, die grösste Stadt in Kentucky. Leonard\nGrrover aus New-York, ein Concurrent von Uli man, hat für die\nWinterzeit eine deutsche Oper engagirt. und den Versuch gemacht,\ndie italienische, wenn auch nicht in New-York, doch wenigstens\nin den anderen Hauptstädten der Vereinigten Staaten zu verdrän-\ngen, was ihm zum Theil gelungen ist. Sein Capellmeister ist Karl\nAn schütz, ein Rheinländer aus der durch musicalische Talente\nrühmlich bekannten coblenzer Familie, deren Wirken für die Ton-\nkunst am Rheine schon im Anfange des vorigen Jahrhunderts mit\ndem kurtrier'schen Capell-Director, Hoforganisten Anschütz begann.\nDessen Enkel, Joh. Andreas Anschütz, Staats-Procurator in\nCoblenz, Gründer und langjähriger Dirigent des Musik-Instituts zu\nCoblenz (geboren .1772), starb den 2(5. Dec. 1855 (vergl. dessen Ne-\nkrolog im Jahrgang 1856, Nr. 3). Karl Anschütz ist sein Sohn.\nDie americanischen Blätter nennen ihn „den grössten Orchester-\nDirigenten unserer Zeit\". Die Eintrittspreise des Theaters in Louis-\nville sind 2 Dollars für den ersten Rang, 1£ Doli., 1 Doli., £ Doli,\nfür die übrigen Plätze."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "53", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650218-01.1.5", "texte": "ihre Vorwürfe nehmen, wenn sie ihre höchste Aufgabe\nlösen will: ihr musicalisches Thema ist bis zum Conflicte\nder Völker, bis zum Conflicte ewiger Ideen in den Indi-\nviduen erweitert worden. (?)\nLeider war es bei Meyerbeer doch nicht das Durch-\ndrungensein von der künstlerischen Idee, die er ausgespro-\nchen, es war nicht die glaubensstarke Ueberzeugung des\nGenius, welche ihn in die bezeichnete Bahn getrieben, son-\ndern die meisterhafte Berechnung des Effectes. So nur er-\nklären sich die inneren Widersprüche in Meyerbeer's\nOpern, die oft kleinlich reflectirte, unselbständige Ausfüh-\nrung im Einzelnen bei der grossartigen Neuheit der zu\nGrunde liegenden Idee des Ganzen; so nur erklärt es sich,\ndass er die grosse Wahrheit, welche in den Werken der\nNeu-Romantiker verhüllt lag, so klar herausgefunden und\ndoch die ganze ästhetische Frivolität derselben bereitwillig\nmit in Rauf genommen hat; so nur erklärt es sich, wie\nderselbe Tonsetzer in allem Einzelwerke, in allem\nschmückenden Zierathe der deutschen Nationalität untreu\nwerden und doch zugleich die deutscheste Tendenz der\nOper als Grund-Idee aussprechen konnte.\nDeutschland besitzt einen Meister, der wohl begriffen\nhat, welche grosse Zukunft der Oper durch Meyerbeer's\nWerke verheissen ist: dies ist Richard Wagner. Den in-\nneren Widerspruch der Stilmengerei Meyerbeer's, die\nBuhlerei mit der frivolen Genusssucht des pariser Publi-\ncums hat Wagner wohl erkannt, und aus seinen grossen\nTondichtungen leuchtet die Erkenntniss hervor, dass er in\nBeethoven einen viel grösseren Meister der Neu-Romantik\ngefunden, als Meyerbeer, Auber und Rossini. Das ist ein\nbedeutender Fortschritt; denn es war in der That eine\nmerkwürdige Verblendung, dass unsere Opern-Compo-\nnisten so lange übersehen konnten, wie es ja eigentlich\nnicht die Franzosen, sondern Beethoven gewesen, der zu-\nerst die musicalische Emancipation der Massen, wenn auch\nnur in der Sinfonie, ausgesprochen. Richard Wagner hat\ndie grosse Errungenschaft Meyerbeer's in ihrer ganzen\nAusdehnung dem deutschen Geiste anzueignen gesucht.\nAllein noch ist sein Genius nicht in sich abgeklärt; noch\nist auch er in inneren Widersprüchen befangen, wenn\nschon in Widersprüchen ganz anderer Art, als wir sie bei\nMeyerbeer finden; noch fehlt ihm jene klare Architekto-\nnik, in welcher Meyerbeer auch die gewaltigsten Massen\nzu gliedern und zu beherrschen weiss. Darum haben sich\nseine Opern noch nicht zum Gemeingute machen können;\nsie konnten nicht das grosse Publicum elektrisiren, weil\nsie ihm nicht jene Concessionen zugestehen, wie Meyerbeer\nes gethan. Aber für den Runst-Historiker bleiben sie da-\nrum höchst merkwürdige Erscheinungen, Versuche, die,\nwenn auch in sich unvollendet, dennoch den Weg andeu-\nten, auf welchem die deutsche Oper ihrer grössten Zu-\nkunft entgegengehen kann. (?)\nDie gestrige Aufführung von „Robert der Teufel\"\nwar mit Ausnahme des völlig vernachlässigten scenischen\nTheiles, der auf dem kleinsten Theater Deutschlands un-\ngleich besser besorgt wird, eine durchaus gerundete. Ma-\ndame Johannsen als Prinzessin, Fräulein Friderici als\nAlice, Herr Habel mann als Reimbaud, Herr Him-\nmer als Robert sangen und spielten tadellos. Das Ereig-\nniss der Woche war das Auftreten von Rarl Formes\nals Bertram. Herr Formes hatte eine Zeit lang, gleichviel,\naus welchen Gründen, seine Stimme nicht ganz in seiner\nGewalt, dennoch war er stets ein Rünstler, dessen Dar-\nstellungen vollständig ästhetisch schöne, abgerundete,\ndurchdachte und ergreifende Bilder waren; er hatte mit\nder Stimme nicht die Kunst verloren, und jetzt, wo er den\ngrössten Theil der alten Kraft wiedererlangt hat, welche\nbis in das innerste Mark beben machte, steht er wieder\nan der Spitze der Bassisten, ist er wieder der vollendete\nSänger, welcher er je gewesen ist. Wer die Darstellung\ndes Bertram gesehen hat, dem muss sich der Gedanke\nunwiderstehlich aufgedrängt haben, dass so und nur so\nsich der Dichter und Componist den Charakter gedacht\nhaben konnten; der musste fühlen, dass er ein von Leben\ndurchwärmtes, charakteristisches, einheitliches und interes-\nsantes Bild vor sich hatte, statt des gewöhnlichen Auto-\nmaten, welcher aufgezogen wird, sobald es nöthig ist, zu\nsingen, und sich wie eine Marionette in die Ecke stellt,\nsobald seine Partie abgesungen ist.\n\nAus Bremen.\n1.\nDen 15. Februar 1865.\nIm gestrigen achten Privat-Concerte kam Hiller's\nsacrum zum ersten Maie in Bremen zur Aufführung. Das\nWerk hatte durchaus nicht einen eine so\ngenannte ehrenvolle Aufnahme, sondern einen durchschla-\ngenden Erfolg. Die Erwartungen hatten sich ziemlich hoch\ngespannt, dennoch war man erstaunt und überrascht von\nder frischen und prachtvollen Wirkung des Ganzen. In der\nThat baut sich ein anmuthiger, welchselreicher und kraft-\nvoller Stoff in schneller Entwicklung seines Gehaltes vor\nuns auf, den die Hiller'sche Musik in glänzenden Farben\nund in edler, warmer Stimmung ausführt. Das Publicum\nfolgte sichtbar ergriffen, und obwohl von Natur zurück-\nhaltend, liess es sich zu lautem Beifalle mehrfach hinreis-\nsen. Es wurde lebhaft bedauert, dass Herr Hiller verhin-\ndert war, einer Einladung hieher Folge zu leisten, er"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650218-01.1.6", "texte": "würde an der Ausführung Freude gehabt haben. Chor\nund Orchester lösten unter Reinthaler's Leitung ihre Auf-\ngabe mit Sicherheit und Feinheit; die allerdings kurz ein-\nschlagenden, mit wenigen, aber charakteristischen Linien\ngezeichneten Chöre haben vielleicht gerade darum einen\ngrossen Eindruck gemacht. Man fühlt sich nie ermüdet,\nsondern, der raschen Handlung folgend, in schöner Anre-\ngung weiter geführt. Die hervortretende Figur des Ober-\npriesters wusste Herr Bielzacher aus Hannover zu\neinem lebensvollen und noblen Bilde zu gestalten. Sein\nimposantes Organ, das sich von der Tiefe bis in die hohe\nBariton-Lage gleich wohlklingend ausdehnt, unterstützt\nihn hierin sehr vortheilhaft. Auch die Sopran-Partie fand\nin Fräulein Eicke eine vortreffliche und poetische Dar-\nstellerin. Die Tenor-Partie sang Herr Wild vom hiesigen\nStadttheater. Dem Orchester fällt im ein be-\ndeutender Antheil zu; die volle und gesättigte Farbe der\nneueren Hiller'schen Orchestration, die manriiglachen\ngeistvollen, bis ins Detail schildernden Züge, die blendende,\nfast überreiche Pracht mancher Partieen bedürfen der\nsorgfältigsten und abgerundetsten Wiedergabe, um har-\nmonisch zu wirken. Das bremer Concert-Orchester zeigte\nsich dieser Aufgabe vollständig gewachsen; so kamen die\ninteressanten Details, z. B. die Vision des Priesters, die\nSchilderung des Sonnenaufgangs, die Erscheinung der\nAdler u. s. w., zu einer wahrhaft poetischen Wirkung.\nDass der erste Theil des Concertes Op. 127 von Beet-\nhoven, Sopran-Arie aus Idomeneo, Larghetto aus der C-\nTWöS-Sinfonie von Spobr und die bekannte Bass-Arie aus\nHaydn's „Schöpfung\" kurz war, war sehr verständig\nund nachahmenswerth; denn das Publicum war noch frisch\nfür den Genuss des neuen und grösseren Werkes.\nAm Samstag hatte der Gesangverein des Herrn En-\ngel, der sich um die Pflege von Hiller's Musik besonders\nverdient gemacht hat, eine Aufführung des Oratoriums\n„Die Zerstörung Jerusalems\" veranstaltet. Also in einer\nWoche zwei grosse Werke desselben Meisters. Obschon\nder Verein nicht über reiche Chorkräfte gebietet, wie sie\nfür eine Aufführung eines Oratoriums im Allgemeinen\nwünschenswerth sind, so ist doch alles, was derselbe\nsingt, sehr gut einstudirt, correct und wohllautend. Da dem\nAnscheine nach die Mitwirkung des Theater-Orchesters,\nwelches von der Oper und dem regelmässigen Abonne-\nments-Concerte absorbirt wurde, nicht möglich war, so\nblieb von dieser Seite Einiges zu wünschen übrig. Dafür\nwaren die dankbaren Solo-Partieen, namentlich Jeremias\nHerr Stegemann, Hanna Fräulein Gindele aus\nBraunschweig, Sopran Fräulein Muri an aus Bremen,\nnamentlich aber der Tenor, Herr Pirk aus Hannover, in\nvortrefflichen Händen. Herr Pirk, an C. Schneider erin-\nnernd, ist ein jugendlicher lyrischer Tenor, der eine schöne\nZukunft hat. Das Werk, von früher her hier schon ge-\nkannt und gewürdigt, fand die wärmste Aufnahme.\nx.\n2\n*)•\nDen 15. Februar 1865.\nGestern machte unser musicalisches Publicum im ach-\nten Privat-Concerte dieses Winters durch Reinthaler\ndie Bekanntschaft des Ver sacrvon Ferdinand Hil-\nler, welches durch die Sing-Akademie aufgeführt und\nmit Auszeichnung aufgenommen wurde. Die Zuhörer folg-\nten dem vortrefflich gedachten und kraftvoll durchgeführ-\nten Werke mit der lebendigsten Theilnahme und äusser-\nten dieselbe an allen Stellen, wo der rasche Fluss der\nTondichtung es gestattete. Die hervorragenden dramati-\nschen und lyrischen Abschnitte, besonders der Schluss-\nChor des ersten Theiles („Verherrlichet vom Meer zum\nMeere\"), das Terzett und Quartett des zweiten, machten\nneben der glänzenden Instrumentation vorzüglich einen\ntiefen Eindruck. Die Hauptfigur des Priesters war glück-\nlich und glänzend vertreten durch Herrn Bietzacher\nvom Hoftheater in Hannover; ihm schlössen sich Fräulein\nEicke und Herr Wild von hier mit Erfolg an. Das\nWerk selbst ist bei Gelegenheit früherer Aufführungen\nan verschiedenen Orten in der Niederrheinischen Musik-\nZeitung so ausführlich besprochen worden, dass wir uns\neines weiteren Eingehens enthalten.\nWenige Tage zuvor, am 11. Februar, führte der Ge-\nsangverein des Herrn Engel „Die Zerstörung Jerusalems\"\nauf, so dass die Musikfreunde Gelegenheit hatten, zwei\nder bedeutendsten Werke Hiller's dicht neben einander\nzu hören. Das Oratorium, mit welchem vor fünfundzwan-\nzig Jahren der Componist sich seine Stellung in der musi-\ncalischen Welt errang, war dem grössten Theile unseres\nPublicums bereits bekannt; es wurde vor acht Jahren\ndurch den verstorbenen Concertmeister Georg Schmidt\nzur Aufführung gebracht. Die Erwartung, dass Hiller\nselbst dem Ver sacrum und der „Zerstörung Jerusalems\"\nbeiwohnen werde, ist nicht in Erfüllung gegangen, da die\nVerhältnisse dem Componisten nicht gestatteten, den bei-\nden früheren Besuchen, die er uns bei Gelegenheit des\n„Saul\" und der „Katakomben\" abstattete, jetzt einen\ndritten hinzuzufügen. Wir bedauern, dass er nicht Gele-\ngenheit hatte, sich abermals an der lebhaften Theilnahme\nzu erfreuen, die seinem künstlerischen Schaffen bei uns\nentgegengebracht wird. P.\n*) Von einem anderen Correspondenten."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "55", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650218-01.1.7", "texte": "Siebentes Gesellschafts-Concert im Gürzenich.\nDinstag den 7. Februar.\nDas Programm des siebenten Concertes haben wir in der vori-\ngen Nummer bereits mitgetheilt; es enthielt die Namen Cherubini,\nMo zart, 'Hill er, Weber, Beethoven.\nDie Ouvertüren CherubinTs gehören nach Inhalt und Form zu\nden besten Orchesterwerken in der musicalischen Literatur : sie ha-\nben alle, trotz ihrem verschiedenen dramatischen Charakter, ein in-\ndividuelles Gepräge, das sich durch eine seltene Vereinigung des\nPathetischen mit dem Anmuthigen kennzeichnet; sowohl ihre Motive\nund Melodieen, als die vortreffliche Arbeit und wirkungsvolle und\ndoch keineswegs raffinirte Instrumentirung strafen gewisser Maassen\nden italienischen Namen des Meisters Lügen, eben so wie seine\nKirchen-Compositionen eine Tiefe der Gedanken und Erhabenheit\ndes Ausdruckes zeigen, die ihn den grössten deutschen Tonsetzern\ngleichstellt. Die Ouvertüre zu den „Abencerragen\", die wir in dem\nConcerte sehr gut ausgeführt hörten, ist denen zum Wasserträger,\nzur Medea und Faniska ebenbürtig. Die Oper, deren Text nach\nChateaubriand's Le dernier des Abencerrages gemacht war, kam im\nJahre 1813 in Paris zur Aufführung. Sie hatte geringen Erfolg, was\nman zum Theil dem allzu düsteren Stoffe, der den Untergang jenes\nmaurischen Rittergeschlechtes in der Alhambra zu Granada behan-\ndelt, zuschrieb, anderenteils den Zeitverhältnissen, die freilich den\nParisern den Gefallen an der Kunst verleideten. Nur die Ouvertüre\nhat sich aus dem Schiffbruche der Oper gerettet und sich, wie so\nmanches andere treffliche Werk der älteren französischen Schule,\nnach Deutschland geflüchtet, wo sie grössere und längere Anerken-\nnung gefunden haben, als in ihrer Heimat.\nDas Finale aus Weber's „Euryanthe\" beschloss den ersten\nTheil des Concertes. Wir möchten behaupten, dass vielleicht Gluck's\nOpern allein im Concertsaale am wenigsten verlieren; Fragmente\nmoderner Opern werden stets die scenische Aufführung stark ver-\nmissen lassen und behalten im Concerte auch bei guter Ausführung\nimmer etwas Dilettantisches. Wie Weber selbst darüber dachte,\nspricht er in einem Schreiben vom 20. December 1824 an den aka-\ndemischen Musikverein zu Breslau aus, welcher in einem Concerte\nNummern der Euryanthe oder gar die ganze Oper geben wollte:\n„Euryanthe ist ein rein dramatischer Versuch, seine Wirkung\nnur von dem vereinigten Zusammenwirken aller Schwesterkünste\nhoffend, sicher wirkungslos, ihrer Hülfe beraubt. Diese Ueberzeu-\ngung hatte ich, ehe vielfältige Wünsche, wie die Ihrigen, an mich\ngelangten, die ich zum Theil befriedigte, oder willkürliche Lust,\nEinzelheiten oder das Ganze ohne Anfrage dem Publicum vorführte.\nDie Erfahrung bestätigte meine Ueberzeugung. Das Werk liess nicht\nnur kalt, ja, es erregte Missfallen, denn nicht geringe Erwartungen\nbrachte das mir gewogene Publicum mit. Vergleichungsweise erlau-\nben Sie mir nur als Beispiel anzuführen, ob Sie Sich irgend welche\nWirkung auch von der gelungensten Aufführung einer Iphigenie von\nGluck im Concertsaale versprächen? Und dies ist ein anerkanntes\nMeisterwerk und allgemein gekannt, wodurch die Phantasie des\nHörers ergänzend und hinzufügend wirken kann. Sie, meine Herren,\nin hrem Ireinen Eifer für die Kunst würden es Sich selbst nicht\nvergeben können, wenn Sie meine Worte bestätigt fänden und Sich\nden Vorwurf machen müssten, durch diese Concert-Aufführung den\nGlauben an deutsche Kunst bedeutend erschüttert zu haben.u\nWii sehen, dass W eher selbst gegen die Concert-Aufluhrungen\nvon Glucks Opern war; aber welch eine schöne Theaterzeit war\nes, in welcher er Glucks Iphigenia ein „allgemein gekanntes\nMeisteiwerk nennen konnte! Jetzt kennen viele Directionen und\nIntendanzen der Iheater nicht einmal jenes Meisterwerk, geschweige\ndenn das Publicum!\n1< ldulein Anna Egge lin g vom Hoftheater zu Braunschweig\nsang die Partie der Euryanthe und vertrat ausserdem auch noch den\nSologesang durch den Vortrag der Arie von Herold (aus dem „Zwei-\nkampf ) mit obligater Violine. Wir hatten Fräulein Eggeling, eine\nSchülerin der I rau Cornet, zuerst bei dem dritten westfälischen\nMusikfeste in Dortmund im Jahre 1861 kennen gelernt und uns da-\nmals besonders an ihrem Liedergesange erfreut. Sie hat im grösse-\nren Musikgenre bedeutende Fortschritte gemacht, doch ist ihre Co-\nloiatui nicht immer correct uud in allen Tonregionen klangvoll,\nwährend die Stimme in der Höhe recht schön ist; auch verlangt\nder I riller noch sorgfältigere Ausbildung. Das Publicum nahm ihre\nLeistungen mit freundlichem Beilalle auf, der gewiss noch allgemei-\nner gewesen wäre, wenn 1 räulein Eggeling Gelegenheit gehabt hätte,\neinige Lieder vorzutragen. Die Wahl der Herold'schen Arie war\nkeine glückliche: die Composition gehört mit ihrem veralteten Stile\nnicht zu den besten Gesangstücken des sonst schätzenswerthen Mei-\nsters. Herr Sehelper vom hiesigen Theater sang die Partie des\nLysiart in dem Finale aus „Euryanthe\" mit der wohllautenden Ba-\nritonstimme, welche wir im Theater stets mit Vergnügen hören.\nWas könnten nicht ernste und andauernde Studien aus dieser Stimme\nmachen!\nDer Stern des Abends war Alfred J.aell, dessen Namen man\nnur zu nennen braucht, um alle Leser zu überzeugen, dass das Pu-\nblicum am Dinstag Abend wieder den Inbegriff dessen gehört hat,\nwas die Virtuosität jeder Art, sei ihre Aufgabe Schwung und Kraft,\noder vollendete Correctheit und perlende Rundung, oder wechselnde\nNuancirung des Tonanschlags, oder Zierde und Eleganz des Vor-\ntrags, auf dem Pianoforte zu vollkommenem Ausdruck bringen kann.\nDie eminenteste Leistung desselben war dieses Mal die meisterhafte\nVorführung einer der schönsten Clavier-Compositionen F. Hille r's,\ndes Concertes in Fis-moll} bei welcher Jaell nicht nur die genann-\nten Vorzüge seines Spiels entfaltete, sondern auch durch seine Auf-\nfassung des Ganzen den echten Musiker bekundete, der in den Geist\nder Composition eines anderen Meisters eindringt und überall zeigt,\nda3S er sich mit Liebe darein versenkt hat und sich selbst vergisst,\num nur das Werk in dessen eigenstem Charakter wiederzugeben.\nBegeisterter Applaus an den Stellen, wo der Fluss des Ganzen es\nerlaubte, am Ende des sehr schön geschriebenen und eben so schön\nvorgetragenen Adagio's und am Schlüsse des lebensvollen Finale s,\nehrte den Componisten und den Spieler. Ausserdem gab uns Jaell\nnoch eiue kleine, recht artige Bluette von sich: Aux öords de\nVArno, und Liszt's Bearbeitung des Tannhäuser-Marsches, statt\nderen wir lieber die weit effectvollere Transscription des Pilger-Chors\n(mit der glänzenden Schluss-Passage der Ouvertüre) von Jaell selbst\ngehört hätten.\nDer Concert-Clior wirkte durch den ausdrucksvollen Gesang des\nAve verum von Mozart und im Finale der Euryanthe mit, und das\nOrchester krönte das Programm durch eine vortreffliche Ausführung\nvon Beethoven's Sinfonia eroica."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650218-01.1.8", "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nL. B.\nTlainz. Die seit einigen Jahren in Folge verschiedener un-\ngünstiger, hauptsächlich localer Verhältnisse unterbrochenen mittel -\nrheinischen Musikfeste sollen nun in diesem Jahre wieder\naufgegriffen werden und das erste derselben unter Zustimmung der\nverbündeten Städte im Laufe des kommenden Sommers in Mainz\nStatt finden. Eine Besprechung in diesem Sinne hat am 4. d. Mts.\nin Darmstadt von den Delegirten der betheiligten Vereine Statt ge-\nfunden, und es darf an dem Zustandekommen des erfreulichen Un-\nternehmens kaum mehr gezweifelt werden.\nPeter Cornelius hat seine Oper „Der Cid\" vollendet und\nsoll dieselbe am 8. April, dem Geburtstage der Grossherzogin, be-\nstimmt in Weimar zur Aufführung kommen.\nDresden, 15. Februar. Der Winter 1864—65 hat für Dres-\nden wieder viel gute Musik gebracht, sowohl durch Vorträge aus-\nwärtiger Künstler, als besonders durch einheimische auserwählte\nKräfte. Die Pflege der Kammermusik ist jetzt hier auf einen Höhe-\npunkt gelangt und das Interesse des Publicums dafür so gesteigert,\nwie wir es fast noch nie vorgefunden haben. Die Concerte der Ca-\npelle, von Kietz und Krebs abwechselnd dirigirt, und die Pro-\nduetions-Abende des Tonkünstler-Vereins üben schon seit Jahren\nunveränderte Anziehungskraft aus. Die Gesammtleistungen der Ca-\npelle bilden überhaupt den strahlenden Mittelpunkt unserer Musik,\nund alles, was in seiner Peripherie liegt, gehört dem Geläuterten\nund Besten an. Davon geben z. B. die Quartett-Soireen der Herren\nLauterbach (Concertmeister), Hüllweck, Göhring und Grütz-\nmac h er (Kammermusiker) glänzendes Zeugniss, und sie haben der-\nmaassen angesprochen, dass, nachdem zu Weihnachten 1864 der\nCyklus von je drei Abenden abgelaufen war, das Arrangement eines\nzweiten nöthig wurde. Vom Violoncellisten Grützmacher, welcher\nVirtuose auf seinem Instrumente ist, kam übrigens auch eine Ouver-\ntüre in einem der Capell-Concerte zur Aufführung, welche ihm den\nungetheiltesten Beifall aller Kenner erwarb. Die Trio-Soireen der\nKammermusiker Seelmann (Violinist), Schlick (Cellist) und des\nPianisten Rollfuss boten ebenfalls höchst Interessantes. Herr Seel-\nmann (gebürtig aus Dessau, wie auch die Herren Hüllweck und\nGrützmacher) ist ein ausserordentlich strebsamer Künstler, der sich\nseit längerer Zeit als Solist bekannt gemacht hat. Während sein\nKunstgenosse Hüllweck sich stets eines gerundeten, noblen Tones\nund einer gewissenhaften, klaren Wiedergabe der Ideen befleissigte,\nworin er an Lauterbach die grösste Uebereinstimmung und Meister-\nschaft findet, ist Seelmann vorzugsweise Charakterzeichner und Ge-\nfühlsmaler. In brillanter Technik offenbart sich eine belebende Auf-\nfassung, die oft selbstgestaltend auftritt. Liess er sich früher bis-\nweilen von der Begeisterung zu sehr hinreissen, so ist er jetzt bei\nWeitem mehr auch der formellen Schönheit gerecht geworden, ohne\ndie Inspiration zu beeinträchtigen. Wir irren wohl nicht in der An-\nnahme, dass sein unvergesslicher Lehrer Lipinski ihm Vorbild ist,\ndessen Compositionen überhaupt durch ihn einen höchst geeigneten\nRepräsentanten finden. An der Oper sind die Kräfte und Leistun-\ngen fast dieselben geblieben, wie sie unlängst erst in diesem Blatte\nbesprochen wurden; jedoch soll unsere allverehrte Primadonna, die\nKammersängerin Bürde-Ney, dem Vernehmen nach sich von\nOstern ab in dasselbe Verhältniss zur Bühne begeben wollen, wie\nder Kammersänger Tichatschek, und künftig nur in einem be-\nstimmten Rollen-Cyklus hier auftreten. L. N., geb. K.\nDer Kammer-Virtuose Ferd. Laub in Wien hat den preussi-\nschen Kronen-Orden vierter Classe erhalten.\n.Wien« Die Sing-Akademie scheint jetzt ihrer vollständigen\nAuflösung entgegenzugehen. Wenigstens meldet die „Neue Freie\nPresse\", dass Herr Dessoff die Chormeister-Stelle niedergelegt hat.\nSchade um dieses Anfangs so vielversprechende Institut! Doch hof-\nfen wir, dass es gleich dem Phönix aus seiner Asche wieder neu\naufleben wird, und dass es dann, gestützt auf die gemachten trauri-\ngen Erfahrungen, in seiner neuen Organisation jenem Zwiespalte,\nan dem es zu Grunde gegangen ist, aus dem Wege zu gehen wis-\nsen wird.\nAloys Hennes' Cla vier-Unterricht durch Briefe.\nDiese Unterrichtsbriefe, mit zahlreichen Noten-Beispielen und stufen-\nweise fortschreitenden Uebungsstücken versehen, sind bei der allge-\nmeinen Verbreitung des Ciavierspiels allen denen zu empfehlen,\nwelche nach einer rationellen Methode des Clavier-Unterrichts ver-\nlangen und doch weder Gelegenheit noch Mittel haben, eine solche\ndurch mündliche Ueberlieferung eines tüchtigen Lehrers sich anzu-\neignen, oder grössere Clavierschulen sich anzuschaffen. Ja, wenn\nManche auch die Ausgaben für dergleichen Werke nicht zu scheuen\nbrauchen, so fehlt ihnen doch oft die nöthige musicalische Vorbil-\ndung, um ihren Inhalt völlig zu verstehen, und noch öfter der\npraktische Tact, um aus dem reichen Material die systematische\nReihenfolge der Lehren und Uebungen sich für den Unterricht zu-\nrecht zu legen, damit dieser methodisch werde. Alle diese werden\nin Hennes' Briefen einen sicheren Führer finden, wenn sie sich ihm\nmit verständigem Willen anvertrauen. Wiewohl nun diese Briefe\nhauptsächlich für angehende Musiklehrer und Lehrerinnen und für\nsolche Dilettanten bestimmt sind, die sich auch ohne Lehrer weiter\nfördern wollen, so schliessen sie doch keineswegs die Beabsichti-\ngung höherer künstlerischer Ausbildung von ihrer Tendenz aus; sie\nenthalten im Gegentheil auch dafür die theoretischen und prakti-\nschen Grundlagen und sind mithin für Alle, mögen sie sich der\nTonkunst widmen, oder die Musik nur als ein edles Mittel zur\nallgemein menschlichen Bildung betrachten wollen, empfehlungs-\nwerth*).\n*) Cursus I und II vollständig, Cursus 111 in vierzehntägigen\nLieferungen zu beziehen durch alle Buch- und Musikhandlungen\n(in Leipzig bei C. A. Haendel), so wie namentlich für Lehrer (Probe-\nbrief und Prospect gratis) durch die Expedition der Clavier-Unter-\nrichts-Briefe in Wiesbaden."}]}