{"numero_id": "bm-bmtnabi-1865-02-25-01", "volume": "bmtnabi_1865-02-25_01", "ocr_sha256": "c848a4359cc835b74ca6a2b7ba2adffd93e1531e2f04790e0f6ea96a3671303f", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1865/02/25_01/bmtnabi_1865-02-25_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650225-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1865-02-25-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-02-25_01#c001", "volume": "bmtnabi_1865-02-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "57", "page_fin": "57", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650225-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "57", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650225-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 463, "texte": "Inhalt.\nDer Deserteur. Oper in drei Acten von Ernst Musik von Ferdinand Hiller. Der Opernsänger (Rückblick auf\ndie Künstler-Laufbahn von Aloys Ander). Aus Detmold (Orchester-Concerte). Aus Leipzig (Universitäts-Gesangverein der Pau-\nliner). Achtes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. 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Musik von\nFerdinand Hiller.\n(Erste Aufführung den 17. Februar 1865.)\nHerr Ernst Pasque, der Verfasser des Buches der\ngenannten Oper, welcher der musicalischen Welt durch\nseine früheren Leistungen als Sänger und in den letzten\nJahren durch seine Uebersetzungen fremder Operntexte\nund sehr anerkennungswerthe Mittheilungen aus den Ar-\nchiven zu Weimar und Darmstadt über frühere Musik-\nZustände wohlbekannt ist, hat in dem Texte zum „Deser-\nteur\" in zweifacher Hinsicht einem glücklichen Gedanken\nFolge gegeben. Im Gegensatze zu den meisten Libretti\nder neueren französischen komischen Oper, welche ihre\nStoffe, sie mögen aus fernen Regionen oder vergangenen\nZeiten hervorgeholt sein oder nicht, in der Farbe der heu-\ntigen gesellschaftlichen pariser Zustände dem Publicum\nvorführen, um sie pikant zu machen, hat Pasque seinen\nStoff zwar nicht aus der deutschen Geschichte durch\nAufstellung wirklich historischer Personen, sondern aus\nden deutschen politischen und socialen Zuständen einer\ngewissen Periode genommen, und hat danach gestrebt,\nauf diesem Hintergrunde ein Stück ländlichen Lebens, in\nwelches das abscheuliche Verhandlungs-System der Lan-\ndeskinder als Söldner nach Africa und America eingreift,\naus dem vorigen Jahrhundert uns zu vergegenwärtigen.\nDass er bei dem gewählten Stoffe auf die Dichtung einer\nrein komischen Oper verzichten musste, war klar; aber\ner führte eben durch die gewählte Handlung, deren Ein-\ndruck zur grösseren Hälfte nicht bloss auf Erheiterung,\nsondern auch auf Erregung von Gefühl und Mitleid be-\nrechnet war, die moderne Spiel-Oper auf das ältere, echt\ndeutsche Singspiel zurück, und desshalb hätten wir sehr\ngewünscht, dass auch der Dialog zwischen den Musik-\nstücken beibehalten worden wäre, der in dieser Opern-\ngaltung dem deutschen Publicum mit Hecht lieb gewor-\nden und nur durch ein völliges Missverständniss dessen,\nwas zur Illusion in der Oper gehört, und durch musicali-\nsche Pedanterei verdrängt worden ist. Oder kann irgend\nJemand im Ernste glauben, dass z. B. in dem „Deserteur\"\nan den Stellen, wo die gesprochene Rede unentbehrlich\nist, das Schwirren der Violinen eine ästhetische Befriedi-\ngung gewährt?\nFerner hat den Versuch gemacht, das wirk-\nliche Volkslied wieder einzuführen, und hat dazu einige\nLieder von Schubart benutzt. Auch dieser Versuch ist\nlöblich und weist ebenfalls auf das ältere deutsche Sing-\nspiel zurück. Bei dem Abschiede der Soldaten am Schlüsse\ndes ersten Actes ist zu dem „Kaplied\" von Schubart:\n„Auf, auf, ihr Brüder, und seid stark!\" auch die Schu-\nbart'sche Melodie beibehalten worden, was einen recht\nguten Eindruck macht.\nMit alledem lassen wir also gern den Absichten des\nDichters volle Gerechtigkeit widerfahren, wollen aber nicht\nzugleich damit sagen, dass diese Absichten überall mit\nGeschick durchgeführt sind. Gar Manches ist lang gezo-\ngen, namentlich im ersten Acte, und im Verschmelzen des\nKomischen mit dem Sentimentalen ist der Verfasser nicht\nimmer glücklich gewesen, was besonders in der Rolle des\nSchulmeisters und Cantors Daniel — unter welchem er\nsich den Dichter C. F. Daniel Schubart selbst gedacht hat\n— sich zeigt, selbst wenn wir von dem Fehler in der Oeko-\nnomie des Stückes absehen, eine Nebenfigur zur Haupt-\nrolle zu machen. Während der Schulmeister im ersten\nActe als ein carnevalistischer Gratulant vor dem Braut-\nvater— dem Gemeinde-Vorsteher— und dem Brautpaare\nerscheint und seine Schuljugend in bunten Trachten einen\nChor plärren und zum Theil mit Kinder-Instrumenten be-\ngleiten lässt (der übrigens da capo gerufen wurde),\nschwärmt er im zweiten Acte für die Göttin der Freiheit\nhöchst pathetisch und behauptet, dass „aus ihrem Flam-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "58", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650225-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5446, "texte": "menkranze Funken (die sonst zu brennen pflegen) ihm in\ndie Seele niedergethaut sind\", belehrt uns auch, dass er\ndie Stadt verlassen und Schulmeister und Cantor gewor-\nden, „um frei zu sein\". Ei, ei, wenn das der Kirchen-\npatron und der Herr Pfarrer geahnt hätten! Trotz alle-\ndem ist freilich der Daniel die beste Figur in der ganzen\nOper, und wir wollen ihm auch die Tiraden der Freiheits-\nSehnsucht verzeihen, weil sie dem Componisten Gelegen-\nheit zu einer schwungvollen Arie gegeben haben, die auch\nHerr Lang recht gut vortrug, wie denn sein Spiel im er-\nsten Acte auch den richtigen Tact zeigte, das Romische\nnicht zu übertreiben.\nDer Inhalt des Buches ist kurz der, dass mitten in die\nVerlobungsfeier Michel's, des Sohnes des wohlhabenden\nDorfältesten, mit Liesel, einer Waise, das Schicksal in\nGestalt des hinkenden Boten tritt, einer ziemlich gelunge-\nnen, hauptsächlich durch die musicalische Charakteristik\ngehobenen komischen Figur, der den Befehl des Fürsten\nbringt, eine Anzahl junger Bursche für ein Regiment in\nAfrica auszuheben. Bald darauf erscheint auch schon der\nFeldwebel mit einem Commando Soldaten. Er fordert von\nLiesel auf offenem Markte einen Kuss; als „grober Patron\"\nabgewiesen, schwört er, sich zu rächen, und nimmt ihren\nBräutigam Michel unter die Becruten. Michel entflieht auf\ndem Rheine vom Schiffe und überrascht die trauernde\nLiesel durch seine Zurückkunft. Aber, o weh! der Feld-\nwebel ist auch schon wieder da. Liesel verbirgt den Lieb-\nsten in ihre Schlafkammer; aber als der Herr Soldat zu-\ndringlich wird, stürzt Michel hervor uitd schützt sein Mäd-\nchen. Der ingrimmige Feldwebel nimmt ihn fest, und am\nanderen Morgen soll der Deserteur erschossen werden.\nGlücklicher Weise jagt der Fürst in dem nahen Walde,\nLiesel eilt zu ihm; er ist gnädig gestimmt, weil ihm so\neben ein Erbprinz geboren, und Liesel stürzt mit dem\nPardon in der Hand glücklicher Weise auf die Scene, als\ndie Soldaten schon auf Michel anlegen und nur noch das\nCommando: „Feuer!\" fehlt. Ob bei der Katastrophe die\nältere französische Oper „Le , Musik von Mon-\nsigny, die auch in Deutschland zu ihrer Zeit sehr viel bis\nin den Anfang unseres Jahrhunderts hinein gegeben wurde,\nbenutzt sei, wissen wir nicht.\n*\nFerdinand Hiller, dem wir bisher gewohnt waren nur\nin höheren Sphären der Tonkunst zu begegnen, hat dieses\nMal den Kothurn verschmäht; jedoch bewegt er sich auf\ndem Soccus des Komos, wie wir in diesem neuesten\nWerke sehen, ebenfalls mit grossem Talente und in jener\ngeistreichen Manier, die wir aus manchen von seinen Com-\npositionen für Ciavier kennen, ja, wir möchten beinahe\nsagen, dass seine „Operette ohne Worte\" für das Piano-\nforte zu vier Händen als ein Vorspiel zu dieser Oper mit\nGesang zu betrachten sei. Da indessen das Komische in\ndem „Deserteur\", wie aus dem oben Gesagten hervor-\ngeht, nur episodisch auftritt und die eigentliche Handlung\ndes Stückes sich dem ernsteren Drama nähert, so bot sie\nauch dem Componisten Gelegenheit dar, sowohl in meh-\nreren Sologesängen als in einigen Ensembles und in den\nFinalen des ersten und zweiten Actes die Eigenschalten\ndes bewährten Meisters zu entfalten, was ihm, unserer\nMeinung nach, am glänzendsten in den grösseren Gesang-\nstücken, sowohl in Bezug auf charakteristische Zeichnung\nals auf das Colorit des Ganzer», gelungen ist. Dass dabei\ndie Behandlung der grösseren musicalischen Formen eine\nmeisterhafte ist, versteht sich bei Hiller von selbst. Aber\nauch die Musik von leichterem Gepräge, wie sie die hei-\nteren Scenen verlangen, ist in den meisten derselben, und\nvorzüglich in der hübschen, komischen Episode des zwei-\nten Actes, wo sämmtliche junge Mädchen des Ortes den\nSchulmeister um Rath fragen, wie sie es anzulangen ha-\nben, um beim Fürsten Gehör zu erlangen, voll Geist und\nanmuthiger Popularität, ohne irgendwie trivial zu werden.\nNur an einzelnen Stellen, z. B. in dem Schulkinder-Chor\nund in der Instrumentirung beim Einmärsche der Solda-\nten im ersten Acte, tritt der Realismus zu grell hervor.\nDurch melodischen Fluss zeichnen sich im dritten Acte\ndie Gesänge des Ortsältesten und Michel's aus, während\nin einigen früheren von den beiden Grund-Elementen der\nOpernmusik, Gesang und Declamation, die letztere zu sehr\ndominirt. Ein grosser Vorzug des Werkes ist es, dass die\nInspiration des Componisten im Laufe der Entwicklung\nder Handlung durchaus nicht ermattet, sondern ihm bis\nzum Schlüsse so treu bleibt, dass wir den letzten Act in\nmelodischer Hinsicht für den besten halten.\nDie Aufführung war recht gut; man sah, dass alle\ndabei Betheiligten auf der Bühne und im Orchester die\nOper mit Liebe studirt hatten. Das Haus war ganz ge-\nfüllt, und die lebhaft theilnehmende, günstige Stimmung,\nwelche das gesammte Publicum von Anlang an offenbarte,\nwar ein recht erfreuliches Zeugniss der allgemeinen Aner-\nkennung der unschätzbaren Verdienste des Componisten\num unsere musicalischen Zustände und des Verlangens\naller gebildeten Kreise der Einwohnerschalt, dem grossen\nMeister durch eine öffentliche Kundgebung zu zeigen, dass\ndie Stadt Köln stolz darauf sei, ihn den Ihrigen nennen\nzu können. Diesem Verlangen kam die Oper in gelunge-\nner Aufführung in so anregender und überzeugender\nWeise entgegen, dass selbst eine entgegengesetzte Stim-\nmung dadurch in die günstigste umgeschlagen wäre, nun\naber die vorhandene sichtbar von doppelter Freude an\ndem Werke und an dem Componisten zu enthusiastischer\nAufnahme gehoben wurde und sich durch den rauschend-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "59", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650225-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 287, "texte": "sten Applaus sowohl bei einzelnen Nummern und Scenen,\nals besonders nach jedem Actschlusse und am Schlüsse\ndes Ganzen durch stürmischen Hervorruf des Componisten\nund des Personals offenbarte. Der Erfolg der Oper war\nein so vollständiger, wie ihn sich die Verfasser nur wün-\nschen können."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-02-25-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-02-25_01#c003", "volume": "bmtnabi_1865-02-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "59", "page_fin": "61", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650225-01.2.3", "titre_corps": "Der Opernsänger", "titre_sommaire": "Der Opernsänger", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "59", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650225-01.1.3", "debut_caractere": 289, "fin_caractere_exclue": 5304, "texte": "Der Opernsänger\n*).\nUnser Standpunkt bei Beurtheilung eines Opernsän-\ngers ist der Art, dass der Schwerpunkt unserer Anforde-\nrungen consequent auf den Gesangsstil zu liegen kommt.\nWir glauben damit nicht einseitig musicalisch zu urthei-\nlen, wollen uns aber vornehmlich vor der entgegengesetz-\nten Einseitigkeit, der Vorliebe für das „dramatische\"\nSängerthum, hüten. Wir halten es mit den Opernsängern\nwie mit der Oper selbst, die ohne dramatisches Element\nnicht existiren kann, ihren Schwerpunkt aber in der Mu-\nsik finden muss, und zwar speciel im Gesänge. Der Text\nist bei einer Oper gewiss eine Nothwendigkeit; wenn wir\naber etwas entbehren sollen, was Einem ja in mensch-\nlichen Dingen nur zu oft auferlegt wird, so werden wir\ndoch eine Oper ohne Text einem Texte ohne Musik (Oper\nkönnen wir wohl im ersten Falle sagen, im zweiten kann\nman es nicht einmal mehr so nennen) unbedingt vorziehen.\nEben so wünschen wir stets die Vereinigung des dramati-\nschen mit dem Gesangs-Vermögen bei dem Opernsänger;\nbleibt uns aber die Wahl, so würden wir da es sich ja hier\nnicht um gänzlichen Mangel, sondern um stärkeres Aus-\ngeprägtsein dieser oder jener Eigenschaft handelt ohne\nZaudern den vollkommenen Sänger mit gewöhnlichem\nDarstellungs-Geschick dem genialsten Schauspieler, der\nnicht singen kann, vorziehen.\nGleich so vielen Sängern der Neuzeit war auch An-\nder in vielen wesentlichen Punkten ein glücklich begabter\nNaturalist, der sich nach der musicalischen, wie nach der\ndramatischen Seite seiner Kunst selbst emporgearbeitet.\nEhren wir ein solches Streben, aber verhehlen wir uns\nnicht die nothwendige Unvollständigkeit seiner Resultate.\nIn dramatischer Hinsicht ist es Ander allerdings gelun-\ngen, sich in staunenswerther Weise zu höheren Wirkun-\n*) Ein Rückblick auf die Künstler-Laufbahn des verstorbenen\nAloys Ander in den wiener „Recensionen\" spricht so manche\nkritische Grundsätze aus, die nicht nur für den Sänger, sondern\nauch für alle diejenigen, die den Sänger heutzutage beurtheilen und\nmeist verderben, zu beherzigen sind, dass wir zu weiterer Verbrei-\ntung derselben um so lieber beitragen, als uns selbst oft, und nicht\nbloss von Dilettanten, die Geltendmachung zu strenger Forderangen\nan die dargebotenen Gesangsleistungen in Concerten und auf der\nBühne vorgeworfen wird. Die Redaction.\ngen, zur künstlerischen Beherrschung seines Stoffes aufzu-\nschwingen, in der höheren Ausbildung des Gesangs-Vor-\ntrages dagegen ist er zeitlebens zurückgeblieben.\nWas man gemeinhin „musicalisch sein\" nennt, das\nbesass Ander unzweifelhaft. Wir meinen jene solide mu-\nsicalische Unterlage, die fast jeder deutsche oder böhmi-\nsche Schullehrers-Sohn von der Natur und vom Herrn\nVater mitbekommt: reine Intonation, sicheres Treffen,\nTact und Tempofestigkeit, musicalisches Gedächtniss. Nie-\nmand wird sich erinnern, dass Ander je gefehlt hätte;\ndass es ihm schwer werde, eine Partie auswendig zu ler-\nnen, klagte er nur vor zwei Jahren bei dem unglücklichen\nVersuche, den Wagner'schen Tristan einzustudiren, und\nso sehr war man von seiner eminenten musicalischen Be-\ngriffsfähigkeit überzeugt, dass man der Unverdaulichkeit\nder Wagner'schen Musik unbedingt alle Schuld zuschrieb,\nwährend wohl auch dfe ersten Spuren der verheerenden\nGeistesstörung ihren Theil daran haben mochten.\nDiese musicalische Unterlage, so nothwendig sie ist,\ngenügt aber nicht, wo es sich um so viel Wichtigeres, um\nStimme, Stimmbildung und Vortrag handelt.\nEs ist notorisch, dass Ander keinen, oder zum min-\ndesten keinen zweckmässigen Gesang-Unterricht genossen\nhat. Was er als Sänger leistete, verdankte er vielleicht\neinigen vereinzelten fruchtbringenden Winken erfahrener\nKunstgenüssen, sicher aber grösstenteils sich selbst, dem\neigenen, ungemein regen Vorwärlsstreben; was ihm fehlte,\nhätte aber nur ein mehrjähriger, regelrechter, gediegener\nUnterricht ihm geben können. Zu dem Mangel eines sol-\nchen gesellte sich noch die Gefahr der frühzeitigen Bethei-\nligung am Männer-Gesangvereine, dessen eventuelle ge-\nsellige Vortheile den unwiderbringlichen Schaden des hohen\nChorsingens und der Vocal-Quartelt-Productionen nicht\naufwiegen. Wie viele Tenoristen gibt es nicht in Wien,\ndie als Gesang-Vereinler ihrer ursprünglich gesunden\nStimme die höchsten Töne gewaltsam entringen und als\nfetirte Quartettsänger oder im Vortrage Proch'scher Lie-\nder die grosse und kleine Gevatterschaft in den siebenten\nHimmel versetzen,— die aber nicht im Stande sind, einen\nTon ohne Tremolo auszuhalten, geschweige eine ordent-\nliche Scala zu singen. Ander scheint das zum Theil auch\nerprobt zu haben und kam sagen wir es offen zum\nTheil schon verbildet auf die Bühne.\nEs zeigte sich dieses sofort am Stimm-Ansatz: die\nTöne quollen nicht frei und leicht aus der Brust, es waren\nzumeist gedrückte Gaumentöne, die mit Beigabe eines\nHauchlautes emittirt wurden und denen seine Neigung,\nbeim Singen die Zähne zusammenzupressen, einen Anstrich\nvon Härte gab, dem sich auch ein öfteres krankhaftes\nZittern beigesellte. Fachmänner wissen, wie sehr durch\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "60", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650225-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5407, "texte": "eine zur zweiten Natur gewordene falsche Stimm-Emission\nnicht nur die Schönheit, sondern auch die Gesundheit der\nStimme leidet. Bei schlechtem Ansätze singt sich's noch\neinmal so schwer, um so schwerer, wenn das Organ, wie\nbei Ander, ohnehin nicht zu den ausdauerndsten gehört.\nEs war daher kein Wunder, dass der überdies sehr ner-\nvöse Künstler stets mit sichtbarer Anstrengung (so dass\nman ihm die Halsadern förmlich anschwellen sah) seinem\nBerufe nachkam, zeitweise durch Hals-Affectionen und\nNervosität von demselben entfernt, dann wieder mit ver-\ndoppelter, unnatürlicher Anspannung zu demselben zu-\nrückkehrend.\nEine schöne, reine Vocalisation war unter solchen\nVorbedingungen schwer möglich und auch wirklich nicht\nvorhanden, die klare Abstufung von einem Tone zum an-\nderen wesentlich erschwert. Von Läufen und Trillern\n• _ _\nsehen wir ganz ab, derlei Lappalien verlangt unser aufge-\nklärtes Publicum von keinem „dramatischen\" Sänger\nmehr; aber Ander konnte factisch keine vier Noten schnell\nund gleichmässig hinter einander singen, ein Mordent hatte\nfür ihn seine bedeutenden Schwierigkeiten, und obwohl\ner im getragenen Gesänge durch sinnigen und feurigen\ndramatischen Ausdruck glänzte, war doch auch hier seine\nGesanges-Technik eine mangelhafte. Im Portamento z. 8.,\nstatt jenes schmelzenden Ueberganges von einem Tone zu\neinem anderen, weiterliegenden (in der Sext z. B.), den\nman mit einer schönen Wölbung von einem Ufer zum an-\nderen vergleichen könnte, gewöhnte er sich (und,das Pu-\nblicum) —da seine Stimme nicht weich, sein Ansatz nicht\nsicher genug war an jenes hässliche Hinübergleiten mit\nder fast chromatischen Berührung der Zwischentöne. Auch\nliess er sich in der Cantilene durch sein überströmendes\nGefühl zu Willkürlichkeiten der Betonung und Rhythmi-\nsirung verleiten Betonung der unwichtigen Note, statt\nder Hauptnote eines Tactes, Vorwegnahme des erst im\nnächsten Tacte kommenden Tones, Verschleppung der\nZeitmaasse u. dgl. m. —, die von einem Laien-Publicum\nan seinem Lieblingssänger, der es durch wahrhaft poeti-\nsche Leistungen entzückt, selbstverständlich nicht geahn-\ndet, oft kaum bemerkt werden, die jedoch einer gerech-\nten, fachkundigen Kritik nicht gestatten, das, was entwe-\nder eine Lücke oder eine Ausschreitung bildet, gutzu-\nheissen.\nZu diesen Mängeln rein musicalischer Gattung gesellte\nsich auch noch eine Aussprache, die nach zwei Seiten hin\nstörend wirkte, denn sie war erstens von nationalen An-\nklängen wesentlich getrübt (Ander war ein Mährener),\nund zweitens war unseres Künstlers Wort-Eintheilung\nmitunter auffallend fehlerhaft, so bei allen Diphthongen,\nwelche er im Singen gewaltsam zu trennen pflegte, wenn\nsie unter zwei oder mehrere Noten zu stehen kamen, z. ß.\ndas Wort „allein\" theilte er: „alla in\", oder sprach gar\nwie im „Lohengrin\" statt „Land und Leut'\": „Land und\nLa—it\" u. dgl. m. Dass seine Prosa demgemäss auch\nnicht eben viel erfreulicher war, als die seiner Collegen\nböhmischer oder wiener Abkunlt, braucht kaum hinzuge-\nfügt zu werden; doch traten solche Fehler schon an und\nfür sich nicht so bedeutend hervor und wurden nament-\nlich durch sein intelligent durchdachtes Spiel, durch die\nWärme seiner Darstellung in den Hintergrund gedrängt.\nIn d er That gelangen wir auch, wenn wir uns vom\nTon-Material und der Gesanges-Technik, vom eigentlich\nmusicalischen Vortrage ab und mehr den dramatischen\nQualitäten zuwenden, zu wesentlich erfreulicheren Resul-\ntaten, die der Erinnerung an die künstlerischen Verdienste\ndes Verewigten ganz anders günstig lauten und den Ruf,\nden er sich in Wien erworben hat, erklären helfen.\nWir begegnen da vor Allem der Himmelsgabe, die\nnicht zu erkaufen und nicht zu erlernen, freilich wohl aber\nauszubilden ist: dem ursprünglichen Talente. Dieses Ta-\nlent aber hatte einen wesentlich schauspielerischen An-\nstrich. So wenig man es dem steifen Debütanten vom 22.\nOctober 1845 ansehen konnte, doch war der Schauspieler\nin ihm lebendiger und wirkungskräftiger, als der Sänger.\nWiewohl eine musicalisch sichere, war er doch keine mu-\nsicalisch feine Natur und bewährte für alles, was in die\nKategorie stilvoller Gesangs-Effecte gehörte und nach die-\nser Richtung hin Geschmack und Studium erforderte, we-\nnig Sinn, desto mehr aber für jede echt dramatische Wir-\nkung, von den äusseren Behelfen der Bühnen-Routine bis\nzu den erschütternden Aeusserungen tief innerster Erre-\ngung, von der sinnigen Einzel-Nuance bis zu der Kunst\nconsequenter Charakter-Auffassung und Durchführung.\nAnder neigte eben stets mit Vorliebe dem Heroischen\nzu und gerieth dadurch in Widerspruch mit den ihm zu\nGebote stehenden Kräften und mit den Wünschen des\nPublicums, welches ihn zumeist in sentimentalen Rollen\nzu hören liebte. Uns dünkt indess, Ander habe Recht ge-\nhabt, wenn er fand, dass der Charakter seiner Stimme\n(leider nicht auch ihre Kraft) und die Eigentümlichkeit\nseines Talentes ihn auf das Heldenhafte hinweise. Ist denn\nnicht seine unbestritten beste Rolle—Meyerbeer's Johann\nvon Leyden eine Heldengestalt? Das war die Schöpfung,\ndie ihm das Ruhmesthor geöffnet, diejenige, die ihn mit\nEinem Ruck als anerkannt ersten Sänger hinstellte, dieje-\nnige, in welcher er die grössten, wenn auch, dem Cha-\nrakter des Tonwerkes entsprechend, vielfach nur äusser-\nlichen Wirkungen erzielte. Aufgaben einfacherer, aber\nschwierigerer und würdigerer Art waren Mozart's Titus,\nGluck's Pylades, Beethoven's Florestan und Wagner's Lo-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "61", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650225-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2029, "texte": "hengrin, vier Gestalten, welchen Ander durch wahrhaft\nkünstlerische Selbstverläugnung gerecht zu werden ver-\nstand. Er sang sie, so gut er konnte, und spielte sie mei-\nsterhaft, mit einer Ruhe, die ihm sonst nicht eigen war,\nmit einer Weihe, welche mit der Grösse der Aufgabe wuchs.\nAloys Ander hat sich über die Wechselfälle der\nKünstler-Laufbahn nicht zu beklagen gehabt; die allge-\nmeine Gunst und die besondere der Frauen obendrein\nstand fest zu ihm bis über's Ende seiner Laufbahn,\nbis an sein Lebensende. Dafür hatte der Arme freilich\nmitten im Vollbewusstsein dieses Glückes wenig ruhige\nAugenblicke; denn was ihm die nervöse Erregtheit seines\nTemperamentes an Sammlung und Heiterkeit vergönnte,\ndas raubte ihm Krankheit und Verfall der besten Kräfte\nin der Blüthe seiner Jahre, so dass er eigentlich zeitlebens,\nzwischen eingebildeten und wirklichen Leiden schwankend,\nnur bestrebt war, Beides zu bannen oder zu verläugnen.\nDas Publicum stand in den letzten Jahren ihm gegenüber\nO ö\nwie ein treuer Freund am theuren Krankenbette, und auch\nfür die Kritik war es Gewissenspllicht, die Abnahme der\nKräfte des trefflichen Künstlers nur schonend zu berüh-\nren. Zwei Momente sind es vor Allem, wo nach unserer\nMeinung die volle, ganze kritische Wahrheit noth thut\nund dem Kritiker zur absoluten Pflicht wird: der Moment\nder höchsten Blüthe eines Künstlers und die Zeit der\nSammlung nach seinem Tode. Dem Werdenden, wie dem\nHerabkommenden ist die Kritik immerhin eine gewisse\nRücksicht schuldig, um ja nicht durch Voreiligkeit zurück-\nzuschrecken oder durch unnützes Bereden des Unabänder-\nlichen wehe zu thun. Der höcbstgefeierte Künstler hinge-\ngen ist wie ein Monarch unter Schmeichlern und Krie-\nchern, und zugleich wie ein Volkstribun unter dem Gejohle\nder Menge: ihm thut die Wahrheit noth, auch wenn er\nsie nicht liebt; und dem Dahingeschiedenen schulden wir\nsie um seines öffentlichen Wirkens willen, eingedenk vor\nAllem der Grundsätze, die wir zur Beurtheilung eines\nOpernsängers ersten Ranges für maassgebend erachten."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-02-25-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-02-25_01#c004", "volume": "bmtnabi_1865-02-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "61", "page_fin": "62", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650225-01.2.4", "titre_corps": "Aus Detmold.", "titre_sommaire": "Aus Detmold.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "61", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650225-01.1.5", "debut_caractere": 2031, "fin_caractere_exclue": 5227, "texte": "Aus Detmold.\nDen 15. Februar 1865.\nNachdem die Reihe unserer Orchester-Concerte für\ndiesen Winter geschlossen ist, gestatten Sie mir wohl\neinen kurzen Rückblick auf die uns dargebotenen Genüsse.\nSeit langen Jahren waren wir gewohnt, von der fürst-\nlichen Hofcapelle in den ersten Wintermonaten eine An-\nzahl Concerte (in der Regel zwölf) vorgeführt zu sehen,\nin denen vorzugsweise Sinfonieen, Ouvertüren und Vor-\nträge für einzelne Orchester-Instrumente das Programm\nbildeten. In diese Concerte, denen man den Vorwurf der\nEinförmigkeit mit Recht machte, ist, seitdem die Leitung\ndes Orchesters dem Capellmeister Bargheer übertragen\nist, mehr Abwechslung, mehr Leben gekommen. Gesang-\nVorträge wechseln jetzt mit Instrumentalmusik, auch Cia-\nvier- Concerte werden uns mitunter geboten; statt der an-\nerkennungswerthen, aber langweiligen Leistung eines\nersten Hötisten, Oboisten oder gar Fagottisten werden\nuns Compositionen für mehrere Instrumente, Sextette,\nOdette u. s. w. oder einzelne Instrumentalsätze für ganzes\nOrchester vorgeführt. Dabei hat der Capellmeister Barg-\nheer das ernste Streben, nur gute Musik dem Publicum\nzu bieten; bei dem alten Classischen wird auch das Neue\nnicht vergessen, und durch geschmackvolle Auswahl des\nProgramms weiss er das Concert stets zu einem interessan-\nten zu machen. Vor Allem müssen wir ihm aber das Lob\nertheilen, dass die Ausführung der Musikstücke eine\ndurchweg gute und der Sache würdige ist. Unser Orche-\nster, augenblicklich 42 Mitglieder, hat sich an den neuen\nDirigenten mit Liebe angeschlossen und sich gewöhnt,\nauch dem leisesten Winke zu folgen. Wenn Bargheer\nauch dasselbe als ein gut geschultes von seinem Vorgänger\nüberkommen hat, so kann man doch einen Fortschritt in\nzweierlei Beziehungen nicht verkeimen; unser Orchester\nhat sich unstreitig vervollkommnet im leinen Nuanciren,\ndas Piano ist jetzt schön und ebenmässig; dann aber wird\ndem Detail, der correcten Wiedergabe einzelner schwie-\nriger Stellen ungleich mehr Aufmerksamkeit gewidmet,\nwie früher; so erinnern wir uns, die Hörner in dem Scherzo\nder Eroica,so wie die Contrabässe in dem Scherzo der\nO-moll-Sinlonie von Beethoven noch nicht so rein und\nschön gehört zu haben, wie in diesem Winter.\nWas nun die Programme selbst betrifft, so hörten\nwir ausser den eben gedachten Sinfonieen die A-dur-,\ndie F-dur-und die Pastoral-Sinfonie von Beethoven, die\nZ?-ö?ttr-Sinfonie von Schumann, die D-dur-Sinfonie (eigent-\nlich Serenade und hier auch Serenade genannt) von Mo-\nzart, die Z?-efcr-Sinfonie von Haydn; zum ersten Male\nwurde die leider unvollendete zweite Sinfonie von Norbert\nBurgmüller und eine kurze, aber prächtige Sinfonie (. D-\ndur) von Cherubini ausgeführt, und von neueren Werken\nhörten wir die interessante zweite Suite von\nLachner, die frische Sinfonie in A-dur von Reinecke und\nReinthaler's Sinfonie in D-dur. Letztere hat hier sehr an-\ngesprochen, und es ist in der That zu verwundern, dass\ndiese Sinfonie bei dem doch wahrlich nicht zu grossen\nUeberflusse an guter neuer Musik nicht mehr auf den\nProgrammen unserer Concert-Institute sich findet. Sie\nzeichnet sich aus durch eine Fülle frischer, ansprechender\nMotive, geschickte Verarbeitung und glänzende Instrumen-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650225-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3185, "texte": "Tation, und wenn der Componist sich sollte entschliessen\nkönnen, einige Längen, namentlich im letzten Satze, zu\nändern, so würde der Effect gewiss noch erhöht werden.\nVon grösseren Orchestersachen hörten wir ferner: La\nreine Mab aus der Sinfonie Romeo und Julie von H. Ber-\nlioz, die Prometheus-Musik von Beethoven (zum ersten\nMale vollständig) und die zweite Serenade von Brahms.\nLetztere zeugt wieder von dem gediegenen, ernsten Stre-\nben des tüchtigen Meisters, aber für das grosse Publicum\nschreibt Brahms nicht; seine Musik ist zu streng, so gar\nnicht einschmeichelnd, zu wenig melodieenreich, als dass\nsie zumal bei der ersten Vorführung sich Erfolg er-\nringen könnte.\nIn den Ouvertüren waren vertreten: Beethoven (König\nStephan, C-durOp. 115, Leonore Nr. 3, Coriolan), Men-\ndelssohn (Paulus, Melusine, Athalia, Ruy-Blas, Sommer-\nnachtstraum), Cherubini (Abencerragen, Anakreon, Was-\nserträger), Catel (Semiramis), Hiller (Concert-Ouverture),\nGade (Im Hochland), Weber (Euryanthe und Freischütz)\nund Mozart (Zauberflöte).\nAn Solo-Vorträgen waren es vorzugsweise Violin-Con-\ncerte, welche uns dargeboten wurden; hier müssen wir\nvor Allen unseres Capellmeisters Bargheer erwähnen,\nder in dem D-moll-Concerte von Molique, dem\nConcerte von Spohr, dem Mendelssohn'schen Concerte\nwiederum durch gediegenes Spiel und warmen, ausdrucks-\nvollen Vortrag entzückte; neuerer Zeit hat der wackere\nKünstler mehrfach Gelegenheit gehabt, auch ausserhalb\nseiner Heimat, namentlich in Holland, sich bekannt zu\nmachen, und dass er in kurzer Zeit bereits zum dritten\nMale einer ehrenvollen Einladung nach dort Folge leistet,\nzeigt, dass auch dort sein Talent Anerkennung gefunden\nhat. Neben ihm hat sich der Vorspieler bei der ersten\nGeige, Kammermusicus Schulz, durch Vorführung der\nGesangsscene von Spohr und des Concertes in von\nMolique wiederum als strebsamen, fleissigen Künstler be-\nwährt, und eben so haben der Kammermusicus Schmidt\n(Violoncell) und der Kammermusicus Cordes (Horn) von\nNeuem gerechte Anerkennung bei ihren Vorträgen ge-\nfunden. Die vocale Partie in den ersteren Concerten\nhatte die zufällig hier in ihrer Vaterstadt anwesende Fräu-\nlein Steinhagen, Schülerin des Professors Stern in Ber-\nlin, übernommen, welche sich durch ihre frische, anspre-\nchende Stimme und treffliche Schule reichen Beifall er-\nwarb. Später hatten wir die Freude, eine geschätzte Di-\nlettantin nach langer Unterbrechung an den Concert-\nAbenden wieder zu begrüssen, welche uns schon oft mit\ndem seelenvollen Vortrage Schubert'scher und Beethoven'-\nscher Lieder entzückte. Clavier-Vorträge endlich brach-\nten uns die letzten Concerte. Frau Musik-Director Hahn\naus Bielefeld trug mit vollendeter Technik und vielem\nFeuer das Concertstück von Weber vor und fand gerech-\nten Beifall; vor Allem war es aber das im letzten Concerte\nauftretende Fräulein von Asten aus Wien, welches im\nC-dur-Concerte von Beethoven und kleineren Stücken\ndurch ihren weichen Ton und ihr ausdrucksvolles Spiel\ndas Publicum enthusiasmirte und namentlich in dem klei-\nnen, schwärmerischen Tonstücke von Schumann: „Des\nAbends\", an die Meisterin erinnerte, welche letzteres an\nderselben Stelle vor einigen Jahren uns vorgeführt hatte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-02-25-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-02-25_01#c005", "volume": "bmtnabi_1865-02-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "62", "page_fin": "63", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650225-01.2.5", "titre_corps": "Aus Leipzig.", "titre_sommaire": "Aus Leipzig.", "signature_source": "O. P", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650225-01.1.6", "debut_caractere": 3187, "fin_caractere_exclue": 5077, "texte": "Aus Leipzig.\n\nDen 15. Februar 1865.\nDer Universitäts-Gesangverein der Pauliner\nmuss sicherlich zu den Zierden unserer Universität ge-\nrechnet werden, da es in Wahrheit ein hoch anzuerken-\nnendes Bestreben ist, wenn Studenten neben ihren den\nVerstand bildenden Fachstudien die herzveredelnde Ton-\nkunst mit solcher Liebe hegen und pflegen, wie dieselbe\nstets bei den öffentlichen Vorträgen des genannten Vereins\nwahrgenommen werden kann. Und diese Liebe zur herr-\nliehen Kunst, welche von dem trefflichen akademischen\nMusik-Director Herrn Dr. Langer durch Hinlenken des\nfreien Studentensinnes auf edle Tonschöpfungen immer\ngenährt und geläutert worden ist, hat denn auch den\nVerein auf eine Stufe des Könnens geführt, auf welcher\ner einen Vergleich mit den besten Männer-Gesangvereinen\nunseres deutschen Vaterlandes wohl auszuhalten im Stande\nsein dürfte. So zeigten denn auch in dem gestrigen Con-\ncerte die Pauliner alle vortrefflichen Eigenschaften, welche\neinen wirklich künstlerisch gebildeten Männerchor über\ndie Masse derartiger Corporationen herausheben, indem\nman sich an reiner Intonation, an prächtiger Tonbildung\nim Forte und Piano, an Sicherheit im Einsetzen der ein-\nzelnen Stimmen, an Gleichmässigkeit des Ensembles beim\nCrescendo und Decrescendo und an deutlicher, vertänd-\nnissvoller Text-Aussprache im Ganzen recht erfreuen\nkonnte.\nDas Programm enthielt nur Männerchöre lebender\nComponisten, wogegen man in früheren Concerten häufi-\nger nach historischen Gesichtspunkten die Zusammenstel-\nlung der Tonslücke ordnete und somit auch den grossen\nMeistern Weber, Mendelssohn, Schumann u. s. w. den\nTribut der Hochachtung bereits öffentlich dargebracht hat.\nWir sind nun ganz damit einverstanden, dass man jetzt\nauch den Tonkünstlern der Gegenwart ihr gutes Recht\nangedeihen lässt, wenn damit das künstlerische Interesse\nnicht beeinträchtigt wird. Gern gestehen wir, dass in dem"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "63", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650225-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2768, "texte": "heutigen Concerte alle Ansprüche befriedigt wurden, die\nman überhaupt an ein Männer-Concert-Programm machen\nkann. Ganz besonders aber freuen wir uns, einmal einem\nWerke wieder begegnet zu sein, welches in der Männer-\ngesang-Literatur rundweg als ein epochemachendes be-\nzeichnet werden muss. Das Werk führt den Titel: „Sce-\nnen aus der Frithjof-Sage, für Solostimmen, Männerchor\nund Orchester componirt von Max Bruch\", und dasselbe\ngelangte heute unter trefflicher Direction des Componisten\nin der Weise zur Aufführung, dass nach jeder der sechs\nScenen, aus denen das Werk besteht, der rauschendste\nBeifall der zahlreichen Zuhörerschaft ertönte. Eine Ana-\nlyse dieser genialen Compositionen zu geben, würde hier zu\nweit führen, und wir können nur im Allgemeinen ange-\nben, dass dieselbe eine eben so selbständige Erfindung,\nwie das eingehende Studium unserer früheren Meister von\nSeiten ihres Schöpfers bekundet. Die Instrumentation ver-\ndient neben dem trefflichen Tonsatze noch besonders her-\nvorgehoben zu werden, und in diesem Punkte scheint\nHerr Max Bruch auch von Meyerbeer viel gelernt zu ha-\nben. Wie schon gesagt, war die Ausführung vorzüglich,\nzu deren Gelingen der mit grosser, voller Stimme und\ntüchtiger Gesangs-Technik ausgerüstete Baritonist Herr\nStaegemann (als Frithjof), ferner die sehr glücklich dis-\nponirte Sopranistin Frau Thelen (als Ingeborg) vom hie-\nsigen Stadttheater und endlich der im schönen Solo-Quar-\ntett der vierten Scene excellirende Tenorist Herr Wie-\ndemann (Mitglied des Vereins) nicht wenig beitrugen.\nGenannte Solisten verdienten in Wahrheit all den Dank,\nwelcher ihnen in reichem Maasse vom Publicum gespen-\ndet wurde.\nVon den übrigen Nummern bemerken wir in Kürze,\ndass der Lachner'sche Psalm allzu stark instrumentirt er-\nschien und dass „Mei Maidle\" (Volkslied, gesetzt von E.\nSilcher) den Preis davontrug, indem es wiederholt werden\nmusste. Auch Reinecke's „Waldlied\" und Schubert's\n„Nachthelle\", worin sich wiederum Herr Wiedemann als\nSolo-Tenor rühmlichst auszeichnete, fanden wohlverdiente\nAnerkennung. Am wenigsten sagte uns „Reutti im Win-\nkel\" von Vincenz Lachner zu, hingegen war „Wan-\nderers Nachtlied\", componirt von E. Nessler, als sehr an-\nständige Arbeit eines jungen, strebsamen Componisten zu\nbegrüssen.\nZum Schlüsse sei noch Herrn Staegemann für die\nköstliche Wiedergabe einer Arie aus Haydn's „Schöpfung\"\nbesonderer Dank ausgesprochen, an den sich die rühmende\nHervorhebung von Fräulein J. Hering's Pianolorte-Vor-\ntrag anreihen möge, welche Künstlerin zwar noch mit ein\nwenig Unruhe, aber doch mit Geist und ausgebildeter\nClavier-Technik Romanze und Rondo aus dem\nConcerte von Chopin zu Gehör brachte, wonach auch ihr\ndas animirte Publicum den schuldigen Dank durch Applaus\nund Hervorruf darbrachte.\n\n0. P."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-02-25-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-02-25_01#c006", "volume": "bmtnabi_1865-02-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "63", "page_fin": "64", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650225-01.2.6", "titre_corps": "Achtes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller.", "titre_sommaire": "Achtes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "63", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650225-01.1.7", "debut_caractere": 2770, "fin_caractere_exclue": 6013, "texte": "Achtes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller.\nDinstag, den 21. Februar 1865.\nProgramm. I. 1. Sinfonie von J. Haydn. 2. Rondo für So-\npran mit obligater Violine aus der Oper „II re pastoreu von Mo-\nzart (Fräulein Pauline Wiesemann). 3. Sonate für zwei Cla-\nviere von Mozart (Frau Schumann und Herr F. Hill er). 4.\nLieder von F. Schubert und Beethoven (Fräul. Wiese mann).\n5. „Frühlingsbotschaft* für Chor und Orchester von Gade.\n6. Notturno in G-moll von Chopin Scherzo capriccioso in Fis-\nmoll von Mendelssohn (Frau Schumann).\n11. 7. „O, weint um sie!\" für Solo-Sopran (Fräulein Wiese-\nmann), Chor und Orchester von F. Hiller. 8. Sinfonie in D-moll\nvon Robert Schumann.\nWir freuten uns sehr, einer der anmuthigsten Sinfonieen von\nHaydn einmal wieder zu begegnen, mithin einem rein musicalischen\nGenüsse durch eines von jenen Werken aus der guten alten Zeit,\ndie nichts wollen, als Musik, aber diese dann auch mit so reicher\nFülle ansprechender Melodieen von heiterer wie herzinniger Art, mit\neinem solchen Flusse thematischer Consequenz und selbst im con-\ntrapunktischen Gewebe mit so durchsichtiger Klarheit dem Publi-\ncum zu hören geben, dass aus jedem Satze ein Genie hervorleuch-\ntet, das in der besonderen Kunst, für die es geschaffen, auch alle\nliülfsquellen für die vollkommensten Gebilde derselben findet und\nnicht auswärts betteln zu gehen braucht, um sich durch Programme\nzu begeistern.\nVon Mozart aber, dem zweiten Heros der neueren Instrumental-\nMusik, hatten wir einer angemesseneren Vertretung entgegengesehen,\nals durch die Sonate für zwei Claviere. Es hatte sich das Gerücht\nverbreitet, dass wir bei Anwesenheit der Frau Schumann das Con-\ncert in JSs-dur für zwei Claviere von Mozart durch sie und Capell-\nmeister Hill er mit Orchester-Begleitung ausgeführt hören würden,\nund auf diesen seltenen Genuss war Alles aufs freudigste gespannt.\nStatt dessen traten die beiden Celebritäten etwas gar zu bescheiden\nmit einer Sonate auf, welche, von Mozart selbst höchst wahrschein-\nlich auf Veranlassung von Dilettanten und für solche geschrieben,\nmehr in eine Matinee oder in einen häuslichen Musik-Abend passt,\nals in ein Gürzenich-Concert. Bei Meister-Vorträgen darf der Name\ndes Componisten allein nicht maassgebend sein, sondern auch Gat-\ntung, Form und Umfang des vorzutragenden Stückes; hier gilt\n„Noblesse obligeuy und ein Concert für zwei Flügel mit eingelegten\nCadenzen würde diesem Spruche gerecht geworden sein, nicht aber\neine Sonate und ein paar kleinere Stücke, wenn auch noch so vir-\ntuos gespielt, wie dies namentlich bei dem Scherzo capriccioso von\nMendelssohn der Fall war.\nLieder mit Orchester gehören mehr oder weniger ins Gebiet der\nArie und finden darin die Rechtfertigung ihrer Zulassung, zumal,\nwenn sie schön und künstlerisch befriedigend gesungen werden, wie\nFräulein Pauline Wiesemann namentlich das Lied von F. Schu-\nbert: ~Des Mädchens Klage\", mit Instrumentirung von Hiller vor-\ntrug und dafür rauschenden Applaus und Hervorruf mit Recht\närntete. Auch Klärchens „Freudvoll und leidvoll\" von Beethoven,\nobwohl eine schwierige Aufgabe, gelang trotzdem ganz gut bis aut\neine unbedeutende Kleinigkeit, während die Arie von Mozart aus"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650225-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1715, "texte": "der Oper „JZ re pastoreu bei ihrem einfachen Stile wohl nur durch\nganz ausserordentliche Eigenschaften des Vortrages, wie sie Jenny\nLind auf dem letzten Musikfeste in Düsseldorf entwickelte und auch\nnur sie dieselben entwickeln kann, eine grosse Wirkung machen\ndürfte.\nDie zweite Abtheilung des Concertes brachte Hiller's „0, weint\num sie!\" aus Byron's hebräischen Gesängen, jene schöne Compo-\nsition, die eine wahre und tiefe Empfindung eben so ergreifend in\nTönen ausdrückt, wie die Poesie in Worten. Man hört sie desshalb\nsehr gern einmal wieder. Fräulein Wiesemann trug die Sopran-\nPartie recht ausdrucksvoll vor.\nZum Schlüsse übte das Orchester ein edles Vergeltungsrecht\ngegen Frau Schumann und spielte ihr die Sinfonie in D-moll von\nRobert Schumann mit Präcision und Schwung vor. Obwohl\ndiese Sinfonie der Zeit ihrer Veröffentlichung nach die vierte\nheisst, so ist sie doch der Entstehung nach die zweite und zu der\nZeit geschrieben, als Schumann durch bewundernde Anerkennung\nvon Mendelssohn's Formvollendung die Ansicht aufgab, dass man in\nden alten Formen nichts Eigenthümliches mehr schaffen könnte,\neine Ansicht, die leider durch sein Ansehen bereits eine solche Ver-\nbreitung gefunden hatte, dass sie trotz Schumann's Umkehr noch\nheute in vielen Köpfen spukt! Der letzte Satz der D-moZ£-Sinfonie\ngibt den deutlichsten Beweis, dass es Schumann's wirkliche Ueber-\nzeugung war, als er an einen Freund schrieb: „Wenn man in freien\nFormen schaffen will, so muss man erst die gebundenen, für alle\nZeiten gültigen Formen beherrschen.\" Er hat es nicht mehr\nerlebt, wie sehr man von dieser Grundlehre abgewichen ist und ihm\nselbst einen Theil der Verantwortung für dergleichen Verirrungen\nhat aufbürden wollen !"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-02-25-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-02-25_01#c007", "volume": "bmtnabi_1865-02-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "64", "page_fin": "64", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650225-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650225-01.1.8", "debut_caractere": 1717, "fin_caractere_exclue": 6706, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nf Aachen, 22. Februar. In der gestrigen Sitzung der Stadt-\nverordneten ist Herr Ferdinand Breunung, Lehrer am Conser-\nvatorium und Dirigent des städtischen Singvereins und des Orche-\nsters der musicalischen Gesellschaft in Köln, zum städtischen Ga-\npellmeister hierselbst ernannt worden. Herr Breunung war von dem\nComite der Sachverständigen mit 11 Stimmen von 12 zu dieser\nStelle gewählt und in Vorschlag gebracht worden. Seinem Vorgän-\nger, dem nach München berufenen Herrn Franz Wüllner, der\nam 16. d. Mts. in dem Concerte, das er zum letzten Male dirigirte,\nBeethoven s fünfte Sinfonie und dessen grosse Missa solemnis aufs\nglänzendste aufführte, wurden sowohl in dem Concerte vom Chor-\nund Orchester-Personale und Publicum, als nach demselben bei\neinem Abschiedsmahle die ehrenvollsten Ovationen und die autrich-\ntigsten Zeichen von Anerkennung und Dankbarkeit für seine Wirk-\nsamkeit und Förderung der Musikzustände in der Stadt Aachen\ndurch die Rede des ersten Beigeordneten Herrn v. Pranghe und die\nAnsprachen und Toaste anderer Theilnehmer zu Theil.\n** lieipzig; 22. Februar. Die „Fr it hj of-S agew von Max\nBruch hat durch die Aufführung des Pauliner-Vereins einen so\nausgezeichneten Erfolg gehabt, dass sie das beinahe Unerhörte, eine\nvollständige Uebereinstimmung aller hiesigen Blätter» mögen sie\nder Zukunfts- oder Vergangenheits-Richtung angehören, in der gün-\nstigsten Beurtheilung erreicht hat. Die Gewandhaus-Direction\nhat beschlossen, das Werk in ihrem Concerte für die Armen am 2.\nMärz aufzuführen, und hat den Componisten zur Direction desselben\neingeladen. Dessgleichen hat der akademische Gesangverein\nzu Wien dasselbe Werk für das Concert zur Feier der vor 500\nJahren geschehenen Gründung der Universität zur Aufführung im\ngrossen Redoutensaale am 25. März gewählt. Frau Du st mann\nwird die Partie der Ingeborg singen, der Chor aus 220 Sängern be-\nstehen und das Orchester dasjenige des Hof-Operntheaters am\nKärnthner-Thore sein'. Herr Bruch wird auch diese Aufführung\nselbst dirigiren.\n* Karlsruhe, 15. Februar. Im ersten Abonnements-\nConcerte der grossherzoglichen Hof-Kirchenmusik hörten wir\nin der Schlosskirche: Phantasie und Fuge (G-moll) für die Orgel\nvon J. S. Bach; Sicut cervus von Palestrina; Christus factus\neet von Anerio; Sopran-Arie mit Violoncello von J. S. Bach\n(Frau Braunhofer); achtstimmiges Crucißxus von Lotti; Tenor-\nArie mit Chor und Orgel von Mendelssohn; Ave verum von\nMozart; Kirchen-Arie von Stradella (Herr Brandes); Orgel-\nSonate in G-moll von Mendelssohn; Sopran-Arie von Händel\n(„Er weidet seine Herde\"); Cantate von J. S. Bach: „Gottes Zeit\nist die beste Zeit\". Alle Orgel-Vorträge durch Herrn Hoforganisten\nBarn er. Von diesen Concerten finden drei im Ganzen Statt.\nAm Montag den 13. Februar gab uns der Cäcilien-Verein\neine gelungene Aufführung des „Paulus\" von Mendelssohn. Die Soli\nsangen die Hof-Opernsänger Herren Brandes und Oberhoffer\nund Mitglieder des Vereins.\nKönigsberg in Pr., 10. Februar. „Frauenliebe und Le-\nben\" klingt uns noch immer im Ohr, liegt uns noch immer im Her-\nzen. —■ So soll man eigentlich eine Kritik nicht anfangen: aber bei\naller Mühe, in dem Concerte von Frau Leopoldine Tuczek-\nHerrenburg die kritische Ruhe zu bewahren, wurde unser Gefühl\ndurch den begeisternden Vortrag der Künstlerin doch überwältigt.\nIn dem herrlichen Schum an n- Cha m isso'sehen Lieder-Cyklus\n„I? rauenliebe und Leben\" bilden acht Gesänge ein Ganzes, es folgt\nein Lied aus dem anderen, und so ist die Wirkung im Zusammen-\nhange auch eine unvergleichlich grössere, als wenn man ein einzel-\nnes der Lieder herausnimmt. Schumann hat den Cliamisso'schen\nGedichten nicht allein ein glänzendes Colorit gegeben, er hat sie\nneu geschaffen. Leise, ahnend, sehnsuchtsvoll sang Frau Tuczek\ndas erste Lied: „Seit ich ihn gesehen, glaub1 ich blind zu sein!\"\nin heller Begeisterung folgte: „Er, der Herrlichste von Allen,\" und\ndaran reihte sich in fast tropischer Gluth das prächtige: „Ich kann's\nnicht fassen, nicht glauben\". Und so ging es in entzückender Folge\nbis zu den letzten Liedern, deren Vortrag wir vielleicht am meisten\nbewundern. Unbeschreiblich fein und echt weiblich zart sang die\nKünstlerin das sechste Lied: „Süsser Freund, du blickest mich ver-\nwundert an!\" und vollends die letzte Nummer: „Nun hast du mir\nden ersten Schmerz gethan!\" erschütterte Alle. Das Concert eröff-\nnete Frau Tuczek-Herrenburg mit einer glänzenden, sehr brillanten\nArie aus nCosl fan tutteu von Mozart, bei der die bedeutende Ge-\nsanges-Virtuosität der Künstlerin zur vollen Geltung kam, und be-\nschloss es mit Liedern von Chopin, A. Jensen und dem Schubert'-\nschen Erlkönig. Die Lieder von Chopin, die hier leider fast gar\nnicht gekannt werden, sind in ihrer grossen Einfachheit sehr reizend.\nNamentlich das zweite: „Litthauisches Liedu, sprach ungewöhnlich\nan. Das künstlerische Wesen der Concertgeberin ist eine glückliche\nVerbindung von Anmuth, tiefster Empfindung mit dramatischer Le-\nbendigkeit des Ausdrucks."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "57", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650225-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nDer Deserteur. Oper in drei Acten von Ernst Musik von Ferdinand Hiller. Der Opernsänger (Rückblick auf\ndie Künstler-Laufbahn von Aloys Ander). Aus Detmold (Orchester-Concerte). Aus Leipzig (Universitäts-Gesangverein der Pau-\nliner). Achtes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unterhaltungsblatt (Aachen, Herr Ferdinand Breu-\nnung Leipzig, „Frithjof-Sageu von Max Bruch Karlsruhe, Abonnements-Concert Königsberg, Frau Tuczek-Herrenburg).\n\nDer Deserteur.\nOper in drei Acten von Ernst Pasqué. Musik von\nFerdinand Hiller.\n(Erste Aufführung den 17. Februar 1865.)\nHerr Ernst Pasque, der Verfasser des Buches der\ngenannten Oper, welcher der musicalischen Welt durch\nseine früheren Leistungen als Sänger und in den letzten\nJahren durch seine Uebersetzungen fremder Operntexte\nund sehr anerkennungswerthe Mittheilungen aus den Ar-\nchiven zu Weimar und Darmstadt über frühere Musik-\nZustände wohlbekannt ist, hat in dem Texte zum „Deser-\nteur\" in zweifacher Hinsicht einem glücklichen Gedanken\nFolge gegeben. Im Gegensatze zu den meisten Libretti\nder neueren französischen komischen Oper, welche ihre\nStoffe, sie mögen aus fernen Regionen oder vergangenen\nZeiten hervorgeholt sein oder nicht, in der Farbe der heu-\ntigen gesellschaftlichen pariser Zustände dem Publicum\nvorführen, um sie pikant zu machen, hat Pasque seinen\nStoff zwar nicht aus der deutschen Geschichte durch\nAufstellung wirklich historischer Personen, sondern aus\nden deutschen politischen und socialen Zuständen einer\ngewissen Periode genommen, und hat danach gestrebt,\nauf diesem Hintergrunde ein Stück ländlichen Lebens, in\nwelches das abscheuliche Verhandlungs-System der Lan-\ndeskinder als Söldner nach Africa und America eingreift,\naus dem vorigen Jahrhundert uns zu vergegenwärtigen.\nDass er bei dem gewählten Stoffe auf die Dichtung einer\nrein komischen Oper verzichten musste, war klar; aber\ner führte eben durch die gewählte Handlung, deren Ein-\ndruck zur grösseren Hälfte nicht bloss auf Erheiterung,\nsondern auch auf Erregung von Gefühl und Mitleid be-\nrechnet war, die moderne Spiel-Oper auf das ältere, echt\ndeutsche Singspiel zurück, und desshalb hätten wir sehr\ngewünscht, dass auch der Dialog zwischen den Musik-\nstücken beibehalten worden wäre, der in dieser Opern-\ngaltung dem deutschen Publicum mit Hecht lieb gewor-\nden und nur durch ein völliges Missverständniss dessen,\nwas zur Illusion in der Oper gehört, und durch musicali-\nsche Pedanterei verdrängt worden ist. Oder kann irgend\nJemand im Ernste glauben, dass z. B. in dem „Deserteur\"\nan den Stellen, wo die gesprochene Rede unentbehrlich\nist, das Schwirren der Violinen eine ästhetische Befriedi-\ngung gewährt?\nFerner hat den Versuch gemacht, das wirk-\nliche Volkslied wieder einzuführen, und hat dazu einige\nLieder von Schubart benutzt. Auch dieser Versuch ist\nlöblich und weist ebenfalls auf das ältere deutsche Sing-\nspiel zurück. Bei dem Abschiede der Soldaten am Schlüsse\ndes ersten Actes ist zu dem „Kaplied\" von Schubart:\n„Auf, auf, ihr Brüder, und seid stark!\" auch die Schu-\nbart'sche Melodie beibehalten worden, was einen recht\nguten Eindruck macht.\nMit alledem lassen wir also gern den Absichten des\nDichters volle Gerechtigkeit widerfahren, wollen aber nicht\nzugleich damit sagen, dass diese Absichten überall mit\nGeschick durchgeführt sind. Gar Manches ist lang gezo-\ngen, namentlich im ersten Acte, und im Verschmelzen des\nKomischen mit dem Sentimentalen ist der Verfasser nicht\nimmer glücklich gewesen, was besonders in der Rolle des\nSchulmeisters und Cantors Daniel — unter welchem er\nsich den Dichter C. F. Daniel Schubart selbst gedacht hat\n— sich zeigt, selbst wenn wir von dem Fehler in der Oeko-\nnomie des Stückes absehen, eine Nebenfigur zur Haupt-\nrolle zu machen. Während der Schulmeister im ersten\nActe als ein carnevalistischer Gratulant vor dem Braut-\nvater— dem Gemeinde-Vorsteher— und dem Brautpaare\nerscheint und seine Schuljugend in bunten Trachten einen\nChor plärren und zum Theil mit Kinder-Instrumenten be-\ngleiten lässt (der übrigens da capo gerufen wurde),\nschwärmt er im zweiten Acte für die Göttin der Freiheit\nhöchst pathetisch und behauptet, dass „aus ihrem Flam-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "58", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650225-01.1.2", "texte": "menkranze Funken (die sonst zu brennen pflegen) ihm in\ndie Seele niedergethaut sind\", belehrt uns auch, dass er\ndie Stadt verlassen und Schulmeister und Cantor gewor-\nden, „um frei zu sein\". Ei, ei, wenn das der Kirchen-\npatron und der Herr Pfarrer geahnt hätten! Trotz alle-\ndem ist freilich der Daniel die beste Figur in der ganzen\nOper, und wir wollen ihm auch die Tiraden der Freiheits-\nSehnsucht verzeihen, weil sie dem Componisten Gelegen-\nheit zu einer schwungvollen Arie gegeben haben, die auch\nHerr Lang recht gut vortrug, wie denn sein Spiel im er-\nsten Acte auch den richtigen Tact zeigte, das Romische\nnicht zu übertreiben.\nDer Inhalt des Buches ist kurz der, dass mitten in die\nVerlobungsfeier Michel's, des Sohnes des wohlhabenden\nDorfältesten, mit Liesel, einer Waise, das Schicksal in\nGestalt des hinkenden Boten tritt, einer ziemlich gelunge-\nnen, hauptsächlich durch die musicalische Charakteristik\ngehobenen komischen Figur, der den Befehl des Fürsten\nbringt, eine Anzahl junger Bursche für ein Regiment in\nAfrica auszuheben. Bald darauf erscheint auch schon der\nFeldwebel mit einem Commando Soldaten. Er fordert von\nLiesel auf offenem Markte einen Kuss; als „grober Patron\"\nabgewiesen, schwört er, sich zu rächen, und nimmt ihren\nBräutigam Michel unter die Becruten. Michel entflieht auf\ndem Rheine vom Schiffe und überrascht die trauernde\nLiesel durch seine Zurückkunft. Aber, o weh! der Feld-\nwebel ist auch schon wieder da. Liesel verbirgt den Lieb-\nsten in ihre Schlafkammer; aber als der Herr Soldat zu-\ndringlich wird, stürzt Michel hervor uitd schützt sein Mäd-\nchen. Der ingrimmige Feldwebel nimmt ihn fest, und am\nanderen Morgen soll der Deserteur erschossen werden.\nGlücklicher Weise jagt der Fürst in dem nahen Walde,\nLiesel eilt zu ihm; er ist gnädig gestimmt, weil ihm so\neben ein Erbprinz geboren, und Liesel stürzt mit dem\nPardon in der Hand glücklicher Weise auf die Scene, als\ndie Soldaten schon auf Michel anlegen und nur noch das\nCommando: „Feuer!\" fehlt. Ob bei der Katastrophe die\nältere französische Oper „Le , Musik von Mon-\nsigny, die auch in Deutschland zu ihrer Zeit sehr viel bis\nin den Anfang unseres Jahrhunderts hinein gegeben wurde,\nbenutzt sei, wissen wir nicht.\n*\nFerdinand Hiller, dem wir bisher gewohnt waren nur\nin höheren Sphären der Tonkunst zu begegnen, hat dieses\nMal den Kothurn verschmäht; jedoch bewegt er sich auf\ndem Soccus des Komos, wie wir in diesem neuesten\nWerke sehen, ebenfalls mit grossem Talente und in jener\ngeistreichen Manier, die wir aus manchen von seinen Com-\npositionen für Ciavier kennen, ja, wir möchten beinahe\nsagen, dass seine „Operette ohne Worte\" für das Piano-\nforte zu vier Händen als ein Vorspiel zu dieser Oper mit\nGesang zu betrachten sei. Da indessen das Komische in\ndem „Deserteur\", wie aus dem oben Gesagten hervor-\ngeht, nur episodisch auftritt und die eigentliche Handlung\ndes Stückes sich dem ernsteren Drama nähert, so bot sie\nauch dem Componisten Gelegenheit dar, sowohl in meh-\nreren Sologesängen als in einigen Ensembles und in den\nFinalen des ersten und zweiten Actes die Eigenschalten\ndes bewährten Meisters zu entfalten, was ihm, unserer\nMeinung nach, am glänzendsten in den grösseren Gesang-\nstücken, sowohl in Bezug auf charakteristische Zeichnung\nals auf das Colorit des Ganzer», gelungen ist. Dass dabei\ndie Behandlung der grösseren musicalischen Formen eine\nmeisterhafte ist, versteht sich bei Hiller von selbst. Aber\nauch die Musik von leichterem Gepräge, wie sie die hei-\nteren Scenen verlangen, ist in den meisten derselben, und\nvorzüglich in der hübschen, komischen Episode des zwei-\nten Actes, wo sämmtliche junge Mädchen des Ortes den\nSchulmeister um Rath fragen, wie sie es anzulangen ha-\nben, um beim Fürsten Gehör zu erlangen, voll Geist und\nanmuthiger Popularität, ohne irgendwie trivial zu werden.\nNur an einzelnen Stellen, z. B. in dem Schulkinder-Chor\nund in der Instrumentirung beim Einmärsche der Solda-\nten im ersten Acte, tritt der Realismus zu grell hervor.\nDurch melodischen Fluss zeichnen sich im dritten Acte\ndie Gesänge des Ortsältesten und Michel's aus, während\nin einigen früheren von den beiden Grund-Elementen der\nOpernmusik, Gesang und Declamation, die letztere zu sehr\ndominirt. Ein grosser Vorzug des Werkes ist es, dass die\nInspiration des Componisten im Laufe der Entwicklung\nder Handlung durchaus nicht ermattet, sondern ihm bis\nzum Schlüsse so treu bleibt, dass wir den letzten Act in\nmelodischer Hinsicht für den besten halten.\nDie Aufführung war recht gut; man sah, dass alle\ndabei Betheiligten auf der Bühne und im Orchester die\nOper mit Liebe studirt hatten. Das Haus war ganz ge-\nfüllt, und die lebhaft theilnehmende, günstige Stimmung,\nwelche das gesammte Publicum von Anlang an offenbarte,\nwar ein recht erfreuliches Zeugniss der allgemeinen Aner-\nkennung der unschätzbaren Verdienste des Componisten\num unsere musicalischen Zustände und des Verlangens\naller gebildeten Kreise der Einwohnerschalt, dem grossen\nMeister durch eine öffentliche Kundgebung zu zeigen, dass\ndie Stadt Köln stolz darauf sei, ihn den Ihrigen nennen\nzu können. Diesem Verlangen kam die Oper in gelunge-\nner Aufführung in so anregender und überzeugender\nWeise entgegen, dass selbst eine entgegengesetzte Stim-\nmung dadurch in die günstigste umgeschlagen wäre, nun\naber die vorhandene sichtbar von doppelter Freude an\ndem Werke und an dem Componisten zu enthusiastischer\nAufnahme gehoben wurde und sich durch den rauschend-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "59", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650225-01.1.3", "texte": "sten Applaus sowohl bei einzelnen Nummern und Scenen,\nals besonders nach jedem Actschlusse und am Schlüsse\ndes Ganzen durch stürmischen Hervorruf des Componisten\nund des Personals offenbarte. Der Erfolg der Oper war\nein so vollständiger, wie ihn sich die Verfasser nur wün-\nschen können.\n\nDer Opernsänger\n*).\nUnser Standpunkt bei Beurtheilung eines Opernsän-\ngers ist der Art, dass der Schwerpunkt unserer Anforde-\nrungen consequent auf den Gesangsstil zu liegen kommt.\nWir glauben damit nicht einseitig musicalisch zu urthei-\nlen, wollen uns aber vornehmlich vor der entgegengesetz-\nten Einseitigkeit, der Vorliebe für das „dramatische\"\nSängerthum, hüten. Wir halten es mit den Opernsängern\nwie mit der Oper selbst, die ohne dramatisches Element\nnicht existiren kann, ihren Schwerpunkt aber in der Mu-\nsik finden muss, und zwar speciel im Gesänge. Der Text\nist bei einer Oper gewiss eine Nothwendigkeit; wenn wir\naber etwas entbehren sollen, was Einem ja in mensch-\nlichen Dingen nur zu oft auferlegt wird, so werden wir\ndoch eine Oper ohne Text einem Texte ohne Musik (Oper\nkönnen wir wohl im ersten Falle sagen, im zweiten kann\nman es nicht einmal mehr so nennen) unbedingt vorziehen.\nEben so wünschen wir stets die Vereinigung des dramati-\nschen mit dem Gesangs-Vermögen bei dem Opernsänger;\nbleibt uns aber die Wahl, so würden wir da es sich ja hier\nnicht um gänzlichen Mangel, sondern um stärkeres Aus-\ngeprägtsein dieser oder jener Eigenschaft handelt ohne\nZaudern den vollkommenen Sänger mit gewöhnlichem\nDarstellungs-Geschick dem genialsten Schauspieler, der\nnicht singen kann, vorziehen.\nGleich so vielen Sängern der Neuzeit war auch An-\nder in vielen wesentlichen Punkten ein glücklich begabter\nNaturalist, der sich nach der musicalischen, wie nach der\ndramatischen Seite seiner Kunst selbst emporgearbeitet.\nEhren wir ein solches Streben, aber verhehlen wir uns\nnicht die nothwendige Unvollständigkeit seiner Resultate.\nIn dramatischer Hinsicht ist es Ander allerdings gelun-\ngen, sich in staunenswerther Weise zu höheren Wirkun-\n*) Ein Rückblick auf die Künstler-Laufbahn des verstorbenen\nAloys Ander in den wiener „Recensionen\" spricht so manche\nkritische Grundsätze aus, die nicht nur für den Sänger, sondern\nauch für alle diejenigen, die den Sänger heutzutage beurtheilen und\nmeist verderben, zu beherzigen sind, dass wir zu weiterer Verbrei-\ntung derselben um so lieber beitragen, als uns selbst oft, und nicht\nbloss von Dilettanten, die Geltendmachung zu strenger Forderangen\nan die dargebotenen Gesangsleistungen in Concerten und auf der\nBühne vorgeworfen wird. Die Redaction.\ngen, zur künstlerischen Beherrschung seines Stoffes aufzu-\nschwingen, in der höheren Ausbildung des Gesangs-Vor-\ntrages dagegen ist er zeitlebens zurückgeblieben.\nWas man gemeinhin „musicalisch sein\" nennt, das\nbesass Ander unzweifelhaft. Wir meinen jene solide mu-\nsicalische Unterlage, die fast jeder deutsche oder böhmi-\nsche Schullehrers-Sohn von der Natur und vom Herrn\nVater mitbekommt: reine Intonation, sicheres Treffen,\nTact und Tempofestigkeit, musicalisches Gedächtniss. Nie-\nmand wird sich erinnern, dass Ander je gefehlt hätte;\ndass es ihm schwer werde, eine Partie auswendig zu ler-\nnen, klagte er nur vor zwei Jahren bei dem unglücklichen\nVersuche, den Wagner'schen Tristan einzustudiren, und\nso sehr war man von seiner eminenten musicalischen Be-\ngriffsfähigkeit überzeugt, dass man der Unverdaulichkeit\nder Wagner'schen Musik unbedingt alle Schuld zuschrieb,\nwährend wohl auch dfe ersten Spuren der verheerenden\nGeistesstörung ihren Theil daran haben mochten.\nDiese musicalische Unterlage, so nothwendig sie ist,\ngenügt aber nicht, wo es sich um so viel Wichtigeres, um\nStimme, Stimmbildung und Vortrag handelt.\nEs ist notorisch, dass Ander keinen, oder zum min-\ndesten keinen zweckmässigen Gesang-Unterricht genossen\nhat. Was er als Sänger leistete, verdankte er vielleicht\neinigen vereinzelten fruchtbringenden Winken erfahrener\nKunstgenüssen, sicher aber grösstenteils sich selbst, dem\neigenen, ungemein regen Vorwärlsstreben; was ihm fehlte,\nhätte aber nur ein mehrjähriger, regelrechter, gediegener\nUnterricht ihm geben können. Zu dem Mangel eines sol-\nchen gesellte sich noch die Gefahr der frühzeitigen Bethei-\nligung am Männer-Gesangvereine, dessen eventuelle ge-\nsellige Vortheile den unwiderbringlichen Schaden des hohen\nChorsingens und der Vocal-Quartelt-Productionen nicht\naufwiegen. Wie viele Tenoristen gibt es nicht in Wien,\ndie als Gesang-Vereinler ihrer ursprünglich gesunden\nStimme die höchsten Töne gewaltsam entringen und als\nfetirte Quartettsänger oder im Vortrage Proch'scher Lie-\nder die grosse und kleine Gevatterschaft in den siebenten\nHimmel versetzen,— die aber nicht im Stande sind, einen\nTon ohne Tremolo auszuhalten, geschweige eine ordent-\nliche Scala zu singen. Ander scheint das zum Theil auch\nerprobt zu haben und kam sagen wir es offen zum\nTheil schon verbildet auf die Bühne.\nEs zeigte sich dieses sofort am Stimm-Ansatz: die\nTöne quollen nicht frei und leicht aus der Brust, es waren\nzumeist gedrückte Gaumentöne, die mit Beigabe eines\nHauchlautes emittirt wurden und denen seine Neigung,\nbeim Singen die Zähne zusammenzupressen, einen Anstrich\nvon Härte gab, dem sich auch ein öfteres krankhaftes\nZittern beigesellte. Fachmänner wissen, wie sehr durch\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "60", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650225-01.1.4", "texte": "eine zur zweiten Natur gewordene falsche Stimm-Emission\nnicht nur die Schönheit, sondern auch die Gesundheit der\nStimme leidet. Bei schlechtem Ansätze singt sich's noch\neinmal so schwer, um so schwerer, wenn das Organ, wie\nbei Ander, ohnehin nicht zu den ausdauerndsten gehört.\nEs war daher kein Wunder, dass der überdies sehr ner-\nvöse Künstler stets mit sichtbarer Anstrengung (so dass\nman ihm die Halsadern förmlich anschwellen sah) seinem\nBerufe nachkam, zeitweise durch Hals-Affectionen und\nNervosität von demselben entfernt, dann wieder mit ver-\ndoppelter, unnatürlicher Anspannung zu demselben zu-\nrückkehrend.\nEine schöne, reine Vocalisation war unter solchen\nVorbedingungen schwer möglich und auch wirklich nicht\nvorhanden, die klare Abstufung von einem Tone zum an-\nderen wesentlich erschwert. Von Läufen und Trillern\n• _ _\nsehen wir ganz ab, derlei Lappalien verlangt unser aufge-\nklärtes Publicum von keinem „dramatischen\" Sänger\nmehr; aber Ander konnte factisch keine vier Noten schnell\nund gleichmässig hinter einander singen, ein Mordent hatte\nfür ihn seine bedeutenden Schwierigkeiten, und obwohl\ner im getragenen Gesänge durch sinnigen und feurigen\ndramatischen Ausdruck glänzte, war doch auch hier seine\nGesanges-Technik eine mangelhafte. Im Portamento z. 8.,\nstatt jenes schmelzenden Ueberganges von einem Tone zu\neinem anderen, weiterliegenden (in der Sext z. B.), den\nman mit einer schönen Wölbung von einem Ufer zum an-\nderen vergleichen könnte, gewöhnte er sich (und,das Pu-\nblicum) —da seine Stimme nicht weich, sein Ansatz nicht\nsicher genug war an jenes hässliche Hinübergleiten mit\nder fast chromatischen Berührung der Zwischentöne. Auch\nliess er sich in der Cantilene durch sein überströmendes\nGefühl zu Willkürlichkeiten der Betonung und Rhythmi-\nsirung verleiten Betonung der unwichtigen Note, statt\nder Hauptnote eines Tactes, Vorwegnahme des erst im\nnächsten Tacte kommenden Tones, Verschleppung der\nZeitmaasse u. dgl. m. —, die von einem Laien-Publicum\nan seinem Lieblingssänger, der es durch wahrhaft poeti-\nsche Leistungen entzückt, selbstverständlich nicht geahn-\ndet, oft kaum bemerkt werden, die jedoch einer gerech-\nten, fachkundigen Kritik nicht gestatten, das, was entwe-\nder eine Lücke oder eine Ausschreitung bildet, gutzu-\nheissen.\nZu diesen Mängeln rein musicalischer Gattung gesellte\nsich auch noch eine Aussprache, die nach zwei Seiten hin\nstörend wirkte, denn sie war erstens von nationalen An-\nklängen wesentlich getrübt (Ander war ein Mährener),\nund zweitens war unseres Künstlers Wort-Eintheilung\nmitunter auffallend fehlerhaft, so bei allen Diphthongen,\nwelche er im Singen gewaltsam zu trennen pflegte, wenn\nsie unter zwei oder mehrere Noten zu stehen kamen, z. ß.\ndas Wort „allein\" theilte er: „alla in\", oder sprach gar\nwie im „Lohengrin\" statt „Land und Leut'\": „Land und\nLa—it\" u. dgl. m. Dass seine Prosa demgemäss auch\nnicht eben viel erfreulicher war, als die seiner Collegen\nböhmischer oder wiener Abkunlt, braucht kaum hinzuge-\nfügt zu werden; doch traten solche Fehler schon an und\nfür sich nicht so bedeutend hervor und wurden nament-\nlich durch sein intelligent durchdachtes Spiel, durch die\nWärme seiner Darstellung in den Hintergrund gedrängt.\nIn d er That gelangen wir auch, wenn wir uns vom\nTon-Material und der Gesanges-Technik, vom eigentlich\nmusicalischen Vortrage ab und mehr den dramatischen\nQualitäten zuwenden, zu wesentlich erfreulicheren Resul-\ntaten, die der Erinnerung an die künstlerischen Verdienste\ndes Verewigten ganz anders günstig lauten und den Ruf,\nden er sich in Wien erworben hat, erklären helfen.\nWir begegnen da vor Allem der Himmelsgabe, die\nnicht zu erkaufen und nicht zu erlernen, freilich wohl aber\nauszubilden ist: dem ursprünglichen Talente. Dieses Ta-\nlent aber hatte einen wesentlich schauspielerischen An-\nstrich. So wenig man es dem steifen Debütanten vom 22.\nOctober 1845 ansehen konnte, doch war der Schauspieler\nin ihm lebendiger und wirkungskräftiger, als der Sänger.\nWiewohl eine musicalisch sichere, war er doch keine mu-\nsicalisch feine Natur und bewährte für alles, was in die\nKategorie stilvoller Gesangs-Effecte gehörte und nach die-\nser Richtung hin Geschmack und Studium erforderte, we-\nnig Sinn, desto mehr aber für jede echt dramatische Wir-\nkung, von den äusseren Behelfen der Bühnen-Routine bis\nzu den erschütternden Aeusserungen tief innerster Erre-\ngung, von der sinnigen Einzel-Nuance bis zu der Kunst\nconsequenter Charakter-Auffassung und Durchführung.\nAnder neigte eben stets mit Vorliebe dem Heroischen\nzu und gerieth dadurch in Widerspruch mit den ihm zu\nGebote stehenden Kräften und mit den Wünschen des\nPublicums, welches ihn zumeist in sentimentalen Rollen\nzu hören liebte. Uns dünkt indess, Ander habe Recht ge-\nhabt, wenn er fand, dass der Charakter seiner Stimme\n(leider nicht auch ihre Kraft) und die Eigentümlichkeit\nseines Talentes ihn auf das Heldenhafte hinweise. Ist denn\nnicht seine unbestritten beste Rolle—Meyerbeer's Johann\nvon Leyden eine Heldengestalt? Das war die Schöpfung,\ndie ihm das Ruhmesthor geöffnet, diejenige, die ihn mit\nEinem Ruck als anerkannt ersten Sänger hinstellte, dieje-\nnige, in welcher er die grössten, wenn auch, dem Cha-\nrakter des Tonwerkes entsprechend, vielfach nur äusser-\nlichen Wirkungen erzielte. Aufgaben einfacherer, aber\nschwierigerer und würdigerer Art waren Mozart's Titus,\nGluck's Pylades, Beethoven's Florestan und Wagner's Lo-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "61", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650225-01.1.5", "texte": "hengrin, vier Gestalten, welchen Ander durch wahrhaft\nkünstlerische Selbstverläugnung gerecht zu werden ver-\nstand. Er sang sie, so gut er konnte, und spielte sie mei-\nsterhaft, mit einer Ruhe, die ihm sonst nicht eigen war,\nmit einer Weihe, welche mit der Grösse der Aufgabe wuchs.\nAloys Ander hat sich über die Wechselfälle der\nKünstler-Laufbahn nicht zu beklagen gehabt; die allge-\nmeine Gunst und die besondere der Frauen obendrein\nstand fest zu ihm bis über's Ende seiner Laufbahn,\nbis an sein Lebensende. Dafür hatte der Arme freilich\nmitten im Vollbewusstsein dieses Glückes wenig ruhige\nAugenblicke; denn was ihm die nervöse Erregtheit seines\nTemperamentes an Sammlung und Heiterkeit vergönnte,\ndas raubte ihm Krankheit und Verfall der besten Kräfte\nin der Blüthe seiner Jahre, so dass er eigentlich zeitlebens,\nzwischen eingebildeten und wirklichen Leiden schwankend,\nnur bestrebt war, Beides zu bannen oder zu verläugnen.\nDas Publicum stand in den letzten Jahren ihm gegenüber\nO ö\nwie ein treuer Freund am theuren Krankenbette, und auch\nfür die Kritik war es Gewissenspllicht, die Abnahme der\nKräfte des trefflichen Künstlers nur schonend zu berüh-\nren. Zwei Momente sind es vor Allem, wo nach unserer\nMeinung die volle, ganze kritische Wahrheit noth thut\nund dem Kritiker zur absoluten Pflicht wird: der Moment\nder höchsten Blüthe eines Künstlers und die Zeit der\nSammlung nach seinem Tode. Dem Werdenden, wie dem\nHerabkommenden ist die Kritik immerhin eine gewisse\nRücksicht schuldig, um ja nicht durch Voreiligkeit zurück-\nzuschrecken oder durch unnützes Bereden des Unabänder-\nlichen wehe zu thun. Der höcbstgefeierte Künstler hinge-\ngen ist wie ein Monarch unter Schmeichlern und Krie-\nchern, und zugleich wie ein Volkstribun unter dem Gejohle\nder Menge: ihm thut die Wahrheit noth, auch wenn er\nsie nicht liebt; und dem Dahingeschiedenen schulden wir\nsie um seines öffentlichen Wirkens willen, eingedenk vor\nAllem der Grundsätze, die wir zur Beurtheilung eines\nOpernsängers ersten Ranges für maassgebend erachten.\n\nAus Detmold.\nDen 15. Februar 1865.\nNachdem die Reihe unserer Orchester-Concerte für\ndiesen Winter geschlossen ist, gestatten Sie mir wohl\neinen kurzen Rückblick auf die uns dargebotenen Genüsse.\nSeit langen Jahren waren wir gewohnt, von der fürst-\nlichen Hofcapelle in den ersten Wintermonaten eine An-\nzahl Concerte (in der Regel zwölf) vorgeführt zu sehen,\nin denen vorzugsweise Sinfonieen, Ouvertüren und Vor-\nträge für einzelne Orchester-Instrumente das Programm\nbildeten. In diese Concerte, denen man den Vorwurf der\nEinförmigkeit mit Recht machte, ist, seitdem die Leitung\ndes Orchesters dem Capellmeister Bargheer übertragen\nist, mehr Abwechslung, mehr Leben gekommen. Gesang-\nVorträge wechseln jetzt mit Instrumentalmusik, auch Cia-\nvier- Concerte werden uns mitunter geboten; statt der an-\nerkennungswerthen, aber langweiligen Leistung eines\nersten Hötisten, Oboisten oder gar Fagottisten werden\nuns Compositionen für mehrere Instrumente, Sextette,\nOdette u. s. w. oder einzelne Instrumentalsätze für ganzes\nOrchester vorgeführt. Dabei hat der Capellmeister Barg-\nheer das ernste Streben, nur gute Musik dem Publicum\nzu bieten; bei dem alten Classischen wird auch das Neue\nnicht vergessen, und durch geschmackvolle Auswahl des\nProgramms weiss er das Concert stets zu einem interessan-\nten zu machen. Vor Allem müssen wir ihm aber das Lob\nertheilen, dass die Ausführung der Musikstücke eine\ndurchweg gute und der Sache würdige ist. Unser Orche-\nster, augenblicklich 42 Mitglieder, hat sich an den neuen\nDirigenten mit Liebe angeschlossen und sich gewöhnt,\nauch dem leisesten Winke zu folgen. Wenn Bargheer\nauch dasselbe als ein gut geschultes von seinem Vorgänger\nüberkommen hat, so kann man doch einen Fortschritt in\nzweierlei Beziehungen nicht verkeimen; unser Orchester\nhat sich unstreitig vervollkommnet im leinen Nuanciren,\ndas Piano ist jetzt schön und ebenmässig; dann aber wird\ndem Detail, der correcten Wiedergabe einzelner schwie-\nriger Stellen ungleich mehr Aufmerksamkeit gewidmet,\nwie früher; so erinnern wir uns, die Hörner in dem Scherzo\nder Eroica,so wie die Contrabässe in dem Scherzo der\nO-moll-Sinlonie von Beethoven noch nicht so rein und\nschön gehört zu haben, wie in diesem Winter.\nWas nun die Programme selbst betrifft, so hörten\nwir ausser den eben gedachten Sinfonieen die A-dur-,\ndie F-dur-und die Pastoral-Sinfonie von Beethoven, die\nZ?-ö?ttr-Sinfonie von Schumann, die D-dur-Sinfonie (eigent-\nlich Serenade und hier auch Serenade genannt) von Mo-\nzart, die Z?-efcr-Sinfonie von Haydn; zum ersten Male\nwurde die leider unvollendete zweite Sinfonie von Norbert\nBurgmüller und eine kurze, aber prächtige Sinfonie (. D-\ndur) von Cherubini ausgeführt, und von neueren Werken\nhörten wir die interessante zweite Suite von\nLachner, die frische Sinfonie in A-dur von Reinecke und\nReinthaler's Sinfonie in D-dur. Letztere hat hier sehr an-\ngesprochen, und es ist in der That zu verwundern, dass\ndiese Sinfonie bei dem doch wahrlich nicht zu grossen\nUeberflusse an guter neuer Musik nicht mehr auf den\nProgrammen unserer Concert-Institute sich findet. Sie\nzeichnet sich aus durch eine Fülle frischer, ansprechender\nMotive, geschickte Verarbeitung und glänzende Instrumen-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650225-01.1.6", "texte": "Tation, und wenn der Componist sich sollte entschliessen\nkönnen, einige Längen, namentlich im letzten Satze, zu\nändern, so würde der Effect gewiss noch erhöht werden.\nVon grösseren Orchestersachen hörten wir ferner: La\nreine Mab aus der Sinfonie Romeo und Julie von H. Ber-\nlioz, die Prometheus-Musik von Beethoven (zum ersten\nMale vollständig) und die zweite Serenade von Brahms.\nLetztere zeugt wieder von dem gediegenen, ernsten Stre-\nben des tüchtigen Meisters, aber für das grosse Publicum\nschreibt Brahms nicht; seine Musik ist zu streng, so gar\nnicht einschmeichelnd, zu wenig melodieenreich, als dass\nsie zumal bei der ersten Vorführung sich Erfolg er-\nringen könnte.\nIn den Ouvertüren waren vertreten: Beethoven (König\nStephan, C-durOp. 115, Leonore Nr. 3, Coriolan), Men-\ndelssohn (Paulus, Melusine, Athalia, Ruy-Blas, Sommer-\nnachtstraum), Cherubini (Abencerragen, Anakreon, Was-\nserträger), Catel (Semiramis), Hiller (Concert-Ouverture),\nGade (Im Hochland), Weber (Euryanthe und Freischütz)\nund Mozart (Zauberflöte).\nAn Solo-Vorträgen waren es vorzugsweise Violin-Con-\ncerte, welche uns dargeboten wurden; hier müssen wir\nvor Allen unseres Capellmeisters Bargheer erwähnen,\nder in dem D-moll-Concerte von Molique, dem\nConcerte von Spohr, dem Mendelssohn'schen Concerte\nwiederum durch gediegenes Spiel und warmen, ausdrucks-\nvollen Vortrag entzückte; neuerer Zeit hat der wackere\nKünstler mehrfach Gelegenheit gehabt, auch ausserhalb\nseiner Heimat, namentlich in Holland, sich bekannt zu\nmachen, und dass er in kurzer Zeit bereits zum dritten\nMale einer ehrenvollen Einladung nach dort Folge leistet,\nzeigt, dass auch dort sein Talent Anerkennung gefunden\nhat. Neben ihm hat sich der Vorspieler bei der ersten\nGeige, Kammermusicus Schulz, durch Vorführung der\nGesangsscene von Spohr und des Concertes in von\nMolique wiederum als strebsamen, fleissigen Künstler be-\nwährt, und eben so haben der Kammermusicus Schmidt\n(Violoncell) und der Kammermusicus Cordes (Horn) von\nNeuem gerechte Anerkennung bei ihren Vorträgen ge-\nfunden. Die vocale Partie in den ersteren Concerten\nhatte die zufällig hier in ihrer Vaterstadt anwesende Fräu-\nlein Steinhagen, Schülerin des Professors Stern in Ber-\nlin, übernommen, welche sich durch ihre frische, anspre-\nchende Stimme und treffliche Schule reichen Beifall er-\nwarb. Später hatten wir die Freude, eine geschätzte Di-\nlettantin nach langer Unterbrechung an den Concert-\nAbenden wieder zu begrüssen, welche uns schon oft mit\ndem seelenvollen Vortrage Schubert'scher und Beethoven'-\nscher Lieder entzückte. Clavier-Vorträge endlich brach-\nten uns die letzten Concerte. Frau Musik-Director Hahn\naus Bielefeld trug mit vollendeter Technik und vielem\nFeuer das Concertstück von Weber vor und fand gerech-\nten Beifall; vor Allem war es aber das im letzten Concerte\nauftretende Fräulein von Asten aus Wien, welches im\nC-dur-Concerte von Beethoven und kleineren Stücken\ndurch ihren weichen Ton und ihr ausdrucksvolles Spiel\ndas Publicum enthusiasmirte und namentlich in dem klei-\nnen, schwärmerischen Tonstücke von Schumann: „Des\nAbends\", an die Meisterin erinnerte, welche letzteres an\nderselben Stelle vor einigen Jahren uns vorgeführt hatte.\n\nAus Leipzig.\n\nDen 15. Februar 1865.\nDer Universitäts-Gesangverein der Pauliner\nmuss sicherlich zu den Zierden unserer Universität ge-\nrechnet werden, da es in Wahrheit ein hoch anzuerken-\nnendes Bestreben ist, wenn Studenten neben ihren den\nVerstand bildenden Fachstudien die herzveredelnde Ton-\nkunst mit solcher Liebe hegen und pflegen, wie dieselbe\nstets bei den öffentlichen Vorträgen des genannten Vereins\nwahrgenommen werden kann. Und diese Liebe zur herr-\nliehen Kunst, welche von dem trefflichen akademischen\nMusik-Director Herrn Dr. Langer durch Hinlenken des\nfreien Studentensinnes auf edle Tonschöpfungen immer\ngenährt und geläutert worden ist, hat denn auch den\nVerein auf eine Stufe des Könnens geführt, auf welcher\ner einen Vergleich mit den besten Männer-Gesangvereinen\nunseres deutschen Vaterlandes wohl auszuhalten im Stande\nsein dürfte. So zeigten denn auch in dem gestrigen Con-\ncerte die Pauliner alle vortrefflichen Eigenschaften, welche\neinen wirklich künstlerisch gebildeten Männerchor über\ndie Masse derartiger Corporationen herausheben, indem\nman sich an reiner Intonation, an prächtiger Tonbildung\nim Forte und Piano, an Sicherheit im Einsetzen der ein-\nzelnen Stimmen, an Gleichmässigkeit des Ensembles beim\nCrescendo und Decrescendo und an deutlicher, vertänd-\nnissvoller Text-Aussprache im Ganzen recht erfreuen\nkonnte.\nDas Programm enthielt nur Männerchöre lebender\nComponisten, wogegen man in früheren Concerten häufi-\nger nach historischen Gesichtspunkten die Zusammenstel-\nlung der Tonslücke ordnete und somit auch den grossen\nMeistern Weber, Mendelssohn, Schumann u. s. w. den\nTribut der Hochachtung bereits öffentlich dargebracht hat.\nWir sind nun ganz damit einverstanden, dass man jetzt\nauch den Tonkünstlern der Gegenwart ihr gutes Recht\nangedeihen lässt, wenn damit das künstlerische Interesse\nnicht beeinträchtigt wird. Gern gestehen wir, dass in dem"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "63", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650225-01.1.7", "texte": "heutigen Concerte alle Ansprüche befriedigt wurden, die\nman überhaupt an ein Männer-Concert-Programm machen\nkann. Ganz besonders aber freuen wir uns, einmal einem\nWerke wieder begegnet zu sein, welches in der Männer-\ngesang-Literatur rundweg als ein epochemachendes be-\nzeichnet werden muss. Das Werk führt den Titel: „Sce-\nnen aus der Frithjof-Sage, für Solostimmen, Männerchor\nund Orchester componirt von Max Bruch\", und dasselbe\ngelangte heute unter trefflicher Direction des Componisten\nin der Weise zur Aufführung, dass nach jeder der sechs\nScenen, aus denen das Werk besteht, der rauschendste\nBeifall der zahlreichen Zuhörerschaft ertönte. Eine Ana-\nlyse dieser genialen Compositionen zu geben, würde hier zu\nweit führen, und wir können nur im Allgemeinen ange-\nben, dass dieselbe eine eben so selbständige Erfindung,\nwie das eingehende Studium unserer früheren Meister von\nSeiten ihres Schöpfers bekundet. Die Instrumentation ver-\ndient neben dem trefflichen Tonsatze noch besonders her-\nvorgehoben zu werden, und in diesem Punkte scheint\nHerr Max Bruch auch von Meyerbeer viel gelernt zu ha-\nben. Wie schon gesagt, war die Ausführung vorzüglich,\nzu deren Gelingen der mit grosser, voller Stimme und\ntüchtiger Gesangs-Technik ausgerüstete Baritonist Herr\nStaegemann (als Frithjof), ferner die sehr glücklich dis-\nponirte Sopranistin Frau Thelen (als Ingeborg) vom hie-\nsigen Stadttheater und endlich der im schönen Solo-Quar-\ntett der vierten Scene excellirende Tenorist Herr Wie-\ndemann (Mitglied des Vereins) nicht wenig beitrugen.\nGenannte Solisten verdienten in Wahrheit all den Dank,\nwelcher ihnen in reichem Maasse vom Publicum gespen-\ndet wurde.\nVon den übrigen Nummern bemerken wir in Kürze,\ndass der Lachner'sche Psalm allzu stark instrumentirt er-\nschien und dass „Mei Maidle\" (Volkslied, gesetzt von E.\nSilcher) den Preis davontrug, indem es wiederholt werden\nmusste. Auch Reinecke's „Waldlied\" und Schubert's\n„Nachthelle\", worin sich wiederum Herr Wiedemann als\nSolo-Tenor rühmlichst auszeichnete, fanden wohlverdiente\nAnerkennung. Am wenigsten sagte uns „Reutti im Win-\nkel\" von Vincenz Lachner zu, hingegen war „Wan-\nderers Nachtlied\", componirt von E. Nessler, als sehr an-\nständige Arbeit eines jungen, strebsamen Componisten zu\nbegrüssen.\nZum Schlüsse sei noch Herrn Staegemann für die\nköstliche Wiedergabe einer Arie aus Haydn's „Schöpfung\"\nbesonderer Dank ausgesprochen, an den sich die rühmende\nHervorhebung von Fräulein J. Hering's Pianolorte-Vor-\ntrag anreihen möge, welche Künstlerin zwar noch mit ein\nwenig Unruhe, aber doch mit Geist und ausgebildeter\nClavier-Technik Romanze und Rondo aus dem\nConcerte von Chopin zu Gehör brachte, wonach auch ihr\ndas animirte Publicum den schuldigen Dank durch Applaus\nund Hervorruf darbrachte.\n\n0. P.\n\nAchtes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller.\nDinstag, den 21. Februar 1865.\nProgramm. I. 1. Sinfonie von J. Haydn. 2. Rondo für So-\npran mit obligater Violine aus der Oper „II re pastoreu von Mo-\nzart (Fräulein Pauline Wiesemann). 3. Sonate für zwei Cla-\nviere von Mozart (Frau Schumann und Herr F. Hill er). 4.\nLieder von F. Schubert und Beethoven (Fräul. Wiese mann).\n5. „Frühlingsbotschaft* für Chor und Orchester von Gade.\n6. Notturno in G-moll von Chopin Scherzo capriccioso in Fis-\nmoll von Mendelssohn (Frau Schumann).\n11. 7. „O, weint um sie!\" für Solo-Sopran (Fräulein Wiese-\nmann), Chor und Orchester von F. Hiller. 8. Sinfonie in D-moll\nvon Robert Schumann.\nWir freuten uns sehr, einer der anmuthigsten Sinfonieen von\nHaydn einmal wieder zu begegnen, mithin einem rein musicalischen\nGenüsse durch eines von jenen Werken aus der guten alten Zeit,\ndie nichts wollen, als Musik, aber diese dann auch mit so reicher\nFülle ansprechender Melodieen von heiterer wie herzinniger Art, mit\neinem solchen Flusse thematischer Consequenz und selbst im con-\ntrapunktischen Gewebe mit so durchsichtiger Klarheit dem Publi-\ncum zu hören geben, dass aus jedem Satze ein Genie hervorleuch-\ntet, das in der besonderen Kunst, für die es geschaffen, auch alle\nliülfsquellen für die vollkommensten Gebilde derselben findet und\nnicht auswärts betteln zu gehen braucht, um sich durch Programme\nzu begeistern.\nVon Mozart aber, dem zweiten Heros der neueren Instrumental-\nMusik, hatten wir einer angemesseneren Vertretung entgegengesehen,\nals durch die Sonate für zwei Claviere. Es hatte sich das Gerücht\nverbreitet, dass wir bei Anwesenheit der Frau Schumann das Con-\ncert in JSs-dur für zwei Claviere von Mozart durch sie und Capell-\nmeister Hill er mit Orchester-Begleitung ausgeführt hören würden,\nund auf diesen seltenen Genuss war Alles aufs freudigste gespannt.\nStatt dessen traten die beiden Celebritäten etwas gar zu bescheiden\nmit einer Sonate auf, welche, von Mozart selbst höchst wahrschein-\nlich auf Veranlassung von Dilettanten und für solche geschrieben,\nmehr in eine Matinee oder in einen häuslichen Musik-Abend passt,\nals in ein Gürzenich-Concert. Bei Meister-Vorträgen darf der Name\ndes Componisten allein nicht maassgebend sein, sondern auch Gat-\ntung, Form und Umfang des vorzutragenden Stückes; hier gilt\n„Noblesse obligeuy und ein Concert für zwei Flügel mit eingelegten\nCadenzen würde diesem Spruche gerecht geworden sein, nicht aber\neine Sonate und ein paar kleinere Stücke, wenn auch noch so vir-\ntuos gespielt, wie dies namentlich bei dem Scherzo capriccioso von\nMendelssohn der Fall war.\nLieder mit Orchester gehören mehr oder weniger ins Gebiet der\nArie und finden darin die Rechtfertigung ihrer Zulassung, zumal,\nwenn sie schön und künstlerisch befriedigend gesungen werden, wie\nFräulein Pauline Wiesemann namentlich das Lied von F. Schu-\nbert: ~Des Mädchens Klage\", mit Instrumentirung von Hiller vor-\ntrug und dafür rauschenden Applaus und Hervorruf mit Recht\närntete. Auch Klärchens „Freudvoll und leidvoll\" von Beethoven,\nobwohl eine schwierige Aufgabe, gelang trotzdem ganz gut bis aut\neine unbedeutende Kleinigkeit, während die Arie von Mozart aus"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650225-01.1.8", "texte": "der Oper „JZ re pastoreu bei ihrem einfachen Stile wohl nur durch\nganz ausserordentliche Eigenschaften des Vortrages, wie sie Jenny\nLind auf dem letzten Musikfeste in Düsseldorf entwickelte und auch\nnur sie dieselben entwickeln kann, eine grosse Wirkung machen\ndürfte.\nDie zweite Abtheilung des Concertes brachte Hiller's „0, weint\num sie!\" aus Byron's hebräischen Gesängen, jene schöne Compo-\nsition, die eine wahre und tiefe Empfindung eben so ergreifend in\nTönen ausdrückt, wie die Poesie in Worten. Man hört sie desshalb\nsehr gern einmal wieder. Fräulein Wiesemann trug die Sopran-\nPartie recht ausdrucksvoll vor.\nZum Schlüsse übte das Orchester ein edles Vergeltungsrecht\ngegen Frau Schumann und spielte ihr die Sinfonie in D-moll von\nRobert Schumann mit Präcision und Schwung vor. Obwohl\ndiese Sinfonie der Zeit ihrer Veröffentlichung nach die vierte\nheisst, so ist sie doch der Entstehung nach die zweite und zu der\nZeit geschrieben, als Schumann durch bewundernde Anerkennung\nvon Mendelssohn's Formvollendung die Ansicht aufgab, dass man in\nden alten Formen nichts Eigenthümliches mehr schaffen könnte,\neine Ansicht, die leider durch sein Ansehen bereits eine solche Ver-\nbreitung gefunden hatte, dass sie trotz Schumann's Umkehr noch\nheute in vielen Köpfen spukt! Der letzte Satz der D-moZ£-Sinfonie\ngibt den deutlichsten Beweis, dass es Schumann's wirkliche Ueber-\nzeugung war, als er an einen Freund schrieb: „Wenn man in freien\nFormen schaffen will, so muss man erst die gebundenen, für alle\nZeiten gültigen Formen beherrschen.\" Er hat es nicht mehr\nerlebt, wie sehr man von dieser Grundlehre abgewichen ist und ihm\nselbst einen Theil der Verantwortung für dergleichen Verirrungen\nhat aufbürden wollen !\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nf Aachen, 22. Februar. In der gestrigen Sitzung der Stadt-\nverordneten ist Herr Ferdinand Breunung, Lehrer am Conser-\nvatorium und Dirigent des städtischen Singvereins und des Orche-\nsters der musicalischen Gesellschaft in Köln, zum städtischen Ga-\npellmeister hierselbst ernannt worden. Herr Breunung war von dem\nComite der Sachverständigen mit 11 Stimmen von 12 zu dieser\nStelle gewählt und in Vorschlag gebracht worden. Seinem Vorgän-\nger, dem nach München berufenen Herrn Franz Wüllner, der\nam 16. d. Mts. in dem Concerte, das er zum letzten Male dirigirte,\nBeethoven s fünfte Sinfonie und dessen grosse Missa solemnis aufs\nglänzendste aufführte, wurden sowohl in dem Concerte vom Chor-\nund Orchester-Personale und Publicum, als nach demselben bei\neinem Abschiedsmahle die ehrenvollsten Ovationen und die autrich-\ntigsten Zeichen von Anerkennung und Dankbarkeit für seine Wirk-\nsamkeit und Förderung der Musikzustände in der Stadt Aachen\ndurch die Rede des ersten Beigeordneten Herrn v. Pranghe und die\nAnsprachen und Toaste anderer Theilnehmer zu Theil.\n** lieipzig; 22. Februar. Die „Fr it hj of-S agew von Max\nBruch hat durch die Aufführung des Pauliner-Vereins einen so\nausgezeichneten Erfolg gehabt, dass sie das beinahe Unerhörte, eine\nvollständige Uebereinstimmung aller hiesigen Blätter» mögen sie\nder Zukunfts- oder Vergangenheits-Richtung angehören, in der gün-\nstigsten Beurtheilung erreicht hat. Die Gewandhaus-Direction\nhat beschlossen, das Werk in ihrem Concerte für die Armen am 2.\nMärz aufzuführen, und hat den Componisten zur Direction desselben\neingeladen. Dessgleichen hat der akademische Gesangverein\nzu Wien dasselbe Werk für das Concert zur Feier der vor 500\nJahren geschehenen Gründung der Universität zur Aufführung im\ngrossen Redoutensaale am 25. März gewählt. Frau Du st mann\nwird die Partie der Ingeborg singen, der Chor aus 220 Sängern be-\nstehen und das Orchester dasjenige des Hof-Operntheaters am\nKärnthner-Thore sein'. Herr Bruch wird auch diese Aufführung\nselbst dirigiren.\n* Karlsruhe, 15. Februar. Im ersten Abonnements-\nConcerte der grossherzoglichen Hof-Kirchenmusik hörten wir\nin der Schlosskirche: Phantasie und Fuge (G-moll) für die Orgel\nvon J. S. Bach; Sicut cervus von Palestrina; Christus factus\neet von Anerio; Sopran-Arie mit Violoncello von J. S. Bach\n(Frau Braunhofer); achtstimmiges Crucißxus von Lotti; Tenor-\nArie mit Chor und Orgel von Mendelssohn; Ave verum von\nMozart; Kirchen-Arie von Stradella (Herr Brandes); Orgel-\nSonate in G-moll von Mendelssohn; Sopran-Arie von Händel\n(„Er weidet seine Herde\"); Cantate von J. S. Bach: „Gottes Zeit\nist die beste Zeit\". Alle Orgel-Vorträge durch Herrn Hoforganisten\nBarn er. Von diesen Concerten finden drei im Ganzen Statt.\nAm Montag den 13. Februar gab uns der Cäcilien-Verein\neine gelungene Aufführung des „Paulus\" von Mendelssohn. Die Soli\nsangen die Hof-Opernsänger Herren Brandes und Oberhoffer\nund Mitglieder des Vereins.\nKönigsberg in Pr., 10. Februar. „Frauenliebe und Le-\nben\" klingt uns noch immer im Ohr, liegt uns noch immer im Her-\nzen. —■ So soll man eigentlich eine Kritik nicht anfangen: aber bei\naller Mühe, in dem Concerte von Frau Leopoldine Tuczek-\nHerrenburg die kritische Ruhe zu bewahren, wurde unser Gefühl\ndurch den begeisternden Vortrag der Künstlerin doch überwältigt.\nIn dem herrlichen Schum an n- Cha m isso'sehen Lieder-Cyklus\n„I? rauenliebe und Leben\" bilden acht Gesänge ein Ganzes, es folgt\nein Lied aus dem anderen, und so ist die Wirkung im Zusammen-\nhange auch eine unvergleichlich grössere, als wenn man ein einzel-\nnes der Lieder herausnimmt. Schumann hat den Cliamisso'schen\nGedichten nicht allein ein glänzendes Colorit gegeben, er hat sie\nneu geschaffen. Leise, ahnend, sehnsuchtsvoll sang Frau Tuczek\ndas erste Lied: „Seit ich ihn gesehen, glaub1 ich blind zu sein!\"\nin heller Begeisterung folgte: „Er, der Herrlichste von Allen,\" und\ndaran reihte sich in fast tropischer Gluth das prächtige: „Ich kann's\nnicht fassen, nicht glauben\". Und so ging es in entzückender Folge\nbis zu den letzten Liedern, deren Vortrag wir vielleicht am meisten\nbewundern. Unbeschreiblich fein und echt weiblich zart sang die\nKünstlerin das sechste Lied: „Süsser Freund, du blickest mich ver-\nwundert an!\" und vollends die letzte Nummer: „Nun hast du mir\nden ersten Schmerz gethan!\" erschütterte Alle. Das Concert eröff-\nnete Frau Tuczek-Herrenburg mit einer glänzenden, sehr brillanten\nArie aus nCosl fan tutteu von Mozart, bei der die bedeutende Ge-\nsanges-Virtuosität der Künstlerin zur vollen Geltung kam, und be-\nschloss es mit Liedern von Chopin, A. Jensen und dem Schubert'-\nschen Erlkönig. Die Lieder von Chopin, die hier leider fast gar\nnicht gekannt werden, sind in ihrer grossen Einfachheit sehr reizend.\nNamentlich das zweite: „Litthauisches Liedu, sprach ungewöhnlich\nan. Das künstlerische Wesen der Concertgeberin ist eine glückliche\nVerbindung von Anmuth, tiefster Empfindung mit dramatischer Le-\nbendigkeit des Ausdrucks."}]}