{"numero_id": "bm-bmtnabi-1865-03-04-01", "volume": "bmtnabi_1865-03-04_01", "ocr_sha256": "d5e47b59f93d80c108af45c07e53144178637af70158e1ad67a014639be435fe", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1865/03/04_01/bmtnabi_1865-03-04_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650304-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1865-03-04-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-03-04_01#c001", "volume": "bmtnabi_1865-03-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "65", "page_fin": "65", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650304-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "65", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650304-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 467, "texte": "Inhalt.\nAus Berlin (Verfahren gegen neue Opern Rieh. Wüerst: „Der Stern von Turanu Uebersicht von 1864). Von G.\nNeue Opern in Prag und Wien („Perdita\" von Barbieri „Concini\" von Thomas Löwe). Mozart's Zauberflöte in Paris. Von B. P.\nJoseph DerfFel (Concerte in Wien). Von L. B. Richard Wagner in München. Tages- und Unterhaltungsblatt (Berlin,\nAuszeichnung, Fr. Lachner's „Catharina Cernaro\" Braunschweig, Musikfest beabsichtigt Frankfurt a. 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Wüerst: wDer Stern von\nTuran\" Uebersicht von 1864.)\nDen 10. Februar 1865.\nWir haben mit Vergnügen in einer der letzten Num-\nmern der Niederrheinischen Musik-Zeitung vom vorigen\nJahre*) gelesen, wie kräftig Sie gegen die anmaassende\nAeusserung unseres Collegen Kossak in der Kölnischen\nZeitung über den Unwerth aller neueren Opern-Compo-\nsitionen protestirt haben. Anstalt den Vorstand der könig-\nlichen Schauspiele durch den „Mangel an Opern, die der\nDarstellung werth wären\", entschuldigen zu wollen,müsste\nim Gegentheil die ganze hiesige Presse einmüthig und im-\nmer und immer wieder die Intendanz an ihre Pflicht ge-\ngen die Kunst und gegen das Publicum erinnern. So viel\nuns bekannt, ist eine gesetzliche Vorschrift bei den könig-\nlichen Theatern vorhanden, in jedem Theaterjahre wenig-\nstens drei neue Werke von deutschen Dichtern und Com-\nponisten in Scene zu setzen. Dieses Gesetz ist aber längst\nzur Mythe geworden, und es scheint beinahe, als ob man\ngrundsätzlich dem Neuen die Pforten der Hofbühne ver-\nschliessen wolle, da man die Werke von Ferdinand Hiller,\nMax Bruch, Abert, Langert, Herther u. s. w. geradezu\nignorirt. So wie die Sachen jetzt stehen, ist eine einzige\nneue Oper im Jahre schon ein Ereigniss; hat man aber\nmit dieser kein Glück, wie z. B. mit Bott's „Actäa\", dann\nwartet man wieder gehörig und überlässt das Probiren\nmit Neuem, das sich ja vielleicht nicht „rentiren\" könnte,\nden Provincial-Theatern. Bei solchem Verfahren kann es\nnicht ausbleiben, dass man an eine Neuigkeit, wenn sie\neinmal erscheint, einen weit strengeren Maassstab der Be-\nurtheilung legt, als dies geschehen würde, wenn dem Pu-\nblicum Gelegenheit zu Vergleicbungen gegeben würde.\nSeltsam ist es auch, dass man in Bezug auf die entschei-\ndende Behörde über Annahme oder Zurücklegung eines\nneuen Werkes ziemlich im Dunkeln ist. Es scheint, als\nwenn der bureaukratische Grundsatz, dass jeder, der eine\nStelle oder irgend eine Berücksichtigung vom Staate\nwünscht, sich darum bewerben müsse, auch bei den\nSchöpfern von Kunstwerken gelten solle, denen ebenfalls\nzugemuthet wird, sich unterthänigst, mit der Partitur un-\nter dem Arm und etwelchen Zeugnissen oder hohen Em-\npfehlungen versehen, im Vorzimmer zu präsentiren und\nvor allen Dingen den Instanzenzug streng zu beobachten.\nWir wissen in der That nicht, ob ein Comite besteht,\nwelches die bereits gedruckten neuen Opern zu prüfen\nund die Verfasser von nicht gedruckten aufzufordern hat,\nihre Manuscripte einzusenden. Dass von hier aus, wie es\nvon anderen Hoftheatern und Provincialbühnen geschieht,\nSachverständige nach den Orten gesandt würden, wo neue\nOpern aufgeführt werden, um sie kennen zu lernen, da-\nvon ist uns nie etwas bekannt geworden. Kommen der-\ngleichen Beisen des General-Intendanten oder eines der\nHerren Capellmeister vor, so beziehen sie sich fast immer\nnur auf Engagements-Angelegenheiten von Sängern und\nSchauspielern, nicht auf neue Werke.\nWie nun die letzte Oper von Bichard Wüerst:\n„Der Stern von Turan\", zu der Ehre gekommen,\nkurz vor Thorschluss des vorigen Jahres noch auf dem\nHof-Operntheater in Scene gesetzt zu werden, wissen wir\nnicht. Die „Vineta\" desselben Componisten hatte nicht dazu\ngelangen können, obwohl sie in Breslau gefallen hatte.\nDer Text des Sterns von Turan ist von Wiehert\nnach der Novelle von Paul Heyse: „Die Brüder\", bear-\nbeitet, deren Schluss aber durch eine willkürliche Abän-\nderung, die nach alter Metastasio-Weise ein glückliches\nEnde in den ernsten Stoff zu bringen sucht, entstellt ist.\nAuch wird die Handlung im dritten und besonders im\nvierten Acte matter, als in den beiden ersten, denen es\n\n*) Nr. 51, S. 405."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650304-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3728, "texte": "keineswegs an dramatischem Leben und an musicalischen\nSituationen voll Gefühl und Leidenschaft fehlt. Hierbei\nwollen wir aber gleich bemerken, dass es dem Compo-\nnisten wohl gelungen ist, das Gebiet der Empfindung, mit-\nhin das so genannte lyrische, in ansprechender melodi-\nscher und harmonischer Weise zu behandeln, dass aber,\nsobald es darauf ankommt, die leidenschaftliche Macht der\nTöne zu entfesseln und den dramatisch ausdrucksvollen\nTonwogen die Schleusen zu öffnen, die dazu erforderliche\ngeniale Kraft dem Componisten versagt. Daraus ging denn,\nbei der durch anderweite Vocal- und Instrumental-Com-\npositionen Wüerst's schon bekannten und auch hier wie-\nder vollkommen bewährten Sicherheit in der Factur, in\nder ersten Vorstellung ein Erfolg der Achtung hervor,\nwelchen auch die drei folgenden Aufführungen bestätigt\nhaben.\nUebrigens hat die Musik viele Vorzüge, die in den\nmeisten neueren Erzeugnissen verwandter Gattung, so weit\nwir sie kennen, nicht eben häufig sind; dahin rechnen wir\ndie Sangbarkeit sowohl in den Soli als in den einzelnen\nStimmen der Ensembles, und im Lyrischen die echt deut-\nsche Melodie, die in Uebereinstimmung mit den besten\nMeistern der Lyrik, wie Schubert, Weber, Spohr und Men-\ndelssohn, das Triviale gewöhnlicher Italiäner vermeidet, sich\naber auch von dem Gesuchten der französischen, in\nMeyerbeer'schen Oper eben so fern hält, wie von den\nEroberungen der Zukunftsschule. Bei alledem wird es\nübrigens dem Werke doch schwer fallen, sich auf dem\nBepertoire zu halten.\nEine neue Operette von H. Dorn: „Gewitter bei\nSonnenschein\", sollte auf dem Friedrich-Wilhelmstädti-\nschen Theater zur Aufführung kommen, ist aber vom\nComponisten, dem Vernehmen nach wegen Streitigkeiten\num die Besetzung der Hauptrolle, zurückgezogen worden.\nFräulein Artöt setzt ihr Gastspiel mit steigendem\nErfolge fort. Mit Frau Harriers-Wippern, deren Ver-\nlust der königlichen Bühne drohte, ist ein neuer Contract\nmit Zusicherung von Pension geschlossen worden.\nDie statistische Uebersicht, herausgegeben vom Be-\ngisseur von Lavallade, enthält folgende Ergebnisse. Im\nGanzen wurden 526 Vorstellungen gegeben: Schauspiel\n288, Oper 167, Ballet 44, gemischte Vorstellungen 26\nund ein Concert. Im Opernhause 259, im Schauspielhause\n263, im Palais 1 und in Potsdam 3 Vorstellungen, davon\n273 im und 253 ausser Abonnement. Unter den 526\nVorstellungen befanden sich 25 Schauspiel-Vorstellungen\nim Opernhause und Aufführung zur Feier von Shake-\nspeare's dreihundertjährigem Geburtstage: Fest-Ouverture\nvon Beethoven, Prolog, Julius Cäsar. Ausserdem gelangten\nvom 18. bis 26. April nur Stücke Shakespeare's zur Auf-\nführung. Zum Gedächtnisse Meyerbeer's wurde im letzten\nZwischenacte des Propheten am 8. Juni eine Feier veran-\nstaltet. An verschiedenen Stücken gelangten 163 zur Auf-\nführung; an verschiedenen Opern 45, an verschiedenen\nBallets 15, Divertissements 2. An neun Abenden fanden\nSolotänze Statt. Zum ersten Male wurden 12 Stücke und\n2 Opern aufgeführt. Im Schauspielhause wurden am häu-\nfigsten gegeben: Montjoie (22 Mal), Nach Sonnen-Unter-\ngang (12 Mal), Die Unglücklichen (10 Mal), Hans Lange\n(12 Mal), Gegenüber (10 Mal), Königin Bell (9 Mal), Die\nKomödie der Irrungen (8 Mal). In der Oper erlebten die\nmeisten Vorstellungen: Margarethe (19 Mal), Die lustigen\nWeiber von Windsor (10 Mal), Robert der Teufel (8 Mal),\nFra Diavolo und Oberon (7 Mal), Die Zauberflöte (9 Mal).\nIm Ballet: Flick und Flock (16 Mal), Morgano (12 Mal),\nDas schlecht bewachte Mädchen (6 Mal). Vorstellungen\nclassischer Werke: von Lessing 11, Goethe 9, Schiller\n28, Kleist 7, Shakespeare 58, Moreto 4, Calderon 6,\nMoliere 2, zusammen 125; Gluck 3, Mozart 19, Beetho-\nven 5, Weber 12, Mehul 1, Cherubini 2, Spontini 5,\nzusammen 47.\n\nG."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-03-04-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-03-04_01#c003", "volume": "bmtnabi_1865-03-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "66", "page_fin": "68", "image_debut": 2, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650304-01.2.3", "titre_corps": "Neue Opern in Prag und Wien.", "titre_sommaire": "Neue Opern in Prag und Wien.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650304-01.1.2", "debut_caractere": 3730, "fin_caractere_exclue": 5130, "texte": "Neue Opern in Prag und Wien.\n(„Perdita\" von Barbieri „Concini\" von Thomas Lowe.)\nAus Prag schreibt man über die Aufführung der\nOper: „Perdita oder ein Wintermärchen\", in vier\nAufzügen nach Shakespeare von Karl Gross bearbeitet,\nMusik von C. de Barbieri, welche am 11. Februar ge-\ngeben wurde, dass die Text-Bearbeitung geschickt gemacht\nsei. Die Composition machte im Ganzen keinen befriedigen-\nden Eindruck, was besonders dem Mangel an Originalität,\nan einem bestimmten, die ganze Oper durchdringenden\nStile zuzuschreiben ist. Eines der Haupt-Motive Shake-\nspeare's, welches auch der Textdichter bestimmt hervor-\nhob und durch die Beigabe eines Jago noch verstärkte,\nist die Eifersucht des Leontes, und eben dieses hat der\nComponist nur in schwachen Umrissen skizzirt. Seine ganze\nStärke verwandte er dagegen auf die Gerichtsscene des\nzweiten Actes, auf die Schäferscene und auf die Schilde-\nrung der Wirkung, als zum Schlüsse Hermione vom Piede-\nstal herabsteigt. Die Chöre in der ersten und letzten der\ngenannten Scenen sind gut gearbeitet, und das Ensemble\nim Finale des vierten Actes kann seine Wirkung nicht\nverfehlen. Der ganze dritte Act, wie es scheint, der best-\ncomponirte, litt durch die plötzliche Indisposition des Herrn\nBernard (Florizel); sein Duett mit Perdita wurde da-\ndurch zu einer blossen Arie der letzteren. Dagegen fand\nein Walzer der Perdita vielen Anklang, wiewohl er an den"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "67", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650304-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5336, "texte": "Arditi-Walzer erinnert. (!) Wenn übrigens die Oper „Per-\ndita\" irgend eine Musikrichtung verfolgt, so ist es unstrei-\ntig die Verdi'sche; das Publicum findet nur wenige Ruhe-\npunkte. Fassen wir den Gesammt-Eindruck zusammen,\nden wir bei der ersten Aufführung empfingen, so müssen\nwir den Componisten als einen mehr routinirten als wahr-\nhaft talentvollen Musiker bezeichnen, der in der „Perdita\"\nsich für lyrische Stellen und Chöre besonders tüchtig er-\nwies. Ein Gewinn für das Repertoire dürfte „Perdita\"\nkaum sein. Auf die Darstellung war, wie fast stets, grosse\nSorgfalt verwendet.\nNach den drei ersten Aufführungen der Oper „Con-\ncini\", Text von Lewitschnigg, Musik von Thomas\nLöwe, in Wien ergehen sich die „Recensionen\" nach\nden gerechten Klagen über die unverantwortliche Ver-\nnachlässigung der Vorführung neuer Opern durch die Di-\nrection des Hof-Operntheaters (also in Wien iout comme\nchez notis in Berlin! und dabei sprechen die officiösen\nund officiellen Blätter in den Residenzen der beiden deut-\nschen Grossmächte immer von Schutz und Förderung der\n„Kunst und Wissenschaft\", wobei sie den Künstlern zum\nTröste wenigstens auf dem Papier die „Kunst\" immer\nobenan stellen!) unter Anderem über die ewigen Vor-\nwürfe, die man den Textbüchern zu machen pflegt, in fol-\ngenden Bemerkungen, die wir gern unterschreiben:\n„Der Text zur Oper Concini gehört sicherlich zu den\nschwächeren Exemplaren dieser Gattung u. s. w., allein\nwir dürfen nie vergessen, dass auf Grundlage nicht viel\nbesserer Text-Schablonen die musicalischen Meister aller\nLänder ihre Meisterwerke geschaffen haben, dass zum\nMindesten die Anforderungen an das Textbuch sehr rela-\ntiver Natur sind, indem es in der Hand des wahrhaft be-\ngabten Musikers liegt, auch das schlechteste Text-Schema\nzur Grundlage eines Kunstwerkes zu machen, während\ndas bestgeformte Buch in der Hand des Stümpers oder\nblossen musicalischen Handwerkers musicalisch unfrucht-\nbar bleibt. „„Wenn der Ton drinnen steckt, so muss er\nheraus!\"\" sprach Beethoven einst, wenn wir nicht irren,\nzu einem Fagottisten; wenn aber das Talent nicht drin-\nnen ist, so wird auch mit dem besten Textbuche kein an-\nderes Resultat zu Tage gefördert, als z. B. von Herrn Le-\nwitschnigg im Bunde mit Herrn Löwe zu Stande gebracht\nworden ist.\"\nAus der sehr strengen Beurtheilung der Musik heben\nwir folgende Stellen hervor:\n„In dem ganzen Concini wüssten wir nicht eine\nNummer, aus welcher ein eigenthümliches Talent hervor-\nleuchtete, während gerade die Aeusserungsformen von\ngrosser Reife, wenn nicht von Ueberreife zeugen. Der\nComponist weiss das Orchester fachgemäss zu behandeln,\nseine Instrumentirung ist zwar grösstenteils überladen,\ntheilweise lärmend und theilweise barock; allein diese\nFehler hat er mit berühmten und beliebten Componisten\nMarschner, Verdi, Meyerbeer gemein, es sind nicht\ndie Fehler eines Anfängers; es sind weit mehr die Ein-\nflüsse herrschender Richtungen darin bemerkbar, als die\nLücken oder Uebergriffe des gährenden, ringenden, sich\nselbst nicht kennenden Genius. Diesem verzeiht man viel,\nweil man viel von ihm zu erwarten hat, weil man seinen\nmächtigen Flügelschlag herausfühlt.\n„Dem ganzen Concini aber fehlt vor Allem die musi-\ncalische Erfindung. Mochte die Einkleidung sein, wie sie\nwollte: wo blieben aber die einzukleidenden Ideen? was\nist dem Componisten eingefallen? wo ist seine musica-\nlische Legitimation zu öffentlichem Schaffen und Wirken\nauf diesem Felde? Nicht derjenige, der die nöthigen Stu-\ndien absolvirt, Partituren Anderer studirt, sich die üblichen\nzeitgemässen Formen angeeignet hat, sondern derjenige\nist dazu berechtigt, der diese Formen mit eigenen Gedan-\nken auszufüllen vermag, der wenigstens vorläufig im Ein-\nzelnen sich dazu befähigt zeigt. In der Löwe'schen Oper\nist nichts dergleichen. Allen Ensemblesätzen breiterer\nFactur ist der Componist aus dem Wege gegangen; kein\nmachtvoller Chor, kein durchgearbeitetes Finale verleiht\ndem Werke einen gediegenen Schwerpunkt; eben so we-\nnig aber treten einzelne Lichtpunkte als unwiderlegliche\nZeugen der eigenthümlichen Begabung hervor. Auch in\nden Arien ist wenig Ausdruck innerer Empfindung. Sie\nhaben zwar den Vorzug, dass sie alle schablonenhafte Ein-\ntheilung und alles Liedmässige vermeiden, dabei aber auch\nden Nachlheil der Gedanken-Armuth, des unruhigen\nUeberspringens von einem Melodie-Anlaufe zum anderen,\nohne Rast und Ruhe, so dass man immer wähnt, der\nComponist dränge mit Macht über Unwesentliches hin-\nweg, um seine ganze Kraft irgend einem entscheidenden\nMomente zuzuwenden, bis man inne wird, dass man auf\ndiese Weise die ganze Oper erwartungsvoll und unbefrie-\ndigt mit angehört hat, ein Werk—um es schliesslich noch\neinmal zusammenfassend zu wiederholen —, dessen An-\nlage und dessen Formen sowohl den berechtigten Anfor-\nderungen, als auch der übertriebenen Ausdrucksweise der\nmodernen „grossen Oper\" nicht ohne formelle Fachge-\nwandtheit gerecht werden, dessen Inhalt aber an Eigen-\ntümlichkeit und Gedankenfülle das Wesentliche vermis-\nsen lässt, nicht das verfehlte Werk eines hoffnungs-\nreichen Talentes, sondern die wohlüberlegte Arbeit der\ngewiegten Mittelmässigkeit, deren Bestrebungen übrigens\ngewiss ein milderes Urtheil finden würden, wenn sie nicht\nals alleinige Frucht der directorialen Thätigkeit, sondern\nals eine Novität unter mehreren mehr Vergleichungs- und\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650304-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 367, "texte": "Anhaltspunkte dem Publicum darböte. Unter den obwal-\ntenden Umständen aber ist es kein Wunder, wenn Con-\ncini schon bei der dritten Aufführung zur Hälfte leere\nBänke, zur Hälfte gelangweilte Gesichter vorfand.\"\nDie Aufführung des Concini wird übrigens als eine\nvielfach gelungene bezeichnet. Die Herren Wachtel und\nBeck und Fräulein Destinn hatten die Haupt-Partieen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-03-04-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-03-04_01#c004", "volume": "bmtnabi_1865-03-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "68", "page_fin": "69", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650304-01.2.4", "titre_corps": "Mozart’s Zauberflöte in Paris.", "titre_sommaire": "Mozart’s Zauberflöte in Paris.", "signature_source": "B. 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Un-\nter dem Titel: „Les Mysteres d'lsisu wurde eine Oper\naufgeführt, als deren Bearbeiter für die französische\nBühne ein Musiker, Namens Lachnith, sich mit Stolz be-\nkannte, denn eines Abends rief er beim Herausgehen aus\ndem Theater bis zu Thränen gerührt seinen Freunden zu:\n„Nein! ich schreibe von jetzt an keine Oper mehr; denn\nich kann nie wieder etwas Schöneres machen, wie die-\nses!\" Er hatte nicht nur Alles durch einander gewor-\nfen, sondern auch viele Nummern der Original-Partitur\nweggelassen und Stücke aus Don Juan, Figaro und Titus\nhineingelegt. Trotz alledem wurden diese „Mysterien\",\nobwohl sie Anfangs dem Publicum nicht mundeten, doch\nim Jahre 1816 wieder aufgenommen bei trefflicher Be-\nsetzung durch Lays, Derivis, Nourrit (den Vater), Madame\nBranchu u. s. w., und erlebten bis zum Jahre 1827, wo\nsie zum letzten Male gegeben wurden, 130 Vorstellungen\nallerdings ein Beweis der unverwüstlichen Schönheit\nder Fragmente der Partitur, welche Lachnith's Schere\nund Bügeleisen verschont und ungeglättet gelassen halte.\nZwei Jahre später kam die deutsche Opern-Gesellschaft\nunter Rockel nach Paris und gab die „Zauberflöte\" mit\ndem Tenor Haizinger; die Schröder-Devrient kam erst\nim folgenden Jahre nach Paris. Da die Oper aber mit\ndeutschem Texte gegeben wurde, so konnte sie bei dem\neigentlichen pariser Publicum nicht durchschlagen, zumal\nzu einer Zeit, wo die deutsche Sprache noch weniger von\nden Franzosen beachtet und gelernt wurde, als jetzt, wie-\nwohl es mit dem Studium und der Verbreitung derselben\nin Paris auch noch nicht weit her ist.\nJetzt hat nun aber die Direction des lyrischen Thea-\nters darauf bestanden, das Werk so zu geben, wie es\nMozart geschrieben hat, ohne eine Note wegzulassen oder\ngar zu ändern, und ohne die Reihenfolge der Nummern\nzu unterbrechen oder zu verkehren. Die Bearbeiter des\nTextes, die Herren Nuitter und Beaumont, haben in ihrer\nUebersetzung die ursprüngliche Schikaneder'sche Fassung\nnur im Ausdrucke etwas gereinigt und geglättet oder re-\ntouchirt, sonst aber den ganzen Gang der Handlung und\nalles Wesentliche des Textes beibehalten. Es gebührt also\ndem Director Carvalho das Verdienst, ein Meisterwerk,\ndas der jetzigen Generation in Frankreich nur dem Na-\nmen nach und durch die Ouvertüre bekannt war, wieder\nins Leben gerufen zu haben, und allem Anscheine nach\nwird er auch in financieller Hinsicht sein Wagniss nicht\nzu bereuen haben.\nBesetzung und Ausstattung waren recht befriedigend,\ntheilweise vortrefflich, und es will etwas heissen, die\n„Zauberflöte\" auf einer Bühne, die kein überzahlreiches\nPersonal hat, gut zu besetzen. Die Königin der Nacht\nsang Demoiselle Nilsson, eine Schwedin, die ich schon\nin meinem letzten Briefe als talentvolle junge Sängerin\nbezeichnet habe; sie besitzt die genügende Höhe, und ihre\nKühnheit, diese abnorme Partie zu übernehmen, hat die\nProbe ganz gut bestanden. Madame Miolan-Carvalho\nwar als Pamina reizend, sang ohne von dem Ihrigen hin-\nzuzufügen, was der glänzenden Coloratur-Virtuosin schwer\ngeworden sein mag, und spielte die Rolle vortrefflich. Ihr\nDuett mit Papageno (Troy) wurde gerufen; Pa-\npageno war überhaupt als Sänger und Schauspieler recht\ngut, auch der Mohr Monostatos eine charakteristisch wie-\ndergegebene Figur. Der Tenor Michot sang den Tamino\nmit schöner Stimme; sein Vortrag war vielleicht hier und\nda zu anspruchsvoll. Am schwierigsten mochte die Be-\nsetzung des Sarastro gewesen sein: die Direction hatte\ndafür den Sänger Depassio gewonnen, der lange nicht\naufgetreten war und freilich hinter dem, was Karl Formes\nbei Euch früher in dieser Rolle leistete, weit zurück blieb.\nDagegen war Papagena, Madame Ugaldo, vortrefflich,\nund die drei Damen, auf welche Papageno's Grund, wess-\nhalb sie stets verschleiert erschienen, diesmal keineswegs\npasste man hat hier „Feen\" im Dienste der Königin\nder Nacht daraus gemacht —, so wie die drei Genien\nwaren allerliebst und brachten ihre schönen Gesänge zu\nguter Geltung und sehr beifälliger Aufnahme.\nMit Ueberraschung wird man das Urtheil eines Ita-\nliäners, A. de Gasperini, in der France musicale lesen. Er\nbeschliesst seinen Bericht mit folgenden Worten:"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "69", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650304-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4099, "texte": "„Diese Musik ist von Anfang bis Ende ein Fest, eine\nFreude, eine unaufhörliche Fülle, bei welcher das Herz\nsich mit Seligkeit erweitert. Aus diesen heiteren Melodieen\nquillt ein reiner Eindruck, der auf uns wie das Lächeln\neines Engels wirkt, der das grosse Geheimniss kennt. Ich\nspreche nicht von den ausgesuchten Feinheiten der Har-\nmonie und der Instrumentirung, welche meiner Ansicht\nnach im Ganzen noch die Instrumentirung im Don Juan\nübertrifft; ich spreche nicht von jener bewundernswerthen\nKenntniss der Stimmen und der Bühnenwirkungen: ich\nhalte mich vor Allem an den überströmenden Ausdruck\nder reinen Liebe und an die himmlische Freude des Mei-\nsters, die ihn zur Mittheilung an die Menschen drängt\nund uns alles das Schöne zeigt, das er auf der Schwelle\neiner Welt erschaut, nach der wir uns alle sehnen. Mo-\nzart glaubt an seine Zauberflöte, er hat alles, was sie her-\nvorbringt, die Erscheinungen der Phantasie und die Ge-\nfühle der liebenden Herzen, die sie zusammenführt, an\nsich selbst empfunden.\n„Der ganze ernste Theil der Musik ist über alles Lob\nerhaben, die Einweihungs-Scenen, die Gesänge des Sa-\nrastro sind wunderbar breit und mächtig, die Chöre der\nPriester sind unerreichbar, es gibt nichts Höheres in der\nTonkunst.\n„Eine solche JMusik reinigt die Luft, und wahrlich,\ndie Zeit ist gut gewählt, um das Publicum zu einem sol-\nchen Feste zu laden. Was für eine Flut von dummen\nund niedrigen Melodieen überschwemmt die Scene, wo-\ngegen von Zeit zu Zeit starke Reagentien angewandt wer-\nden müssen, wie man die schlechte Luft aus dem Innern\neines Schiffes dann und wann vertreiben muss.\"\nNachschrift. Einige deutsche Blätter haben sich\naus Paris schon vor der Aufführung der „Zauberflöte\"\nschreiben lassen, dass die Oper verstümmelt und auf un-\nverzeihliche Weise zurechtgestutzt, zum Theil mit ganz\nanderen Personen, als der Original-Text habe, in Scene\ngehen werde. Dergleichen Nachrichten beweisen nur, was\nfür zuverlässige Correspondenten jene Musik-Zeitungen in\nParis haben und welche Kritik die Redactionen über ihre\nCorrespondenzen üben. Das Buch, nach welchem Mozart's\nOper im Theätre lyriqueaufgeführt ist, enthält die voll-\nständigen Nummern der Partitur von Mozart, und zwar\nin ihrer ursprünglichen Reihenfolge; von der Musik ist\nkeine Note geändert und keine Note weggelassen (nach\njenen falschen Nachrichten sollte z. B. die ganze Partie\ndes „Sprechers\" ausgefallen sein!). Die einzigen Aende-\nrungen des Buches bestehen darin, dass Pamina nicht die\nTochter der Königin der Nacht, sondern nur die Braut\nTamino's ist, der nicht als Prinz, sondern als Fischer er-\nscheint. Der Theaterzettel zählt in den Haupt-Partieen die\nDamen Nilsson, Carvalho, Ugalde, die Herren Michot,\nDepassio, Troy (Papageno) und Lutz (Monostatos) auf,\nferner sechs Damen für die drei Feen (Damenj und die\ndrei Genien, und fünf Herren für den Sprecher, die zwei\nPriester und die zwei geharnischten Männer, In der Text-\nUebersetzung ist überall der Charakter des Inhalts, der\ndie Musik bedingt hat, oft sogar der wörtliche Ausdruck\nbeibehalten, wie man aus folgenden Anfängen schon sehen\nkann: Nr. 1. A l'aide! j'expire,\n2. Je suis le joyeux oiseleur, .. 3.\ndans son reve un poete. 4. Ne tremble pas, toi qui m'est\neher! 5. Hm, hm, hm, hm 6.\nfaut venir.— 7. Ton coeur m'\n8. (Finale) Voici le but que iu poursuis. Nr. 9 ist der\nMarsch.—Nr. 10. Isis/ c'est ..—\n11. Un coeur prudent doit se defendre (Bewahret euch\nvor Weibertücke).— 12. (Quintett)\ndans cet antre dangereux!—l3. (Monostatos)\npeut-on vivre? —l4. Oui, de\n(die zweite Arie der Königin der Nacht, welche die Pa-\nmina hasst, weil sie selbst Gefallen an Tamino findet. Der\nCharakter dieser so genannten Rache-Arie wird dadurch\nso wenig verletzt, dass der Eindruck derselbe blieb und\ndie Nilsson sie sogar wiederholen musste). —l5. La haine\net la colere. .. - 16. (Terzett der Genien) Rassurez votre\näme inquiete. 17. (Pamina)\n18. (Chor) Noble Isis! Grand Osiris!—19. (Terzett)\nQuoi, c'en est fait, tu pars d 20. (Papageno)\nvie est un voyage.— 21. (Duett, Papageno und Papagena).\n21 bis. (Finale) Bientot la nuit va disparaltre.\n\nB. P."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-03-04-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-03-04_01#c005", "volume": "bmtnabi_1865-03-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "69", "page_fin": "70", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650304-01.2.5", "titre_corps": "Joseph Derffel.", "titre_sommaire": "Joseph Derffel.", "signature_source": "L. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "69", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650304-01.1.5", "debut_caractere": 4101, "fin_caractere_exclue": 4926, "texte": "Joseph Derffel.\n\nHerr Joseph Derlfel, der vor einigen Jahren seine\nProfessur der Mathematik an einer höheren Lehranstalt\nin Wien niederlegte, um dem inneren Drange, sich ganz\nund gar der Tonkunst zu widmen, zu folgen, ging damals\nnach England und erwarb sich zunächst in Bright und\nspäter in London einen bedeutenden Ruf als Pianist und\ngediegener Musiker, und wir erinnern uns mit grossem\nVergnügen der Proben, die er uns von seinem eminenten\nTalente und seiner ganz eigenthümlichen mechanischen\nBehandlung des Pianolorte zu verschiedenen Malen bei\nseiner Durchreise durch Köln gab. Seine Technik ist in\nder That erstaunenswert!) und beruht auf ganz besonderen\nStudien und denselben entsprechenden Uebungen des Ge-\nlenkes und aller physischen Mittel zur Hervorbringung\nder Mannigfaltigkeit des Anschlags und zur Ueberwindung"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650304-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4538, "texte": "der grössten Schwierigkeiten durch Unabhängigkeit und\nGelenkigkeit der Finger und durch eine mitunter von der\ngewöhnlichen sehr abweichende Applicatur. Aber auch\nals Componist ist Derffel ganz seinen eigenen Gang gegan-\ngen, indem er bei den ältesten bewährten Meistern be-\ngonnen hat, sich seinen Stil zu bilden, was ihm, wie uns\nmehrere Ciavierstücke alle von ziemlich grosser Schwie-\nrigkeit— bewiesen haben, so weit gelungen ist, dass diese\nStücke uns nicht nur durch ihre gediegene Form, sondern\nbei aller polyphonen und contrapunktischen Arbeit auch\ndurch ihre melodischen Motive ausserordentlich ansprechen\nund eine Gattung von Bravourstücken bilden, wie wir sie\nbei den heutigen Virtuosen fast nirgends finden.\nIm vergangenen Herbste ist Herr Derffel einmal wie-\nder nach seiner Heimat zurückgekehrt und hat in Wien\nzwei Concerte (am 24. November und am 29. December\nvorigen Jahres) im Saale der Gesellschaft der Musikfreunde\nmit einem lange nicht bei Pianisten-Concerten dagewese-\nnen Erfolge gegeben.\nIm ersten Concerte spielte er: 1. Trio in Es, Op. 70\nNr. 2, von Beethoven; 2. Grande Sonate in A-moll, Op.\n42 von F. Schubert; 3. Drei Etüden, Nr. 3, 21 und 11\n(.Arpeges), von Chopin; 4. a. Fantasie, Op. 77, von Beet-\nhoven, b. Rondo brillant in Es, Op. 62, von C. M. von\nWeber; 5. a. Andante sostenuto, b. Rondo grazioso (auf\nVerlangen) von J. Derffel vor einer zahlreichen Zuhö-\nrerschaft, welche des enthusiastischen Beifalles von Anfang\nbis Ende nicht müde wurde.\nUeber das zweite Concert sprechen sich die „Recen-\nsionen\" folgender Maassen aus: „Wie selten geht man\ngern in das Concert eines Pianisten, wie noch weit selte-\nner verlässt man es befriedigt. Ob alle jene, welche in\nHerrn Derffel's zweitem Concerte am 29. December an-\nwesend waren, mit Freuden hineingegangen sind, wissen\nwir nicht: dass aber alle, bei welchen das musicalische\nVerständniss nur halbwegs ausgebildet ist, es vollkommen\nbefriedigt verliessen, das unterliegt keinem Zweifel, und\nwahrlich, darauf kann Herr Derffel in der jetzigen Zeit\nstolz sein. Wir wollen zum Beweise unserer Behauptung\nnur ein Factum anführen: Herr Derffel wurde nach dem\nVortrage der letzten Beethoven'schen Sonate (Op. 111 in\nC-moll) vier Mal, sage vier Mal, stürmisch gerufen. Wir\nglauben kaum, dass dies je früher einem Pianisten wider-\nfahren ist, und zweifeln sehr, dass es vielen nach ihm ge-\nlingen wird. Um diese Sonate, welcher man gewöhnlich\nnur ein pflichtschuldiges succes d'estime gönnt, einem gan-\nzen Publicum in solcher Weise zugänglich zu machen,\ndazu gehört eine künstlerische Begabung und eine richtige,\ngründliche und erschöpfende Kenntniss des grössten Ton-\ndichters aller Zeiten, wie wir sie in gleichem Maasse bei\nPianisten noch nie, bei anderen Musikern nur äusserst\nselten angetroffen haben. Der Vortrag dieser Sonate, nach\nunserer Ansicht des für die Wiedergabe Schwierigsten,\nwas Beethoven für das Ciavier geschrieben hat, sowohl\nwas die Auffassung als was die Technik anbelangt, war\nvon einer Klarheit und Deutlichkeit, die nichts zu wün-\nschen übrig iiess, und zeigte dabei eine Sicherheit und\nGründlichkeit der Auffassung und eine Wärme und Tiefe\ndes Gefühls, dass der damit errungene Sieg ein vollständig\ngerechtfertigter war. Auch in dem Vortrage des Mozart'-\nschen Rondo und der Gigue bekundete Derffel den echten\nKünstler. Es ist jetzt Sitte oder eigentlich Unsitte bei den\nPianisten geworden, die Mozart'schen Compositionen, weil\nsie keine grossen technischen Schwierigkeiten bieten, nur\nso leicht, obenhin, als einem überwundenen Standpunkte\nangehörend, zu behandeln. Herr Derffel hingegen ging\nauch an diese Aufgabe mit Liebe und Hingebung, und die\nWirkung blieb nicht aus. Ausserdem spielte der Künstler\nnoch die schöne Phantasie in F-moll (Op. 49) und die\nTarantella von Chopin und zwei Etüden eigener Compo-\nsition, Alles in gediegenster und brillantester Weise.\"\nIn diesen Tagen ist nun der Ruf an Joseph Derffel\nergangen, als Kammer-Virtuose Ihrer Kaiserlichen Hoheit\nder Frau Grossfürstin Helene nach Petersburg zu kom-\nmen. Er hat diese ehrenvolle Ernennung angenommen und\nbereits Wien verlassen, um seine neue Stellung anzutre-\nten, welches dieselbe ist, die Anton Rubinstein mehrere\nJahre hindurch bis zu seiner Ernennung zum Director\ndes petersburger Conservatoriums bekleidete.\nWir sind gewiss, dass er auch an seinem neuen Be-\nstimmungsorte seinen Grundsätzen und seiner künstleri-\nschen Ueberzeugung treu bleiben und eben so wie in\nLondon und Wien als Dolmetscher nur guter und gedie-\ngener Musik durchdringen wird.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-03-04-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-03-04_01#c006", "volume": "bmtnabi_1865-03-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "70", "page_fin": "71", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650304-01.2.6", "titre_corps": "Richard Wagner in München.", "titre_sommaire": "Richard Wagner in München.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650304-01.1.6", "debut_caractere": 4540, "fin_caractere_exclue": 5157, "texte": "Richard Wagner in München.\nWir sind keine Freunde der Verbreitung sogenannt\ninteressanter Scandalien über persönliche Verhältnisse be-\ndeutender Männer, wesshalb wir den ganzen münchener\nKlatsch über Richard Wagner bisher ignorirt haben. Da\naber Wagner selbst ihn jetzt officiel gemacht hat, so\nscheint uns doch seine Erklärung gegen die Angriffe in\nder Allgemeinen Zeitung der Mittheilung werth, weil sie\nhöchst charakteristisch ist. Est sagt\nCicero von einem römischen Prätor, dessen Tugend nicht\neben Bescheidenheit war.\n„Nachdem die Grossmuth Sr. Majestät des Königs\n(von Baiern)\" äussert Wagner „mir die nöthigen"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650304-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2790, "texte": "Mittel angewiesen, die mich bestimmen sollten, überhaupt\nin München zu leben und ungestört meinen im Uebrigen\nauf Ertrag von auswärts berechneten Arbeiten nachgehen\nzu können, ertheilten mir Se. Majestät im vorigen Herbste\nden besonderen Auftrag der musicalischen Ausführung\nmeines ganzen Nibelungenwerkes, eines Cyklus von vier\nvollständigen musicalischen Dramen, deren jedes den vollen\nUmfang und die Bedeutung einer meiner früheren Opern\nhat. Für diese Bestellung, deren Annahme mich nöthigte,\nauf längere Jahre jede Arbeit, welche auf sofortige Ver-\nbreitung und Honorirung durch die deutschen Theater\nberechnet sein konnte, bei Seite zu legen, wurden mir im\nNamen Sr. Majestät unter vertragsmässigen Bedingungen\nVergünstigungen zugewiesen, welche das nicht überschrit-\nten, was baierische Könige bereits bei ähnlichen Bestellun-\ngen auf Werke der Kunst und Wissenschaft gewährt hatten.\nSomit im Rechte, mich nicht als Günstling, sondern als\nganz im Verhältnisse seiner Arbeit wohlbezahlten\nKünstler zu betrachten, glaube ich zunächst Niemandem\nRechenschaft von der Verwendung meines Verdienstes ab-\nlegen zu müssen, es sei denn, dass ich mich dafür zu ent-\nschuldigen hätte, für meine Arbeit denselben entsprechen-\nden Lohn gefunden zu haben, welchen Maler, Bildhauer,\nArchitekten, Gelehrte u. s. w. wiederholt und häufig fan-\nden. Wie hoch ich dennoch das Glück anschlug, ganz un-\nerwartet gerade hier den hochherzigen Gönner, der eben\nden Werth des kühnsten meiner künstlerischen\nPlane zu schätzen wusste, gefunden zu haben, möge\ndaraus ersehen werden, dass ich alsbald mir von Sr. Ma-\njestät dem Könige die Genehmigung zu meiner Natu-\nralisirung als Baier erbat und dafür die nöthigen\nAufträge ertheilte.\"\nBescheideneren Dank kann man wohl kaum für eine\nwahrhaft königliche Huld aussprechen, als dass man öf-\nfentlich das Land des Königs für würdig erklärt, den Be-\ngünstigten als Adoptivsohn künftig zu den Seinigen zu\nzählen, und versichert, „dazu die nöthigen Aufträge er-\ntheilt zu haben!\"\n4\nWenn in der Kölnischen Zeitung (Nr. 58, zweites\nBlatt) eineCorrespondenz aus München vom 24. Februar\nden „baierischen Fremdenhass\", den schon Thiersch,\nFeuerbach, Liebig u. s. w. leider empfunden hätten, als\nstark betheiligt bei den Klatschereien über Wagner an-\nklagt, so mag der Correspondent darin Recht haben. Wenn\ner aber sagt, dass jetzt dabei auch „das Element der mu-\nsicalischen Gegensätze mitspiele\", und hinzufügt: „Dies\nwürde überall der Fall sein, wo die Anhänger Mozart's\nund Beethoven's ihre Götter von neuen Giganten bestürmt\nsähen\", so verräth er dadurch seinen Standpunkt auf eine\ngar zu naive Weise, indem wir durch ihn erfahren, dass\nMozart und Beethoven in der gesammten musicalischen\nWelt eben nur „Anhänger\" haben und Wagner zum\nGeschlechte der „Giganten\" gehört!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-03-04-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-03-04_01#c007", "volume": "bmtnabi_1865-03-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "71", "page_fin": "72", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650304-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650304-01.1.7", "debut_caractere": 2792, "fin_caractere_exclue": 5784, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nJtei'liil« Der Kirchen-Musik-Director Emil Naumann er-\nhielt von der Königin Augusta für Ueberreichung seiner Lorelei-\nOuverture eine goldene Medaille mit den Portraits Ihrer Majestäten.\nBerlin, 25. Februar. In der Oper erschien in voriger Woche\nneu einstudirt „Catharina Cernaro\", großse Oper in vier Acten von\nSt. Georges, Musik von Fr. Lachner. Genannte Oper bleibt unstrei-\ntig Lachner's bedeutendstes Werk im .Gebiete dieses Genres von\nComposition. Die einzelnen Piecen sind meistens in deutscher Weise,\nwie sie namentlich durch Mozart eingeführt, gehalten, aber frei ge-\nschaffen, ohne Nachbildung; im Ensemblestil bewährt der Componist\nden erfahrenen, gründlich gebildeten Künstler, der seinen poetischen\nEingebungen abgerundete Form und Gestaltung zu geben weiss.\nDie Recitative sind entschieden classisch zu nennen, die Melodieen\nsind meistens sehr sangbar. Eine entschiedene Bahn hat sich das\nWerk gerade nicht brechen können, jedoch wusstc es sicli Anerken-\nnung zu verschaffen. WTir sahen die Oper zuletzt im Jahre 1860,\nund war Fräulein de Ah na bereits damals im Besitze der Titel-\nrolle. Die treffliche, schöne Künstlerin gab die Rolle sowohl in Ge-\nsang wie Spiel in höchst gediegener, vollendeter Weise, so dass der\nBeifall mit Recht jubelnd und stürmisch losbrach.\nDariftiStatlt, Es kamen „Fidelio\" und rDon Juan1' unter\nNeswadb a's Leitung in vorzüglicher Weise zur Aufführung.\nIn Braun schweig wird für den 10., 11. und 12. Juni, un-\nmittelbar nach dem niederrheinischen Musikfeste, ein grosses Musik-\nfest beabsichtigt unter Mitwirkung von Joachim, Walter, Hill\nund der Damen Dustmann und Bettel heim.\nIn Frankfurt am Main wird der Bau eines neuen Theaters\nbeabsichtigt. Es sollen dem dortigen Senate zwei bezügliche Projecte\nvorliegen. Das eine, von Herrn N. Strauss eingereicht, bietet dazu\nein Capital von 800,000 Fl. (worauf bereits 300,000 Fl. gezeichnet\nsind) gegen eine städtische Garantie von 3 pCt. Zinsen; nach dem\nanderen Plane, von Herrn Kohn-Speier ausgehend, soll der Senat\nein ähnliches Capital schaffen und die Gesellschaft bürgt für dessen\nZinsen zu 3 pCt.\nLeipzig« Das fünfzehnte Gewandhaus-Concert (9. Februar)\nbrachte an Orchesterwerken Beethoven s Ouvertüre Op. 124 und eine\nSinfonie in G-dur von Haydn, welche, trefflich ausgeführt, das Pu-\nblicum dermaassen elektrisirte, dass der letzte Satz\nwiederholt werden musste. [Ei, das deutet ja auf eine wohl-\nthätige Geschmacks-Reaction! Was sagt die Fortschritts-Partei zu\nihrem Publicum, das auf einmal wieder Freude an der „inhaltlosen\nKindermusik\" bekommt??] Die Solo-Vorträge hatten Herr und Lrau\nJoachim aus Hannover übernommen. Herr Joachim spielte sein\nneues Concert in G-dur (Manuscript), Barcarole und Scherzo von\nSpohr, und Double aus der H-moll-Sonate von S. Bach, und\nnachdem er jubelnd hervorgerufen und mit Beifall förmlich über-\nschüttet worden war, noch einige Sätze aus desselben Meisters So-\nnate in JE-dur. Frau Joachim sang eine Arie aus „Iheodora von"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650304-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5753, "texte": "Händel, dann die Arie „Deh per questo istante soloLi von Mozart,\nund die Lieder „Memnon\" und „Der Lindenbaum\" von Fr. Schubert.\n* Landau (Pfalz), 19. Februar. Wir wollen nicht versäumen,\nein grösseres musicalisches Publicum auf die neueste Composition\nunseres Musik-Directors Eugen Drobisch aufmerksam zu machen,\nwelche, vor wenigen Tagen in einem Concerte unseres Musikvereins\nzur Ausführung gebracht, mit dem ungetheiltesten Beifalle Aller\nund dem einstimmig günstigen Urtheile der Sachverständigen aufge-\nnommen wurde. Die Composition, „Frühlingsweihe\" betitelt, eine\nCantate für Soli, Chor und Orchester, wurde uns unter der treffli-\nchen Leitung des Componisten in durchaus gelungener Weise vor-\ngeführt, und waren die Mitwirkenden, mit den Schönheiten des Ton-\nwerkes auf das innigste vertraut, in der That förmlich dafür begei-\nstert. Nach unserer Ueberzeugfling reiht sich dasselbe in würdiger\nWeise den früheren Compositionen des begabten Musikers an und\ndürfte nicht wenig dazu beitragen, demselben auch in weiteren\nKreisen Anerkennung zu verschaffen.\nDie dresdener Festhalle für das deutsche Sängerfest wird eine\nlichte Spannweite von 160 Fuss, eine Höhe von ungefähr 76 Fuss\nund eine Länge von beiläufig 470 Fuss erhalten. Die einzige im\nInnern um die ganze Halle herumlaufende, ungefähr 18 Fuss vor-\nspringende Galerie wird ihre Zugänglichkeit durch grosse, ausser-\nhalb des Gebäudes angebrachte Freitreppen erhalten. Die Dachfläche\nwird durch hölzerne Gitterträger gestützt, welche zugleich im In-\nnern eine Decken-Decoration bilden sollen; diese Gitterträger sind\nin Zwischenräumen von ungefähr 36 Fuss auf die Länge des gan-\nzen Bauwerkes vertheilt und an darüber gespannte Drahtseile auf-\ngehängt.\nIn Hamburg brachte Herr Julius Stockhausen am 10.\nFebruar Haydn's „Schöpfung\" und Mendelssohn's 114. Psalm in\nder Michaelskirche zur Aufführung, wobei als Solisten Fräulein\nGeorgine Schubert und Herr Gunz aus Hannover und Herr\nAdolph Schulze aus Hamburg mitwirkten.\nifliinclien» Die „Münchener Sängergenossenschaft\", beste-\nhend aus den Vereinen „Liedertafel\", „Bürger-Sängerzunft\", „Aka-\ndemischer Gesangverein\" und „Neu-Bavaria\", hat den als tüchtigen\nMusiker und talentvollen Componisten bekannten Singmoister der\n„Bürger-Sängerzunft\" Max Zenger zu ihrem Dirigenten erwählt.\nWien« Im Burgtheater nahm Herr Fichtner nach vierzig-\njährigem Engagement als „Gluthen\" im „Letzten Mittel\" am 31.\nJanuar in Anwesenheit eines übervollen Hauses Abschied von dem\nhiesigen Publicum. Der Kaiser und fast alle in Wien anwesenden\nErzherzoge und Erzherzoginnen waren in der Hofloge zugegen. Am\nSchlüsse des Stückes sprach Fichtner tief ergriffen ein rührendes\nAbschiedswort. Eduard Bauernfeld hat dem scheidenden Künstler\nein längeres Gedicht gewidmet. Von den zahllosen Zeichen der\nLiebe und Freundschaft, welche dem Künstler an diesem Abende\nauf der Bühne geworden, wollen wir hier nur erwähnen, dass am\nSchlüsse der Vorstellung ihm von Ihrer K. Hoheit der Erzherzogin\nSophie ein Lorberkränz und ein werthvolles Album der Erinnerung\nan seine Künstler-Laufbahn übersandt wurde, und dass Frau Ba-\nronin Bruck (geb. Bossler), die so oft und namentlich auch im\n„Letzten Mittel\" mit Fichtner gespielt hat, ihm zur Aufbewahrung\nder letzten Rolle eine blausammtne Enveloppe mit Metall-Reliefs\nund dem auf weissem Moir6 gestickten Namenszuge K. F. über-\nsandte. Karl Fichtner trat während seiner Wirksamkeit in 460 Stücken\nund 513 Rollen auf und hat im Ganzen 5497 Mal gespielt.\nDie wiener Sing-Akademie hat, nachdem Herr Dessoff seine\nEntlassung genommen, Herrn Wein wurm zu ihrem Chormeister\nerwählt.\nFranz Schierer, Vorstand des Männer-Gesangvereins in\nWien, ist am 20. Februar nach längerer Krankheit gestorben. Er\ngehörte dem Vereine seit der Gründung desselben im Jahre 1845\nan und war der dritte Vorstand (bis 1847 der Gründer August\nSchmidt, bis 1859 Egg er). Schierer war ein Mann von nicht\nunbedeutender Bildung, die er sich durch rastlose Thätigkeit und\neisernen Fleiss zu eigen gemacht hatte. Als Vereins-Vorstand ent-\nwickelte er bedeutende Umsicht, praktischen Blick, grosse Energie,\nwar stets bestrebt, alle Gegensätze auszugleichen, und hielt die Ord-\nnung in den Vereins-Angelegenheiten mit ängstlicher Genauigkeit\naufrecht. Von makellosem Charakter, von sehr freisinniger politi-\nscher Gesinnung, genoss er die Achtung aller jener, die ihn kann-\nten. Was Schierer seiner Familie gewesen, bewies der herzzerreis-\nsende Anblick seiner Hinterlassenen bei dem Begräbnisse am 22.\nFebruar. Der Männer-Gesangverein hatte sich im Presbyterium um\nsein mit Trauerflor umhülltes Banner gruppirt und sang ein Libera\nvon Herbeck und einen deutschen Chor von Lortzing. Die grosse\nKarlskirche war überfüllt: alle musicalischen Vereine und Gesell-\nschaften waren vertreten, dessgleichen der Gemeinderath (dem Schie-\nrer angehörte) durch den Herrn Bürgermeister und viele seiner Mit-\nglieder. Ueber hundert Wagen folgten bis zum Friedhofe, wo der\nVorstand-Stellvertreter Herr Billing dem Dahingeschiedenen einige\nherzliche Worte widmete, worauf Schierels Lieblings-Chor: „Die\nletzte Treue\" von Storch, angestimmt wurde.\nDie Regisseur-Stelle, welche durch Fichtner's Abgang am\nwiener Burgtheater vacant geworden, ist Herrn Rettich verliehen\nworden.\nZur Erinnerung an Händel's hundertjährigen Todestag ist in\nder Kirche St. Mary Redcliff in Bristol ein Votivfenster mit schö-\nnen Glasmalereien gestiftet worden. Acht Scenen aus dem „Messias\"\nbilden die Vorwürfe der Compositionen zu diesen Glasgemälden,\nvon der Geburt des Heilandes bis zum „Hallelujah\". Bei jedem\nBilde tragen Engel Spruchbänder, auf denen die dem Texte zum\nBilde entsprechende Musik verzeichnet ist. Das Fenster trägt die\nWidmung: nln Memory of Handel. Erected 100 years after his\ndeath.\""}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "65", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650304-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nAus Berlin (Verfahren gegen neue Opern Rieh. Wüerst: „Der Stern von Turanu Uebersicht von 1864). Von G.\nNeue Opern in Prag und Wien („Perdita\" von Barbieri „Concini\" von Thomas Löwe). Mozart's Zauberflöte in Paris. Von B. P.\nJoseph DerfFel (Concerte in Wien). Von L. B. Richard Wagner in München. Tages- und Unterhaltungsblatt (Berlin,\nAuszeichnung, Fr. Lachner's „Catharina Cernaro\" Braunschweig, Musikfest beabsichtigt Frankfurt a. M., Theaterbau u. s. w.).\n\nAus Berlin.\n\n(Verfahren gegen neue Opern Rieh. Wüerst: wDer Stern von\nTuran\" Uebersicht von 1864.)\nDen 10. Februar 1865.\nWir haben mit Vergnügen in einer der letzten Num-\nmern der Niederrheinischen Musik-Zeitung vom vorigen\nJahre*) gelesen, wie kräftig Sie gegen die anmaassende\nAeusserung unseres Collegen Kossak in der Kölnischen\nZeitung über den Unwerth aller neueren Opern-Compo-\nsitionen protestirt haben. Anstalt den Vorstand der könig-\nlichen Schauspiele durch den „Mangel an Opern, die der\nDarstellung werth wären\", entschuldigen zu wollen,müsste\nim Gegentheil die ganze hiesige Presse einmüthig und im-\nmer und immer wieder die Intendanz an ihre Pflicht ge-\ngen die Kunst und gegen das Publicum erinnern. So viel\nuns bekannt, ist eine gesetzliche Vorschrift bei den könig-\nlichen Theatern vorhanden, in jedem Theaterjahre wenig-\nstens drei neue Werke von deutschen Dichtern und Com-\nponisten in Scene zu setzen. Dieses Gesetz ist aber längst\nzur Mythe geworden, und es scheint beinahe, als ob man\ngrundsätzlich dem Neuen die Pforten der Hofbühne ver-\nschliessen wolle, da man die Werke von Ferdinand Hiller,\nMax Bruch, Abert, Langert, Herther u. s. w. geradezu\nignorirt. So wie die Sachen jetzt stehen, ist eine einzige\nneue Oper im Jahre schon ein Ereigniss; hat man aber\nmit dieser kein Glück, wie z. B. mit Bott's „Actäa\", dann\nwartet man wieder gehörig und überlässt das Probiren\nmit Neuem, das sich ja vielleicht nicht „rentiren\" könnte,\nden Provincial-Theatern. Bei solchem Verfahren kann es\nnicht ausbleiben, dass man an eine Neuigkeit, wenn sie\neinmal erscheint, einen weit strengeren Maassstab der Be-\nurtheilung legt, als dies geschehen würde, wenn dem Pu-\nblicum Gelegenheit zu Vergleicbungen gegeben würde.\nSeltsam ist es auch, dass man in Bezug auf die entschei-\ndende Behörde über Annahme oder Zurücklegung eines\nneuen Werkes ziemlich im Dunkeln ist. Es scheint, als\nwenn der bureaukratische Grundsatz, dass jeder, der eine\nStelle oder irgend eine Berücksichtigung vom Staate\nwünscht, sich darum bewerben müsse, auch bei den\nSchöpfern von Kunstwerken gelten solle, denen ebenfalls\nzugemuthet wird, sich unterthänigst, mit der Partitur un-\nter dem Arm und etwelchen Zeugnissen oder hohen Em-\npfehlungen versehen, im Vorzimmer zu präsentiren und\nvor allen Dingen den Instanzenzug streng zu beobachten.\nWir wissen in der That nicht, ob ein Comite besteht,\nwelches die bereits gedruckten neuen Opern zu prüfen\nund die Verfasser von nicht gedruckten aufzufordern hat,\nihre Manuscripte einzusenden. Dass von hier aus, wie es\nvon anderen Hoftheatern und Provincialbühnen geschieht,\nSachverständige nach den Orten gesandt würden, wo neue\nOpern aufgeführt werden, um sie kennen zu lernen, da-\nvon ist uns nie etwas bekannt geworden. Kommen der-\ngleichen Beisen des General-Intendanten oder eines der\nHerren Capellmeister vor, so beziehen sie sich fast immer\nnur auf Engagements-Angelegenheiten von Sängern und\nSchauspielern, nicht auf neue Werke.\nWie nun die letzte Oper von Bichard Wüerst:\n„Der Stern von Turan\", zu der Ehre gekommen,\nkurz vor Thorschluss des vorigen Jahres noch auf dem\nHof-Operntheater in Scene gesetzt zu werden, wissen wir\nnicht. Die „Vineta\" desselben Componisten hatte nicht dazu\ngelangen können, obwohl sie in Breslau gefallen hatte.\nDer Text des Sterns von Turan ist von Wiehert\nnach der Novelle von Paul Heyse: „Die Brüder\", bear-\nbeitet, deren Schluss aber durch eine willkürliche Abän-\nderung, die nach alter Metastasio-Weise ein glückliches\nEnde in den ernsten Stoff zu bringen sucht, entstellt ist.\nAuch wird die Handlung im dritten und besonders im\nvierten Acte matter, als in den beiden ersten, denen es\n\n*) Nr. 51, S. 405."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650304-01.1.2", "texte": "keineswegs an dramatischem Leben und an musicalischen\nSituationen voll Gefühl und Leidenschaft fehlt. Hierbei\nwollen wir aber gleich bemerken, dass es dem Compo-\nnisten wohl gelungen ist, das Gebiet der Empfindung, mit-\nhin das so genannte lyrische, in ansprechender melodi-\nscher und harmonischer Weise zu behandeln, dass aber,\nsobald es darauf ankommt, die leidenschaftliche Macht der\nTöne zu entfesseln und den dramatisch ausdrucksvollen\nTonwogen die Schleusen zu öffnen, die dazu erforderliche\ngeniale Kraft dem Componisten versagt. Daraus ging denn,\nbei der durch anderweite Vocal- und Instrumental-Com-\npositionen Wüerst's schon bekannten und auch hier wie-\nder vollkommen bewährten Sicherheit in der Factur, in\nder ersten Vorstellung ein Erfolg der Achtung hervor,\nwelchen auch die drei folgenden Aufführungen bestätigt\nhaben.\nUebrigens hat die Musik viele Vorzüge, die in den\nmeisten neueren Erzeugnissen verwandter Gattung, so weit\nwir sie kennen, nicht eben häufig sind; dahin rechnen wir\ndie Sangbarkeit sowohl in den Soli als in den einzelnen\nStimmen der Ensembles, und im Lyrischen die echt deut-\nsche Melodie, die in Uebereinstimmung mit den besten\nMeistern der Lyrik, wie Schubert, Weber, Spohr und Men-\ndelssohn, das Triviale gewöhnlicher Italiäner vermeidet, sich\naber auch von dem Gesuchten der französischen, in\nMeyerbeer'schen Oper eben so fern hält, wie von den\nEroberungen der Zukunftsschule. Bei alledem wird es\nübrigens dem Werke doch schwer fallen, sich auf dem\nBepertoire zu halten.\nEine neue Operette von H. Dorn: „Gewitter bei\nSonnenschein\", sollte auf dem Friedrich-Wilhelmstädti-\nschen Theater zur Aufführung kommen, ist aber vom\nComponisten, dem Vernehmen nach wegen Streitigkeiten\num die Besetzung der Hauptrolle, zurückgezogen worden.\nFräulein Artöt setzt ihr Gastspiel mit steigendem\nErfolge fort. Mit Frau Harriers-Wippern, deren Ver-\nlust der königlichen Bühne drohte, ist ein neuer Contract\nmit Zusicherung von Pension geschlossen worden.\nDie statistische Uebersicht, herausgegeben vom Be-\ngisseur von Lavallade, enthält folgende Ergebnisse. Im\nGanzen wurden 526 Vorstellungen gegeben: Schauspiel\n288, Oper 167, Ballet 44, gemischte Vorstellungen 26\nund ein Concert. Im Opernhause 259, im Schauspielhause\n263, im Palais 1 und in Potsdam 3 Vorstellungen, davon\n273 im und 253 ausser Abonnement. Unter den 526\nVorstellungen befanden sich 25 Schauspiel-Vorstellungen\nim Opernhause und Aufführung zur Feier von Shake-\nspeare's dreihundertjährigem Geburtstage: Fest-Ouverture\nvon Beethoven, Prolog, Julius Cäsar. Ausserdem gelangten\nvom 18. bis 26. April nur Stücke Shakespeare's zur Auf-\nführung. Zum Gedächtnisse Meyerbeer's wurde im letzten\nZwischenacte des Propheten am 8. Juni eine Feier veran-\nstaltet. An verschiedenen Stücken gelangten 163 zur Auf-\nführung; an verschiedenen Opern 45, an verschiedenen\nBallets 15, Divertissements 2. An neun Abenden fanden\nSolotänze Statt. Zum ersten Male wurden 12 Stücke und\n2 Opern aufgeführt. Im Schauspielhause wurden am häu-\nfigsten gegeben: Montjoie (22 Mal), Nach Sonnen-Unter-\ngang (12 Mal), Die Unglücklichen (10 Mal), Hans Lange\n(12 Mal), Gegenüber (10 Mal), Königin Bell (9 Mal), Die\nKomödie der Irrungen (8 Mal). In der Oper erlebten die\nmeisten Vorstellungen: Margarethe (19 Mal), Die lustigen\nWeiber von Windsor (10 Mal), Robert der Teufel (8 Mal),\nFra Diavolo und Oberon (7 Mal), Die Zauberflöte (9 Mal).\nIm Ballet: Flick und Flock (16 Mal), Morgano (12 Mal),\nDas schlecht bewachte Mädchen (6 Mal). Vorstellungen\nclassischer Werke: von Lessing 11, Goethe 9, Schiller\n28, Kleist 7, Shakespeare 58, Moreto 4, Calderon 6,\nMoliere 2, zusammen 125; Gluck 3, Mozart 19, Beetho-\nven 5, Weber 12, Mehul 1, Cherubini 2, Spontini 5,\nzusammen 47.\n\nG.\n\nNeue Opern in Prag und Wien.\n(„Perdita\" von Barbieri „Concini\" von Thomas Lowe.)\nAus Prag schreibt man über die Aufführung der\nOper: „Perdita oder ein Wintermärchen\", in vier\nAufzügen nach Shakespeare von Karl Gross bearbeitet,\nMusik von C. de Barbieri, welche am 11. Februar ge-\ngeben wurde, dass die Text-Bearbeitung geschickt gemacht\nsei. Die Composition machte im Ganzen keinen befriedigen-\nden Eindruck, was besonders dem Mangel an Originalität,\nan einem bestimmten, die ganze Oper durchdringenden\nStile zuzuschreiben ist. Eines der Haupt-Motive Shake-\nspeare's, welches auch der Textdichter bestimmt hervor-\nhob und durch die Beigabe eines Jago noch verstärkte,\nist die Eifersucht des Leontes, und eben dieses hat der\nComponist nur in schwachen Umrissen skizzirt. Seine ganze\nStärke verwandte er dagegen auf die Gerichtsscene des\nzweiten Actes, auf die Schäferscene und auf die Schilde-\nrung der Wirkung, als zum Schlüsse Hermione vom Piede-\nstal herabsteigt. Die Chöre in der ersten und letzten der\ngenannten Scenen sind gut gearbeitet, und das Ensemble\nim Finale des vierten Actes kann seine Wirkung nicht\nverfehlen. Der ganze dritte Act, wie es scheint, der best-\ncomponirte, litt durch die plötzliche Indisposition des Herrn\nBernard (Florizel); sein Duett mit Perdita wurde da-\ndurch zu einer blossen Arie der letzteren. Dagegen fand\nein Walzer der Perdita vielen Anklang, wiewohl er an den"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "67", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650304-01.1.3", "texte": "Arditi-Walzer erinnert. (!) Wenn übrigens die Oper „Per-\ndita\" irgend eine Musikrichtung verfolgt, so ist es unstrei-\ntig die Verdi'sche; das Publicum findet nur wenige Ruhe-\npunkte. Fassen wir den Gesammt-Eindruck zusammen,\nden wir bei der ersten Aufführung empfingen, so müssen\nwir den Componisten als einen mehr routinirten als wahr-\nhaft talentvollen Musiker bezeichnen, der in der „Perdita\"\nsich für lyrische Stellen und Chöre besonders tüchtig er-\nwies. Ein Gewinn für das Repertoire dürfte „Perdita\"\nkaum sein. Auf die Darstellung war, wie fast stets, grosse\nSorgfalt verwendet.\nNach den drei ersten Aufführungen der Oper „Con-\ncini\", Text von Lewitschnigg, Musik von Thomas\nLöwe, in Wien ergehen sich die „Recensionen\" nach\nden gerechten Klagen über die unverantwortliche Ver-\nnachlässigung der Vorführung neuer Opern durch die Di-\nrection des Hof-Operntheaters (also in Wien iout comme\nchez notis in Berlin! und dabei sprechen die officiösen\nund officiellen Blätter in den Residenzen der beiden deut-\nschen Grossmächte immer von Schutz und Förderung der\n„Kunst und Wissenschaft\", wobei sie den Künstlern zum\nTröste wenigstens auf dem Papier die „Kunst\" immer\nobenan stellen!) unter Anderem über die ewigen Vor-\nwürfe, die man den Textbüchern zu machen pflegt, in fol-\ngenden Bemerkungen, die wir gern unterschreiben:\n„Der Text zur Oper Concini gehört sicherlich zu den\nschwächeren Exemplaren dieser Gattung u. s. w., allein\nwir dürfen nie vergessen, dass auf Grundlage nicht viel\nbesserer Text-Schablonen die musicalischen Meister aller\nLänder ihre Meisterwerke geschaffen haben, dass zum\nMindesten die Anforderungen an das Textbuch sehr rela-\ntiver Natur sind, indem es in der Hand des wahrhaft be-\ngabten Musikers liegt, auch das schlechteste Text-Schema\nzur Grundlage eines Kunstwerkes zu machen, während\ndas bestgeformte Buch in der Hand des Stümpers oder\nblossen musicalischen Handwerkers musicalisch unfrucht-\nbar bleibt. „„Wenn der Ton drinnen steckt, so muss er\nheraus!\"\" sprach Beethoven einst, wenn wir nicht irren,\nzu einem Fagottisten; wenn aber das Talent nicht drin-\nnen ist, so wird auch mit dem besten Textbuche kein an-\nderes Resultat zu Tage gefördert, als z. B. von Herrn Le-\nwitschnigg im Bunde mit Herrn Löwe zu Stande gebracht\nworden ist.\"\nAus der sehr strengen Beurtheilung der Musik heben\nwir folgende Stellen hervor:\n„In dem ganzen Concini wüssten wir nicht eine\nNummer, aus welcher ein eigenthümliches Talent hervor-\nleuchtete, während gerade die Aeusserungsformen von\ngrosser Reife, wenn nicht von Ueberreife zeugen. Der\nComponist weiss das Orchester fachgemäss zu behandeln,\nseine Instrumentirung ist zwar grösstenteils überladen,\ntheilweise lärmend und theilweise barock; allein diese\nFehler hat er mit berühmten und beliebten Componisten\nMarschner, Verdi, Meyerbeer gemein, es sind nicht\ndie Fehler eines Anfängers; es sind weit mehr die Ein-\nflüsse herrschender Richtungen darin bemerkbar, als die\nLücken oder Uebergriffe des gährenden, ringenden, sich\nselbst nicht kennenden Genius. Diesem verzeiht man viel,\nweil man viel von ihm zu erwarten hat, weil man seinen\nmächtigen Flügelschlag herausfühlt.\n„Dem ganzen Concini aber fehlt vor Allem die musi-\ncalische Erfindung. Mochte die Einkleidung sein, wie sie\nwollte: wo blieben aber die einzukleidenden Ideen? was\nist dem Componisten eingefallen? wo ist seine musica-\nlische Legitimation zu öffentlichem Schaffen und Wirken\nauf diesem Felde? Nicht derjenige, der die nöthigen Stu-\ndien absolvirt, Partituren Anderer studirt, sich die üblichen\nzeitgemässen Formen angeeignet hat, sondern derjenige\nist dazu berechtigt, der diese Formen mit eigenen Gedan-\nken auszufüllen vermag, der wenigstens vorläufig im Ein-\nzelnen sich dazu befähigt zeigt. In der Löwe'schen Oper\nist nichts dergleichen. Allen Ensemblesätzen breiterer\nFactur ist der Componist aus dem Wege gegangen; kein\nmachtvoller Chor, kein durchgearbeitetes Finale verleiht\ndem Werke einen gediegenen Schwerpunkt; eben so we-\nnig aber treten einzelne Lichtpunkte als unwiderlegliche\nZeugen der eigenthümlichen Begabung hervor. Auch in\nden Arien ist wenig Ausdruck innerer Empfindung. Sie\nhaben zwar den Vorzug, dass sie alle schablonenhafte Ein-\ntheilung und alles Liedmässige vermeiden, dabei aber auch\nden Nachlheil der Gedanken-Armuth, des unruhigen\nUeberspringens von einem Melodie-Anlaufe zum anderen,\nohne Rast und Ruhe, so dass man immer wähnt, der\nComponist dränge mit Macht über Unwesentliches hin-\nweg, um seine ganze Kraft irgend einem entscheidenden\nMomente zuzuwenden, bis man inne wird, dass man auf\ndiese Weise die ganze Oper erwartungsvoll und unbefrie-\ndigt mit angehört hat, ein Werk—um es schliesslich noch\neinmal zusammenfassend zu wiederholen —, dessen An-\nlage und dessen Formen sowohl den berechtigten Anfor-\nderungen, als auch der übertriebenen Ausdrucksweise der\nmodernen „grossen Oper\" nicht ohne formelle Fachge-\nwandtheit gerecht werden, dessen Inhalt aber an Eigen-\ntümlichkeit und Gedankenfülle das Wesentliche vermis-\nsen lässt, nicht das verfehlte Werk eines hoffnungs-\nreichen Talentes, sondern die wohlüberlegte Arbeit der\ngewiegten Mittelmässigkeit, deren Bestrebungen übrigens\ngewiss ein milderes Urtheil finden würden, wenn sie nicht\nals alleinige Frucht der directorialen Thätigkeit, sondern\nals eine Novität unter mehreren mehr Vergleichungs- und\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650304-01.1.4", "texte": "Anhaltspunkte dem Publicum darböte. Unter den obwal-\ntenden Umständen aber ist es kein Wunder, wenn Con-\ncini schon bei der dritten Aufführung zur Hälfte leere\nBänke, zur Hälfte gelangweilte Gesichter vorfand.\"\nDie Aufführung des Concini wird übrigens als eine\nvielfach gelungene bezeichnet. Die Herren Wachtel und\nBeck und Fräulein Destinn hatten die Haupt-Partieen.\n\nMozart’s Zauberflöte in Paris.\n\nDen 24. Februar 1865.\n„Das Leben ist doch zu Etwas gut!\" rief J. J. Rous-\nseau aus, als er zum ersten Male Gluck's „Orpheus\" ge-\nhört hatte. Weich eine Menge von Menschen, die gestern\nAbend aus dem Iheätre lyrique strömte, mag dieses be-\nrühmte Wort wiederholt oder dessen Sinn nachempfunden\nhaben! denn einen reineren Eindruck musicalischer Schön-\nheit hatten sie nie erhalten, als durch die Aufführung von\nMozart's „Zauberflöte\", die wir endlich zum ersten Male\nso gehört haben, wie sie Mozart geschrieben hat.\nIm Anfange unseres Jahrhunderts hatte man versucht,\ndas Meisterwerk Mozart's in Frankreich einzuführen. Un-\nter dem Titel: „Les Mysteres d'lsisu wurde eine Oper\naufgeführt, als deren Bearbeiter für die französische\nBühne ein Musiker, Namens Lachnith, sich mit Stolz be-\nkannte, denn eines Abends rief er beim Herausgehen aus\ndem Theater bis zu Thränen gerührt seinen Freunden zu:\n„Nein! ich schreibe von jetzt an keine Oper mehr; denn\nich kann nie wieder etwas Schöneres machen, wie die-\nses!\" Er hatte nicht nur Alles durch einander gewor-\nfen, sondern auch viele Nummern der Original-Partitur\nweggelassen und Stücke aus Don Juan, Figaro und Titus\nhineingelegt. Trotz alledem wurden diese „Mysterien\",\nobwohl sie Anfangs dem Publicum nicht mundeten, doch\nim Jahre 1816 wieder aufgenommen bei trefflicher Be-\nsetzung durch Lays, Derivis, Nourrit (den Vater), Madame\nBranchu u. s. w., und erlebten bis zum Jahre 1827, wo\nsie zum letzten Male gegeben wurden, 130 Vorstellungen\nallerdings ein Beweis der unverwüstlichen Schönheit\nder Fragmente der Partitur, welche Lachnith's Schere\nund Bügeleisen verschont und ungeglättet gelassen halte.\nZwei Jahre später kam die deutsche Opern-Gesellschaft\nunter Rockel nach Paris und gab die „Zauberflöte\" mit\ndem Tenor Haizinger; die Schröder-Devrient kam erst\nim folgenden Jahre nach Paris. Da die Oper aber mit\ndeutschem Texte gegeben wurde, so konnte sie bei dem\neigentlichen pariser Publicum nicht durchschlagen, zumal\nzu einer Zeit, wo die deutsche Sprache noch weniger von\nden Franzosen beachtet und gelernt wurde, als jetzt, wie-\nwohl es mit dem Studium und der Verbreitung derselben\nin Paris auch noch nicht weit her ist.\nJetzt hat nun aber die Direction des lyrischen Thea-\nters darauf bestanden, das Werk so zu geben, wie es\nMozart geschrieben hat, ohne eine Note wegzulassen oder\ngar zu ändern, und ohne die Reihenfolge der Nummern\nzu unterbrechen oder zu verkehren. Die Bearbeiter des\nTextes, die Herren Nuitter und Beaumont, haben in ihrer\nUebersetzung die ursprüngliche Schikaneder'sche Fassung\nnur im Ausdrucke etwas gereinigt und geglättet oder re-\ntouchirt, sonst aber den ganzen Gang der Handlung und\nalles Wesentliche des Textes beibehalten. Es gebührt also\ndem Director Carvalho das Verdienst, ein Meisterwerk,\ndas der jetzigen Generation in Frankreich nur dem Na-\nmen nach und durch die Ouvertüre bekannt war, wieder\nins Leben gerufen zu haben, und allem Anscheine nach\nwird er auch in financieller Hinsicht sein Wagniss nicht\nzu bereuen haben.\nBesetzung und Ausstattung waren recht befriedigend,\ntheilweise vortrefflich, und es will etwas heissen, die\n„Zauberflöte\" auf einer Bühne, die kein überzahlreiches\nPersonal hat, gut zu besetzen. Die Königin der Nacht\nsang Demoiselle Nilsson, eine Schwedin, die ich schon\nin meinem letzten Briefe als talentvolle junge Sängerin\nbezeichnet habe; sie besitzt die genügende Höhe, und ihre\nKühnheit, diese abnorme Partie zu übernehmen, hat die\nProbe ganz gut bestanden. Madame Miolan-Carvalho\nwar als Pamina reizend, sang ohne von dem Ihrigen hin-\nzuzufügen, was der glänzenden Coloratur-Virtuosin schwer\ngeworden sein mag, und spielte die Rolle vortrefflich. Ihr\nDuett mit Papageno (Troy) wurde gerufen; Pa-\npageno war überhaupt als Sänger und Schauspieler recht\ngut, auch der Mohr Monostatos eine charakteristisch wie-\ndergegebene Figur. Der Tenor Michot sang den Tamino\nmit schöner Stimme; sein Vortrag war vielleicht hier und\nda zu anspruchsvoll. Am schwierigsten mochte die Be-\nsetzung des Sarastro gewesen sein: die Direction hatte\ndafür den Sänger Depassio gewonnen, der lange nicht\naufgetreten war und freilich hinter dem, was Karl Formes\nbei Euch früher in dieser Rolle leistete, weit zurück blieb.\nDagegen war Papagena, Madame Ugaldo, vortrefflich,\nund die drei Damen, auf welche Papageno's Grund, wess-\nhalb sie stets verschleiert erschienen, diesmal keineswegs\npasste man hat hier „Feen\" im Dienste der Königin\nder Nacht daraus gemacht —, so wie die drei Genien\nwaren allerliebst und brachten ihre schönen Gesänge zu\nguter Geltung und sehr beifälliger Aufnahme.\nMit Ueberraschung wird man das Urtheil eines Ita-\nliäners, A. de Gasperini, in der France musicale lesen. Er\nbeschliesst seinen Bericht mit folgenden Worten:"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "69", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650304-01.1.5", "texte": "„Diese Musik ist von Anfang bis Ende ein Fest, eine\nFreude, eine unaufhörliche Fülle, bei welcher das Herz\nsich mit Seligkeit erweitert. Aus diesen heiteren Melodieen\nquillt ein reiner Eindruck, der auf uns wie das Lächeln\neines Engels wirkt, der das grosse Geheimniss kennt. Ich\nspreche nicht von den ausgesuchten Feinheiten der Har-\nmonie und der Instrumentirung, welche meiner Ansicht\nnach im Ganzen noch die Instrumentirung im Don Juan\nübertrifft; ich spreche nicht von jener bewundernswerthen\nKenntniss der Stimmen und der Bühnenwirkungen: ich\nhalte mich vor Allem an den überströmenden Ausdruck\nder reinen Liebe und an die himmlische Freude des Mei-\nsters, die ihn zur Mittheilung an die Menschen drängt\nund uns alles das Schöne zeigt, das er auf der Schwelle\neiner Welt erschaut, nach der wir uns alle sehnen. Mo-\nzart glaubt an seine Zauberflöte, er hat alles, was sie her-\nvorbringt, die Erscheinungen der Phantasie und die Ge-\nfühle der liebenden Herzen, die sie zusammenführt, an\nsich selbst empfunden.\n„Der ganze ernste Theil der Musik ist über alles Lob\nerhaben, die Einweihungs-Scenen, die Gesänge des Sa-\nrastro sind wunderbar breit und mächtig, die Chöre der\nPriester sind unerreichbar, es gibt nichts Höheres in der\nTonkunst.\n„Eine solche JMusik reinigt die Luft, und wahrlich,\ndie Zeit ist gut gewählt, um das Publicum zu einem sol-\nchen Feste zu laden. Was für eine Flut von dummen\nund niedrigen Melodieen überschwemmt die Scene, wo-\ngegen von Zeit zu Zeit starke Reagentien angewandt wer-\nden müssen, wie man die schlechte Luft aus dem Innern\neines Schiffes dann und wann vertreiben muss.\"\nNachschrift. Einige deutsche Blätter haben sich\naus Paris schon vor der Aufführung der „Zauberflöte\"\nschreiben lassen, dass die Oper verstümmelt und auf un-\nverzeihliche Weise zurechtgestutzt, zum Theil mit ganz\nanderen Personen, als der Original-Text habe, in Scene\ngehen werde. Dergleichen Nachrichten beweisen nur, was\nfür zuverlässige Correspondenten jene Musik-Zeitungen in\nParis haben und welche Kritik die Redactionen über ihre\nCorrespondenzen üben. Das Buch, nach welchem Mozart's\nOper im Theätre lyriqueaufgeführt ist, enthält die voll-\nständigen Nummern der Partitur von Mozart, und zwar\nin ihrer ursprünglichen Reihenfolge; von der Musik ist\nkeine Note geändert und keine Note weggelassen (nach\njenen falschen Nachrichten sollte z. B. die ganze Partie\ndes „Sprechers\" ausgefallen sein!). Die einzigen Aende-\nrungen des Buches bestehen darin, dass Pamina nicht die\nTochter der Königin der Nacht, sondern nur die Braut\nTamino's ist, der nicht als Prinz, sondern als Fischer er-\nscheint. Der Theaterzettel zählt in den Haupt-Partieen die\nDamen Nilsson, Carvalho, Ugalde, die Herren Michot,\nDepassio, Troy (Papageno) und Lutz (Monostatos) auf,\nferner sechs Damen für die drei Feen (Damenj und die\ndrei Genien, und fünf Herren für den Sprecher, die zwei\nPriester und die zwei geharnischten Männer, In der Text-\nUebersetzung ist überall der Charakter des Inhalts, der\ndie Musik bedingt hat, oft sogar der wörtliche Ausdruck\nbeibehalten, wie man aus folgenden Anfängen schon sehen\nkann: Nr. 1. A l'aide! j'expire,\n2. Je suis le joyeux oiseleur, .. 3.\ndans son reve un poete. 4. Ne tremble pas, toi qui m'est\neher! 5. Hm, hm, hm, hm 6.\nfaut venir.— 7. Ton coeur m'\n8. (Finale) Voici le but que iu poursuis. Nr. 9 ist der\nMarsch.—Nr. 10. Isis/ c'est ..—\n11. Un coeur prudent doit se defendre (Bewahret euch\nvor Weibertücke).— 12. (Quintett)\ndans cet antre dangereux!—l3. (Monostatos)\npeut-on vivre? —l4. Oui, de\n(die zweite Arie der Königin der Nacht, welche die Pa-\nmina hasst, weil sie selbst Gefallen an Tamino findet. Der\nCharakter dieser so genannten Rache-Arie wird dadurch\nso wenig verletzt, dass der Eindruck derselbe blieb und\ndie Nilsson sie sogar wiederholen musste). —l5. La haine\net la colere. .. - 16. (Terzett der Genien) Rassurez votre\näme inquiete. 17. (Pamina)\n18. (Chor) Noble Isis! Grand Osiris!—19. (Terzett)\nQuoi, c'en est fait, tu pars d 20. (Papageno)\nvie est un voyage.— 21. (Duett, Papageno und Papagena).\n21 bis. (Finale) Bientot la nuit va disparaltre.\n\nB. P.\n\nJoseph Derffel.\n\nHerr Joseph Derlfel, der vor einigen Jahren seine\nProfessur der Mathematik an einer höheren Lehranstalt\nin Wien niederlegte, um dem inneren Drange, sich ganz\nund gar der Tonkunst zu widmen, zu folgen, ging damals\nnach England und erwarb sich zunächst in Bright und\nspäter in London einen bedeutenden Ruf als Pianist und\ngediegener Musiker, und wir erinnern uns mit grossem\nVergnügen der Proben, die er uns von seinem eminenten\nTalente und seiner ganz eigenthümlichen mechanischen\nBehandlung des Pianolorte zu verschiedenen Malen bei\nseiner Durchreise durch Köln gab. Seine Technik ist in\nder That erstaunenswert!) und beruht auf ganz besonderen\nStudien und denselben entsprechenden Uebungen des Ge-\nlenkes und aller physischen Mittel zur Hervorbringung\nder Mannigfaltigkeit des Anschlags und zur Ueberwindung"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650304-01.1.6", "texte": "der grössten Schwierigkeiten durch Unabhängigkeit und\nGelenkigkeit der Finger und durch eine mitunter von der\ngewöhnlichen sehr abweichende Applicatur. Aber auch\nals Componist ist Derffel ganz seinen eigenen Gang gegan-\ngen, indem er bei den ältesten bewährten Meistern be-\ngonnen hat, sich seinen Stil zu bilden, was ihm, wie uns\nmehrere Ciavierstücke alle von ziemlich grosser Schwie-\nrigkeit— bewiesen haben, so weit gelungen ist, dass diese\nStücke uns nicht nur durch ihre gediegene Form, sondern\nbei aller polyphonen und contrapunktischen Arbeit auch\ndurch ihre melodischen Motive ausserordentlich ansprechen\nund eine Gattung von Bravourstücken bilden, wie wir sie\nbei den heutigen Virtuosen fast nirgends finden.\nIm vergangenen Herbste ist Herr Derffel einmal wie-\nder nach seiner Heimat zurückgekehrt und hat in Wien\nzwei Concerte (am 24. November und am 29. December\nvorigen Jahres) im Saale der Gesellschaft der Musikfreunde\nmit einem lange nicht bei Pianisten-Concerten dagewese-\nnen Erfolge gegeben.\nIm ersten Concerte spielte er: 1. Trio in Es, Op. 70\nNr. 2, von Beethoven; 2. Grande Sonate in A-moll, Op.\n42 von F. Schubert; 3. Drei Etüden, Nr. 3, 21 und 11\n(.Arpeges), von Chopin; 4. a. Fantasie, Op. 77, von Beet-\nhoven, b. Rondo brillant in Es, Op. 62, von C. M. von\nWeber; 5. a. Andante sostenuto, b. Rondo grazioso (auf\nVerlangen) von J. Derffel vor einer zahlreichen Zuhö-\nrerschaft, welche des enthusiastischen Beifalles von Anfang\nbis Ende nicht müde wurde.\nUeber das zweite Concert sprechen sich die „Recen-\nsionen\" folgender Maassen aus: „Wie selten geht man\ngern in das Concert eines Pianisten, wie noch weit selte-\nner verlässt man es befriedigt. Ob alle jene, welche in\nHerrn Derffel's zweitem Concerte am 29. December an-\nwesend waren, mit Freuden hineingegangen sind, wissen\nwir nicht: dass aber alle, bei welchen das musicalische\nVerständniss nur halbwegs ausgebildet ist, es vollkommen\nbefriedigt verliessen, das unterliegt keinem Zweifel, und\nwahrlich, darauf kann Herr Derffel in der jetzigen Zeit\nstolz sein. Wir wollen zum Beweise unserer Behauptung\nnur ein Factum anführen: Herr Derffel wurde nach dem\nVortrage der letzten Beethoven'schen Sonate (Op. 111 in\nC-moll) vier Mal, sage vier Mal, stürmisch gerufen. Wir\nglauben kaum, dass dies je früher einem Pianisten wider-\nfahren ist, und zweifeln sehr, dass es vielen nach ihm ge-\nlingen wird. Um diese Sonate, welcher man gewöhnlich\nnur ein pflichtschuldiges succes d'estime gönnt, einem gan-\nzen Publicum in solcher Weise zugänglich zu machen,\ndazu gehört eine künstlerische Begabung und eine richtige,\ngründliche und erschöpfende Kenntniss des grössten Ton-\ndichters aller Zeiten, wie wir sie in gleichem Maasse bei\nPianisten noch nie, bei anderen Musikern nur äusserst\nselten angetroffen haben. Der Vortrag dieser Sonate, nach\nunserer Ansicht des für die Wiedergabe Schwierigsten,\nwas Beethoven für das Ciavier geschrieben hat, sowohl\nwas die Auffassung als was die Technik anbelangt, war\nvon einer Klarheit und Deutlichkeit, die nichts zu wün-\nschen übrig iiess, und zeigte dabei eine Sicherheit und\nGründlichkeit der Auffassung und eine Wärme und Tiefe\ndes Gefühls, dass der damit errungene Sieg ein vollständig\ngerechtfertigter war. Auch in dem Vortrage des Mozart'-\nschen Rondo und der Gigue bekundete Derffel den echten\nKünstler. Es ist jetzt Sitte oder eigentlich Unsitte bei den\nPianisten geworden, die Mozart'schen Compositionen, weil\nsie keine grossen technischen Schwierigkeiten bieten, nur\nso leicht, obenhin, als einem überwundenen Standpunkte\nangehörend, zu behandeln. Herr Derffel hingegen ging\nauch an diese Aufgabe mit Liebe und Hingebung, und die\nWirkung blieb nicht aus. Ausserdem spielte der Künstler\nnoch die schöne Phantasie in F-moll (Op. 49) und die\nTarantella von Chopin und zwei Etüden eigener Compo-\nsition, Alles in gediegenster und brillantester Weise.\"\nIn diesen Tagen ist nun der Ruf an Joseph Derffel\nergangen, als Kammer-Virtuose Ihrer Kaiserlichen Hoheit\nder Frau Grossfürstin Helene nach Petersburg zu kom-\nmen. Er hat diese ehrenvolle Ernennung angenommen und\nbereits Wien verlassen, um seine neue Stellung anzutre-\nten, welches dieselbe ist, die Anton Rubinstein mehrere\nJahre hindurch bis zu seiner Ernennung zum Director\ndes petersburger Conservatoriums bekleidete.\nWir sind gewiss, dass er auch an seinem neuen Be-\nstimmungsorte seinen Grundsätzen und seiner künstleri-\nschen Ueberzeugung treu bleiben und eben so wie in\nLondon und Wien als Dolmetscher nur guter und gedie-\ngener Musik durchdringen wird.\n\nL. B.\n\nRichard Wagner in München.\nWir sind keine Freunde der Verbreitung sogenannt\ninteressanter Scandalien über persönliche Verhältnisse be-\ndeutender Männer, wesshalb wir den ganzen münchener\nKlatsch über Richard Wagner bisher ignorirt haben. Da\naber Wagner selbst ihn jetzt officiel gemacht hat, so\nscheint uns doch seine Erklärung gegen die Angriffe in\nder Allgemeinen Zeitung der Mittheilung werth, weil sie\nhöchst charakteristisch ist. Est sagt\nCicero von einem römischen Prätor, dessen Tugend nicht\neben Bescheidenheit war.\n„Nachdem die Grossmuth Sr. Majestät des Königs\n(von Baiern)\" äussert Wagner „mir die nöthigen"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650304-01.1.7", "texte": "Mittel angewiesen, die mich bestimmen sollten, überhaupt\nin München zu leben und ungestört meinen im Uebrigen\nauf Ertrag von auswärts berechneten Arbeiten nachgehen\nzu können, ertheilten mir Se. Majestät im vorigen Herbste\nden besonderen Auftrag der musicalischen Ausführung\nmeines ganzen Nibelungenwerkes, eines Cyklus von vier\nvollständigen musicalischen Dramen, deren jedes den vollen\nUmfang und die Bedeutung einer meiner früheren Opern\nhat. Für diese Bestellung, deren Annahme mich nöthigte,\nauf längere Jahre jede Arbeit, welche auf sofortige Ver-\nbreitung und Honorirung durch die deutschen Theater\nberechnet sein konnte, bei Seite zu legen, wurden mir im\nNamen Sr. Majestät unter vertragsmässigen Bedingungen\nVergünstigungen zugewiesen, welche das nicht überschrit-\nten, was baierische Könige bereits bei ähnlichen Bestellun-\ngen auf Werke der Kunst und Wissenschaft gewährt hatten.\nSomit im Rechte, mich nicht als Günstling, sondern als\nganz im Verhältnisse seiner Arbeit wohlbezahlten\nKünstler zu betrachten, glaube ich zunächst Niemandem\nRechenschaft von der Verwendung meines Verdienstes ab-\nlegen zu müssen, es sei denn, dass ich mich dafür zu ent-\nschuldigen hätte, für meine Arbeit denselben entsprechen-\nden Lohn gefunden zu haben, welchen Maler, Bildhauer,\nArchitekten, Gelehrte u. s. w. wiederholt und häufig fan-\nden. Wie hoch ich dennoch das Glück anschlug, ganz un-\nerwartet gerade hier den hochherzigen Gönner, der eben\nden Werth des kühnsten meiner künstlerischen\nPlane zu schätzen wusste, gefunden zu haben, möge\ndaraus ersehen werden, dass ich alsbald mir von Sr. Ma-\njestät dem Könige die Genehmigung zu meiner Natu-\nralisirung als Baier erbat und dafür die nöthigen\nAufträge ertheilte.\"\nBescheideneren Dank kann man wohl kaum für eine\nwahrhaft königliche Huld aussprechen, als dass man öf-\nfentlich das Land des Königs für würdig erklärt, den Be-\ngünstigten als Adoptivsohn künftig zu den Seinigen zu\nzählen, und versichert, „dazu die nöthigen Aufträge er-\ntheilt zu haben!\"\n4\nWenn in der Kölnischen Zeitung (Nr. 58, zweites\nBlatt) eineCorrespondenz aus München vom 24. Februar\nden „baierischen Fremdenhass\", den schon Thiersch,\nFeuerbach, Liebig u. s. w. leider empfunden hätten, als\nstark betheiligt bei den Klatschereien über Wagner an-\nklagt, so mag der Correspondent darin Recht haben. Wenn\ner aber sagt, dass jetzt dabei auch „das Element der mu-\nsicalischen Gegensätze mitspiele\", und hinzufügt: „Dies\nwürde überall der Fall sein, wo die Anhänger Mozart's\nund Beethoven's ihre Götter von neuen Giganten bestürmt\nsähen\", so verräth er dadurch seinen Standpunkt auf eine\ngar zu naive Weise, indem wir durch ihn erfahren, dass\nMozart und Beethoven in der gesammten musicalischen\nWelt eben nur „Anhänger\" haben und Wagner zum\nGeschlechte der „Giganten\" gehört!\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nJtei'liil« Der Kirchen-Musik-Director Emil Naumann er-\nhielt von der Königin Augusta für Ueberreichung seiner Lorelei-\nOuverture eine goldene Medaille mit den Portraits Ihrer Majestäten.\nBerlin, 25. Februar. In der Oper erschien in voriger Woche\nneu einstudirt „Catharina Cernaro\", großse Oper in vier Acten von\nSt. Georges, Musik von Fr. Lachner. Genannte Oper bleibt unstrei-\ntig Lachner's bedeutendstes Werk im .Gebiete dieses Genres von\nComposition. Die einzelnen Piecen sind meistens in deutscher Weise,\nwie sie namentlich durch Mozart eingeführt, gehalten, aber frei ge-\nschaffen, ohne Nachbildung; im Ensemblestil bewährt der Componist\nden erfahrenen, gründlich gebildeten Künstler, der seinen poetischen\nEingebungen abgerundete Form und Gestaltung zu geben weiss.\nDie Recitative sind entschieden classisch zu nennen, die Melodieen\nsind meistens sehr sangbar. Eine entschiedene Bahn hat sich das\nWerk gerade nicht brechen können, jedoch wusstc es sicli Anerken-\nnung zu verschaffen. WTir sahen die Oper zuletzt im Jahre 1860,\nund war Fräulein de Ah na bereits damals im Besitze der Titel-\nrolle. Die treffliche, schöne Künstlerin gab die Rolle sowohl in Ge-\nsang wie Spiel in höchst gediegener, vollendeter Weise, so dass der\nBeifall mit Recht jubelnd und stürmisch losbrach.\nDariftiStatlt, Es kamen „Fidelio\" und rDon Juan1' unter\nNeswadb a's Leitung in vorzüglicher Weise zur Aufführung.\nIn Braun schweig wird für den 10., 11. und 12. Juni, un-\nmittelbar nach dem niederrheinischen Musikfeste, ein grosses Musik-\nfest beabsichtigt unter Mitwirkung von Joachim, Walter, Hill\nund der Damen Dustmann und Bettel heim.\nIn Frankfurt am Main wird der Bau eines neuen Theaters\nbeabsichtigt. Es sollen dem dortigen Senate zwei bezügliche Projecte\nvorliegen. Das eine, von Herrn N. Strauss eingereicht, bietet dazu\nein Capital von 800,000 Fl. (worauf bereits 300,000 Fl. gezeichnet\nsind) gegen eine städtische Garantie von 3 pCt. Zinsen; nach dem\nanderen Plane, von Herrn Kohn-Speier ausgehend, soll der Senat\nein ähnliches Capital schaffen und die Gesellschaft bürgt für dessen\nZinsen zu 3 pCt.\nLeipzig« Das fünfzehnte Gewandhaus-Concert (9. Februar)\nbrachte an Orchesterwerken Beethoven s Ouvertüre Op. 124 und eine\nSinfonie in G-dur von Haydn, welche, trefflich ausgeführt, das Pu-\nblicum dermaassen elektrisirte, dass der letzte Satz\nwiederholt werden musste. [Ei, das deutet ja auf eine wohl-\nthätige Geschmacks-Reaction! Was sagt die Fortschritts-Partei zu\nihrem Publicum, das auf einmal wieder Freude an der „inhaltlosen\nKindermusik\" bekommt??] Die Solo-Vorträge hatten Herr und Lrau\nJoachim aus Hannover übernommen. Herr Joachim spielte sein\nneues Concert in G-dur (Manuscript), Barcarole und Scherzo von\nSpohr, und Double aus der H-moll-Sonate von S. Bach, und\nnachdem er jubelnd hervorgerufen und mit Beifall förmlich über-\nschüttet worden war, noch einige Sätze aus desselben Meisters So-\nnate in JE-dur. Frau Joachim sang eine Arie aus „Iheodora von"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650304-01.1.8", "texte": "Händel, dann die Arie „Deh per questo istante soloLi von Mozart,\nund die Lieder „Memnon\" und „Der Lindenbaum\" von Fr. Schubert.\n* Landau (Pfalz), 19. Februar. Wir wollen nicht versäumen,\nein grösseres musicalisches Publicum auf die neueste Composition\nunseres Musik-Directors Eugen Drobisch aufmerksam zu machen,\nwelche, vor wenigen Tagen in einem Concerte unseres Musikvereins\nzur Ausführung gebracht, mit dem ungetheiltesten Beifalle Aller\nund dem einstimmig günstigen Urtheile der Sachverständigen aufge-\nnommen wurde. Die Composition, „Frühlingsweihe\" betitelt, eine\nCantate für Soli, Chor und Orchester, wurde uns unter der treffli-\nchen Leitung des Componisten in durchaus gelungener Weise vor-\ngeführt, und waren die Mitwirkenden, mit den Schönheiten des Ton-\nwerkes auf das innigste vertraut, in der That förmlich dafür begei-\nstert. Nach unserer Ueberzeugfling reiht sich dasselbe in würdiger\nWeise den früheren Compositionen des begabten Musikers an und\ndürfte nicht wenig dazu beitragen, demselben auch in weiteren\nKreisen Anerkennung zu verschaffen.\nDie dresdener Festhalle für das deutsche Sängerfest wird eine\nlichte Spannweite von 160 Fuss, eine Höhe von ungefähr 76 Fuss\nund eine Länge von beiläufig 470 Fuss erhalten. Die einzige im\nInnern um die ganze Halle herumlaufende, ungefähr 18 Fuss vor-\nspringende Galerie wird ihre Zugänglichkeit durch grosse, ausser-\nhalb des Gebäudes angebrachte Freitreppen erhalten. Die Dachfläche\nwird durch hölzerne Gitterträger gestützt, welche zugleich im In-\nnern eine Decken-Decoration bilden sollen; diese Gitterträger sind\nin Zwischenräumen von ungefähr 36 Fuss auf die Länge des gan-\nzen Bauwerkes vertheilt und an darüber gespannte Drahtseile auf-\ngehängt.\nIn Hamburg brachte Herr Julius Stockhausen am 10.\nFebruar Haydn's „Schöpfung\" und Mendelssohn's 114. Psalm in\nder Michaelskirche zur Aufführung, wobei als Solisten Fräulein\nGeorgine Schubert und Herr Gunz aus Hannover und Herr\nAdolph Schulze aus Hamburg mitwirkten.\nifliinclien» Die „Münchener Sängergenossenschaft\", beste-\nhend aus den Vereinen „Liedertafel\", „Bürger-Sängerzunft\", „Aka-\ndemischer Gesangverein\" und „Neu-Bavaria\", hat den als tüchtigen\nMusiker und talentvollen Componisten bekannten Singmoister der\n„Bürger-Sängerzunft\" Max Zenger zu ihrem Dirigenten erwählt.\nWien« Im Burgtheater nahm Herr Fichtner nach vierzig-\njährigem Engagement als „Gluthen\" im „Letzten Mittel\" am 31.\nJanuar in Anwesenheit eines übervollen Hauses Abschied von dem\nhiesigen Publicum. Der Kaiser und fast alle in Wien anwesenden\nErzherzoge und Erzherzoginnen waren in der Hofloge zugegen. Am\nSchlüsse des Stückes sprach Fichtner tief ergriffen ein rührendes\nAbschiedswort. Eduard Bauernfeld hat dem scheidenden Künstler\nein längeres Gedicht gewidmet. Von den zahllosen Zeichen der\nLiebe und Freundschaft, welche dem Künstler an diesem Abende\nauf der Bühne geworden, wollen wir hier nur erwähnen, dass am\nSchlüsse der Vorstellung ihm von Ihrer K. Hoheit der Erzherzogin\nSophie ein Lorberkränz und ein werthvolles Album der Erinnerung\nan seine Künstler-Laufbahn übersandt wurde, und dass Frau Ba-\nronin Bruck (geb. Bossler), die so oft und namentlich auch im\n„Letzten Mittel\" mit Fichtner gespielt hat, ihm zur Aufbewahrung\nder letzten Rolle eine blausammtne Enveloppe mit Metall-Reliefs\nund dem auf weissem Moir6 gestickten Namenszuge K. F. über-\nsandte. Karl Fichtner trat während seiner Wirksamkeit in 460 Stücken\nund 513 Rollen auf und hat im Ganzen 5497 Mal gespielt.\nDie wiener Sing-Akademie hat, nachdem Herr Dessoff seine\nEntlassung genommen, Herrn Wein wurm zu ihrem Chormeister\nerwählt.\nFranz Schierer, Vorstand des Männer-Gesangvereins in\nWien, ist am 20. Februar nach längerer Krankheit gestorben. Er\ngehörte dem Vereine seit der Gründung desselben im Jahre 1845\nan und war der dritte Vorstand (bis 1847 der Gründer August\nSchmidt, bis 1859 Egg er). Schierer war ein Mann von nicht\nunbedeutender Bildung, die er sich durch rastlose Thätigkeit und\neisernen Fleiss zu eigen gemacht hatte. Als Vereins-Vorstand ent-\nwickelte er bedeutende Umsicht, praktischen Blick, grosse Energie,\nwar stets bestrebt, alle Gegensätze auszugleichen, und hielt die Ord-\nnung in den Vereins-Angelegenheiten mit ängstlicher Genauigkeit\naufrecht. Von makellosem Charakter, von sehr freisinniger politi-\nscher Gesinnung, genoss er die Achtung aller jener, die ihn kann-\nten. Was Schierer seiner Familie gewesen, bewies der herzzerreis-\nsende Anblick seiner Hinterlassenen bei dem Begräbnisse am 22.\nFebruar. Der Männer-Gesangverein hatte sich im Presbyterium um\nsein mit Trauerflor umhülltes Banner gruppirt und sang ein Libera\nvon Herbeck und einen deutschen Chor von Lortzing. Die grosse\nKarlskirche war überfüllt: alle musicalischen Vereine und Gesell-\nschaften waren vertreten, dessgleichen der Gemeinderath (dem Schie-\nrer angehörte) durch den Herrn Bürgermeister und viele seiner Mit-\nglieder. Ueber hundert Wagen folgten bis zum Friedhofe, wo der\nVorstand-Stellvertreter Herr Billing dem Dahingeschiedenen einige\nherzliche Worte widmete, worauf Schierels Lieblings-Chor: „Die\nletzte Treue\" von Storch, angestimmt wurde.\nDie Regisseur-Stelle, welche durch Fichtner's Abgang am\nwiener Burgtheater vacant geworden, ist Herrn Rettich verliehen\nworden.\nZur Erinnerung an Händel's hundertjährigen Todestag ist in\nder Kirche St. Mary Redcliff in Bristol ein Votivfenster mit schö-\nnen Glasmalereien gestiftet worden. Acht Scenen aus dem „Messias\"\nbilden die Vorwürfe der Compositionen zu diesen Glasgemälden,\nvon der Geburt des Heilandes bis zum „Hallelujah\". Bei jedem\nBilde tragen Engel Spruchbänder, auf denen die dem Texte zum\nBilde entsprechende Musik verzeichnet ist. Das Fenster trägt die\nWidmung: nln Memory of Handel. Erected 100 years after his\ndeath.\""}]}