{"numero_id": "bm-bmtnabi-1865-03-11-01", "volume": "bmtnabi_1865-03-11_01", "ocr_sha256": "d798426a4126220ac8bf7ca972b706827202cf57684fe83a023c95de8861125a", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1865/03/11_01/bmtnabi_1865-03-11_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650311-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1865-03-11-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-03-11_01#c001", "volume": "bmtnabi_1865-03-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "73", "page_fin": "73", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650311-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "73", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650311-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 430, "texte": "Inhalt.\nFranz Schubert. Von Dr. Heinrich Kreissie von Hellborn. I. Die Aufführungen von Beethoven's „Fidelio\" in\nWien. — Madame Viard-Louis. — Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Fünfte Soiree für Kammermusik, Musik-Director\nGernsheim, Sonate für Pianoforte und Violine von Franz Derckum — Gotha, Fanny Janauschek — München, Preis-Ausschreiben — Wien,\nTheater, Gastspiele, Concertpfeifer Piccolini — Petersburg, Friedrich Haase)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-03-11-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-03-11_01#c002", "volume": "bmtnabi_1865-03-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "73", "page_fin": "77", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650311-01.2.2", "titre_corps": "Franz Schubert.", "titre_sommaire": "Franz Schubert.", "signature_source": "Heinrich Kreissle von Hellborn", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "73", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650311-01.1.1", "debut_caractere": 432, "fin_caractere_exclue": 4148, "texte": "Franz Schubert.\nVon Dr. Heinrich Kreissle von Hellborn\n*)•\nI.\nHeinrich von Kreissie bat bereits vor drei oder vier\nJahren eine „biographische Skizze\" von Franz Schubert\nherausgegeben, welche trotz ihrer Anspruchslosigkeit das\nBeste war, was bis dahin über den grossen Tondichter\nerschienen, indem die bald nach seinem Tode veröffent-\nlichten Aufsätze ähnlicher Art nur kurz und in Tagesblät-\ntern zerstreut waren. Schubert hatte übrigens das sonder-\nbare Loos, dass in den mehr als drei Jahrzehenden, die\nnach seinem Tode verflossen sind, trotzdem dass seine gei-\nstigen Schöpfungen die ganze gebildete Welt eroberten\nund die Anerkennung seines reichen Talentes sich bis zu\neinem wahren Schubert-Cultus steigerte, dennoch kein\nVersuch zu einer wirklichen Biographie gemacht wurde\nund alles, was auf sein Leben, seine Art zu arbeiten, sein\nausserkünstlerisches Treiben u. s. w. Bezug hatte, nur\ntheils im Gewände phantastischer Erdichtung, theils in\nanekdotischer Klatschweise in die Welt kam. An Vor-\nsätzen, Schubert's Leben und Schaffen darzustellen, hat\nes nicht gefehlt: so wissen wir aus Liszt's Munde, dass er\nzu der Zeit, als er sein Buch über Chopin herausgegeben\nhatte, Materialien zu einem Leben Schubert's sammelte\nund sehr für die Sache eingenommen war. Auch erfahren\nwir aus Kreissle's Vorworte, dass Herr Anselm Hütten-\nbrenner, ein Freund Schubert's, dergleichen Materialien\nan Liszt übermittelt habe, wie auch, dass einige Männer\nin Wien mit dem Vorhaben, Schubert's Leben zu schrei-\nben, umgegangen sind. Allein es kam nichts von alledem\nzu Stande. Die Gründe davon setzt der gegenwärtige Bio-\ngraph in seinem Vorworte ganz richtig aus einander. Nach-\ndem er eingeräumt, dass die Veröffentlichung der oben\nerwähnten Skizze aus manchen Quellen, die ihm nicht\nbekannt gewesen, willkommene Mittheilungen an ihn ver-\nanlasst habe, und dass er dadurch und durch eigene Be-\nmühungen allmählich in den Besitz eines verhältnissmässig\nreichen Materials gelangt sei, fährt er fort: „Die Schwie-\nrigkeiten, mit welchen eine Darstellung von Schubert's\nLeben zu kämpfen hat, sind- freilich in Wesenheit diesel-\nben geblieben. Sie gipfeln in der Unmöglichkeit, ein Le-\nben, „ „in welchem es nicht Berg, nicht Thal, sondern nur\ngebahnte Fläche gab, auf der sich unser Tondichter in\ngleichmässigem Rhythmus fortbewegte'I'', als interessant\nund bedeutend hinzustellen, ohne dem Leser an Stelle der\nWahrheit Phantasiestücke zu bieten, die wohl für den\nAugen blick Anregung und Erheiterung gewähren mögen,\nder Sache selbst aber in keiner Weise förderlich sind*).\nEben aus dieser Ursache haben auch Personen, in deren\nMacht es gestanden, über Schubert's Leben viele und zu-\nverlässige Aufschlüsse zu geben, nach wiederholten Anläu-\nfen zu grösseren Arbeiten in dieser Richtung sich schliess-\nlich auf die Erklärung zurückgezogen, dass eine Biographie\nSchubert's ein geradezu unausführbares Unternehmen sei,\nweil sich dieser Tondichter, dessen äussere Existenz so\nganz von allem dem losgelöst war, was geistig in ihm\nlebte und webte, nur aus seinen musicalischen Inspira-\ntionen darstellen und begreifen lasse. Es liegt in der That\nein Körnchen Wahrheit in dieser Behauptung; jede Bio-\ngraphie Schubert's wird wegen des Mangels an innigen\nWechselbeziehungen zwischen innerem und äusserem Le-\n\n*) Wien. Verlag von Karl Gerold's Sohn. 1865. VI und\n620 Seiten in 8. mit Schubert's Portrait und Autograph vom 10.\nJuli 1821.\n*) Derlei poetisch und gemüthlich gefärbte „Phantasieen\" über\nSchubert sind auch im Druck erschienen. Ihr Inhalt gehört zum\nbei Weitem grössten Theile in das Reich der Fabel und ist nur\ngeeignet, den Tondichter in einem ganz anderen Lichte erscheinen\nzu lassen, als dies in Wirklichkeit der Fall war."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "74", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650311-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5297, "texte": "ben mehr oder weniger das Gepräge des Skizzenhaften\nan sich tragen, und die Aufzählung und Würdigung sei-\nner künstlerischen Leistungen immerdar einen unverhält-\nnissmässig grossen Raum in Anspruch nehmen. Dennoch\nkonnte mich diese Ansicht, da sie eben zu viel behauptet,\nin keiner Weise abhalten, den verpönten Versuch aber-\nmals mit verstärkter Kraft zu wagen und die Lösung der\nmir gestellten Aufgabe nach Thunlichkeit anzustreben.\nEs ist meine auf Erfahrung gestützte Ueberzeugung, dass\nin nicht ferner Zeit bei dem allmählichen Heimgange der\nnoch lebenden Zeugen von Schubert's äusserer Existenz\neine Biographie dieses Tondichters schlechterdings zu den\nUnmöglichkeiten gehören wird, und dass fürder, unge-\nachtet so mancher unvermeidlicher Lücken, im Wesent-\nlichen kaum ein Mehreres geboten werden dürfte, als in\ndieser Darstellung enthalten ist, es müsste denn Jemand,\nauf rein musicalischen Boden sich stellend, Lust und Müsse\nfinden, die an die Zahl von Eintausend hinanreichenden\nCompositionen Schubert's kritisch zu zergliedern.\"\nNach Durchlesung des Buches muss man dem Ver-\nfasser die vollkommene Berechtigung zu seinem Ausspruche\ngeben, dass schwerlich eine vollständigere Nachrichten-\nSammlung über Schubert's Leben, als die von ihm ver-\nöffentlichte, zu erwarten sei. Die musicalische Welt ist\nihm mithin für die Herausgabe des Buches eben desshalb\ngrossen Dank schuldig, weil er die historische Wahrheit\nohne alle Rücksicht darauf, ob sie günstige und schwär-\nmerische Vorstellungen zerstöre, oder ungünstige und ver-\nleumderische zu nichte mache, nach bestem Wissen und\nErfahren mittheilt. Wenn er in diesem Streben zuweilen\nbis zu kleinlicher Gewissenhaftigkeit im Abdruck unbe-\ndeutender, Schubert nur mittelbar und von aussen her be-\nrührender Schriftstücke geht, ja, sich von manchen Lesern\nden Vorwurf der Trockenheit zuziehen wird, so gestehen\nwir dagegen, dass allerdings das Buch auf einen geringe-\nren Umfang hätte beschränkt und folglich die wünschens-\nwerte Verbreitung durch billigeren Preis desselben erleich-\ntert werden können, dass wir aber jene Ausführlichkeit,\nauch wo sie Dinge von- mehr localem Interesse oder öko-\nnomische Verhältnisse und Aehnliches berücksichtigt, bei\nWeitem dem so genannten blühenden Stile eines Biogra-\nphen vorziehen, der alles, was seinen Helden betrifft, in\nder Färbung seiner eigenen persönlichen Anschauungs-\nweise darstellt. Und dann macht auch, wir müssen sagen:\nglücklicher Weise, der von dem Verfasser im obigen Vor-\nworte bezeichnete „Mangel an innigen Wechselbeziehun-\ngen zwischen innerem und äusserem Leben\" bei Schubert\nnoch eine andere Art der Künstler-Biographieen unmög-\nlich, nämlich die psychologische Erklärung der Thätigkeit\ndes Genius aus den äusseren Verhältnissen, Lebens-Ereig-\nnissen, ja, körperlichen Zuständen des Dichters oder Com-\nponisten, die Construction seines Ichs von den ersten\nAeusserungen seines Geistes bis zu dessen höchsten Schö-\npfungen, die Nachweisung der Noth wendigkeit nicht\nnur seiner Entwicklung nach bestimmten allgemeinen\nRichtungen hin, sondern sogar der Entstehung einzelner\nWerke, und was der Räthsel mehr sind, welche der\nmenschliche Dünkel durch Zergliederung einer göttlichen\nNatur zu lösen sich anmaasst. Auch der dreisteste und\ndialektisch geübteste psychologische Ausleger wird sich\nden tausend Werken eines rein musicalischen Genie's wie\nSchubert gegenüber vor den Kopf schlagen und zu dem\nbekannten Bilde der übrigens sehr schätzbaren Thiere vor\ndem Berge eine neue Copie liefern müssen.\nUnd spricht denn nicht sehr oft die Mittheilung nack-\nter Thatsachen belehrender und eindringlicher, ja, erschüt-\nternder zu uns, als Raisonnement und sentimentale Decla-\nmation? Können wir eine deutlichere Vorstellung von dem\nLoose eines in Tönen schaffenden Genie's dem Musik-Ver-\nlage gegenüber erhalten, als durch den Abdruck der\nBriefe namhafter Verleger an den Componisten, z. B. eines\nSchreibens von H. A. Probst in Leipzig, welcher (April\n1828, ein halbes Jahr vor Schubert's Tode!) ihm für\ndas JEs-dur- Trio, Op. 100! 20 Gulden 60 Kreu-\nzer zahlte, „da ein Trio meist nur ein Ehrentitel und sel-\nten etwas dabei zu verdienen ist\"! (S. 434.) Dabei fragte\ner ausser um die Opus-Nummer auch um Mittheilung\neiner etwaigen Dedication an, worauf Franz Schubert ent-\ngegnete: „Das Opus des Trio's ist 100. Dedicirt wird\ndieses Werk Niemandem, ausser jenen, die Gefallen daran\nfinden. D ies die einträglichste Dedication.\" (S. 435.)\nUnd ferner, wenn wir lesen, dass Schubert's Nachlass im\ngerichtlichen Gesammt-Schätzungswerthe (die Manuscripte\ngalten natürlich für nichts!) sich auf 63 Gulden belaufen\nund sein unvermögender Vater für ihn 269 Fl. 19 Kr.\nKrankheits- und Beerdigungskosten bezahlt hatte, während\nHaslinger nach seiner eigenen Angabe bis 1860 mit dem\nLiede „Der Wanderer\" 27,000 Fl. verdient hatte!\nUnd wiegen nicht die einfachen Briefe seines Bruders\nFerdinand an den Vater, und des Vaters an diesen, bei\ndem Franz wohnte, jede noch so rührende Schilderung\nder letzten Augenblicke des Scheidenden auf, und sind sie\nnicht zugleich schönere und zuverlässigere Denkmale der\nLiebe der Seinigen zu ihm, als die lautesten Betheuerun-\ngen Fremder?\nDer Vater (Schullehrer in der Rossau zu Wien)\nschreibt am Morgen des Todestages Franzens (den 19.\nNovember 1828) an Ferdinand:"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "75", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650311-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4970, "texte": "„Lieber Sohn Ferdinand!\n„Die Tage der Betrübniss und des Schmerzes lasten\nschwer auf uns. Die gefahrvolle Krankheit unseres gelieb-\nten Franz wirkt peinlich auf unsere Gemüther. Nichts\nbleibt uns in diesen traurigen Tagen übrig, als bei dem\nlieben Gott Trost zu suchen und jedes Leiden, das uns\nnach Gottes weiser Fügung trifft, mit standhafter Erge-\nbung in seinen heiligen Willen zu ertragen, und der Aus-\ngang wird uns von der Weisheit und Güte Gottes über-\nzeugen und beruhigen.\n„Darum fasse Muth und inniges Vertrauen auf Gott:\ner wird Dich stärken, damit Du nicht unterliegest, und\nDir durch seinen Segen eine frohe Zukunft gewähren.\nSorge so viel als möglich, dass unser guter Franz unver-\nzüglich mit den heiligen Sacramenten der Sterbenden ver-\nsehen werde, und ich lebe der tröstlichen Hoffnung, Gott\nwird ihn stärken und erhalten. Dein betrübter, aber von\ndem Vertrauen auf Gott gestärkter Vater\n„Franz.\"\nUnd Ferdinand's Brief vom 21. November 1828:\n„Liebwerthester Herr Vater!\n„Sehr Viele äussern den Wunsch, dass der Leichnam\nunseres guten Franz im Währinger Gottesacker begraben\nwerde. Unter diesen Vielen bin besonders auch ich, weit\nich durch Franzen selbst dazu veranlasst zu sein glaube.\nDenn am Abende vor seinem Tode noch sagte er bei hal-\nber Besinnung zu mir: „„Ich beschwöre Dich, mich in\nmein Zimmer zu schaffen, nicht da in diesem Winkel un-\nter der Erde zu lassen; verdiene ich denn keinen Platz\nüber der Erde?\"\" Ich antwortete ihm: „„Lieber Franz,\nsei ruhig, glaube doch Deinem Bruder Ferdinand, dem\nDu immer geglaubt hast und der Dich so sehr liebt. Du\nbist in dem Zimmer, in dem Du bisher immer warst, und\nliegst in Deinem Bette!\"\" Und Franz sagte: „„Nein,\nist nicht wahr, hier liegt Beethoven nicht!\"\" Sollte\ndies nicht ein Fingerzeig seines innersten Wunsches sein,\nan der Seite Beethoven's, den er so sehr verehrte, zu\nruhen?!—\n„Ich habe desshalb mit dem Bieder gesprochen und\nmich erkundigt, welche Kosten diese Leichen-Uebertra-\ngung verursache, und da kommen ungefähr 70 Fl. C.-M.\nheraus. Viel! sehr viel!— Aber für Franzen doch gewiss\nsehr wenig! Ich meinerseits könnte für diesen Fall einst-\nweilen 40 Fl. entbehren, denn ich habe gestern 50 ein-\ngenommen.\n„Sind Sie daher, lieber Herr Vater, meiner Gesin-\nnung, so wäre mir wieder ein grosser Stein vom Herzen\ngewälzt. Jedoch müssten Sie Sich sogleich entschliessen\nund es mir durch den Ueberbringer dieses mittheilen las-\nsen, damit ich das Eintreffen des Todtenwagens veranstal-\nten könnte. Auch müssten Sie dafür besorgt sein, dass\nhierüber noch heute Vormittags dem Herrn Pfarrer in\nWähring die Anzeige gemacht werde.\n\"Ihr trauernder Sohn\n„ Ferdinand *).\n„21. November 1828. Früh 6 Uhr.\"\nDer Vater ging sogleich auf den Vorschlag ein, und\nso wurde Schubert's Wunsch, der im Fiebertraume noch\nsein Verlangen aussprach, neben Beethoven zu ruhen,\nnach Möglichkeit erfüllt, indem sein Grab (Nr. 223) nur\ndurch drei Gräber von dem Beethoven's (Nr. 290) auf dem\nWähringer gartenähnlichen Friedhofe getrennt ist.\nFranz Schubert, geboren den 31. Januar 1797,\nwar der jüngste von vier Söhnen aus der ersten Ehe des\nLehrers Franz Schubert in Wien. Sein Vater und dessen\nälterer Bruder Karl, Söhne eines Bauern und Ortsvor-\nstehers in Mährisch-Neudorf, hatten sich dem Lehrstande\ngewidmet und leisteten darin Gutes; seine älteren Brüder\nergriffen ebenfalls das Fach des Vaters: Ignaz, der äl-\nteste, bekleidete zuletzt die Stelle desselben als Lehrer in\nder Rossau (-J- 1844); Ferdinand, drei Jahre älter als\nFranz und diesem im Leben am nächsten stehend, starb\n1859 als Director der Haupt-Normalschule zu St.» Anna.\nFr war musicalisch gebildet, hat einige Kirchen-Compo-\nsitionen und theoretische Schriften über Musik verfasst.\nFr war nach Franzens Tode im Besitze des musicalischen\nNachlasses; was davon bei seinem Tode noch übrig blieb,\nging auf seinen Neffen l)r. Ed. Schneider über.\nDie musicalische Natur von Franz offenbarte sich\nnicht nur sehr früh, sondern auch sogleich auf eine über-\nquellende Weise. Unterricht auf dem Ciavier und auf der\nVioline erhielt er vom Vater und den Brüdern nur in den\nersten Elementen und nur kurze Zeit, worauf er sich\nselbst forthalf und seine Lehrer sehr bald überholte. Im\nBesitze einer hübschen Sopranstimme, kam er als einjäh-\nriger Knabe in die kaiserliche Hofcapelle, wurde in den\nStadt-Convict aufgenommen und gelangte in dem kleinen\nConvict-Orchester bald an das Pult der ersten Violine.\nAm meisten sollen Mozart's und dann die\nBeethoveirschen Eindruck auf ihn gemacht haben. Er\nschrieb im Convict schon alles Mögliche, wozu ihm ein\nFreund das Notenpapier lieferte; er hat diese Versuche\nmeist vertilgt, andere sind verloren gegangen. Eine vier-\nhändige grosse Phantasie und „Hagar's Klage\" als erstes\nbedeutenderes Gesangstück entstanden 1811. Aul dieses\nStück, das 28 Seiten füllte, veranlasste Salieri den Un-\nterricht des vierzehnjährigen Knaben im Generalbass.\n\n*) Das Original des Schreibens ist im Besitze des Herrn von\nKr eis sie.\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "76", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650311-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5294, "texte": "Mit dem väterlichen Hause blieb er während der Zeit\nseines Aufenthaltes im Convicte dadurch in Berührung,\ndass an Ferialtagen die von ihm componirten Streich-\nQuartette, oft unmittelbar nach ihrem Entstehen, in den\ndort üblichen Quartett-Uebungen an den Sonntag-Nach-\nmittagen *der Reihe nach aufgeführt wurden. Der alte\nSchubert pflegte dabei das Cello, Ferdinand die erste,\nIgnaz die zweite Violine und Franz die Viola zu spielen.\nDa war nun der Jüngste unter allen der Empfindlichste.\nFiel wo immer ein Fehler vor, und war er noch so klein,\nso sah er dem Fehlenden ernsthaft, zuweilen auch lächelnd\nins Gesicht; fehlte der Vater, so ging er beim ersten Male\ndarüber hinaus; wiederholte sich aber der Fehler, so\nsagte er ganz schüchtern und lächelnd: „Herr Vater, da\nmuss etwas gefehlt sein\", welche Belehrung dann ohne\nWiderrede hingenommen wurde.\nIn der Ferienzeit pflegte Franz auch das Theater zu\nbesuchen. Von den damals gegebenen Opern interessirte\nihn ganz besonders Weigl's „Schweizerfamilie\", die erste\nOper, die er überhaupt hörte, und in welcher Vogl und\ndie Milder sangen; dann Cherubini's „Medea\", Boiel-\ndieu's „Johann'von Paris\", „Aschenbrödel\" von Isouard,\nganz besonders aber Gluck's „Iphigenia auf Tauris\", in\nwelcher die oben genannten Künstler ebenfalls Vorzüg-\nliches leisteten. Diese letztere Oper versetzte ihn jedes\nMal in Entzücken, und er zog sie ihrer edeln Einfach-\nheit und Erhabenheit wegen schliesslich allen übrigen\nOpern vor.\nDieser Theaterbesuch erklärt auch einiger Maassen\ndie Thatsache, dass der geniale Jüngling sich alsbald mit\nstaunenswerter Sicherheit in dramatisch-musicalischen\nArbeiten versuchte, wie denn bereits im Jahre 1813 von\nihm die Composition der Zauber-Oper von Kotzebue:\n„Des Teufels Lustsch I oss\", in Angriff genommen\nund im Jahre 1814 vollendet wurde, im Jahre 1815 aber\nmehrere Opern und Singspiele entstanden.\nDa der Lehrer, dem Franz durch Salieri übergeben\nworden war, erklärte: „Der hat Alles schon vom lieben\nGott gelernt!\" so übernahm Salieri selbst seine Fortbil-\ndung, und Schubert genoss in den Jahren 1813 —lßl7\ndessen Unterricht und Anleitung, in so weit überhaupt\nbei einem solchen Genie, welches übrigens auch Salieri\nfreudig anerkannte „er kann Alles, es ist ein Genie,\nLieder, Messen, Opern, Quartette, alles, was man will\",\nsagte er öfters —, die Rede davon sein konnte. Dass sich\nihre Richtungen trennen mussten, war natürlich, und man\nbraucht nicht nach äusseren Veranlassungen des Bruches\nzu suchen. Dass Schubert schon in seiner Jugend „einen\nguten Tropfen\" liebte, erzählte dem Verfasser Franz\nDoppler, mit welchem Franz, von Salieri kommend, öfters\nin einer nahe gelegenen Weinschenke ein Stündchen ver-\nplauderte. Uebrigens hielt er Salieri bis an sein Ende hoch\nin Ehren. Die Annahme, dass Schubert im Grunde nie\netwas Rechtes gelernt habe, widerlegt Kreissie auch durch\ndie verbürgte Thatsache, dass er in der Instrumental-\nMusik die Werke anerkannter Meister früher und spä-\nter eifrig studirt habe. Im Liede aber ist seine bei-\nnahe auf der Stelle reife künstlerische Erscheinung ohne\nGleichen.\nNach fünfjährigem Aufenthalte im Convicte kehrte er\n1813 ins väterliche Haus zurück, wurde vom Vater zum\nLehrslande bestimmt und pädagogisirte drei Jahre lang\nin der ABC-Classe der Schule zu Sanct Anna. Um so be-\nwundernswerter ist dabei seine musicalische Productivität.\nSeine erste Oper: „Des Teufels Lustschloss\", von Kotzebue\nin drei Acten (S. 37 43) beendete er 1814 und schrieb\ndie Messe in F,nach deren Aufführung ihn Salieri öffent-\nlich umarmte, ein Salve Reginamehrere Lieder, Tänze\nfür Quartett und Hörner, drei V i o I i n - Q u ar te tt e\n(darunter das in B-dur,von Spina 1863 als Op. 168!\nherausgegeben Schubert hat es vom 5. l3. September\nschon im Jahre 1814 in seinem siebenzehnten Lebens-\njahre componirt) und eine grosse vierhändige Sonate.\nWenn es auch bekannt ist, dass Schubert viel und\nschnell componirt bat, so erscheint doch durch die ge-\nnauen Nachweisungen bei Kreissie seine Thätigkeit eben\nin den Jahren, wo er noch bei Salieri viel aus- und ein-\nginct und die Elementarciasse in der Schule seines Vaters\nH n\npflichtmässig mehrere Stunden lang täglich unterrichtete,\ngeradezu unbegreiflich, selbst wenn man nur die zum me-\nchanischen Niederschreiben erforderliche Zeit, geschweige\ndenn die geistige Arbeit dabei in Anschlag bringt. Dem\nJahre 1815, seinem neunzehnten Lebensjahre, entquoll\nein Strom von mehr als hundert Liedern und Balladen,\nein halbes Dutzend Opern und Singspiele, Kirchen-Com-\npositionen, Sinfonieen, Kammermusik für Quartett und\nfür Ciavier, und unter dieser Masse von Productionen be-\nreits solche, besonders in Liedern, die zu dem Besten ge-\nhören, was er geschaffen. Mit besonderer Liebhaberei\ngriff er nach Balladen; den „Amphiaraos\", ein grosses\nGedicht von Th. Körner., componirte er in fünf Stunden,\ndie Musik zu „Emma und Adelwold\" füllte fünfundfünf-\nzig Seiten Manuscript u. s. w., wovon die Autographe bei\nSpina vorhanden sind.\nIn d ieses Jahr oder spätestens in den Beginn des Jah-\nres 1816 fällt auch die Composition von Goethe's „Erl-\nkönig\", jenes nächst dem bald darauf entstandenen\n„Wanderer\" populärsten Liedes von Schubert, welches\naber erst sechs Jahre später den Ruf desselben begründete\nund dann in kurzer Zeit Gemeingut der ganzen musicali-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "77", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650311-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4569, "texte": "sehen Welt wurde*). Schubert schrieb dieses Lied an\neinem Nachmittage auf seinem Zimmer in dem väterlichen\nllause am Himmelpfortgrund. Spaun kam eben dazu, als\nsein Freund sich in Mitte der Arbeit befand. Er hatte das\nGedicht in steigender Aufregung ein paar Mal durchgele-\nsen, und da während dieser Beschäftigung auch der musi-\ncalische Inhalt zu vollkommener Klärung gelangt war,\nwühlte er das Lied in jener Spanne Zeit auf das Papier\nhin, die eben zur Vollbringung der nur mehr noch mecha-\nnischen Arbeit erforderfich war. Die fertige Composition\nwurde am Abende desselben Tages in das Convict ge-\nbracht, wo sie Schubert und nach ihm Holzapfel den\nFreunden vorsang, womit die mannigfachen Ausschmückun-\ngen, mit welchen die geschäftige Phantasie die Genesis des\n„Erlkönig\" zu umgeben wusste, wegfallen. Da die Freunde\nbei der Stelle: „Mein Vater, jetzt fasst er mich an!\" be-\ndenkliche Gesichter schnitten, übernahm es der Musik-\nmeister Buczizka, sie über die Zulässigkeit der mnsicali-\nschen Dissonanz (die heutzutage sich ganz harmlos aus-\nnimmt) aufzuklären und zu beruhigen. Als der Sänger\nVogl mit Schubert bekannt wurde, bemächtigte er sich\nsogleich dieses für ihn wie geschaffenen Liedes und sang\nes häufig in Privat-Cirkeln, bis er endlich im Jahre 1821\nbei Gelegenheit einer im Operntheater veranstalteten Aka-\ndemie den „Erlkönig\" in die Oeffentlichkeit einführte.\nVon den Liedern und Balladen aus diesem Jahre sind\nwenigstens ein halbes Hundert noch nicht gedruckt.\nFerner gehören in das Jahr 1815 die Messe in\n(Op. 141, ein Meisterwerk), eine Messe in B, ein Stabat\nmater, ein Magnificai,das Violin-Quartelt in G-nioll „lür\ndie Hausmusicanten\", zwei Clavier-Sonalen, zwei Sinfo-\nnieen in B und D in vier Sätzen, und von Opern und\nSingspielen: „Der vierjährige Posten\" (ein Act, im Mai);\n„Fernando\" (ein Act, vom 3. —9. Juli componirt!);\n„Claudine von Villa Bella\" (drei Acte, wovon nur der\nerste noch vorhanden; „mit den beiden anderen ist 1848\nder Ofen geheizt worden in Abwesenheit des Besitzers des\nManuscriptes\"); „Die beiden Freunde von Salamanca\"\n(zwei Acte, Ouvertüre und 18 Nummern Gesangstücke\nPartitur bei Dr. E. Schneider in Wien).—Wahrscheinlich\nrührten auch noch drei andere Singspiele, von denen nur\nunbedeutende Bruchstücke übrig sind, aus demselben\nJahre her.\nDer Drang, Opernmusik zu schreiben, kam, wie wir\nsehen, sehr früh bei Schubert zum Durchbruche, und er\ngenügte ihm nach seiner Weise durch Massen-Production.\nDer musicalische Gehalt dieser Operetten reiht sich\nwohl nicht dem Bedeutenderen an, was Schubert über-\nhaupt geschaffen, auch würden dieselben, als Theater-\nstücke gesehen, von der Bühne herab der jetzigen Ge-\nschmacksweise wahrscheinlich nicht mehr zusagen, zumal\nwenn man die Naivetät einiger der benutzten Textbücher\nin Betracht zieht*); andererseits aber wäre es ein Irrlhum,\nwollte man glauben, dass in diesen Erstlingen der drama-\ntischen Muse Schuberl's nur die Schülerhaftigkeit eines\nallerdings hochbegabten Anfängers zu Tage trete;\ndenn der in Melodieen unerschöpfliche, mit den Gesetzen\nder Harmonie und der Kunst der Instrumentirung voll-\nkommen vertraute Tondichter, welcher um jene Zeit schon\nmehrere seiner schönsten Lieder geschrieben und das Zeug\nin sich hatte, ein Werk, wie es die 6?-Messe ist, zu schaf-\nfen, bewegt sich auch in diesen dramatisch-musicalischen\nArbeiten mit einer Leichtigkeit und Sicherheit in der Be-\nhandlung des vocalen und instrumentalen Theiles, dass da\nvon schülerhaften Versuchen nicht die Bede sein kann.\nEine Aufführung des musicalischen Theiles der Operetten\nim kleinen Concertraume würde manch reizendes Stück\nzu Tage fördern.\nDie Lust, Opern zu schreiben, hat übrigens Schubert\nnie verlassen. Es trat wohl hier und da eiye längere Pause\nein, im Ganzen genommen ist aber seine Thätigkeit auf\ndiesem Felde eine überraschend fruchtbare, und trotzdem,\ndass in späterer Zeit die Ungunst der Theater-Verhältnisse\nseinen zwei grösseren Bühnenwerken die ihnen gewisser\nMaassen schon zugesicherte Aufnahme in das Bepertoire\nverwehrte, sehen wir doch den Unermüdlichen noch am\nEnde seiner Tage abermals mit dem Gedanken an eine\nneue Oper beschäftigt.\nWas von Schuberfs dramatisch-musicalischen Arbei-\nten während seiner Lebzeiten auf der Bühne zur Auffüh-\nrung gelangte, gehörte ausschliesslich dem Melodram und\nder musicalischen Posse an.\n\n*) Das Datum ist ohne Zweifel auf dem Manuscripte angege-\nben. Dieses besitzt Frau Clara Schumann. Das Lied ist übrigens\nvon Schubert zwei Mal componirt worden, das zweite Mal mit der\nauch in den Stich übergegangenen Triolen-Begleitung."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-03-11-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-03-11_01#c003", "volume": "bmtnabi_1865-03-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "77", "page_fin": "78", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650311-01.2.3", "titre_corps": "Die Aufführungen von Beethoven’s „Fidelio“ in Wien.", "titre_sommaire": "Die Aufführungen von Beethoven’s „Fidelio“ in Wien.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "77", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650311-01.1.5", "debut_caractere": 4571, "fin_caractere_exclue": 5085, "texte": "Die Aufführungen von Beethoven’s „Fidelio“\nin Wien.\nDas „chronologische Verzeich niss der Werke\nL. van Beethoven's\" von Alexander W. Thayer\nist soeben in Berlin, 1865, bei Ferd. Schneider, VIII\nund *2OB S. Gr. 8., erschienen. Herr Thayer, ein Ameri-\ncaner aus Boston, hat über fünfzehn Jahre sich mit For-\nschungen über die Feststellung der Chronologie sämmt-\n\n*) An läppischen Operntexten fehlt es zwar auch jetzt nicht;\naber die Methode, nach welcher in Unsinn gemacht wird, ist eine\nandere zeitgemässe geworden."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "78", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650311-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3375, "texte": "licher Werke Beethoven's beschäftigt und für die Errei-\nchung seines Zweckes weder Zeit noch Kosten gescheut,\nobwohl seine Reisen und der langjährige Aufenthalt in\nDeutschland einen bedeutenden Aufwand von beiden nötbig\nmachten. Da jetzt „andere Beschäftigungen und Berufs-\npflichten den Reisen und persönlichen Nachforschungen\nein Ende gemacht haben\", so hat er, auf die Ausarbei-\ntung eines grösseren, vollständigen historisch-chronologi-\nschen Werkes verzichtend, sich entschlossen, die Resultate\nseiner bisherigen Bemühungen nicht länger zurückzuhalten.\"\nund so den vorliegenden Katalog herausgegeben, und zwar\nin deutscher Sprache, deren er ganz gut mächtig ist. Wir\nkommen auf das Buch zurück und (heilen gegenwärtig\nEiniges aus dem Abschnitte Nr. 125 über die Aulführun-\ngen der Oper Fidelio in Wien mit, was zur vollständi-\ngen Widerlegung der irrthümlichen Angabe dient, welche\nbesonders gern von verkannten Genie's noch jetzt zu Gun-\nsten eigener Werke ausgebeutet wird, als habe Beetho-\nven's Fidelio überhaupt nie Boden in Wien gefunden\nund sei erst später durch die Aufführungen in Nord-\ndeutschland zur Anerkennung gekommen.\nDer erste Theaterzettel der Oper lautet so:\n„Neue Oper. Heute Mittwoch den 20. November\n1805 wird in .dem k., auch k. k. priv. Schauspielhause\nan der Wien gegeben zum ersten Male: Fidelio oder\nDie eheliche Liebe. Eine Oper in drei Acten, frei nach\ndem Französischen bearbeitet von Joseph Sonnleitner.\nDie Musik ist von Ludwig van Beethoven.\n„Personen: Don Fernando, Minister Herr Wein-\nkopf; Don Pizarro, Gouverneur eines Staatsgefängnisses\nHerr Meier; Florestan, ein Gefangener— Herr Dem-\nmer; Leonore, seine Gemahlin, unter dem Namen Fidelio\nDlle. Milder; R occo, Kerkermeister Herr Rothe;\nMarzelline, seine Tochter Dlle. Müller; Jaquino, Pförtner\nHerr Cache; Wachehauptmann Herr Meister. Ge-\nfangene. Wache. Volk.\n„Die Handlung geht in einem spanischen Staats-Ge-\nfängnisse, einige Meilen von Sevilla, vor. Die Bücher\nsind an der Casse für 15 Kr. zu haben.\"\nAm Donnerstag den 21. November, bei der zweiten\nAufführung, lautet der Theaterzettel eben so, wie auch\nbei der dritten Aufführung am Freitag den 22.; immer\nwurde die Oper als Fidelio, nicht als Leonore gegeben.\nDamals wurde Fidelio nur drei Mal gegeben. Darauf\nmit Text-Aenderungen von Breuning im Jahre 1806 zwei\nMal (den 29. März und 10. April). Der Zettel war der-\nselbe, auch mit dem Titel „Fidelio\"; der Titel des Text-\nbuches aber hiess: „Leonore oder der Triumph der ehe-\nlichen Liebe. In zwei Aufzügen.\" —Das Original des Bu-\nches hiess? „Leonore ou l'Amour\nSeit der Wiederaufnahme der Oper am 23. Mai 1814\n(Leonore Mad. Milder, Florestan Herr Radichi,\nPizarro Herr Vogl, Bocco —Herr Wein m ü Her, also\nmit ausgezeichneter Besetzung) wurde sie am 26. Mai, 2.,\n4., 7. und 21. Juni, 18. Juli zu Beethoven's Benefiz ge-\ngeben, und in dieser Benefiz-Vorstellung sang die Milder\nzum ersten Male die grosse Arie mit den vier Hörnern,\nund Weinmüller zum ersten Male das Lied vom Golde.\nLetzteres war wohl von Anfang an vorhanden, aber bisher\ngestrichen, die Arie wohl erst 1814 componirt worden.\nUeberhaupl wurde nun Fidelio in Wien aufgeführt:\n1814 22 Mal (Leonore: Milder).\n1815 10 „ (Milder 7 Mal, Mad. Campi 3 Mal).\n1816 10 „ (Campi).\n1817 9 „\n1818 5 „\n1819 3 „\n1822 5 „ (Schröder).\n1823 3 „ (Dieselbe).\n1831 7 „ (Mad. Ernst).\nW,eiter gehen die Angaben bei Thayer nicht."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-03-11-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-03-11_01#c004", "volume": "bmtnabi_1865-03-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "78", "page_fin": "79", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650311-01.2.4", "titre_corps": "Madame Viard- Louis.", "titre_sommaire": "Madame Viard- Louis.", "signature_source": "W. R", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "78", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650311-01.1.6", "debut_caractere": 3377, "fin_caractere_exclue": 4769, "texte": "Madame Viard- Louis.\n\nUeber diese französische Beethoven-Pianistin schreibt\nman aus Wien:\n„Trotzdem das erste Coneert das leerste unter den\nleeren war, gab sie doch am 26. Februar ein zweites, und\ndiesmal sogar mit Orchester. Da ausserdem Frau Viard-\nLouis ihren Pleyel'schen Flügel auf ihren Kunstreisen mit\nsich führt, so rnuss man wohl annehmen, dass der pecu-\nniäre Erfolg bei ihr gar nicht in die Wagschale fällt, und\ndass es ihr nur darum zu thun ist, selbst um den Preis\nbedeutender materieller -Opfer sich im Vortrage Beetho-\nven'scher Compositionen, denen sie sich ausschliesslich ge-\nwidmet zu haben scheint, in allen bedeutenden Städten\nhören zu lassen. Eine so uneigennützige Begeisterung und\nein so aufopferndes Verfolgen des gesteckten Zieles ist in\ngewisser Beziehung der Anerkennung werth, und als Di-\nlettantin betrachtet, leistet Frau Viard-Louis Anerkennens-\nwerthes. Sie besitzt mehr Kraft, als sonst Ciavier spielen-\nden Damen eigen zu sein pflegt; dabei ist ihre Ausdauer\nerstaunlich. Das Vorzüglichste ihrer Technik ist die voll-\nständige Unabhängigkeit der linken Hand von der rechten:\nauch gelingen ihr oft die schwersten Passagen trefflich,\nwährend sie zuweilen bei ganz einfachen Stellen hudelt *\noder daneben greift. Meistens verdirbt sie sich selbst die\nWirkung ihrer Passagen durch die gegen das ABC des\nClavierspiels verstossende Gewohnheit, Läufe, selbst chro-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "79", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650311-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 754, "texte": "matische, Triller u. s. w., mit gehobenem Pedal zu spielen.\nIm Vortrage spielt das Tempo rubato eine zu grosse Rolle,\nsonst zeugt die Auffassung von Verständriiss und Geschmack.\nDas Interessanteste bei Madame Viard-Louis ist das Pro-\ngramm. Es war ein schöner Genuss, die beiden reizenden\nBeethoven'schen Concerte in G und in Es (vom Opern-\nOrchester unter Herrn Dessoff's Leitung sehr gut beglei-\ntet) vorüberrauschen zu hören. Die unlängst von Derffel\nso trefflich und mit so grossem Beifalle gespielte 111. So-\nnate ging spurlos vorüber. Fräulein Bochkoltz- Falconi\nsang zwei Beethoven'sche Lieder und eine Arie aus „Ti-\ntus\", besonders letztere (mit von Herrn Klein trefflich\ngespieltem obligatem Bassethorn) in ganz ausgezeichneter\nW eise.\"\n\n(W. R.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-03-11-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-03-11_01#c005", "volume": "bmtnabi_1865-03-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "79", "page_fin": "80", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650311-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "79", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650311-01.1.7", "debut_caractere": 756, "fin_caractere_exclue": 7259, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nH.01119 10. März. Die fünfte Soiree für Kammermusik war\nwohl die interessanteste der ganzen Saison, und zwar nicht in dem\nSinne interessant, wie man das Wort oft als einen Euphemismus bei\nVorführung von neueren Compositionen gebraucht sieht, die nur für\ndie Leute vom Fach spannend, für das Publicum aber unverständ-\nlich und folglich langweilig sind, sondern in Wahrheit die sicht-\nbarste Theilnahme der ganzen Zuhörerschaft erregend und was\ndie Hauptsache ist in hohem Grade befriedigend. Das Programm\nwar die vorzüglichste Veranlassung dieser Befriedigung, und dazu\ndie treffliche Ausführung, deren fleissige Vorbereitung dieses Mal,\nweil sie auf die besten Gegenstände gerichtet gewesen, durch den\nallgemeinen Beifall den ehrenvollsten Lohn erhielt. Das Programm\nbrachte ein Trio für Violine, Alt und Violoncell, Op. 9 Nr. 3 in\nC-moll, und das grosse Trio in B-dur: Op. 97, für Pianoforte\nu. s. w., beide von Beethoven; zum Schlüsse das Violin-Quartett\nin G-dur, Op. 1 (51, von Franz Schubert.\nDas erste Trio von Beethoven, von den Herren von Königs-\nlöw, Japha und Schmit sehr schön vorgetragen, war zweifels-\nohne dem bei Weitem grössten Theile der Zuhörer unbekannt, ob-\nwohl bereits 1798 geschrieben, auch (als Op. 61!) für Ciavier, Vio-\nline und Violoncell arrangirt. Freilich, wie selten kommt jetzt ein\nKammermusik-Verein auf den glücklichen Gedanken, ein so ein-\nfaches Werk aufs Programm zu setzen! Nun, wir und die ganze\nZuhörerschaft vom Dinstag Abend sind sehr dankbar für diesen Ein-\nfall und haben die melodische Zeichnung und die harmonische Far-\nbenfrische dieses Cabinetsstückes, dem • man seine 67 Jahre nicht\nanhört, mit innigem Behagen in Ohr und Gemüth aufgenommen.\nAusser den zwei ersten Nummern desselben Werkes 9 machen wir\nnoch auf das ebenfalls mit grossem Unrecht vernachlässigte noch\nfrühere Werk dieser Gattung von Beethoven: „Grosses Trio in\nEs-dur für Violine, Viola und Violoncello, Op. 3,\" aufmerksam;\nes ist schon 1796 in Mozart'schem Stile, in dem reizenden Andante\nim Haydn'schen, geschrieben und enthält sechs Sätze: 1. Allegro\ncon brio in Es, 4/4. 2. Andante in B-dur, 3/s. 3. Mennetto in Es,\n3A. 4. Adagio in As, 'l/\\. 5. Menuetto vnoderato in Es, 3/4. 6. Fi-\nnale Allegro in Es, 2/4. Es ist auch als Sonate für Pianoforte\nund Violoncello (unter Op. 64!) von Beethoven bearbeitet heraus-\ngekommen und macht sich auch in dieser Gestalt recht gut.\nDas zweite alt-neue Werk, welches, ebenfalls so gut wie unbe-\nkannt, die gespannte Aufmerksamkeit von Anfang bis Ende fesselte,\nwar Franz Schubert1 s Violin-Quartett in G-dur, das als\nOp. 161 bei Spina in Wien erschienen ist. Die Original-Partitur\n(im Besitze von Spina) trägt das Datum: 20.—30. Juni 1820. Also\nin zehn Tagen entstand ein YY erk, das in allen vier Sätzen den\nStempel des Genies trägt, wie die besten seiner Gattung. Kurz vor-\nbei w ai auch das -D-wio/Z-Quartett entstanden — beide auf Anre-\ngung ein es Quartett-Cirkels von drei tüchtigen Dilettanten und dem\nVioloncellisten Bauer von der Hofcapelle. Der erste Satz des G-dur-\nQuartettes gleicht allerdings mehr einer unaufhaltsam strömenden\nPhantasie, als einem regelrechten Allegro, aber diese Phantasie be-\n\\v ahit sich dennoch bei allem fechwarmen und Schwirren ihren eigen-\nthümlichen Charakter, und dadurch, dass auch die folgenden, na-\nmentlich die beiden mittleren Sätze, immer wieder an diesen Cha-\nrakter selbst in der Form der schwirrenden Figuren erinnern und\nauch der letzte Satz hier und da wieder an ihn anklingt, entsteht\neine Einheit des Kunstwerkes, wie sie sonst selbst bei Schubert und\ndessen überquellendem Episodenflusse nicht eben häufig, bei den\nNeueren aber so gut wie gar nicht mehr zu finden ist. Ein lieb-\nlicherer Gegensatz zu der vibrirenden Unruhe als die süsse Melodie\ndes Trio's vom Scherzo, die dabei wunderbar schön sich in den\nvier Stimmen zu einem fortwährenden Gewinde verflicht, lässt sich\nkaum denken. Das Pinale, in Melodie und Rhythmus, wie manche\nandere Musikstücke Schubert's, an ungarische Weise anklingend,\nkrönt das GanzQ durch seine originelle Lebendigkeit.\nZwischen diesen beiden Stücken trat das bekanntere grosse\nB-dur-Trio von Beethoven, Op. 97, mit seinen vollendeten For-\nmen und breiteren Maassverhältnissen iinponirend hinein. Herr Mu-\nsik-Dirfcctor Gernsheim aus Saarbrücken führte die Clavier-Partie\nin technischer Hinsicht sehr gut aus, wie er denn auch schon in\nder letzten Versammlung der musicalischen Gesellschaft durch den\nVortrag einer Sonate für Pianoforte und Violine von seiner Compo-\nsition (Op. 4) und einiger Salonstücke seinen Ruf als vorzüglicher\nPianist vollkommen bewährte. Bei dem Vortrage des Trio's wie-\nderholte sich uns die schon oft gemachte Wahrnehmung, dass der\nmoderne Flügel und die moderne Behandlung desselben den reinen\nGenuss der Composition nicht aufkommen lässt, da Violine und\nVioloncell wie Kinderstimmen gegen ein Riesen-Organ erscheinen.\nMöchten doch die Pianisten den Rath befolgen, bei allen Sachen\nmit Begleitung den Flügeldeckel nicht zu öffnen oder einen Salon-\nflügel von schwächerem, d. h. milderem Tone zu wählen! Das ritar-\ndirend veränderte Tempo im Trio des Scherzo und bei dem Coda\ndesselben Satzes hat uns nicht angenehm berührtj da aber in beiden\nMalen das VioloncelT und die Violine den Ton angeben, so wissen\nwir nicht, ob wir dem Pianoforte oder den Bogen-Instrumenten\ngrollen sollen: heethoven'sch ist diese Vortragsweise keinesfalls. —\nWas die Composition der Sonate Op. 4 von Gernsheim betrifft, so\nspricht uns seine erste Sonate, die in diesen Blättern auch von an-\nderer Seite eine günstige Besprechung gefunden hat, mehr an; wir\nglauben bei dem unverkennbaren Talente des jungen Künstlers ihn\nvor einem zu prononcirten Anschlüsse an Schumann's Manier war-\nnen zu müssen.\nIn der vorletzten Sitzung der musicalischen Gesellschaft hörten\nwir eine neue Sonate für Pianoforte und Violine von Franz\nDerckum, vorgetragen von den Pierren Breunung und von Kö-\nnigslöw. Je länger Derckum, den wir zu den tüchtigsten Theore-\ntikern und Lehrern an unserem Conservatorium zählen, im Schrei-\nben gefeiert hat, desto mehr erfreute uns diese seine neueste Com-\nposition, deren klare, durchsichtige Arbeit bei anmuthigen Motiven\nund melodischem Flusse einen so durchschlagenden Erfolg bei der\nzahlreich versammelten Zuhörerschaft hatte, dass Niemand die Un-\nmittelbarkeit des Eindrucks dieser Musik verkennen konnte. Dem\nVernehmen nach wird die Sonate nebst einer früher componirten\nhier bei M. Schloss erscheinen."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "80", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650311-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4664, "texte": "Fanny Janauschek ist in Gotha als Medea, Margaretha in\nden „Erzählungen der Königin von Navarra\" und Iphigenie aufge-\ntreten, erhielt reichen Beifall und erzielte überfüllte Häuser; man\nmusste jedes Mal das Orchester räumen.\nDer Verwaltungsrath des münchener Actien-Volkstheaters, wel-\nches statutgemäss die Hebung der volkstümlichen dramatischen\nLiteratur und Kunst zu fördern hat, beschloss, die im November\n1. J. bevorstehende Eröffnung des Theaters zu einer Preisbewerbung\nzU benutzen, und zwar für ein Schauspiel, ohne Beschränkung hin-\nsichtlich des Stoffes, der Zeit oder der Form, ferner für ein Lust-\nspiel oder Vaudeville, Lieder- oder Singspiel, endlich für eine Posse\nmit Gesang oder ein Zaubermärchen mit Couplets, Chören, Melo-\ndramen u. s. w. Der Preis besteht für das beste Stück jeder dieser\ndrei Gattungen in je 500 Fl., und sollte ein solches allen Anforde-\nrungen entsprechendes Stück nicht einlaufen, so wird das relativ\nbeste Stück in jeder Kategorie einen Preis von je 300 Fl. erhalten.\nIn dem einen wie in dem anderen Falle muss das Stück seine Büh-\nnenmässigkeit und Wirksamkeit in mindestens drei rasch auf einan-\nder folgenden Aufführungen bewährt haben. Wir bemerken, dass\nder End-Termin zur Einsendung der Stücke am 15. Juli 1. J. endet\nund ein Comite von \"fünf Mitgliedern über die Preisertheilung ent-\nscheiden wird. . %\nWien* Fräulein Sophie Stehle vom münchener Hoftheater\nbegann als Gretchen in Gonnod's „Faust\" ein wie wir hören\nleider nicht auf Engagement abzielendes Gastspiel. Fräulein »Stehle,\nwelche an München durch einen bedeutenden, mit Pension verbun-\ndenen Vertrag gefesselt ist, in diesem Falle gastiren zu lassen, ist\nallerdings nicht vom Standpunkte des Publicums, welches freilich\nseine Rechnung dabei findet, wohl aber vom Standpunkte der Lei-\ntung ein eben so unpolitischer Act, wie sich als solchen schon kürz-\nlich das Gastspiel des Fräuleins Artöt erwiesen hat. Gastspiele die-\nser Art gehören unseres Bedünkens in den Sommer, wo man durch\nneue Erscheinungen in die todte Saison etwas Leben zu bringen\ntrachten muss. Im Winter aber soll mit eigenen Kräften gearbeitet\nwerden. Fräulein Stehle ist nichts weniger als das, was man eine\ngrosse oder gar vollendete Künstlerin nennen möchte; aber sie ver-\neinigt eine solche Fülle gewinnender Eigenschaften, dass man ent-\nwaffnet wird, bevor man Zeit gefunden, die kritische Wehre gegen\neine entdeckte Blosse zu erheben. Betrachten wir ihre Eigenschaften\nim Einzelnen, zunächst die natürlichen, so ist die Persönlichkeit des\nGastes auf den ersten Anblick wohl kaum eine befriedigende zu\nnennen. Aber bald entfalten sich die mannigfaltigen Reize der Er-\nscheinung, die uns das ganze Wesen immer näher bringt. Ihre\nStimme hat einen wunderbaren Klang, man kann ihn sich nicht rei-\nner, sonorer, voller und weicher denken. Sie vereinigt die dunklere\nFärbung des Altklanges mit dem helleren Charakter des Soprans.\nDie Decime von f bis a ist durchaus gleich, höher hinauf erscheint\nder Klang gepresst. Unstreitig die glänzendste Eigenschaft dieser\nSängerin ist ihre Aussprache. Sie ist von musterhafter Deutlichkeit\nund liefert den unumstösslichen Beweis, dass man mit vollem Tone\nund breitem Tragen der musicalischen Phrase die accentuirteste De-\nclamation verbinden kann. Möchte doch unser Opern-Publicum,\nnachdem es hier gewahr wird, dass die wichtigste Forderung an\nden dramatischen Sänger, nämlich Verständlichkeit des Textes, tat-\nsächlich erfüllt werden kann, künftig gegen jede Verkürzung dieses\nseines Rechtes energisch protestiren.\nIm Josephstädter Theater in Wien stellte sich kürzlich der\nConcertpfeifer Piccolini aus London vor. Mit Clavierbegleitung\npfiff der Gast zuerst Schuberts „Ständchen\" und hierauf die grosse\nBravour-Arie Casta Diva aus „Norma\". Herr Piccolini wird in sei-\nner Leistung wohl schwerlich einen Rivalen finden; er pfiff durch-\naus in Doppeltönen und Trillern und bewahrte in allen Tonlagen\neine seltene Reinheit: man glaubte abwechselnd den Schlag einer\nNachtigall, die Stimme der Wachtel, den Triller der Lerche zu ver-\nnehmen. Die Leistungen des Pfeifers fanden vielen Beifall. (!)\nPetersburg. Friedrich Haase gehört dem hiesigen\nTheater nicht mehr an. Um dem Zwiespalte, in den er mit dem kai-\nserlichen Intendanten gerathen, ein Ende zu machen, hat er seine\nEntlassung genommen und kehrt nach Deutschland zurück. Die\ndeutsche „St. Petersburger Zeitung\", die dieses anzeigt, widmet dem\nscheidenden Künstler Worte des Dankes und der Anerkennung für\nalles, was derselbe seit April 1860 auf dem hiesigen Theater gelei-\nstet hat. Haase ist während der fünf Jahre in nicht weniger als\n90 Rollen aus allen Gebieten des Drama's aufgetreten."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "73", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650311-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nFranz Schubert. Von Dr. Heinrich Kreissie von Hellborn. I. Die Aufführungen von Beethoven's „Fidelio\" in\nWien. — Madame Viard-Louis. — Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Fünfte Soiree für Kammermusik, Musik-Director\nGernsheim, Sonate für Pianoforte und Violine von Franz Derckum — Gotha, Fanny Janauschek — München, Preis-Ausschreiben — Wien,\nTheater, Gastspiele, Concertpfeifer Piccolini — Petersburg, Friedrich Haase).\n\nFranz Schubert.\nVon Dr. Heinrich Kreissle von Hellborn\n*)•\nI.\nHeinrich von Kreissie bat bereits vor drei oder vier\nJahren eine „biographische Skizze\" von Franz Schubert\nherausgegeben, welche trotz ihrer Anspruchslosigkeit das\nBeste war, was bis dahin über den grossen Tondichter\nerschienen, indem die bald nach seinem Tode veröffent-\nlichten Aufsätze ähnlicher Art nur kurz und in Tagesblät-\ntern zerstreut waren. Schubert hatte übrigens das sonder-\nbare Loos, dass in den mehr als drei Jahrzehenden, die\nnach seinem Tode verflossen sind, trotzdem dass seine gei-\nstigen Schöpfungen die ganze gebildete Welt eroberten\nund die Anerkennung seines reichen Talentes sich bis zu\neinem wahren Schubert-Cultus steigerte, dennoch kein\nVersuch zu einer wirklichen Biographie gemacht wurde\nund alles, was auf sein Leben, seine Art zu arbeiten, sein\nausserkünstlerisches Treiben u. s. w. Bezug hatte, nur\ntheils im Gewände phantastischer Erdichtung, theils in\nanekdotischer Klatschweise in die Welt kam. An Vor-\nsätzen, Schubert's Leben und Schaffen darzustellen, hat\nes nicht gefehlt: so wissen wir aus Liszt's Munde, dass er\nzu der Zeit, als er sein Buch über Chopin herausgegeben\nhatte, Materialien zu einem Leben Schubert's sammelte\nund sehr für die Sache eingenommen war. Auch erfahren\nwir aus Kreissle's Vorworte, dass Herr Anselm Hütten-\nbrenner, ein Freund Schubert's, dergleichen Materialien\nan Liszt übermittelt habe, wie auch, dass einige Männer\nin Wien mit dem Vorhaben, Schubert's Leben zu schrei-\nben, umgegangen sind. Allein es kam nichts von alledem\nzu Stande. Die Gründe davon setzt der gegenwärtige Bio-\ngraph in seinem Vorworte ganz richtig aus einander. Nach-\ndem er eingeräumt, dass die Veröffentlichung der oben\nerwähnten Skizze aus manchen Quellen, die ihm nicht\nbekannt gewesen, willkommene Mittheilungen an ihn ver-\nanlasst habe, und dass er dadurch und durch eigene Be-\nmühungen allmählich in den Besitz eines verhältnissmässig\nreichen Materials gelangt sei, fährt er fort: „Die Schwie-\nrigkeiten, mit welchen eine Darstellung von Schubert's\nLeben zu kämpfen hat, sind- freilich in Wesenheit diesel-\nben geblieben. Sie gipfeln in der Unmöglichkeit, ein Le-\nben, „ „in welchem es nicht Berg, nicht Thal, sondern nur\ngebahnte Fläche gab, auf der sich unser Tondichter in\ngleichmässigem Rhythmus fortbewegte'I'', als interessant\nund bedeutend hinzustellen, ohne dem Leser an Stelle der\nWahrheit Phantasiestücke zu bieten, die wohl für den\nAugen blick Anregung und Erheiterung gewähren mögen,\nder Sache selbst aber in keiner Weise förderlich sind*).\nEben aus dieser Ursache haben auch Personen, in deren\nMacht es gestanden, über Schubert's Leben viele und zu-\nverlässige Aufschlüsse zu geben, nach wiederholten Anläu-\nfen zu grösseren Arbeiten in dieser Richtung sich schliess-\nlich auf die Erklärung zurückgezogen, dass eine Biographie\nSchubert's ein geradezu unausführbares Unternehmen sei,\nweil sich dieser Tondichter, dessen äussere Existenz so\nganz von allem dem losgelöst war, was geistig in ihm\nlebte und webte, nur aus seinen musicalischen Inspira-\ntionen darstellen und begreifen lasse. Es liegt in der That\nein Körnchen Wahrheit in dieser Behauptung; jede Bio-\ngraphie Schubert's wird wegen des Mangels an innigen\nWechselbeziehungen zwischen innerem und äusserem Le-\n\n*) Wien. Verlag von Karl Gerold's Sohn. 1865. VI und\n620 Seiten in 8. mit Schubert's Portrait und Autograph vom 10.\nJuli 1821.\n*) Derlei poetisch und gemüthlich gefärbte „Phantasieen\" über\nSchubert sind auch im Druck erschienen. Ihr Inhalt gehört zum\nbei Weitem grössten Theile in das Reich der Fabel und ist nur\ngeeignet, den Tondichter in einem ganz anderen Lichte erscheinen\nzu lassen, als dies in Wirklichkeit der Fall war."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "74", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650311-01.1.2", "texte": "ben mehr oder weniger das Gepräge des Skizzenhaften\nan sich tragen, und die Aufzählung und Würdigung sei-\nner künstlerischen Leistungen immerdar einen unverhält-\nnissmässig grossen Raum in Anspruch nehmen. Dennoch\nkonnte mich diese Ansicht, da sie eben zu viel behauptet,\nin keiner Weise abhalten, den verpönten Versuch aber-\nmals mit verstärkter Kraft zu wagen und die Lösung der\nmir gestellten Aufgabe nach Thunlichkeit anzustreben.\nEs ist meine auf Erfahrung gestützte Ueberzeugung, dass\nin nicht ferner Zeit bei dem allmählichen Heimgange der\nnoch lebenden Zeugen von Schubert's äusserer Existenz\neine Biographie dieses Tondichters schlechterdings zu den\nUnmöglichkeiten gehören wird, und dass fürder, unge-\nachtet so mancher unvermeidlicher Lücken, im Wesent-\nlichen kaum ein Mehreres geboten werden dürfte, als in\ndieser Darstellung enthalten ist, es müsste denn Jemand,\nauf rein musicalischen Boden sich stellend, Lust und Müsse\nfinden, die an die Zahl von Eintausend hinanreichenden\nCompositionen Schubert's kritisch zu zergliedern.\"\nNach Durchlesung des Buches muss man dem Ver-\nfasser die vollkommene Berechtigung zu seinem Ausspruche\ngeben, dass schwerlich eine vollständigere Nachrichten-\nSammlung über Schubert's Leben, als die von ihm ver-\nöffentlichte, zu erwarten sei. Die musicalische Welt ist\nihm mithin für die Herausgabe des Buches eben desshalb\ngrossen Dank schuldig, weil er die historische Wahrheit\nohne alle Rücksicht darauf, ob sie günstige und schwär-\nmerische Vorstellungen zerstöre, oder ungünstige und ver-\nleumderische zu nichte mache, nach bestem Wissen und\nErfahren mittheilt. Wenn er in diesem Streben zuweilen\nbis zu kleinlicher Gewissenhaftigkeit im Abdruck unbe-\ndeutender, Schubert nur mittelbar und von aussen her be-\nrührender Schriftstücke geht, ja, sich von manchen Lesern\nden Vorwurf der Trockenheit zuziehen wird, so gestehen\nwir dagegen, dass allerdings das Buch auf einen geringe-\nren Umfang hätte beschränkt und folglich die wünschens-\nwerte Verbreitung durch billigeren Preis desselben erleich-\ntert werden können, dass wir aber jene Ausführlichkeit,\nauch wo sie Dinge von- mehr localem Interesse oder öko-\nnomische Verhältnisse und Aehnliches berücksichtigt, bei\nWeitem dem so genannten blühenden Stile eines Biogra-\nphen vorziehen, der alles, was seinen Helden betrifft, in\nder Färbung seiner eigenen persönlichen Anschauungs-\nweise darstellt. Und dann macht auch, wir müssen sagen:\nglücklicher Weise, der von dem Verfasser im obigen Vor-\nworte bezeichnete „Mangel an innigen Wechselbeziehun-\ngen zwischen innerem und äusserem Leben\" bei Schubert\nnoch eine andere Art der Künstler-Biographieen unmög-\nlich, nämlich die psychologische Erklärung der Thätigkeit\ndes Genius aus den äusseren Verhältnissen, Lebens-Ereig-\nnissen, ja, körperlichen Zuständen des Dichters oder Com-\nponisten, die Construction seines Ichs von den ersten\nAeusserungen seines Geistes bis zu dessen höchsten Schö-\npfungen, die Nachweisung der Noth wendigkeit nicht\nnur seiner Entwicklung nach bestimmten allgemeinen\nRichtungen hin, sondern sogar der Entstehung einzelner\nWerke, und was der Räthsel mehr sind, welche der\nmenschliche Dünkel durch Zergliederung einer göttlichen\nNatur zu lösen sich anmaasst. Auch der dreisteste und\ndialektisch geübteste psychologische Ausleger wird sich\nden tausend Werken eines rein musicalischen Genie's wie\nSchubert gegenüber vor den Kopf schlagen und zu dem\nbekannten Bilde der übrigens sehr schätzbaren Thiere vor\ndem Berge eine neue Copie liefern müssen.\nUnd spricht denn nicht sehr oft die Mittheilung nack-\nter Thatsachen belehrender und eindringlicher, ja, erschüt-\nternder zu uns, als Raisonnement und sentimentale Decla-\nmation? Können wir eine deutlichere Vorstellung von dem\nLoose eines in Tönen schaffenden Genie's dem Musik-Ver-\nlage gegenüber erhalten, als durch den Abdruck der\nBriefe namhafter Verleger an den Componisten, z. B. eines\nSchreibens von H. A. Probst in Leipzig, welcher (April\n1828, ein halbes Jahr vor Schubert's Tode!) ihm für\ndas JEs-dur- Trio, Op. 100! 20 Gulden 60 Kreu-\nzer zahlte, „da ein Trio meist nur ein Ehrentitel und sel-\nten etwas dabei zu verdienen ist\"! (S. 434.) Dabei fragte\ner ausser um die Opus-Nummer auch um Mittheilung\neiner etwaigen Dedication an, worauf Franz Schubert ent-\ngegnete: „Das Opus des Trio's ist 100. Dedicirt wird\ndieses Werk Niemandem, ausser jenen, die Gefallen daran\nfinden. D ies die einträglichste Dedication.\" (S. 435.)\nUnd ferner, wenn wir lesen, dass Schubert's Nachlass im\ngerichtlichen Gesammt-Schätzungswerthe (die Manuscripte\ngalten natürlich für nichts!) sich auf 63 Gulden belaufen\nund sein unvermögender Vater für ihn 269 Fl. 19 Kr.\nKrankheits- und Beerdigungskosten bezahlt hatte, während\nHaslinger nach seiner eigenen Angabe bis 1860 mit dem\nLiede „Der Wanderer\" 27,000 Fl. verdient hatte!\nUnd wiegen nicht die einfachen Briefe seines Bruders\nFerdinand an den Vater, und des Vaters an diesen, bei\ndem Franz wohnte, jede noch so rührende Schilderung\nder letzten Augenblicke des Scheidenden auf, und sind sie\nnicht zugleich schönere und zuverlässigere Denkmale der\nLiebe der Seinigen zu ihm, als die lautesten Betheuerun-\ngen Fremder?\nDer Vater (Schullehrer in der Rossau zu Wien)\nschreibt am Morgen des Todestages Franzens (den 19.\nNovember 1828) an Ferdinand:"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "75", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650311-01.1.3", "texte": "„Lieber Sohn Ferdinand!\n„Die Tage der Betrübniss und des Schmerzes lasten\nschwer auf uns. Die gefahrvolle Krankheit unseres gelieb-\nten Franz wirkt peinlich auf unsere Gemüther. Nichts\nbleibt uns in diesen traurigen Tagen übrig, als bei dem\nlieben Gott Trost zu suchen und jedes Leiden, das uns\nnach Gottes weiser Fügung trifft, mit standhafter Erge-\nbung in seinen heiligen Willen zu ertragen, und der Aus-\ngang wird uns von der Weisheit und Güte Gottes über-\nzeugen und beruhigen.\n„Darum fasse Muth und inniges Vertrauen auf Gott:\ner wird Dich stärken, damit Du nicht unterliegest, und\nDir durch seinen Segen eine frohe Zukunft gewähren.\nSorge so viel als möglich, dass unser guter Franz unver-\nzüglich mit den heiligen Sacramenten der Sterbenden ver-\nsehen werde, und ich lebe der tröstlichen Hoffnung, Gott\nwird ihn stärken und erhalten. Dein betrübter, aber von\ndem Vertrauen auf Gott gestärkter Vater\n„Franz.\"\nUnd Ferdinand's Brief vom 21. November 1828:\n„Liebwerthester Herr Vater!\n„Sehr Viele äussern den Wunsch, dass der Leichnam\nunseres guten Franz im Währinger Gottesacker begraben\nwerde. Unter diesen Vielen bin besonders auch ich, weit\nich durch Franzen selbst dazu veranlasst zu sein glaube.\nDenn am Abende vor seinem Tode noch sagte er bei hal-\nber Besinnung zu mir: „„Ich beschwöre Dich, mich in\nmein Zimmer zu schaffen, nicht da in diesem Winkel un-\nter der Erde zu lassen; verdiene ich denn keinen Platz\nüber der Erde?\"\" Ich antwortete ihm: „„Lieber Franz,\nsei ruhig, glaube doch Deinem Bruder Ferdinand, dem\nDu immer geglaubt hast und der Dich so sehr liebt. Du\nbist in dem Zimmer, in dem Du bisher immer warst, und\nliegst in Deinem Bette!\"\" Und Franz sagte: „„Nein,\nist nicht wahr, hier liegt Beethoven nicht!\"\" Sollte\ndies nicht ein Fingerzeig seines innersten Wunsches sein,\nan der Seite Beethoven's, den er so sehr verehrte, zu\nruhen?!—\n„Ich habe desshalb mit dem Bieder gesprochen und\nmich erkundigt, welche Kosten diese Leichen-Uebertra-\ngung verursache, und da kommen ungefähr 70 Fl. C.-M.\nheraus. Viel! sehr viel!— Aber für Franzen doch gewiss\nsehr wenig! Ich meinerseits könnte für diesen Fall einst-\nweilen 40 Fl. entbehren, denn ich habe gestern 50 ein-\ngenommen.\n„Sind Sie daher, lieber Herr Vater, meiner Gesin-\nnung, so wäre mir wieder ein grosser Stein vom Herzen\ngewälzt. Jedoch müssten Sie Sich sogleich entschliessen\nund es mir durch den Ueberbringer dieses mittheilen las-\nsen, damit ich das Eintreffen des Todtenwagens veranstal-\nten könnte. Auch müssten Sie dafür besorgt sein, dass\nhierüber noch heute Vormittags dem Herrn Pfarrer in\nWähring die Anzeige gemacht werde.\n\"Ihr trauernder Sohn\n„ Ferdinand *).\n„21. November 1828. Früh 6 Uhr.\"\nDer Vater ging sogleich auf den Vorschlag ein, und\nso wurde Schubert's Wunsch, der im Fiebertraume noch\nsein Verlangen aussprach, neben Beethoven zu ruhen,\nnach Möglichkeit erfüllt, indem sein Grab (Nr. 223) nur\ndurch drei Gräber von dem Beethoven's (Nr. 290) auf dem\nWähringer gartenähnlichen Friedhofe getrennt ist.\nFranz Schubert, geboren den 31. Januar 1797,\nwar der jüngste von vier Söhnen aus der ersten Ehe des\nLehrers Franz Schubert in Wien. Sein Vater und dessen\nälterer Bruder Karl, Söhne eines Bauern und Ortsvor-\nstehers in Mährisch-Neudorf, hatten sich dem Lehrstande\ngewidmet und leisteten darin Gutes; seine älteren Brüder\nergriffen ebenfalls das Fach des Vaters: Ignaz, der äl-\nteste, bekleidete zuletzt die Stelle desselben als Lehrer in\nder Rossau (-J- 1844); Ferdinand, drei Jahre älter als\nFranz und diesem im Leben am nächsten stehend, starb\n1859 als Director der Haupt-Normalschule zu St.» Anna.\nFr war musicalisch gebildet, hat einige Kirchen-Compo-\nsitionen und theoretische Schriften über Musik verfasst.\nFr war nach Franzens Tode im Besitze des musicalischen\nNachlasses; was davon bei seinem Tode noch übrig blieb,\nging auf seinen Neffen l)r. Ed. Schneider über.\nDie musicalische Natur von Franz offenbarte sich\nnicht nur sehr früh, sondern auch sogleich auf eine über-\nquellende Weise. Unterricht auf dem Ciavier und auf der\nVioline erhielt er vom Vater und den Brüdern nur in den\nersten Elementen und nur kurze Zeit, worauf er sich\nselbst forthalf und seine Lehrer sehr bald überholte. Im\nBesitze einer hübschen Sopranstimme, kam er als einjäh-\nriger Knabe in die kaiserliche Hofcapelle, wurde in den\nStadt-Convict aufgenommen und gelangte in dem kleinen\nConvict-Orchester bald an das Pult der ersten Violine.\nAm meisten sollen Mozart's und dann die\nBeethoveirschen Eindruck auf ihn gemacht haben. Er\nschrieb im Convict schon alles Mögliche, wozu ihm ein\nFreund das Notenpapier lieferte; er hat diese Versuche\nmeist vertilgt, andere sind verloren gegangen. Eine vier-\nhändige grosse Phantasie und „Hagar's Klage\" als erstes\nbedeutenderes Gesangstück entstanden 1811. Aul dieses\nStück, das 28 Seiten füllte, veranlasste Salieri den Un-\nterricht des vierzehnjährigen Knaben im Generalbass.\n\n*) Das Original des Schreibens ist im Besitze des Herrn von\nKr eis sie.\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "76", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650311-01.1.4", "texte": "Mit dem väterlichen Hause blieb er während der Zeit\nseines Aufenthaltes im Convicte dadurch in Berührung,\ndass an Ferialtagen die von ihm componirten Streich-\nQuartette, oft unmittelbar nach ihrem Entstehen, in den\ndort üblichen Quartett-Uebungen an den Sonntag-Nach-\nmittagen *der Reihe nach aufgeführt wurden. Der alte\nSchubert pflegte dabei das Cello, Ferdinand die erste,\nIgnaz die zweite Violine und Franz die Viola zu spielen.\nDa war nun der Jüngste unter allen der Empfindlichste.\nFiel wo immer ein Fehler vor, und war er noch so klein,\nso sah er dem Fehlenden ernsthaft, zuweilen auch lächelnd\nins Gesicht; fehlte der Vater, so ging er beim ersten Male\ndarüber hinaus; wiederholte sich aber der Fehler, so\nsagte er ganz schüchtern und lächelnd: „Herr Vater, da\nmuss etwas gefehlt sein\", welche Belehrung dann ohne\nWiderrede hingenommen wurde.\nIn der Ferienzeit pflegte Franz auch das Theater zu\nbesuchen. Von den damals gegebenen Opern interessirte\nihn ganz besonders Weigl's „Schweizerfamilie\", die erste\nOper, die er überhaupt hörte, und in welcher Vogl und\ndie Milder sangen; dann Cherubini's „Medea\", Boiel-\ndieu's „Johann'von Paris\", „Aschenbrödel\" von Isouard,\nganz besonders aber Gluck's „Iphigenia auf Tauris\", in\nwelcher die oben genannten Künstler ebenfalls Vorzüg-\nliches leisteten. Diese letztere Oper versetzte ihn jedes\nMal in Entzücken, und er zog sie ihrer edeln Einfach-\nheit und Erhabenheit wegen schliesslich allen übrigen\nOpern vor.\nDieser Theaterbesuch erklärt auch einiger Maassen\ndie Thatsache, dass der geniale Jüngling sich alsbald mit\nstaunenswerter Sicherheit in dramatisch-musicalischen\nArbeiten versuchte, wie denn bereits im Jahre 1813 von\nihm die Composition der Zauber-Oper von Kotzebue:\n„Des Teufels Lustsch I oss\", in Angriff genommen\nund im Jahre 1814 vollendet wurde, im Jahre 1815 aber\nmehrere Opern und Singspiele entstanden.\nDa der Lehrer, dem Franz durch Salieri übergeben\nworden war, erklärte: „Der hat Alles schon vom lieben\nGott gelernt!\" so übernahm Salieri selbst seine Fortbil-\ndung, und Schubert genoss in den Jahren 1813 —lßl7\ndessen Unterricht und Anleitung, in so weit überhaupt\nbei einem solchen Genie, welches übrigens auch Salieri\nfreudig anerkannte „er kann Alles, es ist ein Genie,\nLieder, Messen, Opern, Quartette, alles, was man will\",\nsagte er öfters —, die Rede davon sein konnte. Dass sich\nihre Richtungen trennen mussten, war natürlich, und man\nbraucht nicht nach äusseren Veranlassungen des Bruches\nzu suchen. Dass Schubert schon in seiner Jugend „einen\nguten Tropfen\" liebte, erzählte dem Verfasser Franz\nDoppler, mit welchem Franz, von Salieri kommend, öfters\nin einer nahe gelegenen Weinschenke ein Stündchen ver-\nplauderte. Uebrigens hielt er Salieri bis an sein Ende hoch\nin Ehren. Die Annahme, dass Schubert im Grunde nie\netwas Rechtes gelernt habe, widerlegt Kreissie auch durch\ndie verbürgte Thatsache, dass er in der Instrumental-\nMusik die Werke anerkannter Meister früher und spä-\nter eifrig studirt habe. Im Liede aber ist seine bei-\nnahe auf der Stelle reife künstlerische Erscheinung ohne\nGleichen.\nNach fünfjährigem Aufenthalte im Convicte kehrte er\n1813 ins väterliche Haus zurück, wurde vom Vater zum\nLehrslande bestimmt und pädagogisirte drei Jahre lang\nin der ABC-Classe der Schule zu Sanct Anna. Um so be-\nwundernswerter ist dabei seine musicalische Productivität.\nSeine erste Oper: „Des Teufels Lustschloss\", von Kotzebue\nin drei Acten (S. 37 43) beendete er 1814 und schrieb\ndie Messe in F,nach deren Aufführung ihn Salieri öffent-\nlich umarmte, ein Salve Reginamehrere Lieder, Tänze\nfür Quartett und Hörner, drei V i o I i n - Q u ar te tt e\n(darunter das in B-dur,von Spina 1863 als Op. 168!\nherausgegeben Schubert hat es vom 5. l3. September\nschon im Jahre 1814 in seinem siebenzehnten Lebens-\njahre componirt) und eine grosse vierhändige Sonate.\nWenn es auch bekannt ist, dass Schubert viel und\nschnell componirt bat, so erscheint doch durch die ge-\nnauen Nachweisungen bei Kreissie seine Thätigkeit eben\nin den Jahren, wo er noch bei Salieri viel aus- und ein-\nginct und die Elementarciasse in der Schule seines Vaters\nH n\npflichtmässig mehrere Stunden lang täglich unterrichtete,\ngeradezu unbegreiflich, selbst wenn man nur die zum me-\nchanischen Niederschreiben erforderliche Zeit, geschweige\ndenn die geistige Arbeit dabei in Anschlag bringt. Dem\nJahre 1815, seinem neunzehnten Lebensjahre, entquoll\nein Strom von mehr als hundert Liedern und Balladen,\nein halbes Dutzend Opern und Singspiele, Kirchen-Com-\npositionen, Sinfonieen, Kammermusik für Quartett und\nfür Ciavier, und unter dieser Masse von Productionen be-\nreits solche, besonders in Liedern, die zu dem Besten ge-\nhören, was er geschaffen. Mit besonderer Liebhaberei\ngriff er nach Balladen; den „Amphiaraos\", ein grosses\nGedicht von Th. Körner., componirte er in fünf Stunden,\ndie Musik zu „Emma und Adelwold\" füllte fünfundfünf-\nzig Seiten Manuscript u. s. w., wovon die Autographe bei\nSpina vorhanden sind.\nIn d ieses Jahr oder spätestens in den Beginn des Jah-\nres 1816 fällt auch die Composition von Goethe's „Erl-\nkönig\", jenes nächst dem bald darauf entstandenen\n„Wanderer\" populärsten Liedes von Schubert, welches\naber erst sechs Jahre später den Ruf desselben begründete\nund dann in kurzer Zeit Gemeingut der ganzen musicali-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "77", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650311-01.1.5", "texte": "sehen Welt wurde*). Schubert schrieb dieses Lied an\neinem Nachmittage auf seinem Zimmer in dem väterlichen\nllause am Himmelpfortgrund. Spaun kam eben dazu, als\nsein Freund sich in Mitte der Arbeit befand. Er hatte das\nGedicht in steigender Aufregung ein paar Mal durchgele-\nsen, und da während dieser Beschäftigung auch der musi-\ncalische Inhalt zu vollkommener Klärung gelangt war,\nwühlte er das Lied in jener Spanne Zeit auf das Papier\nhin, die eben zur Vollbringung der nur mehr noch mecha-\nnischen Arbeit erforderfich war. Die fertige Composition\nwurde am Abende desselben Tages in das Convict ge-\nbracht, wo sie Schubert und nach ihm Holzapfel den\nFreunden vorsang, womit die mannigfachen Ausschmückun-\ngen, mit welchen die geschäftige Phantasie die Genesis des\n„Erlkönig\" zu umgeben wusste, wegfallen. Da die Freunde\nbei der Stelle: „Mein Vater, jetzt fasst er mich an!\" be-\ndenkliche Gesichter schnitten, übernahm es der Musik-\nmeister Buczizka, sie über die Zulässigkeit der mnsicali-\nschen Dissonanz (die heutzutage sich ganz harmlos aus-\nnimmt) aufzuklären und zu beruhigen. Als der Sänger\nVogl mit Schubert bekannt wurde, bemächtigte er sich\nsogleich dieses für ihn wie geschaffenen Liedes und sang\nes häufig in Privat-Cirkeln, bis er endlich im Jahre 1821\nbei Gelegenheit einer im Operntheater veranstalteten Aka-\ndemie den „Erlkönig\" in die Oeffentlichkeit einführte.\nVon den Liedern und Balladen aus diesem Jahre sind\nwenigstens ein halbes Hundert noch nicht gedruckt.\nFerner gehören in das Jahr 1815 die Messe in\n(Op. 141, ein Meisterwerk), eine Messe in B, ein Stabat\nmater, ein Magnificai,das Violin-Quartelt in G-nioll „lür\ndie Hausmusicanten\", zwei Clavier-Sonalen, zwei Sinfo-\nnieen in B und D in vier Sätzen, und von Opern und\nSingspielen: „Der vierjährige Posten\" (ein Act, im Mai);\n„Fernando\" (ein Act, vom 3. —9. Juli componirt!);\n„Claudine von Villa Bella\" (drei Acte, wovon nur der\nerste noch vorhanden; „mit den beiden anderen ist 1848\nder Ofen geheizt worden in Abwesenheit des Besitzers des\nManuscriptes\"); „Die beiden Freunde von Salamanca\"\n(zwei Acte, Ouvertüre und 18 Nummern Gesangstücke\nPartitur bei Dr. E. Schneider in Wien).—Wahrscheinlich\nrührten auch noch drei andere Singspiele, von denen nur\nunbedeutende Bruchstücke übrig sind, aus demselben\nJahre her.\nDer Drang, Opernmusik zu schreiben, kam, wie wir\nsehen, sehr früh bei Schubert zum Durchbruche, und er\ngenügte ihm nach seiner Weise durch Massen-Production.\nDer musicalische Gehalt dieser Operetten reiht sich\nwohl nicht dem Bedeutenderen an, was Schubert über-\nhaupt geschaffen, auch würden dieselben, als Theater-\nstücke gesehen, von der Bühne herab der jetzigen Ge-\nschmacksweise wahrscheinlich nicht mehr zusagen, zumal\nwenn man die Naivetät einiger der benutzten Textbücher\nin Betracht zieht*); andererseits aber wäre es ein Irrlhum,\nwollte man glauben, dass in diesen Erstlingen der drama-\ntischen Muse Schuberl's nur die Schülerhaftigkeit eines\nallerdings hochbegabten Anfängers zu Tage trete;\ndenn der in Melodieen unerschöpfliche, mit den Gesetzen\nder Harmonie und der Kunst der Instrumentirung voll-\nkommen vertraute Tondichter, welcher um jene Zeit schon\nmehrere seiner schönsten Lieder geschrieben und das Zeug\nin sich hatte, ein Werk, wie es die 6?-Messe ist, zu schaf-\nfen, bewegt sich auch in diesen dramatisch-musicalischen\nArbeiten mit einer Leichtigkeit und Sicherheit in der Be-\nhandlung des vocalen und instrumentalen Theiles, dass da\nvon schülerhaften Versuchen nicht die Bede sein kann.\nEine Aufführung des musicalischen Theiles der Operetten\nim kleinen Concertraume würde manch reizendes Stück\nzu Tage fördern.\nDie Lust, Opern zu schreiben, hat übrigens Schubert\nnie verlassen. Es trat wohl hier und da eiye längere Pause\nein, im Ganzen genommen ist aber seine Thätigkeit auf\ndiesem Felde eine überraschend fruchtbare, und trotzdem,\ndass in späterer Zeit die Ungunst der Theater-Verhältnisse\nseinen zwei grösseren Bühnenwerken die ihnen gewisser\nMaassen schon zugesicherte Aufnahme in das Bepertoire\nverwehrte, sehen wir doch den Unermüdlichen noch am\nEnde seiner Tage abermals mit dem Gedanken an eine\nneue Oper beschäftigt.\nWas von Schuberfs dramatisch-musicalischen Arbei-\nten während seiner Lebzeiten auf der Bühne zur Auffüh-\nrung gelangte, gehörte ausschliesslich dem Melodram und\nder musicalischen Posse an.\n\n*) Das Datum ist ohne Zweifel auf dem Manuscripte angege-\nben. Dieses besitzt Frau Clara Schumann. Das Lied ist übrigens\nvon Schubert zwei Mal componirt worden, das zweite Mal mit der\nauch in den Stich übergegangenen Triolen-Begleitung.\n\nDie Aufführungen von Beethoven’s „Fidelio“\nin Wien.\nDas „chronologische Verzeich niss der Werke\nL. van Beethoven's\" von Alexander W. Thayer\nist soeben in Berlin, 1865, bei Ferd. Schneider, VIII\nund *2OB S. Gr. 8., erschienen. Herr Thayer, ein Ameri-\ncaner aus Boston, hat über fünfzehn Jahre sich mit For-\nschungen über die Feststellung der Chronologie sämmt-\n\n*) An läppischen Operntexten fehlt es zwar auch jetzt nicht;\naber die Methode, nach welcher in Unsinn gemacht wird, ist eine\nandere zeitgemässe geworden."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "78", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650311-01.1.6", "texte": "licher Werke Beethoven's beschäftigt und für die Errei-\nchung seines Zweckes weder Zeit noch Kosten gescheut,\nobwohl seine Reisen und der langjährige Aufenthalt in\nDeutschland einen bedeutenden Aufwand von beiden nötbig\nmachten. Da jetzt „andere Beschäftigungen und Berufs-\npflichten den Reisen und persönlichen Nachforschungen\nein Ende gemacht haben\", so hat er, auf die Ausarbei-\ntung eines grösseren, vollständigen historisch-chronologi-\nschen Werkes verzichtend, sich entschlossen, die Resultate\nseiner bisherigen Bemühungen nicht länger zurückzuhalten.\"\nund so den vorliegenden Katalog herausgegeben, und zwar\nin deutscher Sprache, deren er ganz gut mächtig ist. Wir\nkommen auf das Buch zurück und (heilen gegenwärtig\nEiniges aus dem Abschnitte Nr. 125 über die Aulführun-\ngen der Oper Fidelio in Wien mit, was zur vollständi-\ngen Widerlegung der irrthümlichen Angabe dient, welche\nbesonders gern von verkannten Genie's noch jetzt zu Gun-\nsten eigener Werke ausgebeutet wird, als habe Beetho-\nven's Fidelio überhaupt nie Boden in Wien gefunden\nund sei erst später durch die Aufführungen in Nord-\ndeutschland zur Anerkennung gekommen.\nDer erste Theaterzettel der Oper lautet so:\n„Neue Oper. Heute Mittwoch den 20. November\n1805 wird in .dem k., auch k. k. priv. Schauspielhause\nan der Wien gegeben zum ersten Male: Fidelio oder\nDie eheliche Liebe. Eine Oper in drei Acten, frei nach\ndem Französischen bearbeitet von Joseph Sonnleitner.\nDie Musik ist von Ludwig van Beethoven.\n„Personen: Don Fernando, Minister Herr Wein-\nkopf; Don Pizarro, Gouverneur eines Staatsgefängnisses\nHerr Meier; Florestan, ein Gefangener— Herr Dem-\nmer; Leonore, seine Gemahlin, unter dem Namen Fidelio\nDlle. Milder; R occo, Kerkermeister Herr Rothe;\nMarzelline, seine Tochter Dlle. Müller; Jaquino, Pförtner\nHerr Cache; Wachehauptmann Herr Meister. Ge-\nfangene. Wache. Volk.\n„Die Handlung geht in einem spanischen Staats-Ge-\nfängnisse, einige Meilen von Sevilla, vor. Die Bücher\nsind an der Casse für 15 Kr. zu haben.\"\nAm Donnerstag den 21. November, bei der zweiten\nAufführung, lautet der Theaterzettel eben so, wie auch\nbei der dritten Aufführung am Freitag den 22.; immer\nwurde die Oper als Fidelio, nicht als Leonore gegeben.\nDamals wurde Fidelio nur drei Mal gegeben. Darauf\nmit Text-Aenderungen von Breuning im Jahre 1806 zwei\nMal (den 29. März und 10. April). Der Zettel war der-\nselbe, auch mit dem Titel „Fidelio\"; der Titel des Text-\nbuches aber hiess: „Leonore oder der Triumph der ehe-\nlichen Liebe. In zwei Aufzügen.\" —Das Original des Bu-\nches hiess? „Leonore ou l'Amour\nSeit der Wiederaufnahme der Oper am 23. Mai 1814\n(Leonore Mad. Milder, Florestan Herr Radichi,\nPizarro Herr Vogl, Bocco —Herr Wein m ü Her, also\nmit ausgezeichneter Besetzung) wurde sie am 26. Mai, 2.,\n4., 7. und 21. Juni, 18. Juli zu Beethoven's Benefiz ge-\ngeben, und in dieser Benefiz-Vorstellung sang die Milder\nzum ersten Male die grosse Arie mit den vier Hörnern,\nund Weinmüller zum ersten Male das Lied vom Golde.\nLetzteres war wohl von Anfang an vorhanden, aber bisher\ngestrichen, die Arie wohl erst 1814 componirt worden.\nUeberhaupl wurde nun Fidelio in Wien aufgeführt:\n1814 22 Mal (Leonore: Milder).\n1815 10 „ (Milder 7 Mal, Mad. Campi 3 Mal).\n1816 10 „ (Campi).\n1817 9 „\n1818 5 „\n1819 3 „\n1822 5 „ (Schröder).\n1823 3 „ (Dieselbe).\n1831 7 „ (Mad. Ernst).\nW,eiter gehen die Angaben bei Thayer nicht.\n\nMadame Viard- Louis.\n\nUeber diese französische Beethoven-Pianistin schreibt\nman aus Wien:\n„Trotzdem das erste Coneert das leerste unter den\nleeren war, gab sie doch am 26. Februar ein zweites, und\ndiesmal sogar mit Orchester. Da ausserdem Frau Viard-\nLouis ihren Pleyel'schen Flügel auf ihren Kunstreisen mit\nsich führt, so rnuss man wohl annehmen, dass der pecu-\nniäre Erfolg bei ihr gar nicht in die Wagschale fällt, und\ndass es ihr nur darum zu thun ist, selbst um den Preis\nbedeutender materieller -Opfer sich im Vortrage Beetho-\nven'scher Compositionen, denen sie sich ausschliesslich ge-\nwidmet zu haben scheint, in allen bedeutenden Städten\nhören zu lassen. Eine so uneigennützige Begeisterung und\nein so aufopferndes Verfolgen des gesteckten Zieles ist in\ngewisser Beziehung der Anerkennung werth, und als Di-\nlettantin betrachtet, leistet Frau Viard-Louis Anerkennens-\nwerthes. Sie besitzt mehr Kraft, als sonst Ciavier spielen-\nden Damen eigen zu sein pflegt; dabei ist ihre Ausdauer\nerstaunlich. Das Vorzüglichste ihrer Technik ist die voll-\nständige Unabhängigkeit der linken Hand von der rechten:\nauch gelingen ihr oft die schwersten Passagen trefflich,\nwährend sie zuweilen bei ganz einfachen Stellen hudelt *\noder daneben greift. Meistens verdirbt sie sich selbst die\nWirkung ihrer Passagen durch die gegen das ABC des\nClavierspiels verstossende Gewohnheit, Läufe, selbst chro-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "79", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650311-01.1.7", "texte": "matische, Triller u. s. w., mit gehobenem Pedal zu spielen.\nIm Vortrage spielt das Tempo rubato eine zu grosse Rolle,\nsonst zeugt die Auffassung von Verständriiss und Geschmack.\nDas Interessanteste bei Madame Viard-Louis ist das Pro-\ngramm. Es war ein schöner Genuss, die beiden reizenden\nBeethoven'schen Concerte in G und in Es (vom Opern-\nOrchester unter Herrn Dessoff's Leitung sehr gut beglei-\ntet) vorüberrauschen zu hören. Die unlängst von Derffel\nso trefflich und mit so grossem Beifalle gespielte 111. So-\nnate ging spurlos vorüber. Fräulein Bochkoltz- Falconi\nsang zwei Beethoven'sche Lieder und eine Arie aus „Ti-\ntus\", besonders letztere (mit von Herrn Klein trefflich\ngespieltem obligatem Bassethorn) in ganz ausgezeichneter\nW eise.\"\n\n(W. R.)\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nH.01119 10. März. Die fünfte Soiree für Kammermusik war\nwohl die interessanteste der ganzen Saison, und zwar nicht in dem\nSinne interessant, wie man das Wort oft als einen Euphemismus bei\nVorführung von neueren Compositionen gebraucht sieht, die nur für\ndie Leute vom Fach spannend, für das Publicum aber unverständ-\nlich und folglich langweilig sind, sondern in Wahrheit die sicht-\nbarste Theilnahme der ganzen Zuhörerschaft erregend und was\ndie Hauptsache ist in hohem Grade befriedigend. Das Programm\nwar die vorzüglichste Veranlassung dieser Befriedigung, und dazu\ndie treffliche Ausführung, deren fleissige Vorbereitung dieses Mal,\nweil sie auf die besten Gegenstände gerichtet gewesen, durch den\nallgemeinen Beifall den ehrenvollsten Lohn erhielt. Das Programm\nbrachte ein Trio für Violine, Alt und Violoncell, Op. 9 Nr. 3 in\nC-moll, und das grosse Trio in B-dur: Op. 97, für Pianoforte\nu. s. w., beide von Beethoven; zum Schlüsse das Violin-Quartett\nin G-dur, Op. 1 (51, von Franz Schubert.\nDas erste Trio von Beethoven, von den Herren von Königs-\nlöw, Japha und Schmit sehr schön vorgetragen, war zweifels-\nohne dem bei Weitem grössten Theile der Zuhörer unbekannt, ob-\nwohl bereits 1798 geschrieben, auch (als Op. 61!) für Ciavier, Vio-\nline und Violoncell arrangirt. Freilich, wie selten kommt jetzt ein\nKammermusik-Verein auf den glücklichen Gedanken, ein so ein-\nfaches Werk aufs Programm zu setzen! Nun, wir und die ganze\nZuhörerschaft vom Dinstag Abend sind sehr dankbar für diesen Ein-\nfall und haben die melodische Zeichnung und die harmonische Far-\nbenfrische dieses Cabinetsstückes, dem • man seine 67 Jahre nicht\nanhört, mit innigem Behagen in Ohr und Gemüth aufgenommen.\nAusser den zwei ersten Nummern desselben Werkes 9 machen wir\nnoch auf das ebenfalls mit grossem Unrecht vernachlässigte noch\nfrühere Werk dieser Gattung von Beethoven: „Grosses Trio in\nEs-dur für Violine, Viola und Violoncello, Op. 3,\" aufmerksam;\nes ist schon 1796 in Mozart'schem Stile, in dem reizenden Andante\nim Haydn'schen, geschrieben und enthält sechs Sätze: 1. Allegro\ncon brio in Es, 4/4. 2. Andante in B-dur, 3/s. 3. Mennetto in Es,\n3A. 4. Adagio in As, 'l/\\. 5. Menuetto vnoderato in Es, 3/4. 6. Fi-\nnale Allegro in Es, 2/4. Es ist auch als Sonate für Pianoforte\nund Violoncello (unter Op. 64!) von Beethoven bearbeitet heraus-\ngekommen und macht sich auch in dieser Gestalt recht gut.\nDas zweite alt-neue Werk, welches, ebenfalls so gut wie unbe-\nkannt, die gespannte Aufmerksamkeit von Anfang bis Ende fesselte,\nwar Franz Schubert1 s Violin-Quartett in G-dur, das als\nOp. 161 bei Spina in Wien erschienen ist. Die Original-Partitur\n(im Besitze von Spina) trägt das Datum: 20.—30. Juni 1820. Also\nin zehn Tagen entstand ein YY erk, das in allen vier Sätzen den\nStempel des Genies trägt, wie die besten seiner Gattung. Kurz vor-\nbei w ai auch das -D-wio/Z-Quartett entstanden — beide auf Anre-\ngung ein es Quartett-Cirkels von drei tüchtigen Dilettanten und dem\nVioloncellisten Bauer von der Hofcapelle. Der erste Satz des G-dur-\nQuartettes gleicht allerdings mehr einer unaufhaltsam strömenden\nPhantasie, als einem regelrechten Allegro, aber diese Phantasie be-\n\\v ahit sich dennoch bei allem fechwarmen und Schwirren ihren eigen-\nthümlichen Charakter, und dadurch, dass auch die folgenden, na-\nmentlich die beiden mittleren Sätze, immer wieder an diesen Cha-\nrakter selbst in der Form der schwirrenden Figuren erinnern und\nauch der letzte Satz hier und da wieder an ihn anklingt, entsteht\neine Einheit des Kunstwerkes, wie sie sonst selbst bei Schubert und\ndessen überquellendem Episodenflusse nicht eben häufig, bei den\nNeueren aber so gut wie gar nicht mehr zu finden ist. Ein lieb-\nlicherer Gegensatz zu der vibrirenden Unruhe als die süsse Melodie\ndes Trio's vom Scherzo, die dabei wunderbar schön sich in den\nvier Stimmen zu einem fortwährenden Gewinde verflicht, lässt sich\nkaum denken. Das Pinale, in Melodie und Rhythmus, wie manche\nandere Musikstücke Schubert's, an ungarische Weise anklingend,\nkrönt das GanzQ durch seine originelle Lebendigkeit.\nZwischen diesen beiden Stücken trat das bekanntere grosse\nB-dur-Trio von Beethoven, Op. 97, mit seinen vollendeten For-\nmen und breiteren Maassverhältnissen iinponirend hinein. Herr Mu-\nsik-Dirfcctor Gernsheim aus Saarbrücken führte die Clavier-Partie\nin technischer Hinsicht sehr gut aus, wie er denn auch schon in\nder letzten Versammlung der musicalischen Gesellschaft durch den\nVortrag einer Sonate für Pianoforte und Violine von seiner Compo-\nsition (Op. 4) und einiger Salonstücke seinen Ruf als vorzüglicher\nPianist vollkommen bewährte. Bei dem Vortrage des Trio's wie-\nderholte sich uns die schon oft gemachte Wahrnehmung, dass der\nmoderne Flügel und die moderne Behandlung desselben den reinen\nGenuss der Composition nicht aufkommen lässt, da Violine und\nVioloncell wie Kinderstimmen gegen ein Riesen-Organ erscheinen.\nMöchten doch die Pianisten den Rath befolgen, bei allen Sachen\nmit Begleitung den Flügeldeckel nicht zu öffnen oder einen Salon-\nflügel von schwächerem, d. h. milderem Tone zu wählen! Das ritar-\ndirend veränderte Tempo im Trio des Scherzo und bei dem Coda\ndesselben Satzes hat uns nicht angenehm berührtj da aber in beiden\nMalen das VioloncelT und die Violine den Ton angeben, so wissen\nwir nicht, ob wir dem Pianoforte oder den Bogen-Instrumenten\ngrollen sollen: heethoven'sch ist diese Vortragsweise keinesfalls. —\nWas die Composition der Sonate Op. 4 von Gernsheim betrifft, so\nspricht uns seine erste Sonate, die in diesen Blättern auch von an-\nderer Seite eine günstige Besprechung gefunden hat, mehr an; wir\nglauben bei dem unverkennbaren Talente des jungen Künstlers ihn\nvor einem zu prononcirten Anschlüsse an Schumann's Manier war-\nnen zu müssen.\nIn der vorletzten Sitzung der musicalischen Gesellschaft hörten\nwir eine neue Sonate für Pianoforte und Violine von Franz\nDerckum, vorgetragen von den Pierren Breunung und von Kö-\nnigslöw. Je länger Derckum, den wir zu den tüchtigsten Theore-\ntikern und Lehrern an unserem Conservatorium zählen, im Schrei-\nben gefeiert hat, desto mehr erfreute uns diese seine neueste Com-\nposition, deren klare, durchsichtige Arbeit bei anmuthigen Motiven\nund melodischem Flusse einen so durchschlagenden Erfolg bei der\nzahlreich versammelten Zuhörerschaft hatte, dass Niemand die Un-\nmittelbarkeit des Eindrucks dieser Musik verkennen konnte. Dem\nVernehmen nach wird die Sonate nebst einer früher componirten\nhier bei M. Schloss erscheinen."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "80", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650311-01.1.8", "texte": "Fanny Janauschek ist in Gotha als Medea, Margaretha in\nden „Erzählungen der Königin von Navarra\" und Iphigenie aufge-\ntreten, erhielt reichen Beifall und erzielte überfüllte Häuser; man\nmusste jedes Mal das Orchester räumen.\nDer Verwaltungsrath des münchener Actien-Volkstheaters, wel-\nches statutgemäss die Hebung der volkstümlichen dramatischen\nLiteratur und Kunst zu fördern hat, beschloss, die im November\n1. J. bevorstehende Eröffnung des Theaters zu einer Preisbewerbung\nzU benutzen, und zwar für ein Schauspiel, ohne Beschränkung hin-\nsichtlich des Stoffes, der Zeit oder der Form, ferner für ein Lust-\nspiel oder Vaudeville, Lieder- oder Singspiel, endlich für eine Posse\nmit Gesang oder ein Zaubermärchen mit Couplets, Chören, Melo-\ndramen u. s. w. Der Preis besteht für das beste Stück jeder dieser\ndrei Gattungen in je 500 Fl., und sollte ein solches allen Anforde-\nrungen entsprechendes Stück nicht einlaufen, so wird das relativ\nbeste Stück in jeder Kategorie einen Preis von je 300 Fl. erhalten.\nIn dem einen wie in dem anderen Falle muss das Stück seine Büh-\nnenmässigkeit und Wirksamkeit in mindestens drei rasch auf einan-\nder folgenden Aufführungen bewährt haben. Wir bemerken, dass\nder End-Termin zur Einsendung der Stücke am 15. Juli 1. J. endet\nund ein Comite von \"fünf Mitgliedern über die Preisertheilung ent-\nscheiden wird. . %\nWien* Fräulein Sophie Stehle vom münchener Hoftheater\nbegann als Gretchen in Gonnod's „Faust\" ein wie wir hören\nleider nicht auf Engagement abzielendes Gastspiel. Fräulein »Stehle,\nwelche an München durch einen bedeutenden, mit Pension verbun-\ndenen Vertrag gefesselt ist, in diesem Falle gastiren zu lassen, ist\nallerdings nicht vom Standpunkte des Publicums, welches freilich\nseine Rechnung dabei findet, wohl aber vom Standpunkte der Lei-\ntung ein eben so unpolitischer Act, wie sich als solchen schon kürz-\nlich das Gastspiel des Fräuleins Artöt erwiesen hat. Gastspiele die-\nser Art gehören unseres Bedünkens in den Sommer, wo man durch\nneue Erscheinungen in die todte Saison etwas Leben zu bringen\ntrachten muss. Im Winter aber soll mit eigenen Kräften gearbeitet\nwerden. Fräulein Stehle ist nichts weniger als das, was man eine\ngrosse oder gar vollendete Künstlerin nennen möchte; aber sie ver-\neinigt eine solche Fülle gewinnender Eigenschaften, dass man ent-\nwaffnet wird, bevor man Zeit gefunden, die kritische Wehre gegen\neine entdeckte Blosse zu erheben. Betrachten wir ihre Eigenschaften\nim Einzelnen, zunächst die natürlichen, so ist die Persönlichkeit des\nGastes auf den ersten Anblick wohl kaum eine befriedigende zu\nnennen. Aber bald entfalten sich die mannigfaltigen Reize der Er-\nscheinung, die uns das ganze Wesen immer näher bringt. Ihre\nStimme hat einen wunderbaren Klang, man kann ihn sich nicht rei-\nner, sonorer, voller und weicher denken. Sie vereinigt die dunklere\nFärbung des Altklanges mit dem helleren Charakter des Soprans.\nDie Decime von f bis a ist durchaus gleich, höher hinauf erscheint\nder Klang gepresst. Unstreitig die glänzendste Eigenschaft dieser\nSängerin ist ihre Aussprache. Sie ist von musterhafter Deutlichkeit\nund liefert den unumstösslichen Beweis, dass man mit vollem Tone\nund breitem Tragen der musicalischen Phrase die accentuirteste De-\nclamation verbinden kann. Möchte doch unser Opern-Publicum,\nnachdem es hier gewahr wird, dass die wichtigste Forderung an\nden dramatischen Sänger, nämlich Verständlichkeit des Textes, tat-\nsächlich erfüllt werden kann, künftig gegen jede Verkürzung dieses\nseines Rechtes energisch protestiren.\nIm Josephstädter Theater in Wien stellte sich kürzlich der\nConcertpfeifer Piccolini aus London vor. Mit Clavierbegleitung\npfiff der Gast zuerst Schuberts „Ständchen\" und hierauf die grosse\nBravour-Arie Casta Diva aus „Norma\". Herr Piccolini wird in sei-\nner Leistung wohl schwerlich einen Rivalen finden; er pfiff durch-\naus in Doppeltönen und Trillern und bewahrte in allen Tonlagen\neine seltene Reinheit: man glaubte abwechselnd den Schlag einer\nNachtigall, die Stimme der Wachtel, den Triller der Lerche zu ver-\nnehmen. Die Leistungen des Pfeifers fanden vielen Beifall. (!)\nPetersburg. Friedrich Haase gehört dem hiesigen\nTheater nicht mehr an. Um dem Zwiespalte, in den er mit dem kai-\nserlichen Intendanten gerathen, ein Ende zu machen, hat er seine\nEntlassung genommen und kehrt nach Deutschland zurück. Die\ndeutsche „St. Petersburger Zeitung\", die dieses anzeigt, widmet dem\nscheidenden Künstler Worte des Dankes und der Anerkennung für\nalles, was derselbe seit April 1860 auf dem hiesigen Theater gelei-\nstet hat. Haase ist während der fünf Jahre in nicht weniger als\n90 Rollen aus allen Gebieten des Drama's aufgetreten."}]}