{"numero_id": "bm-bmtnabi-1865-03-18-01", "volume": "bmtnabi_1865-03-18_01", "ocr_sha256": "f130e4008bb9cb1b3a0cc3ebd131c0217522e321aadc04a16482d9362d9ca2d9", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1865/03/18_01/bmtnabi_1865-03-18_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650318-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1865-03-18-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-03-18_01#c001", "volume": "bmtnabi_1865-03-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "81", "page_fin": "81", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650318-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "81", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650318-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 472, "texte": "Inhalt.\nI* ranz Schubert. Von Dr. Heinrich Kreissie von liellborn. 11. An die Redaction der Niederrheinischen Musik-\nZeitung (Nachtrag zu dem Aufsatze: „Hans Oyart von Köln\" in Nr. 4 d. BL). Von Moritz Fürstenau. Ueber Tonmalerei. Neuntes\nGesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unterhaltungsblatt (Mainz, Theater-Angelegenheit Berlin, Fräulein\nDesird Artöt, Herr Woltersdorff Dresden, Ordens-Verleihung, Otto Ludwig f München, R. Wagner Paris, J. 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Nr. 10.)\nEine der wichtigsten Quellen für die Biographie eines\nausgezeichneten Mannes, nämlich dessen Briefe und eigene\nAufzeichnungen, fliesst für den Biographen von Franz\nSchubert dermaassen spärlich, dass sie kaum in Betracht\nkommt. Herr von Kreissie meint zwar, dass kein Beweis\nüber dessen Scheu vor Schreibseligkeit vorliege und viel-\nleicht Briefe verloren gegangen wären oder zurückgehalten\nwürden; allein uns scheint es sehr natürlich, dass ein\nMann wie Schubert, der so rasend viel Noten schrieb,\ndass jeder Andere jeden Tag ganz brauchte, um sie nur\nauf das Papier zu bringen, schwerlich Neigung und Lust\nhatte, sich des Abends noch in schriftliche Selbstbetrach-\nlungen zu vertiefen oder an Freunde zu schreiben, zumal\nda alle, die er als solche ansehen konnte, mit ihm in einer\nStadt wohnten und in täglichem mündlichen Verkehr mit\nihm waren. Dazu kommt, dass Correspondenz-Fleiss und\nThätigkeit in anderen schriftlichen Beschäftigungen zwei\nverschiedene Dinge sind, so verschieden, dass die letztere\nhäufig sogar nachtheilig auf den ersteren wirkt, was denn\nauch bei Schubert der Fall gewesen sein mag.\nZur Führung eines Tagebuches scheint er zwei\nMal in seinem Leben einen Anlauf genommen zu haben,\ndas erste Mal im Jahre 1818, das zweite Mal im Jahre\n1824. Beweise dafür sind indess nur ein paar. Blätter,\nund wenn auch nach der Aeusserung von AI. Fuchs, der\nsie bei dem Besitzer entdeckte, dieser ihm mittheilte, dass\ner mehrere dazu gehörige Blätter an Autographen-Samm-\nler u. s. w. verschenkt habe, so lässt sich doch keineswegs\nannehmen, dass dieses Tagebuch von nennenswerthem\nUmfange gewesen. Was davon vorhanden ist, umfasst nur\nvier Tage (13.—16. Juni 1818) und nimmt nicht mehr\nals fünf Octavseiten (S. 101 —105) ein; die Notizen aus\n1824 vollends kaum eine Seite. Dennoch sind auch diese\nwenigen Seilen um so mehr schätzbare Reliquien, als\nSchubert durch Buchstabenschrift so selten in sein Herz\nhat blicken lassen. Wir finden darin z. 0. folgende Sätze:\n„1816. 13. Juni. Ein heller, schöner, lichter Tag\nwird dieser durch mein ganzes Leben bleiben. Wie von\nferne leise hallen mir noch die Zaubertöne von Mozart's\nMusik. Wie unglaublich kräftig und wieder so sanft ward's\ndurch Schlesingers meisterhaftes Violinspiel ins Herz lief,\ntief eingedrückt! So bleiben uns diese schönen Abdrücke\nin der Seele, welche keine Zeit, keine Umstände verwi-\nschen und wohlthätig auf unser Dasein wirken. Sie zeigen\nuns in den Finsternissen dieses Lebens eine lichte, helle,\nschöne Ferne, worauf wir mit Zuversicht hoffen. 0 Mo-\nzart, unsterblicher Mozart! wie viele und wie unendlich\nviele solche wohlthätige Abdrücke eines lichten, besseren\nLebens hast du in unsere Seele geprägt! Dieses Quintett\nist so zu sagen eines seiner grössten kleineren Werke.\n„Am 14. Juni 1816. Nach einigen Monaten machte\nich wieder einmal einen Abend-Spazirgang. Etwas Ange-\nnehmeres wird es wohl schwerlich geben, als sich nach\neinem heissen Sommerlage Abends im Grünen zu ergehen,\nwozu die Felder zwischen Währing und Döbling eigens\ngeschaffen scheinen. Im zweifelhaften Dämmerscheine in\nBegleitung meines Bruders Karl ward mir so wohl ums\nHerz. Wie schön! dacht* ich und rief ich und blieb ergötzt\nstehen. Die Nähe des Gottesackers erinnerte uns an unsere\ngute Mutter. So kamen wir unter traurig traulichen Ge-\nsprächen auf den Punkt, wo sich die Döblinger Strasse\ntheilt.\n„Den 16. Juni. An diesem Tage componirte ich das\nersle Mal für Geld. Nämlich eine Cantate für die Namens-\nfeier des Herrn Professors Watteroth von Dräxler. Das\nHonorar ist 100 Fl. W. W."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "82", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650318-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4717, "texte": "„Naturanlage und Erziehung bestimmen des Menschen\nGeist und Herz. Das Herz ist Herrscher, der Geist soll\nes sein.\n„Nehmt die Menschen, wie sie sind, nicht, wie sie\nsein sollen.\n„Glücklich, der einen wahren Freund findet; glück-\nlicher, der in seinem Weibe eine wahre Freundin findet.\nEin schreckender Gedanke ist dem freien Manne in dieser\nZeit die Ehe; er vertauscht sie entweder mit Trübsinn\noder grober Sinnlichkeit.\n„Monarchen dieser Zeit, ihr seht dies und schweiget!\noder seht ihr's nicht? Dann, o Gott! umschlei're uns\nSinn und Gefühl mit Dumpfheit! doch nimm den Schleier\neinmal wieder ohne Rückschade!\n„Der Mann trägt Unglück ohne Klage, doch fühlt er\nes desto schmerzlicher. Wozu gab uns Gott Mitem-\npfindung?\n„Leichter Sinn, leichtes Herz: zu leichter Sinn birgt\nmeistens ein zu schweres Herz.\n„Ein mächtiger Antipode der Aufrichtigkeit der Men-\nschen gegen einander ist die städtische Höflichkeit. Das\ngrösste Unglück des Weisen und das grösste Glück des\nThoren gründet sich auf die Convenienz.\n„Der edle Unglückliche fühlt die Tiefe seines Uuglücks\nund Glücks, eben so der edle Glückliche sein Glück und\nsein Unglück.\n„Nun weiss ich nichts mehr! Morgen weiss ich gewiss\nwieder Etwas! Woher kommt das? Ist mein Geist heute\nstumpfer, als morgen? Weil ich voll und schläfrig bin?\nWarum denkt mein Geist nicht, wenn der Körper schläft?\nEr geht gewiss spaziren. Schlafen kann er ja nicht!\nSonderbare Fragen!\nHör' ich Alle sagen;\nEs lässt sich hier nichts wagen,\nWir müssen's duldend tragen.\nNun gute Nacht\nBis ihr erwacht.\n„1824. Aus dem tiefsten Grunde meines Herzens\nhasse ich jene Einseitigkeit, welche so viele Elende glau-\nben macht, dass nur eben das, was sie treiben, das Beste\nsei, alles Uebrige aber nichts. Eine Schönheit soll den\nMenschen durch das ganze Leben begleiten —wahr ist es\n—, doch soll der Schimmer dieser Begeisterung alles An-\ndere erhellen.\n„27. März. Keiner, der den Schmerz des Anderen,\nund Keiner, der die Freude des Anderen versteht. Man\nglaubt immer, zu einander zu gehen, und man geht nur\nneben einander. 0 Qual für den, der dies erkennt!\n„Meine Erzeugnisse in der Musik sind durch den Ver-\nstand und durch meinen Schmerz vorhanden; jene, welche\nder Schmerz allein erzeugt hat, scheinen die Welt am\nmeisten zu erfreuen.\n• „Mit dem Glauben tritt der Mensch in die Welt; er\nkommt vor Verstand und Kenntnissen weit voraus; denn\num etwas zu verstehen, muss ich vorher etwas glauben;\ner ist die höhere Basis, auf welche der schwache Verstand\nseinen ersten Beweispfeiler aufpflanzt. Verstand ist nichts\nals analysirter Glaube.\n„29. März. 0 Phantasie! du unerforschlicher Quell,\naus dem Künstler und Gelehrte trinken! 0, bleibe bei uns,\nwenn auch von Wenigen nur anerkannt und verehrt, um\nuns vor jener so genannten Aufklärung, jenem Gerippe\nohne Fleisch und Blut, zu bewahren.\"\nVon Briefen Schubert's enthält die Biographie sechs-\nzehn, die in die Erzählung eingereiht sind. Es sind aber\nmehrere dabei, die nur Billets sind; einer oder.zwei sind\nfrüher in der „Neuen Zeitschrift für Musik\", Jahrg. 1839,\nabgedruckt.\nEin Brief vom 19. Mai 1819 enthält folgende Stelle:\n„Letzthin wurde bei uns „„Othello\"\" von Rossini\ngegeben. Von unserem Radichi (Tenor Rodrigo) wurde\nAlles recht gut exequirt. Diese Oper ist bei Weitem bes-\nser, d. h. charakteristischer, als Tancred. Ausserordent-\nliches Genie kann man ihm nicht absprechen. Die Instru-\nmentation ist manchmal höchst originel und der Gesang\nist es manchmal, und ausser den gewöhnlichen\" italiäni-\nschen Galopaden und mehreren Reminiscenzen aus Tancred\nlässt sich der Musik nichts vorwerfen.— „„Semiramis\"\"\nvon Catel wird nächstens gegeben werden mit einer un-\nendlich herrlichen Musik.\"\nAn einen vertrauten Freund, den Maler Leopold\nKupelwieser (geb. 1796, f 1862) in Rom, schrieb\ner den 31. März 1824 folgenden Brief:\n„Lieber Kupelwieser! Schon längst drängt es mich,\nan Dich zu schreiben, doch niemals wusste ich, wo aus, wo\nein. Doch nun beut sich mir die Gelegenheit, und ich kann\nendlich wieder einmal Jemandem meine Seele ganz aus-\nschütten. Du bist ja so gut und bieder, Du wirst mir ge-\nwiss Manches verzeihen, was mir Andere sehr übel neh-\nmen würden.—Mit Einem Worte, ich fühle mich als den\nunglücklichsten, elendesten Menschen auf der Welt.\n„Denke Dir einen Menschen, dessen Gesundheit nie\nmehr richtig werden will, und der aus Verzweiflung dar-\nüber die Sache immer schlechter, statt besser macht;\ndenke Dir einen Menschen, sage ich, dessen glänzendste\nHoffnungen zu nichte geworden sind, dem das Glück der\nLiebe und Freundschaft nichts bietet, als höchstens\nSchmerz, dem Begeisterung (wenigstens anregende) für\ndas Schöne zu schwinden droht, und frage Dich, ob das\nnicht ein elender, unglücklicher Mensch ist? Meine Ruh'"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "83", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650318-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5313, "texte": "ist hin, mein Herz ist schwer, ich finde sie nim-\nmer und nimmermehr! so kann ich jetzt wohl alle\nTage sagen, denn jede Nacht, wenn ich schlafen geh',\nhoffe ich, nicht mehr zu erwachen, und jeder Morgen kün-\ndet mir neu den gestrigen Gram. So freude- und freunde-\nlos verbringe ich meine Tage, wenn nicht manchmal\nSchwind mich besuchte und mir einen Strahl jener ver-\ngangenen süssen Tage zuwendete. Unsere Lesegesell-\nschaft hat sich, wie Du wohl schon wissen wirst, wegen\nVerstärkung des rohen Chores im Biertrinken und Wür-\nstelessen den Tod gegeben, denn ihre Auflösung erfolgt\nin zwei Tagen, obwohl ich schon beinahe seit Deiner Ab-\nreise sie nicht mehr besuchte. Leidesdorf*), mit dem ich\nrecht genau bekannt geworden bin, ist zwar ein wirklich\ntiefer und guter Mensch, doch von so grosser Melancholie,\ndass ich beinahe fürchte, von ihm mehr als zu viel in die-\nser Hinsicht profitirt zu haben; auch gehl es mit meinen\nund seinen Sachen schlecht, daher wir nie Geld haben.\nDie Oper von Deinem Bruder**) (der nicht sehr wohl\nthat, dass er vom Theater wegging) wurde für unbrauch-\nbar erklärt und mithin meine Musik nicht in Anspruch\ngenommen. Die Oper von Castelli: Die Verschwore-\nnen, ist in Berlin, von einem dortigen Compositeur com-\nponirt, mit Beifall aufgenommen worden***). Auf diese\nArt hätte ich also wieder zwei Opern umsonst componirt.\nIn Liedern habe ich wenig Neues gemacht-j-), dagegen\nversuchte ich mich in mehreren Instrumentalsachen, denn\nich componirte zwei Quartette für Violinen, Viola und\nVioloncello und ein Octett, und will noch ein Quartett-}-}-)\nschreiben; überhaupt will ich mir auf diese Art den Weg\nzur grossen Sinfonie bahnen.\n„Das Neueste in Wien ist, dass Beethoven ein Con-\ncert gibt, in welchem er seine neue Sinfonie, drei Stücke\naus der neuen Messe und eine neue Ouvertüre produciren\nlägst-}--}-}-). Wenn Gott will, so bin ich auch gesonnen,\nkünftiges Jahr ein ähnliches Concert zu geben*-}-). Ich\nschliesse jetzt, damit ich nicht zu viel Papier brauche, und\nküsse Dich tausend Mal. Wenn Du mir über Deine jetzige\nbegeisterte Stimmung und über Dein sonstiges Leben\nschreiben würdest, so freute nichts mehr\n„Deinen treuen Freund\n„Franz Schubert.\n„Meine Adresse wäre dann: An die Kunsthandlung\nSauer und Leidesdorf, weil ich Anfangs Mai mit Esterhazy\nnach Ungarn gehe.\"\nIm Mai 1824 war er der Familie des Grafen Ester-\nhazy nach Zel<ssz gefolgt. Der längere Aufenthalt auf jener\nBesitzung, wo er, den Staub und alles Ungemach der\nResidenz voy sich schüttelnd, in einem gebildeten, von sei-\nnem Genie begeisterten Kreise ruhig heitere Tage verle-\nben durfte, bewährte sich als die wirksamste Cur gegen\njene Anwandlung von Verzweiflung, die ihn kurz vorher\nüberkommen hatte. Er schuf in ländlicher Abgeschieden-\nheit mehrere bedeutende Compositionen, und ein vom 18.\nJuli datirtes, an Bruder Ferdinand in Wien gerichtetes\nSchreiben bezeugt, dass mittlerweile die trübe Stimmung\neiner zwar ernsten, aber gefassteren Lebens-Anschauung\ngewichen war. In dem Briefe heisst es:\n„Ueber Deine Quartett-Gesellschaft wundere ich mich\num so mehr, da Du den Ignaz dazu zu bewegen vermoch-\ntest. Aber besser wird es sein, wenn ihr euch an andere\nQuartette als die meinigen haltet, denn es ist nichts daran,\nausser dass sie vielleicht Dir gefallen, dem Alles von mir\ngefällt. Die Erinnerung an mich ist mir noch das Liebste\ndabei. War es bloss der Schmerz über meine Abwesen-\nheit, der Dir Thränen entlockt, die Du Dir nicht zu schrei-\nben getrautest? Oder fühltest Du bei dem Andenken an\nmeine Person, die von ewig unbegreiflicher Sehnsucht ge-\ndrückt ist, auch um Dich ihren trüben Schleier gehüllt?\nOder kamen Dir alle die Thränen, die Du mich schon\nweinen sähest, ins Gedächtniss? Dem sei nun, wie ihm\nwolle, ich fühle es in diesem Augenblicke deutlicher, Du\noder Niemand bist mein innigster, mit jeder Faser meiner\nSeele verbundener Freund! Damit Dich diese Zeilen\nnicht vielleicht verführen, zu glauben, ich sei nicht wohl\noder nicht heiteren Gemüthes, so beeile ich mich,\nDich des Gegentheils zu versichern. Freilich ist's nicht\nmehr jene glückliche Zeit, in der uns jeder Gegenstand\nmit einer jugendlichen Glorie umgeben scheint, sondern\njenes fatale Erkennen einer miserablen Wirklichkeit, die\nich mir durch meine Phantasie (Gott sei's gedankt!) so viel\nals möglich zu verschönern suche. Man glaubt, an dem\nOrte, wo man einst glücklich war, hange das Glück, indem\nes doch nur in uns selbst ist, und so erfuhr ich zwar eine\nunangenehme Täuschung und sah eine schon in Steyr ge-\nmachte Erfahrung hier erneut, doch bin ich jetzt mehr im\nStande, Glück und Ruhe in mir selbst zu finden, als da-\nmals. Als Beweis dessen werden Dir eine grosse Sonate\n\n*) Leidesdorf, Kunst- und Musicalienhändler in Wien, etablirte\nsich später in Florenz. Ein Theil der Schubert'schen Compositionen\nwurde von ihm verlegt.\n**) Joseph Kupelwieser, der Verfasser des Textes zu der\nOper „Fierabras\"*\n***) Ich habe nicht erfahren können, welcher Componist in\nBerlin „Die Verschworenen\" („Der häusliche Krieg\") in Musik setzte.\nf) Der Katalog weist deren nur sechs aas.\nff) Diese Streich-Quartette sind wohl die bekannten in A-moll:\nin Es- und E-dur.\nftf) Die neunte Sinfonie, die D-Messe und die Ouvertüre\n(Op. 124). Das Concert fand am 7. Mai Statt.\n*f) Dieser Vorsatz kam erst im Jahre 1828 zur Ausführung.\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "84", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650318-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4999, "texte": "und Variationen über ein selbst erfundenes Thema, beides\nzu vier Händen, welche ich bereits componirt habe, dienen.\nDie Variationen erfreuen sich eines ganz besonderen Bei-\nfalles. Ueber die dem —• übergebenen Lieder tröste ich\nmich, da nur einige davon mir gut erscheinen, als: Wan-\nderers Nachtlied und der entsühnte, aber nicht\nentführte Orest, über welchen Irrthum ich sehr lachen\nmusste. Suche wenigstens diese so bald als möglich zurück-\nzubekommen. Dass Du Dich recht wohl befindest, freut\nmich um so mehr, da ich hoffe, dass ich selbes Wohlbe-\nfinden mit dem meinigen kommenden kräftig-\nlichst geniessen werde. Grösse mir Eltern, Geschwister\nund Freunde innigst Du sei mir tausend Mal geküsst.\nSchreibe so bald wie möglich und lebe recht, recht wohl.\nMit ewiger Liebe\n„Dein Bruder Franz.\"\nAusser diesen beiden Briefen sind noch ein Brief an\nSpaun, der aus Linz nach Lemberg versetzt war, einer\nan seine Eltern und zwei an seinen Bruder Ferdi-\nnand (Beschreibung der Reise und des Aufenthalts in\nOberösterreich), sämmtlich aus dem Jahre 1825, die an-\nziehendsten.\nAn Spaun, der ob seiner Versetzung traurig war,\nschreibt Schubert unter Anderem: „Uebrigens lasse Dir\nkein graues Haar wachsen, dass Du so weit von uns weg\nbist: biete dem einfältigen Schicksale Trotz, lass Dein wei-\nches Gemüth wie einen Blumengarten erblühen, dass Du\nin dem kalten Norden Wärme des Lebens verbreiten und\nDeine göttliche Abkunft beurkunden mögest. Niederträch-\ntig ist die Trauer, die ein edles Herz beschleicht; wirf sie\nvon Dir und zertritt den Geier, der sich in Deine Seele\nhineinfrisst.\"\nEin Brief an seine Eltern (vom 25. Juli 1825) ent-\nhält manche charakteristische Stellen. „Auch wunderte\nman sich über meine Frömmigkeit, die ich in einer Hymne\nan die heilige Jungfrau (Text aus Walter Scott's „ „Fräu-\nlein vom See\"\") ausgedrückt habe und, wie es scheint,\nalle Gemüther ergreift und zur Andacht stimmt. Ich glaube,\ndas kommt daher, weil ich mich zur Andacht nie forcire\nund, ausser wenn ich von ihr unwillkürlich übermannt\nwerde, nie dergleichen Hymnen oder Gebete componire,\ndann aber ist sie auch gewöhnlich die rechte und wahre\n\"Andacht.\" „Besonders gefielen die Variationen aus mei-\nner neuen Sonate (wahrscheinlich Op. 42), die ich nicht\nohne Glück vortrug, indem mich Einige versicherten, dass\ndie Tasten unter meinen Händen zu singenden Stimmen\nwürden, was, wenn es wahr ist, mich sehr freut, weil ich\ndas vermaledeite Hacken, welches auch ausgezeichneten\nSpielern eigen ist, nicht ausstehen kann, indem es weder\ndas Ohr noch das Gemüth ergötzt.\" „Ferdinand kriecht\nvermuthlich noch immer zu Kreuz (einer Kneipe, wo der\nWein schlecht war) und wird gewiss schon wieder 77 Mal\nkrank gewesen sein und 9 Mal sterben zu müssen geglaubt\nhaben! Als wenn das Sterben das Schlimmste wäre, was\nuns begegnen könnte! Könnte er nur einmal diese gött-\nlichen Berge und Seen schauen, deren Anblick uns zu er-\ndrücken oder zu verschlingen droht, er würde das winzige\nMenschenleben nicht so sehr lieben, als dass er es nicht\nfür ein grosses Glück halten sollte, der unbegreillichen\nKraft der Erde zu neuem Leben wieder anvertraut zu\nwerden.\" —Und gleich darauf wieder mit Humor: „Karl\n(der Maler) hat jetzt wohl viel zu thun, denn ein verhei-\nratheter Künstler ist verpflichtet, sowohl Kunst- als Natur-\nstücke zu liefern, und wenn beide Arten gerathen, so ist\ner doppelt zu loben, denn das ist keine Kleinigkeit. Ich\nverzichte darauf.\"\nEin Billet (wahrscheinlich aus 1820) an Sonnleithner,\nder ihn um einige neue Vocal-Quartette für Männerstim-\nmen, jedoch in einer von der bisherigen verschiedenen\nForm geschrieben, für ein Concert bat, lautet:\n„Lieber Herr von Sonnleithner!\n„Sie wissen selbst, wie es mit der Aufnahme der spä-\nteren Quartette stand; die Leute haben es genug. Es\nkönnte mir freilich vielleicht gelingen, eine neue Form zu\nerfinden, doch kann man auf so etwas nicht sicher rechnen.\nDa mir aber mein künftiges Schicksal doch etwas am Her-\nzen liegt, so werden Sie, der, wie ich mir schmeichle, auch\ndaran Theil nimmt, wohl selbst gestehen müssen, dass ich\nmit Sicherheit vorwärts gehen muss und keineswegs mich\nder so ehrenvollen Aufforderung unterziehen kann, es müsste\ndenn sein, dass der löblichen Gesellschaft mit der Romanze\naus der Zauberharfe, von Jäger vorgetragen, gedient\nwäre; dann würde sich beruhigt fühlen Ihr ergebenster\n„F. Schubert.\"\nEr schrieb auch kein neues Männer-Quartett zu Concer-\nten mehr; während aber der bescheidene Künstler meinte,\nes könnte ihm vielleicht gelingen, neue Formen zu er-\nfinden, hatten sich diese in seiner Phantasie bereits ausge-\nprägt; denn die Quartette: „Widerspruch\" und „Der\nGondelfahrer\", das Quintett: „Mondenschein\" u.s.w.,\nwelche kurz darauf entstanden, bekunden schon die neue\nPhase, in welche Schubert getreten, und der eine (für den\nMännergesang) noch glänzendere folgen sollte. Intensiver\ngestaltete sich in demselben Zeiträume (1820—'1822)\nseine Thätigkeit für die Composition von Frauenchören\nund von solchen für gemischte Stimmen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-03-18-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-03-18_01#c003", "volume": "bmtnabi_1865-03-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "85", "page_fin": "85", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650318-01.2.3", "titre_corps": "An die Redaction der Niederrheinischen Musik-Zeitung.", "titre_sommaire": "An die Redaction der Niederrheinischen Musik-Zeitung.", "signature_source": "Moritz Fürstenau", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650318-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3975, "texte": "An die Redaction der Niederrheinischen\nMusik-Zeitung.\nMoritz Fürstenau.\nDem dankenswerthen Aufsatze des Herrn E. Pasque\nin Nr. 4 des dreizehnten Jahrganges Ihrer Zeitung über\n„Hans Oyart von Köln\" vermag ich noch eine Notiz\nüber dieses wackeren Meisters Sohn Hans hinzuzufügen.\nIn einem Actenstücke des K. S. Haupt-Staats Archivs zu\nDresden sind zwei Briefe Herzog Johann Friedrich's des\nMittleren an Kurfürst August von Sachsen enthalten, aus\ndenen hervorgeht, dass Hans Oyart jun. auf Verwenden\nseines Herrn ein Jahr lang (Juli 1555 bis August 1556)\nals Organist in die kurfürstliche Cantorei oder Hofcapelle\nzu Dresden eingetreten war, um sich in der Musik zu ver-\nvollkommnen. Auf der Hochzeit Johann Friedrich's, welche\ner am 26. Mai 1555 mit Agnes, Tochter Philippus I. von\nHessen und Witwe des Kurfürsten Moriz von Sachsen,\nfeierte, war diese Verabredung zwischen beiden Fürsten\ngetroffen worden. Die kurfürstliche Capelle zu Dresden,\nan deren Spitze damals der bekannte Niederländer Mat-\nthias le Maistre stand (Johann Walther war durch Re-\nscript d. d. Dresden, 7. August 1554, pensionirt worden),\nerfreute sich zu jener Zeit eines grossen Rufes und bildete\neine Menge trefflicher Organisten, Sänger und Instrumen-\ntisten, welche ihr als lernbegierige Kunstjünger von nah\nund fern zuströmten, meist auf Veranlassung kunstsinniger\nFürsten, die dadurch tüchtige Mitglieder für ihre Capellen\nheranbilden wollten. Auch Hans Oyart folgte diesem Bei-\nspiele, ermuntert durch die Güte seines Herrn. Nachfol-\ngend theile ich die beiden Briefe Johann Friedrich's des\nMittlern an Kurfürst August diplomatisch getreu mit,\nhauptsächlich auch desshalb, um aus jener Zeit den Freun-\nden der Musikgeschichte ein anschauliches Bild von dem\nschriftlichen Verkehr zweier kunstsinnigen Fürsten in der-\nartigen Angelegenheiten zu geben zweier Fürsten, die\nnachgehends sich gar feindlich gegenüber stehen sollten.\nHinsichtlich der Orthographie habe ich zur Erleich-\nterung für den Leser mir nur Aenderungen in Betreff der\ngrossen Anfangsbuchstaben und der Interpunction erlaubt.\nI.\nVnser freundlich Dinst, vnnd was wir libs vnnd guts\nvormuegen zuuoren (zuvor), hochgeborner Fürst, freunt-\nlicher lieber Vedter vnnd Bruder. E. L. (Euer Liebden)\nwissen sich freuntlich zu erinnern, das sich dieselbige vff\nvnser Ansuchenn in jüngsten vnserm ehlichenn Beilager,\ngegen vns, freuntlichenn bewilliget, vnsernn Organisten\nJohan Oyart ein Jhar lang, bei Ihrer Cantorey zu undter-\nhaltenn, Weichs freuntlichenn Erbietens wir vns gegenn\nE. L. freuntlich bedancken thun; habenn denn auch\ndarauff gedachten vnseren Organisten abgefertiget, freundt-\nlieh bittende, E. L. volle vnns zu besonderm freuntlichenn\nGefallenn, vnd Ihren freuntlichenn Erbietenn nach, die\nVerordnung tUun, das ehr in E. L. Cantorey für ein Or-\nganistenn dis Jhar vber (der Musik in desto besser Vbung\nvnnd Erfahrung zu kommen) vndterhalten werde, ihnenn\n(ihn) auch nach Gelegenheit seines Leibs Gebrechenn in\ngnedigen beuehlich (Befehlich; habenn, wie wir vns zu\nE. L. freuntlich vorsehenn, des seind wir vmb E. L. freunt-\nlich zu verdienen willig. Datum Weimar den ersten Juli\nAnno Dni 1555.\nVon Gottes Gnadenn Johan Friedrich der Mitler.\nHertzogt zu Sachsenn, Landtgroff in Durin-\ngen vnnd Marggroff zu Meissen.\nII.\nVnser freundlich Dinst u. s. w. (wie oben). Nachdeme\nE. L. nun eine Zeit langk vnnseren Organisten vnnd lie-\nbenn getreuenn Hans Oyartt von Köllen (Köln) in E. L.\nCantorey, damit ehr der Musica in desto besser Vbung\nvnnd Erfahrung kehme, gehabt, dessen wir vns dagegen\nE. L. freuntlich thun bedanckenn, als haben wir ihnenn\nitzo widerumb abgeforderth, derwegenn freuntlich bittende,\nE. L. wollen ihme wider anher zu vns gnadiglich erlau-\nbenn, vnd E. L. freuntlich zu dienenn seindt wir hinwider\ngeneigt vnnd willigk. Datum Weimar, Freitags nach Se-\nbaldi Anno 1556.\nVon Gottes Gnadenn Johann Friedrich der Mitler,\nJohanns Wilhelm vnnd Johann Fridrich der\nJunger Gebrüder. Herzogenn zu Sachsenn\nu. s. w. *)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-03-18-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-03-18_01#c004", "volume": "bmtnabi_1865-03-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "85", "page_fin": "86", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650318-01.2.4", "titre_corps": "Ueber Tonmalerei.", "titre_sommaire": "Ueber Tonmalerei.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650318-01.1.5", "debut_caractere": 3977, "fin_caractere_exclue": 4737, "texte": "Ueber Tonmalerei.\nVon H. Ch. Koch's „Musicalischem Lexicon\"\nin der neuen Ausgabe von Arrey von Dommer, Hei-\ndelberg, 1865, bei J. C. B. Mohr ist so eben die VII.\nLieferung, Sing bis ZT, S. 769—896, gr. 8., erschienen.\nDer Artikel »Tonmalerei\" enthält unter Anderem\nFolgendes:\n„Unter Tonmalerei pflegen wir eine solche Musik zu\nverstehen, die sichtbare oder greifbare Objecte, Natur-\nerscheinungen, überhaupt allerhand äussere Ereignisse und\nGegenständlichkeiten in den Kreis ihrer Schilderung zieht.\nAls in der Zeit Bewegtes, vermag die Musik von allem,\nwas wirklich sich bewegt oder womit eine Vorstellung von\nBewegung sich verknüpfen lässt, ein Abbild zu geben; und\n\n*) Die drei Söhne Johann Friedrich's des Grossmüthigen re-\ngierten damals gemeinschaftlich."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650318-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5381, "texte": "ausser den inneren Bewegungen sind hieher ja in der That\nauch viele Dinge, welche dem äusseren Dasein angehören,\nzu rechnen. Am leichtesten nachzuahmen sirl d ie wirklich\nbewegten Dinge, und unter diesen wiederum die schallen-\nden, wie z. B. Vogelgesang, Donnerrollen, Meeresbrausen,\nSchlachtgetöse, Sausen und Pfeifen des Sturmes, Prasseln\ndes Regens u. s. w.; dann auch die lautlos bewegten, als\nz. B. das stille Auf- und Niederwallen eines Wasserspie-\ngels, alles geräuschlose Dahinfliessen (eines Baches, Stro-\nmes), Aufsteigen und Senken (der Sonne, des Mondes),\nLichtglanz, Dämmerung u. s. w. Alle solche Gegenstände\nund noch viele andere hat man unzählige Male durch Mu-\nsik zu versinnlichen gesucht; der plätschernden Cascaden,\nrieselnden Bäche, pfeifenden Vögel u. s. W.ist ja in den\nWerken solcher Componisten, deren innerer Quell bald\nversiegt, kein Ende: die Sache ist also allbekannt und kommt\nauch schon in sehr frühen Zeiten vor. Schon die alten Nie-\nderländer setzten Canons über Thürme, Berge, Flüsse,\nund Musiken auf die Wappen ihrer Protectoren; Clement\nJannequin, ein Schüler des Josquin, wählte den pariser\nMarktspectakel zum Stoffe eines vierstimmigen Tonstückes\n(Le cris de Paris genannt), in welchem er die anmuthigen\nModulationen der Ausrufe, womit Fisch-, Gemüse- u. s. w.\nWeiber und andere Markthändler ihre Waaren anbieten,\nmit einander verwebte; Em. Bach'sSchlacht bei Hochstädt\nund Beethoven's Schlacht von Vittoria finden ihr Vorbild\nin der siegreichen Schlacht Franz F. gegen die Schweizer\nbei Marignano von dem genannten Meister Jannequin für\n4 6 Männerstimmen. Nun haben aber auch die aner-\nkannt ausgezeichnetsten Tonmeister der Naturmalerei nicht\nselten sich bedient, so dass man sie nicht unbedingt ver-\nwerfen kann, ohne die vortrefflichen Werke, in denen sie\nauftritt, mit zu verurtheilen, wozu wir uns z. B. Händel's\nIsrael gegenüber doch nicht leicht bestimmen lassen wer-\nden. Aber das Genie zieht auch hier die Gränzen, bis zu\ndenen es wohl selbst, nicht aber das bescheidenere Talent\nsich vorwagen darf. Schwache Componisten, denen darum\nzu thun ist, dass dem Zuhörer doch ja nichts von den kost-\nbaren geistigen Schätzen und tiefen Bedeutungen ihrer\nMusikmalerei durch etwaige Missverständnisse verloren\ngehe, haben auch schon in früherer Zeit ihren Tonschil-\nderungen Programme, wörtliche Erklärungen, was dieses\nund jenes zu bedeuten habe, beigegeben; man nennt solche\nMusiken Programm- M usi ken. Di\ngramma oder pittorica hat einstmals eine gewisse Rolle\ngespielt. Es sind hiermit nicht jene allgemeinen, ziemlich\nunschuldigen Ueberschriften gemeint, welche unter Ande-\nren auch Beethoven der Pastoral-Sinfonie oder der Sonate\nLes adieux, l'absence et le retour beigegeben hat, sondern\njene specialisirenden Erklärungen der Musik, wonach der\nZuhörer aus dieser oder jener Periode oder Partie etwas\nGewisses, was der Tonsetzer dabei sich eingebildet hat,\nherausverstehen soll. Z. B. aus der „ „Belagerung Belgrads,\neine historisch-türkische Phantasie oder Sonate für Ciavier\nund Violine\"\" (von Freystädtler, Wien, 1789): „„Tür-\nkische Musik im Lager die Mannschaft steht unter dem\nGewehr gewöhnliches Geschrei und Heulen der Türken\nder Feldpater gibt den Segen panisches Schrecken\nverbreitet sich vor dem k. k. Heere die Vorstädte wer-\nden mit Sturm genommen man umkränzt des Siegers\nHaar mit Lorbeern\"\" u. s. w. Unter Umständen können\nsolche Aufklärungen sehr schätzbar sein; so hört man z. B.\nin einer neueren Faust-Sinfonie eines zu seinem und der\nMenschheit Vortheil unbekannt gebliebenen Componisten\nin den Bässen ein knurriges Rumoren; Jeder würde natür-\nlich an Faust's Pudel denken, wenn nicht eine Ueberschrift\nnns eines Besseren belehrte, nämlich dass es die „ „innere\nStimme\"\" in Faust ist, was so kötermässig sich beträgt.\nIn der Gegenwart ist dieser unmusicalische Unfug durch\nBerlioz, Wagner, Liszt nnd die „ „neudeutsche Schule\"\"\nfür eine kurze Zeit wieder lebhaft in Schwung gesetzt wor-\nden; Berlioz in seinen Programm-Sinfonieen, Wagner in\nseinem Programm zur neunten Sinfonie von Beethoven, Liszt\nin seinen symphonischen Dichtungen gaben dem weniger\ndenkenden Theile des Publicurns manche solcher tiefsinni-\ngen Räthsel auf, deren Lösung aber dessenungeachtet nicht\nzu ihren Gunsten ausgefallen ist. Man darf zur Rechtferti-\ngung solcher Abnormitäten nicht etwa darauf sich beru-\nfen, dass Beethoven beim Ausbau mancher seiner Sinfo-\nnieen (wie der 5. und 9.) augenscheinlich einem vorher\ndurchdachten poetischen Plane gefolgt ist, den man durch\ndie Musik hindurchleuchten zu sehen kaum zweifeln kann;\ndenn wie Versinnlichung von Ideen überhaupt Aufgabe\nder Kunst, so ist auch jenes Verfahren Beethoven's durch-\naus der Tonkunst entsprechend und kann die Gestaltungs-\nkraft nur anregen und das Werk dichterisch bedeutsamer\nmachen, ohne die Gränzen der Kunst nach irgend einer\nSeite hin zu überschreiten. Die Vocalmusik hat ja von vorn\nherein die Aufgabe, einen, über den blossen Inhalt der\nTon-Combination hinausgreifenden ideellen Inhalt auszu-\ndrücken: warum soll es die Instrumental-Musik nicht auch\nI\nwenigstens versuchen, so weit sie es vermag, ohne die\nKunstgesetze zu verneinen? Die Forderung der Programm-\nMusik aber, der Hörer solle dem Componisten auf Schritt\nund Tritt nachfolgen und zusehen, wie er dies und das\nmit Tönen gemacht habe, ist denn doch materiellerer Na-\ntur, als die Kunst vertragen kann.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-03-18-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-03-18_01#c005", "volume": "bmtnabi_1865-03-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "87", "page_fin": "87", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650318-01.2.5", "titre_corps": "Neuntes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich.", "titre_sommaire": "Neuntes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650318-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6312, "texte": "Neuntes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich.\nDinstag, den 14. März 1865.\nProgramm. Erster Theil. L Ouvertüre zu „Maria Stuart\" von\nC. Vieriing. 2. Cavatine aus Weber's „Euryanthe\" (Frau Zade-\nraak-Doria). 3. Violin-Concert in D-moll Nr. 9 von L. Spohr\n(Herr Concertmeister G. Japha). 4. Scene: „Ocean\" aus „Oberon\"\nvon Weber (Frau Zademak-Doria). 5. „Adoramus\" und „0 hone\nJesu\", Chöre a capella von Palestrina.\nZweiter Theil. Sinfonie Nr. IX. mit Chor von L. van Beet-\nhoven (Soli: Frau Zademak, Fräulein Assmann, Herr YV.\nBitter, Herr Sch el per.\nDa Herr Gapellmeister Hill er wegen Unwohlseins noch immer\ndas Zimmer hüten muss, so dirigirte Herr Musik-Director Franz\nWeber die Aufführungen.\nDas neunte Concert gehört zu denjenigen dieses Winters, welche\ndas Publicum vorzugsweise befriedigt haben. Eine so warme Theil-\nnahme an allen Leistungen und vor Allem eine so gespannte Auf-\nmerksamkeit und nach athemloser Stille bei jedem Satze am Schlüsse\nstets so unwillkürlich ausbrechender Beifall, wie ihn die neunte Sin-\nfonie hervorrief, war ein deutlicher Beweis, dass das Concert-Publi-\ncum in Köln sich für das wahrhaft Schöne und Grosse in der Kunst\nfortwährend zu begeistern vermag. Ja, der eine Fortschritt, nämlich\ndie vorgerückte Bildung des musicalischen Sinnes im grossen Publi-\ncum, ist vorhanden, und dieser ist es gerade, welcher den anderen,\nder in der künstlerischen Production bestehen soll, Lügen straft, in-\ndem er sich das Neue, wenn es nicht auch zugleich schön ist,\ndurch keine, in ihren wiederholten Versuchen auch noch so hart-\nnäckige Zunftgenossenschaft und auf Gegenseitigkeit begründete Ver-\nsicherungs-Compagnie octroyiren lässt. Jener Fortschritt, der sich\nin der Empfänglichkeit für die Tonkunst und in der unbewussten,\ndas heisst nicht durch musicalisches \\\\ issen und Können unterstütz-\nten, sondern natürlichen Auffassung grosser Tonwerke und des Edlen\nund Gehaltvollen, mit Einem Worte, des Schönen in der Musik,\näussert, ist wohl zu unterscheiden von der Kennerschaft in Bezug\nauf die Ausführung. Während bei dieser letzten nur die genaue Be-\nkanntschaft mit den technischen Erfordernissen des Vortrages und\neine vielseitig und durch das Hören des Besten geprüfte Urtheilskraft\nzu richtiger Würdigung befähigen, wirkt dagegen der Inhalt der\nWerke der Tonkunst auf den Zuhörer, auch ohne jene Vorbedingun-\ngen kritischer Auffassung, allein durch den Reiz des Ohres und\ndurch jenen wunderbaren Zusammenhang des Sinnlichen mit dem\nGeistigen im Menschen auf so zwingende Weise, dass er oft der\nComposition wegen die mangelhafte oder wenigstens den Forde-\nrungen der Technik nicht ganz genügende Ausführung übersieht\nund in lauten Beifall ausbricht, wie wir das bei den Bühnen-Vor-\nstellungen hier und bei sehr vielen anderen Theatern häufig wahr-\nnehmen können.\nDie neunte Sinfonie, welche den zweiten Theil des Concer-\ntes am Dinstag füllte, entfaltete durch eine recht gute Aufführung\neinmal wieder die majestätischen Schwingen ihres prächtigen Fluges\nin unerreichbare Höhen, wobei man nur in stillem Entzücken den-\nken und danken kann: „Wohl denen, die ihm, wenn auch nur von\nfern, folgen können mit Ohr und Seele!\" Ja, in dem Einen Aus-\nspruche hat Richard Wagner Recht, wenn er sagt, er könne es nicht\nfassen, dass die Componisten nicht einsähen, dass die letzte Sin-\nfonie bereits geschrieben ist! Wahrlich, von Anfang bis Ende ist\nes die letzte, denn eine ihr ähnliche wird nie wieder geschrieben\nwerden! Den neueren Kunstphilosophen wird solches Wort als eine\nconservative Ketzerei gegen den Fortschritt erscheinen, denn sie\nstellen die Kunst auf gleiche Linie mit der Wissenschaft und deren\nResultaten für den Dienst des Praktischen und das materielle Wohl\nder Menschheit. Wir aber bleiben dabei, dass die Kunst ihre Son-\nn enlauf bahn hat, nur mit dorn Unterschiede, dass der Tag dieser\nLaufbahn eine Reihe von Jahrhunderten ist, und so wenig\nwie die Photographie und der Farbendruck einen Portschritt in der\nMalerei bekunden, oder durch den elektrischen Telegraphen dem\nGenie schneller und reichlicher dichterische Funken entsprühen wer-\nden, eben so wenig werden die raffinirten Theorieen vom objectiven\nInhalte des musicalischen Kunstwerkes etwas erzeugen, das den\nVVeiken der Musiker von Gottes Gnaden auch nur von fern ähn-\nlicli wäre.\nIn der präcisen und schwungvollen Ausführung zeigten sich\nChor und Orchester vortrefflich, und auch das Solo-Quartett Frau\nZademak-Doria, Fräulein Assmann, die Herren W. Bitter\nund Schelper (letzterer vom hiesigen Opern-Personale) löste\nseine Aufgabe befriedigend, wenn auch die bekannte Klippe der vier-\nstimmigen Cadenz nicht mit ganz gleichem Ruderschlage umschifft\nwurde. Den Clior müssen wir aber besonders auszeichnen. Mit Ver-\ngnügen bemerkten wir, dass zwei von unseren Solosängerinnen (Fräu-\nlein Rothenberger und Fräulein Rempel), deren eine schon längst\neines weit verbreiteten Rufes geniesst, während die andere ihre Lauf-\nbahn diesen Winter mit Erfolg begonnen hat, die Reihen des So-\nprans in der Sinfonie verstärkten und dadurch einen schönen Beweis\nihrer echten Kunstliebe gaben. •\nZur Eröffnung des Concertes hörten wir die früher schon mit\nBeifall aufgenommene Ouvertüre zu „Maria Stuart\" von C. Vier-\nling und das Vi o 1 in-C onc er t Nr. 9 (D-moll) von L. Spohr,\nwelches Herr Concertmeister Georg Japha sehr elegant und aus-\ndrucksvoll vortrug, so dass er nach jedem Satze, besonders nach\ndem mit reinstem Tone und innigem Gefühle gespielten Adagio,\nlebhaften Beifall davontrug.\nFrau Zademak-Doria erfreute uns im ersten Theile durch\nden Vortrag von Weber1 s „Glöcklein im Thale\" und „Ocean, du\nUngeheuer\". Bei der ersten Romanze schien der Tonansatz Anfangs,\nwie das öfter bei dieser geschätzten Sängerin der Fall ist, durch\neine gewisse Befangenheit, deren sie sich schwer entschlagen kann,\netwas unzuverlässig; doch war der Vortrag-im Ganzen innig und\nungekünstelt. Vortrefflich sang sie die grosse Scene aus „Oberonu\nmit dem ihr eigenen, überall, namentlich auch in der Höhe, vollen\nund runden Tone, der nichts Scharfes und Angestrengtes verräth,\nund mit maasshaltendem und doch leidenschaftlichem Ausdrucke,\nwofür ihr rauschender Applaus und Hervorruf zu Theil ward. Sie\nhat uns jetzt wieder verlassen, um der Einladung zu einer Reihe von\nGastrollen in Königsberg und darauf in Breslau zu folgen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-03-18-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-03-18_01#c006", "volume": "bmtnabi_1865-03-18_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "87", "page_fin": "88", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650318-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650318-01.1.7", "debut_caractere": 6314, "fin_caractere_exclue": 7453, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nITlaiiiz. Der Gemeinderath beschäftigte sich in seiner Sitzung\nvom 1. Meliz mit dei -* heater-Angelegenheit. In Folge betreffender\nAusschreiben haben sich zehn Bewerber um die Leitung des städti-\nschen Theaters gemeldet, und unter diesen befindet sich auch die\nneugegründete Th eat er-A cti en -G e seil sc h aft. Nach mehrstün-\ndiger Berathung beschloss der Gemeinderath, genannter Gesellschaft\ndas Theater auf zwei, resp. fünf Jahre zu überlassen, und er-\nmächtigt das Theater-Comite, mit dem provisorischen Ausschusse\nder Actien-Gesellschaft einen Vertrag auf Grund des bestehender.\nI heater-Vertrages abzuschliessen. Die Stadt Mainz gewährt einen\njährlichen Zuschuss von 10,000 Fl. (4400 Fl. mehr als bisher) in\nder Weise, dass der Vertrag von beiden Seiten nach zwei Jahren\ngekündigt werden kann oder ausserdem fünf Jahre lang gültig bleibt.\nDie in Aussicht genommenen Verbesserungen sind: die feste An-\nstellung eines bewährten Capellmeisters, bessere Stellung und Com-\npletirung des Orchesters, bestimmte Verwendungen für Bibliothek\nund Garderobe, und Contracte mit den ersten Mitgliedern des »Schau-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650318-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4118, "texte": "Spiels und der Oper auf zwei, resp. fünf Jahre. Der Capellmeister\nsoll während der Dauer seines Contractes den Titel eines städti-\nschen Capellmeisters führen. Nach den Statuten der Actien-\nGesellscbaft, welche über eine Summe von ungefähr 24,000 Fl. in\nActien zu verfügen hat, soll ein von zehn Mitgliedern ge-\nwählt werden, welches aus seiner Mitte wieder den aus fünf Mit-\ngliedern bestehenden Ausschuss erwählt, dem die eigentliche Leitung\nund Verwaltung unter Beihülfe eines tüchtigen artistischen Directors\nobliegt. Möge das ganze Unternehmen einen für unsere bis jetzt\nsehr mangelhaften Theater-Zustände gedeihlichen Erfolg haben, der\nwohl grossentheils von einer glücklichen Comitd-Wahl abhangen\nwird. Doch ist nicht zu zweifeln, dass sich Männer finden werden,\nwelche mit Lust und Liebe sich der allerdings nicht leichten Auf-\ngabe widmen, unser städtisches Kunst-Institut in einer Weise zu\nregeneriren, dass dasselbe der Stadt Mainz zur gereiche.\nKerl in, 11. März. Am Mittwoch ging Gounod's „Margarethe\"\nin Scene; besonderes Interesse erregte diese Vorstellung dadurch,\ndass die Titelrolle diesmal nicht von unserer gefeierten Fräulein\nLucca, sondern von Fräulein Desire Ar tot gesungen wurde. Fräu*\nlein P. Lucca, welche seit Jahren das Opern-Publicum durch ihre\nMeisterleistung in dieser Partie anzog, führte uns die reinste und\nsinnigste deutsche Frauengestalt Goethe's vor, und desshalb setzte\nsieh Fräulein Artot durch Vorführung der Margarethe eine\nsehr schwierige Aufgabe, welche jedoch von ihr auf vorzügliche\nArt und Weise gelöst wurde. In einzelnen Piecen tritt die Nationa-\nlität des Fräuleins Artöt zu sehr hervor, was nicht mit dem Vor-\nbilde im Einklänge steht. Auch mit dem Costume können wir uns\nnicht einverstanden erklären, da das weisse Costum mit Schleppe\ndurchaus nicht gretchenhaft ist. Das Volkslied: „Es war ein König\nin Thüle\", litt ein wenig unter nicht richtiger Auffassung der Sän-\ngerin, welche den zweiten Arers etwas verschleppte. Die Juwelen-\nArie, bei welcher der Sängerin ihre herrliche Coloratur zu Statten\nkam, überhaupt die ganze weitere Leistung, war meisterhaft zu\nnennen.\nDer Commissionsrath Woltersdorff gibt sein königsberger\nTheater auf und wird das gesammte Personal desselben an das bis-\nherige Meysel'sche Theater nach Berlin verpflanzen, welches, wenn\ndazu die Allerhöchste Bewilligung erfolgt, den Namen „Augusta-\nTheater\" erhalten soll. Die Vorstellungen unter Meysel'scher Di-\nrection werden noch bis zum 1. April fortgesetzt. Vom 1. 7. April\nbleibt das Theater geschlossen. Am 8. beginnen die Vorstellungen\nunter der neuen Leitung.\nSe. Maj. der König von Sachsen hat dem Ehren-Mitgliede des\nköniglichen Hoftheaters in Dresden, Emil Devrient, das Ritter-\nkreuz des Albrechts-Ordens verliehen.\nOtto Ludwig f. Nach mehrjährigen schweren Leiden ist Otto\nLudwig am 25» Februar zu Dresden gestorben. Er war am 11.\nFebruar 1812 zu Eisfeld im Meiningen'schen geboren, studirte zu-\nerst Musik, und zwar in Leipzig unter Mendelssohn, wandte sich\naber später der Poesie zu und lebte abwechselnd in Eisfeld, Meissen\nund Dresden. Mit Otto Ludwig ist ein echter Dichter zu Grabe ge-\ngangen. Sein „Erbförster\", die erste Hälfte seiner „Makkabäer\" und\ndie Erzählung „Zwischen Himmel und Erde\" gehören zu den bedeu-\ntendsten Productionen der neueren Literatur. Otto Ludwig hinterlässt\ndem Vernehmen nach ein bürgerliches Drama: „Die Rechte des\nHerzens\", vier Acte einer „Agnes Bernauer\", ein Lustspiel: „Herr\nFrey\", und „Shakespeare-Studien\".\n%\nMündt eil* Als beruhigenden Abschluss der unliebsamen\nAffaire, an welcher dem baierischen Nativismus ohne Frage sein\nTheil der Schuld beizumessen ist, in welcher aber Wagner's be-\nkannte Schattenseiten stark hervortraten, kann man wohl einen offi-\nciösen Artikel der „Bayerischen Zeitung\" betrachten, in welchem\ndem Componisten Richard Wagner die ungestörte königliche Huld\nzugesichert wird, jedoch mit dem deutlichen Hinweis, dass dessen\nprivate Ansprüche fortan in der münchener Residenz keinen so\nergiebigen Boden mehr finden werden, wie früher.\nJoachim wird im April in einem der Conservatoriums-Con-\ncerte in Paris spielen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "81", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650318-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nI* ranz Schubert. Von Dr. Heinrich Kreissie von liellborn. 11. An die Redaction der Niederrheinischen Musik-\nZeitung (Nachtrag zu dem Aufsatze: „Hans Oyart von Köln\" in Nr. 4 d. BL). Von Moritz Fürstenau. Ueber Tonmalerei. Neuntes\nGesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unterhaltungsblatt (Mainz, Theater-Angelegenheit Berlin, Fräulein\nDesird Artöt, Herr Woltersdorff Dresden, Ordens-Verleihung, Otto Ludwig f München, R. Wagner Paris, J. Joachim).\n\nFranz Schubert.\nVon Dr. Heinrich Kreissle von Hellborn.\nII.\n(S. Nr. 10.)\nEine der wichtigsten Quellen für die Biographie eines\nausgezeichneten Mannes, nämlich dessen Briefe und eigene\nAufzeichnungen, fliesst für den Biographen von Franz\nSchubert dermaassen spärlich, dass sie kaum in Betracht\nkommt. Herr von Kreissie meint zwar, dass kein Beweis\nüber dessen Scheu vor Schreibseligkeit vorliege und viel-\nleicht Briefe verloren gegangen wären oder zurückgehalten\nwürden; allein uns scheint es sehr natürlich, dass ein\nMann wie Schubert, der so rasend viel Noten schrieb,\ndass jeder Andere jeden Tag ganz brauchte, um sie nur\nauf das Papier zu bringen, schwerlich Neigung und Lust\nhatte, sich des Abends noch in schriftliche Selbstbetrach-\nlungen zu vertiefen oder an Freunde zu schreiben, zumal\nda alle, die er als solche ansehen konnte, mit ihm in einer\nStadt wohnten und in täglichem mündlichen Verkehr mit\nihm waren. Dazu kommt, dass Correspondenz-Fleiss und\nThätigkeit in anderen schriftlichen Beschäftigungen zwei\nverschiedene Dinge sind, so verschieden, dass die letztere\nhäufig sogar nachtheilig auf den ersteren wirkt, was denn\nauch bei Schubert der Fall gewesen sein mag.\nZur Führung eines Tagebuches scheint er zwei\nMal in seinem Leben einen Anlauf genommen zu haben,\ndas erste Mal im Jahre 1818, das zweite Mal im Jahre\n1824. Beweise dafür sind indess nur ein paar. Blätter,\nund wenn auch nach der Aeusserung von AI. Fuchs, der\nsie bei dem Besitzer entdeckte, dieser ihm mittheilte, dass\ner mehrere dazu gehörige Blätter an Autographen-Samm-\nler u. s. w. verschenkt habe, so lässt sich doch keineswegs\nannehmen, dass dieses Tagebuch von nennenswerthem\nUmfange gewesen. Was davon vorhanden ist, umfasst nur\nvier Tage (13.—16. Juni 1818) und nimmt nicht mehr\nals fünf Octavseiten (S. 101 —105) ein; die Notizen aus\n1824 vollends kaum eine Seite. Dennoch sind auch diese\nwenigen Seilen um so mehr schätzbare Reliquien, als\nSchubert durch Buchstabenschrift so selten in sein Herz\nhat blicken lassen. Wir finden darin z. 0. folgende Sätze:\n„1816. 13. Juni. Ein heller, schöner, lichter Tag\nwird dieser durch mein ganzes Leben bleiben. Wie von\nferne leise hallen mir noch die Zaubertöne von Mozart's\nMusik. Wie unglaublich kräftig und wieder so sanft ward's\ndurch Schlesingers meisterhaftes Violinspiel ins Herz lief,\ntief eingedrückt! So bleiben uns diese schönen Abdrücke\nin der Seele, welche keine Zeit, keine Umstände verwi-\nschen und wohlthätig auf unser Dasein wirken. Sie zeigen\nuns in den Finsternissen dieses Lebens eine lichte, helle,\nschöne Ferne, worauf wir mit Zuversicht hoffen. 0 Mo-\nzart, unsterblicher Mozart! wie viele und wie unendlich\nviele solche wohlthätige Abdrücke eines lichten, besseren\nLebens hast du in unsere Seele geprägt! Dieses Quintett\nist so zu sagen eines seiner grössten kleineren Werke.\n„Am 14. Juni 1816. Nach einigen Monaten machte\nich wieder einmal einen Abend-Spazirgang. Etwas Ange-\nnehmeres wird es wohl schwerlich geben, als sich nach\neinem heissen Sommerlage Abends im Grünen zu ergehen,\nwozu die Felder zwischen Währing und Döbling eigens\ngeschaffen scheinen. Im zweifelhaften Dämmerscheine in\nBegleitung meines Bruders Karl ward mir so wohl ums\nHerz. Wie schön! dacht* ich und rief ich und blieb ergötzt\nstehen. Die Nähe des Gottesackers erinnerte uns an unsere\ngute Mutter. So kamen wir unter traurig traulichen Ge-\nsprächen auf den Punkt, wo sich die Döblinger Strasse\ntheilt.\n„Den 16. Juni. An diesem Tage componirte ich das\nersle Mal für Geld. Nämlich eine Cantate für die Namens-\nfeier des Herrn Professors Watteroth von Dräxler. Das\nHonorar ist 100 Fl. W. W."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "82", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650318-01.1.2", "texte": "„Naturanlage und Erziehung bestimmen des Menschen\nGeist und Herz. Das Herz ist Herrscher, der Geist soll\nes sein.\n„Nehmt die Menschen, wie sie sind, nicht, wie sie\nsein sollen.\n„Glücklich, der einen wahren Freund findet; glück-\nlicher, der in seinem Weibe eine wahre Freundin findet.\nEin schreckender Gedanke ist dem freien Manne in dieser\nZeit die Ehe; er vertauscht sie entweder mit Trübsinn\noder grober Sinnlichkeit.\n„Monarchen dieser Zeit, ihr seht dies und schweiget!\noder seht ihr's nicht? Dann, o Gott! umschlei're uns\nSinn und Gefühl mit Dumpfheit! doch nimm den Schleier\neinmal wieder ohne Rückschade!\n„Der Mann trägt Unglück ohne Klage, doch fühlt er\nes desto schmerzlicher. Wozu gab uns Gott Mitem-\npfindung?\n„Leichter Sinn, leichtes Herz: zu leichter Sinn birgt\nmeistens ein zu schweres Herz.\n„Ein mächtiger Antipode der Aufrichtigkeit der Men-\nschen gegen einander ist die städtische Höflichkeit. Das\ngrösste Unglück des Weisen und das grösste Glück des\nThoren gründet sich auf die Convenienz.\n„Der edle Unglückliche fühlt die Tiefe seines Uuglücks\nund Glücks, eben so der edle Glückliche sein Glück und\nsein Unglück.\n„Nun weiss ich nichts mehr! Morgen weiss ich gewiss\nwieder Etwas! Woher kommt das? Ist mein Geist heute\nstumpfer, als morgen? Weil ich voll und schläfrig bin?\nWarum denkt mein Geist nicht, wenn der Körper schläft?\nEr geht gewiss spaziren. Schlafen kann er ja nicht!\nSonderbare Fragen!\nHör' ich Alle sagen;\nEs lässt sich hier nichts wagen,\nWir müssen's duldend tragen.\nNun gute Nacht\nBis ihr erwacht.\n„1824. Aus dem tiefsten Grunde meines Herzens\nhasse ich jene Einseitigkeit, welche so viele Elende glau-\nben macht, dass nur eben das, was sie treiben, das Beste\nsei, alles Uebrige aber nichts. Eine Schönheit soll den\nMenschen durch das ganze Leben begleiten —wahr ist es\n—, doch soll der Schimmer dieser Begeisterung alles An-\ndere erhellen.\n„27. März. Keiner, der den Schmerz des Anderen,\nund Keiner, der die Freude des Anderen versteht. Man\nglaubt immer, zu einander zu gehen, und man geht nur\nneben einander. 0 Qual für den, der dies erkennt!\n„Meine Erzeugnisse in der Musik sind durch den Ver-\nstand und durch meinen Schmerz vorhanden; jene, welche\nder Schmerz allein erzeugt hat, scheinen die Welt am\nmeisten zu erfreuen.\n• „Mit dem Glauben tritt der Mensch in die Welt; er\nkommt vor Verstand und Kenntnissen weit voraus; denn\num etwas zu verstehen, muss ich vorher etwas glauben;\ner ist die höhere Basis, auf welche der schwache Verstand\nseinen ersten Beweispfeiler aufpflanzt. Verstand ist nichts\nals analysirter Glaube.\n„29. März. 0 Phantasie! du unerforschlicher Quell,\naus dem Künstler und Gelehrte trinken! 0, bleibe bei uns,\nwenn auch von Wenigen nur anerkannt und verehrt, um\nuns vor jener so genannten Aufklärung, jenem Gerippe\nohne Fleisch und Blut, zu bewahren.\"\nVon Briefen Schubert's enthält die Biographie sechs-\nzehn, die in die Erzählung eingereiht sind. Es sind aber\nmehrere dabei, die nur Billets sind; einer oder.zwei sind\nfrüher in der „Neuen Zeitschrift für Musik\", Jahrg. 1839,\nabgedruckt.\nEin Brief vom 19. Mai 1819 enthält folgende Stelle:\n„Letzthin wurde bei uns „„Othello\"\" von Rossini\ngegeben. Von unserem Radichi (Tenor Rodrigo) wurde\nAlles recht gut exequirt. Diese Oper ist bei Weitem bes-\nser, d. h. charakteristischer, als Tancred. Ausserordent-\nliches Genie kann man ihm nicht absprechen. Die Instru-\nmentation ist manchmal höchst originel und der Gesang\nist es manchmal, und ausser den gewöhnlichen\" italiäni-\nschen Galopaden und mehreren Reminiscenzen aus Tancred\nlässt sich der Musik nichts vorwerfen.— „„Semiramis\"\"\nvon Catel wird nächstens gegeben werden mit einer un-\nendlich herrlichen Musik.\"\nAn einen vertrauten Freund, den Maler Leopold\nKupelwieser (geb. 1796, f 1862) in Rom, schrieb\ner den 31. März 1824 folgenden Brief:\n„Lieber Kupelwieser! Schon längst drängt es mich,\nan Dich zu schreiben, doch niemals wusste ich, wo aus, wo\nein. Doch nun beut sich mir die Gelegenheit, und ich kann\nendlich wieder einmal Jemandem meine Seele ganz aus-\nschütten. Du bist ja so gut und bieder, Du wirst mir ge-\nwiss Manches verzeihen, was mir Andere sehr übel neh-\nmen würden.—Mit Einem Worte, ich fühle mich als den\nunglücklichsten, elendesten Menschen auf der Welt.\n„Denke Dir einen Menschen, dessen Gesundheit nie\nmehr richtig werden will, und der aus Verzweiflung dar-\nüber die Sache immer schlechter, statt besser macht;\ndenke Dir einen Menschen, sage ich, dessen glänzendste\nHoffnungen zu nichte geworden sind, dem das Glück der\nLiebe und Freundschaft nichts bietet, als höchstens\nSchmerz, dem Begeisterung (wenigstens anregende) für\ndas Schöne zu schwinden droht, und frage Dich, ob das\nnicht ein elender, unglücklicher Mensch ist? Meine Ruh'"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "83", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650318-01.1.3", "texte": "ist hin, mein Herz ist schwer, ich finde sie nim-\nmer und nimmermehr! so kann ich jetzt wohl alle\nTage sagen, denn jede Nacht, wenn ich schlafen geh',\nhoffe ich, nicht mehr zu erwachen, und jeder Morgen kün-\ndet mir neu den gestrigen Gram. So freude- und freunde-\nlos verbringe ich meine Tage, wenn nicht manchmal\nSchwind mich besuchte und mir einen Strahl jener ver-\ngangenen süssen Tage zuwendete. Unsere Lesegesell-\nschaft hat sich, wie Du wohl schon wissen wirst, wegen\nVerstärkung des rohen Chores im Biertrinken und Wür-\nstelessen den Tod gegeben, denn ihre Auflösung erfolgt\nin zwei Tagen, obwohl ich schon beinahe seit Deiner Ab-\nreise sie nicht mehr besuchte. Leidesdorf*), mit dem ich\nrecht genau bekannt geworden bin, ist zwar ein wirklich\ntiefer und guter Mensch, doch von so grosser Melancholie,\ndass ich beinahe fürchte, von ihm mehr als zu viel in die-\nser Hinsicht profitirt zu haben; auch gehl es mit meinen\nund seinen Sachen schlecht, daher wir nie Geld haben.\nDie Oper von Deinem Bruder**) (der nicht sehr wohl\nthat, dass er vom Theater wegging) wurde für unbrauch-\nbar erklärt und mithin meine Musik nicht in Anspruch\ngenommen. Die Oper von Castelli: Die Verschwore-\nnen, ist in Berlin, von einem dortigen Compositeur com-\nponirt, mit Beifall aufgenommen worden***). Auf diese\nArt hätte ich also wieder zwei Opern umsonst componirt.\nIn Liedern habe ich wenig Neues gemacht-j-), dagegen\nversuchte ich mich in mehreren Instrumentalsachen, denn\nich componirte zwei Quartette für Violinen, Viola und\nVioloncello und ein Octett, und will noch ein Quartett-}-}-)\nschreiben; überhaupt will ich mir auf diese Art den Weg\nzur grossen Sinfonie bahnen.\n„Das Neueste in Wien ist, dass Beethoven ein Con-\ncert gibt, in welchem er seine neue Sinfonie, drei Stücke\naus der neuen Messe und eine neue Ouvertüre produciren\nlägst-}--}-}-). Wenn Gott will, so bin ich auch gesonnen,\nkünftiges Jahr ein ähnliches Concert zu geben*-}-). Ich\nschliesse jetzt, damit ich nicht zu viel Papier brauche, und\nküsse Dich tausend Mal. Wenn Du mir über Deine jetzige\nbegeisterte Stimmung und über Dein sonstiges Leben\nschreiben würdest, so freute nichts mehr\n„Deinen treuen Freund\n„Franz Schubert.\n„Meine Adresse wäre dann: An die Kunsthandlung\nSauer und Leidesdorf, weil ich Anfangs Mai mit Esterhazy\nnach Ungarn gehe.\"\nIm Mai 1824 war er der Familie des Grafen Ester-\nhazy nach Zel<ssz gefolgt. Der längere Aufenthalt auf jener\nBesitzung, wo er, den Staub und alles Ungemach der\nResidenz voy sich schüttelnd, in einem gebildeten, von sei-\nnem Genie begeisterten Kreise ruhig heitere Tage verle-\nben durfte, bewährte sich als die wirksamste Cur gegen\njene Anwandlung von Verzweiflung, die ihn kurz vorher\nüberkommen hatte. Er schuf in ländlicher Abgeschieden-\nheit mehrere bedeutende Compositionen, und ein vom 18.\nJuli datirtes, an Bruder Ferdinand in Wien gerichtetes\nSchreiben bezeugt, dass mittlerweile die trübe Stimmung\neiner zwar ernsten, aber gefassteren Lebens-Anschauung\ngewichen war. In dem Briefe heisst es:\n„Ueber Deine Quartett-Gesellschaft wundere ich mich\num so mehr, da Du den Ignaz dazu zu bewegen vermoch-\ntest. Aber besser wird es sein, wenn ihr euch an andere\nQuartette als die meinigen haltet, denn es ist nichts daran,\nausser dass sie vielleicht Dir gefallen, dem Alles von mir\ngefällt. Die Erinnerung an mich ist mir noch das Liebste\ndabei. War es bloss der Schmerz über meine Abwesen-\nheit, der Dir Thränen entlockt, die Du Dir nicht zu schrei-\nben getrautest? Oder fühltest Du bei dem Andenken an\nmeine Person, die von ewig unbegreiflicher Sehnsucht ge-\ndrückt ist, auch um Dich ihren trüben Schleier gehüllt?\nOder kamen Dir alle die Thränen, die Du mich schon\nweinen sähest, ins Gedächtniss? Dem sei nun, wie ihm\nwolle, ich fühle es in diesem Augenblicke deutlicher, Du\noder Niemand bist mein innigster, mit jeder Faser meiner\nSeele verbundener Freund! Damit Dich diese Zeilen\nnicht vielleicht verführen, zu glauben, ich sei nicht wohl\noder nicht heiteren Gemüthes, so beeile ich mich,\nDich des Gegentheils zu versichern. Freilich ist's nicht\nmehr jene glückliche Zeit, in der uns jeder Gegenstand\nmit einer jugendlichen Glorie umgeben scheint, sondern\njenes fatale Erkennen einer miserablen Wirklichkeit, die\nich mir durch meine Phantasie (Gott sei's gedankt!) so viel\nals möglich zu verschönern suche. Man glaubt, an dem\nOrte, wo man einst glücklich war, hange das Glück, indem\nes doch nur in uns selbst ist, und so erfuhr ich zwar eine\nunangenehme Täuschung und sah eine schon in Steyr ge-\nmachte Erfahrung hier erneut, doch bin ich jetzt mehr im\nStande, Glück und Ruhe in mir selbst zu finden, als da-\nmals. Als Beweis dessen werden Dir eine grosse Sonate\n\n*) Leidesdorf, Kunst- und Musicalienhändler in Wien, etablirte\nsich später in Florenz. Ein Theil der Schubert'schen Compositionen\nwurde von ihm verlegt.\n**) Joseph Kupelwieser, der Verfasser des Textes zu der\nOper „Fierabras\"*\n***) Ich habe nicht erfahren können, welcher Componist in\nBerlin „Die Verschworenen\" („Der häusliche Krieg\") in Musik setzte.\nf) Der Katalog weist deren nur sechs aas.\nff) Diese Streich-Quartette sind wohl die bekannten in A-moll:\nin Es- und E-dur.\nftf) Die neunte Sinfonie, die D-Messe und die Ouvertüre\n(Op. 124). Das Concert fand am 7. Mai Statt.\n*f) Dieser Vorsatz kam erst im Jahre 1828 zur Ausführung.\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "84", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650318-01.1.4", "texte": "und Variationen über ein selbst erfundenes Thema, beides\nzu vier Händen, welche ich bereits componirt habe, dienen.\nDie Variationen erfreuen sich eines ganz besonderen Bei-\nfalles. Ueber die dem —• übergebenen Lieder tröste ich\nmich, da nur einige davon mir gut erscheinen, als: Wan-\nderers Nachtlied und der entsühnte, aber nicht\nentführte Orest, über welchen Irrthum ich sehr lachen\nmusste. Suche wenigstens diese so bald als möglich zurück-\nzubekommen. Dass Du Dich recht wohl befindest, freut\nmich um so mehr, da ich hoffe, dass ich selbes Wohlbe-\nfinden mit dem meinigen kommenden kräftig-\nlichst geniessen werde. Grösse mir Eltern, Geschwister\nund Freunde innigst Du sei mir tausend Mal geküsst.\nSchreibe so bald wie möglich und lebe recht, recht wohl.\nMit ewiger Liebe\n„Dein Bruder Franz.\"\nAusser diesen beiden Briefen sind noch ein Brief an\nSpaun, der aus Linz nach Lemberg versetzt war, einer\nan seine Eltern und zwei an seinen Bruder Ferdi-\nnand (Beschreibung der Reise und des Aufenthalts in\nOberösterreich), sämmtlich aus dem Jahre 1825, die an-\nziehendsten.\nAn Spaun, der ob seiner Versetzung traurig war,\nschreibt Schubert unter Anderem: „Uebrigens lasse Dir\nkein graues Haar wachsen, dass Du so weit von uns weg\nbist: biete dem einfältigen Schicksale Trotz, lass Dein wei-\nches Gemüth wie einen Blumengarten erblühen, dass Du\nin dem kalten Norden Wärme des Lebens verbreiten und\nDeine göttliche Abkunft beurkunden mögest. Niederträch-\ntig ist die Trauer, die ein edles Herz beschleicht; wirf sie\nvon Dir und zertritt den Geier, der sich in Deine Seele\nhineinfrisst.\"\nEin Brief an seine Eltern (vom 25. Juli 1825) ent-\nhält manche charakteristische Stellen. „Auch wunderte\nman sich über meine Frömmigkeit, die ich in einer Hymne\nan die heilige Jungfrau (Text aus Walter Scott's „ „Fräu-\nlein vom See\"\") ausgedrückt habe und, wie es scheint,\nalle Gemüther ergreift und zur Andacht stimmt. Ich glaube,\ndas kommt daher, weil ich mich zur Andacht nie forcire\nund, ausser wenn ich von ihr unwillkürlich übermannt\nwerde, nie dergleichen Hymnen oder Gebete componire,\ndann aber ist sie auch gewöhnlich die rechte und wahre\n\"Andacht.\" „Besonders gefielen die Variationen aus mei-\nner neuen Sonate (wahrscheinlich Op. 42), die ich nicht\nohne Glück vortrug, indem mich Einige versicherten, dass\ndie Tasten unter meinen Händen zu singenden Stimmen\nwürden, was, wenn es wahr ist, mich sehr freut, weil ich\ndas vermaledeite Hacken, welches auch ausgezeichneten\nSpielern eigen ist, nicht ausstehen kann, indem es weder\ndas Ohr noch das Gemüth ergötzt.\" „Ferdinand kriecht\nvermuthlich noch immer zu Kreuz (einer Kneipe, wo der\nWein schlecht war) und wird gewiss schon wieder 77 Mal\nkrank gewesen sein und 9 Mal sterben zu müssen geglaubt\nhaben! Als wenn das Sterben das Schlimmste wäre, was\nuns begegnen könnte! Könnte er nur einmal diese gött-\nlichen Berge und Seen schauen, deren Anblick uns zu er-\ndrücken oder zu verschlingen droht, er würde das winzige\nMenschenleben nicht so sehr lieben, als dass er es nicht\nfür ein grosses Glück halten sollte, der unbegreillichen\nKraft der Erde zu neuem Leben wieder anvertraut zu\nwerden.\" —Und gleich darauf wieder mit Humor: „Karl\n(der Maler) hat jetzt wohl viel zu thun, denn ein verhei-\nratheter Künstler ist verpflichtet, sowohl Kunst- als Natur-\nstücke zu liefern, und wenn beide Arten gerathen, so ist\ner doppelt zu loben, denn das ist keine Kleinigkeit. Ich\nverzichte darauf.\"\nEin Billet (wahrscheinlich aus 1820) an Sonnleithner,\nder ihn um einige neue Vocal-Quartette für Männerstim-\nmen, jedoch in einer von der bisherigen verschiedenen\nForm geschrieben, für ein Concert bat, lautet:\n„Lieber Herr von Sonnleithner!\n„Sie wissen selbst, wie es mit der Aufnahme der spä-\nteren Quartette stand; die Leute haben es genug. Es\nkönnte mir freilich vielleicht gelingen, eine neue Form zu\nerfinden, doch kann man auf so etwas nicht sicher rechnen.\nDa mir aber mein künftiges Schicksal doch etwas am Her-\nzen liegt, so werden Sie, der, wie ich mir schmeichle, auch\ndaran Theil nimmt, wohl selbst gestehen müssen, dass ich\nmit Sicherheit vorwärts gehen muss und keineswegs mich\nder so ehrenvollen Aufforderung unterziehen kann, es müsste\ndenn sein, dass der löblichen Gesellschaft mit der Romanze\naus der Zauberharfe, von Jäger vorgetragen, gedient\nwäre; dann würde sich beruhigt fühlen Ihr ergebenster\n„F. Schubert.\"\nEr schrieb auch kein neues Männer-Quartett zu Concer-\nten mehr; während aber der bescheidene Künstler meinte,\nes könnte ihm vielleicht gelingen, neue Formen zu er-\nfinden, hatten sich diese in seiner Phantasie bereits ausge-\nprägt; denn die Quartette: „Widerspruch\" und „Der\nGondelfahrer\", das Quintett: „Mondenschein\" u.s.w.,\nwelche kurz darauf entstanden, bekunden schon die neue\nPhase, in welche Schubert getreten, und der eine (für den\nMännergesang) noch glänzendere folgen sollte. Intensiver\ngestaltete sich in demselben Zeiträume (1820—'1822)\nseine Thätigkeit für die Composition von Frauenchören\nund von solchen für gemischte Stimmen."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650318-01.1.5", "texte": "An die Redaction der Niederrheinischen\nMusik-Zeitung.\nMoritz Fürstenau.\nDem dankenswerthen Aufsatze des Herrn E. Pasque\nin Nr. 4 des dreizehnten Jahrganges Ihrer Zeitung über\n„Hans Oyart von Köln\" vermag ich noch eine Notiz\nüber dieses wackeren Meisters Sohn Hans hinzuzufügen.\nIn einem Actenstücke des K. S. Haupt-Staats Archivs zu\nDresden sind zwei Briefe Herzog Johann Friedrich's des\nMittleren an Kurfürst August von Sachsen enthalten, aus\ndenen hervorgeht, dass Hans Oyart jun. auf Verwenden\nseines Herrn ein Jahr lang (Juli 1555 bis August 1556)\nals Organist in die kurfürstliche Cantorei oder Hofcapelle\nzu Dresden eingetreten war, um sich in der Musik zu ver-\nvollkommnen. Auf der Hochzeit Johann Friedrich's, welche\ner am 26. Mai 1555 mit Agnes, Tochter Philippus I. von\nHessen und Witwe des Kurfürsten Moriz von Sachsen,\nfeierte, war diese Verabredung zwischen beiden Fürsten\ngetroffen worden. Die kurfürstliche Capelle zu Dresden,\nan deren Spitze damals der bekannte Niederländer Mat-\nthias le Maistre stand (Johann Walther war durch Re-\nscript d. d. Dresden, 7. August 1554, pensionirt worden),\nerfreute sich zu jener Zeit eines grossen Rufes und bildete\neine Menge trefflicher Organisten, Sänger und Instrumen-\ntisten, welche ihr als lernbegierige Kunstjünger von nah\nund fern zuströmten, meist auf Veranlassung kunstsinniger\nFürsten, die dadurch tüchtige Mitglieder für ihre Capellen\nheranbilden wollten. Auch Hans Oyart folgte diesem Bei-\nspiele, ermuntert durch die Güte seines Herrn. Nachfol-\ngend theile ich die beiden Briefe Johann Friedrich's des\nMittlern an Kurfürst August diplomatisch getreu mit,\nhauptsächlich auch desshalb, um aus jener Zeit den Freun-\nden der Musikgeschichte ein anschauliches Bild von dem\nschriftlichen Verkehr zweier kunstsinnigen Fürsten in der-\nartigen Angelegenheiten zu geben zweier Fürsten, die\nnachgehends sich gar feindlich gegenüber stehen sollten.\nHinsichtlich der Orthographie habe ich zur Erleich-\nterung für den Leser mir nur Aenderungen in Betreff der\ngrossen Anfangsbuchstaben und der Interpunction erlaubt.\nI.\nVnser freundlich Dinst, vnnd was wir libs vnnd guts\nvormuegen zuuoren (zuvor), hochgeborner Fürst, freunt-\nlicher lieber Vedter vnnd Bruder. E. L. (Euer Liebden)\nwissen sich freuntlich zu erinnern, das sich dieselbige vff\nvnser Ansuchenn in jüngsten vnserm ehlichenn Beilager,\ngegen vns, freuntlichenn bewilliget, vnsernn Organisten\nJohan Oyart ein Jhar lang, bei Ihrer Cantorey zu undter-\nhaltenn, Weichs freuntlichenn Erbietens wir vns gegenn\nE. L. freuntlich bedancken thun; habenn denn auch\ndarauff gedachten vnseren Organisten abgefertiget, freundt-\nlieh bittende, E. L. volle vnns zu besonderm freuntlichenn\nGefallenn, vnd Ihren freuntlichenn Erbietenn nach, die\nVerordnung tUun, das ehr in E. L. Cantorey für ein Or-\nganistenn dis Jhar vber (der Musik in desto besser Vbung\nvnnd Erfahrung zu kommen) vndterhalten werde, ihnenn\n(ihn) auch nach Gelegenheit seines Leibs Gebrechenn in\ngnedigen beuehlich (Befehlich; habenn, wie wir vns zu\nE. L. freuntlich vorsehenn, des seind wir vmb E. L. freunt-\nlich zu verdienen willig. Datum Weimar den ersten Juli\nAnno Dni 1555.\nVon Gottes Gnadenn Johan Friedrich der Mitler.\nHertzogt zu Sachsenn, Landtgroff in Durin-\ngen vnnd Marggroff zu Meissen.\nII.\nVnser freundlich Dinst u. s. w. (wie oben). Nachdeme\nE. L. nun eine Zeit langk vnnseren Organisten vnnd lie-\nbenn getreuenn Hans Oyartt von Köllen (Köln) in E. L.\nCantorey, damit ehr der Musica in desto besser Vbung\nvnnd Erfahrung kehme, gehabt, dessen wir vns dagegen\nE. L. freuntlich thun bedanckenn, als haben wir ihnenn\nitzo widerumb abgeforderth, derwegenn freuntlich bittende,\nE. L. wollen ihme wider anher zu vns gnadiglich erlau-\nbenn, vnd E. L. freuntlich zu dienenn seindt wir hinwider\ngeneigt vnnd willigk. Datum Weimar, Freitags nach Se-\nbaldi Anno 1556.\nVon Gottes Gnadenn Johann Friedrich der Mitler,\nJohanns Wilhelm vnnd Johann Fridrich der\nJunger Gebrüder. Herzogenn zu Sachsenn\nu. s. w. *).\n\nUeber Tonmalerei.\nVon H. Ch. Koch's „Musicalischem Lexicon\"\nin der neuen Ausgabe von Arrey von Dommer, Hei-\ndelberg, 1865, bei J. C. B. Mohr ist so eben die VII.\nLieferung, Sing bis ZT, S. 769—896, gr. 8., erschienen.\nDer Artikel »Tonmalerei\" enthält unter Anderem\nFolgendes:\n„Unter Tonmalerei pflegen wir eine solche Musik zu\nverstehen, die sichtbare oder greifbare Objecte, Natur-\nerscheinungen, überhaupt allerhand äussere Ereignisse und\nGegenständlichkeiten in den Kreis ihrer Schilderung zieht.\nAls in der Zeit Bewegtes, vermag die Musik von allem,\nwas wirklich sich bewegt oder womit eine Vorstellung von\nBewegung sich verknüpfen lässt, ein Abbild zu geben; und\n\n*) Die drei Söhne Johann Friedrich's des Grossmüthigen re-\ngierten damals gemeinschaftlich."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650318-01.1.6", "texte": "ausser den inneren Bewegungen sind hieher ja in der That\nauch viele Dinge, welche dem äusseren Dasein angehören,\nzu rechnen. Am leichtesten nachzuahmen sirl d ie wirklich\nbewegten Dinge, und unter diesen wiederum die schallen-\nden, wie z. B. Vogelgesang, Donnerrollen, Meeresbrausen,\nSchlachtgetöse, Sausen und Pfeifen des Sturmes, Prasseln\ndes Regens u. s. w.; dann auch die lautlos bewegten, als\nz. B. das stille Auf- und Niederwallen eines Wasserspie-\ngels, alles geräuschlose Dahinfliessen (eines Baches, Stro-\nmes), Aufsteigen und Senken (der Sonne, des Mondes),\nLichtglanz, Dämmerung u. s. w. Alle solche Gegenstände\nund noch viele andere hat man unzählige Male durch Mu-\nsik zu versinnlichen gesucht; der plätschernden Cascaden,\nrieselnden Bäche, pfeifenden Vögel u. s. W.ist ja in den\nWerken solcher Componisten, deren innerer Quell bald\nversiegt, kein Ende: die Sache ist also allbekannt und kommt\nauch schon in sehr frühen Zeiten vor. Schon die alten Nie-\nderländer setzten Canons über Thürme, Berge, Flüsse,\nund Musiken auf die Wappen ihrer Protectoren; Clement\nJannequin, ein Schüler des Josquin, wählte den pariser\nMarktspectakel zum Stoffe eines vierstimmigen Tonstückes\n(Le cris de Paris genannt), in welchem er die anmuthigen\nModulationen der Ausrufe, womit Fisch-, Gemüse- u. s. w.\nWeiber und andere Markthändler ihre Waaren anbieten,\nmit einander verwebte; Em. Bach'sSchlacht bei Hochstädt\nund Beethoven's Schlacht von Vittoria finden ihr Vorbild\nin der siegreichen Schlacht Franz F. gegen die Schweizer\nbei Marignano von dem genannten Meister Jannequin für\n4 6 Männerstimmen. Nun haben aber auch die aner-\nkannt ausgezeichnetsten Tonmeister der Naturmalerei nicht\nselten sich bedient, so dass man sie nicht unbedingt ver-\nwerfen kann, ohne die vortrefflichen Werke, in denen sie\nauftritt, mit zu verurtheilen, wozu wir uns z. B. Händel's\nIsrael gegenüber doch nicht leicht bestimmen lassen wer-\nden. Aber das Genie zieht auch hier die Gränzen, bis zu\ndenen es wohl selbst, nicht aber das bescheidenere Talent\nsich vorwagen darf. Schwache Componisten, denen darum\nzu thun ist, dass dem Zuhörer doch ja nichts von den kost-\nbaren geistigen Schätzen und tiefen Bedeutungen ihrer\nMusikmalerei durch etwaige Missverständnisse verloren\ngehe, haben auch schon in früherer Zeit ihren Tonschil-\nderungen Programme, wörtliche Erklärungen, was dieses\nund jenes zu bedeuten habe, beigegeben; man nennt solche\nMusiken Programm- M usi ken. Di\ngramma oder pittorica hat einstmals eine gewisse Rolle\ngespielt. Es sind hiermit nicht jene allgemeinen, ziemlich\nunschuldigen Ueberschriften gemeint, welche unter Ande-\nren auch Beethoven der Pastoral-Sinfonie oder der Sonate\nLes adieux, l'absence et le retour beigegeben hat, sondern\njene specialisirenden Erklärungen der Musik, wonach der\nZuhörer aus dieser oder jener Periode oder Partie etwas\nGewisses, was der Tonsetzer dabei sich eingebildet hat,\nherausverstehen soll. Z. B. aus der „ „Belagerung Belgrads,\neine historisch-türkische Phantasie oder Sonate für Ciavier\nund Violine\"\" (von Freystädtler, Wien, 1789): „„Tür-\nkische Musik im Lager die Mannschaft steht unter dem\nGewehr gewöhnliches Geschrei und Heulen der Türken\nder Feldpater gibt den Segen panisches Schrecken\nverbreitet sich vor dem k. k. Heere die Vorstädte wer-\nden mit Sturm genommen man umkränzt des Siegers\nHaar mit Lorbeern\"\" u. s. w. Unter Umständen können\nsolche Aufklärungen sehr schätzbar sein; so hört man z. B.\nin einer neueren Faust-Sinfonie eines zu seinem und der\nMenschheit Vortheil unbekannt gebliebenen Componisten\nin den Bässen ein knurriges Rumoren; Jeder würde natür-\nlich an Faust's Pudel denken, wenn nicht eine Ueberschrift\nnns eines Besseren belehrte, nämlich dass es die „ „innere\nStimme\"\" in Faust ist, was so kötermässig sich beträgt.\nIn der Gegenwart ist dieser unmusicalische Unfug durch\nBerlioz, Wagner, Liszt nnd die „ „neudeutsche Schule\"\"\nfür eine kurze Zeit wieder lebhaft in Schwung gesetzt wor-\nden; Berlioz in seinen Programm-Sinfonieen, Wagner in\nseinem Programm zur neunten Sinfonie von Beethoven, Liszt\nin seinen symphonischen Dichtungen gaben dem weniger\ndenkenden Theile des Publicurns manche solcher tiefsinni-\ngen Räthsel auf, deren Lösung aber dessenungeachtet nicht\nzu ihren Gunsten ausgefallen ist. Man darf zur Rechtferti-\ngung solcher Abnormitäten nicht etwa darauf sich beru-\nfen, dass Beethoven beim Ausbau mancher seiner Sinfo-\nnieen (wie der 5. und 9.) augenscheinlich einem vorher\ndurchdachten poetischen Plane gefolgt ist, den man durch\ndie Musik hindurchleuchten zu sehen kaum zweifeln kann;\ndenn wie Versinnlichung von Ideen überhaupt Aufgabe\nder Kunst, so ist auch jenes Verfahren Beethoven's durch-\naus der Tonkunst entsprechend und kann die Gestaltungs-\nkraft nur anregen und das Werk dichterisch bedeutsamer\nmachen, ohne die Gränzen der Kunst nach irgend einer\nSeite hin zu überschreiten. Die Vocalmusik hat ja von vorn\nherein die Aufgabe, einen, über den blossen Inhalt der\nTon-Combination hinausgreifenden ideellen Inhalt auszu-\ndrücken: warum soll es die Instrumental-Musik nicht auch\nI\nwenigstens versuchen, so weit sie es vermag, ohne die\nKunstgesetze zu verneinen? Die Forderung der Programm-\nMusik aber, der Hörer solle dem Componisten auf Schritt\nund Tritt nachfolgen und zusehen, wie er dies und das\nmit Tönen gemacht habe, ist denn doch materiellerer Na-\ntur, als die Kunst vertragen kann.\""}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650318-01.1.7", "texte": "Neuntes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich.\nDinstag, den 14. März 1865.\nProgramm. Erster Theil. L Ouvertüre zu „Maria Stuart\" von\nC. Vieriing. 2. Cavatine aus Weber's „Euryanthe\" (Frau Zade-\nraak-Doria). 3. Violin-Concert in D-moll Nr. 9 von L. Spohr\n(Herr Concertmeister G. Japha). 4. Scene: „Ocean\" aus „Oberon\"\nvon Weber (Frau Zademak-Doria). 5. „Adoramus\" und „0 hone\nJesu\", Chöre a capella von Palestrina.\nZweiter Theil. Sinfonie Nr. IX. mit Chor von L. van Beet-\nhoven (Soli: Frau Zademak, Fräulein Assmann, Herr YV.\nBitter, Herr Sch el per.\nDa Herr Gapellmeister Hill er wegen Unwohlseins noch immer\ndas Zimmer hüten muss, so dirigirte Herr Musik-Director Franz\nWeber die Aufführungen.\nDas neunte Concert gehört zu denjenigen dieses Winters, welche\ndas Publicum vorzugsweise befriedigt haben. Eine so warme Theil-\nnahme an allen Leistungen und vor Allem eine so gespannte Auf-\nmerksamkeit und nach athemloser Stille bei jedem Satze am Schlüsse\nstets so unwillkürlich ausbrechender Beifall, wie ihn die neunte Sin-\nfonie hervorrief, war ein deutlicher Beweis, dass das Concert-Publi-\ncum in Köln sich für das wahrhaft Schöne und Grosse in der Kunst\nfortwährend zu begeistern vermag. Ja, der eine Fortschritt, nämlich\ndie vorgerückte Bildung des musicalischen Sinnes im grossen Publi-\ncum, ist vorhanden, und dieser ist es gerade, welcher den anderen,\nder in der künstlerischen Production bestehen soll, Lügen straft, in-\ndem er sich das Neue, wenn es nicht auch zugleich schön ist,\ndurch keine, in ihren wiederholten Versuchen auch noch so hart-\nnäckige Zunftgenossenschaft und auf Gegenseitigkeit begründete Ver-\nsicherungs-Compagnie octroyiren lässt. Jener Fortschritt, der sich\nin der Empfänglichkeit für die Tonkunst und in der unbewussten,\ndas heisst nicht durch musicalisches \\\\ issen und Können unterstütz-\nten, sondern natürlichen Auffassung grosser Tonwerke und des Edlen\nund Gehaltvollen, mit Einem Worte, des Schönen in der Musik,\näussert, ist wohl zu unterscheiden von der Kennerschaft in Bezug\nauf die Ausführung. Während bei dieser letzten nur die genaue Be-\nkanntschaft mit den technischen Erfordernissen des Vortrages und\neine vielseitig und durch das Hören des Besten geprüfte Urtheilskraft\nzu richtiger Würdigung befähigen, wirkt dagegen der Inhalt der\nWerke der Tonkunst auf den Zuhörer, auch ohne jene Vorbedingun-\ngen kritischer Auffassung, allein durch den Reiz des Ohres und\ndurch jenen wunderbaren Zusammenhang des Sinnlichen mit dem\nGeistigen im Menschen auf so zwingende Weise, dass er oft der\nComposition wegen die mangelhafte oder wenigstens den Forde-\nrungen der Technik nicht ganz genügende Ausführung übersieht\nund in lauten Beifall ausbricht, wie wir das bei den Bühnen-Vor-\nstellungen hier und bei sehr vielen anderen Theatern häufig wahr-\nnehmen können.\nDie neunte Sinfonie, welche den zweiten Theil des Concer-\ntes am Dinstag füllte, entfaltete durch eine recht gute Aufführung\neinmal wieder die majestätischen Schwingen ihres prächtigen Fluges\nin unerreichbare Höhen, wobei man nur in stillem Entzücken den-\nken und danken kann: „Wohl denen, die ihm, wenn auch nur von\nfern, folgen können mit Ohr und Seele!\" Ja, in dem Einen Aus-\nspruche hat Richard Wagner Recht, wenn er sagt, er könne es nicht\nfassen, dass die Componisten nicht einsähen, dass die letzte Sin-\nfonie bereits geschrieben ist! Wahrlich, von Anfang bis Ende ist\nes die letzte, denn eine ihr ähnliche wird nie wieder geschrieben\nwerden! Den neueren Kunstphilosophen wird solches Wort als eine\nconservative Ketzerei gegen den Fortschritt erscheinen, denn sie\nstellen die Kunst auf gleiche Linie mit der Wissenschaft und deren\nResultaten für den Dienst des Praktischen und das materielle Wohl\nder Menschheit. Wir aber bleiben dabei, dass die Kunst ihre Son-\nn enlauf bahn hat, nur mit dorn Unterschiede, dass der Tag dieser\nLaufbahn eine Reihe von Jahrhunderten ist, und so wenig\nwie die Photographie und der Farbendruck einen Portschritt in der\nMalerei bekunden, oder durch den elektrischen Telegraphen dem\nGenie schneller und reichlicher dichterische Funken entsprühen wer-\nden, eben so wenig werden die raffinirten Theorieen vom objectiven\nInhalte des musicalischen Kunstwerkes etwas erzeugen, das den\nVVeiken der Musiker von Gottes Gnaden auch nur von fern ähn-\nlicli wäre.\nIn der präcisen und schwungvollen Ausführung zeigten sich\nChor und Orchester vortrefflich, und auch das Solo-Quartett Frau\nZademak-Doria, Fräulein Assmann, die Herren W. Bitter\nund Schelper (letzterer vom hiesigen Opern-Personale) löste\nseine Aufgabe befriedigend, wenn auch die bekannte Klippe der vier-\nstimmigen Cadenz nicht mit ganz gleichem Ruderschlage umschifft\nwurde. Den Clior müssen wir aber besonders auszeichnen. Mit Ver-\ngnügen bemerkten wir, dass zwei von unseren Solosängerinnen (Fräu-\nlein Rothenberger und Fräulein Rempel), deren eine schon längst\neines weit verbreiteten Rufes geniesst, während die andere ihre Lauf-\nbahn diesen Winter mit Erfolg begonnen hat, die Reihen des So-\nprans in der Sinfonie verstärkten und dadurch einen schönen Beweis\nihrer echten Kunstliebe gaben. •\nZur Eröffnung des Concertes hörten wir die früher schon mit\nBeifall aufgenommene Ouvertüre zu „Maria Stuart\" von C. Vier-\nling und das Vi o 1 in-C onc er t Nr. 9 (D-moll) von L. Spohr,\nwelches Herr Concertmeister Georg Japha sehr elegant und aus-\ndrucksvoll vortrug, so dass er nach jedem Satze, besonders nach\ndem mit reinstem Tone und innigem Gefühle gespielten Adagio,\nlebhaften Beifall davontrug.\nFrau Zademak-Doria erfreute uns im ersten Theile durch\nden Vortrag von Weber1 s „Glöcklein im Thale\" und „Ocean, du\nUngeheuer\". Bei der ersten Romanze schien der Tonansatz Anfangs,\nwie das öfter bei dieser geschätzten Sängerin der Fall ist, durch\neine gewisse Befangenheit, deren sie sich schwer entschlagen kann,\netwas unzuverlässig; doch war der Vortrag-im Ganzen innig und\nungekünstelt. Vortrefflich sang sie die grosse Scene aus „Oberonu\nmit dem ihr eigenen, überall, namentlich auch in der Höhe, vollen\nund runden Tone, der nichts Scharfes und Angestrengtes verräth,\nund mit maasshaltendem und doch leidenschaftlichem Ausdrucke,\nwofür ihr rauschender Applaus und Hervorruf zu Theil ward. Sie\nhat uns jetzt wieder verlassen, um der Einladung zu einer Reihe von\nGastrollen in Königsberg und darauf in Breslau zu folgen.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nITlaiiiz. Der Gemeinderath beschäftigte sich in seiner Sitzung\nvom 1. Meliz mit dei -* heater-Angelegenheit. In Folge betreffender\nAusschreiben haben sich zehn Bewerber um die Leitung des städti-\nschen Theaters gemeldet, und unter diesen befindet sich auch die\nneugegründete Th eat er-A cti en -G e seil sc h aft. Nach mehrstün-\ndiger Berathung beschloss der Gemeinderath, genannter Gesellschaft\ndas Theater auf zwei, resp. fünf Jahre zu überlassen, und er-\nmächtigt das Theater-Comite, mit dem provisorischen Ausschusse\nder Actien-Gesellschaft einen Vertrag auf Grund des bestehender.\nI heater-Vertrages abzuschliessen. Die Stadt Mainz gewährt einen\njährlichen Zuschuss von 10,000 Fl. (4400 Fl. mehr als bisher) in\nder Weise, dass der Vertrag von beiden Seiten nach zwei Jahren\ngekündigt werden kann oder ausserdem fünf Jahre lang gültig bleibt.\nDie in Aussicht genommenen Verbesserungen sind: die feste An-\nstellung eines bewährten Capellmeisters, bessere Stellung und Com-\npletirung des Orchesters, bestimmte Verwendungen für Bibliothek\nund Garderobe, und Contracte mit den ersten Mitgliedern des »Schau-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650318-01.1.8", "texte": "Spiels und der Oper auf zwei, resp. fünf Jahre. Der Capellmeister\nsoll während der Dauer seines Contractes den Titel eines städti-\nschen Capellmeisters führen. Nach den Statuten der Actien-\nGesellscbaft, welche über eine Summe von ungefähr 24,000 Fl. in\nActien zu verfügen hat, soll ein von zehn Mitgliedern ge-\nwählt werden, welches aus seiner Mitte wieder den aus fünf Mit-\ngliedern bestehenden Ausschuss erwählt, dem die eigentliche Leitung\nund Verwaltung unter Beihülfe eines tüchtigen artistischen Directors\nobliegt. Möge das ganze Unternehmen einen für unsere bis jetzt\nsehr mangelhaften Theater-Zustände gedeihlichen Erfolg haben, der\nwohl grossentheils von einer glücklichen Comitd-Wahl abhangen\nwird. Doch ist nicht zu zweifeln, dass sich Männer finden werden,\nwelche mit Lust und Liebe sich der allerdings nicht leichten Auf-\ngabe widmen, unser städtisches Kunst-Institut in einer Weise zu\nregeneriren, dass dasselbe der Stadt Mainz zur gereiche.\nKerl in, 11. März. Am Mittwoch ging Gounod's „Margarethe\"\nin Scene; besonderes Interesse erregte diese Vorstellung dadurch,\ndass die Titelrolle diesmal nicht von unserer gefeierten Fräulein\nLucca, sondern von Fräulein Desire Ar tot gesungen wurde. Fräu*\nlein P. Lucca, welche seit Jahren das Opern-Publicum durch ihre\nMeisterleistung in dieser Partie anzog, führte uns die reinste und\nsinnigste deutsche Frauengestalt Goethe's vor, und desshalb setzte\nsieh Fräulein Artot durch Vorführung der Margarethe eine\nsehr schwierige Aufgabe, welche jedoch von ihr auf vorzügliche\nArt und Weise gelöst wurde. In einzelnen Piecen tritt die Nationa-\nlität des Fräuleins Artöt zu sehr hervor, was nicht mit dem Vor-\nbilde im Einklänge steht. Auch mit dem Costume können wir uns\nnicht einverstanden erklären, da das weisse Costum mit Schleppe\ndurchaus nicht gretchenhaft ist. Das Volkslied: „Es war ein König\nin Thüle\", litt ein wenig unter nicht richtiger Auffassung der Sän-\ngerin, welche den zweiten Arers etwas verschleppte. Die Juwelen-\nArie, bei welcher der Sängerin ihre herrliche Coloratur zu Statten\nkam, überhaupt die ganze weitere Leistung, war meisterhaft zu\nnennen.\nDer Commissionsrath Woltersdorff gibt sein königsberger\nTheater auf und wird das gesammte Personal desselben an das bis-\nherige Meysel'sche Theater nach Berlin verpflanzen, welches, wenn\ndazu die Allerhöchste Bewilligung erfolgt, den Namen „Augusta-\nTheater\" erhalten soll. Die Vorstellungen unter Meysel'scher Di-\nrection werden noch bis zum 1. April fortgesetzt. Vom 1. 7. April\nbleibt das Theater geschlossen. Am 8. beginnen die Vorstellungen\nunter der neuen Leitung.\nSe. Maj. der König von Sachsen hat dem Ehren-Mitgliede des\nköniglichen Hoftheaters in Dresden, Emil Devrient, das Ritter-\nkreuz des Albrechts-Ordens verliehen.\nOtto Ludwig f. Nach mehrjährigen schweren Leiden ist Otto\nLudwig am 25» Februar zu Dresden gestorben. Er war am 11.\nFebruar 1812 zu Eisfeld im Meiningen'schen geboren, studirte zu-\nerst Musik, und zwar in Leipzig unter Mendelssohn, wandte sich\naber später der Poesie zu und lebte abwechselnd in Eisfeld, Meissen\nund Dresden. Mit Otto Ludwig ist ein echter Dichter zu Grabe ge-\ngangen. Sein „Erbförster\", die erste Hälfte seiner „Makkabäer\" und\ndie Erzählung „Zwischen Himmel und Erde\" gehören zu den bedeu-\ntendsten Productionen der neueren Literatur. Otto Ludwig hinterlässt\ndem Vernehmen nach ein bürgerliches Drama: „Die Rechte des\nHerzens\", vier Acte einer „Agnes Bernauer\", ein Lustspiel: „Herr\nFrey\", und „Shakespeare-Studien\".\n%\nMündt eil* Als beruhigenden Abschluss der unliebsamen\nAffaire, an welcher dem baierischen Nativismus ohne Frage sein\nTheil der Schuld beizumessen ist, in welcher aber Wagner's be-\nkannte Schattenseiten stark hervortraten, kann man wohl einen offi-\nciösen Artikel der „Bayerischen Zeitung\" betrachten, in welchem\ndem Componisten Richard Wagner die ungestörte königliche Huld\nzugesichert wird, jedoch mit dem deutlichen Hinweis, dass dessen\nprivate Ansprüche fortan in der münchener Residenz keinen so\nergiebigen Boden mehr finden werden, wie früher.\nJoachim wird im April in einem der Conservatoriums-Con-\ncerte in Paris spielen."}]}