{"numero_id": "bm-bmtnabi-1865-03-25-01", "volume": "bmtnabi_1865-03-25_01", "ocr_sha256": "f2228dfe1fd255d0063b5dd0780b74e1f795dea8cb5872cc92608bfd4bc79bff", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1865/03/25_01/bmtnabi_1865-03-25_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650325-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1865-03-25-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-03-25_01#c001", "volume": "bmtnabi_1865-03-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "89", "page_fin": "89", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650325-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "89", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650325-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 468, "texte": "Inhalt.\nFranz Schubert. Von Dr. Heinrich Kreissie von Hellborn. 111. Pariser Briefe („Der Saphir\", komische Oper\nin drei Acten, Musik von Felicien David)» Tages- und Unterhaltungsblatt (Lennep, ~Die letzten Dingeu von L. Spohr\nMinden, Joseph Schmidt f Gotha, Aufführungen im Hoftheater Berlin, Tänzer-Gesellschaft Wien, Meyerbeer's ~Dinorahu, Con-\ncert des akademischen Gesangvereins Biographie F. 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Nr. 10. 11. Nr. II.)\nWiewohl aus den beiden vorangegangenen Artikeln\nüber das biographische Werk von H. Rreissle von Hell-\nborn hinlänglich hervorgeht, welche Theilnahme das Buch\nin der musicalischen Lesewelt erregen muss, so wollen wir\ndoch zum Beschlüsse noch einige Stellen aus dem sieben-\nzehnten Abschnitte desselben: „Zur Charakteristik\",\nanführen, weil sie, anschliessend an das, was Anton\nSchindler in diesen Blättern (Jahrgang 1857) über\nSchubert gesagt, auf mündlichen und schriftlichen Mitthei-\nlungen der genaueren Freunde Schubert's: Spaun, von\nSchober, Sonnleithner, Kupelwieser, Bauern-\nfeld, Mayrhofer, Stadler und Anna Fröhlich be-\nruhen und am besten geeignet sind, Unwahres oder Ueber-\ntriebenes zu berichtigen. .\nDie äussere Erscheinung unseres Tondichters war\nnichts weniger als anziehend. Sein rundes, dickes, etwas\naufgedunsenes Gesicht, die niedere Stirn, die aufgeworfe-\nnen Lippen, buschigen Augenbrauen, die stumpfe Nase\nund das gekräuselte Haar gaben seinem Kopfe ein moh-\nrenartiges Aussehen, womit auch die auf dem Währinger\nFriedhofe befindliche Büste übereinstimmt*). Seine Statur\nwar unter Mittelgrösse, Rücken und Schultern gerundet,\ndie Arme und Hände fleischig, die Finger kurz. Der Aus-\ndruck seines Gesichtes konnte weder als geistreich, noch\nals freundlich gelten, und nur dann, wenn ihn Musik oder\nGespräche aufregten, besonders aber, wenn es sich um\nBeethoven handelte, fing sein Auge zu blitzen an und be-\nlebten sich die Züge.\nSo unscheinbar, fast abstossend sein Aeusseres, so\nschön und reich ausgestattet war sein Inneres. Alle dieje-\nnigen, welche Schubert näher gekannt haben, stimmen\ndarin überein, dass er ein vortreffliches Gemüth hatte,\ndass er ein guter Sohn war, seinen Geschwistern in Liebe\nund Anhänglichkeit zugethan, den Freunden ein wahrer\nFreund, wohlwollend, frei von Hass und Missgunst, hoch-\nherzig, begeistert für die Schönheiten der Natur und die\nihm heilige Kunst.\nIn seinem Wesen sprach sich eine gewisse Behaglich-\nkeit aus, und ein gutmüthiger Witz, der diesem Wohlbe-\nhagen entsprang, so wie sein Trieb nach Geselligkeit wa-\nren die Ursache, dass sich Menschen von heiterer Gemüths-\nart und leichtem Sinne gern ihm anschlössen.\nIhm waren Falschheit und Neid durchaus fremd\nso charakterisirt ihn J. Mayrhofer—: in seinem Wesen\nmischten sich Zartheit und Derbheit, Genusshebe mit Treu-\nherzigkeit, Geselligkeit mit Melancholie. Bescheiden, offen,\nkindlich, besass er Gönner und Freunde, die seinen Schick-\nsalen und Productionen herzlichen Antheil widmeten und\nauf jenen allgemeinen hinwiesen, welcher dem länger Le-\nbenden gewiss geworden wäre und dem in der Blüthe\nHingeschiedenen noch gewisser nachgetragen werden wird.\nIn der Regel begann Franz sein Tagewerk in den\nMorgenstunden, auf dem Bette sitzend und schreibend,\nund führte es ununterbrochen bis zur Mittagszeit fort. Da\nging denn sein ganzes Wesen in Musik auf; oft fühlte er\nsich von seinen Schöpfungen selbst ergriffen, und Augen-\nzeugen versichern, dass sie da an seinem leuchtenden Auge\nund der veränderten Sprache entnehmen konnten, wie\nmächtig es in seinem Innern arbeite. Allerdings kann\nSchubert nur in dem Sinne thätig genannt werden, dass\n\n*) Als nach der am 13. October 1863 vorgenommenen Ausgra-\nbung der irdischen Reste von Beethoven und Schubert die wohl-\nerhaltenen Schädel von Aerzten untersucht wurden, fanden sich\nKennzeichen musicalischen Sinnes weder bei Schubert noch bei\nBeethoven an jener Stelle vor, wo man diese sonst zu suchen ge-\nwohnt war."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "90", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650325-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5238, "texte": "er, rastlos aus sich herausschaffend, die Fülle seiner Ge-\ndanken auf dem Papier festzuhalten suchte. Zu dem, was\nman im gewöhnlichen Leben Arbeit nennt, und nament-\nlich zu aller mechanischen Arbeit, hatte er keine Lust,\nund dies, in Verbindung mit seiner nicht allzu geregelten\nLebensweise, die ihn verhinderte, mit der gewünschten\nPünktlichkeit bei Probestunden zu erscheinen, war wohl\nauch der Grund, dass er gewisse, die Verfügung über seine\nZeit beschränkende Anerbietungen consequent ablehnte.\nDer übrige Theil des Tages wurde dann eben so re-\ngelmässig dem geselligen \\ ergnügen, in schöner Jahres-\nzeit Ausflügen auf das Land, in Begleitung von Freunden\nund Bekannten geweiht.\nIn musicalischen Kreisen, besonders in eleganteren,\ndie er nur betrat, um aus Gefälligkeit seine Lieder zu\nbegleiten, war er schüchtern und wortkarg. Während er\nam Ciavier sass, machte er das ernsthafteste Gesicht, und\nwar die Sache zu Ende, so pflegte er sich in ein Neben-\nzimmer zurückzuziehen. Unbekümmert um Lob und Bei-\nfall, wich er den Complimenten aus und fühlte sich be-\nfriedigt, wenn ihm seine Freunde ihre Zustimmung be-\nzeigten.\nAnders war es, wenn er sich durch keine Fesseln der\nConvenienz beengt sah; da löste sich seine Zunge zu hei-\nterer Gesprächigkeit, es fehlte ihm dabei nicht an Witz\nund launigen Einfällen, und wenn er auch hier und da\nselbst stiller blieb, so nahm er doch Theil an der Lust der\nAnderen. Den Ausdruck lauter Fröhlichkeit kannte er\nnicht; sein Lachen bestand nur in einem etwas heiseren,\ngepressten Kichern.\nObwohl er selbst nicht tanzte, besuchte er doch zu-\nweilen die Hausbälle vertrauterer Familienkreise, stets\nbereit, sich zum Ciavier zu setzen, wo er dann stunden-\nlang reizende Tanzmusik improvisirte. Jene Stücke, die\nihm gefielen, wiederholte er, um sie im Gedächtnisse zu\nbehalten und sofort aufzuschreiben.\nHand in Hand mit seiner Bescheidenheit ging auch\ndie Achtung, die er für die musicalischen Leistungen An-\nderer, selbst im Liederlache, das er doch wie Keiner vor\nund nach ihm beherrscht hat, hegte.\nEs ist eine bekannte Thatsache, dass Schubert ein auf-\nrichtiger Verehrer des Weines war; ja, es gibt Leute,\nwelche ihn zum Trunkenbold zu stempeln suchen, wahr-\nscheinlich einiger harmlosen Excesse wegen, deren er sich\nallerdings schuldig gemacht hat.\nFranz liebte guten Wein. Da er ungeachtet der Vor-\nstellungen um seine Gesundheit besorgter Freunde nicht\nzu bewegen war, die Kraft des Getränkes durch Vermen-\ngung mit Wasser zu mildern, und da er nicht viel des\nWeines vertrug, so geschah es wohl, dass er, besonders\nim Gasthause in fröhlicher Gesellschaft, oder wenn in Pri-\nvathäusern „gute Sorten\" gereicht wurden, mitunter über\ndas Ziel hinausschoss und dann entweder aufbrausend\nund heftig wurde oder, wenn ihn der Wein schon betäubt\nhatte, in ein bedenkliches Stillleben versank, wo dann kein\nWort mehr aus ihm herauszukriegen war*).\nWenn viel und guter Wein auf dem Tische stand,\nmusste man auf Franzen ein wachsames Auge haben; so\nbezeugen ausnahmslos alle jene Personen, weiche aus die-\nser Schwäche Schubert's kein Hehl machen und Gelegen-\nheit hatten, ihn bei solchen Anlässen zu beobachten. Man\nist auch vielfach geneigt, den häufigen Genuss von Wein\nals die Ursache der Kopfleiden und Blutwallungen zu be-\nzeichnen, welchen er in den letzten Jahren seines Lebens\nunterworfen war, und selbst die Krankheit, der er so\nschnell erlegen, wenigstens zum Theil seiner Neigung zu\ngeistigen Getränken zuzuschreiben.\nAuf diese Thatsachen reducirt sich Schubert's „Trunk-\nboldenthum\"; der schlagendste Beweis aber dafür, dass\ner sich in der Regel in geordnet nüchternem Zustande\nbefunden, liegt in der Massenhaftigkeit der von ihm ohne\nZweilei in vollster Geisteskraft producirten Werke, welche\nein Mensch, der die ihm so karg zugemessene Lebenszeit\nnicht gehörig ausnützt, nimmermehr zu Stande bringen\nwürde.\nUebrigens wird auch Schubert, gleich vielen anderen\nbedeutenden Naturen, jenes so oft versagte Recht in An-\nspruch nehmen dürfen, bei seiner sittlichen Werthschätzung\nmit keinem anderen Maasse gemessen zu werden, als ge-\nwöhnliche Menschenkinder, deren Fehler und Schwächen\noft gar nicht beachtet oder wenigstens mit Schonung be-\nurtheilt werden, während dieselben Mängel an hervor-\nragenden Menschen als wesentliche Charakterzüge ange-\nnommen und dasjenige, was menschliche Schwäche war,\nnur zu gern als Laster hingestellt wird**).\nDem weiblichen Geschlechte gegenüber war Franz\nnichts weniger als unempfindlich. Die sinnlichen Neigun-\ngen traten übrigens bei ihm keineswegs in dem Grade\näusserlich hervor, als dies sonst bei Menschen von so leb-\nhafter Phantasie der Fall zu sein pflegt. Ueber das senti-\nmentale Verliebtsein der Freunde machte er sich gern\n\n*) Wenn er im Gasthause etwas „über die Taxe\" getrunken\nhatte, pflegte er dem Kellner, sobald es zum Zahlen kam, verstoh-\nlen unter dem Tische die Hand zu zeigen, der dann an der Zahl\nder vorgestreckten Finger die Zahl der vertilgten Seidel abzuzählen\nhatte. Ein Freund Schubert's erwähnt auch gern des so ge-\nnannten „vertrunkenen Quartetts\", eines Männer-Quartetts,\nwelches, bevor es Schubert oomponirt hatte, auch schon „vertrun-\nken\" war.\n**) So ist es auch Mozart ergangen. (S. Otto Jahn, 111. Band,\n8. 173 ff.)"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650325-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5537, "texte": "lustig; er selbst aber blieb nicht frei davon. Einer Her-\nzensneigung wurde bereits gedacht, an anderen dürfte es\nnicht gefehlt haben; sie waren aber alle vorübergehender\nNatur und weit entfernt, ein dauerndes Verhältniss zu be-\ngründen. Uebrigens hat Schubert (wie mir v. Schober mit-\ntheilte) gerade über derlei Beziehungen selbst seinen ver-\ntrautesten Freunden gegenüber grosse Zurückhaltung\nbeobachtet.\nVon den Aufführungen seiner Werke hielt er sich\ngewöhnlich fern. Bescheidenheit war ein Hauptzug seines\nCharakters; nur wenn er den Druck der äusseren Ver-\nhältnisse zu sehr fühlte und den schmerzlichen Gedanken,\nwelch verhältnissmässig geringer Lohn seinen Leistungen\nzu Theil werde, nicht mehr von sich abweisen konnte,\nmachte er seinem Unmuthe in Worten Luft, welche sich\nvon Bitterkeit nicht frei hielten und zugleich verriethen,\ndass er von dem Bewusstsein seines Werthes erfüllt war.\nSein von Natur aus schüchternes Wesen und unange-\nnehme Erfahrungen, die ihm sein schlichter, gerader Sinn\nund seine unumwundene Wahrheitsliebe bereitet haben,\nhielten ihn von der geräuschvollen Welt und ihrem Trei-\nben um so entfernter, als sein allem Flitter abholdes We-\nsen für dieselbe nicht passte, und er der Gefahr, miss-\nverstanden zu werden, auf diesem Wege am sichersten\nauswich.\nIn den letzten Jahren seines kurzen Erdenwallens\nscheint der Ernst des Lebens in stärkerem Maasse; als dies\nfrüher der Fall war, über ihn gekommen zu sein, doch\nohne dass sich sein von Natur aus heiterer Sinn in Unmutb\nund thatenloses Hinbrüten verwandelt hätte. Vor derlei\nGemüths-Zuständen bewahrte ihn wenigstens für die\nDauer seine sich gleich bleibende überschwängliche\nProductionskraft*), von welcher die Werke eben dieser\nPeriode beredtes Zeugniss ablegen. Die in Schubert er-\nwachte Sehnsucht, sich eine gesicherte Existenz zu grün-\nden, die Nichterfüllung der damit in Verbindung gestan-\ndenen Hoffnungen, und mehr als dieses noch ein andauern-\ndes Unwohlsein mögen zu- jener Gemüths-Verstimmung\nwesentlich beigetragen haben, und so fanden auch die\ndüsteren Gesänge der „Winterreise\" in der Phantasie\ndes Tondichters fruchtbaren Boden. Ob die Composition\ndieser Lieder den Druck seiner physischen und morali-\nschen Leiden noch vermehrt habe, wie von mancher Seite\nbehauptet wird, möge dahingestellt bleiben**); es liegt\nvielmehr der Gedanke näher, dass er sich durch die künst-\nlerische Bearbeitung jener Reihe von Gedichten, deren\nGelingen ihm wahre Befriedigung gewährte, von der trü-\nben Weltanschauung befreit habe, wie denn auch die vie-\nlen nach der „Winterreise\" entstandenen Compositionen\nkeinen Schluss mehr auf umdüsterte Seelenzustände ce-\nstatten.\nEs hat aber vielleicht ausser ihm keinen grossen Ton-\ndichter gegeben, dessen äussere Existenz von der Kunst\nso gänzlich losgelöst und in keiner Beziehung zu derselben\ngestanden hat. Sein Erdenwallen zog so ereignisslos und\nunscheinbar vorüber und stand so ganz ausser allem Ver-\nhältnisse zu den Werken, welche dieser wie vom Himmel\ngefallene Genius geschaffen hat, dass man sich zuletzt im-\nmer nur an diese wird halten müssen, um des reichen\nSchatzes von Geist und Gemüth gewahr zu werden, der\nin Schubert gelegen hat.\nIm gewöhnlichen Leben (sagt Franz Schober von ihm)\nwar nur Wenigen, und diesen in seltenen geweihten Stun-\nden, Gelegenheit geboten, sich zu überzeugen, welch ein\nSeelenadel ihn auszeichnete, und sie entnahmen dies aus\nZeichen und Worten, welche sich nicht leicht wiederholen\nund beschreiben lassen.\nWas die äusseren Verhältnisse Schubert's betrifft, so\nweist Herr von Kreissie die oft wiederholte Behauptung,\ndass die Gleichgültigkeit des wiener Publicums und die\nUmgebung schlimmer Freunde für die gedrückte Lage,\nin der er sich nicht selten befunden, verantwortlich zu\nmachen sei, auf das rechte Maass zurück.\nAllerdings sagt er S. 199 hatte Schubert, wie\ndies auch bei anderen Meistern in seiner Kunst der Fall\nwar, gegen den Unverstand und Eigennutz der Verleger\nzu kämpfen, auch das grosse Publicum war nicht immer\ngeneigt, seine Compositionen nach Gebühr zu würdigen,\nund selbst dem wiener Musikvereine, der doch berufen\nwar, die Tonkunst in jeder Weise zu fördern und nament-\nlich einheimische Talente zu unterstützen, konnte er nur\nzu geringem Danke verpflichtet sein; denn dieser hat. wie\n\n*) So brachte er nach Vollendung des ersten Theiles der „Win-\nterreise\" einige Zeit recht heiter in Graz zu und vollendete nach\nseiner Rückkehr den zweiten Theil derselben.\n**) So sagt J. Mayrhofer (Erinnerungen an Franz Schubert):\n„Schon die Wahl der ..„Winterreise\"\" beweist, wie der Tonsetzer ern-\nster geworden. Er war lange und schwer krank gewesen, er hatte\nniederschlagende Erfahrungen gemacht, dem Leben war die Rosen-\nfarbe abgestreift; für ihn war der Winter eingetreten. Die Ironie des\nDichters, in Trostlosigkeit wurzelnd, sagte ihm zu; ich wurde\nschmerzlich ergriffen.\" Spaun theilt in seinen Aufzeichnungen\nmit, Schubert habe die Vollendung der „Winterreise\" den Freunden\nmit den Worten kundgegeben: „Ihr werdet den Grund meiner dü-\nsteren Stimmung bald erfahren, ich werde euch bei Schober schauer-\nliche Lieder vorsingen, sie haben mich selbst angegriffen.\" Scho-\nber erklärt sich gegen jede derartige Ausschmückung,\nund auf Schubert's eigene Productionskraft hinweisend, behauptet\ner, der Tondichter habe eben in seiner kleinen Bibliothek, die ihm\nSchober eingerichtet hatte, Müllems Lieder vorgefunden, sich von\ndenselben angezogen gefühlt und sie, so wie viele andere Gedichte»\nin seiner Weise musicalisch stimmungsvoll wiedergegeben.\n[*l"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650325-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5321, "texte": "die Concert-Programme unwiderleglich darthun, verhält-\nnissmässig wenig Notiz von ihm genommen und an der\ngrossen C-Sinfonie zwiefaches Unrecht begangen. Damit\nist aber noch nicht dargethan, dass Schubert von aller\nWelt verlassen und verrathen im Leben dagestanden habe,\nund dass er genöthigt gewesen sei, sein Talent nur zum\nVortheil Anderer ausnützen zu lassen. Es hat ihm zu kei-\nner Zeit an theilnehmenden Menschen gefehlt, welche sein\nGenie erkannten und ihn mit Rath und Thal zu unter-\nstützen bereit waren. Dass er sich zu diesen nicht in glei-\nchem Maasse hingezogen fühlte, sondern, seiner Neigung\nfolgend, mit Personen verkehrte, die sich wohl seiner Lie-\nder freuten, aber in ihm mehr den gemüthlichen Gesell-\nschafter als den schaffenden Künstler hochschätzten, und\ndie, zum Theil selbst mit ihrer Existenz ringend, nicht in\nder Lage waren, ihm thatkräftig unter die Arme zu grei-\nfen, kann weder diesen noch jenen zum Vorwurf gemacht\nwerden.\nDie wenigen günstigen Gelegenheiten, welche sich ihm\nzur Consolidirung seiner äusseren Lage darboten, liess er\n(wenn die mir darüber gemachten Mittheilungen auf\nWahrheit beruhen) ungenützt vorübergehen. Vollkommene\nFreiheit der Bewegung war das Element, in welchem er\nsich wohl fühlte und dem er alle anderen Rücksichten\nzum Opfer brachte. Während er aber diese Unabhängig-\nkeit auf der einen Seite wirklich erwarb und bewahrte,\nging er derselben in anderer Beziehung verlustig. Auf\nSchubert's künstlerisches Wirken waren diese Verhältnisse\nallerdings von keinem Einflüsse. Sein Productions-Vermö-\ngen wurde durch die Unbilden des Lebens nicht gehemmt;\ntrotz bitterer Erfahrungen hat er seine Mission in herr-\nlicher Weise erfüllt und in dem Bewusstsein seines Wer-\nthes und dem Glücke unversiegender Schaffenskraft reichen\nErsatz für den Abgang anderer Erdengüter gefunden.\nWenn Schubert auch nicht seine Werke aus Specu-\nlation, wie Beethoven besonders in seinen letzten Jahren\nes that, hohen Potentaten dedicirte, so kommen doch auch\nbei ihm Einnahmen durch Dedicationen vor. So schreibt\ner z. B. an einen Freund: „Meine Dedicationen haben\nihre Schuldigkeit gethan, der Patriarch (Ladislaus Pyrker,\nOp. 4, drei Lieder) hat 12 und Graf Friess (Op. 2, „Gret-\nchen\") 20 Ducaten springen lassen.\" (S. 231.)\nNach der begeisterten Aufnahme des „Erlkönigs\"\nbemühten sich die wiener Musik-Verleger gar sehr um\nSchubert'sche Compositionen. Die bei Cappi und Diabelli\nin Commission herausgegebenen zwölf Werke hatten über\n2000 Gulden eingetragen und von dem „Erlkönig\" allein\nwaren im Jahre 1821 bis zum 1. October schon für 800\nFl. Exemplare abgesetzt (wovon Diabelli 50 pCt. erhal-\nten haben soll!).— „Schubert (heisst es S. 267) hatte es\ndamals in seiner Macht, für seine materielle Existenz einen\nsoliden, dauernden Grund zu legen und von seinen Wer-\nken grossen Vortheil zu ziehen. Aber dem in Erwerbs-\ngeschäften Unerfahrenen, nur für den Augenblick Sorgen-\nden war es nicht gegeben, diese günstigen Verhältnisse zu\nbenutzen.\" Ohne Wissen seiner Freunde verkaufte er\nan Diabelli die Platten und das Eigenthumsrecht von 12\nWerken für 800 Fl., und darunter waren „Erlkönig\",\n„Gretchen\", „Der Wanderer\", „Rastlose Liebe\", die\ndrei Sonaten in H, D, El—Dergleichen Einnahmen gin-\ngen bald wieder drauf, und manche Verleger benutzten\nspäter seine Geldverlegenheiten, die ihn zu geringen, ja,\nfast erniedrigenden Forderungen zwangen, dazu, diese\nhöchst bescheidenen Preise noch auf die Hälfte herunter\nzu dingen.\nDie Abschnitte XVIII und XIX der Biographie (S.\n485 582) enthalten eine Ueberschau und Charakte-\nristik der musicalischen Leistungen Schubert's, letztere in\neiner Zusammenstellung der Urtheile Anderer mit den\neigenen des Verfassers. Ihnen schliesst sich zuletzt das\nVerzeichniss von Schubert's Compositionen an (S. 590\nbis 618), was zwar vollständig zu sein scheint, in so weit\ndies auch für die nicht gedruckten Sachen möglich ist,\naber in Bezug auf unterscheidbare Classificirung Manches\nzu wünschen übrig lässt, wie man z. B. gleich bei den\nLiedern erst nach genauerer Einsicht herausfinden muss,\ndass die zweite Rubrik: „Lieder aus dem Nachlasse\", eine\nUnter-Abtheilung der ersten („im Stich erschienene Lie-\nder\") ist.\nDie Zahl der durch den Stich veröffentlichten Lieder\nbeträgt jetzt dreihundert und sechszig. Vorhanden\nsind aber nahezu an sechshundert, theils in Autogra-\nphen,theils in Abschriften, namentlich in derWitteczek'schen\nAbschriften-Sammlung. Bei Schubert's Lebzeiten sind nur\neinhundert erschienen. Unter der Gesammtzahl sind\nsechszig Gedichte von Goethe*). Das Verzeichniss der\nnoch ungedruckten weist an zweihundert nach, meist aus\n1814, aber auch aus den schönsten Liederjahren 1816\nbis 1819.\nDann folgen mehrstimmige Gesänge (nach dem\nthematischen Kataloge von Breitkopf und Härtel) und\ndreissig ungedruckte, theils für gemischte, theils nur für\nMännerstimmen, darunter „Chor der Engel\" aus Goethe's\n\n*) Schubert schickte einmal an Goethe auf den Rath eines\nFreundes ein geschriebenes Heft („An Schwager Kronos\" „An\nMignon\" „Ganymed\") mit dcdicirendeni Schreiben, hat aber keine\nAntwort erhalten. Aus von Wollzogen's „Wilhelmine Schröder\" er-\nfahren wir, dass Goethe erst in seinen letzten Lebensjahren durch\nden Vortrag des „Erlkönigs\" ergriffen wurde, wiewohl er früher\ndiesen und andere Lieder von Schubert gut hatte vortragen hören."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650325-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 938, "texte": "„Faust\", „Lützow's wilde Jagd\", Klopstock's Schlachtge-\nsang (dreistimmig) u. s. w. Unter den noch unveröffent-\nlichten erregt eine italiänische Cantate für Männer-\nchor und am Schlüsse einfallenden vollständigen Chor mit\nBegleitung von zwei Ciavieren aus dem Jahre 1827 Auf-\nmerksamkeit. Eben so dürfte eine vierhändige So-\nnate in Es-mollaus dem Jahre 1828 (Autograph angeb-\nlich bei Diabelli) höchst interessant sein. Die vierhändige\nPhantasie in F-moll, als Op. 103 gedruckt, ist der Gräfin\nCaroline Esterhazy nicht von Schubert, sondern von den\nVerlegern gewidmet. Auch die Manuscripte von vier bis\nsechs Violin-Quartetten liegen noch bei Diabelli. Die jetzt\nbekannte Sinfonie in C-dur(1828) ist die siebente;\nsechs andere aus den Jahren 1813 —lBlB sind noch im\nManuscript vorhanden.\nSchubert's Messe in G für vier Singstimmen und Or-\nchester (1815) erschien als eine Composition von Robert\nFührer (-{• 1861) in Prag bei Marco Berra!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-03-25-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-03-25_01#c003", "volume": "bmtnabi_1865-03-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "93", "page_fin": "95", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650325-01.2.3", "titre_corps": "Pariser Brief.", "titre_sommaire": "Pariser Brief.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650325-01.1.5", "debut_caractere": 940, "fin_caractere_exclue": 5135, "texte": "Pariser Brief.\n(„Der Saphir\", komische Oper in drei Acten, Musik von\nFelicien David.)\nDen 19. März 1865.\nAm 8. März brachte das Theater der\ndas neue Werk von Fölicien David, eine dreiactige\nkomische Oper, deren Stoff nicht weniger als drei Arbei-\nter, die Herren de Leuven, Michel und Hadot, aus\ndem Lustspielschacht Shakespeare's, der jetzt an die Reihe\nkommt, nachdem der tragische bereits für die Opernfabrik\nso ziemlich erschöpft ist, ausgebeutet haben. Indessen ha-\nben sie des grossen Briten „Ende gut, Alles gut\" so echt\nfranzösisch umgemodelt, dass nicht viel davon übrig ge-\nblieben, aber dafür eine lebhaft fortschreitende und im\nzweiten Acte parisisch pikante Handlung mit amüsantem\nDialog zum Vorschein gekommen ist.\nDa in dem Buche ausser dem Saphir nichts Orienta-\nlisches ist, sondern europäische Landschaft mit der ge-\nwöhnlichen Staffage der französischen komischen Oper,\nals da sind coquette Frauen und verliebte Ritter, Stell-\ndicheins und Quiproquo's, so hat man denn, wie in solchen\nFällen hergebracht, noch ehe man die Oper gesehen und\nauch nach der ersten Vorstellung von der Metamorphose\nder Schreibart David's viel Wesens gemacht, der da aus\nArabiens Wüste, der tropischen Welt Westindiens, den\nRosengebüschen von Kaschmir nach Frankreich zurück-\ngekehrt sei, wo bekanntlich kein Boden für die träumeri-\nschen Klänge und die Düfte der morgenländischen Selams\nin Tönen vorhanden ist. Es ist aber mit dergleichen Meta-\nmorphosen eine eigene Sache: musicalische Genies, die\nAlles können, die neben einem Sarastro einen Papageno,\nneben einer Zerline eine Donna Anna, neben einem Com-\nthur einen Leporello und so fort charakterisiren können,\nsolche Genies haben wir nicht mehr, und desshalb ist es\nimmer gefährlich, wenn einer den Ruf, den er durch eine\nSpecialität erlangt hat, durch das, was man im Berufsleben\neine Umsattlung nennt, aufs Spiel setzt. Der Hippogryph\nist ein störrisches Thier; es lässt sich nicht von Jedem\nnach beliebiger Schule reiten, ausser von geborenen Mei-\nstern, die in allen Sätteln gerecht sind.\nDie junge Königin von Navarra ist glücklich über die\nGenesung ihres Kindes, welche Hermine, die verwaiste\nTochter eines Arztes, bewirkt hat. Aus Dankbarkeit ver-\nspricht sie, Herminens Wunsch, ihren Gutsherrn, den\nGrafen Gaston, zum Manne zu bekommen, zu erfüllen.\nDer Graf, eben von Paris zurückgekehrt, hat mit Vergnü-\ngen seine Milchschwester und Jugendgespielin Hermine\nwiedergesehen, sie gefällt ihm, aber an eine Heirath denkt\ner natürlich auch nicht im entferntesten. Die Königin\nkennt seinen Stolz und seine Frivolität und bringt ihn\ndesshalb durch eine List in die Capelle, wo Hermine im\nBrautstaate seiner harrt und Gaston dem ausdrücklichen\nWillen der Königin, sich mit ihr trauen zu lassen, nichts\nentgegensetzen kann. Er verlässt aber seine Galtin auf der\nStelle, hinterlässt ihr einen Brief, dass er sie nie als seine\nFrau anerkennen würde, bis er ihr den Familienring mit\neinem Saphir, den die Grafen von Lusignan als Pfand\nihrer Braut geben müssten, selbst an den Finger steckte,\nwas er niemals thun würde. Darauf reist er mit seinem\nPagen und einem Capitän „Parole\", der allein beibehal-\ntenen Shakespeare'schen Figur eines renommistischen Pol-\ntrons, ins Lager der Franzosen vor Neapel.\nDort finden wir im zweiten Acte ihn und seine Be-\ngleiter. Sie besuchen gern dieLocanda der hübschen Fiam-\nmetta, die den Pagen am liebsten von allen Dreien hat,\naber in grosse Verlegenheit kommt, da ihr jeder der\nHerren für sich ein Stelldichein auf den Abend ankündigt.\nc 5\nGlücklicher Weise für sie präsentirt sich eine Dame bei\nihr, die keine Andere ist, als die verlassene Gräfin Her-\nmine, welche die Spur ihres trotzigen Gatten gefunden\nhat. Gegenseitiges Vertrauen führt zur Verabredung einer\nnächtlichen Gartenscene ä la„Figaro's Hochzeit\" und zu\neinem Quartette ä la „Faust\", indem Gaston die als Fiam-\nmetta verkleidete Hermine und Parole eine alte Tante der\nFiammetta mit Liebesanträgen überhäufen. Hermine weiss\naber den Grafen so verliebt zu machen, dass er ihr den\nRing mit dem Saphir an den Finger steckt. Ehe er die\nFrüchte einer so ausgezeichneten Galanterie pflücken kann,\nwird Lärm im Lager geblasen—ein Streich, den der Page"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "94", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650325-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5292, "texte": "ihm spielt aus Eifersucht auf die diesmal wenigstens ganz\nunschuldige Fiammetta. Natürlich fällt hier der Vorhang\ndes zweiten Actes.\nIm dritten Acte ist die ganze Gesellschaft wieder nach\nBearn versetzt. Der Graf ist der Kriegs- und Liebes-Aben-\nteuer vor Neapel überdrüssig geworden und erscheint an\neinem schönen Abende wieder auf seinem Schlosse. Dort\nfindet er ein glänzendes Fest, bei dem seine Frau die lie-\nbenswürdigste Wirthin macht, sich aber sehr wenig um\nihren Gatten bekümmert. Aerger und Liebe, denn Her-\nmine ist gar zu reizend und wird von den Grossen des\nHofes umschwärmt, bringen ihn dahin, auf sein Recht als\nGatte Anspruch zu machen. Hermine macht natürlich das\nGeschenk des Ringes mit dem Saphir zur Bedingung und\nlässt den verblüfften Gaston stehen.— Glücklicher Weise\nsind Fiammetta und ihre Tante Lucrezia auch auf dem\nSchlosse; die Gräfin hat sie aus Dankbarkeit mit dorthin\ngenommen. Gaston verlangt seinen Ring von Fiammetta,\ndiese foppt ihn mit dem Vorgeben, dass er in jener italiä-\nnischen Nacht nicht mit ihr, sondern mit ihrer alten Tante\nim Garten gewesen sei; er ist ausser sich vor Wuth, zu-\nmal, da auch Lucrezia nichts von einem Ringe wissen will\nund in Parole ihren Mann wiedergefunden hat, der sie\nvor Jahren treulos verlassen. Nachdem das Spiel lange\ngenug gedauert, löst Hermine endlich das Räthsel und\nAlles ist zufrieden.\nEs lässt sich nicht läugnen, dass die Verfasser des\nBuches eine Menge von oft dagewesenen und seit Boccaz\nvielfach benutzten Intriguen auf eine geschickte Weise\nzu einem Lustspiel-Imbroglio voll Scherz und Leben ver-\narbeitet haben, und in Frankreich wenigstens, und für\nFranzosen ist es ja geschrieben wird das Buch die Mu-\nsik halten. Denn diese dürfte nur in wenigen Nummern\neine dauernde Lebenskraft haben.\nDass der Charakter und das Colorit der Musik von\nder früheren Manier David's, die auch selbst in seiner\nheroischen Oper „Herculanum\" zum nicht geringen Theile\nnoch sichtbar ist, ganz und gar abweicht, ist freilich dem\nStoffe gemäss und das Gegentheil würde ein Fehler sein.\nAllein dieser „Saphir\" beweist, dass David's Inspiration\nihren engen Kreis hat, oder richtiger gesagt sie bestä-\ntigt den Satz, dass der Erfolg einer Manier überhaupt,\nmag sie auch glücklich getroffen und mit Talent durch-\ngeführt sein, doch einen wahren Künstlerruhm nicht be-\ngründen kann, weder in der Malerei noch in der Musik.\nDie hiesige Kritik windet sich in glatten Redensarten durch\ndie enge Pforte, an deren Pfeilern auf der einen Seite die\nWahrheit, auf der anderen David's Autorität Wache hält,\ndenn das Gute hat die hiesige Organisation der dramati-\nschen Republik, dass, wer einmal Consul gewesen, immer\nConsul bleibt, wenn er auch einmal einen unpolitischen\nStreich macht oder selbst eine Niederlage erleidet. Nun\nwill ich freilich nicht sagen, dass David eine Niederlage\nerlitten habe, aber der Eindruck des ganzen ersten Actes\nwar nicht weit davon entfernt, obgleich der Introductions-\nChor gleich da capo verlangt wurde—die Freunde hatten\nEile! —; bei der zweiten und dritten Vorstellung war das-\nselbe nicht der Fall, indess behauptet man, dass diese bei-\nden Wiederholungen der Oper im Ganzen zu grösserer\nAnerkennung verholfen haben.\nDieser Chor, nach einer kurzen Ouvertüre mit dem\nAnklänge an das Finale vom ersten Acte, ist frisch im Mo-\ntiv, aber entwickelt am Ende eine Klangfülle mit obliga-\ntem Blech, die gar sehr gegen die feine Instrumentirung\nder Oper „Lalla Rookh\" absticht. Mit Ausnahme eines\nKirchenstückes hinter den Coulissen, das zu der Scene\nzwischen der Königin und Hermine bei den Haaren her-\nbeigezogen ist, um die Genesung des Prinzen zu feiern,\nund dessen musicalische Wirkung durch den fortgehenden\nDialog der beiden Frauen auf der Bühne (!) gestört wird,\nhaben mir sämmtliche folgende Stücke des Actes sehr\nwenig gefallen, und die Krone geschmackloser Musik ist\ndas recitativische Arioso Herminens, in welchem sie den\nInhalt des langen Scheidebriefes ihres Gatten vordeclamirt!\nAuch die Soli des Gaston (Tenor) und der Hermine, so\nwie ihr Duett, liessen kalt. Der erste Act\nlanguissant\", d. h. langweilig.\nDie Musik des zweiten Actes ist jedenfalls besser; dass\ndieser Act aber »den Erfolg entschieden habe\", wie ein\nund das andere Blatt höflich genug ist, zu behaupten,\nmöchte ich nicht unterschreiben.\nEr beginnt mit einem Trinkchor im Lager, der leben-\ndig und glänzend ist, ohne eben originel zu sein. Ein Lied\nder Fiammetta fällt aber dennoch sehr dagegen ab. Das\nQuartett ä laFaust, das ich oben schon erwähnt habe,\nbeginnt mit hübschen langen Melodieen, schliesst aber\nmit einem Allegro in der jetzt beliebten syllabischen\nManier, welche, wenn sie musicalisch sein und nicht\n\"bloss eine Art von Pizzicato-Gesang liefern soll, einen Mo-\nzart oder Rossini zum Componisten verlangt. Hervorzuhe-\nben ist ausserdem ein Matrosen-Chor und eine Romanze\nfür Tenor.\nIm dritten Acte nimmt der Dialog und die Fopperei\nGaston's den meisten Raum ein. Der Entreact, welcher\ndas Fest, das Hermine gibt, vorbereitet, bildet mit Be-\nnutzung einer pyrenäischen Volksmelodie ein sehr hüb-\nsches Instrumentalstück, dessen Motive bei der Aufführung\nder Sarabande auf dem Balle im Schlosse vom Chor ge-\nsungen und im Orchester auf originelle Weise begleitet\nwerden. Die übrigen Gesangstücke bieten weder im guten"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650325-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1275, "texte": "noch schlimmen Sinne etwas Auffallendes dar; sie bleiben,\netwa mit Ausnahme der Arie Gaston's: „C'est pour vom\nseule, Hermine*, im Geleise des Gewöhnlichen und mit\ndem Geschick eines routinirten Musikers Gemachten.\nDem Nachrufe an den Herzog von Morny widmen\nauch die musicalischen Blätter ihre Spalten. Der Herzog\nwar ein grosser Beschützer der Tonkunst; selbst musica-\nlisch gebildet, hatte er in den letzten Jahren unter dem\nNamen Saint-Remy mehrere Compositionen von sich\ndrucken lassen. Für einen unentgeltlichen Lehrcursus für\nGesang- und Schullehrer, welche die Methode Cheve's\nstudiren wollen, hat er noch kurz vor seinem Tode eine\nSumme bestimmt, und dieser Cursus wird bereits in die-\nsen Tagen beginnen.\nDie „Zauberflöte\" macht noch immer volle Häu-\nser im Theätre lyrique. Roger hat sich definitiv hier nie-\ndergelassen, wird Gesang-Unterricht geben und in Con-\ncerten singen.\nDie kleine und zarte Italiänerin Vitali, die vorigen\nSommer mit einem Theile des hiesigen Personals der ita-\nliänischen Oper am Rheine in Köln, Frankfurt u. s. w.\nwar, hat trotz der schwierigen Aufgabe, die Adelina Patti\nin mehreren Rollen derselben zu ersetzen, als Norina in\n„Don Pasquale\" am 15. d. Mts. sehr gefallen und wird\nin diesen Tagen auch die Martha singen.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-03-25-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-03-25_01#c004", "volume": "bmtnabi_1865-03-25_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "95", "page_fin": "96", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650325-01.2.4", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650325-01.1.7", "debut_caractere": 1277, "fin_caractere_exclue": 6610, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nIn Lennep wurde am 12. d. Mts. unter Leitung des Herrn\n0. Standke das Oratorium „Die letzten Dinge\" von L. Spohr\naufgeführt.\nblinden, 20. März. (Joseph Schmidt f.) Heute wurde zu\nBückeburg ein Mann in das kühle Grab gebettet, der in der\nBlüthezeit seines Lebens auch hier vielfach thätig war. Seinem Für-\nsten war er ein treuer Beamter, seinen Mitbürgern ein biederer, offe-\nner Charakter, der Kunst ein würdiger Priester, und als Mensch\nhasste er Charlatanerie und Kriecherei. Da dieser Mann der am\n15. d. Mts., früh 123/4 Uhr, verstorbene fürstliche Hof-Capellmeister\nJoseph Schmidt—seit langen Jahren, beinahe ein halbes Jahr-\nhundert hindurch, in seiner Vaterstadt wirkte, da er fast Jedem da-\nselbst ein lieber Lehrer gewesen, so konnte es nicht befremden,\ndass die Theilnahme am Geleite zur ewigen Ruhestätte eine so aus-\nserordentlich grossartige war. Wir kannten den Dahingeschiedenen\nseit unserer Jugendzeit, und da wir bis zu seinem Tode sein Ver-\ntrauen besassen, so finden wir uns nicht nur berufen, sondern auch\nverpflichtet, eine Notiz über sein thätiges Leben zu geben. Der\nVerstorbene war am 26. September 1795 zu Bückeburg geboren,\nwoselbst sein Vater, Johannes Schmidt (geb. im Jahre 1757 zu Kin-\nderich im Rheingau), welcher mit den Gebrüdern Romberg in Mün-\nster zum gründlichen und trefflichen Violinisten gebildet, die Stelle\neines fürstlichen Hofmusicus bekleidete. Den ersten Violin-Unter-\nricht erhielt der Knabe durch seinen Vater, spielte schon früh in\nder fürstlichen Hofcapelle mit und kam in seinem siebenzehnten\nLebensjahre (1812) nach Braunschweig als erster Violin- und Solo-\nspieler an das herzogliche Hoftheater. Dort wurde sein zweiter Leh-\nrer der Concertmeister Macourt, ein berühmter Violinspieler in Dop-\npelgriffen. Im Jahre 1810 trat er als Kammermusicus in die Capelle\ndes Herzogs Ernst zu Coburg, und Ende des Jahres 1817 wurde er\ndurch seinen Landesfürsten, dessen grosses Wohlwollen er bis zu\ndessen letzter Stunde besass, nach Bückeburg zurückberufen. Im\nMärz 1818 reiste er nach Italien und studirte die Theorie der Mu-\nsik zwei Jahre lang bei seinem Onkel, dem königlich sardinischen\nHof-Capellmeister Heinrich Küster in Turin, welcher früher Capell-\nmeister in Stockholm war. In Turin wurde Mallini sein Lehrer für\nVioline, Gesang studirte er bei Testore. Von Turin wandte er sich\nnach Genua, Pavia und Mailand, besuchte das dortige Conservato-\nrium und bildete sich in Einübung des Chorgesanges aus. Darauf\nbereiste er die Schweiz, Würtemberg, das südliche Deutschland, die\nRheinlande, Belgien, das nördliche Frankreich, Preussen, Mecklen-\nburg u. s. w. Im Jahre 1840 wurde er zum Musik-Director und\n1852 zum Capellineister und Dirigenten der fürstlichen Hofcapelle\nernannt. Von seinen Compositionen sind wenige edirt. Er schrieb\nLieder und Duette, Psalmen, Potpourris, Streich-Quartette. Grössere\nSachen von ihm sind ein „Hallelujah\" (Text von Niemeier), „Maria\nLobgesang\" und das Oratorium „Die Geburt Christi\" (Dichtung von\nVictor von Strauss). Die letzte Aufführung dieses Werkes fand am\n4. Juni 1856 Statt. Schmidt war ein trefflicher, solider Geiger, als\nbewährter und gründlicher Dirigent wird er schwer zu ersetzen sein.\nHier in Minden hat J. Schmidt von 1820—1848 vielfach gewirkt,\nwohl in allen Concerten, welche unter der tüchtigen Leitung des\nHerrn Fleischhauer Statt fanden. Auch dieser alte Freund machte\nheute den trüben Gang zum Friedhofe mit. In den hiesigen Con-\ncerten wirkten damals regelmässig auch andere gewiegte Kräfte aus\nder Hofcapelle mit, theils im Orchester, theils durch Solo-Vorträge,\ndenn Jeder war ein Meister auf seinem Instrumente. Wir erinnern\nan die Namen Zschokko, Witting, Lübke und Gebrüder Küster. Viel\nGutes kam damals zu Gehör: ausser den Solo-Concert-Vorträgen\nlange Jahre hindurch Streich-Quartett-Unterhaltungen, classische\nOuvertüren, auch regelmässig Beethoven's grossartige Sinfonieen.\nAm Orchesterpulte war Schmidt ein mächtiger Führer der Ton-\nmassen. Ehre seinem Andenken !\nAm 25. d. Mts. veranstaltet Herf Gerrit Zillinger zum\nBesten der Invaliden u. s. w. der preussischen Krieger aus dem dä-\nnischen Feldzuge ein Kirchen-C oncert in der Martini-Kirche\nunter Mitwirkung der Damen Elise Polko und Joachim, der\nHerren Bietzacher und Pirk aus Hannover, mit einem Chor\nund Orchester von gegen 200 Personen. Programm: 1. Freie Phan-\ntasie auf der Orgel (Herr Zillinger). 2. Arie für Alt aus dem\nMessias (Frau Joachim). 3. Das Requiem von Mozart.\n(A. Bansi.)\nNach einem Repertoire-Berichte über die Aufführungen des\nherzoglichen Hoftheaters in Gotha im Januar und Februar d. J.\n(in der „Fackel\") sind daselbst Opern gegeben worden von David,\nAdam, Wagner („Fliegende Holländer\" mit grossem Beifalle), Meyer-\nbeer, Mozart (Don Juan Frau Donna Anna\nals Gast), Kreutzer, Langert, Rossini, Auber, Boieldieu, Lortzing\nund Sr. Hoheit dem Herzog von Coburg-Gotha (Sta. Chiara). Im\nDrama und Lustspiel haben Fräulein Janauschek und Frau Goss-\nmann „allgemeinen Enthusiasmus erregt\" trotzdem sagt der\nReferent nachher: „Am wenigsten sprachen uns (quod est notan-\ndum!) die Tragödien „„Phädra\"\", „„Medea\"\" (von Grillparzer) und\nIphigenia (von Goethe) als zu veraltet für die Darstel-\nlung und zu arm an Handlung an\"!! Und doch beurtheilt\nderselbe Referent die erbärmlichen Gurli-Stücke der Gossmann ganz\nrichtig!"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650325-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4082, "texte": "Iset*lii die Gast-Vorstellungen einer pariser Tänzer-\nGesellschaft df \" /fn Felix schreiben berliner Blätter unter Ande-\nrem, wie folgt: „Die Beize der pariser Tanzkunst eröffneten über-\nraschende Einblicke in die Mysterien der Natur. Das gesammte\nTanz-Contingent macht den Eindruck eines idyllischen Lebens\nim Paradiese, und kann man mit dem Dichter singen: „„Süsse, hei-\nlige Natur, lass' mich geh'n auf deiner Spur!\"\" Am eclatantesten\njedoch stellte sich der Cultus der freien Natur in den „„lebenden\nBildern\"\" dar. Liebhaber und Kenner tadellos schöner Formen ha-\nben hier eine Augenweide und Auswahl, wie sie schwerlich sich\nwieder so vereinen wird. Die Kritik sieht sich gezwungen, den\nFreiheiten der Tänzerinnen entgegen zu treten, gleichviel ob die\nNationalität derselben oder der dortige sittliche Zustand dergleichen\nAllotria zulässt; um so mehr aber muss es Wunder nehmen, dass\nunser Publicum förmlich Beifall zujauchzt, hinterher aber die\nPrüderie herauskehrt. Die Direction sieht jetzt volle Cassen,\nwährend bei harmlosen, ernsten Sachen Defecte sich darthun. Wer\nzwingt also eine Direction, zu Mitteln solcher Art zu greifen? Ant-\nwort: Ein im Geschmack total verdorbenes Publicum.\"\nWieil« Am 12. März ist endlich Meyerbeer's „Dinorah\"\nzum ersten Male in Wien gegeben worden (Fräul. von Murska)\nund hat sehr gefallen. Die „Recensionen bemerken dazu: „An den\nErfolg der Dinorah möchten wir schliesslich noch die Bemerkung\nknüpfen, dass die stehenden Redensarten über die Meyerbeer'sche\nReclame-Maschinerie denn doch sehr übertrieben sein mussten: ha-\nben wir doch jetzt erlebt, wie ein posthumes Werk, welches durch\nAufführung selbst auf den nächsten Provinzbühnen nicht einmal\nmehr das Interesse der Neuheit im vollen Maasse für sich hatte,\ndennoch so entschieden durchgreift, wie Meyerbeer es bei seinen\nLebzeiten nicht hätte besser wünschen können ein Beweis, dass\nhier das Talent, selbst in seiner relativen Dekadenz, noch immer\nstärker wirkte, als die vielberühmte Geschicklichkeit des Meisters,\nes zu verwerthen.\"\nDas diesjährige Concert des wiener akademischen Gesangvereins\nam 25. März (Mittags halb ein Uhr) im k. k. Grossen Redoutensaale\nbringt als Novität eine grössere Composition eines jungen, hier noch\nunbekannten Meisters, nämlich die „Frithjof-Sage, nach dem Ge-\ndichte von Esaias Tegndr, für Männerchor, Sopran und Bariton, Solo\nund Orchester componirt von Max Bruch\". Das Werk, kürzlich in\neinem Gewandhaus-Concerte in Leipzig unter Leitung des Compo-\nnisten aufgeführt, wurde von diesem dem wiener akademischen Ge-\nsangvereine zur ersten Aufführung in Wien als Manuscript über-\nlassen, und wird der Componist die hiesige Aufführung gleichfalls\nselbst dirigiren. Das Werk dürfte die öffentliche Aufmerksamkeit\num so mehr auf sich ziehen, als die „Loreley\" von demselben Com-\nponisten derzeit die Runde über die deutschen Bühnen macht.\n(81. f. M. u. Th.)\nDi\\ Karl Mendelssohn, ein Sohn Felix Mendelssohn-Bar-\ntholdy's, arbeitet an einer Biographie seines Vaters.\nDer bekannte italiänische Tenorist Giuglini ist nach einge-\ntroffenen Briefen aus Petersburg bei seiner dortigen Ankunft plötz-\nlich wahnsinnig geworden.\nliOlifloil. Ueber das 15. Concert dieser Saison im Krystall-\nPalaste unter der Leitung des Herrn A. Manns schreibt man\naus London: „Ein neuer Pianist trat zuerst mit einem Concerte auf,\nwelches, wenn auch nicht in London, doch im Krystall-Palaste neu\nwar und einen besonderen Anziehungspunkt bildete, und Beide, das\nConcert und der Spieler, hatten Erfolg. Es war das Concert in Eis-\nmoll von Ferdinand Hill er, einem vertrauten Freunde Mendels-\nsohn's und jetzt wohl dem Ersten unter den Componisten Deutsch-\nlands» Seitdem es in einem der philharmonischen Concerte von\nHiller selbst gespielt wurde, war es hier öffentlich nicht wieder\ngehört worden, konnte aber kaum unter günstigeren Umständen wie-\nder erscheinen, als in dem 15. Concerte im Krystall-Palaste, indem\nein ausgezeichneter junger Pianist, Herr Franklin Taylor, es\nmit einer vorzüglichen Technik, trefflichem Anschlag und ausdrucks-\nvollem Vortrage zur Geltung brachte.\""}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "89", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650325-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nFranz Schubert. Von Dr. Heinrich Kreissie von Hellborn. 111. Pariser Briefe („Der Saphir\", komische Oper\nin drei Acten, Musik von Felicien David)» Tages- und Unterhaltungsblatt (Lennep, ~Die letzten Dingeu von L. Spohr\nMinden, Joseph Schmidt f Gotha, Aufführungen im Hoftheater Berlin, Tänzer-Gesellschaft Wien, Meyerbeer's ~Dinorahu, Con-\ncert des akademischen Gesangvereins Biographie F. Mendelssohn's Der Tenor Giuglini London, Concert im Krystall-Palaste).\n\nFranz Schubert.\nVon Dr. Heinrich Kreissle von Hellborn.\nIII.\n(I. s. Nr. 10. 11. Nr. II.)\nWiewohl aus den beiden vorangegangenen Artikeln\nüber das biographische Werk von H. Rreissle von Hell-\nborn hinlänglich hervorgeht, welche Theilnahme das Buch\nin der musicalischen Lesewelt erregen muss, so wollen wir\ndoch zum Beschlüsse noch einige Stellen aus dem sieben-\nzehnten Abschnitte desselben: „Zur Charakteristik\",\nanführen, weil sie, anschliessend an das, was Anton\nSchindler in diesen Blättern (Jahrgang 1857) über\nSchubert gesagt, auf mündlichen und schriftlichen Mitthei-\nlungen der genaueren Freunde Schubert's: Spaun, von\nSchober, Sonnleithner, Kupelwieser, Bauern-\nfeld, Mayrhofer, Stadler und Anna Fröhlich be-\nruhen und am besten geeignet sind, Unwahres oder Ueber-\ntriebenes zu berichtigen. .\nDie äussere Erscheinung unseres Tondichters war\nnichts weniger als anziehend. Sein rundes, dickes, etwas\naufgedunsenes Gesicht, die niedere Stirn, die aufgeworfe-\nnen Lippen, buschigen Augenbrauen, die stumpfe Nase\nund das gekräuselte Haar gaben seinem Kopfe ein moh-\nrenartiges Aussehen, womit auch die auf dem Währinger\nFriedhofe befindliche Büste übereinstimmt*). Seine Statur\nwar unter Mittelgrösse, Rücken und Schultern gerundet,\ndie Arme und Hände fleischig, die Finger kurz. Der Aus-\ndruck seines Gesichtes konnte weder als geistreich, noch\nals freundlich gelten, und nur dann, wenn ihn Musik oder\nGespräche aufregten, besonders aber, wenn es sich um\nBeethoven handelte, fing sein Auge zu blitzen an und be-\nlebten sich die Züge.\nSo unscheinbar, fast abstossend sein Aeusseres, so\nschön und reich ausgestattet war sein Inneres. Alle dieje-\nnigen, welche Schubert näher gekannt haben, stimmen\ndarin überein, dass er ein vortreffliches Gemüth hatte,\ndass er ein guter Sohn war, seinen Geschwistern in Liebe\nund Anhänglichkeit zugethan, den Freunden ein wahrer\nFreund, wohlwollend, frei von Hass und Missgunst, hoch-\nherzig, begeistert für die Schönheiten der Natur und die\nihm heilige Kunst.\nIn seinem Wesen sprach sich eine gewisse Behaglich-\nkeit aus, und ein gutmüthiger Witz, der diesem Wohlbe-\nhagen entsprang, so wie sein Trieb nach Geselligkeit wa-\nren die Ursache, dass sich Menschen von heiterer Gemüths-\nart und leichtem Sinne gern ihm anschlössen.\nIhm waren Falschheit und Neid durchaus fremd\nso charakterisirt ihn J. Mayrhofer—: in seinem Wesen\nmischten sich Zartheit und Derbheit, Genusshebe mit Treu-\nherzigkeit, Geselligkeit mit Melancholie. Bescheiden, offen,\nkindlich, besass er Gönner und Freunde, die seinen Schick-\nsalen und Productionen herzlichen Antheil widmeten und\nauf jenen allgemeinen hinwiesen, welcher dem länger Le-\nbenden gewiss geworden wäre und dem in der Blüthe\nHingeschiedenen noch gewisser nachgetragen werden wird.\nIn der Regel begann Franz sein Tagewerk in den\nMorgenstunden, auf dem Bette sitzend und schreibend,\nund führte es ununterbrochen bis zur Mittagszeit fort. Da\nging denn sein ganzes Wesen in Musik auf; oft fühlte er\nsich von seinen Schöpfungen selbst ergriffen, und Augen-\nzeugen versichern, dass sie da an seinem leuchtenden Auge\nund der veränderten Sprache entnehmen konnten, wie\nmächtig es in seinem Innern arbeite. Allerdings kann\nSchubert nur in dem Sinne thätig genannt werden, dass\n\n*) Als nach der am 13. October 1863 vorgenommenen Ausgra-\nbung der irdischen Reste von Beethoven und Schubert die wohl-\nerhaltenen Schädel von Aerzten untersucht wurden, fanden sich\nKennzeichen musicalischen Sinnes weder bei Schubert noch bei\nBeethoven an jener Stelle vor, wo man diese sonst zu suchen ge-\nwohnt war."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "90", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650325-01.1.2", "texte": "er, rastlos aus sich herausschaffend, die Fülle seiner Ge-\ndanken auf dem Papier festzuhalten suchte. Zu dem, was\nman im gewöhnlichen Leben Arbeit nennt, und nament-\nlich zu aller mechanischen Arbeit, hatte er keine Lust,\nund dies, in Verbindung mit seiner nicht allzu geregelten\nLebensweise, die ihn verhinderte, mit der gewünschten\nPünktlichkeit bei Probestunden zu erscheinen, war wohl\nauch der Grund, dass er gewisse, die Verfügung über seine\nZeit beschränkende Anerbietungen consequent ablehnte.\nDer übrige Theil des Tages wurde dann eben so re-\ngelmässig dem geselligen \\ ergnügen, in schöner Jahres-\nzeit Ausflügen auf das Land, in Begleitung von Freunden\nund Bekannten geweiht.\nIn musicalischen Kreisen, besonders in eleganteren,\ndie er nur betrat, um aus Gefälligkeit seine Lieder zu\nbegleiten, war er schüchtern und wortkarg. Während er\nam Ciavier sass, machte er das ernsthafteste Gesicht, und\nwar die Sache zu Ende, so pflegte er sich in ein Neben-\nzimmer zurückzuziehen. Unbekümmert um Lob und Bei-\nfall, wich er den Complimenten aus und fühlte sich be-\nfriedigt, wenn ihm seine Freunde ihre Zustimmung be-\nzeigten.\nAnders war es, wenn er sich durch keine Fesseln der\nConvenienz beengt sah; da löste sich seine Zunge zu hei-\nterer Gesprächigkeit, es fehlte ihm dabei nicht an Witz\nund launigen Einfällen, und wenn er auch hier und da\nselbst stiller blieb, so nahm er doch Theil an der Lust der\nAnderen. Den Ausdruck lauter Fröhlichkeit kannte er\nnicht; sein Lachen bestand nur in einem etwas heiseren,\ngepressten Kichern.\nObwohl er selbst nicht tanzte, besuchte er doch zu-\nweilen die Hausbälle vertrauterer Familienkreise, stets\nbereit, sich zum Ciavier zu setzen, wo er dann stunden-\nlang reizende Tanzmusik improvisirte. Jene Stücke, die\nihm gefielen, wiederholte er, um sie im Gedächtnisse zu\nbehalten und sofort aufzuschreiben.\nHand in Hand mit seiner Bescheidenheit ging auch\ndie Achtung, die er für die musicalischen Leistungen An-\nderer, selbst im Liederlache, das er doch wie Keiner vor\nund nach ihm beherrscht hat, hegte.\nEs ist eine bekannte Thatsache, dass Schubert ein auf-\nrichtiger Verehrer des Weines war; ja, es gibt Leute,\nwelche ihn zum Trunkenbold zu stempeln suchen, wahr-\nscheinlich einiger harmlosen Excesse wegen, deren er sich\nallerdings schuldig gemacht hat.\nFranz liebte guten Wein. Da er ungeachtet der Vor-\nstellungen um seine Gesundheit besorgter Freunde nicht\nzu bewegen war, die Kraft des Getränkes durch Vermen-\ngung mit Wasser zu mildern, und da er nicht viel des\nWeines vertrug, so geschah es wohl, dass er, besonders\nim Gasthause in fröhlicher Gesellschaft, oder wenn in Pri-\nvathäusern „gute Sorten\" gereicht wurden, mitunter über\ndas Ziel hinausschoss und dann entweder aufbrausend\nund heftig wurde oder, wenn ihn der Wein schon betäubt\nhatte, in ein bedenkliches Stillleben versank, wo dann kein\nWort mehr aus ihm herauszukriegen war*).\nWenn viel und guter Wein auf dem Tische stand,\nmusste man auf Franzen ein wachsames Auge haben; so\nbezeugen ausnahmslos alle jene Personen, weiche aus die-\nser Schwäche Schubert's kein Hehl machen und Gelegen-\nheit hatten, ihn bei solchen Anlässen zu beobachten. Man\nist auch vielfach geneigt, den häufigen Genuss von Wein\nals die Ursache der Kopfleiden und Blutwallungen zu be-\nzeichnen, welchen er in den letzten Jahren seines Lebens\nunterworfen war, und selbst die Krankheit, der er so\nschnell erlegen, wenigstens zum Theil seiner Neigung zu\ngeistigen Getränken zuzuschreiben.\nAuf diese Thatsachen reducirt sich Schubert's „Trunk-\nboldenthum\"; der schlagendste Beweis aber dafür, dass\ner sich in der Regel in geordnet nüchternem Zustande\nbefunden, liegt in der Massenhaftigkeit der von ihm ohne\nZweilei in vollster Geisteskraft producirten Werke, welche\nein Mensch, der die ihm so karg zugemessene Lebenszeit\nnicht gehörig ausnützt, nimmermehr zu Stande bringen\nwürde.\nUebrigens wird auch Schubert, gleich vielen anderen\nbedeutenden Naturen, jenes so oft versagte Recht in An-\nspruch nehmen dürfen, bei seiner sittlichen Werthschätzung\nmit keinem anderen Maasse gemessen zu werden, als ge-\nwöhnliche Menschenkinder, deren Fehler und Schwächen\noft gar nicht beachtet oder wenigstens mit Schonung be-\nurtheilt werden, während dieselben Mängel an hervor-\nragenden Menschen als wesentliche Charakterzüge ange-\nnommen und dasjenige, was menschliche Schwäche war,\nnur zu gern als Laster hingestellt wird**).\nDem weiblichen Geschlechte gegenüber war Franz\nnichts weniger als unempfindlich. Die sinnlichen Neigun-\ngen traten übrigens bei ihm keineswegs in dem Grade\näusserlich hervor, als dies sonst bei Menschen von so leb-\nhafter Phantasie der Fall zu sein pflegt. Ueber das senti-\nmentale Verliebtsein der Freunde machte er sich gern\n\n*) Wenn er im Gasthause etwas „über die Taxe\" getrunken\nhatte, pflegte er dem Kellner, sobald es zum Zahlen kam, verstoh-\nlen unter dem Tische die Hand zu zeigen, der dann an der Zahl\nder vorgestreckten Finger die Zahl der vertilgten Seidel abzuzählen\nhatte. Ein Freund Schubert's erwähnt auch gern des so ge-\nnannten „vertrunkenen Quartetts\", eines Männer-Quartetts,\nwelches, bevor es Schubert oomponirt hatte, auch schon „vertrun-\nken\" war.\n**) So ist es auch Mozart ergangen. (S. Otto Jahn, 111. Band,\n8. 173 ff.)"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650325-01.1.3", "texte": "lustig; er selbst aber blieb nicht frei davon. Einer Her-\nzensneigung wurde bereits gedacht, an anderen dürfte es\nnicht gefehlt haben; sie waren aber alle vorübergehender\nNatur und weit entfernt, ein dauerndes Verhältniss zu be-\ngründen. Uebrigens hat Schubert (wie mir v. Schober mit-\ntheilte) gerade über derlei Beziehungen selbst seinen ver-\ntrautesten Freunden gegenüber grosse Zurückhaltung\nbeobachtet.\nVon den Aufführungen seiner Werke hielt er sich\ngewöhnlich fern. Bescheidenheit war ein Hauptzug seines\nCharakters; nur wenn er den Druck der äusseren Ver-\nhältnisse zu sehr fühlte und den schmerzlichen Gedanken,\nwelch verhältnissmässig geringer Lohn seinen Leistungen\nzu Theil werde, nicht mehr von sich abweisen konnte,\nmachte er seinem Unmuthe in Worten Luft, welche sich\nvon Bitterkeit nicht frei hielten und zugleich verriethen,\ndass er von dem Bewusstsein seines Werthes erfüllt war.\nSein von Natur aus schüchternes Wesen und unange-\nnehme Erfahrungen, die ihm sein schlichter, gerader Sinn\nund seine unumwundene Wahrheitsliebe bereitet haben,\nhielten ihn von der geräuschvollen Welt und ihrem Trei-\nben um so entfernter, als sein allem Flitter abholdes We-\nsen für dieselbe nicht passte, und er der Gefahr, miss-\nverstanden zu werden, auf diesem Wege am sichersten\nauswich.\nIn den letzten Jahren seines kurzen Erdenwallens\nscheint der Ernst des Lebens in stärkerem Maasse; als dies\nfrüher der Fall war, über ihn gekommen zu sein, doch\nohne dass sich sein von Natur aus heiterer Sinn in Unmutb\nund thatenloses Hinbrüten verwandelt hätte. Vor derlei\nGemüths-Zuständen bewahrte ihn wenigstens für die\nDauer seine sich gleich bleibende überschwängliche\nProductionskraft*), von welcher die Werke eben dieser\nPeriode beredtes Zeugniss ablegen. Die in Schubert er-\nwachte Sehnsucht, sich eine gesicherte Existenz zu grün-\nden, die Nichterfüllung der damit in Verbindung gestan-\ndenen Hoffnungen, und mehr als dieses noch ein andauern-\ndes Unwohlsein mögen zu- jener Gemüths-Verstimmung\nwesentlich beigetragen haben, und so fanden auch die\ndüsteren Gesänge der „Winterreise\" in der Phantasie\ndes Tondichters fruchtbaren Boden. Ob die Composition\ndieser Lieder den Druck seiner physischen und morali-\nschen Leiden noch vermehrt habe, wie von mancher Seite\nbehauptet wird, möge dahingestellt bleiben**); es liegt\nvielmehr der Gedanke näher, dass er sich durch die künst-\nlerische Bearbeitung jener Reihe von Gedichten, deren\nGelingen ihm wahre Befriedigung gewährte, von der trü-\nben Weltanschauung befreit habe, wie denn auch die vie-\nlen nach der „Winterreise\" entstandenen Compositionen\nkeinen Schluss mehr auf umdüsterte Seelenzustände ce-\nstatten.\nEs hat aber vielleicht ausser ihm keinen grossen Ton-\ndichter gegeben, dessen äussere Existenz von der Kunst\nso gänzlich losgelöst und in keiner Beziehung zu derselben\ngestanden hat. Sein Erdenwallen zog so ereignisslos und\nunscheinbar vorüber und stand so ganz ausser allem Ver-\nhältnisse zu den Werken, welche dieser wie vom Himmel\ngefallene Genius geschaffen hat, dass man sich zuletzt im-\nmer nur an diese wird halten müssen, um des reichen\nSchatzes von Geist und Gemüth gewahr zu werden, der\nin Schubert gelegen hat.\nIm gewöhnlichen Leben (sagt Franz Schober von ihm)\nwar nur Wenigen, und diesen in seltenen geweihten Stun-\nden, Gelegenheit geboten, sich zu überzeugen, welch ein\nSeelenadel ihn auszeichnete, und sie entnahmen dies aus\nZeichen und Worten, welche sich nicht leicht wiederholen\nund beschreiben lassen.\nWas die äusseren Verhältnisse Schubert's betrifft, so\nweist Herr von Kreissie die oft wiederholte Behauptung,\ndass die Gleichgültigkeit des wiener Publicums und die\nUmgebung schlimmer Freunde für die gedrückte Lage,\nin der er sich nicht selten befunden, verantwortlich zu\nmachen sei, auf das rechte Maass zurück.\nAllerdings sagt er S. 199 hatte Schubert, wie\ndies auch bei anderen Meistern in seiner Kunst der Fall\nwar, gegen den Unverstand und Eigennutz der Verleger\nzu kämpfen, auch das grosse Publicum war nicht immer\ngeneigt, seine Compositionen nach Gebühr zu würdigen,\nund selbst dem wiener Musikvereine, der doch berufen\nwar, die Tonkunst in jeder Weise zu fördern und nament-\nlich einheimische Talente zu unterstützen, konnte er nur\nzu geringem Danke verpflichtet sein; denn dieser hat. wie\n\n*) So brachte er nach Vollendung des ersten Theiles der „Win-\nterreise\" einige Zeit recht heiter in Graz zu und vollendete nach\nseiner Rückkehr den zweiten Theil derselben.\n**) So sagt J. Mayrhofer (Erinnerungen an Franz Schubert):\n„Schon die Wahl der ..„Winterreise\"\" beweist, wie der Tonsetzer ern-\nster geworden. Er war lange und schwer krank gewesen, er hatte\nniederschlagende Erfahrungen gemacht, dem Leben war die Rosen-\nfarbe abgestreift; für ihn war der Winter eingetreten. Die Ironie des\nDichters, in Trostlosigkeit wurzelnd, sagte ihm zu; ich wurde\nschmerzlich ergriffen.\" Spaun theilt in seinen Aufzeichnungen\nmit, Schubert habe die Vollendung der „Winterreise\" den Freunden\nmit den Worten kundgegeben: „Ihr werdet den Grund meiner dü-\nsteren Stimmung bald erfahren, ich werde euch bei Schober schauer-\nliche Lieder vorsingen, sie haben mich selbst angegriffen.\" Scho-\nber erklärt sich gegen jede derartige Ausschmückung,\nund auf Schubert's eigene Productionskraft hinweisend, behauptet\ner, der Tondichter habe eben in seiner kleinen Bibliothek, die ihm\nSchober eingerichtet hatte, Müllems Lieder vorgefunden, sich von\ndenselben angezogen gefühlt und sie, so wie viele andere Gedichte»\nin seiner Weise musicalisch stimmungsvoll wiedergegeben.\n[*l"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650325-01.1.4", "texte": "die Concert-Programme unwiderleglich darthun, verhält-\nnissmässig wenig Notiz von ihm genommen und an der\ngrossen C-Sinfonie zwiefaches Unrecht begangen. Damit\nist aber noch nicht dargethan, dass Schubert von aller\nWelt verlassen und verrathen im Leben dagestanden habe,\nund dass er genöthigt gewesen sei, sein Talent nur zum\nVortheil Anderer ausnützen zu lassen. Es hat ihm zu kei-\nner Zeit an theilnehmenden Menschen gefehlt, welche sein\nGenie erkannten und ihn mit Rath und Thal zu unter-\nstützen bereit waren. Dass er sich zu diesen nicht in glei-\nchem Maasse hingezogen fühlte, sondern, seiner Neigung\nfolgend, mit Personen verkehrte, die sich wohl seiner Lie-\nder freuten, aber in ihm mehr den gemüthlichen Gesell-\nschafter als den schaffenden Künstler hochschätzten, und\ndie, zum Theil selbst mit ihrer Existenz ringend, nicht in\nder Lage waren, ihm thatkräftig unter die Arme zu grei-\nfen, kann weder diesen noch jenen zum Vorwurf gemacht\nwerden.\nDie wenigen günstigen Gelegenheiten, welche sich ihm\nzur Consolidirung seiner äusseren Lage darboten, liess er\n(wenn die mir darüber gemachten Mittheilungen auf\nWahrheit beruhen) ungenützt vorübergehen. Vollkommene\nFreiheit der Bewegung war das Element, in welchem er\nsich wohl fühlte und dem er alle anderen Rücksichten\nzum Opfer brachte. Während er aber diese Unabhängig-\nkeit auf der einen Seite wirklich erwarb und bewahrte,\nging er derselben in anderer Beziehung verlustig. Auf\nSchubert's künstlerisches Wirken waren diese Verhältnisse\nallerdings von keinem Einflüsse. Sein Productions-Vermö-\ngen wurde durch die Unbilden des Lebens nicht gehemmt;\ntrotz bitterer Erfahrungen hat er seine Mission in herr-\nlicher Weise erfüllt und in dem Bewusstsein seines Wer-\nthes und dem Glücke unversiegender Schaffenskraft reichen\nErsatz für den Abgang anderer Erdengüter gefunden.\nWenn Schubert auch nicht seine Werke aus Specu-\nlation, wie Beethoven besonders in seinen letzten Jahren\nes that, hohen Potentaten dedicirte, so kommen doch auch\nbei ihm Einnahmen durch Dedicationen vor. So schreibt\ner z. B. an einen Freund: „Meine Dedicationen haben\nihre Schuldigkeit gethan, der Patriarch (Ladislaus Pyrker,\nOp. 4, drei Lieder) hat 12 und Graf Friess (Op. 2, „Gret-\nchen\") 20 Ducaten springen lassen.\" (S. 231.)\nNach der begeisterten Aufnahme des „Erlkönigs\"\nbemühten sich die wiener Musik-Verleger gar sehr um\nSchubert'sche Compositionen. Die bei Cappi und Diabelli\nin Commission herausgegebenen zwölf Werke hatten über\n2000 Gulden eingetragen und von dem „Erlkönig\" allein\nwaren im Jahre 1821 bis zum 1. October schon für 800\nFl. Exemplare abgesetzt (wovon Diabelli 50 pCt. erhal-\nten haben soll!).— „Schubert (heisst es S. 267) hatte es\ndamals in seiner Macht, für seine materielle Existenz einen\nsoliden, dauernden Grund zu legen und von seinen Wer-\nken grossen Vortheil zu ziehen. Aber dem in Erwerbs-\ngeschäften Unerfahrenen, nur für den Augenblick Sorgen-\nden war es nicht gegeben, diese günstigen Verhältnisse zu\nbenutzen.\" Ohne Wissen seiner Freunde verkaufte er\nan Diabelli die Platten und das Eigenthumsrecht von 12\nWerken für 800 Fl., und darunter waren „Erlkönig\",\n„Gretchen\", „Der Wanderer\", „Rastlose Liebe\", die\ndrei Sonaten in H, D, El—Dergleichen Einnahmen gin-\ngen bald wieder drauf, und manche Verleger benutzten\nspäter seine Geldverlegenheiten, die ihn zu geringen, ja,\nfast erniedrigenden Forderungen zwangen, dazu, diese\nhöchst bescheidenen Preise noch auf die Hälfte herunter\nzu dingen.\nDie Abschnitte XVIII und XIX der Biographie (S.\n485 582) enthalten eine Ueberschau und Charakte-\nristik der musicalischen Leistungen Schubert's, letztere in\neiner Zusammenstellung der Urtheile Anderer mit den\neigenen des Verfassers. Ihnen schliesst sich zuletzt das\nVerzeichniss von Schubert's Compositionen an (S. 590\nbis 618), was zwar vollständig zu sein scheint, in so weit\ndies auch für die nicht gedruckten Sachen möglich ist,\naber in Bezug auf unterscheidbare Classificirung Manches\nzu wünschen übrig lässt, wie man z. B. gleich bei den\nLiedern erst nach genauerer Einsicht herausfinden muss,\ndass die zweite Rubrik: „Lieder aus dem Nachlasse\", eine\nUnter-Abtheilung der ersten („im Stich erschienene Lie-\nder\") ist.\nDie Zahl der durch den Stich veröffentlichten Lieder\nbeträgt jetzt dreihundert und sechszig. Vorhanden\nsind aber nahezu an sechshundert, theils in Autogra-\nphen,theils in Abschriften, namentlich in derWitteczek'schen\nAbschriften-Sammlung. Bei Schubert's Lebzeiten sind nur\neinhundert erschienen. Unter der Gesammtzahl sind\nsechszig Gedichte von Goethe*). Das Verzeichniss der\nnoch ungedruckten weist an zweihundert nach, meist aus\n1814, aber auch aus den schönsten Liederjahren 1816\nbis 1819.\nDann folgen mehrstimmige Gesänge (nach dem\nthematischen Kataloge von Breitkopf und Härtel) und\ndreissig ungedruckte, theils für gemischte, theils nur für\nMännerstimmen, darunter „Chor der Engel\" aus Goethe's\n\n*) Schubert schickte einmal an Goethe auf den Rath eines\nFreundes ein geschriebenes Heft („An Schwager Kronos\" „An\nMignon\" „Ganymed\") mit dcdicirendeni Schreiben, hat aber keine\nAntwort erhalten. Aus von Wollzogen's „Wilhelmine Schröder\" er-\nfahren wir, dass Goethe erst in seinen letzten Lebensjahren durch\nden Vortrag des „Erlkönigs\" ergriffen wurde, wiewohl er früher\ndiesen und andere Lieder von Schubert gut hatte vortragen hören."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650325-01.1.5", "texte": "„Faust\", „Lützow's wilde Jagd\", Klopstock's Schlachtge-\nsang (dreistimmig) u. s. w. Unter den noch unveröffent-\nlichten erregt eine italiänische Cantate für Männer-\nchor und am Schlüsse einfallenden vollständigen Chor mit\nBegleitung von zwei Ciavieren aus dem Jahre 1827 Auf-\nmerksamkeit. Eben so dürfte eine vierhändige So-\nnate in Es-mollaus dem Jahre 1828 (Autograph angeb-\nlich bei Diabelli) höchst interessant sein. Die vierhändige\nPhantasie in F-moll, als Op. 103 gedruckt, ist der Gräfin\nCaroline Esterhazy nicht von Schubert, sondern von den\nVerlegern gewidmet. Auch die Manuscripte von vier bis\nsechs Violin-Quartetten liegen noch bei Diabelli. Die jetzt\nbekannte Sinfonie in C-dur(1828) ist die siebente;\nsechs andere aus den Jahren 1813 —lBlB sind noch im\nManuscript vorhanden.\nSchubert's Messe in G für vier Singstimmen und Or-\nchester (1815) erschien als eine Composition von Robert\nFührer (-{• 1861) in Prag bei Marco Berra!\n\nPariser Brief.\n(„Der Saphir\", komische Oper in drei Acten, Musik von\nFelicien David.)\nDen 19. März 1865.\nAm 8. März brachte das Theater der\ndas neue Werk von Fölicien David, eine dreiactige\nkomische Oper, deren Stoff nicht weniger als drei Arbei-\nter, die Herren de Leuven, Michel und Hadot, aus\ndem Lustspielschacht Shakespeare's, der jetzt an die Reihe\nkommt, nachdem der tragische bereits für die Opernfabrik\nso ziemlich erschöpft ist, ausgebeutet haben. Indessen ha-\nben sie des grossen Briten „Ende gut, Alles gut\" so echt\nfranzösisch umgemodelt, dass nicht viel davon übrig ge-\nblieben, aber dafür eine lebhaft fortschreitende und im\nzweiten Acte parisisch pikante Handlung mit amüsantem\nDialog zum Vorschein gekommen ist.\nDa in dem Buche ausser dem Saphir nichts Orienta-\nlisches ist, sondern europäische Landschaft mit der ge-\nwöhnlichen Staffage der französischen komischen Oper,\nals da sind coquette Frauen und verliebte Ritter, Stell-\ndicheins und Quiproquo's, so hat man denn, wie in solchen\nFällen hergebracht, noch ehe man die Oper gesehen und\nauch nach der ersten Vorstellung von der Metamorphose\nder Schreibart David's viel Wesens gemacht, der da aus\nArabiens Wüste, der tropischen Welt Westindiens, den\nRosengebüschen von Kaschmir nach Frankreich zurück-\ngekehrt sei, wo bekanntlich kein Boden für die träumeri-\nschen Klänge und die Düfte der morgenländischen Selams\nin Tönen vorhanden ist. Es ist aber mit dergleichen Meta-\nmorphosen eine eigene Sache: musicalische Genies, die\nAlles können, die neben einem Sarastro einen Papageno,\nneben einer Zerline eine Donna Anna, neben einem Com-\nthur einen Leporello und so fort charakterisiren können,\nsolche Genies haben wir nicht mehr, und desshalb ist es\nimmer gefährlich, wenn einer den Ruf, den er durch eine\nSpecialität erlangt hat, durch das, was man im Berufsleben\neine Umsattlung nennt, aufs Spiel setzt. Der Hippogryph\nist ein störrisches Thier; es lässt sich nicht von Jedem\nnach beliebiger Schule reiten, ausser von geborenen Mei-\nstern, die in allen Sätteln gerecht sind.\nDie junge Königin von Navarra ist glücklich über die\nGenesung ihres Kindes, welche Hermine, die verwaiste\nTochter eines Arztes, bewirkt hat. Aus Dankbarkeit ver-\nspricht sie, Herminens Wunsch, ihren Gutsherrn, den\nGrafen Gaston, zum Manne zu bekommen, zu erfüllen.\nDer Graf, eben von Paris zurückgekehrt, hat mit Vergnü-\ngen seine Milchschwester und Jugendgespielin Hermine\nwiedergesehen, sie gefällt ihm, aber an eine Heirath denkt\ner natürlich auch nicht im entferntesten. Die Königin\nkennt seinen Stolz und seine Frivolität und bringt ihn\ndesshalb durch eine List in die Capelle, wo Hermine im\nBrautstaate seiner harrt und Gaston dem ausdrücklichen\nWillen der Königin, sich mit ihr trauen zu lassen, nichts\nentgegensetzen kann. Er verlässt aber seine Galtin auf der\nStelle, hinterlässt ihr einen Brief, dass er sie nie als seine\nFrau anerkennen würde, bis er ihr den Familienring mit\neinem Saphir, den die Grafen von Lusignan als Pfand\nihrer Braut geben müssten, selbst an den Finger steckte,\nwas er niemals thun würde. Darauf reist er mit seinem\nPagen und einem Capitän „Parole\", der allein beibehal-\ntenen Shakespeare'schen Figur eines renommistischen Pol-\ntrons, ins Lager der Franzosen vor Neapel.\nDort finden wir im zweiten Acte ihn und seine Be-\ngleiter. Sie besuchen gern dieLocanda der hübschen Fiam-\nmetta, die den Pagen am liebsten von allen Dreien hat,\naber in grosse Verlegenheit kommt, da ihr jeder der\nHerren für sich ein Stelldichein auf den Abend ankündigt.\nc 5\nGlücklicher Weise für sie präsentirt sich eine Dame bei\nihr, die keine Andere ist, als die verlassene Gräfin Her-\nmine, welche die Spur ihres trotzigen Gatten gefunden\nhat. Gegenseitiges Vertrauen führt zur Verabredung einer\nnächtlichen Gartenscene ä la„Figaro's Hochzeit\" und zu\neinem Quartette ä la „Faust\", indem Gaston die als Fiam-\nmetta verkleidete Hermine und Parole eine alte Tante der\nFiammetta mit Liebesanträgen überhäufen. Hermine weiss\naber den Grafen so verliebt zu machen, dass er ihr den\nRing mit dem Saphir an den Finger steckt. Ehe er die\nFrüchte einer so ausgezeichneten Galanterie pflücken kann,\nwird Lärm im Lager geblasen—ein Streich, den der Page"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "94", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650325-01.1.6", "texte": "ihm spielt aus Eifersucht auf die diesmal wenigstens ganz\nunschuldige Fiammetta. Natürlich fällt hier der Vorhang\ndes zweiten Actes.\nIm dritten Acte ist die ganze Gesellschaft wieder nach\nBearn versetzt. Der Graf ist der Kriegs- und Liebes-Aben-\nteuer vor Neapel überdrüssig geworden und erscheint an\neinem schönen Abende wieder auf seinem Schlosse. Dort\nfindet er ein glänzendes Fest, bei dem seine Frau die lie-\nbenswürdigste Wirthin macht, sich aber sehr wenig um\nihren Gatten bekümmert. Aerger und Liebe, denn Her-\nmine ist gar zu reizend und wird von den Grossen des\nHofes umschwärmt, bringen ihn dahin, auf sein Recht als\nGatte Anspruch zu machen. Hermine macht natürlich das\nGeschenk des Ringes mit dem Saphir zur Bedingung und\nlässt den verblüfften Gaston stehen.— Glücklicher Weise\nsind Fiammetta und ihre Tante Lucrezia auch auf dem\nSchlosse; die Gräfin hat sie aus Dankbarkeit mit dorthin\ngenommen. Gaston verlangt seinen Ring von Fiammetta,\ndiese foppt ihn mit dem Vorgeben, dass er in jener italiä-\nnischen Nacht nicht mit ihr, sondern mit ihrer alten Tante\nim Garten gewesen sei; er ist ausser sich vor Wuth, zu-\nmal, da auch Lucrezia nichts von einem Ringe wissen will\nund in Parole ihren Mann wiedergefunden hat, der sie\nvor Jahren treulos verlassen. Nachdem das Spiel lange\ngenug gedauert, löst Hermine endlich das Räthsel und\nAlles ist zufrieden.\nEs lässt sich nicht läugnen, dass die Verfasser des\nBuches eine Menge von oft dagewesenen und seit Boccaz\nvielfach benutzten Intriguen auf eine geschickte Weise\nzu einem Lustspiel-Imbroglio voll Scherz und Leben ver-\narbeitet haben, und in Frankreich wenigstens, und für\nFranzosen ist es ja geschrieben wird das Buch die Mu-\nsik halten. Denn diese dürfte nur in wenigen Nummern\neine dauernde Lebenskraft haben.\nDass der Charakter und das Colorit der Musik von\nder früheren Manier David's, die auch selbst in seiner\nheroischen Oper „Herculanum\" zum nicht geringen Theile\nnoch sichtbar ist, ganz und gar abweicht, ist freilich dem\nStoffe gemäss und das Gegentheil würde ein Fehler sein.\nAllein dieser „Saphir\" beweist, dass David's Inspiration\nihren engen Kreis hat, oder richtiger gesagt sie bestä-\ntigt den Satz, dass der Erfolg einer Manier überhaupt,\nmag sie auch glücklich getroffen und mit Talent durch-\ngeführt sein, doch einen wahren Künstlerruhm nicht be-\ngründen kann, weder in der Malerei noch in der Musik.\nDie hiesige Kritik windet sich in glatten Redensarten durch\ndie enge Pforte, an deren Pfeilern auf der einen Seite die\nWahrheit, auf der anderen David's Autorität Wache hält,\ndenn das Gute hat die hiesige Organisation der dramati-\nschen Republik, dass, wer einmal Consul gewesen, immer\nConsul bleibt, wenn er auch einmal einen unpolitischen\nStreich macht oder selbst eine Niederlage erleidet. Nun\nwill ich freilich nicht sagen, dass David eine Niederlage\nerlitten habe, aber der Eindruck des ganzen ersten Actes\nwar nicht weit davon entfernt, obgleich der Introductions-\nChor gleich da capo verlangt wurde—die Freunde hatten\nEile! —; bei der zweiten und dritten Vorstellung war das-\nselbe nicht der Fall, indess behauptet man, dass diese bei-\nden Wiederholungen der Oper im Ganzen zu grösserer\nAnerkennung verholfen haben.\nDieser Chor, nach einer kurzen Ouvertüre mit dem\nAnklänge an das Finale vom ersten Acte, ist frisch im Mo-\ntiv, aber entwickelt am Ende eine Klangfülle mit obliga-\ntem Blech, die gar sehr gegen die feine Instrumentirung\nder Oper „Lalla Rookh\" absticht. Mit Ausnahme eines\nKirchenstückes hinter den Coulissen, das zu der Scene\nzwischen der Königin und Hermine bei den Haaren her-\nbeigezogen ist, um die Genesung des Prinzen zu feiern,\nund dessen musicalische Wirkung durch den fortgehenden\nDialog der beiden Frauen auf der Bühne (!) gestört wird,\nhaben mir sämmtliche folgende Stücke des Actes sehr\nwenig gefallen, und die Krone geschmackloser Musik ist\ndas recitativische Arioso Herminens, in welchem sie den\nInhalt des langen Scheidebriefes ihres Gatten vordeclamirt!\nAuch die Soli des Gaston (Tenor) und der Hermine, so\nwie ihr Duett, liessen kalt. Der erste Act\nlanguissant\", d. h. langweilig.\nDie Musik des zweiten Actes ist jedenfalls besser; dass\ndieser Act aber »den Erfolg entschieden habe\", wie ein\nund das andere Blatt höflich genug ist, zu behaupten,\nmöchte ich nicht unterschreiben.\nEr beginnt mit einem Trinkchor im Lager, der leben-\ndig und glänzend ist, ohne eben originel zu sein. Ein Lied\nder Fiammetta fällt aber dennoch sehr dagegen ab. Das\nQuartett ä laFaust, das ich oben schon erwähnt habe,\nbeginnt mit hübschen langen Melodieen, schliesst aber\nmit einem Allegro in der jetzt beliebten syllabischen\nManier, welche, wenn sie musicalisch sein und nicht\n\"bloss eine Art von Pizzicato-Gesang liefern soll, einen Mo-\nzart oder Rossini zum Componisten verlangt. Hervorzuhe-\nben ist ausserdem ein Matrosen-Chor und eine Romanze\nfür Tenor.\nIm dritten Acte nimmt der Dialog und die Fopperei\nGaston's den meisten Raum ein. Der Entreact, welcher\ndas Fest, das Hermine gibt, vorbereitet, bildet mit Be-\nnutzung einer pyrenäischen Volksmelodie ein sehr hüb-\nsches Instrumentalstück, dessen Motive bei der Aufführung\nder Sarabande auf dem Balle im Schlosse vom Chor ge-\nsungen und im Orchester auf originelle Weise begleitet\nwerden. Die übrigen Gesangstücke bieten weder im guten"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650325-01.1.7", "texte": "noch schlimmen Sinne etwas Auffallendes dar; sie bleiben,\netwa mit Ausnahme der Arie Gaston's: „C'est pour vom\nseule, Hermine*, im Geleise des Gewöhnlichen und mit\ndem Geschick eines routinirten Musikers Gemachten.\nDem Nachrufe an den Herzog von Morny widmen\nauch die musicalischen Blätter ihre Spalten. Der Herzog\nwar ein grosser Beschützer der Tonkunst; selbst musica-\nlisch gebildet, hatte er in den letzten Jahren unter dem\nNamen Saint-Remy mehrere Compositionen von sich\ndrucken lassen. Für einen unentgeltlichen Lehrcursus für\nGesang- und Schullehrer, welche die Methode Cheve's\nstudiren wollen, hat er noch kurz vor seinem Tode eine\nSumme bestimmt, und dieser Cursus wird bereits in die-\nsen Tagen beginnen.\nDie „Zauberflöte\" macht noch immer volle Häu-\nser im Theätre lyrique. Roger hat sich definitiv hier nie-\ndergelassen, wird Gesang-Unterricht geben und in Con-\ncerten singen.\nDie kleine und zarte Italiänerin Vitali, die vorigen\nSommer mit einem Theile des hiesigen Personals der ita-\nliänischen Oper am Rheine in Köln, Frankfurt u. s. w.\nwar, hat trotz der schwierigen Aufgabe, die Adelina Patti\nin mehreren Rollen derselben zu ersetzen, als Norina in\n„Don Pasquale\" am 15. d. Mts. sehr gefallen und wird\nin diesen Tagen auch die Martha singen.\n(Schluss folgt.)\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nIn Lennep wurde am 12. d. Mts. unter Leitung des Herrn\n0. Standke das Oratorium „Die letzten Dinge\" von L. Spohr\naufgeführt.\nblinden, 20. März. (Joseph Schmidt f.) Heute wurde zu\nBückeburg ein Mann in das kühle Grab gebettet, der in der\nBlüthezeit seines Lebens auch hier vielfach thätig war. Seinem Für-\nsten war er ein treuer Beamter, seinen Mitbürgern ein biederer, offe-\nner Charakter, der Kunst ein würdiger Priester, und als Mensch\nhasste er Charlatanerie und Kriecherei. Da dieser Mann der am\n15. d. Mts., früh 123/4 Uhr, verstorbene fürstliche Hof-Capellmeister\nJoseph Schmidt—seit langen Jahren, beinahe ein halbes Jahr-\nhundert hindurch, in seiner Vaterstadt wirkte, da er fast Jedem da-\nselbst ein lieber Lehrer gewesen, so konnte es nicht befremden,\ndass die Theilnahme am Geleite zur ewigen Ruhestätte eine so aus-\nserordentlich grossartige war. Wir kannten den Dahingeschiedenen\nseit unserer Jugendzeit, und da wir bis zu seinem Tode sein Ver-\ntrauen besassen, so finden wir uns nicht nur berufen, sondern auch\nverpflichtet, eine Notiz über sein thätiges Leben zu geben. Der\nVerstorbene war am 26. September 1795 zu Bückeburg geboren,\nwoselbst sein Vater, Johannes Schmidt (geb. im Jahre 1757 zu Kin-\nderich im Rheingau), welcher mit den Gebrüdern Romberg in Mün-\nster zum gründlichen und trefflichen Violinisten gebildet, die Stelle\neines fürstlichen Hofmusicus bekleidete. Den ersten Violin-Unter-\nricht erhielt der Knabe durch seinen Vater, spielte schon früh in\nder fürstlichen Hofcapelle mit und kam in seinem siebenzehnten\nLebensjahre (1812) nach Braunschweig als erster Violin- und Solo-\nspieler an das herzogliche Hoftheater. Dort wurde sein zweiter Leh-\nrer der Concertmeister Macourt, ein berühmter Violinspieler in Dop-\npelgriffen. Im Jahre 1810 trat er als Kammermusicus in die Capelle\ndes Herzogs Ernst zu Coburg, und Ende des Jahres 1817 wurde er\ndurch seinen Landesfürsten, dessen grosses Wohlwollen er bis zu\ndessen letzter Stunde besass, nach Bückeburg zurückberufen. Im\nMärz 1818 reiste er nach Italien und studirte die Theorie der Mu-\nsik zwei Jahre lang bei seinem Onkel, dem königlich sardinischen\nHof-Capellmeister Heinrich Küster in Turin, welcher früher Capell-\nmeister in Stockholm war. In Turin wurde Mallini sein Lehrer für\nVioline, Gesang studirte er bei Testore. Von Turin wandte er sich\nnach Genua, Pavia und Mailand, besuchte das dortige Conservato-\nrium und bildete sich in Einübung des Chorgesanges aus. Darauf\nbereiste er die Schweiz, Würtemberg, das südliche Deutschland, die\nRheinlande, Belgien, das nördliche Frankreich, Preussen, Mecklen-\nburg u. s. w. Im Jahre 1840 wurde er zum Musik-Director und\n1852 zum Capellineister und Dirigenten der fürstlichen Hofcapelle\nernannt. Von seinen Compositionen sind wenige edirt. Er schrieb\nLieder und Duette, Psalmen, Potpourris, Streich-Quartette. Grössere\nSachen von ihm sind ein „Hallelujah\" (Text von Niemeier), „Maria\nLobgesang\" und das Oratorium „Die Geburt Christi\" (Dichtung von\nVictor von Strauss). Die letzte Aufführung dieses Werkes fand am\n4. Juni 1856 Statt. Schmidt war ein trefflicher, solider Geiger, als\nbewährter und gründlicher Dirigent wird er schwer zu ersetzen sein.\nHier in Minden hat J. Schmidt von 1820—1848 vielfach gewirkt,\nwohl in allen Concerten, welche unter der tüchtigen Leitung des\nHerrn Fleischhauer Statt fanden. Auch dieser alte Freund machte\nheute den trüben Gang zum Friedhofe mit. In den hiesigen Con-\ncerten wirkten damals regelmässig auch andere gewiegte Kräfte aus\nder Hofcapelle mit, theils im Orchester, theils durch Solo-Vorträge,\ndenn Jeder war ein Meister auf seinem Instrumente. Wir erinnern\nan die Namen Zschokko, Witting, Lübke und Gebrüder Küster. Viel\nGutes kam damals zu Gehör: ausser den Solo-Concert-Vorträgen\nlange Jahre hindurch Streich-Quartett-Unterhaltungen, classische\nOuvertüren, auch regelmässig Beethoven's grossartige Sinfonieen.\nAm Orchesterpulte war Schmidt ein mächtiger Führer der Ton-\nmassen. Ehre seinem Andenken !\nAm 25. d. Mts. veranstaltet Herf Gerrit Zillinger zum\nBesten der Invaliden u. s. w. der preussischen Krieger aus dem dä-\nnischen Feldzuge ein Kirchen-C oncert in der Martini-Kirche\nunter Mitwirkung der Damen Elise Polko und Joachim, der\nHerren Bietzacher und Pirk aus Hannover, mit einem Chor\nund Orchester von gegen 200 Personen. Programm: 1. Freie Phan-\ntasie auf der Orgel (Herr Zillinger). 2. Arie für Alt aus dem\nMessias (Frau Joachim). 3. Das Requiem von Mozart.\n(A. Bansi.)\nNach einem Repertoire-Berichte über die Aufführungen des\nherzoglichen Hoftheaters in Gotha im Januar und Februar d. J.\n(in der „Fackel\") sind daselbst Opern gegeben worden von David,\nAdam, Wagner („Fliegende Holländer\" mit grossem Beifalle), Meyer-\nbeer, Mozart (Don Juan Frau Donna Anna\nals Gast), Kreutzer, Langert, Rossini, Auber, Boieldieu, Lortzing\nund Sr. Hoheit dem Herzog von Coburg-Gotha (Sta. Chiara). Im\nDrama und Lustspiel haben Fräulein Janauschek und Frau Goss-\nmann „allgemeinen Enthusiasmus erregt\" trotzdem sagt der\nReferent nachher: „Am wenigsten sprachen uns (quod est notan-\ndum!) die Tragödien „„Phädra\"\", „„Medea\"\" (von Grillparzer) und\nIphigenia (von Goethe) als zu veraltet für die Darstel-\nlung und zu arm an Handlung an\"!! Und doch beurtheilt\nderselbe Referent die erbärmlichen Gurli-Stücke der Gossmann ganz\nrichtig!"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650325-01.1.8", "texte": "Iset*lii die Gast-Vorstellungen einer pariser Tänzer-\nGesellschaft df \" /fn Felix schreiben berliner Blätter unter Ande-\nrem, wie folgt: „Die Beize der pariser Tanzkunst eröffneten über-\nraschende Einblicke in die Mysterien der Natur. Das gesammte\nTanz-Contingent macht den Eindruck eines idyllischen Lebens\nim Paradiese, und kann man mit dem Dichter singen: „„Süsse, hei-\nlige Natur, lass' mich geh'n auf deiner Spur!\"\" Am eclatantesten\njedoch stellte sich der Cultus der freien Natur in den „„lebenden\nBildern\"\" dar. Liebhaber und Kenner tadellos schöner Formen ha-\nben hier eine Augenweide und Auswahl, wie sie schwerlich sich\nwieder so vereinen wird. Die Kritik sieht sich gezwungen, den\nFreiheiten der Tänzerinnen entgegen zu treten, gleichviel ob die\nNationalität derselben oder der dortige sittliche Zustand dergleichen\nAllotria zulässt; um so mehr aber muss es Wunder nehmen, dass\nunser Publicum förmlich Beifall zujauchzt, hinterher aber die\nPrüderie herauskehrt. Die Direction sieht jetzt volle Cassen,\nwährend bei harmlosen, ernsten Sachen Defecte sich darthun. Wer\nzwingt also eine Direction, zu Mitteln solcher Art zu greifen? Ant-\nwort: Ein im Geschmack total verdorbenes Publicum.\"\nWieil« Am 12. März ist endlich Meyerbeer's „Dinorah\"\nzum ersten Male in Wien gegeben worden (Fräul. von Murska)\nund hat sehr gefallen. Die „Recensionen bemerken dazu: „An den\nErfolg der Dinorah möchten wir schliesslich noch die Bemerkung\nknüpfen, dass die stehenden Redensarten über die Meyerbeer'sche\nReclame-Maschinerie denn doch sehr übertrieben sein mussten: ha-\nben wir doch jetzt erlebt, wie ein posthumes Werk, welches durch\nAufführung selbst auf den nächsten Provinzbühnen nicht einmal\nmehr das Interesse der Neuheit im vollen Maasse für sich hatte,\ndennoch so entschieden durchgreift, wie Meyerbeer es bei seinen\nLebzeiten nicht hätte besser wünschen können ein Beweis, dass\nhier das Talent, selbst in seiner relativen Dekadenz, noch immer\nstärker wirkte, als die vielberühmte Geschicklichkeit des Meisters,\nes zu verwerthen.\"\nDas diesjährige Concert des wiener akademischen Gesangvereins\nam 25. März (Mittags halb ein Uhr) im k. k. Grossen Redoutensaale\nbringt als Novität eine grössere Composition eines jungen, hier noch\nunbekannten Meisters, nämlich die „Frithjof-Sage, nach dem Ge-\ndichte von Esaias Tegndr, für Männerchor, Sopran und Bariton, Solo\nund Orchester componirt von Max Bruch\". Das Werk, kürzlich in\neinem Gewandhaus-Concerte in Leipzig unter Leitung des Compo-\nnisten aufgeführt, wurde von diesem dem wiener akademischen Ge-\nsangvereine zur ersten Aufführung in Wien als Manuscript über-\nlassen, und wird der Componist die hiesige Aufführung gleichfalls\nselbst dirigiren. Das Werk dürfte die öffentliche Aufmerksamkeit\num so mehr auf sich ziehen, als die „Loreley\" von demselben Com-\nponisten derzeit die Runde über die deutschen Bühnen macht.\n(81. f. M. u. Th.)\nDi\\ Karl Mendelssohn, ein Sohn Felix Mendelssohn-Bar-\ntholdy's, arbeitet an einer Biographie seines Vaters.\nDer bekannte italiänische Tenorist Giuglini ist nach einge-\ntroffenen Briefen aus Petersburg bei seiner dortigen Ankunft plötz-\nlich wahnsinnig geworden.\nliOlifloil. Ueber das 15. Concert dieser Saison im Krystall-\nPalaste unter der Leitung des Herrn A. Manns schreibt man\naus London: „Ein neuer Pianist trat zuerst mit einem Concerte auf,\nwelches, wenn auch nicht in London, doch im Krystall-Palaste neu\nwar und einen besonderen Anziehungspunkt bildete, und Beide, das\nConcert und der Spieler, hatten Erfolg. Es war das Concert in Eis-\nmoll von Ferdinand Hill er, einem vertrauten Freunde Mendels-\nsohn's und jetzt wohl dem Ersten unter den Componisten Deutsch-\nlands» Seitdem es in einem der philharmonischen Concerte von\nHiller selbst gespielt wurde, war es hier öffentlich nicht wieder\ngehört worden, konnte aber kaum unter günstigeren Umständen wie-\nder erscheinen, als in dem 15. Concerte im Krystall-Palaste, indem\nein ausgezeichneter junger Pianist, Herr Franklin Taylor, es\nmit einer vorzüglichen Technik, trefflichem Anschlag und ausdrucks-\nvollem Vortrage zur Geltung brachte.\""}]}