{"numero_id": "bm-bmtnabi-1865-04-01-01", "volume": "bmtnabi_1865-04-01_01", "ocr_sha256": "28908ffc531d1086d8267c7961f35410ce34e77e765028ff9de0b1e9139c933d", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1865/04/01_01/bmtnabi_1865-04-01_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650401-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1865-04-01-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-04-01_01#c001", "volume": "bmtnabi_1865-04-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "97", "page_fin": "97", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650401-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650401-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 474, "texte": "Inhalt.\nEin Skizzenbuch von Beethoven. Die Theaterzustäude in Frankreich ausserhalb Paris. Neuigkeiten aus F. Schubert's\nJN achlasse. Coneert des kölner Männer-Gesangvereins in Düsseldorf. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Stipendiat der\nMozart-Stiftung in Frankfurt a. M. Mainz, Liedertafel und Damen-Gesangverein, Programm des fünften mittelrheinischen Musikfestes,\nLiehe Mannheim, Herr Nachbaur Berlin, Königs Geburtstag, Gastspiele Professor A. B. Marx Wien u. s. w)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-04-01-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-04-01_01#c002", "volume": "bmtnabi_1865-04-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "97", "page_fin": "99", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650401-01.2.2", "titre_corps": "Ein Skizzenbuch von Beethoven", "titre_sommaire": "Ein Skizzenbuch von Beethoven", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650401-01.1.1", "debut_caractere": 476, "fin_caractere_exclue": 4332, "texte": "Ein Skizzenbuch von Beethoven\n).\nDas Büchlein, das uns in sehr noblem Typen- und\nNotendruck vorliegt, enthält grösstenteils einen Abdruck\nvon Original-Skizzen von Beethoven's Hand, anderenteils\nderen Einreihung in die betreffenden bekannten Compo-\nsitionen nebst daran geknüpften erläuternden und chrono-\nlogisch-historischen Bemerkungen des Herausgebers. Es\nist jedenfalls eine sehr interessante Veröffentlichung.\nDas Original ist ein regelmässig, vor dem Gebrauch,\nin pappenen Umschlag gebundenes Heft von 192 Seiten\nin Querfolio mit 16 Noten-Systemen auf jeder Seite. Es\nwurde bei der Versteigerung von Beethoven's Nachlass\nvon dem Ciaviermacher Karl Stein gekauft und ist jetzt\nim Besitze des Componisten und Ciavierspielers J. C.\nKessler in Wien. Die Zeit der Entstehung sämmtlicher\ndarin enthaltener Skizzen lässt sich mit kaum zweifelhafter\nAnnahme auf die Periode vom 1. October 1801 bis zum\nMai (oder etwas darüber hinaus) 1802 festsetzen.\nDie Gewohnheit Beethoven's, an mehreren Stücken\nzugleich zu arbeiten („Ich lebe nur in meinen Noten, und\nist das Eine kaum da, so ist das Andere schon angefan-\ngen. So wie ich jetzt schreibe, mache ich oft drei, vier\nSachen zugleich. Den 29. Juni 1800.\" Beethoven an We-\ngeier in dessen Notizen, S. 27), geht auch aus diesem\nSkizzenbuche hervor. Ueber die vereinzelten Wahrneh-\nmungen, die man über die Art, wie der Meister zu arbei-\nten pflegte, aus demselben und überhaupt aus Skizzen-\nbüchern schöpfen kann, macht Herr Nottebohm folgende\nBemerkungen, welche die Versuche, die Arbeitsweise\nBeethoven's zu einem nachahmenswerthen Vorbilde zu\nmachen, oder die geistige Entstehung seiner Schöpfungen\ndaraus zu entwickeln, gebührend in ihre Schranken weisen.\n„Im Allgemeinen lässt sich bemerken, dass Beethoven\nbei allen Arbeiten, welche in Skizzenbüchern unternom-\nmen wurden, auf die verschiedenste Art und Weise zu\nWerke ging, auch wohl auf entgegengesetzten Wegen\nzum Ziele gelangte. Solche Verschiedenheit wird Einem\nrecht vor Augen gerückt, wenn man die Skizzen zu an\nsich verschiedenen, aber einer und derselben Kunstform\nangehörenden Sätzen mit einander vergleicht. Wenn wir\nunsere Aufmerksamkeit auf diesen Punkt richten, so kön-\nnen wir zwei entgegengesetzte Arten unterscheiden. Beide\nlassen sich durch entsprechende Skizzengruppen belegen.\nBei der einen Skizzengruppe waltet die thematische Ge-\nstaltung vor; die erste Skizze bricht gleich mit dem Haupt-\nthema ab, und beschränkt sich die folgende Arbeit darauf,\nden einmal hingeworfenen thematischen Kern so zu ver-\nändern und umzubilden, bis er zur Durchführung geeignet\nerscheint; dann wird ein Gleiches mit den Mittel-Partieen\nvorgenommen; überall sehen wir Ansätze, nirgends ein\nGanzes: ein Ganzes tritt uns erst ausserhalb des Skizzen-\nbuches entgegen, in der gedruckt vorliegenden Compo-\nsition, wo dann die Theile, die im Sktzzenbuche zerstreut\naus einander liegen, zusammengestellt erscheinen. Bei der\nanderen Skizzengruppe ist die thematische und musivische\nArbeit ausgeschlossen: jede Skizze ist auf ein Ganzes ge-\nrichtet und gibt ein abgeschlossenes Bild; gleich die erste\ngibt den vollständigen Umriss zu einem Satztheile; die\nnächstfolgenden erscheinen als vollständige Umarbeitungen\nder ersten, als andere Lesarten, wobei es theils auf eine\nVeränderung des summarischen Charakters, theils auf eine\nUmgestaltung im Grossen, auf eine Ausbildung der Mittel-\nPartieen u. dgl. abgesehen ist. Diese beiden Fälle bezeich-\nnen wohl die entgegengesetztesten Wege, die denkbar sind.\nEs ist natürlich, dass die Mehrzahl der Skizzen keiner von\nbeiden Bichtungen ausschliesslich angehört, sondern sich\nzwischen beiden bewegt, sich bald der einen, bald der an-\nderen nähert. Bei solcher Mannigfaltigkeit wird es nicht\n\n*) „Beschrieben und in Auszügen dargestellt von Gustav\nNottebohm.\" Leipzig, Breitkopf und Härtel. 43 S. kl. Fol.\nPreis 15 Sgr."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650401-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5465, "texte": "gelingen, eine bestimmte Ordnung und ein Verfahren in\nder Arbeit zu entdecken, welches allen Fällen gemeinsam\nwäre und sich jedes Mal wiederholte. Ist das nun einmal\nfestgestellt, dass Beethoven nach keiner Schablone arbei-\ntete*) (denn wie anders soll man das Freisein von jeder\näusseren Norm nennen?), so ist auch wohl einleuchtend,\ndass die Skizzenbücher das innere Gesetz, von dem sich\nBeethoven beim Schaffen leiten liess, nicht offenbaren wer-\nden. Um solchem nachzugehen, müsste der Standpunkt\nder bloss äusserlichen Betrachtung aufgegeben und wenig-\nstens versucht werden, auf einem anderen, tieferen Grund\nund Boden festen Fuss zu fassen.\n„Wir können die fortschreitende Entwicklung einer\nPflanze beobachten, die Stufenfolge ihres Wachsthums\nkennen lernen. In beständiger Wandlung begriffen und\ndarin bestimmten Gesetzen folgend, bringt sie immer Neues\nzum Vorschein. Aber alles Neue ist immer das Alte. So\nmag es gelingen, sie genetisch zu erklären. Anders ist es\nbeim musicalischen Kunstwerke, das in seiner allgemeinen\nErscheinung an den Ausdruck eines Besonderen, Indivi-\nduellen gebunden ist, und in solcher Besonderheit nicht,\nwie die Pflanze, einem Naturgesetze, sondern den Gesetzen\ndes Geistes folgt. Wir können ein Tonstück im Ganzen\nund Einzelnen betrachten, seinen Bau zergliedern, uns an\nseiner Schönheit erfreuen; es wird uns aber seine Genesis\nund wie das alles so geworden verschweigen. Die Abge-\nschlossenheit, in der es erscheint, bedingt, dass alle Spu-\nren abgestreift sind, welche auf eine vorhergegangene\nEntwicklung deuten können. Fassen wir es als eine orga-\nnische Bildung auf, so müssen wir auch voraussetzen, dass\nes auf organischem Wege entstanden sei und sich von\ninnen heraus zu einem einheitsvollen Ganzen entwickelt\n4 • t\nhabe. Es ist nun wohl wahr, dass die Skizzenbücher, wo\nAlles schwankend und gleichsam beweglich erscheint, was\nin dem Tonstücke fest und unveränderlich dasteht, man-\nchen Vorgang in Bezug auf Entstehung, Erfindung, Ge-\nstaltung u. dgl. enthüllen. Aber darüber muss man klar\nsein, dass sie auch Manches verschweigen, und dass wir\nvon allem, was organisch heisst, aus ihnen am allerwenig-\nsten erfahren. Das ihnen fehlende Moment lässt sich nur\ndurch Abstraction gewinnen. Wir suchen es in Beethoven,\ndem Künstler, selbst, in der Einheit seines ganzen We-\nsens und Geistes, in der Harmonie seiner Seelenkräfte.\nDer ganze Mensch mit seiner geistigen und seelischen\nThätigkeit muss hinzugezogen werden, um die Einheit zwi-\nschen Erscheinung und Idee herzustellen. Hier liegt auch\nder Schlüssel zu seiner Werkstätte. Wer mag sich aber\nrühmen, solches Amt der Schlüssel verwalten zu können?\"\nVon den von Nottebohm mitgetheilten Skizzen bezie-\nhen sich die meisten auf Ciaviersachen, z. B. auf die drei\nso genannten Alexander-Sonaten Op. 30 mit der\nVioline, die Clavier-Sonate in den letzten Satz\nder Kreutzer- Sonate Op. 47, die Variationen für Cia-\nvier in F Op. 34 und in Es Op. 35 u. s. w. Unter\nden übrigen ist eine ziemlich ausführliche (die längste, in\ndem Originalhefte eilf Seiten füllende) zum Finale der\nSinfonie Nr. 2 in D-durdie interessanteste.\nChronologisch wichtig ist die Skizze zum Terzett:\nTremate, empi, tremate, das als Op. 116 gedruckt ist\nund auch 1814 in Wien in einer Akademie Beethoven's\nals „neu\" angekündigt wurde. Das Programm dieser Aka-\ndemie (den 27. Februar) lautet bei Schindler, I. 194:\nSinfonie in A-dur\\ b. Neues Terzett für Sopran, Tenor\nund Bass, „Empi, Tremate/\" vorgetragen von Frau Mil-\nder-Hauptmann und den Meistersängern Siboni und\nWeinmüller; c. Neue Sinfonie in F-dur (Nr. VIII);\nd. Die Schlacht bei Viltoria (die vl-e?wr-Sinfonie und die\nSchlachtmusik waren bereits im December 1813 zwei\nMal und im Januar 1814 zum dritten Male wiederholt\nworden). Das Terzett aber war schon 1801 oder 1802\ncomponirt, wie der Entwurf desselben in Kessler's Skiz-\nr 4 £\nzenbuch, auf welches auch Thayer in seinem „chronolo-\ngischen Verzeichnisse\" u. s. w. Seite 44 schon hinweist,\njetzt durch Nottebohm bestätigt. Uebrigens erkannte\nschon 1826 der Recensent dieses so genannten Op. 116\nin der leipziger Allg. Mus.-Z(g. in demselben ganz richtig\nein Werk aus einer weit früheren Periode Beethoven's.\nIm Jahre 1824 war es bei einer Akademie für Beethoven\nunter des Opern-Directors Duport leitender Anordnung\nwiederum als „neu\" angekündigt worden, worüber sich\nBeethoven in einem Briefe an Tob. Haslinger (bei Notte-\nbohm abgedruckt) entschuldigt: „ Alles, was übrigens\nDuport gethan hat, daran bin ich gänzlich unschuldig, so\nwie er das terzettauch für neu ausgegeben, nicht ich.\nSie kennen meine Wahrheitsliebe zu sehr, jetzt aber\nist's besser, davon zu schweigen\" u. s. w. (S. 40).\nDie Skizze zu den Variationen in Es (Op. 35) auf\ndas bekannte Thema im Finale der Sinfonia eroica be-\nschreibt Nottebohm S. 32: „Motivisch angedeutet und\ntheilweise ausgeführt erscheinen zuerst die Variationen:\n3, 5 und 11; späterhin auch: 8, 1, 2, 4 und 15. Die\nEntwürfe zu den einleitenden Variationen über den Bass\n\n*) Es ist das so selbstverständlich, dass es überflüssig erschei-\nnen mag, hierauf näher einzugehen. Wir müssen aber daran erin-\nnern, wie bedenklich die in neuerer Zeit unternommenen Versuche\nsind, Beethoven's Arbeitsweise, seine Methode der Arbeit, oder wie\nman es genannt hat, zu einem Gemeingut und Lehrgegenstande zu\nmachen. Ausserdem erschien es wünschenswerth, über den Stand-\npunkt, den wir glauben bei einem Skizzenbuche einnehmen zu müs-\nsen, möglichst klar zu werden."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650401-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3638, "texte": "des Thema's (a due, a tre, a quattro) werden erst später,\nim Verlaufe der Arbeit und zum Theil auf vier Notenzei-\nlen, wie für Streich-Quartett geschrieben, sichtbar. Das\nThema, das „ „Finale alla fuga\"\" und Anderes fehlt. Da-\ngegen erscheinen mit der Ueberschrift „ „Finale presto\"\"\nAnsätze zu einem unbekannt gebliebenen, länger ausge-\nsponnenen Satze im */4-Tact, mit freier Durchführung\ndes Thema's und im gewöhnlichen Finale-Charakter. Be-\ntrachtet man die ganze Skizzengruppe, so wird man der\nAnsicht, Beethoven habe Anfangs Variationen gewöhn-\nlicher Art, etwa wie die über „ „ Vieni amore\"\", schrei-\nben wollen, sei aber im Verlaufe der Arbeit auf die Ver-\nwendbarkeit des Grundbasses und auf die Ergiebigkeit des\nThema's zu Variationen ernsterer Art geführt worden.\nBeethoven wird die Arbeit, da sich weiter nichts im Skiz-\nzenbuche findet, anderwärts wieder aufgenommen und zu\nEnde gebracht haben. Wir betrachten demnach die vor-\nliegenden Skizzen als eine Vorarbeit.\"\nChronologisch stellt sich nun die Beihenfolge der vier-\nmaligen Benutzung desselben Thema's jetzt dadurch fest,\ndass wir in dem Ressler'schen Skizzenbuche auf den er-\nsten Seiten das Thema in einem Contretanz antreffen,\nauf den späteren als Grundlage der Variationen Op. 35.\nDa es nun bekanntlich auch in der Balletmusik: „Die Ge-\nschöpfe des Prometheus\", vorkommt und diese zum\nersten Male schon im März 1801 aufgeführt wurde\nalso vor dem Herbste 1801, in welchem das Skizzenbuch\nbeginnt, so scheint die Erfindung desselben doch durch\ndas Ballet veranlasst, nicht durch die Composition des\nContretanzes, wie man bisher annahm.\nWir fügen hier aus Alex. W. Thayer's Verzeich-\nniss (vgl. Niederrh. M.-Ztg. d. J. Nr. 10) noch folgende,\nBeethoven's Skizzenbücher betreffende Notizen hinzu.\nDie erste Rubrik des Seite 175 u. ff. mitgetbeilten\nAuctions-Katalogs von Beethoven's Nachlass weist\nfünfzig Nummern einzelner Notirbücher auf, welche mei-\nstens zu einem, wenige darunter zu zwei, ein einziges\nzu drei Gulden erstanden worden sind. Ferner enthält\ndie zweite Rubrik „Brauchbare (?) Skizzen, Fragmente\nund zum Theil unvollständige Werke, noch ungedruckt\nund eigenhändig geschrieben\", etwa zwanzig Nummern,\ndie etwas höher bezahlt wurden (jedoch nur zwei davon\nüber 3 Gulden), weil die Herren Verleger damit noch ir-\ngend ein Geschäftchen zu machen hofften.\nDiese Notir- und Skizzenbücher sind in alle Welt zer-\nstreut worden; die meisten davon sind jetzt im Besitze von\nArtaria u. Comp, in Wien und der königlichen Bibliothek\nzu Berlin (die Schindler'sche und Landsberg'sche Samm-\nlung). Eines der interessantesten ist das von 1811 —lßl2,\nim Besitze des Herrn G. Petter in Wien; es enthält\nSkizzen zur siebenten und achten Sinfonie und zur\nneunten.\nDen ersten Satz der achten wollte Beethoven nach\ndiesen Skizzen Anfangs mit einer Einleitung beginnen und\nkommt im eilften Tacte zum Thema (S. 71 des Skizzen-\nbuches); erst auf S. 97 findet sich das vollständige Thema\nu. s. w. achtzehn Seiten hindurch. Dazwischen auf S. 83\nund dann wieder mit der Bemerkung das ori-\nginelle Motiv des letzten Satzes.\nZur neunten findet sich in Petter's Skizzenbuch fol-\ngendes Thema:\nIn dem Artaria'schen Notirbuche P: „Finale. Freude\nschöner Götter Funken Tochter Elisium. Die Sinfonie aus\n4 Stücke, aber das 2U Stück in 2j\\ takt wie in dem lston\ndas 4. können in 6/s takt dur seyn u. das 4\"' Stück recht\nfugirt.\"\nUnd auf einer anderen Seite:\n„Sinfonie allemand entweder mit Variationen, auf den\nChor alsdann eintritt oder ohne Variationen.\n„Ende der Sinfonie mit türkischer Musik u. Singebor\nden rythraus von 3 takte im Gloria\" (unleserlich). [Soll\nwohl heissen im Scherzo.J"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-04-01-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-04-01_01#c005", "volume": "bmtnabi_1865-04-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "99", "page_fin": "102", "image_debut": 3, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650401-01.2.3", "titre_corps": "Die Theaterzustände in Frankreich ausserhalb Paris.", "titre_sommaire": "Die Theaterzustände in Frankreich ausserhalb Paris.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650401-01.1.3", "debut_caractere": 3640, "fin_caractere_exclue": 4287, "texte": "Die Theaterzustände in Frankreich ausserhalb\nParis.\nDie Verhältnisse der Provincial-Bühnen in Frankreich\nsind im Auslande so gut wie unbekannt. Dass auf den\nTheatern der grössten Städte in Frankreich ausser Paris\nfür die Kunst und insbesondere für die Oper wenig oder\ngar nichts gethan wird, und dass Frankreich nicht im\nentferntesten im Stande ist, in dieser Beziehung den Ver-\ngleich mit Deutschland auszuhalten, ergibt sich aus der\nfolgenden, nach guten Quellen zusammengestellten Ueber-\nsicht der ökonomischen Lage der Theater in den sieben\ngrossen Städten Marseille, Lyon, Bordeaux, Rouen,\nLille, Toulouse, Nantes. Man wird daraus ersehen,\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650401-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5127, "texte": "Dass die dortigen Bühnen-Directoren, zumal seit dem neuen\nTheatergesetze, auch nicht auf Rosen gebettet sind.\nIn zwei wichtigen Dingen ist uns aber Frankreich\nvoraus: für die Dichter und Componisten darin, dass der\nEinnahme-Anlheil für sie bei allen Bühnen gesetzlich\nfestgesetzt ist, und für die Directoren darin, dass jede\nStadt ihnen einen mehr oder weniger bedeutenden Zu-\nschuss aus Gemeindemitteln gibt, der theils in Ueberlas-\nsung des Hauses ohne Miethe, theils in einer bestimmten\nGeldsumme, zuweilen in Beidem besteht. Auch war in\neinigen Städten vor dem Gesetze über die Theaterfrei-\nheit dem Director des Haupttheaters noch das Privi-\nlegium zuerkannt, eine gewisse Abgabe für die Concession\nkleinerer Bühnen in derselben Stadt einzuziehen. Daneben\nflber figurirt als Gegenstück die gesetzliche Abgabe be-\nstimmter Procente von der Einnahme an die Armen\nder Stadt, die ja auch im preussischen Rheinlande als\neine Reliquie der französischen Herrschaft noch besteht\nund die künstlerischen Leistungen in Theatern und Con-\ncertsälen mit den Gaukeleien in Kirmessbuden und den\nProductionen der Thierbändiger in den herumziehenden\nMenagerieen auf eine Linie stellt. In Frankreich, wie in\nRheinpreussen, wird das Gesetz hier und da durch wohl-\nwollende Stadtverordnete gemildert; aufgehoben ist es\naber nirgends.\nDie Stadt Marseille mit einem Budget von\n10,473,601 Fr. gab vor der Theaterfreiheit dem Di-\nrector ihrer beiden Theater (Grand Theätre, Theätre du\nGymnase) einen Zuschuss von 220,000 Fr. Dafür musste\nderselbe die Miethe des ersten mit 70,000, des zweiten\nmit 60,000 und die Armenabgabe mit 45,000 Fr. be-\nzahlen. Es blieben ihm mithin noch 45,000 Fr., wozu\n50,000 Fr. an Concessions-Einnahmen von den kleineren\nBühnen kamen. Unter diesen Verhältnissen machte der\nDirector gute Geschäfte. Aber als das Gesetz vom 6. Ja-\nnuar 1864 in Kraft trat, verweigerte er die Fortsetzung\nder Theaterleitung, da man ihm eine Erhöhung des städti-\nschen Zuschusses abschlug. Der Stadlrath ging im Gegen-\ntheil im Vertrauen auf die Theaterfreiheit so weit, den\nTheater-Zuschuss von seinem Budget zu streichen.\nDamit hörte die Oper in Marseille auf: die Kunst\nwurde dem Gewerbe überlassen.\nMehrere Theater erstanden und machten einander\nConcurrenz. Vaudeville, Zauber- und Feen-Schauspiel,\nLustspiel und dann und wann einige höchst mittelmässig\ngegebene Opern bildeten das Contingent für die dramati-\nsche Kunst in Marseille. In diesen Tagen las man in dor-\ntigen Blättern, dass die drei Directoren der gegenwärtig\nthätigen Bühnen um städtischen Zuschuss gebeten und\njeder 8000 Fr. erhalten hätte!\nIst das der erwartete und im voraus so sehr gerühmte\nFortschritt?\nDie Stadt Lyon mit einem Budget von 9,088,072\nFr. 59 C. gab vor der Thealerfreiheit einen Zuschuss\nvon 100,000 Fr., nachher von 120,000 Fr., und da\ndiese Summe noch nicht hinreichte, erhöhte sie dieselbe\njüngst auf 170,000 Fr. Ausserdem hat der Director die\nbeiden Häuser [Grand Theund\nlestin-s) frei, was wiederum 80,000 Fr. beträgt. Ferner\nist ihm eine Erleichterung der Armenabgabe bewilligt,\nstatt deren er 35,000 Fr. jährlich zu zahlen hat. Auf\ndiese Weise braucht er die Concurrenz nicht zu fürchten\nund ist von allen Theater-Unternehmern in Frankreich\nam besten gestellt.\nIn B o rd ea ux fand sich auf dem städtischen Budget von\n4,268,054 Fr. bis zum 6. Januar 1864 als Zuschuss\nfür die beiden Theater, welche unter einer Direction\nstanden, die Summe von 120,000 Fr. Seitdem sind die\nTheater getrennt, und da die Lage des grossen Theaters,\nwelches eine stehende Oper hat, misslicher wurde, bewil-\nligte \"man dem Director desselben 144,000 und nach\neinigen Monaten 184,000 Fr. und gab ihm noch dazu\ndas Haus frei. Dagegen liiessen an Armenabgaben 74,000\nFr. wieder in die städtische Casse zurück.\nIn Rouen (mit einem Budget von 3,595,109 Fr.)\nerhielt der Director der drei Theater an Unterstützung\nAlles in Allem gerechnet 130,000 Fr. Nach der „Frei-\nheit\" miethete ein Unternehmer die zwei Häuser, welche\ndem Vaudeville und dem Drama gewidmet sind, wollte\naber das grosse Theater mit der Oper nur gegen einen\nhöheren Zuschuss als bisher übernehmen. Die Stadt,\nwelche schon den dreissigsten Theil ihrer Einnahme auf\ndas Theater verwendete, sah sich ausser Stande, diesem\nBegehren zu willfahren. Es übernahm nun ein anderer\nDirector das grosse Theater; man stellte es ihm frei,\nStücke aller Gattungen zu geben, und bewilligte ihm\n60,000 Fr. Zuschuss mit der Verpflichtung, dreissig\nOpern-Vorstellungen im Jahre zu geben. Nach sechs Mo-\nnaten, in denen zehn Opern in Scene gesetzt worden wa-\nren, legte der Stadtrath 15,000 Fr. zu. Man gab also\n75,000 Fr. jährlich aus und hatte doch keine stehende\nOper. Jetzt sind sogar vier Theater in Rouen; sie ma-\nchen alle schlechte Geschäfte, und die Oper ist von der\nScene verschwunden.\nDie Stadt Lille (Budget 2,449,500 Fr.) verwendet\nauf die Unterstützung ihres Theaters den Erlass des Mieth-\nzinses für ein freilich nicht im besten Zustande befindliches\nHaus nebst Inventarium, etwa 50,000 Fr., und bezahlt\nmit 5000 Fr. einige Angestellte bei demselben; ausser-\ndem ist dem Director gestattet, an Stelle der Armen-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "101", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650401-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5275, "texte": "abgaben 200 Fr. monatlich und eine Vorstellung im Jahre\nzu geben, wobei er etwa 20,000 Fr. Vortheil haben mag.\nDafür ist er aber verpflichtet, eine komische Oper zu hal-\nten. Er hat bis jetzt keine Concurrenz zu bestehen: erhebt\nsich aber nur eine einzige, so kann er unter den bisheri-\ngen Bedingungen die Oper nicht durchführen.\nAus Nantes fehlen unserer Quelle die genaueren\nAngaben. Auf dem städtischen Budget von 2,428,361\nFr. erscheint auch eine Ausgabe für das Theater von\n80,000 Fr.\nToulouse hat ein Budget von 2,041,136 Fr. und\ngab dem Theater-Director das Haus des grossen Theaters\nfrei und eine Unterstützungssumme von 80,000 Fr. Da-\ngegen musste er die Miethe des kleinen Theaters mit\n13,000 Fr. und die Armenabgaben mit 40,000 Fr. be-\nzahlen, so dass ihm, die Miethe des grossen Hauses zu\n50.000 Fr. gerechnet, 77,000 Fr. als baarer Zuschuss\nübrig blieben. ln diese Bewilligung war aber die vor-\ntreffliche Bedingung eingeschlossen, dass aus der Unter-\nstützungssumme die Mitglieder des Chors und des\nOrchesters und die kleineren Angestellten beim Theater\nbezahlt werden mussten, mit anderen Worten: die Stadt\nbesoldete das Orchester und den Chor. So war es vor\n1864. Mit dem Decrete der Theaterfreiheit eröffneten\nfünf Theater in Toulouse ihre Vorstellungen! Vier davon\nund unter ihnen dasjenige, welches Opern gab, gingen\nnach wenigen Monaten zu Grunde. Jetzt hat sich für die\nOper ein neuer Unternehmer gefunden, der zugleich ein\nzweites Theater für Vaudeville, Drama und Lustspiel aus-\nbeutet. Wie es ihm gehen wird, muss die Zukunft lehren.\nHiernach erscheinen die Theater-Zustände in der gros-\nsen Mehrzahl dieser Hauptstädte der Provinz in traurigem\nLichte, geschweige denn in den kleineren, weniger reichen\nStädten, deren es doch noch viele gibt, wie z. B. Metz,\nStrassburg, Amiens, Arras, Boulogne, Cherbourg, Nancy,\nGrenoble, Orleans u. s. w. u. s. w., welche alle bevölker-\nter sind als die meisten kleineren Residenzen in Deutsch-\nland, die ihre Hoftheater besitzen.\nMit Recht fragen daher französische Blätter immer\nlauter: „Wo sind die Vortheile, welche die neue Maass-\nregel der Staats-Regierung so grosssprecherisch verheissen\nhat? Ist eine irgendwie gesunde, auf richtiger Theorie\nund auf Erfahrung beruhende Basis in dem Theater-Ge-\nsetze vom 6. Januar 1864 zu finden, oder ist es bloss\ndem Worte „ „Freiheit\"\" zu Liebe erfunden, damit diese\nda, wo sie nicht gefährlich ist, wieder eingeführt werde?\nWo ist eine einzige Thatsache, die der Regierung das\nRecht gäbe, in ihrem Expose l'Empire\nzu sagen, dass allerdings das fragliche Decret für die\nTheater in der Provinz erst mit der Zeit die glücklichen\nResultate erzeugen werde, welche die Staats-Verwaltung\nmit Grund davon erwarten dürfe? Nicht einen Schatten\nvon Aufhülfe oder gar von Opfern für das Wohl der\nBühnen in den .Departementsstädten hat der Staat zum\nVorschein gebracht. Da er dieselben ganz und gar den\nStädten überlässt, und dem, was diese thun oder lassen,\nganz fremd bleibt, wo nimmt er das Recht her, glückliche\nResultate zu erwarten? Höchstens könnte von einem mo-\nralischen Rechte die Rede sein, aber das allein kann die\nHoffnungen nicht begründen.\"1)\nBetrachtet man die obigen officiellen Angaben/ so\nkann man wahrlich die Behörden der genannten Städte\nnicht der Knauserei und des Mangels an Opferwilligkeit\nfür die Kunst zeihen, denn ihre Zuschüsse für die Theater\nüberragen, namentlich im Verhältnisse zu der städtischen\nEinnahme, bei Weitem dasjenige, was unsere Gemeinde-\nVerwaltungen in Deutschland in den grossen Städten für\ndenselben Zweck zu thun pllegen. Im Ganzen verwenden\ndie sieben französischen Städte 1,113,000 Fr. zur Unter-\nstützung ihrer Bühnen, und das ist von ihrer Gesammt-\nEinnahme von 34,344,000 Fr. eine beträchtliche Summe.\nNun halte man einmal Paris dagegen. Die sieben\nProvincialstädte geben ungefähr den dreissigsten Theil\nihrer Einnahme: die Stadt Paris, deren Budget vier bis\nfünf Mal grösser ist, als jene Gesammt-Einnahme, gibt für\nihre Theater nichts.\nParis, welches mehrere Schauspielhäuser als städti-\nsches Eigenthum besitzt, lässt sich von allen Miethe zah-\nlen, auch von denen, die eine Subvention vom Staate er-\nhalten, so dass bei diesen letzteren (wie z. B. beim Theätre\nlyrique) der Staat der Stadt das Haus bezahlt. Und oben-\nein zieht die Stadt für ihre Armencasse noch jährlich eine\nSumme von 15—16,000,000 Fr. ein!\nWas ist das für ein Verhältniss? Und da sagt noch\ndie Regierung und die Pariser zu den Provincialen:\n,Wenn Ihr gute Theater haben wollt, so bezahlt sie!\"\nWenn in- irgend einem Zweige auf Decentralisation zu\ndringen, so ist es in der Beschützung der Kunst durch\nden Staat. Nichts scheint gerechter, als das Verlangen,\nwenigstens ein gleiches Verhältniss herzustellen und die\nreiche Stadlcasse von Paris vorab einmal eben so für ihre\nTheater sorgen zu lassen, wie es die anderen Städte thun\nmüssen. Auch wäre das nichts Neues; unter dem ersten\nKaiserreiche gab die Stadt Paris 1,300,000 lr. für die\nTheater, hauptsächlich für die grosse Oper, und die Civil-\nliste legte 548,000 Fr. zu. .\n\n*) Im Gegentheil. Denn die speculirende Gewerbe-Concurrenz\nist genöthigt, sich dem grossen Haufen zu fügen und verdirbt folg-\nlich den Geschmack gründlich, wie wir das z. B. auch an unseren\nSommertheatern sehen. Die Redaction."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "102", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650401-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 370, "texte": "Kann das Gesetz vom 6. Januar 1864 den Uebel-\nständen in der Lage der dramatischen Kunstanstalten in\nFrankreich abhelfen? Darauf gibt die bisherige Erfah-\nrung die betrübende Antwort nicht nur mit Nein, son-\ndem zeigt, dass es sie noch verschlimmert hat und dass\ndie Oper schon aus einigen Städten ganz verschwunden\nist, in anderen mit Noth ein ärmliches Dasein fristet."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-04-01-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-04-01_01#c006", "volume": "bmtnabi_1865-04-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "102", "page_fin": "102", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650401-01.2.4", "titre_corps": "Neuigkeiten aus F. Schubert’s Nachlasse.", "titre_sommaire": "Neuigkeiten aus F. 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Dass der Charakter dieses Stückes eine bestimmte\nsinnbildliche Grundlage hat, unterliegt keinem Zweifel,\ndenn die Gegensätze zwischen wilder Energie und idylli-\nscher Weichheit treten zu bestimmt auf, als dass sie bloss\ndie Bedeutung musicalischer Contraste haben sollten. Es\nwäre interessant gewesen, diese offenbare Beziehung zur\nHandlung auf dem Programme mit einigen Worten anzu-\ndeuten. Ganz prachtvoll ist die Modulation, es kommen\nSchlussfälle von einer Originalität vor, wie sie in dieser\nHinsicht nur Schubert eigen war. Auch die Art, wie Schu-\nbert hier die Bässe führt, ist manchmal höchst merkwür-\ndig, so besonders in dem wunderbar klingenden melodi-\nschen Saitensatze (in D-dur), wo aus dem den Funda-\nmentalbass übersteigenden Gange der Violoncelle folgen-\nder Modulationszug sich ergibt:\nDer zweite Zwischenact ist in Bondo-Form gehal-\nten, dessen Hauptsatz (B-dur) sich wörtlich im A-moll-\nQuartette findet. Es lässt sich nicht bestimmen, ob die\nUebertragung aus diesem in die Orchesterform oder um-\ngekehrt Statt gefunden, da zwar das Entstehungsjahr der\n„Bosamunde\", nicht aber jenes des Quartetts bekannt ist.\nNach der Opuszahl wäre der Satz aus dem Orchestralen\nins Quartett aufgenommen worden; die entgegengesetzte\nProcedur dünkt uns jedoch die wahrscheinlichere. Das\nStück ist lieblich und die Zwischensätze der Bläser machen\neine reizende Wirkung. Die Herausgabe dieser beiden\nEntreacts würde sich gewiss in hohem Grade lohnen. Den\nSchluss des Instrumentalen bildete die bekannte C-Sinfonie\nin der trefflichsten Ausführung, die man nur wünschen\nkann. Die Aufnahme aller dieser Vorführungen, zumal\naber die der Zwischenmusiken, war eine überaus glän-\nzende. Der lang anhaltende, stürmische Beifall schloss offen-\nbar das Verlangen nach einer Wiederholung in sich ein;\nder Dirigent jedoch war tactvoll genug, diese nicht nur\nnicht zu leisten, sondern auch den Beifall nicht auf sich\nzu beziehen: man liess die ganze Ehre dem Componisten.\nDen vocalen Theil bestritt Fräulein Caroline Bet-\ntelheim allein, da Herr Walter unwohl geworden. Die\ntäglich durch neue Fortschritte erfreuende Künstlerin sang\nden „Memnon\", die „Gruppe aus dem Tartarus\", „Am\nGrabe Anselmo's\" und „Geheimes\" mit schönem Ver-\nständniss, Geschmack und warmem Gefühl. Es war ein\nvoller und verdienter Sieg, den sie hier als Liedersängerin\nfeierte. Besonderen Dank verdient überdies die Wahl sel-\nten gehörter und hochbedeutender Lieder.— Das Erträg-\nniss dieses schönen, allen Betheiligten zur hohen Ehre\ngereichenden Concei'tes soll über 1000 Fl. rein einge-\nbracht haben. Die Hälfte davon wird beabsichtigt, der mit\nihren vier unmündigen Kindern in den kümmerlichsten\nVerhältnissen lebenden Witwe Ferd. Schubert's zuzu-\nwenden, ein Entschluss, den wir nur aus vollem Herzen\nbilligen können. Die Lebenden haben das dringendere\nBecht; der grosse Todte kann warten, falls es bei der\nAusführung seines Denkmals gerade auf diese 500 Fl.\nankäme, was wohl kaum der Fall sein wird.\n(W. 81. f. Tb.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-04-01-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-04-01_01#c008", "volume": "bmtnabi_1865-04-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "102", "page_fin": "103", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650401-01.2.5", "titre_corps": "Concert des kölner Männer-Gesangvereins in Düsseldorf.", "titre_sommaire": "Concert des kölner Männer-Gesangvereins in Düsseldorf.", "signature_source": "L. 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März wohnten wir zu Düsseldorf in der städtischen\nTonhalle einem Concerte bei, welches der kölner Männer-Gesang-\nverein unter Leitung seines Dirigenten, des königlichen Musik-Di-\nrectors Herrn Franz Weber, auf die Einladung des dortigen\nKünstler-Unterstützungs-Vereins zum Vortheil der Casse dieses Ver-\neins, der so ehrenwerthe Zwecke verfolgt, gab.\nWir hatten die berühmte Sängergesellschaft lange nicht gehört,\nund so ging es uns jetzt wieder gerade so, wie es uns immer nach\nlängeren Zwischenräumen damit ergangen, nämlich dass wir über\nReinheit, Tonfülle, Präcision und Ausdruck erstaunten und, wahr-\nhaft davon ergriffen, einen solchen Eindruck empfanden, als wenn\nwir den Verein zum ersten Male hörten. Der Männergesang hat be-\nkanntlich in den letzten Jahren unter den Bewohnern des eigent-\nlichen Kunstgebietes und namentlich bei den Stimmführern in die-\nsem Staate, der wie alle Republiken häufigen Schwankungen und"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "103", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650401-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4148, "texte": "Unruhen unterworfen ist, einen grossen Theil seiner Geltung ver-\nloren; allein wir hoffen, dass diese Krise ihm zum Heile gereichen\nwerde und dass er den Grundsatz, der für alle und jede Production\nder Kunst allein maassgebend ist, überall auf seine Fahnen schreibe,\nden Grundsatz, dass alles Halbe und in künstlerischer Hinsicht Mit-\ntelmässige durch äussere Mittel niemals einen wirklichen Werth\nerlangen kann, mögen diese Mittel auch aus der ehrenwerthesten\nGesinnung hervorgehen und z. B. in Vaterlandsliebe und Popularität\nwurzeln. Das Reich der Kunst ist ein rein geistiges und für sich\nbestehendes, das Schöne ist eine Sonne, die nur dann ihre erwär-\nmenden und alle Gebiete befruchtenden Strahlen mit Segen verbrei-\ntet, wenn sie durch keine Wolken und Dünste verdunkelt wird, die\naus fremden Atmosphären in ihre Bahn heraufbeschworen werden.\nEs ist eigentlich eine Anomalie, dass man für eine Kunstgattung,\nwie doch der Männergesang offenbar ist, noch ganz besonders die\nRegel aufstellen solle: „betreibt sie künstlerisch!\" aber die Muse\nder Tonkunst hat nun einmal die Schwäche, die freilich aus ihrem\nalle Welt so leicht und schnell einnehmenden Wesen fliesst, dass\nsie bei der Aufnahme ihrer Priester viel zu nachsichtig ist und\nTausende und aber Tausende, die sich zu ihrem Dienste herbei-\ndrängen, immer freundlich wenigstens vor ihrem Tempel herumspa-\nziren, sich lagern und Pickenicks veranstalten lässt, wofür sie denn\nauch den Namen der populärsten unter allen ihren Schwestern da-\nvongetragen hat.\nDer kölner Männer-Gesangverein hat schon durch das Streben,\ndas er von je her verfolgt hat, alle Gesetze des Kunstgesanges auch\nauf seinem Gebiete streng zu handhaben, eine Ausnahmestellung\nunter den tausend Vereinen in Deutschland eingenommen, und dass\ner dieses Streben durch die That gekrönt hat, dass sein Vortrag\nvon Männerchören den Anforderungen der Kunst wirklich entspricht,\ndas sichert ihm einen unbestrittenen Platz in der Geschichte des\ndeutschen Gesanges.\nAuch das Concert in Düsseldorf hat einen neuen Beweis der\nvollsten Berechtigung des Vereins zu einer solchen ehrenvollen\nStellung in der Kunstwelt gegeben. Der Verein hat die klangvollen\nGrundstimmen behalten, man kann mit Recht sagen: „sie sind die\nalten geblieben\", und hat für die Tenöre einige recht hübsche, jün-\ngere Kräfte gewonnen. Das Programm brachte Compositionen von\nJ. Tausch („Rheingruss\"), L. Liebe („Die Wasserrose\"), Men-\ndelssohn, F. Schubert, Abt,\" J. Rietz, Schumann, H.\nMarschner, Herbeck, Dürrner („Das Mädchen von Gowrie\"\nallerliebst) und Silcher alles recht schöne Sachen; nur H.\nEsser's „Morgenwanderung\", eine ganz verkehrte Auffassung des\nGedichtes von Geibel, passte nicht zu den übrigen. Die Palme unter\nden Ausführungen, welche alle schön waren, gebührt dem Vortrage\nvon Schumann's „Lotosblume\"; das schöne Lied wurde da capo\ngerufen, wie auch vorher das reizende, wahrhaft entzückende von\nF. Schubert: „Der Gondelfahrer\". Ueberhaupt hallte der überfüllte\nSaal bei jedem Chor und auch bei den Sologesängen des Herrn\nWolf (Tenor) und des Herrn Karl Bergstein von allgemeinem\nund lebhaftestem Beifalle wieder. Herr Bergstein trug namentlich\nzwei Lieder von A. E. Marschner und von F. Schubert, die\nsehr gut in seiner Stimme lagen, ganz vortrefflich vor.\nAusser diesen Gesängen der Kölner trug noch eine talentvolle\nDilettantin zwei Lieder von Mendelssohn für Sopran vor und gab, als\nsie unter rauschendem Applaus gerufen wurde, noch ein drittes zu.\nZwischen den Chören und Liedern trugen Herr Musik-Director\nJ. Tausch und Herr C. Kurkowsky den zweiten und dritten\nSatz des Duo's für Piano und Clarinette von C. M. von Weber\nmit grossem Beifalle vor, und ersterer erfreute uns noch durch die\n„Campanella\" von Taubert und den ausgezeichnet schönen Vor-\ntrag eines Phantasie-Impromptu's von Chopin.\nEin sehr heiteres Mahl in „gemischtem Chor\" setzte die er-\nhöhte Stimmung bis ja, das darf man nicht verrathen! fort,\nund der Himmel gab den Beweis, dass auch nach Frühlingsanfang\ndie Concerte noch zu den Winter-Vergnügungen gehören, durch die\nüberraschende Ausbreitung eines dickwolligen Schnee-Teppichs für\ndie Nachhausegehendcn.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-04-01-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-04-01_01#c009", "volume": "bmtnabi_1865-04-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "103", "page_fin": "104", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650401-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "103", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650401-01.1.7", "debut_caractere": 4150, "fin_caractere_exclue": 6785, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nÄoln« Zum dritten Male ist ein Schüler F. Hill er' s von der\nMozart-Stiftung zu Frankfurt a. M. zu ihrem Stipendiaten er-\nnannt worden. Es ist Herr Leonhard Wolf aus Crefeld, seit jetzt\ngerade drei Jahren Schüler des hiesigen Conservatoriums, auf wel-\nchem er seine Studien in der Harmonie- und Compositionslehre mit\nden ersten Uebungen in Dreiklang-Verbindungen begann, und jetzt\nals der würdigste von dreizehn Bewerbern durch die urtheilenden\nGutachten der Herren Robert Franz in Halle, C. A.Mangold in\nDarmstadt und Karl Reinecke in Leipzig bezeichnet worden ist.\nUeber die Aufführung in dem öffentlichen Städtischen Sing-\nverein, der letzten unter der Leitung des Herrn F. Breunung,\nfehlt uns heute der Raum zum Berichte, den die nächste\nbringen wird.\nIfltliliz« Die Liedertafel und der Damen-Gesangverein brach-\nten am 13. März unter ihrem gemeinschaftlichen Dirigenten Herrn\nFriedrich Lux im hiesigen Theater Cherubini's heroisch-tragische\nOper „Medea\" mit den Recitativen von Fr. Lachner in sehr gelun-\ngener Weise zur Aufführung. Der Eindruck auf das in allen Räu-\nmen gefüllte Haus war ein tiefer und nachhaltiger, und Soli wie\nChöre fanden häufigen und wohlverdienten Beifall. Die Soli-Partieen\nwaren durch Herrn Bertram und Frau Bertram-Mayer vom\nHoftheater in Wiesbaden, Herrn Schlösser vom Hoftheater in\nMannheim und Frau Scalla-Borzaga vom hiesigen Stadttheater\nin ausgezeichneter Weise vertreten.\nAm Tage des Concertes waren hier die Delegirten der dem\nmittelrheinischen Musikverbande angehörigen Vereine der Städte\nMannheim, Darmstadt, Wiesbaden und Mainz zusammen-\ngetreten, um in Bezug auf das fünfte mittelrheinische Musikfest\nBeschluss zu fassen. Diesem gemäss wird das Fest am 2. und 3.\nJuli in Mainz unter der artistischen Leitung des hiesigen Lieder-\ntafel-Directors Herrn Friedrich Lux Statt finden und ist das Pro-\ngramm in folgender Weise festgestellt: Am ersten Tage kommen\nMozart's Ouvertüre zur „Zauberflöte\" und Händel's Oratorium „Ju-\ndas Maccabäus\" zur Aufführung. Für das zweite Concert sind fol-\ngende Werke bestimmt: Pastoral-Sinfonie von Beethoven; zwei\nChöre a capella, nämlich: Adoramus te von Palestrina und Jesu\ndulcis von Vittoria; der 63. Psalm für vierstimmigen Frauenchor\nmit Harfenbegleitung von Fr. Lachner und „Lobgesang\" von Men-\ndelssohn.\nDie zehnjährige Violinistin Therese Liebe aus Strassburg,\nüber deren überraschende Leistungen uns aus Mannheim, Speyer,\nFrankfurt u. s. w. die rühmendsten Berichte vorliegen, ist am 17.\nMärz auch hier in einem Kunstvereins-Concerte aufgetreten und hat\ndas zahlreich versammelte Publicum durch ihre grosse technische"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "104", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650401-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6194, "texte": "Fertigkeit, wie durch die ausdrucksvolle Klarheit ihres Vortrages in\nErstaunen gesetzt und zum lebhaftesten Beifalle hingerissen. In\ndemselben Concerte erfreute auch der hier besonders beliebte Pianist\nJ. Ascher die Besucher durch den Vortrag seiner neuesten Com-\npositionen, welche stürmischen Beifall fanden.\nMan schreibt aus Mannheim vom 16. März: „Die Gesangs-\nVorträge des Herrn Nachbaur in der ersten Akademie fanden\nrauschenden und allerdings verdienten Beifall; sie lieferten den Be-\nweis, dass derselbe, nachdem wir ihn früher gehört, gründlichen und\neifrigen Studien obgelegen, deren Resultat wir die wärmste Aner-\nkennung zollen.\"\nBerlin, 25. März. Am Mittwoch ging als Festoper, zur Feier\ndes Geburtstages Sr. Maj. König Wilhelm's 1., C. M. v. Weber's\n„Euryanthe\" in Scene. Die Vorstellung leitete ein Trompetentusch\nein, dann erhob sich der Vorhang und Herr Kariowa trat als\nSprecher eines von Friedrich Adami gedichteten Prologes vor.\nDer letzte Vers der Dichtung war als Melodram behandelt, und\nhörte man die Klänge der National-Hymne durch Harfentöne einge-\nleitet; das Orchester fiel ein, das gesammte Publicum erhob sich\nvon den Plätzen und die üblichen Hochs erschollen von allen Lip-\npen. Die Oper nahm unmittelbar ihren Anfang und wurde die brillant\ngeschriebene Ouvertüre trefflich ausgeführt. Die Aufführung war gut.\nFrau Harriers-Wipp er n war der Stern derselben; sämmtliche\nPiecen wurden von ihr mit grossem Erfolge und herziger Innigkeit\ngesungen; vorzüglich culminirte sich der Beifall im dritten Acte\nund wurde die Sängerin wiederholt bei offener Scene gerufen. Die\nEglantine des Fräuleins Santer erfreute sich gleichfalls vieler Bei-\nfallsbezeigungen und entschädigte sie dafür aber auch das Publicum\ndur<Ji schönen und glockenreinen Vortrag ihres Partes. Auf dem\nFriedrich-Wilhelmstädter-Theater trat am Montag Herr Theodor\nWachtel in seiner Forcerolle als Postillon in Adam's gleichnami-\nger Oper als Gast auf. Das Haus war selbstverständlich ausverkauft,\ndenn es galt ja, zu prüfen, ob das Urtheil der österreichischen Me-\ntropole zu bestätigen oder anzufechten sei. Gewitterschwüle lagerte\nüber dem Publicum, und wurde der hier so beliebte Sänger auffäl-\nliger Weise nicht mit dem Enthusiasmus empfangen, welcher ihm\nsonst bei jedem früheren Auftreten zu Theil wurde. Für den ersten\nAct wären wir bald geneigt geworden, in Bezug auf den gesang-\nlichen Part des Sängers unseren wiener Collegen vollständig beizu-\npflichten; namentlich ging durch unreine Intonation (Folge einer be-\ndeutenden Indisposition) in dem Duette mit Madelaine viel verloren.\nIm zweiten Acte als St. Phar schien Herr Wachtel ein ganz Ande-\nrer geworden zu sein; wenn sich auch bei Einzelnem die Indispo-\nnirtheit fühlbar machte, so wurde dem Sänger doch für seine vor-\nzügliche Leistung sehr viel Applaus, namentlich für die brillant\nvorgetragene schöne Cantilene „Von früher Morgenröthe\". Die\nStimme besserte sich nach jeder Piece, und wagen wir dreist zu be-\nhaupten, dass Herr Wachtel die gesammte wiener Kritik durch seine\nLeistung Lügen strafte. Das bekannte Abt'sche Lied: „Gut' Nacht,\nDu mein herziges Kind\", wurde da capo begehrt. Niemann's\nGastspiel beginnt mit der zweiten Woche des April, und wird der\nKünstler in diesem Monate an der Seite von Fräulein Lucca vor-\nzugsweise als Faust, Troubadour, Raoul, Fra Diavolo, Lohengrin\nauftreten. In der zweiten Hälfte seines Gastspiels gibt er den Rienzi.\nVom Professor A. B. Marx erscheint im nächsten Monate bei\nO. Janke in Berlin unter dem Titel: „Erinnerungen aus meinem\nLeben\", ein zweibändiges kunsthistorisches Memoirenwerk, welches\nsowohl durch die darin auftretenden berühmten Persönlichkeiten der\nKunst- und Gelehrtenwelt, als durch eine Analyse und Kritik der\nwährend der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts hier zur Aufiuh-\nrung gelangten Kunstwerke von Spontini, Weber, C. Löwe, Men-\ndelssohn u. s. w., so wie auch durch die Erzählung von des geist-\nvollen Verfassers „Uebertritt zum Christenthume, von Mozart und\nHändel angeregt\", eine interessante literarische Erscheinung zu wer-\nden verspricht.\nDer Bau eines neuen Theaters auf den Stadterweite-\nrungsgründen nächst dem Bezirk Mariahilf soll bereits entschieden\nund zwischen der Baronin P a squalati und Herrn Offenbach\neine Vereinbarung dahin erzielt worden sein, dass Herr Offenbach\ndurch sechs Monate im Jahre die Direction übernimmt. Das neue\nUnternehmen will das Singspiel, das Drama und die Posse cultiviren.\nDas Engagement des Fräuleins Caroline Bettelheim für die\nwiener Hofoper ist nun definitiv zum Abschlüsse gebracht. Die lie-\nbenswürdige Künstlerin ist für zehn Jahre dem Institute gewonnen,\ngegen jährlich 10,000 Fl. Gehalt, drei Monate Urlaub und eine zu-\ngesicherte lebenslängliche Pension von 800 Fl. nach fünfjähriger\nund von 1500 Fl. nach zehnjähriger Dienstzeit.\nDie Gesellschaft der Musikfreunde in Wien hat den lobens-\nwerthen Entschluss gefasst, für jedes in ihren Concerten aufgeführte\nWerk eines lebenden Componisten demselben einen Ehrensold von\n3 bis 5 Ducaten zukommen zu lassen. Der erste Tonsetzer, auf den\ndie neue Bestimmung Anwendung fand, war Franz Lachner, der\nseine zweite Orchester-Suite im zweiten Gesellschafts-Concerte selbst\ndirigirt hat. Die Direction sandte ihm die fünf Ducaten in einem\nwerthvollen silbernen Poeale, in welchen eine passende Widmung\ngravirt war. Eine Adresse begleitete jüngst dieses Geschenk nach\nMünchen.\nDer verstorbene Herzog v. Morny hat sich viel mit Dichtung\nund Musik beschäftigt. Er unterschätzte sein Talent und beutete es\nmit jener Bescheidenheit und jenem genügsamen Ehrgeize aus, die\nso selten bei dilettantisirenden Personen gefunden werden. Er quälte\nseine Freunde, die Directoren und das Publicum nicht mit fünfacti-\ngen Dramen oder Opern, sondern versuchte es, sie mit kleinen Vau-\ndevilles, Proverbes und Operetten nach Kräften zu amusiren. Dass\nihm das nicht selten gelang, beweist der „Monsieur Choufleury\",\nder, wie man weiss, lange auf dem Repertoire der Bouffes parisiens\nblühte und dessen Text wie Musik ihn zum Verfasser hat.\nDie Gesammt-Einnahmen sämmtlicher pariser Theater betrugen\nim Jahre 1864 die Summe von 12,635,733 Fr.; hiervon entfielen an\nAutoren-Tantiemen 1,341,145 Fr."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650401-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nEin Skizzenbuch von Beethoven. Die Theaterzustäude in Frankreich ausserhalb Paris. Neuigkeiten aus F. Schubert's\nJN achlasse. Coneert des kölner Männer-Gesangvereins in Düsseldorf. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Stipendiat der\nMozart-Stiftung in Frankfurt a. M. Mainz, Liedertafel und Damen-Gesangverein, Programm des fünften mittelrheinischen Musikfestes,\nLiehe Mannheim, Herr Nachbaur Berlin, Königs Geburtstag, Gastspiele Professor A. B. Marx Wien u. s. w).\n\nEin Skizzenbuch von Beethoven\n).\nDas Büchlein, das uns in sehr noblem Typen- und\nNotendruck vorliegt, enthält grösstenteils einen Abdruck\nvon Original-Skizzen von Beethoven's Hand, anderenteils\nderen Einreihung in die betreffenden bekannten Compo-\nsitionen nebst daran geknüpften erläuternden und chrono-\nlogisch-historischen Bemerkungen des Herausgebers. Es\nist jedenfalls eine sehr interessante Veröffentlichung.\nDas Original ist ein regelmässig, vor dem Gebrauch,\nin pappenen Umschlag gebundenes Heft von 192 Seiten\nin Querfolio mit 16 Noten-Systemen auf jeder Seite. Es\nwurde bei der Versteigerung von Beethoven's Nachlass\nvon dem Ciaviermacher Karl Stein gekauft und ist jetzt\nim Besitze des Componisten und Ciavierspielers J. C.\nKessler in Wien. Die Zeit der Entstehung sämmtlicher\ndarin enthaltener Skizzen lässt sich mit kaum zweifelhafter\nAnnahme auf die Periode vom 1. October 1801 bis zum\nMai (oder etwas darüber hinaus) 1802 festsetzen.\nDie Gewohnheit Beethoven's, an mehreren Stücken\nzugleich zu arbeiten („Ich lebe nur in meinen Noten, und\nist das Eine kaum da, so ist das Andere schon angefan-\ngen. So wie ich jetzt schreibe, mache ich oft drei, vier\nSachen zugleich. Den 29. Juni 1800.\" Beethoven an We-\ngeier in dessen Notizen, S. 27), geht auch aus diesem\nSkizzenbuche hervor. Ueber die vereinzelten Wahrneh-\nmungen, die man über die Art, wie der Meister zu arbei-\nten pflegte, aus demselben und überhaupt aus Skizzen-\nbüchern schöpfen kann, macht Herr Nottebohm folgende\nBemerkungen, welche die Versuche, die Arbeitsweise\nBeethoven's zu einem nachahmenswerthen Vorbilde zu\nmachen, oder die geistige Entstehung seiner Schöpfungen\ndaraus zu entwickeln, gebührend in ihre Schranken weisen.\n„Im Allgemeinen lässt sich bemerken, dass Beethoven\nbei allen Arbeiten, welche in Skizzenbüchern unternom-\nmen wurden, auf die verschiedenste Art und Weise zu\nWerke ging, auch wohl auf entgegengesetzten Wegen\nzum Ziele gelangte. Solche Verschiedenheit wird Einem\nrecht vor Augen gerückt, wenn man die Skizzen zu an\nsich verschiedenen, aber einer und derselben Kunstform\nangehörenden Sätzen mit einander vergleicht. Wenn wir\nunsere Aufmerksamkeit auf diesen Punkt richten, so kön-\nnen wir zwei entgegengesetzte Arten unterscheiden. Beide\nlassen sich durch entsprechende Skizzengruppen belegen.\nBei der einen Skizzengruppe waltet die thematische Ge-\nstaltung vor; die erste Skizze bricht gleich mit dem Haupt-\nthema ab, und beschränkt sich die folgende Arbeit darauf,\nden einmal hingeworfenen thematischen Kern so zu ver-\nändern und umzubilden, bis er zur Durchführung geeignet\nerscheint; dann wird ein Gleiches mit den Mittel-Partieen\nvorgenommen; überall sehen wir Ansätze, nirgends ein\nGanzes: ein Ganzes tritt uns erst ausserhalb des Skizzen-\nbuches entgegen, in der gedruckt vorliegenden Compo-\nsition, wo dann die Theile, die im Sktzzenbuche zerstreut\naus einander liegen, zusammengestellt erscheinen. Bei der\nanderen Skizzengruppe ist die thematische und musivische\nArbeit ausgeschlossen: jede Skizze ist auf ein Ganzes ge-\nrichtet und gibt ein abgeschlossenes Bild; gleich die erste\ngibt den vollständigen Umriss zu einem Satztheile; die\nnächstfolgenden erscheinen als vollständige Umarbeitungen\nder ersten, als andere Lesarten, wobei es theils auf eine\nVeränderung des summarischen Charakters, theils auf eine\nUmgestaltung im Grossen, auf eine Ausbildung der Mittel-\nPartieen u. dgl. abgesehen ist. Diese beiden Fälle bezeich-\nnen wohl die entgegengesetztesten Wege, die denkbar sind.\nEs ist natürlich, dass die Mehrzahl der Skizzen keiner von\nbeiden Bichtungen ausschliesslich angehört, sondern sich\nzwischen beiden bewegt, sich bald der einen, bald der an-\nderen nähert. Bei solcher Mannigfaltigkeit wird es nicht\n\n*) „Beschrieben und in Auszügen dargestellt von Gustav\nNottebohm.\" Leipzig, Breitkopf und Härtel. 43 S. kl. Fol.\nPreis 15 Sgr."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650401-01.1.2", "texte": "gelingen, eine bestimmte Ordnung und ein Verfahren in\nder Arbeit zu entdecken, welches allen Fällen gemeinsam\nwäre und sich jedes Mal wiederholte. Ist das nun einmal\nfestgestellt, dass Beethoven nach keiner Schablone arbei-\ntete*) (denn wie anders soll man das Freisein von jeder\näusseren Norm nennen?), so ist auch wohl einleuchtend,\ndass die Skizzenbücher das innere Gesetz, von dem sich\nBeethoven beim Schaffen leiten liess, nicht offenbaren wer-\nden. Um solchem nachzugehen, müsste der Standpunkt\nder bloss äusserlichen Betrachtung aufgegeben und wenig-\nstens versucht werden, auf einem anderen, tieferen Grund\nund Boden festen Fuss zu fassen.\n„Wir können die fortschreitende Entwicklung einer\nPflanze beobachten, die Stufenfolge ihres Wachsthums\nkennen lernen. In beständiger Wandlung begriffen und\ndarin bestimmten Gesetzen folgend, bringt sie immer Neues\nzum Vorschein. Aber alles Neue ist immer das Alte. So\nmag es gelingen, sie genetisch zu erklären. Anders ist es\nbeim musicalischen Kunstwerke, das in seiner allgemeinen\nErscheinung an den Ausdruck eines Besonderen, Indivi-\nduellen gebunden ist, und in solcher Besonderheit nicht,\nwie die Pflanze, einem Naturgesetze, sondern den Gesetzen\ndes Geistes folgt. Wir können ein Tonstück im Ganzen\nund Einzelnen betrachten, seinen Bau zergliedern, uns an\nseiner Schönheit erfreuen; es wird uns aber seine Genesis\nund wie das alles so geworden verschweigen. Die Abge-\nschlossenheit, in der es erscheint, bedingt, dass alle Spu-\nren abgestreift sind, welche auf eine vorhergegangene\nEntwicklung deuten können. Fassen wir es als eine orga-\nnische Bildung auf, so müssen wir auch voraussetzen, dass\nes auf organischem Wege entstanden sei und sich von\ninnen heraus zu einem einheitsvollen Ganzen entwickelt\n4 • t\nhabe. Es ist nun wohl wahr, dass die Skizzenbücher, wo\nAlles schwankend und gleichsam beweglich erscheint, was\nin dem Tonstücke fest und unveränderlich dasteht, man-\nchen Vorgang in Bezug auf Entstehung, Erfindung, Ge-\nstaltung u. dgl. enthüllen. Aber darüber muss man klar\nsein, dass sie auch Manches verschweigen, und dass wir\nvon allem, was organisch heisst, aus ihnen am allerwenig-\nsten erfahren. Das ihnen fehlende Moment lässt sich nur\ndurch Abstraction gewinnen. Wir suchen es in Beethoven,\ndem Künstler, selbst, in der Einheit seines ganzen We-\nsens und Geistes, in der Harmonie seiner Seelenkräfte.\nDer ganze Mensch mit seiner geistigen und seelischen\nThätigkeit muss hinzugezogen werden, um die Einheit zwi-\nschen Erscheinung und Idee herzustellen. Hier liegt auch\nder Schlüssel zu seiner Werkstätte. Wer mag sich aber\nrühmen, solches Amt der Schlüssel verwalten zu können?\"\nVon den von Nottebohm mitgetheilten Skizzen bezie-\nhen sich die meisten auf Ciaviersachen, z. B. auf die drei\nso genannten Alexander-Sonaten Op. 30 mit der\nVioline, die Clavier-Sonate in den letzten Satz\nder Kreutzer- Sonate Op. 47, die Variationen für Cia-\nvier in F Op. 34 und in Es Op. 35 u. s. w. Unter\nden übrigen ist eine ziemlich ausführliche (die längste, in\ndem Originalhefte eilf Seiten füllende) zum Finale der\nSinfonie Nr. 2 in D-durdie interessanteste.\nChronologisch wichtig ist die Skizze zum Terzett:\nTremate, empi, tremate, das als Op. 116 gedruckt ist\nund auch 1814 in Wien in einer Akademie Beethoven's\nals „neu\" angekündigt wurde. Das Programm dieser Aka-\ndemie (den 27. Februar) lautet bei Schindler, I. 194:\nSinfonie in A-dur\\ b. Neues Terzett für Sopran, Tenor\nund Bass, „Empi, Tremate/\" vorgetragen von Frau Mil-\nder-Hauptmann und den Meistersängern Siboni und\nWeinmüller; c. Neue Sinfonie in F-dur (Nr. VIII);\nd. Die Schlacht bei Viltoria (die vl-e?wr-Sinfonie und die\nSchlachtmusik waren bereits im December 1813 zwei\nMal und im Januar 1814 zum dritten Male wiederholt\nworden). Das Terzett aber war schon 1801 oder 1802\ncomponirt, wie der Entwurf desselben in Kessler's Skiz-\nr 4 £\nzenbuch, auf welches auch Thayer in seinem „chronolo-\ngischen Verzeichnisse\" u. s. w. Seite 44 schon hinweist,\njetzt durch Nottebohm bestätigt. Uebrigens erkannte\nschon 1826 der Recensent dieses so genannten Op. 116\nin der leipziger Allg. Mus.-Z(g. in demselben ganz richtig\nein Werk aus einer weit früheren Periode Beethoven's.\nIm Jahre 1824 war es bei einer Akademie für Beethoven\nunter des Opern-Directors Duport leitender Anordnung\nwiederum als „neu\" angekündigt worden, worüber sich\nBeethoven in einem Briefe an Tob. Haslinger (bei Notte-\nbohm abgedruckt) entschuldigt: „ Alles, was übrigens\nDuport gethan hat, daran bin ich gänzlich unschuldig, so\nwie er das terzettauch für neu ausgegeben, nicht ich.\nSie kennen meine Wahrheitsliebe zu sehr, jetzt aber\nist's besser, davon zu schweigen\" u. s. w. (S. 40).\nDie Skizze zu den Variationen in Es (Op. 35) auf\ndas bekannte Thema im Finale der Sinfonia eroica be-\nschreibt Nottebohm S. 32: „Motivisch angedeutet und\ntheilweise ausgeführt erscheinen zuerst die Variationen:\n3, 5 und 11; späterhin auch: 8, 1, 2, 4 und 15. Die\nEntwürfe zu den einleitenden Variationen über den Bass\n\n*) Es ist das so selbstverständlich, dass es überflüssig erschei-\nnen mag, hierauf näher einzugehen. Wir müssen aber daran erin-\nnern, wie bedenklich die in neuerer Zeit unternommenen Versuche\nsind, Beethoven's Arbeitsweise, seine Methode der Arbeit, oder wie\nman es genannt hat, zu einem Gemeingut und Lehrgegenstande zu\nmachen. Ausserdem erschien es wünschenswerth, über den Stand-\npunkt, den wir glauben bei einem Skizzenbuche einnehmen zu müs-\nsen, möglichst klar zu werden."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650401-01.1.3", "texte": "des Thema's (a due, a tre, a quattro) werden erst später,\nim Verlaufe der Arbeit und zum Theil auf vier Notenzei-\nlen, wie für Streich-Quartett geschrieben, sichtbar. Das\nThema, das „ „Finale alla fuga\"\" und Anderes fehlt. Da-\ngegen erscheinen mit der Ueberschrift „ „Finale presto\"\"\nAnsätze zu einem unbekannt gebliebenen, länger ausge-\nsponnenen Satze im */4-Tact, mit freier Durchführung\ndes Thema's und im gewöhnlichen Finale-Charakter. Be-\ntrachtet man die ganze Skizzengruppe, so wird man der\nAnsicht, Beethoven habe Anfangs Variationen gewöhn-\nlicher Art, etwa wie die über „ „ Vieni amore\"\", schrei-\nben wollen, sei aber im Verlaufe der Arbeit auf die Ver-\nwendbarkeit des Grundbasses und auf die Ergiebigkeit des\nThema's zu Variationen ernsterer Art geführt worden.\nBeethoven wird die Arbeit, da sich weiter nichts im Skiz-\nzenbuche findet, anderwärts wieder aufgenommen und zu\nEnde gebracht haben. Wir betrachten demnach die vor-\nliegenden Skizzen als eine Vorarbeit.\"\nChronologisch stellt sich nun die Beihenfolge der vier-\nmaligen Benutzung desselben Thema's jetzt dadurch fest,\ndass wir in dem Ressler'schen Skizzenbuche auf den er-\nsten Seiten das Thema in einem Contretanz antreffen,\nauf den späteren als Grundlage der Variationen Op. 35.\nDa es nun bekanntlich auch in der Balletmusik: „Die Ge-\nschöpfe des Prometheus\", vorkommt und diese zum\nersten Male schon im März 1801 aufgeführt wurde\nalso vor dem Herbste 1801, in welchem das Skizzenbuch\nbeginnt, so scheint die Erfindung desselben doch durch\ndas Ballet veranlasst, nicht durch die Composition des\nContretanzes, wie man bisher annahm.\nWir fügen hier aus Alex. W. Thayer's Verzeich-\nniss (vgl. Niederrh. M.-Ztg. d. J. Nr. 10) noch folgende,\nBeethoven's Skizzenbücher betreffende Notizen hinzu.\nDie erste Rubrik des Seite 175 u. ff. mitgetbeilten\nAuctions-Katalogs von Beethoven's Nachlass weist\nfünfzig Nummern einzelner Notirbücher auf, welche mei-\nstens zu einem, wenige darunter zu zwei, ein einziges\nzu drei Gulden erstanden worden sind. Ferner enthält\ndie zweite Rubrik „Brauchbare (?) Skizzen, Fragmente\nund zum Theil unvollständige Werke, noch ungedruckt\nund eigenhändig geschrieben\", etwa zwanzig Nummern,\ndie etwas höher bezahlt wurden (jedoch nur zwei davon\nüber 3 Gulden), weil die Herren Verleger damit noch ir-\ngend ein Geschäftchen zu machen hofften.\nDiese Notir- und Skizzenbücher sind in alle Welt zer-\nstreut worden; die meisten davon sind jetzt im Besitze von\nArtaria u. Comp, in Wien und der königlichen Bibliothek\nzu Berlin (die Schindler'sche und Landsberg'sche Samm-\nlung). Eines der interessantesten ist das von 1811 —lßl2,\nim Besitze des Herrn G. Petter in Wien; es enthält\nSkizzen zur siebenten und achten Sinfonie und zur\nneunten.\nDen ersten Satz der achten wollte Beethoven nach\ndiesen Skizzen Anfangs mit einer Einleitung beginnen und\nkommt im eilften Tacte zum Thema (S. 71 des Skizzen-\nbuches); erst auf S. 97 findet sich das vollständige Thema\nu. s. w. achtzehn Seiten hindurch. Dazwischen auf S. 83\nund dann wieder mit der Bemerkung das ori-\nginelle Motiv des letzten Satzes.\nZur neunten findet sich in Petter's Skizzenbuch fol-\ngendes Thema:\nIn dem Artaria'schen Notirbuche P: „Finale. Freude\nschöner Götter Funken Tochter Elisium. Die Sinfonie aus\n4 Stücke, aber das 2U Stück in 2j\\ takt wie in dem lston\ndas 4. können in 6/s takt dur seyn u. das 4\"' Stück recht\nfugirt.\"\nUnd auf einer anderen Seite:\n„Sinfonie allemand entweder mit Variationen, auf den\nChor alsdann eintritt oder ohne Variationen.\n„Ende der Sinfonie mit türkischer Musik u. Singebor\nden rythraus von 3 takte im Gloria\" (unleserlich). [Soll\nwohl heissen im Scherzo.J\n\nDie Theaterzustände in Frankreich ausserhalb\nParis.\nDie Verhältnisse der Provincial-Bühnen in Frankreich\nsind im Auslande so gut wie unbekannt. Dass auf den\nTheatern der grössten Städte in Frankreich ausser Paris\nfür die Kunst und insbesondere für die Oper wenig oder\ngar nichts gethan wird, und dass Frankreich nicht im\nentferntesten im Stande ist, in dieser Beziehung den Ver-\ngleich mit Deutschland auszuhalten, ergibt sich aus der\nfolgenden, nach guten Quellen zusammengestellten Ueber-\nsicht der ökonomischen Lage der Theater in den sieben\ngrossen Städten Marseille, Lyon, Bordeaux, Rouen,\nLille, Toulouse, Nantes. Man wird daraus ersehen,\n\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650401-01.1.4", "texte": "Dass die dortigen Bühnen-Directoren, zumal seit dem neuen\nTheatergesetze, auch nicht auf Rosen gebettet sind.\nIn zwei wichtigen Dingen ist uns aber Frankreich\nvoraus: für die Dichter und Componisten darin, dass der\nEinnahme-Anlheil für sie bei allen Bühnen gesetzlich\nfestgesetzt ist, und für die Directoren darin, dass jede\nStadt ihnen einen mehr oder weniger bedeutenden Zu-\nschuss aus Gemeindemitteln gibt, der theils in Ueberlas-\nsung des Hauses ohne Miethe, theils in einer bestimmten\nGeldsumme, zuweilen in Beidem besteht. Auch war in\neinigen Städten vor dem Gesetze über die Theaterfrei-\nheit dem Director des Haupttheaters noch das Privi-\nlegium zuerkannt, eine gewisse Abgabe für die Concession\nkleinerer Bühnen in derselben Stadt einzuziehen. Daneben\nflber figurirt als Gegenstück die gesetzliche Abgabe be-\nstimmter Procente von der Einnahme an die Armen\nder Stadt, die ja auch im preussischen Rheinlande als\neine Reliquie der französischen Herrschaft noch besteht\nund die künstlerischen Leistungen in Theatern und Con-\ncertsälen mit den Gaukeleien in Kirmessbuden und den\nProductionen der Thierbändiger in den herumziehenden\nMenagerieen auf eine Linie stellt. In Frankreich, wie in\nRheinpreussen, wird das Gesetz hier und da durch wohl-\nwollende Stadtverordnete gemildert; aufgehoben ist es\naber nirgends.\nDie Stadt Marseille mit einem Budget von\n10,473,601 Fr. gab vor der Theaterfreiheit dem Di-\nrector ihrer beiden Theater (Grand Theätre, Theätre du\nGymnase) einen Zuschuss von 220,000 Fr. Dafür musste\nderselbe die Miethe des ersten mit 70,000, des zweiten\nmit 60,000 und die Armenabgabe mit 45,000 Fr. be-\nzahlen. Es blieben ihm mithin noch 45,000 Fr., wozu\n50,000 Fr. an Concessions-Einnahmen von den kleineren\nBühnen kamen. Unter diesen Verhältnissen machte der\nDirector gute Geschäfte. Aber als das Gesetz vom 6. Ja-\nnuar 1864 in Kraft trat, verweigerte er die Fortsetzung\nder Theaterleitung, da man ihm eine Erhöhung des städti-\nschen Zuschusses abschlug. Der Stadlrath ging im Gegen-\ntheil im Vertrauen auf die Theaterfreiheit so weit, den\nTheater-Zuschuss von seinem Budget zu streichen.\nDamit hörte die Oper in Marseille auf: die Kunst\nwurde dem Gewerbe überlassen.\nMehrere Theater erstanden und machten einander\nConcurrenz. Vaudeville, Zauber- und Feen-Schauspiel,\nLustspiel und dann und wann einige höchst mittelmässig\ngegebene Opern bildeten das Contingent für die dramati-\nsche Kunst in Marseille. In diesen Tagen las man in dor-\ntigen Blättern, dass die drei Directoren der gegenwärtig\nthätigen Bühnen um städtischen Zuschuss gebeten und\njeder 8000 Fr. erhalten hätte!\nIst das der erwartete und im voraus so sehr gerühmte\nFortschritt?\nDie Stadt Lyon mit einem Budget von 9,088,072\nFr. 59 C. gab vor der Thealerfreiheit einen Zuschuss\nvon 100,000 Fr., nachher von 120,000 Fr., und da\ndiese Summe noch nicht hinreichte, erhöhte sie dieselbe\njüngst auf 170,000 Fr. Ausserdem hat der Director die\nbeiden Häuser [Grand Theund\nlestin-s) frei, was wiederum 80,000 Fr. beträgt. Ferner\nist ihm eine Erleichterung der Armenabgabe bewilligt,\nstatt deren er 35,000 Fr. jährlich zu zahlen hat. Auf\ndiese Weise braucht er die Concurrenz nicht zu fürchten\nund ist von allen Theater-Unternehmern in Frankreich\nam besten gestellt.\nIn B o rd ea ux fand sich auf dem städtischen Budget von\n4,268,054 Fr. bis zum 6. Januar 1864 als Zuschuss\nfür die beiden Theater, welche unter einer Direction\nstanden, die Summe von 120,000 Fr. Seitdem sind die\nTheater getrennt, und da die Lage des grossen Theaters,\nwelches eine stehende Oper hat, misslicher wurde, bewil-\nligte \"man dem Director desselben 144,000 und nach\neinigen Monaten 184,000 Fr. und gab ihm noch dazu\ndas Haus frei. Dagegen liiessen an Armenabgaben 74,000\nFr. wieder in die städtische Casse zurück.\nIn Rouen (mit einem Budget von 3,595,109 Fr.)\nerhielt der Director der drei Theater an Unterstützung\nAlles in Allem gerechnet 130,000 Fr. Nach der „Frei-\nheit\" miethete ein Unternehmer die zwei Häuser, welche\ndem Vaudeville und dem Drama gewidmet sind, wollte\naber das grosse Theater mit der Oper nur gegen einen\nhöheren Zuschuss als bisher übernehmen. Die Stadt,\nwelche schon den dreissigsten Theil ihrer Einnahme auf\ndas Theater verwendete, sah sich ausser Stande, diesem\nBegehren zu willfahren. Es übernahm nun ein anderer\nDirector das grosse Theater; man stellte es ihm frei,\nStücke aller Gattungen zu geben, und bewilligte ihm\n60,000 Fr. Zuschuss mit der Verpflichtung, dreissig\nOpern-Vorstellungen im Jahre zu geben. Nach sechs Mo-\nnaten, in denen zehn Opern in Scene gesetzt worden wa-\nren, legte der Stadtrath 15,000 Fr. zu. Man gab also\n75,000 Fr. jährlich aus und hatte doch keine stehende\nOper. Jetzt sind sogar vier Theater in Rouen; sie ma-\nchen alle schlechte Geschäfte, und die Oper ist von der\nScene verschwunden.\nDie Stadt Lille (Budget 2,449,500 Fr.) verwendet\nauf die Unterstützung ihres Theaters den Erlass des Mieth-\nzinses für ein freilich nicht im besten Zustande befindliches\nHaus nebst Inventarium, etwa 50,000 Fr., und bezahlt\nmit 5000 Fr. einige Angestellte bei demselben; ausser-\ndem ist dem Director gestattet, an Stelle der Armen-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "101", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650401-01.1.5", "texte": "abgaben 200 Fr. monatlich und eine Vorstellung im Jahre\nzu geben, wobei er etwa 20,000 Fr. Vortheil haben mag.\nDafür ist er aber verpflichtet, eine komische Oper zu hal-\nten. Er hat bis jetzt keine Concurrenz zu bestehen: erhebt\nsich aber nur eine einzige, so kann er unter den bisheri-\ngen Bedingungen die Oper nicht durchführen.\nAus Nantes fehlen unserer Quelle die genaueren\nAngaben. Auf dem städtischen Budget von 2,428,361\nFr. erscheint auch eine Ausgabe für das Theater von\n80,000 Fr.\nToulouse hat ein Budget von 2,041,136 Fr. und\ngab dem Theater-Director das Haus des grossen Theaters\nfrei und eine Unterstützungssumme von 80,000 Fr. Da-\ngegen musste er die Miethe des kleinen Theaters mit\n13,000 Fr. und die Armenabgaben mit 40,000 Fr. be-\nzahlen, so dass ihm, die Miethe des grossen Hauses zu\n50.000 Fr. gerechnet, 77,000 Fr. als baarer Zuschuss\nübrig blieben. ln diese Bewilligung war aber die vor-\ntreffliche Bedingung eingeschlossen, dass aus der Unter-\nstützungssumme die Mitglieder des Chors und des\nOrchesters und die kleineren Angestellten beim Theater\nbezahlt werden mussten, mit anderen Worten: die Stadt\nbesoldete das Orchester und den Chor. So war es vor\n1864. Mit dem Decrete der Theaterfreiheit eröffneten\nfünf Theater in Toulouse ihre Vorstellungen! Vier davon\nund unter ihnen dasjenige, welches Opern gab, gingen\nnach wenigen Monaten zu Grunde. Jetzt hat sich für die\nOper ein neuer Unternehmer gefunden, der zugleich ein\nzweites Theater für Vaudeville, Drama und Lustspiel aus-\nbeutet. Wie es ihm gehen wird, muss die Zukunft lehren.\nHiernach erscheinen die Theater-Zustände in der gros-\nsen Mehrzahl dieser Hauptstädte der Provinz in traurigem\nLichte, geschweige denn in den kleineren, weniger reichen\nStädten, deren es doch noch viele gibt, wie z. B. Metz,\nStrassburg, Amiens, Arras, Boulogne, Cherbourg, Nancy,\nGrenoble, Orleans u. s. w. u. s. w., welche alle bevölker-\nter sind als die meisten kleineren Residenzen in Deutsch-\nland, die ihre Hoftheater besitzen.\nMit Recht fragen daher französische Blätter immer\nlauter: „Wo sind die Vortheile, welche die neue Maass-\nregel der Staats-Regierung so grosssprecherisch verheissen\nhat? Ist eine irgendwie gesunde, auf richtiger Theorie\nund auf Erfahrung beruhende Basis in dem Theater-Ge-\nsetze vom 6. Januar 1864 zu finden, oder ist es bloss\ndem Worte „ „Freiheit\"\" zu Liebe erfunden, damit diese\nda, wo sie nicht gefährlich ist, wieder eingeführt werde?\nWo ist eine einzige Thatsache, die der Regierung das\nRecht gäbe, in ihrem Expose l'Empire\nzu sagen, dass allerdings das fragliche Decret für die\nTheater in der Provinz erst mit der Zeit die glücklichen\nResultate erzeugen werde, welche die Staats-Verwaltung\nmit Grund davon erwarten dürfe? Nicht einen Schatten\nvon Aufhülfe oder gar von Opfern für das Wohl der\nBühnen in den .Departementsstädten hat der Staat zum\nVorschein gebracht. Da er dieselben ganz und gar den\nStädten überlässt, und dem, was diese thun oder lassen,\nganz fremd bleibt, wo nimmt er das Recht her, glückliche\nResultate zu erwarten? Höchstens könnte von einem mo-\nralischen Rechte die Rede sein, aber das allein kann die\nHoffnungen nicht begründen.\"1)\nBetrachtet man die obigen officiellen Angaben/ so\nkann man wahrlich die Behörden der genannten Städte\nnicht der Knauserei und des Mangels an Opferwilligkeit\nfür die Kunst zeihen, denn ihre Zuschüsse für die Theater\nüberragen, namentlich im Verhältnisse zu der städtischen\nEinnahme, bei Weitem dasjenige, was unsere Gemeinde-\nVerwaltungen in Deutschland in den grossen Städten für\ndenselben Zweck zu thun pllegen. Im Ganzen verwenden\ndie sieben französischen Städte 1,113,000 Fr. zur Unter-\nstützung ihrer Bühnen, und das ist von ihrer Gesammt-\nEinnahme von 34,344,000 Fr. eine beträchtliche Summe.\nNun halte man einmal Paris dagegen. Die sieben\nProvincialstädte geben ungefähr den dreissigsten Theil\nihrer Einnahme: die Stadt Paris, deren Budget vier bis\nfünf Mal grösser ist, als jene Gesammt-Einnahme, gibt für\nihre Theater nichts.\nParis, welches mehrere Schauspielhäuser als städti-\nsches Eigenthum besitzt, lässt sich von allen Miethe zah-\nlen, auch von denen, die eine Subvention vom Staate er-\nhalten, so dass bei diesen letzteren (wie z. B. beim Theätre\nlyrique) der Staat der Stadt das Haus bezahlt. Und oben-\nein zieht die Stadt für ihre Armencasse noch jährlich eine\nSumme von 15—16,000,000 Fr. ein!\nWas ist das für ein Verhältniss? Und da sagt noch\ndie Regierung und die Pariser zu den Provincialen:\n,Wenn Ihr gute Theater haben wollt, so bezahlt sie!\"\nWenn in- irgend einem Zweige auf Decentralisation zu\ndringen, so ist es in der Beschützung der Kunst durch\nden Staat. Nichts scheint gerechter, als das Verlangen,\nwenigstens ein gleiches Verhältniss herzustellen und die\nreiche Stadlcasse von Paris vorab einmal eben so für ihre\nTheater sorgen zu lassen, wie es die anderen Städte thun\nmüssen. Auch wäre das nichts Neues; unter dem ersten\nKaiserreiche gab die Stadt Paris 1,300,000 lr. für die\nTheater, hauptsächlich für die grosse Oper, und die Civil-\nliste legte 548,000 Fr. zu. .\n\n*) Im Gegentheil. Denn die speculirende Gewerbe-Concurrenz\nist genöthigt, sich dem grossen Haufen zu fügen und verdirbt folg-\nlich den Geschmack gründlich, wie wir das z. B. auch an unseren\nSommertheatern sehen. Die Redaction."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "102", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650401-01.1.6", "texte": "Kann das Gesetz vom 6. Januar 1864 den Uebel-\nständen in der Lage der dramatischen Kunstanstalten in\nFrankreich abhelfen? Darauf gibt die bisherige Erfah-\nrung die betrübende Antwort nicht nur mit Nein, son-\ndem zeigt, dass es sie noch verschlimmert hat und dass\ndie Oper schon aus einigen Städten ganz verschwunden\nist, in anderen mit Noth ein ärmliches Dasein fristet.\n\nNeuigkeiten aus F. Schubert’s Nachlasse.\nDas ausserordentliche philharmonische Concert\nzum Besten des Schubert-Monumentfonds eröffnete mit\nder Ouvertüre zu „Alfonso und Estrella\", einem liebli-\nchen, in schlanken Proportionen leicht und zierlich aufge-\nbauten Tonstücke. Von den beiden bei dieser Gelegenheit\nzum ersten Male vorgeführten Z wischenacts-Musiken\naus „Bosamunde\" ist das erste Stück in eine\nArbeit von hoher Bedeutung, sowohl in Hinsicht des von\nblühenden, hinreissend schönen Gedanken strotzenden In-\nhalts, wie auch bezüglich der breiten, symphonischen\nForm. Dass der Charakter dieses Stückes eine bestimmte\nsinnbildliche Grundlage hat, unterliegt keinem Zweifel,\ndenn die Gegensätze zwischen wilder Energie und idylli-\nscher Weichheit treten zu bestimmt auf, als dass sie bloss\ndie Bedeutung musicalischer Contraste haben sollten. Es\nwäre interessant gewesen, diese offenbare Beziehung zur\nHandlung auf dem Programme mit einigen Worten anzu-\ndeuten. Ganz prachtvoll ist die Modulation, es kommen\nSchlussfälle von einer Originalität vor, wie sie in dieser\nHinsicht nur Schubert eigen war. Auch die Art, wie Schu-\nbert hier die Bässe führt, ist manchmal höchst merkwür-\ndig, so besonders in dem wunderbar klingenden melodi-\nschen Saitensatze (in D-dur), wo aus dem den Funda-\nmentalbass übersteigenden Gange der Violoncelle folgen-\nder Modulationszug sich ergibt:\nDer zweite Zwischenact ist in Bondo-Form gehal-\nten, dessen Hauptsatz (B-dur) sich wörtlich im A-moll-\nQuartette findet. Es lässt sich nicht bestimmen, ob die\nUebertragung aus diesem in die Orchesterform oder um-\ngekehrt Statt gefunden, da zwar das Entstehungsjahr der\n„Bosamunde\", nicht aber jenes des Quartetts bekannt ist.\nNach der Opuszahl wäre der Satz aus dem Orchestralen\nins Quartett aufgenommen worden; die entgegengesetzte\nProcedur dünkt uns jedoch die wahrscheinlichere. Das\nStück ist lieblich und die Zwischensätze der Bläser machen\neine reizende Wirkung. Die Herausgabe dieser beiden\nEntreacts würde sich gewiss in hohem Grade lohnen. Den\nSchluss des Instrumentalen bildete die bekannte C-Sinfonie\nin der trefflichsten Ausführung, die man nur wünschen\nkann. Die Aufnahme aller dieser Vorführungen, zumal\naber die der Zwischenmusiken, war eine überaus glän-\nzende. Der lang anhaltende, stürmische Beifall schloss offen-\nbar das Verlangen nach einer Wiederholung in sich ein;\nder Dirigent jedoch war tactvoll genug, diese nicht nur\nnicht zu leisten, sondern auch den Beifall nicht auf sich\nzu beziehen: man liess die ganze Ehre dem Componisten.\nDen vocalen Theil bestritt Fräulein Caroline Bet-\ntelheim allein, da Herr Walter unwohl geworden. Die\ntäglich durch neue Fortschritte erfreuende Künstlerin sang\nden „Memnon\", die „Gruppe aus dem Tartarus\", „Am\nGrabe Anselmo's\" und „Geheimes\" mit schönem Ver-\nständniss, Geschmack und warmem Gefühl. Es war ein\nvoller und verdienter Sieg, den sie hier als Liedersängerin\nfeierte. Besonderen Dank verdient überdies die Wahl sel-\nten gehörter und hochbedeutender Lieder.— Das Erträg-\nniss dieses schönen, allen Betheiligten zur hohen Ehre\ngereichenden Concei'tes soll über 1000 Fl. rein einge-\nbracht haben. Die Hälfte davon wird beabsichtigt, der mit\nihren vier unmündigen Kindern in den kümmerlichsten\nVerhältnissen lebenden Witwe Ferd. Schubert's zuzu-\nwenden, ein Entschluss, den wir nur aus vollem Herzen\nbilligen können. Die Lebenden haben das dringendere\nBecht; der grosse Todte kann warten, falls es bei der\nAusführung seines Denkmals gerade auf diese 500 Fl.\nankäme, was wohl kaum der Fall sein wird.\n(W. 81. f. Tb.)\n\nConcert des kölner Männer-Gesangvereins in\nDüsseldorf.\n\nAm 25. März wohnten wir zu Düsseldorf in der städtischen\nTonhalle einem Concerte bei, welches der kölner Männer-Gesang-\nverein unter Leitung seines Dirigenten, des königlichen Musik-Di-\nrectors Herrn Franz Weber, auf die Einladung des dortigen\nKünstler-Unterstützungs-Vereins zum Vortheil der Casse dieses Ver-\neins, der so ehrenwerthe Zwecke verfolgt, gab.\nWir hatten die berühmte Sängergesellschaft lange nicht gehört,\nund so ging es uns jetzt wieder gerade so, wie es uns immer nach\nlängeren Zwischenräumen damit ergangen, nämlich dass wir über\nReinheit, Tonfülle, Präcision und Ausdruck erstaunten und, wahr-\nhaft davon ergriffen, einen solchen Eindruck empfanden, als wenn\nwir den Verein zum ersten Male hörten. Der Männergesang hat be-\nkanntlich in den letzten Jahren unter den Bewohnern des eigent-\nlichen Kunstgebietes und namentlich bei den Stimmführern in die-\nsem Staate, der wie alle Republiken häufigen Schwankungen und"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "103", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650401-01.1.7", "texte": "Unruhen unterworfen ist, einen grossen Theil seiner Geltung ver-\nloren; allein wir hoffen, dass diese Krise ihm zum Heile gereichen\nwerde und dass er den Grundsatz, der für alle und jede Production\nder Kunst allein maassgebend ist, überall auf seine Fahnen schreibe,\nden Grundsatz, dass alles Halbe und in künstlerischer Hinsicht Mit-\ntelmässige durch äussere Mittel niemals einen wirklichen Werth\nerlangen kann, mögen diese Mittel auch aus der ehrenwerthesten\nGesinnung hervorgehen und z. B. in Vaterlandsliebe und Popularität\nwurzeln. Das Reich der Kunst ist ein rein geistiges und für sich\nbestehendes, das Schöne ist eine Sonne, die nur dann ihre erwär-\nmenden und alle Gebiete befruchtenden Strahlen mit Segen verbrei-\ntet, wenn sie durch keine Wolken und Dünste verdunkelt wird, die\naus fremden Atmosphären in ihre Bahn heraufbeschworen werden.\nEs ist eigentlich eine Anomalie, dass man für eine Kunstgattung,\nwie doch der Männergesang offenbar ist, noch ganz besonders die\nRegel aufstellen solle: „betreibt sie künstlerisch!\" aber die Muse\nder Tonkunst hat nun einmal die Schwäche, die freilich aus ihrem\nalle Welt so leicht und schnell einnehmenden Wesen fliesst, dass\nsie bei der Aufnahme ihrer Priester viel zu nachsichtig ist und\nTausende und aber Tausende, die sich zu ihrem Dienste herbei-\ndrängen, immer freundlich wenigstens vor ihrem Tempel herumspa-\nziren, sich lagern und Pickenicks veranstalten lässt, wofür sie denn\nauch den Namen der populärsten unter allen ihren Schwestern da-\nvongetragen hat.\nDer kölner Männer-Gesangverein hat schon durch das Streben,\ndas er von je her verfolgt hat, alle Gesetze des Kunstgesanges auch\nauf seinem Gebiete streng zu handhaben, eine Ausnahmestellung\nunter den tausend Vereinen in Deutschland eingenommen, und dass\ner dieses Streben durch die That gekrönt hat, dass sein Vortrag\nvon Männerchören den Anforderungen der Kunst wirklich entspricht,\ndas sichert ihm einen unbestrittenen Platz in der Geschichte des\ndeutschen Gesanges.\nAuch das Concert in Düsseldorf hat einen neuen Beweis der\nvollsten Berechtigung des Vereins zu einer solchen ehrenvollen\nStellung in der Kunstwelt gegeben. Der Verein hat die klangvollen\nGrundstimmen behalten, man kann mit Recht sagen: „sie sind die\nalten geblieben\", und hat für die Tenöre einige recht hübsche, jün-\ngere Kräfte gewonnen. Das Programm brachte Compositionen von\nJ. Tausch („Rheingruss\"), L. Liebe („Die Wasserrose\"), Men-\ndelssohn, F. Schubert, Abt,\" J. Rietz, Schumann, H.\nMarschner, Herbeck, Dürrner („Das Mädchen von Gowrie\"\nallerliebst) und Silcher alles recht schöne Sachen; nur H.\nEsser's „Morgenwanderung\", eine ganz verkehrte Auffassung des\nGedichtes von Geibel, passte nicht zu den übrigen. Die Palme unter\nden Ausführungen, welche alle schön waren, gebührt dem Vortrage\nvon Schumann's „Lotosblume\"; das schöne Lied wurde da capo\ngerufen, wie auch vorher das reizende, wahrhaft entzückende von\nF. Schubert: „Der Gondelfahrer\". Ueberhaupt hallte der überfüllte\nSaal bei jedem Chor und auch bei den Sologesängen des Herrn\nWolf (Tenor) und des Herrn Karl Bergstein von allgemeinem\nund lebhaftestem Beifalle wieder. Herr Bergstein trug namentlich\nzwei Lieder von A. E. Marschner und von F. Schubert, die\nsehr gut in seiner Stimme lagen, ganz vortrefflich vor.\nAusser diesen Gesängen der Kölner trug noch eine talentvolle\nDilettantin zwei Lieder von Mendelssohn für Sopran vor und gab, als\nsie unter rauschendem Applaus gerufen wurde, noch ein drittes zu.\nZwischen den Chören und Liedern trugen Herr Musik-Director\nJ. Tausch und Herr C. Kurkowsky den zweiten und dritten\nSatz des Duo's für Piano und Clarinette von C. M. von Weber\nmit grossem Beifalle vor, und ersterer erfreute uns noch durch die\n„Campanella\" von Taubert und den ausgezeichnet schönen Vor-\ntrag eines Phantasie-Impromptu's von Chopin.\nEin sehr heiteres Mahl in „gemischtem Chor\" setzte die er-\nhöhte Stimmung bis ja, das darf man nicht verrathen! fort,\nund der Himmel gab den Beweis, dass auch nach Frühlingsanfang\ndie Concerte noch zu den Winter-Vergnügungen gehören, durch die\nüberraschende Ausbreitung eines dickwolligen Schnee-Teppichs für\ndie Nachhausegehendcn.\n\nL. B.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nÄoln« Zum dritten Male ist ein Schüler F. Hill er' s von der\nMozart-Stiftung zu Frankfurt a. M. zu ihrem Stipendiaten er-\nnannt worden. Es ist Herr Leonhard Wolf aus Crefeld, seit jetzt\ngerade drei Jahren Schüler des hiesigen Conservatoriums, auf wel-\nchem er seine Studien in der Harmonie- und Compositionslehre mit\nden ersten Uebungen in Dreiklang-Verbindungen begann, und jetzt\nals der würdigste von dreizehn Bewerbern durch die urtheilenden\nGutachten der Herren Robert Franz in Halle, C. A.Mangold in\nDarmstadt und Karl Reinecke in Leipzig bezeichnet worden ist.\nUeber die Aufführung in dem öffentlichen Städtischen Sing-\nverein, der letzten unter der Leitung des Herrn F. Breunung,\nfehlt uns heute der Raum zum Berichte, den die nächste\nbringen wird.\nIfltliliz« Die Liedertafel und der Damen-Gesangverein brach-\nten am 13. März unter ihrem gemeinschaftlichen Dirigenten Herrn\nFriedrich Lux im hiesigen Theater Cherubini's heroisch-tragische\nOper „Medea\" mit den Recitativen von Fr. Lachner in sehr gelun-\ngener Weise zur Aufführung. Der Eindruck auf das in allen Räu-\nmen gefüllte Haus war ein tiefer und nachhaltiger, und Soli wie\nChöre fanden häufigen und wohlverdienten Beifall. Die Soli-Partieen\nwaren durch Herrn Bertram und Frau Bertram-Mayer vom\nHoftheater in Wiesbaden, Herrn Schlösser vom Hoftheater in\nMannheim und Frau Scalla-Borzaga vom hiesigen Stadttheater\nin ausgezeichneter Weise vertreten.\nAm Tage des Concertes waren hier die Delegirten der dem\nmittelrheinischen Musikverbande angehörigen Vereine der Städte\nMannheim, Darmstadt, Wiesbaden und Mainz zusammen-\ngetreten, um in Bezug auf das fünfte mittelrheinische Musikfest\nBeschluss zu fassen. Diesem gemäss wird das Fest am 2. und 3.\nJuli in Mainz unter der artistischen Leitung des hiesigen Lieder-\ntafel-Directors Herrn Friedrich Lux Statt finden und ist das Pro-\ngramm in folgender Weise festgestellt: Am ersten Tage kommen\nMozart's Ouvertüre zur „Zauberflöte\" und Händel's Oratorium „Ju-\ndas Maccabäus\" zur Aufführung. Für das zweite Concert sind fol-\ngende Werke bestimmt: Pastoral-Sinfonie von Beethoven; zwei\nChöre a capella, nämlich: Adoramus te von Palestrina und Jesu\ndulcis von Vittoria; der 63. Psalm für vierstimmigen Frauenchor\nmit Harfenbegleitung von Fr. Lachner und „Lobgesang\" von Men-\ndelssohn.\nDie zehnjährige Violinistin Therese Liebe aus Strassburg,\nüber deren überraschende Leistungen uns aus Mannheim, Speyer,\nFrankfurt u. s. w. die rühmendsten Berichte vorliegen, ist am 17.\nMärz auch hier in einem Kunstvereins-Concerte aufgetreten und hat\ndas zahlreich versammelte Publicum durch ihre grosse technische"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "104", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650401-01.1.8", "texte": "Fertigkeit, wie durch die ausdrucksvolle Klarheit ihres Vortrages in\nErstaunen gesetzt und zum lebhaftesten Beifalle hingerissen. In\ndemselben Concerte erfreute auch der hier besonders beliebte Pianist\nJ. Ascher die Besucher durch den Vortrag seiner neuesten Com-\npositionen, welche stürmischen Beifall fanden.\nMan schreibt aus Mannheim vom 16. März: „Die Gesangs-\nVorträge des Herrn Nachbaur in der ersten Akademie fanden\nrauschenden und allerdings verdienten Beifall; sie lieferten den Be-\nweis, dass derselbe, nachdem wir ihn früher gehört, gründlichen und\neifrigen Studien obgelegen, deren Resultat wir die wärmste Aner-\nkennung zollen.\"\nBerlin, 25. März. Am Mittwoch ging als Festoper, zur Feier\ndes Geburtstages Sr. Maj. König Wilhelm's 1., C. M. v. Weber's\n„Euryanthe\" in Scene. Die Vorstellung leitete ein Trompetentusch\nein, dann erhob sich der Vorhang und Herr Kariowa trat als\nSprecher eines von Friedrich Adami gedichteten Prologes vor.\nDer letzte Vers der Dichtung war als Melodram behandelt, und\nhörte man die Klänge der National-Hymne durch Harfentöne einge-\nleitet; das Orchester fiel ein, das gesammte Publicum erhob sich\nvon den Plätzen und die üblichen Hochs erschollen von allen Lip-\npen. Die Oper nahm unmittelbar ihren Anfang und wurde die brillant\ngeschriebene Ouvertüre trefflich ausgeführt. Die Aufführung war gut.\nFrau Harriers-Wipp er n war der Stern derselben; sämmtliche\nPiecen wurden von ihr mit grossem Erfolge und herziger Innigkeit\ngesungen; vorzüglich culminirte sich der Beifall im dritten Acte\nund wurde die Sängerin wiederholt bei offener Scene gerufen. Die\nEglantine des Fräuleins Santer erfreute sich gleichfalls vieler Bei-\nfallsbezeigungen und entschädigte sie dafür aber auch das Publicum\ndur<Ji schönen und glockenreinen Vortrag ihres Partes. Auf dem\nFriedrich-Wilhelmstädter-Theater trat am Montag Herr Theodor\nWachtel in seiner Forcerolle als Postillon in Adam's gleichnami-\nger Oper als Gast auf. Das Haus war selbstverständlich ausverkauft,\ndenn es galt ja, zu prüfen, ob das Urtheil der österreichischen Me-\ntropole zu bestätigen oder anzufechten sei. Gewitterschwüle lagerte\nüber dem Publicum, und wurde der hier so beliebte Sänger auffäl-\nliger Weise nicht mit dem Enthusiasmus empfangen, welcher ihm\nsonst bei jedem früheren Auftreten zu Theil wurde. Für den ersten\nAct wären wir bald geneigt geworden, in Bezug auf den gesang-\nlichen Part des Sängers unseren wiener Collegen vollständig beizu-\npflichten; namentlich ging durch unreine Intonation (Folge einer be-\ndeutenden Indisposition) in dem Duette mit Madelaine viel verloren.\nIm zweiten Acte als St. Phar schien Herr Wachtel ein ganz Ande-\nrer geworden zu sein; wenn sich auch bei Einzelnem die Indispo-\nnirtheit fühlbar machte, so wurde dem Sänger doch für seine vor-\nzügliche Leistung sehr viel Applaus, namentlich für die brillant\nvorgetragene schöne Cantilene „Von früher Morgenröthe\". Die\nStimme besserte sich nach jeder Piece, und wagen wir dreist zu be-\nhaupten, dass Herr Wachtel die gesammte wiener Kritik durch seine\nLeistung Lügen strafte. Das bekannte Abt'sche Lied: „Gut' Nacht,\nDu mein herziges Kind\", wurde da capo begehrt. Niemann's\nGastspiel beginnt mit der zweiten Woche des April, und wird der\nKünstler in diesem Monate an der Seite von Fräulein Lucca vor-\nzugsweise als Faust, Troubadour, Raoul, Fra Diavolo, Lohengrin\nauftreten. In der zweiten Hälfte seines Gastspiels gibt er den Rienzi.\nVom Professor A. B. Marx erscheint im nächsten Monate bei\nO. Janke in Berlin unter dem Titel: „Erinnerungen aus meinem\nLeben\", ein zweibändiges kunsthistorisches Memoirenwerk, welches\nsowohl durch die darin auftretenden berühmten Persönlichkeiten der\nKunst- und Gelehrtenwelt, als durch eine Analyse und Kritik der\nwährend der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts hier zur Aufiuh-\nrung gelangten Kunstwerke von Spontini, Weber, C. Löwe, Men-\ndelssohn u. s. w., so wie auch durch die Erzählung von des geist-\nvollen Verfassers „Uebertritt zum Christenthume, von Mozart und\nHändel angeregt\", eine interessante literarische Erscheinung zu wer-\nden verspricht.\nDer Bau eines neuen Theaters auf den Stadterweite-\nrungsgründen nächst dem Bezirk Mariahilf soll bereits entschieden\nund zwischen der Baronin P a squalati und Herrn Offenbach\neine Vereinbarung dahin erzielt worden sein, dass Herr Offenbach\ndurch sechs Monate im Jahre die Direction übernimmt. Das neue\nUnternehmen will das Singspiel, das Drama und die Posse cultiviren.\nDas Engagement des Fräuleins Caroline Bettelheim für die\nwiener Hofoper ist nun definitiv zum Abschlüsse gebracht. Die lie-\nbenswürdige Künstlerin ist für zehn Jahre dem Institute gewonnen,\ngegen jährlich 10,000 Fl. Gehalt, drei Monate Urlaub und eine zu-\ngesicherte lebenslängliche Pension von 800 Fl. nach fünfjähriger\nund von 1500 Fl. nach zehnjähriger Dienstzeit.\nDie Gesellschaft der Musikfreunde in Wien hat den lobens-\nwerthen Entschluss gefasst, für jedes in ihren Concerten aufgeführte\nWerk eines lebenden Componisten demselben einen Ehrensold von\n3 bis 5 Ducaten zukommen zu lassen. Der erste Tonsetzer, auf den\ndie neue Bestimmung Anwendung fand, war Franz Lachner, der\nseine zweite Orchester-Suite im zweiten Gesellschafts-Concerte selbst\ndirigirt hat. Die Direction sandte ihm die fünf Ducaten in einem\nwerthvollen silbernen Poeale, in welchen eine passende Widmung\ngravirt war. Eine Adresse begleitete jüngst dieses Geschenk nach\nMünchen.\nDer verstorbene Herzog v. Morny hat sich viel mit Dichtung\nund Musik beschäftigt. Er unterschätzte sein Talent und beutete es\nmit jener Bescheidenheit und jenem genügsamen Ehrgeize aus, die\nso selten bei dilettantisirenden Personen gefunden werden. Er quälte\nseine Freunde, die Directoren und das Publicum nicht mit fünfacti-\ngen Dramen oder Opern, sondern versuchte es, sie mit kleinen Vau-\ndevilles, Proverbes und Operetten nach Kräften zu amusiren. Dass\nihm das nicht selten gelang, beweist der „Monsieur Choufleury\",\nder, wie man weiss, lange auf dem Repertoire der Bouffes parisiens\nblühte und dessen Text wie Musik ihn zum Verfasser hat.\nDie Gesammt-Einnahmen sämmtlicher pariser Theater betrugen\nim Jahre 1864 die Summe von 12,635,733 Fr.; hiervon entfielen an\nAutoren-Tantiemen 1,341,145 Fr."}]}