{"numero_id": "bm-bmtnabi-1865-04-08-01", "volume": "bmtnabi_1865-04-08_01", "ocr_sha256": "fd136cc04af8921256c5c14f25bfd9dcfb71f3bc0aa7c3418bd1ea69ff868022", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1865/04/08_01/bmtnabi_1865-04-08_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650408-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1865-04-08-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-04-08_01#c001", "volume": "bmtnabi_1865-04-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "105", "page_fin": "105", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650408-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "105", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650408-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 462, "texte": "Inhalt.\nMax Bruch's „Scenen aus der Frithjofsage\" im Redoutensaale zu Wien. Von L. B. Beetlioven'sches. Das Thea-\nterjahr 1864—1865 der k. k. Hofoper in Wien. Die öffentliche Versammlung des städtischen Gesangvereins in Köln. 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Das Orchester, Herrn Hellmesberger\n(auch als Solospieler) an der Spitze, war das des k. k.\nHof-Operntheaters.\nDer Erfolg zeigte sich durch den rauschenden Beifall\ndes Publicums nach jeder Scene und durch den dreimali-\ngen Hervorruf des Componisten am Schlüsse, ferner durch\ndas Urtheil und die Glückwünsche des Orchesters schon\nin der Probe, und ward uns durch die mündlichen Be-\nrichte, die wir von Augenzeugen und von der berühmten\nSängerin, die selbst mitwirkte, erhalten haben, bestätigt.\nEndlich berichten die sämmtlichen wiener Blätter dasselbe,\nund auch diejenigen, welche den Werth der Composition\nnur unter mancherlei Beschränkungen gelten lassen, läug-\nnen diese Thatsache nicht. Von den letzteren sagt z. B.\ndie „Presse\": „Das Publicum nahm das Werk so auf,\ndass Herr Bruch stolz auf diesen Erfolg sein kann.\"\nDie „Recensionen\" ignoriren zwar den aussergewöhn-\nlichen Beifall, berichten aber doch, „dass sich das Werk\nehrender Anerkennung zu erfreuen hatte\". Die „Neue\nFreie Presse\" sagt, dass „die ausführenden Kräfte redlich\nmitgewirkt, um Herrn Bruch zu einem erfolgreichen De-\nbüt in Wien zu verhelfen\" endlich die „Blätter für\nTheater\" u. s. w.: „Der Componist fand nach jeder Scene\nund zumal am Schlüsse reichlichen Beifall.\"\nEs ist sehr interessant, die Stimmen der fremden Kri-\ntik über ein neues Werk, das noch ungedruckt ist, zu\nvernehmen, wenn man dieses Werk selbst durch und durch\nkennt und auch Proben und einer grossartigen Auffüh-\nrung desselben früher beigewohnt hat. Wie unsere Leser\naus unseren Berichten über Bruch's „Frithjof\" und dessen\nAufführung in Aachen wissen, sind wir in diesem Falle,\nund gerade weil die wiener „hohe Kritik\" jene und diese\nignorirt und höchstens den Erlolg in Leipzig erwähnt, hat\nes uns doppeltes Vergnügen gemacht, unsere Erfahrungen\ndurch den Einblick in die verschiedenen Organe derselben\nzu bereichern. Beginnt doch eines der besten kritischen\nBlätter von Wien mit dem sonderbaren Lobe: „Eine No-\nvität war von Belang, denn sie führte uns einen jungen\nComponisten, eines der relativ hoffnungsreichsten Talente\ndes aus serösterreichischen Deutschlands, zum\nersten Male vor.\" Bezieht sich das „relativ\" auf die allge-\nmeine Armuth an Talenten, oder auf dieselbe in Deutsch-\nland ausserhalb Oesterreich? Wären wir eben so arge\nLocal-Patrioten, so möchten wir fragen, wo denn im öster-\nreichischen Deutschland die Talente sitzen? Bei den jam-\nmervollen politischen Zuständen fehlt es nur noch daran,\ndass wir auch lür die deutsche Kunst einige und\ndreissig Vaterländer annehmen!\nDer Referent der „Wiener Ztg.\" (ß. H.) stimmt mit\ndem Urtheile des Publicums in Wien überein. Natürlich\nweiss er auch nichts von dem Erfolge des Werkes am\nNiederrheine, „im ausserösterreichischen Deutschland\";\ner geht aber doch wenigstens von Leipzig aus, dessen\n„Empfehlung man acceptiren könne\", und meint über die\nComposition selbst: „Das ist wirkliche Musik, Musik in\nForm und Inhalt. In allererster Linie wohlthätig wirkt\nihre Klarheit und Uebersichtlichkeit, es belebt sie natür-\nlicher Fluss und Erguss, kräftige, gesunde Phantasie und\nein tüchtiges Gestaltungs-Vermögen. Durchsichtig, ohne\ndarum je leer zu sein, kunstgemäss, ohne mit scholastischen"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650408-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5294, "texte": "Figuren zu coquettiren. ergeht sich die Musik in strenger\nCharakteristik ihres textlichen Substrats; das Aufgebot der\nMittel ist ein aus innerer Notwendigkeit hervorgehendes.\nDie Verwandtschaft mit Mendelssohn's „ Antigone\", von\nwelcher gesprochen wurde, finden wir in diesen Scenen\ndurchaus nicht; der auffallend selbständige Componist hat\nvielmehr das Gebiet der romantischen Musik erweitert,\nwie es z. B. Schumann in „„Paradies und Peri\"\" neuer-\ndings aufnahm und erschloss. Bruch bietet keine Cantate,\nnichts im Oratorienstil oder dergleichen; wir vermuthen\nvielmehr in diesen einzelnen Scenen Anfänge oder Bruch-\ntheile einer Oper, die auszuführen der Componist aus Ur-\nsachen, die wir eben nicht kennen, unterliess. Alles in\nBruch drängt zu dramatischem Leben, und wir glauben,\nder Versuch mit seiner Oper „„Loreley\"\", die im deut-\nschen Norden sehr viel Anklang findet, wäre auch hier\nzu wagen.\n„Der Text der einzelnen Frithjof-Scenen wurde in\ndiesen Blättern bereits übersichtlich zur Sprache gebracht.\nWir wüssten in der That nicht, welche der sechs Num-\nmern in der Musik zu bevorzugen wäre. In jeder einzelnen\ntritt das charakteristische Element scharf ausgeprägt her-\nvor, die Melodie fliesst reichlich, das Arioso der Oper ver-\nkündigt sich unverkennbar. Der dramatische Zug leibt\nund lebt fast bis zur bühnlichen Anschauung ganz vorzüg-\nlich in: „ „Wo mein Vater ruht\"\" u. s. w. (B), „ „Stirne\nder Erde\"\" (B), „„Erhebet die Lanze\"\" (G). Das sind\nNummern, die geradezu in der Bühne wurzeln. Der pracht-\nvolle Chor: „ „Wenn es stürmt mit Macht\"\" (0, 3/4-Tact),\nentrollt ein Finale, wie es der grossen Oper zugehört. Die\nvierte Scene bietet, was instrumentales Colorit betrifft,\nwahrhaft bezaubernde Theile in den Solostimmen durch\nHellmesberger's süsse Geigenlaute und in der Arie mit\nHarfenbegleitung. Von erschütternder Gewalt ist der\n„„Tempelbrand\"\" und ein tiefgesättigtes lyrisches Bild\n„ „Ingeborg's Klage\"\", von unserer in solchen Lagen un-\nschätzbaren Frau Dustmann voll echt weiblicher Innigkeit\ngesungen. Dem Herrn Hrabanek war die Partie des\nFrithjof zugefallen. Die erste Hälfte gelang besser; der\nSänger selbst thäte wohl, seine Stimme zu schonen, die\nnach kleiner Mühe schon ihre Sprünge und Risse zeigt.\nDort, wo leidenschaftliche Kräfte ausbrechen, tritt der\nChor des akademischen Gesangvereins am glänzendsten\nhervor.\"\nWas nun die Urtheile der Referenten der „Neuen\nFreien Presse\", der „Presse\" und der „Recensionen\" be-\ntrifft, die wir zu schätzen wissen, so scheint es uns doch,\ndass sie in diesem Falle bei dem Enthusiasmus des Publi-\ncums es für standesmässig gehalten haben, dem jungen\nComponisten gegenüber eine strengere Amtsmiene zu zei-\ngen. Wir haben nichts dagegen, wenn die Kritik auch\nihrerseits glaubt, dafür sorgen zu müssen, dass die Bäume\nnicht in den Himmel wachsen, wiewohl die Natur und\nauch die auf dem Gebiete der Kunst herrschenden Zu-\nstände schon selbst genug dafür sorgen: aber trotzdem\nmöchten wir doch keineswegs die angebrachten Bedenken\nalle unterschreiben, da uns ihre Begründung nach ein-\nmaligem Hören auf Beweisstellen aus dem Werke\nselbst weniger zu beruhen scheint, als auf vorgefassten\nAnsichten und Aeusserlichkeiten.\nEs wird Niemand erwarten, dass wir das ganz neue\nUrtheil der „Blätter für Theater\" u. s. w. über Tegnör\nmehr als erwähnen, denn es lautet: „Das Gedicht ist in-\nteressant und erscheint beim ersten Anblicke von bedeu-\ntender Kraft, bei näherer Untersuchung aber blutleer!\"\nVoiläfür den Dichter, den die ignorante Welt bisher\nin jedem Abschnitte der Frithjofsage bewunderte. Seine\nPoesie ist also eine „interessante Bleichsüchtige\"!— „Ganz\nso verhält es sich mit der Composition.\"— für den\nTonsetzer!\nDie „Recensionen\" eifern ebenfalls gegen den Text,\naber aus musicalischen Gründen, gehen aber viel zu weit,\nwenn sie vor „Behandlung solcher Zwittergebilde\" war-\nnen, „die den Componisten fortwährend zwischen lyrischen\nund dramatischen Intentionen, zwischen Vocal- und Instru-\nmentalsätzen, zwischen Concertsaal und Theater in der\nIrre herumführen.\" Hierin sind mehrere Irrthümer auf\neinmal ausgesprochen: erstens wissen wir nicht, was die\nVocalmusik, wenn sie die Form einer Cantate, oder\neines Oratoriums, oder einer Oper annimmt, für einen\nStoff wählen soll, der nicht lyrische und dramatische Ele-\nmente zugleich darbietet? Bisher hat man in der Durch-\ndringung mit beiden gerade die nothwendige Bedingung\neines musicalischen Textes gefunden. Zweitens soll der\nStoff der Frithjofsage den Componisten „zwischen Vocal-\nund Instrumentalsätzen in der Irre herumführen\"! Aber\nin dem Werke ist ja kein nackter Instrumentalsatz, als die\neinleitende Ouvertüre! In den Marsch des trüben Hoch-\nzeitszuges der Ingeborg fällt ja der Chor ein; und wäre\ndas auch nicht, dürfen denn die Märsche in den Händel'-\nschen Oratorien keine Gnade vor den Aesthetikern finden?\nSehr wohlwollend führt die „Neue Freie Presse\"\n(Ed. H.) Herrn Bruch, der in Wien kaum dem Namen\nnach gekannt war, mit folgenden Worten ein:\n„Der akademische Gesangverein hatte die\nglückliche Idee, uns in seinem sehr zahlreich besuchten\nConcerte nicht bloss eine umfangreiche neue Composition,\nsondern zugleich einen neuen Componisten leibhaftig vor-\nzuführen. „ „Scenen aus der Frithjofsage\"\" heisst die\nTondichtung und Max Bruch der Componist. Als Jüng-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650408-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4405, "texte": "ling mit dem Preise der frankfurter Mozart-Stiftung ge-\nkrönt, wurde Bruch zur weiteren Ausbildung Ferdinand\nHiller in Köln anvertraut. Nachdem er sich mit einigen\nkleineren Compositionen hervorgethan, glückte es ihm, die\nErlaubniss Em. Geibel's zur Composition der „„Lore-\nley\" \" zu erhalten. Geibel, der diesen Operntext bekannt-\nlich für Mendelss.ohn-Bartholdy gedichtet und in grosser\nFurcht vor schlechten Componisten sorgsam gehütet hatte,\ngab diesem jüngsten Bewerber um seine Loreley Gehör.\nSein Vertrauen ward nicht getäuscht; denn wo Bruch's\nOper bisher gegeben wurde (in Mannheim, Köln, Ham-\nburg u. s. w.), erwarb sie sich nebst der unbedingten\nAchtung der Kritik den lebhaftesten Beifall des Publicums.\nSeither erschienen von Max Bruch ein „„Gesang der hei-\nligen drei Könige\"\" und eine „„Flucht der heiligen Fa-\nmilie\" \" (beides wirksame Concert-Nummern), ferner\n„ „Zehn Lieder\"\" und eine sehr hübsche Bearbeitung von\n„ „Zwölf schottischen Liedern\"\" für eine Singstimme. Aus\nallen diesen Compositionen (sie sind grösstentheils in dem\ntrefflichen Verlage C. Sander s in Breslau erschienen)\nsprach ein feingeartetes Talent, das, in edler, ernster Rich-\ntung fortstrebend, bereits eine seltene Herrschaft über die\nmusicalischen Formen und Mittel übte. In den Frithjof-\nScenen für Soli, Männerchor und Orchester bekamen wir\nnun das neueste und nach allgemeinem Urtheile beste\nWerk des jungen Componisten selbst zu hören.\"\nUeber das Werk selbst spricht sich Hanslik eben-\nfalls sehr anerkennend aus. Er findet, dass Bruch „ein\nfeines Verständniss für alle Wendungen seines Gedichtes\nhat und für jede Situation charakteristische und wirksame\nKlänge zu finden weiss; dass sein Ohr wählerisch prüft\nnnd schlechterdings alles Rohe und Triviale von sich stösst,\ndass seine Hand aufs sorgsamste formt und feilt. Die sinn-\nliche Wirkung sei nicht verschmäht, weder in der über-\nraschenden Klangmischung, noch in der Schallkraft; über-\nall aber erscheine sie gerechtfertigt durch den musicali-\nschen und dramatischen Zusammenhang\". Er betont fer-\nner „die Einheit des Stils und der Stimmung, welche die\nwechselvolle Scenenreihe zu einem wahrhaften Ganzen zu-\nsammenfasst\". Schliesslich bestätigt er die Thatsache, dass\n„das Publicum das Werk äusserst günstig aufgenommen\nund nach jeder Nummer den Componisten und die Mit-\nwirkenden namentlich Frau Dustmann ausgezeich-\nnet\" hat.\nC. Schelle (in der „Presse\") vermisst zwar Selbstän-\ndigkeit in Stil und Auffassung, erkennt aber in dem Com-\nponisten „aus manchen Stellen ein bedeutendes dramati-\nsches Talent, das schöne Früchte verheisst\", und „eine\nvollkommene Beherrschung der technischen Mittel seiner\nKunst und eine Sicherheit in Handhabung der Effecte,\nwelche als solche schon seinen glücklichen Erfolg auf dem\nGebiete der Oper gewährleisten muss\".\nNach alledem scheint denn doch seit langer Zeiten\nWien keine Neuigkeit einen so durchschlagenden Erfolg\ngehabt zu haben, als diese. Da das Werk nächstens im\nDruck fertig sein wird Verlag von Leuckart (San-\nder) in Breslau, der auch den Clavier-Auszug der Oper\nLoreley verlegt hat—, so wird es weiteren Kreisen zu-\ngänglich, welche nicht auf wiederholte Aufführungen wer-\nden warten lassen, die dann nicht ermangeln werden, die\nbisherigen Erfolge zu bestätigen, oder unser Urtheil über\nden Werth der Composition, wie wir es in den Nummern\n50 und 51 des vorigen Jahrgangs dieser Blätter ausge-\nsprochen haben, zu widerlegen.\nAuch wir halten keineswegs Max Bruch schon jetzt\nfür einen vollkommenen Meister im Schaffen, setzen aber\nauf seine Zukunft grosse Hoffnungen. Wohl hat der Re-\nferent der „Recensionen\" mit dem allgemeinen Satze,\ndessen Gültigkeit aber auf das besprochene Werk nicht\npasst, Recht: „ein starkes, mit sich einiges Talent wendet\nsich bestimmten, streng gesonderten Formen zu, wo e9\nam besten seine Eigentümlichkeit stilvoll ausprägen\nkann.\" Sehr gut, wenn das nur eben so leicht gethan als\ngeschrieben wäre! Mit der Wendung oder Richtung allein\nist es nicht gethan; dess Zeuge ist Richard Wagner. Bruch\nhat das Gebiet, auf welchem er seine Eigenthümlichkeit\nausprägen kann, sehr wohl erkannt und ist darüber völlig\nmit sich einig. Dieses Gebiet ist die Oper. Mit dieser Er-\nkenntnissist es aber auch noch nicht gethan: es gehört\ndazu noch die Kleinigkeit guter Operngedichte, und\ner würde gewiss sehr dankbar sein, wenn ihm fürs erste\nnur eines von solchen nachgewiesen würde!\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-04-08-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-04-08_01#c003", "volume": "bmtnabi_1865-04-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "107", "page_fin": "108", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650408-01.2.3", "titre_corps": "Beethoven'sches", "titre_sommaire": "Beethoven'sches", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650408-01.1.3", "debut_caractere": 4407, "fin_caractere_exclue": 5117, "texte": "Beethoven'sches\nNr. 115. Dritte Symphonie. 1803 —lBO4. Titel\ndes geschriebenen Hand-Exemplars Beethoven's—bei der\nLicitation seines Nachlasses um 3 Fl. 10 Kr. verkauft und\njetzt im Besitze des Componisten Joseph Dessauer in Wien:\n„Sinfonia grande.\"(Zwei Worte sorgfältig ausradirt.)\n1804 im August, del Sr. Louis van Beethoven. Sinfonie 3.\nOp. 55. Gerade unter seinem Namen war mit Bleistift\ngeschrieben und ist noch zu lesen: „Geschrieben auf Bo-\nnaparte\". Eines von den zwei ausradirten Worten war\nsicherlich auch „Bonaparte\".\nNr. 130. Concert für Violine und Orchester.\n1806. Das Manuscript, im Besitze der k k. Bibliothek in\n*).\n\n*) Aus A. W. Thayer's chronologischem Verzeichnisse\nder Werke Beethoven's.\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650408-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2942, "texte": "Wien, ist von Beethoven überschrieben: pat\nClemenza pour Clement, prim Direttore\nTheatro ä Vienne, dal L. v.\nEine von Beethoven eigenhändig geschriebene Cadenz\nmit obligater Pauke zum ersten Satze dieses Concertes i n\nder Clavier-Uebersetzung und einen „Eingang\"\nvon dem Andante (Larghetto schreibt hier Beethoven) zum\nRondo besitzt Herr Karl Haslinger in Wien.\nNr. 131. IV. Concert für Pianoforte. G-dur.\n1806 (?). Eigenhändig von Beethoven geschriebene Ca-\ndenzen zu diesem Concerte besitzt Herr Karl Haslinger,\nund zwar: zum ersten Satze zwei, von denen die eine\nmit sehr schwierigen Doppel-Trillern gegen das Ende\nvon Beethoven überschrieben ist: „Cadema (ma senza\ncadere)\" . Zum letzten Satze eine Cadenz.\nNr. 140. V. Symphonie. C-moll. 1808. In Pet-\nter's Notirbuch aus dem Jahre 1800 (N.8.!) finden sich\nbereits folgende Skizzen:\nNr. 144. jEs-dur-Concertfür Pianoforte. 1809.\nTheodor Körner schreibt aus Wien am Samstag, 15. Fe-\nbruar 1812: „Mittwochs war zum Besten der Gesellschaft\nadeliger Frauen für Wohlthätigkeit ein Concert und Dar-\nstellung dreier Bilder nach Raphael, Poussin und Troyer,\nwie sie Goethe in den Wahlverwandtschaften beschreibt.\nDie Bilder gewährten einen herrlichen Genuss. Ein neues\n*\nClavier-Concert von Beethoven fiel durch.\" Bei dieser (für\nWien) ersten öffentlichen Aufführung des jetzt so berühm-\nten Concertes spielte Karl Czerny das Ciavier.\nGanz anders aber war die Aufnahme des Werkes in\nLeipzig einige Wochen (im December) früher, wo Musik-\nDirector Schneider das Ciavier spielte und „das sehr zahl-\nreiche Auditorium in eine Begeisterung versetzt ward, die\nsich kaum mit den gewöhnlichen Aeusserungen der Er-\nkenntlichkeit und Freude begnügen könnte.\"\n(L. A. M.-Z. XIV. 8.)\nNr. 164. B-dur-Trio, Op. 97. 1811. Die erste\nöffentliche Aufführung dieses Trio's war in einem Con-\ncerte zu einem wohlthätigen Zwecke von Schuppanzigh\nim Hotel zum Römischen Kaiser veranstaltet. Beethoven\nselbst spielte das Pianoforte, Schuppanzigh die Violine und\nLinke das Violoncello. Von diesem Concerte berichtet der\n„Sammler\" unter Anderem Folgendes: „Part. 11. 1. Neues\nTrio für das Pianoforte, componirt und vorgetragen von\nHerrn L. v. Beethoven; in jeder Hinsicht schön und ori-\nginel, für eine Akademie aber zu gross und weitläufig. Es\nfolgt Schlag auf Schlag, und wer nicht ganz Kunstkenner\nist, wird beinahe durch die Menge der Schönheiten er-\ndrückt.\"\nSchindler sagt (I. 197): „Im folgenden Monat Mai\nward dasselbe Werk in einer von Schuppanzigh im Prater\ngegebenen wiederholt. Mit dieser Pro-\nduction im Prater, welcher ich, so wie auch der voraus-\ngegangenen am 11. April, beigewohnt, schied Beethoven\nals ausübender Clavierspieler für immer aus der Oeffent-\nlichkeit.\"\nNr. 166. Die Ruinen von Athen. 1812. Das Ma-\nnuscript zu Nr. 3 (Chor der Derwische) hat folgende Be-\nmerkung in Beethoven's Schrift:\n„N.B. Alle mögliche hierbey lärmenden Instrumente,\nwie Kastagnetten, Schellen etc. d. g.\"\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-04-08-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-04-08_01#c005", "volume": "bmtnabi_1865-04-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "108", "page_fin": "110", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650408-01.2.4", "titre_corps": "Das Theaterjahr 1864 — 1865 der k. k. Hofoper in Wien.", "titre_sommaire": "Das Theaterjahr 1864 — 1865 der k. k. Hofoper in Wien.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650408-01.1.4", "debut_caractere": 2944, "fin_caractere_exclue": 3480, "texte": "Das Theaterjahr 1864 — 1865 der k. k. Hofoper\nin Wien.\nDie gesammte musicalische Kritik von Wien tritt ge-\ngen die Leitung des Operntheaters scharf auf, welche\ntrotzdem, dass die Oper im Ganzen in Besitz des relativ\nbesten Sänger-Personals ist, den Forderungen einer sol-\nchen Kunstaristalt keineswegs genügt. Und in der That,\nwenn man liest, dass Meyerbeer's „Dinorah\" erst in\ndiesem Jahre zum ersten Male gegeben, dass ausser dem\n„Concini\" von dem jungen wiener Componisten Löwe\nkeine einzige neue Oper gebracht worden, dass diese mit"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650408-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4966, "texte": "drei Vorstellungen begraben war, dass unter den „nach-\nstudirten\" Flotow's „Indra\" (!) figurirt, während\nGluck's „Iphigenie auf Tauris\" vom Repertoire ver-\nschwunden und die seit zwei Jahren angekündigte Vorbe-\nreitung der „Iphigenia in Aulis\" nicht Statt gefunden hat\nso kann man der Kritik nicht Unrecht geben, da die\nThatsachen lauter sprechen, als ihre Anklagen.\n„Das Repertoire\" sagen z. B. die „Recensionen\"\n„blieb in den engen Gränzen festgebannt, innerhalb\nderen es sich seit Jahrzehenden im Kreise dreht. Einund-\nvierzig Opern sind zwar ein ansehnliches Material, und kein\nanderes grosses Opern-Institut dürfte sich einer ähnlichen\nZahl rühmen können; unsere Oper spielt aber auch täg-\nlich, bedarf daher eines grossen Repertoires, besitzt aber\nauch in dreifacher bis vierlacher Besetzung der meisten\nFächer ein quantitativ ausreichendes Personal, nicht\nbloss, um sich ihr Repertoire zu erhalten, sondern auch,\num es aufzufrischen, zu erneuern.\n„Beides wird aber unterlassen. Man ist am Spitalplatze\nweder zweckmässig conservativ, noch entsprechend liberal;\nweder versteht man es, das gute Alte in würdiger Weise\nzu erhalten, noch das Abgelebte durch neue, frische Ele-\nmente zu ersetzen. Wenn wir sagen, dass von den vier-\nunddreissig Opern, die von früher her fest studirt waren,\nfünf im Ensemble gut zusammenklappten Fidelio, Der\nfliegende Holländer, Der Postillon, Wilhelm Teil und Der\nProphet—so ist dies das Aeusserste an Anerkennung, was\nwir irgend leisten können, und selbst dabei sehen wir von\nmancher Besetzungs- und decorativen Einzelheit ab.\n„Wohl ist die Production der Gegenwart in Deutsch-\nland und Frankreich dürftig genug. Immerhin aber leisten\nFerd. Hiller, Max Bruch, A< Abert, Richard\nWüerst, Barbieri, ferner F. David, Maillart und\nAndere Annehmbares, wenn es nur rasch und nicht ver-\neinzelt, dabei auch in sorgfältiger Besetzung und Sceni-\nrung gegeben würde.\"\nDas statistische Verzeichniss weist vom 1. Juli 1864\nbis 31. März 1865 41 Opern auf. An den 263 Spiel-\nabenden haben 195 Opern- und 68 Ballet-Vorstellungen\nStatt gefunden.\nOpern. Adam: Der Postillon 8 Mal. Auber: Fra\nDiavolo (nachstudirt) 11. Der schwarze Domino (neustu-\ndirt) 9. Die Stumme s*).— Balfe: Die Zigeunerin I.\nBeethoven: Fidelio 4. Bellini: Norma 4. Boiel-\ndieu: Die weisse Frau 2. Donizetti: Lucia von Lam-\nmermoor 7. Lucrezia Borgia 7. Linda von Chamounix 3.\nDom Sebastian 3. Maria von Rohan 1. Flotow: Ales-\nsandro Stradella 6. Martha 6. Indra (nachstudirt 3.\nGoünod: Margarethe 12. Hal£vy: Die Jüdin 8.\nKreutzer: Das Nachtlager in Granada 2. Löwe:\nConcini (neu! 3.— Lortzing: Czaar und Zimmermann 1.\nMarschner: Hans Heiling 4. Meyerbeer: Dinorah\n(neu) 7. Die Hugenotten (nachstudirty 6. Robert der Teu-\nfel 5. Der Prophet 3. Der Nordstern I.—Mozart: Don\nJuan 6. Die Hochzeit des Figaro 5. Die Zauberllöte 4.\nNicolai: Die lustigen Weiber von Windsor fnach-\nstudirt) 3. Offenbach: Die Rhein-Nixen 4. Ros-\nsini: Wilhelm Teil 10.—Spohr: Jessonda 2. Verdi:\nDer Troubadour 8. Hernani 2. Wagner: Tannhäuser\n5. Der (liegende Holländer 5. Lohengrin 4. Weber:\nDer Freischütz 3. Oberon 2.\nOpern-Personal. Sängerinnen. 1849. Fräulein\nWildauer sang 24 Mal in 11 Partieen. 1855. Frau\nSchäffer 38 Mal in 11 Partieen. 1857. Frau Dust-\nmann 53 Mal in 18 Partieen. 1859. Fräulein Krauss\n55 Mal in 18 Partieen. 1861. Fräulein Destinn 49 Mal\nin 13 Partieen. 1861. Fräulein Bettel he im 96 Mal in\n19 Partieen. 1862. Fräulein Teilheim 63 Mal in 14\nPartieen. 1864. Fräulein Kreutzer 5 Mal in 3 Partieen.\nSänger. 1838. Herr Erl sang 34 Mal in 13 Partieen.\n1840. Herr Draxler 38 Mal in 15 Partieen. 1845.\nHerr Ander 5 Mal in 5 Partieen. 1854. Herr Beck 65\nMal in 17 Partieen. 1854. Herr Mayer hofer 88 Mal\nin 24 Partieen. 1855. Herr Schmid 44 Mal in 17 Par-\ntieen. 1856. Herr Walter 64 Mal in 21 Partieen. 1857.\nHerr Lay 110 Mal in 28.Partieen. 1858. Herr Hra-\nbanek 69 Mal in 20 Partieen. 1862. Herr Neu mann\n44 Mal in 13 Partieen. 1863. Herr Dalfy 53 Mal in\n10 Partieen. 1863. Herr v. Bignio 38 Mal in 9 Par-\ntieen. 1863. Herr Wachtel 57 Mal in 14 Partieen.\n1864. Herr Rokitansky 42 Mal in 12 Partieen. 1864.\nHerr Ferenczy 22 Mal in 8 Partieen.\nC a pel I m eis t e r. 1840. Herr„Proch dirigirte 13\nOpern. 1854. Herr Esser 15 Opern. 1860. Herr Des-\nso ff 13 Opern.\nDas Ballet-Corps war ausser den 12 Balletten an\n68 Abenden auch noch in 11 Opern an 59 Abenden\nbeschäftigt. Balletmusik-Dirigenten : Herr Streb inger\n(9 Ballette), Herr Franz Doppler (3 Ballette).\nGäste. Sängerinnen: Fräulein Bauer aus Kassel 3\nMal (Gräfin Almaviva, Pamina, Donna Anna), Fräulein von\nMurska aus Berlin 31 Mal Lucia, Linda, Martha, Leo-\nnore, Königin der Nacht, Königin Margarethe, Prinzessin\nIsabella, Dinorah), Frau Palm-Spatzer aus Leipzig 1\nMal (L eonore), Fräulein Arlöt 15 Mal (Angela, Marga-\nrethe), Fräulein Stehle aus München 6 Mal (Margarethe,\nEl isabeth, Cherubin). Sänger: Herr Ferenczy aus\n\n■/ t . j\" ■' • . .\n*) Nur eine halbe, durch Wachtel1 s Heiserwerden abgebro-\nchene Vorstellung."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650408-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 232, "texte": "Rassel 15 Mal (Eleazar, Hernani, Arnold, Sever, Edgar,\nTannhäuser), Herr Hellmuth aus Hamburg 3 Mal (Van\nBett, Marquis de Boisfleuri, Papageno), Herr Eppich aus\nGraz 7 Mal (Corentin), Herr Steger 3 Mal (Raoul, Ar-\nnold, Masanieilo)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-04-08-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-04-08_01#c006", "volume": "bmtnabi_1865-04-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "110", "page_fin": "111", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650408-01.2.5", "titre_corps": "Die öffentliche Versammlung des städtischen Gesangvereins in Köln.", "titre_sommaire": "Die öffentliche Versammlung des städtischen Gesangvereins in Köln.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650408-01.1.6", "debut_caractere": 234, "fin_caractere_exclue": 5497, "texte": "Die öffentliche Versammlung des städtischen Gesang-\nvereins in Köln.\nAm 29. März fand im Gürzenichsaale Nr. II eine öf-\nfentliche Aufführung durch den städtischen Gesang-\nverein vor einem eingeladenen Publicum Statt, wie sie\nder genannte Verein alljährlich zu veranstalten pflegt. Die-\nses Mal gewann dieselbe noch eine besondere Bedeutung\ndadurch, dass es die letzte war, welche Herr Ferdinand\nBreunung vor seinem Abgange nach Aachen dirigirte.\nDer Chor war denn auch in seiner ganzen Stärke gegen-\nwärtig, denn kein Mitglied des Vereins wollte fehlen bei\ndem thatsächlichen Zeugnisse der Leistungsfähigkeit des-\nselben, die der scheidende Dirigent lange Jahre hindurch\ngeübt und gekräftigt hatte. Der Chor war daher beinahe\neben so stark besetzt, wie der Concertchor in den grossen\nGürzenich-Concerten *).\nGesungen wurde das Te in von Hän-\ndel, 1737 zu Ehren der Königin Caroline aufgeführt,\naber wahrscheinlich schon während des Aufenthaltes des\nMeisters in Cannons componirt. Chrysander meint, dass es\nzu den Stücken gehören möge, welche Händel zu den Ge-\nburtstagen des Herzogs von Chandos in den Jahren 1718\nbis 1720 dort geschrieben, und meint, dass es am we-\nnigsten Selbständigkeit habe und aus den Gedanken der\nvorigen und einigen anderen Lieblingsgesängen zusammen-\ngestellt sei. Wir haben darüber kein Ortheil, da wir die\n„vorigen\" nicht kennen; das kleine Te Deum hat uns und\ndie Zuhörerschaft recht angesprochen, wenngleich wir es\nauch nicht den späteren grösseren Werken ebenbürtig\nhalten.\nDarauf folgte Mend e Issoh n's 95. Psalm mit Te-\nnor-Solo, Sopran-Solo und Duett und Chor, und dann\nzwei Compositionen von Franz Schubert: Der 23.\nPsalm für Frauenchor und „Mirjam'sSiegesgesang\"\nfür Sopran-Solo und Chor. Alles wurde recht schön ge-\nsungen, namentlich erregte Schubert's Psalm für Frauen-\nchor enthusiastischen Beifall, wie auch Mirjam's Gesang\nund besonders die Ausführung der Solo-Partie durch\nFräulein Rothenberger. Alle übrigen Soli waren durch\nMitglieder des Vereins recht befriedigend besetzt.\nAm Vormittage hatten die Vorstände des Gesang-\nvereins und der musicalischen Gesellschaft, deren techni-\nscher Dirigent Herr Breunung auch sieben Jahre lang\ngewesen ist, ihn in das Local der letzteren eingeladen und\nihm durch herzliche Anreden und Ueberreichung werth-\nvoller Geschenke ihre Achtung und ihren Dank bezeigt.\nAm folgenden Abende vereinigte ein Abschiedsmahl eine\nzahlreiche Versammlung. Auf eine Anrede des Vorsitzen-\nden der musicalischen Gesellschaft, welcher mit beredter\nWärme der Wirksamkeit des von Köln Scheidenden in\nseiner dreifachen Eigenschaft als Lehrer am Conservato-\nrium, als Dirigent der musicalischen Gesellschaft und des\nstädtischen Gesangvereins, ferner seines künstlerischen\nStrebens und seiner anspruchslosen, ehrenwerthen Haltung\nim Leben gedachte, antwortete Herr Breunung in herz-\nlichen, eben so gewählten als innigen Worten, worauf\nihm sein College, Herr Franz Derckum, im Namen\naller Collegen am Conservatorium, dessen Director, Herr\nCapellmeister Hiller, durch Krankheit verhindert war,\ndem Feste beizuwohnen, einen prachtvollen silbernen und\ngoldenen Römer mit der Inschrift des Tages und den Na-\nmen sämmtlicher Amtsgenossen mit sinniger Rede, die\nErnst und Scherz in ansprechender Weise vereinigte, über-\ngab. Ein paar trefflich humoristische Lieder, auch vier-\nstimmige Gesänge, unter anderen ein sehr hübscher Canon\nAlles, Dichtung und Composition, von A. Pütz er-\nhöhten das schöne, echt kölnische Fest.\nAm Samstag den 1. April dirigirte Herr Breunung\nzum letzten Male das Orchester der musicalischen Gesell-\nschaft: als er aber das Zeichen zum Anfange der letzten\nOuvertüre gab, fiel das Orchester in einen Tusch mit allen\nInstrumenten ein, brachte ihm ein Hoch und überreichte\n\n*) Für die auswärtigen Leser, welche die Verhältnisse der hie-\nsigen musicalischen Vereine nicht kennen, bemerken wir, dass seit\nlänger als 25 Jahren zwei Gesangvereine für vollen Chor hier be-\nstehen: der städtische Gesangverein, zuletzt unter Ferd«\nBreunung' s Leitung, und die Sing-Akademie, seit ihrem Ent-\nstehen und auch jetzt noch unter Leitung des k. Musik-Directors\nFranz Weber. Ein dritter Verein ist der Concertchor unter\nFerdinand Hiller's Leitung, welcher bis jetzt (leider!) nicht eine\nVereinigung aller Vereine als solcher war, sondern nur durch ein-\nzelne Mitglieder aus den Vereinen und auch durch sonstige, in kei-\nnem geschlossenen Vereine befindliche Dilettanten sich zusammen-\nsetzte und seine Uebungen ausschliesslich für die Gürzenich-Con-\ncerte abhielt. In derselben Weise gehören auch die hiesigen Män-\nner-Gesangvereine nicht als solche zu dem Concertchor, - son-\ndern nur einzelne Mitglieder derselben. Das Bestehen der einzelnen\nVereine ist in einer grossen Stadt wie Köln gewiss ganz an der\nStelle und fördert auch durch einen gewissen Wetteifer die künst-\nlerischen Leistungen. Allein wir hielten es von je her und halten es\njetzt mehr wie je für nothwendig, dass diese einzelnen Vereine zu\nden grossen Concert-Aufführungen in einem bestimmten Theil-\nnahme- und Vor b ereitungs -Verhältnisse stehen, wenigstens\nwährend der Winter-Saison; eine wirkliche Einheit ist auch im\nReiche der Tonkunst nur durch theilweises Verzichten auf particu-\nlaristische Souverainetätsrechte zu erzielen."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650408-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 406, "texte": "ihm zur Erinnerung und als Zeichen der Hochachtung\neinen kunstvoll gearbeiteten Tactstock.\nMögen diese Zeichen der Anerkennung, denen sich\nder Dank und die Wünsche seiner zahlreichen Schüler\nund Freunde anschliessen, ihm die Trennung von einem\nliebgewonnenen Wirkungs- und Freundeskreise erleich-\ntern und für seine neue künstlerische Laufbahn in der\nNachbarstadt Aachen als günstige Vorbedeutungen gelten!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-04-08-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-04-08_01#c007", "volume": "bmtnabi_1865-04-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "111", "page_fin": "111", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650408-01.2.6", "titre_corps": "Frau Louise Dustmann als Donna Anna.", "titre_sommaire": "Frau Louise Dustmann als Donna Anna.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650408-01.1.7", "debut_caractere": 408, "fin_caractere_exclue": 4508, "texte": "Frau Louise Dustmann als Donna Anna.\nKöln, 5. April.\nDie gestrige Don Juan-Vorstellung wird den zahlreich\nversammelten Zuhörern unvergesslich sein, denn so voll-\nendet, wie Frau Dustmann die grossartigste dramatische\nSchöpfung Mozart's, die „Donna Anna\", wiedergab, wer-\nden nur wenige diese Rolle jemals ausgeführt gesehen\nhaben. Jeder weiss, was für eine Vereinigung von persön-\nlichen, musicalischen und dramatischen Vorzügen die Dar-\nstellung dieser Spanierin verlangt, deren reine Seele die\nkindliche Liebe der Tochter und die sittliche Entrüstung\nder Jungfrau mit dem tiefsten Schmerze um den Vater\nund mit dem glühendsten Hasse gegen den Frevler füllen.\nAus diesen Grundzügen ihres Charakters ist vom Dichter\nund Componisten ihr Bild geschaffen; nirgends verläugnen\nsie sich, und sie sind es, die in Donna Anna neben der\nleidenschaftlichen Empörung gegen ein Verbrechen, das\nihr Vernichtung drohte, eine tiefe Trauer und im Rück-\nblicke auf die ruchlose Frechheit des Frevlers eine mäd-\nchenhafte Zaghaftigkeit bedingen. Donna Anna ist weder\neine Heldin, noch eine Rachsüchtige von gewöhnlichem\nSchlage: nur wenn das empörte Gefühl in ihr alle Fesseln\nsprengt, oder die Erinnerung an jenen Abend ihr ganzes\nWesen verwandelt, bricht die Leidenschaft alle Schranken\ndurch; so erscheint sie uns gleich im Anfange und so wie-\nder in der erschütternden Scene, wo sie in Don Juan den\nFrevler entdeckt. Aber selbst in diesen beiden grossartigen\nSituationen zeigen die schmerzlich melodischen Accente den\nGrund ihres Gemüthes, den Ausdruck einer edlen Mäd-\nchennatur, die, je tiefer empört, desto weniger ihre Ent-\nrüstung zur Schau trägt, sondern die Rache vertrauens-\nvoll in die Hände des Geliebten legt, des wahr und innig\nGeliebten, nicht etwa eines Convenienz-Bräutigams, wozu\nHofmann in seinen Phantasiestücken ihn macht, in denen\ner sich an da Ponte und Mozart auf unverantwortliche\nWeise versündigt und das erste—leider seitdem oft nach-\ngeahmte Beispiel jenes verwerflichen Bestrebens gab,\nclassische, durch den Dichter und Musiker in bestimmter\nAusprägung geschaffene und durch die Tradition gehei-\nligte Gestalten des Drama s durch die Sucht, neu und ori-\nginel zu sein, zu verunstalten und ihre Natur zu alteriren.\nMozart lässt seine Donna Anna nirgends die Natur edler\nJungfräulichkeit und trauernder Kindesliebe verläugnen;\nder Schmerz ist bei ihr ein dauernder, aber die Strafe des\ndoppelten Verbrechens vertraut sie dem Himmel und dem\nkünftigen Gatten an. Darum bebt sie fast selbst vor dem\nSchwur der Rache, den sie veranlasst, zurück: „lla, welch\nein Schwur! o Himmel! o grauenvolle Stunde!\"— Darum\nerscheint sie so weich in dem Quartetie, wo nur in einem\neinzigen Momente, in der Frage an Elvira, die Ahnung\nder Wahrheit in ihr erwacht, einem Momente, den Frau\nDustmann durch den Ton der drei Noten und durch ihre\nMimik so ausdrückte, wie wir es noch nie gesehen haben,\ndarum die innige Beschwörung in der Rache-Arie: ..Ge-\ndenke der Wunde, durch die er gesunken, gedenke der\nStätte, die sein Herzblut getrunken\", darum ihr Zagen in\ndem Masken-Terzette: „Gefahren seh' ich schweben in\nneuen Ungewittern, ich muss im Herzen zittern für Dich\nund auch für uns\"*), und die Anrufung des himmlischen\nSchutzes, darum im Sextett die Bitte an Ottavio: „Lass',\no lass* mir diese Thränen!\" und endlich die letzte grosse\nArie.\nNun, diese Anna und es ist ohne Zweifel die Mo-\nzart'sche hat uns Frau Dustmann in einer so wahren\nAuffassung und so künstlerischen Verwirklichung gegeben,\ndass der Eindruck ihrer Leistung, hervorgebracht durch\ndie Gesammtwirkung einer schönen äusseren Erscheinung,\neiner Sopranstimme, die durch Frische, Fülle und fesseln-\nden Wohllaut des Tones in unseren Tagen zu den gröss-\nten Seltenheiten gehört, zumal da sie frei von allen Unar-\nten des scharfen Herausstossens der Höhe, welche bei ihr\neben so rund und voll, wie alle übrigen Töne klingt, und\nvollends von allem Quetschen und Tremoliren ist, und\neiner vortrefflichen Darstellungsgabe in mimischer und\nplastischer Beziehung, dass ihre Leistung Alles zur Bewun-\nderung im eigentlichen Sinne des Wortes hinriss."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-04-08-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-04-08_01#c008", "volume": "bmtnabi_1865-04-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "111", "page_fin": "112", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650408-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650408-01.1.7", "debut_caractere": 4510, "fin_caractere_exclue": 5203, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolli. In der letzten Sitzung der musicalischen Gesellschaft\nhat der junge Violinist VVehrle durch den Vortrag eines Concertes\nvon Viotti und der Othello-Phantasie von Ernst Aufsehen ge-\nmacht und ungemeinen Beifall gefunden.\n\n*) Wir citiren nach dem Clavier-Auszuge des Don Juan\nvon Prof. L. Bischoff (Bonn, bei N. Simrock), welcher dessen\nneue Uebersetzung unter dem italiänischen Texte enthält. Die\nleider noch immer benutzte alte Uebersetzung veranlasst, abgesehen\nvon ihrer Form, durch offenbare Entstellung des Originals zu ver-\nkehrter Auffassung der Hauptrollen der Oper, wie das besonders\nauch von Prof. 0. Jahn Th. IV seines rMozartu nachgewiesen ist."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650408-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6111, "texte": "Leipzig« Das Wichtigste, was das neunzehnte und vorletzte\nAbonnements-Concert brachte, war für uns jedenfalls die neue Sin-\nfonie von Woldemar Bargiel, welche den zweiten Theil eröff-\nnete und vom Componisten persönlich dirigirt wurde. Ist dem vor-\nurteilsfreien Concertbesucher doch nichts angenehmer, als die Aus-\nsicht auf einen neuen Eindruck, der voraussichtlich nicht durch die\nEmpfindung des Unbehagens oder gar Widerwillens getrübt oder\naufgehoben wird. Und einen solchen Eindruck durfte Jeder erwar-\nten, der Bargiel's Art und Weise kennt. Er ist immer der tüchtige\nMusiker, der sich eben so sehr schämen würde, in seinen Tönen\netwas Banales auszusprechen, als die Schule zu verläugnen, welcher\njeder schaffende Künstler angehören muss, will er irgend Beach-\ntung finden, weil diese Schule alles enthält, was unsere Kunst gross\nund bedeutend gemacht hat. An Einzelnem mag immerhin Das und\nJenes in der neuen Sinfonie auszusetzen sein, im Ganzen genom-\nmen hat sie den entschiedenen und grossen Vorzug des echten Sin-\nfoniestils. Die Themen haben Kern, sind der Entwicklung in hohem\nGrade fähig und werden demgemäss ausgeführt. Die Behandlung des\nSatzes ist durchweg polyphon : vier Stimmen neben oder über einan-\nder zu stellen und in langweiliger Einförmigkeit forttraben zu las-\nsen, kann Bargiel nie in den Sinn kommen; er ist.Contrapunktiker,\nund das will nichts Anderes heissen, als: guter Musiker. Was das\nKlangwesen betrifft, so ist es in diesem neuen Werke durchgängig\nvortrefflich; höchstens eine einzige (chromatische) Stelle im Finale\nkönnten wir als unschön klingend bezeichnen. Diese aber, wie auch\neine leicht misslingende Hornstelle im zweiten Theile des Trio vom\nScherzo, könnten durch etwas veränderte Instrumentirung viel vor-\nteilhafter gestaltet werden. Die Erfindung ist, wir müssen es ge-\nstehen, nicht überall vollständig originel, man begegnet Figuren\nund Themen, die man anderswo gehört hat; doch legen wir hierauf\nweniger Gewicht, weil dergleichen bei den grössten Meistern vor-\nkommt. Immerhin würde auch darin durch kleine Abbiegungen den\nVorwürfen, vorzubeugen sein, welche die allzeit eifrigen Reminis-\ncenzenjäger aus der einst gedruckten Partitur zusammenschmieden\nmöchten. Am meisten haben wir noch verhältnissmässig gegen die\nFormgestaltung einzuwenden, in so fern Manches entschieden zu lang\nund ausführlich behandelt ist, was sich kurz und bündig sagen liess.\nSo z. B. der Durchführungssatz im ersten Allegro, das Ende des\nAndante und der Schluss des Finale. Hier ist der Punkt, wo man\nunserer Ueberzeugung nach nie genug aus Beethoven's letzten\nWerken, namentlich den Quartetten, lernen kann. Alle Uebergangs-,\nEinleitungs- und Schlussgruppen werden von ihm immer äusserst\nknapp gehalten; dadurch stellt sich Alles so concis und gedrungen\ndar. Die Sinfonie, vom Orchester mit Virtuosität und merklicher\nLiebe gespielt, fand im Publicum freundliche Aufnahme; der Com-\nponist hätte noch grössere Auszeichnung verdient. Herr Köm-\npel ist als einer der ersten deutschen Violinisten bekannt. Er wird\nvon Manchen Joachim gleichgestellt; ob dies letztere begründet sei,\nwollen wir, da wir diesen Künstler zum ersten Male hörten, noch\nnicht beurtheilen. Er spielte Spohr's Gesangscene und Beethoven's\nG~dur-Romanze und fand auszeichnenden Beifall.\n(Allg. Musical. Ztg.)\nMan schreibt aus Berlin: „Das königliche Theater macht im\nAugenblicke so brillante Geschäfte, wie noch zu keiner Zeit; nach\nzugegangenen Nachrichten betrug die Einnahme der beiden könig-\nlichen Häuser im Monat Februar über 40,000 Thlr. Am 1. April\nschied Frau Birch-Pfeiffer aus dem Personal-Verbände des kö-\nniglichen Schauspielhauses. Ihre 1200 Thlr. betragende Pension ist\nvom Könige bewilligt worden. Als Benefiz der Pensionärin fand am\nfolgenden Sonntage die Aufführung ihrer „„Marquise von Villette\"\"\nStatt. Die Proben zu dem neuen Stücke: „„Der Taufschein\"\",\nsind bereits im Gange.\nIm Friedrich-Wilhelmstädtischen Theater fand am 1. April die\nfünfzigste Vorstellung der Offenbach'schen Operette: „Die schönen\nWeiber von Georgien\", Statt. Der Componist, welcher nach Berlin\ngekommen ist, wegen der Inscenirung seiner neuesten Oper: „Die\nschöne Helene\", das Nöthige anzuordnen, hat die Aufführung per-\nsönlich dirigirt. „Die schöne Helene\" wird bereits Mitte April dem\nberliner Publicum vorgeführt werden. Die Renovirung des Saison-\nTheaters schreitet rüstig vorwärts. Herr Commissionsrath Deich-\nmann liefert damit wieder dem berliner Publicum eine Ueberra-\nschung, wie sie in dieser Ausdehnung wohl kaum geahnt wird. Mit\nunermüdeter Thätigkeit und in aller Stille ist bereits den ganzen\nWinter daran gearbeitet worden.\nEmil Devrient hat vom Könige von Hannover das Ritter-\nkreuz des Ffiedrichs-Ordens erhalten.\nStuttgart* J. J. Abert hat, wie wir hören, so eben wieder\neine neue Oper, „Astorga\" betitelt, vollendet, worin die Haupt- und\nTitel-Partie für den trefflichen Tenoristen Herrn Sontheim com-\nponirt ist.\nDer König von Würtemberg hat dem Hof-Schauspieler und\nRegisseur des Hoftheaters Dr. Grunert in Anerkennung seiner Lei-\nstungen im Gebiete der dramatischen Kunst die grosse goldene Me-\ndaille für Kunst und Wissenschaft mit der Erlaubniss verliehen,\nsolche am Bande des Ordens der würtembergischen Krone tragen\nzu dürfen.\nMusik-Director Abenheim in Stuttgart erhielt aus Anlass sei-\nnes zurückgelegten vierzigsten Dienstjahres und in Anerkennung\nseiner langjährigen guten Dienste die grosse goldene Medaille für\nKunst und Wissenschaft mit dem Bande des Kron-Ördens.\njfliinclteii, 27. März. Gestern wohnte der König der Vor-\nstellung von Goethe's „Egmont\" bis zum Schlüsse (halb II Uhr)\nbei. Fräulein Janauschek (Margerethe von Parma), Frau Dahn-Haus-\nmann (Clärchen) und Herr Landvogt (Egmont) fanden reichen Bei-\nfall. Den höchsten Genuss bot Beethoven's Musik, womit der Sterbe-\ni\ntag des unsterblichen Tondichters würdig gefeiert wurde.\nDie „Oesterreichische Revue\" bringt in ihrem letzterschienenen\nBande einen Artikel von Laube über Fichtner, welcher manche\nfeine Einzelbemerkung über den von der Bühne geschiedenen Künst-\nler, wie auch über das Publicum des Burgtheaters enthält."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "105", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650408-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nMax Bruch's „Scenen aus der Frithjofsage\" im Redoutensaale zu Wien. Von L. B. Beetlioven'sches. Das Thea-\nterjahr 1864—1865 der k. k. Hofoper in Wien. Die öffentliche Versammlung des städtischen Gesangvereins in Köln. Frau Louise\nDustmann als Donna Anna. - Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Violinist Wehrle - Leipzig, neue Sinfonie von Woldemar\nBargiel Berlin, Theater Hannover, Ordensverleihung Stuttgart, Auszeichnungen Mönchen, Goethe's „Egmont\").\n\nMax Bruch’s „Scenen aus der Frithjofsage“ im\nRedoutensaale zu Wien.\n\nAm 25. März führte Herr Bruch seine „Scenen aus\nder Frithjofsage\" in dem Concerte des akademischen Ge-\nsangvereins, dessen Dirigent, Herr Wein wurm, das\nWerk sehr gut einstudirt hatte, einer Zuhörerschaft von\nnahezu zwei Tausend Personen vor und hatte damit einen\nüberaus glänzenden Erfolg. Die zwei Solostimmen: Inge-\nborg (Sopran) und Frithjof (Bariton) wurden von Frau\nDustmann und Herrn Hrabanek, die Chöre von dem\nSängerchor des akademischen Vereins, *2OO Personen\nstark, gesungen. Das Orchester, Herrn Hellmesberger\n(auch als Solospieler) an der Spitze, war das des k. k.\nHof-Operntheaters.\nDer Erfolg zeigte sich durch den rauschenden Beifall\ndes Publicums nach jeder Scene und durch den dreimali-\ngen Hervorruf des Componisten am Schlüsse, ferner durch\ndas Urtheil und die Glückwünsche des Orchesters schon\nin der Probe, und ward uns durch die mündlichen Be-\nrichte, die wir von Augenzeugen und von der berühmten\nSängerin, die selbst mitwirkte, erhalten haben, bestätigt.\nEndlich berichten die sämmtlichen wiener Blätter dasselbe,\nund auch diejenigen, welche den Werth der Composition\nnur unter mancherlei Beschränkungen gelten lassen, läug-\nnen diese Thatsache nicht. Von den letzteren sagt z. B.\ndie „Presse\": „Das Publicum nahm das Werk so auf,\ndass Herr Bruch stolz auf diesen Erfolg sein kann.\"\nDie „Recensionen\" ignoriren zwar den aussergewöhn-\nlichen Beifall, berichten aber doch, „dass sich das Werk\nehrender Anerkennung zu erfreuen hatte\". Die „Neue\nFreie Presse\" sagt, dass „die ausführenden Kräfte redlich\nmitgewirkt, um Herrn Bruch zu einem erfolgreichen De-\nbüt in Wien zu verhelfen\" endlich die „Blätter für\nTheater\" u. s. w.: „Der Componist fand nach jeder Scene\nund zumal am Schlüsse reichlichen Beifall.\"\nEs ist sehr interessant, die Stimmen der fremden Kri-\ntik über ein neues Werk, das noch ungedruckt ist, zu\nvernehmen, wenn man dieses Werk selbst durch und durch\nkennt und auch Proben und einer grossartigen Auffüh-\nrung desselben früher beigewohnt hat. Wie unsere Leser\naus unseren Berichten über Bruch's „Frithjof\" und dessen\nAufführung in Aachen wissen, sind wir in diesem Falle,\nund gerade weil die wiener „hohe Kritik\" jene und diese\nignorirt und höchstens den Erlolg in Leipzig erwähnt, hat\nes uns doppeltes Vergnügen gemacht, unsere Erfahrungen\ndurch den Einblick in die verschiedenen Organe derselben\nzu bereichern. Beginnt doch eines der besten kritischen\nBlätter von Wien mit dem sonderbaren Lobe: „Eine No-\nvität war von Belang, denn sie führte uns einen jungen\nComponisten, eines der relativ hoffnungsreichsten Talente\ndes aus serösterreichischen Deutschlands, zum\nersten Male vor.\" Bezieht sich das „relativ\" auf die allge-\nmeine Armuth an Talenten, oder auf dieselbe in Deutsch-\nland ausserhalb Oesterreich? Wären wir eben so arge\nLocal-Patrioten, so möchten wir fragen, wo denn im öster-\nreichischen Deutschland die Talente sitzen? Bei den jam-\nmervollen politischen Zuständen fehlt es nur noch daran,\ndass wir auch lür die deutsche Kunst einige und\ndreissig Vaterländer annehmen!\nDer Referent der „Wiener Ztg.\" (ß. H.) stimmt mit\ndem Urtheile des Publicums in Wien überein. Natürlich\nweiss er auch nichts von dem Erfolge des Werkes am\nNiederrheine, „im ausserösterreichischen Deutschland\";\ner geht aber doch wenigstens von Leipzig aus, dessen\n„Empfehlung man acceptiren könne\", und meint über die\nComposition selbst: „Das ist wirkliche Musik, Musik in\nForm und Inhalt. In allererster Linie wohlthätig wirkt\nihre Klarheit und Uebersichtlichkeit, es belebt sie natür-\nlicher Fluss und Erguss, kräftige, gesunde Phantasie und\nein tüchtiges Gestaltungs-Vermögen. Durchsichtig, ohne\ndarum je leer zu sein, kunstgemäss, ohne mit scholastischen"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650408-01.1.2", "texte": "Figuren zu coquettiren. ergeht sich die Musik in strenger\nCharakteristik ihres textlichen Substrats; das Aufgebot der\nMittel ist ein aus innerer Notwendigkeit hervorgehendes.\nDie Verwandtschaft mit Mendelssohn's „ Antigone\", von\nwelcher gesprochen wurde, finden wir in diesen Scenen\ndurchaus nicht; der auffallend selbständige Componist hat\nvielmehr das Gebiet der romantischen Musik erweitert,\nwie es z. B. Schumann in „„Paradies und Peri\"\" neuer-\ndings aufnahm und erschloss. Bruch bietet keine Cantate,\nnichts im Oratorienstil oder dergleichen; wir vermuthen\nvielmehr in diesen einzelnen Scenen Anfänge oder Bruch-\ntheile einer Oper, die auszuführen der Componist aus Ur-\nsachen, die wir eben nicht kennen, unterliess. Alles in\nBruch drängt zu dramatischem Leben, und wir glauben,\nder Versuch mit seiner Oper „„Loreley\"\", die im deut-\nschen Norden sehr viel Anklang findet, wäre auch hier\nzu wagen.\n„Der Text der einzelnen Frithjof-Scenen wurde in\ndiesen Blättern bereits übersichtlich zur Sprache gebracht.\nWir wüssten in der That nicht, welche der sechs Num-\nmern in der Musik zu bevorzugen wäre. In jeder einzelnen\ntritt das charakteristische Element scharf ausgeprägt her-\nvor, die Melodie fliesst reichlich, das Arioso der Oper ver-\nkündigt sich unverkennbar. Der dramatische Zug leibt\nund lebt fast bis zur bühnlichen Anschauung ganz vorzüg-\nlich in: „ „Wo mein Vater ruht\"\" u. s. w. (B), „ „Stirne\nder Erde\"\" (B), „„Erhebet die Lanze\"\" (G). Das sind\nNummern, die geradezu in der Bühne wurzeln. Der pracht-\nvolle Chor: „ „Wenn es stürmt mit Macht\"\" (0, 3/4-Tact),\nentrollt ein Finale, wie es der grossen Oper zugehört. Die\nvierte Scene bietet, was instrumentales Colorit betrifft,\nwahrhaft bezaubernde Theile in den Solostimmen durch\nHellmesberger's süsse Geigenlaute und in der Arie mit\nHarfenbegleitung. Von erschütternder Gewalt ist der\n„„Tempelbrand\"\" und ein tiefgesättigtes lyrisches Bild\n„ „Ingeborg's Klage\"\", von unserer in solchen Lagen un-\nschätzbaren Frau Dustmann voll echt weiblicher Innigkeit\ngesungen. Dem Herrn Hrabanek war die Partie des\nFrithjof zugefallen. Die erste Hälfte gelang besser; der\nSänger selbst thäte wohl, seine Stimme zu schonen, die\nnach kleiner Mühe schon ihre Sprünge und Risse zeigt.\nDort, wo leidenschaftliche Kräfte ausbrechen, tritt der\nChor des akademischen Gesangvereins am glänzendsten\nhervor.\"\nWas nun die Urtheile der Referenten der „Neuen\nFreien Presse\", der „Presse\" und der „Recensionen\" be-\ntrifft, die wir zu schätzen wissen, so scheint es uns doch,\ndass sie in diesem Falle bei dem Enthusiasmus des Publi-\ncums es für standesmässig gehalten haben, dem jungen\nComponisten gegenüber eine strengere Amtsmiene zu zei-\ngen. Wir haben nichts dagegen, wenn die Kritik auch\nihrerseits glaubt, dafür sorgen zu müssen, dass die Bäume\nnicht in den Himmel wachsen, wiewohl die Natur und\nauch die auf dem Gebiete der Kunst herrschenden Zu-\nstände schon selbst genug dafür sorgen: aber trotzdem\nmöchten wir doch keineswegs die angebrachten Bedenken\nalle unterschreiben, da uns ihre Begründung nach ein-\nmaligem Hören auf Beweisstellen aus dem Werke\nselbst weniger zu beruhen scheint, als auf vorgefassten\nAnsichten und Aeusserlichkeiten.\nEs wird Niemand erwarten, dass wir das ganz neue\nUrtheil der „Blätter für Theater\" u. s. w. über Tegnör\nmehr als erwähnen, denn es lautet: „Das Gedicht ist in-\nteressant und erscheint beim ersten Anblicke von bedeu-\ntender Kraft, bei näherer Untersuchung aber blutleer!\"\nVoiläfür den Dichter, den die ignorante Welt bisher\nin jedem Abschnitte der Frithjofsage bewunderte. Seine\nPoesie ist also eine „interessante Bleichsüchtige\"!— „Ganz\nso verhält es sich mit der Composition.\"— für den\nTonsetzer!\nDie „Recensionen\" eifern ebenfalls gegen den Text,\naber aus musicalischen Gründen, gehen aber viel zu weit,\nwenn sie vor „Behandlung solcher Zwittergebilde\" war-\nnen, „die den Componisten fortwährend zwischen lyrischen\nund dramatischen Intentionen, zwischen Vocal- und Instru-\nmentalsätzen, zwischen Concertsaal und Theater in der\nIrre herumführen.\" Hierin sind mehrere Irrthümer auf\neinmal ausgesprochen: erstens wissen wir nicht, was die\nVocalmusik, wenn sie die Form einer Cantate, oder\neines Oratoriums, oder einer Oper annimmt, für einen\nStoff wählen soll, der nicht lyrische und dramatische Ele-\nmente zugleich darbietet? Bisher hat man in der Durch-\ndringung mit beiden gerade die nothwendige Bedingung\neines musicalischen Textes gefunden. Zweitens soll der\nStoff der Frithjofsage den Componisten „zwischen Vocal-\nund Instrumentalsätzen in der Irre herumführen\"! Aber\nin dem Werke ist ja kein nackter Instrumentalsatz, als die\neinleitende Ouvertüre! In den Marsch des trüben Hoch-\nzeitszuges der Ingeborg fällt ja der Chor ein; und wäre\ndas auch nicht, dürfen denn die Märsche in den Händel'-\nschen Oratorien keine Gnade vor den Aesthetikern finden?\nSehr wohlwollend führt die „Neue Freie Presse\"\n(Ed. H.) Herrn Bruch, der in Wien kaum dem Namen\nnach gekannt war, mit folgenden Worten ein:\n„Der akademische Gesangverein hatte die\nglückliche Idee, uns in seinem sehr zahlreich besuchten\nConcerte nicht bloss eine umfangreiche neue Composition,\nsondern zugleich einen neuen Componisten leibhaftig vor-\nzuführen. „ „Scenen aus der Frithjofsage\"\" heisst die\nTondichtung und Max Bruch der Componist. Als Jüng-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650408-01.1.3", "texte": "ling mit dem Preise der frankfurter Mozart-Stiftung ge-\nkrönt, wurde Bruch zur weiteren Ausbildung Ferdinand\nHiller in Köln anvertraut. Nachdem er sich mit einigen\nkleineren Compositionen hervorgethan, glückte es ihm, die\nErlaubniss Em. Geibel's zur Composition der „„Lore-\nley\" \" zu erhalten. Geibel, der diesen Operntext bekannt-\nlich für Mendelss.ohn-Bartholdy gedichtet und in grosser\nFurcht vor schlechten Componisten sorgsam gehütet hatte,\ngab diesem jüngsten Bewerber um seine Loreley Gehör.\nSein Vertrauen ward nicht getäuscht; denn wo Bruch's\nOper bisher gegeben wurde (in Mannheim, Köln, Ham-\nburg u. s. w.), erwarb sie sich nebst der unbedingten\nAchtung der Kritik den lebhaftesten Beifall des Publicums.\nSeither erschienen von Max Bruch ein „„Gesang der hei-\nligen drei Könige\"\" und eine „„Flucht der heiligen Fa-\nmilie\" \" (beides wirksame Concert-Nummern), ferner\n„ „Zehn Lieder\"\" und eine sehr hübsche Bearbeitung von\n„ „Zwölf schottischen Liedern\"\" für eine Singstimme. Aus\nallen diesen Compositionen (sie sind grösstentheils in dem\ntrefflichen Verlage C. Sander s in Breslau erschienen)\nsprach ein feingeartetes Talent, das, in edler, ernster Rich-\ntung fortstrebend, bereits eine seltene Herrschaft über die\nmusicalischen Formen und Mittel übte. In den Frithjof-\nScenen für Soli, Männerchor und Orchester bekamen wir\nnun das neueste und nach allgemeinem Urtheile beste\nWerk des jungen Componisten selbst zu hören.\"\nUeber das Werk selbst spricht sich Hanslik eben-\nfalls sehr anerkennend aus. Er findet, dass Bruch „ein\nfeines Verständniss für alle Wendungen seines Gedichtes\nhat und für jede Situation charakteristische und wirksame\nKlänge zu finden weiss; dass sein Ohr wählerisch prüft\nnnd schlechterdings alles Rohe und Triviale von sich stösst,\ndass seine Hand aufs sorgsamste formt und feilt. Die sinn-\nliche Wirkung sei nicht verschmäht, weder in der über-\nraschenden Klangmischung, noch in der Schallkraft; über-\nall aber erscheine sie gerechtfertigt durch den musicali-\nschen und dramatischen Zusammenhang\". Er betont fer-\nner „die Einheit des Stils und der Stimmung, welche die\nwechselvolle Scenenreihe zu einem wahrhaften Ganzen zu-\nsammenfasst\". Schliesslich bestätigt er die Thatsache, dass\n„das Publicum das Werk äusserst günstig aufgenommen\nund nach jeder Nummer den Componisten und die Mit-\nwirkenden namentlich Frau Dustmann ausgezeich-\nnet\" hat.\nC. Schelle (in der „Presse\") vermisst zwar Selbstän-\ndigkeit in Stil und Auffassung, erkennt aber in dem Com-\nponisten „aus manchen Stellen ein bedeutendes dramati-\nsches Talent, das schöne Früchte verheisst\", und „eine\nvollkommene Beherrschung der technischen Mittel seiner\nKunst und eine Sicherheit in Handhabung der Effecte,\nwelche als solche schon seinen glücklichen Erfolg auf dem\nGebiete der Oper gewährleisten muss\".\nNach alledem scheint denn doch seit langer Zeiten\nWien keine Neuigkeit einen so durchschlagenden Erfolg\ngehabt zu haben, als diese. Da das Werk nächstens im\nDruck fertig sein wird Verlag von Leuckart (San-\nder) in Breslau, der auch den Clavier-Auszug der Oper\nLoreley verlegt hat—, so wird es weiteren Kreisen zu-\ngänglich, welche nicht auf wiederholte Aufführungen wer-\nden warten lassen, die dann nicht ermangeln werden, die\nbisherigen Erfolge zu bestätigen, oder unser Urtheil über\nden Werth der Composition, wie wir es in den Nummern\n50 und 51 des vorigen Jahrgangs dieser Blätter ausge-\nsprochen haben, zu widerlegen.\nAuch wir halten keineswegs Max Bruch schon jetzt\nfür einen vollkommenen Meister im Schaffen, setzen aber\nauf seine Zukunft grosse Hoffnungen. Wohl hat der Re-\nferent der „Recensionen\" mit dem allgemeinen Satze,\ndessen Gültigkeit aber auf das besprochene Werk nicht\npasst, Recht: „ein starkes, mit sich einiges Talent wendet\nsich bestimmten, streng gesonderten Formen zu, wo e9\nam besten seine Eigentümlichkeit stilvoll ausprägen\nkann.\" Sehr gut, wenn das nur eben so leicht gethan als\ngeschrieben wäre! Mit der Wendung oder Richtung allein\nist es nicht gethan; dess Zeuge ist Richard Wagner. Bruch\nhat das Gebiet, auf welchem er seine Eigenthümlichkeit\nausprägen kann, sehr wohl erkannt und ist darüber völlig\nmit sich einig. Dieses Gebiet ist die Oper. Mit dieser Er-\nkenntnissist es aber auch noch nicht gethan: es gehört\ndazu noch die Kleinigkeit guter Operngedichte, und\ner würde gewiss sehr dankbar sein, wenn ihm fürs erste\nnur eines von solchen nachgewiesen würde!\n\nL. B.\n\nBeethoven'sches\nNr. 115. Dritte Symphonie. 1803 —lBO4. Titel\ndes geschriebenen Hand-Exemplars Beethoven's—bei der\nLicitation seines Nachlasses um 3 Fl. 10 Kr. verkauft und\njetzt im Besitze des Componisten Joseph Dessauer in Wien:\n„Sinfonia grande.\"(Zwei Worte sorgfältig ausradirt.)\n1804 im August, del Sr. Louis van Beethoven. Sinfonie 3.\nOp. 55. Gerade unter seinem Namen war mit Bleistift\ngeschrieben und ist noch zu lesen: „Geschrieben auf Bo-\nnaparte\". Eines von den zwei ausradirten Worten war\nsicherlich auch „Bonaparte\".\nNr. 130. Concert für Violine und Orchester.\n1806. Das Manuscript, im Besitze der k k. Bibliothek in\n*).\n\n*) Aus A. W. Thayer's chronologischem Verzeichnisse\nder Werke Beethoven's.\nn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650408-01.1.4", "texte": "Wien, ist von Beethoven überschrieben: pat\nClemenza pour Clement, prim Direttore\nTheatro ä Vienne, dal L. v.\nEine von Beethoven eigenhändig geschriebene Cadenz\nmit obligater Pauke zum ersten Satze dieses Concertes i n\nder Clavier-Uebersetzung und einen „Eingang\"\nvon dem Andante (Larghetto schreibt hier Beethoven) zum\nRondo besitzt Herr Karl Haslinger in Wien.\nNr. 131. IV. Concert für Pianoforte. G-dur.\n1806 (?). Eigenhändig von Beethoven geschriebene Ca-\ndenzen zu diesem Concerte besitzt Herr Karl Haslinger,\nund zwar: zum ersten Satze zwei, von denen die eine\nmit sehr schwierigen Doppel-Trillern gegen das Ende\nvon Beethoven überschrieben ist: „Cadema (ma senza\ncadere)\" . Zum letzten Satze eine Cadenz.\nNr. 140. V. Symphonie. C-moll. 1808. In Pet-\nter's Notirbuch aus dem Jahre 1800 (N.8.!) finden sich\nbereits folgende Skizzen:\nNr. 144. jEs-dur-Concertfür Pianoforte. 1809.\nTheodor Körner schreibt aus Wien am Samstag, 15. Fe-\nbruar 1812: „Mittwochs war zum Besten der Gesellschaft\nadeliger Frauen für Wohlthätigkeit ein Concert und Dar-\nstellung dreier Bilder nach Raphael, Poussin und Troyer,\nwie sie Goethe in den Wahlverwandtschaften beschreibt.\nDie Bilder gewährten einen herrlichen Genuss. Ein neues\n*\nClavier-Concert von Beethoven fiel durch.\" Bei dieser (für\nWien) ersten öffentlichen Aufführung des jetzt so berühm-\nten Concertes spielte Karl Czerny das Ciavier.\nGanz anders aber war die Aufnahme des Werkes in\nLeipzig einige Wochen (im December) früher, wo Musik-\nDirector Schneider das Ciavier spielte und „das sehr zahl-\nreiche Auditorium in eine Begeisterung versetzt ward, die\nsich kaum mit den gewöhnlichen Aeusserungen der Er-\nkenntlichkeit und Freude begnügen könnte.\"\n(L. A. M.-Z. XIV. 8.)\nNr. 164. B-dur-Trio, Op. 97. 1811. Die erste\nöffentliche Aufführung dieses Trio's war in einem Con-\ncerte zu einem wohlthätigen Zwecke von Schuppanzigh\nim Hotel zum Römischen Kaiser veranstaltet. Beethoven\nselbst spielte das Pianoforte, Schuppanzigh die Violine und\nLinke das Violoncello. Von diesem Concerte berichtet der\n„Sammler\" unter Anderem Folgendes: „Part. 11. 1. Neues\nTrio für das Pianoforte, componirt und vorgetragen von\nHerrn L. v. Beethoven; in jeder Hinsicht schön und ori-\nginel, für eine Akademie aber zu gross und weitläufig. Es\nfolgt Schlag auf Schlag, und wer nicht ganz Kunstkenner\nist, wird beinahe durch die Menge der Schönheiten er-\ndrückt.\"\nSchindler sagt (I. 197): „Im folgenden Monat Mai\nward dasselbe Werk in einer von Schuppanzigh im Prater\ngegebenen wiederholt. Mit dieser Pro-\nduction im Prater, welcher ich, so wie auch der voraus-\ngegangenen am 11. April, beigewohnt, schied Beethoven\nals ausübender Clavierspieler für immer aus der Oeffent-\nlichkeit.\"\nNr. 166. Die Ruinen von Athen. 1812. Das Ma-\nnuscript zu Nr. 3 (Chor der Derwische) hat folgende Be-\nmerkung in Beethoven's Schrift:\n„N.B. Alle mögliche hierbey lärmenden Instrumente,\nwie Kastagnetten, Schellen etc. d. g.\"\n(Schluss folgt.)\n\nDas Theaterjahr 1864 — 1865 der k. k. Hofoper\nin Wien.\nDie gesammte musicalische Kritik von Wien tritt ge-\ngen die Leitung des Operntheaters scharf auf, welche\ntrotzdem, dass die Oper im Ganzen in Besitz des relativ\nbesten Sänger-Personals ist, den Forderungen einer sol-\nchen Kunstaristalt keineswegs genügt. Und in der That,\nwenn man liest, dass Meyerbeer's „Dinorah\" erst in\ndiesem Jahre zum ersten Male gegeben, dass ausser dem\n„Concini\" von dem jungen wiener Componisten Löwe\nkeine einzige neue Oper gebracht worden, dass diese mit"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650408-01.1.5", "texte": "drei Vorstellungen begraben war, dass unter den „nach-\nstudirten\" Flotow's „Indra\" (!) figurirt, während\nGluck's „Iphigenie auf Tauris\" vom Repertoire ver-\nschwunden und die seit zwei Jahren angekündigte Vorbe-\nreitung der „Iphigenia in Aulis\" nicht Statt gefunden hat\nso kann man der Kritik nicht Unrecht geben, da die\nThatsachen lauter sprechen, als ihre Anklagen.\n„Das Repertoire\" sagen z. B. die „Recensionen\"\n„blieb in den engen Gränzen festgebannt, innerhalb\nderen es sich seit Jahrzehenden im Kreise dreht. Einund-\nvierzig Opern sind zwar ein ansehnliches Material, und kein\nanderes grosses Opern-Institut dürfte sich einer ähnlichen\nZahl rühmen können; unsere Oper spielt aber auch täg-\nlich, bedarf daher eines grossen Repertoires, besitzt aber\nauch in dreifacher bis vierlacher Besetzung der meisten\nFächer ein quantitativ ausreichendes Personal, nicht\nbloss, um sich ihr Repertoire zu erhalten, sondern auch,\num es aufzufrischen, zu erneuern.\n„Beides wird aber unterlassen. Man ist am Spitalplatze\nweder zweckmässig conservativ, noch entsprechend liberal;\nweder versteht man es, das gute Alte in würdiger Weise\nzu erhalten, noch das Abgelebte durch neue, frische Ele-\nmente zu ersetzen. Wenn wir sagen, dass von den vier-\nunddreissig Opern, die von früher her fest studirt waren,\nfünf im Ensemble gut zusammenklappten Fidelio, Der\nfliegende Holländer, Der Postillon, Wilhelm Teil und Der\nProphet—so ist dies das Aeusserste an Anerkennung, was\nwir irgend leisten können, und selbst dabei sehen wir von\nmancher Besetzungs- und decorativen Einzelheit ab.\n„Wohl ist die Production der Gegenwart in Deutsch-\nland und Frankreich dürftig genug. Immerhin aber leisten\nFerd. Hiller, Max Bruch, A< Abert, Richard\nWüerst, Barbieri, ferner F. David, Maillart und\nAndere Annehmbares, wenn es nur rasch und nicht ver-\neinzelt, dabei auch in sorgfältiger Besetzung und Sceni-\nrung gegeben würde.\"\nDas statistische Verzeichniss weist vom 1. Juli 1864\nbis 31. März 1865 41 Opern auf. An den 263 Spiel-\nabenden haben 195 Opern- und 68 Ballet-Vorstellungen\nStatt gefunden.\nOpern. Adam: Der Postillon 8 Mal. Auber: Fra\nDiavolo (nachstudirt) 11. Der schwarze Domino (neustu-\ndirt) 9. Die Stumme s*).— Balfe: Die Zigeunerin I.\nBeethoven: Fidelio 4. Bellini: Norma 4. Boiel-\ndieu: Die weisse Frau 2. Donizetti: Lucia von Lam-\nmermoor 7. Lucrezia Borgia 7. Linda von Chamounix 3.\nDom Sebastian 3. Maria von Rohan 1. Flotow: Ales-\nsandro Stradella 6. Martha 6. Indra (nachstudirt 3.\nGoünod: Margarethe 12. Hal£vy: Die Jüdin 8.\nKreutzer: Das Nachtlager in Granada 2. Löwe:\nConcini (neu! 3.— Lortzing: Czaar und Zimmermann 1.\nMarschner: Hans Heiling 4. Meyerbeer: Dinorah\n(neu) 7. Die Hugenotten (nachstudirty 6. Robert der Teu-\nfel 5. Der Prophet 3. Der Nordstern I.—Mozart: Don\nJuan 6. Die Hochzeit des Figaro 5. Die Zauberllöte 4.\nNicolai: Die lustigen Weiber von Windsor fnach-\nstudirt) 3. Offenbach: Die Rhein-Nixen 4. Ros-\nsini: Wilhelm Teil 10.—Spohr: Jessonda 2. Verdi:\nDer Troubadour 8. Hernani 2. Wagner: Tannhäuser\n5. Der (liegende Holländer 5. Lohengrin 4. Weber:\nDer Freischütz 3. Oberon 2.\nOpern-Personal. Sängerinnen. 1849. Fräulein\nWildauer sang 24 Mal in 11 Partieen. 1855. Frau\nSchäffer 38 Mal in 11 Partieen. 1857. Frau Dust-\nmann 53 Mal in 18 Partieen. 1859. Fräulein Krauss\n55 Mal in 18 Partieen. 1861. Fräulein Destinn 49 Mal\nin 13 Partieen. 1861. Fräulein Bettel he im 96 Mal in\n19 Partieen. 1862. Fräulein Teilheim 63 Mal in 14\nPartieen. 1864. Fräulein Kreutzer 5 Mal in 3 Partieen.\nSänger. 1838. Herr Erl sang 34 Mal in 13 Partieen.\n1840. Herr Draxler 38 Mal in 15 Partieen. 1845.\nHerr Ander 5 Mal in 5 Partieen. 1854. Herr Beck 65\nMal in 17 Partieen. 1854. Herr Mayer hofer 88 Mal\nin 24 Partieen. 1855. Herr Schmid 44 Mal in 17 Par-\ntieen. 1856. Herr Walter 64 Mal in 21 Partieen. 1857.\nHerr Lay 110 Mal in 28.Partieen. 1858. Herr Hra-\nbanek 69 Mal in 20 Partieen. 1862. Herr Neu mann\n44 Mal in 13 Partieen. 1863. Herr Dalfy 53 Mal in\n10 Partieen. 1863. Herr v. Bignio 38 Mal in 9 Par-\ntieen. 1863. Herr Wachtel 57 Mal in 14 Partieen.\n1864. Herr Rokitansky 42 Mal in 12 Partieen. 1864.\nHerr Ferenczy 22 Mal in 8 Partieen.\nC a pel I m eis t e r. 1840. Herr„Proch dirigirte 13\nOpern. 1854. Herr Esser 15 Opern. 1860. Herr Des-\nso ff 13 Opern.\nDas Ballet-Corps war ausser den 12 Balletten an\n68 Abenden auch noch in 11 Opern an 59 Abenden\nbeschäftigt. Balletmusik-Dirigenten : Herr Streb inger\n(9 Ballette), Herr Franz Doppler (3 Ballette).\nGäste. Sängerinnen: Fräulein Bauer aus Kassel 3\nMal (Gräfin Almaviva, Pamina, Donna Anna), Fräulein von\nMurska aus Berlin 31 Mal Lucia, Linda, Martha, Leo-\nnore, Königin der Nacht, Königin Margarethe, Prinzessin\nIsabella, Dinorah), Frau Palm-Spatzer aus Leipzig 1\nMal (L eonore), Fräulein Arlöt 15 Mal (Angela, Marga-\nrethe), Fräulein Stehle aus München 6 Mal (Margarethe,\nEl isabeth, Cherubin). Sänger: Herr Ferenczy aus\n\n■/ t . j\" ■' • . .\n*) Nur eine halbe, durch Wachtel1 s Heiserwerden abgebro-\nchene Vorstellung."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650408-01.1.6", "texte": "Rassel 15 Mal (Eleazar, Hernani, Arnold, Sever, Edgar,\nTannhäuser), Herr Hellmuth aus Hamburg 3 Mal (Van\nBett, Marquis de Boisfleuri, Papageno), Herr Eppich aus\nGraz 7 Mal (Corentin), Herr Steger 3 Mal (Raoul, Ar-\nnold, Masanieilo).\n\nDie öffentliche Versammlung des städtischen Gesang-\nvereins in Köln.\nAm 29. März fand im Gürzenichsaale Nr. II eine öf-\nfentliche Aufführung durch den städtischen Gesang-\nverein vor einem eingeladenen Publicum Statt, wie sie\nder genannte Verein alljährlich zu veranstalten pflegt. Die-\nses Mal gewann dieselbe noch eine besondere Bedeutung\ndadurch, dass es die letzte war, welche Herr Ferdinand\nBreunung vor seinem Abgange nach Aachen dirigirte.\nDer Chor war denn auch in seiner ganzen Stärke gegen-\nwärtig, denn kein Mitglied des Vereins wollte fehlen bei\ndem thatsächlichen Zeugnisse der Leistungsfähigkeit des-\nselben, die der scheidende Dirigent lange Jahre hindurch\ngeübt und gekräftigt hatte. Der Chor war daher beinahe\neben so stark besetzt, wie der Concertchor in den grossen\nGürzenich-Concerten *).\nGesungen wurde das Te in von Hän-\ndel, 1737 zu Ehren der Königin Caroline aufgeführt,\naber wahrscheinlich schon während des Aufenthaltes des\nMeisters in Cannons componirt. Chrysander meint, dass es\nzu den Stücken gehören möge, welche Händel zu den Ge-\nburtstagen des Herzogs von Chandos in den Jahren 1718\nbis 1720 dort geschrieben, und meint, dass es am we-\nnigsten Selbständigkeit habe und aus den Gedanken der\nvorigen und einigen anderen Lieblingsgesängen zusammen-\ngestellt sei. Wir haben darüber kein Ortheil, da wir die\n„vorigen\" nicht kennen; das kleine Te Deum hat uns und\ndie Zuhörerschaft recht angesprochen, wenngleich wir es\nauch nicht den späteren grösseren Werken ebenbürtig\nhalten.\nDarauf folgte Mend e Issoh n's 95. Psalm mit Te-\nnor-Solo, Sopran-Solo und Duett und Chor, und dann\nzwei Compositionen von Franz Schubert: Der 23.\nPsalm für Frauenchor und „Mirjam'sSiegesgesang\"\nfür Sopran-Solo und Chor. Alles wurde recht schön ge-\nsungen, namentlich erregte Schubert's Psalm für Frauen-\nchor enthusiastischen Beifall, wie auch Mirjam's Gesang\nund besonders die Ausführung der Solo-Partie durch\nFräulein Rothenberger. Alle übrigen Soli waren durch\nMitglieder des Vereins recht befriedigend besetzt.\nAm Vormittage hatten die Vorstände des Gesang-\nvereins und der musicalischen Gesellschaft, deren techni-\nscher Dirigent Herr Breunung auch sieben Jahre lang\ngewesen ist, ihn in das Local der letzteren eingeladen und\nihm durch herzliche Anreden und Ueberreichung werth-\nvoller Geschenke ihre Achtung und ihren Dank bezeigt.\nAm folgenden Abende vereinigte ein Abschiedsmahl eine\nzahlreiche Versammlung. Auf eine Anrede des Vorsitzen-\nden der musicalischen Gesellschaft, welcher mit beredter\nWärme der Wirksamkeit des von Köln Scheidenden in\nseiner dreifachen Eigenschaft als Lehrer am Conservato-\nrium, als Dirigent der musicalischen Gesellschaft und des\nstädtischen Gesangvereins, ferner seines künstlerischen\nStrebens und seiner anspruchslosen, ehrenwerthen Haltung\nim Leben gedachte, antwortete Herr Breunung in herz-\nlichen, eben so gewählten als innigen Worten, worauf\nihm sein College, Herr Franz Derckum, im Namen\naller Collegen am Conservatorium, dessen Director, Herr\nCapellmeister Hiller, durch Krankheit verhindert war,\ndem Feste beizuwohnen, einen prachtvollen silbernen und\ngoldenen Römer mit der Inschrift des Tages und den Na-\nmen sämmtlicher Amtsgenossen mit sinniger Rede, die\nErnst und Scherz in ansprechender Weise vereinigte, über-\ngab. Ein paar trefflich humoristische Lieder, auch vier-\nstimmige Gesänge, unter anderen ein sehr hübscher Canon\nAlles, Dichtung und Composition, von A. Pütz er-\nhöhten das schöne, echt kölnische Fest.\nAm Samstag den 1. April dirigirte Herr Breunung\nzum letzten Male das Orchester der musicalischen Gesell-\nschaft: als er aber das Zeichen zum Anfange der letzten\nOuvertüre gab, fiel das Orchester in einen Tusch mit allen\nInstrumenten ein, brachte ihm ein Hoch und überreichte\n\n*) Für die auswärtigen Leser, welche die Verhältnisse der hie-\nsigen musicalischen Vereine nicht kennen, bemerken wir, dass seit\nlänger als 25 Jahren zwei Gesangvereine für vollen Chor hier be-\nstehen: der städtische Gesangverein, zuletzt unter Ferd«\nBreunung' s Leitung, und die Sing-Akademie, seit ihrem Ent-\nstehen und auch jetzt noch unter Leitung des k. Musik-Directors\nFranz Weber. Ein dritter Verein ist der Concertchor unter\nFerdinand Hiller's Leitung, welcher bis jetzt (leider!) nicht eine\nVereinigung aller Vereine als solcher war, sondern nur durch ein-\nzelne Mitglieder aus den Vereinen und auch durch sonstige, in kei-\nnem geschlossenen Vereine befindliche Dilettanten sich zusammen-\nsetzte und seine Uebungen ausschliesslich für die Gürzenich-Con-\ncerte abhielt. In derselben Weise gehören auch die hiesigen Män-\nner-Gesangvereine nicht als solche zu dem Concertchor, - son-\ndern nur einzelne Mitglieder derselben. Das Bestehen der einzelnen\nVereine ist in einer grossen Stadt wie Köln gewiss ganz an der\nStelle und fördert auch durch einen gewissen Wetteifer die künst-\nlerischen Leistungen. Allein wir hielten es von je her und halten es\njetzt mehr wie je für nothwendig, dass diese einzelnen Vereine zu\nden grossen Concert-Aufführungen in einem bestimmten Theil-\nnahme- und Vor b ereitungs -Verhältnisse stehen, wenigstens\nwährend der Winter-Saison; eine wirkliche Einheit ist auch im\nReiche der Tonkunst nur durch theilweises Verzichten auf particu-\nlaristische Souverainetätsrechte zu erzielen."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650408-01.1.7", "texte": "ihm zur Erinnerung und als Zeichen der Hochachtung\neinen kunstvoll gearbeiteten Tactstock.\nMögen diese Zeichen der Anerkennung, denen sich\nder Dank und die Wünsche seiner zahlreichen Schüler\nund Freunde anschliessen, ihm die Trennung von einem\nliebgewonnenen Wirkungs- und Freundeskreise erleich-\ntern und für seine neue künstlerische Laufbahn in der\nNachbarstadt Aachen als günstige Vorbedeutungen gelten!\n\nFrau Louise Dustmann als Donna Anna.\nKöln, 5. April.\nDie gestrige Don Juan-Vorstellung wird den zahlreich\nversammelten Zuhörern unvergesslich sein, denn so voll-\nendet, wie Frau Dustmann die grossartigste dramatische\nSchöpfung Mozart's, die „Donna Anna\", wiedergab, wer-\nden nur wenige diese Rolle jemals ausgeführt gesehen\nhaben. Jeder weiss, was für eine Vereinigung von persön-\nlichen, musicalischen und dramatischen Vorzügen die Dar-\nstellung dieser Spanierin verlangt, deren reine Seele die\nkindliche Liebe der Tochter und die sittliche Entrüstung\nder Jungfrau mit dem tiefsten Schmerze um den Vater\nund mit dem glühendsten Hasse gegen den Frevler füllen.\nAus diesen Grundzügen ihres Charakters ist vom Dichter\nund Componisten ihr Bild geschaffen; nirgends verläugnen\nsie sich, und sie sind es, die in Donna Anna neben der\nleidenschaftlichen Empörung gegen ein Verbrechen, das\nihr Vernichtung drohte, eine tiefe Trauer und im Rück-\nblicke auf die ruchlose Frechheit des Frevlers eine mäd-\nchenhafte Zaghaftigkeit bedingen. Donna Anna ist weder\neine Heldin, noch eine Rachsüchtige von gewöhnlichem\nSchlage: nur wenn das empörte Gefühl in ihr alle Fesseln\nsprengt, oder die Erinnerung an jenen Abend ihr ganzes\nWesen verwandelt, bricht die Leidenschaft alle Schranken\ndurch; so erscheint sie uns gleich im Anfange und so wie-\nder in der erschütternden Scene, wo sie in Don Juan den\nFrevler entdeckt. Aber selbst in diesen beiden grossartigen\nSituationen zeigen die schmerzlich melodischen Accente den\nGrund ihres Gemüthes, den Ausdruck einer edlen Mäd-\nchennatur, die, je tiefer empört, desto weniger ihre Ent-\nrüstung zur Schau trägt, sondern die Rache vertrauens-\nvoll in die Hände des Geliebten legt, des wahr und innig\nGeliebten, nicht etwa eines Convenienz-Bräutigams, wozu\nHofmann in seinen Phantasiestücken ihn macht, in denen\ner sich an da Ponte und Mozart auf unverantwortliche\nWeise versündigt und das erste—leider seitdem oft nach-\ngeahmte Beispiel jenes verwerflichen Bestrebens gab,\nclassische, durch den Dichter und Musiker in bestimmter\nAusprägung geschaffene und durch die Tradition gehei-\nligte Gestalten des Drama s durch die Sucht, neu und ori-\nginel zu sein, zu verunstalten und ihre Natur zu alteriren.\nMozart lässt seine Donna Anna nirgends die Natur edler\nJungfräulichkeit und trauernder Kindesliebe verläugnen;\nder Schmerz ist bei ihr ein dauernder, aber die Strafe des\ndoppelten Verbrechens vertraut sie dem Himmel und dem\nkünftigen Gatten an. Darum bebt sie fast selbst vor dem\nSchwur der Rache, den sie veranlasst, zurück: „lla, welch\nein Schwur! o Himmel! o grauenvolle Stunde!\"— Darum\nerscheint sie so weich in dem Quartetie, wo nur in einem\neinzigen Momente, in der Frage an Elvira, die Ahnung\nder Wahrheit in ihr erwacht, einem Momente, den Frau\nDustmann durch den Ton der drei Noten und durch ihre\nMimik so ausdrückte, wie wir es noch nie gesehen haben,\ndarum die innige Beschwörung in der Rache-Arie: ..Ge-\ndenke der Wunde, durch die er gesunken, gedenke der\nStätte, die sein Herzblut getrunken\", darum ihr Zagen in\ndem Masken-Terzette: „Gefahren seh' ich schweben in\nneuen Ungewittern, ich muss im Herzen zittern für Dich\nund auch für uns\"*), und die Anrufung des himmlischen\nSchutzes, darum im Sextett die Bitte an Ottavio: „Lass',\no lass* mir diese Thränen!\" und endlich die letzte grosse\nArie.\nNun, diese Anna und es ist ohne Zweifel die Mo-\nzart'sche hat uns Frau Dustmann in einer so wahren\nAuffassung und so künstlerischen Verwirklichung gegeben,\ndass der Eindruck ihrer Leistung, hervorgebracht durch\ndie Gesammtwirkung einer schönen äusseren Erscheinung,\neiner Sopranstimme, die durch Frische, Fülle und fesseln-\nden Wohllaut des Tones in unseren Tagen zu den gröss-\nten Seltenheiten gehört, zumal da sie frei von allen Unar-\nten des scharfen Herausstossens der Höhe, welche bei ihr\neben so rund und voll, wie alle übrigen Töne klingt, und\nvollends von allem Quetschen und Tremoliren ist, und\neiner vortrefflichen Darstellungsgabe in mimischer und\nplastischer Beziehung, dass ihre Leistung Alles zur Bewun-\nderung im eigentlichen Sinne des Wortes hinriss.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolli. In der letzten Sitzung der musicalischen Gesellschaft\nhat der junge Violinist VVehrle durch den Vortrag eines Concertes\nvon Viotti und der Othello-Phantasie von Ernst Aufsehen ge-\nmacht und ungemeinen Beifall gefunden.\n\n*) Wir citiren nach dem Clavier-Auszuge des Don Juan\nvon Prof. L. Bischoff (Bonn, bei N. Simrock), welcher dessen\nneue Uebersetzung unter dem italiänischen Texte enthält. Die\nleider noch immer benutzte alte Uebersetzung veranlasst, abgesehen\nvon ihrer Form, durch offenbare Entstellung des Originals zu ver-\nkehrter Auffassung der Hauptrollen der Oper, wie das besonders\nauch von Prof. 0. Jahn Th. IV seines rMozartu nachgewiesen ist."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650408-01.1.8", "texte": "Leipzig« Das Wichtigste, was das neunzehnte und vorletzte\nAbonnements-Concert brachte, war für uns jedenfalls die neue Sin-\nfonie von Woldemar Bargiel, welche den zweiten Theil eröff-\nnete und vom Componisten persönlich dirigirt wurde. Ist dem vor-\nurteilsfreien Concertbesucher doch nichts angenehmer, als die Aus-\nsicht auf einen neuen Eindruck, der voraussichtlich nicht durch die\nEmpfindung des Unbehagens oder gar Widerwillens getrübt oder\naufgehoben wird. Und einen solchen Eindruck durfte Jeder erwar-\nten, der Bargiel's Art und Weise kennt. Er ist immer der tüchtige\nMusiker, der sich eben so sehr schämen würde, in seinen Tönen\netwas Banales auszusprechen, als die Schule zu verläugnen, welcher\njeder schaffende Künstler angehören muss, will er irgend Beach-\ntung finden, weil diese Schule alles enthält, was unsere Kunst gross\nund bedeutend gemacht hat. An Einzelnem mag immerhin Das und\nJenes in der neuen Sinfonie auszusetzen sein, im Ganzen genom-\nmen hat sie den entschiedenen und grossen Vorzug des echten Sin-\nfoniestils. Die Themen haben Kern, sind der Entwicklung in hohem\nGrade fähig und werden demgemäss ausgeführt. Die Behandlung des\nSatzes ist durchweg polyphon : vier Stimmen neben oder über einan-\nder zu stellen und in langweiliger Einförmigkeit forttraben zu las-\nsen, kann Bargiel nie in den Sinn kommen; er ist.Contrapunktiker,\nund das will nichts Anderes heissen, als: guter Musiker. Was das\nKlangwesen betrifft, so ist es in diesem neuen Werke durchgängig\nvortrefflich; höchstens eine einzige (chromatische) Stelle im Finale\nkönnten wir als unschön klingend bezeichnen. Diese aber, wie auch\neine leicht misslingende Hornstelle im zweiten Theile des Trio vom\nScherzo, könnten durch etwas veränderte Instrumentirung viel vor-\nteilhafter gestaltet werden. Die Erfindung ist, wir müssen es ge-\nstehen, nicht überall vollständig originel, man begegnet Figuren\nund Themen, die man anderswo gehört hat; doch legen wir hierauf\nweniger Gewicht, weil dergleichen bei den grössten Meistern vor-\nkommt. Immerhin würde auch darin durch kleine Abbiegungen den\nVorwürfen, vorzubeugen sein, welche die allzeit eifrigen Reminis-\ncenzenjäger aus der einst gedruckten Partitur zusammenschmieden\nmöchten. Am meisten haben wir noch verhältnissmässig gegen die\nFormgestaltung einzuwenden, in so fern Manches entschieden zu lang\nund ausführlich behandelt ist, was sich kurz und bündig sagen liess.\nSo z. B. der Durchführungssatz im ersten Allegro, das Ende des\nAndante und der Schluss des Finale. Hier ist der Punkt, wo man\nunserer Ueberzeugung nach nie genug aus Beethoven's letzten\nWerken, namentlich den Quartetten, lernen kann. Alle Uebergangs-,\nEinleitungs- und Schlussgruppen werden von ihm immer äusserst\nknapp gehalten; dadurch stellt sich Alles so concis und gedrungen\ndar. Die Sinfonie, vom Orchester mit Virtuosität und merklicher\nLiebe gespielt, fand im Publicum freundliche Aufnahme; der Com-\nponist hätte noch grössere Auszeichnung verdient. Herr Köm-\npel ist als einer der ersten deutschen Violinisten bekannt. Er wird\nvon Manchen Joachim gleichgestellt; ob dies letztere begründet sei,\nwollen wir, da wir diesen Künstler zum ersten Male hörten, noch\nnicht beurtheilen. Er spielte Spohr's Gesangscene und Beethoven's\nG~dur-Romanze und fand auszeichnenden Beifall.\n(Allg. Musical. Ztg.)\nMan schreibt aus Berlin: „Das königliche Theater macht im\nAugenblicke so brillante Geschäfte, wie noch zu keiner Zeit; nach\nzugegangenen Nachrichten betrug die Einnahme der beiden könig-\nlichen Häuser im Monat Februar über 40,000 Thlr. Am 1. April\nschied Frau Birch-Pfeiffer aus dem Personal-Verbände des kö-\nniglichen Schauspielhauses. Ihre 1200 Thlr. betragende Pension ist\nvom Könige bewilligt worden. Als Benefiz der Pensionärin fand am\nfolgenden Sonntage die Aufführung ihrer „„Marquise von Villette\"\"\nStatt. Die Proben zu dem neuen Stücke: „„Der Taufschein\"\",\nsind bereits im Gange.\nIm Friedrich-Wilhelmstädtischen Theater fand am 1. April die\nfünfzigste Vorstellung der Offenbach'schen Operette: „Die schönen\nWeiber von Georgien\", Statt. Der Componist, welcher nach Berlin\ngekommen ist, wegen der Inscenirung seiner neuesten Oper: „Die\nschöne Helene\", das Nöthige anzuordnen, hat die Aufführung per-\nsönlich dirigirt. „Die schöne Helene\" wird bereits Mitte April dem\nberliner Publicum vorgeführt werden. Die Renovirung des Saison-\nTheaters schreitet rüstig vorwärts. Herr Commissionsrath Deich-\nmann liefert damit wieder dem berliner Publicum eine Ueberra-\nschung, wie sie in dieser Ausdehnung wohl kaum geahnt wird. Mit\nunermüdeter Thätigkeit und in aller Stille ist bereits den ganzen\nWinter daran gearbeitet worden.\nEmil Devrient hat vom Könige von Hannover das Ritter-\nkreuz des Ffiedrichs-Ordens erhalten.\nStuttgart* J. J. Abert hat, wie wir hören, so eben wieder\neine neue Oper, „Astorga\" betitelt, vollendet, worin die Haupt- und\nTitel-Partie für den trefflichen Tenoristen Herrn Sontheim com-\nponirt ist.\nDer König von Würtemberg hat dem Hof-Schauspieler und\nRegisseur des Hoftheaters Dr. Grunert in Anerkennung seiner Lei-\nstungen im Gebiete der dramatischen Kunst die grosse goldene Me-\ndaille für Kunst und Wissenschaft mit der Erlaubniss verliehen,\nsolche am Bande des Ordens der würtembergischen Krone tragen\nzu dürfen.\nMusik-Director Abenheim in Stuttgart erhielt aus Anlass sei-\nnes zurückgelegten vierzigsten Dienstjahres und in Anerkennung\nseiner langjährigen guten Dienste die grosse goldene Medaille für\nKunst und Wissenschaft mit dem Bande des Kron-Ördens.\njfliinclteii, 27. März. Gestern wohnte der König der Vor-\nstellung von Goethe's „Egmont\" bis zum Schlüsse (halb II Uhr)\nbei. Fräulein Janauschek (Margerethe von Parma), Frau Dahn-Haus-\nmann (Clärchen) und Herr Landvogt (Egmont) fanden reichen Bei-\nfall. Den höchsten Genuss bot Beethoven's Musik, womit der Sterbe-\ni\ntag des unsterblichen Tondichters würdig gefeiert wurde.\nDie „Oesterreichische Revue\" bringt in ihrem letzterschienenen\nBande einen Artikel von Laube über Fichtner, welcher manche\nfeine Einzelbemerkung über den von der Bühne geschiedenen Künst-\nler, wie auch über das Publicum des Burgtheaters enthält."}]}