{"numero_id": "bm-bmtnabi-1865-04-15-01", "volume": "bmtnabi_1865-04-15_01", "ocr_sha256": "357665c30ad1906f35605091ed0c576c17bc933d636f2b82070d4b5ce1e74800", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1865/04/15_01/bmtnabi_1865-04-15_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650415-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1865-04-15-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-04-15_01#c001", "volume": "bmtnabi_1865-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "113", "page_fin": "113", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650415-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650415-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 430, "texte": "Inhalt.\nUeber russische Musik-Zustände. 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Der\nVerfasser des Artikels ist einer der tüchtigsten Kritiker zu\nSt. Petersburg, welcher unter dem Namen Rostisloff\nschon seit langer Zeit mit klarer Einsicht und richtiger\nAuffassung der Verhältnisse eine gesunde Kritik geübt bat\nund für die Verbreitung wahrer Musik zur Bildung des\nGeschmacks im Publicum unermüdlich thatig gewesen ist.\nObwohl die Hauptstädte Russlands, wie Petersburg,\nMoskau, Odessa u. s. w., so glücklich waren, die berühm-\ntesten Künstler auf kürzere oder längere Zeit innerhalb\nihrer gesellschaftlichen Kreise zu sehen, so konnte doch\nvon einem regen musicalischen Leben und Streben wenig\nwahrgenommen werden. Erst seit fünf Jahren ist es nach\nGründung der „russischen musicalischen Gesell-\nschaft\" den verdienstvollen Bemühungen der Brüder\nRubinstein, wie auch anderer ehrenwerther Musiker\nund Dilettanten, einiger Maassen gelungen, einen Funken\nkünstlerischen Lebens in der grösseren Masse zu entzün-\nden. In der Hoffnung, dass auch das deutsche musicalische\nPublicum das Wirken jener Gesellschaft nicht ohne In-\nteresse zu betrachten geneigt sein würde, erlaube ich mir,\nhier einen Auszug aus dem besagten Artikel des Herrn\nRostisloff der Oeffentlichkeit zu übergeben.\nWie neuen Unternehmungen so oft mancherlei Hin-\ndernisse in den Weg gelegt werden, weil man sich in neue\nIdeen schwer hineinfinden kann, so hatte auch die „russi-\nsche musicalische Gesellschaft\" mit heftiger Opposition zu\nkämpfen. Als Haupt-Vorwürfe wurden von der Gegen-\npartei beigebracht: 1) die deutsche Richtung, 2) dass sich\ndie Gründer selbst zu Directoren und Anordnern gemacht\nhätten. Herr Rostisloff sucht zu Anfang seines Artikels\ndiese gegnerischen Vorwürfe zu entkräften, indem er das\nAuftreten \"der Gesellschalt aus der Natur der Umstände\nerklärt.\nDie „russische musicalische Gesellschaft\" ist aus der\n„symphonischen Gesellschaft\" (in Wirksamkeit von 1840\nbis 1850, im Jahre 1854 wurde sie geschlossen) heraus-\ngewachsen und brauchte zur Förderung ihrer Existenz\ngebildete und erfahrungstüchtige Männer, welche geeignet\nwaren, das umfassende Programm zu voller Wirkung zu\nbringen. Den Kreis des Wirkens wollte man auf ganz\nRussland oder wenigstens auf die Hauptstädte, wie Peters-\nburg, Moskau, Charkoff, Kiew u. s, w., ausdehnen. Die\nWahl fiel auf Persönlichkeiten wie Graf Matthias Wiel-\ngorsky, D. W. Konschin, W. A. Kologriwoff, A. G. Ru-\nbinstein und D. P. Stasoff. Obwohl Rubinstein der Einzige\nwar, welcher gedruckte Beweise für sein musicalisches\nWissen beibringen konnte, so waren doch auch unter den\nUebrigen tüchtige Musikkenner, welche durch ihre äussere\nStellung und durch persönliche Energie der guten Sache\nausserordentlichen Nutzen brachten. Auf Antrag des aus-\ngezeichneten Musikkenners, des Grafen Wielgorsky, erhielt\ndie Societät den Namen „russische musicalische Gesell-\nschaft\" , wonach die Grossfürstin Helene dieselbe unter\nihren Schutz nahm. Eben so erklärten sich Grossfürst\nConstantin, Prinz Peter von Oldenburg, Grossfürstin Ka-\ntharina und ihr Gemahl dazu bereit, die Ehren-Mitglied-\nschaft anzunehmen. Im September des Jahres 1859 trat\nnun nach diesen Vorgängen die Gesellschaft in die Oeffent-\nlichkeit, nnd zwar mit solchem Erfolge, dass sie noch in\ndemselben Jahre 600 wirkliche Mitglieder zählen konnte,\nwodurch also thatsächlich der Beweis für das Zeitgemässe\ndes Unternehmens geliefert wurde."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650415-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5480, "texte": "Bei der ersten Hauptsitzung wurden A. S. Dorgo-\nmischsky und A. Werstowsky, beide bekannte Opern-Com-\nponisten, für ihre Verdienste einstimmig zu Ehren-Mitglie-\ndern ernannt. Da wurde denn auch die Frage aufgewor-\nfen, warum der Director nicht dieselbe Proposition in Bezug\nauf den General A. F. Lwoff gestellt hätte*). Darüber\nwurde nun viel disputirt und vielerlei geschrieben; über-\nhaupt macht auch Herr Rostisloffder Gesellschaft den Vor-\nwurf, dass'sie vernachlässigt habe, eine hinreichende An-\nzahl russischer Componisten in ihren Kreis zu ziehen. Spä-\nter ernannte man allerdings zur Abhülfe dieser und ähn-\nlicher Uebelstände eine Commission, in welcher Fürst\nOdoewsky, Dorgomischsky, Lamakin, A. G. Rubinstein,\nTolstoy und K. Schuberth (der verstorbene Violoncellist)\nfigurirten. Nach zwei Jahren kam diese Commission aber\nwieder zum Sterben, obwohl im Gesellschafts-Rerichte kein\nWort davon zu finden ist.\nUeber die musicalische Richtung der Gesellschaft\nspricht sich Herr Rostisloff ungefähr dahin aus, dass man\naus Mangel einer selbständigen russischen Schule und in\nder Einsicht, eine solche auch plötzlich nicht hervorzau-\nbern zu können, einer bereits vorhandenen Richtung ge-\nfolgt sei und sich auf dieselbe gestützt habe. Warum man\nder deutschen und nicht der italiänischen oder französischen\nden Vorzug gegeben habe, dafür sei der Grund nicht in\neinzelnen Persönlichkeiten, wie etwa Rubinstein (geboren\nin Moskau) oder Kologriwoff u. s. w., die ja selbst gebo-\nrene Russen seien, zu suchen, sondern man habe die deut-\nsche Schule desswegen bevorzugt, weil sie am besten zum\nrussischen Charakter passe. Denn obwohl das Gemüth des\nRussen zuweilen zu lebendigster Wallung gebracht wer-\nden kann, wie beim Südländer, so ist er doch mehr geneigt\nzu stillem Denken. Es liebt der Russe, sich zu fragen:\nwas? wie? wesshalb? wogegen der Südländer flüchtiger\ngeniesst. Desshalb bringt auch die italiänische Musik, mit\nAusnahme der früheren kirchlichen Kunst eines Palestrina,\neines Scarlatti u. s. w., mehr nur äusserlichen Reiz hervor\nund versetzt nie, wie die deutsche, innerlich tiefe, man\nmöchte sageh: „symphonische\" Richtung, in eine edle,\nschwärmerische Stimmung. Die französisch-declamatori-\nsche Richtung passt schon gar nicht lür die Russen; denn\njede Declamation, selbst die lyrische, ist nicht frei von Rai-\nsonnement, und der Russe ist kein grosser Sprecher.\nIndem Herr Rostisloff so die Richtung der Gesellschaft\nschützt, wobei er noch die Remerkung macht, dass die\nSymphonie-Musik gegenwärtig an der Spitze stehen müsse,\ngeht er zum eigentlichen Wirken und Schaffen der Ge-\nsellschaft über.\nSeit dem Reginne ihrer Existenz (d. h. seit September\n1859) gab die Gesellschaft 60 Orchester-Concerte und\n36 Quartett-Soireen in St. Petersburg. Von diesen Con-\ncerten war die italiänische Musik vollständig ausgeschlos-\nsen, so dass sogar in Rezug auf kleinere Gesangstücke die\nrussischen Romanzen anstatt italiänischer Weisen gepflegt\nwurden. Am 15. Januar dieses Jahres wurde die neunte\nSymphonie von Reethoven zum ersten Male aufgeführt,\nund ausser den Compositionen von Glinka und Dorgo-\nmischsky gelangten in letzterer Zeit noch Werke von Affo-\nnasieff, Gusokowsky, Sokolsky, Baron Fitingoff und An-\nderen zur Aufführung*).\nAls Hauptzweck hat sich aber die Gesellschaft vorge-\nsetzt, ihren Einfluss auf ganz Russland auszudehnen. Dess-\nwegen hat sie nach eingeholter Erlaubniss der Grossfürstin\nHelene, ihrer Reschützerin, an fünf Mitglieder, nämlich an\ndie Herren: Kieseleff, Loseff, Fürst Obolensky, Jakuntschi-\nkoff und N. G. Rubinstein den Auftrag ergehen lassen,\nein Comite zu gründen und den Regeln der Gesellschaft\ngemäss in Moskau, als dem dauernden Wohnsitze genann-\nter Herren, unabhängig zu schaffen und zu wirken. Da\nvon den Genannten N. G. Rubinstein der einzige Musi-\nker von Fach war, so hat er sich bald die Macht eines\nDictators erobert, und ihm allein ist es also zu verdanken,\nwie weit die musicalischen Zustände in Moskau vorge-\nschritten sind.\nZu Anfang April des Jahres 1860 gelang es demsel-\nben, einen Verein von Musik-Liebhabern zu bilden, welche\nsich im Hause des General-Gouverneurs versammelten.\nUnd obwohl der Sommer die regelmässigen Uebungen un-\nterbrach, so sammelten sich doch im Monat November\nwieder 350 Mitglieder, so dass man im kleinen Saale der\n„adeligen Gesellschaft\" Orchester-Concerte veranstal-\nten konnte. Schon die Abhaltung des ersten Concertes\nwar von solchem Erfolge begleitet, dass sich bei späteren\nAufführungen der Saal als zu klein erwies, so dass man\ngezwungen war, die Concerte in dem grossen Saale der-\n\n*) Der General A. F. Lwoff kann freilich mancherlei musicali-\nsche Verdienste aufweisen, z. B. die militärische Disciplin in der\nkaiserlichen Gesangs-Capelle, viele Opern, die Niemand kennt,\nein unbekanntes Stabat mater u. s. w. Als Hauptverdienst nennt\nman jedoch die russische National-Hymne, die auf Befehl des musik-\nverständigen Kaisers Nikolaus (er soll nicht übel getrommelt haben)\nfür die Militär-Paraden componirt wurde. Meiner Ansicht nach wäre\nes besser, solch eine so genannte National-Musik, die weiter nichts\nist, wie eine italiänische Melodie, als Nikolaus-LwofF-Militär-Hymne\nbekannt zu machen. Die Russen möchten doch an dem Schluss-Chor\nder trefflichen Oper „Das Leben für den Czaaren\" von Glinka mehr\nGefallen finden. Anm. d. Verfassers.\n*) Für die vollsändig richtige Orthographie der Namen kann\ndie Redaction nicht stehen, da dieselben im Manuscripte zuweilen\nunleserlich waren."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650415-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5186, "texte": "selben Gesellschaft abzuhaltenT). Aus dem Gesellschafts-\nBerichte vom Jahre 1862—63 ersieht man, dass der Ge-\nsellschafts t heil in Moskau 22 Ehren-Mitglieder zählte,\nwelche ä Person 100 Rubel zahlten. Ausserdem waren\n476 zuhörende Mitglieder, welche k Person 15 Rubel\nbezahlten, und 108 executirende Mitglieder, die nur 5\nRubel ä Person entrichteten. Die Zahl derjenigen Zuhörer\nin den Concerten, welche nicht Mitglieder waren, wird auf\n1118 Personen angegeben, so dass also, den Zahlen nach\nzu urtheilen, die moskau'sche Dictatur das grösste Lob\nverdient.\nIm Jahre 1863 wurden von der Gesellschaft in Moskau\ngrosse Volks-Concerte im Exercirhause veranstaltet. Die\nPreise der Plätze variirten von 25 Kopeken (71 /2 Gro-\nschen) bis zum Rubel (1 Thlr.). Am 27. December 1863\nzählte man 9000 Zuhörer, am B.März 1864scbon 10,124,\nam 26. und 27. December 1864 gegen 16,000. Das\nProgramm des ersten Concertes war: 1) Ouvertüre und\nEntreact zum Drama „Fürst Holmsky\" von Glinka; 2)\nViertes Concert für Violine von Minkus(?); 3) E-dur-Vo-\nlonaise von C. M. von Weber; 4) von\nBeethoven; 5) Chöre und Tänze aus der Oper „Rousalka\"\nvon Dorgomischky; 6) „Kamarinskaja\" von Glinka.\nDas zweite Concert brachte: 1) Ruy-Blas-Ouverture von\nMendelssohn; 2) Phantasie für Chor und Orchester nach\neinem russischen Liede „ Wosle retschJcy\" („Am Flusse\")\nvon Liadoff; 3) Adagio und Finale eines Clavier-Concertes\nvon A. Rubinstein; 4) Siebente Symphonie von Beethoven;\n5) Schluss-Chor aus der Oper „Das Leben für den Czaaren\"\nvon Glinka u. s. w.\nNach diesem vortrefflichen Beispiele veranstaltete Herr\nKologriwoff auch in Petersburg ein Volks-Concert im\nExercirhause, zu welchem sich 8000 Zuhörer einfanden.\nMehr kann man wohl zur Verbreitung guter Musik und\nzur Erweckung des guten Geschmacks in der Masse des\nVolkes kaum thun. Wo bleibt da, meine ich, Italien mit\nseinem göttlichen Componisten Verdi? In Rom z. B.\nwird nie ein Orchester-Concert zu Stande kommen, denn\nder Concertgeber ist höchstens im Stande, 2J/2 Menschen\nals Zuhörer zusammenzubringen.\nDarauf geht Herr Rostisioff in seinem Artikel zu der\nVerbreitung theoretischer und technischer Kenntnisse über.\nTrotz unbedeutender Geldmittel hat die Gesellschaft\nseit Anfang ihrer Existenz in demselben Frühling einen\nCursus für Chorgesang gegründet. Der Cursus unter Lei-\ntung des verstorbenen Capellmeisters und Componisten\nDütsch war vom April 1860 bis Juni unentgeltlich; vom\nSeptember ab zahlte jeder Theilnehmer einen Rubel mo-\nnatlich. In demselben Monate wurden auch noch andere\nCurse eröffnet, und zwar fungirten als Lehrer und Leh-\nrerinnen: 1) für Gesang Frau Nissen-Salomon; 2) für Cla-\nvierspiel die Herren Leschetizky und Begroff; 3j für Vio-\nlinspiel Herr Wieniawski; 4) für Violoncellspiel Herr C.\nSchuberth (verstorben). Nach Dütsch erhielt Herr Lamakin\njun. die Leitung des Cborgesanges und Herr Saremba den\nUnterricht in der Theorie der Musik. Alle Curse waren\nauf sehr geringe Preise gestellt; die besuchtesten waren\ndie für Gesang und Ciavier.\nIm Laufe des Jahres 1861 wurde ein Project zur\nGründung eines Conservatoriums unter dem beschei-\ndenen Namen: „Musikschule bei der russischen\nmusicalischen Gesellschaft\", entworfen; den 17.\nOctober desselben Jahres wurde dasselbe vom Kaiser be-\nstätigt und am 1. September 1862 geschah die Eröffnung.\nAls stabile Geldmittel waren der Schule bei ihrer Eröff-\nnung von der Krone 5000 Rubel, von der Grossfürstin\nHelene 1000 Rubel übergeben worden. Zwei zu demsel-\nben Zwecke veranstaltete Extra-Concerte ergaben die Ein-\nnahme von 4811 Rubeln, und durch eine Unterzeichnungs-\nliste wurden im Laufe einiger Monate noch 5531 Rubel\nzusammengebracht. Den Erfolg besagter Liste hat man\nden Damen der Gesellschaft zu danken; Frau von We-\nrigin z. B. hat allein eine Summe von 2873 Rubeln zu-\nsammengebracht.\nDas Conservatorium war keine ausschliessliche Anstalt,\nsondern es konnten in dasselbe Schüler aus allen Ständen\naufgenommen werden. Als Privilegium existirte die Ein-\nrichtung, dass ein Schüler aus den niedrigeren Volksclassen\nvom Militärdienste befreit war und dass jeder Schüler nach\nAbsolvirung sämmtlicher Studien den Titel „freier Künst-\nler1' erhielt*). Im Jahre 1863 bis 1864 waren 40,866\nRubel 22 Kopeken Einnahme und 31,703 Rubel 69 Ko-\npeken Ausgabe. Zum 1. Juni 1864 hatte man ungefähr\n9168 Rubel Ueberschuss. 127 Schüler und 115 Schü-\nlerinnen bekamen Unterricht; der Kopf kostete also 130\nRubel 50 Kopeken. Dabei muss bemerkt werden, dass\nA. Rubinstein, welcher als Director eine Gage von 1500\nRubeln erhält, im Ganzen 900 Rubel zu neun Stipendien\ngibt. Kologriwoff gibt ebenfalls 300 Rubel. Solche Thaten\nsind mehr als lobenswerth, da die Herren Arbeit und\nMühen aus reiner Liebe zur Sache übernehmen.\n\n*) Dieser grosse Saal kann nur mit solchen Localitäten ver-\nglichen werden, wie diejenigen sind, in denen man z. B. die nie-\nderrheinischen Musikfeste abhält. A. d. V.\n*) Bis zu dieser Zeit existirte in Russland noch kein Musiker-\nstand, wie es z. B. bei den Malern der Fall war, und desshalb\nwar kein Musiker, ausgenommen, wenn er Krondienst hatte (Theater),\nvom Militärdienste frei, wobei noch zu bemerken ist, dass der Sol-\ndat 15 Jahre dienen musste. A. d. V,\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650415-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5442, "texte": "Die energische künstlerische Natur A. Rubinstein's\n(Director) treibt ihn hauptsächlich zur Hebung der Kunst,\nwobei er zuweilen die Geldmittel aus dem Auge verliert\nund oft weiter geht, als es die musicalische Ausbildung\nder Volksmasse erfordert (?). Seine Liebe zur Kunst und\nsein aufrichtiges Streben machten es ihm möglich, seine\neigene Gesinnung und sein Gefühl für das Schöne auch\nanderen tüchtigen Künstlern einzupflanzen, so dass unge-\nachtet geringerer Geldmittel für die Gehälter das Lehrer-\nPersonal des Conservatoriums ganz ausgezeichnet genannt\nwerden muss. Ein besonderes Glück für die Anstalt war\nes, dass Rubinstein in der Person des Herrn Kologriwoft'\n(Inspector) einen treuen Helfer fand. Auf diesem liegt das\nmaterielle Wohl des Instituts, und dieses zu erhalten, ist\nwahrlich keine vergnügliche Arbeit.\nAusser den Genannten geben noch folgende Lehrer\nUnterricht: für das Clavierspiel die Herren Dreyschock,\nGerke, Leschetizky; für das Violinspiel Herr Wieniawsky;\nfür Cellospiel Herr Davidoff; für Flöte Herr Chiardi; für\nClarinette Herr Cavalini; für Oboe Herr Lufl; für Blech-\nBlas-Instrumente Herr Mendorf; für Gesang Frau Nissen-\nSalomon und Herr Repetto. Die theoretischen Fächer\nsind in den Händen der Herren Rubinstein, Saremba und\nWoiatscheck.\nUm das Publicum mit der Persönlichkeit des Herrn\nSaremba genauer vertraut zu machen, gibt Herr Rostis-\nloff einige Details. Vor ungefähr zwanzig Jahren befand\nsich Herr Rostisloff mit dem berühmten italiänischen Sän-\nger Rubini in einem Concerte, welches damals unter Di-\nrection von L. Maurer im Saale der Universität zu St. Pe-\ntersburg abgehalten wurde. Diese Concerte existiren jetzt\nnoch unter anderer Direction. Es kam eine neue Sympho-\nnie zur Aufführung, deren Autor auf dem Programme\nnicht verzeichnet war, so dass auch Herr Rostisloff trotz\nalles Nachdenkens keinen Meister für dieselbe finden konnte.\nDas Publicum war entzückt, und Rubini rief aus: „Per\nbcccco, sapete che questo e deUa bella musica.'\" Herr Ro-\nstisloff geht zu Maurer, um den Namen des Componisten\nzu erfahren, worauf es sich herausstellt, dass der Compo-\nnist ein junger Student, mit Namen Saremba ist. Nie-\nmand kennt denselben; Herr Rostisloff will seine Bekannt-\nschaft machen, aber leider ist derselbe schon fortgegangen,\nohne mit Jemandem besonders gesprochen zu haben. Erst\nzwanzig Jahre später begegnen sich die Herren Rostisloff\nund Saremba wieder bei Gelegenheit einer Prüfung des\nConservatoriums. Da man seit jener Symphonie von keiner\nComposition Saremba's mehr gehört hatte, so konnte sich\nder Kritiker nicht enthalten, Herrn Saremba aus seiner\nCompositions-Unthätigkeit einen Vorwurf zu machen. „Sie\nmüssen schreiben!\" hatte Herr Rostisloff gesagt. „Schrei-\nben? schreibe ich doch!\" lautete die Antwort: „aber nicht\nfürs Publicum. Denn bedenken Sie selbst, dass Sie nach\ndem Anhören meines symphonischen Versuches einen be-\nkannteren Componisten dafür suchen wollten; der Gedanke\njedoch, dass es vielleicht die Schöpfung eines neuen, origi-\nnellen Talentes sein könne, welches für seine eigenen\nIdeen eine passende ästhetische Form gesucht habe, ist\nIhnen nicht beigekommen. Das beweist, dass meine Arbeit\nnicht hinreichend selbständig war, und so habe ich mich\nseit jener Zeit mit meiner ganzen Seele dem Studium der\nTheorie der Musik gewidmet.\"\n„Die Kunst\", sprach der geehrte Theoretiker weiter,\n„ist eine heilige Sache. Um derselben ehrlich zu dienen,\nbraucht es vieler Opfer, und das erste, welches auf den\nAltar der Kunst gebracht werden muss, ist der Künstler\nselbst. Jetzt muss ich suchen, denjenigen Menschen, welche\netwas lernen wollen, die Früchte meiner langjährigen theo-\nretischen Forschungen möglichst geniessbar zu machen.\nOb etwas dabei herauskommt, weiss ich nicht genau; da\nich mich aber der Kunst gewidmet habe, so werde ich stets,\nso lange die Kräfte reichen, nach diesem Ziele streben\"*).\nDarauf gibt Herr Rostisloff einen Auszug aus dem Be-\nrichte für das Winter-Semester von 1862 —1863. über\ndie Zahl der Musikstudirenden, von denen 94 Schüler (d. h.\n60 Mädchen und 34 Männer, mit Einschluss der Frei-\nschüler) auf Pianofortespiel, 25 auf Violinspiel, 7 auf Cello-\nspiel, 2 auf Contrabassspiel, 3 auf Flötenblasen und 2 auf\nBlasen anderer Blas-Instrumente zu rechnen sind. Ein\nSchüler und eine Schülerin widmeten sich auch dem Orgel-\nspiel. (Die Ursache, dass das Orgelspiel so wenig betrieben\nwird, liegt darin, dass es in den russischen Kirchen keine\nOrgeln gibt und alle Messen a capella gesungen werden.)\nGesangunterricht benutzten 11 Schülerinnen und 7 Schü-\nler in genanntem halben Jahre. Die Stunden in der Theorie\nder Musik besuchten nur 14 Schüler und eine Schülerin,\nobwohl etwas Clavierspiel und die Elementar-Kenntnisse\nvon allen Besuchern gefordert wurden**). Am meisten\nwurde also das Pianofortespiel getrieben, und 60 Damen\nbefleissigten sich desselben. (Das Ciavier ist doch eine\nWaffe, die zur Attaque sehr nützlich sein kann meint\nHerr Rostisloff.) Darauf kommen die Violinspieler, und die\nZahl derjenigen, welche den Gesang betreiben, mehrt sich\nvon Jahr zu Jahr. Ausserdem ist zu bemerken, dass Herr\nDirector Rubinstein noch 7 Schülern auf seine Kosten be-\nsonderen Unterricht in Behandlung der Blas-Instrumente\ngeben lässt.\n\n*) Herr Saremba wurde nach seiner Studentenzeit von Marx\nin Berlin unterrichtet.\n**) Meiner Meinung nach' sind theoretische Kenntnisse für alle,\nwelche sich der Musik widmen, unbedingte Erfordernisse. A. d. V."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650415-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5528, "texte": "Nach Angabe des Herrn Rostisloff werden die Prü-\nfungen vom 7. bis zum 23. December abgebalten, indem\ndie Schüler ihre Kenntnisse in der praktischen Musik durch\nöffentliche Instrumental- oder Gesang-Vorträge darthun.\nDabei macht Herr Rostisloff die richtige Bemerkung, dass\nes wünschenswerth wäre, wenn bereits vorgeschrittene\nSchüler ohne Hülfe der Lehrer einige ihren Kräf-\nten angemessene Stücke einüben möchten, um dadurch\nihre individuelle Fähigkeit kundzugeben. Im üebrigen sol-\nlen die Prüfungen (auch im Gesänge) die besten Resultate\ngeliefert haben. Herr Rostisloff gibt keine weiteren Details\nan, obwohl es doch interessant gewesen wäre, die Methode\ndes Ciavier- und Violin-Unterrichts kennen zu lernen. Am\nmeisten scheint sich der Kritiker für die Prüfungen in der\nTheorie interessirt zu haben. Die Methode bei Erlernung\nder Elemente richtet sich nach der von Cheve in Paris\n(unlängst verstorben), d. h. die Noten werden mit Ziffern\nnotirt. Die Intervalle und die Rhythmik werden durch Sol-\nmisiren innerhalb genauer Tactgliederung beigebracht.\nAusserdem gibt, wie die Prüfungen beweisen, Herr Wo-\njatscheck speciellen Unterricht in der Tonartenlehre, in\nder Lehre von den Schlüsseln, wobei auch der Bariton-\nund Mezzo-Sopran-Schlüssel berücksichtigt werden, und in\nder Lehre vom richtigen harmonischen Notiren. Die Schü-\nler des Herrn Saremba wurden in höheren Fächern ge-\nprüft, nämlich, wie Herr Rostisloff meint,in der „Syntax\"\nder Musik und in der „Philosophie\". Dabei macht er\ndie Bemerkung: „So weit sind also die Schüler des Herrn\nSaremba gegangen\" *). Nach vielem mündlichen Fragen\nund Prüfen wurden die drei ersten Schüler nach herge-\nbrachter Gewohnheit in besondere Zimmer eingeschlossen,\nwo sie in Zeit von zwei Stunden eine Fuge anfertigen\nmussten. Die Idee wurde vom Director gegeben, die Ein-\nrichtung derselben zum geschlossenen Thema blieb der\nErfindung des einzelnen Schülers überlassen. Die Fugen\nwaren auch richtig in zwei Stunden und etwas darüber\nfertig**). Hier kann ich nicht umhin, einige angeführte\nWorte des Herrn Saremba aus dem Artikel des Herrn\nRostislofF zu übersetzen:\n\"'dl (Saremba) war sehr zufrieden, dass den Schü-\nlern das Erfinden des 1\" ührers selbst überlassen wurde.\nIm Thema liegt Alles: es bildet den Körper und das Blut\nder Fuge. Denn wenn z. B. der Mensch seinen eigenen\nIdeen nachgeht, von denen er ganz und gar durchdrungen\nund überzeugt ist, so (liesst die Rede leicht dahin; wer\naber nach der Angabe eines Anderen spricht, der bleibt\nnicht selten stecken. Man kann sich wohl auch mit der\nAusbildung und dem Wohlsein eines fremden Kindes be-\nfassen: das eigene Kind wird doch dem Herzen näher\nstehen. So würden wohl auch die Fugen (mit einem Thema\nvon Anderen gegeben) richtig herausgekommen sein und\nweiter eben nichts; jetzt aber sind sie durchgefühlt.\nDer Kopf ist ein schönes Ding, das Herz aber besser; wie\nim Leben überhaupt, so ist es auch speciel in der Kunst.\"\n„Solche Ideen\", sagt Herr Rostisloff, „besitzt Herr\nSaremba, und seiner Fürsorge ist die höhere Ausbildung\nin den musicälischen Kenntnissen anvertraut worden.\"\nliier beendigt Herr Rostislofl seinen Artikel mit dem\nWunsche, dass zwischen der Gesellschaft und ihren Geg-\nnern der Friede wieder hergestellt werden möge, um noch\nmehr Kräfte zu gemeinsamem Wirken zu gewinnen.\nMeinerseits hege ich den innigen Wunsch, dass sich\ndas weitere Wirken immer auf die wahren Principien\nder schönen Kunst stützen möge, da nur auf diese Weise\nein kräftiges, segenbringendes Emporwachsen ermöglicht\nwerden kann. Die Gesetze in der Musik sind ja für alle\nLänder und Völker gleiche, wie die Gesetze der Welt-\nExistenz. Die Gesetze sind eben für den Menschen ge-\ngeben. In dem einen Lande kann es wärmer, in dem an-\nderen kälter sein; in dem einen Landstriche ist man mehr\nzur Fröhlichkeit, in dem anderen mehr zum Ernste geneigt.\nDas Ohr des Menschen an sich ist aber überall gleich,\nund wie es vor tausend Jahren war, so ist es auch heute\nnoch und wird es immer sein. Nur das ästhetische Gefühl\nund die geistige Entwicklung der Menschheit ist immer in\nBewegung, und aus dieser Bewegung sind ein Palestrina,\nein Bach, ein Haydn, ein Beethoven u. s. w. hervor-\ngetreten. Auch Wagner und Liszt sind Kinder ihrer\nEpoche. Wie aber ein Bach, Beethoven u. s. w. ihre Aus-\ndrucksmittel und Formbildungen innerhalb der von der\nNatur gezogenen Schönheits-Gränzen hielten: so nehmen\nWagner und Liszt mehr darauf Bedacht, eine Art von\nKunstfeuerwerk loszubrennen. Das liegt ja eben auch in\njener Bewegung, dass Manches bleiben und Vieles in Staub\n\n*) Gern möchte ich diesen Prüfungen beigewohnt haben, um mir\ndas „philosophische Weit gehen\" der Schüler des Herrn Sa-\nremba begreiflich zu machen. Hat nicht vielleicht Marx in Berlin\nmit seinen vielen Bänden einen gewissen Einfluss auf das Ganze?\n[Die obigen Angaben über den theoretischen Unterricht zeigen,\ndass entweder der Unterricht selbst oder der Kritiker auf niedriger\nStufe steht. D. R e d.]\n**) Diese Art von Prüfungen erscheint mir als unnütz) denn\nder Lehrer muss doch das Wissen seiner Schüler kennen, wenn die-\nselben etwa ein Jahr lang Fugen geschrieben haben. Wozu soll\ndoch ein solches pomphaftes Einsperr-Fest? Gewiss doch nur, um\ndas Staunen des Publicums hervorzurufen! Wenn freilich\ndie Schüler das ganze Jahr hindurch nur „philosophiren\", dann\nmuss man sie schon auf ein paar Stunden einsperren. Andere viel-\nleicht nicht minder talentvolle Kunstjünger möchten zur Anferti-\ngung einer guten Fuge unter Umständen ein paar Tage ver-\nlangen können. A.* d. V."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650415-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 166, "texte": "zusammenfallen muss. Zum Schlüsse hoffe ich, dass die\nRussen eine schöne musicalische Zukunft vor sich haben;\nnur möge man sie mit Zukunftsmusik verschonen.\n\nM. v. 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Nr. 14.)\n197. Meeresstille und glückliche Fahrt. 1815.\nEine Abschrift des Clavier-Auszuges, im Besitze des Herrn\nKarl Haslinger, enthält folgende Bemerkungen in Beetho-\nven's Schrift:\n„N.B. Schon wieder 150 Fl. getilgt an der mea culpa,\nmea maxima culpa u. am heutigen dato auf dem Glacis\nder Schein davon in Feuer und Flammen aufgegangen.\nWien am 19tc\" Apr. 1822.\"\nAuf einem alten bonner Concert-Zettel steht folgende\nBemerkung:\n„Die Partitur dieser Composition (Op. 112) ist von\nBeethoven dem „„Verfasser der Gedichte, dem unsterb-\nlichen Goethe\"\", gewidmet. Auf der Rückseite des Titel-\nblattes wendet er sich an denselben mit den Homerischen\nVersen:\n„„Alle sterblichen Menschen der Erde nehmen die SäDger\nBillig mit Achtung auf und Ehrfurcht; selber die Muse\nLehrt sie den hohen Gesang und waltet über die Sänger.uu\n204. An die Hoffnung. Op. 94. 1816. Franz\nWild, der einst berühmte Tenorsänger, erzählt: „Durch\nmeinen Vortrag (der Adelaide) zufriedengestellt, sprach er\n(Beethoven) mir gegenüber die Absicht aus, das Lied zu\ninstrumentiren. Dazu kam es zwar nicht, doch schrieb er\nfür mich die Cantate „„An die Hoffnung\"\" (Text von\nTiedge) mit Clavierbegleitung, welche ich, von ihm selbst\naccompagnirt, in einer Matinee vor einer gewählten Ge-\nsellschaft sang.\" Das war am 25. April 1816.\n220. Canon infinitus. Ungedruckt. 1819. In einem\nConversationsbuche vom März 1820 befindet sich Folgen-\ndes, von einem Unbekannten geschrieben:\n„Sie haben an Steiner von Mödling im vorigen Som-\nmer einen Canon infinitus geschickt:\nA due\n„Keiner hat ihn aufgelöst, ich habe ihn aufgelöst,\ndenn er tritt in der Secunde ein.\n„ „Hol' euch der Teufel! B'hüt' euch Gott!\" \" war der\nText. Er geht in Infinitum.\"\n228. Die Sonate in As-dur,Op. 110, ist am 25. De-\ncember 1821 vollendet, wie das Original-Manuscript bei\nArtaria in Wien zeigt. Hiernach ist das Datum: Anfangs\n1823, bei Schindler zu berichtigen.,\n229. Missa solemnis. 1818 —1822. Das Original-\nManuscript dieser Messe wurde bei der Licitation des Beet-\nhoven'schen Nachlasses für 7 Fl. 6 Kr. von Artaria (Va-\nter) gekauft. Später hat er das Kyrie dem Herrn Pölchau\naus Hamburg überlassen, dessen Sammlung sich jetzt in\nder königlichen Bibliothek zu Berlin befindet; die übrigen\nStücke sind noch im Besitze von Artaria u. Comp.\nUeber das Kyrie schrieb Beethoven: „Vom Herzen!\nMöge es wieder zum Herzen gehen!\" Bei dem Dona:\n„Dona nobis pacem.Darteilend den innern und äussern\nFrieden.\"\nMerkwürdig ist im Notirbuche J. (bei Artaria) unter\nder Ueberschrift Agnus Dei Folgendes:\n„ Marsch\"\nBeethoven scheint also doch wirklich die Vorstellung\nvom Anrücken eines Heeres in den Zuhörern haben erre-\ngen zu wollen, worauf dann die Bitte um äusseren\nFrieden Statt fände.\n234. Ouvertüre C-dur,Op. 124. Das Original-\nManuscript ist überschrieben: „Zur Eröffnung des Joseph-\nstädter Theaters zu Ende September 1822.—Aufgeführt\nam 3. October 1822.\"\nZu dieser Eröffnungsfeier wurde die Musik zu den\n„Ruinen von Athen\" benutzt; neu war nur die Ouver-\ntüre, die bei Schott in Mainz 1825 gedruckt wurde, und\nwie aus S. 147 von Thayer's Verzeichniss ersichtlich\nist—eine Sopran-Arie mit Violin-Solo und Schluss-\nChor, welche noch ungedruckt ist. Eine Copie derselben\nist im Besitze des Herrn Franz Kärgling in Wien.\nThayer theilt den Text (von Meisl) mit; wie es scheint,\nschloss sich auch Ballet daran."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650415-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 237, "texte": "Neugierig kann Einen die Notiz unter Nr. 267 ma-\nchen: „Erlkönig\", für eine Singslimrae und Ciavier,\nwozu Thayer naiv genug bemerkt: „Eine brauchbare\nComposition dieses Liedes (Autograph; ist im Besitze des\nComponisten Dessauer in Wien.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-04-15-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-04-15_01#c007", "volume": "bmtnabi_1865-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "119", "page_fin": "120", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650415-01.2.4", "titre_corps": "Zehntes Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller.", "titre_sommaire": "Zehntes Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich, unter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn Ferdinand Hiller.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650415-01.1.7", "debut_caractere": 239, "fin_caractere_exclue": 7591, "texte": "Zehntes Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller.\nSonntag, den 9. April 1865.\nDie schöne Sitte, den Schluss der Abonnements-Concerte auf\nden Palmsonntag zu legen und diesen durch Aufführung einer\ngrossen christlichen Musik zu feiern, hat die Concert-Gesellschaft\nauch in diesem Jahre nicht ausser Acht' gelassen. Sie wählte dazu\nJoh. Seb. Bach s Passionsmusik nach dem Evangelium des\n«Johannes. Nachdem zu dem gleichen Zwecke die Passionsmusik\ndesselben Meisters nach dem Evangelisten Matthäus mehrere Jahre\nhindurch aufgeführt und, so viel uns erinnerlich, nur Ein Mal die\nMista solemnis vön Beethoven an ihre Stelle getreten war, lag es\nnahe, auch das andere, ähnliche Werk Bach's dem Concert-Publi-\ncum, das sich an der Matthäus-Passion stets so zahlreich und an-\ndächtig betheiligt hatte, vorzuführen. Die Betheiligung war denn\nauch au dem diesjährigen Palmsonntage dieselbe, die Befriedigung\naber nicht, was zum Theil an der Composition, zum Theil an der\nAusführung lag. Denn für die letztere waren die Mittel bei Weitem\nnicht so imposant, wie früher, und wenn die Johannes-Passion keine\nGelegenheit zu verschiedenen Chor-Abtheilungen gibt, die theils ge-\ntrennt, theils vereint wirken, denn sie enthält nicht einmal einen\nDoppelchor, geschweige denn einen dreifachen, wie die erste Nummer\nder Matthäus-Passion, so hätte vielleicht durch den Vortrag einiger\nChoräle durch einen ausgewählten Halbchor eine wohlthuende Ab-\nwechslung in die Monotonie des Ganzen gebracht werden können.\nAllein diese nicht zu läugnende Monotonie wurde noch fühlbarer\ngemacht, da sämmtliche Cböre und Choräle in einer und derselben\nTonstärke, ohne alle Nuancen gesungen wurden. Wir wissen sehr\nwohl, dass Bach's Musik nicht durch moderne Vortragsweise ver-\nweichlicht werden dar! und dass bei ihr z. B. nichts verwerflicher\nsein würde, als das heutzutage beliebte Effectmittel eines plötzlichen\nWechsels zwischen forte und piano: aber zwischen der Verunzie-\nrung eines Gesangstückes älterer Meister durch ungehörige dynami-\nsche Kunststücke und dem ausdrucksvollen Vortrage desselben durch\nkünstlerische, nicht künstliche, Kundgebung der Empfindung, des\nSeelischen, ohne welches der Ton keine Musik ist zwischen die-\nsen beiden Vortragsweisen ist ein grosser Unterschied, und die letz-\ntere, den wahren Ausdruck der Empfindung, nehmen wir eben so\nfür Bach, wie für Mozart und Beethoven in Anspruch. Wie sehr\nwürde z. B. der vorletzte schöne Chor: „Ruht wohl, ihr heiligen\nGebeine\", gewonnen haben, wenn er den Worten und der Musik\ngemäss mit weichem Ausdrucke von Innigkeit gesungen worden\nwäre! Wir gestehen, dass wir bei dem Einsätze des Orchesters im\nforte einen wahren Schreck bekamen.\nDie Johannes-Passion ist nach Winterfeld, Mosewius und ande-\nren tüchtigen Kennern Bach'scher Musik früher geschrieben, als die\ngrosse Matthäus-Passion, und alle inneren Gründe weisen auf die\nRichtigkeit dieser Annahme hin; denn äussere Beweise gibt es da-\nfür gar nicht, wie wir ja auch selbst von dem hochherrlichen Werke\nder späteren Passion nur wissen, dass sie im Jahre 1729 zum ersten\nMale aufgeführt, nicht aber, wann sie geschrieben worden ist. Die\nerste Aufführung der Johannes-Passion bei uns am Rheine viel-\nleicht überhaupt die erste seit dem Wiederaufleben der Bach sehen\nMusik in unserem Jahrhundert veranstaltete am 15. März 1855\nIleir \\ on \\\\ a s ie 1 e w s k i, damals Musik-Director in Bonn, und\nsie war allerdings schon in Betracht dessen merkwürdig, dass ein\nvor länger als hundertunddreissig Jahren geschriebenes Werk erst\njetzt hier zu Gehör kam und in hundert anderen Städten, die Musik\ngenug ti eiben, eben so wenig zum Leben gekommen war, wie hier.\nSeitdem sind wir nun wieder zehn, und seit 1829, wo Mendelssohn\nin Berlin die Matthäus-Passion zum ersten Male wieder ins Leben\nrief, sogar 36 Jahre älter geworden, allein wir können doch nicht\nsagen, dass Bach's Musik, insbesondere seine Vocal-Musik. so popu-\nlär geworden wäre, wie man das z. B. von Händel's Oratorien mit\neinem-gewissen Rechte sagen kann. Sonderbares Geschick der Ge-\nsangwerke Bach's! Für gottesdienstliche Aufführungen, in der Kir-\nche, für die kirchliche Gemeinde, mithin für das Volk bestimmt,\nsind sie dennoch niemals ins Volk gedrungen, auch nicht ins musi-\ncalische Volk, d. h. in die Masse der Gebildeten und für Musik Em-\npfänglichen, sondern sie sind bis auf den heutigen Tag nur Genuss\nfür die musicalische Aristokratie geblieben, und es wird nie gelin-\ngen, ihnen die Verbreitung und Popularität der berühmtesten Ora-\ntorien Händel's oder vollends der zwei Ausnabms-Schöpfungen\nHaydn's zu verschaffen.\nDa es aber bei der Tiefe und dem inneren Reichthume der\nWerke des alten Meisters, bei dem wir, auch wenn wir alles, was\nihm als Schlacke seiner Zeit anklebt, von uns weisen, noch immer\nvollauf des Herrlichen und Erhebenden finden, nur zu bedauern ist,\nwenn er der musicalisch gebildeten Menge nicht bekannt wird, so\nfolgt daraus allerdings, dass jeder Versuch, ihn bekannter zu machen,\nverdienstlich ist. Allein die Mittel, um den Zweck zu erreichen, sind\nhierbei so wenig gleichgültig, dass eine verkehrte Wahl derselben\nleicht ins Gegentheil der beabsichtigten Wirkung umschlagen kann.\nZunächst sind daher die Werke selbst zu berücksichtigen, die man\nvorführt, dann das Studium und die möglichst vollkommene Aus-\nführung derselben. Was den letzten Punkt betrifft, so muss man bei\nden vorhandenen Schwierigkeiten der Besetzung und Einübung,\nwelche ein zahlreiches und stimmkräftiges Personal nnd eine völlige\nHingabe und Ausdauer verlangen, ein Werk von Bach lieber gar\nnicht, als mangelhaft aufführen. In Bezug auf die Werke selbst aber\nsind diejenigen zu wählen, deren Inhalt am meisten geeignet ist, in\nden Zuhörern diejenigen Empfindungen anzuregen, welche die Ton-\nkunst in den Gemüthern aller dafür empfänglichen Menschen, nicht\nbloss der musicalisch Wissenden, zu erregen vermag. Die Matthäus-\nPassion ist ein solches Werk: die Johannes-Passion können wir\naber bei allen einzelnen Schönheiten, welche besonders der zweite\nTheil enthält, nicht mit ihr auf dieselbe Linie stellen, überhaupt\nnicht zu den Wölken Bach's rechnen, welche geeignet sind, die\nheutige Menschheit für ihn zu begeistern.\nFräulein Rothenberger (Sopran) sang von den zwei Arien,\nwelche dieser Partie zugetheilt sind, die erste in B-dur: rlch folge\ndir gleichfalls\", mit dem bewegten Ausdrucke, der dieser Nummer\nziemt; namentlich war auch die Correctheit nnd Rundung der Colo-\nratur lobenswerth, zumal da die Intonation neben den durchgehen-\nden Noten der Figuren der Solo-Violine (statt der Flöte) ihre Schwie-\nrigkeiten hat. Die zweite Arie in F-moll trug sie ebenfalls mit rich-\ntiger Phrasirung und mit Gefühl vor. Frau Joachim, deren schöne\nAltstimme noch an Tonfülle gewonnen hat, sang besonders ihre\nzweite Arie in H-moll: „Es ist vollbracht!\" (mit obligater Bratsche\nstatt der Viola di Gamba; wohl die schönste Solo-Nummer des\nganzen Werkes vortrefflich. Der Tenor, Herr Otto, trug die\nRecitative des Evangelisten mit grossem A erständnisse und einla-\nchem, nirgends durch affectirte Declamation verunziertem Ausdrucke\nvor. Herr Karl Hill löste die schwierige Aufgabe, die Reden des\nGekreuzigten auszudrücken, mit Würde und Hoheit und, wo es der\nSinn und die Situation verlangten, mit tiefem Gefühle der W ehmutb,"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650415-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 291, "texte": "wie z. B. in den Stellen: „Siehe, das ist deine Mutter!6* und: „Es\nist vollbracht!44 wobei ihm der edle Ton seiner wohllautenden\nStimme, die sich jedem Ausdrucke leicht fügt, sehr zu Statten kam *).\nAuch „Pilatus\" hatte in Herrn Schelper vom hiesigen Stadttheater\neinen sehr guten Vertreter."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-04-15-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-04-15_01#c008", "volume": "bmtnabi_1865-04-15_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "120", "page_fin": "120", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650415-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650415-01.1.8", "debut_caractere": 293, "fin_caractere_exclue": 5382, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolli, 14. April. Am Dinstag gab Herr Hugo Wehrle aus\nDonaueschingen eine Soiree im Hotel Disch. Dieser noch sehr\njunge Violinspieler, der schon in der letzten Sitzung der musicali-\nschen Gesellschaft durch den Vortrag eines Concertes von Viotti\nund der Othello-Variationen von Ernst ausserordentlichen Beifall\ndavongetragen hatte, verbindet mit einem kräftigen und markigen\nTone eine sehr bedeutende technische Fertigkeit und lobenswerthe\nReinheit in allen Lagen, wovon er in dem Vortrage des zweiten\nConcertes von Alard, einer mehr brillanten als gehaltvollen Com-\nposition, und der russischen Variationen von David, so wie in der\nWiederholung der Phantasie von Ernst glänzende Beweise gab, die\nihm den lebhaftesten Applaus erwarben. Der Vortrag schmelzend\nmelodischer Stellen wird bei dem Tone, den Herr Wehrle hat, auch\ndem schönen Ausdrucke immer mehr gerecht werden, wie wir denn\nüberhaupt der Meinung sind, dass der junge Künstler sehr bald in\nder Reihe der vorzüglichsten Violinisten unserer Tage genannt wer-\nden wird.\nFräulein Niethen und Herr Lang, Bariton des Stadttheaters,\nerfreuten das Publicum durch den Vortrag einiger Lieder, wofür\nBeide um so mehr Dank verdienten, als sie so freundlich waren,\nauf der Stelle ohne Vorbereitung für den Sänger einzutreten, der\nplötzlich verhindert worden war, zu erscheinen. Ausserdem unter-\nstützte den jungen Concertgeber Herr Isidor Seiss durch Vor-\nträge auf dem Pianoforte, unter denen namentlich der des einfachen\nAndante (Andante spianato) und der Polonaise brillante von Cho-\npin einen Sturm von Beifall hervorrief, und das mit höchstem Rechte,\ndenn das meisterhafte Spiel machte das Beiwort „brillant\", welches\ndiese originelle und prachtvolle Composition an der Stirn trägt,\ndurch den blendenden Glanz der Ausführung zur vollsten Wahr-\nheit; es war nicht zu verkennen, dass Herr Seiss die Polonaise\nrecht con amore spielte, und wir sind lange nicht durch ein Ciavier-\nstück so angeregt worden, als durch diese bei wirklichem künstle-\nrischen Gehalt zugleich so effectvolle, sporenklirrende Polacca und\nderen feurigen und so richtig accentuirten Vortrag.\nHerr Musik-Director Franz Weber führte am Mittwoch mit\nder. von ihm geleiteten Sing-Akademie den grössten Theil von\nGraun's „Tod Jesu\" vor einem eingeladenen Publicum auf, und\nes gewährte uns einen grossen Genuss, einen so zahlreichen Chor\nvon frischen, kräftigen und klangvollen Stimmen zu hören, der die\nschwierigsten Gesangstücke, wie die grossen fugirten Chöre: „Meine\nSeele ist voll Gram\", und: „Christus hat uns ein Vorbild gelassen\",\nmit Präcision und Sicherheit ausführte und die Choräle mit Aus-\ndruck sang. Auch die Soli, jene mit ihrem alten Ruhme in unser\nJahrhundert hineinragenden Arien, welche das jüngere Geschlecht\nfreilich nicht mehr kennt, wurden von Fräulein Elise Rempel\n(Sopran) und von zwei Mitgliedern der Akademie, den Herren P— tz\n(Tenor) und P— r (Bass) ganz vortrefflich vorgetragen.\nBerlin« Wir werden hier in den ersten Tagen des Mai Ge-\nlegenheit haben, im Victoria-Theater eine französische Opern-Gesell-\nschaft kennen zu lernen, welche Herr Director Hermann aus den\ndisponibeln Kräften der Theater in Paris mit grosser Sorgfalt zu-\nsammengestellt hat. Es kommen nur komische, und zwar die neue-\nsten und beliebtesten französischen Opern in reichhaltigster Ab-\nwechslung zur Aufführung.\nDas Denkmal, welches zu Ehren des um den Männergesang\nhochverdienten Karl Zöllner im Rosenthale zu Leipzig errichtet\nwerden soll, ist von dem Bildhauer Knaur bereits in Angriff ge-\nnommen. Es wird aus einer Büste des Verstorbenen von carrarischem\nMarmor bestehen, welche von vier Genien getragen wird.\nWien, 18. März. „Die schöne Helena\", deren Erscheinen das\nwiener Theater-Publicum nicht ohne besondere Spannung entgegen-\nsah, trat in der Gestalt des Fräuleins Marie Geistinger vor das\nungemein zahlreiche Auditorium des Wiedener Theaters. Offenbach,\nder musicalische Vater der schönen Helena, gab den Tact dazu. Es\nwirkten, wenn wir nicht irren, gestern drei Magnete auf das Publi-\ncum: der eine war die Novität selbst, der zweite war das Interesse\nfür das neu engagirte Mitglied, Fräulein Geistinger, welche man\nals Nachfolgerin der Gallmeyer bezeichnete, der dritte Magnet\nendlich war die persönliche Leitung des Componisten. Das Haus\nwar bis zu seinem letzten Winkel hinauf mit Neugierigen dicht be-\nsetzt. Die Novität selbst nahm, nachdem das Publicum durch die\nsehr melodiöse Ouvertüre schon in die nöthige Feststimmung ver-\nsetzt worden war, im ersten Acte einen überraschenden Anlauf und\nerfreute sich trotz einiger Längen, die auf das Publicum deprimirend\nwirkten, bis zum Schlüsse eines sehr günstigen Erfolges.\nCapellmeister Esser hat für die Dedication der im philharmo-\nnischen Concert aufgeführten „Suite\" vom Kaiser von Oesterreich\ndie grosse goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft erhalten.\n*) Herr Hill wird diesen Sommer auf vier Musikfesten sin-\ngen, u. A. in Braunschweig (mit den Damen Dustmann und\nBettelheim und Herrn Walter aus Wien), in Güstrow (drittes\nmecklenburgisches Fest) und in Mainz."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650415-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nUeber russische Musik-Zustände. Nach Rostisloff von M. von Asantschewsky. Beethoven'sehes. (Schluss.) Zehn-\ntes Gesellschafts-Concert in Köln im Gürzenich. Tages- und Unterhaltungsblatt (Köln, Concert des Violinisten Hugo Wehrle,\nAufführung von Graun's „Tod Jesu\" durch die Sing-Akademie Berlin, eine französische Opern-Gesellschaft Leipzig, Denkmal für Karl\nZöllner Wien, „Die schöne Helena\" von Offenbach, Auszeichnung).\n\nUeber russische Musik-Zustände.\nNach Rostisloff von M. von Asantschewsky.\n\n' %\nRom, am 21. März 1865.\nIn diesen Tagen hatte ich Gelegenheit, in dem Feuille-\nton der russischen Zeitung „Goloss\" (vom 28. Februar\nund 1. März) einen Artikel unter dem Titel: „Kurze\nUeb ersieht des fünfjährigen Wirkens der russi-\nschen musicalischen Gesellschaft\", zu lesen. Der\nVerfasser des Artikels ist einer der tüchtigsten Kritiker zu\nSt. Petersburg, welcher unter dem Namen Rostisloff\nschon seit langer Zeit mit klarer Einsicht und richtiger\nAuffassung der Verhältnisse eine gesunde Kritik geübt bat\nund für die Verbreitung wahrer Musik zur Bildung des\nGeschmacks im Publicum unermüdlich thatig gewesen ist.\nObwohl die Hauptstädte Russlands, wie Petersburg,\nMoskau, Odessa u. s. w., so glücklich waren, die berühm-\ntesten Künstler auf kürzere oder längere Zeit innerhalb\nihrer gesellschaftlichen Kreise zu sehen, so konnte doch\nvon einem regen musicalischen Leben und Streben wenig\nwahrgenommen werden. Erst seit fünf Jahren ist es nach\nGründung der „russischen musicalischen Gesell-\nschaft\" den verdienstvollen Bemühungen der Brüder\nRubinstein, wie auch anderer ehrenwerther Musiker\nund Dilettanten, einiger Maassen gelungen, einen Funken\nkünstlerischen Lebens in der grösseren Masse zu entzün-\nden. In der Hoffnung, dass auch das deutsche musicalische\nPublicum das Wirken jener Gesellschaft nicht ohne In-\nteresse zu betrachten geneigt sein würde, erlaube ich mir,\nhier einen Auszug aus dem besagten Artikel des Herrn\nRostisloff der Oeffentlichkeit zu übergeben.\nWie neuen Unternehmungen so oft mancherlei Hin-\ndernisse in den Weg gelegt werden, weil man sich in neue\nIdeen schwer hineinfinden kann, so hatte auch die „russi-\nsche musicalische Gesellschaft\" mit heftiger Opposition zu\nkämpfen. Als Haupt-Vorwürfe wurden von der Gegen-\npartei beigebracht: 1) die deutsche Richtung, 2) dass sich\ndie Gründer selbst zu Directoren und Anordnern gemacht\nhätten. Herr Rostisloff sucht zu Anfang seines Artikels\ndiese gegnerischen Vorwürfe zu entkräften, indem er das\nAuftreten \"der Gesellschalt aus der Natur der Umstände\nerklärt.\nDie „russische musicalische Gesellschaft\" ist aus der\n„symphonischen Gesellschaft\" (in Wirksamkeit von 1840\nbis 1850, im Jahre 1854 wurde sie geschlossen) heraus-\ngewachsen und brauchte zur Förderung ihrer Existenz\ngebildete und erfahrungstüchtige Männer, welche geeignet\nwaren, das umfassende Programm zu voller Wirkung zu\nbringen. Den Kreis des Wirkens wollte man auf ganz\nRussland oder wenigstens auf die Hauptstädte, wie Peters-\nburg, Moskau, Charkoff, Kiew u. s, w., ausdehnen. Die\nWahl fiel auf Persönlichkeiten wie Graf Matthias Wiel-\ngorsky, D. W. Konschin, W. A. Kologriwoff, A. G. Ru-\nbinstein und D. P. Stasoff. Obwohl Rubinstein der Einzige\nwar, welcher gedruckte Beweise für sein musicalisches\nWissen beibringen konnte, so waren doch auch unter den\nUebrigen tüchtige Musikkenner, welche durch ihre äussere\nStellung und durch persönliche Energie der guten Sache\nausserordentlichen Nutzen brachten. Auf Antrag des aus-\ngezeichneten Musikkenners, des Grafen Wielgorsky, erhielt\ndie Societät den Namen „russische musicalische Gesell-\nschaft\" , wonach die Grossfürstin Helene dieselbe unter\nihren Schutz nahm. Eben so erklärten sich Grossfürst\nConstantin, Prinz Peter von Oldenburg, Grossfürstin Ka-\ntharina und ihr Gemahl dazu bereit, die Ehren-Mitglied-\nschaft anzunehmen. Im September des Jahres 1859 trat\nnun nach diesen Vorgängen die Gesellschaft in die Oeffent-\nlichkeit, nnd zwar mit solchem Erfolge, dass sie noch in\ndemselben Jahre 600 wirkliche Mitglieder zählen konnte,\nwodurch also thatsächlich der Beweis für das Zeitgemässe\ndes Unternehmens geliefert wurde."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650415-01.1.2", "texte": "Bei der ersten Hauptsitzung wurden A. S. Dorgo-\nmischsky und A. Werstowsky, beide bekannte Opern-Com-\nponisten, für ihre Verdienste einstimmig zu Ehren-Mitglie-\ndern ernannt. Da wurde denn auch die Frage aufgewor-\nfen, warum der Director nicht dieselbe Proposition in Bezug\nauf den General A. F. Lwoff gestellt hätte*). Darüber\nwurde nun viel disputirt und vielerlei geschrieben; über-\nhaupt macht auch Herr Rostisloffder Gesellschaft den Vor-\nwurf, dass'sie vernachlässigt habe, eine hinreichende An-\nzahl russischer Componisten in ihren Kreis zu ziehen. Spä-\nter ernannte man allerdings zur Abhülfe dieser und ähn-\nlicher Uebelstände eine Commission, in welcher Fürst\nOdoewsky, Dorgomischsky, Lamakin, A. G. Rubinstein,\nTolstoy und K. Schuberth (der verstorbene Violoncellist)\nfigurirten. Nach zwei Jahren kam diese Commission aber\nwieder zum Sterben, obwohl im Gesellschafts-Rerichte kein\nWort davon zu finden ist.\nUeber die musicalische Richtung der Gesellschaft\nspricht sich Herr Rostisloff ungefähr dahin aus, dass man\naus Mangel einer selbständigen russischen Schule und in\nder Einsicht, eine solche auch plötzlich nicht hervorzau-\nbern zu können, einer bereits vorhandenen Richtung ge-\nfolgt sei und sich auf dieselbe gestützt habe. Warum man\nder deutschen und nicht der italiänischen oder französischen\nden Vorzug gegeben habe, dafür sei der Grund nicht in\neinzelnen Persönlichkeiten, wie etwa Rubinstein (geboren\nin Moskau) oder Kologriwoff u. s. w., die ja selbst gebo-\nrene Russen seien, zu suchen, sondern man habe die deut-\nsche Schule desswegen bevorzugt, weil sie am besten zum\nrussischen Charakter passe. Denn obwohl das Gemüth des\nRussen zuweilen zu lebendigster Wallung gebracht wer-\nden kann, wie beim Südländer, so ist er doch mehr geneigt\nzu stillem Denken. Es liebt der Russe, sich zu fragen:\nwas? wie? wesshalb? wogegen der Südländer flüchtiger\ngeniesst. Desshalb bringt auch die italiänische Musik, mit\nAusnahme der früheren kirchlichen Kunst eines Palestrina,\neines Scarlatti u. s. w., mehr nur äusserlichen Reiz hervor\nund versetzt nie, wie die deutsche, innerlich tiefe, man\nmöchte sageh: „symphonische\" Richtung, in eine edle,\nschwärmerische Stimmung. Die französisch-declamatori-\nsche Richtung passt schon gar nicht lür die Russen; denn\njede Declamation, selbst die lyrische, ist nicht frei von Rai-\nsonnement, und der Russe ist kein grosser Sprecher.\nIndem Herr Rostisloff so die Richtung der Gesellschaft\nschützt, wobei er noch die Remerkung macht, dass die\nSymphonie-Musik gegenwärtig an der Spitze stehen müsse,\ngeht er zum eigentlichen Wirken und Schaffen der Ge-\nsellschaft über.\nSeit dem Reginne ihrer Existenz (d. h. seit September\n1859) gab die Gesellschaft 60 Orchester-Concerte und\n36 Quartett-Soireen in St. Petersburg. Von diesen Con-\ncerten war die italiänische Musik vollständig ausgeschlos-\nsen, so dass sogar in Rezug auf kleinere Gesangstücke die\nrussischen Romanzen anstatt italiänischer Weisen gepflegt\nwurden. Am 15. Januar dieses Jahres wurde die neunte\nSymphonie von Reethoven zum ersten Male aufgeführt,\nund ausser den Compositionen von Glinka und Dorgo-\nmischsky gelangten in letzterer Zeit noch Werke von Affo-\nnasieff, Gusokowsky, Sokolsky, Baron Fitingoff und An-\nderen zur Aufführung*).\nAls Hauptzweck hat sich aber die Gesellschaft vorge-\nsetzt, ihren Einfluss auf ganz Russland auszudehnen. Dess-\nwegen hat sie nach eingeholter Erlaubniss der Grossfürstin\nHelene, ihrer Reschützerin, an fünf Mitglieder, nämlich an\ndie Herren: Kieseleff, Loseff, Fürst Obolensky, Jakuntschi-\nkoff und N. G. Rubinstein den Auftrag ergehen lassen,\nein Comite zu gründen und den Regeln der Gesellschaft\ngemäss in Moskau, als dem dauernden Wohnsitze genann-\nter Herren, unabhängig zu schaffen und zu wirken. Da\nvon den Genannten N. G. Rubinstein der einzige Musi-\nker von Fach war, so hat er sich bald die Macht eines\nDictators erobert, und ihm allein ist es also zu verdanken,\nwie weit die musicalischen Zustände in Moskau vorge-\nschritten sind.\nZu Anfang April des Jahres 1860 gelang es demsel-\nben, einen Verein von Musik-Liebhabern zu bilden, welche\nsich im Hause des General-Gouverneurs versammelten.\nUnd obwohl der Sommer die regelmässigen Uebungen un-\nterbrach, so sammelten sich doch im Monat November\nwieder 350 Mitglieder, so dass man im kleinen Saale der\n„adeligen Gesellschaft\" Orchester-Concerte veranstal-\nten konnte. Schon die Abhaltung des ersten Concertes\nwar von solchem Erfolge begleitet, dass sich bei späteren\nAufführungen der Saal als zu klein erwies, so dass man\ngezwungen war, die Concerte in dem grossen Saale der-\n\n*) Der General A. F. Lwoff kann freilich mancherlei musicali-\nsche Verdienste aufweisen, z. B. die militärische Disciplin in der\nkaiserlichen Gesangs-Capelle, viele Opern, die Niemand kennt,\nein unbekanntes Stabat mater u. s. w. Als Hauptverdienst nennt\nman jedoch die russische National-Hymne, die auf Befehl des musik-\nverständigen Kaisers Nikolaus (er soll nicht übel getrommelt haben)\nfür die Militär-Paraden componirt wurde. Meiner Ansicht nach wäre\nes besser, solch eine so genannte National-Musik, die weiter nichts\nist, wie eine italiänische Melodie, als Nikolaus-LwofF-Militär-Hymne\nbekannt zu machen. Die Russen möchten doch an dem Schluss-Chor\nder trefflichen Oper „Das Leben für den Czaaren\" von Glinka mehr\nGefallen finden. Anm. d. Verfassers.\n*) Für die vollsändig richtige Orthographie der Namen kann\ndie Redaction nicht stehen, da dieselben im Manuscripte zuweilen\nunleserlich waren."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650415-01.1.3", "texte": "selben Gesellschaft abzuhaltenT). Aus dem Gesellschafts-\nBerichte vom Jahre 1862—63 ersieht man, dass der Ge-\nsellschafts t heil in Moskau 22 Ehren-Mitglieder zählte,\nwelche ä Person 100 Rubel zahlten. Ausserdem waren\n476 zuhörende Mitglieder, welche k Person 15 Rubel\nbezahlten, und 108 executirende Mitglieder, die nur 5\nRubel ä Person entrichteten. Die Zahl derjenigen Zuhörer\nin den Concerten, welche nicht Mitglieder waren, wird auf\n1118 Personen angegeben, so dass also, den Zahlen nach\nzu urtheilen, die moskau'sche Dictatur das grösste Lob\nverdient.\nIm Jahre 1863 wurden von der Gesellschaft in Moskau\ngrosse Volks-Concerte im Exercirhause veranstaltet. Die\nPreise der Plätze variirten von 25 Kopeken (71 /2 Gro-\nschen) bis zum Rubel (1 Thlr.). Am 27. December 1863\nzählte man 9000 Zuhörer, am B.März 1864scbon 10,124,\nam 26. und 27. December 1864 gegen 16,000. Das\nProgramm des ersten Concertes war: 1) Ouvertüre und\nEntreact zum Drama „Fürst Holmsky\" von Glinka; 2)\nViertes Concert für Violine von Minkus(?); 3) E-dur-Vo-\nlonaise von C. M. von Weber; 4) von\nBeethoven; 5) Chöre und Tänze aus der Oper „Rousalka\"\nvon Dorgomischky; 6) „Kamarinskaja\" von Glinka.\nDas zweite Concert brachte: 1) Ruy-Blas-Ouverture von\nMendelssohn; 2) Phantasie für Chor und Orchester nach\neinem russischen Liede „ Wosle retschJcy\" („Am Flusse\")\nvon Liadoff; 3) Adagio und Finale eines Clavier-Concertes\nvon A. Rubinstein; 4) Siebente Symphonie von Beethoven;\n5) Schluss-Chor aus der Oper „Das Leben für den Czaaren\"\nvon Glinka u. s. w.\nNach diesem vortrefflichen Beispiele veranstaltete Herr\nKologriwoff auch in Petersburg ein Volks-Concert im\nExercirhause, zu welchem sich 8000 Zuhörer einfanden.\nMehr kann man wohl zur Verbreitung guter Musik und\nzur Erweckung des guten Geschmacks in der Masse des\nVolkes kaum thun. Wo bleibt da, meine ich, Italien mit\nseinem göttlichen Componisten Verdi? In Rom z. B.\nwird nie ein Orchester-Concert zu Stande kommen, denn\nder Concertgeber ist höchstens im Stande, 2J/2 Menschen\nals Zuhörer zusammenzubringen.\nDarauf geht Herr Rostisioff in seinem Artikel zu der\nVerbreitung theoretischer und technischer Kenntnisse über.\nTrotz unbedeutender Geldmittel hat die Gesellschaft\nseit Anfang ihrer Existenz in demselben Frühling einen\nCursus für Chorgesang gegründet. Der Cursus unter Lei-\ntung des verstorbenen Capellmeisters und Componisten\nDütsch war vom April 1860 bis Juni unentgeltlich; vom\nSeptember ab zahlte jeder Theilnehmer einen Rubel mo-\nnatlich. In demselben Monate wurden auch noch andere\nCurse eröffnet, und zwar fungirten als Lehrer und Leh-\nrerinnen: 1) für Gesang Frau Nissen-Salomon; 2) für Cla-\nvierspiel die Herren Leschetizky und Begroff; 3j für Vio-\nlinspiel Herr Wieniawski; 4) für Violoncellspiel Herr C.\nSchuberth (verstorben). Nach Dütsch erhielt Herr Lamakin\njun. die Leitung des Cborgesanges und Herr Saremba den\nUnterricht in der Theorie der Musik. Alle Curse waren\nauf sehr geringe Preise gestellt; die besuchtesten waren\ndie für Gesang und Ciavier.\nIm Laufe des Jahres 1861 wurde ein Project zur\nGründung eines Conservatoriums unter dem beschei-\ndenen Namen: „Musikschule bei der russischen\nmusicalischen Gesellschaft\", entworfen; den 17.\nOctober desselben Jahres wurde dasselbe vom Kaiser be-\nstätigt und am 1. September 1862 geschah die Eröffnung.\nAls stabile Geldmittel waren der Schule bei ihrer Eröff-\nnung von der Krone 5000 Rubel, von der Grossfürstin\nHelene 1000 Rubel übergeben worden. Zwei zu demsel-\nben Zwecke veranstaltete Extra-Concerte ergaben die Ein-\nnahme von 4811 Rubeln, und durch eine Unterzeichnungs-\nliste wurden im Laufe einiger Monate noch 5531 Rubel\nzusammengebracht. Den Erfolg besagter Liste hat man\nden Damen der Gesellschaft zu danken; Frau von We-\nrigin z. B. hat allein eine Summe von 2873 Rubeln zu-\nsammengebracht.\nDas Conservatorium war keine ausschliessliche Anstalt,\nsondern es konnten in dasselbe Schüler aus allen Ständen\naufgenommen werden. Als Privilegium existirte die Ein-\nrichtung, dass ein Schüler aus den niedrigeren Volksclassen\nvom Militärdienste befreit war und dass jeder Schüler nach\nAbsolvirung sämmtlicher Studien den Titel „freier Künst-\nler1' erhielt*). Im Jahre 1863 bis 1864 waren 40,866\nRubel 22 Kopeken Einnahme und 31,703 Rubel 69 Ko-\npeken Ausgabe. Zum 1. Juni 1864 hatte man ungefähr\n9168 Rubel Ueberschuss. 127 Schüler und 115 Schü-\nlerinnen bekamen Unterricht; der Kopf kostete also 130\nRubel 50 Kopeken. Dabei muss bemerkt werden, dass\nA. Rubinstein, welcher als Director eine Gage von 1500\nRubeln erhält, im Ganzen 900 Rubel zu neun Stipendien\ngibt. Kologriwoff gibt ebenfalls 300 Rubel. Solche Thaten\nsind mehr als lobenswerth, da die Herren Arbeit und\nMühen aus reiner Liebe zur Sache übernehmen.\n\n*) Dieser grosse Saal kann nur mit solchen Localitäten ver-\nglichen werden, wie diejenigen sind, in denen man z. B. die nie-\nderrheinischen Musikfeste abhält. A. d. V.\n*) Bis zu dieser Zeit existirte in Russland noch kein Musiker-\nstand, wie es z. B. bei den Malern der Fall war, und desshalb\nwar kein Musiker, ausgenommen, wenn er Krondienst hatte (Theater),\nvom Militärdienste frei, wobei noch zu bemerken ist, dass der Sol-\ndat 15 Jahre dienen musste. A. d. V,\n[*]"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650415-01.1.4", "texte": "Die energische künstlerische Natur A. Rubinstein's\n(Director) treibt ihn hauptsächlich zur Hebung der Kunst,\nwobei er zuweilen die Geldmittel aus dem Auge verliert\nund oft weiter geht, als es die musicalische Ausbildung\nder Volksmasse erfordert (?). Seine Liebe zur Kunst und\nsein aufrichtiges Streben machten es ihm möglich, seine\neigene Gesinnung und sein Gefühl für das Schöne auch\nanderen tüchtigen Künstlern einzupflanzen, so dass unge-\nachtet geringerer Geldmittel für die Gehälter das Lehrer-\nPersonal des Conservatoriums ganz ausgezeichnet genannt\nwerden muss. Ein besonderes Glück für die Anstalt war\nes, dass Rubinstein in der Person des Herrn Kologriwoft'\n(Inspector) einen treuen Helfer fand. Auf diesem liegt das\nmaterielle Wohl des Instituts, und dieses zu erhalten, ist\nwahrlich keine vergnügliche Arbeit.\nAusser den Genannten geben noch folgende Lehrer\nUnterricht: für das Clavierspiel die Herren Dreyschock,\nGerke, Leschetizky; für das Violinspiel Herr Wieniawsky;\nfür Cellospiel Herr Davidoff; für Flöte Herr Chiardi; für\nClarinette Herr Cavalini; für Oboe Herr Lufl; für Blech-\nBlas-Instrumente Herr Mendorf; für Gesang Frau Nissen-\nSalomon und Herr Repetto. Die theoretischen Fächer\nsind in den Händen der Herren Rubinstein, Saremba und\nWoiatscheck.\nUm das Publicum mit der Persönlichkeit des Herrn\nSaremba genauer vertraut zu machen, gibt Herr Rostis-\nloff einige Details. Vor ungefähr zwanzig Jahren befand\nsich Herr Rostisloff mit dem berühmten italiänischen Sän-\nger Rubini in einem Concerte, welches damals unter Di-\nrection von L. Maurer im Saale der Universität zu St. Pe-\ntersburg abgehalten wurde. Diese Concerte existiren jetzt\nnoch unter anderer Direction. Es kam eine neue Sympho-\nnie zur Aufführung, deren Autor auf dem Programme\nnicht verzeichnet war, so dass auch Herr Rostisloff trotz\nalles Nachdenkens keinen Meister für dieselbe finden konnte.\nDas Publicum war entzückt, und Rubini rief aus: „Per\nbcccco, sapete che questo e deUa bella musica.'\" Herr Ro-\nstisloff geht zu Maurer, um den Namen des Componisten\nzu erfahren, worauf es sich herausstellt, dass der Compo-\nnist ein junger Student, mit Namen Saremba ist. Nie-\nmand kennt denselben; Herr Rostisloff will seine Bekannt-\nschaft machen, aber leider ist derselbe schon fortgegangen,\nohne mit Jemandem besonders gesprochen zu haben. Erst\nzwanzig Jahre später begegnen sich die Herren Rostisloff\nund Saremba wieder bei Gelegenheit einer Prüfung des\nConservatoriums. Da man seit jener Symphonie von keiner\nComposition Saremba's mehr gehört hatte, so konnte sich\nder Kritiker nicht enthalten, Herrn Saremba aus seiner\nCompositions-Unthätigkeit einen Vorwurf zu machen. „Sie\nmüssen schreiben!\" hatte Herr Rostisloff gesagt. „Schrei-\nben? schreibe ich doch!\" lautete die Antwort: „aber nicht\nfürs Publicum. Denn bedenken Sie selbst, dass Sie nach\ndem Anhören meines symphonischen Versuches einen be-\nkannteren Componisten dafür suchen wollten; der Gedanke\njedoch, dass es vielleicht die Schöpfung eines neuen, origi-\nnellen Talentes sein könne, welches für seine eigenen\nIdeen eine passende ästhetische Form gesucht habe, ist\nIhnen nicht beigekommen. Das beweist, dass meine Arbeit\nnicht hinreichend selbständig war, und so habe ich mich\nseit jener Zeit mit meiner ganzen Seele dem Studium der\nTheorie der Musik gewidmet.\"\n„Die Kunst\", sprach der geehrte Theoretiker weiter,\n„ist eine heilige Sache. Um derselben ehrlich zu dienen,\nbraucht es vieler Opfer, und das erste, welches auf den\nAltar der Kunst gebracht werden muss, ist der Künstler\nselbst. Jetzt muss ich suchen, denjenigen Menschen, welche\netwas lernen wollen, die Früchte meiner langjährigen theo-\nretischen Forschungen möglichst geniessbar zu machen.\nOb etwas dabei herauskommt, weiss ich nicht genau; da\nich mich aber der Kunst gewidmet habe, so werde ich stets,\nso lange die Kräfte reichen, nach diesem Ziele streben\"*).\nDarauf gibt Herr Rostisloff einen Auszug aus dem Be-\nrichte für das Winter-Semester von 1862 —1863. über\ndie Zahl der Musikstudirenden, von denen 94 Schüler (d. h.\n60 Mädchen und 34 Männer, mit Einschluss der Frei-\nschüler) auf Pianofortespiel, 25 auf Violinspiel, 7 auf Cello-\nspiel, 2 auf Contrabassspiel, 3 auf Flötenblasen und 2 auf\nBlasen anderer Blas-Instrumente zu rechnen sind. Ein\nSchüler und eine Schülerin widmeten sich auch dem Orgel-\nspiel. (Die Ursache, dass das Orgelspiel so wenig betrieben\nwird, liegt darin, dass es in den russischen Kirchen keine\nOrgeln gibt und alle Messen a capella gesungen werden.)\nGesangunterricht benutzten 11 Schülerinnen und 7 Schü-\nler in genanntem halben Jahre. Die Stunden in der Theorie\nder Musik besuchten nur 14 Schüler und eine Schülerin,\nobwohl etwas Clavierspiel und die Elementar-Kenntnisse\nvon allen Besuchern gefordert wurden**). Am meisten\nwurde also das Pianofortespiel getrieben, und 60 Damen\nbefleissigten sich desselben. (Das Ciavier ist doch eine\nWaffe, die zur Attaque sehr nützlich sein kann meint\nHerr Rostisloff.) Darauf kommen die Violinspieler, und die\nZahl derjenigen, welche den Gesang betreiben, mehrt sich\nvon Jahr zu Jahr. Ausserdem ist zu bemerken, dass Herr\nDirector Rubinstein noch 7 Schülern auf seine Kosten be-\nsonderen Unterricht in Behandlung der Blas-Instrumente\ngeben lässt.\n\n*) Herr Saremba wurde nach seiner Studentenzeit von Marx\nin Berlin unterrichtet.\n**) Meiner Meinung nach' sind theoretische Kenntnisse für alle,\nwelche sich der Musik widmen, unbedingte Erfordernisse. A. d. V."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650415-01.1.5", "texte": "Nach Angabe des Herrn Rostisloff werden die Prü-\nfungen vom 7. bis zum 23. December abgebalten, indem\ndie Schüler ihre Kenntnisse in der praktischen Musik durch\nöffentliche Instrumental- oder Gesang-Vorträge darthun.\nDabei macht Herr Rostisloff die richtige Bemerkung, dass\nes wünschenswerth wäre, wenn bereits vorgeschrittene\nSchüler ohne Hülfe der Lehrer einige ihren Kräf-\nten angemessene Stücke einüben möchten, um dadurch\nihre individuelle Fähigkeit kundzugeben. Im üebrigen sol-\nlen die Prüfungen (auch im Gesänge) die besten Resultate\ngeliefert haben. Herr Rostisloff gibt keine weiteren Details\nan, obwohl es doch interessant gewesen wäre, die Methode\ndes Ciavier- und Violin-Unterrichts kennen zu lernen. Am\nmeisten scheint sich der Kritiker für die Prüfungen in der\nTheorie interessirt zu haben. Die Methode bei Erlernung\nder Elemente richtet sich nach der von Cheve in Paris\n(unlängst verstorben), d. h. die Noten werden mit Ziffern\nnotirt. Die Intervalle und die Rhythmik werden durch Sol-\nmisiren innerhalb genauer Tactgliederung beigebracht.\nAusserdem gibt, wie die Prüfungen beweisen, Herr Wo-\njatscheck speciellen Unterricht in der Tonartenlehre, in\nder Lehre von den Schlüsseln, wobei auch der Bariton-\nund Mezzo-Sopran-Schlüssel berücksichtigt werden, und in\nder Lehre vom richtigen harmonischen Notiren. Die Schü-\nler des Herrn Saremba wurden in höheren Fächern ge-\nprüft, nämlich, wie Herr Rostisloff meint,in der „Syntax\"\nder Musik und in der „Philosophie\". Dabei macht er\ndie Bemerkung: „So weit sind also die Schüler des Herrn\nSaremba gegangen\" *). Nach vielem mündlichen Fragen\nund Prüfen wurden die drei ersten Schüler nach herge-\nbrachter Gewohnheit in besondere Zimmer eingeschlossen,\nwo sie in Zeit von zwei Stunden eine Fuge anfertigen\nmussten. Die Idee wurde vom Director gegeben, die Ein-\nrichtung derselben zum geschlossenen Thema blieb der\nErfindung des einzelnen Schülers überlassen. Die Fugen\nwaren auch richtig in zwei Stunden und etwas darüber\nfertig**). Hier kann ich nicht umhin, einige angeführte\nWorte des Herrn Saremba aus dem Artikel des Herrn\nRostislofF zu übersetzen:\n\"'dl (Saremba) war sehr zufrieden, dass den Schü-\nlern das Erfinden des 1\" ührers selbst überlassen wurde.\nIm Thema liegt Alles: es bildet den Körper und das Blut\nder Fuge. Denn wenn z. B. der Mensch seinen eigenen\nIdeen nachgeht, von denen er ganz und gar durchdrungen\nund überzeugt ist, so (liesst die Rede leicht dahin; wer\naber nach der Angabe eines Anderen spricht, der bleibt\nnicht selten stecken. Man kann sich wohl auch mit der\nAusbildung und dem Wohlsein eines fremden Kindes be-\nfassen: das eigene Kind wird doch dem Herzen näher\nstehen. So würden wohl auch die Fugen (mit einem Thema\nvon Anderen gegeben) richtig herausgekommen sein und\nweiter eben nichts; jetzt aber sind sie durchgefühlt.\nDer Kopf ist ein schönes Ding, das Herz aber besser; wie\nim Leben überhaupt, so ist es auch speciel in der Kunst.\"\n„Solche Ideen\", sagt Herr Rostisloff, „besitzt Herr\nSaremba, und seiner Fürsorge ist die höhere Ausbildung\nin den musicälischen Kenntnissen anvertraut worden.\"\nliier beendigt Herr Rostislofl seinen Artikel mit dem\nWunsche, dass zwischen der Gesellschaft und ihren Geg-\nnern der Friede wieder hergestellt werden möge, um noch\nmehr Kräfte zu gemeinsamem Wirken zu gewinnen.\nMeinerseits hege ich den innigen Wunsch, dass sich\ndas weitere Wirken immer auf die wahren Principien\nder schönen Kunst stützen möge, da nur auf diese Weise\nein kräftiges, segenbringendes Emporwachsen ermöglicht\nwerden kann. Die Gesetze in der Musik sind ja für alle\nLänder und Völker gleiche, wie die Gesetze der Welt-\nExistenz. Die Gesetze sind eben für den Menschen ge-\ngeben. In dem einen Lande kann es wärmer, in dem an-\nderen kälter sein; in dem einen Landstriche ist man mehr\nzur Fröhlichkeit, in dem anderen mehr zum Ernste geneigt.\nDas Ohr des Menschen an sich ist aber überall gleich,\nund wie es vor tausend Jahren war, so ist es auch heute\nnoch und wird es immer sein. Nur das ästhetische Gefühl\nund die geistige Entwicklung der Menschheit ist immer in\nBewegung, und aus dieser Bewegung sind ein Palestrina,\nein Bach, ein Haydn, ein Beethoven u. s. w. hervor-\ngetreten. Auch Wagner und Liszt sind Kinder ihrer\nEpoche. Wie aber ein Bach, Beethoven u. s. w. ihre Aus-\ndrucksmittel und Formbildungen innerhalb der von der\nNatur gezogenen Schönheits-Gränzen hielten: so nehmen\nWagner und Liszt mehr darauf Bedacht, eine Art von\nKunstfeuerwerk loszubrennen. Das liegt ja eben auch in\njener Bewegung, dass Manches bleiben und Vieles in Staub\n\n*) Gern möchte ich diesen Prüfungen beigewohnt haben, um mir\ndas „philosophische Weit gehen\" der Schüler des Herrn Sa-\nremba begreiflich zu machen. Hat nicht vielleicht Marx in Berlin\nmit seinen vielen Bänden einen gewissen Einfluss auf das Ganze?\n[Die obigen Angaben über den theoretischen Unterricht zeigen,\ndass entweder der Unterricht selbst oder der Kritiker auf niedriger\nStufe steht. D. R e d.]\n**) Diese Art von Prüfungen erscheint mir als unnütz) denn\nder Lehrer muss doch das Wissen seiner Schüler kennen, wenn die-\nselben etwa ein Jahr lang Fugen geschrieben haben. Wozu soll\ndoch ein solches pomphaftes Einsperr-Fest? Gewiss doch nur, um\ndas Staunen des Publicums hervorzurufen! Wenn freilich\ndie Schüler das ganze Jahr hindurch nur „philosophiren\", dann\nmuss man sie schon auf ein paar Stunden einsperren. Andere viel-\nleicht nicht minder talentvolle Kunstjünger möchten zur Anferti-\ngung einer guten Fuge unter Umständen ein paar Tage ver-\nlangen können. A.* d. V."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650415-01.1.6", "texte": "zusammenfallen muss. Zum Schlüsse hoffe ich, dass die\nRussen eine schöne musicalische Zukunft vor sich haben;\nnur möge man sie mit Zukunftsmusik verschonen.\n\nM. v. A.\n\nBeethoven’sches.\n(Schluss. S. Nr. 14.)\n197. Meeresstille und glückliche Fahrt. 1815.\nEine Abschrift des Clavier-Auszuges, im Besitze des Herrn\nKarl Haslinger, enthält folgende Bemerkungen in Beetho-\nven's Schrift:\n„N.B. Schon wieder 150 Fl. getilgt an der mea culpa,\nmea maxima culpa u. am heutigen dato auf dem Glacis\nder Schein davon in Feuer und Flammen aufgegangen.\nWien am 19tc\" Apr. 1822.\"\nAuf einem alten bonner Concert-Zettel steht folgende\nBemerkung:\n„Die Partitur dieser Composition (Op. 112) ist von\nBeethoven dem „„Verfasser der Gedichte, dem unsterb-\nlichen Goethe\"\", gewidmet. Auf der Rückseite des Titel-\nblattes wendet er sich an denselben mit den Homerischen\nVersen:\n„„Alle sterblichen Menschen der Erde nehmen die SäDger\nBillig mit Achtung auf und Ehrfurcht; selber die Muse\nLehrt sie den hohen Gesang und waltet über die Sänger.uu\n204. An die Hoffnung. Op. 94. 1816. Franz\nWild, der einst berühmte Tenorsänger, erzählt: „Durch\nmeinen Vortrag (der Adelaide) zufriedengestellt, sprach er\n(Beethoven) mir gegenüber die Absicht aus, das Lied zu\ninstrumentiren. Dazu kam es zwar nicht, doch schrieb er\nfür mich die Cantate „„An die Hoffnung\"\" (Text von\nTiedge) mit Clavierbegleitung, welche ich, von ihm selbst\naccompagnirt, in einer Matinee vor einer gewählten Ge-\nsellschaft sang.\" Das war am 25. April 1816.\n220. Canon infinitus. Ungedruckt. 1819. In einem\nConversationsbuche vom März 1820 befindet sich Folgen-\ndes, von einem Unbekannten geschrieben:\n„Sie haben an Steiner von Mödling im vorigen Som-\nmer einen Canon infinitus geschickt:\nA due\n„Keiner hat ihn aufgelöst, ich habe ihn aufgelöst,\ndenn er tritt in der Secunde ein.\n„ „Hol' euch der Teufel! B'hüt' euch Gott!\" \" war der\nText. Er geht in Infinitum.\"\n228. Die Sonate in As-dur,Op. 110, ist am 25. De-\ncember 1821 vollendet, wie das Original-Manuscript bei\nArtaria in Wien zeigt. Hiernach ist das Datum: Anfangs\n1823, bei Schindler zu berichtigen.,\n229. Missa solemnis. 1818 —1822. Das Original-\nManuscript dieser Messe wurde bei der Licitation des Beet-\nhoven'schen Nachlasses für 7 Fl. 6 Kr. von Artaria (Va-\nter) gekauft. Später hat er das Kyrie dem Herrn Pölchau\naus Hamburg überlassen, dessen Sammlung sich jetzt in\nder königlichen Bibliothek zu Berlin befindet; die übrigen\nStücke sind noch im Besitze von Artaria u. Comp.\nUeber das Kyrie schrieb Beethoven: „Vom Herzen!\nMöge es wieder zum Herzen gehen!\" Bei dem Dona:\n„Dona nobis pacem.Darteilend den innern und äussern\nFrieden.\"\nMerkwürdig ist im Notirbuche J. (bei Artaria) unter\nder Ueberschrift Agnus Dei Folgendes:\n„ Marsch\"\nBeethoven scheint also doch wirklich die Vorstellung\nvom Anrücken eines Heeres in den Zuhörern haben erre-\ngen zu wollen, worauf dann die Bitte um äusseren\nFrieden Statt fände.\n234. Ouvertüre C-dur,Op. 124. Das Original-\nManuscript ist überschrieben: „Zur Eröffnung des Joseph-\nstädter Theaters zu Ende September 1822.—Aufgeführt\nam 3. October 1822.\"\nZu dieser Eröffnungsfeier wurde die Musik zu den\n„Ruinen von Athen\" benutzt; neu war nur die Ouver-\ntüre, die bei Schott in Mainz 1825 gedruckt wurde, und\nwie aus S. 147 von Thayer's Verzeichniss ersichtlich\nist—eine Sopran-Arie mit Violin-Solo und Schluss-\nChor, welche noch ungedruckt ist. Eine Copie derselben\nist im Besitze des Herrn Franz Kärgling in Wien.\nThayer theilt den Text (von Meisl) mit; wie es scheint,\nschloss sich auch Ballet daran."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650415-01.1.7", "texte": "Neugierig kann Einen die Notiz unter Nr. 267 ma-\nchen: „Erlkönig\", für eine Singslimrae und Ciavier,\nwozu Thayer naiv genug bemerkt: „Eine brauchbare\nComposition dieses Liedes (Autograph; ist im Besitze des\nComponisten Dessauer in Wien.\"\n\nZehntes Gesellschasts-Concert in Köln im Gürzenich,\nunter Leitung des städtischen Capellmeisters, Herrn\nFerdinand Hiller.\nSonntag, den 9. April 1865.\nDie schöne Sitte, den Schluss der Abonnements-Concerte auf\nden Palmsonntag zu legen und diesen durch Aufführung einer\ngrossen christlichen Musik zu feiern, hat die Concert-Gesellschaft\nauch in diesem Jahre nicht ausser Acht' gelassen. Sie wählte dazu\nJoh. Seb. Bach s Passionsmusik nach dem Evangelium des\n«Johannes. Nachdem zu dem gleichen Zwecke die Passionsmusik\ndesselben Meisters nach dem Evangelisten Matthäus mehrere Jahre\nhindurch aufgeführt und, so viel uns erinnerlich, nur Ein Mal die\nMista solemnis vön Beethoven an ihre Stelle getreten war, lag es\nnahe, auch das andere, ähnliche Werk Bach's dem Concert-Publi-\ncum, das sich an der Matthäus-Passion stets so zahlreich und an-\ndächtig betheiligt hatte, vorzuführen. Die Betheiligung war denn\nauch au dem diesjährigen Palmsonntage dieselbe, die Befriedigung\naber nicht, was zum Theil an der Composition, zum Theil an der\nAusführung lag. Denn für die letztere waren die Mittel bei Weitem\nnicht so imposant, wie früher, und wenn die Johannes-Passion keine\nGelegenheit zu verschiedenen Chor-Abtheilungen gibt, die theils ge-\ntrennt, theils vereint wirken, denn sie enthält nicht einmal einen\nDoppelchor, geschweige denn einen dreifachen, wie die erste Nummer\nder Matthäus-Passion, so hätte vielleicht durch den Vortrag einiger\nChoräle durch einen ausgewählten Halbchor eine wohlthuende Ab-\nwechslung in die Monotonie des Ganzen gebracht werden können.\nAllein diese nicht zu läugnende Monotonie wurde noch fühlbarer\ngemacht, da sämmtliche Cböre und Choräle in einer und derselben\nTonstärke, ohne alle Nuancen gesungen wurden. Wir wissen sehr\nwohl, dass Bach's Musik nicht durch moderne Vortragsweise ver-\nweichlicht werden dar! und dass bei ihr z. B. nichts verwerflicher\nsein würde, als das heutzutage beliebte Effectmittel eines plötzlichen\nWechsels zwischen forte und piano: aber zwischen der Verunzie-\nrung eines Gesangstückes älterer Meister durch ungehörige dynami-\nsche Kunststücke und dem ausdrucksvollen Vortrage desselben durch\nkünstlerische, nicht künstliche, Kundgebung der Empfindung, des\nSeelischen, ohne welches der Ton keine Musik ist zwischen die-\nsen beiden Vortragsweisen ist ein grosser Unterschied, und die letz-\ntere, den wahren Ausdruck der Empfindung, nehmen wir eben so\nfür Bach, wie für Mozart und Beethoven in Anspruch. Wie sehr\nwürde z. B. der vorletzte schöne Chor: „Ruht wohl, ihr heiligen\nGebeine\", gewonnen haben, wenn er den Worten und der Musik\ngemäss mit weichem Ausdrucke von Innigkeit gesungen worden\nwäre! Wir gestehen, dass wir bei dem Einsätze des Orchesters im\nforte einen wahren Schreck bekamen.\nDie Johannes-Passion ist nach Winterfeld, Mosewius und ande-\nren tüchtigen Kennern Bach'scher Musik früher geschrieben, als die\ngrosse Matthäus-Passion, und alle inneren Gründe weisen auf die\nRichtigkeit dieser Annahme hin; denn äussere Beweise gibt es da-\nfür gar nicht, wie wir ja auch selbst von dem hochherrlichen Werke\nder späteren Passion nur wissen, dass sie im Jahre 1729 zum ersten\nMale aufgeführt, nicht aber, wann sie geschrieben worden ist. Die\nerste Aufführung der Johannes-Passion bei uns am Rheine viel-\nleicht überhaupt die erste seit dem Wiederaufleben der Bach sehen\nMusik in unserem Jahrhundert veranstaltete am 15. März 1855\nIleir \\ on \\\\ a s ie 1 e w s k i, damals Musik-Director in Bonn, und\nsie war allerdings schon in Betracht dessen merkwürdig, dass ein\nvor länger als hundertunddreissig Jahren geschriebenes Werk erst\njetzt hier zu Gehör kam und in hundert anderen Städten, die Musik\ngenug ti eiben, eben so wenig zum Leben gekommen war, wie hier.\nSeitdem sind wir nun wieder zehn, und seit 1829, wo Mendelssohn\nin Berlin die Matthäus-Passion zum ersten Male wieder ins Leben\nrief, sogar 36 Jahre älter geworden, allein wir können doch nicht\nsagen, dass Bach's Musik, insbesondere seine Vocal-Musik. so popu-\nlär geworden wäre, wie man das z. B. von Händel's Oratorien mit\neinem-gewissen Rechte sagen kann. Sonderbares Geschick der Ge-\nsangwerke Bach's! Für gottesdienstliche Aufführungen, in der Kir-\nche, für die kirchliche Gemeinde, mithin für das Volk bestimmt,\nsind sie dennoch niemals ins Volk gedrungen, auch nicht ins musi-\ncalische Volk, d. h. in die Masse der Gebildeten und für Musik Em-\npfänglichen, sondern sie sind bis auf den heutigen Tag nur Genuss\nfür die musicalische Aristokratie geblieben, und es wird nie gelin-\ngen, ihnen die Verbreitung und Popularität der berühmtesten Ora-\ntorien Händel's oder vollends der zwei Ausnabms-Schöpfungen\nHaydn's zu verschaffen.\nDa es aber bei der Tiefe und dem inneren Reichthume der\nWerke des alten Meisters, bei dem wir, auch wenn wir alles, was\nihm als Schlacke seiner Zeit anklebt, von uns weisen, noch immer\nvollauf des Herrlichen und Erhebenden finden, nur zu bedauern ist,\nwenn er der musicalisch gebildeten Menge nicht bekannt wird, so\nfolgt daraus allerdings, dass jeder Versuch, ihn bekannter zu machen,\nverdienstlich ist. Allein die Mittel, um den Zweck zu erreichen, sind\nhierbei so wenig gleichgültig, dass eine verkehrte Wahl derselben\nleicht ins Gegentheil der beabsichtigten Wirkung umschlagen kann.\nZunächst sind daher die Werke selbst zu berücksichtigen, die man\nvorführt, dann das Studium und die möglichst vollkommene Aus-\nführung derselben. Was den letzten Punkt betrifft, so muss man bei\nden vorhandenen Schwierigkeiten der Besetzung und Einübung,\nwelche ein zahlreiches und stimmkräftiges Personal nnd eine völlige\nHingabe und Ausdauer verlangen, ein Werk von Bach lieber gar\nnicht, als mangelhaft aufführen. In Bezug auf die Werke selbst aber\nsind diejenigen zu wählen, deren Inhalt am meisten geeignet ist, in\nden Zuhörern diejenigen Empfindungen anzuregen, welche die Ton-\nkunst in den Gemüthern aller dafür empfänglichen Menschen, nicht\nbloss der musicalisch Wissenden, zu erregen vermag. Die Matthäus-\nPassion ist ein solches Werk: die Johannes-Passion können wir\naber bei allen einzelnen Schönheiten, welche besonders der zweite\nTheil enthält, nicht mit ihr auf dieselbe Linie stellen, überhaupt\nnicht zu den Wölken Bach's rechnen, welche geeignet sind, die\nheutige Menschheit für ihn zu begeistern.\nFräulein Rothenberger (Sopran) sang von den zwei Arien,\nwelche dieser Partie zugetheilt sind, die erste in B-dur: rlch folge\ndir gleichfalls\", mit dem bewegten Ausdrucke, der dieser Nummer\nziemt; namentlich war auch die Correctheit nnd Rundung der Colo-\nratur lobenswerth, zumal da die Intonation neben den durchgehen-\nden Noten der Figuren der Solo-Violine (statt der Flöte) ihre Schwie-\nrigkeiten hat. Die zweite Arie in F-moll trug sie ebenfalls mit rich-\ntiger Phrasirung und mit Gefühl vor. Frau Joachim, deren schöne\nAltstimme noch an Tonfülle gewonnen hat, sang besonders ihre\nzweite Arie in H-moll: „Es ist vollbracht!\" (mit obligater Bratsche\nstatt der Viola di Gamba; wohl die schönste Solo-Nummer des\nganzen Werkes vortrefflich. Der Tenor, Herr Otto, trug die\nRecitative des Evangelisten mit grossem A erständnisse und einla-\nchem, nirgends durch affectirte Declamation verunziertem Ausdrucke\nvor. Herr Karl Hill löste die schwierige Aufgabe, die Reden des\nGekreuzigten auszudrücken, mit Würde und Hoheit und, wo es der\nSinn und die Situation verlangten, mit tiefem Gefühle der W ehmutb,"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650415-01.1.8", "texte": "wie z. B. in den Stellen: „Siehe, das ist deine Mutter!6* und: „Es\nist vollbracht!44 wobei ihm der edle Ton seiner wohllautenden\nStimme, die sich jedem Ausdrucke leicht fügt, sehr zu Statten kam *).\nAuch „Pilatus\" hatte in Herrn Schelper vom hiesigen Stadttheater\neinen sehr guten Vertreter.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nKolli, 14. April. Am Dinstag gab Herr Hugo Wehrle aus\nDonaueschingen eine Soiree im Hotel Disch. Dieser noch sehr\njunge Violinspieler, der schon in der letzten Sitzung der musicali-\nschen Gesellschaft durch den Vortrag eines Concertes von Viotti\nund der Othello-Variationen von Ernst ausserordentlichen Beifall\ndavongetragen hatte, verbindet mit einem kräftigen und markigen\nTone eine sehr bedeutende technische Fertigkeit und lobenswerthe\nReinheit in allen Lagen, wovon er in dem Vortrage des zweiten\nConcertes von Alard, einer mehr brillanten als gehaltvollen Com-\nposition, und der russischen Variationen von David, so wie in der\nWiederholung der Phantasie von Ernst glänzende Beweise gab, die\nihm den lebhaftesten Applaus erwarben. Der Vortrag schmelzend\nmelodischer Stellen wird bei dem Tone, den Herr Wehrle hat, auch\ndem schönen Ausdrucke immer mehr gerecht werden, wie wir denn\nüberhaupt der Meinung sind, dass der junge Künstler sehr bald in\nder Reihe der vorzüglichsten Violinisten unserer Tage genannt wer-\nden wird.\nFräulein Niethen und Herr Lang, Bariton des Stadttheaters,\nerfreuten das Publicum durch den Vortrag einiger Lieder, wofür\nBeide um so mehr Dank verdienten, als sie so freundlich waren,\nauf der Stelle ohne Vorbereitung für den Sänger einzutreten, der\nplötzlich verhindert worden war, zu erscheinen. Ausserdem unter-\nstützte den jungen Concertgeber Herr Isidor Seiss durch Vor-\nträge auf dem Pianoforte, unter denen namentlich der des einfachen\nAndante (Andante spianato) und der Polonaise brillante von Cho-\npin einen Sturm von Beifall hervorrief, und das mit höchstem Rechte,\ndenn das meisterhafte Spiel machte das Beiwort „brillant\", welches\ndiese originelle und prachtvolle Composition an der Stirn trägt,\ndurch den blendenden Glanz der Ausführung zur vollsten Wahr-\nheit; es war nicht zu verkennen, dass Herr Seiss die Polonaise\nrecht con amore spielte, und wir sind lange nicht durch ein Ciavier-\nstück so angeregt worden, als durch diese bei wirklichem künstle-\nrischen Gehalt zugleich so effectvolle, sporenklirrende Polacca und\nderen feurigen und so richtig accentuirten Vortrag.\nHerr Musik-Director Franz Weber führte am Mittwoch mit\nder. von ihm geleiteten Sing-Akademie den grössten Theil von\nGraun's „Tod Jesu\" vor einem eingeladenen Publicum auf, und\nes gewährte uns einen grossen Genuss, einen so zahlreichen Chor\nvon frischen, kräftigen und klangvollen Stimmen zu hören, der die\nschwierigsten Gesangstücke, wie die grossen fugirten Chöre: „Meine\nSeele ist voll Gram\", und: „Christus hat uns ein Vorbild gelassen\",\nmit Präcision und Sicherheit ausführte und die Choräle mit Aus-\ndruck sang. Auch die Soli, jene mit ihrem alten Ruhme in unser\nJahrhundert hineinragenden Arien, welche das jüngere Geschlecht\nfreilich nicht mehr kennt, wurden von Fräulein Elise Rempel\n(Sopran) und von zwei Mitgliedern der Akademie, den Herren P— tz\n(Tenor) und P— r (Bass) ganz vortrefflich vorgetragen.\nBerlin« Wir werden hier in den ersten Tagen des Mai Ge-\nlegenheit haben, im Victoria-Theater eine französische Opern-Gesell-\nschaft kennen zu lernen, welche Herr Director Hermann aus den\ndisponibeln Kräften der Theater in Paris mit grosser Sorgfalt zu-\nsammengestellt hat. Es kommen nur komische, und zwar die neue-\nsten und beliebtesten französischen Opern in reichhaltigster Ab-\nwechslung zur Aufführung.\nDas Denkmal, welches zu Ehren des um den Männergesang\nhochverdienten Karl Zöllner im Rosenthale zu Leipzig errichtet\nwerden soll, ist von dem Bildhauer Knaur bereits in Angriff ge-\nnommen. Es wird aus einer Büste des Verstorbenen von carrarischem\nMarmor bestehen, welche von vier Genien getragen wird.\nWien, 18. März. „Die schöne Helena\", deren Erscheinen das\nwiener Theater-Publicum nicht ohne besondere Spannung entgegen-\nsah, trat in der Gestalt des Fräuleins Marie Geistinger vor das\nungemein zahlreiche Auditorium des Wiedener Theaters. Offenbach,\nder musicalische Vater der schönen Helena, gab den Tact dazu. Es\nwirkten, wenn wir nicht irren, gestern drei Magnete auf das Publi-\ncum: der eine war die Novität selbst, der zweite war das Interesse\nfür das neu engagirte Mitglied, Fräulein Geistinger, welche man\nals Nachfolgerin der Gallmeyer bezeichnete, der dritte Magnet\nendlich war die persönliche Leitung des Componisten. Das Haus\nwar bis zu seinem letzten Winkel hinauf mit Neugierigen dicht be-\nsetzt. Die Novität selbst nahm, nachdem das Publicum durch die\nsehr melodiöse Ouvertüre schon in die nöthige Feststimmung ver-\nsetzt worden war, im ersten Acte einen überraschenden Anlauf und\nerfreute sich trotz einiger Längen, die auf das Publicum deprimirend\nwirkten, bis zum Schlüsse eines sehr günstigen Erfolges.\nCapellmeister Esser hat für die Dedication der im philharmo-\nnischen Concert aufgeführten „Suite\" vom Kaiser von Oesterreich\ndie grosse goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft erhalten.\n*) Herr Hill wird diesen Sommer auf vier Musikfesten sin-\ngen, u. A. in Braunschweig (mit den Damen Dustmann und\nBettelheim und Herrn Walter aus Wien), in Güstrow (drittes\nmecklenburgisches Fest) und in Mainz."}]}