{"numero_id": "bm-bmtnabi-1865-04-22-01", "volume": "bmtnabi_1865-04-22_01", "ocr_sha256": "715b50a5e0b25017bdda790496061b89bd0db2d1a9823c4b63d20f4eed97a228", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1865/04/22_01/bmtnabi_1865-04-22_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650422-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1865-04-22-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-04-22_01#c001", "volume": "bmtnabi_1865-04-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "121", "page_fin": "121", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650422-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt.", "titre_sommaire": "Inhalt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650422-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 463, "texte": "Inhalt.\nPariser Brief {Le Mariage de Don Lope, Operette von Ed. de Hartog Die Neuigkeiten der italienischen Oper\nPreis-Compositionen für Männerchor Concerte). Von B. P. Aus Bonn (Uebersicht der Concert-Saison). Von —h. Aus London\n(Wachtel Fräulein von Edelsberg MarioV Von C. A. Tages- und (J nterhaltun gs b la 11 (Köln, Herr Friedrich Gernsheim,\nGustav Walter, Hugo Wehrle Düsseldorf, Curiosum Aachen, Liedertafel Berlin, J. S. Bach's Leben und Werke u. s. w.)."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-04-22-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-04-22_01#c002", "volume": "bmtnabi_1865-04-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "121", "page_fin": "124", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650422-01.2.2", "titre_corps": "Pariser Brief.", "titre_sommaire": "Pariser Brief.", "signature_source": "B. 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Nr. 12.)\n{Le Mariage de Don Lope, Operette von Ed. de Hartog Die\nNeuigkeiten der italienischen Oper Preis-Compo-\nsitionen für Männerchor Concerte.)\nDas Theätre lyriquehat Gretry's\nLion zum stehenden Artikel gemacht und nebenbei ein\npaar einactige Operetten gebracht: Les memoires de Fan-\nchette, mit Musik vom Grafen Gabrielli, und\nriage de Don Lope,mit Musik von Ed. de Hartog, von\ndenen die letztere Erwähnung verdient, weil der Compo-\nnist, von Geburt ein Holländer, der meistens in Paris lebt,\ndurch seine Instrumental-Compositionen (Ouvertüren und\nViolin-Quartette) und einige Liederhefte sich bereits einen\nNamen gemacht hat und jetzt mit dieser Operette den er-\nsten Schritt auf die Opernbühne thut. Ob er damit auch\neinen folgenreichen Schritt auf der Laufbahn dramatischer\nComposition gethan haben wird, muss die Zeit lehren: die\nAuspicien dazu sind nicht ungünstig, wenngleich von\neinem entschiedenen Erfolge der Kleinigkeit nicht die\nRede sein kann. Wer die genannten früheren Compo-\nsitionen de Hartog's kannte, hatte mehr erwartet, als er\nfand; indess sind etwa drei bis vier Nummern vorhanden,\nwelche diesen Don Lope eine Zeit lang über der Flut hal-\nten werden. Eine davon benutzt das deutsche Volkslied:\n„Du, du liegst mir im Herzen\", recht geschickt; die Fran-\nzosen kennen es natürlich nicht und finden es originel, wie\nsie den alten Dessauer Marsch, den Meyerbeer im Nord-\nstern in eine russische National-Hymne travestirte, gläubig\nals solche hinnahmen. Der Text von Jules Barbier ist ein\nhübsches Lustspiel, dessen Handlung, ohne gerade ganz\nneu zu sein —wo sollen auch die neuen Heiraths-Intriguen\nherkommen, da sie sich ja auch im Leben nur stets wie-\nderholen? doch interessirt und ergötzt.\nDie Ouvertüre ist wohl für eine Operette etwas zu\ngross angelegt und dann doch wieder im Verhältnisse der\nAnlage zu wenig entwickelt. Die erste Scene zeigt uns die\nbeiden Töchter eines spanischen Alcalden, Lucrezia, die in\nihrem sechsundzwanzigsten Jahre noch keinen Mann hat,\nund Camilla, die in ihrem siebenzehnten bereits eine Er-\noberung gemacht. Don Gusman hält um ihre Hand an,\naber der Papa will ihn nur dann zum Eidam annehmen,\nwenn er seine Liebe der älteren Tochter zuwendet. Das\nKammermädchen Rosine gibt dem Abgewiesenen den Rath,\nder Lucrezia einen Mann zu verschaffen, worauf dann sei-\nnem Glücke nichts im Wege stehen würde. Der reiche\nDon Lope, mit Gusman befreundet, wird zum Opfer aus-\nersehen; man redet ihm ein, dass Lucrezia ihn liebe, und\nda Gusman sich endlich für seinen Nebenbuhler erklärt\nund ihm anvertraut, dass er um Lucrezia anhalten werde,\nso geht der Angeführte in die Falle, aus der er sich auch\nselbst dann nicht retten kann, als die ganze Mystification\nans Licht kommt; denn er hat, durch Rosine's List ver-\nanlasst, der ehrenwerthen Dame eine Liebeserklärung in\nForm einer Romanze, die in einem Blumenstrausse ver-\nsteckt war, zukommen lassen, und der Alcalde dringt dess-\nhalb auf vollständige reparation d'honneur durch Heirath.\nDas Lied: „Du, du!\" bei der Romanze angebracht, ein\nQuintett, eine Arie der Camilla und eine recht wirksame\nkomische Arie des Don Lope, die fein instrumentirt ist,\nsind allerliebste Stücke. Die Einheit des Stils leidet indess\nan manchen Stellen durch harmonische Wendungen, die\nzu compiicirt für die Gattung des Singspiels sind.\nDie Neuigkeiten der komischen Oper (David's „Sa-\nphir\") und des lyrischen Theaters sind übrigens Goldkör-\nner, wenn man sie mit denen vergleicht, welche die Ita-\nliäner gebracht haben.\nBei diesen erschien zuerst am 22. März die Dachessa\ndi San Giuliano, ein Mebdrame tragique en 3 acies von\nzwei Dichtern (?), Musik von Achilles Graffigna,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650422-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5291, "texte": "zweitem Capellmeister der italiämschen Oper. Etwas nicht\nSchönes im Stoffe lässt sich in der Oper bei guter Musik\nertragen; etwas Unschönes, Hässliches macht es dem\nComponisten schon sehr schwer,, es selbst durch Genie\nvergessen zu machen; aber etwas Widriges, Scheusslicbes,\ndas, auf die Bühne gebracht, der Musik zur Folie dienen\nsoll, zu ertragen, das ist denn doch nur einem entarteten\nGeschlechte zuzumuthen, und es scheint, dass die Direction\nder italiänischen Oper in Paris, welche das genannte tra-\ngische (?) Melodram auf ihre Bühne brachte, ein solches\nGeschlecht in den hohen Ständen, die sich auf ihre Logen\nabonniren, zu finden vorausgesetzt habe. Die Vergiftung\nin der Lucrezia Borgia, die ermordete, vor den Augen der\nZuschauer in den Sack gesteckte Gilda in Rigoletto sind\nästhetisch gegen die Ungeheuerlichkeiten der Veronica\nCybo, Herzogin von San Giuliano. Denn erstens ermordet\nsie die Geliebte ihres Gatten, die arme Catarina, welche\nder Herzog unter der (ganz neuen) Maske eines Malers\nhintergangen hat, im Schlafe vor den Augen der Zu-\nschauer, dann vergiftet sie sich selbst, lässt aber dem Her-\nzoge durch ihren Vertrauten als Geburtstags-Geschenk\ndie blutige Leiche der Catarina ins Zimmer bringen und\nvor seinen Augen enthüllen! Die Musik besteht aus Re-\nminiscenzen von Donizetti und Verdi, ist ohne alle Origi-\nnalität und zeigt allein in der Behandlung der Gesang-\nstimmen Geschick; im Orchester fehlt es nicht an Lärm,\nder bei der Ermordung der schlafenden Catarina, die vor-\nher noch eine jtrreghiera gesungen hat, noch durch Gewit-\nter und Sturm verstärkt wird. Und diese Schauder-Oper\nsingen Künstler wie Fraschini, Delle Sedie, die Damen\nCharton-Demeur und de Meric-Lablache! Und nach einer\nhiesigen Kritik erinnerte Madame Lablache an Goethe's\nGretchen!\nAls Gegensatz kam darauf am 4. April eine Oper der\nGebrüder Ricci zur Aufführung,\n(„Crispin und seine Gevatterin\") geheissen. Hier feiert\nnicht wie dort die Scheusslichkeit ihren Triumph, sondern\ndie läppische Dummheit. Das Stück ist die Uebertragung\neiner alten Puppen-Komödie: „Der Doctor und der Tod\",\nauf die Opernbühne. Ein armer Schuhflicker, verzweifelnd,\nweil er nichts zu leben bat und sich der Männer nicht er-\nwehren kann, die seiner hübschen Frau nachstellen, ist\nim Begriffe, sich in einen Brunnen zu stürzen, als eine\nweibliche Gestalt daraus emporsteigt, die ihm befiehlt,\nArzt zu werden und auf sie, die er seine Gevatterin nen-\nnen solle, sich zu verlassen. Sobald er sie an dem Bette\neines auch noch so Kranken nicht erblickte, möge er\ndreist dessen Genesung verkündigen. Darauf versieht sie\nihn reichlich mit Geld, um als Doctor auftreten zu können.\nNun gehen die Curen los, die Aerzte schreien über den\nPfuscher, verklagen ihn komische Gerichtsscenen k-urz,\neine ganze Reihe von Possen, bis „die Gevatterin\" den\nübermüthig gewordenen Helden des Stückes mit sich in\nden Abgrund zieht und ihm hier in ihrer wahren Gestalt\nals la Mortemit einem efFectiven -Todtenkopfe erscheint\nwas zum Glücke nur ein Traum ist, um den Doctor\ngutmüthiger gegen seine Frau zu machen!! Dieser In-\nbegriff von läppischen und seit hundert Jahren abgedro-\nschenen Possen wird mit allem Zubehör von Verwandlun-\ngen und Maschinerieen ä la wiener Casperle-Theater auf\nder Scene der Cimarosa, Mozart, Rossini, Donizetti gege-\nben, auf dem Theater, das die hohe Aristokratie am lieb-\nsten besucht, zu Paris, in der Metropole du goüt, in der\nCapitale artistique du monde! Die Musik zu diesem\nStoffe ist, sehr wenige Nummern ausgenommen, desselben\nwürdig. Louis und Friedrich Ricci arbeiteten viele Opern\ngemeinschaftlich aus, unter anderen auch diesen Crispino,\nder aber schon 1836 in Neapel geschrieben worden, dort\ngeringen Erfolg gehabt hatte und so gut wie vergessen\nwar. Was die Direction der Italiäner in Paris jetzt zur\nWiederaufnahme bewogen habe, ist ein Rätbsel, dessen\nDeutung nur in der Armuth des heutigen Italiens an\nOpern-Componisten zu suchen ist. Louis Ricci ist am 1.\nJanuar 1860 im Irrenhause zu Prag gestorben.\nWelchen Reichthum an Componisten besitzt dagegen\nFrankreich! Man höre nur den Bericht, den die Commis-\nsion zur Beurtheilung der Preis-Compositionen, die\nder Präfect von Paris für Männerchöre ausgeschrieben\nhatte, vor einigen Wochen an diesen erstattet hat. Es\nwaren zehn Texte zu beliebiger Auswahl gegeben: darauf\ngingen fünfhundert und fünfundvierzig Männer-\nchöre ein!\nDie Commission zählte unter ihren Mitgliedern Mu-\nsiker wie A.Thomas, Gounod, Kastner, Pasdeloup u. s. w.\nSie bildete aus sich drei Abtheilungen, deren Vorarbeit\nwar, diejenigen Compositionen auszuscheiden, die keine\nBerücksichtigung möglich machten, folglich unter der\nKritik waren. Bei dieser Sichtung blieben von den 545\nnicht mehr als 52 im kritischen Siebe zurück, an deren\nClassification man sich nun machte.\nDas Ergebniss war folgendes: drei Nummern erhiel-\nten die goldene Medaille (von 300 Francs), fünf die sil-\nberne erster, fünf die silberne zweiter Classe, sechs die\nMedaille von Bronze als Zeichen ehrenvoller Erwähnung.\nBei Eröffnung der Zettel zeigte sich, dass alle drei\ngoldene Preise Einem Componisten zugefallen waren,\nHerrn Edmund von Polignac. Aus den Erläuterungen\nder Commission zu ihrem Berichte treffen einige richtige\nBemerkungen auch wohl ausserhalb Frankreichs zu,\nzum Beispiel:"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "123", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650422-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5109, "texte": "„Die Componisten von Ruf vergessen zu sehr, dass\ndie Manner-Gesangvereine durch ihre grosse Verbreitung\nein Volks-Inslitut geworden sind, dessen gute oder\nschlechte Richtung einen bedeutenden Einlluss auf Sitt-\nlichkeit und auf Gefühl und Geschmack der Mitglieder\nausüben kann. Desshalb sollte die Bildung des Volkes\ndurch die Musik doch als ein würdiger Vorwurf von be-\ngabten Tonsetzern betrachtet werden.\n„Wenn wir nun auch einige Compositionen wegen\nihrer complicirten Schwierigkeiten, wobei die Autoren\nden gegenwärtigen künstlerischen Standpunkt der meisten\nVereine ausser Acht gelassen, zurückweisen mussten, so\nwar dies doch noch weit mehr unsere Pflicht bei der\nMasse von solchen trivialen und incorrect geschriebenen\nChören, welche ihre Popularität nur den Wirkungen\nrealistischer Malerei oder lärmenden Klanges verdanken,\nund anstatt den Geschmack zu reinigen und die Ideen zu\nerheben, sie ins Gemeine herabziehen oder durch ein Ge-\nschwirr und Gesäusel von Tönen einschläfern und trunken\nmachen, ohne irgend einen schönen musicalischen Gedan-\nken zu enthalten.\"\nZu bemerken ist übrigens noch, dass unter den 19\ndurch Medaillen ausgezeichneten Componisten 12 aus Pa-\nris sind: in jedem Kunstzweige also immer dasselbe Ver-\nhältniss zwischen Paris und Frankreich.\nVon den Conservatoire-Concerten war das\nfünfte (am 5. März) ein ereignissvolles für Paris, denn zum\nersten Male schlug Beethoven's neunte Sinfonie bei\ndem Publicum dermaassen durch, dass wir einen solchen\nApplaus noch kaum in diesen heiligen Hallen der ausge-\nwählten Musikfreunde erlebt haben. Am Schlüsse sprach\nsich der allgemeine Wunsch einer baldigen Wiederholung\nlaut aus. Man muss aber auch gestehen, dass das Orche-\nster sich selbst übertraf, und dem Dirigenten Herrn Hainl\ngebührt volle Anerkennung. Kein Tempo wurde vergrif-\nfen, vor Allem keines übertrieben, das Adagio mit der\nherrlichen Egalität und Tonfülle der Violinen dieses Or-\nchesters hörte sich an, als wenn das Gefühl eines einzigen\nSpielers den Figuren den Ausdruck verliehe. Der Chor\nwar freilich nicht so stark besetzt, wie bei Euch in Köln,\naber er sang rein und präcis; die Einsätze klangen so fest\nund sicher, wie aus Einem Munde. Die Soli sangen die\nDamen Vandenheuvel-Duprez und Printemps, die Herren\nWarot und Bussine. Auch die meisten kritischen Blätter\nhaben sich durch diese Ausführung zur Bewunderung der\nGrösse und Herrlichkeit des Werkes bekehrt. In demsel-\nben Concerte hörten wir auch noch das Finale aus We-\nber's „ Euryanthe\", einen Sinfoniesatz von Haydn und\nRossini's Tell-Ouverture.\nDas sechste Concert begann mit Meyerbeer's\nOuvertüre zum Pardon de Ploermel, welche zu Anfang\nder Saison in dem ersten, dem Andenken des dahinge-\nschiedenen Meisters gewidmeten Concerte gegeben wor-\nden war. Der Chor war hinter den dünnen Wänden, die\ndas Orchester umgeben, aufgestellt; der Gesang des Ge-\nbetes machte dadurch die Wirkung wie von einer in der\nFerne vorüberziehenden Procession. Ausserdem war Mo-\nzart's G-moll-Sinfonie die beste Nummer des etwas bunten\n• Pro gramms; das Concert-Publicum hat aber für dieses\nwundervolle Werk doch nicht denselben Sinn, wie für\nHaydn's Musik. •\nDas Programm der siebenten Sitzung war wieder ein-\nmal eines nach der alten, leider immer noch wieder auf-\ntauchenden, stückweise gefüllten Chablone. Das einzige\nGame war Beethoven's Pastoral-Sinfonie; dann das Chör-\nchen aus Gretry's Les deux Avares, eine Tenor-Arie aus\nMehul's Stratonice, das Adagio und Scherzo aus Mendels-\nsohn's Sinfonie-Cantate, ein paar Nummern aus Haydn's\n„Jahreszeiten\" (Duett im dritten Theile, Jagd- und Win-\nzerchor) und die Fidelio-Ouverture in Die An-\nkündigung, dass die Gesellschaft noch drei Concerte ge-\nben würde, wurde mit grossem Beifalle aufgenommen.\nDas erste davon, Concert sin der Charwoche,\nbrachte Beethoven's C-moll-Sinfonie, das Finale seines\nneunten Violin-Quartetts in Masse ausgeführt, fünf Num-\nmern aus Mozart's Requiem und die 29. Sinfonie (in (?)\nvon Haydn. Ueber Dürftigkeit des Programms durfte man\nsich nicht beklagen! Die Italiäner führten wieder, wie\ngewöhnlich, Rossini's Stabat Mater in ihrem Opern-Thea-\nter auf.\nVon Pasdeloup's letzten im\nCircus Napoleon ist zu erwähnen, dass in dem vorletzten\nW agner's Tannhäuser-Ouverture mit grossem Applaus\nund Da Capo-Rufe, dem jedoch nicht Folge gegeben\nwurde, aufgenommen ward. In demselben Concerte gab\nman Beethoven's Musik zu Goethe's Egmont. Eine acht-\nzehnjährige Violoncellistin, Elisa de Try, liess sich hören,\ndas heisst vor den nahe sitzenden Zuhörerreihen, denn\ndie übrigen konnten sie nur sehen, obwohl sie eine über-\nraschende Kraft im Strich zeigte.\nIm letzten Concerte wagte es Pasdeloup, drei Ouver-\ntüren von Beethoven zu Leonore oder Fidelio von den\nvieren, die man in Deutschland kennt, an demselben\nAbende aufzuführen, die erste, die dritte und die vierte\n(in E). Die erste liess ziemlich kalt; das Dramatische der\ngrossen Leonoren-Ouverture und die Erhabenheit des Stils\nmachten zwar Eindruck, aber bei Weitem nicht den mäch-\ntigen, wie sie ihn in Deutschland zu machen pflegten. Den\nFranzosen scheint dieses Gemälde des ganzen Drama's\n\n11"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "124", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650422-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3515, "texte": "noch nicht recht fasslich; sie halten sich an die E-dur-\nOuverture, die sie schon lange kennen und auch dieses\nMal mit dem grössten Applaus aufnahmen.\nIn Pasdeloup's Concert spirituel sang Madame Sher-\nrington zum ersten Male in Paris. Sie hatte die Nachti-\ngall-Arie aus lländel's Allegro e Pensieroso und die Va-\nriationen von Kode zu ihren Vorträgen gewählt. Wie-\nwohl beide Stücke nicht nach dem Geschmacke der Fran-\nzosen waren, so errang die vortreffliche Sängerin doch\ndurch eine der schönsten Sopransiimmen, die man hören\nkann, und durch die vollendete Schule echter Gesangs-\no\nTechnik einen grossen Erfolg. Das wahre Urlheil des Pu-\nblicums drückte sich in den aufrichtigen Worten aus:\n„Combien ne faut-il pas avoir\nvrai succes avec de tels morceauxln dem letzten der\nConcerte, welche der Seine-Präfect im Hotel gibt,\nam 8. April, erregte die eminente Künstlerin durch den\nVortrag derselben Stücke, ferner des Inßammatus aus\nRossini's Stabat Mater und eines von Ambr.\nThomas Enthusiasmus.\nVon Virtuosen-Concerten erinnerte das, welches Al-\nfred Jaell am 9. März in Erard's Saale gab, einmal\nwieder an die frühere Zeit, wo man sich zu solchen Con-\ncerten drängte, eine Zeit, welche längst vorbei ist und durch\ndie allgemein bekannte Erfahrung, dass jeder Virtuose,\nder hier ein Concert auf eigene Hand gibt, sein Geld zu-\nsetzt, begraben ist. Es bedurlte eines solchen Meislers,\num die unerhörte Thatsache zu erneuern, dass der Zu-\ndrang schon Stunden vorher zu seinem Concerte so arg\nwar, dass man für einen Augenblick sogar die Polizei in\nAnspruch nehmen musste, um Ordnung zu halten. Wenn\nJaell nun in seinen Concerten stets einige elegante, gefäl-\nlige und durch virtuose Ausführung blendende Salon-\nCompositionen, namentlich eigene, spielt, so muss man\nihm doch hoch anrechnen, dass er grösstenteils classische\nWerke vorträgt und überall, er mag sein, wo er will, die\ndeutsche Musik obenan stellt. So bildeten auch in dem\nConcerte am 9. vorigen Monats seine drei allerliebsten\nStücke: A ux bords del' Arno, und\nsweet hörne,und am Schlüsse der fannhäusermarsch nur\nden bei Weitem kleinsten \"lheil des Programms, wurden\naber mit unerhörtem Applaus aufgenommen, und er\nmusste die drei ersten wiederholen. Allein die Haupt-Vor-\nträge brachten Schumann's Quintett, Schumann's\nVariationen für zwei Pianoforte (mit Ernst Lübeck),\nHändel s Variationen, das köstliche Allegro von Kirn-\nberg er und Chopin's Walzer in As-dur\\ und wenn ein\nBericht in der Gazette et revue musicale es ausspricht, dass\nin den Compositionen von Schumann sich die Meisterschaft\ndes Concertgebers am glänzendsten offenbart habe, so ist\ndies wirklich von einem pariser Kritiker ein seltenes und\nsehr ehrenvolles Zeugniss für den Componisten und den\nSpieler. „Die deutsche Schule/—fährt jener Bericht fort\n„deren Compositionen Jaell vorzugsweise zu seinen\nVorträgen wählt, scheint ihm ganz in Saft und Blut ge-\ndrungen zu sein, so sehr versteht er sich den Meistern zu\nsubstituiren, sich ihre Ideen anzueignen und ihren Geist\naus ihren Werken zu offenbaren, ohne irgendwie die Ef-\nfecte zu suchen und zu übertreiben, ohne vor dem Ziele\nstehen zu bleiben, noch darüber hinaus zu gehen, und'\ndas alles ohne Gharlatanismus und ohne süssliche Coquet-\nterie im Anschlag und im Ausdruck, ohne alle jene Künste\neines laischen Geschmacks und sentimentaler Ziererei,\nwelche so manche von unseren besten Talenten entstellen.\"\nZu bemerken ist auch noch, dass der Vortrag der Varia-\ntionen von Händel ausserordentlichen Beifall hervorrief*).\n\nB. P."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-04-22-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-04-22_01#c003", "volume": "bmtnabi_1865-04-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "124", "page_fin": "126", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650422-01.2.3", "titre_corps": "Aus Bonn.", "titre_sommaire": "Aus Bonn.", "signature_source": "h", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "124", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650422-01.1.4", "debut_caractere": 3517, "fin_caractere_exclue": 5438, "texte": "Aus Bonn.\n\n(Uebersicht der Concert-Saison.)\nDen 15. April 1865.\nMit dem Concerte am 30. vorigen Monats ist die Sai-\nson in würdiger Weise abgeschlossen worden. Man ver-\nlässt mit dankbarem Rückblicke auf das Gute und Schöne,\nwelches uns der vergangene Winter in musicalischer Hin-\nsicht brachte, den Concertsaal, um bei dem beginnenden\nFrühlingswetter nach den Schönheiten der Natur zu ha-\nschen, die uns in den reizenden Umgebungen unserer\n\n*) Nach den uns von anderwärts zugegangenen Nachrichten\nspielte Alfred Jaell nach jenem pariser Concerte bereits am 11.\nMärz in Brüssel in der Association des artistes Musiciens das Es-\ndur-Concert von Beethoven und mehrere Solostücke. Publicum und\nOrchester empfingen ihn mit minutenlangem enthusiastischem Ap-\nplaus, der sich nach jedem Satze wiederholte. - Am 14. v. Mts.\nspielte er im Abonnements-Concerte zu Gent und bereits am 18.\nin dem grossen Fest-Concerte im Theater zu Lyon. Das Programm\nzierten hauptsächlich deutsche Namen, wie Händel, Mozart, Weber,\nRies, Mendelssohn; ausserdem Grdtry, Hale'vy und Rossini.\" Jaell\nhatte mit Mendelssohn's G-moll-Concert und Händel's Varia-\ntionen einen solchen Erfolg, dass er ein besonderes Concert in der\nSalle philharmonique veranstaltete, welches überfüllt war. Auch\nhier spielte er gewisser Maassen ein Wagstück Schumann's\nQuintett, das mit Enthusiasmus aufgenommen wurde. Auch die Ga-\nvotte von Bach musste er wiederholen. Am 2. April spielte er\nzum vierten Male in Lyon, worauf er nach Paris zurückreiste.\nAus der Epoche der Kunstreise Jaell1 s mit Uli man erwäh-\nnen wir noch Scherzes halber, dass in Hamburg die dort erschei-\nnende „Reform\" das erste Beispiel einer illustrirten Kritik gab,\nindem sie Jaell's Hände mit den dicken, fleischigen Fingern, und\ndarunter die Hände von Liszt mit den langen, knöchernen Fingern\nin Holzschnitt mit der Unterschrift gab: „Und beide sind gleich\ngute Ciavierspieler!\" Die Redaction.\nv"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "125", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650422-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4939, "texte": "Stadt in so mannigfaltiger Weise zu frohem Geniessen ge-\nboten werden.\nWährend Sie in Ihrem lieben Köln am Palmsonntage\nnoch die Aufführung eines grossartigen Tonwerkes und\ndiesmal zu Ihrer und unserer Freude wieder mit dem ge-\nnesenen Meister Hiller am Dirigentenpulte gehabt ha-\nben, war man hier genöthigt, die Saison etwas früher zu\nEnde zu führen, da der Schluss de« Winter-Semesters an\nder Universität eine damit zusammenhangende Einbusse\neiner Anzahl der tüchtigeren Männerstimmen im Concert-\nchor verursachte.\nSchon zu Anfang des Winters hatte man den Abgang\nverschiedener Kräfte des Orchesters zu beklagen. Es ge-\nlang indess, die Lücken bei den jedesmaligen Aufführun-\ngen durch Hinzuziehung von Orchester-Mitgliedern unserer\nNachbarstädte so gut auszufüllen, dass dieselben glück-\nlicher Weise nicht fühlbar wurden. Wie erfreulich dies\nan und für sich auch ist, so liegt doch wohl unseres Er-\nachtens darin eine Mahnung und Aufforderung, den Plan\nzur Gründung eines eigenen städtischen und desshalb auch\nständigen Orchesters nicht allein im Auge zu halten, son-\ndern auch so schnell wie möglich zur Ausführung zu\nbringen*). Wohl möchten wir uns aber verwahren, mit\ndem Referenten der Concerte in der Bonner Zeitung die\nAnsicht auszusprechen, „dass im künftigen Winter entwe-\nder mit einem städtischen Orchester angefangen oder gar\nnicht angelangen werde\", somit das Fortbestehen unserer\nConcerte für die Folge von der Gründung eines solchen\nabhängig zu machen.\nWenn wir nun über die sechs Concerte im Allgemei-\nnen etwas bemerken sollen, so ist es Folgendes. Man\nkonnte durch das, was geleistet wurde, sowohl in Bezug\nauf die Programme als auf die Ausführung, im Ganzen\ndurchaus befriedigt sein, und wenn mitunter gar Schönes\ngeboten wurde, so ist dies vor Allem den Bemühungen\nund der wackeren und fleissigen Leitung des städtischen\nMusik-Directors Herrn Brambach zu danken. Gern\nwollen wir sodann dem Concertchor unsere Anerkennung\nzollen, der namentlich im Judas Maccabäus von Händel\nund im Requiem von Mozart recht Erfreuliches geleistet\nhat, wenn auch andererseits nicht verschwiegen werden\ndarf, dass bei den kleineren Chorstücken eine regere\nTheilnahme zu wünschen gewesen wäre. Nicht minder\nverdient das Orchester für manche gute Leistung den\nDank des Publicums.\nGehen wir aui die einzelnen Programme näher ein,\nso gelangten zur Aufführung:\nIm ersten Concerte: 1) Ouvertüre zu „Iphigenie in\nAulis\" von Gluck; 2) Concert für die Violine (Nr. 11, von\nSpohr; 3) Psalm lür Alt-Solo und Chor von iMarcello mit\nInstrumentation von Lindpaintner; 4) Romanze für die\nVioline (G-dur) von Beethoven; 5) Hymne für Alt-Solo,\nChor und Orchester von Mendelssohn; 6j Sinfonie Nr. 2\n(3 D-dur)von Beethoven.\nIm zweiten Concerte: Judas Maccabäus, Oratorium\nvon Handel.\nIm dritten Concerte: lj Sinfonie in von J. Haydn;\n2) Concert für Piano in Gmoll\\oMendelssohn; 3) „Ge-\nbet\" von Fr. Schubert, instrumentirt von Brambach; 4)\na. Schlummerlied von Schumann, Transscription von\nLiszt über den Faust-Walzer von Gounod, für Pianoforte;\n5) Ouvertüre „Im Hochland\" von N. W. Gade; 6) „Beim\nAbschied zu singen\" von Schumann; 7) Phantasie für\nPiano, Chor und Orchester von Beethoven.\nIm vierten Concerte: 1) Ouvertüre „Fingalshöhle\"\nvon Mendelssohn; 2) Agnus für Chor und Orchester\nvon Cherubini; 3) Concert für die Violine von Beethoven\n(mit Cadenzen von Auer); 4) „Bleib' bei uns!\" Cantate\nvon Bach (Chor und Choral); 5) a. Adagio für Violine\nvon J. S. Bach und b.Variationen für Violine über unga-\nrische Lieder von Ernst; 6) Sinfonie mit Fuge von\nMozart.\nIm fünften Concerte: 1) Requiem, Messe für die Ver-\nstorbenen von W. A. Mozart; 2) Sinfonie Nr. 7 (A-dur)\nvon L. van Beethoven.\nIm sechsten Concerte: 1) Ouvertüre Op. 124 von\nBeethoven; 2) „Inclina Domine\", für Chor mit Tenor-\nSolo und Orchester von Cherubini; 3) Concert für Violon-\ncello von Goltermann; 4) „Trost in Tönen\". Gedicht von\nHerder für Chor und Orchester von Brambach; 5) Arie\nfür Tenor aus „Davidde penitente\" von Mozart; 6) Phan-\ntasie für Violoncello von Piatti; 7) Sinfonie Nr. 4\nvon N. W. Gade.\nNeu waren für uns: „Psalm\" von Marcello, „Gebet\"\nvon Schubert, „Beim Abschied zu singen\" von Schumann,\nAgnus Dei von Cherubini (als Manuscript Eigenthum des\nHerrn Capellmeisters Hiller in Köln), Inclina Domine von\nCherubini und „Trost in Tönen\" von Brambach. Die\nComposition von Brambach hatte sich einer sehr ehren-\nvollen Aufnahme zu erfreuen. Den Anforderungen ent-\nsprechend, die man an ein Chorstück kleineren Umfanges\nstellen mag, schön erfunden, geschickt instrumentirt, in\nknapper Form, leicht ausführbar, ohne harmonische Ab-\nsonderlichkeiten oder Anklänge an Bekanntes, darf dasselbe\nüberall seines Erfolges sicher sein.\n\n*) Während es in Bonn ohne Aushülfe von aussen factisch un-\nmöglich ist, das kleinste Orchesterstück vollständig zu besetzen,\ngehen uns andere Städte, wie z. B. Essen, durch Gründung eines\nstädtischen Orchesters mit rühmlichem Beispiele voran."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650422-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3475, "texte": "Die Solo-Partieen sangen im ersten Concerte Fräulein\nSchreck wie immer, d. h. vortrefflich; im Judas Macca-\nbäus Fräulein Rempel aus Köln mit einer recht ange-\nnehmen, für unseren Saal ausreichenden Stimme; ferner\ndie Herren Wolters und Bergstein aus Köln. Die\nvorkommenden Soli im Requiem wurden von Fräulein\nRothenberger aus Köln, Herrn Göbbels aus Aachen\n(der auch im letzten Concerte mitwirkte) und geschätzten\nDilettanten vorgetragen.\nDie Instrumental-Soli in den verschiedenen Concerten\nwaren in den Händen der Herren Concertmeister Otto\nvon Königslöw aus Köln und L. Auer aus Düsseldorf\nfür Violine; des Herrn Wallenstein aus Frankfurt für\nPiano und des Herrn A. Schmit aus Köln für Violon-\ncello, welche alle durch seelenvolles, echt künstlerisches\nSpiel das ganze Auditorium zu lautem, begeistertem Bei-\nfalle hinrissen. i» ■ • • •\nNoch bleibt uns übrig, eines Concertes Erwähnung\nzu thun, welches der kölner Männer-Gesangverein\nund die bonner Concordi a unter Leitung des königlichen\nMusik-Direclors Herrn Franz Weber und unseres\nstädtischen Musik-Directors Herrn C. J. Brambach zum\nBesten der Herz-Jesu-Kirche am 8. December vorigen\nJahres im grossen Saale des »Goldenen Stern\" mit folgen-\ndem Programm veranstaltet haben: I. 1) Ouvertüre zur\n„Zauberllöte\" von Mozart. 2) Hymne an den heiligen Geist,\nSolo und Chor mit Harmonie-Begleitung von Franz Schu-\nbert. 3) Arie aus „Figaro's Hochzeit\" von Mozart, gesun-\ngen von Fräulein Rothenberger aus Köln. 4) Einzel-Vor-\nträge des kölner Männer-Gesangvereins: „Frühlings-\nglaube\", Gedicht von L. Uhland, Chor von Franz Lach-\nner; b. „Frühlingszeit\", Text aus den Liedern des Mirza-\nSchaffy, Chor von Karl Wilhelm; c. „In der Ferne\", Volks-\nlied, componirt von Fr. Silcher; d. „Morgenlied\", Gedicht\nvon Eichendorff, Quartett-Solo und Chor von Julius Rietz.\n3) „Festgesang an die Künstler\", Solo und Chor mit Or-\nchester-Begleitung von F.Mendelssohn. 11. 6) „Velleda\",\nGedicht von Gustav Pfarrius, Preis-Composition für Män-\nnerchor, Soli und Orchester von C. J. Brambach. (Die Soli\nvon Fräulein Rothenberger, Herrn Pütz und Herrn **\nvorgetragen.)\nDie Beteiligung des bonner Publicums an dem Con-\ncerte war eine sehr rege. Alle Nummern des schönen Pro-\ngramms fanden lebhaften Beifall, der bei den Einzel-Vor-\nträgen des kölner Männer-Gesangvereins so stürmisch\nwurde, dass der Verein nicht umhin konnte, dem anhal-\ntenden Da Capo-Ruienachzugeben' und dem Volksliede\n„In der Ferne\" von Silcher noch ein anderes desselben\nComponisten zuzufügen. Die von der aachener Liedertafel\nmit dem Preise gekrönte Composition „Velleda\" von\nBrambach, welcher bei Gelegenheit der Aufführung beim\nzweiten Gesangfeste des rheinischen Sängervereins in Aachen\neine eingehende Besprechung sowohl in der Kölnischen\nZeitung wie auch in der Niederrheinischen Musik-Zeitung\nzu Theil wurde, machte, wie seiner Zeit in Aachen, wie-\nderum auf die zahlreiche Zuhörerschaft und die Mitwir-\nkenden einen Eindruck, der sich nach allen Nummern, wo\nes thunlich, und besonders am Schlüsse des ganzen Wer-\nkes in den lebhaftesten Ovationen für den Componisten\nund den zum Concerte eingeladenen und von Köln her-\nübergekommenen Dichter Gustav Pfarrius kundgab.\nSchliessen wir unseren Bericht mit dem Wunsche und\ndem Erwarten, dass die Stadt Bonn, dass die Künstler\nund Kunstfreunde fortfahren mögen, die Liebe zur Musik\nzu hegen und zu pflegen, der Stadt selbst zur Ehre und\nallen Betheiligten, der Gesammt-Bürgerschaft und jedem\nGebildeten zur Freude.\n\nh."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-04-22-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-04-22_01#c004", "volume": "bmtnabi_1865-04-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "126", "page_fin": "126", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650422-01.2.4", "titre_corps": "Aus London.", "titre_sommaire": "Aus London.", "signature_source": "C. 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Die junge Dame besitzt unstreitig lobenswerthe Eigen-\nschaften: ihre Stimme hat grossen Umfang und Egalität, sie hat\nauch dramatisches Gefühl, und man hört, dass sie ernste Studien\ngemacht hat. Indess schien die Aengstlichkeit am ersten Abende\nder vollständigen Entfaltung ihrer Mittel Eintrag zu tliun, und die\nAussprache des Italiänischen genirte sie auch wohl einiger Maassen.\nIm Ganzen aber kann sich Fräulein v. Edelsberg über ihr Debüt in\nLondon nicht beklagen, und wenn sie dem Werke Meyerbeer's auch\nkeinen neuen Glanz verliehen hat, so hat doch ihre Theilnahme an\nder Aufführung den Glanz desselben wenigstens nicht verdunkelt.\nDass aber Mario noch den Johann von Leyden gesungen hat,\n>»\nwird man in Deutschland kaum glauben. Es ist aber dennoch That-\nsache, die freilich nur in London möglich ist, wo man die Pietät\nund die Dankbarkeit für früher genossenes Vergnügen, wenn auch\nnicht in der Liebe überhaupt, doch in der Liebe zur Kunst bis zur\nYerläugnung alles Geschmacks und Urtheils über das Schöne treibt.\nUnd die Kritik rühmt, dass seine Stimme bis zum fünften Acte\nausgehalten und erst in diesem nicht mehr ausgereicht habe! Man\nhatte also, wie natürlich, erwartet, dass sie gar nicht ausreichen\nwürde, und freut sich der Ueberraschung."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1865-04-22-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1865-04-22_01#c005", "volume": "bmtnabi_1865-04-22_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "127", "page_fin": "128", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650422-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650422-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7247, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHol li, 18. April. An die Stelle des Herrn Capellmeisters\nBreunung als Lehrer am hiesigen Conservatorium wird Herr\n£ riedrich Gernsheim, seither Musik-Director in Saarbrücken,\ntreten. Herr Gernsheim, der als musicalisches Wunderkind begann,\nhat sich nachher in Frankfurt, Leipzig und Paris den ernstesten\nStudien hingegeben und sein ausgezeichnetes Talent sowohl in der\ndeutschen wie in der französischen Welt zur Anerkennung gebracht.\nVortrefflicher Pianist und tüchtiger Dirigent, hat er auch schon\nmehrere Werke publicirt, welche der bedeutendsten Gattung und\nRichtung der Instrumentalmusik angehören, und sein Clavier-Quar-\ntett Op. G hat neulich im leipziger Gewandhause, von ihm vorge-\ntragen, den ehrendsten Erfolg gehabt.\nKaum hat Frau Dustmann mit der Wiederholung der Rolle der\n„Donna Anna\", am Sonntag den 16. d. Mts. von Köln Abschied ge-\nnommen, nachdem sie das Wunder bewirkt, an dem ersten Oster-\ntage, wo die herrlichste Frühlingssonne die Menschen alle hinaus-\nlockte, ein Publicum anzuziehen, welches alle Plätze des Hauses\nfüllte, so hat uns Wien von seiner kaiserlichen Oper einen anderen\nRepräsentanten der Kunst hergesandt, Herrn Gustav Walter, der\nam 17. als Pamino durch den meisterhaften Vortrag der berühmten\nBildniss-Arie auf der Stelle ebenfalls die Gunst des Publicums er-\noberte, die sich in rauschenden Bravo's und hier ein sehr selte-\nner Fall! in lautem Dacapo-Rufe offenbarte.\nNach der gewöhnlichen, aber im Grunde irrigen Classensonde-\nrung der Sänger, besonders der Tenoristen, gehört Herr Walter zu\nden so genannten lyrischen Tenören. Sein schönes, weiches, in allen\nTonregionen wohllautendes Organ ist allerdings ganz vorzüglich\ngeeignet, die sanften Empfindungen des Herzens auszudrücken: die\nStimme ist in so hohem Grade sympathisch, wie man sie bei dem\nechten Tenorklange, den sie im Gegentheil zum Bariton-Tenor hat,\nselten findet, und die Verschmelzung der beiden Register der Brust-\nund Kopfstimme ist bei Herrn Walter, sei es Kunst oder Gabe der\nNatur, so vollkommen und ihre beiderseitige Gränze selbst durch\ngeübte Ohren so wenig zu bemerken, dass wir seit Roger nichts\nAehnliches gehört haben. Wenn wir nun aber mit dem Ausdrucke\n„dramatischer Gesang\" nicht, wie das gewöhnlich geschieht, nur\nden wahren Ausdruck des Leidenschaftlichen und Heroischen ver-\nstehen, so ist das eine mangelhafte Bezeichnung, denn der drama-\ntische Gesang ist der Ausdruck eines individuellen Seelenlebens\ndurch jene ideale Sprache, die wir Musik oder Gesang nennen. Zu\ndiesem Ausdrucke muss, wie bei der Sprache im Drama, der Verein\nvon Natur (Organ) und von Kunst mit allen Mitteln wirken, um\ndurch Färbung des Tones, Modulation des Klanges der Stimme,\nrichtige Verbindung und Trennung der Töne wie der Worte, durch\nwechselnde Betonung u. s. w. Äusserlich und sinnlich dem inneren\nLeben zu entsprechen; der .dramatische Gesang kennzeichnet sich\nalso dadurch, dass er nicht bloss Gesang an sich, wenn auch noch\nso schöner, ist, sondern gefärbt sein muss durch die Eigentümlich-\nkeit einer bestimmten Individualität, die er uns versinnlichen soll.\nMan sieht hieraus, dass der dramatische Gesang das ganze Ge-\nsanggebiet umfasst, ja, dass seine Aufgabe desto schwieriger wird,\nje weniger entschieden und in scharfen Umrissen gezeichnet der\nCharakter der Rolle ist. Der heroische, der leidenschaftliche Aus-\ndruck . sind, bei zureichenden Mitteln, viel eher ihres Eindrucks\nsicher. Sich aber in den lyrischen Stimmungen innerhalb der musi-\ncalischen Gränzen mit solcher Freiheit und Sicherheit zu bewegen,\ndass durch den schönen Gesang der Charakter der Rolle nicht ver-\nloren geht, sondern noch bestimmter hervortritt, das ist, wie jede\nvollendete Kunstleistung, nur Sache des Genies in Verbindung mit\nkunstgemässen Studien und theatralischer Erfahrung.\nWenn uns Herrn Walter's Gesang zu diesen- Bemerkungen\nveranlasst hat, so möge der treffliche Künstler, der Nachfolger des\ndahingeschiedenen Ander, darin einen Beweis sehen, wie sehr wir\ndie glanzende Aufnahme, die das Publicum ihm zu Theil werden\nliess, für gerechtfertigt halten: sie ist eben in der Wirkung des\noben geschilderten Ausdrucks, den Herr Walter in seiner Macht\nhat, begründet; beim grossen Publicum üben die Wahrheit des Aus-\ndrucks und der schüre Klang des Organs ihren Zauber, bei dem\nKenner steigert sich durch die gespannte Beobachtung der Mittel,\nwodurch jener Zauber erreicht wird, die Theilnahme und die be-\nwundernde Anerkennung. Unserer Meinung nach hat die Natur dem\nKünstler, den wir zum ersten Male liier in Köln willkommen lieis-\nsen und der seine Wahl zur Verherrlichung unseres Musikfestes an\nden Pfingsttagen so glänzend rechtfertigt, durch ihre reichen Gaben\ndie Aufgabe der Kunst in hohem Grade erleichtert.\nIlevr Ilugo Wehrlc hat in der philharmonischen Gesellschaft\ndas lolin-Concert von Mendelssohn mit grossem Beifalle gespielt.\n(Ueber dessen Soiree s. Nr. 15.)\nDüsseldorf. Als ein Curiosum, aus welchem Sie aber\nnicht auf den Kunst-Standpunkt unseres Publicums schliessen dür-\nfen, sondern auf alles Andere, was Sie sonst wollen, theile ich Ihnen\nden hiesigen Theaterzettel vom 19. März d. J. mit, welcher\nlautet:\n/\n„Fidelio. Grosse Oper in 2 Acten von Treitschke. Musik von\nL. van Beethoven. (Folgen die Personen, u. A. Frau liöske-\nLund als Gast: Leonore.) Vor dem 11. Acte: Ouvertüre Nr.\n111. zu Leonore.\n„Hierauf: Der Kurmärker und diePicarde. Genrebild\nmit Gesang und Taira in 1 Act von L. Schneider. Musik von\nH. Schmidt.\"\nAachen. Vor einigen Wochen führte die Liedertafel hier\nein neues Werk von Ferdinand Kufferath auf, die Cantate:\n„Der Schwur am Kyffhäuser\" (Gedicht von Dr. Berend), für Solo-\nstimmen, Männerchor und Orchester. Das Werk hatte einen ausser-\nordentlichen Erfolg, und namentlich zeigte die Behandlung von Chor\nund Orchester den gediegenen Musiker. Die Soli sind dem Sopran,\nTenor, Bariton und Bass zugetheilt und wurden befriedigend, das\nTenor-Solo (Herr Göbbels) vorzüglich gut gesungen. Herr Kuffe-\nrath wurde gerufen und mit stürmischem Applaus begrüsst.\nBerlin» Hier erscheint (bei Ferd. Schneider) binnen Kurzem r\n„Das Leben und die Werke Johann Sebastian Bach's.\" Von\nC. H. Bitter, Königlich Preussischem Geheimen Regierungsrathe.\nZwei Bände, jeder von 30 Bogen, mit einem Portraite Baeh's und\nsechs faesimilirten Noten-Beilagen. Preis 3 Thaler 20 bis\n4 Thaler.\n. • • . y -• ■ - f\n• * Torgail. Hier wurde am 3. April in der Aula des Gym-\nnasiums die „Antigone\" des Sophokles nach der deutschen\nUebersetzung von Donner mit den Chören von Mendelssohn\n(mit Oi ehester) durch die Primaner und Secundaner des Gymna-\nsiums aufgeführt.\nDer Gesangverein des Dr. Taubert gab am 20. März ein\nConceit in der Aula, in welchem „Mirjams Siegsgesanga von Fr.\nSchubeit und eine Messe für Soli, Chor und Orchester von Ant.\nAndr<s, Op. 43, aufgeführt wurde. Auch kamen AI, Stradella's\n„Kirchen-Arie * und Men delssohn1 s G-violl-Qouc&vt für Pianoforte\nund Orchester zum Vortrage.\nStuttgart* Am Charfreitage wurde in der Stiftskirche\nAbends 6 Uhr die Passionsmusik nach dem Evangelium Matthäi von\nJoh. Seb. Bach aufgeführt durch den Verein für classische Kirchen-\nmusik unter Verstärkung des Chors durch weitere Singkräfte, so wie\nmit Uebernahme der Soli durch Frau Jäger, Fräulein Mar-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650422-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6340, "texte": "Schalk, die Herren Albert Jäger und Schütky, ferner der\nOrchester-Partie durch die königliche Hofcapelle und der Orgelbe-\ngleitung durch Herrn Ed. Tod.\nIn dem Prüfungs-Concerte der hiesigen Musikschule (am 5.\nApril) kamen unter Anderem zum Vortrage durch die Schüler und\nSchülerinnen: Concert für das Pianoforte (C-moll) von Mozart, er-\nster Satz. Polonaise für die Violine (E-dur) von Mayseder. Chorlied\n(„Waldrahe\"), componirt von Herrn Friedr. Fink aus Sulzbach\n16 Gesang-Zöglinge. Präludium und Fuge für das Pianoforte (A-moll)\nvon Sebastian Bach. Rondo capriccioso für das Pianoforte von Men-\ndelssohn. Variationen für das Violoncell von B. Romberg. Arie\n(„Addio\") von G. v. Jacquin. Concert für das Pianoforte (Nr. 1,\nC-dur) von Beethoven, erster Satz. Concert für die Violine (E-moll)\nvon Ch. de Concert für das Pianoforte (G-moll) von Mosche-\nles, erster Satz. Lied („Frühlingsmorgen\") für drei Frauenstimmen\nmit Begleitung von Ciavier, Violine und Violoncell, componirt von\nHerrn Albert Braun 9 Solo-Gesangschülerinnen. Duo concertant\nfür zwei Claviere (Variationen über den Zigeunermarsch aus ;,Pre-\nciosa\") von Mendelssohn und Moscheies. Präludium und Fuge für\ndas Pianoforte [E-moll) von Mendelssohn Herr Fink aus Sulz-\nbach. Marsch aus „Tannhäuser\" von Wagner, übertragen von Liszt.\n]fl Ii Helten« Bitte. Der Unterzeichnete, mit der Redaction\neiner neuen, völlig umgearbeiteten Auflage der G. J. Manz'sehen\nReal-Encyklopädie betraut, wünscht derselben auch möglichste\nVollständigkeit bezüglich der jetzt lebenden Componisten, Mu-\nsik-Schriftsteller und Tonkünstler (ersten Ranges) zugeben,\nund stellt desshalb an dieselben die Bitte, ihn mit Zusendung kur-\nzer Biographieen, nebst Verzeichniss der Werke u. s. w. beehren\nzu wollen. Da der Druck in diesen Tagen beginnt, wollen die\nHerren, deren Name in die ersten Buchstaben fällt, die freundliche\nZusendung möglichst beschleunigen. München, den 31. März 1865.\nL. Schönchen, k. Geh. Haus-Archivs-Secretär (Glücksstr. 10).\nliiibeelt, im März. Durch das Gastspiel des Fräuleins Barn\nvom grossherzoglichen Hoftheater zu Schwerin als „Valentine\" in\nden „Hugenotten\" hat die Direcdon des Theaters dem Publicum\neinen Kunstgenuss geboten, für welchen die erhöhten Eintrittspreise\ndurchaus in der Ordnung waren, wenngleich aus dem nicht beson-\nders starken Besuche sich folgern liesse, dass diese Ueberzeugung\nvor dem Gastspiele des Fräuleins Barn doch noch nicht hinlänglich\nWurzel geschlagen hatte. Fräulein Barn ist in der That als drama-\ntische Sängerin eine bedeutende Erscheinung. Wohlklang und Kraft\nder Stimme, treffliche Gesangsbildung, Verständniss beim Vortrage\nsowohl wie beim Spiel, bedeutende Bühnen-Gewandtheit, und alle\ndiese Vorzüge unterstützt durch eine anziehende Persönlichkeit: das\nsind Eigenschaften, die man nur selten in solchem Maasse vereinigt\nfindet, und das Publicum bewies durch seinen lebhaften Beifall auch\nunverkennbar, dass es den ihm gebotenen seltenen Genuss nach\nWerth zu schätzen wusste. Die übrigen in den Hauptrollen Mitwir-\nkenden unterstützten den Gast in anerkennenswerther Weise. Nament-\nlich war Herr Winter als Raoul an jenem Abende ganz besonders\ngut disponirt und leistete so Vorzügliches, dass wir behaupten dür-\nfen, es sei der vierte Act der Oper hier seit Roger's Gastspiel nie-\nmals in solcher Vollendung zum Vortrage gekommen.\nEin Gastspiel-Erträgniss. Dawison meldet öffentlich:\n„Mein Ausflug nach der österreichischen Kaiserstadt, woselbst ich\nim Theater an der Wien 37 Mal auftrat, war von glänzendem Er-\nfolge begleitet. Der Casse der Direction flössen durch mein Gastspiel\nnahe an 30,000, der meinigen 20,000 Gulden zu, von denen ich\n624 Gulden der Schiller-Stiftung zuwies, dagegen die Einnahme\nmeiner Abschieds-Vorstellung mit 2077 Gulden des unglücklichen\nGutzkow's Gattin einhändigen liess.\"\n* Florenz, 30. März. Am 14. März fand hier unter der Lei-\ntung von Madame Jessie Laussot das zweite diesjährige Concert\nder Soci6t6 musicale de Florence Statt. Der Verein, im Jahre 1861\ngegründet zur Belebung des Interesses für classische Musik, hat in\nder Erreichung seines Zweckes die erfreulichsten Fortschritte ge-\nmacht. Schon in der vorletzten Soiree, Anfangs Januar, war das\nPublicum mit grosser Theilnahme den einzelnen Nummern des man-\nnigfaltigen Programms gefolgt und hatte namentlich das Schumann1 -\nsche Quartett, den 95. Psalm von Mendelssohn, Chöre und Soli aus\nder „Vestalin\" und dem „Orpheus\" mit grossem Beifalle aufgenom-\nmen; ganz besonderes Interesse hatte aber die trefflich ausgeführte\n„Flucht nach Aegypten\" von Berlioz hervorgerufen. Das diesma-\nlige Concert, noch reicher in der Auswahl der Stücke, brachte unter\nAnderem Chöre und Soli aus „Euryanthe\", eine Motette von Cheru-\nbini, das Ave verum von Mozart, Liszt's „Seligkeiten\" und mehrere\nSoli von Mozart aus „Don Juan\" und der „Zauberflöte\". Die Aus-\nführung war trotz mancher grosser Schwierigkeiten durchaus eine\ngelungene, oft eine vollendete zu nennen und gereichte der treff-\nlichen Leitung der Dirigentin, so wie dem Eifer der Mitglieder zur\nhöchsten Ehre. Einen besonderen Glanz verlieh dem Abende die\nMitwirkung eines Schülers von Liszt, des Herrn G. Sgambati aus\nRom, der mehrere Compositionen seines Meisters und Etüden von\nChopin mit Vollendung vortrug und das Publicum zum höchsten\nEnthusiasmus hinriss. Letzteres, das diesmal fast zur grössten Hälfte\naus Italiänern bestand, hatte den geräumigen Saal der Filarmonica\nvollständig gefüllt und begleitete die Aufführung mit lautloser, bis\nzum Schlüsse gesteigerter Aufmerksamkeit; jeder Nummer folgte\nalsdann rauschender Beifall und von mehreren wurde die Wieder-\nholung verlangt.\nParis. Joachim hat am ersten Ostertage (16. April) im\nConservatoire-Concerte das Violin-Concert von Beethoven und\ndie Chaconne von J. S. Bach gespielt.\nDie erste Aufführung der „Africanerin\" wird an einem der letz-\nten Tage des April Statt finden.\nEine Zeitung von Lissabon bringt folgende Statistik der\nEhrenbezeigungen für Signora Volpini als Lady Harriett in Flo-\ntow's „Martha\". Die Sängerin erhielt an diesem Einen Abende 190\nBlumensträusse und 11 Kränze; siebenzehn Mal wurde sie gerufen,\nHundeite von .Tauben liess man ihr zu Ehren im Theater fliegen\nund die Gedichte regneten herab!!! Madame Borghi-Mamo\nerhielt mit dem Patente als Kammersängerin des Königs von Por-\ntugal ein Halsband von Diamanten."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650422-01.1.1", "texte": "Inhalt.\nPariser Brief {Le Mariage de Don Lope, Operette von Ed. de Hartog Die Neuigkeiten der italienischen Oper\nPreis-Compositionen für Männerchor Concerte). Von B. P. Aus Bonn (Uebersicht der Concert-Saison). Von —h. Aus London\n(Wachtel Fräulein von Edelsberg MarioV Von C. A. Tages- und (J nterhaltun gs b la 11 (Köln, Herr Friedrich Gernsheim,\nGustav Walter, Hugo Wehrle Düsseldorf, Curiosum Aachen, Liedertafel Berlin, J. S. Bach's Leben und Werke u. s. w.).\n\nPariser Brief.\n\n(S. Nr. 12.)\n{Le Mariage de Don Lope, Operette von Ed. de Hartog Die\nNeuigkeiten der italienischen Oper Preis-Compo-\nsitionen für Männerchor Concerte.)\nDas Theätre lyriquehat Gretry's\nLion zum stehenden Artikel gemacht und nebenbei ein\npaar einactige Operetten gebracht: Les memoires de Fan-\nchette, mit Musik vom Grafen Gabrielli, und\nriage de Don Lope,mit Musik von Ed. de Hartog, von\ndenen die letztere Erwähnung verdient, weil der Compo-\nnist, von Geburt ein Holländer, der meistens in Paris lebt,\ndurch seine Instrumental-Compositionen (Ouvertüren und\nViolin-Quartette) und einige Liederhefte sich bereits einen\nNamen gemacht hat und jetzt mit dieser Operette den er-\nsten Schritt auf die Opernbühne thut. Ob er damit auch\neinen folgenreichen Schritt auf der Laufbahn dramatischer\nComposition gethan haben wird, muss die Zeit lehren: die\nAuspicien dazu sind nicht ungünstig, wenngleich von\neinem entschiedenen Erfolge der Kleinigkeit nicht die\nRede sein kann. Wer die genannten früheren Compo-\nsitionen de Hartog's kannte, hatte mehr erwartet, als er\nfand; indess sind etwa drei bis vier Nummern vorhanden,\nwelche diesen Don Lope eine Zeit lang über der Flut hal-\nten werden. Eine davon benutzt das deutsche Volkslied:\n„Du, du liegst mir im Herzen\", recht geschickt; die Fran-\nzosen kennen es natürlich nicht und finden es originel, wie\nsie den alten Dessauer Marsch, den Meyerbeer im Nord-\nstern in eine russische National-Hymne travestirte, gläubig\nals solche hinnahmen. Der Text von Jules Barbier ist ein\nhübsches Lustspiel, dessen Handlung, ohne gerade ganz\nneu zu sein —wo sollen auch die neuen Heiraths-Intriguen\nherkommen, da sie sich ja auch im Leben nur stets wie-\nderholen? doch interessirt und ergötzt.\nDie Ouvertüre ist wohl für eine Operette etwas zu\ngross angelegt und dann doch wieder im Verhältnisse der\nAnlage zu wenig entwickelt. Die erste Scene zeigt uns die\nbeiden Töchter eines spanischen Alcalden, Lucrezia, die in\nihrem sechsundzwanzigsten Jahre noch keinen Mann hat,\nund Camilla, die in ihrem siebenzehnten bereits eine Er-\noberung gemacht. Don Gusman hält um ihre Hand an,\naber der Papa will ihn nur dann zum Eidam annehmen,\nwenn er seine Liebe der älteren Tochter zuwendet. Das\nKammermädchen Rosine gibt dem Abgewiesenen den Rath,\nder Lucrezia einen Mann zu verschaffen, worauf dann sei-\nnem Glücke nichts im Wege stehen würde. Der reiche\nDon Lope, mit Gusman befreundet, wird zum Opfer aus-\nersehen; man redet ihm ein, dass Lucrezia ihn liebe, und\nda Gusman sich endlich für seinen Nebenbuhler erklärt\nund ihm anvertraut, dass er um Lucrezia anhalten werde,\nso geht der Angeführte in die Falle, aus der er sich auch\nselbst dann nicht retten kann, als die ganze Mystification\nans Licht kommt; denn er hat, durch Rosine's List ver-\nanlasst, der ehrenwerthen Dame eine Liebeserklärung in\nForm einer Romanze, die in einem Blumenstrausse ver-\nsteckt war, zukommen lassen, und der Alcalde dringt dess-\nhalb auf vollständige reparation d'honneur durch Heirath.\nDas Lied: „Du, du!\" bei der Romanze angebracht, ein\nQuintett, eine Arie der Camilla und eine recht wirksame\nkomische Arie des Don Lope, die fein instrumentirt ist,\nsind allerliebste Stücke. Die Einheit des Stils leidet indess\nan manchen Stellen durch harmonische Wendungen, die\nzu compiicirt für die Gattung des Singspiels sind.\nDie Neuigkeiten der komischen Oper (David's „Sa-\nphir\") und des lyrischen Theaters sind übrigens Goldkör-\nner, wenn man sie mit denen vergleicht, welche die Ita-\nliäner gebracht haben.\nBei diesen erschien zuerst am 22. März die Dachessa\ndi San Giuliano, ein Mebdrame tragique en 3 acies von\nzwei Dichtern (?), Musik von Achilles Graffigna,"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650422-01.1.2", "texte": "zweitem Capellmeister der italiämschen Oper. Etwas nicht\nSchönes im Stoffe lässt sich in der Oper bei guter Musik\nertragen; etwas Unschönes, Hässliches macht es dem\nComponisten schon sehr schwer,, es selbst durch Genie\nvergessen zu machen; aber etwas Widriges, Scheusslicbes,\ndas, auf die Bühne gebracht, der Musik zur Folie dienen\nsoll, zu ertragen, das ist denn doch nur einem entarteten\nGeschlechte zuzumuthen, und es scheint, dass die Direction\nder italiänischen Oper in Paris, welche das genannte tra-\ngische (?) Melodram auf ihre Bühne brachte, ein solches\nGeschlecht in den hohen Ständen, die sich auf ihre Logen\nabonniren, zu finden vorausgesetzt habe. Die Vergiftung\nin der Lucrezia Borgia, die ermordete, vor den Augen der\nZuschauer in den Sack gesteckte Gilda in Rigoletto sind\nästhetisch gegen die Ungeheuerlichkeiten der Veronica\nCybo, Herzogin von San Giuliano. Denn erstens ermordet\nsie die Geliebte ihres Gatten, die arme Catarina, welche\nder Herzog unter der (ganz neuen) Maske eines Malers\nhintergangen hat, im Schlafe vor den Augen der Zu-\nschauer, dann vergiftet sie sich selbst, lässt aber dem Her-\nzoge durch ihren Vertrauten als Geburtstags-Geschenk\ndie blutige Leiche der Catarina ins Zimmer bringen und\nvor seinen Augen enthüllen! Die Musik besteht aus Re-\nminiscenzen von Donizetti und Verdi, ist ohne alle Origi-\nnalität und zeigt allein in der Behandlung der Gesang-\nstimmen Geschick; im Orchester fehlt es nicht an Lärm,\nder bei der Ermordung der schlafenden Catarina, die vor-\nher noch eine jtrreghiera gesungen hat, noch durch Gewit-\nter und Sturm verstärkt wird. Und diese Schauder-Oper\nsingen Künstler wie Fraschini, Delle Sedie, die Damen\nCharton-Demeur und de Meric-Lablache! Und nach einer\nhiesigen Kritik erinnerte Madame Lablache an Goethe's\nGretchen!\nAls Gegensatz kam darauf am 4. April eine Oper der\nGebrüder Ricci zur Aufführung,\n(„Crispin und seine Gevatterin\") geheissen. Hier feiert\nnicht wie dort die Scheusslichkeit ihren Triumph, sondern\ndie läppische Dummheit. Das Stück ist die Uebertragung\neiner alten Puppen-Komödie: „Der Doctor und der Tod\",\nauf die Opernbühne. Ein armer Schuhflicker, verzweifelnd,\nweil er nichts zu leben bat und sich der Männer nicht er-\nwehren kann, die seiner hübschen Frau nachstellen, ist\nim Begriffe, sich in einen Brunnen zu stürzen, als eine\nweibliche Gestalt daraus emporsteigt, die ihm befiehlt,\nArzt zu werden und auf sie, die er seine Gevatterin nen-\nnen solle, sich zu verlassen. Sobald er sie an dem Bette\neines auch noch so Kranken nicht erblickte, möge er\ndreist dessen Genesung verkündigen. Darauf versieht sie\nihn reichlich mit Geld, um als Doctor auftreten zu können.\nNun gehen die Curen los, die Aerzte schreien über den\nPfuscher, verklagen ihn komische Gerichtsscenen k-urz,\neine ganze Reihe von Possen, bis „die Gevatterin\" den\nübermüthig gewordenen Helden des Stückes mit sich in\nden Abgrund zieht und ihm hier in ihrer wahren Gestalt\nals la Mortemit einem efFectiven -Todtenkopfe erscheint\nwas zum Glücke nur ein Traum ist, um den Doctor\ngutmüthiger gegen seine Frau zu machen!! Dieser In-\nbegriff von läppischen und seit hundert Jahren abgedro-\nschenen Possen wird mit allem Zubehör von Verwandlun-\ngen und Maschinerieen ä la wiener Casperle-Theater auf\nder Scene der Cimarosa, Mozart, Rossini, Donizetti gege-\nben, auf dem Theater, das die hohe Aristokratie am lieb-\nsten besucht, zu Paris, in der Metropole du goüt, in der\nCapitale artistique du monde! Die Musik zu diesem\nStoffe ist, sehr wenige Nummern ausgenommen, desselben\nwürdig. Louis und Friedrich Ricci arbeiteten viele Opern\ngemeinschaftlich aus, unter anderen auch diesen Crispino,\nder aber schon 1836 in Neapel geschrieben worden, dort\ngeringen Erfolg gehabt hatte und so gut wie vergessen\nwar. Was die Direction der Italiäner in Paris jetzt zur\nWiederaufnahme bewogen habe, ist ein Rätbsel, dessen\nDeutung nur in der Armuth des heutigen Italiens an\nOpern-Componisten zu suchen ist. Louis Ricci ist am 1.\nJanuar 1860 im Irrenhause zu Prag gestorben.\nWelchen Reichthum an Componisten besitzt dagegen\nFrankreich! Man höre nur den Bericht, den die Commis-\nsion zur Beurtheilung der Preis-Compositionen, die\nder Präfect von Paris für Männerchöre ausgeschrieben\nhatte, vor einigen Wochen an diesen erstattet hat. Es\nwaren zehn Texte zu beliebiger Auswahl gegeben: darauf\ngingen fünfhundert und fünfundvierzig Männer-\nchöre ein!\nDie Commission zählte unter ihren Mitgliedern Mu-\nsiker wie A.Thomas, Gounod, Kastner, Pasdeloup u. s. w.\nSie bildete aus sich drei Abtheilungen, deren Vorarbeit\nwar, diejenigen Compositionen auszuscheiden, die keine\nBerücksichtigung möglich machten, folglich unter der\nKritik waren. Bei dieser Sichtung blieben von den 545\nnicht mehr als 52 im kritischen Siebe zurück, an deren\nClassification man sich nun machte.\nDas Ergebniss war folgendes: drei Nummern erhiel-\nten die goldene Medaille (von 300 Francs), fünf die sil-\nberne erster, fünf die silberne zweiter Classe, sechs die\nMedaille von Bronze als Zeichen ehrenvoller Erwähnung.\nBei Eröffnung der Zettel zeigte sich, dass alle drei\ngoldene Preise Einem Componisten zugefallen waren,\nHerrn Edmund von Polignac. Aus den Erläuterungen\nder Commission zu ihrem Berichte treffen einige richtige\nBemerkungen auch wohl ausserhalb Frankreichs zu,\nzum Beispiel:"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "123", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650422-01.1.3", "texte": "„Die Componisten von Ruf vergessen zu sehr, dass\ndie Manner-Gesangvereine durch ihre grosse Verbreitung\nein Volks-Inslitut geworden sind, dessen gute oder\nschlechte Richtung einen bedeutenden Einlluss auf Sitt-\nlichkeit und auf Gefühl und Geschmack der Mitglieder\nausüben kann. Desshalb sollte die Bildung des Volkes\ndurch die Musik doch als ein würdiger Vorwurf von be-\ngabten Tonsetzern betrachtet werden.\n„Wenn wir nun auch einige Compositionen wegen\nihrer complicirten Schwierigkeiten, wobei die Autoren\nden gegenwärtigen künstlerischen Standpunkt der meisten\nVereine ausser Acht gelassen, zurückweisen mussten, so\nwar dies doch noch weit mehr unsere Pflicht bei der\nMasse von solchen trivialen und incorrect geschriebenen\nChören, welche ihre Popularität nur den Wirkungen\nrealistischer Malerei oder lärmenden Klanges verdanken,\nund anstatt den Geschmack zu reinigen und die Ideen zu\nerheben, sie ins Gemeine herabziehen oder durch ein Ge-\nschwirr und Gesäusel von Tönen einschläfern und trunken\nmachen, ohne irgend einen schönen musicalischen Gedan-\nken zu enthalten.\"\nZu bemerken ist übrigens noch, dass unter den 19\ndurch Medaillen ausgezeichneten Componisten 12 aus Pa-\nris sind: in jedem Kunstzweige also immer dasselbe Ver-\nhältniss zwischen Paris und Frankreich.\nVon den Conservatoire-Concerten war das\nfünfte (am 5. März) ein ereignissvolles für Paris, denn zum\nersten Male schlug Beethoven's neunte Sinfonie bei\ndem Publicum dermaassen durch, dass wir einen solchen\nApplaus noch kaum in diesen heiligen Hallen der ausge-\nwählten Musikfreunde erlebt haben. Am Schlüsse sprach\nsich der allgemeine Wunsch einer baldigen Wiederholung\nlaut aus. Man muss aber auch gestehen, dass das Orche-\nster sich selbst übertraf, und dem Dirigenten Herrn Hainl\ngebührt volle Anerkennung. Kein Tempo wurde vergrif-\nfen, vor Allem keines übertrieben, das Adagio mit der\nherrlichen Egalität und Tonfülle der Violinen dieses Or-\nchesters hörte sich an, als wenn das Gefühl eines einzigen\nSpielers den Figuren den Ausdruck verliehe. Der Chor\nwar freilich nicht so stark besetzt, wie bei Euch in Köln,\naber er sang rein und präcis; die Einsätze klangen so fest\nund sicher, wie aus Einem Munde. Die Soli sangen die\nDamen Vandenheuvel-Duprez und Printemps, die Herren\nWarot und Bussine. Auch die meisten kritischen Blätter\nhaben sich durch diese Ausführung zur Bewunderung der\nGrösse und Herrlichkeit des Werkes bekehrt. In demsel-\nben Concerte hörten wir auch noch das Finale aus We-\nber's „ Euryanthe\", einen Sinfoniesatz von Haydn und\nRossini's Tell-Ouverture.\nDas sechste Concert begann mit Meyerbeer's\nOuvertüre zum Pardon de Ploermel, welche zu Anfang\nder Saison in dem ersten, dem Andenken des dahinge-\nschiedenen Meisters gewidmeten Concerte gegeben wor-\nden war. Der Chor war hinter den dünnen Wänden, die\ndas Orchester umgeben, aufgestellt; der Gesang des Ge-\nbetes machte dadurch die Wirkung wie von einer in der\nFerne vorüberziehenden Procession. Ausserdem war Mo-\nzart's G-moll-Sinfonie die beste Nummer des etwas bunten\n• Pro gramms; das Concert-Publicum hat aber für dieses\nwundervolle Werk doch nicht denselben Sinn, wie für\nHaydn's Musik. •\nDas Programm der siebenten Sitzung war wieder ein-\nmal eines nach der alten, leider immer noch wieder auf-\ntauchenden, stückweise gefüllten Chablone. Das einzige\nGame war Beethoven's Pastoral-Sinfonie; dann das Chör-\nchen aus Gretry's Les deux Avares, eine Tenor-Arie aus\nMehul's Stratonice, das Adagio und Scherzo aus Mendels-\nsohn's Sinfonie-Cantate, ein paar Nummern aus Haydn's\n„Jahreszeiten\" (Duett im dritten Theile, Jagd- und Win-\nzerchor) und die Fidelio-Ouverture in Die An-\nkündigung, dass die Gesellschaft noch drei Concerte ge-\nben würde, wurde mit grossem Beifalle aufgenommen.\nDas erste davon, Concert sin der Charwoche,\nbrachte Beethoven's C-moll-Sinfonie, das Finale seines\nneunten Violin-Quartetts in Masse ausgeführt, fünf Num-\nmern aus Mozart's Requiem und die 29. Sinfonie (in (?)\nvon Haydn. Ueber Dürftigkeit des Programms durfte man\nsich nicht beklagen! Die Italiäner führten wieder, wie\ngewöhnlich, Rossini's Stabat Mater in ihrem Opern-Thea-\nter auf.\nVon Pasdeloup's letzten im\nCircus Napoleon ist zu erwähnen, dass in dem vorletzten\nW agner's Tannhäuser-Ouverture mit grossem Applaus\nund Da Capo-Rufe, dem jedoch nicht Folge gegeben\nwurde, aufgenommen ward. In demselben Concerte gab\nman Beethoven's Musik zu Goethe's Egmont. Eine acht-\nzehnjährige Violoncellistin, Elisa de Try, liess sich hören,\ndas heisst vor den nahe sitzenden Zuhörerreihen, denn\ndie übrigen konnten sie nur sehen, obwohl sie eine über-\nraschende Kraft im Strich zeigte.\nIm letzten Concerte wagte es Pasdeloup, drei Ouver-\ntüren von Beethoven zu Leonore oder Fidelio von den\nvieren, die man in Deutschland kennt, an demselben\nAbende aufzuführen, die erste, die dritte und die vierte\n(in E). Die erste liess ziemlich kalt; das Dramatische der\ngrossen Leonoren-Ouverture und die Erhabenheit des Stils\nmachten zwar Eindruck, aber bei Weitem nicht den mäch-\ntigen, wie sie ihn in Deutschland zu machen pflegten. Den\nFranzosen scheint dieses Gemälde des ganzen Drama's\n\n11"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "124", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650422-01.1.4", "texte": "noch nicht recht fasslich; sie halten sich an die E-dur-\nOuverture, die sie schon lange kennen und auch dieses\nMal mit dem grössten Applaus aufnahmen.\nIn Pasdeloup's Concert spirituel sang Madame Sher-\nrington zum ersten Male in Paris. Sie hatte die Nachti-\ngall-Arie aus lländel's Allegro e Pensieroso und die Va-\nriationen von Kode zu ihren Vorträgen gewählt. Wie-\nwohl beide Stücke nicht nach dem Geschmacke der Fran-\nzosen waren, so errang die vortreffliche Sängerin doch\ndurch eine der schönsten Sopransiimmen, die man hören\nkann, und durch die vollendete Schule echter Gesangs-\no\nTechnik einen grossen Erfolg. Das wahre Urlheil des Pu-\nblicums drückte sich in den aufrichtigen Worten aus:\n„Combien ne faut-il pas avoir\nvrai succes avec de tels morceauxln dem letzten der\nConcerte, welche der Seine-Präfect im Hotel gibt,\nam 8. April, erregte die eminente Künstlerin durch den\nVortrag derselben Stücke, ferner des Inßammatus aus\nRossini's Stabat Mater und eines von Ambr.\nThomas Enthusiasmus.\nVon Virtuosen-Concerten erinnerte das, welches Al-\nfred Jaell am 9. März in Erard's Saale gab, einmal\nwieder an die frühere Zeit, wo man sich zu solchen Con-\ncerten drängte, eine Zeit, welche längst vorbei ist und durch\ndie allgemein bekannte Erfahrung, dass jeder Virtuose,\nder hier ein Concert auf eigene Hand gibt, sein Geld zu-\nsetzt, begraben ist. Es bedurlte eines solchen Meislers,\num die unerhörte Thatsache zu erneuern, dass der Zu-\ndrang schon Stunden vorher zu seinem Concerte so arg\nwar, dass man für einen Augenblick sogar die Polizei in\nAnspruch nehmen musste, um Ordnung zu halten. Wenn\nJaell nun in seinen Concerten stets einige elegante, gefäl-\nlige und durch virtuose Ausführung blendende Salon-\nCompositionen, namentlich eigene, spielt, so muss man\nihm doch hoch anrechnen, dass er grösstenteils classische\nWerke vorträgt und überall, er mag sein, wo er will, die\ndeutsche Musik obenan stellt. So bildeten auch in dem\nConcerte am 9. vorigen Monats seine drei allerliebsten\nStücke: A ux bords del' Arno, und\nsweet hörne,und am Schlüsse der fannhäusermarsch nur\nden bei Weitem kleinsten \"lheil des Programms, wurden\naber mit unerhörtem Applaus aufgenommen, und er\nmusste die drei ersten wiederholen. Allein die Haupt-Vor-\nträge brachten Schumann's Quintett, Schumann's\nVariationen für zwei Pianoforte (mit Ernst Lübeck),\nHändel s Variationen, das köstliche Allegro von Kirn-\nberg er und Chopin's Walzer in As-dur\\ und wenn ein\nBericht in der Gazette et revue musicale es ausspricht, dass\nin den Compositionen von Schumann sich die Meisterschaft\ndes Concertgebers am glänzendsten offenbart habe, so ist\ndies wirklich von einem pariser Kritiker ein seltenes und\nsehr ehrenvolles Zeugniss für den Componisten und den\nSpieler. „Die deutsche Schule/—fährt jener Bericht fort\n„deren Compositionen Jaell vorzugsweise zu seinen\nVorträgen wählt, scheint ihm ganz in Saft und Blut ge-\ndrungen zu sein, so sehr versteht er sich den Meistern zu\nsubstituiren, sich ihre Ideen anzueignen und ihren Geist\naus ihren Werken zu offenbaren, ohne irgendwie die Ef-\nfecte zu suchen und zu übertreiben, ohne vor dem Ziele\nstehen zu bleiben, noch darüber hinaus zu gehen, und'\ndas alles ohne Gharlatanismus und ohne süssliche Coquet-\nterie im Anschlag und im Ausdruck, ohne alle jene Künste\neines laischen Geschmacks und sentimentaler Ziererei,\nwelche so manche von unseren besten Talenten entstellen.\"\nZu bemerken ist auch noch, dass der Vortrag der Varia-\ntionen von Händel ausserordentlichen Beifall hervorrief*).\n\nB. P.\n\nAus Bonn.\n\n(Uebersicht der Concert-Saison.)\nDen 15. April 1865.\nMit dem Concerte am 30. vorigen Monats ist die Sai-\nson in würdiger Weise abgeschlossen worden. Man ver-\nlässt mit dankbarem Rückblicke auf das Gute und Schöne,\nwelches uns der vergangene Winter in musicalischer Hin-\nsicht brachte, den Concertsaal, um bei dem beginnenden\nFrühlingswetter nach den Schönheiten der Natur zu ha-\nschen, die uns in den reizenden Umgebungen unserer\n\n*) Nach den uns von anderwärts zugegangenen Nachrichten\nspielte Alfred Jaell nach jenem pariser Concerte bereits am 11.\nMärz in Brüssel in der Association des artistes Musiciens das Es-\ndur-Concert von Beethoven und mehrere Solostücke. Publicum und\nOrchester empfingen ihn mit minutenlangem enthusiastischem Ap-\nplaus, der sich nach jedem Satze wiederholte. - Am 14. v. Mts.\nspielte er im Abonnements-Concerte zu Gent und bereits am 18.\nin dem grossen Fest-Concerte im Theater zu Lyon. Das Programm\nzierten hauptsächlich deutsche Namen, wie Händel, Mozart, Weber,\nRies, Mendelssohn; ausserdem Grdtry, Hale'vy und Rossini.\" Jaell\nhatte mit Mendelssohn's G-moll-Concert und Händel's Varia-\ntionen einen solchen Erfolg, dass er ein besonderes Concert in der\nSalle philharmonique veranstaltete, welches überfüllt war. Auch\nhier spielte er gewisser Maassen ein Wagstück Schumann's\nQuintett, das mit Enthusiasmus aufgenommen wurde. Auch die Ga-\nvotte von Bach musste er wiederholen. Am 2. April spielte er\nzum vierten Male in Lyon, worauf er nach Paris zurückreiste.\nAus der Epoche der Kunstreise Jaell1 s mit Uli man erwäh-\nnen wir noch Scherzes halber, dass in Hamburg die dort erschei-\nnende „Reform\" das erste Beispiel einer illustrirten Kritik gab,\nindem sie Jaell's Hände mit den dicken, fleischigen Fingern, und\ndarunter die Hände von Liszt mit den langen, knöchernen Fingern\nin Holzschnitt mit der Unterschrift gab: „Und beide sind gleich\ngute Ciavierspieler!\" Die Redaction.\nv"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "125", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650422-01.1.5", "texte": "Stadt in so mannigfaltiger Weise zu frohem Geniessen ge-\nboten werden.\nWährend Sie in Ihrem lieben Köln am Palmsonntage\nnoch die Aufführung eines grossartigen Tonwerkes und\ndiesmal zu Ihrer und unserer Freude wieder mit dem ge-\nnesenen Meister Hiller am Dirigentenpulte gehabt ha-\nben, war man hier genöthigt, die Saison etwas früher zu\nEnde zu führen, da der Schluss de« Winter-Semesters an\nder Universität eine damit zusammenhangende Einbusse\neiner Anzahl der tüchtigeren Männerstimmen im Concert-\nchor verursachte.\nSchon zu Anfang des Winters hatte man den Abgang\nverschiedener Kräfte des Orchesters zu beklagen. Es ge-\nlang indess, die Lücken bei den jedesmaligen Aufführun-\ngen durch Hinzuziehung von Orchester-Mitgliedern unserer\nNachbarstädte so gut auszufüllen, dass dieselben glück-\nlicher Weise nicht fühlbar wurden. Wie erfreulich dies\nan und für sich auch ist, so liegt doch wohl unseres Er-\nachtens darin eine Mahnung und Aufforderung, den Plan\nzur Gründung eines eigenen städtischen und desshalb auch\nständigen Orchesters nicht allein im Auge zu halten, son-\ndern auch so schnell wie möglich zur Ausführung zu\nbringen*). Wohl möchten wir uns aber verwahren, mit\ndem Referenten der Concerte in der Bonner Zeitung die\nAnsicht auszusprechen, „dass im künftigen Winter entwe-\nder mit einem städtischen Orchester angefangen oder gar\nnicht angelangen werde\", somit das Fortbestehen unserer\nConcerte für die Folge von der Gründung eines solchen\nabhängig zu machen.\nWenn wir nun über die sechs Concerte im Allgemei-\nnen etwas bemerken sollen, so ist es Folgendes. Man\nkonnte durch das, was geleistet wurde, sowohl in Bezug\nauf die Programme als auf die Ausführung, im Ganzen\ndurchaus befriedigt sein, und wenn mitunter gar Schönes\ngeboten wurde, so ist dies vor Allem den Bemühungen\nund der wackeren und fleissigen Leitung des städtischen\nMusik-Directors Herrn Brambach zu danken. Gern\nwollen wir sodann dem Concertchor unsere Anerkennung\nzollen, der namentlich im Judas Maccabäus von Händel\nund im Requiem von Mozart recht Erfreuliches geleistet\nhat, wenn auch andererseits nicht verschwiegen werden\ndarf, dass bei den kleineren Chorstücken eine regere\nTheilnahme zu wünschen gewesen wäre. Nicht minder\nverdient das Orchester für manche gute Leistung den\nDank des Publicums.\nGehen wir aui die einzelnen Programme näher ein,\nso gelangten zur Aufführung:\nIm ersten Concerte: 1) Ouvertüre zu „Iphigenie in\nAulis\" von Gluck; 2) Concert für die Violine (Nr. 11, von\nSpohr; 3) Psalm lür Alt-Solo und Chor von iMarcello mit\nInstrumentation von Lindpaintner; 4) Romanze für die\nVioline (G-dur) von Beethoven; 5) Hymne für Alt-Solo,\nChor und Orchester von Mendelssohn; 6j Sinfonie Nr. 2\n(3 D-dur)von Beethoven.\nIm zweiten Concerte: Judas Maccabäus, Oratorium\nvon Handel.\nIm dritten Concerte: lj Sinfonie in von J. Haydn;\n2) Concert für Piano in Gmoll\\oMendelssohn; 3) „Ge-\nbet\" von Fr. Schubert, instrumentirt von Brambach; 4)\na. Schlummerlied von Schumann, Transscription von\nLiszt über den Faust-Walzer von Gounod, für Pianoforte;\n5) Ouvertüre „Im Hochland\" von N. W. Gade; 6) „Beim\nAbschied zu singen\" von Schumann; 7) Phantasie für\nPiano, Chor und Orchester von Beethoven.\nIm vierten Concerte: 1) Ouvertüre „Fingalshöhle\"\nvon Mendelssohn; 2) Agnus für Chor und Orchester\nvon Cherubini; 3) Concert für die Violine von Beethoven\n(mit Cadenzen von Auer); 4) „Bleib' bei uns!\" Cantate\nvon Bach (Chor und Choral); 5) a. Adagio für Violine\nvon J. S. Bach und b.Variationen für Violine über unga-\nrische Lieder von Ernst; 6) Sinfonie mit Fuge von\nMozart.\nIm fünften Concerte: 1) Requiem, Messe für die Ver-\nstorbenen von W. A. Mozart; 2) Sinfonie Nr. 7 (A-dur)\nvon L. van Beethoven.\nIm sechsten Concerte: 1) Ouvertüre Op. 124 von\nBeethoven; 2) „Inclina Domine\", für Chor mit Tenor-\nSolo und Orchester von Cherubini; 3) Concert für Violon-\ncello von Goltermann; 4) „Trost in Tönen\". Gedicht von\nHerder für Chor und Orchester von Brambach; 5) Arie\nfür Tenor aus „Davidde penitente\" von Mozart; 6) Phan-\ntasie für Violoncello von Piatti; 7) Sinfonie Nr. 4\nvon N. W. Gade.\nNeu waren für uns: „Psalm\" von Marcello, „Gebet\"\nvon Schubert, „Beim Abschied zu singen\" von Schumann,\nAgnus Dei von Cherubini (als Manuscript Eigenthum des\nHerrn Capellmeisters Hiller in Köln), Inclina Domine von\nCherubini und „Trost in Tönen\" von Brambach. Die\nComposition von Brambach hatte sich einer sehr ehren-\nvollen Aufnahme zu erfreuen. Den Anforderungen ent-\nsprechend, die man an ein Chorstück kleineren Umfanges\nstellen mag, schön erfunden, geschickt instrumentirt, in\nknapper Form, leicht ausführbar, ohne harmonische Ab-\nsonderlichkeiten oder Anklänge an Bekanntes, darf dasselbe\nüberall seines Erfolges sicher sein.\n\n*) Während es in Bonn ohne Aushülfe von aussen factisch un-\nmöglich ist, das kleinste Orchesterstück vollständig zu besetzen,\ngehen uns andere Städte, wie z. B. Essen, durch Gründung eines\nstädtischen Orchesters mit rühmlichem Beispiele voran."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650422-01.1.6", "texte": "Die Solo-Partieen sangen im ersten Concerte Fräulein\nSchreck wie immer, d. h. vortrefflich; im Judas Macca-\nbäus Fräulein Rempel aus Köln mit einer recht ange-\nnehmen, für unseren Saal ausreichenden Stimme; ferner\ndie Herren Wolters und Bergstein aus Köln. Die\nvorkommenden Soli im Requiem wurden von Fräulein\nRothenberger aus Köln, Herrn Göbbels aus Aachen\n(der auch im letzten Concerte mitwirkte) und geschätzten\nDilettanten vorgetragen.\nDie Instrumental-Soli in den verschiedenen Concerten\nwaren in den Händen der Herren Concertmeister Otto\nvon Königslöw aus Köln und L. Auer aus Düsseldorf\nfür Violine; des Herrn Wallenstein aus Frankfurt für\nPiano und des Herrn A. Schmit aus Köln für Violon-\ncello, welche alle durch seelenvolles, echt künstlerisches\nSpiel das ganze Auditorium zu lautem, begeistertem Bei-\nfalle hinrissen. i» ■ • • •\nNoch bleibt uns übrig, eines Concertes Erwähnung\nzu thun, welches der kölner Männer-Gesangverein\nund die bonner Concordi a unter Leitung des königlichen\nMusik-Direclors Herrn Franz Weber und unseres\nstädtischen Musik-Directors Herrn C. J. Brambach zum\nBesten der Herz-Jesu-Kirche am 8. December vorigen\nJahres im grossen Saale des »Goldenen Stern\" mit folgen-\ndem Programm veranstaltet haben: I. 1) Ouvertüre zur\n„Zauberllöte\" von Mozart. 2) Hymne an den heiligen Geist,\nSolo und Chor mit Harmonie-Begleitung von Franz Schu-\nbert. 3) Arie aus „Figaro's Hochzeit\" von Mozart, gesun-\ngen von Fräulein Rothenberger aus Köln. 4) Einzel-Vor-\nträge des kölner Männer-Gesangvereins: „Frühlings-\nglaube\", Gedicht von L. Uhland, Chor von Franz Lach-\nner; b. „Frühlingszeit\", Text aus den Liedern des Mirza-\nSchaffy, Chor von Karl Wilhelm; c. „In der Ferne\", Volks-\nlied, componirt von Fr. Silcher; d. „Morgenlied\", Gedicht\nvon Eichendorff, Quartett-Solo und Chor von Julius Rietz.\n3) „Festgesang an die Künstler\", Solo und Chor mit Or-\nchester-Begleitung von F.Mendelssohn. 11. 6) „Velleda\",\nGedicht von Gustav Pfarrius, Preis-Composition für Män-\nnerchor, Soli und Orchester von C. J. Brambach. (Die Soli\nvon Fräulein Rothenberger, Herrn Pütz und Herrn **\nvorgetragen.)\nDie Beteiligung des bonner Publicums an dem Con-\ncerte war eine sehr rege. Alle Nummern des schönen Pro-\ngramms fanden lebhaften Beifall, der bei den Einzel-Vor-\nträgen des kölner Männer-Gesangvereins so stürmisch\nwurde, dass der Verein nicht umhin konnte, dem anhal-\ntenden Da Capo-Ruienachzugeben' und dem Volksliede\n„In der Ferne\" von Silcher noch ein anderes desselben\nComponisten zuzufügen. Die von der aachener Liedertafel\nmit dem Preise gekrönte Composition „Velleda\" von\nBrambach, welcher bei Gelegenheit der Aufführung beim\nzweiten Gesangfeste des rheinischen Sängervereins in Aachen\neine eingehende Besprechung sowohl in der Kölnischen\nZeitung wie auch in der Niederrheinischen Musik-Zeitung\nzu Theil wurde, machte, wie seiner Zeit in Aachen, wie-\nderum auf die zahlreiche Zuhörerschaft und die Mitwir-\nkenden einen Eindruck, der sich nach allen Nummern, wo\nes thunlich, und besonders am Schlüsse des ganzen Wer-\nkes in den lebhaftesten Ovationen für den Componisten\nund den zum Concerte eingeladenen und von Köln her-\nübergekommenen Dichter Gustav Pfarrius kundgab.\nSchliessen wir unseren Bericht mit dem Wunsche und\ndem Erwarten, dass die Stadt Bonn, dass die Künstler\nund Kunstfreunde fortfahren mögen, die Liebe zur Musik\nzu hegen und zu pflegen, der Stadt selbst zur Ehre und\nallen Betheiligten, der Gesammt-Bürgerschaft und jedem\nGebildeten zur Freude.\n\nh.\n\nAus London.\nC. A.\n[Wachtel. Fräulein von Edelsberg. Mario.]\nDen 16. April 1865.\nDie beiden ersten Wochen der Saison im Coventgarden-Theater\nbrachten Gounod's „Faus't\", Verdi's „Trovatore\", Rossini's „Wilhelm\nTeil\" und Meyerbeer's „Prophet\". Herr Wachtel hat als Arnold\nim Teil den grossen Erfolg vom vorigen Jahre fortgesetzt; seine\nStimme bleibt immer ein wunderbares Instrument und seine Fort-\nschritte als Sänger sind sichtbar. Nach dem Teil kam der Prophet\nmit Fräul. Philippine von Edelsberg aus München als Fides,\nwelche Eolle zugleich das erste Auftreten dieser Sängerin in Eng-\nland war. Die junge Dame besitzt unstreitig lobenswerthe Eigen-\nschaften: ihre Stimme hat grossen Umfang und Egalität, sie hat\nauch dramatisches Gefühl, und man hört, dass sie ernste Studien\ngemacht hat. Indess schien die Aengstlichkeit am ersten Abende\nder vollständigen Entfaltung ihrer Mittel Eintrag zu tliun, und die\nAussprache des Italiänischen genirte sie auch wohl einiger Maassen.\nIm Ganzen aber kann sich Fräulein v. Edelsberg über ihr Debüt in\nLondon nicht beklagen, und wenn sie dem Werke Meyerbeer's auch\nkeinen neuen Glanz verliehen hat, so hat doch ihre Theilnahme an\nder Aufführung den Glanz desselben wenigstens nicht verdunkelt.\nDass aber Mario noch den Johann von Leyden gesungen hat,\n>»\nwird man in Deutschland kaum glauben. Es ist aber dennoch That-\nsache, die freilich nur in London möglich ist, wo man die Pietät\nund die Dankbarkeit für früher genossenes Vergnügen, wenn auch\nnicht in der Liebe überhaupt, doch in der Liebe zur Kunst bis zur\nYerläugnung alles Geschmacks und Urtheils über das Schöne treibt.\nUnd die Kritik rühmt, dass seine Stimme bis zum fünften Acte\nausgehalten und erst in diesem nicht mehr ausgereicht habe! Man\nhatte also, wie natürlich, erwartet, dass sie gar nicht ausreichen\nwürde, und freut sich der Ueberraschung."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650422-01.1.7", "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHol li, 18. April. An die Stelle des Herrn Capellmeisters\nBreunung als Lehrer am hiesigen Conservatorium wird Herr\n£ riedrich Gernsheim, seither Musik-Director in Saarbrücken,\ntreten. Herr Gernsheim, der als musicalisches Wunderkind begann,\nhat sich nachher in Frankfurt, Leipzig und Paris den ernstesten\nStudien hingegeben und sein ausgezeichnetes Talent sowohl in der\ndeutschen wie in der französischen Welt zur Anerkennung gebracht.\nVortrefflicher Pianist und tüchtiger Dirigent, hat er auch schon\nmehrere Werke publicirt, welche der bedeutendsten Gattung und\nRichtung der Instrumentalmusik angehören, und sein Clavier-Quar-\ntett Op. G hat neulich im leipziger Gewandhause, von ihm vorge-\ntragen, den ehrendsten Erfolg gehabt.\nKaum hat Frau Dustmann mit der Wiederholung der Rolle der\n„Donna Anna\", am Sonntag den 16. d. Mts. von Köln Abschied ge-\nnommen, nachdem sie das Wunder bewirkt, an dem ersten Oster-\ntage, wo die herrlichste Frühlingssonne die Menschen alle hinaus-\nlockte, ein Publicum anzuziehen, welches alle Plätze des Hauses\nfüllte, so hat uns Wien von seiner kaiserlichen Oper einen anderen\nRepräsentanten der Kunst hergesandt, Herrn Gustav Walter, der\nam 17. als Pamino durch den meisterhaften Vortrag der berühmten\nBildniss-Arie auf der Stelle ebenfalls die Gunst des Publicums er-\noberte, die sich in rauschenden Bravo's und hier ein sehr selte-\nner Fall! in lautem Dacapo-Rufe offenbarte.\nNach der gewöhnlichen, aber im Grunde irrigen Classensonde-\nrung der Sänger, besonders der Tenoristen, gehört Herr Walter zu\nden so genannten lyrischen Tenören. Sein schönes, weiches, in allen\nTonregionen wohllautendes Organ ist allerdings ganz vorzüglich\ngeeignet, die sanften Empfindungen des Herzens auszudrücken: die\nStimme ist in so hohem Grade sympathisch, wie man sie bei dem\nechten Tenorklange, den sie im Gegentheil zum Bariton-Tenor hat,\nselten findet, und die Verschmelzung der beiden Register der Brust-\nund Kopfstimme ist bei Herrn Walter, sei es Kunst oder Gabe der\nNatur, so vollkommen und ihre beiderseitige Gränze selbst durch\ngeübte Ohren so wenig zu bemerken, dass wir seit Roger nichts\nAehnliches gehört haben. Wenn wir nun aber mit dem Ausdrucke\n„dramatischer Gesang\" nicht, wie das gewöhnlich geschieht, nur\nden wahren Ausdruck des Leidenschaftlichen und Heroischen ver-\nstehen, so ist das eine mangelhafte Bezeichnung, denn der drama-\ntische Gesang ist der Ausdruck eines individuellen Seelenlebens\ndurch jene ideale Sprache, die wir Musik oder Gesang nennen. Zu\ndiesem Ausdrucke muss, wie bei der Sprache im Drama, der Verein\nvon Natur (Organ) und von Kunst mit allen Mitteln wirken, um\ndurch Färbung des Tones, Modulation des Klanges der Stimme,\nrichtige Verbindung und Trennung der Töne wie der Worte, durch\nwechselnde Betonung u. s. w. Äusserlich und sinnlich dem inneren\nLeben zu entsprechen; der .dramatische Gesang kennzeichnet sich\nalso dadurch, dass er nicht bloss Gesang an sich, wenn auch noch\nso schöner, ist, sondern gefärbt sein muss durch die Eigentümlich-\nkeit einer bestimmten Individualität, die er uns versinnlichen soll.\nMan sieht hieraus, dass der dramatische Gesang das ganze Ge-\nsanggebiet umfasst, ja, dass seine Aufgabe desto schwieriger wird,\nje weniger entschieden und in scharfen Umrissen gezeichnet der\nCharakter der Rolle ist. Der heroische, der leidenschaftliche Aus-\ndruck . sind, bei zureichenden Mitteln, viel eher ihres Eindrucks\nsicher. Sich aber in den lyrischen Stimmungen innerhalb der musi-\ncalischen Gränzen mit solcher Freiheit und Sicherheit zu bewegen,\ndass durch den schönen Gesang der Charakter der Rolle nicht ver-\nloren geht, sondern noch bestimmter hervortritt, das ist, wie jede\nvollendete Kunstleistung, nur Sache des Genies in Verbindung mit\nkunstgemässen Studien und theatralischer Erfahrung.\nWenn uns Herrn Walter's Gesang zu diesen- Bemerkungen\nveranlasst hat, so möge der treffliche Künstler, der Nachfolger des\ndahingeschiedenen Ander, darin einen Beweis sehen, wie sehr wir\ndie glanzende Aufnahme, die das Publicum ihm zu Theil werden\nliess, für gerechtfertigt halten: sie ist eben in der Wirkung des\noben geschilderten Ausdrucks, den Herr Walter in seiner Macht\nhat, begründet; beim grossen Publicum üben die Wahrheit des Aus-\ndrucks und der schüre Klang des Organs ihren Zauber, bei dem\nKenner steigert sich durch die gespannte Beobachtung der Mittel,\nwodurch jener Zauber erreicht wird, die Theilnahme und die be-\nwundernde Anerkennung. Unserer Meinung nach hat die Natur dem\nKünstler, den wir zum ersten Male liier in Köln willkommen lieis-\nsen und der seine Wahl zur Verherrlichung unseres Musikfestes an\nden Pfingsttagen so glänzend rechtfertigt, durch ihre reichen Gaben\ndie Aufgabe der Kunst in hohem Grade erleichtert.\nIlevr Ilugo Wehrlc hat in der philharmonischen Gesellschaft\ndas lolin-Concert von Mendelssohn mit grossem Beifalle gespielt.\n(Ueber dessen Soiree s. Nr. 15.)\nDüsseldorf. Als ein Curiosum, aus welchem Sie aber\nnicht auf den Kunst-Standpunkt unseres Publicums schliessen dür-\nfen, sondern auf alles Andere, was Sie sonst wollen, theile ich Ihnen\nden hiesigen Theaterzettel vom 19. März d. J. mit, welcher\nlautet:\n/\n„Fidelio. Grosse Oper in 2 Acten von Treitschke. Musik von\nL. van Beethoven. (Folgen die Personen, u. A. Frau liöske-\nLund als Gast: Leonore.) Vor dem 11. Acte: Ouvertüre Nr.\n111. zu Leonore.\n„Hierauf: Der Kurmärker und diePicarde. Genrebild\nmit Gesang und Taira in 1 Act von L. Schneider. Musik von\nH. Schmidt.\"\nAachen. Vor einigen Wochen führte die Liedertafel hier\nein neues Werk von Ferdinand Kufferath auf, die Cantate:\n„Der Schwur am Kyffhäuser\" (Gedicht von Dr. Berend), für Solo-\nstimmen, Männerchor und Orchester. Das Werk hatte einen ausser-\nordentlichen Erfolg, und namentlich zeigte die Behandlung von Chor\nund Orchester den gediegenen Musiker. Die Soli sind dem Sopran,\nTenor, Bariton und Bass zugetheilt und wurden befriedigend, das\nTenor-Solo (Herr Göbbels) vorzüglich gut gesungen. Herr Kuffe-\nrath wurde gerufen und mit stürmischem Applaus begrüsst.\nBerlin» Hier erscheint (bei Ferd. Schneider) binnen Kurzem r\n„Das Leben und die Werke Johann Sebastian Bach's.\" Von\nC. H. Bitter, Königlich Preussischem Geheimen Regierungsrathe.\nZwei Bände, jeder von 30 Bogen, mit einem Portraite Baeh's und\nsechs faesimilirten Noten-Beilagen. Preis 3 Thaler 20 bis\n4 Thaler.\n. • • . y -• ■ - f\n• * Torgail. Hier wurde am 3. April in der Aula des Gym-\nnasiums die „Antigone\" des Sophokles nach der deutschen\nUebersetzung von Donner mit den Chören von Mendelssohn\n(mit Oi ehester) durch die Primaner und Secundaner des Gymna-\nsiums aufgeführt.\nDer Gesangverein des Dr. Taubert gab am 20. März ein\nConceit in der Aula, in welchem „Mirjams Siegsgesanga von Fr.\nSchubeit und eine Messe für Soli, Chor und Orchester von Ant.\nAndr<s, Op. 43, aufgeführt wurde. Auch kamen AI, Stradella's\n„Kirchen-Arie * und Men delssohn1 s G-violl-Qouc&vt für Pianoforte\nund Orchester zum Vortrage.\nStuttgart* Am Charfreitage wurde in der Stiftskirche\nAbends 6 Uhr die Passionsmusik nach dem Evangelium Matthäi von\nJoh. Seb. Bach aufgeführt durch den Verein für classische Kirchen-\nmusik unter Verstärkung des Chors durch weitere Singkräfte, so wie\nmit Uebernahme der Soli durch Frau Jäger, Fräulein Mar-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18650422-01.1.8", "texte": "Schalk, die Herren Albert Jäger und Schütky, ferner der\nOrchester-Partie durch die königliche Hofcapelle und der Orgelbe-\ngleitung durch Herrn Ed. Tod.\nIn dem Prüfungs-Concerte der hiesigen Musikschule (am 5.\nApril) kamen unter Anderem zum Vortrage durch die Schüler und\nSchülerinnen: Concert für das Pianoforte (C-moll) von Mozart, er-\nster Satz. Polonaise für die Violine (E-dur) von Mayseder. Chorlied\n(„Waldrahe\"), componirt von Herrn Friedr. Fink aus Sulzbach\n16 Gesang-Zöglinge. Präludium und Fuge für das Pianoforte (A-moll)\nvon Sebastian Bach. Rondo capriccioso für das Pianoforte von Men-\ndelssohn. Variationen für das Violoncell von B. Romberg. Arie\n(„Addio\") von G. v. Jacquin. Concert für das Pianoforte (Nr. 1,\nC-dur) von Beethoven, erster Satz. Concert für die Violine (E-moll)\nvon Ch. de Concert für das Pianoforte (G-moll) von Mosche-\nles, erster Satz. Lied („Frühlingsmorgen\") für drei Frauenstimmen\nmit Begleitung von Ciavier, Violine und Violoncell, componirt von\nHerrn Albert Braun 9 Solo-Gesangschülerinnen. Duo concertant\nfür zwei Claviere (Variationen über den Zigeunermarsch aus ;,Pre-\nciosa\") von Mendelssohn und Moscheies. Präludium und Fuge für\ndas Pianoforte [E-moll) von Mendelssohn Herr Fink aus Sulz-\nbach. Marsch aus „Tannhäuser\" von Wagner, übertragen von Liszt.\n]fl Ii Helten« Bitte. Der Unterzeichnete, mit der Redaction\neiner neuen, völlig umgearbeiteten Auflage der G. J. Manz'sehen\nReal-Encyklopädie betraut, wünscht derselben auch möglichste\nVollständigkeit bezüglich der jetzt lebenden Componisten, Mu-\nsik-Schriftsteller und Tonkünstler (ersten Ranges) zugeben,\nund stellt desshalb an dieselben die Bitte, ihn mit Zusendung kur-\nzer Biographieen, nebst Verzeichniss der Werke u. s. w. beehren\nzu wollen. Da der Druck in diesen Tagen beginnt, wollen die\nHerren, deren Name in die ersten Buchstaben fällt, die freundliche\nZusendung möglichst beschleunigen. München, den 31. März 1865.\nL. Schönchen, k. Geh. Haus-Archivs-Secretär (Glücksstr. 10).\nliiibeelt, im März. Durch das Gastspiel des Fräuleins Barn\nvom grossherzoglichen Hoftheater zu Schwerin als „Valentine\" in\nden „Hugenotten\" hat die Direcdon des Theaters dem Publicum\neinen Kunstgenuss geboten, für welchen die erhöhten Eintrittspreise\ndurchaus in der Ordnung waren, wenngleich aus dem nicht beson-\nders starken Besuche sich folgern liesse, dass diese Ueberzeugung\nvor dem Gastspiele des Fräuleins Barn doch noch nicht hinlänglich\nWurzel geschlagen hatte. Fräulein Barn ist in der That als drama-\ntische Sängerin eine bedeutende Erscheinung. Wohlklang und Kraft\nder Stimme, treffliche Gesangsbildung, Verständniss beim Vortrage\nsowohl wie beim Spiel, bedeutende Bühnen-Gewandtheit, und alle\ndiese Vorzüge unterstützt durch eine anziehende Persönlichkeit: das\nsind Eigenschaften, die man nur selten in solchem Maasse vereinigt\nfindet, und das Publicum bewies durch seinen lebhaften Beifall auch\nunverkennbar, dass es den ihm gebotenen seltenen Genuss nach\nWerth zu schätzen wusste. Die übrigen in den Hauptrollen Mitwir-\nkenden unterstützten den Gast in anerkennenswerther Weise. Nament-\nlich war Herr Winter als Raoul an jenem Abende ganz besonders\ngut disponirt und leistete so Vorzügliches, dass wir behaupten dür-\nfen, es sei der vierte Act der Oper hier seit Roger's Gastspiel nie-\nmals in solcher Vollendung zum Vortrage gekommen.\nEin Gastspiel-Erträgniss. Dawison meldet öffentlich:\n„Mein Ausflug nach der österreichischen Kaiserstadt, woselbst ich\nim Theater an der Wien 37 Mal auftrat, war von glänzendem Er-\nfolge begleitet. Der Casse der Direction flössen durch mein Gastspiel\nnahe an 30,000, der meinigen 20,000 Gulden zu, von denen ich\n624 Gulden der Schiller-Stiftung zuwies, dagegen die Einnahme\nmeiner Abschieds-Vorstellung mit 2077 Gulden des unglücklichen\nGutzkow's Gattin einhändigen liess.\"\n* Florenz, 30. März. Am 14. März fand hier unter der Lei-\ntung von Madame Jessie Laussot das zweite diesjährige Concert\nder Soci6t6 musicale de Florence Statt. Der Verein, im Jahre 1861\ngegründet zur Belebung des Interesses für classische Musik, hat in\nder Erreichung seines Zweckes die erfreulichsten Fortschritte ge-\nmacht. Schon in der vorletzten Soiree, Anfangs Januar, war das\nPublicum mit grosser Theilnahme den einzelnen Nummern des man-\nnigfaltigen Programms gefolgt und hatte namentlich das Schumann1 -\nsche Quartett, den 95. Psalm von Mendelssohn, Chöre und Soli aus\nder „Vestalin\" und dem „Orpheus\" mit grossem Beifalle aufgenom-\nmen; ganz besonderes Interesse hatte aber die trefflich ausgeführte\n„Flucht nach Aegypten\" von Berlioz hervorgerufen. Das diesma-\nlige Concert, noch reicher in der Auswahl der Stücke, brachte unter\nAnderem Chöre und Soli aus „Euryanthe\", eine Motette von Cheru-\nbini, das Ave verum von Mozart, Liszt's „Seligkeiten\" und mehrere\nSoli von Mozart aus „Don Juan\" und der „Zauberflöte\". Die Aus-\nführung war trotz mancher grosser Schwierigkeiten durchaus eine\ngelungene, oft eine vollendete zu nennen und gereichte der treff-\nlichen Leitung der Dirigentin, so wie dem Eifer der Mitglieder zur\nhöchsten Ehre. Einen besonderen Glanz verlieh dem Abende die\nMitwirkung eines Schülers von Liszt, des Herrn G. Sgambati aus\nRom, der mehrere Compositionen seines Meisters und Etüden von\nChopin mit Vollendung vortrug und das Publicum zum höchsten\nEnthusiasmus hinriss. Letzteres, das diesmal fast zur grössten Hälfte\naus Italiänern bestand, hatte den geräumigen Saal der Filarmonica\nvollständig gefüllt und begleitete die Aufführung mit lautloser, bis\nzum Schlüsse gesteigerter Aufmerksamkeit; jeder Nummer folgte\nalsdann rauschender Beifall und von mehreren wurde die Wieder-\nholung verlangt.\nParis. Joachim hat am ersten Ostertage (16. April) im\nConservatoire-Concerte das Violin-Concert von Beethoven und\ndie Chaconne von J. S. Bach gespielt.\nDie erste Aufführung der „Africanerin\" wird an einem der letz-\nten Tage des April Statt finden.\nEine Zeitung von Lissabon bringt folgende Statistik der\nEhrenbezeigungen für Signora Volpini als Lady Harriett in Flo-\ntow's „Martha\". Die Sängerin erhielt an diesem Einen Abende 190\nBlumensträusse und 11 Kränze; siebenzehn Mal wurde sie gerufen,\nHundeite von .Tauben liess man ihr zu Ehren im Theater fliegen\nund die Gedichte regneten herab!!! Madame Borghi-Mamo\nerhielt mit dem Patente als Kammersängerin des Königs von Por-\ntugal ein Halsband von Diamanten."}]}